Freitag, 31. Mai 2013

Das Ende der Quartalsberichtsmanie

Börsenlegende Warren Buffett ignoriert Quartalsberichte aus guten Gründen und nun hat EU-Kommissar Barnier eine entsprechende Regelung angekündigt, die dann in nationales Recht umgesetzt und ab 2015 in Kraft treten soll.

Die Reform der Transparenz-Richtlinie wird die verpflichtenden Quartalsberichte für börsennotierte Unternehmen abschaffen und diese somit nicht nur von "überflüssiger Bürokratie" entlasten, sondern die neue Regelung soll Unternehmenslenkern wieder mehr Zeit geben, richtige und sich langfristig auszahlende Entscheidungen zu treffen. Denn während die Quartalsberichte bisher zwar den Hunger der Anleger auf stetige Informationen bedienen, führen sie leider auch dazu, um der besseren kurzfristigen Quartalszahlen wichtige und nötige Entscheidungen, die sich erst mittel- und langfristig auszahlen würden, aber zulasten der kurzfristigen Gewinne gehen, aufzuschieben. Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking hat sich daher stets vehement gegen Quartalsberichte ausgesprochen. Weiterhin vorzulegen haben Unternehmen die Halbjahreszahlen und die Geschäftsberichte.

Selbst in den USA, wo Quartalsberichte quasi wie Manna verehrt werden, gibt es Unternehmen, die sich diesem Druck entziehen. Zwar berichtet auch Amazon vierteljährlich, aber Jeff Bezos, Gründer und Großaktionär des Online-Händlers, setzt seit einiger Zeit auf die strategische Expansion seines Unternehmens und opfert dafür die Gewinne. Bezos ist überzeugt, dass sich die heutigen Investitionen in Wettbewerbsfähigkeit und Marktanteile mittel- und langfristig in deutlich höheren Gewinnen auszahlen werden. Diese Strategie kann er fraglos nur deshalb durchziehen, weil er mehr als der Chef ist - ihn gehört ein großer Teil des Unternehmens und daher fällt es Kritikern schwer(er), Wiederstand gegen sein Vorgehen zu organisieren. Diesen Luxus haben aber die wenigsten Unternehmenslenker, meistens sind sie bloß Angestellte mit allenfalls marginalen Beteiligungen an ihren Unternehmen. Dabei wirtschaften inhabergeführte Unternehmen meist besser, weil das eigene Kapital des Chefs im Unternehmen steckt und sein Arbeitsplatzrisiko gleichzeitig mit einem erheblichen Vermögensrisiko verknüpft ist.

Abzuwarten bleibt, wie sich die Unternehmen ab 2015 entscheiden werden. Denn auch wenn Quartalsberichte nicht mehr vorgeschrieben sind, so können sie doch freiwillig weiterhin vorgelegt werden. Und insbesondere die großen Konzerne, die einen nicht unerheblichen Teil anglo-amerikanischer Aktionäre haben, werden von diesen vermutlich Druck bekommen, auch künftig Quartalsberichte vorzulegen. Was ein zusätzliches Argument für den deutschen Mittelstand ist und die sog. Nebenwerte.

Dienstag, 28. Mai 2013

Gier? Es geht auch anders...

Schon seit längerem kann einem regelmäßig übel werden, wenn man über Raffgier und Skrupellosigkeit in der Finanzbranche liest und es sind nicht mehr nur die Investmentbanken in den USA, die der Welt die Banken- und Finanzkrise eingebrockt haben, unter der wir alle heute noch leiden, sondern es sind auch "normale" Banken von nebenan. Das Geschacher des gefeuerten Ex-Chefs der Hypo Real Estate AG, Georg Funke, der als Dank dafür, dass er die HRE ruiniert und viele Kleinanleger um ihr Erspartes gebracht hatte, auch noch eine satte Abfindung einstecken wollte. Oder die Ex-Investmentbanker der Dresdner Bank, die der Bank mit ihren Finanzwetten eine Milliardenschieflage beschert hatten, die die Commerzbank, die die DreBa auf dem Hochpunkt der Finanzkrise übernommen hatte, Millionenboni kosten. Und natürlich die Deutsche Bank, die gerne über "Kulturwechsel" spricht, aber die Allmacht der Gier in sich schier endlos aneinanderreihenden Skandalen vorlebt. Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren scheint hier leider die Maxime zu sein. Und deshalb verwundert auch nicht, dass zunehmend darüber diskutiert wird, welche Vorstandsvergütungen und welche Boni noch "anständig" sind. Zurecht, denn Eigennutz kann und darf nicht alleiniger Antrieb und vor allem nicht der Maßstab sein!

