Montag, 29. Dezember 2014

Börsenweisheit der Woche 52/2014

"Erzähle mir die Vergangenheit und ich werde dir die Zukunft erkennen."
(Konfuzius)

Montag, 22. Dezember 2014

Balda fordert Schadensersatz in Millionenhöhe

Die Balda AG hat heute bekannt gegeben, dass sie gegen ehemalige Organmitglieder Schadensersatzansprüche geltend machen wird und zwar gegen die ehemaligen Aufsichtsratsmitglieder Dr. Michael Naschke, Yu-Sheng Kai und Chun-Chen Chen und zugleich gegen den ehemaligen Alleinvorstands Rainer Mohr. Ihnen werden Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit dem beabsichtigten Verkauf von Aktien an der TPK Holding Co. im Juli 2011 vorgeworfen, aufgrund derer die TPK-Aktien erst zu einem späteren Zeitpunkt zu einem deutlich geringeren Preis veräußert werden konnten.

Das Schadenspotential soll sich nach derzeitiger Berechnung auf einen Wert im zweistelligen Millionenbereich belaufen. Inwieweit sich hieraus Mittelzuflüsse für die Gesellschaft erzielen lassen können, ist bisher nicht einzuschätzen. Die genannte Höhe würde aber eine signifikante Auswirkung auf das Ergebnis des Unternehmens haben; allerdings dürften sich die Rechtsstreitigkeiten eine geraume Zeit hinziehen.

Balda befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Börsenweisheit der Woche 51/2014

"Für jede Spekulationsblase liegt schon eine Nadel bereit. Jedes Mal, wenn es bumm macht, gibt es wieder ein paar Anleger, die eine alte Lektion neu lernen müssen."
(Warren Buffett)

Mittwoch, 17. Dezember 2014

Mein Gastbeitrag zum Value Investing im "Sachwert Magazin"

In der aktuellen Ausgabe 1/2015 des "Sachwert Magazin" ist ein Kommentar von mir zum Thema "Value Investing" abgedruckt worden - neben so illustren Experten wie Folker Hellmeyer (der übrigens wie ich aus der schönen Stadt Wedel im Westen Hamburgs stammt und ebenfalls am Johann-Rist-Gymnasium Abitur gemacht hat, wenn auch etwa 10 Jahre vor mir).

Intelligent investieren am Aktienmarkt: Value Investing

Value Investing ist simpel. Aber nicht einfach. Diese Wahrheit stammt von Investmentlegende Warren Buffett und sie bringt das Dilemma auf den Punkt: das Grundprinzip des Value Investings ist nicht schwer zu verstehen, aber es anzuwenden, seine Elemente richtig umzusetzen, hingegen schon. Denn sie prallen auf das menschliche Verhalten und das ist (leider) völlig anders konditioniert, als es für Langfristanleger gut ist.

Montag, 15. Dezember 2014

Börsenweisheit der Woche 50/2014

"Wenn man für jeden ausgegebenen Dollar nur 90 Cents einnimmt, ist Wachstum keine Lösung."
(Jack Welch)

Buffett übernimmt Charter Brokerage

Value Investor Warren Buffett macht es vor, wie das so funktioniert mit dem antizyklischen Investieren. Aufgrund des aktuellen Ölpreisverfalls um mehr als 30% machen Investoren momentan einen großen Bogen um alles, was nur irgendwie mit Öl zu tun haben könnte. Für Buffett hingegen sind das Kaufgelegenheiten, denn er orientiert sich nicht am aktuellen Börsengeschehen, ja noch nicht einmal an volkswirtschaftlichen Prophezeiungen, sondern rein am Unternehmen, seinen Kennzahlen, seinem Management, seiner Fähigkeit, operative Cashflows zu generieren.

Und er hat ein Faible für den Finanzsektor. Konsequent kombiniert er dies mit seinem neusten Schachzug und erwirbt für seine Beteiligungsholding Berkshire Hathaway die in der Ölbranche tätige Charter Brokerage von Arsenal Capital Partners. Dem Vernehmen nach dürfte der Kaufpreis bei gut 500 Mio US-Dollar gelegen haben. Charter Brokerage organisiert Rückerstattungen von Steuern und Zoll in der Ölindustrie und Buffett ist überzeugt, bei "einem hochwertigen Unternehmen mit beständig starken Geschäftszahlen, das gut zu Berkshire Hathaway passt", zugegriffen zu haben.

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Wie Anleger mit Sicherheit indirekt vom Ölpreisverfall profitieren

Der Ölpreis stürzt regelrecht ab, Gold verliert stetig an Glanz (und Wert), Rohstoffe fallen insgesamt. Und mit dem Absinken der Rohstoffpreise fallen auch die Aktienkurse der jeweiligen Rohstoffproduzenten auf immer neue Tiefs, seien es die Goldschürfer, die Ölförderer oder - Equipmentfirmen oder die Minenbetreiber. Je niedriger der Preis des jeweiligen Rohstoffs, desto geringer die Margen, die die Produzenten erzielen und umso größer der Kostendruck, den sie haben. Überkapazitäten sind eher die Regel als die Ausnahme und so werden die weniger rentierlichen Anlagen stillgelegt und es wird auf weniger neue Ausstattung gesetzt. Was wiederum den Zulieferern zusetzt und deren Kurse zum Einsturz bringt. Beschleunigt hat sich zuletzt insbesondere der Verfall des Ölpreises, der in nur wenigen Wochen um mehr als 40 Prozent kollabierte - WTI sank erstmals seit 5 Jahren wieder unter die Marke von 60 US-Dollar, nachdem es im Oktober noch bei über 100 US-Dollar notierte.

Was den deutschen Autofahrer freut, da die purzelnden Ölpreise sich auch auf seiner Tankrechnung bemerkbar machen, bringt den einen oder anderen in Bedrängnis: so sehen sich Russland (neben den Wirtschaftssanktionen des Westens aufgrund der Ukraine-Krise) und Venezuela einem drohenden Staatsbankrott gegenüber, weil ihre Haushalte von Ölpreisen von 100 US-Dollar und mehr abhängen. Und in den USA bekommt die aufstrebende Fracking-Industrie heftigen Gegenwind, weil sich ihre Projekte bei Ölpreisen von unter 70 US-Dollar auch kaum mehr tragen.

Die Auswirkungen werden auch in Anlegerkreisen zunehmend diskutiert. "Private-Equity-Firmen leiden unter Ölpreisabsturz" titelte das "Wallstreet Journal Deutschland" und beschreibt führende Private-Equity-Firmen wie KKR & Co. und den Wertverlust, den ihnen ihre Öl- und Gasförderbeteiligungen aufgrund des 30-prozentigen Ölpreisverfalls beschert haben. Und weshalb sie dennoch auf weitere Zukäufe in diesem Bereich setzen. Christian Kirchner fragt in seinem Blog "menschen.zahlen.sensationen": "Juckt ihnen auch der Finger in Sachen Öl?" und legt dar, weshalb Direktinvestments in Rohstoffe keine gute Idee sind und welche Auswirkungen der Preisverfall noch haben kann. "Die Börsenblogger" fragen sich, ob "bei Öl eine Preisstabilisierung in Sicht" sei und bei "Value Shares" wird der "Abschlag auf den Buchwert beim norwegischen Unternehmen Prosafe" thematisiert und ob dies ein guter Zeitpunkt sei, um dessen Aktien zu erwerben. Ins gleiche Horn stößt "Der Value Blog" mit seiner "Analyse von Subsea 7".

Diese Überlegungen kommen nicht von ungefähr, denn in dieser Gemengelage winkt antizyklischen Investoren die Gunst der Stunde. Wer genug Geld und einen langen Atem hat, für den dürfte jetzt die richtige Zeit sein, sich hier strategisch zu positionieren - es herrscht ein Käufermarkt, da viele Unternehmen händeringend auf der Suche nach frischem Kapital sind. Dennoch muss sich der Privatanleger selbstkritisch fragen, ob er diese beiden Voraussetzungen wirklich erfüllt. Denn der Preisverfall und damit die Kurseinbrüche können noch einige Zeit andauern und nicht viele Privatanleger kommen gut mit hohen Kursverlusten klar. Auch ist es schwierig, die Unternehmen herauszupicken, die diese Krise überhaupt überstehen werden. Denn die allseits erwartete "Marktbereinigung" bedeutet letztlich nichts weniger, als dass es zu Zusammenschlüssen und Pleiten kommen wird. Und Übernahmen. Das Risiko, hier aufs falsche Pferd zu setzen, sollte durch die möglichen Chancen nicht ausgeblendet werden.

Es gibt allerdings noch einen anderen Weg, in die Branche zu investieren und  möglicherweise zu niedrigsten Kursen am Drehen des Marktes zu profitieren. Denn eine Branche, die es geradezu zur Lebensmaxime gemacht hat, in Krisensituationen zuzugreifen, sind die Finanzinvestoren. Auch aufgrund des niedrigen Zinsniveaus fließen ihnen immer mehr Geldmittel zu, für die sie Investitionsmöglichkeiten suchen (müssen). Und zurzeit werden sie auch in der Ölindustrie fündig. Auf einer von der New York Times initiierten Konferenz sagte Stephen Schwarzman, Chef des Finanzinvestors Blackstone Group, er sehe die besten Chancen für Rohstoffe seit vielen Jahren. Blackstone lege gerade einen zweiten Energiefonds mit einem Einlagenlimit von 4,5 Milliarden US-Dollar auf. Viele Leute hätten sich viel Geld auf Basis höherer Energiepreise geliehen und die bräuchten jetzt mehr Kapital. Er sagte überdies vermehrt Restrukturierungen voraus und dabei werde es auch Opfer geben. Nachdem der erste vergleichbare Investmentpool der Gesellschaft, der 2012 aufgelegt wurde mit einem Volumen von 2,5 Milliarden US-Dollar, bisher nach Gebühren bis zum 30. September eine annualisierte Rendite von 44 Prozent vorweisen konnte, dürfte die Nachfrage nach dem neuen Fonds seitens reicher Großinvestoren entsprechend hoch sein.

