Donnerstag, 29. November 2012

Was ist... ein Squeeze-out?

Als Squeeze-out bezeichnet man das zwangsweise herausdrängen der Minderheitseigentümer aus einer Aktiengesellschaft. Diese muss nicht zwangsläufig börsennotiert sein.

Wenn der Haupteigentümer mehr als 95 Prozent der Anteile an einer Gesellschaft hält, darf er jederzeit die übrigen Mitgesellschafter gegen Zahlung einer angemessenen Abfindung aus dem Unternehmen drängen. Diese Abfindung darf ausschließlich als Barabfindung gezahlt werden, nicht z.B. in Form von eigenen Aktien des Haupteigentümers, falls dieser eine Aktiengesellschaft sein sollte. Die Höhe der Barabfindung hat sich an den wirtschaftlichen Verhältnissen des Unternehmens im Zeitpunkt der Beschlussfassung durch die Hauptversammlung zu orientieren und  der Verlust der Minderheitsaktionäre muss aufgrund der Eigentumsgarantie des Art. 14 Grundgesetz vollständig kompensiert werden. Zur Ermittlung der Höhe der Abfindung werden üblicherweise das Ertragswertverfahren oder neuerdings auch die Discounted-Cash-Flow-Methode. Als Untergrenze für eine angemessene Abfindung gilt der Durchschnittskurs der letzten drei Monate vor dem Squeeze-out-Beschluss.

Die Angemessenheit der Barabfindung kann, nachdem der Squeeze-out durchgeführt ist (Eintragung des Übertragungsbeschlusses in das Handelsregister) allerdings im Rahmen eines durch einen ehemaligen Aktionär zu beantragenden Spruchverfahrens gerichtlich überprüft werden. Und nicht selten kommt es hierbei zu Nachbesserungen der Barabfindung.


Ein sehr lebenswerter Artikel zum Squeeze-out findet sich bei der ARD Börse.

Mittwoch, 28. November 2012

Haniel senkt seinen Anteil an Celesio auf 50,01%

Gestern vermeldete die Franz Haniel & Cie. GmbH, sie würde ihre Anteile an der Celesio AG im Rahmen eines beschleunigten Bookbuildingverfahrens auf 50,01% senken und bei der Metro AG auf 30,01%. Dies sei nötig, um die enorme Verschuldung der Haniel AG zu reduzieren, die bei immerhin 2,4 Mrd. EUR liegt.

Und bereits heute vermeldet Haniel Vollzug: die Beteiligung an dem Pharmahändler wurde durch den Verkauf von rund 7,9 Mio. Aktien von 54,64 auf 50,01 Prozent reduziert. Die Papiere wurden zu einem Preis von 12,60 EUR plaziert, also nur knapp unterhalb des aktuellen Börsenkurses. Die Nachfrage sei fünfmal größer gewesen als das Angebot, hieß es, und der Erlös betrug rund 100 Mio. EUR.

Darüber hinaus habe sich Haniel zu einer Lock-up-Frist verpflichtet und wird mindestens in den nächsten sehcs Monaten keine weiteren Celesio-Aktien abgeben. Und weiter erklärte Haniel, man sie vom Potenzial der Celesio AG überzeugt und das Unternehmen bleibe ein langfristiges Investment im Haniel-Portfolio.

Meine grundsätzlich positive Einschätzung zu Celesio hat sich nicht geändert; ich sehe erhebliches Potenzial für das Unternehmen, wieder zur alten Stärke zurückzufinden. Und der Aktienkurs dürfte dann folgen.

Montag, 26. November 2012

Börsenweisheit der Woche 48/2012

"Das beste Geschäft ist immer das Geld der Anderen."
(Alexandre Dumas)

Freitag, 23. November 2012

Die H.P.I. Holding AG liebäugelt mit drei Übernahmen

Nachdem die mittelständische Beteiligungsgesellschaft H.P.I. Holding AG kürzlich ihre Beteiligung an der Zimmer & Kreim GmbH veräußert hat, liegt der Fokus nun wieder auf Akquisitionen und Wachstum im Kerngeschäft Metallverarbeitung.

Derzeit werden Verhandlungen mit einem nichteuropäischen Spannringhersteller geführt, dessen Jahresumsatz bei rund 25 Mio. EUR liegt, und der in seinem Absatzland eine ähnlich marktbeherrschende Rolle wie Berger in Deutschland spielt.

Parallel dazu verhandelt die H.P.I. Holding AG mit einem weiteren Spannringproduzenten in Südeuropa, dessen Umsatzvolumen derzeit rund 12 Mio. EUR beträgt. Diese Unternehmensübernahme kann im positiven Fall bis Ende März 2013 realisiert werden. Bei beiden Unternehmen handelt es sich um ertragsstarke Traditionsunternehmen, die sich bereits viele Jahre in ihren Märkten etabliert haben.

Für weiteren Zuwachs in der Berger-Gruppe (H.P.I.-Tochter) soll ein deutsches Unternehmen der Metallverarbeitung sorgen. Mit diesem Unternehmen werden bereits seit geraumer Zeit Übernahmeverhandlungen geführt, die möglicherweise im März 2013 erfolgreich abgeschlossen werden können. Dieses Unternehmen generiert derzeit einen Umsatz von rund 16 Mio. EUR.

Ganz wichtig für die Aktionäre ist der Hinweis, man würde alle drei Übernahmen "mit Hilfe von Banken" bewerkstelligen können, so dass eine Kapitalerhöhung "zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht geplant" sei. Folglich würde die Verschuldung steigen und entsprechend die Eigenkapitalquote sinken, aber es würde kein Verwässerungseffekt bzgl. der Gewinne je Aktie (EPS) eintreten.

