Mittwoch, 30. Dezember 2015

2015 war das Seuchenjahr des Warren Buffett

Star-Investor Warren Buffett schlägt mit der Aktienkursentwicklung seiner Beteiligungsholding Berkshire Hathaway regelmäßig den S&P 500 Index, doch in diesem Jahr liegt er ziemlich weit hinten. Und das, wo er sein 50. Jubiläum feiert als Chef von Berkshire Hathaway und auf eine durchschnittliche Aktienkursentwicklung von annähernd 20 Prozent blicken kann. Jahr für Jahr, wohlgemerkt.

Doch bereits nach dem zweiten Quartal zeichnete sich ab, dass es in diesem Jahr nicht einfach werden würde für Buffett. Denn einige seiner größten Aktienpositionen im Depot erwiesen sich Flops und das konnten die übrigen Werte nicht ausgleichen.

Unternehmen               Anteil per 30.09.      Kurs am 02.01.      Kurs am 31.12.    Veränderung
Wells Fargo                     18,95 %                  54,70 $                   55,00 $          +   0,05 %
Kraft Heinz Co. *)                     18,03 %                  72,96 $                  74,03 $          +   1,47 %
Coca Cola                     12,59 %                  42,14 $                  43,59 $          +   3,44 %
IBM                       9,22 %                162,06 $                139,93 $          -  13,66 %
American Express                       8,82 %                  93,02 $                  70,61 $          -  24,09 %
Phillips 66                       3,70 %                  72,29 $                  82,81 $          + 14,55 %
Procter & Gamble                       2,98 %                  90,44 $                  80,36 $           - 11,14 %
Walmart                       2,85 %                  85,90 $                  61,70 $           - 28,17 %
*) notiert erst seit 06.07.2015 an der Börse

 Berkshire Hathaway (Quelle: comdirect.de) 
Und so liegt denn die Aktienkursentwicklung von Berkshire Hathaway rund 11 Prozent hinter der Performance des S&P 500 und mit 10,47 Prozent sogar absolut betrachtet deutlich im Minus auf Jahressicht. Allerdings sollte man Buffett noch nicht abschreiben, denn zu seinen Beteiligungen gehören auch viele nicht börsennotierte Unternehmen, wie die Versicherung Geico, der Rückversicherer BH Re, die Eisenbahn BNSF oder der Energieversorger BH Energy (ehemals MidAmerican Energy). Hinzu kommen noch Preferred Stocks bzw. Wandelanleihen im Wert zweistelliger Milliardenbeträge bei Dow Chemical und der Bank of America.

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste. Sie ist wie ein Indexfonds von Werten mit herausragender Marktstellung und daher sollte die Aktie in keinem langfristig orientierten Depot fehlen.

Bing: Wird Microsofts vergessenes Business zur Cash-Cow?

Der Softwaregigant Microsoft ist bekannt für sein Windows-Betriebssystem, seine Office-Bürosoftware und seine Spielekonsole X-Box. Und natürlich seit der NOKIA-Übernahme auch noch für seine Handysparte mit den Lumia-Geräten. Daneben betreibt man noch etwas namens "bing", das niemand wirklich auf der Rechnung hat, dank seiner chronischen Erfolglosigkeit. Ein Suchmaschinen-David, der gegen Goliath Google niemals bestehen kann. Und doch...

Es war ein verzweifelter Versuch Microsofts, verloren gegangenen Boden gutzumachen, als man seine Suchmaschine bing 2009 zunächst als Beta-Version an den Markt brachte. Denn man hatte der Trend hin zum Internet völlig verschlafen und wollte hier Google den Milliardenmarkt der Online-Anzeigen nicht kampflos überlassen. Technisch war bing von Anfang an annähernd auf Augenhöhe, doch selbst die Kooperation mit Yahoo, die ihren eigenen Algorithmus zugunsten von bing aufgaben (und das natürlich für einen großen monatlichen Scheck von Microsoft), konnte Googles Dominanz kaum ankratzen. Im Jahr 2011 verbrannte bing pro Quartal 1 Milliarde Dollar! Inzwischen hat der chronisch erfolglose Internet-Dinosaurier Yahoo sich in Googles Arme geflüchtet und spätestens hier schien klar zu sein, dass Microsoft einen weiteren Kampf mit den übrigen Techgiganten verloren hatte.

