Montag, 24. Juni 2013

Börsenweisheit der Woche 25/2013

"Das Problem zu erkennen ist wichtiger, als die Lösung zu finden, denn die genaue Darstellung des Problems führt fast automatisch zur richtigen Lösung".
(Albert Einstein)

Donnerstag, 20. Juni 2013

Wen interessiert schon die Notenbank?

Nun ist es also passiert. Was alle schon immer wussten, könnte zur Gewissheit werden: die amerikanische Notenbank (Fed) wird die Märkte nicht mehr unbegrenzt mit Geld fluten. Nicht gleich, aber demnächst, wird sie damit beginnen und somit wieder zur Normalität zurückkehren.

Die Börsen gehen heute auf Talfahrt, weil mit dieser Meldung die Auffassung verbunden wird, weniger billiges Geld würde die Aktienkurse drücken. Mag auch so sein, "der Markt" in seiner Gänze läuft sicherlich mit mehr Geld besser als mit weniger Geld. Aber muss mich das als Value-Anleger interessieren?

Klares Nein. Ich suche mir die Aktien, in die ich investiere, doch nicht danach aus, ob die amerikanische Notenbank noch mehr Geld ins System pumpt und ob der Kurs meiner Aktie von dieser Geldschwemme profitieren könnte. Das überlasse ich Hassadeuren, Zockern, Tradern und Charttisten. Ich kaufe Aktien, weil ich ein Unternehmen gefunden habe, das solide gemanagt wird, das prognostizierbare Gewinne abwirft und attraktiv bewertet ist. Die attraktive Bewertung ergibt sich nicht (alleine) aus den künftigen Gewinnen oder der Dividendenrendite, sondern natürlich aus deren Verhältnis in Bezug auf den momentanen Aktienkurs.

"Ein gutes Unternehmen, zu teuer bezahlt,
ist ein schlechtes Investment".
(Roland Könen, Value-Holdings Int. AG)

Der künstliche Nachfrageschub durch die Geldpolitik der Notenbank(en) hat natürlich Auswirkungen auf die Kurse, aber als Langfristanleger interessiert mich die Tagesschwankung meiner Aktien nur insoweit, als dass sie mir entweder günstige Einstiegschancen bietet, oder aber eine lukrative Ausstiegsmöglichkeit. Sprich: der faire Wert der Aktien könnte deutlich unter ihrem aktuellen Kurs notieren oder deutlich darüber. Ansonsten sollte man die Kursschwankungen nicht zu häufig beachten, denn sie verleiten einen schnell dazu, hektisch zu werden und sich zu (unnötigen) Käufen und Verkäufen hinreißen zu lassen. Und das geht ganz schnell, wir Menschen sind evolutionsseitig auf dieses Verhalten gepolt, daher sollte man sich hier nicht auch noch unnötig eine Blöße geben. Denn in Konsequenz führt häufiges Handeln zu Verlusten - die Mehrheit der Marktteilnehmer schneidet schlechter ab als der Mart und man muss ja auch noch die Börsenspesen bezahlen - und so hat man die Wahrscheinlichkeit deutlich gegen sich. Wer dies genauer und konkreter nachlesen möchte, dem empfehle ich das Buch "Gier. Neuroökonomie: Wie wir ticken, wenn es ums Geld geht" von Jason Zweig.

Die Entscheidungen der Notenbank(en) haben natürlich auch Auswirkungen auf mich als Value-Investor. Allerdings kaufe ich ja nicht bloß Aktien, sondern beteilige mich an gut geführten Unternehmen. Das ist ein erheblicher Unterschied! Denn die mikro- und makroökonomischen Unwägbarkeiten muss ich als Anleger doch nicht für das Unternehmen bewältigen! Dafür hat es ein Management! Und wenn das Management in der Vergangenheit mit Zinsänderungen oder neuen Gegebenheiten in der Gesetzgebung gut klargekommen ist, dann ist davon auszugehen, dass es das auch in Zukunft tun wird. Als Anleger kann ich nur darauf achten, dass ich mir Unternehmen aussuche, die von diesen Einflussfaktoren nicht allzu schnell aus der Bahn geworfen werden. Ich investiere also nicht in Biotechfirmen oder in junge Start-ups aus der Internetbranche, mich reizen auch Anbieter von "revolutionären 3D-Druckern" nicht. Ich setze auf solide und beständige, ja behäbige, Unternehmen und/oder auf Nischen, in denen kleinere Unternehmen eine starke und nicht leicht zu erreichende Marktstellung haben. Und deshalb interessiert mich das Geschnatter der Notenbank als Meldung schon, als Grundlage für meine Investitionsentscheidungen hingegen nicht.