Privatanleger können allerdings auch profitieren. Denn Blackstone ist an seinen Fonds selbst mit eigenen Mitteln beteiligt und verdient darüber hinaus noch am Management dieser Fonds. Wer also Blackstone-Aktien kauft, erwirbt auch einen Teil dieses interessanten Investments mit. Andererseits wird das Risiko schon dadurch gestreut, dass Blackstone eben nicht nur in diesem Bereich engagiert ist, sondern auch in Aktien, Anleihen und Immobilien. Je nachdem, wo die Macher der weltweit agierenden Investmentgruppe lukrative Chancen wittern, wird zugeschlagen. Gerne in Krisenregionen und in Krisenzeiten, um dann in der Phase der wirtschaftlichen Erholung hinein die Früchte zu ernten. Dabei gehen auch Investments dieser Profis mal schief und führen zu Verlusten. Diese fallen aufgrund der verwalteten Milliarden allerdings nicht ganz so ins Gewicht, als würde ein Privatanleger selbst ein solches Investment tätigen und Schiffbruch erleiden. Allerdings ist das Geschäft der Finanzinvestoren schon sehr zyklisch, so dass die aktuell sehr üppigen Dividendenrenditen von 6 bis 9 Prozent (und die recht niedrigen KGVs von teilweise unter 10) durchaus schwankungsanfällig sind und nicht einfach so auf die Zukunft fortgeschrieben werden können. Dennoch sind die Aktien von Finanzinvestoren gerade auch für Privatanleger eine interessante Depotbeimischung, da sie verglichen mit Banken weitaus weniger reguliert sind und somit mehr Möglichkeiten haben, interessante Assets zu erwerben. Und man kann dabei auf den Eigennutz der handelnden Personen setzen, sind diese doch mit erheblichen eigenen Geldbeträgen in ihren Firmen investiert. Anders als Bankmanager treffen sie Verluste unmittelbar und im umgekehrten Fall profitieren sie ebenso direkt von den wirtschaftlichen Erfolgen ihrer Firmen. Positiver Nebeneffekt ist, dass die amerikanischen Finanzinvestoren Blackstone Group L.P. und KKR & Co. L.P. ihre Erfolge vierteljährlich mit ihren Anlegern teilen und sich auch deutsche Anleger dank dieser Quartalsdividenden einen ungewohnt stetigen Geldfluss alle drei Monate sichern können.

Blackstone Group und KKR & Co. befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Freitag, 12. Dezember 2014

KKR & Co. verkauft Fotolia an Adobe

Finanzinvestor KKR hat eine weitere Beteiligung gewinnbringend verkauft. Für 800 Mio. US-Dollar geht die Online-Fotoagentur Fotolia mit ihren 34 Mio. Bildern an den Softwaregiganten Adobe Systems. KKR hatte seinen 50%-Anteil an Fotolia erst 2012 für 150 Mio. US-Dollar erworben und in einen seiner Beteiligungsfonds eingebracht. Mit diesem Exit kan KKR sein eingesetztes Kapital in kurzer Zeit weit mehr als verdoppeln.

KKR & Co. befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Wie Blackstone den Heiligen Geist ums Tafelsilber erleichterte

Blackstone Group L.P hat wieder in Europa zugeschlagen und erwarb 19 Einhandelsimmobilien in den Niederlanden und Portugal. Der Finanzinvestor setzt seine breit diversifizierte globale Investitionsstrategie damit erfolgreich fort.

Niederlande
Das von CBRE Global Investors erworbene Portfolio besteht aus insgesamt 107.500 m² Verkaufsfläche, die in attraktiven Lagen von Innenstädten und Wohngebieten von Nootdorp, Utrecht, Leusden und anderen Städten liegen. Zu den Ankermietern zählen Einzelhändler wie Ahold, Blokker und H&M.

Portugal
Das Portfolio in Portugal besteht aus fünf Einzelhandelsimmobilien mit insgesamt 65.000 m² Verkaufsfläche, die im Einzugsgebiet der Hauptstadt Lissabon liegen. Mieter sind portugiesische Marktführer wie Continente und Modelo.

Über die Preise ist nichts zwar bekannt, allerdings erwirbt Blackstone das Portfolio in Portugal aus Fonds, die von der Novo Banco Group verwaltet wurden. Das bis vor kurzem noch Banco Espirito Santo ("Bank vom Heiligen Geist") benannte Kreditinstitut war unlängst in Schieflage geraten und musste vom portugiesischen Staat gerettet werden. Die Bank ist nun gezwungen, sich von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Aktivitäten zu trennen, was sich auf den Verkaufspreis negativ ausgewirkt haben dürfte.

Für Blackstone sollte sich auch dieses Engagement auszahlen, denn die Finanzprofis investieren antizyklisch in Krisenregionen und profitieren, wenn sie ihre Engagements in der Phase der wirtschaftlichen Erholung wieder versilbern.

Blackstone Group befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Dienstag, 9. Dezember 2014

Kauft Aurelius britisches Recyclingunternehmen Eco Plastics?

Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius ist nach Aussage ihres Chefs und Großaktionärs Dr. Dirk Markus aktuell in Gesprächen über weitere Zu- und Verkäufe. Bisher gibt es hierzu noch nichts Konkretes. Nun vermeldet allerdings das Bundeskartellamt, es würde die Übernahme des auf die Verwertung von Kunststoffabfällen spezialisierte britischen Unternehmens Eco Plastics Ltd. durch Aurelius prüfen. Hat Aurelius also doch schon in England zugeschlagen? In den letzten drei Börsenhandelstagen hat der Kurs der Aurelius-Aktie jedenfalls schon mal um 10 Prozent zugelegt und findet sich auch heute weit vorn auf der Gewinnerliste. Die Aussichten für Deutschlands vermutlich interessanteste Beteiligungsgesellschaft sind jedenfalls weiterhin sehr gut.

Aurelius befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.




Ergänzung vom 12.12.2014

Heute gab Aurelius die Übernahme bekannt. ECO Plastics betreibt in Hemswell eine der weltweit größten und modernsten Kunststoffrecyclinganlagen. Die Anlage verfügt über eine jährliche Kapazität von ca. 150.000 Tonnen PET-Flaschen, was in etwa 35% der pro Jahr in Großbritannien recycelten Plastikflaschen entspricht. AURELIUS war bereits in der Vergangenheit mit Wellman International, Europas größtem Recycler von Einweg-PET-Flaschen und führendem Produzenten von Polyester-Fasern erfolgreich in diesem Markt aktiv und will ECO Plastics "durch operative und finanzielle Unterstützung langfristig strategisch neu ausrichten".

Montag, 8. Dezember 2014

Börsenweisheit der Woche 49/2014

"Breite Diversifikation ist nur dann nötig, wenn Investoren ihr Handwerk nicht verstehen."
(Warren Buffett)

Balda AG: Attraktive Unterbewertung?

Die Balda AG hat einen enormen Absturz und eine bewegte Vergangenheit hinter sich. Einst ein gefeierter Star am deutschen Börsenhimmel, als man noch die Hartschalen für Nokia-Handys herstellte und vom Erfolg des damaligen Weltmarktführers profitierte, ging es dann konsequent bergab. Hausgemachte Probleme und Querelen haben nicht nur Anleger vergrault, sondern auch das operative Geschäft nachhaltig gestört - und auch die Führungsriege wurde nicht nur einmal gewechselt.

Inzwischen sieht die Welt für Balda wieder etwas anders aus. Ein neuer CEO lenkt die Geschicke, ein neuer 30-Prozent-Großaktionär (und Aufsichtsratschef) zieht im Hintergrund die Fäden und eine Neuausrichtung auf den Bereich Plastik, insbesondere für die Medizintechnik, bringt operativ die Wende. Das EBIT scheint die Pluszone erreicht zu haben, so zeigen es die jüngst veröffentlichten Zahlen zum ersten Geschäftsquartal 2014/15. Die Balda AG erwirtschaftete in den ersten drei Monaten des Geschäftsjahres 2014/15 einen Konzernumsatz von 20,7 Mio. EUR nach 17,5 Mio. EUR im Vorjahreszeitraum und das EBIT liegt bei 0,4 Mio. EUR. Es scheint so, als würde der operative Turnaround greifen und hier wird die Sache nun auch langsam interessant.

"Turnarounds seldom turn."
(Warren Buffett)

Denn Balda sitzt auf Geld, viel Geld, um genau zu sein. Dieser Cash- und Festgeldbestand von fast 200 Mio. EUR stammt aus dem Verkauf der Anteile an dem taiwanesischen Touch-Screen-Unternehmen TPK. Ein Großteil der Erlöse wurde bereits in Form von üppigen Dividenden an die Anteilseigner weitergereicht und hat zu dem schrecklichen Chartbild beigetragen, denn gute 4 EUR an Kursreduzierungen in den letzten vier Jahren sind auf diese Sonderausschüttungen zurückzuführen. Setzt man das Nettoumlaufvermögen von rund 195 Mio. EUR ins Verhältnis zur aktuellen Marktkapitalisierung von 159 Mio. EUR (58,89 Mio. Aktien bei einem Kurs von 2,70 EUR), deutet dies auf eine signifikante Unterbewertung hin. Ausführlich dargelegt hat dies jüngst Daniel Koinegg in seinem Bargain-Magazine. Weitere Ausschüttungen sind aktuell nicht geplant und so stellt sich die Frage, was Balda mit dem Geld anfangen will. Denn Unternehmen, die sinnlos Geld streuen, um Geschäft hinzuzukaufen, sind selten ein gutes Investment.

In einem aktuellen Interview mit Börse Online äußert sich der neue Firmenlenker Oliver Oechsle zu den Plänen des Unternehmens. Man denke über Zukäufe nach, insbesondere für den Bereich Medizintechnik. Hier sehe man die Zukunft für Balda.

