Mittwoch, 20. Juni 2018

Warum Anleger solide Dividendenwerte lieber nicht verschmähen sollten

An der Sinnhaftigkeit von Dividendenausschüttungen scheiden sich die (Anleger-) Geister. Während die einen meinen, Dividenden seien wichtig, vertreten andere die Auffassung, sie seien schlicht Geldverschwendung. Man solle lieber auf Unternehmen setzen, die ihre Gewinne thesaurieren, also vollständig einbehalten - denn dadurch würde sich der Wert des Unternehmens und somit auch der Aktienkurs erhöhen.

Einen ausführlichen Artikel zu Dividenden und Dividendenrendite habe ich hier verfasst, daher möchte ich jetzt auf zusätzliche Aspekte eingehen. Denn neben der Absicherung, die Dividenden für den Anleger darstellen (wenn es mit den Kurssteigerungen mal nicht so läuft, erhält man immerhin die Dividende), machen Dividendenausschüttungen auf langfristige Sicht rund 40% des Gesamtertrages eines Depots aus.


Auf der anderen Seite wird gegen Dividendenausschüttungen gerne der Zinseszinseffekt ins Feld geführt: auf das einmal investierte Kapital werden Erträge erwirtschaftet und dann einbehalten, so dass sich im nächsten Jahr Erträge auf das Ursprungskapital zuzüglich des eingehaltenen Gewinns ergeben. Wer also seine Gewinne nicht abzieht, sondern reinvestiert, erzielt langfristig eine viel höhere Rendite. Das funktioniert allerdings nicht nur, wenn Unternehmen die Gewinne einbehalten, sondern auch, wenn die Gewinne in Form von Dividenden an die Aktionäre ausgeschüttet werden und diese sie dann wieder investieren. Der Zinseszinseffekt ist also kein Argument für oder gegen Dividenden, sondern ausschließlich für das Wiederanlegen der Erträge!

»Der Zinseszinseffekt ist kein Argument für oder gegen Dividenden, sondern für das Wiederanlegen der Erträge.«
(Michael C. Kissig)

Als weiteres Argument gegen Dividendenzahlungen greift die Zinsabschlagsteuer (pauschale Kapitalertragsteuer als Teil der Einkommensteuer). Denn in Deutschland muss man seine Dividendenerträge ja versteuern, sofern sie oberhalb des Sparer-Pauschbetrages liegen (801/1.602 Euro p.a.). Andererseits müssen inzwischen Kursgewinne auf Aktien voll versteuert werden, denn seit 2009 gehören auch sie - wie die Zins- und Dividendenerträge - zu den Einkünften aus Kapitalvermögen. Ob der Anleger Einkünfte durch Kursgewinne oder Dividenden erzielt, ist dem Finanzamt also egal; beides wird gleich hoch im Jahr der Einkünfteerzielung versteuert. Und hier liegt ein Nachteil der Dividenden, denn diese muss man jährlich versteuern, während die Kursgewinne erst in dem Jahr anfallen, in dem die Aktien verkauft werden. Der Zinseszinseffekt wirkt auch hier und zwar leicht gegen die Dividenden. Was sich allerdings auf lange Sicht durchaus aufsummiert, so wirkt nun mal der Zinseszinseffekt.

Auf der anderen Seite wiegen die Vorteile der Dividenden schwer: sie werden jährlich ausgeschüttet und der Anleger erhält so eine Rendite, ohne dass er hierzu Aktien veräußern muss. Gerade für Langfristanleger und/oder Anleger, die auf einen stetigen Dividendenstrom z.B. als zusätzliche Einkommensquelle setzen (sog. passives Einkommen), ist das ein nicht unwesentliches Argument. Des Weiteren kann man die gesammelten Dividendenerträge natürlich auch in andere Unternehmen investieren, als jene, von denen die Dividendenerträge stammen. Man hat also die Möglichkeit, zu diversifizieren. Verbleiben die Gewinne vollständig im Unternehmen, entfällt diese Option.

