Donnerstag, 16. August 2018

Börse und die Psychologie der Massen. Oder weshalb Lemminge keine guten Anleger sind...

Immer wieder erleben wir Korrekturen an den Finanzmärkten, teilweise heftige. Und auch wenn der DAX gerade neue Allzeithochs markiert, ist er doch in den letzten Jahren mehrfach kräftig eingebrochen, mal um 2.000 Punkte mal um mehr als 1.000. Und ganz schnell kippt in diesen Phasen dann die Stimmung und Panik macht sich breit, die Angst vor dem großen Crash.

Rückblickend scheint es immer einfach gewesen zu sein, an der Börse Geld zu verdienen. Jeder Kurvenbewegung kann ein Ereignis zugeordnet werden und man hat schnell eine Erklärung parat, warum der Index dies oder die Aktie das getan hat. Und man kann sich leicht zu dem Gedanken hinreißen lassen, "hätte ich da mal...". Irgendwie hat man bei den Hochs immer das Gefühl gehabt, verkaufen zu sollen, und bei den Tiefs, den richtigen Einstiegszeitpunkt erahnt zu haben. Nur entsprechend gehandelt hat man selten.

Was daran liegt, dass es nach vorne schauend nicht ganz so einfach ist, an der Börse Geld zu verdienen. Der Durchschnittsanleger ist nämlich ein Herdentier, ein Lemming, und wer meint, dies sei eine ziemlich negative Charakterisierung, der hat recht. Denn die Masse der Anleger verliert Geld und die große Mehrheit der Fondsmanager performt schlechter als ihr Vergleichsindex. Doch woran liegt das bloß, halten Anleger sich doch bei Befragungen stets für "überdurchschnittlich" erfolgreich?


Die Antwort ist  so simpel wie einleuchtend: Psychologie. Wenn Aktien steigen, will jeder dabei sein und die Kursgewinne mitnehmen. Und wenn die Börse abwärts rauscht, will jeder aussteigen, möglichst schnell und zu jedem Preis. Was psychologisch nachvollziehbar ist ("Behavioral Finance"), ist dann auch der Grund, weshalb Anleger nicht besser, sondern überwiegend schlechter abschneiden als der Gesamtmarkt. Sie folgen der Herde und können daher nicht besser sein. In der Wahrnehmung konzentrieren sich immer mehr Anleger auf die gleichen Risiken und Themen und überhöhen somit ihre Bedeutung (sog. "Attention Bias") - mit entsprechend starken Auswirkungen auf die Aktienkurse.

»Sei ängstlich, wenn andere gierig sind. Sei gierig, wenn andere ängstlich sind.«
(Warren Buffett)

Allerdings gibt es leuchtende Beispiele, dass es auch anders geht. Solche, wie Warren Buffett, der seit 50 Jahren an der Börse agiert und eine durchschnittliche Performance von an die 20 Prozent aufzuweisen hat. Jahr für Jahr. Doch Buffett und andere folgen nicht dem Markt, sondern sie nutzen seine Mechanismen nur gnadenlos aus. Sie kaufen, wenn alle anderen verkaufen und sie verkaufen, wenn jeder Aktien haben will. Dazu braucht es Mut, ungeheuren Mut, denn sich gegen die vorherrschende Meinung zu stellen heißt, in den Augen der anderen närrisch zu sein. Solange, bis einem der Markt zustimmt.

Die erfolgreichen Anleger sind bereit diesen Preis zu zahlen. Der Durchschnittsbürger und Durchschnittsanleger nicht, er möchte mit der Herde laufen, aber natürlich besser als sie abschneiden. Was eben so gut wie unmöglich ist, das liegt in der Natur der Sache.