Sollten aber die Kurse von Unternehmen, die mir bisher zu hoch bewertet waren, jetzt auf ein Niveau abrutschen, das um einiges unter dem von mir ermittelten fairen Wert liegt, dann danke ich der Fed für ihre Aussagen und kaufe diese Aktien. Letztlich ist es mir egal, weshalb ich sie so günstig bekomme, das darf dann auch ruhig an der Notenbank liegen. Ich bin da nicht wählerlisch...

Montag, 17. Juni 2013

Börsenweisheit der Woche 24/2013

"Geld veranlasst die Menschen Dinge zu tun, die sie gar nicht tun wollen".
(Zitat aus Oliver Stones Film „Wallstreet“)

Montag, 10. Juni 2013

Börsenweisheit der Woche 23/2013

"Willst du den Wert des Geldes erkennen, versuche dir welches zu borgen".
(Benjamin Franklin)

Donnerstag, 6. Juni 2013

Chancen und Risiken von Mittelstandsanleihen am Beispiel der Gamigo-Anleihe

Das Zinsniveau ist für Anleger ein wahrer Alptraum, fehlen ihnen doch die attraktiven Anlagemöglichkeiten. Während Tagesgeld und Bundesanleihen nicht einmal mehr die Inflation kompensieren können, also unter dem Strich einen realen Vermögensverzehr bedeuten, drängen immer mehr Unternehmen auf den Markt, um den renditehungrigen Anlegern Anleihen zu offerieren, die zumeist mit Zinscoupons aufwarten, die im mittleren oder gar hohen einstelligen Prozentbereich notieren.

"Risiko ist die Bugwelle des Erfolgs."
(Carl Amery)

Hohe Zinsen zahlen die Unternehmen jedoch nicht, weil sie Mitleid mit gebeutelten Anlegern haben, sondern weil sie es müssen. Denn die optisch hohen Zinscoupons sind der Preis für das nicht unerhebliche Risiko, das man bei einer Investition in Unternehmensanleihen eingeht.

Anleihen stellen aus Sicht des Unternehmens Fremdkapital dar, das gegen Zinsaufwendungen für eine festgeschriebene Zeit zur Verfügung gestellt wird und am Ende an den Anleihegläubiger zurückgezahlt werden muss. Dieser wird also nicht Anteilseigner des Unternehmens, wie ein Aktionär, trägt aber ebenfalls das Risiko eines Teil- oder Totalausfalls, wenn die Geschäfte des Unternehmens schlecht laufen. Im Insolvenzfall ist der Anleihegläubiger vor einem Aktionär an der Insolvenzmasse zu beteiligen, was aber in der Praxis jedoch nur das zweitschlechteste Ergebnis ist. Denn wenn ein Unternehmen Insolvenz anmelden muss, steht ein Totalverlust für den Anleger ins Haus und dann ist es unerheblich, ob als Rendite 8,9 oder 12 Prozent versprochen worden sind.

"Regel Nummer eins lautet: nie Geld verlieren. Regel
Nummer zwei lautet: vergiss nie Regel Nummer eins."
(Warren Buffett)

Wichtigster Faktor ist also das Einschätzen des Verlustrisikos. Je höher dieses ist, desto höher muss auch die Rendite sein, mit der man sich dieses Risiko bezahlen lässt. Dabei sollte man sich nicht auf große und bekannte Namen verlassen, denn auch "Blue Chips" können straucheln, wie man z.B. an den US-Investmentbanken oder den US-amerikanischen Automobilherstellern sehen konnte. Um eine genaue Prüfung der Geschäftszahlen des Unternehmens kommt man also nicht herum und es kann auch nicht schaden, jenseits des Emissionsprospekts nach Researchmaterial umzusehen.

Cultures Online

Die Gamigo AG  betreibt und vermarktet online Spiele, sog. Massively Multiplayer Online Games, und tummelt sich dabei in einem rasant wachsenden, aber auch hart umkämpften und sehr kurzlebigen Markt. Gegründet wurde die Gamigo AG im Jahr 2000 als “Gamesweb.de AG”, 2007 stiegen die Axel Springer AG die börsennotierte bmp AG als Investoren ein, bis 2009 dann Axel Springer alle Anteile übernahm. Im Oktober 2012 übernahm die Samarion SE dann diese Anteile. Diese wiederum gehört zu 90 Prozent dem heutigen Chef der Gamigo AG, Remco Westermann. Westermann selbst ist in der Branche kein Unbekannter, war er doch lange Jahre Miteigentümer und Vorstandsvorsitzender der Bob Mobile AG, die heute unter Cliq Digital AG firmiert.
Dino Storm

Das Geschäftsmodell ist relativ simpel: Gamigo erwirbt Lizenzen für Online-Spiele, die für die Spieler grundsätzlich kostenlos sind. Allerdings besteht die Möglichkeit, zusätzliche Goodies zu erwerben gegen Zahlung mit einer virtuellen Währung - die muss natürlich selbst gegen "echtes Geld" eintauschen.

