Dienstag, 11. Dezember 2012

Hohe Dividendenrenditen als Warnsignal?

E.on, Deutsche Telekom und nun ThyssenKrupp - sie alle haben massive wirtschaftliche Probleme und ihre Aktienkurse befinden sich seit längerem im Sinkflug. Dadurch sinken die KGVs und die Dividendenrenditen steigen, zumindest theoretisch. Denn diese basieren ja auf den Schätzungen der Gewinne und Dividendenausschüttungen des nächsten und ggf. übernächsten Jahres und die Prognosen werden nicht stündlich angepasst. Sie laufen der wirtschaftlichen Entwicklung und den Aktienkursen hinterher. Und wenn also aufgrund eines deutlichen Kursrückgangs das KGV sinkt und die Dividendenrendite steigt, die Aktie also attraktiver erscheint, gilt das natürlich nur, wenn Gewinn- und Dividendenprognose nicht nach unten angepasst werden (müssen). Denn sobald dies geschieht, kehrt sich der Effekt um und das KGV schnellt hoch und die Dividendenrendite sinkt - ohne dass sich der Aktienkurs bewegt hätte.

Dass dieses Szenario nicht ganz so unwahrscheinlich ist und man mit optisch attraktiven Dividendenperlen auf die Nase fallen kann, sieht man der Telekom, die ab 2013 ihre Dividende je Aktie von 70 Cents auf 50 Cents senken will, oder an Daimler (Dividendenkürzung um 10%) und ThyssenKrupp, die die Dividende ganz streichen. Laufen die Geschäfte schlecht, wirkt sich das immer negativ für die Aktionäre aus. Bei der Dividende und/oder beim Aktienkurs. Denn selbst wenn ein Unternehmen, wie die Telekom, hohe Dividenden ausschüttet, muss es dies zuvor verdient haben, weil Dividendenausschüttungen aus der Substanz die Aktionäre schädigen, da sie das Unternehmen auszehren. Das kann mal für ein Jahr angebracht sein, als die Munich Re wegen des Fukushima-Katastrophe einen herben Gewinneinbruch hatte und trotzdem eine konstante Dividende zahlte, aber auch nur, weil im Folgejahr die Gewinne wieder auf das normale Niveau anstiegen und somit der Substanzverlust wieder kompensiert werden konnte.

Fazit: eine hohe Dividendenrendite kann, muss aber nicht, ein schlechtes Zeichen sein. Keinesfalls sollte sie alleine den Ausschlag für ein Investment geben! Vielmehr ist das Unternehmen zu prüfen, seine Bilanz, seine Umsatz- und Gewinnentwicklung der Vorjahre und die Prognosen für die Zukunft und natürlich kursbeeinflussende Sonderfaktoren. Denn wenn Auftragsverschiebungen ein Quartalsergebnis verhageln, die Jahresprognosen aber nicht in Gefahr geraten, der Kurs gleichwohl um mehrere Prozente einbricht, dann bieten sich hier interessante Einstiegsgelegenheiten. Aber eben nur in grundsolide Unternehmen, an denen man sich langfristig beteiligen möchte.

Kommentare:

  1. Ganz prima Hinweis, die Dividenden sind eben nicht garantiert, sondern ausgeschüttete Gewinne der Unternehmen. Und Gewinne muss man erst einmal machen. Sonst hilft ein hoher Renditeausweis auch nicht weiter.

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  2. Also wegen einer erwarteten Dividende würde ich niemals eine Aktie kaufen.
    Viel wichtiger ist für mich das Geschäftsmodell und die competitive advantage des Unternehmens (oft lassen hohe EK- und GK-Renditen den Rückschluss zu, dass eine competitive advantage vorliegt)

    Viele Grüße, Christian

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