Dienstag, 29. Januar 2013

Microsoft, das verkannte Value-Investment

Früher, da war Microsoft das pure Böse, Windows beherrschte den Markt unangefochten, das Office-Paket war der Standard und der Internet Explorer hatte den dominierenden Webbrowser Netscape Navigator innerhalb weniger Monate vaporisiert. Dann kam Google und Microsoft hinkt seitdem bei der Onlinesuche und dem Onlinewerbegeschäft meilenweit hinterher und auch beim mobilen Betriebssystem für Handys und Smartphones wurde Microsoft von Googles Android, das auf Linux basiert, auf die Plätze verwiesen. Und dann kam Apple und Microsoft sah seine Felle noch weiter wegschwimmen, denn neben dem iPhone kam das Tablet iPad und seitdem kämpfen die PC- und Notebook-Hersteller, wie Dell, Acer, HP usw. mit Absatzproblemen. Doch während Windows auf PCs und Notebooks weiterhin Standards setzt, sind Tablets bisher kein Markt für Microsoft. Und dann hat Microsoft auch noch die Zahlung einer - recht üppigen - Quartalsdividende aufgenommen, was das Ende als innovativer High-Tech-Konzern einläutete und Microsoft zu einem verstaubten "Old-School-Dino" machte. Schnarch...

Ausgeschlafene Investoren auf der Suche nach interessanten unterbewerteten Unternehmen haben Mircosoft hingegen immer öfter auf dem Radar. Denn der Dino hat den letzten großen Aufschwung der Börsenkurse nicht wirklich mitgemacht und ist daher seitens des KGVs sehr attraktiv bewertet (für 2013 liegt das KGV des Dow-Jones-Schwergewichts bei niedrigen 8,5) und die Dividendenrendite beträgt stolze 3,5% und wird Quartalsweise zu jeweils 23 US-Cents ausgeschüttet.

Darüber hinaus ist die Kriegskasse von Microsoft prall gefüllt und es gibt einige Aspekte, die für ein Wiedererstarken des angeschlagenen Dinos sprechen. Zunächst ist da die Einführung von Windows 8, die man nur als erfolgreich bezeichnen kann. Zwar wird das Betriebssystem sehr preiswert in den Markt gedrückt mit Schnupperpreisen zur Markteinführung, aber Windows 7 ist so erfolgreich, so dass gerade in Unternehmen nicht damit zu rechnen ist, dass dort kurzfristig umgestiegen wird. Andererseits ist Windows 8 eine Mischung aus PC-Desktop-, Tablet- und Handy-Betriebssystem und bietet den Vorteil für den Kunden, dass er sich nur an ein System gewöhnen muss und dies auf all seinen Geräten läuft. Und das bietet natürlich Potenzial, denn wer ein Windows-8-Gerät benutzt und zufrieden ist, für den liegt es nahe, auch bei anderen Geräten zu solchen mit Windows 8 zu greifen. Das Potenzial ist also gewaltig, zumal Microsoft nicht nur eigene Systeme herstellt, wie das Surface, sondern eben auch PCs von Dell und anderen bestückt. Des Weiteren setzt Nokia voll auf Windows 8 für seine Handys und Smartphones und der Erfolg der Lumia-Geräte ist auch ein Erfolg für Microsoft.

Wo es noch hakt, ist die Onlinesuche via Bing. Da werden die Erwartungen nach wie vor nicht erfüllt und das mögliche Potenzial nicht wirklich gehoben. Hier wird sich Microsoft weiterhin verstärken wollen. Das Kartensystem hingegen läuft top und das ist nicht selbstverständlich, wie Apple mit seinem iPhone-5-Kartendisaster eindrucksvoll bewiesen hat.

Zuletzt war Microsoft unter Druck geraten, weil die Verkaufszahlen der Office-Serie enttäuschten. Allerdings taten sie das nur auf den ersten Blick, denn da ein neues Office kurz vor der Veröffentlichung steht, halten sich Käufer erwartungsgemäß zurück. Die Cash-Cow wird weiter Milch geben!

