Freitag, 20. Juli 2018

"Value Investing ist simpel, aber nicht einfach". Was will Buffett uns damit sagen?

Das Bonmot "Value Investing ist simpel, aber nicht einfach" von Investorenlegende Warren Buffett bringt das Dilemma auf den Punkt: das Grundprinzip des Value Investings ist nicht schwer zu verstehen, es aber anzuwenden, seine Elemente richtig umzusetzen, hingegen schon. Denn sie prallen auf das menschliche Verhalten und das ist (leider) völlig anders konditioniert, als es für Langfristanleger gut ist. Und Value Investing ist nichts anderes, als langfristige Investitionen in beständige, ertragsstarke Unternehmen, die zu einem attraktiven Aktienkurs zu kaufen sind.

»Aktien sind einfach. Man kauft bloß Anteile an einem großartigen Unternehmen mit höchst integerem und fähigem Management für weniger als seinen inneren Wert. Dann behält man diese Anteile für immer.«
(Warren Buffett)

Dies sind die drei Kernelemente, die passen müssen für ein gutes Investment. Im Prinzip ist das schon alles:

»Good business, good management, good price.«
(Warren Buffett)

Good Business
Als Aktionär erwirbt man nicht bloß Aktien, man beteiligt sich an einem Unternehmen. Daher ist es entscheidend, dass dieses über ein erprobtes Geschäftsmodell verfügt, am besten über eine monopolartige Marktstellung und/oder eine Wettbewerbsposition, die Konkurrenten nicht oder nur schwer einnehmen könnten. Und es muss damit gute Geschäfte machen, also eine anständige Eigenkapitalrendite aufweisen, wobei stetig steigende Dividendenausschüttungen ebenfalls positiv zu werten sind.

»Ihr Ziel als Investor sollte es einfach sein, zu einem vernünftigen Preis einen Teil eines leicht verständlichen Geschäfts zu kaufen, dessen Gewinne in fünf, zehn und zwanzig Jahren nahezu sicher erheblich höher ausfallen werden, als heute.«
(Warren Buffett)

Value Investoren setzen auf Fakten, auf Unternehmenszahlen, nicht auf Stimmungen und Meinungen, die an der Börse kursieren. Die Psychologie treibt die Kurse kurzfristig, aber langfristig machen die unternehmerischen Erfolge den Kurs(anstieg). Denn der innere, der faire Wert des Unternehmens liegt in seiner Substanz und seiner Ertragskraft begründet, nicht in seinen PR-Meldungen. Daher ziehen Value Investoren Bewertungskennziffern zu Rate, um ein Unternehmen zu bewerten: Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Umsatz-Verhältnis, Kurs-Cashflow-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Eigenkapitalrendite und Eigenkapitalquote.


Good Management
Mit schlechten Leuten macht man keine guten Geschäfte! Wenn ein Unternehmen von windigen Leuten geführt wird, kann es durchaus erfolgreich sein. Aber wenn diese Manager bereit sind, Kunden über den Tisch zu ziehen, haben sie wohl auch keine Skrupel, dies mit ihren Aktionären zu machen. Die Presse ist voll von Abzockgeschichten an der Börse. Daher ist es unerlässlich, nur auf Unternehmen zu setzen, die von ehrlichen und fähigen Managern geführt werden.

»Man braucht 20 Jahre, um sich einen guten Ruf aufzubauen, und nur fünf Minuten, um ihn zu verlieren. Wer das beherzigt, handelt bewusster.«
(Warren Buffett)

Good Price
Und zu guter Letzt muss der Preis stimmen, zu dem man die Aktien erwerben kann. Denn nur wenn man die Aktien deutlich unterhalb ihres fairen Werts kaufen kann, wird daraus ein gutes Investment. Manchmal muss man viele Monate warten, bis der Aktienkurs eines Unternehmens auf das gewünschte Niveau fällt, bevor man einsteigen kann. Dies kann durch eine vorübergehende Unternehmenskrise, eine schlechte Meldung, verhagelte Quartalszahlen oder eine allgemeine Marktpanik eintreten - wichtig ist, dass man geduldig auf den richtigen Moment zum Einstieg. wartet. Zuschlagen, wenn die "Sicherheitsmarge" zum fairen Wert groß genug ist, und das Risiko eines Fehlgriffs entsprechend gering. Denn Buffetts Regel Nummer eins lautet: "Niemals Geld verlieren!".