Mittwoch, 21. November 2012

Jubiläum: seit einem Jahr wird hier intelligent investiert

Auf den Tag genau ist dieses Blog nun ein Jahr alt und ich möchte den Anlass nutzen, eine kurze Bilanz zu ziehen. Nachdem am 21. November 2011 der Startschuss mit diesem Beitrag gelegt wurde, haben sich inzwischen mehr als 40.000 Besucher auf diese Seite verirrt und es freut mich, dass sie so viel Anklang findet, manchmal Kommentare verfasst werden und sich bisweilen sogar mal eine Diskussion entfaltet. Gerade dieses Feedback ist ein wesentlicher Motivationsfaktor für mich, auch weiterhin Artikel zu verfassen.

Und da sind wir schon an dem Punkt, wo sich die entscheidende Frage stellt: wozu das Ganze? Da ich mit dem Blog kein Geld verdiene (die spärlichen Einnahmen durch die unattraktiv und  zurückhaltend platzierte Werbung mal ausgenommen), bleibt nur der Idealismus, der Wunsch, Wissen zu verbreiten. Und Weisheit. Aber natürlich nicht meine eigene, ich schreibe hier nur über Leute, die viel wissender und weiser sind als ich und die große Erfolge an der Börse vorweisen können.

Wissen ist Macht...
Es ist genau dieses Wissen, diese wenigen elementaren Grundprinzipien, die aus einem durchschnittlichen Anleger einen erfolgreichen Investor machen. Und gerade in Deutschland verzichtet der größte Teil der Bevölkerung auf die Teilhabe am Reichtum unserer Volkswirtschaft, spart zu mickrigen Zinsen auf Sparkonten, die nicht einmal die Inflation ausgleichen, und setzt voll auf die staatliche Rente für die Alterssicherung.

...aber man muss das Wissen auch umsetzen
Vom einem geplanten und erfolgreichen Vermögensaufbau sind die meisten Deutschen weit entfernt. Und immer wieder wird der Neid entfacht auf diejenigen, denen es so viel besser geht, die Vermögenden, die Reichen. Doch selten wird die Frage gestellt, weshalb die Reichen eigentlich reich sind. Es sind viele Erben darunter, natürlich, denn anders als in der Vergangenheit üblich hat Deutschland nicht alle 30 Jahre einen verheerenden Krieg geführt, der große Teile des Landes - und des Volksvermögens - vernichtet hat. Es gibt also eine Menge zu erben. Und in den letzten Jahren erfreuten sich besonders Substanzwerte eines großen Wertzuwachses: Immobilien und Unternehmensbeteiligungen. Doch in beiden Bereichen liegen die Deutschen weit hinten. Weil sie daran nicht teilnehmen, profitieren sie auch nicht von den Wertsteigerungen und daher verteilt sich das Gesamtvermögen immer ungerechter, klafft die Schere zwischen vermögend und unvermögend (den Begriff verwende ich hier bewusst) immer stärker auseinander.

"Was tun?", sprach Zeus
Nun ist die Frage, ob man mehr Gerechtigkeit dadurch herstellt, dass man den Erfolgreichen und Vermögenden mehr wegnimmt, oder ob man die anderen dazu bringt, endlich auch auf den Erfolgszug aufzuspringen. Die Lösung liegt vermutlich in einer Kombination von beidem, aber da ich nicht unter die Räuber gehen und als Robin Hood danach das geraubte Geld den Armen schenken möchte, setze ich lieber auf den zweiten Weg: die Leute dazu zu bringen, am Wohlstand teilzuhaben. Oder wie Ludwig Erhard sein Wirtschaftswunder-Buch titulierte: "Wohlstand für alle". Doch heute erzielen nur noch rund 40% der Deutschen Arbeitseinkünfte, die übrigen leben von sozialer Unterstützung, Mieteinnahmen und Kapitalerträgen (zunehmend aus Erbschaften). Und deshalb funktioniert das Prinzip "Wohlstand für alle" nur noch, wenn möglichst viele Menschen am Produktivvermögen beteiligt sind und so am wirtschaftlichen Erfolg teilhaben können.

Und der einfachste Weg zu diesem Ziel führt über die Aktie. Sie ist ein Anteil an einem Unternehmen und kann über die Börse ganz leicht ge- und verkauft werden. Das Wissen über Aktienanlagen, die Auswahl der richtigen Unternehmen und das hierzu nötige Rüstzeug, das möchte ich vermitteln und verbreiten helfen. Das ist mein Anspruch an dieses Blog und mein Antrieb, auch weiterhin Artikel rund um das Thema Value-Investing und das wertorientierte Investieren in Aktien zu verfassen.

Und deshalb, ganz zum Schluss und an exponiertester Stelle, möchte ich mich bei euch allen für eure Treue und euer Interesse bedanken. Und wenn ihr auch künftig hier mitlest und ab und zu mal einen Kommentar hinterlasst, dann weiß ich, dass ich auf dem richtigen Weg bin und es sich lohnt, weiterzumachen.

Dienstag, 20. November 2012

Finger weg von offenen Immobilienfonds!

Unter dem Titel "Offene Immobilienfonds wagen Neustart" berichtete Börse Online gestern, dass die Fondsgesellschaft Kanam im nächsten Jahr einen neuen offenen Immobilienfonds an den Markt bringen will. Das ist möglich, weil Finanzminister Schäuble sich mit seinem Vorschlag, diese Anlageklasse abzuschaffen, leider an den Lobbyistenverbänden der Investmentfonds-Industrie gescheitert ist.