Dass es auch anders geht, zeigen zum Beispiel Warren Buffett und Microsoft-Gründer Bill Gates, die beide zu den reichsten Menschen auf unserem Erdball gehören. In ihrer Initiative "The Giving Pledge" versammeln sich weltweit Milliardäre, die ihr Vermögen größtenteils spenden werden und nicht einfach nur ihren Erben hinterlassen. Und insbesondere Warren Buffett weist immer wieder darauf hin, wie wichtig ihm die Integrität des Managements bei der Auswahl seiner Investments ist - bisweilen ist sie der ausschlaggebende Faktor für einen Kauf.

Allerdings kann nicht jeder Mensch ein Milliardär sein und riesige Summen spenden. Viele Wohltätigkeitsorganisationen fokussieren sich daher auf eine große Zahl von freigiebigen Kleinspendern, denn Kleinvieh macht ja bekanntlich auch Mist. Vermutlich jeder von uns hat - vor allem kurz vor Weihnachten - schon die Bittbriefe diverser Hilfsorganisationen im Briefkasten gehabt. Doch es gibt auch innovative Unternehmer, die mit indirekten Spenden Gutes tun und gleichzeitig daran verdienen. Das muss nicht unbedingt ein Widerspruch sein. So stellen Unternehmen den Hilfsorganisationen kostenlos Fahrzeuge zur Verfügung, die diese für ihre Zwecke nutzen können. Dadurch bleiben mehr Spenden für die eigentlichen Aufgaben der Organisationen übrig. Ein Geschäft wird aus dem Deal für das Unternehmen natürlich erst, wenn es aus der Aktion auch Erträge generieren kann, also entweder durch eine umfangreiche Presseberichterstattung über diese Freigiebigkeit oder aber zum Beispiel dadurch, dass das kostenlose zur Verfügung gestellte Auto dann über Werbung (re)finanziert wird. So berichtet akzent Sozialsponsoring unter anderem regelmäßig über seine diesbezüglichen Aktivitäten, die inzwischen bundesweit angeboten werden und bei denen die werbetreibenden Kunden den zusätzlichen Wohlfühlfaktor haben, dass mit ihrer Werbung gleichzeitig Gutes erreicht wird.

Bekanntlich führen viele Wege nach Rom und weniger wichtig ist, was man tut, als vielmehr, dass man etwas tut. Dass man seinen Reichtum mit anderen teilt, dass man nicht die Jagd nach dem letzten Penny zum Lebensinhalt macht, sondern dass man stets bedenkt, dass Geld kein Selbstzweck ist, sondern das Leben lebenswerter machen soll. Und das erreicht man bisweilen auch dadurch, dass man einen Teil seines Geldes anderen überlässt. Und letztlich sind auch Unternehmen, die sich für die Gesellschaft engagieren und soziale oder kulturelle Projekte unterstützen, langfristig erfolgreicher als jene, die nur auf den maximalen Profit aus sind. Denn auch die Unternehmenskultur ist eine Charakterfrage und wie Warren Buffett es formulierte: "mit schlechten Leuten macht mein keine guten Geschäfte". Ich bin mir sicher, dass Buffett keine Aktien der Deutschen Bank kaufen würde, selbst wenn die Zahlen und die Bewertung wieder stimmen sollten.

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Dieser Artikel wurde finanziell gesponsort von akzent Sozialsponsoring.

Montag, 27. Mai 2013

Niedrigzinsen fressen Vermögen auf

Gegen die Finanzkrise, die Bankenkrise, die Wirtschaftsflaute, die Eurozonenprobleme und gegen Crash-Tendenzen wählen die Notenbanken seit mehr als einem Jahrzehnt immer das gleiche Mittel: Geld. Und zwar Unmengen davon. Üblicherweise führt ein starkes - und auch noch globales - Geldmengenwachstum nach der klassischen Lehre zu Inflation, denn wenn (zu) viel Geld im Umlauf ist, sind Preissteigerungen leichter durchzusetzen und Inflation ruft steigende Zinsen seitens der Notenbanken hervor, um die Preissteigerungen wieder in den Griff zu bekommen. Doch diesmal scheint alles anders zu sein, in den führenden Wirtschaftszonen der Welt ist trotz des vielen verfügbaren Geldes die Inflation weit unter den Zielwerten der Notenbanken und dem entsprechend sinken die Zinsen auf Rekordniedrigststände.