»Eine Kuh für ihre Milch, eine Henne für ihre Eier, und eine Aktie, verdammt, für ihre Dividende.«
(Bill Miller)

Mein Fazit
Ob man auf die Dividendenstrategie setzt, hängt vor allem von der eigenen Situation ab. Zielt man mit seinen Aktieninvestments auf einen stetigen Einnahmestrom, kommt man um regelmäßige Dividendenausschüttungen kaum herum. Und auch für Anleger, die sich erst kurz mit Aktienanlagen beschäftigen oder nur wenig Zeit mit dem Studium von Geschäftsberichten und somit eigenem Research verbringen möchten, sind solide Dividendenwerte eine ausgezeichnete Wahl, um langfristig Vermögen aufzubauen und unterjährig einen schönen Einkommensstrom zu generieren.

Anleger, die sich intensiver mit der Materie beschäftigen und die gezielt auf Stock-Picking gehen, auch bei Nebenwerten oder Turnaroundkandidaten, für die sind hohe Dividendenrenditen nicht der Schwerpunkt. Denn diese Unternehmen benötigen zumeist ihren gesamten erzielten Cashflow, um zu überleben und/oder ihr Geschäft auszubauen und können sich daher eine Dividende gar nicht leisten. Oder müssen diese Summen im Anschluss über Kapitalerhöhungen wieder hereinholen, was keine sehr sinnvolle Strategie ist, da nur unnötig Steuerlasten auf Seiten der Aktionäre und Kosten beim Unternehmen (für die Dividendenausschüttung und die Durchführung der Kapitalerhöhung) anfallen.

Ich investiere in letzter Zeit wieder verstärkt in Unternehmen, die keine oder nur geringe Dividenden ausschütten, da ich meinen Fokus wieder verstärkt auf Nebenwerte und auch Turnaroundaktien gelegt habe.

Für den Durchschnittsanleger sind aber solide Dividendenwerte für die Langfristanlege erste Wahl. Große, ertragsstarke Unternehmen mit solider - möglichst stetig steigender - Dividendenzahlung sollten die Basis eines jeden Wertpapierdepots bilden! Doch auch bei den beigemischten Nebenwerten sollte man auf solide Gewinne und eine attraktive Dividendenrendite achten.

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Auswahl der Dividendenperlen
Bei der Auswahl dieser Aktien sollte man nicht einfach nur auf die Höhe der Dividendenrendite schauen. Denn eine zu hohe Dividendenrendite resultiert oftmals aus deutlich eingebrochenen Aktienkursen (wenn das Unternehmen Probleme hat; entsprechend werden dann auch die Gewinn- und Dividendenerwartungen in absehbarer zeit ebenso reduziert werden und die optisch hohe Dividendenrendite sinkt entsprechend) oder aus Einmaleffekten (z.B. wenn Tochterunternehmen verkauft und der Ertrag als Bonus an die Aktionäre ausgeschüttet wird). Dividendenrenditen sollten nicht zu hoch und nicht zu niedrig sein.

Dies sind die Grundsätze bei der Auswahl von Dividendenwerten:

  • das Unternehmen sollte mehr Gewinn gemacht haben als Dividende ausgeschüttet werden soll
    (also kein Substanzverzehr)
  • die Ausschüttungsquote sollte zwischen 40% und 60% des Gewinns liegen,
  • die Dividendenrendite sollte zwischen 2% und 6% liegen,
  • die Dividenden sollten in der Vergangenheit regelmäßig gezahlt und möglichst gesteigert worden sein.

Anders als deutsche Unternehmen zahlen gerade US-amerikanische Unternehmen oftmals ihre Dividenden quartalsweise aus, manche sogar monatlich. Dann erhält man mehrmals im Jahr Teilzahlungen, was ich persönlich als angenehm empfinde. Da Dividendenzahlungen sich im Aktienkurs als Abschlag auswirken, fällt dies bei Quartalsdividenden natürlich deutlich weniger ins Gewicht als bei Jahresdividenden. Andererseits muss man bei ausländischen Aktien immer auch das Wechselkursrisiko beachten sowie sich mit der möglicherweise anfallenden Quellensteuer auseinandersetzen. Beide Aspekte wirken sich je nach Herkunftsland des Unternehmens unterschiedlich aus.