Offene Immobilienfonds sind eine Mogelpackung, denn sie halten nicht, was sie vollmundig versprechen: sie suggerieren dem Anleger, dass er jederzeit seine Anteile zu Geld machen kann, aber spätestens die Immobilien- und Finanzkrise hat gezeigt, dass dies nicht der Fall ist. Denn als alle gleichzeitig aus ihren Fonds aussteigen wollten, war deren Liquiditätsreserve für Ankäufe der eigenen Fondsanteile schnell verbraucht und der überwiegende Teil des Geldes steckt natürlich in Immobilienwerten. Und die lassen sich nun mal nicht von heute auf morgen verkaufen. Die Folge war, dass die "offenen" Fonds zwangsgeschlossen wurden und zwar für zwei Jahre. In der Zwischenzeit sollten die alles versilbern, was sie nur irgendwie losschlagen konnten - teilweise mit horrenden Verlusten. Und erst am Ende der zwei Jahre zeigt sich, ob man überhaupt genug Geld zusammenbekommen hat, um die Anleger auszuzahlen. Ansonsten behalten die ihre Anteile an dem Fonds, der nun auf zusätzlichen Verlusten sitzt und entsprechend noch weniger Wert ist.

Geschlossene Immobilienfonds sind die ehrliche Variante
Weitaus ehrlicher sind geschlossene Immobilienfonds. Hier beteiligt man sich fest und für eine bestimmte (Mindest-)Zeit an einer oder mehrerer Immobilien und kann sein Geld nur streng vereinbarten Regeln zurückbekommen. Für beide Seiten ist damit eine hohe Planungssicherheit gegeben, wenn auch für den Anleger wenig(er) Flexibilität. Eine Lösung bietet sich hier, wenn die Fondsanteile an der Börse notiert sind. Denn dann kann man seine Anteile jederzeit zu Geld machen, auch wenn nicht unbedingt zum Pari-Kurs von 100%. Wenn alle gleichzeitig verkaufen wollen, sinkt der Kurs der Anteile - das übliche Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage. Für den Fonds bietet sich durch eine Börsennotierung die Möglichkeit, nicht an sein Investmentkapital heranzumüssen, wenn Kunden Gelder abziehen wollen. Denn der Kurs der Anteile hat keinen Einfluss auf die Liquiditätslage des Fonds selbst. Dessen eingezahltes (und investiertes) Kapital bleibt vom Verkauf der Fondsanteile über die Börse unberührt.

Börsennotierte Immobilien-AGs sind die bessere Wahl
Doch an der Börse bieten sich noch andere Möglichkeiten, in Immobilien zu investieren. Zum einen gibt es die börsennotierten Immobilienunternehmen und zum anderen die REITs, die Real Estate Investment Trusts. Bei beiden kommen die Vorteile der Börsennotierung voll zum Tragen, allerdings unterliegen sie deutlich strikteren Transparenz- und Informationspflichten, als börsennotierte geschlossene Immobilienfonds. Daher sind AGs und REITs aus Anlegersicht eindeutig vorzuziehen, denn die bieten in der Regel hohe Dividendenrenditen und nicht selten bekommt man Immobilienaktien mit einem teilweise erheblichen Abschlag auf den NAV, den Net-Asset-Value (Nettoinventarwert), mit dem das Anlagevermögen bewertet wird.

Es stellt sich die Frage, weshalb es Immobilienfonds überhaupt noch gibt. Und die Antwort ist: die Fondsbranche verdient prächtig an ihnen durch offene und versteckte Provisionen und Gebühren und durch die Management-Vergütungen. Anleger haben bessere Alternativen und sollten daher die Immobilienfonds meiden, denn den mit ihnen verbundenen Nachteilen stehen keine wirklichen Vorteile gegenüber.


Einige börsennotierte Wohn- und Gewerbe-Immobilien-AGs und REITs:
Adler Real Estate, Alstria Office REITColonia Real Estate, Deutsche Euroshop, Deutsche Wohnen, DIC Asset, Fair Value REITGAG Immobilien, Gagfah S.A., GSW Immobilien, Hamborner REITIVG Immobilien, KWG Kommunale Wohnen, Patrizia Immobilien, Prime Office REITTAG Immobilien, VIB Vermögen, YOUNIQ

Egal, ob Fondsanteile oder Aktien: es gilt die alte Kaufmannsweisheit, dass der Gewinn im Einkauf liegt. Also nicht jedem heißen Tipp hinterherhecheln, sondern gerne mal in die Prospekte und Geschäftsberichte schauen und sich im Internet oder der Tagespresse informieren, bevor (!) man sein Geld investiert. Und auf die Bewertungen schauen, auf günstige Werte bzgl. NAV, KGV, FFO oder KBV achten.

Montag, 19. November 2012

Börsenweisheit der Woche 47/2012

"Die Sanftmütigen werden die Erde beherrschen - aber nicht die Schürfrechte".
(Jean Paul Getty)

Freitag, 16. November 2012

Leifheit: solides Investment mit Übernahmephantasie

Den Haushaltsgerätehersteller Leifheit habe ich schon länger auf meiner Watchlist und nun habe ich zugeschlagen, nachdem der Kurs zuletzt schon angezogen war. Doch bei Leifheit kommen mehrere Faktoren zusammen, die das Unternehmen attraktiv und die Perspektiven interessant machen.

Gestern kam die Meldung über die Ticker, die beiden Großaktionäre, die HOME Beteiligungen GmbH und die MKV Verwaltungs GmbH, die 49% und 10% an Leifheit halten, sich von ihren Anteilen trennen möchten. Hinter den beiden Gesellschaften verbergen sich die Gründerfamilien Schuler-Voith und Knapp-Voith, deren Kinder andere Interessen hätten. So war man kürzlich bereits bei der Schuler AG ausgestiegen.