»Es ist unmöglich, überdurchschnittliche Renditen zu erreichen, wenn man nicht anders handelt als die Mehrheit.«
(Sir John Templeton)

Wer also nicht die Charakterfestigkeit aufbringt, eisern an einmal festgesetzten Prinzipien festzuhalten, und zwar genau dann, wenn es schwer ist, muss dennoch nicht gleich einen Bogen um die Börse machen. Denn in Anbetracht der quasi nicht vorhandenen Alternativen, sind Aktien aus einem erfolgreichen Depot zur Vermögensanlage nicht wegzudenken. Gerade wir Deutschen haben die fatale Neigung, uns lieber auf Sparbücher und die staatliche Rente zu verlassen - beides keine gute Idee. Denn das eine bringt kaum noch Zinsen, während das andere kaum noch eine auskömmliche Rentenhöhe verspricht. Und wer glaubt, im Alter mit der Hälfte seiner bisherigen Einkünfte auszukommen, sollte es einfach mal versuchen. Und zwar sofort. Er sollte einen Aktien-ETF-Sparplan anlegen und monatlich die Hälfte seines Nettoeinkommens als Sparrate dort einzahlen. Dann dürfte er im Alter kaum Probleme haben, seinen Lebensstandard zu halten. Nein, umgekehrt, da sich ja heute schon die Ausgaben um die Sparrate verringert würden, stünde beim Renteneintritt sogar mehr Einkommen zur Verfügung, nämlich das aus dem ETF. Aber ich wage zu behaupten, dass kaum jemand in der Lage ist, einfach mal so mit der Hälfte seines monatlichen Einkommens auszukommen. Nicht ohne erhebliche Einschränkungen und Änderung der Gewohnheiten.

Und wer meint, er müsse die aktuelle turbulente Marktphase erst einmal abwarten, bevor er Aktien kauft, dem möchte ich folgendes Zitat ans Herz legen:

»Der Aktienmarkt ist der einzige Markt, vor dem die Leute weglaufen, wenn dort ein Ausverkauf stattfindet.«
(Martin D. Sass)

Es wird immer Unsicherheiten im Leben geben und so auch an der Börse. Daher sollte man nicht auf windige Storys setzen, sondern auf solide Unternehmen mit etabliertem Geschäftsmodell, vertrauensvollem Management und stetigen, am besten steigenden, Cashflows und Gewinnen. Und wenn dieses Unternehmen dann auch noch eine nachhaltige Dividende ausschüttet, wird es statistisch gesehen sogar besser abschneiden als seine vergleichbaren börsennotierten Konkurrenten.

Beherzigen Anleger diese einfachen Grundregeln, dann folgen sie dem Weg des Quality Investing, dem Anlagestil, den Value-Investor Warren Buffett geprägt und der ihn zu einem der reichsten Menschen der Welt gemacht hat. Und wenn wir als Herdentiere schon anderen hinterher laufen, dann doch besser den Erfolgreichen als einfach nur stumpf der Masse. Lemminge kämen mit cleveren Anführern auch besser über die Klippen... ähh die Runden.

Kommentare:

  1. Super guter Artikel. Mindset ist alles.

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  2. Klasse geschrieben...es ist (oft) richtig Dinge zu kaufen die gerade kaum einer haben will...zur Zeit kauft kaum einer Silber oder Kryptocoins...wer weiß wie die Preise dafür in 1-3 Jahren aussehen...

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    1. Haha, Kryptocoins... Du willst mich doch provozieren... ^^

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    2. Hi zusammen,

      in Kryptos bin ich auch investiert, aber mit einem MEGA geringen Anteil. Es ist richtig, dass es mega spekulativ ist.
      Ich bin selber Softwareentwickler und habe mich mit der Technologie auseinander gesetzt.

      Ich selber sehe die Blockchain, Tangle etc. Projekte als zukunftsweisend. Es wird einfach so sein, wenn wir in ein paar Jahren auch die Infrastruktur(1 TB Leitungen) haben, dass sehr viel in unserem Alltag über Blockchain oder Tangles laufen wird.
      Ob die entsprechenden Tokens von bestimmten Projekten massiv an Wert gewinnen wird sich noch zeigen.
      Ripple (XRP) ist zum Beispiel eines der Projekte die schon einige von uns normalen Bürgern in Anspruch nehmen. Hier geht es um Sekunden schnelle Überweisungen von Bank A zu Bank B und das transaktionssicher.

      Auch hier gilt: Man muss sich intensiv damit auseinander setzen um es zu verstehen und zu Begreifen. Auch wenn man es begriffen hat, dann wirklich NUR SPIEL-Geld in kleinen Mengen nehmen.