"Unser idealer Partner wäre ein Unternehmen, das sich im Markt der Medizintechnik bewährt hat, international gut aufgestellt ist und räumlich zu Balda passt. Eine solche Akquisition würde uns helfen, die Internationalisierung voranzutreiben und die Profitabilität zu steigern".
(Oliver Oechsle, CEO Balda AG)

Man kann also davon ausgehen, dass Balda bereits auf der Suche nach einem entsprechenden Unternehmen ist; abzuwarten bleibt allerdings, ob diese mögliche Akquisition wirklich den Parametern entspräche und zu einem vernünftigen Preis unter Dach und Fach zu bringen wäre. Aktuell hat Balda schon zwei örtliche Standbeine, eines in Deutschland und eines in den USA. Ein Zukauf kann hier die Balance einseitig verschieben und ggf. die gerade erst zusammenwachsenden Unternehmenskulturen negativ beeinträchtigen. Entsprechend kritisch wäre ein Zukauf auch unter diesen Gesichtspunkten zu betrachten - es muss halt vieles passen. Zu oft hat Balda in der Vergangenheit die Selbstbeschäftigung im Fokus gehabt und nicht das Voranbringen des operativen Geschäfts.

Ein weiterer kritischer Aspekt sind die - inzwischen nur verhalten geäußerten - Vermutungen, der neue Großaktionär plane, Balda in Richtung Solarenergie neu aufzustellen. Das wäre der Kursentwicklung wohl kaum zuträglich und würde erhebliche neue Fragen aufwerfen. Momentan deutet allerdings nichts darauf hin, dass es solche Bestrebungen wirklich gäbe. Und auch ein weiterer negativer Aspekt muss mit ins Kalkül gezogen werden: so hat Gereon Kruse auf boersengefluester.de neulich ein mögliches Delisting der Balda AG ins Gespräch gebracht. Man muss nicht gesondert erwähnen, dass dies zumeist mit einschneidenden Kursverlusten für Aktionäre einhergeht, denn das Einstellen der Börsennotierung stellt schon ein erheblichen Einschnitt in die Verfügbarkeit des Vermögens dar. Auch wenn der BGH dies in seinem realitätsverkennenden Delisting-Urteil anders sieht.

Der Abstieg aus dem SDAX hat dem Aktienkurs nicht gut getan und es könnte sein, dass das Unternehmen noch mehr aus dem Fokus institutioneller Anleger verschwindet. Zumindest covern aktuell noch zwei Analysehäuser den Wert und Warburg Research stuft Balda als "Halten" ein mit einem Kursziel von 3,90 EUR, während First Berlin das Votum "Kaufen" vergibt mit einem Kursziel von 4,40 EUR.

Eine Investition in die Balda AG ist kein Selbstgänger, kein "No-Brainer", sondern durchaus mit weiteren Risiken behaftet. Dennoch scheinen die positiven Aspekte zu überwiegen, die aus einer erfolgreichen Konsolidierung des operativen Geschäfts herrühren und der deutlichen Unterbewertung des Aktienkurses. Der hohe Cashbestand bietet hier eine erhebliche Sicherheit, solange er eben nicht unsinnig verpulvert wird. Hier muss man entscheiden, ob man dem neuen Management diesbezüglich das entsprechende Vertrauen entgegenbringt. Bejaht man dies, kann sich eine Turnaround-Spekulation in Aktien der Balda AG mittel- und langfristig als sehr lukrativ herausstellen. Dennoch sollte man den Wert nur als kleine Depotbeimischung verstehen, denn es bestehen nach wie vor unübersehbare Risiken.

Samstag, 6. Dezember 2014

Lese-Tipp: "Cashflow-Investing: Die besten Dividenden Aktien auswählen"

Autoren: Arne Sand und Max Schott

Taschenbuch: 176 Seiten
Verlag: FinanzBuch Verlag
Auflage: 2 (11. Juli 2014)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3898798852
ISBN-13: 978-3898798853

Das Buch gibt einen umfassenden und doch kurzweiligen Einblick in den Investmentansatz, mit dividendenstarken Aktien einen stetigen Geldfluss und so ein zusätzliches passives Einkommen zu erzeugen. Es konzentriert sich auf langfristig orientierte Anleger und erläutert die entscheidenden Parameter für ein erfolgreiches Cashflow-Investing. Der Schreibstil der Autoren ist leicht verständlich und die Beispiele sind praxisnah, so dass das Werk sowohl für Einsteiger als auch für Fortgeschrittene zu empfehlen ist.


Mittwoch, 3. Dezember 2014

Andere Ansichten zu Garantiezins versus Dividendenrendite

Mit der zum Jahreswechsel anstehenden weiteren Senkung des Garantiezinses bei Lebensversicherungen beschäftigt sich "boerse.ard.de" und beleuchtet unter dem Titel "Garantiezins versus Dividendenrendite" welch ernüchternden Renditen Kunden hier bevorstehünden. Die ausgeprägte Aversion deutsche Anleger gegen Aktien dürfe sie nicht von der  Beimischung dividendenstarker Aktien abhalten, die gerade in angelsächsischen Ländern neben den Immobilien als Hauptstütze der Altersversorgung gälten.

Scherzer & Co. AG überzeugt nicht (mehr) richtig

Soeben hat die Investment-Beteiligungsgesellschaft Scherzer & Co. ihren aktuellen Nettoinventarwert (NAV) per 30. November gemeldet und dieser liegt bei unveränderten 1,76 EUR je Aktie. Der Aktienkurs notiert aktuell rund 17 Prozent darunter, ein Abschlag, der nicht unüblich ist.

Ich habe die auf deutsche Nebenwerte und Sondersituationen spezialisierte Beteiligungsgesellschaft ja schon einige Zeit auf meiner Empfehlungsliste und auch bereits mehrfach über sie berichtet. Insbesondere bei Squeeze-outs haben die Kölner immer wieder ein goldenes Händchen bewiesen und in den letzten Jahren den Wert des Unternehmens stetig gesteigert. Doch nun scheint zunehmend Sand im Getriebe zu sein.

Scherzer fährt eine nicht ganz risikolose Strategie und setzt bei seinen Investments auch gerne Fremdkapital ein. Das sorgt für eine Hebelwirkung und bei steigenden Kursen für zusätzliche Freude. Doch der jüngste Kursabschwung setzte der Scherzer-Aktie heftig zu, der NAV sank deutlich. Doch während sich die Börsen wieder erholten, bliebt der NAV der Scherzer-Engagements ggü. dem Vormonat unverändert - auf Jahressicht bleibt kaum ein Zugewinn. Wenn man bedenkt, dass die von Scherzer erzielten Gewinne vom Unternehmen versteuert werden müssen und man als Anleger später noch einmal für die erzielten Kursgewinne mit der Scherzer-Aktie beim Fiskus zahlen darf, sollte man hier schon eine herausragende Performance seitens des Scherzer-Managements erwarten dürfen. Insbesondere was die Sondersituationen angeht, zuvorderst also Squeeze-outs, hat man als Privatanleger ansonsten kaum eine reelle Chance, auf die richtige Strategie zu setzen.

Nach gut 15 Monaten auf meiner Empfehlungsliste stehen rund 16% Kursgewinne zu Buche, was sich durchaus sehen lassen kann. Es gab in dieser Zeit allerdings ertragreichere Investments in einem Bullenmarkt sollten gerade auch Nebenwerte eine überdurchschnittliche Performance bieten. Die angehäuften Nachbesserungsrechte sind immer für eine positive Überraschung gut und ich werde die weitere Entwicklung mal abwarten.

Dienstag, 2. Dezember 2014

Jungheinrich steigt in den MDAX auf

Der Hamburger Hersteller von Flurförderfahrzeugen Jungheinrich wird geadelt und steigt in Deutschlands erste Börsenliga auf, genauer: in den MDAX, den Index für die mittelgroßen börsennotierten Gesellschaften. Wie die Deutsche Börse mitteilte, wird Jungheinrich dort die Aktien des Bezahlfernsehsenders Sky Deutschland ersetzen, dessen Streubesitzanteil auf unter zehn Prozent gesunken sei. Die Änderung wird am 4. Dezember umgesetzt.

Jungheinrich befindet sich auf meiner Empfehlungliste.

Versicherungsaktien: Renditen runter, Risiko rauf

Versicherungsaktien erscheinen auf vielen Kauflisten, weil sie im Vergleich zum Gesamtmarkt recht moderat bewertet sind und nicht selten üppige Dividendenrenditen aufweisen können. Das klingt nach guten Investments...

Doch ein paar Flöhe hat der Hund schon. Denn die Versicherungsbranche leidet erheblich unter der lang anhaltenden Zinsflaute, legt sie doch das Geld ihrer Versicherten bevorzugt in langfristige Zinspapiere an. Und wenn die Hochprozenter auslaufen finden sich heutzutage kaum noch attraktive Anlagemöglichkeiten bei vertretbaren Risiken. Mit der Folge, dass die Renditen sinken. Dem begegnet man durch das erneute Absenken des sog. Garantiezinssatzes, den die Kunden der Kapital- und Rentenversicherungen erhalten. Vor einigen Jahren lag dieser noch bei 4 Prozent, nun wird er auf 1,25 Prozent schrumpfen. Es kommen zwar noch die Überschussbeteiligungen hinzu, aber diese sind eben nicht garantiert.

Das Hauptzugpferd der Assekuranzen, die Kapitallebensversicherung, wird also für Kunden zunehmend unattraktiv, trotz der ebenso wenig zündenden Konkurrenz aus der Bankenbranche, denn für Spareinlagen oder Termingelder bekommt man auch fast keine Zinsen mehr gutgeschrieben. Auch wenn es für Privatkunden bisher noch keine Negativzinsen gibt. Erste Lebensversicherer haben schon angekündigt, keine Dividenden mehr zahlen zu können oder zu wollen.