Das ruft mehrere Effekte hervor. So wird der Konsum billiger, denn es kostet weniger Geld (Zinsen), sich zu verschulden und selbst Krisenstaaten wie Portugal, Irland oder Italien können sich zu vergleichsweise moderaten Zinssätzen refinanzieren. Bedeutet im Umkehrschluss, dass die Zinscoupons ihrer Staatsanleihen weniger abwerfen, als man es bei dem hohen Risiko erwarten sollte, bedenkt man, dass die Krise nicht ohne Grund "Staatsschuldenkrise" heißt und vor allem Länder der Eurozone betrifft.

Für den deutschen Sparer bedeutet die niedrige Inflation, dass sein Geld nur langsam an Wert verliert. Doch die Freude hierüber verfliegt schnell, wenn man bedenkt, dass die zu erzielen Zinsen teilweise sogar noch unterhalb der Inflationsrate liegen und ggf. sogar noch versteuert werden müssen. "Negative Realzinsen" nennt man dieses Phänomen und es hat zur Folge, dass man zwar Zinsen für sein Erspartes bekommt, am Jahresende aber dennoch weniger Kaufkraft. Deutlich gesagt, man ist trotz Zinsen weniger vermögend als zuvor. Für die deutschen Sparer errechnet die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung ein Minus von 14,3 Mrd. Euro pro Jahr, was etwa 0,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) entspricht.

Um dieser schleichenden Verarmung zu entgehen, suchen die Anleger immer häufiger nach Alternativen. (Auch) deshalb explodieren in Deutschland die Immobilienpreise oder das Geld wandert auf vermeintlich besser verzinste Konten im Ausland. Doch steigt hierbei das Risiko signifikant an, denn Immobilien sind nicht so leicht wieder veräußerbar und wenn dann mit erheblichem Verlust. So gab es zwischen 1991 und 2009 kaum Wertzuwächse, während die Inflation mit fast 3 Prozent pro Jahr am Vermögen knabberte. Und gerade in Irland und Island haben Deutsche Sparer mit "sicheren" Geldanlagen Milliarden verloren, als die Banken infolge der Finanzkrise Pleite gingen.

Als Alternative galten Anleihen, doch Staatsanleihen bergen eben auch erhebliche Risiken, wie man bei griechischen Bonds sehen konnte, wo es einen sog."Haircut" gab und die Anleger auf einen Schlag rund die Hälfte ihres Geldes verloren hatten. Und wenn man von 1.000 eingesetzten Euros nur 500 zurückbekommt, dann tröstet einen darüber ein höherer Zinssatz von 3 oder Prozent kaum hinweg.

Die Anleger stecken also in einer Misere und zuletzt kamen deshalb verstärkt Unternehmensanleihen auf den Markt und fanden zumeist reißenden Absatz. Denn sie bieten nicht selten Zinsen von 6 oder mehr Prozent und verglichen mit Bundesanleihen, die weniger als 1 Prozent bieten, scheinen das echte Schnäppchen zu sein. Allerdings nur, wenn die Firmen solide sind und Zinsen und Anlagekapital auch (Zurück)zahlen können. Schaut man auf die Unternehmen der kriselnden deutschen Solar-Branche, wie Solar World, Solar Millennium, Q-Cells usw. wird schnell klar, dass das Risiko eines Totalverlustes auch bei Unternehmensanleihen allgegenwärtig ist. Und verglichen mit den erheblichen Risiken sind die Renditen der Unternehmensanleihen eben doch viel zu niedrig, warnt Star-Investor Warren Buffett in einem Interview mit dem Finanzdienstleister Bloomberg.

Doch was bleibt Anlegern übrig, wenn sie ihr hart verdientes Geld anlegen wollen? Investmentsfonds schneiden ganz überwiegend schlechter ab als der Markt und bieten sich daher als Alternative nicht unbedingt an, so dass es am Ende auf ein Aktiendepot hinausläuft, in dem man auf große Unternehmen setzt, die seit längerem gute Erträge erwirtschaften und attraktive Dividenden ausschütten. Solche Dickschiffe finden sich nicht nur in Deutschland und Europa, sondern vor allem auch in den USA: Unternehmen der Konsumgüterindustrie, wie Nestlé, Procter & Gamble, Henkel, Beiersdorf, Johnson & Johnson, Reckit Benckiser, oder Chemiegiganten, wie BASF, Lanxess, DuPont. Sicher, deren Kurse sind seit Jahren gestiegen, aber eben auch ihre Umsätze und Gewinne. Und sie gelten als defensive Werte, weil sie Produkte verkaufen, die nicht "in" sind, sondern einfach nur gebraucht werden: Windeln, Rasierer, Zahnbürsten, Toilettenpapier, Waschmittel usw. Ob die Menschen viel oder wenig Geld zur Verfügung haben, an diesen Dingen können sie nur begrenzt sparen. Das neue Auto oder der hippste Fernseher oder das neuste Smartphone wird viel eher mal auf die lange Bank geschoben.

