Montag, 27. Februar 2012

Börsenweisheit der Woche 09/2012

"Regel eins lautet: nie Geld verlieren. Regel zwei lautet: vergiss nie Regel Nummer eins."
(Warren Buffett)

Freitag, 24. Februar 2012

H.P.I. Holding AG: schön langweiliges Beteiligungsdornröschen

Über die H.P.I Beteiligungen AG stolperte ich unlängst im Datenbankteil der Börse Online, als ich diesen nach niedrigen KGVs bei gleichzeitig hohen Dividendenrenditen durchstöberte. Und ein 2012er KGV von 8 und eine Rendite von 9 findet man nicht alle Tage, also fing ich an zu recherchieren...

Firmenportrait
Die H.P.I. Holding AG ist die Muttergesellschaft von mittelständischen Produktions- bzw. Nischenunternehmen der H.P.I. Gruppe und als solche nicht operativ tätig. Zu ihren Aufgaben zählt die Unterstützung der in- und ausländischen Tochterunternehmen in den Bereichen Controlling, Kostenmanagement, Investitionen, Finanzierungen und Expansion. Zur Gruppe gehören die August Berger Metallwarenfabrik GmbH und die Zimmer + Kreim GmbH & Co. KG mit ihren jeweiligen Töchtern. Die August Berger Metallwarenfabrik produziert dabei Spannringe zum Verschluss von Kunststoff- und Metallfässern, während das Maschinenbauunternehmen Zimmer & Kreim Erodiermaschinen, Handlingsysteme und Softwarelösungen herstellt.

Ganze zwei Beteiligungen? Das klingt nicht sehr imposant, hat andererseits jedoch den Vorteil, dass H.P.I. keinen riesigen Gemischtwarenladen im Auge behalten muss, sondern sich auf seine Kernkompetenzen beschränken kann. Der zweite Blick ging auf die Beschäftigungsfelder der beiden 100-Prozent-Töchter und dabei konnte ich fast Warren Buffett schmunzeln sehen, als ich "Spannringe" und "Erodiersysteme" las. Ich kann mir Langweiligeres vorstellen, als Spannringe für Fässer herzustellen. Aber nicht vieles... Doch Buffett liebt langweilige Geschäftsmodelle, solange sie einträglich sind und die jeweiligen Unternehmen in ihren Nischen bzw. Märkten eine starke Markt- und/oder Markenmacht haben. Und Berger ist mit 70% Marktanteil in Europa in einer Position, dass jeder Fasshersteller bei dem Unternehmen Kunde ist. Doch gut ist nicht gut genug und so startete man vor Kurzem eine Niederlassung in China, um dort in neue Dimensionen zu wachsen. Doch auch in Europa solle aus viel noch mehr werden und so ist man in fortgeschrittenen Übernahmegesprächen mit einem deutschen sowie einem südeuropäischen Wettbewerber. Und auch H.P.I. selbst ist in Gesprächen über einen Zukauf, der signifikant zu Umsatz und Ertrag beitragen soll.

Geschäftsentwicklung
Die eigentlichen Geschäfte laufen bei den H.P.I.-Töchtern wieder rund, nachdem sie im Zuge der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 massiv eingebrochen waren. Doch bei H.P.I. hat man die Zeichen der Zeit erkannt und die Töchter mit Kostensenkungsprogrammen fit für die Wirtschaftserholung gemacht, die dann 2010 auch eingetreten ist. Die Finanzkennzahlen zeigen, dass man auf einem hervorragenden Weg ist und das bei weiterem Potenzial auf der Kostenseite, so dass die Margen noch ausgebaut werden können.
  
Finanzkennzahlen
Kurs am 24.02.2012: 1,095 €
Anzahl der ausgegebenen Aktien: 15,6 Mio. Stück (Streubesitz: 57,64%)

Weitere wichtige Kennzahlen sind (Jahresabschluss 2010 nach HGB):
  • gezeichnetes Kapital: 15,6 Mio. €
  • wirtschaftliches Eigenkapital: 11,7 Mio. €
  • Eigenkapitalquote; 46,26%
  • Marktkapitalisierung: 17,08 Mio. €
  • liquide Mittel: 3,1 Mio. €
  • Bruttorendite; 5,47%
  • Dividende 2010: 0,10 €.




Die beiden Grafiken stammen von der H.P.I.-Website.

