Montag, 21. November 2011

▶ Eure Fragen, Anregungen, Kritik

Hier könnt ihr mir eure Fragen stellen zu einzelnen Aktien und Verbesserungswünsche loswerden. Und natürlich Kritik...

Stellt bitte hier alle Fragen zu Aktienwerten, die nicht direkt mit einem Thema in einem Artikel zu tun haben. Also auch zu (noch) nicht hier im Blog besprochenen Aktien oder zu allgemeinen Themen rund um die Themen Geld, Aktien und Börse.

Ich freue mich darauf, mit euch ins Gespräch zu kommen, denn dieses Blog lebt nicht nur durch meine Beiträge und Meinungen, sondern vor allem auch durch euren Input. Also, legt einfach los...

Kommentare:

  1. Marco Börnsen10.03.17, 23:17

    Hallo Michael,
    ich bin mir nicht sicher, ob ich hier jetzt richtig gelandet bin, aber ich versuche es einfach mal an dieser Stelle. Du hast Dich früher ziemlich verhalten geäußert zum den Aussichten im Immobiliensektor, dann aber eine zeitlang auch Immobilienwerte hier in Deinem Blog vorgestellt. Wenn ich mich recht entsinne, hat es mit WCM angefangen. Inzwischen liest man immer häufiger von einer Blase am Immobilienmarkt und dass steigende Zinsen für die Immobilienwerte Gift seien. Siehst Du hier einen größeren Korrekturbedarf und wenn ja ab wann rechnest Du damit? Welche Auswirkungen wird das auf die Kurse haben und sollte man vielleicht schon jetzt lieber die Reißleine ziehen und die Gewinne realisieren?

    Danke für die ganze Mühe, die Du hier mit Deinem Blog gibst und für die viele Zeit, die Du hier investierst. Du hast meine größten Respekt dafür, vor allem, weil Du uns Dein Wissen und Deine Ideen auch noch kostenlos zur Verfügung stellst. Danke!

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    1. Ich denke, dass es im Immobiliensektor durchaus Übertreibungen gibt, allerdings nicht flächendeckend. Während es in den Ballungszentren wie Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Stuttgart schon unbezahlbare Preise und Mieten gibt, sind Eigenheime und Mietobjekte in ländlicheren Regionen kaum oder nur mit erheblichem Wertverlust zu verkaufen. Es gibt in Deutschland nicht zu wenig Wohnraum und auch nicht zu wenig bezahlbare Wohnungen - sie liegen nur nicht unbedingt dort, wo alle hinziehen und wohnen wollen. So gesehen könnten Bestandshalter von B- und C-Lagen künftig Probleme bekommen, weil sie immer häufiger und länger mit Leerstand zu kämpfen haben werden. Und sollten irgendwann die Zinsen wieder anfangen zu steigen, kann sich die zu großen Problemen auswachsen: sinkende Mieteinnahmen und steigende Zinslasten.

      Und da sind wir schon bei den Zinsen. Anders als in den USA; wo wir uns auf mehrere Zinsanhebungen in diesem Jahr einstellen müssen, wird es in der Eurozone in absehbarer Zeit noch keine Zinsanhebungen geben. Zwar phrasisieren einige Gazetten von steigender Inflationsrate, aber die Kernrate (ohne Energie) dümpelt weiter vor sich hin. Und der Teurungseffekt durch die gestiegenen Energiepreise wirkt nur in diesem Jahr und auch nur in den ersten und den letzten Monaten des Jahres, denn nur in diesen Monaten waren die Energiepreise im letzten Jahr deutlich niedriger. Der Teurungseffekt verpufft also bereits in wenigen Wochen und damit der Grund für die EZB, die Zinsen in der Eurozone anzuheben. Denn eigentlich liegt die Konjunktur noch am Boden und auch die Regierungen sind froh, wenn sie sich weiterhin so günstig verschulden können.

      In den nächsten ein, zwei Jahren dürften die Zinsen in Euroland weiter niedrig bleiben. Das bedeutet weitere Probleme für die Banken und die Versicherungen, positive Effekte für die Immobilienwirtschaft und die Unternehmen, die sich günstig ver- oder umschulden können, und natürlich für die Asset-Manager, denen Anleger auf der Suche nach auskömmlichen Renditen immer mehr Geld anvertrauen.

      Auf Sicht der nächsten 12 bis 24 Monate sollten also Aktien von u.a. Immobilienwerten, Asset-Managern, Beteiligungsunternehmen und Finanzinvestoren gute Bedingungen vorfinden. Und die aussichtsreichsten von ihnen finden sich auf meiner Empfehlungsliste.

      Also, Marco, Du bist hier mit Deiner Frage genau richtig gelandet, genau dafür ist dieser Strang gedacht. Und vielen Dank für die netten, lobenden Worte. Da habe ich mich sehr drüber gefreut.

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  2. Hallo Michael,

    Eine kurze Frage an dich.Ich gehe aufgrund deiner Empfehlungsliste davon aus, dass du einigermaßen diversifiziert bist, sprich 30-50 Positionen hälst? (Korrigiere mich wenn ich falsch liege). Buffet hat einmal gesagt er hält es für unnötig mehr als 6 Aktien gleichzeitig zu halten, sofern man sich mit diesen 6 Unternehmen ausgezeichnet auskennt.Zu meiner Frage: Glaubst du deine Performance wäre besser oder schlechter wenn du durchweg ein sehr konzentriertes Portoflio halten würdest. Sprich nur in deine jeweils 6 besten Ideen (besten Ideen zum Zeitpunkt des Investierens) investieren würdest und beim Entecken eines neuen und viel versprechenden Investments die schlechteste dieser 6 Aktien für die Neue rausschmeißen würdest? Freue mich auf deine Antwort.

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    1. Ich habe nicht alle Werte von der Empfehlungsliste in meinem Depot. Mein Depot sieht ein bisschen aus wie bei Buffett: ich habe vier deutlich übergewichtete Ankerinvestments so um und bei 10% Depotanteil (Aurelius, Blue Cap, Deutsche Rohstoff AG, MBB), dann einige mittelgroße Positionen um die 7% und eine ganze Reihe von kleineren Positionen. Insbesondere Turnaroundspekulationen sind zumeist kleine Positionen.

      Bei den kleineren Positionen wechsle ich auch schon mal aus, je nachdem wie ich die kurzfristigen Erwartungen einschätze. Und bei meinen Ankerinvestments trade ich bisweilen kleinere Anteile (bis zu 10% der jeweiligen Position), wenn der Wert eine volatile Phase hat. Eine zeitlang war das besonders Aurelius, nun eher DRAG und vor allem MBB. Gerade bei MBB nutze ich seit Wochen die Schwankungen zwischen €90 und €85 aus und handele 10% meines Bestands.

      Ich muss dazu sagen, dass ich meine Aktien alle in einer GmbH halte und somit die Kursgewinne ganz anders besteuert werden (niedriger) als bei Priavtanlegern. Und ich habe ein Depotmodell, bei dem ich übers Jahr verteilt 1,25% Depotgebühren zahlen, dafür aber keine Transaktionskosten; lediglich Börsenspesen (also bei den Regionalbörsen). Insofern sollte man hieraus keine nachzuahmende Handlungsweise ableiten.

      Und, bevor die Frage (wieder) kommt: ich empfehle nicht, für seine Aktienanlagen eine GmbH zu gründen. Bei mir gab/gibt es eine bestimmte Konstellation, weshalb ich diesen Weg für mich als den zielführendsten erkannt und gewählt habe. Ist keine Blaupause für andere.

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  3. Hallo Michael,

    wann ist für dich der Zeitpunkt für Gewinn-Mitnahmen reif? Würdest du Aktien mit Gewinn verkaufen, falls es zu einem starken Kurseinbruch kommt, ohne dass sich der Unternehmenswert groß geändert hat?

    Wie erklärst das Phänomen, dass nach Präsentation von starken Zahlen, es bei manchen Unternehmen trotzdem zum Kurssturz und Gewinnmitnahmen kommt?

    Danke!

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    1. Gewinnmitnahmen geht ja in Richtung Markt-Timing. Der Grundgedanke ist, die Kurse sind seit dem eigenen Kauf gestiegen und man will diese Buchgewinne nicht wieder verlieren. Der entscheidende Fehler bei diesem Denken ist, dass Deine Gewinne niemanden interessieren, außer Dich und das Finanzamt Deines Vertrauens. Niemand sonst kennt Deinen Einstandskurs und für die Börse und alle anderen hat er keine Relevanz. Er ist schlichtweg egal! André Kostolany sagte einmal, man müsse seine Aktien nach dem Tagespreis bewerten, nicht nach dem eigenen Einstandspreis. Und das ist richtig. Wenn Du ein gutes Unternehmen in Deinem Depot hast, das in den nächsten Jahren fast sicher seine Gewinne steigern wird, dann wird dies fast sicher auch der Aktienkurs tun. Selbst wenn er zwischenzeitlich einmal einbricht. Es wäre also nicht schlau zu versuchen, diese Phase des Kurseinbruchs zu timen. Würdest Du mit Deiner selbstgenutzten Eigentumswohnung ja auch nicht machen, oder? Sie verkaufen, weil Du befürchtest, der Preis könnte demnächst fallen. Und dann hoffst Du, dass Du sie in ein paar Monaten oder Jahren billiger zurückkaufen kannst. Bei guten Aktien ist es genau das selbe. Nur, dass man diese per Knopfdruck und ohne viel Aufwand über die Börse handeln kann, anders als Immobilien. Aber deshalb gelten dabei keine anderen Grundprinzipien.

      Was Kursrückgänge nach guten Zahlen angeht, so liegt es wohl daran, dass einige Leute auf gute zahlen spekulieren und der Kurs daher im Vorfeld steigt. Werden die Zahlen dann veröffentlicht, nehmen sie ihre Gewinne mit. "Buy the rumor, sell the fact" heißt das Sprichwort dazu. Für Value Investoren bieten sich durch den Rückgang dann eher Kaufgelegenheiten, weil wir ja auf die langfristige Entwicklung der Unternehmen setzen, nicht auf die kurzen Kurszuckungen. Schau Dir mal die Charts an von Apple oder Amazon oder Alphabet. Alle paar Monate kommen Quartalszahlen - wie oft wird man da wohl richtig gelegen haben, wenn man versucht hat, diese immer korrekt zu timen? Und wäre es nicht schlauer gewesen, die Aktien einfach nur im Depot liegen zu lassen? Solange die Entwicklung weiterhin stimmt und es im Unternehmen und/oder dessen Markt nicht zu schwerwiegenden Problemen kommt, gibt es eigentlich keinen Grund, sich von den Aktien zu trennen. Egal, ob 5% oder 500% in Deinem Depotauszug als Performance dahinter steht. Der Wert der Aktie ist der heutige Wert. Und wenn dieser nicht massiv unterhalb der heutigen Aktienkurses liegt, sollte man sich nicht am Timing versuchen...

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  4. Hallo Michael,

    ich habe einige grundsätzliche Fragen zum Value Investing. Die Strategie des Value Investings besagt, dass man Aktien mit niedrigem KGV kaufen soll. Wenn ich mir Aktien wie Evotec, NVIDIA, Aumann oder auch Hypoport anschaue, wäre die Empfehlung eines Value Investors die Aktien zu diesem Zeitpunkt nicht mehr einzukaufen, da die KGVs über 35, sogar über 40 liegen. Betrachtet man aber diese Aktien aus heutiger Sicht ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kurse weiter steigen, hoch. Die Evotec Aktien zum Beispiel legte innerhalb eines Monats von 17-18 Euro auf 20 Euro, Tendenz steigend, Analystenempfehlung "kaufen". Auch riesige Zukunftsgewinne können so ein KGV nicht rechtfertigen. Also aus meiner Sicht Spekulation pur und extrem überteuert. Als Aktionär kann man aber trotzdem riesige Gewinne mit diesen Aktien einfahren.
    Woran liegt diese Irrationalität auf dem Markt? Welche Risiken siehst Du zum Beispiel beim Kauf einer Hypoport Aktie zum heutigen Kurs und würdest Du die Aktie heute kaufen? Was erwartest Du z.B. im Falle eines Börsencrashes, wie würde sich der Kurs von Hypoport entwickeln und wie von Apple oder Gilead Sciences?

    Danke für Deine Antwort und viele Grüße
    Thomas

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    1. Value Investing bedeutet nicht, Aktien mit niedrigem KGV zu kaufen. Das ist zu kurz gesprungen. Value Investing betreibt, wer Aktien kauft, die weniger kosten als sie wert sind. Entweder heute (Ansatz nach Benjamin Graham) oder in der Zukunft (Philip Fisher). Buffett hat sich von Graham zu Fisher hin entwickelt. Man schaut also auf die Gewinne, die ein Unternehmen in der Zukunft erwirtschaften wird, und zinst diese nach heute hin ab. So erhält man einen auf heute bezogenen Zukunftswert, den man mit dem aktuellen Preis (Aktienkurs) vergleicht. Soviel zur Theorie der Discounted-Cash-Flows...

      Ein wenig simpler ist das Verwenden des PEG, des Kurs-Gewinn-Wachstums-Verhältnisses. Man nimmt also nicht nur das aktuelle KGV, sondern man nimmt den Durchschnitt über einen Zeitraum, also 5 oder 10 Jahre. Wie sind in diesem Zeitraum die Gewinne gewachsen? Und die das KGV? Wenn die Gewinne jährlich um 30% wachsen, ist ein KGV von 25 nicht teuer. Legen die Gewinne nur um 3% pro Jahr zu, dann schon.

      Hypoport wächst sehr schnell und profitabel. Man hat sehr viel Geld in die neue Versicherungsplattform Insurtech gesteckt und wenn diese auch nur halb so gut angenommen wird, wie erwartet (und wie es bei der Kreditplattform der Fall war), dann werden die Gewinne explodieren. Der Markt billigt deshalb aktuell ein höheres KGV zu. Und aus meiner Sicht zurecht. Ebsno bei Vectron. Sollte die Coke-Kooperation (GetHappy-App) einschlagen, wird der Gewinn von Vectron explodieren. Dann sind 25 Euro glatt geschenkt. Wird das ein Rohrkrepierer, dann wäre Vectron eher bei 15 Euro angemessen bewertet mit seinem Stammgeschäft.

      Im Falle eines Börsencrashs erwarte ich, dass alle Aktien stark fallen. Denn ein Crash passiert ja aus Irrationalität heraus, wenn Panik herrscht. Ich habe ja schon einige mitgemacht und weiß daher, wie besch... sich so etwas anfühlt und wie schwierig es ist, einen kühlen Kopf zu bewahren. Nur wenige (wie Warren Buffett) schaffen das und kalkulieren; die meisten schmeißen einfach nur ihre Aktien auf den Markt, egal welche, alle. Und Apple? Die werden fallen wie ein Stein. Die sind in jedem Depot, in jedem Fonds und wenn Anleger ihre Gelder abziehen, werden vor allem die großen, liquiden Werte verkauft. Weil die am wenigsten darunter leiden. Da dies dann aber alle gleichzeitig tun, stürzen die ab wie Supermann auf Kryptonit.

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    2. Danke für Deine kompetente Antwort Michael! Wie würdest Du kalkulieren und reagieren, wenn es ein Börsencrash gibt? Ich halte 30% Cash für den Fall, es kann ja jeden Tag passieren.

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    3. Da man einen Crash nicht vorhersehen kann, ist ein zu hohes Cashpolster auch keine Lösung, da es ja bei den Magerzinsen kein Geld verdient in der Zeit, während man auf den Crash wartet. Ich habe daher selten eine Cashquote über 15%. Eigentlich nur, wenn ich Verkäufe tätige und mal keine neuen guten Investmentideen habe. Und dann ist es auch so, dass ein Crash selten von allen Branchen ausgelöst wird, sondern dass der Auslöser meistens ein Bereich ist. Hier kann man dann gezielt reduzieren, da der Abschwung vermutlich länger andauert und stärker ausfällt, während die übrigen Sektoren sich nach kurzer Panik meistens schnell wieder erholen (im großen Crash 200 bis 2003 hat das weniger gut funktioniert, der war ungewöhnlich lange und hat fast alle Branchen erwischt). Mit dem sowieso bestehenden Cashpolster hat man dann genug trockenes Pulver, um sich die Rosinen herauszupicken.

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  5. Hallo Herr Kissig,
    ich habe eine Frage zu MPH Health Care. Die Aktie hat sich in den letzten Monaten gut entwickelt. Ich habe mir auch den Jahresabschluss 2017 angesehen. Die Gesellschaft hat drei börsennotierte Töchter, deren Aktien sich in 2017 gut entwickelt haben. Das hat zu Gewinnen der MPH in 2017 geführt. So weit so gut.
    Dann gibt es noch die nicht börsennotierte Magnum AG, die 60% an der MPH AG hält. Nun hat die MPH in 2017 ihren Kurs nicht steigern können. Trotzdem hat die Magnum AG in 2017 einen großen Gewinn gemacht. Ich habe das nicht verstanden.
    Gibt es da etwas, was man noch wissen sollte oder mache ich einen Denkfehler.
    Und es würde mich natürlich interessieren, ob Sie die MPH oder eine ihre Töchter für eine gute langfristige Geldanlage halten.

    Vielen Dank und schöne Grüße

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    1. Ich meide Unternehmen aus dem Dunstkreis der Magnum. Haemato war mal die Windsor AG und ein Immobilienunternehmen - mit einer Tochter namens MPH, das im Pharmabereich tätig war und hohe Dividenden liefern sollte. Und zwei weiteren Pharmatöchtern, Pharmigon und Simgen (eine wurde später in Haemato umbenannt, glaube ich). Dann wurde - nach heftigen Misserfolgen bei der Windsor - schlagartig das Immobilienbusiness verkauft und die Windsor übernahm das Pharmageschäft der Haemato und der anderen Pharmatöchter. Das Immobilienunternehmen wurde mal eben so zum Pharmaunternehmen! Und der Immobilienbereich ausgegliedert und verscherbelt. Am Ende dieses ganzen Kuddelmuddels war auf einmal die MPH war die Mutter der Haemato/Windsor.

      Die Aktionäre waren dem Hin- und Her schutzlos ausgeliefert und den besten Schnitt zu jedem Zeitpunkt hat immer die Magnum gemacht. Weiß nicht, ob ich die inzwischen Jahre zurückliegenden Vorgänge korrekt zusammengefasst habe, aber für mich ist seit jener Zeit klar, dass ich mit diesen Leuten (Magnum) keine Geschäfte mehr machen möchte. Als Aktionär bin ich denen nicht wichtig, die agieren ausschließlich aus Eigennutz.

      P.S.: Die Windsor AG war das erste Unternehmen, das ich hier im Blog besprochen habe (Dezember 2011). Ich habe also meine persönlichen Erfahrungen mit der Magnum gemacht, auch als herumgeschubster Aktionär ihrer Beteiligungen.

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  6. Thomas Danner25.08.18, 17:06

    Hallo Herr Kissig,

    ich habe mehrere Fragen und würde gerne mit Ihnen darüber ins Gespräch kommen.
    1. Wie stellt sich Ihr beruflicher Werdegang dar? Genauer, wie landet man bei einer GmbH mit ausreichend Verlustvortrag und denkt sich: "ich weiß, was ich tue, kenne mich mit den Finanzmärkten aus, also lasse ich mir von der Gesellschaft ein kleines Gehalt auszahlen und versuche darüber hinaus, mit Aktien Geld zu verdienen? So etwas entscheidet man schließlich nicht einfach mal so.. Ich frage rein aus persönlicher Neugier, da ich kurz vor dem Abschluss eines Bachelors stehe und mich für diese "Geschäftsidee" interessiere.. Es ist mein großer Traum, Ihren Weg zu gehen. Mit meiner eigenen Firma und mich mit Bilanzen, Geschäftsmodellen und Bewertungen zu befassen. Nicht primär um so reich wie Buffett zu werden, sondern, weil ich das ganze System, einen Teil von großartigen Unternehmen zu besitzen und damit Geld zu verdienen, toll finde.
    Mir fehlt allerdings eine genaue Vorstellung davon, wie sich das verwirklichen lässt. Fehler, die Sie mit einer Zeitreise vermeiden würden, ungenutzte Chancen oder eventuell ein Ratschlag wären mir viel wert.
    2. Wie ermitteln Sie den inneren Wert einer Aktie? Die bekannteste Methode ist die des discounted cash flows (DCF). Hier stelle ich mir jedoch die Frage, auf welcher Basis man die Cash Flows der Zukunft schätzen will. Zudem ändern sich die Zinssätze und auf wie viele Jahre zinsen Sie die Beträge ab? All das erscheint mir sehr vage. Da es aber das Herzstück des Value Investing bildet, komme ich nicht umhin, das verstehen zu wollen.
    3. Was genau ist Ihrer Meinung nach der Beweggrund Warren Buffetts, in Apple zu investieren. Ja, es ist das mit Abstand profitabelste Unternehmen der Welt. Nichtsdestotrotz ist es kein "typisches Buffettinvestment". Die Aktie war bei seinem Einstieg mit ca 160 USD keinesfalls unterbewertet. Es war aus meiner Sicht mehr eine Growth, denn eine Value-Aktie. Könnte es die erhoffte Wirkung der Steuerreform sein? Ist es aus Ihrer Sicht für einen Einstieg zu spät, jetzt bei ca. 210 USD noch einzusteigen; quasi in der Hoffnung auf gigantische Sonderdividenden und Aktienrückkäufe angesichts der Berge an geparktem Geld im Ausland?