Je mehr Spieler also Gefallen an dem Spiel finden und je länger sie in diese virtuelle Welt abtauchen, desto höher sind die Einnahmemöglichkeiten für die Gamigo AG. Das Risiko besteht also darin, dass die Games nicht genügend Interessenten finden oder aber zu schnell durch vermeintlich interessantere Spiele abgelöst werden. Dann sinken die Einnahmen rapide ab. Der wohl bekannteste Player in diesem Markt, die inzwischen auch börsennotierte Zynga, muss gerade 520 Mitarbeiter entlassen, weil immer weniger Leute "Mafia Wars" oder "Farmville" spielen und entsprechend für zusätzliche Features bezahlen. Nicht jedes Spiel ist so lange so erfolgreich wie World of Warcraft. Die Gamigo AG hat momentan 10 Spiele im Angebot, wie das Strategie Browser Game Cultures Online, das 3D Browser Game Dino Storm oder den Clan-Klassiker King of Kings III.

King of Kings III
Die Gamigo-Anleihe
Die Anleihe soll ein Volumen von 15 Mio. EUR aufweisen, das auf bis zu 25 Mio. EUR aufgestockt werden kann - was schon deutlich mehr als dem Jahresumsatz des Unternehmens entspräche. Mit den neuen Mitteln sollen (neben den Kosten der Emission) Altverbindlichkeiten abgelöst, aber auch Investitionen in die Zukunft getätigt werden, sowohl für organisches Wachstum als auch für Übernahmen. Die Verzinsung von 8,5% pro Jahr wird jeweils nachträglich gezahlt, die Laufzeit beträgt 5 Jahre und die Mindeststückelung liegt bei EUR 1.000. Die Anleihe soll nach der Emission im Entry Standard an der Frankfurter Börse gehandelt werden, was einen börsentäglichen Handel gewährleistet. Sie kann dort im Zeitraum vom 05.bis 18.06.2013 gezeichnet werden; der eigentliche Emissionstermin ist dann der 20.06.2013. Der rechtlich maßgebliche Wertpapierprospekt ist kostenfrei erhältlich über www.gamigo-anleihe.de oder über die gamigo AG, Behringstraße 16b, 22765 Hamburg.

 Ich finde es relativ schwierig, den Markt für Onlinespiele einzuschätzen und auch das Potenzial, das sich hier ggf. in Umsätzen und bestenfalls Gewinnen niederschlagen kann. Einen entsprechenden Versuch haben die Analysten von GBC unternommen, die eine Research-Studie eigens für die Emission dieser Anleihe verfasst haben, und ich lege sie jedem Interessierten ans Herz. Hier sind alle relevanten Informationen zu Historie, Geschäftsverlauf und eine Einschätzung für die Entwicklung der nächsten drei Jahre zu finden - es dürfte nicht überraschen, dass das Urteil der Analysten "überdurchschnittlich attraktiv" lautet.

Fazit
Die Anleihe weist eine attraktive Verzinsung auf, jedenfalls verglichen mit Festgeld oder Bundesanleihen. Das Geschäftsfeld, in dem sich die Gamigo AG tummelt, ist sehr schnelllebig und Trends wechseln in kurzen Abständen. Das Ziel, lange und profitable Kundenbeziehungen herzustellen, ist ambitioniert und nur durch ständige Innovationen in einem hart umkämpften Markt zu erreichen. Ob dies gelingen wird, ist schwer einzuschätzen, so dass die im Verhältnis dann doch lange Laufzeit von 5 Jahren nicht ohne Risiken ist. Vergleicht man hingegen die angebotene Rendite, so liegt sie nicht deutlich höher als Anleihen von Unternehmen, die schon seit Jahren erfolgreich am Markt tätig sind und deren Geschäftsmodell daher zielsicherer einzuschätzen ist. Um sich in der Gamigo Anleihe zu engagieren muss der Anleger also eine erhöhte Risikoaffinität mitbringen; für konservative Anleger oder als sog. "Witwen- und Waisen-Investment" dürfte die Anleihe nicht geeignet sein. Persönlich bevorzuge ich sowieso Direktinvestitionen in Unternehmen und werde mich bevorzugt an Aktien halten. Anleihen können eine attraktive Beimischung im Depot sein, sollten das Risiko des Depots jedoch tendenziell eher senken als erhöhen.


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Montag, 3. Juni 2013

Börsenweisheit der Woche 22/2013

"Wo Geld voran geht, sind alle Wege offen".
(William Shakespeare)