Meine Einschätzung
Die H.P.I. ist ein weiterer Micro-Cap auf den deutschen Kurszetteln, den man nicht ohne Mühe findet. Selten wird über diese kleinen Werte berichtet und man muss sich schon strecken, um an Informationen zu kommen. Aber die Mühe lohnt sich, jedenfalls bei H.P.I.

Die Gewinnprognosen von Börse Online für 2011 und 2012 liegen bei 0,18 und 0,13 € und für 2011 wird von einer konstanten Dividende von 0,10 € ausgegangen. Das 2012er KGV von 8,4 sowie die Dividendenrendite von 9,1% beziehen sich auf die heutige M.P.I. ohne Akquisitionen. Wenn diese erfolgen sollten, werden sie deutliche Auswirkungen haben und nach Einschätzung des Managements etwa 20 Mio. € zum Umsatz beitragen, was einer Steigerung um ein Drittel bezogen auf die 2010er Zahlen entspräche. Und die beiden Übernahmeziele sollen Vorsteuermargen zwischen 15 und 20% erzielen, so dass das Ergebnis überproportional zulegen dürfte.

Die Übernahmen sollen nach den Vorstellungen des H.P.I.-Vorstands ohne Kapitalerhöhung zu stemmen sein, allerdings müsste hierfür wohl - zumindest vorübergehend - auf die bisher sehr üppigen Dividendenrenditen verzichtet werden. Eine Kappung auf rund die Hälfte wäre denkbar, womit das Unternehmen noch immer auf eine Dividendenrendite von gut 4,5% käme. Im Gegenzug hierfür sollten sich die Zukäufe aber deutlich im Aktienkurs positiv bemerkbar machen, sollten die bisher kolportierten Zahlen so realisiert werden. Denn mit den zu erwartenden zusätzlichen Erlösen läge das 2012er KGV dann deutlich unter 5.

Mein Fazit
Das Management von H.P.I. hat in der Wirtschaftskrise Augenmaß und Weitsicht bewiesen und seine beiden "Perlen" hervorragend aufgestellt. Die attraktive Bewertung geht mit einer weit überdurchschnittlichen Dividendenrendite einher und zusätzlich bietet das Unternehmen neben dem eigenen starken organischen Wachstum der Töchter interessante Phantasien im Bereich möglicher Zukäufe. Mit der H.P.I. Holding sollten Langfristanleger sowohl unter Value- als auch unter Growthgesichtspunkten viel Freude haben - quasi das beste aus beiden Welten.

Zweifel an der Ertragskraft der Windsor AG

Vor einiger Zeit habe ich mich mit der Windsor AG befasst und sie aufgrund der ausgezeichneten fundamentalen Daten sowie der optimistischen Aussagen des Managements auf meine Watchlist aufgenommen. Vor allem die Dividendenrendite war herausragend - und ist es immer noch. Sofern man den Aussagen und Prognosen Glauben schenken kann. Und hier habe ich inzwischen erhebliche Zweifel.

Am 18.11. hatte Windsor seine Zahlen für das 3. Quartal 2011 vorgelegt und dabei einen massiven Gewinnrückgang vermeldet.
"In den ersten drei Quartalen des Jahres konnte der WINDSOR-Konzern nach IFRS einen Umsatz von 14,84 Mio. EUR realisieren (Vergleichszeitraum 2010: 18,55 Mio. EUR). Durch die insgesamt gesunkenen Börsenkurse Ende des dritten Quartals wurden die Bewertungen der börsennotierten Konzern-Beteiligungen angepasst, was das Konzern-Zwischenergebnis in der Stichtagsbetrachtung entsprechend belastet hat. Der Konzerngewinn für die ersten neun Monate reduzierte sich so auf 238.000 EUR (Vergleichszeitraum 2010: 2,48 Mio. EUR)."
Die Beteiligung an der MPH Pharma war durch die Börsenturbulenzen und gesunkene Aktienkurse deutlich weniger wert als zuvor und daher erfolgte eine entsprechende Abwertung. Denn anders als nach HGB wird nach IFRS nicht das Niederstwertprinzip angewandt (dadurch entstehen ggf. hohe stille Reserven aus Kurszuwächsen), sondern nach Zeitwert. Daher muss die Aussage bis hierhin noch nicht verschrecken.