    Schönes Wochenende weiterhin und viele Grüße

    Danner

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    1. Thomas Danner25.08.18, 17:11

      Eine Sache hätte ich fast vergessen:
      Wenn ich in meinem Onlinedepot eine Aktie kaufen möchte, fragt mich die Seite, bei welchem Börsenplatz ich die Aktie kaufen möchte.. Ich verstehe nicht, wie es sein kann, dass ein- und dasselbe Unternehmen an verschiedenen Börsen verschiedene Kurse haben können? Es ist doch derselbe Anteil desselben Unternehmens und müsste folglich an allen Kursen gleich viel wert sein?
      Muss ich bei Investments in zB Dollar-Aktien den Wechselkurs beachten?

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    2. Moin Thomas,
      bei Dir klingt das fast so, als hätte ich in jungen Jahren einen Plan gefasst, mit Mitte 40 eine eigene Firma zu haben und mich mit der Anlage meines eigenen Vermögens in Aktien zu beschäftigen. Dieser Weg war nicht vorgezeichnet und stellt sich so auch nur aus der Rückschau als zielgerichtet dar. So, wie sich meine Lebenskonstellation momentan ergibt, ist sie das Ergebnis der Entwicklung, aber nicht Ergebnis einer konkreten Planung. Es hat sich halt so ergeben. Nach der Schule habe ich eine Banklehre gemacht (gezielt, weil ich mich für das Bankwesen interessiert habe und weil ich der Meinung war, dass diese Ausbildung eine gute Grundlage für jede Art der beruflichen Beschäftigung im kaufmännischen Spektrum wäre). Im Anschluss habe ich mein Volks- und Rechtswissenschaftsstudium aufgenommen, weil mich diese Themen interessierten und andererseits weil ich mir meine Zeit frei einteilen konnte. Ich habe mich parallel mit zwei Freunden selbständig gemacht - im Immobilienbereich und zwar mit einer GmbH. "Der" GmbH. Das lief anfangs ganz gut, dann stieg der eine Partner aus persönlichen Gründen aus und wir beiden verbliebene haben die Firma weitergeführt. Allerdings hatten wir beide parallel auch anderweitige berufliche Aktivitäten, so dass das Immobiliengeschäft von uns beiden eher stiefmütterlich betrieben wurde. Kann sich heute kaum jemand vorstellen, aber der Immobilienmarkt lief nicht immer so wie heute, sondern es war eine lange Zeit eher schwierig. Dann kam die Immobilienkrise und das hat für heftig rote Zahlen gesorgt. Und irgendwann haben wir uns überlegt, dass wir beruflich getrennte Wege gehen wollen - mein Ex-Partner hat das operative Immobiliengeschäft übernommen, die GmbH aber blieb über. Die hätten wir abgewickelt - da kam mir die Idee, dass ich die vielleicht selbst nutzen könnte. Die Gelegenheit war da, aber keine Planung eine solche zu schaffen. Daher kann ich auch nicht beurteilen, ob dies bzw. ein ähnlicher Weg für jemand anderen eine Perspektive darstellen könnte. Oder sollte.

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    3. Zu den Discounted Cashflows habe ich ein zwiegespaltenes Verhältnis. Ich kenne auch keine andere/bessere Methode als das DCF-Modell, um den Wert einer Firma zu bestimmen. Also die erwarteten Gewinnen der Zukunft in die Gegenwart abzuzinsen und das Ergebnis dann mit dem heutigen Preis/Kurs abzugleichen. Aber... da man eine Reihe von Annahmen treffen muss und zwar für einen längeren Zeitraum in der Zukunft, ist das Ergebnis maßgeblich davon abhängig, welche Annahmen man trifft und wie gut/realistisch diese sind. Das macht das Ergebnis (beinahe) beliebig.

      Buffett meinte mal, auch wenn zwei Leute die selben Annahmen träfen und in das gleiche DCF-Modell eingäben, würden sie am Ende unterschiedliche Ergebnisse bekommen. Und Charlie Munger frozzelte mal über Buffett, er würde ihn ständig über Discounted Cashflows reden hören, hätte ihn aber nie einen berechnen sehen.

      Die Ergebnisse beim DCF hängen ausschließlich von den zugrundeliegenden Annahmen ab und auch kleine Abweichungen machen hier große Unterschiede. Mein Hauptkritikpunkt am DCF ist aber nicht dies, sondern dass das Modell am Ende eine Zahl ausspuckt. Und diese Zahl suggeriert, dass es mit mathematischer Genauigkeit (und Unfehlbarkeit) einen absoluten "wahren" Wert gibt. Und das ist Quatsch. Jedenfalls dass die DCF-Methode diesen ermitteln könnte. Eben weil sie aufgrund der Annahmen so beliebig ist.

      "Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen", sagte Mark Twain. Genau so ist es und das betrifft auch die DCF-Methode und sogar in erhöhtem Maße. Weil sie auf 10 oder mehr künftige Jahre abzielt, man aber heute Annahmen treffen muss mit denen man das Modell füttert. Ich stelle daher keine solchen konkreten Berechnungen an. Ich mache diese Rechnungen überschlägig um ein Gespür dafür zu bekommen, wie sich der Wert des Unternehmens in die Zukunft entwickeln wird. Und seine Gewinne. Das ist natürlich ungenau, aber objektiv ungenau im Gegensatz zur DCF-Methode, sie ihre Genauigkeit bei der Wertermittlung nur vorgaukelt.

      Wie sklavisch man sich an diese Berechnungsmethode hält, muss jeder für sich selbst herausfinden. Sehr vereinfachend hat Buffett es einmal so dargelegt: "Fügen Sie ein Portfolio von Unternehmen zusammen, deren summierte Gewinne über die Jahre steigen und der Marktwert Ihres Portfolios wird dies ebenfalls tun". Folgt man dem Ansatz, muss man "nur" noch im Blick behalten, ob die Entwicklung sich anhand der Geschäftszahlen auch wie erwartet einstellt, oder ob es schlechter läuft. Dann muss man ggf. eine Neubewertung vornehmen oder die Reißleine ziehen.

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    4. Zu Apple kann ich nur so viel sagen, als dass Buffett sie nicht als Tech-Unternehmen ansieht, sondern als Konsumwert. Apple hat ein eigenes Ökosystem geschaffen, in das man schnell reinkommt, aber kaum wieder raus. Das gefällt Buffett, das versteht er als den Burggraben von Apple und wegen dieser extrem hohen Kundenbindung kauft er Apple. Während ich Apple sehr kritisch sehe wegen der extrem hohen Abhängigkeit vom Iphone. Wenn das Iphone floppt, stehen dreiviertel von Apples gewinnen im Feuer. Dieses Klumpenrisiko ist mir viel zu groß. Daher keine Apple-Aktien (mehr) für mich...

      Und zu den unterschiedlichen Kursen an unterschiedlichen Börsenplätzen: das war früher der Normalfall, damit konnte man Arbitragegewinne einfahren. Kurse sind das Resultat von Angebot und Nachfrage. Bei marktengen Werten sieht man das auch heute noch: ein Provitanleger will in Stuttgart zu 18 Euro verkaufen und seine Order ist so ziemlich die einzige. In Frankfurt will jemand anderes verkaufen und hat dort 17,50 Euro vorgegeben als Limit. Schon hat man den Preisunterschied. Bei größeren Werten tritt sowas kaum mehr auf, weil zu viele Marktteilnehmer die unterschiedlichen Preise im Blick haben und diese auszunutzen versuchen. Und dank des automatisierten Computerhandels erfolgt dies heute in Sekundenbruchteilen. Allerdings eben nicht immer, vor allem bei kleinen Nebenwerten und Nebenbörsen, wie Düsseldorf oder Hamburg. Hier sind die KIs nicht aktiv und daher finden sich manchmal starke Preisunterschiede.

      Wenn Du US-Werte kaufst, hast Du immer ein Wechselkursrisiko, weil Du ja im Euro-Raum lebst. Entweder Du kaufst an einer US-Börse in Dollar. Dann trifft Dich der Wechselkurs nur/erst, wenn Du verkaufst und das Geld wieder auf ein deutsches Konto (in Euro) transferierst. oder Du kauft an einer deutschen Börse in Euro und hast ständig den Wechselkurs "an Bord", weil der maßgebliche US-Kurs in Dollar gestellt wird und ständig in Euro umgerechnet wird, um hier den gleichen Wechselkurs bereinigten Eurokurs anzuzeigen.

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    5. Thomas Danner01.09.18, 18:07

      So eine ausführliche Antwort habe ich erhofft, aber nicht erwartet. Vielen Dank dafür. Ich werde versuchen, Sie so gut ich kann mit Spenden jeden Monat zu unterstützen, damit Ihr tolles Projekt weiterhin Gehör findet.

      Eine Frage noch: wie kann ich mir das vorstellen, wenn Sie sagen, "Ich habe mich parallel mit zwei Freunden selbständig gemacht - im Immobilienbereich und zwar mit einer GmbH". Haben Sie eine GmbH gegründet, mit dieser Immobilien gekauft und quasi versucht, mit den Mietzinsen Gewinne zu erwirtschaften?

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    6. Unsere GmbH war im Bereich Hausverwaltung, Vermietung und Vermittlung von Grundstücken, Wohnungen etc. tätig. Einen eigenen Wohnungsbestand hatte sie nicht - wohl aber wir selbst, mit wechselnden Beteiligungen an den einzelnen Objekten und auch teilweise mit weiteren Partnern an Bord (nicht jeder war an jedem Immobilienprojekt beteiligt). Ein Großteil der Immobilien befand sich in Ostdeutschland und wurde aus Insolvenzverfahren heraus erworben und anschließend saniert. Das wurde dank des wirtschaftlichen Abschwungs im Osten immer schwieriger und 2008/09 dann extrem unerfreulich. Hat nicht jeden von uns gleich stark getroffen, denn jeder hatte ja auch seine weiteren Einnahmequellen. Bei mir waren es vor allem Immobilien und Aktien. 2008/09 keine Traumkombination - da konnte das eine das andere nicht gerade stützen.

      Aus dieser Zeit und meinen gemachten Erfahrungen heraus bin ich bei Immobilien skeptisch; viele Leute glauben, es kann nur steil nach oben gehen mit den Preisen und Mieten. Ich habe es über 20 Jahre hinweg auch anders erlebt. Und meine Einstellung zu Kreditfinanzierungen, Sicherheiten und der vermeintlichen Sicherheit von Zinsbindungen hat sich grundlegend geändert. Die Frage "was kann im schlimmsten Fall passieren?" sollte man sich vor allem auch bei Immobilien stellen mit dem für Otto Normalbürger enormen Investitionsvolumen. "Wird schon gutgehen" ist kein guter Ansatz und schon gar kein solides Fundament. Auch deshalb habe ich heute bei meinem Investment-Portfolio (in der GmbH) keinerlei Fremdfinanzierung (darüber denke ich ja schon seit längerer Zeit nach, bisher ohne Ergebnis) und bei meinem privaten Dividenden-Depot habe ich einen begrenzten Wertpapierkredit in Anspruch genommen,der durch die Dividendeneinnahmen mehr als bezahlt wird (das habe ich mal in dem Artikel "Meine High-Yield-BDC-Dividend-Debt-Strategie. Einfach perfekt oder ziemlich blöd?" dargelegt. Weitere Kredite habe ich nicht und plane ich auch nicht. Immobilien habe ich keine (mehr). Mein Vermögen steckt in Aktien - ggf. auch mal in Immobilienaktien...

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  7. Guten Morgen Herr Kissing,
    erlauben Sie mir bitte Sie mit einer kurzen Frage zu belästigen. Als ich die Chinesischen Aktien (Weibo, JD.com) halbgünstig gekauft habe, dachte ich der Chinesische Handelskrieg mit den USA wäre eher ein Papiertiger. Mittlerweile liege ich schon weit im roten Bereich.
    Da ich Ihrem Blog schon lange folge und über die Qualität Ihrer Tätigkeit sehr erfreut bin, würde ich gerne Ihre Meinung wissen: Die betreffenden Aktien tiefrot abstoßen und in bessere Aktien umschichten, weil der Kurs gen Süden wahrscheinlich weiter mittel- langfristig bestehen wird oder warten bis aus tiefrot blutrot wird in der Hoffnung dass sich der Kurs dieser eigentlich sehr guten Aktien in den nächsten Monaten nach Ihrem Ermessen wieder erholen wird. Ihre persönliche Meinung wäre selbstverständlich nur eine Meinungsäußerung, keine Empfehlung.
    Herzlichen Dank im Voraus für Ihre Bemühungen
    Matthias

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    1. Moin Matthias,
      die Frage kann ich Dir so natürlich nicht beantworten, da ich keine Ahnung habe, wie sich die Kurse entwickeln werden. Vor allem nicht bei chinesischen Werten, die ich so gar nicht auf dem Schirm habe.

      Im Grunde ist es allerdings ganz einfach: André Kostolany lehrte uns, dass wir Aktien nie aufgrund unseres Einstandskurses bewerten sollten, sondern immer zum Tagespreis. Damit meinte er, dass es abgesehen von uns selbst und das Finanzamt unseres Vertrauens niemanden interessiert, zu welchem Kurs wir die Aktien gekauft haben und ob wir gerade im Gewinn oder im Verlust sind. Und deshalb sollten wir selbst das auch ignorieren!

      Es kommt einzig darauf an, wie wir die Aktien heute einschätzen. Und zwar so, als hätten wir sie nicht im Depot! Würden wir die Aktien heute als aussichtsreich und/oder unterbewertet einstufen und sie ggf. kaufen? Oder würden wir die Finger davon lassen, weil sie überbewertet sind oder wir damit Bauchschmerzen hätten? Nur auf diese Art sollten wir entscheiden, ob wir Aktien im Depot behalten. Nicht anhand der früheren Performance.

      Und als Value Anleger schauen wir auch auf den fairen Wert der Unternehmen, nicht (so sehr) darauf, wie sich ein Markt entwickeln könnte. Buffett behauptet sogar, er habe noch niemals in seinem Leben eine Aktie aufgrund makroökonomischer Überlegungen gekauft oder verkauft. Und ich glaube ihm.

      Daher die konkrete Gegenfrage: glaubst Du, dass die von Dir genannten Weibo und JD.com heute und auf dem aktuellen Kursniveau ein gutes Investment sind? Bestehen die Gründe noch, weshalb Du sie mal gekauft hattest?

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    2. Hallo Michael,
      herzlichen Dank für Deine Zeilen. Ja, ich habe Bauchschmerzen, weil ich einfach nicht absehen kann, wie lange dieser bereits viel zu lange Handelskrieg noch dauern wird. Im Allg. entwickeln sich die Märkte recht gut, nur die chinesischen werden herunterge"trumpelt".
      Ich habe jetzt alle chinesischen Werte tiefrot verkauft, jetzt ist auch noch der CEO von JD.com verhaftet worden ....
      Zwar bin ich davon überzeugt, dass die o.g. Aktien ein gutes Investment sind bezüglich der Unternehmen, die dahinter stehen, leider überhaupt nicht mehr, dass sie in diesem Aktien-Ökosystem meine Ersparnisse erhalten oder gar vermehren. Einen langen Atem über Jahre hinweg habe ich nicht. Die Kostolany-Lehre habe ich so noch nicht gehört, aber er hat völlig recht. Und ich hätte die Aktien auch gehalten, weil ich denke, dass sie ihren Preis wert sind. Und ich würde sie auch heute zu diesen Kursen kaufen, wenn nicht die sehr reale Gefahr besteht, dass sie noch die nächsten Monate weiter heruntergeprügelt werden. Vielleicht bin ich doch eher eine Mischung aus Trendfolger und Value-Investor, der doch noch makroökonomischer Überlegungen für relevant hält. Aber ich werde die Werte im Auge behalten und falls sich ein besseres Umfeld abzeichnet, werde ich zumindest eine davon wieder kaufen, die JD.com, Weibo fand ich dann doch etwas zu teuer.

      Ich danke Dir recht herzlich für diese wertvollen Denkanstöße.
      Liebe Grüße
      Matthias

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  8. Hallöchen !

    Du bist ja auch viel im w:o-Forum unterwegs, unter anderem auch im Thread vom kleinen Chef.
    Ich kann mit seinen Werten ehrlich gesagt so gar nichts anfangen - abgesehen von einigen wenigen. 7c Solarparken und Defama haben mir besonders zugesagt - und bin seit dem Kauf auch glücklich. Sogar durchs Krisenjahr 2018 ging es mit 10% Gewinn bei beiden Werten.
    Warum hast du diese Aktien für dich ausgeschlossen? Zu klein oder zu neu? Zu teuer bewertet?

    Gruß

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    1. 7C Solarparken hatte ich mal auf meiner Beobachtungsliste, aber das Unternehmen/Geschäftsmodell haut mich jetzt nicht so vom Hocker, als dass ich hier eine Outperformance ggü. anderen Werten aus dem Bereich regenerativer Energien ausmachen würde. Ich setze hier auf PNE.

      Defama ist nichts für mich. Malls, Einkaufszentren und mit etwas Zeitverzögerung auch Fachmarktzentren werden unter dem massiv zunehmenden Onlinehandel immer stärker leiden und dann stehen irgendwann die Immobilien leer. Das betrifft Defama bestimmt noch nicht auf Sicht der nächsten fünf Jahre, aber ich halte das Chance-Risiko-Verhältnis nicht für attraktiv genug verglichen mit "richtigen" Gewerbeimmobilienwerten. Und von denen habe ich drei absolute Top-Werte auf der Beobachtungsliste und im Depot: DIC Asset, Godewind Immobilien, TTL Beteiligung und Grundbesitz. Ein weiteres Unternehmen aus dem Sektor, das keine bessere Rendite verspricht und auch kein signifikant niedrigeres Risiko aufweist, brauche ich nicht.

      7C und Defama sind keine Flops, aber ich halte andere Werte für attraktiver. Ob*s wirklich so kommt, wird sich zeigen. Gerade PNE bekommt langsam den von mir erwarteten Rückenwind...

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    2. Hallo und danke für deine Meinung zu dem Thema. Finde es immer wertvoll, zu den eigenen Werten auch andere und vor allem kritische Einschätzungen zu hören. In den Foren und auch den Aktienseiten im Netz gibt es ja fast ausschließlich positive Beiträge oder Relativierungen zu lesen.
      Kritische Stimmen, bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist, gibt es so gut wie gar nicht und haben meist auch andere Hintergründe als sachliche Meinungen zu den Werten - zB persönliche Differenzen mit den Mitforisten.
      Ich kann also nur großes Dank und Lob aussprechen für deine Arbeit hier mit diesem Blog. Ich persönlich finde 7c und Solarkraft grundsätzlich interessanter als Windkraft - verfolge aber auch deine Beiträge zu PNE. Ich weiß heute gar nicht mehr, warum ich mich damals gegen PNE und für 7c entschieden habe - nur dass ich es bisher zumindest nicht bereut habe. Werde mich bei PNE aber nochmals einlesen.

      Bei Defama ist der Onlinehandel natürlich ein großer Konkurrent, aber das war er auch schon vor 5 Jahren. Bisher jedenfalls laufen die Geschäfte glänzend, und wie auch du sehe ich auf absehbare Zeit keine großartigen Ereignisse, welche den Fachhandel über Nacht aussterben lassen und die Kunden geschlossen zum Onlineanbieter wechseln lassen würden.
      Zumal ich bestimmte Dinge wie Supermärkte auch einfach nicht wegdenken kann - Food-Delivery ist in meinen Augen kein Geschäftsmodell, was sich großflächig durchsetzen wird.
      Gibt natürlich auch Alternativen, und bei DIC bin ich auch dabei. Auf den Wert bin ich übrigens dank dir aufmerksam geworden :)
      Weiter so !
      Gruß

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    3. Weißte, weshalb ich Food Delivery - anders als Du - als totales Online-Ziel sehe? Das fehlende Shoppingerlebnis. Niemand kauft gerne Lebensmittel oder Waschpulver ein. Da würde man also nichts vermissen (anders als bei z.B. hochwertigen Klamotten oder Uhren oder Schmuck, wo es eben um das Shoppen an sich geht). Nächster Gedanke: es boomen die Smart Speaker, allen voran der Echo von Amazon. Je mehr Menschen sich daran gewöhnen, über Sprachsteuerung ihre Geräte zu steuern, werden auch ihren Einkauf schnell darüber erledigen. Wenn ich meine Einkaufsliste gemacht habe, weshalb sollte ich mich ins Auto setzen und zu REWE oder EDEKA fahren, um dort die Sachen selbst einzukaufen, wenn ich einfach zwei Minuten ganz bequem von der Couch aus mit Alexa sprechen und das erledigen kann? Und dann wird mir der Kram auch noch bis an die Wohnungstür gebracht! Ich bin davon überzeugt, dass sich das total durchsetzen wird - natürlich vor allem in den Ballungszentren; auf dem flachen Land wird das weniger und später passieren. Aber auch dort wird die Entwicklung nicht halt machen. Und genau deshalb investiere ich nicht (langfristig) in Fachmarktzentren. Die laufen dann nämlich genauso gut wie früher die Schlecker-Läden...