Nun kommt es bei der Geldanlage darauf an, niedrig zu kaufen und - wenn überhaupt - hoch zu verkaufen. Und viele verwechseln dies mit Markttiming. Aber das sollte man den Zockern und Tradern überlassen, den Spekulanten und Finanz-Hasardeuren. Anleger, Investoren, Privatleute sollten sich über Timing an der Börse gar keine Gedanken machen! Vielmehr sollten sie ausschließlich auf die fundamentale Bewertung der Unternehmen schauen, wie sie aus den Geschäftsberichten hervorgehen: steigen die Umsätze, nehmen die Gewinne zu, wird eine attraktive Dividenden ausgeschüttet und das kontinuierlich über viele Jahre hinweg? Wenn diese Unternehmen dann noch zu akzeptablen Aktienkursen gehandelt werden, spricht nichts gegen ein langfristiges Engagement. Achten Sie auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis, auf den Cash-flow und die Dividendenrendite. Sie geben gute Anhaltspunkte dafür, ob ein Unternehmen gerade zu hoch oder zu niedrig von der Börse bewertet wird. Und in letzterem Fall, kaufen sie dessen Aktien. Das ist das "Marktiming" der Langfristanleger, der Value Investoren. Ob die Konjunktur dies macht oder der Dollar jenes oder Gold gegenüber Rohöl eine Korrelation ausbildet - vergessen Sie's einfach. Darüber zerbrechen sich die Vorstände in den Unternehmen, deren Aktien sie kaufen, den Kopf. Und wenn Sie Unternehmen auswählen, die den von mir beschrieben Kriterien entsprechen, dann können Sie (fast) sicher sein, dass sie sich erfolgreich auf die neuen Herausforderungen einstellen. Sie als Anleger brauchen nichts weiter zu tun, als auf ihrem Hintern zu sitzen und die Dividenden zu kassieren, die die Unternehmen für Sie verdienen.

Börsenweisheit der Woche 21/2013

"Wer der Meinung ist, dass man für Geld alles haben kann, gerät leicht in den Verdacht, dass er für Geld alles zu tun bereit ist".
(Benjamin Franklin)

Freitag, 24. Mai 2013

Investmentfonds sind meistens schlecht(er)

Die vor allem in Deutschland vorherrschende Meinung ist, als Privatanleger könne man kein erfolgreiches Stock-Picking betreiben und sollte sein Geld lieber in Fonds investieren - und das möglichst breit gestreut, um das Risiko zu minimieren. Ebenso vernünftig klang es, dass die Erde eine Scheibe wäre, allerdings haben beide Denkansätze einen entscheidenden Makel: die Fakten sprechen dagegen!

"Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung".

Über Planeten und die Form der Erde werde ich mich nun nicht näher auslassen, aber zum Thema Direktanlage in Aktien versus Fondsinvestments hingegen schon. Der Gedanke eines Fonds ist, dass man als Anleger nur Geld einzahlt und die Auswahl der Anlageobjekte dann einem (gut bezahlten) Fachmann überlässt. Klingt plausibel und vernünftig. Allerdings zahlen auch Fonds Transaktionsgebühren für ihre An- und Verkäufe und die Fondsmanager erhalten Gehälter und/oder Provisionen. Darüber hinaus verdient auch die Fondsgesellschaft, denn zwischen An- und Verkaufskursen liegt ein nicht selten hoher Spread, wenn die Anteile denn überhaupt über die Börse gehandelt werden können. Viele sind nur bei der jeweiligen Fondsgesellschaft erhältlich und können nur an diese zurückgegeben werden - was in der Regel keinen großen Nachteil bedeutet, wenn man nicht gerade auf Immobilienfonds gesetzt hat und der Fonds wegen zu großer Anteilsrückgaben in akute Liquiditätsprobleme geschliddert ist. Was in den letzten Jahren eher die Regel als die Ausnahme war. Bei den übrigen Assetklassen, wie Aktien, Renten (verzinsliche Wertpapiere), Geldmarktpapiere usw. kassiert die Fondsgesellschaft dann noch einen Ausgabeaufschlag, der bis zu 7,5% betragen kann. Diese ganzen Kosten muss der Fondsmanager erst einmal wieder verdienen, ehe das Investment des Anlegers überhaupt aus der Verlustzone kommt. Und abgesehen vom Ausgabeaufschlag fallen die Kosten ja nicht nur einmal an, sondern jährlich immer wieder auf's Neue.