Und jetzt diese Meldung, die den Kurs von Microsoft bisher jedoch kaum tangiert: angeblich denkt China darüber nach, das im Jahr 2000 eingeführte Verbot für Spielekonsolen aufzuheben. Die japanischen Konsolenhersteller Nintendo und Sony machten gleich einen kleinen Freudensprung, obwohl aus China ein Dementi folgte. Das wird auch keine kurzfristige Entscheidung geben, immerhin müssen sieben Ministerien zu einem einstimmigen Votum kommen, aber der Markt wäre gigantisch. Und neben der Playstation wartet auch die X-Box-360 (oder ihr erwarteter Nachfolger) auf diesen Milliardenmarkt. Und von wem die X-Box kommt, können Sie sich vermutlich schon denken.

Zu guter Letzt fällt immer wieder der Name Microsoft, wenn es um potenzielle Übernahmen geht. Ob bei Yahoo!, Dell oder dem BlackBerry-Hersteller Research in Motion (RIM), die ich ja kürzlich als interessante Turnaroundspekulation vorgestellt habe.

Unter dem Strich treffen wir bei Microsoft also auf einen Dow-Jones-Wert mit niedrigem KGV, hoher Dividendenrendite, prall gefüllter Kriegskasse und einer Reihe von Problemen, für die aber jeweils interessante Perspektiven bereit stehen. Wer nicht auf schelle Kursanstiege spekuliert, sondern sich langfristig an einem soliden, innovativen und ertragsstarken Unternehmen beteiligen möchte, das wie ein Old-School-Unternehmen bewertet ist, aber Perspektiven eines Wachstumswertes bietet, der sollte mit Microsoft genau richtig liegen.

Microsoft befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 28. Januar 2013

AdCapital: steuerfreie Rendite von 50%. Und dann?

Die Beteiligungsgesellschaft AdCapital ist schon etwas Besonderes auf deutschen Kurszetteln, denn sie wird ihrer Aktionäre am 10. Februar mit einer Sonderausschüttung in Höhe von 6,23 EUR beglücken - je Aktie und das auch noch steuerfrei!

Das ist seit längerem bekannt und die notwendigen Beschlüsse hat die Hauptversammlung längst durchgewunken. Die Gründe liegen in einem Strategiewechsel hin zu einer Beteiligungsholding, die sich auf den langfristigen Fokus orientiert und gezielt in das bestehende Beteiligungsportfolio investieren möchte, anstatt wie bisher große Mengen liquider Mittel in der Vemögensverwaltung, also kurz- und mittelfristigen Anlagen, einzusetzen. Nach Durchführung der Sonderausschüttung will AdCapital noch rund 50 Mio. EUR in der Liquiditätsreserve haben, um das Portfolio verstärken und ausbauen zu können.

Interessant wird das Ganze für Aktionäre, weil einerseits Beteiligungsgesellschaften inzwischen den seit Jahrzehnten üblichen "Konglomeratsabschlag" abgebaut haben und viele nahe am oder inzwischen über ihrem inneren Wert notieren. Beteiligungsgesellschaften sind "in", weil sich bei Veräußerungen gezeigt hat, welch enorme stille Bewertungsreserven teilweise in den Bilanzen schlummern. So hat sich etwa Aurelius mit den Verkäufen der Consinto und der Schabmüller 2012 eine goldene Nase verdient und wird die Aktionäre mit Rekorddividende und zusätzlicher Sonderausschüttung verwöhnen. Aber auch MBB Industries feiert einen Rekord nach dem anderen, sowohl bei Umsatz, als auch bei Gewinn und Aktienkurs, nachdem man die Claas Fertigungstechnik übernommen hat und den Umsatz schlicht verdoppelte und die Gewinne verdreifachte. Und die Kursverläufe von Gesco oder der Shareholder Value AG lassen die Augen der investierten Aktionäre leuchten.

Bei AdCapital wird künftig der Fokus auf die Beteiligungen im Portfolio gelegt werden mit den Schwerpunktbranchen Elektrotechnik, Metall- und Kunststoffverarbeitung, Maschinen- und Werkzeugbau sowie Automotive. Die deutsche Wirtschaft läuft weiterhin rund, der Maschinenbau prosperiert und die Aussichten auf eine Erholung der Weltwirtschaft und der südlichen europäischen Ländern verdichten sich. Die neue Ausrichtung wird daher allenthalben als aussichtsreich und folgerichtig bewertet.

