Montag, 29. Oktober 2012

Börsenweisheit der Woche 44/2012

"Wir müssen wohl den Preis für unsere Fehler zahlen".
(Josef Ackermann)

Freitag, 26. Oktober 2012

Celesio: nach Rosskur eröffnen sich neue Perspektiven

Die im deutschen MidCap-Index MDAX notierte Celesio AG ist wieder ein reinrassiger Pharmahändler. "Wieder", weil nach Jahren des starken Wachstums außerhalb des Kerngeschäfts - und noch dazu äußert unerfolgreich - vom seit gut einem Jahr amtierenden Chef Markus Pinger eine Rückbesinnung des Unternehmens auf seine Kernbereiche und Kernkompetenzen erfolgt. Und die ist auch dringend nötig, denn war Celesio bis 2007 ein Wachstumswert und eine Kursrakete, folgten der Irrstrategie schmerzhafte 70 Prozent Kursverlust. Weil nach 20 Jahren des Umsatz- und Ergebniswachstums innerhalb weniger Jahre die Ergebnisse auf nur noch knapp die Hälfte abgeschmolzen wurden und sich bisher nicht wieder erholten.

Neben teuren Akquisitionen erwies sich insbesondere der Kauf der niederländischen Internetversand-Apotheke Doc Morris als Wertvernichter. Nicht nur, weil der Europäische Gerichtshof die deutsche Rechtspraxis im Kern bestätigte und so Doc Morris in Deutschland die Geschäftsgrundlage weitgehend entzogen war, sondern weil Celesio sich klar als Konkurrent zu den von ihm belieferten Apotheken positioniert hatte. Und die verprellten Apotheken wanden sich reihenweise der Konkurrenz von Celsio zu.

Mit dem Verkauf von Doc Morris beendet Celesio das unrühmliche Kapitel und schreibt ein weiteres - und letztes - Mal 30 Mio. EUR ab. Das wird das Ergebnis des dritten Quartals rückwirkend entsprechend belasten. Des Weiteren wurden inzwischen Beteiligungen wie die am Marketing- und Vertriebsdienstleister Pharmexx und der Pharmalogistiker Movianto verkauft und aus einigen kleineren Ländern Europas zieht sich der Pharmagroßhändler zurück.

Der zweitgrößte deutsche Pharmagroßhändler bestätigte nach den Verkäufen seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) soll sich mindestens auf dem Niveau des Geschäftsjahres 2011 belaufen und nicht unter 550 Millionen Euro liegen.

Zum aktuellen Kurs von 15 EUR notiert Celesio in etwa zum Buchwert und mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 11,5. Die Chancen von Celesio stehen gut, wieder deutlich Marktanteile zurückzugewinnen und die Margen auszubauen - viele Jahre lang lag die EK-Rendite bei über 20%, während sie seit 2007 dramatisch auf zuletzt 4% eingebrochen war. Eine lesenswerte Analyse des Unternehmens mit einer Darstellung der Ergebnisse, Renditen und Dividenden der letzten 20 Jahre hat Till Schwalm in seinem Blog SFG Value Investing erst im Juli vorgenommen, und ich empfehle Ihnen diese Lektüre!

Ganz einfach wird es für Celesio nicht, zu alter Stärke zurückzukehren. Verlorenes Vertrauen muss zurückgewonnen und neue Märkte erschlossen werden und es gilt, die alte Renditestärke zurückzuerlangen. Gerade erst wurde die zweite Unternehmensanleihe über 350 Mio. EUR platziert und war sechsfach überzeichnet.

Auf dem aktuellen Kursniveau sollten die Chancen die Risiken deutlich überwiegen und für langfristig orientierte Anleger bietet sich eine attraktive Einstiegschance.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Aurelius mit weiterem Zukauf und Rekordergebnissen

Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius war gleich zweimal in den Medien: zunächst gab man die Übernahme der spanischen Steria Iberica vom französischen Steria-Konzern bekannt, der sich auf seine Kernmärkte fokussieren will.