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    4. "Niemand kauft gerne Lebensmittel oder Waschpulver ein." - Michael hier irrst Du Dich. Es gibt viele Leute, die gern einkaufen. Meine Frau zum Beispiel oder mein Nachbar, der Rentner, der den ganzen Tag nichts zu tun hat und stundenlang die Kaufland und Lidl Papierprospekte nach Schnäppchen durchsucht, um dann dahin fahren zu können. Es ist sein Hobby. Dann der Einkaufserlebnis noch - frisches Obst muss man anfassen können, dann nach dem Einkauf etwas beim Bäcker für zu Hause holen und beim Imbiss eine Wurst futtern :D Kann man im Internet nicht ;) Nicht jeder sitzt gern zu Hause auf dem Couch und spricht zu einem Lautsprecher seine Wünsche durch :D Leute sind eben unterschiedlich. Und das die Schwarz Gruppe und andere sich vom Online Geschäft zurückgezogen haben, das hat hier in Deutschland Gründe, weil ich eines der Projekte eng mitverfolgt habe. Amazon kann es gern versuchen, sie werden wie Walmart damals mit Ihrem Ami-Konzept scheitern. Keine Chance hier in Deutschland. Woanders vlt. schon. Ich arbeite im Lebensmitteleinzelhandel und ich weiß wovon ich spreche.

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    5. Ich persönlich will ebenfalls das Gemüse vor "inspizieren", bevor ich es kaufe - lässt sich aber sicher nicht auf alle Menschen übertragen. Bin jung und wohne im Ballungsgebiet - und fahre nach der Arbeit mit dem Rad oder PKW beim Edeka vorbei.
      Alles andere ist teurer und unökologisch - nur meine Meinung.
      Komme zwar nicht aus dem EInzelhandel, aber aus der Supply Chain und weiß daher, dass Food Delivery nicht gut angenommen wird - dafür aber viel extra Aufwand bei den Zulieferern bedeutet.

      Grundsätzlich bin ich aber ebenfalls der Meinung, dass man als Inhaber von Gewerbe-Immo-Aktien die Marktentwicklung im kritischen Blick haben sollte.

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    6. Okay, dann differenzieren wir mal und nehmen Gemüse und frische, unverpackte Lebensmittel aus (obwohl Food Delivery ja trotzdem boomt wie bekloppt, wenn man auf Delivery Hero und/oder Hello Fresh blickt). Nehmen wir an, alle wollen die frischen Lebensmittel befühlen und vor dem Einkauf in die Hand nehmen - spricht das aber dann für ein Fachmarktzentrum oder einen Versorger der heutigen Art ala Lidl, Aldi, Edeka? Oder nicht eher (auch) für Wochenmärkte? Denn der Rest des täglichen Bedarfs, den muss man ja kaum anfassen, befühlen, beschnuppern. Ob es nun die Frühstücksflocken sind, die Getränke, das Waschpulver, die Windeln, das Deo, der Rasierschaum, der Kaffee, die Schokolade uswusf. Das alles kann ganz bequem nach Hause geliefert werden, nachdem man es online oder über Alexa/Echo geordert hat.

      Ausgangspunkt unserer Diskussion war ja, ob Malls und vor allem Fachmarktzentren wenig bis keinen Impact durch den Onlinehandel haben werden, so dass man mittel- und langfristig sicher in diesem Bereich investieren kann. Und ich sehe das nicht als sicher an, jedenfalls nicht bei einem Anlagehorizont von mehr als 5 Jahren. Und dann trifft uns das Thema Fristenkongruenz (jaja, ich weiß, diese "goldene Bankregel" kommt aus der Finanzierung und bedeutet, langfristiges Vermögen sollte durch langfristige Schulden finanziert werden, nicht durch kurzfristige). Man kann zwar als Aktionär ganz kurzfristig seine Aktien über die Börse abstoßen, aber der Grundgedanke ist derselbe: das Aktienkapital finanziert die Immobilien und zwar zusammen mit dem zusätzlich aufgenommenen Fremdkapital. Wenn ich also als Anleger in Immobilienaktien investiere, sollte ich dies auch mit langem Anlagehorizont tun und nicht als kurze Spekulation. Denn dann kaufe ich nur die Aktie als Spekulationsobjekt und beteilige mich nicht (wirklich) am zugrunde liegenden Unternehmen. Daher nochmals die Frage: sind Fachmarktzentren langfristig eine gute Geldanlage oder droht ihnen ein zunehmender Leerstand in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren? Und was passiert dann mit den Immobilien, den Flächen, den Mieten, den Werten? Egal? Man muss nur rechtzeitig genug den Absprung schaffen und so lange kann man die Kollekte kassieren und hoffen, dass man nicht als letzter von Bord geht (und die drohenden Wert- und Kursverluste einstecken muss)? Oder alles kein Problem und prosperierendes Businessmodell?

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    7. Bin absolut bei deiner Argumentation und muss auch gestehen, dass ich bei keiner meiner Aktien vorhabe, für immer drin zu bleiben. Wäre zwar schön, aber dafür ist mir der Markt zu wechselhaft. Zu viele disruptive Einflüsse, nicht nur aus den Unternehmen heraus, sondern auch aus der Politik. Leider muss man ja jederzeit mit einer schlechten Nachricht von wo auch immer rechnen. Ich hätte gerne Unternehmen, welche ich kaufen und liegenlassen kann bis zur Rente. Ich traue mir aber noch nicht mal eine politische Vorhersage für diese Legislaturperiode zu, so wie mit Koalitionsverträgen und Wahlversprechen umgegangen wird...
      Wie ein Unternehmen in 5, 10, 20 Jahren da steht und in welchem politischen Umfeld...ob Amazon die Branche dann schon übernommen hat oder oder oder...in Anbetracht dessen fühle ich mich mit einer Defama im Portfolio genau so wohl wie mit allen anderen Werten. Beobachten muss ich die als Anleger leider alle gleich.
      Ein grundsätzlich zum Scheitern verurteiltes Geschäftsmodell erkenne ich nicht bei meinen Depotwerten. Und wenn eine DeFaMa dann (vielleicht) in 10 Jahren nicht mehr mit xx% pro Jahr wächst, sondern stagniert oder leicht schrumpft, bin ich immer noch dick im Plus und kassiere weiter jedes Jahr die Dividende - so zumindest der Plan :)

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  9. Stark, wie du hier mit deinen Blogbesuchern diskutierst, Hilfe gibst, erklärst,...vorstellst. Darf man fragen, was du beruflich machst? Bin nicht sauer, wenn du das nicht beantworten magst. Mach weiter so !

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    1. Vielen Dank für das freundliche Feedback! =)

      Ich habe mal eine Bankausbildung absolviert und im Anschluss Volks- und Rechtswissenschaften studiert. Während des Studiums habe ich mich mit zwei Partnern im Immobilienbereich unternehmerisch betätigt und wurde einige Jahre später zusätzlich als Unternehmensberater aktiv. Mein liebstes Hobby ist schon seit meiner Schulzeit das Investieren und die Börse - vor einigen Jahren habe ich meine Partner aus der gemeinsamen GmbH herausgekauft und meine unterschiedlichen Geschäftsaktivitäten sowie mein Vermögen (also mein Investmentdepot und -kapital) in die GmbH eingebracht. Seitdem kümmere ich mich hauptberuflich um die Anlage meines Vermögens und nehme meine früheren beruflichen Aktivitäten nur noch dann wahr, wenn ich gerade mal Lust dazu habe. Ich habe also mein Hobby zum Beruf gemacht und freue mich immer noch jeden Tag darüber. Wenn andere Leute über finanzielle Freiheit sprechen, dann weiß ich genau, was sie meinen. ;-)

      Ich betreibe jedoch nicht nur praktische Geldanlage als Investor/Anleger, sondern auch theoretische. Nämlich mit diesem Blog und seit einigen Jahren auch als Kolumnist für das "Aktien Magazin" und mit meiner Online-Rubrik "Portfoliocheck" für aktien-mag.de. Ist eine nebenberufliche Tätigkeit, die sich idealerweise auch um mein liebstes Hobby dreht. =)

      Ein paar weitere Infos zu mir und meiner Motivation findest Du hier: "Impressum & Beachtenswertes"

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    2. Da kommt bei mir ja direkt der deutsch-typische Neidbürger durch :)
      Nur die wenigsten schaffen es, ihr Hobby und ihre Leidenschaft zum Beruf zu machen.
      Ich freue mich für dich, dass es bei dir geklappt hat, respektive du dich dort hingearbeitet hast. Sei dir gegönnt. Ich habe mit der Börse leider viel zu spät angefangen - ist mir zwar ausbildungsbedingt nicht schwergefallen, der Markt ist mir aber immer noch oft ein Rätsel.
      Ich nehme bei dir jedenfalls eine Menge mit. Am meisten freue ich mich über Analysen zu einzelnen Aktien, aber auch die sonstigen Artikel sind Gold wert.
      Kürzlich hattest du mal einen der hier häufiger auftauchenden Starinvestoren zitiert: Kursgewinne sind ganz plötzlich da, nachdem der Wert lange Zeit nur seitwärts lief.
      Erst heute wieder gemerkt - gut, wenn man dann schon investiert ist!

      Mach weiter so !

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  10. Hallo Michael,

    Ich habe eine grundsätzliche Frage.
    Wie gehts Du psychologisch damit um bei "Qulitätsunternehmen" einzusteigen, die einen nahezu ungebrochenen Aufwärtstrend vorweisen? Microsoft, Cisco, McDonalds, Waste Management uvm. - weisen diesen typischen "Raketen"Chart auf der langsam flach beginnt und dann nach rechts immer steiler aufwärts führt.

    Wie geht man damit gedanklich um, hier nicht auf "Rücksetzer" des Kurses zu warten sonder einfach zu akzeptieren, dass man viele gute Jahre verpasst hat und eher die Zukunft betrachtet?
    Ich tue mir da tatsächlich sehr schwer mit, auch mit einer "Berechnung" oder Überlegung ob die aktuelle Bewertung fair / gerechtfertig ist oder nicht und daraus folgernd ob sich ein Einstieg lohnt oder nicht...

    Vermutlich alles wirres Zeug, aber vielleicht verstehst Du mein Problem ja und hast einen Vorschlag :-)

    Danke & Viele Grüße
    Martin

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    1. Wenn Kurse gestiegen sind, dankt man immer, man werde einsteigen, wenn es mal einen Kursrücksetzer von 5% gibt. Wenn der aber dann kommt, dann gibt es meistens ja auch Gründe (weil der Markt generell gerade konsolidiert und/oder die Stimmung schlecht ist) und man denkt dann, "lieber nochmal abwarten, das geht bestimmt noch tiefer". Mit der Folge, dass der Kurs sich wieder erholt und man - mal wieder - nicht eingestiegen ist. Und denkt "beim nächsten Kursrutsch von 5% steige ich ein". Also schaut man den Kursen weiter hinterher.

      Peter Lynch rät daher: "Wenn die richtige Aktie gefunden ist, ist es nie zu früh oder zu spät, sie zu kaufen".

      Bedeutet: auf das Unternehmen schauen, nicht auf die Kurse. Und trotzdem bleibt der Blick natürlich nicht aus. Wenn Du die "Fahnenstange" ansprichst, dann ist das oft ein verzerrtes Bild. Und nach Karl Marx bestimmt der Standpunkt die Perspektive. ^^ Also mal den Standpunkt ändern; hier konkret, den Chart auf "logarithmisch" umstellen. Dann sieht die Fahnenstange gleich nicht mehr so steil aus.

      Die logarithmische Anzeige hat aber nicht nur optische Auswirkungen, sondern es gibt handfeste Gründe, sie zu bevorzugen. Wenn eine Aktie bei 10 Euro gestartet ist und nun bei 100 Euro steht, dann wird im "normalen" Chart der Kursanstieg von 10 auf 20 Euro gleich stark angezeigt wie der Anstieg von 90 auf 100 Euro. Dabei war das erste ein Anstieg von 100%, der zweite nur etwas mehr als 11%. Gäbe es nun zuletzt auch einen Anstieg von 100%, also von 90 auf 180 Euro, dann sieht das wieder wie ein Raketenstart aus.

      Also lieber die logarithmische Darstellung wählen, weil so die prozentualen Kursveränderungen dargestellt werden. Und man so viel eindeutiger die wirklichen Kursveränderungen erkennen kann.

      Und das führt mich zurück zu den Qualitätsunternehmen. Die weisen alle ähnliche Merkmale auf: den starken Burggraben (also Wettbewerbsvorteile), hohe und steigende Free Cashflows, steigende Umsätze, steigende Gewinne und am besten ein ordentliches Cashpolster in der Hinterhand. Dafür kann man guten Gewissens mehr bezahlen. Weil die Unternehmen auch in schwierigeren Phasen solide dastehen und weiterhin gute Geschäfte machen werden. Ihnen brechen nicht schlagartig Kunden weg oder sie haben Liquiditäts- oder Finanzierungsprobleme. Auf diesen Schlitten kann man auch mal mit ins Tal fahren, ohne in großer Gefahr zu sein, und sie schaffen es auch ohne Hilfe wieder aus dem Tal hinaus. Weil in Krisensituationen der Preis (Kurs) viel schneller in den Keller geht, als es der Wert des Unternehmens tut. Also kann und sollte man ganz entspannt sein, denn mit der Aktie hat man einen Anteil am Wert des Unternehmens gekauft, nicht einen Teil an seinem Aktienkurs. ;-)

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  11. Hallo Michael,

    eine Frage: was hältst Du eigentlich von der momentanen Wasserstoff-Euphorie? Nimmt diese Technologie langsam konkretere Fahrt auf, oder tun das nur die Aktienkurse? Bei diesen Kurswachstum in den vergangenen Monaten kann man NASDAQ 100, die besten großen Aktien etc. nur als lahme Schnecken bezeichnen.
    Ich lese etwas von wertvollen Kooperationen, die eingegangen werden, Aufträge für großtechnische Prototypen etc. Eigentlich höre ich nur gute Nachrichten, manche Know How Träger generieren Umsatz (verbrennen aber halt natürlich noch Geld) und so weiter...

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    1. Ich investiere nicht in neue und gehypte Trendsektoren. Ich lege Dir dazu mal Buffetts Ansicht ans Herz: "Der Schlüssel zum erfolgreichen Investieren liegt nicht in der Frage, wie sehr eine Industrie die Gesellschaft beeinflusst oder ob sie wachsen wird, sondern darin, herauszufinden ob ein bestimmtes Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil hat, und wenn ja, wie lange dieser anhalten wird."

      Elektroautos, Wasserstoffantrieb, Cannabis, 3D Druck, das wird die Welt verändern, unbestritten. Aber welches Unternehmen setzt sich hier durch? Welches Unternehmen kann die neue Technologie in massentaugliche Produkte umsetzen? Welches Unternehmen kann hiermit Geld verdienen (einfach mal den Langfristchart von Ballard Power aufrufen und heulen, wenn man das Kursniveau von Mitte und Ende der 1990er Jahre sieht, wo Wasserstoff schon einmal "der ultimative neuste heiße Scheiß" war). Und, ganz elementar, welches Unternehmen kann seine ggf. erreichte Spitzenposition dauerhaft behaupten?

      Einfach mal googeln (Wortspiel), welche "heißen" Suchmaschinen es vor 25 Jahre alles so gab. Heute kennen wir Google, vielleicht BING (von Microsoft, aber noch vergleichsweise jung). 1999 war Yahoo! ganz vorne mit dabei und Lycos und zig andere. Wo sind die jetzt? Nur eine (!) verdient wirklich Geld und zwar enorm. War damals aber nicht absehbar! Googles größte Wettbewerber sind heute nicht klassische Suchmaschinen, sondern Facebook und Amazon. FB gab es 1999 noch gar nicht und Amazon war ein Online-Buchhändler. Wie man "Cloud" schreibt und was man damit anstellen kann, wusste man 1999 auch noch nicht...

      Es gab auch mal mehr als 1.000 Autohersteller in den USA. Und unzählige Eisenbahngesellschaften oder Fluglinien. Die meisten sind in den Ruin geschlittert und ihre Anleger (Aktionäre und Anleihegläubiger) haben viel/alles des eingesetzten Kapitals verloren. Außer bei den einigen wenigen Überlebenden. Die haben heute Quasi-Monopolstellungen und (nur) deshalb verdienen sie Geld. Aber wie erkennt man in einem gehypten Markt, wo es jeden Tag zig neue Ideen/Anbieter gibt, wer der künftige Dominator wird? Ich habe die Antwort bisher nicht gefunden, daher setze ich lieber auf Branchen, wo die Entwicklung (der Unternehmen) abschätzbarer ist. Relativ sichere Sachen, Quality Investing: der "bewährte alte geile Scheiß" eben... ;-)

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    2. Hallo Michael, ich bin ebenfalls mehr als vorsichtig mit neuen „Hypes“. In der Erholung nach dem Crash habe ich mit Powercell gut Geld verdient - bis ich in der Nacht las, welchem Risiko ich mein Kapital da eigentlich ausgesetzt hatte (siehe die Hedgefont-Angriffe auf Wirecard etc).
      Cannabis war ein Strohfeuer, das viel Geld verbrannt hat. Trotzalledem hätte damit natürlich gut Kasse machen können, wer rechtzeitig einstieg und dann wieder rausging. Hausfrauenhausse lässt grüßen...?
      Genauso könnte es vielleicht auch mit „alternativen Antrieben“ sein. Das Problem an einem Hype ist wohl vor allem, dass man nie weiss, wann er vorbei ist, und alles platzt und schlagartig in sich zusammenfällt...
      Ob „alternative Antriebe“ jetzt ein Luftblasen-Hype ist, oder tatsächlich die Richtung, die genau jetzt Fahrt aufgenommen hat? Spätestens als erste Städte Fahrverbote für Dreckschleudern ausgesprochen haben, wird wohl auch dem letzten Autofahrer (und dem letzten Automotive-Manager) klargeworden sein, dass es (vielleicht) nicht ewig so weitergehen kann mit den fossilen Antrieben. Und was, wenn „Elektro/H2“ plötzlich „hip“ wird...? Wenn die Menschen aus Prestige/Überzeugung/Mode anfangen, alternativ angetriebene Fahrzeuge zu kaufen? Nicht, weil die Politik sie dazu zwingt, oder weil ein paar Umwelt-Aktivisten gebetsmühlenartig permanent in's Gewissen reden, sondern weil sie es - wollen...? Wenn ein Run einsetzt? Dann geht's rund die nächsten Jahre... ich selbst finde in meinem Wohngebiet schon zwei Elektro-Tankstellen-Plätze, die immer frei sind. Wer hindert mich daran, einmal im Monat das lästige Laden durchzuführen, und ansonsten schick „Elektro“ zu fahren (oder noch besser: zu leasen, und die Prämie einzustreichen?). Ok, mein ganz persönliches Bedürfnis nach komfortablem automobilem Mittelklasse-Ambiente und quasi-Vollausstattung ist es, aber sonst...

      Powercell hat nicht die unrühmliche Historie der anderen Wasserstoffler (endlose Selbstfinanzierung durch Kapitalerhöhungen zum Beispiel, abgestürzte Kurse, wo ich mir immer denke: wenn die dann wirklich mal steigen, werden viele Altaktionäre Kasse machen, um die Dinger bloss endlich loszuwerden, was dann den Kurs bremst). Die Schweden sind an den Markt gegangen, als Wasserstoff (vielleicht?) gerade begann, ernsthaft interessant für die Zukunft zu werden.

      Es wäre mir persönlich egal, ob die Schweden jetzt die Massenfertigung selbst übernehmen (wohl eher unwahrscheinlich bei einer Klitsche von 38 oder 60 Leuten), oder ob sie teuer eingekauft werden von einem potenteren Partner. Auszahlen würde sich für mich beides...

      Allerdings bin ich wirklich der letzte, der sowieso schon gehypte Trends für andere stille Mitleser attraktiv reden will. Ich selbst werde die Finger da brav draussen lassen, und allenfalls ein kleines Spielgeld einsetzen, wenn überhaupt.

      Soviel auf jeden Fall meine Gedanken dazu.

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    3. Chris, Du beschreibst perfekt, wie Momentumtrader Geld machen (wollen): einen Hype bzw. Trend reiten, bis er seinen Antrieb verliert und dann schnell (genug) Kasse machen. Das hat mit langfristiger Aktienanlage nicht wirklich etwas zu tun, obwohl beide Strategien oft die gleichen Werte "herauspicken". Denn auch die von mir bevorzugten Qualitätsunternehmen folgen ja einem Trend, jedenfalls was ihr Business angeht, und daher weisen ihre Aktien auch oft einen positiven und langfristigen Trend auf. Aber ein Investor steigt nicht gleich aus "seinem Unternehmen" aus, nur weil der Kurstrend mal kurzfristig nach unten ausbricht, um dann wieder einzusteigen, wenn der Wind/Trend sich wieder dreht. Das ist ein erheblicher Unterschied in der Einstellung und Vorgehensweise. Und ob das eher hektische Hin- und Hertraden auf lange Sicht bessere Ergebnisse erzielt (nicht in der Theorie, sondern wirklich anhand der real durchgeführten Trades), da müssen die meisten Trader den Nachweis schuldig bleiben...

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    4. ... und selbst wenn "Erfolgsstories" berichtet werden, kann man davon ausgehen, dass all die anderen Market-Timing Versuche, die (voll) in die Hose gingen, halt einfach unter den Tisch gekehrt werden... Nein, ich bin da ganz bei Dir: in Qualitätsunternehmen investieren, das "wirklich freie" Geld alles 'rein, und dann die Marktentwicklung langfristig einfach voll mitnehmen (und sein Investment regelmäßig überprüfen). Ein Ausstiegszeitfenster von vlt. drei Jahren einplanen, dann hat man genügend Zeit, ggf. die nächste Hausse abzuwarten, um die Aktien final zu Geld zu machen, wenn man es denn braucht und will.
      Das dürfte die "Königsstrategie" der Geldanlage in Aktien sein - sofern man sich die Mühe macht, und sein Portfolio selbst verwaltet. Wobei man, mit etwas Geschick, auf diese Weise schon ordentlich etwas aus der Sache herausholen können müsste.