Als nächstes erklärte der Vorstand:
"Das vorläufige operative Ergebnis zum 30. September vor Abschreibungen und vor Finanzergebnis, EBITDA, liegt bei 841.000 EUR (Vorjahreszeitraum: 1,83 Mio. EUR) und das vorläufige operative Ergebnis (EBIT) im gleichen Zeitraum bei 104.000 EUR (Vorjahreszeitraum: 943.000 EUR)."
Und hier stellen sich die ersten kritischen Fragen ein, denn das operative Geschäft ist das entscheidende, wenn man den nachhaltigen Erfolg eines Unternehmens und seines Geschäftsmodells bewerten will. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern hat sich also um 89% zum Vorjahreszeitraum verringert. Trotz dieser angespannten Lage, kündigte der Vorstandschef Roy von der Locht in der gleichen Mitteilung an,
"auch für das Jahr 2011 eine Dividende je Aktie in der Höhe des Vorjahres auszuschütten."
Und das, nachdem kurz zuvor eine Kapitalerhöhung vorgenommen worden war und sich die Anzahl der Aktien um ein Drittel erhöht hatte. Aber die Aussage steht, je Aktie sollen 0,25 EUR ausgeschüttet werden.

Zwei nicht unerhebliche Aspekte spielen an dieser Stelle eine Rolle, die das eingetrübte Gesamtbild deutlich aufhellen können: zum einen die beiden noch nicht börsennotierten Pharmabeteiligungen Simgen GmbH und Pharmigon GmbH, von denen eine bereits 2011 an die Börse gehen sollte. Das hätte einen erheblichen Betrag in die Kassen von Windsor gespült. Und zum anderen die hohe Dividende der MPH, die Windsor in 2010 immerhin 1,5 Mio. EUR an Erträgen eingebracht hat.

Doch diese Stützpfeiler der Windsor-Hoffnungen wankten - und wanken. Nicht nur, dass das Immobiliengeschäft stark in zeitlichem Verzug ist und nötige Baugenehmigungen noch immer nicht vorliegen. Auch gibt es keinerlei Informationen darüber ob die Pharmatöchter Simgen und Pharmigon überhaupt Geschäfte machen, welche Umsätze und Erträge sie erwirtschaften und ob die Börsenpläne mehr als heiße Luft sind. Bei Windsor wird von Sparten geredet und dazu zählt eben auch die erfolgreiche und hoch profitable MPH. Und hier kommen wir zum existenzgefährdenden Aspekt der "Windsorstrategie": Ende 2010 wies Windsor noch einen Anteil an der MPH von 29,91% aus, doch auf meine Nachfrage vor einigen Tagen an die MPH bekam ich die Auskunft, Windsor halte nunmehr nur noch 20% der Anteile. Windsor selbst hatte im Geschäftsbericht 2010 angekündigt, seine Beteiligungen auf jeweils unter 25% reduzieren zu wollen, aber dass nun gerade die profitable und einträgliche Beteiligung verringert wurde, gibt sehr zu denken. Denn die 1,5 Mio. EUR an Dividendeneinnahmen in 2010 bekam Windsor auf seine fast 30% Anteile; bei 20% fallen die Einnahmen bei gleich hoher Dividende also auf 1 Mio. EUR und die Ertragskraft der Windsor ist dauerhaft um 500.000 EUR geschwächt.

Windsor stopft also seine Löcher mit dem Verkauf von MPH-Aktien - was auch erklären könnte, weshalb MPH die Kursrallye seit dem Spätherbst komplett verschlafen hat und nur seitwärts tendierte. Für seine Immobiliensparte erhofft sich Windsor Renditen von 20%, insofern wäre ein Tausch einer Dividendeneinnahme von "nur" rund 8% nachvollziehbar. Allerdings hat Windsor bisher mit Immobilien eher Geld verbrannt, als Renditen zu erwirtschaften und wenn man mal eben 20% erzielen könnte, dann muss man fragen, weshalb die vielen anderen Unternehmen im Immobilienmarkt diese Renditen nicht erwirtschaften können. Es riecht nach viel heißer Luft, die in den Windsor-Plänen und Zahlen enthalten sind und nach wenig Substanz. Dazu passt auch, dass bei einem FTD-Artikel kürzlich der Windsor-Chef verkündete, man denke über die Errichtung von Tageskliniken in Afrika nach, um seine Pharmatöchter mit Aufträgen zu versorgen und gleichzeitig die Immobiliensparte zu pushen. Während das Kerngeschäft, die Immobilien in Berlin, nicht vom Fleck kommt, beschäftigt man sich also schon mal mit Luftschlössern in Afrika.