Insbesondere für Dividendeninvestoren stellen Business Development Companies eine interessante Anlagekategorie dar, zeichnen sie sich doch durch attraktive Dividendenrenditen aus. Doch üppige Dividendenrenditen sind natürlich nicht alles und so sind bei BDCs schon einige ganz besondere Aspekte zu beachten, um mit überschaubarem Risiko überdurchschnittliche Renditen zu erzielen.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,
    auch ich finde, dass Dividenden ein wesentlicher Aspekt bei der Auswahl der Papiere ist. Ein wesentlicher Punkt bei ausländischen Aktien ist, wie mühsam es ist, die "rückholbare" Quellensteuer zurück zu holen und wie kooperativ die Depotbank die dazu nötigen Papiere zur Verfügung stellt und was das kostet. flatex/fintech group bank sieht sich beispielsweise nicht in der Lage, den "report to paying agent" für die Rückholung der irischen "dividend withholding tax" zu liefern. Den für die Schweiz erforderlichen "tax voucher" stellt sie zur Verfügung - gegen 5,90 € pro Dividendenzahlung.
    Ein weiterer wichtiger Aspekt ist, ob die Depotbank für jede Dividendengutschrift eine Gebühr kassiert - insbesondere bei quartalsweiser oder gar monatlicher Ausschüttung. Da geht die hohe Rendite der BDCs ruckzuck in den Keller.
    Apropos Dividendenrendite: Publity???

    Viele Grüße,
    Rainer G.

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    1. Publity ist für mich ein No-Go. Habe ich vor neun Monaten aussortiert und das auch ausführlich begründet. Ich hatte erhebliche Zweifel am Unternehmen und seiner Leitung bekommen und der weitere Verlauf seit meinem Ausstieg spricht Bände und zeigt, dass ich mit meiner Einschätzung richtig lag. Und damit meine ich nicht die Kursentwicklung, denn die folgt nur dem geschäftlichen Trauerspiel bzw. Niedergang.

      Mein Fazit: Publity/Olek hat alles versprochen und nichts gehalten...

      Und wenn kein Vertrauen (mehr) da ist in das Unternehmen und/oder das Management, gibt es auch keine Grundlage für ein Investment entzogen.

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    2. Passend zu meiner absolut negativen Einschätzung zu Publity folgt heute die Gewinnwarnung: in 2018 wird das Jahresergebnis nur noch auf dem absolut desaströsen Vorjahreswert eintrudeln und der Umsatz sogar noch darunter liegen.

      Mein (neues) Fazit: Publity/Olek ist endlich wieder Spitze - auf dem Unglaubwürdigkeitsbarometer...

      #nichtmitmeinemgeld!

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    3. Aber nicht doch! 2,80 € macht eine Dividendenrendite von fast 28%, das ist einsame Spitze! Die KE dafür wird man doch sicher nicht ausfallen lassen...

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    4. Nun kommt Publity mit weiteren "unglaublichen" News um die Ecke: man hat dermaßen großen Kapitalbedarf, dass man (1) die Dividenden für 2017 streicht und (2) eine Barkapitalerhöhung im Verhältnis 8:5 durchführt - es wird nachher also mehr als ein Drittel mehr Aktien geben. Thomas Olek hat übrigens zugesagt, dass er alle Aktien abnehmen wird, die andere Aktionäre nicht kaufen. Tut ihm aber auch nicht weh, denn er hat ja zwei Jahre lang horrende Dividenden eingenommen von Publity und auch beim Consus-IPO seinen Einsatz verzehnfacht. Nur die anderen (Aktionäre), die gucken immer/zu oft bei seinen Geschäften in die Röhre.

      #nichtmitmeinemgeld!


      P.S.: Ketzerisch und bitterböse könnte man meinem Vorschreiber folgend sagen, Olek zieht die KE durch, um für 2018 wieder genügend Liquidität für die Dividende zu haben...

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  2. Ohne diesen Blog würde ich fast nur so investieren. Für nicht Profis mit weniger Zeit ist es einfacher zu verstehen und zu managen. JD.com ist ein zwei andere Werte muss trotzdem sein ;)

    Ps: JD kooperiert nun mit Google, evtl. sagt das dich was über deren Seriosität aus!