Die Leifheit AG wird also "ins Schaufenster" gestellt und ein Erwerber könnte auf einen Schlag mit 59% die Mehrheit an dem Unternehmen erlangen. Die Anteile sollen außerbörslich verkauft werden und ein Erwerber müsste dann den freien Aktionären ein Angebot für ihre Aktien machen. Und solche Angebote liegen üblicherweise im zweistelligen Bereich über den aktuellen Börsenkursen, weil man es den Aktionären ja schmackhaft machen muss, sich von ihren Anteilen an einem gut laufenden Unternehmen zu trennen. Wer also heute die Aktien der Leifheit AG kauft, setzt mittelfristig (auch) auf eine Übernahme. Und Übernahmen in Deutschland kommen gerade wieder in Mode, denn einerseits sind die deutschen Unternehmen wirtschaftlich hervorragend aufgestellt, andererseits aber stärker fremdfinanziert, was bei der sich abzeichnenden künftigen Zurückhaltung der Banken in der Mittelstandsfinanzierung (Stichwort Basel III und Eigenkapitalverschärfungen) nach neuen Finanzierungsmodellen schreit.

Übernahmephantasie alleine ist aber kein Grund, eine Aktie zu kaufen. Denn es ist nicht sicher, ob ein neuer Mehrheitsaktionär seinen Anteilsbestand dann signifikant ausbauen möchte und davon hängt ja ab, wie attraktiv sein Angebot an die anderen Aktionären sein wird, oder ob er nur dem Mindestpreis für das Pflichtangebot nachkommt. Ein Einstieg lohnt sich also nur, wenn das Unternehmen auch ohne Übernahmephantasie eine gute Investition wäre und man mittel- und langfristig an dem Unternehmen seine Freude haben wird.

Wer oder was ist Leifheit?
Leifheit stellt Haushaltsgeräte her und zwar unter den eigenen Marken Leifheit und Soehnle. Bis Ende des Jahres stammen auch noch die Dr. Oetker Backgeräte aus dem Hause Leifheit, doch hat man gerade eben den Lizenzvertrag zum Jahresende beendet, um sich stärker auf die beiden Kernmarken zu fokussieren und das breite Produktportfolio zu konzentrieren. "Ziel der Strategie ist es, die Marke Leifheit mit ihren Kategorien 'Reinigen', 'Wäschepflege' und 'Küche' stärker herauszustellen sowie die Marke Soehnle als attraktive, moderne Wellnessmarke zu positionieren". Die Produktsparte Dr. Oetker Backgeräte erzielte im Geschäftsjahr 2011 einen Umsatz von EUR 6,3 Mio. EUR, davon knapp 50 Prozent in Deutschland. Dieser Umsatzanteil - und die daraus resultierenden Gewinne - werden also künftig fehlen.

Und wie laufen die Geschäfte?
Die Marktkapitalisierung der Leifheit AG liegt bei etwas über 130 Mio. EUR und damit zählt das Unternehmen zu den kleineren Nebenwerten in Deutschland. Der 9-Monatsumsatz betrug 164 Mio. EUR (inkl. Dr. Oetker), wobei das Markengeschäft gute Zuwächse verzeichnete, während das Volumengeschäft (Herby, Birambeau) um 10% auf 32 Mio. EUR nachgab. Trotz leicht rückläufiger Umsätze steigerte Leifheit das operative Ergebnis um fast 10% auf 7,7 Mio. EUR. Das liegt vor allem an der neuen Strategie „Leifheit Go!“, einem Mix aus Preiserhöhungen, Innovationen und einer Sortimentsüberarbeitung mit Verzicht auf das margenschwache Geschäft, wodurch sich konzernweit die Brutto-Marge in den ersten neun Monaten um 1,5 Prozentpunkte auf 44 Prozent erhöhte. Positiv stimmt zudem die Entwicklung im dritten Quartal, denn das Margengeschäft entwickelte sich stärker als noch in den ersten sechs Monaten und wesentliche Kennzahlen wie die Bruttomarge und EBIT legten weiter zu. Konsequent hält Leifheit daher an seinen Prognosen für das Gesamtjahr fest und rechnet mit Erlöszuwächsen gegenüber dem Vorjahr, als 222 Mio. EUR umgesetzt wurden.

Gegenüber der Krise in Südeuropa stellt sich das Management nicht taub, sondern reagiert: man konzentriert sich nun verstärkt auf die Wachstumsmärkte in der Region Osteuropa und in ausgewählten Ländern Asiens und im Vertrieb soll künftig der Absatzkanal E-Commerce eine stärkere Rolle spielen. So sollen künftig die Produkte noch wesentlich stärker über den Internethandel verkauft werden, wobei Partnerschaften mit internationalen Kooperationspartnern forciert werden sollen.

Abgesehen vom Krisenjahr 2009 schreibt Leifheit Gewinne und wenn auch die Konsumzurückhaltung nicht spurlos an dem Unternehmen vorüber geht, hat das Management doch richtig reagiert und seine Strategie angepasst. Für 2012 gehen die Analysten vom Bankhaus Lampe von einem Gewinn je Aktie (EPS) von 1,82 EUR aus und für 2013 von 2,16 EUR. Allerdings noch inkl. der Sparte Dr. Oetker Backgeräte. Das 2013er KGV liegt somit bei rund 12,4 und die Dividendenrendite soll von 5,30% in 2012 sogar auf 6,15% in 2013 steigen.

Fazit
Leifheit betreibt kein spektakuläres Geschäft, sondern verdient grundsolide sein Geld. Die Produkte tauchen in vielen Haushalten auf und sind von hoher und langlebiger Qualität. Die Strategie wird angepasst, um auch in Krisenzeiten weiterhin gute Geschäfte machen und die Margen steigern zu können und die sich abzeichnende neue Eigentümerstruktur bietet zusätzliche Chancen für geduldige Aktionäre. Die Wartezeit wird einem mit einem risikoreduzierten Geschäftsmodell und einer hohen Dividendenrendite versüßt, so dass sich eine Übernahmespekulation bei Leifheit lohnen sollte.

Ich nehme Leifheit auf meine Empfehlungsliste.

Donnerstag, 15. November 2012

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 3. Quartal 2012?