 Microsoft (Quelle: comdirect.de) 
Allerdings ist alles anders in Redmont, seitdem Satya Nadella das Ruder bei Microsoft übernommen hat. Seine Strategie des "mobile first, cloud first" ist keine hohle Phrase, sondern inzwischen gelebte Firmenphilosophie. Und äußerst erfolgreich, wie die bereits mehr als 110 Millionen Mal installierte Version von Windows 10 belegt. Und genau hier liegt auch der Schlüssel für bings Zukunft, denn Microsoft hat seine Suchmaschine tief in Windows 10 verankert und dort zum Standard erhoben, verknüpft mit dem hervorragenden Sprachassistenten Cortana. Und beim neuen Internet-Browser Edge ist bing ebenfalls die Standardsuchmaschine und dank des zunehmenden Erfolgs der Lunima-Handys, die nun ebenfalls mit dem plattformunabhängigen Windows 10 betrieben werden, steigen die Suchanfragen via bing. In den USA konnte bing im Oktober immerhin 20,9% aller Suchanfragen verzeichnen, Platz 2 hinter Platzhirsch Google, der auf 63,9% kam - und wieder einmal etwas Federn lassen musste. Und auch wenn bing nur magere 0,1% zulegen konnte, vollzieht sich hinter den Kulissen ein dramatischer Wandel. Denn bing verbrennt kein Geld mehr, bing ist inzwischen profitabel. Und hat im letzten Quartal 1 Milliarde für Microsoft eingebracht. Das ist nicht weniger als ein Zeitenwandel, denn immer mehr Geräte werden auf Windows 10 upgedated und selbst die X-Box wird demnächst mit Windows 10 betrieben werden. Wir können also davon ausgehen, dass bings Marktanteil sich stetig weiter erhöhen wird zulasten von Google. Und da bing inzwischen profitabel ist und mehr Suchanfragen nicht zwangsläufig höhere Kosten verursachen, dürften die Margen und damit die Gewinne steigen. Damit ist Microsoft gelungen, was niemand für möglich gehalten hat: Googles Dominanz wankt, sein Geschäftsmodell ist nicht unangreifbar, sein ökonomischer Burggraben versandet.

Die Suchmaschine bing wird für Microsoft das "next big thing" und bringt dem Unternehmen eine weitere Geldquelle, die niemand auf dem Schirm hatte. Nadella schafft es, dass alle Sparten und Produkte stetig verbessert und profitabler werden und daher ist Microsoft trotz der sehr starken Performance des Aktienkurses im Jahr 2015 auch für die Zukunft meine erste Wahl unter den Tech-Giganten. Microsoft ist inzwischen kein verkanntes Value-Investment mehr, wie zu dem Zeitpunkt, als ich das Unternehmen auf meine Empfehlungsliste genommen habe. Es bleibt allerdings auch bei der inzwischen höheren Bewertung ein Value-Investment wert, denn die Gewinndynamik hat sich deutlich erhöht und das rechtfertigt ein höheres Bewertungsniveau.

Montag, 28. Dezember 2015

Börsenweisheit der Woche 52/2015

"John Maynard Keynes hat im Grunde gesagt: ‚Versuche nicht herauszufinden, was der Markt tut. Such dir ein Unternehmen heraus, das du verstehst, und konzentriere dich darauf‘".
(Warren Buffett)

Donnerstag, 24. Dezember 2015

Investor-Update: Burberry, KCAP, Main Street Capital, Suncor, TICC

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Doch noch eine Weihnachtsrallye...
Fast schon ein klassisches Börsenmuster: bis Mitte Dezember eher fallende Kurse, dann die Trendwende hin zur Jahresendrallye. Naja, Weihnachtsrallye, das Jahr ist ja noch nicht vorbei und wir haben noch drei Handelstage in diesem stimmungs- und schwankungsanfälligen Jahr 2015. Ich habe mich zu Weihnachten mit ein paar neuen Unternehmen beschenkt und musste mich auch von einem trennen, bei dem ich die Risiken nicht ausreichend gewürdigt, sondern zu sehr auf die Chancen geschaut hatte. Und den Preis dafür bezahlen muss(te).