Die neue Tochtergesellschaft, die als zweites Spanisches IT-Unternehmen ins Aurelius-Portfoio wandert und über deren Kaufpreis Stillschweigen vereinbart wurde, sei „ein renommierter Player auf dem spanischen IT-Service-Markt sowohl für private als auch für öffentliche Kunden und bietet IT-Dienstleistungen wie integrierte Lösungsansätze für Application-Management, Systemintegration, Infrastruktur-Management sowie Testing und Qualitätssicherung“, teilte Aurelius mit. Im vergangenen Jahr setzten die gut 900 Mitarbeiter etwa 42 Mio. EUR um.

Und einen Tag später präsentierte Aurelius Rekordzahlen zum dritten Quartal: der Neunmonatsumsatz stieg um 7,1% auf 1,02 Mrd. EUR und das EBITDA auf 164,7 Mio. EUR (+ 237%). Die Verkaufsgewinne der im Jahr 2012 erfolgreich veräußerten Konzernunternehmen Consinto und Schabmüller betrugen insgesamt 59,7 Mio. EUR. Durch die Veräußerungserlöse stiegen die liquiden Mittel im Konzern auf 195,9 Mio. EUR zum Stichtag 30. September 2012 (31. Dezember 2011: 154,4 Mio. EUR).

Aurelius dürfte angesichts der hervorragenden Zahlen seine reguläre Dividende auf 1,70 EUR (bisher 1,50 EUR) anheben und eine zusätzliche Sonderausschüttung von 2,00 EUR vornehmen werde. Insgesamt könne die Ausschüttung für 2012 bis zu 4,00 EUR betragen, hatte sich Aurelius-Chef Dirk Markus kürzlich geäußert.

Warren Buffett hält Aktien für "teilweise ambitioniert" bewertet

Der erfolgreiche Value-Investor Warren Buffett hat über die Weltwirtschaft, die Euro-Krise und die aktuelle Bewertung der Aktienmärkte geäußert, vermeldet heute das Handelsblatt.

Warren Buffett
Buffett meint, dass die Weltwirtschaft in eine Rezession abrutscht, wobei Euro nach seiner Ansicht das Problem sei und weniger die USA. Hier würden die positiven Signale vom Immobilienmarkt stützen, weshalb der Chef und Großaktionär der Investmentholding Berkshire Hathaway auch weiterhin Aktien der US-Bank Wells Fargo & Co. kaufe, auch wenn generell im Bankensektor künftig wohl kaum mehr die hohen Renditen wie vor der Finanzkrise zu erzielen wären.

Auch wenn Warren Buffett zuletzt vor allem im Sektor für regenerative Energien, Wind und Solar, aktiv war, hält er sich aktuell mit Käufen eher zurück, denn er stuft die Preise für Aktien als "teilweise ambitioniert" ein.

Das hängt natürlich auch mit den sinkenden Gewinnen der Unternehmen zusammen, denn niedrigere Gewinne erhöhen das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und damit die Bewertung der Aktien, ohne dass sich der Kurs selbst verändert. Schlechtere globale Konjunkturaussichten und schleppendes Umsatz- und Gewinnwachstum reduzieren auch den fairen Wert der Unternehmen.

Einzelne Unternehmen sind weiterhin zu fairen Kursen zu bekommen, aber der Gesamtmarkt weist nach seinen deutlichen Steigerungen in diesem Jahr eine höhere Bewertung auf, als vor Jahresfrist. Kein Grund zu verkaufen, aber Neuengagements bedürfen einer noch sorgfältigeren Auswahl, auch wenn die Kurse schon korrigiert haben. Denn wenn eine Aktie im Kurs einbricht, die Gewinnerwartungen aber ebenfalls deutlich reduziert werden, dann reduziert sich das KGV nicht unbedingt und die Aktie wird durch den Kurssturz nur optisch billig, aber nicht fundamental. Oder wie Peter Lynch es formulierte: "nur weil eine Aktie fällt, heißt das nicht, dass sie nicht noch weiter fallen kann".

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Dienstag, 23. Oktober 2012

Villeroy & Boch bleibt stark auf Kurs

Der Keramikhersteller Villeroy & Boch hat in den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres weniger Umsatz mit Geschirr, Küchenutensilien und Accessoires erzielt, allerdings entfielt das Minus ausschließlich auf die Sparte "Tischkultur". "Die für Villeroy & Boch wichtigen Märkte des Euroraums befinden sich in einer Rezession", hieß es. Darüber hinaus war ein Werk in Südamerika verkauft worden, in dem überwiegend margenschwache Erzeugnisse gefertigt wurden und im Vorjahreszeitraum schlug ein großer Einmalauftrag positiv zu Buche. Das Konzernergebnis blieb mit 6 Mio. EUR genau auf Vorjahresniveau.