Im dritten Quartal 2012 hat Warren Buffetts Beteiligungsholding Berkshire Hathaway einige Änderungen an ihrem Portfolio vorgenommen, wie aus einer Pflichtmitteilung an die amerikanische Börsenaufsicht SEC hervorgeht.
Warren Buffett

Aufgestockt hat Buffett bei seiner Lieblingsbank Wells Fargo & Co, an der er nun 422,5 Mio. Aktien (+11 Mio.) hält, bei IBM (+ 872.500) und bei Deere & Co (+ 4 Mio.).

Weiter abgebaut hat Buffett seine Beteiligungen an ConocoPhillips, Johnson & Johnson (-95%), Kraft Food Group, U.S. Bancorp, General Motors (-88%) und Procter & Gamble.

Damit reduziert Warren Buffett insbesondere den in der Krise hervorragend gelaufenen defensiven Konsumgütersektor und zeigt auch durch sein weiter wachsendes Engagement bei Wells Fargo & Co., dass er von einer Konjunkturbelebung in den USA und einem Wiedererstarken des US-Immobilienmarktes überzeugt ist.

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Mittwoch, 14. November 2012

Bei der H.P.I. Holding AG tut sich was

Das inhabergeführte Beteiligungsunternehmen H.P.I. Holding AG hat sich wie angekündigt von seiner kleineren Beteiligung, der Zimmer & Kreim GmbH getrennt. Käufer ist der schweizer Elektronik- und Softwareproduzent INDEL AG, der neuer Mehrheitseigner wird, während bei der H.P.I. Holding ein kleiner Anteil verbleibt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Interessant ist der Verkauf für die H.P.I. Holding, weil bei Z&K zuletzt Verluste anfielen und weil der Verkauf die nötigen Mittel generieren sollte, um aus Privatbesitz ein schuldenfreies deutsches metallverarbeitendes Unternehmen zu erwerben mit einem Umsatzvolumen von 15,0 bis 16,0 Mio. EUR und einem Vorsteuerergebnis von rund 1,7 Mio. bis 2,0 Mio EUR. Nachdem der Verkauf nun unter Dach und Fach ist, könnte es mit der bis Ende des Jahres geplanten Übernahme noch klappen.

Montag, 12. November 2012

Die MBB Industries AG im Bewertungs-Check

Der Aktienkurs der mittelständischen Beteiligungsgesellschaft MBB Industries AG ist nach Bekanntgabe der 9-Monatszahlen um 25% auf rund 17 EUR angezogen und nach einem solchen rasanten Anstieg wäre eine Konsolidierungsphase nicht ungewöhnlich und auch gesund.

Ist die MBB-Aktie nun teuer?
Optisch hat sich der Kurs in wenigen Monaten mehr als verdoppelt, daher kann man auf den ersten Blick zu dem Schluss kommen, dass die Aktie nun teuer ist. Der zweite Blick gilt dann den fundamentalen Daten und hier gab es signifikante Änderungen. Denn der Erwerb der Claas Feinmechanik GmbH und dessen Konsolidierung in den Konzernzahlen der MBB ab dem zweiten Quartal 2012 hat den Konzernumsatz nahezu verdoppelt und die Gewinne überproportional in die Höhe katapultiert. Das senkt die Bewertungskennzahlen und die Analystenhäuser beginnen gerade erst, ihre aktuellen Zahlen anzupassen. So hat Börse Online seine Gewinnprognosen angehoben und erwartet für 2012 nun 2,00 EUR (bisher 1,40) und für 2013 2,10 EUR (bisher 1,50). Die Analysten von Close Brothers Seydler haben ebenfalls ihre Schätzungen angehoben, wenn sie auch nicht ganz so optimistisch ausfallen, wie die von Börse Online. Nach einer EBIT-Marge von 8,5 Prozent im dritten Quartal rechnen die Experten für das Gesamtjahr mit einer Marge von 8,9 Prozent und erhöhen ihre Gewinnprognose je Aktie von 1,45 EUR auf 1,84 Euro und für 2013 von 1,71 EUR auf 1,89 EUR. Sie bestätigen die Kaufempfehlung für die Aktien von MBB Industries und geben ein erhöhtes Kursziel von 21,50 EUR aus (zuvor 17,20 EUR).

Nehmen wir einfach mal den Durchschnittswert beider Prognosen, dann kommen wir auf einen Gewinn je Aktie für 2012 von 1,92 EUR und für 2013 von 2,00 EUR. Bei einem aktuelle Kurs von 17 EUR ergäbe sich auf dieser Basis ein 2012er KGV von 8,85 und ein 2013er KGV von 8,5.

Vergleichen wir das mit anderen börsennotierten deutschen Beteiligungsgesellschaften:

Aurelius (Marktkap. 384 Mio. EUR), 2013er KGV: 30,5
Dt. Beteiligungen (Marktkap. 255 Mio EUR), 2013er KGV: 24,9
Gesco (Marktkap. 217 Mio. EUR), 2013er KGV: 9,9
Indus (Marktkap. 1.104 Mio EUR), 2013er KGV: 8,7
MBB Industries (Marktkap. 112 Mio. EUR), 2013er KGV: 8,5

Das zeigt, dass das Unternehmen MBB Industries trotz des starken Kursanstiegs im Peer Group-Vergleich weiterhin attraktiv bewertet ist und keinesfalls zu teuer. Im Gegenteil: die Mitbewerber verzeichnen teilweise bereits Bremsspuren beim Wachstum (Gesco, Indus), während MBB Umsatz und Ergebnis deutlich ausbaut.

Und neben den hervorragenden Zahlen wird noch ein Ereignis den Blick stärker auf MBB Industries lenken, denn vom 12. bis 14. November findet in Frankfurt das "Deutsche Eigenkapitalforum" statt und dort wird sich auch die MBB Industries AG präsentieren und eine Analystenkonferenz abhalten.