      Eine Aktie eines soliden Unternehmen ist im Vergleich zu Kryptos ein sicheres Sparbuch!
      Und das aus dem Munde eines Entwicklers der begeistert ist von der Technologie.

      Gruss
      Andre

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  3. Wie könnte ich nur...ich sehe es so...man sollte auf keinen Fall alle Eier in einen Korb legen...Diversifikation das sollte klar sein...die Klassiker eben...Immobilien, Silber, Gold, Aktien sowie vielleicht noch ein paar Beteiligungen in Start Up´s und falls jetzt noch Kohle übrig ist könnte man die in ein paar Coins stecken...Ich sehe es pragmatisch der Markt ist in diesem Jahr um ca.75 % gefallen und jetzt will die Dinger kaum einer haben...zudem den starken Händen noch die Sicherheit (Regeln) fehlen um einzusteigen...wie du schon oben schreibst...auch mal gegen den Strom schwimmen.

    Aber abgesehen davon...natürlich sind Aktien oder ETF´s die Basis der finanziellen Freiheit...alle wollen so reich werden wie WB aber nur wenige gehen seinen Weg...weil es eben (viel) länger dauert...und auch eine finanzielle Weiterbildung gehört dazu. Und dein Blog ist zudem ein wunderbarer Teil dieser Weiterbildung.

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    1. Kaufen, wenn andere verkaufen ist zwar gut, aber gilt nicht für alles, wie bereits richtig im obigen Artikel geschrieben steht. Kryptowährungen, Gold und Silber erwirtschaften allerdings nichts. Leute, die in solche Dinge investieren, hoffen lediglich, dass irgendjemand mal mehr bereit ist dafür zu zahlen... das sind Spekulanten. Ein Investor hingegen kauft Anteile an sehr guten Unternehmen (Aktien), wenn diese günstig zu haben sind. Hier investiert man in die Wirtschaftsleistung des jeweiligen Unternehmens und an diese passt sich der Kurs langfristig an. Fällt der Kurs hingegen erstmal weiter, kann man sich ebenfalls freuen, da man noch günstiger an der Wirtschaftsleistung des jeweiligen Unternehmen teilhaben kann.

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  4. @Benjamin: leicht gesagt. Schwer ist für Bewertung. Insbesondere wenn es in die Zukunft gerichtet ist. Viele haben schon schlechtem Geld für nachgeworfen. Beispiele wir es auch daneben gehen kann, gibt es genügend.

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  5. Diese Hetzerei gegen Kryptos kann ich nicht ganz nachvollziehen. Es gehört zu einem diversifiziertem Portfolio einfach dazu. Jeden den man fragt würde Gold vorziehen. Warum? Weil man theoretisch etwas physisches in der Hand halten kann. Aber niemand weiß wie viel Gold es noch auf der Erde gibt, oder ob das Ende erreicht ist. Daher finde ich Gold viel unattraktiver als Kryptos. Klar ist da eine große Blase im letzten Jahr entstanden, aber so sind Bitcoins doch begrenzt. Und einen Wert haben sie: Sie entstehen durch den Verbrauch von Strom und sie wie gesagt begrenzt vorhanden. Bei Gold setzt sich der Wert doch nur dadurch zusammen, dass es nicht einfach an jeder Ecke vorhanden ist und Logistik, Personal etc. bezahlt werden muss.

    Ich halte Kryptos daher ebenfalls wie der User @anonym für eine sinnvolle Ergänzung, allerdings nicht als Hauptinvestment.

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    1. Diese Kryptoverehrung nimmt ja schon religiöse Züge an - alleine das ist schon ein weiteres Argument dagegen. Anderslautende Meinungen gleich pauschal als "Hetzerei" abzutun, halte ich für keine schlaue Vorgehensweise, gerade nicht, wenn es ums Investieren geht. Es gibt halt Menschen (wie mich), die keinen (Mehr-)Wert in Kryptowährungen sehen. Die fragen auch nicht (mehr), ob man vielleicht irgendwann vielleicht mal was Sinnvolles damit anstellen könnte. Kryptowährungen sind schlicht überflüssig! Und sie verschwenden Unmengen an Energie. Würde es heute und sofort keine Kryptowährung mehr geben, würde das außerhalb der Kryptoszene keinerlei Auswirkungen auf unser Leben haben. Soviel zur Relevanz.