Den Rückversicherern machen hingegen versicherungsfremde Konkurrenten das Leben schwer, denn auch andere große Anleger, wie Pensionsfonds, suchen derzeit händeringend nach Anlagemöglichkeiten. Und so stoßen sie in dieses vermeintlich attraktive Geschäftsfeld vor, so dass die Branchenriesen wie die Munich Re inzwischen Marktanteile verlieren. Bewusst, weil sie sich auf kein Prämien-Dumping einlassen wollen, denn diese Lehre haben sie teuer bezahlt, als sie es vor einigen Jahren anders machten und dann massiv draufzahlen mussten. Andererseits haben Versicherungsunternehmen in den vergangenen Jahren auch nicht wirklich vom Boom der Sachanlagen profitieren können, wie ein Blick auf die Allianz zeigt. Deutschlands größter Versicherer hat seinem Geschäftsbericht 2013 zufolge 89 Prozent seines Geldes in Anleihen investiert und nur 7 Prozent in Aktien. Weitere 2 Prozent jeweils in Immobilien und Cash. Die Kunden profitierten also weder von den rasant steigenden Immobilienpreise noch von den Rekordständen an den Börsen.

Die Erstversicherer stehen also unter Renditedruck, die Rückversicherer ebenfalls. Preiserhöhungen lassen sich aber schwer durchsetzen, also versuchen sie selbst, in fremde Anlagemärkte vorzudringen, um höhere Renditen zu erzielen. Die Immobilienpreise in Deutschland steigen auch deshalb an. Und immer häufiger tummeln sich Versicherungen in Infrastrukturprojekten oder im Bereich der regenerativen Energien, weil sich hier sichere Renditen erzielen lassen. Und treiben damit auch hier die Preise in die Höhe. Dabei sind die Risiken keinesfalls banal, wie die immer wieder auftauchenden Verzögerungen bei Offshore-Windparks zeigen oder die langjährigen Erfahrungen mit Immobilien, die zumeist kurze Phasen mit Wertsteigerungen erfahren, ansonsten aber eher stagnierende bis fallende Preise aufweisen.

Doch was bedeutet das für die Anleger von Versicherungsaktien? Zunächst einmal sollte man verstehen, dass die optisch niedrigen Bewertungen (z.B. KGV oder KBV) nicht gänzlich unverdient sind und eben nicht unbedingt auf Schnäppchen hinweisen. Und die teilweise üppigen Dividenden sind auch nicht in Stein gemeißelt - auch sie müssen erst verdient werden. Die Munich Re hat hier in der Vergangenheit öfter mal auf die Rücklagen zugegriffen, um die Dividendenzahlungen zu glätten und keine Senkung vornehmen zu müssen. Und die Ankündigung der Allianz, künftig die Hälfte des Jahresgewinns an die Aktionäre auszukehren anstatt der bisherigen rund 40 Prozent, sollte auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es in der Branche kriselt. Wie schnell aus vermeintlich sicheren "Witwen- und Waisenpapieren" Kapitalvernichter werden können, haben die Versorger vorgemacht. Eon und RWE waren solide Aktien mit hoher Dividendenrendite. Wie gerne wären Sie Aktionär dieser beiden gewesen in den vergangenen Jahren?

Ins Bild passt, dass eben der Stresstest für die Versicherungsbranche durchgeführt wurde. Das wenig überraschende Ergebnis ist, dass die Branche anfällig ist durch eine lang anhaltende Niedrigzinsphase. Und kämen noch deutlich sinkenden Assetpreise (z.B. bei Immobilien) hinzu, würde dieses kombinierte Krisenszenario fast die Hälfte von Europas Versicherungsunternehmen in ernsthafte Bedrängnis bringen. Die Widerstandskraft der Branche wurde dabei gemessen an den Kennziffern und Kapitalquoten, die ab 2016 unter dem Oberbegriff "Solvency II" in Kraft treten.

Fazit
Versicherungsunternehmen sind nicht per se gefährdet, aber die Aussichten für diese Branche verschlechtern sich zunehmend. Die vermeintlich attraktiven Bewertungen von Versicherungsaktien sollten das in den Kursen schlummernde Risiko nicht verdecken und auch die vergleichsweise hohen Dividendenrenditen sind zunehmend risikobehaftet. Neuengagements in diesem Bereich drängen sich eher nicht auf und wenn, dann allenfalls als Depotbeimischung. Anleger auf der Suche nach attraktiven Dividendenrenditen sollten sich lieber anderen Branchen zuwenden und auf etwas Rendite verzichten zugunsten eines besseren Chance-Risiko-Mixes.




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Weitere Artikel zum Thema:

27.08.2013 Niedrigzinsniveau gefährdet Lebensversicherer
08.11.2012 Dividendenwerte schlagen Lebensversicherungen!

Montag, 1. Dezember 2014

Börsenweisheit der Woche 48/2014

"Zweifel ist eine Frage der Intelligenz."
(Klaus von Dohnanyi)

Freitag, 28. November 2014

Andere Ansichten zum trügerischen Glanz von Gold

"Trügerischer Glanz: Gold kaufen ist meist die falsche Entscheidung" meint Thomas Grüner, Partner von Ken Fisher bei Grüner Fisher Investments in "Focus Money". Die Krisenwährung sei in der Krise und der seit Jahren anhaltende Preisverfall ein klassischer Bärenmarkt und weitere Kursrückgänge daher eher keine Kaufgelegenheiten. Es könne Jahrzehnte dauern, bis  beim Gold  wieder neue Höchststände erreicht würden.

Mittwoch, 26. November 2014

Dresdner Factoring vor dem Sqeeze-out

Die Dresdner Factoring AG hatte ich zwei Jahre lang auf meiner Empfehlungsliste bis ich sie im Sommer gestrichen habe. Damals standen etwa 200 Prozent Rendite zu Buche und ich sah kein großes Kurspotenzial mehr in der Aktie, die doch recht üppige Bewertungsrelationen erreicht hatte. Bis gestern hat sich der Kurs auch nicht mehr signifikant über 11 EUR erhoben, doch dann kam die Meldung, dass die abcfinance Beteiligungs AG nunmehr 90,004 Prozent an der DFAG hält und einen "Umwandlungsrechtlichen Squeeze-out" anstrebt. Der Kurs kletterte daraufhin gen 13 EUR, rechnen die Anleger doch mit einem schönen Aufschlag innerhalb der angekündigten Barabfindung.

Der Hauptaktionär hat verkündet, mit dem Vorstand der DFAG Verhandlungen über den Abschluss eines Verschmelzungsvertrages aufnehmen zu wollen, bei dem die DFAG auf die abcfinance verschmolzen werden soll. Der Verschmelzungsvertrag soll die Angabe enthalten, dass im Zusammenhang mit der Verschmelzung ein Ausschluss der Minderheitsaktionäre der DFAG erfolgen soll. Dem entsprechend möchte die abcfinance die Hauptversammlung der DFAG über die Übertragung der Aktien der Minderheitsaktionäre gegen Gewährung einer angemessenen Barabfindung beschließen lassen. Was bei 90 Prozent Anteil der abcfinance nur eine Formsache ist. Das Ergebnis wird leider sein, dass das einzige börsennotierte Factoringunternehmen in Deutschland vom Kurszettel verschwinden wird.

Montag, 24. November 2014

Bausparkassen: Die Substanz bröckelt

Bausparen hat ein spießiges Image und zählt doch zu den beliebteren Geldanlagen der Deutschen, gerade was den Vermögensaufbau angeht. Denn die Aussicht, sich nach Jahren des Ansparens am Ende ein (vermeintlich) günstiges Darlehen für die Renovierung zu sichern, war gerade in Hochzinsphasen sehr verlockend. Dazu gibt es für weniger Einkommensstarke noch die Option, sich über Vermögenswirksame Leistungen eine zusätzliche Verzinsung in Form der Wohnungsbauprämie zu sichern. Doch die anhaltende Niedrigzinsphase geht auch den Bausparkassen an die Substanz.

Nicht, dass sie nicht mit niedrigen Darlehenszinsen auf Neukundenfang gingen, es sind die Bestandskunden mit den Uraltverträgen, die Probleme bereiten. Denn viele Kunden haben ihre Bausparverträge längst voll bespart und die damit erlangte Zuteilungsreife schlicht ausgesessen. Das Darlehen wollen sie nicht in Anspruch nehmen, denn da dessen Kondition bereits beim Vertragsabschluss festgeschrieben wird, sind die Konditionen vergleichsweise unattraktiv. Bei der Hausbank erhält man Baufinanzierungen aktuell wesentlich günstiger.

Reizvoll an den Altverträgen ist also nicht das Darlehen, sondern die andere Komponente: der Sparvertrag. Denn auch die Guthabenverzinsung wurde beim Vertragsabschluss festgeschrieben und bei den meisten Altverträgen werden diese Guthaben mit 3 oder 3,5 Prozent verzinst. Da kann schon länger kein Festgeld, kein Sparbuch mithalten und auch keine Bundesanleihe. Die Bausparkassen stecken in einem Dilemma, denn sie können das Geld nicht hochverzinst als Darlehen vergeben, andererseits bekommen sie selbst für die Guthaben wesentlich weniger Zinsen, wenn sie diese anlegen. Die Zinsdifferenz, von der die Bausparkasse lebt, hat sich bei den Altverträgen ins Gegenteil verkehrt, die Bausparkassen zahlen kräftig drauf. Das geht zulasten der Rücklagen oder zulasten der Neukunden, die dies dann über schlechtere Konditionen mitbezahlen müssen.

