Dienstag, 23. April 2019

Warren Buffett meidet Neuemissionen und vergleicht IPOs mit Lottospielen

Wagt eine Aktiengesellschaft den Sprung aufs Börsenparkett, nennt man diesen Börsengang neudeutsch Initial Public Offering (IPO). Medienwirksame IPOs der letzten Jahre waren u.a. Facebook, Alibaba, Rocket Internet, Zalando oder Delivery Hero.

Für ihr IPO erstellen die Unternehmen einen umfassenden Emissionsprospekt, der alle relevanten Informationen enthalten muss, vor allem aber erläuternde Hinweise zu den Risiken und in den diversen Börsenblättchen - und Blogs - wird über den Börsengang berichtet, zumeist mit Handlungsempfehlungen. Also eine sichere Sache, sollte man meinen, oder?


Zu Zeiten des Neuen Markts war das so. Egal, zu welchem Preis unrentable Unternehmen an die Börse gebracht wurden, die Emissionen waren mehrfach überzeichnet und die Kurse schossen durch die Decke. Das lag jedoch nicht an den Unternehmen, sondern an der liquiditätsgetriebenen Hausse, der Gier der Anleger und an dem vielen billigen Geld, mit dem die Notenbanken den Markt geflutet hatten. Zumindest letzteres ist auch heute gegeben, aber von Euphorie an den Börsen sind wir meilenweit entfernt.


Von Kursverlusten und Pleiten


Und wenn man sich die Kursentwicklung einiger Börsengänge der jüngsten Zeit ansieht, drängt sich nicht der Eindruck auf, man hätte hier als erster dabei sein müssen. So hat sich der Kurs der Rocket-Internet-Aktien nach der Emission inzwischen halbiert und auch die Kurse anderer IPOs haben deutlich nachgegeben, man schaue sich nur Groupon oder Snapchat an. Allerdings sind viele der jüngeren IPOs schnell wachsende Internet-Unternehmen, bei denen Umsatz- und Kundenwachstum hoch bewertet werden und die Aussicht auf zukünftige Erträge und Gewinne versprechen. Und hier liegt genau das Risiko, denn die Erwartungen sind das eine, die Realität das andere. Weder Groupon noch Snapchat konnten bisher mit ihren Geschäftszahlen überzeugen und haben die hochfliegenden Erwartungen nicht erfüllt. Der Aktienkurs nahm die entsprechenden Anpassungen vor und die Anleger sitzen auf den Kursverlusten - während sich diejenigen, die frühzeitig an den Unternehmen beteiligt waren, wie auch die Unternehmensgründer, satte Millionen- oder gar Milliardenerlöse aus dem Verkauf ihrer überteuerten Aktien gezogen haben. Und auch die IPOs der letzten Wochen zeigen ein gemischtes Bild: der Fahrdienstvermittler Lyft kam hoch bewertet an die Börse, doch seitdem hat der Kurs kräftig Luft abgelassen. Jumia, eine weitere Rocket Internet-Tochter, startete fulminant und verdoppelte sich im Anschluss in den ersten Handelstagen, bevor auch hier Gewinnmitnahmen einsetzten. Pinterest erlebte einen wahren Höhenflug und die Augen richten sich nun bereits auf Uber, den zehnmal größeren Lyft-Konkurrenten. Die in Aussicht gestellte Bewertung von bis zu 120 Mrd. Dollar kann man nur als atemberaubend bezeichnen.

Sind alle IPOs schlecht?

Muss - oder sollte - man daraus den Schluss ziehen, dass man mit IPOs nur verlieren kann? Ich denke nicht. Vielmehr ist die Lehre, dass es auf die Bewertung der Unternehmen ankommt, ob man investieren sollte, oder nicht. Und da es sinnvoll ist, in unterbewertete Aktien zu investieren, um dann davon zu profitieren, dass sie wieder auf ihren fairen Wert steigen, wird man bei IPOs kaum fündig werden. Denn diese Unternehmen wurden von den Konsortialbanken auf ihren Wert hin abgeklopft und aus dieser Bewertung ergab sich der Emissionspreis bzw. die Preisspanne für das IPO. Hier eine Unterbewertung zu vermuten würde bedeuten, man setzt darauf, dass die beteiligten Banken Geld verschenken würden. Denn die Banken verdienen am Emissionsvolumen und je höher der Preis, desto größer der Verdienst der Bank. Wirkliche Schnäppchen sind bei einem IPO also kaum zu machen.

Das macht die Unternehmen nicht zu schlechten Firmen, oft aber zu schlechten Investments. Denn für einen langfristig orientierten Value-Investor ist der Einstiegspreis natürlich ein ganz entscheidendes Kriterium. Nur wenn man günstig und deutlich unter Wert einsteigt, erzielt man auch eine hohe Rendite. Daher muss man dem Markt, der Börse, die Chance geben, eine Unterbewertung der Aktie zuzulassen. Und das wird eben nicht beim IPO passieren, sondern allenfalls erst später, wenn die Aktie sich im großen Teich mit den anderen Unternehmen um die Gunst der Anleger bewähren muss.

»Du brauchst dich nicht wirklich darum zu kümmern was bei IPOs eigentlich los ist. Leute gewinnen jeden Tag im Lotto.«
(Warren Buffett)

Warren Buffett meint über IPOs, es wäre unsinnig anzunehmen, dass man als Anleger besser informiert sei, als die (Aktien abgebenden) Insider. Man solle daher nicht an IPOs teilnehmen, sondern sich erst mal einige Zeit den Kursverlauf an der Börse ansehen und dem Markt Zeit geben, seine Bewertung für die Aktien vorzunehmen und dieser dann seine eigene Einschätzung gegenüberzustellen.


Meine Lese-Tipps
▶ "Buffett. Die Geschichte eines amerikanischen Kapitalisten" von Roger Lowenstein
▶ "Das Tao des Warren Buffett" von Mary Buffett und David Clark
▶ "Die Essays von Warren Buffett: Die wichtigsten Lektionen für Investoren" von Lawrence A. Cunningham
▶ "Investieren mit Warren Buffett. Sichere Gewinne mit der Fokus-Strategie" von Robert G. Hagstrom
▶ "So liest Warren Buffett Unternehmenszahlen" von Mary Buffett und David Clark
▶ "So macht es Warren Buffett: 24 einfache Anlagestrategien" von James Pardoe
▶ "Warren Buffett. Das Leben ist wie ein Schneeball" von Alice Schroeder
▶ "Warren Buffett – Der Jahrhundertkapitalist" von Gisela Baur
▶ "Warren Buffett: Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie." von Robert G. Hagstrom

Kommentare:

  1. Niemals Neuemissionen einkaufen! Vielen Dank! Ich nehme aus deinem Blog tatsächlich immer mal wieder Dinge mit, welche ich mir hinter die Ohren schreibe! Das hier gehört definitiv dazu !

    War zwar noch nie in der Versuchung, aber falls es mal so sein sollte, werde ich mich an deine Worte erinnern - oder die von Buffett :>

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  2. Ach ja, Nachtrag: Über Mutares war ich STS-IPO dabei, das lief ja auch ..."unglücklich" (für die Anleger). Passt wunderbar zu deinem Text.

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