»Die Frage, wie man reich wird, ist leicht zu beantworten: kaufe einen Dollar, aber bezahle nicht mehr als 50 Cents dafür.«
(Warren Buffett)

Und immer etwas Cash in der Hinterhand halten!
Und sollten die Aktienkurse dennoch einmal spürbar nachgeben, freuen sich Value Investoren. Da sie nicht auf die Börsenkurse achten, sondern auf den Wert ihres Unternehmens, ergeben sich so für sie Chancen, weitere Aktien günstig einzusammeln. Deshalb ist es wichtig, nicht immer voll investiert zu sein und schon gar nicht auf Kredit zu spekulieren. Ein ausreichendes Liquiditätspolster ist eine Call-Option für die richtig guten Investitionschancen und sollte zwischen 10 und 15 Prozent der zur Verfügung stehenden Anlagesumme ausmachen. Und auch wenn es scheinbar keine Zinsen abwirft auf dem Tagesgeldkonto, so ist es doch elementar wichtig für den nachhaltigen Erfolg an der Börse. Denn es steht genau dann zur Verfügung, wenn es gebraucht wird: wenn die Kurse taumeln. Anstatt mit der Masse zu verkaufen, stehen Value Investoren dann auf der Käuferseite.

»Cash ist immer eine wichtige Reserve, um investieren zu können, wenn andere verkaufen müssen.«
(Warren Buffett)

Denn langfristig bringen Aktien durchschnittlich 9 Prozent Rendite. Pro Jahr! Und die Phasen von Kurssteigerungen sind etwa dreimal so lang wie die von Kursschwächen. Daher sollte man beherzt zugreifen, wenn andere panisch werden und so überdurchschnittlich von der langfristig steigenden Tendenz der Aktienmärkte profitieren. So stand der Dow Jones Index im Jahr 1900 bei 66 Punkten und im Jahr 2015 bei 18.000. Selbst wer jeweils am Vortag der großen Crashs in Aktien investierte, hätte nicht verhindern können, Milliardär zu werden. Sofern er nicht ständig seine Aktien kauft und verkauft und meint, er können den günstigsten Zeitpunkt erwischen. Das erzeugt nur enorme Kosten und lässt die besten Chancen liegen. Denn bei den meisten Aktien werden die Kursgewinne in nur 8 Prozent der Handelstage erzielt. Wenn man dann gerade nicht investiert ist, bleibt die Rendite auf der Strecke.

»Die Disziplin eines Value Investors liegt darin, ein hervorragendes Unternehmen mit einem fähigen Management und guten Perspektiven zu finden – und auf den richtigen Einstiegskurs warten zu können.«
(Warren Buffett)

Daher sollte man Aktien gewissenhaft aussuchen, kaufen und möglichst nicht wieder anfassen. Solange die Bedingungen von dem Unternehmen noch erfüllt werden, die zum Kauf geführt haben. Also gute Marktstellung, steigende Gewinne, fähiges Management und zumindest faire Bewertung von Aktienkurs zum Wert des Unternehmensanteils. So lässt man den Zinseszinseffekt für sich arbeiten und kann dabei zusehen, wie das eigene Vermögen stetig wächst. Geh den Weg des Warren Buffett und investiere clever(er) - mit Buy & Hold!

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    ein Paar Fragen, da die Aussagen zwar sehr logisch und nachvollziehbar klingen, jedoch in der Praxis es anders aussieht:

    1. Wie sieht es aus, wenn die Gewinnentwicklung für ein Jahr nachlässt? Verkaufen?Durchhalten und hoffen, das alles wieder gut wird? Mit IBM hat auch Warren Buffett in den letzten Jahren Geld verloren.
    2. Wie bewertest Du den aktuellen Preis von Arista, Microsoft und Amazon? Die letzten 7 Jahren zeigen, dass das Warten auf niedrigere Preise sinnlos ist.Die Kurse kennen nur eine Richtung: steil nach oben. KGV, KUV und Co. zeigen hier krasse Überbewertungen.
    3. Es gibt Verbraucherkredite mit einem Zinssatz von 2,5%. Solche Kredite kann man monatlich auch mit seinem Gehalt abzahlen. Auch Unternehmen nutzen Fremdkapital, um ihre Rendite zu erhöhen. Warum keine Kredite nutzen, wenn sie günstig sind und wenn man sie problemlos zurückzahlen kann?

    Gruß
    Sven

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    1. Buffet selbst rät dazu, nicht auf die Ergebnisse nur eines Jahres (und schon gar nicht auf Quartalsergebnisse) zu schauen, sondern diese lieber über mehrere Jahre hinweg zu betrachten. So glätten sich einzelne Spitzen.