Muss man nun erwarten, dass Windsor für 2011 die Dividende kürzt? Nein, denn Großaktionär ist die Magnum AG und die hat eigentlich nur zwei Einnahmequellen, ihre Beteiligungen an MPH und an Windsor. Magnum selbst hat hochverzinste Genussscheine im Umlauf, die aus den Dividenden gespeist werden und will diese teure Finanzierungsart möglichst schnell beenden. Doch am Ende der Laufzeiten der Genussscheine muss dann ja das gesamte Kapital zurückgezahlt werden und das müssen die Dividenden von MPH und Windsor beisteuern. Ich gehe also davon aus, dass Windsor die Dividende zahlen wird.

Aber... die Ertragskraft der Windsor gibt dies nicht her und so wird die Substanz vermindert, um den Großaktionär zu bedienen. Und das sind keine erfolgversprechenden Perspektiven für ein langfristiges Engagement in ein Unternehmen. Ich würde heute keine Windsor-Aktien mehr kaufen und daher ist es nur konsequent, sie auch nicht zu halten und ich streiche sie von meiner Watchlist (sowie aus meinem Depot).

Montag, 20. Februar 2012

Börsenweisheit der Woche 08/2012

"Kurssturz: Wertpapier auf dem Weg zu seinem Papierwert".
(Ron Kritzfeld)

Mittwoch, 15. Februar 2012

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 4. Quartal 2011?

Im vierten Quartal 2011 hat Warren Buffetts Beteiligungsholding Berkshire Hathaway einige Änderungen an ihrem Portfolio vorgenommen, wie aus einer Pflichtmitteilung an die amerikanische Börsenaufsicht SEC hervorgeht.

Warren Buffett
Neue Investments wurden eingegangen bei Liberty Media mit 1,7 Mio. Aktien und bei dem Dialysespezialisten DaVita.

Aufgestockt hat Buffett bei Direct-TV, wo er mit 20,3 Mio. Aktien seinen Anteil auf rund 1 Mrd. USD beinahe verfünffacht hat und bei CVS Caremark, Intel, VISA, IBM, Verisk Analytics sowie General Dynamics. Und an der Großbank Wells Fargo & Co. hält Berkshire inzwischen Anteile von über 11 Mrd. USD.

Gesenkt wurde der Anteil bei Johnson & Johnson um fast ein Viertel (8,4 Mio. Aktien) und bei Kraft Foods um 2,7 Mio. Aktien. Seinen Anteil an ExxonMobil hat Buffett komplett abgestoßen.

Nachdem Buffett selbst ja eher technikfeindlich eingestellt ist, kann man bei den neuen Engagements zunehmend den wachsenden Einfluss des ehemaligen Hedgefondsmanagers Ted Weschler und des früheren Portfoliomanagers Todd Combs erkennen, die beide als möglicher Nachfolger Buffetts an der Spitze von Berkshire Hathaway im Gespräch sind.

Zur Gesamtlage hatte sich Warren Buffett kürzlich ebenfalls geäußert und von Investments in Gold und Anleihen abgeraten. Nach seiner Auffassung seien Aktien die beste Anlageform auch und gerade in der aktuellen unsicheren Zeit.

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 13. Februar 2012

Dividendenstrategie: Langfristig erfolgreich, auch bei Inflation

Allianz Global Investors hat unter dem Titel "Dividendenstrategien im Umfeld von Inflation und Deflation" (PDF) eine Studie vorgelegt, die belegt, dass Anleger mit langfristigem Anlagehorizont gerade auch in Krisenzeiten von Dividendenwerten profitieren. Dazu wurde die Kursentwicklung von US-Aktien im Zeitraum von 1950 bis 2010 analysiert.

Ergebnis: Fielen die Renditen am Aktienmarkt insgesamt geringer aus, zahlten sich Dividendeninvestments zumeist stärker aus als marktbreite Investments. Gleichzeitig verzichteten Anleger mit einer Dividendenstrategie nicht auf Wachstumschancen, belegt die Studie. Bei den untersuchten US-Aktien lässt sich sogar ein positiver Zusammenhang zwischen der Höhe der Dividendenrendite und dem Gewinnwachstum eines Unternehmens in den folgenden Jahren feststellen.

Interessant dürfte vor allem der Aspekt der Inflation sein, denn aufgrund der seit Jahren von den Notenbanken gefahrenen Niedrigzinspolitik fürchten ja nicht wenige, dass sich hieraus eine (schleichende) Inflation entwickeln wird. Doch auch hier schneidet die Dividendenstrategie gut ab, denn dividendenstarke US-Aktien haben in Zeiten unterschiedlich hoher Inflation fast immer besser abgeschnitten als der breite Aktienmarkt. Lediglich in Phasen extrem hoher Inflation erzielten Anleger mit dieser Strategie schlechtere Ergebnisse als der Marktdurchschnitt.