      Zur Wasserstoff-Euphorie: ich weiss leider nicht, wie das damals war, beim Aufstieg von Amazon, oder Google usw. Wahrscheinlich im Kern das gleiche: Aktien mit einer Volatilität, dass einem schwindelig werden konnte, und die trotzdem anscheinend nur eine Richtung kannten: nach oben... wobei man sich wohl jeden Tag fragte: wie lange geht das noch so weiter, bzw. wie lange kann es noch so weitergehen.

      Wobei ich im Wasserstoff oder bei Elektro nun nicht die übermäßige Phantasie habe. Eine neue Technologie muss sich ja nicht nur durchsetzen, man muss auch mit ihr und an ihr richtig kräftig verdienen - dann wird auch der Unternehmenswert (und parallel: die Aktie) nach oben gehen.

      Wahrscheinlich wissen wir in ein, zwei Jahren schon ein bisschen mehr...

      Davon ab ist das, wie gesagt, kein Investitionsumfeld für mich.

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  12. Hallo Michael,

    zunächst einmal dickes Lob an Dich. Du bist nicht nur ein Schönwetter-Börsianer und gerade jetzt hier aktiv. Danke!

    Meine Frage: Aurelius, die Du ja auch auf Deiner Empfehlungsliste hast, bei 16,00 Euro mache ich mir langsam Sorgen. Würdest Du die noch halten? Glaubst Du, das im Juni/Juli 2020 eine Dividende ausgezahlt wird?

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    1. Aurelius steht vor einem schwierigen Jahr. Einen deutlichen Einbruch erwarte ich bei der anstehenden NAV-Bewertung, denn die Lage vieler Unternehmen und auch der Peers hat sich seit dem 20. Februar massiv verschlechtert. Daher werden die Werte erheblich abgerutscht sein, wie der gesamte Markt (auch wenn die Aurelius-Beteiligungen ja nicht börsennotiert sind). Was Aurelius in den Büchern hat, hat Federn gelassen, auch operativ fällt es natürlich schwerer, Unternehmen wieder auf Kurs zu bringen, während Corona "wütet". CEO Dr. Markus hat das ja neulich schon bestätigt und gemeint, dass nicht alle Aurelius-Beteiligungen diesen Sturm überleben werden. Andererseits bieten sich jetzt natürlich auch große Chancen für Übernahmen, was die Basis für die künftigen Gewinne legt. Aurelius hat ja einiges an Geld für Zukäufe, von dem tendenziell weniger gebraucht werden dürfte, da Konzerne Randbereiche vermutlich jetzt schneller und preisgünstiger loswerden wollen, als noch vor ein paar Wochen. Da dürften eher Mitgiften fließen als hohe Kaufpreise.

      Mit einer Dividenden rechne ich nicht. Aurelius hat ja bereits kommuniziert, dass man den Gewinn auf neue Rechnung vortragen will (also einbehalten). Ich halte das auch für vernünftig in der jetzigen Lage - für das Unternehmen und die Aktionäre sind Aktienrückkäufe momentan die bessere Wahl.

      Insofern dürfte 2020 für Aurelius - und andere Beteiligungsgesellschaften - aus dieser Sicht ein schwieriges Jahr werden, das aber den Boden bereitet für künftige hohe Gewinne.

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  13. Hallo Michael, nachdem es in in letzter Zeit wieder etwas ruhiger geworden ist, habe ich mir einige Gedanken gemacht. Vielleicht schreibe ich sie hier mal.
    Aktien... eigentlich gewinne ich am Aktienmarkt durch die Verluste Anderer. Wenn ich zu einem Zeitpunkt kaufe, bevor es viele andere tun, profitiere ich von deren Käufen und schöpfe am Ende deren Geld ab, wenn ich den Gewinn schliesslich mitnehme. Geld wird ja letzten Endes nicht vermehrt, sondern nur umverteilt (so ähnlich sagte schon Gordon Gekko im phantastischen Film "Wall Street" 1987).
    Wenn ich also "cleverer" agiere, als all die anderen Mitspieler am Tisch, dann kann ich Gewinn machen.
    Und dann habe ich habe gesehen, es gab lange Phasen, wo mit Aktien praktisch gar nichts ging, zum Beispiel hatte man mit Microsoft von 2000 bis 2013 keine besondere Freude. Das Unternehmen hat z.B. Umsatz und Gewinn kontinuierlich gesteigert, der Kurs rührte sich aber nicht. Weisst Du, was da damals los war? Allgemeine Aktienmüdigkeit nach Dotcom-Blase, Börsengang Telekom, Infineon, usw.? Angst vor Technologie-Werten? Andere grosse Aktien haben sich in dieser Zeit entwickelt, bzw. deren Stern ging auf.
    Und was mich selbst angeht: letzten Endes bin ich gar nicht so unglücklich damit, mein Geld wieder komplett aus dem Markt zu haben, solange er offenbar nicht weiss, wo er hin will. Aus meiner Sicht wäre es gut, wenn alles nochmal so richtig crashen würde, sodaß man seelenruhig einkaufen könnte ("An offer that you can't resist"). Alternativ wäre ich auch für eine stabile Börseneuphorie/Hausse zu haben, auf die man mit guten Qualitätsaktien vielleicht aufspringen könnte. Ansonsten beobachte ich im Moment nur, und ein paar "Micro-Wetten" nebenbei sind nicht so recht aufgegangen (haben mir aber auch keinen Verlust beschert). Soviel meine Gedanken, und Fragen, im Moment...

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    1. Hallo Chris,

      erst einmal Chapeau an Michael, dass er Dir seine Gedanken hier so mühevoll aufdröselt. Dafür solltest Du ihm wirklich dankbar sein.

      Ich hätte noch ein paar Anmerkungen, um mögliche Widersprüche mit Deiner Vorstellung vom Investieren aufzuzeigen.

      Ich hoffe, ich werde nicht missverstanden, aber ich finde, Deine wortreichen Posts machen Deinem Namen alle Ehre, denn sie vermitteln den Eindruck von schönen und reinen Gedankengebäuden, die die Realität nicht 1:1 abbilden wird. Du schreibst z.B. (ich zitiere aus dem Gedächtnis), dass Du in Qualitätsunternehmen investieren, "langfristig dabei bleiben" und "Gewinne voll mitnehmen" willst, mit einem "Ausstiegsfenster von vielleicht bis zu 3 Jahren"...

      Warren Buffett sagt, dass, wer beim Kauf nicht bereit ist, ein Unternehmen für mindestens 10 Jahre zu halten, es auch keine 10 Minuten besitzen sollte. Das vermittelt Dir einen ungefähren Eindruck davon, was ein Investor meint, wenn er von "langfristig" spricht. Auch bei einem Qualitätsunternehmen ist die Aussicht, auf Sicht von nur 3 Jahren eine passable Rendite einzufahren, ziemlich ungewiss, und zwar vor allem dann, wenn das Unternehmen beim Einstieg schon hoch bewertet ist. There is no free lunch, oder, nach Kostolany: kein Geld ohne Schmerzen.

      Nimm zum Beispiel Amazon, nach eigenem Bekunden Dein Lieblingsunternehmen. Der Corona-Boost scheint mir eingepreist, (fast) alle Anleger lieben und haben das Unternehmen, starke wie zittrige Hände, und selbst gestandene Investoren haben ihre Investmentgrundsätze über den Haufen geworfen, um es zu besitzen. Die Erwartungen sind enorm. Ich finde, dem stehen ein paar nicht ganz unerhebliche Risiken gegenüber. Wenn sich davon eines (oder auch mehrere) in den nächsten Jahren materialisiert, könnte das einen herben (aber wahrscheinlich temporären) Kursrückschlag zur Folge haben. Wenn Du dann mit nur 3 Jahren geplantem Inverstitionszeitraum dabei bist, kann Deine Liebe schnell erkalten. Rechnest Du hingegen mit mindestens 10 Jahren Engagement, sind Deine Aussichten auf eine passable Rendite sehr gut - auch wenn das Unternehmen beim Kauf hoch bewertet war, zwischenzeitlich ein oder zwei schwierige Marktphasen durchlaufen hat und Du nicht zum idealen Zeitpunkt aussteigst. Denn nur über den langen Zeitraum werden temporäre negative Effekte, die durchaus mal Jahre dauern können, durch die Unternehmensentwicklung hinreichend zuverlässig überkompensiert. Dass man dann in vielen Fällen aus dem einen oder anderen Grund letztendlich doch früher als erwartet aussteigt, steht dem nicht entgegen. Fortsetzung folgt...

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    2. Denke auch daran, dass es auch noch andere Risiken als direkte Kursrisiken gibt. Beim Investieren in US-Unternehmen hast Du z.B. ein Währungsrisiko. Es kann z.B. sein, dass Deine Unternehmen an der NASDAQ die schönste Rally hinlegen, an den deutschen Handelsplätzen und in Deinem EUR-geführten Depot davon aber nur ein kleiner Teil ankommt, weil zufällig zeitgleich der EUR erstarkt. Auch damit musst Du rechnen und umgehen, und auch dabei hilft tendenziell ein langer Zeitraum.

      Rechne damit, dass ein Investment auch scheitern kann, egal, wie gut es am Anfang aussah und wie viele Gedanken Du Dir darüber gemacht hast. Deshalb braucht es ein Mindestmaß an Diversifikation.

      Du sagst, Du willst Investments kontrollieren und mitverfolgen. Sei Dir aber im Klaren, dass, wenn Du aus sich abzeichnenden Entwicklungen eine Kauf- oder Verkaufentscheidung ableiten willst, dies tun musst, bevor der Markt - z.B. aufgrund von Geschäftszahlen - eine veränderte fundamentale Lage feststellt. Denn wenn der Markt daraufhin eine Neubewertung vornimmt, geschieht das mitunter
      innerhalb von Minuten, evtl. noch von Stop-Loss-Kaskaden unterstützt. Niemand wartet auf Deine Meinungsbildung. Es ist sehr schwer, kurzfristig cleverer zu sein als andere. Aber auch wenn Du das nicht bist, partizipierst Du ja trotzdem an der langfristigen Wertentwicklung. Es wird also keinesfalls einfach nur Vorhandendes "umverteilt".

      Bis jetzt machst Du den Eindruck, dass Du alles mal kurz ausprobierst und theoretisierst und versuchst, daraus Entscheidungen abzuleiten, was für Dich passt. Das ist schwierig, weil Du dadurch kein "Gefühl" für die Sache bekommst. Du könntest Dir aber z.B. überlegen, versuchsweise ein kleines Investment zu tätigen, dessen Totalverlust Dich ggf. nicht sehr schmerzt, und einfach dabeizubleiben. Kurse werden fallen, und Du wirst zwangsläufig auf Artikel stoßen, in denen dargelegt wird, warum jemand Dein Investment vollkommen unmöglich findet, während XYZ doch viel aussichtsreicher ist. Ich würde dann nicht unreflektiert hin und her springen, denn wenn man damit erst einmal anfängt, freut sich auf lange Sicht nur der Broker. Wenn Du mit dem Einstieg darauf wartest, dass die Kurse noh einmal massiv einbrechen und daraus Deinen Gewinn zu ziehen, könntest Du evtl. enttäuscht werden; auch ich rechne zwar mit einem nochmaligen Einbruch, aber ausgemacht ist das nicht. Das wäre dann aber auch eher Market timing als langfristiges Anlegen.

      Beste Grüße
      Jens

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  14. Moin Chris,
    ich antworte mal in zwei Teilen. Zunächst zur Microsoft-Historie. Anfang 2000 war MSFT exorbitant hoch bewertet. Damals sprach man von der "New Economy" und war wirklich der Auffassung, dass das Internet alles verändern würde - sogar die Grundgesetze des Marktes und der Ökonomie. Richtig ist, dass das Internet unser aller Leben stark verändert hat, aber falsch war, dass Unternehmen keine gewinne machen müssen, dass jede noch so utopische Idee funktionieren wird, dass quasi über Nacht das Internet die "Old Economy" ablöst. Anfang 2000 hat man gedacht und gefühlt, als wäre das Internet so dominant wie es das heute wirklich ist. Aber 2000 steckte das noch in den Kinderschuhen! Wenn Dein Smartphone heute nur das mieseste Funknetz erwischt, also "EDGE", dann ist das das UMTS-Netz. Dafür waren 1999 mal gerade die Frequenzen versteigert worden. Mobiler Datenverkehr, Streaming, wie wir es heute kennen, war damals gar nicht möglich. Man wähnte sich in einem Ferrari auf der Rennstrecke, aber man saß in einem klapprigen Hyundai auf einer Buckelpiste.

    MSFT war 2000 ein Monopolist mit Windows und missbrauchte seine Dominanz, um eigene Dienste zu pimpen. So war der Netscape Navigator der Standard-Browser, doch Microsofts Internet Explorer überholte den innerhalb weniger Jahre und erreichte Marktanteile von über 80%. Weil er bei jedem ausgelieferten Windows-PC (und damit liefen fast alle PCs und Notebooks) vorinstalliert war. In den USA und in Europa liefen daher Kartellverfahren gegen Microsoft und in den USA gab es ein Urteil, dass Microsoft zerschlagen werden müsse. Dagegen ging MSFT natürlich juristisch vor und das verzögerte die Sache um viele Jahre. In der Zeit hat die EU-Kommission MSFT so gegängelt, dass MSFT zustimmte, den Internet Explorer nicht mehr vorzuinstallieren, sondern bei Aktivierung von Windows jeweils vier Browser vorzuschlagen als Alternative (immer incl. des IE). MSFT wurde zu dieser Zeit als "der Feind" angesehen von so gut wie jedem Programmierer und vielen Kunden. Es war verhasst, weil die Produkte nicht die besten waren, aber jeder damit arbeiten musste. Es gab Alternativen, wie von Stardivision (Softwareschmiede aus Hamburg), die dann aufgekauft wurden. Deren Produkte wurde zu Open Source-Programmen und die kann man heute noch finden als OpenOffice. Und auch die IE hatte seine Marktstellung verloren; vor allem in Deutschland war der Firefox inzwischen Marktführer. Später kam dann Chrome und der dominiert ja seitdem den Markt (neben Safari, das mit dem Wiederaufstieg von Apple und dem Iphone seinen Marktanteil stetig ausbauen konnte).

    Das Kartellverfahren verlief dann im Sand. Weil MSFT seine Dominanz verloren hatte und an allen Fronten von Gegner in die Mangel genommen wurde. Das Kartellverfahren wurde auf Eis gelegt - aus Mitleid, könnte man sagen...

    2000 war MSFT utopisch hoch bewertet und mindestens 10 Jahre Zukunftsphantasie bereits eingepreist. Dann brach die Börse zusammen und 90% aller gehypten Internetklitschen gingen pleite, weil sie Unmengen von Geld verbrannten und nun kein Geld mehr rein kam. Die "New Economy" war tot, alle erkannten, dass die Naturgesetze der Ökonomie noch immer wirkten. Und MSFT war 200 verhasst und ein komplett abgeschottetes Unternehmen - seine Produkte liefen nur "mit sich selbst", es gab kein Office für Apple-Geräte oder so etwas.

    Hinzu kamen viele Fehlentscheidungen. MSFT hat das Tablet erfunden, aber Windows war dafür nicht ausgelegt und das Gerät zu klobig. Ein Flop. Ein paar Jahre später kam Steve Jobs mit dem Ipad und es wurde ein Hit. MSFT hat das Iphone verschlafen. Es gab Handys mit Windowsbetriebssystem, aber die waren dritte Wahl. Nokia, vor den Smartphones Weltmarktführer bei Handys, war von BlackBerry verdrängt worden und schmiss sein eigenes OS über Bord und sattelte auf Windows-OS um. Kurze Zeit später kaufte MSFT dann die Nokia-Handysparte, nur um nach zwei (?) Jahren fast $40 Mrd. darauf abschreiben zu müssen.

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  15. 2/2

    MSFT war zu diesen Zeit kein Wachstumsunternehmen mehr. Bei mobilen Endgeräten spielte Windows keine Rolle, seine Suchmaschine Bing sah keinen Stich gegen Google. MSFT begann mit Dividendenzahlungen und wurde mit einstelligen KGVs bewertet. Damals stieg ich ein. Und dann kam Satya Nadella und hat MSFT komplett umgekrempelt und so gut wie alles Negative ins Positive gewandelt. Und seitdem laufen die Geschäfte und der Aktienkurs ebenfalls; auch weil der Markt MSFT wieder als erfolgreiches Wachstumsunternehmen wahrnimmt und ihm deutlich zweistellige KGVs zubilligt.

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  16. So, nun zum anderen Part: Du sagst, Du hättest alle Deine Aktien wieder verkauft, weil Du nicht wüsstest, wie sich der Markt entwickeln würde. Du sagst ja selbst, dass Du noch nicht viel Erfahrung an der Börse hast und das merkt man an dieser Stelle. Versteh mich bitte nicht falsch, das ist kein Vorwurf. Es ist normale, (fast) jeder macht diese Entwicklung durch. Auch ich habe so gedacht und gefühlt vor 20 Jahren.

    Du blickst auf die Kurse, Du nimmst Chancen und Risiken als Kursschwankungen wahr. Aber... darauf kommt es nicht an. Buffett sagt: "Die Börse ist nur der Marktplatz, die Wertschöpfung findet im Unternehmen statt". Und genau das ist der zentrale Punkt, der (einzige) entscheidende Faktor an der Börse. Man sucht sich die besten Unternehmen heraus und wird dort Miteigentümer, Aktionär. Man kauft nicht deren Aktien in der Hoffnung, dass der Kurs steigt. Nein, man kauft Anteile an einem wundervollen Unternehmen, weil man an seinen Erfolgen beteiligt sein will. Man nimmt an der Wertsteigerung des Unternehmens teil und diese resultieren dann früher oder später auch in Kurssteigerungen.

    Man muss diesen Unterschied zwischen Preis (Kurs) und Wert einer Aktie verinnerlichen. Das ist keine Sprechblase, es ist das Fundament für erfolgreiche Investments. Ich reite hier im Blog nicht ohne Grund so häufig auf diesen Basics herum, eben weil sie so entscheidend sind. Denn als Aktionär von Top-Unternehmen muss - und sollte! - ich mir um die Aktienkurse keine Gedanken machen. Das Management kümmert sich um die Entwicklung, um Corona, um Lockdowns, um Home Office usw. Das ist nicht mein Job als Aktionär! Mein Job ist, mir die richtigen Unternehmen auszusuchen, die auch in solchen Phasen gut durchkommen und die sich bietenden Chancen nutzen (können). Dass der Aktienkurs auch dieser Unternehmen stark schwankt, das gehört dazu. Aber es ist nur eine Nebensächlichkeit. Obwohl die meisten Anleger nur darauf achten und den Erfolg ihrer Investments alleine daran festmachen, ob in ihrem Depot hinter der Aktie in möglichst fettes Plus oder ein Minus steht. Aber das ist der falsche Ansatz, der falsche Gedanke. Denn den Aktienkurs kannst Du nicht beeinflussen!!! Niemand weiß, wo er morgen steht oder in vier Wochen oder in zwei Jahren. Du kannst nur das Unternehmen analysieren und bewerten und dann einsteigen, wenn sein Wert höher ist als das, was Du heute dafür bezahlst. Benjamin Graham stellte dabei auf den heutigen Wert ab, Buffett, Munger, Fisher auf den künftigen Wert. Deshalb setzen sie auf Quality Investing, auf Unternehmen, deren Entwicklung man relativ sicher abschätzen kann. Nicht auf Klitschen, nicht auf Turnarounds, sondern auf Unternehmen mit soliden Bilanzen und starken Burggräben. Oder wie Buffett auch sagt: man muss sich auf das Spielfeld konzentrieren (die Unternehmen), nicht immer auf die Anzeigentafel starren (Aktienkurse).

    Um zu dieser Erkenntnis zu kommen, sie wirklich zu verstehen und zu verinnerlichen, braucht man Jahre und viele Erfahrungen an der Börse. Denn es ist nicht einfach. Auch mir setzen Minuszeichen im Depot zu und ich muss mir dann diese Grundsätze wieder bewusst machen, um mich an ihnen zu orientieren. Buffett lebt sie, ich wende sie an - oft klappt das, aber nicht immer. Das sich schon den dritten Crash miterlebe mit der dazugehörigen Endzeitstimmung, ist natürlich ein Hilfe dabei. Das Wissen, dass es in der Nacht dunkel ist, aber es danach wieder hell wird. Für wen es zum ersten Mal Nacht wird, der muss das erst noch lernen...