Und so ist es kein Wunder, dass die Bausparkassen diese Altverträge unbedingt loswerden wollen. Anfangs noch verschämt und still mit Neuabschlusslockangeboten, werden inzwischen rigoros Altverträge gekündigt. Das ist verständlich aus finanzieller Hinsicht, doch die Bausparkassen sägen damit auch an dem Ast, auf dem sie sitzen. Denn die so verjagten Kunden dürften sich kaum ein weiteres Mal für diese Bausparkasse entscheiden, wenn sie das Bausparen denn überhaupt noch als Anlageform wählen. Anders als die Banken hatten Bausparkassen lange ein solides, beständiges, aber eben auch seriöses und freundliches Image. Doch wenn der Bausparfuchs zum Untier wird und auf die eigenen Kunden losgeht, kann dies zu einem dauerhaften Schaden für die ganze Branche werden. Dabei sind Träger der Bausparkassen überwiegend Banken und Versicherungen, die selbst schon mit Imageschäden zu kämpfen haben - und mit dem niedrigen Zinsniveau. Die Zeiten werden (noch) rauer in der Branche und dies sollten auch Investoren im Blick behalten, wenn sie sich für Aktien der Versicherungen oder Banken interessieren. Die nächste Baustelle ist hier schon in Sicht...

Börsenweisheit der Woche 47/2014

"Aktien von Small Caps haben in den USA seit 1926 pro Jahr einen durchschnittlichen Wertzuwachs von 11,9 Prozent erreicht, Large Caps dagegen nur von 9,8 Prozent."
(Edgar Walk, Metzler Asset Management)

Sonntag, 23. November 2014

Was ist... ein Börsenguru?

Der Begriff ist abgeleitet vom spirituellen Lehrer aus dem Hinduismus und ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für Börsenexperten, die ihre Meinung gerne über die einschlägigen Medien kundtun oder deren Anlagestrategien großes Aufsehen erregen.

So werden beispielsweise André Kostolany, George Soros, Warren Buffett, Carl Icahn, Seth Klarmann, David Einhorn oder John Paulson gerne als Börsengurus bezeichnet.

Freitag, 21. November 2014

Jubiläum: seit drei Jahren wird hier intelligent investiert

Der dritte Geburtstag dieses Blogs könnte beinahe schon Routine sein. Doch so ist es nicht. Zugegeben, ich habe immer mal wieder Phasen, wo ich mir die Sinnfrage stelle, wo das Schreibenmüssen auch eine Last sein kann, wenn ich mir Themen aus den Fingern saugen muss und es schwer fällt, Begeisterung zu simulieren. Allerdings überwiegen ganz deutlich die anderen Momente, in denen ich mit Freude an diesem Blog arbeite, meine Gedanken digital zu Papier bringen und mich mit meinem liebsten Hobby beschäftige: dem Investieren in Aktien.

Layout anno 2013
Und dieses Blog ist inzwischen Teil dieses Hobbys, es erwirtschaftet so geringe Einnahmen durch Klicks auf die beiden Amazon-Buchempfehlungskisten oder durch die ein, zwei gesponsorten Beiträge pro Jahr, dass die Fixkosten gerade so gedeckt sind. Aber ich betreibe das Blog auch nicht zum Geldverdienen. Daher auch keine überbordenden Google-Werbebanner und -anzeigen. Nein, dieses Blog schreibe ich für mich. Sorry, Leute, ihr seid nur Nutznießer meines Egoismus, was das angeht. Denn ich schreibe, um mich selbst immer wieder zu disziplinieren, mir immer wieder die Regeln, meine Regeln, des Investmenthandwerks ins Gedächtnis zu rufen. Durch das Schreiben werde ich gezwungen, die Dinge intensiver zu durchdenken und so lerne ich. Und ich schreibe, weil ich andere Menschen dazu bringen möchte, ihr Erspartes, ihr Vermögen so anzulegen, dass es sicher und gesichert Erträge abwirft. Was das Investieren angeht, bin ich Überzeugungstäter. Ihr müsst es ertragen. Oder auch nicht. Das Internet ist wohl mit der radikalste Markt, ganz nach dem Verständnis Adam Smiths.

Montag, 17. November 2014

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 3. Quartal 2014?

Value Investor Warren Buffett musste wieder einmal für seine Investmentholding Berkshire Hathaway das sog. Formular 13-F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen, ein vierteljährlich vorzulegendes Dokument, in dem er seine An- und Verkäufe offenlegen muss.

Wichtigste Käufe
Berkshire kaufte für rund 32 Mio. USD 450.000 Aktien von Express Scripts Holding Co. und erwarb weitere 7 Mio. Aktien von General Motors, an denen man nun ein Aktienpaket von 40 Mio. Anteilen im Wert von rund 1,3 Mrd. USD hält. Des Weiteren wurden Medienaktien aufgestockt, wie DirecTV, Viacom und bei Liberty Global verdreifachte sich der gehaltene Anteil gar. Außerdem kaufte man weitere 2,6 Mio. Aktien von Charter Communications und hält nun 5 Mio. Anteile in einem Gesamtwert von 750 Mio. USD. Weitere Käufe betrafen Mastercard mit 665.000 und Visa mit 436.000 Aktien. An den beiden hält Berkshire nun rund 348 Mio. und 448 Mio. USD. Auch bei IBM hat er weitere 304.000 Aktien zugekauft, rund 2 Mio. Stück von Suncor Energy und rund 1,6 Mio. Aktien von Walmart Stores.

Wichtigste Verkäufe
Der Anteil von 4 Mio. Stück am Landmaschinenhersteller Deere & Co. wurde komplett verkauft und von Bank of New York Mellon annähernd 1,3 Mio. Aktien. Seinen Bestand von ConocoPhillips verringerte er um weitere 880.000 Anteile, ebenso 920.000 Aktien von National Oilwell Varco sowie 293.000 Stücke von Phillips 66.

Börsenweisheit der Woche 46/2014

"Die Bären machen Schlagzeilen, die Bullen machen Geld."
(Bernard Baruch)

Freitag, 14. November 2014

Immobilien-Aktien: (Zu) viel heiße Luft in den Kursen?

Mit Immobilienanlagen ist in Deutschland kein Geld zu verdienen, sieht man von kurzen, dann aber rasanten, Preissteigerungsphasen einmal ab. Eine solche erleben wir seit 2010, obwohl nach Angaben des IVD das Preisniveau für Eigentumswohnungen noch immer rund 10 Prozent unter dem von vor 20 Jahren liegt. Selbstverständlich gilt das für das bundesweite Durchschnittsniveau, nicht für die boomenden Metropolen wie München, Hamburg, Berlin oder Frankfurt.

An den deutschen Börsen notieren inzwischen viele Immobilienunternehmen und es sind viele Schwergewichte darunter. Ob nun Adler Real Estate, Alstria Office REITColonia Real Estate, Deutsche AnningtonDeutsche Euroshop, Deutsche Wohnen, DIC Asset, Fair Value REITGAG Immobilien, Gagfah S.A., Hamborner REIT, KWG Kommunale Wohnen, LEG ImmobilienPatrizia Immobilien, Prime Office REITTAG Immobilien, VIB Vermögen oder YOUNIQ, die Auswahl ist fast grenzenlos, Anleger können zwischen Investments in Privat- und Gewerbeimmobilien wählen, Einkaufszentren oder Studentenwohnheimen.

Ihnen allen ist gemein, dass sie börsennotiert sind und Anleger daher gerne den fairen Wert des Portfolios kennen möchten, um diesen ins Verhältnis zum Börsenwert zu setzen. Hier haben sich als Kennzahl anstelle des sonst gebräuchlichen Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) die Funds From Operations (FFO) bewährt. Die FFO zeigen die Entwicklung des Cashflows aus dem operativen Geschäfts an und wird aus dem Ergebnis vor Abschreibungen und Steuern und den Gewinnen aus Verkäufen und Entwicklungsprojekten ermittelt. Sie dienen als Indikator für die Entwicklung der Dividendenhöhe und der künftigen Investitionsfähigkeit des Unternehmens. Und hier braut sich Ungemach zusammen...

Ein wesentliches Element für Immobilieninvestments sind die Mieteinnahmen. Sie ermöglichen die Investitionen in die Bausubstanz, um die Immobilie zu erhalten und wenn unter dem Strich noch Geld übrig bleibt, freut sich der Eigentümer. Da Immobilienunternehmen üblicherweise nicht nur Eigenkapital investieren, sondern auch in erheblichem Maße Fremdkapital, meistens in Form von Bankkrediten, profitierten sie in den vergangenen Jahren massiv vom immer weiter sinkenden Zinsniveau. Denn selbst ohne Mietsteigerungen erhöhte sich die Rendite aufgrund der gesunkenen Zinsen, die sie für ihre Kredite aufwenden mussten.

Das bleibt nicht ohne positive Folgen auf die Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung und hat die Anlegerherzen nun schon länger erfreut. Aber es wirkt sich eben auch auf den Wert des Immobilienbestandes aus durch die höhere erzielbare Rendite. Kein Wunder, dass die Kurse vieler Immobilienaktien in den letzten Jahren fast nur den Weg nach oben kannten. Nach dem neuen Bilanzrecht finden diese Wertzuschläge als sog. Zuschreibungen Eingang in die Bilanzen und pushen diese teilweise beträchtlich, wenn beispielsweise ein größeres Immobilienportfolio übernommen wurde und dieses dann deutlich höher bewertet wird, als es dem eben gezahlten Kaufpreis entspricht.