      Ich will mich ehrlich gesagt mit dem Thema gar nicht mehr befassen. Ich spreche es hier im Blog auch aktiv nicht mehr an. Hier geht es um das Investieren in Werte - damit sind Krypotwährungen per Definition thematisch raus. Die taugen als Spekulationsobjekt, kann ja jeder gerne sein Geld für ausgeben. Aber sie sind keine Investition. Sind Lotterielose auch nicht oder Casino-Jettons - auch wenn man damit unter Umständen viel Geld verdienen kann.

      Dieses Blog heißt "Intelligent investieren" und nicht "Hot-Zock-Reporter". Die Kryptojünger können von mir aus gerne ihr Geld darauf setzen und darauf hoffen, dass sie nicht auf einen der Anbieter stoßen, der zu den 90% der Banditen gehört, die sich nur selbst die Taschen vollstopfen und die unbedarften Anleger abzocken. Aber nicht mit mir. Wer meine kritische und ablehnende Haltung als "Hetzerei" empfinden will, soll das tun. Klingt aber ziemlich abwertend nach BILD-Zeitungsüberschriftsleserniveau. Ich habe mir allerdings durchaus meine Meinung dadurch gebildet, dass ich so einiges zu dem Thema gelesen und darüber nachgedacht habe. Ich nehme für mich in Anspruch, mir eine fundierte meinung zu dem Thema gebildet zu haben. Ich will darüber aber gar nicht diskutieren, ich will daher auch keine inhaltlich total fundierte Analyse abliefern. Kryptowährungen sind nicht mein Thema! Punkt. Ich will auch mit niemandem über Religion diskutieren oder über Gott. Weil mich die Meinung der anderen zu dem Thema schlicht nicht interessiert. Diese Themen haben für mich keinerlei Relevanz - schon gar nicht in (m)einem Blog über intelligentes Investieren.

      Können wir also bitte wieder zum eigentlichen Thema zurückkommen? Das Investieren in Werte - und ggf. Börsenpsychologie? Danke. Und nichts für Ungut, meine Kryptoklatsche ist nicht gegen Dich persönlich gerichtet, Du hast nur den Anlass geboten...

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    2. Warum sollen Bitcoins einen Wert haben, nur weil für ihre Entstehung Strom verbraucht wird?

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    3. @Michael: Der Kommentar war nicht gegen dich persönlich gemünzt, sondern eher auf den Beitrag von Benjamin bezogen, hatte nicht auf seinen Beitrag geantwortet. Deine abweisende Haltung gegenüber Kryptos kenne ich, warum sollte ich hier diskutieren ob es gut ist oder nicht. Wenn man früh "investiert" hat, hat es sich doch gelohnt. Wir wollen doch alle das gleiche: Geld verdienen.

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  6. Als alternativinvest zu kryptos würde ich auch noch das sammeln von gebrauchten unterhosen empfehlen. Die sind auch nur begrenzt vorhanden und haben bei ihrer herstellung auch energie und ressourcen gekostet. ;)
    Sorry für den sarkasmus, aber beides spricht nicht für den wert eines "invests", das zweitgenannte ist sogar eher ein kritikpunkt - in einer zeit, wo wir noch auf atomstrom und fossile energie angewiesen sind trotz unabsehbarer langfristiger folgen, finde ich solche hanebüchenen spielereien wie das erstellen von kryptos verwerflich.
    Gruß andreas

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  7. Deine Meinung, kann ich auch nachvollziehen ;-)

    Allerdings werden Kryptos zum Teil mit Solarenergie hergestellt, daher fällt das Argument weg. Ich denke, hier ist der falsche Ort um darüber zu diskutieren.

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  8. Toller Artikel, spricht mir aus der Seele! Seinen Geist unter Kontrolle zu bringen, ist die größte Herausforderung.