Die Zahlen belegen, dass Villeroy & Boch es versteht, seine Margen zu verbessern und trotz widrigem Marktumfeldes unternehmerisch Kurs zu halten. Darüber hinaus bietet das Unternehmen neben der attraktiven Dividendenrendite von 5,5% und der moderaten Bewertung (2013er KGV von 7) auch erheblich Phantasie bzgl. der möglichen Grundstücksverkaufserlöse in Luxemburg.

An meiner positiven Einschätzung für Villeroy & Boch aus dem September hat sich nichts geändert und ich halte die Aktie weiterhin für unterbewertet.

Montag, 22. Oktober 2012

Börsenweisheit der Woche 43/2012

"Wer immer tut, was er schon kann, bleibt immer das, was er schon ist".
(Henry Ford)

Freitag, 19. Oktober 2012

Ignoriert Quartalsergebnisse!

Es ist Berichtssaison und die Wall Street wird heftig durchgeschüttelt, weil etliche Unternehmen mit ihren Quartalsergebnissen die Erwartungen des Marktes und/oder der Analysten nicht ganz erreichen bzw. teilweise auch recht deutlich verfehlen. Das muss ein schlechtes Zeichen sein, sollte man meinen, und doch sollten gerade langfristig orientierte Value-Anleger sich der Worte Warren Buffetts erinnern und genauer hinsehen.

"Solange unsere Investments in jedem Jahr 15 Prozent zulegen,
mache ich mir um Quartalszahlen keine Sorgen".
(Warren Buffett)

Damit meint das "Orakel von Omaha", dass Quartale zu enge Zeitspannen sind, um die Entwicklung eines Unternehmens exakt zu planen und zu bewerten. Liegen ein paar Feiertage mehr auf Wochentagen in dem Quartal oder verschiebt sich ein größerer Zahlungseingang um wenige Tage, kann dies das Quartalsergebnis beeinflussen, ohne dass es für das Jahresergebnis wirklich Relevanz hätte. Deshalb liest Warren Buffett keine Quartalsberichte, er schwört auf den Geschäftsbericht und den darin mit enthaltenen Lagebericht des Vorstands.

Die Konsequenz aus diesem Denkansatz ist, dass Kurseinbrüche nach (schlechten) Quartalsergebnissen Kaufgelegenheiten generieren. Denn hat man sich ein Unternehmen ausgesucht, von dessen langfristiger Perspektive man überzeugt ist, dass nachhaltig seine Umsätze und Gewinne steigert und vielleicht noch regelmäßig die Dividende anhebt, dann sollte man genau(er) hinsehen. Ist das schlechte Quartalsergebnis durch ein strukturelles Problem entstanden, sind also große Kunden abgesprungen, die Produkte mangelhaft oder das Management unglaubwürdig geworden, dann kann ein schlechtes Quartalsergebnis der Auftakt zu einer anhaltenden Schwächephase des Unternehmens und des Aktienkurses sein. Wenn aber sich die Kunden "nur" zurückhalten, weil demnächst die Einführung neuer Produkte ansteht, oder weil sich gesetzliche Regelungen sich zu einem bestimmten Zeitpunkt ändern, dann stellt sich ein Kursrutsch oftmals als Übertreibung und folglich als Kaufgelegenheit für beherzte Investoren dar. Allerdings sollte man nicht in jeden Kursrutsch hinein die Aktien kaufen, sondern genau die Unternehmen, die man sowieso auf der Watchlist hatte.