Doch was passiert am 10. Februar? Die Aktie wird dramatisch einbrechen, denn die ausgeschütteten 6,23 EUR werden den Aktionären auf ihrem Konto gutgeschrieben und gleichzeitig reduziert sich der Aktienkurs um denselben Betrag, den sog. Dividendenabschlag. Die Charttechnik wird also kollabieren und das Chartbild grausam aussehen. Doch wen juckt's? AdCapital ist ein MidCap mit einer niedrigen Marktkapitalisierung (aktuell rund 180 Mio. EUR und nach der Ausschüttung rund 90 Mio. EUR) und einem Streubesitz von 15,45%. Die Handelsumsätze in der Aktie sind entsprechend gering - selbst Anhänger der Charttechnik räumen ein, dass dies keine erfolgversprechenden Voraussetzungen für Chartanalysen sind.

Der Kurseinbruch wird jedenfalls für Aufmerksamkeit sorgen, es dürften einige Artikel hierzu erscheinen. Und während Focus Money im Januar meinte, man solle auf Kursgewinne vor der Ausschüttung setzen und die Aktien dann vor dem 10. Februar verkaufen, weil im Anschluss weitere Kursabschläge drohten, sehe ich die Aussichten für den Kurs eher genau umgekehrt. Viele Aktien holen nach einer Dividendenausschüttung schnell einen Gutteil des Abschlags wieder auf. Und dabei reden wir über die üblichen 2 bis 5 Prozent, die Aktien als Dividendenrendite durchschnittlich so abwerfen. Bei AdCapital wird der Abschlag sehr viel höher sein, nämlich rund 50 Prozent. Die Aktie wird also optisch billiger werden und derartige Einbrüche führen oft dazu, dass sich der Kurs schnell wieder erholt. Der Vorteil ist hier, dass der Abschlag ja steuerfrei erfolgte und die Aktionäre genauso viel Geld haben wie zuvor. Und im Anschluss wird AdCapital als das wahrgenommen werden, was es ist: eine Industrieholding mit erfolgreichen Mittelständlern in ihrem Beteiligungsportfolio, die einiges an Reserven versprechen.

Ich denke, ein Einstieg um die 12,50 EUR sollte sich langfristig auszahlen. Und bereits im Februar sollte ein (kleiner) Teil der Kursverluste aufgrund der steuerfreien Sonderausschüttung wieder aufgeholt werden können. Und behält AdCapital eine reguläre Dividendenausschüttung von 0,50 EUR bei, würde die bezogen auf den reduzierten Aktienkurs eine Dividendenrendite von knapp 8% bedeuten.

Börsenweisheit der Woche 04/2013

"Man braucht Wenig, um eine Sache gut zu machen, und noch Weniger, um sie schlecht zu machen".
(Paul Bocuse)

Freitag, 25. Januar 2013

Turnaround: Profitieren, wenn gefallene Engel wiederauferstehen

Die Wirtschaft ist kein Streichelzoo, es wird hart um Aufträge gerungen und um Gewinn gekämpft. Und neben den strahlenden Gewinnern gibt es natürlich auch Verlierer, Unternehmen, die nicht oder nicht mehr die richtigen Produkte oder Dienstleistungen anbieten oder aber schlicht dem Konkurrenzdruck nicht gewachsen sind. Dabei geht es nicht nur um Branchen, die ihren Zenit überschritten haben, wie Kutscherpeitschen, Walkmen oder Autohupen, sondern auch um Bereiche, in denen ein harter Wettbewerb herrscht. Dabei kommen auch ehemalige Weltkonzerne und Weltmarktführer unter die Räder, wie AEG, Grundig, Sony, Nokia, Palm, Volvo oder Atari.

Nicht alle von ihnen verschwinden von der Bildfläche, einige werden übernommen und fristen ein Schattendasein als Abteilung eines größeren Konzerns oder werden als Sparte ausgeschlachtet. AOL, Kodak, Compaq oder Motorola seien hier genannt. Allen gemein ist, dass es zumeist kein schneller und einmaliger Absturz war, sondern sich der Niedergang über einen längeren Zeitraum angebahnt hat. Die Kunden- und Anlegerlieblinge zehrten noch eine Weile von ihrer Marktstellung und von ihrem Image, doch mach und nach setzt neben dem unternehmerischen Niedergang auch der Imageverlust ein, die einstige Trendmarke wird zum alten und angestaubten Problemfall, dessen Produkte niemand mehr haben will. Doch so mancher ehemalige Star kriegt auch die Kurve und bietet das Potenzial, (s)eine erfolgreiche Unternehmensgeschichte noch einmal zu schreiben. Wie IBM oder Apple. Unter bestimmten Voraussetzungen können Turnaroundspekulationen auch für Value-Investoren interessant sein.