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  9. Ich wollte dich nebenbei überhaupt nicht provozieren das war nur eine Äußerung am Rande mehr nicht...so um das ganze Gerede über Kryptos mal abzuschließen...immerhin sind wir hier auf einem ordentlichen Aktien Blog. Seine Emotionen sollte man an keiner Investition hängen egal an was...es ist ein Investment und soll gefälligst im Wert steigen, fertig. Es ist die Unsicherheit (Angst) über die Zukunft des FIAT Geldes in der Welt...man denke an diese immensen Schulden...wie (und wann) wird das enden ? Keiner hat diese Sagenumwobene Glaskugel...also ich denke das die Kryptos gekommen sind um zu bleiben, in welcher Form auch immer...sie werden irgendwann dazugehören...immerhin stecken schon über 213 Milliarden Dollar (CoinMarketCap) in diesen Projekten...Währungen möchte ich nicht sagen...und da man nicht weiß wer oder was sich durchsetzen wird habe ich mir einige Coins gekauft und warte ab...den Gewinn werde ich dann in Aktien stecken die dann Dividenden abwerfen. Aber wie gesagt NUR auf Kryptos setzen...wobei kenn ihr den tragischen Fall des Matthew Mellon...aus 2 Million werden 1.000 Millionen mit Ripple...

    Aktien sind immer noch die beste Basis für die finanzielle Freiheit wobei auch ein paar Kilo Silber nicht schaden können...ich habe mich breit aufgestellt und in unterschiedliche Assetklassen investiert eben auch in diese...K-Wort...

    Ich wünsche allen ein schönes Wochenende und sonnige Grüße aus FFM

    Erik

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    1. Moin Erik,
      ich hatte meine Bemerkung bzgl. des Provozierens ja auch scherzhaft gemeint. Eben weil ich eine bekanntermaßen sehr ablehnende Haltung zum Thema Kryptowährungen habe und das Thema hier ab und zu mal wieder hoch poppt, obwohl ich es ja bewusst (ver-)meide.
      Auch Dir ein schönes Wochenende und Grüße die Stadt des realen Geldes, die "City of the Euro"... ^^

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  10. Ich denke Kryptowährungen passen recht gut zu diesem Artikel, nämlich als Beispiel, bei dem die "Psychologie der Massen" und der Herdentrieb regiert, ohne dass man sagen könnte, auf welchen tatsächlichen Wert man dabei setzt. Denn ein Hauptargument der Käufer ist oft, dass man damit BISHER gute Gewinne machen konnte. So auch Erik hier weiter oben: "habe ich mir einige Coins gekauft und warte ab...den Gewinn..." Welchen Gewinn? Mit welcher Begründung sollte sich der Bitcoin-Kurs in Zukunft welchem tatsächlichen höheren Wert annähern? Die Hoffnung ist also allein, dass sich ein "greater Fool" finden wird, der dumm genug ist, in Zukunft mehr für einen Bitcoin zu bezahlen als heute. Die Berechnung eines tatsächlichen Wertes sind die Krypto-Jünger bisher schuldig geblieben.
    Vor 2001 konnte man am Neuen Markt auch bestens schnelle Gewinne machen. Bis mehr und mehr Leuten aufgefallen ist, dass sie meistens in heiße Luft investiert haben. Das kann also kein Argument sein.
    Nun noch zum großartigsten Argument der Bitcoin-Jünger: Bitcoin ist begrenzt! Das ist ja großartig. Wie soll denn jemals etwas als Währung taugen, wenn diese absolut begrenzt ist?! Eine Währung muss mit dem Wirtschaftswachstum standhalten können, sonst gibt es irgendwann massive Liquiditätsprobleme. Eine Inflationsrate von 2% gilt ja gemeinhin als gesund, Deflation als Katastrophe. Mit begrenzten Bitcoins würden wir geradewegs in die Deflation rennen. Das bedeutet dass diejenigen, die Bitcoins haben, sie nicht mehr hergeben wollen, weil sie ja wissen, dass sie in Zukunft immer mehr Waren dafür bekommen. Ein extremer Konsumrückgang und Wirtschaftsabschwung wären die Folge. Nutznießer wären allein die feudalen Bitcoin-Besitzer, die einfach nur abwarten müssen, um immer reicher zu werden. Wer keine Bitcoins hat, wird immer ärmer. Neben der allgemeinen wirtschaftlichen Katastrophe kommt also noch eine soziale Katastrophe hinzu.
    Fazit: Das Argument der Begrenztheit der Bitcoins, was angeblich Wertsteigerung sicherstellen soll, bedeutet gleichzeitig, dass so ein Konstrukt niemals gesetzliches Zahlungsmittel werden kann. Darauf wären Bitcoins aber angewiesen, wenn man ihnen einen Wert zuweisen wollte. Ohne diese Anerkennung ist es höchstens soviel Wert wie das Papier, auf dem die Euro-Scheine gedruckt sind.
    Und all das soll jetzt besser sein als die bösen Zentralbanken, die daran arbeiten, 2% Inflation hinzubekommen? Ehrlich gesagt habe ich weit mehr Vertrauen darin, dass die Zentralbanken, deren Präsidenten immerhin von gewählten Politikern bestimmt werden, eine gute Geldpolitik machen werden, als irgendwelche Bitcoin-Schürfer, die überhaupt keinen Anreiz haben, zum Wohle der Gesellschaft zu wirken, sondern nur ihrem eigenen Profit dienen.
    Also sorry, das Konstrukt stinkt zum Himmel, ist vollkommen undurchdacht und wird so niemals funktionieren. Daher ist der Wert von Bitcoin m.E. gleich Null.
    Etwas völlig anderes wäre es, wenn eine Zentralbank das von ihr verwaltete gesetzliche Zahlungsmittel mittels Blockchain unter die Leute bringen würde. Dann würde die Euros eben per Blockchain verwaltet. Wäre cool, hat aber nichts mit den bisherigen Kryptowährungen zu tun, die nicht von Zentralbanken kontrolliert werden.