"Große Anlagemöglichkeiten kommen immer dann, wenn hervorragende Unternehmen
vorübergehend in schwieriges Fahrwasser geraten und deshalb unterbewertet werden".
(Waren Buffett)

Genau solche Situationen finden sich z.B. bei IBM oder Microsoft wieder, wo die Kunden auf die Einführung des neuen Windows 8 Betriebssystems warten, das demnächst in die Läden kommt. Es ist nachvollziehbar, dass momentan weniger Kunden Produkte mit Windows 7 kaufen wollen, sondern auf das neue System warten - die Umsätze verschieben sich also um einige Wochen oder ein, zwei Monate. Das Unternehmen selbst ist nicht in Schieflage geraten - das wäre nur der Fall, wenn die Nachfrage grundsätzlich zurückgehen würde, weil die Produkte am Markt nicht (mehr) ankommen. Doch die Erwartung der Surface-Tablets, die Einführung von Windows 8 auf Nokia- und Samsung-Smartphones, der neue Music-Dienst von Microsoft - all das wird Windows attraktiv halten und attraktiver machen. Vor allem für Programmierer, die künftig nur noch ein System bearbeiten müssen und nicht unzählige unterschiedliche Versionen.

Es ist also davon auszugehen, dass die Umsätze (und Erträge) bei Microsoft bereits in den nächsten Wochen wieder deutlich anspringen werden und auf dem aktuellen Kursniveau von 22 EUR wird der Dow-Jones-Wert mit einem 2013er KGV von unter 9 und einer Dividendenrendite von über 3 geradezu "verschleudert". Das ist einen Buy&Hold-Kauf wert!

Ebenso verhält es sich bei "Big Blue" IBM, die nach dem Kursrutsch mit einem KGV von 11,5 und einer Dividendenrendite von mehr als 1,5% - allerdings schüttet IBM seit Jahren deutlich mehr Geld in Form von Aktienrückkäufen an die Aktionäre aus als es an Dividenden auskehrt. Auch bei diesem Dow-Jones-Wert sollte man zu Kursen um 150 EUR zuschlagen und das Investment die nächsten Jahre Früchte tragen lassen!

Montag, 15. Oktober 2012

Aurelius AG: 12% Dividendenrendite für 2012

Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius erwartet ein mehr als erfolgreiches Geschäftsjahr 2012: der operative Gewinn solle über dem des Vorjahres liegen und aus getätigten Firmenverkäufen und außerordentlichen Erträgen wären bereits mehr als 100 Mio. EUR realisiert worden.

Aurelius-Chef Dirk Markus hat deshalb gegenüber der Zeitschrift "Euro am Sonntag" davon gesprochen, die reguläre Dividende auf 1,70 EUR anheben und zusätzlich eine Sonderdividende von 2,00 EUR ausschütten zu wollen. Insgesamt könnten sogar bis zu 4,00 EUR auf die Aktionäre zukommen, was beim gegenwärtigen Aktienkurs von rund 33,00 EUR eine Dividendenrendite von gut 12% ausmache. Rekordverdächtig! Aber auch die reguläre Dividende bringt immerhin schon über 5% Rendite, denn der Bonus wird nur einmalig fließen.

Börsenweisheit der Woche 42/2012

"Für Börsenspekulationen ist der Februar einer der gefährlichsten Monate. Die anderen sind Juli, Januar, September, April, November, Mai, März, Juni, Dezember, August und Oktober".
(Mark Twain)

Sonntag, 14. Oktober 2012

Deutsche Telekom: Substanz-Raubbau durch zu hohe Dividende

Die Deutsche Telekom steht als Ex-Monopolist seit Jahren mächtig unter Druck. Einst als "Volksaktie" an den Markt gebracht und in utopische Bewertungshöhen gepusht, folgte dann der jähe Absturz von Kursen jenseits der 100 EUR auf deutlich unter 10 EUR. Um diesen Stand - zumeist allerdings darunter - pendelt der Wert seit vielen Jahren mit einiger Volatilität.