So erging es auch Nokia, dem einstigen Weltmarktführer bei Mobiltelefonen, oder Research in Motion (RIM), dem Hersteller der BlackBerry-Smartphones. Einige Jahre lang waren die der Inbegriff der "Hippness", in jedem amerikanischen Film waren die attraktiven Hauptdarsteller damit zugange, BlackBerrys waren völlig in den (cineastischen) Tagesablauf integriert. Dann kam Apple mit dem Iphone und Touchscreens, während BlackBerry auf das bewährte Tastentelefon setzte. Und auch weiterhin zulegte, doch im rasant wachsenden Smartphonemarkt verlor RIM stark an Marktanteilen, von in der Spitze 20 auf 4 Prozent - der Aktienkurs kannte fortan nur noch eine Richtung: nach unten. Und Ende 2012 musste RIM nicht nur seine neuen Gerätegenration samt neuem Betriebssystem verschieben und seinen Chef vor die Tür setzen, es machte auch noch große Verluste.

Und dennoch... RIM hat noch immer 80 Mio. Kunden und das neue Smartphone findet bei den Vorabtestern großen Anklang ("geilstes Smartphone"). Ebenso das neue Betriebssystem BB10, das sogar besser als die der Konkurrenz von Apple oder Microsoft sein soll. In wenigen Wochen kommt es auf den Markt und wird die Zukunft von RIM entscheiden. Der Aktienkurs hat sich jedenfalls von seinen Tiefstständen bereits kräftig erholt und da RIM ein drastisches Sparprogramm fährt, liegt man wieder in der Gewinnzone und die liquiden Mittel wachsen weiter an. Derweil prüft das Unternehmen weiterhin verschiedene Optionen, wie den Verkauf seiner Handyproduktion oder die Lizensierung seiner neuen Handysoftware, doch aufgrund der jüngsten unternehmerischen Erfolge und des zu erwartenden Hypes um die neuen Telefone inzwischen aus einer Position der Stärke heraus. Hierzu passt auch die Meldung, Walmart würde das neue BB10 in Canada in seinen Märkten anbieten und man verhandle auch über die Märkte in den USA. Wenn das neue BB10, das in 6 Varianten auf den Markt kommen soll, so einschlägt, wie es zu erwarten ist, hat der Aktienkurs noch erhebliches Potenzial. Mutige Anleger setzen auf den Turnaround und legen sich einige Aktien ins Depot und spekulieren auf ein nachhaltiges Erholen des einstigen Trendsetters.

Eine andere interessante Turnaround-Story schreibt TwinTec, ein kleines Unternehmen, das sich auf Abgasreinigung spezialisiert hat. Im März war das Unternehmen am Ende, die Insolvenz war sicher und der Aktienkurs dümpelte um Ein-Euro-Marke. Doch auf den letzten Drücker übernahm der amerikanische Finanzinvestor Perseus die Aktienmehrheit an der TwinTec im Wege einer Kapitalerhöhung - und der Kurs rutschte auf unter 50 Cents ab. Große Meldungen blieben aus und der Markt für Abgasreinigungssysteme zum Nachrüsten dürfte in Deutschland bald abgegrast sein. Wenig verheißungsvoll, sollte man meinen. Doch Perseus ist keine Heuschrecke, sondern investiert langfristig in Unternehmen aus genau dieser Branche. Und so gehört auch eine der Mitbewerber TwinTecs, die schweizerische Baumot AG zur Perseus-Gruppe. Deren Chef Marcus Hausser übernahm Mitte 2012 den Vorstandsvorsitz bei TwinTec und machte erst einmal Tabularasa. Es folgte eine neue Internetseite und eine neue Kommunikationsstrategie, also bis dato nichts Handfestes, was auf einen Erfolg hindeuten würde. Doch inzwischen mehren sich die positiven Nachrichten, denn Ende 2012 übernahm TwinTec die Alleinvertretung für die Baumot in Deutschland und weitet so das eigene Produktportfolio deutlich aus. Und jüngst wurde eine Kooperation in China bekanntgegeben, eine Land, das unter giftigem Smog ächzt wie kein zweites - und enormen Bedarf an nachrüstbaren Abgasreinigungssystemen hat. Ein weiterer Schwerpunkt soll die Landwirtschaft sein, wo alte Traktoren Unmengen an schädlichen und oft noch weitgehend ungefilterten Abgasen in die Luft rauchen.