Darüber hinaus dürfte es in absehbarer Zeit zu heißen Spekulationen über die zukünftige Dividendenhöhe kommen, denn 2009 und 2011 hat MBB beinahe den gesamten Jahresgewinn von jeweils rund 0,50 EUR je Aktie als Dividenden ausgekehrt, in 2012 immerhin 0,44 EUR. Würde das Unternehmen dieser Strategie weiterhin folgen, wäre eine Dividende für 2012 von mindestens 1,50 EUR, wenn nicht gar 1,80 EUR drin. Und dann reden wir bei einem Kurs von 17,00 EUR von einer Dividendenrendite von 8,8 bis 10,6 Prozent - und das nach den starken Kursanstiegen der letzten Wochen.

Mein Fazit
Nach dem starken Kursanstieg der letzten Tage täte dem Aktienkurs der MBB Industries AG zunächst einmal eine Verschnaufpause ganz gut, bevor er weiter an Höhe gewinnt. Aufgrund der starken fundamentalen Daten und der weiterhin attraktiven Bewertung des Unternehmens dürfte es sich nicht lohnen, auf deutlich tiefere Kurse zu warten. Langfristig orientierte Anleger sollten an der inhabergeführten MBB Industries auch weiterhin ihre Freude haben.

Börsenweisheit der Woche 46/2012

"Spekulieren ist kein Spiel mehr; es ist eine Maßnahme zum Schutz des Vermögens".
(André Kostolany)

Samstag, 10. November 2012

Greiffenberger AG bestätigt Planungen für 2012

Die Beteiligungsholding Greiffenberger AG, die ich vor einiger Zeit als "kleine Mittelstandsholding mit großem Potenzial" vorgestellt hatte, konnte ihren Umsatz in den ersten 9 Monaten des Geschäftsjahres auf 122,4 Mio. EUR (116,7 Mio. EUR) steigern. Der Jahresumsatz soll zwischen 158 und 166 Mio. EUR liegen, der Gewinn vor Zinsen und Steuern eine Summe zwischen 8 und 10,5 Mio. EUR erreichen.

Wermutstropfen in den ansonsten robusten 9-Monatszahlen ist der deutlich zurück gegangene Auftragseingang, der von 130,8 auf 109,6 Mio. EUR sank, was einer Book-to-bill-Ratio von 0,84 entspricht. „Ein Grund für den Rückgang beim Auftragsbestand ist die merklich dynamisierte Prozesskette in allen Teilbereichen des Konzerns. Die von den Kunden abgerufenen Aufträge kommen so inzwischen wesentlich schneller zur Auslieferung. Im Zusammenspiel mit der aktuell vorsichtigen Grundstimmung der Unternehmen sehen wir aber auch eine temporär zurückhaltendere Ordertätigkeit“, kommentiert Konzernchef Stefan Greiffenberger die Entwicklung.

Greiffenberger bleibt also vom globalen Konjunktureinbruch nicht verschont, bleibt aber solide auf Kurs. Aufgrund der noch immer relativ niedrigen Eigenkapitalquote wird das Unternehmen jedoch keine großen Sprünge machen, was die Übernahme attraktiver Investments im südeuropäischen Raum angeht, wo sich größere Konkurrenten, wie z.B. die Aurelius AG ja aktuell zu Schnäppchenpreisen eindecken. Und Aurelius weist trotz ambitionierter Bewertung für 2012 eine Dividendenrendite im zweistelligen Bereich auf. Doch das momentan beste Chance-Risiko-Verhältnis mit fast unschlagbar attraktiven Bewertungskennzahlen bietet bei den deutschen Beteiligungsgesellschaften die MBB Industries AG, die soeben wieder einmal überragende Zahlen präsentiert hat, so dass man von "Goldgräberstimmung bei MBB Industries" sprechen kann.

Die Greiffenger AG hat langfristig Potenzial, auch wenn die kraftstrotzende Konkurrenz aktuell besser punkten kann.

Donnerstag, 8. November 2012

Dividendenwerte schlagen Lebensversicherungen!

Es dürfte niemanden überraschen, dass die Lebensversicherer zunehmend Probleme bekommen, denn die aktuelle Niedrigzinsphase dauert ja nun schon einige Zeit an. Und was schön ist für Häuslebauer und Leute, die gerne auf Pump kaufen, aber auch den Staat, der sich zu Rekord-Tiefstzinsen finanzieren kann, ist für Sparer ein Albtraum. Und nicht nur Sparbuch, Tagesgeld und Bundesanleihe bringen kaum noch Zinsen, auch Bausparkassen und Lebensversicherungen geraten in arge Bedrängnis. Denn sie garantieren ihren Kunden einen festen Zinssatz und müssen diesen bis zum Ende des Vertrages durchhalten. Bei Bausparkassen dauert die Sparphase in der Regel zwischen 7 und 9 Jahren, Lebensversicherungs- und Rentenverträge laufen 30, 40 Jahre oder noch länger. Und die Garantiezinsen liegen schon seit einiger Zeit deutlich über dem Zinsniveau, das die Anbieter selbst noch am Markt erzielen können mit der Folge, dass sie ihre Reserven anzapfen müssen, um die Garantiezinsen aufbringen zu können. Doch Reserven aufzulösen kann immer nur eine kurzfristige Maßnahme sein, denn die Rücklagen sind ja nur begrenzt vorhanden und entstammen den hohen Überschüssen der Vergangenheit.

Gerade Kapital-Lebensversicherungen wurden viele Jahrzehnte lang von den Deutschen als private Altersversorgung bevorzugt und diese Einseitigkeit beginnt nun, sich zu rächen. So mancher hat sogar seine Immobilie über eine Lebensversicherung finanziert und die schüttet nun bei Ablauf viel weniger aus, als erwartet. Es bleibt statt einer abgezahlten Immobilie eine Finanzierungslücke im fünf- oder sechsstelligen Euro-Bereich und so muss aus den teilweise mageren Altersbezügen auch noch eine Anschlussfinanzierung bedient werden.