Insbesondere der Ausflug in die USA bereitet Telekom-Chef Obermann seit Jahren Kopfzerbrechen und Ende letzten Jahres wollte man das traurige Kapital schließen, in dem man die US-Tochter an den dortigen Platzhirschen AT&T verkaufen wollte. Doch der Deal platze, weil die Genehmigungsbehörden in den USA negative Auswirkungen für die Verbraucher witterten und die Deutsche Telekom erhielt als Trostpflaster wenigstens Einmalprämien in Milliardenhöhe von AT&T. Das half dem Gesamtergebnis des Vorjahres durchaus. Und nun soll die US-Tochter, knapp ein Jahr später, mit dem direkt hinter ihr an fünfter Stelle rangierenden Anbieter MetroPCS fusioniert werden - und das interne Berechnungs- und Bewertungsergebnis würde bei der Telekom zu einer weiteren Milliardenabschreibung von rund 7 bis 8 Mrd. EUR auf den Wert der US-Tochter führen und den erwarteten Konzerngewinn von rund 2,6 Mrd. EUR mehr als aufzehren. Unter dem Strich dürfte diese Strategie allerdings die einzige zu sein, die dem siechen Geschäft in den USA auf die Beine helfen kann.

"Shit happens", sollte man meinen, aber es wird schlimmer. Denn Telekom-Chef Obermann will an der "Garantiedividende" festhalten und wieder 70 Cents je Aktie ausschütten. Damit wird an dem Kamikazekurs der Vorjahre festgehalten, denn seit Jahren schüttet die Deutsche Telekom mehr an ihre Aktionäre aus, als sie überhaupt verdient. Und während das Unternehmen sich stolz der höchsten Dividendenrendite aller DAX-Werte rühmt, dümpeln die Aktien weiter vor sich hin. Kein Wunder, denn der Raubbau an der Substanz des Konzerns geht ja an den Bilanzen nicht spurlos vorüber und die Anleger verstehen durchaus, dass man ihnen hier strotzende Gesundheit vorgaukelt, wo markzehrendes Siechtum folgen wird. Wer auf Dauer seine Rücklagen verbraucht, um Dividenden auszuzahlen, tut den Aktionären nichts Gutes! Nein, er schädigt das Unternehmen und damit das Vermögen der Aktionäre, das ihm anvertraut ist! Doch da die Deutsche Telekom anders nicht mehr zu punkten in der Lage ist, wird sich Obermann wohl nicht bekehren lassen und von seinem unternehmensschädigenden Plan absehen. Die Anleger sollten die Signale erkennen und die Reißleine ziehen. Sie sollten ihr Geld nehmen und woanders investieren, in Unternehmen, die solide Erträge erwirtschaften und die Aktionäre über Dividenden und Aktienrückkaufprogramme teilhaben lassen am unternehmerischen Erfolg. Und die nicht Raubbau an der Substanz betreiben.

Ist der Kaufkraftverlust für Rentner alternativlos?

Deutschlands Rentner haben seit dem Jahr 2000 rund ein Fünftel ihrer Kaufkraft eingebüßt, wie die Bundesregierung eingestehen musste. Im Westen waren es 17%, im Osten 22% - und gerade dort zähl(t)en Rentner zu den Besserverdienenden. Die durchschnittlichen Rentenzahlbeträge nach Abzug aller Sozialbeiträge lagen in den alten Bundesländern zuletzt bei 1.062 EUR (+17 EUR seit 2000) und in den neuen Ländern bei 1.047 EUR (-23 EUR seit 2000). Allerdings stieg im selben Zeitraum der Verbraucherpreisindex um etwa 20% an, woraus sich der hohe Kaufkraftverlust erklärt.

Die Debatte über die Altersarmut ist in vollem Gange und heutige Geringverdiener werden künftig eher weniger als mehr Rente erhalten. Dazu kommt die von der großen Koalition aus CDU und SPD im Jahr 2006 beschlossene Rentenreform, also die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 Jahre und die Absenkung des Rentenniveaus auf 43%, so dass sich auch für Normalverdiener die zu erwartenden Renten absenken werden - der demographische Wandel und die höhere Lebenserwartung lässt das Umlageverfahren eben an seine Grenzen kommen.

Seit Jahren wird daher für Ergänzungen zur gesetzlichen Rentenversicherung getrommelt und die sog. Riester-Rente wird staatlich mit Milliardensummen gesponsert. Millionen deutscher Arbeitnehmer riestern kräftig mit, doch die Erträge aus den Verträgen werden enttäuschend ausfallen: das niedrige Zinsniveau und exorbitant hohe Abschluss- und Verwaltungsspesen fressen die Renditen weitgehend auf. Der deutsche Michel kann schon froh sein, wenn er am Ende nicht weniger rausbekommt, als er eingezahlt hat - trotz staatlicher Förderung. Und wenn man die Geldentwertung mit berücksichtigt, kann man gleich jede Hoffnung fahren lassen.