Das eine Risiko ist, dass sich zunehmend heiße Bewertungsluft in den Bilanzen schlummert und die großen Kursgewinne der Vergangenheit vielleicht deutlich ambitionierter waren als der reale Wertzuwachs. Das zukünftig aber wie ein Damoklesschwert über den Immobilienaktien lauernde Problem ist, dass das Zinsniveau nicht dauerhaft bei quasi Null verharren wird. Ich wage keine Prognose, ob die Zinsen in 2015, 2016 oder später wieder steigen werden, aber sie werden. Und dann kehrt sich der Prozess radikal um. Dann sorgt das steigende Zinsniveau dafür, dass die Rendite sinkt, denn nach Jahren starker Mietsteigerungen nähern wir uns auch hier dem Ende der Fahnenstange. Es wird in absehbarer Zeit auch in  den Boom-Regionen bald an Menschen fehlen, die die hohen Mieten noch bezahlen können, so dass das Mietniveau zumindest nicht weiter steigen wird. Die sinkende Rendite wird dann dazu führen, dass die Immobilienbestände weniger wert sind. Anstelle der bisher erfolgten Zuschreibungen werden dann die Bestände heruntergeschrieben werden müssen mit entsprechend negativen Auswirkungen auf die Bilanzen - und den Wert der Immobilienunternehmen. Und sinkt deren Wert, liegt es nahe davon auszugehen, dass auch ihr Börsenkurs diesem Wertverlust zeitnah folgen wird. Ich fürchte, dass dieser Anpassungsprozess nicht schmerzlos vorübergehen, sondern dass es hier dann eher starke und schnelle Kursrücksetzer geben wird. Einen stetigen Abschwung in Wellen.

Ich bin kein Prophet, ich weiß nicht, wann die Trendwende kommt, nur dass sie mit großer Wahrscheinlichkeit kommen wird. Daher halte ich Immobilienaktien für kein gutes Investment mehr auf mittlere und lange Sicht. Und ich verzichte gerne auf die noch möglichen Kursgewinne in der näheren Zukunft, da mir hier das Risiko die Chancen deutlich überwiegt. Es gibt genügend andere interessante Investmentmöglichkeiten an der Börse.

Donnerstag, 13. November 2014

Duracell-Übernahme: Buffett kauft das Batterie-Häschen!

Warren Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway schlägt wieder zu und wird das Batteriegeschäft des weltgrößten Konsumgüterkonzerns Procter & Gamble übernehmen, das dieser kürzlich zum Verkauf gestellt hatte. Die unter der Marke Duracell betriebene Sparte soll für 4,7 Mrd. USD in P&G-Aktien aus Berkshires Portfolio den Besitzer wechseln. Buffett hielt rund 2 Prozent der P&G-Aktien, die seine fünftgrößte Einzelposition ausmachten. Vor dem Verkauf, der im zweiten Halbjahr 2015 abgeschlossen sein solle, werde P&G Duracell noch mit 1,7 Mrd. USD frischem Kapitals ausstatten. Diese ungewöhnliche Struktur der Transaktion erlaube es sowohl Berkshire als auch P&G, Steuern zu sparen.

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Mittwoch, 12. November 2014

Finanzinvestoren: Heuschrecken als Value-Investment?

In Asien gelten Heuschrecken als Delikatesse, im biblischen Ägypten waren sie als alles verzehrende Plage gefürchtet. Und dass Finanzinvestoren als Heuschrecken bezeichnet werden, liegt eher an der Assoziation zu den biblischen Plagen. Denn Finanzinvestoren haben den Ruf, ein wehrloses Unternehmen aufzukaufen, diesem den Kaufpreis in Form von Neuverschuldung aufzudrücken und so gleich wieder ihr eingesetztes Kapital in Sicherheit zu bringen. Anschließend muss das unter der gewaltigen Schuldenlast ächzende Unternehmen eine radikale Rosskur durchlaufen, um seine alten und durch die neuen Schulden zusätzlichen Probleme zu bewältigen. Das geht oftmals mit Standortschließungen und Entlassungen einher. So jedenfalls die öffentliche Wahrnehmung. Doch es steckt schon noch etwas mehr dahinter, auch wenn Finanzinvestoren wie Kohlberg Kravis Roberts & Co. L.P. (KKR) oder Blackstone Group L.P. sicher nicht die "Good Guys" sind, denn ihr (ausschließliches) Ziel ist und bleibt, Geld für ihre Investoren zu machen.

Einige von KKRs Engagements in Deutschland finden sich in regelmäßigen Abständen in der Presse wieder: da wäre ATU (Auto Teiler Unger), die KKR 2004 für 1,45 Mrd. EUR übernahmen und an der man sich seit Jahren versuchte ohne wirklich positive Resultate vorweisen können. Ende 2013 zog KKR die Reißleine, verbuchte eine halbe Mrd. EUR als Verlust und gab das Unternehmen an einen anderen Finanzinvestor, Centerbridge Partners, für einen EUR ab.

Weitaus positiver verlief es hingegen mit dem Investment in die Linde-Staplersparte, die heute unter Kion firmiert, weltweit der zweitgrößte Anbieter von Flurförderfahrzeugen ist (vor der drittplatzierten Jungheinrich AG aus Hamburg). Das Unternehmen wurde fit gemacht und an die Börse gebracht - gerade bauten die Investoren ihren Anteil ab von 29 auf jetzt noch knapp 19 Prozent. Eine echte Erfolgsgeschichte.

Und auch die ProSiebenSat1 Media AG hat vom Einstieg des Finanzinvestors stark profitiert. Unter KKRs Ägide konzentrierte man sich auf das Kerngeschäft, veräußerte die verlustreichen und über ganz Europa verstreuten Beteiligungen und fokussierte sich zunehmend auch auf den Bereich digitale Medien. Das Unternehmen ist heute weit mehr als eine Fernsehsenderfamilie und strebt als börsennotiertes Schwergewicht inzwischen sogar Richtung Aufnahme in den deutschen Leitindex DAX.

Noch nicht abzuschätzen ist das Engagement bei WMF (Wuerttembergische Metallwarenfabrik), dem Hersteller von Haushalts-, Gastronomie- und Hotelleriewaren, den KKR übernommen hat und wo gerade der Squeeze-out für die restlichen Aktionäre läuft. KKR will das Unternehmen von der Börse nehmen, um es in aller Ruhe neu zu positionieren und auf (mehr) Erfolg zu trimmen. Insbesondere die Standort- und Personalreduzierungen nehmen dabei großen Raum in der Presseberichterstattung ein. Ich hatte WMF lange Zeit selbst auf meiner Empfehlungsliste.

Neben diesen direkten Investments in Unternehmen suchen die Finanzinvestoren immer wieder nach alternativen Geldanlagemöglichkeiten und hier bieten sich interessante Optionen. Denn sie unterliegen nicht den gleichen strengen staatlichen Restriktionen wie Banken, daher sind es in der Regel Finanzinvestoren, die in Schieflage geratenen Banken die sog. "faulen" Kreditpakete abkaufen. Wenn also die Bankenaufsicht die Commerzbank oder die HSH Nordbank zwingt, ihre Risikoaktiva abzubauen, dann geschieht dies oftmals an KKR oder Blackstone, die diese Pakete dann mit großen Abschlag erwerben. So kaufen sie Forderungen der Banken zu teilweise 50 oder 60 Prozent des Nominalwertes ein und versuchen dann, diese zu Geld zu machen. Was ihnen in Anbetracht eines deutlich anziehenden Immobilienmarktes in den USA auch zunehmend gut gelingt. Und bei Schiffskrediten setzen sie auf eine Erholung der Weltkonjunktur eine wieder höhere Auslastung der Frachtraten. Aus Sicht des Steuerzahlers ist dies kritisch zu sehen, denn dieser hat die Banken vor einigen Jahren auf seine Kosten retten müssen - die Renditen fahren aber heute und künftig die Finanzinvestoren ein.

Finanzinvestoren sind also nicht per se "Bad Guys" und moralisch auch nicht schlechtere Investments als Rüstungskonzerne oder Tabakunternehmen. Und wenn man sich die vielen Skandale der Banken ansieht, kann man schnell zu dem Schluss kommen, dass Finanzinvestoren ganz normale Unternehmen sind. Und einige sind börsennotiert, wie KKR und Blackstone, und bieten so auch Kleinanlegern die Möglichkeit, von ihrem Geschäftssinn zu profitieren.

Bewertung
Dabei ist zu beachten, dass die Jahresüberschüsse, viel stärker aber noch die  Quartalsergebnisse, teilweise heftigen Schwankungen unterliegen. Das resultiert daraus, dass neben wiederkehrenden Einnahmen, z.B. aus dem Investment in Off-Shore-Windparks, sich Überschüsse in erster Linie aus Veräußerungen von Beteiligungen ergeben. Und die fallen nicht regelmäßig an, sondern sporadisch. Es ist also mit einiger Unsicherheit behaftet, die bisherigen Ergebnisse einfach linear auf die Zukunft fortzuschreiben. Und doch... unter der Annahme, dass das Wirtschafts- und Börsenklima nicht gravierende Einbrüche erlebt, kann man davon ausgehen, dass die Geschäfte auf ähnlicher Basis weiterlaufen dürften.

Blackstone
Die Aktie notiert aktuell bei 31,70 USD, umgerechnet gut 26 EUR. Der Gewinn je Aktie (EPS) betrug 2013 3,07 USD und wird für 2014 mit 3,105 USD erwartet und für 2015 mit 3,595 USD. Das ergibt ein 2014er Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 10 und ein für 2015 von  8,7. Die Dividendenhistorie gibt für 2014 vier Quartalsdividenden an mit 0,58 USD, 0,35 USD, 0,55 USD und 0,44 USD. Zusammen sind das 1,92 USD für 2014 und beim aktuellen Kurs ergibt sich hieraus eine Dividendenrendite von 6,05 Prozent. Für 2015 wird ein weiterer Anstieg auf 2,32 USD erwartet was einer Rendite von fast 7,3 Prozent entspräche.

KKR & Co.
Die Aktie wird zu 21,80 USD gehandelt, also etwa 17,40 EUR. Das EPS lag 2013 bei 2,99 und wird für 2014 bei 2,39 und 2015 bei 2,99 USD taxiert. Hieraus ergeben sich für 2014 ein KGV von 8,9 und für 2015 von 8,4.  Die Dividendenhistorie gibt für 2014 vier Quartalsdividenden an mit 0,48 USD, 0,43 USD, 0,67 USD und 0,45 USD. In der Summe also 2,03 USD und bezogen auf den aktuellen Aktienkurs eine Dividendenrendite von 9,3 Prozent. Für 2015 wird eine leicht niedrigere Dividendenausschüttung von 1,91 USD erwartet, was noch immer eine Rendite von 8,75 Prozent ergäbe.

