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Sonntag, 16. September 2012

Villeroy & Boch: Lifestyle und noch viel mehr

Das traditionsreiche Familienunternehmen Villeroy & Boch AG stellt Haushaltswaren und Badezimmerequipment her und bewegt sich damit nicht gerade in spektakulären Sphären, die die Phantasie eines durchschnittlichen Börsenanlegers beflügeln würden. Andererseits steht das Unternehmen für solide und steige Zuwächse bei Umsätzen und Erträgen und ist seit Jahren in den Rankings der Spitzendividendenzahler weit oben vertreten.

Rund 8.700 Mitarbeiter erzielen gut 750 Mio. EUR Umsatz und für die nächsten Jahre rechnet das Unternehmen mit durchschnhittlichen Wachstumsraten von 5% - in Anbetracht der schwierigen konjunkturellen Lage nicht unambitionierte Ziele. Durch die beiden Bereiche „Bad und Wellness“ sowie „Tischkultur“ kann die Umsatzentwicklung im gewissen Maße diversifiziert werden. Vor allem das Geschäftsfeld „Bad und Wellness“ ist stark von der Entwicklung auf dem Immobilienmarkt und somit den Wohnungsneubauten und Renovierungen abhängig, während der Erfolg im Bereich „Tischkultur“ durch das Konsumentenverhalten bestimmt wird. Auch in Zukunft dürfte „Bad & Wellness“ maßgeblich die Entwicklung bei Villeroy & Boch bestimmen. Rund 60% der Investitionen sollen in diesen Bereich fließen, der Rest ist für „Tischkultur“ bestimmt.

Neben der originären unternehmerischen Betätigung fallen bei Villeroy & Boch allerdings Sonderfaktoren ins Gewicht. Zum einen musste das Unternehmen im Jahr 2010 eine EU-Kartellstrafe von 73 Mio. EUR bezahlen, die das Ergebnis deutlich verhagelt hat. Zum anderen trennt es sich von unrentablen Unternehmensbereichen und Grundstücken. Neben einem Werk in Mexiko wurden 2011 rund 9 Mio. EUR durch einen Immobilienverkauf erlöst. Und nachdem das ehemalige Produktionsgelände in Lübeck veräußert wurde, rückt nun das rund 70.000 qm große Arreal in Luxemburg in den Fokus. Nach Angaben der Analysten von Montega soll auf dem Gebiet bald ein neuer Wohnkomplex entstehen, so dass mit einem Verkaufspreis von 1.200 EUR/qm kalkuliert werden könne. Der daraus abgeleitete Cash-Zufluss von 85 Mio. EUR entspricht rund 40% der aktuellen Marktkapitalisierung (Stamm- und Vorzugsaktien) und die Aktionäre dürften durch eine Sonderdividende in signifikanter Höhe an dem Verkaufserlös beteiligt werden.

Fazit
Villeroy & Boch besticht durch eine solide Geschäftsentwicklung mit steigenden Umsätzen und Erträgen bei gleichzeitig attraktiver Bewertung mit einem 2013er KGV von knapp über 8 und einer Dividendenrendite von 6,7%. Darüber hinaus bieten die angedachten Grundstücksverkäufe zusätzliche Phantasie, so dass der Kurs nach unten hin abgesichert sein sollte und gleichzeitig einiges an Kurssteigerungspotenzial bietet. Eine Konstellation, die das Herz eines Langfristanlegers höher schlagen lässt.

4 Kommentare:

  1. Sehr sachlich gehaltene Analyse, hierfür ersteinmal vielen Dank. Ich finde die Aktie selbst sehr interessant, jedoch schreckt mich die hohe Verschuldung des Unternehmens ein wenig ab. Aber auf jeden Fall kommt sie auf die Watchlist.

    Viele Grüße

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    1. Danke für das Lob. Die Eigenkapitalquote von knapp über 30% ist wirklich am unteren Rand. Wenn allerdings der Immobilienverkauf in Luxemburg über die Bühne geht, werden dadurch ja enorme stille Reserven gehoben und diese werden kaum vollständig an die Aktionäre ausgeschüttet werden, sondern zumindest teilweise in die Rücklagen einfließen und so das Eigenkapital erhöhen. Insofern könnte man die niedrige EK-Quote als eher temporäres Problem ansehen.