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    1. Das wir eine Inflation brauchen stimmt nicht. Im 19. Jahrhundert war die Inflation gleich null. Trotzdem hatten wir ein größeres Wirtschaftswachstum als im 20. Jahrhundert.
      Eine Deflation ist sicher keine Katastrophe. Die Menschen kaufen, wenn Sie Dinge haben wollen. Im Bereich Elektronik haben wir eine technische Deflation. Fehrseher, Computer werden immer billiger, trotzdem gehn die Dinger weg wie warme Semmeln. Mit der Deflation in den 30ern kann man das nicht vergleichen. Die Leute verloren ihre Arbeit, hatten folglich kein Geld mehr und KONNTEN nichts mehr kaufen.
      Du Glaubst doch nicht allen Ernstes, dass Zentralbanker im Sinne des Volkes handeln, eher im Sinne der Großbanken. Die Zentralisierung der Geldpolitik passt auch irgenwie nicht zum Kapitalismus, sonder eher zur Planwirtschaft.
      Der Bitcoin ist sehr gut durchdacht, ließ das Whitepaper von Satoshi Nakamoto.
      Wenn mehr Menschen Bitcoin nutzen wird auch der Wert weiter steigen, ähnlich wie Gold. Nutzen hat es insofern nur, wenn es als Tauschmittel eingesetzt wird. Beim Bitcoin kann man zumindest nicht so bescheißen wie beim Gold, wo 90 Prozent Papiergold gehandelt wird, das quasi gar nicht existiert.
      Zum Thema Psychologie der Massen passt Bitcoin auch nicht. Welche Massen? Ich kenn kaum jemanden der Bitcoins besitzt. Ich denke mit den Kryptos sind wir derzeit da, wo wir Anfang der 90er mit dem Internet waren. Für die meisten Menschen schien es völlig nutzlos, nur wenige erkannten das Potenzial.