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  17. Hallo Michael, zunächst vielen Dank für Deine umfangreichen Ausführungen! Manche der Dinge über Microsoft hatte ich tatsächlich schon mal gehört oder gelesen, aber nicht mit dem historischen Aktienkurs in Verbindung gebracht. Die Sichtweise des Investments, die Du in Deinem Blog vermittelst, finde ich ja durchaus auch sehr reizvoll: ich vertraue mein Geld Unternehmen an, von denen ich glaube, dass sie gut aufgestellt sind, und gute Aussichten auf die Zukunft haben. Ich stelle mir dabei immer vor, wie Manager, Mitarbeiter und viele kluge Köpfe ihre 50-Stunden-Wochen (für mich) herunterreissen, Meetings abhalten, Strategien entwickeln, Probleme lösen... um das Unternehmen, in das ich investiere, und damit letztlich auch mich, erfolgreicher zu machen. Das ist tausendmal besser, als mein Geld auf einem Negativzinsenkonto und durch die Inflation langsam verfaulen zu lassen. Die Wirtschaft ist es, die die Wertschöpfung in den Industriestaaten schafft, und genau das ist wohl der Grund, warum Aktien sich so prächtig entwickelten in den letzten Jahren. Die andere Sache gegenüber dieser etwas romantischen Sichtweise ist natürlich, dass wir alle de facto das gleiche Ziel haben: wir wollen einfach, dass sich unser Geld vermehrt. Ob wir das nun so offen zugeben wollen oder nicht, deswegen machen wir in Aktien. Bzw. beschäftigen uns mit diesem Thema. Manche wohl etwas erfolgreicher (und da zähle ich die Leser dieses Blogs dazu, wegen der sinnvollen vermittelten Grundlagen). Und andere verbrennen sich wohl eher die Finger mit Derivaten, Hypes, falschen Hoffnungen, und falschen Vorstellungen davon, was Börse ist, wie sie funktioniert, und wie man sich (halbwegs erfolgreich) auf diesem Parkett bewegt.
    Wie man letztlich handelt, oder handeln möchte, muss man allerdings, wie Du auch gesagt hast, für sich selbst herausfinden; ich habe das immer schon so gemacht, und ich werde da über kurz oder lang meinen Weg finden. Es gibt da vieles zu bedenken... wieviel Zeit kann oder möchte ich in das ganze Thema stecken; welchen zeitlichen Horizont will ich abdecken (mit einer 5 vor der Jahreszahl bin ich schon etwas spät dran); mit wieviel investiertem Geld kann ich ruhig schlafen; wo liegen realistische Ziele bei der ganzen Sache uswusf. Ich habe mir damals in Dotcom-Zeiten auch ein paar finanzielle Schrammen geholt. Bei mir war es ein guter Bekannter, der mich auf Aktien brachte. Er hatte es absolut gut gemeint - das änderte aber nichts daran, dass er von Unternehmensbewertung, Spekulationsblasen oder Hypes einfach nichts wußte, und ich auch nicht. Ich bin dann irgendwann wieder raus, er blieb glaube ich noch länger drin in der verpuffenden Blase.

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  18. @Jens ich glaube, Du hast ein paar Dinge etwas missverstanden, die ich meinte. Ich lese so oft, wie man in Aktien gut strategisch vorgeht, aber eigentlich nie, wie man das Thema sinnvoll abschliesst. Mit „Ausstiegszeitfenster“ meinte ich, es wäre ungünstig, wenn ich am Tiefstpunkt einer Wirtschaftskrise in Rente gehe, und genau dann meine Aktien alle verkaufen müsste. Klüger wäre es, den erwünschten bzw. geplanten Lebensstandard notfalls 3 oder 5 Jahre lang aus anderen Quellen finanzieren zu können. Die Aktien mache ich dann zu Geld, wenn die Wirtschaftskrise wieder überwunden ist, und ich entsprechend mehr Geld dafür bekomme.
    Bezüglich steigender Kurse, darfst Du Dir aber nichts vormachen. Zum einen: Aktien steigen oder fallen nicht wegen Krisen, Wirtschaftsboom, Pandemien, oder weil sich Unternehmen im Umsatz und Gewinn verzehnfacht haben, sondern nur deswegen, weil sich Angebot (Verkäufer) und Nachfrage (Käufer) am Aktienmarkt verschieben. Das treibt die Preise bzw. Kurse dann nach oben, oder läßt sie fallen. Es mag beobachtbare mittelbare Zusammenhänge zwischen den äußeren Geschehnissen und den Bewegungen der Kurse geben, aber keine zwingend ursächlichen, wenn Du verstehst, was ich meine. Es sind immer Menschen, die Aktien kaufen oder verkaufen wollen. Und deren Motive kann man in ihrer Gesamtheit nur wenig (oder gar nicht) überschauen.
    Und wenn sich ein Aktienkurs seit Deinem Investment gut entwickelt hat, dann nur deswegen, weil viele Leute nach Dir diese Aktie kaufen wollten. Und wenn Du irgendwann verkaufst, dann nimmst Du all diesen Menschen einen kleinen Teil ihres Geldes. Indem Du nämlich den Aktienkurs beim Verkauf um ein winziges Stückchen nach unten ziehst... so sind die Zusammenhänge. Es ist ein Nullsummenspiel...
    Es ist übrigens keineswegs gesagt, dass sich Aktien die nächsten 10, 20 Jahre weiterhin so gut entwickeln werden, wie sie das in den letzten Jahren getan haben. Ich gehe zwar aus gewissen Gründen davon aus, dass das erstmal so bleibt, und wir alle hoffen das auch, aber wirklich wissen kann es niemand. Sehr gut denkbar wäre auch ein Szenario, an dem sich der Kurs aller Unternehmen an der Börse ihrem realen Wert in der realen Wirtschaft anpasst, und dann kein weiteres Kurswachstum mehr erfolgt. Ich schätze, das dürfte einigen Dinos am Markt auch schon so passiert sein.
    Oder das Gegenteil: mangels Alternativen, zuviel flüssigem Geld usw. stürzen sich irgendwann alle auf Aktien, und der komplette Markt geht in eine Überbewertung. Was dann konsequenterweise folgen muss, ist das Platzen einer solchen Blase, mit allen bekannten unangenehmen Folgen.
    Aber Stand heute ist das noch nicht soweit, oder absehbar, würde ich sagen.

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    1. Chris, die Aussage (von Gekko), die Börse wäre ein Nullsummenspiel, ist nicht korrekt, da saß sein Erschaffer Oliver Stone einem Irrtum auf. Es wäre nur dann ein Nullsummenspiel, wenn die Börse ein in sich geschlossener Kreislauf wäre. Sie ist aber nicht geschlossen, denn es fließt tagtäglich Geld hinein und wieder heraus - aber nicht die gleiche Summe. Und gerade in den Jahren seit der Finanzkrise sind Unmengen an Zentralbankgeld in die Börsen geflossen, so dass es eben kein Nullsummenspiel ist. Mehr Geld bedeutet mehr Aktienkurs. Und der "Verlierer" ist die Notenbank und zwar so lange, bis sie dieses zusätzliche Geld wieder abschöpft. Die Geldmenge steigt aber immer weiter an und dieses Geld fließt in Assets, in Aktien und Immobilien. Eine Geldinflation bleibt (deshalb bisher) aus, aber die steigenden Aktien- und Immobilienpreise stellen eine Vermögenswertinflation dar. Und je niedriger die Zinsen, desto stärker ist der Zustrom des Geldes in Vermögenswerte...

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    2. Hallo Michael. In welcher Form sind denn Geldmengen der ZB in die Börsen geflossen? Und wie kann dieses Geld wieder abgeschöpft werden? Das müsste doch dann durch den Kauf/Verkauf von Wertpapieren passiert sein, bzw. passieren. Das ist ja sogar geplant im Moment, habe ich gelesen.
      Und mal etwas anderes: wieso ist eigentlich eine gesteuerte Inflation das Ziel der EZB (ich lese: 2%)? Sollte die EZB nicht darum bemüht sein, sowohl eine Inflation als auch eine Deflation vom Euro fernzuhalten? Und woher kommen die seit mehreren Jahren 0% Zinsen? Sich Geld zu leihen, sollte doch eigentlich (logischerweise) immer einen Preis haben. Und wenn man jemandem Geld zur Verfügung stellt (Sparbuch etc.), mit dem derjenige arbeiten kann (z.B. Banken), dann sollte man dafür doch auch mit Verzinsung belohnt werden. Wieso wurde dieses Modell eigentlich gekippt? Irgendwo wurde zum Beispiel geschrieben, das wurde deswegen gemacht, damit sich der Staat einfacher verschulden kann... was übrigens m.E. auch nicht der Weg sein kann...
      Und zur Bewertung von Unternehmen... ich habe gelesen, Buffet hält die Aktien aktuell für stark überbewertet. Was wäre überhaupt ein realistischer Preis für ein Unternehmen? Vielleicht alle Besitzümer, plus den prognostizierten Wertzuwachs von vlt. 10 Jahren? Dann würde ein Investor ab dem 10. Jahr Gewinn machen mit dem Kauf einer Firma (der Gewinn/generierte Cashflow gehört ja dann ihm). Viele Grüße.

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    3. Der normale Weg einer Notenbank ist kein direkter. Sie verändert Zinssätze, weil dies den Banken ermöglicht, ihre Zinssätze zu verändern - und so landet das Geld dann bei Verbrauchern und Unternehmen. Oder durch veränderte Mindestreserveanforderungen, weil es so für Banken teuer oder eben billiger wird, Geld zu verleihen.

      Dass die EZB direkt Unternehmensanleihen kauft, ist ein Bruch mit ihrer klassischen Rolle. Auch die FED tut dies ja seit der Finanzkrise 2008/09.

      Wenn also die Zinsen sinken und die Geldmenge steigt, dann landet das Geld bei den banken und diese geben es als Kredite an Privatleute und Unternehmen heraus. Doch die konsumieren nicht etwa in großem Stil, sondern viel von diesem Geld wurde von diesen stattdessen in Immobilien oder eben Aktien gesteckt.

      Abschöpfen kann die EZB das Geld wieder, indem sie es teurer macht und geringere Mengentender für die Banken zur Verfügung stellt. Die können sich dann weniger frisches Geld bei der EZB leihen, als sie ihr gleichzeitig zurückzahlen müssen. Das knappere Geld wird dann teuer für die Kreditkunden. Soweit die Theorie, denn in der Praxis ist es gar nicht so leicht, eine "auf Speed" gedopte Wirtschaft sanft zu entwöhnen, ohne einen Kollaps zu verursachen. Als die Notenbank in den 1930ern die Zinsen anhoben, stürzte die Wirtschaft und die Börse ab. Als die FED 1999 mehrmals die Zinssätze anhob, crashte dann bald die Börse. Und als die FED 2017/18 damit begann, mehrmals die Zinsen anzuheben... Ende 2018 stürzte die Börse ab. Ist also nicht so einfach...

      Zinsen sind eigentlich die Risikoprämie dafür, dass man ggf. sein Geld nicht zurückbekommt. Je höher dieses Risiko, desto höher der Zinssatz. Wenn nun aber Geld quasi unbegrenzt und für jeden zur Verfügung steht, entfällt das Risiko. Das ist eine grundsätzlich ungesunde Entwicklung/Situation. Denn es hält auch viele Unternehmen am Leben, die es nicht sollten; weil so die besseren sich nicht durchsetzen können. Ausführlich habe ich das hier erläutert: "Der Tod des Risikos - Winken durch Niedrigzinsen paradiesische Zustände oder droht uns Zombiland?.

      Eine moderate Inflation ist wichtig und sogar notwendig. Sie bedeutet, dass Unternehmen höhere Preise verlangen können und die Menschen mehr kaufen, weil es demnächst teurer wird. Umgekehrt, bei Deflation, wird die Wirtschaft abgewürgt. Wenn man glaubt, dass die preise fallen, kauft man heute nicht, sondern wartet so lange wie möglich ab. Die Nachfrage bricht ein und die Unternehmensgewinne in der Folge auch, was zu Kosteneinsparungen und Entlassungen führt. Und ggf. weiteren Preissenkungen, um den Absatz anzukurbeln. Eine Teufelsspirale, aus der nur schwer herauszukommen ist. Japan schafft das seit Jahrzehnten nicht...
      1/2

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    4. 2/2

      Buffett hält Aktien nicht für überbewertet! Bitte nicht den Mist glauben, den irgendwelche Kommentatoren so von sich geben, vor allem, wenn sie sich auf Shillers Cape-Ratio berufen. Buffett hat auch zuletzt mehrfach gesagt (!), dass Aktien eher preiswert sind - weil die Zinsen so niedrig stehen und weiter fallen. Deshalb seien höhere Bewertungen angemessen und kein Hinderungsgrund, solide Qualitätsaktien zu kaufen. Man muss sich immer die Opportunitätskosten anschauen, rät Buffett. Also den Vergleich, was man mit einer anderen Anlage in der gleichen Zeit verdienen kann. Also als Standard die 10-jährige US-Schatzanleihen. Die ~0,5% stehen in Konkurrenz zu den Unternehmensgewinnen in der gleichen Zeit. Ken Fisher sagt, KGVs sind relativ nutzlos, weil sie die Vergangenheit betrachten. Stattdessen sollte man die Gewinnrendite ermitteln. Geht ganz einfach: Gewinn durch Kurs teilen (also genau anders herum als beim KGV). Mitte Februar lag die Gewinnrendite des US-Markts bei rund 5%, die des DAX bei fast 6,5%. Nun dürfte es deutlich weniger sein, weil Corona die gewinne schmilzt. Aber nicht bei allen. Selbst wenn wir jetzt 2,5% annehmen für das Jahr 2020 bei den US-Märkten, ist das noch immer 2% höher als die Rendite der US-Staatsanleihen. Mit anderern Worten: Aktien haben zurzeit gegenüber Anleihen einen 2-prozentigen Renditevorteil. Und wenn man jetzt davon ausgeht, dass sich die Wirtschaft bald wieder zu erholen beginnt und die Gewinne der Unternehmen wieder steigen, steigt auch der Renditevorteil. Denn die Zinsen sind wegen der Krise kurzfristig hoch gesprungen, werden aber dauerhaft niedrig bleiben; die Notenbanken werden noch länger die Märkte mit Geld fluten.

      Daher bleibe ich dabei: Aktien sind das Maß der Dinge. Aktien von Qualitätsunternehmen, bei denen absehbar höhere Umsätze, Cashflows und Gewinne winken.

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    5. Da bin ich übrigens nicht ganz der Meinung, dass Aktien das Maß aller Dinge sind. Das wäre in meinen Augen, die nächste große Erfindung zu machen, die die Welt im großen Stil verändern wird - so, wie das unsere beliebten Technologie-Unternehmen an der Börse wiederholt bewerkstelligt haben.
      Aber mit Aktien kann man auf jeden Fall relativ bequem Geld verdienen (wenn es denn hinhaut). Meine drohende Altersarmut kann ich damit allerdings nicht vom Tisch schaffen, das ist mir inzwischen schon klargeworden...

      Die Informationen über Buffett habe ich hierher:
      https://www.onvista.de/news/es-gibt-keine-zweifel-mehr-buffett-denkt-dass-aktien-stark-ueberbewertet-sind-332189397
      oder auch hier:
      https://boerse.ard.de/anlagestrategie/geldanlage/Buffettt-indikator-schlaegt-alarm100.html (2019)
      Das klingt zumindest alles plausibel beschrieben und gut recherchiert... ich werde mir aber nicht die Mühe machen, jetzt alles gegenzuchecken.
      Vom dem Schrottwert Wells Fargo hat Buffett mehr Aktien verkauft, als an einem Tag überhaupt an der NYSE gehandelt werden. Das ist keine Erholung, was ich da am Kurs seit 6 Wochen sehe, das sind eher ein paar verzweifelte Todeszuckungen... willkommen zurück im Kursniveau von vor 10 Jahren.

      Zur Bewertung von Unternehmen: das KCV sagt aus, wieviel Jahre es dauert, bis sich ein von mir aufgekauftes Unternehmen rechnet, und anfängt, Gewinn in meine Tasche zu spülen. Man kann sich überlegen, ob ein Wert von 20 oder 30 auch nur für irgendeinen Investoren interessant wäre (von der Wachstumsphantasie des spezifischen Unternehmens einmal abgesehen).

      Ich glaube, wenn große Investoren von „Value Investing“ reden, dann meinen sie insbesondere zwei Dinge: a) aus speziell dieser Sache werde ich irrsinnig viel herausholen können und b) die ganze Sache ist auch so gut wie sicher.
      Und alles andere, was mir so über den Weg läuft, lasse ich gleich links liegen. Nur so wird man wohl irgendwann Multimilliardär...

      Oder frei nach Gordon Gekko: „Die meisten spielen an der Börse Roulette; so blöd bin ich nie gewesen. Ich mach' nur sichere Sachen“.

      Was die EZB und andere große Mitspieler da bisweilen so treiben, entzieht sich meinem Verständnis - und auch meinem Grundlagenwissen über BWL. Besonders gesund kann das alles aber nicht sein. Die EZB kauft in großem Stil Schrottpapiere aller Art (von Staat, Unternehmen, ...) um bankrotten Staaten über die Hintertür Milliarden zuzuschustern, die mal lieber endlich schauen sollten, von selbst auf die Beine kommen, und ihre inhärenten Probleme zu lösen. Und um die Inflation mit allen denkbaren Mitteln auf 2% hochzuprügeln. Ja, hochzuprügeln... nicht etwa herunterzudrücken. Und teuer bezahlen tun das dann die kleinen Leute, die Geld auf Sparbüchern oder sonstwo haben, und sich nicht teure Finanzberater leisten können, um ihren Reichtum gewinnbringend anzulegen, oder in Steueroasen zu verstauen... während Preise und Lebenshaltungskosten dann stetig steigen... aber was verstehe ich schon von solchen Dingen...

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    6. Im ersten Artikel (auf onvista) wird behauptet, Buffetts hoher Cashbestand würde bedeuten, Aktien seien überteuert (sonst würde er ja kaufen). Dem widerspreche ich, Buffetts größtes Problem ist, dass er immer weniger geeignete Zielfirmen findet, in die er überhaupt investieren kann. Berkshire hat weit mehr als $200 Mrd. an Beteiligungen, Buffett kann nicht mehr in eine Firma mit einer Marktkapitalisierung von €100 Mio. investieren. Er würde niemals einen signifikanten Anteil zusammenbekommen, ohne den Preis durch die Decke zu schießen. Er kann also nur noch auf Großwildjagd gehen und dafür kommen an der Börse vielleicht gerade mal noch um die 100 Aktien infrage. Und ein Drittel davon hat er schon im Portfolio!

      Des Weiteren werden seine fortgesetzten Verkäufe bei Wells Fargo als Grund genannt. Und das ist mal definitiv Nonsens und schlecht recherchiert. Auf dem Thema reite ich seit drei Jahren herum bei jedem Quartalsupdate: Buffett darf aus regulatorischen Gründen an keiner US-Bank mehr als 10% Anteile halten. Er ist bei Wells Fargo schon mehrfach an dieser Grenze gewesen, weil die ihre eigenen Aktien zurückkaufen. Buffett verkauft dann einige seiner Aktien und durch die Rückkäufe steigt sein Anteil wieder an. Dann muss er wieder einige Aktien verkaufen. Ist ihm jetzt auch bei der Bank of New York Mellon passiert, auch da rutschte er über 10% und musste deshalb einige Aktien verkaufen. Wer sich mit Buffett beschäftigt, weiß das! Das hätte also so nicht in dem Artikel stehen sollen/dürfen.

      Aber das sind/waren keine Vorwürfe an Dich, bitte nicht missverstehen. Ist klar, dass man nicht jede Info nochmals überprüfen kann, sondern auf ihre Qualität vertraut.

      Über den Buffett-Indikator habe ich auch schon berichtet (zum Artikel), doch genau auf diesen angesprochen hat er ja geäußert, dass Aktien zwar absolut betrachtet sehr hoch bewertet seien, aber eben relativ nicht (siehe meine Ausführungen zuvor zu Niedrigzinsen und Gewinnrendite).

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    7. Zur EZB. Ja, ich bin auch kein Freund dieser Anleiheankäufe. Es gibt allerdings einen Hintergrund, weshalb die EZB vor ~10 Jahren damit anfing, Staatsanleihen zu kaufen. Der US-Imobilienmarkt brach zusammen und die ganzen strukturierten Produkte darauf mit den ganzen Schrottkrediten darin. Da haben auch die europäischen Banken viel von in den Büchern gehabt und das hat riesige Verluste verursacht. Hinzu kam, dass auch die europäischen Immobilienwerte massiv einbrachen und reihenweise Kredite platzten. Die Banken standen ohne Hosen da bzw. ihr Eigenkapital rauchte sehr schnell auf. Die Staaten musste die Banken stützen, aber nun kamen die Spekulanten und wetten gegen einige Euro-Staaten, dass sie aus dem Euro rausfliegen und pleite gehen würden. Die Zinsen schossen extrem nach oben und damit wurde aus der Immobilienkrise in den USA eine weltweite Finanzkrise und dann eine Staatsschuldenkrsie in der Eurozone. Aus diesem Grund hat die EZB angefangen, Staatsanleihen von Euro-Staaten zu kaufen. So wurden diese Staaten in die Lage versetzt, ihre Banken zu stützen. Aber... die Banken haben jeweils große mengen der "eigenen" Staatsanleihen im Bestand, das ist ein großes Risiko (in Italien oder Spanien) und sie haben hohe Quoten an uneinbringlichen Krediten in ihren Bilanzen (wieder Italien und Spanien vorneweg). Wenn aber die Banken umfallen, dann müssen die Staaten, die selbst kurz vor dem Kollaps stehen, einspringen. Die Krux ist, dass durch die rigiden Sparprogramme und Steuererhöhungen auch die Wirtschaft abgewürgt und mehr Leute in Arbeitslosigkeit gebracht werden. Was wiederum die Kreditausfälle erhöht. Ein verdammt schwierige Lage und nicht einfach zu lösen.