Ob sich die Entwicklungen auch in barer Münze auszahlen, wird man erst sehen können, wenn die Geschäftszahlen vorliegen. Aber Perseus unternimmt große Anstrengungen, TwinTec wieder auf Kurs zu bringen und die letzten Meldungen sind sehr verheißungsvoll. TwinTec hat wieder eine unternehmerische Perspektive und wird aktuell mit etwa 9 Mio. EUR bewertet. Also ein echter MicroCap, auch wenn das vor einigen Jahren bei Kursen um 25 EUR noch anders war. Zunächst wird sich TwinTec jedoch Anfang Februar auf der Small- und Mid-Cap-Conference von Close Brothers Seydler in Frankfurt präsentieren und damit dürfte auch der Fokus der (Börsen-)Öffentlichkeit wieder zunehmend auf den Wert gerichtet werden. Bei einem so marktengen und niedrig börsenkapitalisierten Unternehmen kann das zu deutlichen Kursschwankungen führen, wie zuletzt gesehen, als die Meldung zum China-Engagement rauskam und die Aktien an einem Tag um mehr als 40% in die Höhe schossen. Aktuell notieren sie noch unter 1 EUR, doch wenn der Turnaround Erfolg hat, sollten schnell deutlich höhere Kurse aufgerufen werden - und in einigen Jahren vielleicht auch wieder zweistellige Börsenkurse, wenn die Unternehmenszahlen entsprechend mitspielen.

Donnerstag, 24. Januar 2013

Andere Ansichten: H.P.I. Holding, der unterbewertete Hidden Champion

In der aktuellen Print-Ausgabe von Börse Online (5/2013) findet sich ein Bericht über die mittelständische Beteiligungsgesellschaft H.P.I. Holding AG, die ich ja bereits mehrfach erwähnt und auf meiner Empfehlungsliste habe. Zuletzt im November, nach dem Verkauf der Beteiligung an der Zimmer & Kreim GmbH, hatte ich über drei avisierte Übernahmeziele berichtet und Börse Online beleuchtet den aktuellen Stand.

„Wir arbeiten an drei Akquisitionen, die Verhandlungen sind schon weit fortgeschritten“, zitiert das Börsenmagazin Vorstandschef Jörg Rafael,  und sollen bis Ende März unter Dach und Fach gebracht werden. Zusammen kämen die drei Übernahmeziele auf einen Jahresumsatz von 50 Mio. EUR und würden - sofern alle drei Deals über die Bühne gingen - den Umsatz des Weltmarktführers bei Spannringen auf einen Schlag auf 90 Mio. EUR verdoppeln. Da H.P.I. eine grundsolide Bilanz vorzuweisen hat mit einer Eigenkapitalquote an die 50%, können die Übernahmen "mit Hilfe von Banken" gestemmt werden, hatte Raphael im November erklärt. Börse Online sieht das ähnlich, kalkuliert aber eine kleine Kapitalerhöhung von aktuell 15,6 Mio. Aktien auf dann 18,1 Mio. Aktien mit ein. Trotz dieser Maßnahme würde aufgrund der Zukäufe das aktuelle 2013er KGV von etwa 5,5 dann auf 3 sinken. Den dann erwarteten Gewinn je Aktie von 0,35 EUR machen die hohen Margen der potenziellen Übernahmekandidaten möglich und dürften das Schreckgespenst Kapitalerhöhung schnell vertreiben.

Auch ohne Akquisitionen laufen die Geschäfte rund und Börse Online empfiehlt, sich die Aktien des "Hidden Champions" ins Depot zu legen. Da kann ich nur zustimmen.