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    2. Über Inflation und Deflation würde ich hier nicht weiter diskutieren wollen, die Finanzwissenschaftler sind sich in dieser Frage recht einig, da werden wir hier nicht zu besseren Ergebnissen kommen. Das Argument, dass ein begrenztes Zahlungsmittel auf Dauer nicht funktionieren kann und zu extremer Ungleichheit führt, hast Du auch nicht entkräftet. Das ist mit Sicherheit nicht im Sinne des Volkes.
      Dass die Zentralbanker Geldpolitik im Sinne der Großbanken machen würden, ist so eine tendenzielle Aussage, die man in jede Richtung machen kann. Als ZB muss man halt alle vielfältigen Interessen im Blick haben und einen guten Mittelweg finden. Das hat die Bundesbank immer geschafft, und auch die EZB macht m.E. einen guten Job, denn die niedrigen Zinsen sind aktuell der richtige Kompromiss:
      1. Sie werden benötigt von den hoch verschuldeten europäischen Südstaaten. Schraubst Du die Zinsen aktuell hoch, machen Italien, Spanien, Portugal, Griechenland die Biege und der Euro bricht auseinander. Verstehst Du das unter einer verantwortungsvollen Geldpolitik in Europa?
      2. Sie nützen auch dem deutschen Staat, indem er massiv Zinsen spart.
      3. Sie nützen überhaupt allen, die verschuldet sind oder sich verschulden wollen, also z.B. alle Bürger, die sich Konsum finanzieren wollen.
      4. Sie nützen allen Sachwerte-Märkten, also Immobilien, Wertpapiere etc.
      5. Den einzigen, den sie nicht nützen, sind deutsche Sparer (seit jeher unrentable Anlageform) und, voilá, Großbanken und -Versicherungen! Keiner klagt so sehr über die niedrigen Zinsen wie diese. Das Argument, Zentralbanker würden mehr im Sinne der Großbanken als im Sinne des Volkes handeln, ist daher klar widerlegt.

      Die Zentralisierung der Geldpolitik passt im übrigen sehr gut zur sozialen Marktwirtschaft, denn überleg mal was passieren würde, wenn jeder sein eigenes Geld drucken könnte... Oder nur ein willkürlicher Teil der Bevölkerung, die gerade mit einem Haufen Grafikkarten und dem Stromverbrauch der Schweiz das Oligopol zum Gelddrucken hat. Eine geradezu apokalyptische Vorstellung.

      Massen und Bitcoins: Na die vielen Milliarden, die private Anleger in den letzten Jahren in Kryptowährungen gesteckt haben, was dazu geführt hat, dass die Bitcoin-Kurse von wenigen Cent auf 20.000€ gestiegen sind. Das müssen schon Massen gewesen sein, da die wenigsten Anleger über ein Milliardenvermögen verfügen. Institutionelle Anleger haben Kryptowährungen bisher gemieden.

      Die Frage, welchen Wert Bitcoin denn nun hat, bist Du, wie alle Kryptowährungspropheten, weiterhin schuldig geblieben. Wir hören immer nur "der Wert wird steigen". Eine Begründung wird nicht geliefert, und die Tatsachen des letzten Jahres sprechen auch eine andere Sprache. Abgesehen davon, dass wir mit "Wert" nicht den aktuellen Bitcoin-Kurs meinen.

      Der Mehrwert des Internet war von Anfang an sichtbar und nutzbar. Zunächst Datenaustausch zwischen Universitäten, dann Email-Kommunikation für jeden, dann Informationsbeschaffung aus der ganzen Welt, dann Einkaufen von zu Hause, dann weltweite soziale Netzwerke. Was ist der Mehrwert von Kryptowährungen?
      Die Analogie zum Internet sind nicht Kryptowährungen, sondern bestenfalls die Blockchain-Technologie.
      Bevor man Potenzial erkennen kann, muss es erstmal welches geben, und zwar in Form eines Mehrwerts. Du meinst, das Potenzial bestehe darin, dass mehr Menschen Bitcoin nutzen. Das ist aber kein Potenzial, das wäre eine Folge des Mehrwerts. Ohne Mehrwert wird aber niemand das Zeug nutzen. Das ist der Unterschied zu den ersten Tagen des Internet. Jeder, der damit in Berührung kam, wollte es sofort nutzen, weil es einen Mehrwert geboten hat.

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  11. Wichtig für den Erfolg ist es, nicht vom Markt wegzulaufen, wenn die Kurse sinken. Vielmehr langfristig investiert bleiben in Unternehmen, die langfristig Wettbewerbsvorteile, Burggraben, Umsatz- und Gewinnwachstum bzw. Stabilität bewiesen haben. Und bei Kursverfall: Nachkaufen.
    Viele Grüße
    Andreas

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