Beiden Unternehmen ist gemein, dass sie in USD gehandelt werden und somit die Gewinne, insbesondere aber auch die Quartalsdividenden den Wechselkursschwankungen zwischen USD und EUR unterliegen. Tendenziell sollte der Euro gegenüber dem Dollar die nächsten Jahre eher zur Schwäche neigen, so dass sich hier eher kein Risiko ergeben sollte, vielmehr sogar die Chance auf zusätzliche Kursaufschläge und höhere Dividendenzahlungen in EUR.

Fazit
Sowohl Blackstone als auch KKR & Co. präsentieren sich als attraktive, aber auch spekulative Investments. Mit Marktkapitalisierungen von 13 bzw. 7,5 Mrd. EUR sind beides schon Dickschiffe und beide sind global tätig, um für ihre Investoren lukrative Anlagemöglichkeiten aufzustöbern. Der recht niedrigen Bewertung steht das Risiko gegenüber, dass ein Einbrechen der Konjunktur und/oder der Börsenkurse erhebliche Auswirkungen auf das Geschäftsmodell hätte. Wie die Vergangenheit zeigt, haben beide Unternehmen derartige Phasen jedoch gut überstanden und ihren Anlegern mittel- und langfristig hohe Renditen eingebracht. Und für Anleger, die auf hohe Dividendenerträge schauen, sind beide Unternehmen ebenfalls einen zweiten Blick wert, da sie hohe Gewinne erwirtschaften und diese zu einem großen Teil an ihre Aktionäre auskehren.

Von den nackten Zahlen her scheint KKR & Co. die bessere Wahl zu sein. Allerdings bietet sich aufgrund des doch sehr ähnlichen Geschäftsmodells an, einfach hälftig in beide Unternehmen zu investieren, so dass Sondersituationen bei einem Unternehmen innerhalb dieses Brancheninvestments diversifiziert würden.

Einen Hinweis erlaube ich mir noch zu Orders für diese beiden Aktien in Deutschland: vormittags weisen die Spreads zwischen Kauf- und Verkaufskursen teilweise mehrere Prozentpunkte auf. Wer nachmittags ordert sobald die Wallstreet ab 15:30 MEZ geöffnet hat, stößt auf erheblich geringere Spreads.

Ich nehme Blackstone und KKR auf meine Empfehlungsliste.

Dienstag, 11. November 2014

Leifheit: unaufgeregtes solides Wachstum

Seit zwei Jahren habe ich den Haushaltsgerätehersteller Leifheit auf meiner Empfehlungsliste, Zeit für ein Update. Denn das Unternehmen hat Zahlen vorgelegt und daraufhin seine EBIT-Prognose angehoben. Die Zahlen sind schnell berichtet:
  • Stabiler Konzernumsatz von 161,7 Mio. EUR
  • Markengeschäft wächst mit 2,5 Prozent im Rahmen der Prognose
  • Bruttomarge verbessert auf 47,1 Prozent
  • EBIT steigt auch aufgrund Währungseffekten auf 16,2 Mio. EUR
  • Ergebnisprognose für Gesamtjahr angehoben, Umsatzziel unverändert
Nachdem man in 2013 die eigenen Ziele noch verfehlt hatte, scheint die Fokussierung auf die Kernmarken Leifheit und Söhnle (Waagen) Früchte zu tragen. Auf dem aktuellen Kursniveau von rund 46,50 EUR liegt das 2015er KGV bei 17 und die für 2014 erwartete Dividendenrendite bei 3,9%. Die Marktkapitalisierung liegt bei 228 Mio. EUR und hat sich seit meiner Empfehlung fast verdoppelt. Dem entsprechend hat der Kurs inkl. Bruttodividendenausschüttungen um 82 Prozent zugelegt. Ein solides Investment mit weiterhin guten Aussichten, aber da war doch noch was...?

Richtig, Ende 2012 thematisierte ich die aufkommende Übernahmephantasie, weil sich die Eigentümerfamilien gerade von ihren Anteilen an der Schuler AG getrennt und auch angekündigt hatten, ihre Leifheit-Beteiligung abgeben zu wollen. Hinter den beiden Gesellschaften HOME Beteiligungen GmbH und MKV Verwaltungs GmbH, die damals 49 und 10 Prozent an Leifheit hielten, verbergen sich die Gründerfamilien Schuler-Voith und Knapp-Voith, deren Kinder andere Interessen hätten. Wie wir alle wissen, hat sich diese Übernahmespekulation bisher nicht konkretisiert. Aber dennoch gab es entscheidende Veränderungen. Denn während Ende 2012 ein Interessent noch mit beide Gesellschaften hätte sprechen müssen, reicht inzwischen zum einfachen Kontrollerwerb eine Einigung mit der HOME Beteiligungen GmbH. Die kaufen in unregelmäßigen Abständen Aktien des Unternehmens zu, zuletzt im Oktober, als insgesamt 12.145 Stück für rund eine halbe Mio. EUR zugekauft wurden, so dass die HOME Beteiligungen von Schuler-Voith nunmehr alleine auf einen Anteilsbesitz von 50,49 Prozent kommt.

Anders als vor zwei Jahren befindet sich Leifheit aktuell nicht mehr im Umbruch, die Trennung vom langjährigen Vorstandschef Georg Thaller wegen "unterschiedlicher Auffassungen über die zukünftige strategische Ausrichtung" Mitte vergangenen Jahres hat sich augenscheinlich als durchaus erfolgreich erwiesen. Und die guten Zahlen sollten ein Übriges tun - heute wäre das Unternehmen zweifelsfrei einfacher zu veräußern, wenn die Gründerenkel sich denn überhaupt noch trennen wollen. Denn nach der großen Verkaufsankündigung kam ein halbes Jahr später der ebenso knappe Widerruf.

Für Aktionäre ist diese Gemengelage weiterhin eine komfortable Situation, denn die gute Geschäftsentwicklung und die attraktive Dividendenrendite laden zum Verweilen ein und die möglichen Verkaufspläne der Mehrheitsaktionäre sorgen auch künftig für zusätzliche Würze.

Leifheit befindet sich auf meiner Empfehlungliste.

Montag, 10. November 2014

Börsenweisheit der Woche 45/2014

"Bullenmärkte werden im Pessimismus geboren; sie wachsen bei Skepsis, reifen im Optimismus und sterben bei Euphorie."
(Sir John Templeton)

Freitag, 7. November 2014

Bundeskartellamt lässt Deutsche Telekom beim Vectoring punkten

Eine wichtige Entscheidung für die Deutsche Telekom hat heute das Bundeskartellamt gefällt: es erhebt keinen Einspruch gegen die von der Telekom und ihrem Konkurrenten O2 (Telefonica Deutschland-Tochter, ehemals E-Plus) Kooperationspläne beim Ausbau des schnellen Internets, also dem Vectoring beim VDSL-Ausbau.
Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes: "Das wettbewerbliche Umfeld des Breitbandausbaus hat sich in den letzten Jahren verändert. Wettbewerber der Telekom haben sich entschieden, auf weiteren Eigenausbau zu verzichten und stattdessen mit der Telekom zu kooperieren. Heute ist absehbar, dass es vorerst nicht zu einem flächendeckenden, parallelen Ausbau von Kupfer- und Glasfasernetzen kommen wird. (...) Telekom und Telefónica haben Kooperationsverträge vorgelegt, auf Basis derer sie zukünftig beim Angebot von schnellen Breitbandanschlüssen enger zusammenarbeiten wollen. Telefónica möchte ihren Kunden Breitbandanschlüsse mit schnellerer Übertragung (so genannte NGA-Anschlüsse, hier insbesondere VDSL-Vectoring) anbieten, was ihr allein wirtschaftlich nicht möglich ist. Die Telekom erwartet sich von dieser Kooperation, den Breitbandausbau mit schnelleren Anschlüssen in bereits erschlossenen Gebieten künftig in kürzerer Zeit leisten zu können".
Das Entscheidende ist nicht nur der Zeitfaktor, sondern auch die damit einhergehenden erheblich geringeren Investitionskosten. Die Deutsche Telekom kann die alten Kupferleitungen, die heute in jedes Gebäude in Deutschland führen, weiternutzen durch den Glasfaserausbau in den Straßen und neue Verteilerkästen mit neuer Software als Infrastruktur. Die Ausbaukosten werden nur einen Bruchteil betragen gegenüber einem vollständigen Ausbau mit Glasfaserkabel in jeden Haushalt. Und die Telekom wird auch künftig Netznutzungsentgelte (von Ihren Konkurrenten) bekommen, wenn deren Kunden die neuen Verträge abschließen und das neue, schnelle Internet nutzen. Ich hatte die sich hier bietenden enormen Chancen für die Deutsche Telekom bereits im Sommer unter dem Titel "Deutsche Telekom: Siechtum oder Renaissance?" thematisiert und dies zum Anlass genommen, den Wert auf meine Empfehlungsliste zu setzen.

Donnerstag, 6. November 2014

Starke Zahlen von Jungheinrich sorgen für Auftrieb

Der Hersteller von Flurförderfahrzeugen hat heute Zahlen vorgelegt für das dritte Quartal und nachdem gestern schon der ebenfalls börsennotierte Mitbewerber Kion sehr gute Zahlen präsentierte, konnte man fast schon davon ausgehen, dass es bei Jungheinrich nicht zu negativen Überraschungen kommen sollte. Aber das...

Als konjunktursensibler Wert steht der Staplerhersteller natürlich unter Beobachtung, denn die konjunkturellen Aussichten trüben sich zunehmend ein. So spricht Jungheinrich selbst auch von "ersten Anzeichen von Unsicherheit in der globalen Konjunkturentwicklung", weist aber im gleichen Atemzug drauf hin, dass sich der Weltmarkt für Flurförderzeuge in den ersten neun Monaten des Jahres ein Wachstum von 9 Prozent auf 818.600 Fahrzeuge (Vorjahr: 752.000 Fahrzeuge) aufweisen konnte. Europa, der Hauptabsatzmarkt für Jungheinrich, wies dabei sogar einen Anstieg von 11 Prozent auf. Dem entsprechend liegt der Auftragseingang um 8 Prozent über Vorjahreswert und die Auftragsreichweite macht nun 4 volle Monate aus.