Montag, 21. Januar 2013

Börsenweisheit der Woche 03/2013

"Wenn die Preise nicht stimmen, muss man warten. Wer jünger ist als 90, wird noch genügend gute Gelegenheiten im Leben finden – und wer älter ist, ist ohnehin ein Glückspilz".
(Warren Buffett)

Montag, 14. Januar 2013

Börsenweisheit der Woche 02/2013

"Wer einen Fehler gemacht hat, und ihn nicht korrigiert, begeht einen zweiten".
(Konfuzius)

Montag, 7. Januar 2013

Börsenweisheit der Woche 01/2013

"Beobachtung ist der Schlüssel zum Verständnis des Lebens".
(Fred Allen Wellish)

Dienstag, 1. Januar 2013

2013 wird das Jahr der Aktien

"Prognosen sind schwierig, besonders, wenn sie die Zukunft betreffen". Diese weisen Worte Mark Twains gelten natürlich auch für meinen Ausblick auf das neue Jahr, denn wenn man eine Aussage für die nächsten Monate machen soll, ist es am leichtesten, einfach die Entwicklung der letzten Monate fortzuschreiben. Das klingt in den Ohren der Zuhörer jedenfalls plausibel und nicht per se unmöglich. Aber dann bräuchte ich nichts zu schreiben, was über "alles bleibt wie es ist" hinausgeht - und wenn uns die Geschichte etwas lehrt, dann sich alles stets verändert. Auch und gerade an der Börse. Oder wie es Börsenaltmeister André Kostolany ausdrückte: "An der Börse ist alles möglich. Auch das Gegenteil".

Also, wagen wir einen groben Blick auf das Jetzt und Hier und auf das, was uns bevorsteht. Das "Fiscal-Cliff" in den USA wurde - zunächst einmal - überwunden und die USA rutschen nicht unmittelbar in eine schwere Rezession ab. Ansonsten hat der alte und neue Präsident eine Reihe von Herkulesaufgaben vor sich, denn das jährliche Staatsdefizit von annähernd 1 Billion USD ist natürlich nicht zukunftsfähig. Dazu gesellen sich eine hohe Arbeitslosigkeit und die Verelendung breiter Schichten der amerikanischen Gesellschaft, während die (Super)Reichen gar nicht mehr wissen, wohin mit ihrem niedrigstbesteuerten Geld. Diese Schieflage und die noch immer darbende US-Konjunktur lasten auf den Börsen wie ein Mühlstein. Allerdings lassen sich erste Anzeichen für Erholungstendenzen absehen, wie z.B. bei den Verkaufszahlen für Automobile oder das langsame Wiedererstarken des US-Immobilienmarktes. Und eine anziehende US-Konjunktur war schon immer ein Wegweiser zu steigenden Börsenkursen.

In Europa ist weiterhin die Eurokrise nicht gelöst, auch wenn sich die Dramatik deutlich verflacht hat. Die Rettungsmechanismen greifen und die Märkte haben die Lust verloren, gegen den Euro zu wetten. Gleichzeitig sorgen die Milliarden, die FED und EZB in die Märkte pumpen, weiterhin für große Inflationsängste, so dass Sachwerte weiterhin gefragt bleiben dürften. Und während in Südeuropa die Immobilienpreise taumeln, sind sie in den deutschen Ballungszentren geradezu Gipfelstürmer. Nach 20 siechen Jahren holt der Immobiliensektor hier gerade alles in wenigen Jahren nach - mit entsprechenden Überhitzungstendenzen. Und doch wird die Nachfrage nach Wohneigentum nicht nachlassen, denn zu den Inflationssorgen kommen das niedrige Zinsniveau (gut für Bauherrn und Käufer, schlecht für Sparer) hinzu wie auch die Kapitalflucht der reichen Griechen, Spanier und Italiener, die ihr Erspartes bevorzugt in Deutschland vor dem Zugriff immer neuer Steuerschrauben in ihrer Heimat in Sicherheit bringen wollen. Doch die rasant steigenden Preise haben auch eine Kehrseite: die Mieten ziehen ebenfalls deutlich an und immer weniger Leute können sich die hohen Mieten noch leisten. Ein Ende des Preisansteigs und vielleicht sogar eine Umkehr des Trends ist absehbar. Denn der Zustrom aus den Krisenländern wird abnehmen, sobald sich die wirtschaftliche Lage dort zu stabilisieren beginnt und die demographische Entwicklung wird die deutsche Bevölkerung bereits in Kürze schrumpfen lassen.