Und trotzdem... immerhin sind Profis am Werk, Anlageexperten, die viel Geld verdienen, die wissen schon, was sie tun. Sollte man meinen. Der Finanzdienstleister Gecam hat nun die Performance von 9.428 Aktien-, Renten-, Geldmarkt-, Dach- und Mischfonds analysiert, die in Europa zum Vertrieb zugelassen sind. Und das Ergebnis ist niederschmetternd: magere 23 Prozent der Investmentfonds schafften es in den vergangenen drei Jahren, ihren jeweiligen Vergleichsindex zu übertreffen. Mit anderen Worten: 77 Prozent der Fonds, also mehr als drei Viertel, schnitten schlechter ab als "der Markt". Beim Roulette liegt die Gewinnchance bei knapp unter 50 Prozent, wenn man auf Rot oder Schwarz setzt (die Null spielt ja auch mit), bei Investmentfonds nur bei 23 Prozent. Als rational denkender Mensch sollte man spätestens jetzt akzeptieren, dass die vermeintlich gute Anlage in Investmentfonds eben auch nur vermeintlich die beste Anlagevariante ist.

Gründe für das schlechte Abschneiden liegen auf der Hand: die Fondsmanager bilden zu mehr als 70 Prozent einfach nur ihren jeweiligen Vergleichsindex ab, so dass sie bei hohem Kostenaufwand keinen Mehrwert schaffen können. Sie müssen quasi schlechter als der Vergleichsindex abschneiden, denn es verbleiben ja nur 30 Prozent der investierten Summe, die sie anders einsetzen. Und da Fonds immer ein gewisses Maß an Liquidität halten, z.B. um ausstiegswillige Anleger auszahlen zu können, liegt die wirkliche "Eigenleistungsquote" noch niedriger. Und dieser geringe Anteil müsste dann die Kosten verdienen und auch noch eine Out-Performance gegenüber dem Vergleichsindex. Das geht nur auf zwei Arten: enormes Glück oder hohes Risiko. Hat der Fondsmanager nur Glück, stellt sich die Frage, weshalb der Anleger diesen "Experten" braucht. Und erkauft sich der Fondsmanager die bessere Performance durch ein erhöhtes Risiko, widerspricht dies dem Sinn einer sicheren Anlage und es kann gut sein, dass sich auch einmal das Risiko nicht auszahlt und ein Fonds nach guten Jahren sehr viel schlechtere aufweist. Studien haben belegt, dass Fonds, die drei Jahre lang besonders gut abgeschnitten haben, danach meistens zu den Verlierern zählen.

Wenn man also schon "den Markt" kaufen möchte, sollte man lieber auf ETFs (Exchange-traded Fund) setzen bzw. Produkte, die nicht aktiv gemanaged werden, sondern wirklich nur den Markt 1:1 abbilden - die produzieren nämlich fast keine Kosten, so dass für den Anleger eine weitaus größere Chance besteht, in die Gewinnzone zu kommen.

Aber es gibt noch eine weitere Möglichkeit: Direktinvestments in Aktien. Warren Buffett meint hierzu, dass jeder durchschnittlich begabte Mensch in der Lage sei, wenn er nur einige wenige Dinge beherzige:
  • er müsse bereit sein, seine Emotionen aus der Anlageentscheidung herauszuhalten und auf Basis von Fakten zu investieren,
  • er müsse bereit sein, sich durch Geschäftsberichte durchzuackern und nicht auf Börsentipps von Freunden, Brokern, Börsenblättern oder Astrologen zu setzen,
  • er sollte in Unternehmen investieren, deren Geschäftsmodell er versteht,
  • er sollte antizyklisch investieren (niedrig kaufen, hoch verkaufen),
  • und er sollte Aktien zu Kursen kaufen, die deutlich unterhalb ihres wahren Wertes notieren, und diese dann lange halten.
Buffett hält nichts von Konjunkturprognosen und auch nichts von Markttiming. Er kauft, egal, ob sich die Börse in einer Hausse oder einer Baisse befindet. Denn wenn er den Wert eines Unternehmens ermittelt hat und somit den wahren Wert seiner Aktien, dann kauft er, wenn der Börsenkurs deutlich unter diesem Wert notiert. Und wartet ab. Buffetts Partner bei Berkshire Hathaway brachte die Strategie des Value-Investings einmal so auf den Punkt:

"Jedes intelligente Investieren ist das Investieren in Werte - mehr
bekommen als das, wofür du bezahlst. Investieren ist, wenn du wenige
großartige Unternehmen findest und dann auf deinem Hintern sitzt."
(Charlie Munger)