      Dem gegenüber stehen die USA mit ihrer Wirtschaftskraft und ihrer unerschütterlichen Bonität (trotz mehr als 1 Billion neuer Schulden pro Jahr!!!), die locker ihre Banken stützen konnten und dafür für fast null Zinsen weltweit Geld geliehen bekommen. Daher... ich finde die Politik der EZB nicht gut, aber ich habe keinen besseren Vorschlag. :-(

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    8. Hm, es sieht ganz so aus, als ob wir diese Unterstützung auch einfach machen müssen, wenn wir in Europa nicht irgendwann von sog. „gescheiterten Staaten“ umgeben sein wollen... das ist es sowieso, wie ich Deutschland und die EU sehe: D. Spielt mit seiner bärenstarken Wirtschaft den Zahlmeister, und dafür erhält es die Hegemonie in Europa. Geld gegen Macht - ein altes Spiel. Ob das wirklich so ist, weiss ich nicht, aber mir scheint es ganz so.

      Und ich glaube, die EZB treibt da ein bedenkliches Spiel. Die Deflation, die sie so verzweifelt versucht niederzuringen (wohl auch deswegen, weil man mit Geld, das von selbst immer mehr wert wird, kein Geld mehr verdienen kann, was das das grundlegende Geschäftsmodell von Banken darstellt) kommt vielleicht einfach daher, dass die EU mehr aus China importiert, als sie exportiert. Jedes Produkt, das ich direkt oder indirekt aus China kaufe, spült ein paar Euros nach China. Die Geldmenge in der Eurozone sinkt, und daraus folgt die Deflation. Indem die EZB jetzt Geld in wertlosen Papieren (oder wie seinerzeit die USA: in wertlose Immobilien) bindet, zieht sie den Wert des Geldes wieder herunter. Unangenehm könnte es dann werden, wenn diese überbewerteten Konstrukte uns irgendwann um die Ohren fliegen (weil irgendjemand versucht, sie wieder zu Geld zu machen, etc.).
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      Mit Warrens Argumentation muss man etwas vorsichtig sein. Es interessiert die grundlegenden Mechanismen der Wirtschaft wenig, ob Anleger deswegen Aktien kaufen, weil sie die einzige bzw. eine der wenigen überhaupt noch aussichtsreichen Anlagemöglichkeiten sind.
      Und manche KBV's (Kurs-Buch-Verhältnis) gefallen mir gar nicht.
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      Mit „Nullsummenspiel“ meinte ich, dass niemand die Aktien eines Unternehmens mit Gewinn verkaufen kann, ohne den restlichen Anteilseignern einen (kleinen oder großen, je nach Verkaufsvolumen) Verlust zuzufügen. Der (realisierte) Gewinn des einen, ist der Verlust des anderen - und umgekehrt.

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  19. Ich versuche mir immer noch die Frage zu beantworten, ob wir im Moment auf einer riesigen Aktien-Spekulationsblase sitzen, oder nicht. Die Antwort darauf ist die einfache Frage, ob börsennotierte Unternehmen heute ihren Preis (= ihre Marktkapitalisierung) wirklich wert sind, oder nicht. Ist der Preis ähnlich demjenigen, den ein Investor für eine Firmenübernahme eines NICHT börsennotierten Unternehmens zahlen würde, oder nicht...
    Sind die AG's unverhältnismässig teurer, dann sitzen wir auf einer Blase, und die ganze Aktiengeschichte ist einigermassen riskant (weil Blasen irgendwann platzen, oder die Luft rausgelassen wird, das ist nur eine Frage der Zeit). Weiss jemand Antworten?

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    1. Die Frage stelle ich mir auch schon seit längerem. Ich bin absolut der Meinung von Michael hinsichtlich seiner Favoriten (Burggraben, Zukunftsaussichten,...) ABER die Bewertung macht mir echt Sorgen. Habe auch meine Bauchschmerzen wenn ich oft höre, dass z.B. eine Amazon schon immer so teuer war. So wirklich ist, dass für mich kein Argument.
      Auf der anderen Seite fehlen einem die Alternativen und es ist soviel verfügbares Geld da...aber ob das langfristig gut geht...???

      Viele Grüße, Basti

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    2. Moin Basti,
      nach welchen Maßstäben ist Amazon denn teuer? Das KGV hat ausgedient, das sagt selbst Warren Buffett. Und Ken Fisher hat bereits 1984 in "Super Stocks" vom KGV abgeraten, weil damit Wachstumsaktien nicht zu bewerten sind - er präferierte das KUV (Kurs-Umsatz-Verhältnis). Auf Deutsch ist das Buch 2008 erschienen ("Die Kunst der richtigen Aktienauswahl", es ist aber meist vergriffen oder sündhaft teuer.

      Amazon investiert jeden Dollar, der reinkommt, in den Ausbau seines Geschäfts. Nur deswegen wächst man so schnell, nur deswegen ist man so innovativ und nur deswegen ist man in mehreren Bereichen Marktführer. Man sollte auf die Umsätze und die Cashflows schauen und ob diese zulegen. Die Gewinne entstehen dann "automatisch", sobald die Investitionen nicht mehr so hoch ausfallen. Der entscheidende Punkt ist, dass Amazon jederzeit Gewinne ausweisen könnte, indem sie einfach keine weiteren Investitionen mehr tätigen (nur noch Ersatzinvestitionen, aber nicht ins Neugeschäft). Das ist der elementare Unterschied zu 2000, als die Unternehmen allesamt Geld verbrannten ohne Aussicht auf schwarze Zahlen oder auch nur operative Gewinne.

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    3. @Michael darum geht's in meiner Frage nicht, sondern darum, wie Aktiengesellschaften allgemein heute so bewertet sind. Ich habe mal etwas recherchiert: nicht börsennotierte Unternehmen gehen in etwa zu einem Preis über den Ladentisch, der dem Umsatz entspricht. Die Marktkapitalisierung vieler Aktiengesellschaften liegt aber bei einem Vielfachen des Umsatzes (Amazon: Faktor vier!) - Aktien sind also heute im Grunde schon (viel) zu teuer. Augenscheinlich deswegen, weil niemand mehr weiss, wie er sein Geld sonst anlegen soll.
      Ich selbst werde auch weiter in Aktien spielen, aber die latente Gefahr dahinter im Hinterkopf behalten (Stop Loss einziehen u.ä.).

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  20. Hallo Michael,
    letzte Woche hatte die DIC Asset HV und die Anfang April veröffentlichte und aktualisierte Prognose für 2020 wurde bestätigt. Die kurz- und mittelfristigen Auswirkungen auf das Vermietungsgeschäft wurden ebenfalls thematisiert. Seit der Kapitalerhöhung ist es bei den Zukäufen durch TTL und Vorstand merklich ruhiger geworden, obwohl der Kurs noch auf deutlich niedrigerem Wert verharrt.
    Hat sich deine Einschätzung verändert? Können wir mit einem Blog oder Kommentar von dir rechnen? Die Aktie befindet sich ja unter deinen TOP 2020 Werten.
    Vielen Dank und Grüße, Markus

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    1. Moin Markus,
      Immobilien, gerade Gewerbebereich/Büros, sind momentan nicht angesagt. Fachmarktzentren und Logistik sind in, Einkaufszentren total out. Büro irgendwo dazwischen. Denke, hier bauen sich Potenziale auf.

      Zu DIC Asset habe ich keine neue Einschätzung. Im Unternehmen läuft alles hervorragend, es werden attraktive Mietvertragsverlängerungen abgeschlossen, die Karstadt/ Kaufhof-Problematik wurde weitgehend gelöst (zwei von drei Standorten erfahren Mietreduktionen, aber länger Mietlaufzeiten, Bremer Innenstadt wird geschlossen, aber DIC hat mehrere Optionen, u.a. durch Nachbar Zech Gruppe). Prognose wurde bestätigt, Dividenden verdient und beschlossen (ich votiere für die Aktiendividende). Mein Investmentcase ist weiterhin voll intakt, ich sehe den Wert je DIC-Aktie eher bei €20 als bei €10.

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    2. Meine Wahrnehmung ist, dass die Unsicherheit aktuell groß ist, ob die Story "nachdem Corona überwunden ist, wird alles wie früher" so aufgehen wird. Oder ob sich nicht neue Megatrends entwickeln, die sich auch mittelfristig gegen die Attraktivität der Innenstädte richten (kurzfristig sieht es ja ohnehin düster aus). Wenn eben neben dem E-Commerce nun auch das Home-Office immer mehr an Bedeutung gewinnt und sich damit erstmal ein Vakuum an Geschäftsimmo-Bedarf (Einzelhandel und Büros) entwickelt. Dann muss sich eine Stadt überlegen, wie ihr neues Innenstadt-Konzept aussehen soll. Theoretisch kann man Immobilien natürlich umnutzen, aber das erfordert ggf. hohe Investitionen und lange Bauphasen, in denen dann erstmal die Mieteinnahmen wegfallen.
      Ich kann schwer beurteilen, ob DIC Asset jetzt 10 oder 20€ pro Aktie wert ist, aber ich denke der Nimbus "Innenstadtlagen werden immer attraktiv sein" ist jetzt erstmal weg. Sie sind nicht so unverwundbar wie man vielleicht vorher denken konnte, und das spiegelt sich aktuell im Aktienkurs wieder. Die Frage ist m.E. weniger, ob es DIC Asset aktuell nochmal gerade so gelungen ist, einzelne Mietverträge zu verlängern, sondern ob solche Probleme sich in Zukunft häufen werden. Denn nur weil ein paar Kaufhof-Filialen nun erstmal doch nicht geschlossen werden, heißt das ja nicht, dass sie nicht vielleicht nächstes Jahr geschlossen werden. Und wer soll solche Ankermieter dann ersetzen? Wenn es niemanden gibt, leiden dann auch die umliegenden Lagen und es wird eine Lawine aus Geschäftsaufgaben losgetreten. Mir fehlt aktuell die Phantasie, welche Gegeneffekte es evtl. geben könnte, die eine solche Lawine aufhalten könnten.

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    3. Genau, die Unsicherheit bei DIC Asset und Gewerbe-/ Büroimmobilien ist momentan groß und deshalb ist der Kurs entsprechend niedrig. Sobald die Unsicherheit weg ist, steht der Kurs auch wieder höher. Sogar dann, wenn sich die Bedenken teilweise oder sogar weitgehend als richtig erweisen sollten - dann haben Börsianer das Gefühl, die Perspektiven wieder klar zu überblicken und damit ein Gefühl der Kontrolle. Das ist per se positiv für die Aktienkursentwicklung (sofern das Unternehmen nicht klar auf eine Insolvenz zusteuert...).

      Solange also die Phase der Unsicherheit andauert, bekommt man die Aktien mit "Unsicherheitsabschlag". Ist quasi die Risikoprämie, ein Disagio. Wenn alle wieder klar(er) sehen, kommen die Kommentare wie "war ja klar" und "hätte ich mal", und "No-Brainer". Aber eben auch erst dann, hinterher.

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    4. Da gebe ich Dir recht: Unsicherheit hat an der Börse manchmal einen größeren Negativ-Effekt als (leicht) negative Nachrichten. In den letzten 3 Monaten ist sie aber nochmal größer geworden...
      Bei aktuell 10€ sehe ich dann allerdings den worst case als mehr als eingepreist und somit eine gute Wahrscheinlichkeit, dass die Geschäfte besser laufen werden als der Markt aktuell annimmt. Zumal sich die Mietausfälle von April bis Juni auf gerade mal 1,2 Mio € belaufen haben. Wenn sich das im Jahreszeitraum auf 4,8 Mio € summieren sollte, wären das gerade mal 6% des Jahresgewinns 2019. Der 40% Kursrückgang hat demnach eine düstere Zukunft eingepreist, die in den Geschäftszahlen jedenfalls bisher kaum zu sehen ist.

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  21. Hallo,

    ich habe eine Frage nach deiner Einschätzung von Corestate Capital Holding, im Bereich Immobilien, vor allem Studentenwohnungen, aber geographisch breit aufgestellt. Einige Analysten sehen die faire Bewertung wieder gegen 40 Euro, doch stattdessen dümpelt der Preis vor sich hin. Ist es so einzuschätzen, wie du das für DIC Asset auch tust, dass der Markt einfach noch nicht fair bewertet hat nach der Coronakorrektur, oder gibt es fundamentalere Sachverhalte, die es erklären?
    Ebenso wäre ich interessiert nach einer aktuellen Einschätzung zu Slack. Hat ja dieses Jahr mal die 40 Dollar berührt, seitdem aber auch wieder viele Federn gelassen.

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    1. Zu Corestate Capital kann ich keine Einschätzung abgeben, weil ich das Unternehmen nicht mehr be(ob)achte. Mit haben da einige Vorgänge gar nicht gepasst und daher hatte ich mich vor anderthalb Jahres aus dem Unternehmen/der Aktie verabschiedet (guckste hier).

      Und zu Slack habe ich auch keine Einschätzung. Das Unternehmen wirkt für mich mich wie ein One-Trick-Pony und ich konnte beim letzten oberflächlichen Ansehen nicht erkennen, weshalb gerade Slack interessanter als Zoom oder Teamviewer oder die ganzen anderen sein sollte. Ich bleibe da lieber bei meiner langweiligen Microsoft, die haben mit Teams ja auch guten Erfolg. Mag aber durchaus sein, dass ich Slack da Unrecht tue...

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  22. Hallo Michael, was hälst Du von Rüstungsaktien? Welche Aktie gefällt Dir am besten in diesem Sektor? Ich schwanke zwischen dem Branchenprimus Lockhheed Martin und General Dynamics, in die bis vor ein paar Jahren auch noch Warren Buffett investiert war.

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    1. Rüstungswerte sind grundsätzlich als Investments interessant; irgendwie steigen die Militärausgaben immer weiter an und Trump macht ja auch Druck auf die NATO-Verbündeten, mehr Geld für Verteidigung auszugeben.

      Ich bin allerdings auf dem Gebiet nicht besonders versiert und daher kaum in der Lage, mich zu den Chancen/Risiken einzelner Firmen der Branche zu äußern. Daher lasse ich den Sektor eher stiefmütterlich links liegen.

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  23. Nanu, verfolgst du jetzt die DeFaMa-Aktie? Oder nur die GSC-Research-Berichte?
    Mein letzter Stand ist, dass du Defama nichts abgewinnen kannst, weil die online-shopping-anbieter die Fachmärkte verdrängen...
    Nun hat sogar die Corona-Krise, mit ihrer massiven beschleunigung der digitalen Transformation, die Fachmärkte als explizite Krisengewinner hervorgehen lassen. Spannend. Defama ist jedenfalls eine der Aktien, welche durch die Korrekturen 2018 und 2020 stabil durchgekommen ist - bleibt bei mir im Depot und wird bei Schwäche (leider fällt sie kaum noch, auch nicht bei kleinen Korrekturen wie jetzt grade) zugekauft.

    Würdest du deine Einschätzung zur Defama beibehalten, oder korrigieren mit Blick auf die letzten Jahre?

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    1. DEFAMA läuft bei mir so am Rande mit, ich finde das Unternehmen nicht uninteressant. Ich sehe halt - auf lange (!) Sicht - das Risiko, dass Amazon und andere auch den Fachmarktzentren das Wasser abgraben. Kurs- und mittelfristig ist das (noch) nicht so. Auch weil Amazon sich mit Lebensmittellieferungen ja noch schwer tut, gerade in Deutschland.

      Wie man an den Erfolgen von Wayfair und home24 sieht, gewinnt auch der Möbelverkauf übers Internet zunehmend an Fahrt - dazu werden Logistikzentren und Lagerhäuser benötigt, aber perspektivisch geringere Verkaufsflächen. Thema Baumärkte: Hornbach setzt immer stärker auf Onlineverkäufe, das reduziert perspektivisch auch den Bedarf an großvolumigen Verkaufsflächen.

      Sicher, all diese Entwicklungen setzen sich nicht über Nacht durch, aber es ist ein allgemeiner Trend, der auch an den Fachmarktzentren nicht Halt machen wird. Davon bin ich überzeugt. Daher bin ich bei DEFAMA nach wie vor nicht an Bord.

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  24. Lieber Michael, eine Anmerkung bzw Frage zu der Aktie von AGROB (neu in Deiner Beobachtungsliste): Ist Dir folgende Seite bereits bekannt? https://www.ersa-angebot.de

    Die Gefahr eines neuen Übernahmeangebots ist mMn gegeben. Es werden ohnehin nur ca 13,5% der Aktien frei gehandelt. Wie siehst Du das?

    Beste Grüße
    Konstantin

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    1. Moin Konstantin,
      mir ist das gescheiterte Übernahmeangebot bei AGROB bekannt. Ich habe mir extra die Vorzüge gekauft, weil dort der Streubesitz mit 75,5% höher ist und somit die Handelbarkeit der Aktie besser ist/sein sollte.

      Die Gefahr eines erneuten Übernahmeversuchs ist gegeben. Ich rechne sogar perspektivisch damit, dass Apollo (Mutter von "ERSA") eines forcieren wird. Allerdings setze ich nicht darauf. Ich sehe die krasse Unterbewertung; es werden neue Flächen ausgewiesen zur Bebauung und nachdem man mit den Instandhaltungsinvests durch ist, geht man nun den ersten Neu-/Anbau an. Ich denke, es wird bald ein neues Wertgutachten geben und das wird dann auch Grundlage für ein mögliches künftiges Übernahmeangebot. Apollo hat ja wohl nach dem letzten Versuch geschnallt, dass es auf die "doofe" Art nicht klappt. Aber... je später die einen neuen Versuch starten, umso besser. München boomt, auch bein nahe gelegenen Gewerbeimmobilien/ -parks.

      Soweit mein Investcase in Kurzform. Ausführlicher folgt einer als separater Artikel.

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  25. Hallo Michael, Danke für Deine Rückmeldung. Bei einer Bewertung der Immos und Flächen von ca 170-180Mio und, unter Berücksichtigung der Schulden erscheint mir die Marktkapitalisierung von ca 120 Mio nicht so stark unterbewertet, zumal der netto Gewinn in Relation nicht sehr hoch ist. Vielleicht übersehe ich aber etwas. Beste Grüße Konstantin

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    1. Der von Dir genannten Wertansatz bzg. des Immvermögens von AGROB von ~€175 Mio. ist doch schon einige Jahre alt. Inzwischen gab es massive Wertsteigerungen, gerade im Ballungsraum München. Des Weiteren hat man kürzlich von der Gemeinde Genehmigungen zum Ausbau von Reserveflächen (44.000 m²) erhalten - der Bau kostet natürlich erstmal (daher auch die Dividendenkürzung aus meiner Sicht), aber bei fast null Prozent Zinsen für Fremdkapital kommt da einiges an Potenzial zusammen. Zumal der Vorstand sagte, man werde mit dem Bau nur beginnen, wenn man schon einen ersten Ankermieter hätte.

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  26. Lieber Michael, wie viel Zeit sollte man der erstmaligen Analyse eines Unternehmens widmen? Oder gibt es andere Kriterien, wann man mit der Recherche aufhören sollte? Hast Du eine Empfehlung was sinnvoll ist bzw. Erfahrungswerte, was zielführend ist?

    Derzeit neige dazu zu sagen, wenn ich innerhalb von 1-2 Stunden kein klares Bild über das Geschäftsmodell und die Finanzen eines Unternehmens und seinen Perspektiven habe, dann breche ich den Prozess ab - offensichtlich ist das Konzept zu komplex oder die Kommunikation ums Unternehmen zu schlecht - und ich suche mir einen anderen Wert aus.

    Beste Grüße
    Konstantin

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    1. Ich hab da keine feste Vorgabe, Konstantin. Im Grunde geht es doch darum, "ein Gefühl" für das Unternehmen zu bekommen. Von seinem Geschäft, seiner Entwicklung und von seinem Zahlenwerk. Das kann mal schneller gehen und manchmal braucht es mehr Zeit. Mir ist ja auch der Prosa-Teil bei Geschäftsberichten wichtig, weil man darin - über mehrere Jahre hinweg - schnell erkennt, wie der Vorstand mit Fehlern und Fehlentwicklungen umgeht, ob sie offen angesprochen und gelöst werden, oder ob sie unter "weichen" Formulierungen und leichten Anpassungen der Aussagen kaschiert werden sollen.

      Wenn ich allerdings Aspekte entdecke, die mir sehr negativ erscheinen, dann kann die Prüfung auch relativ schnell zuende sein. Ich überspringe die dann nicht und kümmere mich erstmal um andere, sondern ich beiße mich entweder daran fest, bis ich sie zur Zufriedenheit "gelöst" habe, oder ich unterbreche an der Stelle, um irgendwann anders weiterzumachen.

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  27. Lieber Michael,

    hast Du dein eigenes Depot schon mal hier auf deinem Blog vorgestellt?
    Ich wäre sehr daran interessiert, mal einen Blick darauf zu werfen, welche Werte Du im Depot hast und mit welcher Gewichtung.

    Danke vorab.

    Beste Grüße,
    Luis

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    1. Moin Luis,
      mein vollständiges Depot veröffentliche ich nicht. Allerdings gebe ich nach Ende eines Quartals jeweils immer ein "Investor-Update" ab, in dem ich meine zehn größten Positionen samt Gewichtung darlege und auf die Veränderungen innerhalb der letzten drei Monate eingehe. Anfang Januar wird also wieder ein Update erfolgen mit Stand per 31.12.2020.

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  28. Lieber Michael,
    zunächst an dieser Stelle vielen Dank für deine immer wieder fundierten Berichte zu Einzelinvestments und dem Gesamtmarkt. Aktuell habe ich zwei ganz unterschiedliche Fragen an dich:
    1. Zunächst eine Währungsfrage:
    Der Dollar hat zuletzt im Verhältnis zum Euro deutlich nachgegeben. Was bedeutet das aktuell für den Kauf von US-Aktien? Nehmen wir als Beispiel eine Amazon; kommt man durch den Währungseffekt aktuell in Euro günstiger an Amazon-Aktien oder trifft das nicht zu, da die Aktie selbst auch in Euro gehandelt wird?