Mittwoch, 23. Dezember 2015

MAX Automation: altmayerBTD-Verkauf endlich geglückt

Die im Hightech-Maschinenbau tätige Beteiligungsholding M.A.X. Automation kann heute die Beendigung ihrer Fokussierung auf ihr Kerngeschäft bekanntgeben. So wurden Vereinbarungen für den Verkauf der operativen Geschäfte der Gruppengesellschaft altmayerBTD GmbH & Co. KG geschlossen, bei denen sowohl der Betriebsteil BTD (Behältertechnik) als auch der Betriebsteil altmayer (Anlagenhersteller für Schüttgüter) im Rahmen von Asset Deals durch zwei Management Buy Out's (MBOs) mit wirtschaftlicher Wirkung zum 31. Dezember 2015 veräußert werden.

Mit diesen beiden Transaktionen schließt die M.A.X. Automation die vor rund zwei Jahren begonnene Fokussierung auf ihre Kernbereiche Industrieautomation und Umwelttechnik ab. 

Käufer für BTD mit Sitz in Dettenhausen nahe Stuttgart ist die BTD Behälter- und Speichertechnik Dettenhausen GmbH, die vollständig dem bisherigen Vorsitzenden der Geschäftsleitung von altmayerBTD, Udo Weinert, zuzurechnen ist. Der Kaufpreis bewegt sich im mittleren einstelligen Millionenbereich. Die Betriebsimmobilie in Dettenhausen wird an den Käufer vermietet, der eine Kaufoption für den betriebsnotwendigen Teil hat.

Die Aktivitäten von altmayer mit Sitz im saarländischen Rehlingen werden an eine Erwerbsgesellschaft veräußert, deren Gesellschafter der altmayer-Geschäftsführer Andreas Weber, einige Mitarbeiter und ein Privatinvestor sind. Der Kaufpreis liegt im unteren einstelligen Millionenbereich. Der Vollzug dieser Transaktion wird nach Erfüllung aller vertraglichen Bedingungen bis Ende Januar 2016 erwartet.

Die Verkäufe der beiden Betriebsteile werden im Konzernabschluss 2015 zu einem Veräußerungsverlust führen. Dem steht eine stille Reserve aus der im Vermögen der MAX Automation verbleibenden Immobilie in Dettenhausen gegenüber. Ungeachtet des Veräußerungsverlustes bestätigt der Vorstand die Prognose für das Gesamtjahr 2015 und geht unverändert von einem Konzern-EBIT zwischen 20 und 22 Mio. EUR aus.

Durch die Veräußerung wird sich die MAX Automation künftig voll auf ihre neuen Bereiche Industrieautomation und Umwelttechnik konzentrieren, wie seit dem Einstieg der Günther-Gruppe als neuem Großaktionär vor rund zwei Jahren als strategisches Ziel vorgegeben.

Deutsche Beteiligungs AG gelingt Millionen-Exit

Die Deutsche Beteiligungs AG (DBAG) hat die Spheros-Gruppe, einen Hersteller von Klimasystemen für Busse, an den börsennotierten französischen Automobilzulieferer Valeo verkauft. Diese übernimmt sämtliche Anteile, die von der DBAG direkt gehaltenen werden und darüber hinaus auch die des von der DBAG verwalteten DBAG Fund V, weiterer Co-Investoren sowie des Spheros-Managements. Der Vollzug der unterzeichneten Kaufverträge steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der Kartellbehörden.

Die DBAG hatte die Spheros-Gruppe im Dezember 2011 erworben und erzielt mit dem jetzt vereinbarten Veräußerungserlös mehr als das Doppelte des ursprünglichen Investments in Höhe von 13,9 Mio. EUR. Der Veräußerungserlös übersteigt den Wertansatz der Beteiligung im jüngsten Konzernabschluss der DBAG nach IFRS (30. September 2015) und  führt deshalb im IFRS-Zwischenabschluss der DBAG für das erste Quartal 2015/2016 (31. Dezember 2015) zu einem Ergebnisbeitrag von bis zu 4 Mio. EUR. Da allerdings in der Bilanz der DBAG nach dem deutschen HGB alle Beteiligungen mit ihren jeweiligen ursprünglichen Anschaffungskosten bewertet sind, ergibt sich nach HGB ein Veräußerungsgewinn zwischen 15 und 18 Mio EUR.