Und doch gibt es Alternativen!

Immobilien stellen aktuell neue Preisrekorde auf, auch aufgrund der große Unsicherheit über die Zukunft des Euros, die Staatsschuldenkrise und ein mögliches Aufflammen der Inflation. Allerdings sind Immobilien, wie der Name schon sagt, relativ unflexibel und so bieten sich zum Beispiel börsennotierte Immobilien-AGs oder REITS für die Altersvorsorge an. Von (offenen) Immobilienfonds sollte man lieber die Finger lassen. Und das manager-magazin weist darauf hin, dass das Betongold hierzulande kaum mit der Wertentwicklung des Aktienmarktes mithalten kann.

Alternativ kann man sein Geld in solide und dividendenstarke Aktiengesellschaften stecken und wenn man dies regelmäßig tut, kommen dabei erkleckliche Summen zusammen, die dann zunehmend - und nicht erst im Rentenalter - ein zusätzliches monatliches Einkommen generieren. Dabei kommt es allerdings auf die richtige Auswahl der Dividendenperlen an, um ein ausgewogenes Chance-Risiko-Verhältnis sicherzustellen. Oder man wählt einen ETF, die es auch für Dividendenwerte gibt. Und wer nicht über Aktien Miteigentümer eines Unternehmens werden möchte, kann einem solchen auch Geld leihen - da fallen deutlich bessere Zinsen ab, als bei Bundesanleihen, allerdings muss man sich auch über den Schulder sorgfältig Gedanken machen. Dann können sich Unternehmensanleihen als Alternativen zu Aktien durchaus lohnen.

Es gibt also bereits Lösungen für die sich abzeichnenden Probleme und je früher man ein paar Taler zurücklegt, desto eher erhält man daraus Erträge und desto besser stellt sich die eigene finanzielle Situation (im Alter) dar. Jeder Tag des Zögerns schmälert die Rendite und verschlechtert die Absicherung des Lebensstandards, heute und im Alter. Daher ist Zögern keine Option und wenn doch, dann die teuerste.

Mittwoch, 10. Oktober 2012

Spinn-Offs: Ende der steuerlichen Benachteiligung deutscher Anleger

Spinn-Offs (Ausgründungen) können für Unternehmen ein Befreiungsschlag sein, sowohl für das Abspaltende wie auch das Abgespaltene. Kraft Foods hat es gerade vorgemacht und seine europäischen und Non-Food-Aktivitäten unter dem Kunstnamen "Mondelez International" ausgegliedert und so an die Börse gebracht. Vereinfacht gesagt, hat Kraft sich aufgeteilt und seine Aktionäre haben nun zwei Aktien im Depot - der Kurs der Kraft-Aktien sank entsprechend des Wertes der neuen Mondelez-Aktien.
Bei amerikanischen Unternehmen sind Spin-Offs keine Seltenheit, in Deutschland hingegen sind sie bisher eher nur vereinzelt anzutreffen. Allerdings wurde gerade der Spezialchemiehersteller Lanxess in den DAX aufgenommen, dabei ist das Unternehmen eine Ausgliederung aus dem Bayer-Konzern, der 2005 seine siechende Chemie- und Polymersparte hier gebündelt und abgestoßen hatte. Seitdem hat sich einiges geändert und Lanxess sich zu einen ertrag- und margenstarken Unternehmen gewandelt, das mit der DAX-Aufnahme nun quasi den Ritterschlag erhalten hat. Und auch der DAX-Konzern Siemens liebäugelt nun mit einem Spinn-Off seiner Glühlampen-Tochter Osram, nachdem ein Verkauf und Börsengang mehrfach nicht zu Ende gebracht werden konnten.