    2. Eine grundsätzlichere Frage zur Anlagestrategie am konkreten Beispiel Blue Cap
    Ich halte die Aktien schon eine Weile und der Kurs notiert derzeit etwa 10 Prozent unter meinem Einstiegskurz. Aufgrund des deutlich höheren NAVs glaube ich, dass sich die Unterbewertung der Aktie irgendwann zumindest zu einem Teil auflösen wird. Die große Frage, die niemand beantworten kann, ist natürlich, wann es soweit sein wird, denn die Aktie ist durch die ganze Partnerfonds-Sache wie gelähmt und nach oben war bislang immer der Deckel drauf. Zugleich bin ich auf etliche Unternehmen am Markt gestoßen, deren Geschäftsmodell ich für sehr überzeugend und wachstumsstark halte, doch mir fehlt gerade das Kapital für einen Kauf und beim Blick auf die Werte in meinem Depot käme für mich eine Umschichtung am ehesten von Blue Cap dorthin in Frage.
    Einerseits ist es schwer mit anzusehen, wie bei aussichtsreichen Unternehmen, die man im Blick hat, der Kurs steigt, während man selbst an die Seitenlinie gefesselt ist. Zugleich Frage ich mich, ob ein (Teil-)Ausstieg mit Verlust bei Blue Cap in dieser Situation genau ein Ausdruck jener kurzsichtigen Gier ist, die einem auf Lange Sicht Rendite kosten kann.
    Wie würdest du in so einem Fall vorgehen (gerne konkret in Bezug auf Blue Cap wie grundsätzlich zu so einer Anlage-Situation)?

    Danke und viele Grüße
    Christian

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    1. Moin Christian, bzgl. des Wechselkurses Dollar/Euro ist es so , wie Du es beschreibst: da der Dollar abgewertet hat ggü. dem Euro, sind die Aktienkurse der US-Aktien an Deutschen Börsen (wo sie in Euro notieren), gesunken. Wenn Du dort jetzt eine Amazon kaufst, kaufste sie billiger also vor einigen Wochen. Aber... dieses "billiger" wirkt sich natürlich nur positiv aus, wenn der Dollar ggü. dem Euro wieder an Wert gewinnt. Dann fährste Währungsgewinne ein beim Verkauf der Aktie (oder beim Blick ins Depot). Fällt der Dollar weiter, leidet der Kurs in Euro, auch wenn er an der US-Börse (in Dollar) unverändert bliebe.

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    2. Deine zweite Frage ist eigentlich ja eine zum Thema Timing. Die deutliche Unterbewertung bei Blue Cap (Kurs vs. NAV) bringt Anlegern ja nur etwas, wenn sich die Unterbewertung auch mal auflöst. Oder wenn der Wert sich deutlich erhöht und er Kurs ebenfalls (bei gleichem NAV-Abschlag).

      Du beschreibst die Situation bei Blue Cap ganz treffend: Großaktionär PartnerFonds will seine Anteile loswerden. Aber man will sie natürlich nicht "unter Wert" abgeben, aber zum NAV findet sich verständlicherweise kein Käufer. Also bewegt sich nichts.

      Man hat bei Blue Cap einen neuen Vorstand, aber bis auf das Verkaufen von Immobilien ist bis jetzt kaum etwas passiert. Operativ leidet BC massiv unter Corona. Durch die Immoverkäufe kommt Geld rein, das für Aktienrückkäufe oder Portfolio-Neuerwerbungen zur Verfügung stünde. Aber... Blue Cap will eine neue Strategie fahren und keine/weniger Sanierungsfälle übernehmen, sondern stattdessen lieber solide dastehende Hidden Champions. Und natürlich für möglichst wenig Geld. Da hat man aber keinerlei Expertise drin und steht in Konkurrenz zu Unternehmen wie MBB, Gesco, Indus oder der DBAG, die das seit Jahren/Jahrzehnten erfolgreich vormachen. Obwohl keiner von den anderen solche Schnäppchen eintütet wie MBB, die sind schon eine Klasse für sich.

      Und nun...? Du sagst, Du hättest andere Unternehmen im Blick mit sehr guten Renditeaussichten. Aber kein freies Geld dafür. Und gleichzeitig "Angst", dass Du bei einem Teil- oder Komplettverkauf Deiner Blue Cap-Aktien einen Chance und fette Renditen verschenkst.

      Ein Dilemma, sehe ich auch so. Ist auch nicht aufzulösen, ohne dass Du eine Entscheidung triffst. Das Investieren ist ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten! Also, wie wahrscheinlich ist es, dass Blue Cap in nächster zeit sensationelle Ergebnisse und/oder Zukäufe/Exits vermeldet, die den Aktienkurs antreiben? Und wie wahrscheinlich ist es, dass sich das PF-Dilemma auflöst? Und natürlich musst Du für Dich die Frage beantworten, ob eine Lösung des PF-Dilemmas wirklich den Aktienkurs von BC schlagartig bis zum NAV hochschießen lassen würde. Es notieren ja wieder viele (fast alle) Beteiligungsgesellschaften mit 20% oder 25% Abschlag auf den NAV. Und sollte dieser Umstand eintreffen, wie viele der freien Aktionäre würden nicht schnell Kasse machen wollen bei Kursen von €25 oder €30, so dass der Kurs dieses Niveau nicht halten könnte, sondern wieder absinkt?

      Und das musste Du mit der Wahrscheinlichkeit vergleichen, dass sich bei Deinen anderen Ideen/ Unternehmen im gleichen Zeitraum ähnliche oder bessere Renditen einstellen.

      Ich bewerte ein Invest in BC seit längerer Zeit so, dass man (alleine?) auf die Hoffnung setzt, dass es künftig besser wird und sich die Probleme in Wohlgefallen auflösen und damit den Kurs hochschnellen lassen. Aber alle Privatanleger, die ich kenne und die in BC investiert sind, setzen auf diese Karte. Und wenn alle auf die gleiche Karte setzen, geht das meistens schief. Deshalb spielt BC in meinem Depot keine Rolle mehr; ich habe schon lange in andere Werte umgeschichtet. Und habe dabei in Kauf genommen, dass ich irgendwann vielleicht als "dumm" dastehe, weil sich BC alles easy entwickelt und es einen satten Kurssprung gibt. Aber ich akzeptiere das - und erziele in der Zwischenzeit woanders "wahrscheinlichere" Rendite.

      Doch diese Entscheidung kann Dir niemand abnehmen.

      Aus steuerlichen Gründen wäre es vielleicht sogar zusätzlich attraktiv, noch in 2020 Verluste bei BC zu realisieren, wenn Du sie mit realisierten Gewinnen verrechnen kannst.

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    3. Hallo Michael, Hallo Christian,

      so ging es mir auch eine ganze Weile mit BC (und anderen Beteiligungsgesellschaften) - man wartet darauf, dass der NAV irgendwann erkannt oder sogar erreicht wird. In der Zwischenzeit rasen links und rechts von Dir die Kurse anderer Unternehmen gen Norden... Ich habe mich in den letzten zwei Jahren von allen Beteiligungsgesellschaften (außer Alphabet) getrennt und das war im Rückblick genau die richtige Entscheidung für mich. Selbst mit MBB, die ich für die beste halte, war ja von 2017 bis heute kaum Geld zu verdienen - und darum geht es uns doch letztendlich an der Börse, oder?

      Viele Grüße

      Jan

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    4. Das deckt sich mit meinen Erfahrungen: eine bloße Differenz zwischen NAV und Kurs führt normalerweise nicht dazu, dass dem Markt diese Differenz plötzlich (oder auch allmählich) auffällt und abbaut. Das passiert erst dann, wenn eine Tochter verkauft oder an die Börse gebracht wird, so dass der wahre Wert sichtbar wird. Ob und wann das bei Blue Cap passiert, kann ich leider nicht beurteilen. Aber eine notwendige Voraussetzung dafür ist sicher ein kompetentes Management...

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    5. Lieber Michael,
      es jetzt doch schneller als erwartet Schwung in die Blue Cap-Aktie gekommen. Wie bewertest du die Entwicklung und die letzten Unternehmensmeldungen? Ändert sich für dich etwas an deiner letztgenannten Sichtweise?

      Viele Grüße
      Christian

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    6. Moin Christian,
      Blue Cap hatte gleich zweimal was Erfreuliches zu berichten: das zweite Halbjahr 2020, besonders das Schlussquartal, ist besser gelaufen als geplant/befürchtet. Und man hat eine weitere Firma übernommen und so zumindest einen Teil der durch Verkäufe brach liegenden Mittel wieder ans Geldverdienen gebracht.

      Nimmt man das EBITDA des zweiten Halbjahrs von €11 Mio. und setzt das für das Gesamtjahr 2021 an, käme man auf €22 Mio. Davon ab gehen die Kosten für die Integration der neuen Firma sowie die einmaligen Gewinne aus dem Immobilienverkauf, aber das EBITDA der neuen Firma kommt hinzu.

      Weiter völlig ungeklärt sind die Beteiligungsverhältnisse bzw. die Absichten von Großaktionär PartnerFonds (44%). Wir wissen, das PF seinen Blue Cap-Anteil loswerden will und wir wissen auch, dass sie dafür möglichst viel Geld haben wollen. Beim aktuellen BC-Kurs von €25 liegt PF zumindest schon mal deutlich im Plus (sie hatten ja einiges weniger als €20 bezahlt und auch noch mehrere Dividenden eingestrichen). Insofern hat man nun mehrere Möglichkeiten, sich von den Aktien mit Gewinn zu trennen. Vielleicht ja sogar an die Deutsche Balaton? Die stehen ja auf solche "Endpspiel-Szenarien" (nur ein Scherz).

      Beteiligungsgesellschaften notieren zumeist um 20% unter ihrem NAV - dieser Konglomeratsabschlag rührt u.a. aus dem "doppelten Wasserkopf" her. Wegen der ungeklärten PF-Lage würde ich nochmals 10% bis 15% Abschlag für gerechtfertigt halten. Setzt man den NAV nun bei €35 bis €40 an, dann hat der Kurs mit dem Hüpfer auf €25 sein Pulver weitgehend verschossen. Weiteres Kurspotenzial ergibt sich erst durch weitere operative Erfolge und/oder eine Auflösung der PF-Problematik, wodurch sich der NAV erhöhen und/oder die NAV-Abschläge in der jetzigen Höhe nicht mehr gerechtfertigt wären. Was nicht heißt, dass der Kurs nicht trotzdem weiter steigen kann. Zumal ja "Kleiner Chef" in seinem W:O-Forum ordentlich für Blue Cap getrommelt (und durch seine Aufstockung ja die Kursrallye ausgelöst hat, zumindest den ersten Teil).

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  29. Hallo Herr Kissig,
    ich lese sehr gerne auf ihrem blog und bin froh diesen entdeckt zu haben. Also vielen Dank für Ihre Arbeit.
    Mich würde interessieren, wie Sie die Aktie "Intel" aktuell einschätzen ? Ich finde den "Chip-Markt"/Halbleiter-Bereich sehr spannend, kenne mich in dieser Branche aber nicht gut aus. Von den klassischen Bewertungskennzahlen erscheint Intel aktuell sehr günstig. (Gerade als Euro-Anleger). Auch bei einigen Zukunftstrends wie dem autonomen fahren scheint Intel mit Mobileye gut aufgestellt zu sein. Mich wundert daher die aktuelle Marktbewertung und ich frage mich, ob ich vielleicht irgendetwas übersehen habe?

    Liebe Grüße

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    1. Ich fürchte, Intel könnte eine sog. Value Trap sein. Man hat technologisch den Anschluss verloren, nicht nur an den großen Konkurrenten AMD, sondern auch ggü. NVIDIA und ARM. Die Intel-Chips sind veraltet und die neue Technologie kriegt man nicht hin, während die anderen die schon am Start haben. Die Kunden wenden sich scharenweise ab. Apple hat Intel fallen lassen und verbaut nun eigene, von ARM designte Chips. Und gerade kam die Meldung, dass auch Microsoft künftig für seine Server- und Surface-Hardware auf eigene Chips (von ARM) setzen wird.

      Ich bin wahrlich kein Experte für die Chip-Industrie, aber es spricht momentan vieles gegen Intel. Ob der Kurs für diese Risiken günstig genug ist, kann ich nicht beurteilen. In der Regel zahlt es sich aber mehr aus, auf die Gewinner zu setzen und nicht auf diejenigen, die gerade abstürzen.

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  30. Hallo Michael,
    ich habe gerade bei meiner Depotbank gesehen, dass deine Wikifolios nur in Deutschland zugelassen sind. Als Österreicher finde ich das Schade - hast Du eine Lösung oder Ambitionen in diese Richtung?
    Ich finde Deine Anlagestrategie gut überlegt sowie erfolgreich und würde gerne, dass sowohl Du als auch ich davon profitieren.
    Alles Gute im neuen Jahr und viel Erfolg
    Marcus

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    1. Moin Marcus,
      war mir nicht bewusst. Habe mich dies bezüglich mal an Wikifolio gewandt und bin gespannt, ob es da Hürden gibt und was ich ggf. tun kann...

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    2. Das ging ja fix mit der Antwort von Wikifolio: meine Wikis sind aktuell in Deutschland und der Schweiz gelistet und in Österreich sollte dies innerhalb der nächsten zwei Wochen ebenfalls umgesetzt sein.

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    3. Sehr gut - Danke für die Antwort
      lg Marcus

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    4. Moin Marcus,
      sind meine beiden Wikis inzwischen auch in Österreich investierbar, hat das geklappt?

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  31. Moin,

    da du ja öfters Grantham zitierst, hier eine aktuelle Aussage von ihm (Focus), er warnt wiederholt vor einer Techblase. Das selbe hat kürzlich auch Hans A. bernecker verlauten lassen, hat diese sogar für Anfang dieses Jahres festgeschrieben. Gibt mir immer zu denken, wenn so alte Hasen sich einig sind. Bin selber leider noch nicht so lange wie du in den Techwerten und würde unter einem nachhaltigen Kursrutsch stark leiden.

    https://www.focus.de/finanzen/boerse/aktien/jeremy-grantham-starinvestor-warnt-vor-investment-fehlern-der-aktienmarkt-ist-in-einer-epischer-blase_id_12843458.html

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    1. Sir John Templeton mahnt: "Die fünf teuersten Worte auf dem Gebiet des Geldanlegens sind: dieses Mal ist alles anders". Er hat damit Recht. Daher formuliere ich es so: dieses Mal ist vieles anders (als 1929, 2001, 2008/09).

      Ich schätze Granthams Meinung sehr und finde, man sollte ihm immer sehr genau zuhören. Was ich nicht schätze, sind unsinnige Vergleiche und das Hinschleudern irgendwelche Jahreszahlen als Beleg dafür, wie eine Entwicklung ab nun aussehen wird.

      Um es klar zu sagen: wir befinden uns in einer Blase, es wird einen Crash geben und erhebliche Kurseinbrüche. Nicht nur bei den Technologiewerten. Aber... niemand weiß, wann das wieder passiert. Wir wissen nur, dass es passieren wird, unweigerlich, denn es ist Teil unseres Lebens, unseres Wirtschaftssystems und der Börse, dass es zu "periodischen Phasen des Wahnsinns" kommt, wie John Kenneth Galbraight es formulierte. Der hat sich als Forscher übrigens intensiv mit dem Crash von 1929, seinen Folgen, aber auch seinen Ursachen befasst.

      Der Verweis auf die Tulpenmanie oder die Südseeblase ist völlig dämlich, weil niemand sie live mit erlebt hat und damals völlig andere Bedingungen herrschten als heute. Kann man also abhaken.

      Auch 1929 und die große Depression hat doch kein heute lebender aktiver Investor mehr erlebt. Aber hier sind wir an dem Punkt wo, es "anders" ist. Die Ursache für den Crash von 1929 ist zwar das Platzen einer Bewertungsblase, aber die sich anschließende große Depression ist die Folge der damaligen Notenbankpolitik. Die USA haben 1929 nämlich als Antwort auf den Crash die Zinsen erhöht und die Geldmenge stark verknappt! Das hat man 2001, 2008/09 und 2020 nicht getan, sondern das Gegenteil: die Zinsen wurden gesenkt und die Geldmenge ausgeweitet. 1929 ist also kein geeigneter Vergleich mit heute.

      2001 und das Platzen der Internetblase wird ebenfalls als Vergleich zur aktuellen Lage herangezogen. Und auch das passt nicht wirklich. Zunächst hatte die US-Notenbank bereits 1999 damit begonnen, die Zinsen mehrfach deutlich anzuheben - das hat den Crash mit verursacht. Dann gab es damals einen Hype bzgl. der sog. "New Economy": was heute Realität ist (Onlinehandel, Smartphones usw.) wurde damals als Realität eingepreist - 15 Jahre vor der Zeit. Es gab aber noch nicht einmal UMTS (also die 2G). Es konnte noch niemand Bilder, Videos usw. über das Handy empfangen, mit Handys konnte man telefonieren und SMS verschicken. Ende. Viele Startups drängten an die Börse und die hatten keinerlei Aussicht, in den nächsten Jahren irgendwann mal Geld zu verdienen. Ihr Erfolg basierte ausschließlich darauf, dass sie durch immer neue Kapitalerhöhungen (über die Börse) frisches Geld zum Verbrennen bekommen. Und, wie gesagt, die FED hatte den Geldhahn zugedreht.

      Und dann muss man mal genauer hinsehen. 2000 platzte die Internetblase, aber die großen Verluste kamen erst später! Der Tiefpunkt war irgendwann 2002/03 erreicht. Dazwischen lag der 11. September 2001, die Terroranschläge auf das World Trade Center. Dieses Ereignis hat eine Wirtschaftskrise ausgelöst, zu totaler Verunsicherung und zum Absturz des Verbrauchervertrauens geführt. Auch 2001-2002 ist nicht mit der aktuellen Lage vergleichbar.

      1/1

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    2. 2/2

      Die Finanzkrise 2008/09 hat Grantham nicht erwähnt, aber auch damals war vieles anders. Aber auch vieles gleich. Die FED hatte aus der Vergangenheit gelernt und den Markt mit Geld geflutet. Es gab staatliche Garantien für die Banken, das schuf wieder Sicherheit. Es gab damals Massenentlassungen und die Wirtschaft stürzte beispiellos ab. Ebenso die Börsenkurse. Doch die erholten sich ab Frühjahr 2009 wieder, während die Wirtschaftsdaten noch weiter sanken. Kaum jemand hat damals dazu geraten, Aktien zu kaufen. Weltuntergangs- und Crashpropheten hatten Hochkonjunktur. Doch die Börse stieg.

      Das ist genau so wie heute! Wirtschaftsdaten und Börsenkurse scheinen sich entkoppelt zu haben. Aber das haben sie nicht, die Börse nimmt "nur" die Entwicklung von 12 oder 18 Monaten voraus.

      Corona verändert unser Leben. Es wird in Zukunft viel weniger Geschäftsreisen geben, es wird viel mehr Onlinekonferenzen geben und die Menschen werden viel öfter online einkaufen. Das ist eine Entwicklung, die nicht wieder weggeht. Und sie bedeutet für Konsumenten, aber auch für Unternehmen, dass sie viel Geld einsparen (für Hotels, Flugreisen, Spesen). Die Effizienz der Unternehmen steigt. Gleichzeitig sind die Zinsen niedrig und das werden sie noch länger bleiben. Nicht "für immer", klar, aber noch einige Jahre. Alte Schulden laufen aus und werden durch neue ersetzt. Und die Zinnsätze sinken dann von 4% auf 1% mit entsprechend mittel- und langfristigen positiven Auswirkungen auf das Finanzergebnis der Unternehmen und damit auf die Gewinne.

      Höhere Margen und Gewinne lassen höhere Bewertungen zu. Niedrige Zinsen ebenso - auch weil es keine Alternativen gibt. Wer seine Aktien verkauft, kann es heute nicht auf dem Tagesgeldkonto "anlegen". 2000 gab es dort 6%, 2008/09 4%, heute? 0%. Also Immobilien? Die Immobilienpreise sind ebenfalls enorm gestiegen. Bitcoins? Gold? Tja, so sehen die "günstigen Alternativen" zu Aktien aus.

      Mein Fazit: der Crash kommt. Irgendwann. Ich kaufe Aktien von Unternehmen, die den Crash überstehen werden und dann ist es, wie 2018, wie 2020 egal, ob ihre Kurse stark einbrechen. Ich bin Miteigentümer an Apple, an Microsoft, an MBB und anderen.

      Geld verliert nicht, wer im Crash Aktien hat, sondern wer im Crash Aktien verkauft!

      Dazu habe ich im Februar 2020, also quasi vor/zum Beginn des Corona-Crashs, auch diesen Artikel verfasst: "The easy way of investing: Besiege deine Angst vor Kursverlusten". Und genau das ist mein Rat: akzeptiere, dass es Kurseinbrüche geben wird und investiere (nur) in die Aktien, die das überstehen. Dann brauchst Dich nicht wirklich drum zu kümmern...