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  3. Hallo Michael,
    wie siehst du denn derzeit Jungheinrich? Finde Kion und Jungheinrich interessant, konnte mich bisher nicht entscheiden bzw. zu einem Kauf durchringen. Aber beim derzeitigen Kursrückgang von Jungheinrich überlege ich doch schon sehr stark eine erste Position aufzubauen...
    Vielen Dank!
    Stefan

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    1. Sowohl Jungheinrich als auch Kion betrachte ich als aussichtsreiche Unternehmen und Investments. Vor einigen Wochen hatte ich dazu einen Artikel verfasst: "Mit Jungheinrich und Kion vollautomatisch mitverdienen". Jungheinrich ist stärker zurückgekommen und hat den Vorteil, dass man ein Familienunternehmen ist. Kion ist breiter diversifiziert mit seinen Marken/Töchtern und könnte vor einer Übernahme durch den chinesischen Großaktionär Weichei stehen - die haben beim Börsengang eine Stillhaltevereinbarung unterzeichnet, nach der sie nicht die Mehrheit an Kion übernehmen dürfen. Und die läuft Ende Juni aus. Deshalb dürfte Kion mittelfristig das spannendere Investment sein. Oder man nimmt einfach beide ins Depot und teilt die Position hälftig... ;-)

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  4. @Rainier G.
    Bei der ING DiBa ist es zumindest mit der Schweiz total easy. Alle drei Jahre das Formular ausfüllen, abstempeln lassen und es gibt 20 Prozent zurück aufs Konto.

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  5. Hallo Michael, ich kann Dich in Deinen Ausführungen nur unterstützen. Ich sehe es genauso wie Du. Sofern Du einen regelmäßigen Strom an Einkünften haben möchtest - bei vertretbarem Risiko - machen stabile, große und langjährige Dividendentitel ganz viel Sinn. Wachstums- und Turnaroundkandidaten haben ein ganz anderes Risikoprofil und auch ganz andere Cash needs, weswegen dort eben regelmäßige Einkünfte nicht über Dividenden zu erzielen Sinn. Beide Strategien können aber je nach individueller Ausrichtung für Investoren sinnvoll und risikoadäquat sein.
    Viele Grüße
    Andreas

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  6. Das mit den Steuern stimmt so meines Wissens nach nicht. Für Aktien sind keine Vorab-pauschalen fällig, nur für Aktienfonds.

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    1. Stimmt. Das habe ich aber auch gar nicht geschrieben. Dividenden unterliegen dem steuerlichen Sofortabzug bei Ausschüttung, Gewinne aus Aktienverkäufen werden beim Verkauf steuerpflichtig.

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  7. Man kann doch wunderbar beide Strategien verfolgen. Spricht doch nichts dagegen.

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  8. Hallo Michael!
    Zu allererst möchte ich Dir zu dieser Seite gratulieren und mich für deinen Einsatz bedanken! Und nun mein erster Kommentar bzw.Ergänzung auf deiner Seite:
    Als Anhänger von Unternehmen, die kaum Dividende zahlen, muss man allerdings überprüfen, ob die einbehaltenen Gewinne so eingesetzt werden können, dass die Verzinsung höher ausfällt, als meine Investmentmöglichkeit mit der Dividende. Bei Buffetts Burggrabenunternehmen war dies ja oft der Fall. Dann kann es besser sein, auf eine Dividende zu verzichten. Beste Grüße, Lukas

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    1. Da hast Du vollkommen Recht, Lukas. Microsoft unter Steve Ballmer war ein Paradebeispiel dafür: kaum Dividenden, kaum Aktienrückkäufe, aber Milliardeninvestitionen... in Flops (wie Nokia oder Skype). Das hat sich zum Glück gewandelt unter Nadella. Cisco Systems wiederum zeigt seit vielen Jahren, wie man es richtig macht, wenn man solche enormen Cashflows generiert. Man wächst durch sinnvolle Übernahmen und bedient auch die Aktionäre: direkt durch attraktive Dividenden und indirekt durch massive Aktienrückkäufe. Um hat dennoch am Ende noch Cashflow übrig, um einen Teil der Gewinne zusätzlich auf die Seite zu packen.

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  9. PS: Armer Charlie wird auf Facebook fortgeführt...falls es wen interessiert. LG Lukas

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    1. Ich hoffe, dass "Armer Charlie" bald auch wieder als Blog erreichbar sein wird; es gibt von vielen Seiten die DSGVO für Privatpersonen und kleine Unternehmen aufzuweichen bzw. überhaupt anwendbar zu machen.

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