Es kommt also letztlich darauf an, seinen eigenen Verstand einzusetzen und dann Aktien günstig zu kaufen und lange zu halten. Das ist die Strategie des Buy & Hold, die dem Zinseszinseffekt erst die Chance gibt, sein Potenzial zu entfalten und Anleger reich zu machen. Wer häufig(er) sein Depot umschichtet läuft Gefahr, zum falschen Zeitpunkt ein- und auszusteigen. Und auch das belegen empirische Untersuchungen, dass Anleger eben meistens mit der Herde schwimmen und daher bei stark fallenden Kursen verkaufen und bei stark steigenden Kursen kaufen. Sie handeln also nicht rational, sondern emotional. Und versenken damit eine Menge Geld und füllen nur die Taschen der Broker, die an den Transaktionskosten prächtig verdienen.

"Regel Nummer eins lautet: nie Geld verlieren. Regel
Nummer zwei lautet: vergiss nie Regel Nummer eins."
(Warren Buffett)

Die richtigen Aktien zu finden, ist natürlich in der Praxis nicht ganz so einfacht. Schon Oscar Wilde bemerkte, dass es leichter sei, über Geld zu schreiben, als Geld zu machen. Und so kann ein interessierter Anleger auch "einfach" sein Geld in Aktien von Unternehmen investieren, die ihrerseits Unternehmen und/oder Aktien kaufen. Der Unterschied zu Fonds ist hierbei, dass man an dem Unternehmen als Aktionär direkt beteiligt ist, dass man die Investmententscheidungen näher miterleben kann, z.B. durch die Geschäftsberichte, Quartals- und teilweise Monatsberichte und natürlich durch Adhoc- und sonstige Publikationen des Unternehmens. Und man kann sich in Unternehmen engagieren, wo der Vorstand selbst signifikante Anteile hält, also ein erhebliches Interesse daran hat, den Unternehmenswert zu mehren. Es gibt eine ganze Reihe von Unternehmen auf dem deutschen Kurszettel, die diese Anforderungen erfüllen können.

Zum einen gibt es Unternehmen, die sich auf das Investieren in börsennotierte Unternehmen spezialisiert haben. Hier sind die Shareholder Value Beteiligungen AG, die Allerthal-Werke AG, oder die Scherzer & Co. AG zu nennen, über deren Websites man sich über Anlagemethode und die größeren Investments informieren kann.

Und es gibt "richtige" Beteiligungsgesellschaften. Einige sind auf Frühphaseninvestments spezialisiert, wie die Blue Cap AG oder die mic AG, andere erwerben Krisenunternehmen, um sie wieder aufzupäppeln, wie die Bavaria Industriekapital AG. Dann gibt es Unternehmen, wie die Aurelius AG, die gerne Randaktivitäten großer Konzerne erwerben und zu neuen Einheiten formieren und sie dann auf mittlere Sicht gewinnbringend wieder veräußern. Und zuletzt gibt es langfristig orientierte Industrieholdings, bei denen die Veräußerungserlöse von Tochtergesellschaften eher die Ausnahme als die Regel sind. Hier sind AdCapital, die Deutsche Beteiligungs AG, Gesco, Indus, MAX Automation, MBB Industries zu nennen. Und natürlich Warren Buffetts Investmentkonglomerat Berkshire Hathaway, das in einer ganz anderen Liga spielt, als z.B. Greiffenberger AG oder die H.P.I. Holding AG, die nur jeweils ein oder zwei Beteiligungsunternehmen aufweisen und auf ein Segment fokussiert sind. Insbesondere Aurelius und MBB Industries halte ich für nach wie vor für mittel- und langfristig hervorragende Investments, bei denen man gerne Partner (Mitaktionär) der erfolgreichen Vorstände ist.

Bleibt noch die Frage,  weshalb man in lieber Aktien investieren sollte und nicht in Immobilien, Tagesgeld, Anleihen, Gold, Rohöl oder Schweinebäuche. Die habe ich allerdings bereits unter dem Titel "2013 wird das Jahr der Aktien" ausführlich beantwortet und spare mir deshalb an dieser Stelle die Wiederholung.

"Habe den Mut, Dich Deines eigenen Verstandes zu bedienen".

Also, es ist gar nicht so schwer, erfolgreich an der Börse zu investieren. Sofern man die Börse nicht als Casino und Aktienkäufe als Zocken missversteht, sondern Aktien als Partnerschaftsanteile an Unternehmen und die Börse als Handeslplatz, wo man diese Anteile erwerben kann, bleiben gar nicht so viele Möglichkeiten, gravierende Fehler zu machen. Ein wenig Mut und etwas Vertrauen in das eigene Urteilsvermögen gehören zwar schon dazu, aber beides benötigt man auch, wenn man unbeschadet eine fremde Katze streicheln will...

