Donnerstag, 20. Juni 2013

Wen interessiert schon die Notenbank?

Nun ist es also passiert. Was alle schon immer wussten, könnte zur Gewissheit werden: die amerikanische Notenbank (Fed) wird die Märkte nicht mehr unbegrenzt mit Geld fluten. Nicht gleich, aber demnächst, wird sie damit beginnen und somit wieder zur Normalität zurückkehren.

Die Börsen gehen heute auf Talfahrt, weil mit dieser Meldung die Auffassung verbunden wird, weniger billiges Geld würde die Aktienkurse drücken. Mag auch so sein, "der Markt" in seiner Gänze läuft sicherlich mit mehr Geld besser als mit weniger Geld. Aber muss mich das als Value-Anleger interessieren?

Klares Nein. Ich suche mir die Aktien, in die ich investiere, doch nicht danach aus, ob die amerikanische Notenbank noch mehr Geld ins System pumpt und ob der Kurs meiner Aktie von dieser Geldschwemme profitieren könnte. Das überlasse ich Hassadeuren, Zockern, Tradern und Charttisten. Ich kaufe Aktien, weil ich ein Unternehmen gefunden habe, das solide gemanagt wird, das prognostizierbare Gewinne abwirft und attraktiv bewertet ist. Die attraktive Bewertung ergibt sich nicht (alleine) aus den künftigen Gewinnen oder der Dividendenrendite, sondern natürlich aus deren Verhältnis in Bezug auf den momentanen Aktienkurs.

"Ein gutes Unternehmen, zu teuer bezahlt,
ist ein schlechtes Investment".
(Roland Könen, Value-Holdings Int. AG)

Der künstliche Nachfrageschub durch die Geldpolitik der Notenbank(en) hat natürlich Auswirkungen auf die Kurse, aber als Langfristanleger interessiert mich die Tagesschwankung meiner Aktien nur insoweit, als dass sie mir entweder günstige Einstiegschancen bietet, oder aber eine lukrative Ausstiegsmöglichkeit. Sprich: der faire Wert der Aktien könnte deutlich unter ihrem aktuellen Kurs notieren oder deutlich darüber. Ansonsten sollte man die Kursschwankungen nicht zu häufig beachten, denn sie verleiten einen schnell dazu, hektisch zu werden und sich zu (unnötigen) Käufen und Verkäufen hinreißen zu lassen. Und das geht ganz schnell, wir Menschen sind evolutionsseitig auf dieses Verhalten gepolt, daher sollte man sich hier nicht auch noch unnötig eine Blöße geben. Denn in Konsequenz führt häufiges Handeln zu Verlusten - die Mehrheit der Marktteilnehmer schneidet schlechter ab als der Mart und man muss ja auch noch die Börsenspesen bezahlen - und so hat man die Wahrscheinlichkeit deutlich gegen sich. Wer dies genauer und konkreter nachlesen möchte, dem empfehle ich das Buch "Gier. Neuroökonomie: Wie wir ticken, wenn es ums Geld geht" von Jason Zweig.

Die Entscheidungen der Notenbank(en) haben natürlich auch Auswirkungen auf mich als Value-Investor. Allerdings kaufe ich ja nicht bloß Aktien, sondern beteilige mich an gut geführten Unternehmen. Das ist ein erheblicher Unterschied! Denn die mikro- und makroökonomischen Unwägbarkeiten muss ich als Anleger doch nicht für das Unternehmen bewältigen! Dafür hat es ein Management! Und wenn das Management in der Vergangenheit mit Zinsänderungen oder neuen Gegebenheiten in der Gesetzgebung gut klargekommen ist, dann ist davon auszugehen, dass es das auch in Zukunft tun wird. Als Anleger kann ich nur darauf achten, dass ich mir Unternehmen aussuche, die von diesen Einflussfaktoren nicht allzu schnell aus der Bahn geworfen werden. Ich investiere also nicht in Biotechfirmen oder in junge Start-ups aus der Internetbranche, mich reizen auch Anbieter von "revolutionären 3D-Druckern" nicht. Ich setze auf solide und beständige, ja behäbige, Unternehmen und/oder auf Nischen, in denen kleinere Unternehmen eine starke und nicht leicht zu erreichende Marktstellung haben. Und deshalb interessiert mich das Geschnatter der Notenbank als Meldung schon, als Grundlage für meine Investitionsentscheidungen hingegen nicht.

Sollten aber die Kurse von Unternehmen, die mir bisher zu hoch bewertet waren, jetzt auf ein Niveau abrutschen, das um einiges unter dem von mir ermittelten fairen Wert liegt, dann danke ich der Fed für ihre Aussagen und kaufe diese Aktien. Letztlich ist es mir egal, weshalb ich sie so günstig bekomme, das darf dann auch ruhig an der Notenbank liegen. Ich bin da nicht wählerlisch...

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