Für deutsche Anleger sind Spin-Offs bisher allerdings mit Problemen behaftet, Steuerproblemen. Denn während bei deutschen Unternehmen die neuen Aktien einfach mit dem Anschaffungspreis von Null Euro ins Depot gebucht werden (und der Kurs des abgebenden Unternehmens entsprechend fällt), erfasste das Finanzamt Spin-Offs amerikanischer Unternehmen als Ertrag und verlangte auf die Einbuchung entsprechend 25% Kapitalertragsteuer (Abgeltungssteuer). Und das, obwohl der Anleger keinen Vermögens- oder Ertragszuwachs hatte, den der Kurs des abspaltenden Unternehmens fiel ja um den Kurswert des angespaltenen Teils.

Diese die Realität verkennende und ignorante Benachteiligung soll nun mit dem Jahressteuergesetz 2013 beendet werden und zwar für alle Vorfälle ab dem 1. Januar 2013. Ein zum Anfang 2012 rückwirkendes Inkrafttreten haben die Banken ggü. der Bundesregierung erfolgreich verhindert, weil sie sich nicht in der Lage sehen, die rückwirkende Berechnung korrekt durchführen zu lassen. Ich lasse dieses Argument unserer ach so am Kundeninteresse ausgerichteten Banken mal kommentarlos stehen und hoffe, dass die Banker bei der Berechnung ihrer Boni genauso einfallsfreudig sein werden, wenn um das Nichtberechnenkönnen geht.

Tatsache ist, dass sich Spin-Offs in der Regel für die beteiligten Unternehmen und die Aktionäre auszahlen und ab 2013 kann dies der deutsche Anleger auch steuergefahrlos genießen. Erst beim Verkauf der Aktien muss der erzielte Kursgewinn dann ggf. versteuert werden.

Was ist... Diversifikation?

Diversifikation oder auch Diversifizierung bezeichnet in der Wirtschaftswissenschaft eine Ausweitung des Sortiments und ist das Gegenteil einer Monostruktur. Wenn ein Unternehmen diversifiziert, baut es eine neue Sparte auf, zum Beispiel durch den Zukauf von Unternehmen.

An der Börse versteht man unter Diversifikation hingegen die Risikostreuung innerhalb eines Depots, also das gleichzeitige Investieren in unterschiedliche Währungen, Branchen und Anlageklassen, wie Aktien, Anleihen oder Festgeld.

Value Investoren neigen eher zu Konzentration statt breiter Streuung ihrer Anlagen.

Montag, 8. Oktober 2012

Börsenweisheit der Woche 41/2012

"Weil Denken die schwerste Arbeit ist, die es gibt, beschäftigen sich auch nur wenige damit".
(Henry Ford)

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Lese-Tipp: "Das Tao des Warren Buffett"

Autoren: Mary Buffett und David Clark

Gebundene Ausgabe: 208 Seiten
Verlag: Börsenmedien Verlag
1. Auflage (11. Februar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3938350598
Neupreis: 24,90 EUR

Mary Buffett hat gemeinsam mit dem Rechtsanwalt und Fondsmanager David Clark ein weiteres Buch über ihren Vater, den legendären Value-Investor Warren Buffett, geschrieben. Dabei dreht es sich nicht um Strategien oder die Bewertung von Investments, sondern die beiden Autoren haben eine Sammlung unterschiedlichster Zitate Warren Buffetts zusammengetragen und diese anhand von exemplarischen Beispielen aus dessen Leben angereichert. Auf diese Weise wird die Botschaft des Star-Investors noch eindringlicher vermittelt, weil der praktische Bezug zu seinen Lehren unmittelbares Verständnis für seine Botschaften erzeugt. Und diese Botschaften sind simpel - so simpel, dass sie jeder verstehen und beherzigen kann. Denn letztlich geht es vor allem um Disziplin, Vorsicht und Geduld und nicht aus Zufall ist eines der Kapitel mit genau diesem Titel überschrieben.

Theodor Fontane bemerkte, "ein guter Spruch ist wie die Wahrheit eines ganzen Buches in einem Satz". Und dieses Buch ist voller humoriger, sinniger und denkanstoßender Sprüche, so dass es allen zu empfehlen ist, die sich für das Thema Investieren und Vermögensaufbau mit Aktien interessieren.




Montag, 1. Oktober 2012

Börsenweisheit der Woche 40/2012

"Banker sind Menschen, die dir bei guten Wetter einen Regenschirm leihen, ihn aber zurückfordern sobald es zu regnen beginnt".
(Mark Twain)