Montag, 20. Mai 2013

Börsenweisheit der Woche 20/2013

"Wenn man kein Geld hat, denkt man immer an Geld. Wenn mal viel Geld hat, denkt man nur noch an Geld".
(Jean Paul Getty)

Mittwoch, 15. Mai 2013

Lese-Tipp: "Warren Buffett: Sein Weg. Seine Methode. Seine Strategie"

Autor: Robert G. Hagstrom

Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Börsenmedien
Auflage: 1 (15. Dezember 2011)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3942888459

Hagstrom gilt als profunder Kenner der Lebensgeschichte und der Anlagestrategie von Warren Buffett und hat dies mit diesem Buch einmal mehr bestätigt.

Das Besondere an diesem Buch ist, dass es die entscheidenden Grundsätze von Buffetts genialer Anlagestrategie aufzeigt und sie anhand vieler Beispiele erläutert. Die einfachen - und wenigen - Prinzipien, die Warren Buffett stets zur Basis seiner Anlageentscheidung macht, können so von jedem Privatanlager verstanden und nachgeahmt werden, ohne dass er ein BWL-Studium absolvieren müsste.

Prädikat: absolut lesenswert studierenswert!




Dienstag, 14. Mai 2013

Lese-Tipp: "Gier. Neuroökonomie: Wie wir ticken, wenn es ums Geld geht"

Autor: Jason Zweig

Gebundene Ausgabe: 354 Seiten
Verlag: Carl Hanser Verlag GmbH & Co. KG
Auflage: 1 (5. September 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3446412239
Neupreis: 19,90 EUR

Dieses Buch ist der Hammer! Es erläutert ausführlich, weshalb wir keine besseren Anleger sind, warum wir die dummen Fehler begehen, die wir rational immer ausschließen würden. Anhand von vielen Beispielen aus der Forschung erläutert Autor Jason Zweig anschaulich, wie unser Verstand ein ums andere Mal von unseren Gefühlen bzw. Emotionen ausgetrickst wird, obwohl wir es doch besser wissen.

Doch dabei belässt es dieses Buch nicht, denn es zeigt auch Lösungsansätze auf, wie wir diese typischen Verhaltensweisen ablegen und zu wirklich rationale(re)n Anlegern werden können.




Montag, 13. Mai 2013

Börsenweisheit der Woche 19/2013

"Sparsamkeit ist die beste Einnahme".
(Marcus Tullius Cicero)

Mittwoch, 8. Mai 2013

DAX auf Allzeithoch - sind das noch Kaufkurse?

Gestern knackte der Dow Jones Index erstmals die 15.000er Marke und der DAX erreichte ein neues Allzeithoch bei über 8.200 Punkten. Und sofort prangt auf der Titelseite der BILD-Zeitung der DAX-Chart und die Frage, ob man noch einsteigen solle.

Üblicherweise sind Boulevardblätter wie die BILD ein prima Kontraindikator. Als Anfang 2000 die "New Economy" Euphorie auf dem Höchststand war, berichtete die BILD-Zeitung fortgesetzt vom Börsengeschehen und auch der letzte Sparer räumte seine Konten, um Aktien zu kaufen. Und vor gut einem Jahr war Gold das Titelthema der BILD-Zeitung, ebenfalls kurz vor dem massiven Kursabsturz. Eine Regel ist: wenn sich die breite Masse für Kurse interessiert, sind bereits alle Käufer im Markt und wenn niemand mehr kaufen kann, fallen die Kurse, weil weitere Käufer ausbleiben.

Sir John Templeton sagte einmal, "dieses Mal ist alles anders" seien die teuersten fünf Worte der Börsengeschichte. Und er hat Recht. Doch dieses Mal ist es wirklich anders...

Jedenfalls was den DAX angeht. Denn der DAX, der Deutsche Aktienindex, wird ja Performanceindex berechnet. Das bedeutet, dass alle Dividendenzahlungen der 30 DAX-Werte so behandelt würden, als würden sie 1:1 direkt wieder in Aktien des Unternehmens, also auch den DAX, investiert. Die meisten anderen wichtigen Börsenindizes der Welt, wie der Dow Jones, der FTSE100 oder CAC40 werden als Kursindex berechnet. Wenn man also den Dow Jones Index und den DAX vergleichen will, müsste man den (unbekannteren) Kursindex des DAX heranziehen. Und der notierte 1999 bei seinem bisherigen Allzeithoch bei gut 6.100 Punkten und steht aktuell bei rund 4.400 Punkten - also noch rund 40% unter seinem historischen Höchststand!