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    3. Michael....diese ausführliche Antwort solltest du als Blogbeitrag auf deine mainpage packen.
      Vielen Dank dafür.
      Ich kommentiere und sehe das ja auch wie du. Andererseits sind Grantham und bernecker jetzt aber auch keine Crashpropheten, welche naturgemäß immer irgendwann "Recht" haben. Sondern alte Hasen mit viel mehr Erfahrung als ich. Und wenn die anfangen, in den Chor der Berufscrahser einzustimmmen, wird mir mulmig. Und das in einer Phase, in welcher tatsächlich manche Bewertungen für mich nicht zu erklären sind. Und ich kann mir sehr gut vorstellen, dass ein Tesla-Crash Auswirkungen auch auf meine und deine Aktien haben wird - hoffentlich dann nicht langfristig und nachhaltig.
      Danke nochmal für die Worte - mMn einen extra beitrag wert.

      Gruß
      Roland

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  32. Hallo Herr Kissig,

    ich wollte Sie bezüglich Ihrer Einschätzung zu Telekommunikationsunternehmen fragen. Mir ist aufgefallen, dass sich hierfür kaum Investoren interessieren. Ok, die Branche hat kaum Wachstumspotenzial. (Eventuell 5G? Aber das kann ich nicht beurteilen). Was mir an der Branche gefällt sind die stabilen Cashflows und das krisensichere und konjunkturunabhängige Geschäftsmodell. Bei Vodafone finde ich den baldigen IPO der Funktürme (Vantage Towers) auch noch spannend. Wie beurteilen Sie die Branche allgemein und wer wäre Ihr Favorit? Habe ich vielleicht noch Risiken übersehen?

    Freundliche Grüße

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    1. Telefonanbieter finde ich nicht wirklich spannend. Der Markt ist gesättigt, daher kann überdurchschnittliches Wachstum nur zulasten der Wettbewerber gehen. Die Produkte sind allerdings weitestgehend identisch, also geht es vor allem um den Preis (und nur am Rande noch um Service). Dabei muss ständig in das Netz investiert werden, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

      Wirkliche Kundegewinne verzeichnet nur T-Mobile US. Entsprechend hoch ist die Bewertung. Die Mutter Deutsche Telekom kommt seit Jahren nicht wirklich vom Fleck, trotz der Erfolge bei T-Mobile US.

      Im Bereich der Netze ist die Telekom führend und wird dies auch bleiben.

      Wie Du schon schreibst, es ist ein relativ stabiles und krisensicheres Geschäftsmodell. Allerdings sehr kapitalintensiv (bzgl. der Netze) und daher würden sich steigende Zinsen schnell ziemlich negativ auf die GuV auswirken dank der enormen und wachsenden Verschuldung. Ist nicht mein bevorzugtes Business...

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  33. Lieber Michael,

    ich lese Deinen Blog schon eine Weile und bin durch Dich auf die SBF gestoßen. Ich habe mir heute einen wesentlichen Konkurrenten im Bereich Zuginterieur, die Seisenbacher GmbH aus Österreich angeschaut. Im Abschluss für das Jahr 2019 ist sehr detailliert nachzulesen, wie die Expansion in die USA gescheitert ist, so wurden 8,5 Mio € abgeschrieben und das Eigenkapital ist dadurch negativ geworden, die Refinanzierung war nur noch mit Garantieren durch die österreichische KFW (Austria Wirtschaftsservice) möglich, ein anderen Unternehmensteil wurde zur Liquiditätssicherung verkauft.

    Interessant ist deshalb für die SBF, dass hier ein Konkurrent durch angespannte Liquiditätslage weniger wachsen und innovieren kann und zeitgleich unklar ist, inwiefern das USA-Geschäft der Seisenbacher überhaupt fortbestehen kann. Das schafft Chancen, wenn nach Corona das US-Geschäft auch für die SBF wieder interessant werden kann.

    Wenn Du den Abschluss 2019 lesen möchtest sende ich ihn Dir gerne zu.

    Viele Grüße aus Berlin,
    Cyrill

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  34. Hallo Michael,
    ich lese schon lange Deinen Blog und finde in supi!

    Was hälst Du von Varta?

    Danke!!

    Grüsse vom Tegernsee
    Uschi

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    1. Varta ist ein tolles Unternehmen und mit den Akkus für Hörgeräte usw. top positioniert. Leider immer zu teuer, wenn ich es mir gerade mal wieder ansehe. Und aufgrund der hohen Shortquote und der Anti-Shortseller-Kapriolen der Rediteers momentan auch eher Zock als Investment.

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    2. Hallo Michael,

      mich würde interessieren, wie du Aktien bewertest. Besonders geht es mir um den "wahren" Wert der Aktie bzw. den Preis. Ich weiß das es viele verschiedene Modelle gibt und viele Wege nach Rom führen. Trotzdem würde ich mich über eine Antwort deinerseits freuen.

      LG

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  35. Moin,

    hast du dir schon die Xylem zahlen angesehen? Weißt du, was sich hinter den Restrukturierungen verbirgt, welche budgetiert sind, aber nicht mit ins Ergebnis einfließen werden?

    Wann kommen überhaupt die ganzen Quartalszahlen bei dir im Blog? Lässt du etwas nach? :D

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  36. Hallo Michael,

    mich würde interessieren was Du von der Aktie "Pershing Square" (www.pershingsquareholdings.com)hältst. Aus meiner Sicht eine aktivistische Holding die unter NAV notiert und durchaus solide Werte enthält. Bei Deiner Liebe zu Holdings vielleicht in die Beobachtungsliste passen?!

    Viele Grüße
    Volker

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    1. "Pershing Square Holdings" kenne ich nicht; die scheinen an der Londoner Börse zu notieren. Was ist Besonderes an denen?

      Ich kenne nur "Pershing Square Management" von Bill Ackman und die firmiert als LLP, was für mich K.O.-Kriterium ist seit meinen Erfahrungen mit solchen/ähnlichen Rechtsformen bei KKR, Blackstone und BDCs in früheren Jahren.

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  37. Noch eine Frage zu der Aktie "Moody's Corp" auf der Beobachtungsliste. Habe im Blog nicht viel dazu gefunden, außer dass sie zum Portfolio von Berkshire gehört. Sie mag wohl einen hohen Burggraben besitzen, aber besondere Vorzüge oder Phantasie kann ich hier nicht erkennen.

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    1. Richtig, zu Moody's habe ich im Rahmen meiner Portfoliochecks etwas geschrieben (hier). Wenn Du in dem Artikel auf den Link klickst, kommste zu meinem Ausführlichen Artikel auf der Seite vom Aktien Magazin, in dem ich Moody's vorgestellt habe.

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  38. Hallo Michael,
    hast Du eine Meinung zu "Play Magnus"? Soll ein tenbager Kandidat laut Aktionär sein.
    Gruß
    Konstantin

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    1. Hat das was mit diesem Schachspieler zu tun? Da bin ich völlig der falsche Ansprechpartner...

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    2. Ja, der Sven Magnus Carlsen ist ein norwegischer Schachspieler und seit 2013 Schachweltmeister.

      Er baut jetzt systematisch ein Imperium aus Webseiten zum Lernen und Spielen von Schach auf. Der Gesamtmarkt soll riesig sein, angeblich 0,8 Mrd Menschen spielen aktuell Schach, nur aber 10% davon derzeit auch online. Die Wachstumsraten des Unternehmens sind ebenfalls hoch. Ich habe eine kleine Position von dieser Aktie und dachte, vielleicht hast Du sie schon mal angeguckt. Sollte ich was in meiner Analyse übersehen haben, wäre das eine Gelegenheit für mich gewesen, dies mitzubekommen.(Trend: Online Spielen)
      Gruß
      Konstantin
      Gruß
      Konstantin

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  39. Von der Aktie habe ich noch nie gehört. Warum sollte das jetzt ein Boom sein? Auf lichess.org spielen die meisten Vereinsspieler und das aktuell umsonst.... (weltweit). Ansonsten gibt es seit Jahren chessbase...Ich schätze Magnus Carlsen als Schachspieler, aber das kann nur schief gehen.

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  40. Hah, was ein Thema :-)
    Also, Carlsen baut da gerade fleissig sowas wie ein "Imperium des Online Schachs" zusammen. Spezialisierte Firmen für Live Übertragung, Training, etc. werden gezielt zusammengekauft und man streitet sich aktuell mit chess.com für die Marktführerschaft. Mein Vorredner hat natürlich Recht, das es mit Lichess.org eine "free to play" Variante gibt, die sicherlich die beste "Playzone" haben, aber sonst eben nicht sehr breit aufgestellt sind und z.B. keine Premiuminhalte vermitteln (Carlsen selbst spielt oder eher zockt übrigens gern mal auf Lichess).

    Speziell in Norwegen (Magnus Carlsen ist Norweger) und in letzter Zeit auch über Eurosport wird der Fernsehmarkt erschlossen und es ist einiges an Bewegung in der ganzen Szene - auch nicht zuletzt gepusht durch die erfolgreiche Netflix Serie "Damengambit".

    Ich überlege mir evtl ein paar Stück ins Depot zu legen - ist aber sicherlich eine Risikospekulation.

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  41. Ich finde die Aktie auch spannend. Wachstumstreiber sind ganz klar Corona (die Schachspieler spielen nun Online), die Netflix Serie und Magnus Carlsen ist natürlich ein Aushängeschild und Werbefigur. Weltweit gibt es ca. 650 mio Spieler. Aktuell hat Play Magnus ca. 3 Millionen Nutzer und 35.000 zahlende Kunden, hier ist also noch viel Wachstumspotenzial vorhanden. Ich spiele selbst Schach im Verein und werde die Angebote/App von Carlsen bald selbst testen. Die Marktkapitalisierung ist natürlich sehr gering, das Unternehmen macht aktuell noch Verlust - eine Risikospekulation.

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  42. Hallo Herr Kissig,

    ich möchte mal gerne ihre Meinung zum Unternehmen Pfizer hören. Ich würde das Unternehmen als defensiv ansehen. Interessant finde ich den Aspekt, dass das Unternehmen vor der ganzen Pandemie bereits eine Kooperation mit BioNTech eingangen ist und bei Erfolg Lizensgebühren aus dem nRNA-Ansatz erwirtschaftet.

    https://www.pharmazeutische-zeitung.de/mrna-als-neues-impfstoffprinzip-123495/

    Aus pharmazeutischer/medizinischer Sicht ist dies ein interessanter Ansatz, weil dies neue Tore öffnet. Wie schätzen sie das Unternehmen wirtschaftlich ein?

    Schöne Grüße aus Oberfranken

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    1. Zu den großen Pharmawerten kann ich nicht so viel sagen, das ist nicht meine Branche. Als Depotbeimischung, zur Stabilisierung, sollten die Werte geeignet sein. Ansonsten gefällt mir an der Branche nicht, dass sie so sehr von (staatlich) regulierten Preisen abhängig ist und dass die Politik immer wieder versucht, die Kosten im Gesundheitswesen zu drücken. Und das zumeist durch unsinnige und kurzsichtige Eingriffe. Des Weiteren ist der Schutz durch Patente nicht mehr so stark wie früher und die momentane höhere Wertschätzung für Forschung und Entwicklung bei neuen Wirkstoffen wird vermutlich auch nicht von langer Dauer sein, wenn Corona beendet ist und keine neue unmittelbare Gefahr durch ein neues Virus besteht. Dann werden in diesem Bereich zur Haushaltskonsolidierung schnell die Mittel wieder heruntergefahren.

      Was die Erfolgschancen der einzelnen großen Unternehmen angeht, halte ich es für schwierig, hier die geeignetsten herauszufinden. Wie man an Biogen sieht, oder zuvor an AstraZeneca, Gilead oder Novo Nordisk sind selbst Profis hier zumeist überfordert und der Ausfall eines Blockbusterpräparats kann nur selten adäquat kompensiert werden. Wie gesagt, Pharma ist nicht so meine bevorzugte Branche...

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  43. Danke für die ehrliche Einschätzung! Die Regulierung des Marktes ist mit Sicherheit ein Aspekt, der nicht für die Pharmawerte spricht. Ich habe mir heute trotzdem ein paar Pfizer Aktien ins Depot gelegt.

    Der Hintergrund ist für ein anderer, warum ich trotzdem an den Ansatz festhalte. Die Pandemie spielt mit Sicherheit den Firmen Biontech, CureVa und Moderna in die Karten, aber das interessante an der Technologie ist, dass sie Hoffnung in der Tumorforschung mit sich bringt, ob ich richtig liege, wird sich zeigen.

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    1. Ja, die neuen Therapie- bzw. Wirkungsansätze finde ich auch spannend. Au dem Grund bin ich ja bei Adaptive Biotechnologies investiert; das ist natürlich ein spekulatives Investment und nicht mit einem großen Pharmaunternehmen zu vergleichen. Aber deren Ansatz, auch wegen der Partnerschaft mit Microsoft, klingt vielversprechend.

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  44. Hallo Herr Kissig,

    ich wollte Sie fragen, wie Sie die aktuelle Situation bei Grenke einschätzen? Ein Teil der Vorwürfe wurde ja bereits entkräftet, allerdings denke ich, dass ein Teil der Vorwürfe auch berechtigt ist.

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    1. Ob an den Vorwürfen (von Viceroy) gegen Grenke etwas Substanzielles dran ist, ist nach wie vor unklar. Wir wissen bisher nur, dass es offensichtlich Handlungsbedarf gibt, weil bereits Änderungen veranlasst wurden. Nun hat wohl die BaFin Klärungsbedarf angemeldet und spricht von Compliance-Problemen. Das bedeutet nicht, dass hier betrogen oder gemauschelt wurde! Insofern war der Kurseinbruch nach dem Rücktritt des zuständigen Vorstandsmitglieds übertrieben. Der Brief des Aufsichtsratsvorsitzenden mit den zusätzlichen Erläuterungen löste dann heute einen Kurssprung aus. Meines Erachtens auch völlig übertrieben. Denn er hat nichts geklärt, nur erklärt. Die Prüfungen, ob und ggf. was an den Vorwürfen dran ist, laufen noch. Die BaFin hat hier ebenfalls Klärungsbedarf, das verschärft die Lage etwas, weil die BaFin aufzeigt, dass die internen Abläufe im Controlling und Risikomanagement, aber auch in der Information des Aufsichtsrats nicht gut (genug) waren in der Vergangenheit.

      Nochmal: das bedeutet nicht, dass hier betrogen oder gemauschelt wurde. Aber es wirft doch erhebliche Frage auf, inwieweit das Unternehmen Grenke gut geführt wurde. Und das als Bank und Finanzinstitut.

      Ich sehe keine Basis, hier zu investieren. Die Grenke-Aktien sind bis zur restlosen Aufklärung der Vorwürfe und Abstellen/Beheben der strukturellen Defizite eher Lotterielose, Wettscheine. Mache ich 'nen großen Bogen drum.

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  45. Hallo Michael, du hast ja sicher verschiedene Einkommensquellen und auch auch GmbH-seitige Depotbestände. Nutzt Du die Depots auch zur Generierung von regelmäßigem Einkommen und wenn ja wie? Hälst Du einen Cash-Puffer oder verkaufst Du Bestände wenn zB größere Ausgaben anstehen? Oder nutzt Du zB auch anfallende Dividenden als regelmäßiges Einkommen? Wenn Du immer zu 100% investiert bist, wie ist dann Deine Entnahmestrategie? Viele Grüße und Daumen hoch für Deine Aktivitäten

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    1. Seit einigen Jahren sind eine Einnahmen (Cashflow) hoch genug, dass ich keine Entnahmen aus dem Depot mehr vornehmen muss. Insofern habe ich keine Entnahmestrategie und benötige auch keinen Cashbestand.

      Wenn man auf regelmäßige Einnahmen aus den Investments abzielt, bietet sich durchaus an, ein höheres Augenmerk auf den Cashflow aus Dividenden zu legen. Ansonsten müsste man wirklich immer aufs Neue entscheiden, welche Position man ggf. etwas rasieren will, um an das nötige Geld zu kommen.

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    2. Vielen Dank, Du nutzt also die Depots nicht für Einkommen, das hatte ich so nicht vermutet, da Du ja viel Zeit - wie hier im Blog dokumentiert - dafür investierst. Das ist natürlich schön, wenn Du mit Einnahmen aus Publizieren/Autor, Werbung, Wikifolio o Ä die Ausgaben decken kannst. Ich vermute Du hast noch andere Einnahmequellen? Ich hatte gedacht, Investieren/Depot/Verbundenes wäre Deine Haupttätigkeit.

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    3. Was man so als "finanzielle Freiheit" versteht, das habe ich vor Jahren erreicht. Insofern "muss" ich nicht arbeiten, um meine Lebenshaltungskosten decken zu können. Mein Depot "muss" auch nichts mehr verdienen, aber ich arbeite natürlich am weiteren Wertzuwachs. Da ich mich die meiste Zeit des Tages mit Aktien und dem Investieren beschäftige, hab ich mal formuliert, dass ich mein Hobby zum Beruf gemacht habe (2014). Seitdem genieße ich diesen Zustand jeden Tag.

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    4. OK, woher Deine Einnahmen zur "finanziellen Freiheit" kommen, magst Du wahrscheinlich nicht verraten - auch wenn es interessant wäre - auch wie Du dahin gekommen bist.

      Wenn Dein Depot nichts mehr verdienen muss, dann kannst Du natürlich überlegen, ob Du wirklich so viel "meiste" Zeit des Tages (Lebens) mit Finanzen verbringst oder nicht lieber zB Gesundheit oder Soziales in den Fokus rückst - also "Nicht-Finanzielles". Fiel mir grad nur so beim Lesen von "finanzielles Freiheit" ein - " frei von Finanziellem" ;-)
      Wirklich reich ist der, der auf das Meiste verzichten kann.

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  46. Hallo Herr Kissing,
    was halten Sie von den Entwicklungen bei Dr. Hönle? Denken Sie, dass sich der Kurs wieder erholen wird? Vielen Dank für Ihre Antwort!

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    1. Die vorgelegten Zahlen von Dr. Hönle waren nicht berauschend - aber das war ja auch nicht zu erwarten. Etwas enttäuschend ist, dass sich das Unternehmen nicht zum Hoffnungsträger UV-Luftreinigung geäußert hat. Das Thema Luftreinigung als Anti-Corona-Maßnahme wird zum Dauerthema werden, denn das Virus bleibt uns ja erhalten, auch wenn eine hohe Impfquote erreicht ist. Dr. Hönle sollte ordentlich profitieren können.

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  47. Die Dr. Hoenle AG schreibt ja auch das sich der Bereich der Entkeimung positiv entwickelt, allerdings sind die ja noch im Automobil und LED Bereich aktiv und da steht was von "schwer prognostizierbar"

    Joe

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  48. @Michael,
    wie schätzt Du Aurelius ein. Ich bin immer wieder am überlegen, ob ich die nicht verkaufen soll. Du hast die zwar noch auf Deiner Beobachtungsliste, Dich aber schon lange nicht mehr dazu geäußert ( im Gegensatz zu DIC). Oder ev. ein Tausch von Aurelius in DIC??

    Zum Zweiten war ich letztin auf eine Firma gestoßen, die in Europa 5G Tower baut und vermietet. Weiß aber nicht mehr wie die heißt. Hast Du eine Ahnung? Ich meine, die war noch nicht so überzogen bewertet wie American Tower. Vielleicht eine Alternative?

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    1. Aurelius stufe ich ja schon seit längerer Zeit allenfalls als Halteposition ein. Ich habe das immer wieder kommuniziert, wenn entsprechende Fragen kamen und auch indirekt, wenn ich über andere deutsche Beteiligungsgesellschaften geschrieben und dann herausgestellt habe, welche Unternehmen aus dem Sektor ich bevorzuge. MBB und Mutares sind hier seit Längerem meine bevorzugten Werte. Blue Cap mit Abstrichen, weil die PF-Situation weiterhin ungeklärt ist.

      Bei Aurelius fehlt mir "die glückliche Hand". Sie kaufen mal ein bisschen was zu, aber das ist nie ein wirklich großer Wurf. Bei Verkäufen hat man eher das Gefühl, es sind Notverkäufe und bei Office Depot sieht das nach Notschlachtung aus. Alles in allem nicht transparent, nicht attraktiv. Und an Kommunikation kommt viel Prosa, wenig Action.

      Da gefallen mir (so einige) andere besser. Auch eine Gesco oder eine Indus oder eine Deutsche Beteiligung könnten bei einem Wirtschaftsaufschwung wieder attraktiv(er) werden.

      Bei einem europäischen Tower-Unternehmen müsste ich auch googeln. British Telecom und Telefonica haben vor einiger Zeit ihre Funktturmtöchter separiert. Vielleicht ist es eine von denen? American Tower hatte hier ja zuletzt zugeschlagen...

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  49. Hallo Herr Kissig,

    wie ist ihre aktuelle Meinung zu Varta? Mir gefallen die einzelnen Geschäftsbereiche. (Mikrobatterien für Hörgeräte und kabellose Kopfhörer). Energiespeicher bei PV-Anlagen. Denken Sie, dass Varta zukünftig auch Batterien für Elektroautos herstellen wird? Was ich schlecht einschätzen kann, wie es mit der Konkurrenz aussieht, also ob sich Varta gegenüber den Wettbewerbern z.B. aus China behaupten kann? Und was ich auch etwas kritisch sehe, dass auch viele Spekulanten/Zocker in Varta investiert sind. Das Wachstum war ja in 2020 auch sehr gut. Ich hoffe nur, dass alle veröffentlichen Zahlen auch korrekt sind, da ich selbst investiert bin. Der Finanzplatz Deutschland hat zuletzt bei Wirecard und Grenke kein gutes Bild abgegeben.

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