Doch wenn Wohnimmobilien schon nicht (mehr) erste Wahl als Geldanlage sind, so sind Gewerbeimmobilien noch kritischer zu betrachten, Denn auch wenn hier in Deutschland die letzten Jahre deutliche Wertzuwächse gebracht haben, steigen die Leerstandquoten doch bereits wieder deutlich an - ein Frühindikator für stagnierende oder gar sinkende Preise. Und das hohe Niveau des Wachstums der deutschen Wirtschaft hat sich merklich abgekühlt, so dass Immobilien per se ihre besten Tage als Anlageform gesehen haben sollten. Sie werden weiterhin gute Renditen abwerfen, aber der Boom der letzten beiden Jahre dürfte erst einmal vorbei sein.

Und dann das Gold... jeder will es haben, jeder hat irgendwo Gold im Haus versteckt. Aber es bringt keine Zinsen und der große Ansturm ist auch bereits vorbei. Es gilt als Krisenwährung, aber es ist nicht wirklich praktikabel als Währung einzusetzen. Es wiegt einfach viel zu viel und sein Preis ist zu hoch, als dass man damit sinnvoll bezahlen könnte. Dann kann man schon eher auf Silber setzen, auch wenn Silber deutlich schwankungsanfälliger ist als Gold. Doch mehr als einen kleinen Bestand an Edelmetallen sollte man sich nicht ans Bein binden. Das gilt auch für andere Rohstoffe, wie Öl oder Getreide, die man physikalisch auch nicht gebrauchen kann. Hier ist man auf Finanzderivate angewiesen und um die muss man sich ständig kümmern.

Doch auch Unternehmensbeteiligungen sind Sachwerte. Aktiengesellschaften bieten ja nicht nur die Ideen und die Arbeitsleistung ihrer Mitarbeiter, sondern auch Grundstücke, Maschinen, Warenbestände. Dennoch sind Aktien leicht zu handeln über die Börse und bieten einen hervorragenden Inflationsschutz. Denn selbst wenn das Geld massiv an Wert verliert, verlieren Sachwerte nicht an Wert. Ihr Wert in Geld steigt entsprechend mit, auch bei einer Währungsreform. Hat Deutschland ja schon mitgemacht, mehrfach.

Alternativen zu Aktien können noch Anleihen darstellen oder Sparanlagen. Doch bei diesem Niedrigst-Zinsniveau gleichen die Micker-Zinsen nicht einmal den Wertverlust durch die Inflation aus. Daher kann man Tages- oder Termingeldkonten eigentlich nur für die Cash-Reserve empfehlen, aber nicht als Anlageform. Und bei Anleihen beteiligt man sich wie bei Aktien am Risiko eines Unternehmens (oder eines Staates). Man ist Gläubiger und damit im Insolvenzfall besser gestellt als ein Aktionär - was sich allerdings nur auswirkt, wenn es noch etwas zu holen gibt. Andererseits sind die Chancen auch begrenzt, weil Anleihen eine feste Verzinsung bieten bei einer festen Laufzeit. Mehr gibt es nur, wenn man Anleihe über die Börse kauft und zwar zu Kursen unterhalb von Pari (100%) und dann zu den Zinsen noch Kursgewinne einstreichen kann. Ansonsten bieten Aktien höhere Kurschancen und auch die Aussicht auf eine Teilhabe am Unternehmenserfolg in Form von Dividendenausschüttungen. Und gerade diese Aussicht sollte für Langfristanleger den Ausschlag geben. So bekommt der Zinseszinseffekt die Chance, seine Wirkung voll zu entfalten.

Fazit: Inflationsangst, Zentralbankgeldspritzen, Konjunkturerholungstendenzen, das sind die Schmierstoffe für die Börse und daher sollten die Aktienkurse auch in 2013 deutlich zulegen. Nicht wie am Schnürchen, es wird auch in diesem Jahr volatil zugehen, wenn auch nicht mehr ganz so stark wie 2012. Aber trotz der zu erwartenden Schwankungen werden die Kurse am Jahresende höher stehen, als zu Jahresbeginn. Und wer daran teilhaben will, sollte dennoch nicht die Auswahl der richtigen Aktien vernachlässigen: niedrig bewertet, umsatz- und ertragsstark, attraktive Dividendenrendite, seriöses und erfolgreiches Management und gute Perspektiven. Das sind die Unternehmen, an denen man sich beteiligen muss, um langfristig an der Börse Geld zu verdienen. Denn "reich wird, wer in Unternehmen investiert, die weniger kosten, als sie wert sind", sagt Warren Buffett.