Des Weiteren gibt es einen guten Grund, weshalb Aktienkurse weltweit steigen: es fehlt an Anlagealternativen, denn Gold schwächelt und Staatsanleihen wanken. Wer auf Griechenland oder Irland gesetzt hat, hat enorme Kursverluste eingefahren und wer den sicheren Hafen der Bundesanleihen ansteuert, bekommt fast keine Zinsen mehr. Rechnet man noch rund 2% Inflation hinzu, verringert sich das Vermögen über das Jahr gerechnet sogar. Da könnte man versucht sein, in Immobilien zu investieren, da diese die letzten Jahre deutlich im Wert zugelegt haben. Doch Vorsicht: die (künstliche) Nachfrage entsteht vor allem in den Ballungszentren, wo insbesondere Ausländer aus den südeuropäischen Krisenstaaten ihre Euros in Sicherheit bringen wollen und daher beinahe jeden Kaufpreis akzeptieren. Dabei nehmen sie für den Aspekt der Sicherheit in Kauf, dass sie vielleicht über Jahre keine Wertsteigerungen mehr erzielen. Und bei Immobilien, dem "Betongold", ist das Geld gebunden und nicht ohne weiteres liquide zu machen.

Auch die "Politik des billigen Geldes" seitens der Notenbanken führt dazu, dass verstärkt Liquidität in die (Aktien-)Märkte fließt und die Kurse ansteigen lässt. Und während man in Europa überwiegend von Rezession und Abschwung hört, läuft es in Deutschland weiterhin großartig. Niedrige Inflation, Wirtschaftswachstum, sinkende Arbeitslosigkeit - der Stoff, aus dem Aktionärsträume gemacht sind.

Zuletzt bleibt noch festzustellen, dass 1999/2000 vor allem die Telekommunikationswerte den DAX gepuscht hatten (Telekom und Mannesmann), während es heute eher die breite Masse ist, die gut aufgestellt ist und für höhere Kurse sorgt. Dabei sind die Banken (Deutsche und Commerzbank) eher Hemmschuhe für den DAX.

"Ich denke nicht darüber nach, ob ein Markt nach oben oder nach unten geht. Ich
kümmere mich nur darum, ob ich ein Unternehmen zu einem akzeptablen Preis
kaufen kann. Ich sehe mich nicht als Teil eines Bullenmarkts, sondern als
Teilhaber an wunderbaren Firmen. Ich muss zu einem Preis kaufen, der mich
glücklich macht. (...) Nicht der Preis, sondern der Wert einer Anlage ist
maßgeblich. Preis ist was du zahlst, Wert ist was du bekommst."

Der DAX liegt also noch deutlich unter seinem früheren Höchststand und sollte sowieso nur ein allgemeiner Indikator sein. Denn wichtiger als der Indexstand ist die Auswahl der richtigen Aktien. Attraktiv bewertete Unternehmen kann man zu jeder Zeit kaufen, ob es nun eine Hausse oder eine Baisse an der Börse gibt. Der eigene Einstandskurs an der Börse interessiert nämlich niemanden, außer den Anleger selbst. Für die künftige Entwicklung eines Investments ist es unerheblich, ob man es zu 10 EUR, zu 15 EUR oder zu 50 EUR gekauft hat. Ertragswachstum, Margenstärke, Marktstellung, Management - das sind wesentliche Kriterien für ein gutes Unternehmen. Doch die alleine reichen nicht aus für ein gutes Investment. Denn "ein gutes Unternehmen, zu teuer bezahlt, ist ein schlechtes Investment", sagt Roland Könen, Vorstand der Value-Holdings International AG. Wichtig ist also, dass das Unternehmen attraktiv bewertet ist, also ein niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) und/oder ein moderates Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) aufweist sowie eine solide Dividendenrendite. Hier sollte man sich nicht am Indexstand des Gesamtmarktes orientieren, sondern an der Bewertung des jeweiligen Unternehmens. Und zwar anhand der "Grundsätze des Value-Investings". Denn für ein Unternehmen ist der eigene Börsenkurs in der Regel weniger relevant, als das operative Geschäft. Und sollte es im Einzelfall doch einmal umgekehrt sein, dürfte es sich kaum um ein Unternehmen handeln, das für Value-Investoren interessant ist.

Montag, 6. Mai 2013

Börsenweisheit der Woche 18/2013

"Verfüge nie über Geld ehe du es hast".
(Thomas Jefferson)