Ein Problem der Versicherungen ist, dass sie nur sehr geringe Aktienquoten aufweisen bei ihren eigenen Geldanlagen. Das ist auch den staatlichen Kontrolleuren geschuldet, die quasi zum Tiefststand nach dem Platzen der Dotcom-Blase die Versicherer gezwungen haben, ihre Aktienquoten runterzufahren und ihre Aktien zu Tiefstkursen zu verschleudern. So wurden die Versicherten um Milliarden gebracht, denn an der danach einsetzenden Markterholung nahmen sie natürlich nicht mehr teil. Stattdessen wurden sie staatsseitig quasi gezwungen, nur noch in öffentliche Rentenpapiere zu investieren, also Staatsanleihen.

Und nun schweben die Konzerne in einer weiteren Gefahr, denn das Finanzministerium fürchtet laut einem Bericht des Handelsblattes, dass Versicherer in ernste Schieflagen geraten könnten, insbesondere "das untere Fünftel der Anbieter". Zitiert wird aus einem Papier des Bundesfinanzministeriums, in dem es heißt: "Für diese Unternehmen reichen die vorhandenen Kapitalanlagen in dem zugrunde gelegten Szenario ab 2018 nicht mehr aus, um neben den versicherungstechnischen Rücklagen auch die Eigenmittelanforderungen zu decken".

Dieses Horrorszenario erfordert ein Umdenken bei den Versicherungen. Sie müssen sich anderen Anlagen zuwenden, die bessere Renditen abwerfen, aber vergleichsweise risikoarm sind. Daher investieren einige bereits in Stromnetze, andere in Krankenhauskonzerne, wieder andere in Wind- und Solarparks oder Einkaufscenter oder Hotels. Allerdings stehen derartige Alternativinvestments nur den kapitalstarken Versicherungen offen, denn die von der EU-Kommission geplanten neuen Eigenkapitalanforderungen ("Solvency II") würden für derartige Investitionen eine noch höheres Maß an Eigenkapital als Sicherheit verlangen, was klamme Versicherer keinesfalls stemmen könnten.

Es stellt sich also die Frage, wie Anleger und Versicherte auf die sich anbahnende Krise reagieren können und sollten. Zuvorderst muss man sich daher Gedanken über Alternativen zur Lebensversicherung machen, denn wenn es keine bessere Anlageform gibt, dann ist eine schlechte Anlage zumeist dennoch besser, als keine. Denn Tagesgeldkonten werfen ja noch weniger Rendite ab. Und in der Tat, es bieten sich Alternativen an. Ich habe bereits mehrere vorgestellt, nämlich solide und ertragsstarke Aktiengesellschaften mit attraktiven Dividendenrenditen. Lesen Sie hierzu nach unter "Dividendenstrategie: langfristig erfolgreich, auch bei Inflation", "Euro-Angst treibt Deutsche in Aktien", "Auf solide Dividendenwerte setzen!" und "Kaufkraftverlust: für Rentner alternativlos?".

Nachdem solide Alternativen zur Lebensversicherung zur Verfügung stehen, muss der zweite Schritt erfolgen: Sie müssen dort ihr Geld investieren, sonst haben Sie nichts davon. Und ich rate davon ab, langfristig besparte Lebensversicherungsverträge zu kündigen! Wenn Sie es sich leisten können, sparen sie neben Ihren Beiträgen in Aktien oder ETFs an, können Sie nicht beide Sparraten bestreiten, dann können Sie Ihre Lebensversicherung auch beitragsfrei stellen. Dann behalten Sie die bisher erworbenen Ansprüche und das bisher angesparte Kapital samt bereits erzielter Zinsen bleibt erhalten und wird weiter verzinst. Ihre früher einmal prognostizierte Ablaufleistung (Einmalzahlung oder monatliche Leistungsrate) wird sich natürlich verringern, wenn sie nicht mehr zusätzlich einzahlen. Aber das fangen Sie dadurch auf, dass Sie ab sofort mindestens den gleichen Betrag monatlich in einen Dividendensparplan investieren. Sammeln sie das Geld auf einem Tagesgeldkonto und investieren sie alle paar Monate in Einzalaktien oder suchen Sie sich einen (oder mehrere) attraktiven ETF, der auf große Unternehmen mit hoher Dividendenrendite setzt. So profitieren sie von den Gewinnausschüttungen und von möglichen Kursgewinnen der Unternehmen bei vergleichsweise geringem Risiko. Anregungen und Tipps hierzu finden Sie in diesem Blog unter den Labels "Altersvorsorge", "Dividende" oder "Stock-Picking".

Dienstag, 6. November 2012

Goldgräberstimmung bei MBB Industries

Die mittelständische Beteiligungsgesellschaft MBB Industries AG hat heute ihre 9-Monatszahlen bekannt gegeben und die sind fulminant ausgefallen: das Ergebnis steigt nach 9 Monaten um 272 Prozent auf 9,1 Mio. EUR oder 1,41 EUR pro Aktie, der  Umsatzzuwachs beträgt 90 Prozent auf 151 Mio. EUR, das EBITDA legte um 190 Prozent auf 17,3 Mio. EUR (Vorjahr 6,0 Mio. EUR) zu. Bei einem EBIT von 13,6 Mio. EUR betrug der Zuwachs 348 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von 3,0 Mio. EUR.