      Des Weiteren sollte man natürlich nicht nur auf die nackten Zahlen starren, sondern muss diese auch ergründen. Wenn ein Unternehmen in einem Jahr hohe Investitionen in die Zukunft tätigt, fällt in dem entsprechenden Jahr der Gewinn niedriger aus - in der Zukunft aber höher, wenn es gut geht. Das sollte man mit berücksichtigen und nicht wegen des einen Jahres mit Gewinnrückgang seine Position infrage stellen.

      Deine Aussage, dass das "Warten auf niedrige Kurse" bei Amazon, Microsoft oder Arista "sinnlos" sei, teile ich nicht. Es gibt immer wieder Phasen, in denen diese Aktien teilweise zweistellig im Kurs korrigieren. Nimm z.B. Amazon, die ich während der heftigen Korrektur Anfang 2016 gekauft und auf meine Empfehlungsliste genommen habe. Der Kurs war stark eingebrochen und ich habe nur 512€ bezahlt - Nur deshalb steht der Wert bei mir nach zweieinhalb Jahren mit einer Kursverdreifachung auf der Liste (und im Depot). Und auch bei Arista und Microsoft gab es solche Rücksetzer. Das erkennt man aber kaum, wenn man den "üblichen" Chart schaut, weil dort die damals prozentual zweistelligen Rückgänge kaum mehr zu erkennen sind. Wähle mal die logarithmische Darstellung und die Absacker sind klar(er) zu erkennen. Wenn die Story stimmt, sind solche Rücksetzer immer gute Nach- Kaufgelegenheiten.

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    2. Teil 2

      Kredite sind ein erhebliches Wagnis, vor allem bei Wertpapieren. Ich habe das selbst schon mitgemacht! Und zwar während des Platzens der Internetblase 2000-2003. Ich hatte Neuer Markt- und NASDAQ-Aktien auch über meinen Wertpapierkredit gekauft und die Kurse brachen massiv ein. An dem Tag, als es los ging (ich meine, es war der 13. März 2000) saß ich abends auf meinem Hometrainer und schaute die Telebörse - ich telefonierte mit einem Freund und wir waren fassungslos, dass der NASDAQ-Index um 14,2% einbrach. An einem einzigen Tag! Und das war nur der Anfang, jede kleine Gegenbewegung wurde sofort durch massive Verkaufsorders wieder weiter ins minus gerissen. Tja, der Margin Call des Brokers ließ nicht lange auf sich warten und ich musste Aktien (zwangs-)liquidieren, um den Kredit wieder in die Balance zu bringen. Was natürlich nicht lange half, da die Kurse ja weiter einbrachen und somit der Geldbedarf immer wieder aufkam. Am Ende habe ich - gehebelt - sehr viel Geld verloren. Und einen Großteil der starken Gewinne der Vorjahre verbraten.

      Dann gab es 2008 die große Finanz- und Wirtschaftskrise. In der gingen innerhalb kürzester zeit nicht nur Banken pleite, sondern auch viele Unternehmen. gerade auch kleinere und mittlere Gewerbetreibende. Ich hatte damals eine Immobilie zur Geldanlage mit Gewerberäumen im Erdgeschoss. Kreditfinanziert, in Ostdeutschland, teilsaniert. Erst zahlten die Gewerbemieter nicht mehr und die Mieteinnahmen deckten die Kreditraten nicht mehr. Dann liefen auch noch die Zinsbindungen der Kredite aus und die Banken stellten die Kredite fällig (was bedeutet, dass Zinsen für einen Überziehungskredit, also rund 14%, aufgerufen wurden anstelle der zuvor festen knapp 6,5% - das hat meine Finanzsituation deutlich verschärft). Weil sie selbst mit massiven Kreditausfällen zu kämpfen hatten und weil sich das Risikoprofil meiner Immobilie deutlich verschlechtert hatte. Ich musste also während der größten Bankenkrise seit der Weltwirtschaftskrise 1929 eine Anschlussfinanzierung finden für eine Immobilie, deren Mieteinnahmen die Kreditraten (Zins und Tilgung) nicht decken konnte. Ich habe mich sehr lange bemüht, habe zig Gespräche geführt - am Ende hat es nicht geklappt und ich habe die Immobilie deutlich unterhalb des ausstehenden Kreditbetrags verkaufen müssen.