Fazit: langfristige Investments in ertrag- und dividendenstarke Unternehmen zahlen sich aus und Dividendeneinnahmen tragen auf lange Sicht gut 40% zum Anlageerfolg bei Aktieninvestments bei.

Börsenweisheit der Woche 07/2012

"Ich versuche nie, mit Aktien Geld zu verdienen. Ich kaufe in der Überzeugung, dass die Börse am nächsten Tag auch für fünf Jahre schließen könnte."
(Warren Buffett)

Freitag, 10. Februar 2012

Dresdner Factoring AG: hohes Wachstum, hohe Rendite, attraktive Bewertung

Firmenportrait
Unter Factoring versteht man den Ankauf und selbständigen Beitrieb von Forderungen. Dresdner Factroing ist auf den Ankauf von Forderungen mittelständischer Unternehmen spezialisiert, denen innehalb weniger Tage nach Ankauf der Forderungen rund 90% des Rechnungsbetrages ausgezahlt wird. Die Kunden verfügen somit sofort über Liquidität und brauchen sich auch nicht mehr dem Risiko eines möglichen Zahlungsausfalls des Kunden abzuplagen. Dieses Risiko übernimmt der Factorer und daher ist dieses Geschäft angesichts der zunehmend schlechten Zahlungsmoral in Deutschland entsprechend gefragt und der Branchenumsatz stieg in den letzten 10 Jahren um 400% auf nunmehr 132 Milliarden €. Doch das Potenzial ist riesig, da vor allem kleinere Unternehmen bisher fast noch gar nicht von diesem Finanzinstrument Gebrauch machen.

Geschäftsentwicklung
Im Geschäftsjahr 2011 stieg der Forderungsumsatz um mehr als 7% auf 458 Mio. € und der Vorsteuergewinn verdoppelte sich auf 1,6 Mio. € und für 2012 sind aus eigener Kraft 500 Mio. € und 1,7 Mio. € angepeilt. Dabei geht das Unternehmen von einem zunehmenden Konsolidierungsdruck in der Branche aus und hat knapp 10% seiner eigenen Aktien zurückgekauft, um sie entweder als Aquisitionswährung einzusetzen oder aber einen Großaktionär ins Boot zu holen. Die ebenfalls denkbare Möglichkeit, diese Aktien einzuziehen und so das EPS zu erhöhen, erscheint vor diesem Hintergrund und angesichts der bereits jetzt schon attraktiven Bewertung der DFAG das unwahrscheinlichere Szenario.

Finanzkennzahlen
Meine Einschätzung
Dresdner Factoring ist ein Small-Cap mit geringer Marktkapitalisierung, aber mit großem Potenzial. Die Wachstumsaussichten der Branche sind hervorragend und die Kennzahlen des Unternehmens zeigen eine sehr attraktive Bewertung auf: die Aktie notiert nur bei Zweidrittel ihres Buchwertes, das KGV für 2012 liegt bei 8,64 und die Dividendenrendite erreicht sensationelle 5,33% - Tendenz für die Folgejahre steigend.

Obwohl die Aktie seit ihren Tiefstkursen bereits deutlich zulegen konnte - alleine im Jahr 2012 gut 20% - ist die Bewertung für ein langfristig orientiertes Engagement noch immer sehr attraktiv. Die Perspektiven stimmen ebenso wie die Bewertung und daher sollte das Unternehmen seinen Aktionären in den nächsten Jahren viel Freude bereiten können. Und attraktive Renditen.

Montag, 6. Februar 2012

Börsenweisheit der Woche 06/2012

"Manche Anleger halten sich für Langfristanleger, wenn sie am Freitagabend Aktien kaufen und bis Montagmorgen durchhalten."
(Heiko Thieme)

Donnerstag, 2. Februar 2012

Datagroup AG - IT-Holding mit Cloud-Phantasie

Firmenportrait
Die DATAGROUP AG ist eine reine Holding. Sie legt ihren Fokus auf Beteiligungen an IT-Service-Unternehmen, die den gesamten Lebenszyklus von IT-Infrastrukturen unterstützen, sich jedoch in einer Umbruchsituation befinden und günstig zu erwerben sind. Als Holding unterhält das Unternehmen einen kleinen Konzernstab, der zentrale Finanzierungs- und Managementdienste für seine operativ tätigen Tochtergesellschaften sowie Dienstleistungen im Bereich Rechnungs- und Personalwesen für andere Gesellschaften der Unternehmensgruppe der Mehrheitsaktionärin DATAGROUP GmbH erbringt.