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Dienstag, 22. Dezember 2015

TICC Capital: Aktionäre lassen BSP-Deal durchfallen

Das TICC-Board möchte den externen Manager der BDC (Business Development Company) wechseln und war sich bereits mit einem Anbieter einig, mit Benefit Street Partners (BSP). So sollen die bestehenden Assets aus CLOs und "Syndicated Loans" abgewickelt werden und im Anschluss auf "Private Debts" gesetzt werden. Doch immer mehr Aktionäre hinterfragten diesen Deal kritisch und sind der Meinung, es wäre lediglich der beste Deal für die Board-Mitglieder, nicht aber für die Aktionäre. Und so gab es Gegenvorschläge und sogar gerichtliche Auseinandersetzungen über die Zukunft von TICC.

Heute fand nun die lange erwartete außerordentliche Hauptversammlung statt, auf der die Entscheidung fallen sollte. Und die Mehrheit sprach sich für die Annahme des BSP-Angebots aus, aber es waren nicht genug Stimmen, um die Zweidrittel-Hürde zu überspringen, die hier nötig gewesen wäre. Der Deal mit BSP ist damit gescheitert.

Da auch die alternativen Angebote keine Mehrheit finden würden, dürfte es nun darauf hinauslaufen, dass eine Investmentbank damit beauftragt wird, die Alternativen und darauf basierend den besten Deal für die TICC-Aktionäre auszuloten - genau so, wie bereits von mehreren großen TICC-Aktionären im Vorfeld dieser außerordentlichen Hauptversammlung gefordert wurde.

Unter dem Strich bleibt jedenfalls die Erkenntnis, dass sich das TICC-Board aus reinem Eigennutz über alle Bedenken hinweggesetzt hat, um das für sich Beste herauszuschlagen. Und damit kolossal gescheitert ist! Die weitere Entwicklung dürfte spannend bleiben - man kann jedenfalls davon ausgehen, dass die nächsten Angebote mehr Wert für die TICC-Aktionäre bieten werden. Ob TICC Capital Corp. eine eigenständige BDC bleiben, oder ob sie fusioniert bzw. einfach übernommen wird, bleibt abzuwarten. Bis dahin "trösten" sich die Aktionäre mit der üppigen Quartalsdividende von 0,29 USD. Bei einem aktuellen Börsenkurs von 5,35 EUR und einem EUD/USD-Verhältnis von 1,09 ergibt dies eine annualisierte Dividendenrendite von satten 19,9 Prozent. Allerdings dürfte die Dividende von 0,29 USD je Quartal nicht mehr lange auf diesem hohen Niveau verbleiben können, denn auch bei TICC - wie anderen BDCs - dürften einige Assets niedriger bewertet werden müssen, was dem Engagement in der US-Fracking-Industrie geschuldet ist.

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Beteiligungsgesellschaften: die Perlentaucher des deutschen Mittelstands

Ziemlich genau drei Jahre ist es her, dass ich hier darüber schrieb, welche Potenziale deutsche Beteiligungsgesellschaften bergen. Zeit für ein Resümee und eine Überarbeitung.

Anlass war seinerzeit, dass der mir persönliche bekannte damalige DIHK-Präsident Hans Heinrich Driftmann eine Studie seines Hauses vorgelegt hatte, wonach 56 Prozent der Existenzgründer Schwierigkeiten hätten, die Finanzierung einer Betriebsübernahme zu stemmen. Das hat(te) insofern besorgniserregende Auswirkungen, als dass auch heute noch 40.000 deutsche Unternehmen auf der Suche nach einem geeigneten Nachfolger sind, der das Unternehmen fortzuführen bereit ist.