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    3. Teil 3

      Ich erzähle das, weil wir momentan in einem Wirtschaftsboom leben. Man hat kaum Sorge, dass man seinen Job verlieren könnte, man kriegt günstig Kredite, die Börsen steigen, alles super. Tja, das bleibt nicht immer so. Und genau darauf muss man sich einstellen! Man muss seinen Zahlungsverpflichtungen auch dann noch nachkommen können, wenn nicht mehr alles rund läuft! Denn dann läuft man Gefahr, alles zu verlieren. Nicht 1999, sondern 2000. Nicht 2007, sondern 2008.

      Wie bezahlst Du Deinen Kredit, wenn Du keine Arbeit mehr hast? Wie bezahlst Du Deinen Wertpapierkredit, wenn die Kurse einbrechen und Du Geld nachschießen musst? Wenn die Unternehmen ihre Dividenden kürzen oder sogar ganz streichen?

      Das sind die Frage, die Du Dir stellen musst, bevor Du einen Kredit aufnimmst. Und die Antworten darauf sind der Schlüssel, ob Du Dir einen Kredit leisten kannst. Nicht (nur) die Frage, ob Du Dir in der heutigen Situation die Raten leisten kannst. Kannst Du das auch noch, wenn etwas - oder alles - schief läuft?

      Genau das ist der Grund, weshalb ich seit vielen Monaten darüber nachdenke, ob ich (bzw. meine Vermögensverwaltungs GmbH) einen langfristigen Kredit mit festen Konditionen aufnehmen sollte - um damit Wertpapiere zu kaufen. Kann ich mir locker leisten, jetzt. Aber das Risiko ist eben doch enorm und daran habe ich noch zu arbeiten. Genau an den Fragen, die ich Dir auch gestellt habe. Ich bin jedenfalls noch zu keinem abschließenden Urteil gekommen. Und solange ich mir nicht völlig sicher bin, bleibt der Kredit tabu. Denn ich brauche ich nicht, ich erziele auch so genug Einkommen. Er würde mein Einkommen vergrößern, sofern ich künftig weiterhin so erfolgreich investiere/agiere wie bisher. Aber ist mir dieses potenzielle zusätzliche Einkommen das nicht zu unterschätzende Risiko wert? Bisher konnte ich diese Frage noch nicht eindeutig mit ja beantworten.

      Daher die Frage an Dich: kannst Du wirklich "problemlos" einen solchen Kredit zurückzahlen? Auch in einer heftigen finanziellen Krise? Oder würde Dir dann der Kredit finanziell das Genick brechen können? Denk bitte sehr gut darüber nach...

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    4. "Never risk what you have and need for what we don't have and don't need" Warren Buffett

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  2. Hallo Michael, vielen Dank für Deine Aufführungen. Ehrlich gesagt ich habe mir wenig Gedanken gemacht, was passsieren wird, wenn ich meinen Job verliere oder nicht mehr ausüben kann.
    Ich habe diesen Monat tatsächlich ein Verbraucherkredit mit einem Zinssatz von 2,29% auf 6 Jahre aufgenommen. Es war ja so günstig,inflotionsbereinigt kostet mir das Kredit eigentlich 1%. 50% des Kredites wird in Aktien liegen, 50% als Cash und möchte gern nutzen, wenn es eine Rezession gibt und die Kurse stark nachgeben. Zurzeit kann ich gut sparen, meine monatliche Sparraten übersteigen die Kreditraten um das 2,5-fache. Die Einsparungen stecke ich zu 85% in Aktien sowie die Zahlung der Monatsraten und 15% halte ich in Cash für ungeplante Investitionen (z.B. Auto, etc). Soweit die Ist-Situation und der Plan.
    Der Worst-Case: Börsencrash + Jobverlust + steigende Ausgaben nächstes Jahr. Tja, dann müssen wir mit dem Arbeitslosengeld auskommen - das passt gerade noch, wir sind sehr sparsam. Da ich 50% des Kredits in Cash halte, kann ich die Raten und die Zusatzausgaben erstmal bezahlen. Die Aktien werde ich noch halten können. Schlimm wird es wenn die Situation für 3-4 Jahre so anhält...Ohne Job wird es kritisch. Sehr kritisch. Das Gute ist, dass ich als strategischer Einkäufer in einem Großkonzern arbeite. Wenn die Gewinne einbrechen, kommen sie alle zu uns :) Die Firmen kürzen Personal in den Fachbereichen, Marketing, Controlling,IT. Wir bringen die Einsparungen :) Daher gilt Einkauf als einigermaßen krisensicher. Ich werde mir weiterhin Gedanken machen...Danke für die geteilten Erfahrungen nochmal, es hilft mir sehr.

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