Die sehr positive Geschäftsentwicklung wurde von sämtlichen Beteiligungen getragen, zudem ist in den Zahlen die Ende des 1. Quartals 2012 erworbene MBB Fertigungstechnik anteilsmäßig enthalten. Für das Gesamtjahr 2012 geht die MBB Industries von einer Fortsetzung der positiven Geschäftsentwicklung aus und erwartet unverändert einen Umsatz von mehr als 200 Mio. EUR. Der erfreuliche Geschäftsverlauf führte zu einer weiteren Erhöhung des Nettofinanzmittelbestandes per Ende September 2012 auf 28,3 Mio. EUR. Diese Erhöhung im Jahresverlauf 2012 konnte trotz der zwischenzeitlich erfolgten Übernahme der MBB Fertigungstechnik sowie der geleisteten Dividendenzahlung von rd. 2,8 Mio. EUR (0,44 EUR je Aktie), erzielt werden. Mit liquiden Mitteln von 51,5 Mio. EUR verfügt die MBB Industries über die Möglichkeit, neben dem internen Ausbau des Geschäfts auch durch weitere Akquisitionen zu wachsen.

Erst kürzlich im September hatte ich Ihnen die familiengeführte MBB Industries AG ans Herz gelegt und auf die rasant steigende Substanz- und Ertragskraft hingewiesen. Der Kurs lag damals bei 11,25 EUR, nachdem er bereits von 6 EUR um gute 50% zugelegt hatte, also rund 3 EUR niedriger als heute und es stellt sich die Frage, ob man auf diesem Kursniveau immer noch in das Unternehmen einsteigen sollte.

Anfang September lagen die Gewinnschätzungen für das Gesamtjahr 2012 bei 1,45 EUR je Aktie und das ergab beim damaligen Kurs ein 2012er KGV von unter 8. Doch heute gab MBB Industries bekannt, dass man in 2012 bereits nach 9 Monaten 1,41 EUR je Aktie Gewinn erzielt habe - und es stehen noch 3 gewinnträchtige Monate aus. Der Umsatz- und Gewinnbringer ist zweifelsohne die neue Tochter MBB Feinmechanik, die jedoch erst seit dem zweiten Quartal in der MBB-Konzernbilanz konsolidiert wird - die Analysten werden also ihre Ergebnis- und Gewinnprognosen für 2012 und die Folgejahre deutlich nach oben anpassen müssen. Was dazu führt, dass trotz des Kursanstiegs von gut 25% seit meiner Empfehlung im September die Aktie, was das die Gewinnbewertung angeht, (wieder) auf demselben Niveau notiert. Und geht man von einer gleich hohen Ausschüttungsquote bei der Dividende aus, wird auch diese auf dem aktuellen Kursniveau bei über 45% bleiben.

Fazit
Einstelliges Kurs-Gewinn-Verhältnis, sehr attraktive Dividendenrendite, starkes Umsatz- und Gewinnwachstum und hoher Liquiditätsbestand für weitere Übernahmen - Anlegerherz, was willst Du mehr? Ich erneuere meine Einschätzung vom September: "Das Unternehmen hat noch erhebliches Potenzial hinsichtlich seiner Beteiligungen und dem möglichen Ausbau des Portfolios und bietet auf dem derzeitigen Kursniveau mit niedrigem KGV und attraktiver Dividendenrendite eine günstige Einstiegschance für ein langfristiges Investment".

Montag, 5. November 2012

Börsenweisheit der Woche 45/2012

"Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Liquidität".
(Zitat aus Oliver Stones Film „Wall Street“)

Freitag, 2. November 2012

Deutsche Telekom: Dividendenkürzung ante portas?

Der Wettbewerb in der Telekom-Branche wird immer härter und das drückt die gewinne. Denn einerseits müssen Milliarden in neue Technik investiert werden (LTE, VDSL) und andererseits kommen immer mehr junge und freche Anbieter auf den Markt, die ohne eigenes Netz nur große Minutenkontingente bei den Netzbetreibern einkaufen und so günstige Tarife für die Verbraucher bieten. In Deutschland ist zudem durch die Regulierungsbehörde der Preis, den die Deutsche Telekom als Ex-Monopolist für die Nutzung ihrer Netze von den Wettbewerbern verlangen darf, gedeckelt.

Bisher hat die Deutsche Telekom eine hohe Dividende "garantiert", aber das Versprechen, 3,4 Mrd. EUR auszuschütten, endet 2013. Dass sich die Telekom diese hohe Dividende schon heute längst nicht mehr leisten kann, weil die deutlich weniger verdient, als sie ausschüttet, habe ich kürzlich hier dargelegt: "Deutsche Telekom: Raubbau an der Substanz durch zu hohe Dividende". Und dem Handesblatt zufolge, denkt man in den (Aufsichtsrats-)Kreisen der Telekom inzwischen auch so.

Blickt man auf die Konkurrenz, legt das ebenfalls den Schluss nahe, dass die Telekom vor einer massiven Dividendenkürzung steht: die niederländische E-Plus-Mutter KPN hat ihre Ausschüttung gekürzt, France Telekom hat die Dividende um zwei Fünftel gesenkt, Telekom Austria reduzierte sie von 38 Cents auf 5 Cents und die spanische Telefonica hat sie gar ganz gestrichen und auch das Aktienrückkaufprogramm gestoppt.

Die Zeit der (zu) hohen Dividenden bei der Deutschen Telekom neigt sich dem Ende zu und das ist auch gut so. Eine derartige substanzverzehrende Dividendenpolitik schädigt das Unternehmen nachhaltig und muss enden! Die Telekom sollte ihr Geld für die dringend benötigten Infrastrukturinvestitionen nutzen, um wieder wettbewerbsfähig(er) zu werden und als Dividende sollten die üblichen 40 bis 60 Prozent des Gewinns ausgeschüttet werden, mehr nicht. Unsolides Finanzgebaren macht sich auch an der Börse auf Dauer nicht bezahlt. Im Gegenteil. Und die Anleger sollten sich von einer optisch hohen Dividendenrendite nicht blenden lassen, wenn diese nicht durch Gewinne verdient wird.