Die nackten Zahlen
Die Umsatzerlöse lagen im 3. Quartal 2014 mit 615 Mio. EUR um 10 Prozent über dem Vorjahreswert (560 Mio. EUR). In den ersten neun Monaten 2014 stieg der Konzernumsatz um 9 Prozent auf 1.792 Mio. EUR (Vorjahr: 1.638 Mio. EUR).

Der stark gestiegene Konzernumsatz ist im Wesentlichen auf die deutlich überproportional gestiegenen Erlöse im Neugeschäft zurückzuführen. Die Umsätze bei Miet- und Gebrauchtgeräten sowie im Kundendienst entwickelten sich im 3. Quartal ebenfalls sehr positiv. In den ersten neun Monaten 2014 erzielte der Jungheinrich-Konzern im Neugeschäft eine Umsatzsteigerung von 14 Prozent auf 966 Mio. EUR (Vorjahr: 846 Mio. EUR). Das Miet- und Gebrauchtgerätegeschäft wuchs insgesamt um 9 Prozent auf 315 Mio. EUR (Vorjahr: 290 Mio. EUR). Der Kundendienstumsatz erhöhte sich um 4 Prozent auf 540 Mio. EUR (Vorjahr: 517 Mio. EUR). Das Finanzdienstleistungsgeschäft trug mit einem um 8 Prozent gestiegenen Umsatz von 427 Mio. EUR (Vorjahr: 396 Mio. EUR) ebenfalls zum Wachstum bei.

Der Jungheinrich-Konzern hat das EBIT im 3. Quartal 2014 um 12 Prozent auf 46,8 Mio. EUR (Vorjahr: 41,8 Mio. EUR) gesteigert. In den ersten neun Monaten des Geschäftsjahres stieg das EBIT um 8 Prozent auf 133,4 Mio. EUR (Vorjahr: 123,9 Mio. EUR). Die Umsatzrendite lag bei 7,4 Prozent (Vorjahr: 7,6 Prozent). Das Ergebnis nach Steuern legte im 3. Quartal 2014 um 16 Prozent auf 31,1 Mio. EUR zu (Vorjahr: 26,8 Mio. EUR) und verzeichnete kumuliert einen Anstieg um 14 Prozent auf 87,0 Mio. EUR (Vorjahr: 76,1 Mio. EUR). Entsprechend ergab sich nach neun Monaten ein Ergebnis je Vorzugsaktie von 2,59 EUR (Vorjahr: 2,27 EUR).

Bewertung
Asien entwickelt sich immer mehr zum Wachstumstreiber, doch gerade in der Kernregion Deutschland läuft es für Jungheinrich absolut rund. Nun könnte man meinen, dass das im Verhältnis zum Neugeschäft etwas weniger stark zunehmende Service- und Reparaturgeschäft negativ zu werten seien, aber genau das Gegenteil ist der Fall. Das starke Neugeschäft wird auch künftig im Bereich Wartung- und Reparatur zu hohen Wachstumsraten führen, da ja mehr Fahrzeuge verkauft wurden. Und diese Sparte wird noch deutlich ausgebaut. So werden die Kapazitäten im Aufarbeitungszentrum in Dresden bis 2018 auf 8.000 Fahrzeuge jährlich annähernd verdoppelt werden. Nach Schätzung der Berenberg Bank fährt Jungheinrich inzwischen rund 85 Prozent seiner Gewinne mit Serviceleistungen ein und der Serviceanteil mache bereits 40 Prozent vom Umsatz aus. Es zahlt sich eben aus, dass rund 40 Prozent der Geräte verleast werden und somit dem Jungheinrich-Service unterstehen.

Fazit
Im August hatte ich Jungheinrich erstmals unter die Lupe genommen und hatte den Wert zu 42,75 EUR auf die Empfehlungsliste genommen. Im Zuge der allgemeinen Konsolidierung an den Börsen hat auch dieser Aktienkurs kräftig nachgegeben und ist bis auf knapp unter 40 EUR gefallen. Inzwischen hat er sich deutlich erholt und strebt gen Norden. Angesichts der mehr als guten Zahlen und der hervorragenden Aussichten sollten Aktionäre noch lange Freude an ihrem Unternehmen und dem Kurs seiner Aktien haben. Mit einem 2015er KGV von 11,5 und einer 2014er Dividendenrendite von 2,1 Prozent ist der Titel weiterhin kaufenswert für Langfristanleger.

Jungheinrich befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 3. November 2014

Börsenweisheit der Woche 44/2014

"Die Wallstreet verdient ihr Geld mit hektischer Betriebsamkeit. Verdienen Sie Ihr Geld lieber in Ruhe."
(Warren Buffett)

Montag, 27. Oktober 2014

Börsenweisheit der Woche 43/2014

"Ein Investition in Wissen bringt immer noch die besten Zinsen."
(Benjamin Franklin)

Donnerstag, 23. Oktober 2014

Die Leiden des Warren Buffett

Warren Buffett investiert langfristig und zwar nur in Unternehmen, dessen Management er vertraut. Auch aus diesem Grund misst er Quartalsergebnissen keine Bedeutung zu, er orientiert sich an den Jahresabschlüssen. Bevor er z.B. in IBM investiert, hatte er zuvor die Geschäftsberichte der letzten 50 vergangenen Jahre studiert. Nun ist wieder Berichtssaison und für einige Werte aus Berkshire Hathaways Portfolio kommt es knüppeldick.

Coca Cola
Der Softdrinkhersteller ist mit 15,75% bzw. 16,9 Mrd. USD der zweitgrößte Brocken in Buffets Depot. Im dritten Quartal fiel der Nettogewinn im Vergleich zum Vorjahr von 2,4 auf 2,1 Mrd. USD (1,6 Mrd. EUR) und der Umsatz lag so gut wie unverändert bei etwa 12 Mrd. USD. Damit einhergehend kassierte das Unternehmen seine Prognose für das laufende Jahr und seine langfristige Umsatzprognose. Die Aktien sackten gut 7 Prozent ab.

IBM
Der Technologiekonzern, mit 11,82% bzw. 12,7 Mrd. USD die viertgrößte Position im Berkshire-Portfolio, vermeldete endlich den Verkauf seiner verlustträchtigen Chipsparte, muss allerdings noch 1,5 Mrd. USD Mitgift auf den Tisch legen. Den Kurssturz von mehr als 10 Prozent löste aber die Meldung über die enttäuschenden Unternehmenszahlen des dritten Quartals aus: der Umsatz erreichte 23,37 Mrd. USD, der Gewinn pro Aktie liegt bei 3,46 USD, prognostiziert waren 4,31 USD.

Walmart
Und auch der fünftgrößte Wert (4,1 Prozent bzw. 4,4 Mrd. USD) enttäuschte kolossal und kassierte seine Prognose ein. Immerhin soll es noch knapp 3 Prozent Wachstum geben und so brach der Kurs auch nur um vergleichsweise geringe 4 Prozent ein.

Tesco
Diese Kursabstürze sind aber nichts verglichen mit dem Trauerspiel beim britischen Einzelhandelskonzern, dessen Aktienwert sich seit Jahresbeginn rund halbiert hat und der seit Jahren keine Antwort auf die aggressive Konkurrenz von Aldi und Lidl findet. Ende August hatte Tesco seine Gewinnprognose zusammengestrichen und nun muss auch die Bilanz überprüft werden aufgrund zu hoch angegebener Gewinnerwartungen. Buffett hatte dem Konzern jahrelang die Treue gehalten, auch wegen der hohen Dividendenrendite. Die Dividende war allerdings in diesem Jahr drastisch zusammengestrichen worden, so dass selbst Buffett keine überzeugenden Argumente mehr einfielen. Bei CNBC bewertete er sein Tesco-Engagement als einen großen Fehler.

Wells Fargo
Trotz der heftigen Kurseinbrüche dieser Positionen macht sich der Aktienkurs von Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway selbst auf, ein neues Allzeithoch zu erreichen. Dazu dürfte beigetragen haben, dass die mit Abstand größte Position, Wells Fargo (22,64% bzw. 22,4 Mrd. USD), herausragende Ergebnisse präsentierte. Wells Fargo verdiente im dritten Quartal unter dem Strich 5,7 Mrd. USD und damit knapp 200 Mio. USD mehr als J.P. Morgan Chase. Hier dürfte sich Warren Buffett, der Wells Fargo mehrfach zu seiner Lieblingsaktie ausgerufen hatte, einmal mehr bestätigt sehen.

Buffett dürfte seiner Linie treu bleiben und dem Management der Firmen vertrauen. Er geht davon aus, dass diese am besten mit den Problemen umzugehen verstehen, die sich im Leben eines Unternehmens immer wieder mal stellen. Herausforderungen sind dazu da, um gemeistert zu werden. Nur wenn Warren Buffet das Gefühl hat, das Management agiere falsch oder schlecht, trennt er sich von den entsprechenden Aktien. So geschehen bei Kraft Foods, als Buffett die sauteure Übernahme des britischen Konkurrenten Cadbury scharf kritisierte und seitdem stetig seinen Anteil verringert. Oder bei ConocoPhillips oder eben jetzt bei Tesco.

Buffetts seit mehr als 40 Jahren bewährter Value-Investing-Ansatz wird auch weiterhin hohe Renditen einfahren, auch wenn immer mal wieder einzelne Investment Probleme bereiten. Der steigende Kurs seiner Investmentholding spiegelt die Zuversicht der Anteilseigner wieder und dürfte auch künftig fast nur eine Richtung kennen: nach Norden.