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  2. Hallo Herr Kissig,

    Christian mal´ wieder; irgendwie kommt mir dieser Wert bekannt vor aus Zeiten als Ihr Depot noch wesentlich größer war ...
    Es wäre hierbei natürlich interessant, was in der längeren Auszeit mit Werten wie Praktiker oder Bob Mobile passiert ist (?)
    Insgesamt wirkt das ganze jetzt deutlich solider aufgestellt, so haben Sie ja auch den guten Warren Buffet mit seiner Holding wiederauferstehen lassen!

    Ich wünsche weiterhin erfolgreiche Investments,
    alles Gute

    Christian

    PS: Da hat der verlorene Sohn ja den Weg zurück zu RIM gefunden (zumindest als privater Nutzer ...), aber vielleicht verirrt sich die Aktie ja auch einmal in Ihr Depot, meiner Ansicht nach ist das einer der besten Werte für die nächsten Jahre!

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    1. Ich habe anfangs eine Watchlist für interessante Titel geführt, aber das war mir dann zu unverbindlich (und die Liste wurde auch zu lang). Daher habe ich mich entschieden, nur die Titel auf eine Empfehlungsliste zu setzen, die ich auch kaufen würde (und dazu schreibe ich dann auch eine Begründung). Aber nicht jeder Titel, den ich interessant finde und über den ich etwas schreibe, schafft es auf diese Liste - und wenn es "nur" der zu hohe Kurs ist. Diese Empfehlungsliste aktualisiere ich wöchentlich.

      Praktiker und Bob Mobile hätten es nicht in mein Depot geschafft, obwohl ich beide Werte für interessant hielt. Bei Praktiker hatte sich die Lage zugespitzt wegen des unattraktiven Angebots des "rettungsbereiten" Hedgefonds und nun bleibt abzuwarten, ob eine Finanzierung des Rettungsplans gelingt. Sollte dann der Umstrukturierungsplan greifen, könnte Praktiker eine interessante Turnaround-Investition werden. Dann dürfte der Kurs bereits deutlich höher stehen als aktuell, aber das Risiko wäre eben auch viel geringer und die Chance auf ein Überleben und nachhaltiges Gesunden des Unternehmens größer. Und Bob Mobile... was soll man dazu sagen? Ein Vorstand, der die Aktionäre dermaßen - und mehrfach - mangelhaft und schlecht informiert und ein Unternehmen, dass die selbst gesteckten hohen Erwartungen nicht erfüllt. Und ein fähiges und zuverlässiges Management ist einer der Eckpfeiler für ein langfristiges Value-Investment, so dass Bob Mobile für mich auf lange Sicht "aus dem Rennen" ist, selbst wenn die Zahlen mal wieder besser und stimmig würden. Ebenso verhält es sich bei der Windsor AG. Es gibt so viele so tolle Unternehmen, weshalb sollte man mit windigen Buden seine Zeit - und sein Geld - vertun? Da muss sich dann schon wirklich was ändern, ein neues Management muss eine seriöse und nachhaltige Strategie fahren. (Erst) dann bin ich wieder interessiert. Wie z.B. bei der IVG, die ich für eine sehr interessante Turnaroundspekulation halte. Oder Steico - bei beiden Werten bin ich seit kurzem investiert, habe aber noch keine Muße gefunden, dazu ausführlich etwas zu schreiben. Früher hätte ich beide einfach (unverbindlich) auf die Watchlist gesetzt...

      Und RIM... naja, die Lage hat sich ja deutlich verschlechtert, seit RIM Verluste einfährt. Da muss man erst mal sehen, ob das neue Betriebssystem (Verison 10) der Reißer wird und ob die nächste generation BB-Smartphones den Anschluss an die Spitze findet. Dann könnte RIM interessant werden, aber zuletzt hatten wir uns ja bei rund 10 EUR unterhalten, jetzt sind es 5,50 EUR. Ich habe also nichts verpasst, behalte RIM aber im Auge.

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