Die Holding hält jeweils 100% an der DATAGROUP Stuttgart GmbH (ehemals DATAGROUP IT Services GmbH), DATAGROUP Bremen GmbH, DATAGROUP Offenburg GmbH, ICP GmbH, HDT Hanseatische Datentechnik GmbH und DATAGROUP Invest GmbH. Im Frühjahr 2010 wurde die arxes GmbH mit ihrer Tochtergesellschaft arxes Business Sevices GmbH erworben, im Oktober 2010 wurde die ptecs GmbH übernommen. Neuste Erwerbung per Januar 2012 ist die Consinto GmbH.

Finanzkennzahlen
Anzahl der Aktien: 6,9 Mio. Stück
Streubesitz: 29,3% (Datagroup GmbH 65,00%, Vorstand und Aufsichtsrat 5,70%)
Marktkapitalisierung: 42,4 Mio. €

Geschäftsentwicklung
Das abgelaufene Geschäftsjahr 2010/2011 (per 30. September) lief hervorragend. Der Umsatz
legte um ein Drittel auf 107 Millionen Euro zu, das Ebitda erreichte mit gut sieben Millionen Euro (Vorjahr: 6,2 Millionen) ebenfalls einen neuen Rekordwert. Die Neuerwerbung Consinto ist im Bereich SAP-Beratungen für Mittelständler tätig um macht etwa 50 Mio. € Umsatz. Von den rund 350 Consinto-Mitarbeitern sind 120 SAP-Berater. Die sollen Datagroup nun helfen, auch im kleineren Mittelstandssegment Fuß zu fassen, denn bisher ist Datagroup auf Unternehmen mit 50 bis 2.000 IT-Arbeitsplätzen spezialisiert und nimmt nun zusätzlich auch Kunden mit fünf bis 49 IT-Plätzen ins Visier. Allein in Deutschland gibt es rund 400.000 Unternehmen in dieser Zielgruppe, so dass sich hier ein enormes Potenzial auftut. Datagroup-Chef Max Schaber will den Cloud-Service "Dataflat" über ein Franchise-System flächendeckend in Deutschland einführen und möchte so rund ein Prozent der Mittelstandszielgruppe, also gut 4.000 Firmen, in den kommenden drei Jahren als Neukunden gewinnen. Bei durchschnittlich 10 IT-Arbeitsplätzen pro Kunde könnten so im genannten Zeitraum 40.000 IT-Arbeitsplätze mit dem Cloud-Dienst vernetzt und so ein zusätzlicher Umsatz von knapp 50 Millionen € generiert werden. Die Margen in diesem neuen Cloud-Geschäftsfeld liegen bei rund 20%, tragen also zu einer noch höheren Profitabilität bei.

Meine Einschätzung
Betrachtet man die Unternehmenskennzahlen, weisen diese ein solides Wachstum auf bzgl. Umsatz und Ergebnis und die Bewertung ist mit einem KGV12 von 7,3 moderat. Dabei enthalten diese Zahlen bisher noch nicht die Werte und Potenziale, die die Neuerwerbung Consinto mit sich bringt. Es ist daher davon auszugehen, dass die Analysten in naher Zukunft die Prognosen nach oben anpassen werden und die ohnehin attraktive Bewertung noch interessanter wird.

Als Risiko steht zu Buche, dass die neue Strategie im Bereich Cloud-Computing auch floppen kann. Dann wird es nichts mit dem neuem Geschäftsfeld und zusätzlichen Umsätzen und Erträgen und dem Börsenkurs würde dies sicher nicht gut tun. Allerdings bleibt Datagroup auch mit den bisherigen Geschäftsfeldern gut aufgestellt und arbeitet profitabel - die aktuellen Kennzahlen zeigen dies ja klar auf.

Untem Strich sollte sich ein mittelfristiges Engagement bei Datagroup auszahlen. Die Dividendenrendite von etwa 3,25% ist ebenfalls nicht unattraktiv und könnte evtl. noch steigen, wenn denn die Aktionäre am höheren Gewinn entsprechend mit höheren Dividendenzahlungen beteiligt werden.