Und ironischerweise betraf dies kürzlich auch das Elmshorner Unternehmen Kölln-Flocken, deren Geschicke Hans Heinrich Driftmann Jahrzehnte lang als Geschäftsführender Gesellschafter gelenkt hat und nun an die Spitze des Aufsichtsrates wechselt*). Auch die Kölln-Werke, bekannt für ihre hervorragenden Frühstücksmüslis, Livio- und Mazola-Öl, haben sich mit dem ehemaligen schleswig-holsteinischen Umwelt- und Landwirtschaftsminister Dr. Christian von Boetticher nun erstmals einen externen Manager ins Boot holen müssen. Allerdings bleibt die Familie Kölln/Driftmann Eigentümer des Unternehmens.

Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft und stellt rund 90 Prozent aller Arbeitsplätze, weshalb ungesicherte Unternehmensnachfolgen nicht nur für den jeweiligen Betrieb alleine ein Problem darstellen, sondern auch für die Mitarbeiter und unsere Volkswirtschaft als Ganzes.

Doch was des einen Leid, ist des anderen Freud oder hier eher die Chance. Denn für Beteiligungsunternehmen ist es eine große Chance, ein schier unendlicher Markt, um ihre Aktivitäten zu entfalten. Das hat auch Warren Buffett erkannt, als er mit seiner Beteiligungsholding Berkshire Hathaway Anfang des Jahres für 400 Mio. USD den Hamburger Produzenten für Motorradzubehör Detlev Louis übernahm. Die Summe ist für Buffetts Verhältnisse eher bescheiden, kauft er doch gerade für 37 Mrd. USD den Luftfahrtzulieferer Precision Castparts. Doch der Louis-Deal stellt für ihn eine Art Türöffner dar: "Wir haben den Code für Deutschland geknackt", sagte er.

Nun, Buffett kommt nach Deutschland, um sich hier nach interessanten Übernahmemöglichkeiten umzusehen. Und viele deutsche Unternehmen sind schon da und ebenfalls auf der Suche nach den schönsten Perlen des deutschen Mittelstands. Die sind zumeist nicht billig zu haben, sondern erfordern heutzutage erhebliche Anstrengungen, um mit ihnen einen Mehrwert zu erzielen. Vor einigen Jahren reichte es noch aus, ein Unternehmen zu kaufen und auf einen allgemeinen Aufschwung des Marktes zu setzen, um mit Profit wieder aussteigen zu können. Doch heute sind die Anforderungen gewachsen und nicht selten müssen die Beteiligungsgesellschaften ihre neuen Töchter erst noch aufwändig hochpäppeln, um ihre Potenziale zu bergen. Durch Add-on-Käufe, durch Sanierungen und Umstrukturierungen. Das nimmt Zeit und Geld in Anspruch und nicht immer führen die Anstrengungen zum gewünschten Ergebnis: dem gewinnträchtigen Verkauf. Daher reicht es auch für Anleger nicht (mehr), einfach irgendeine der vielen an deutschen Börsen notierten Beteiligungsgesellschaften zu kaufen, sondern er muss schon die richtigen erwischen, um selbst an den großen Chancen dieser Branche teilhaben zu können. Wir schauen uns daher mal eine Reihe von möglichen Kandidaten kurz an. Dabei lassen wir Frühphasenentwickler ("Venture Capital") wie die mic AG und reine Investmentgesellschaften, die in Aktien börsennotierten Unternehmen investieren, wie die Allerthal-Werke AG, die Scherzer & Co. AG oder die Shareholder Value Beteiligungen AG außen vor.

Montag, 21. Dezember 2015

Börsenweisheit der Woche 51/2015

"Sinnvolles Investieren ist... einfach mal nichts zu tun".
(Michael C. Kissig)

Freitag, 18. Dezember 2015

Investor-Update: DBAG, Dow Chemical, Paul Hartmann

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Zinswende, na und?
Der lang erwartete Zinsentscheid der US-Notenbank ist endlich da. Und nachdem die meisten Marktteilnehmer von einem Börsenabsturz ausgingen - und sich daher schon mit ausreichend Cash aufmunitioniert bzw. Aktien verkauft hatten - gingen die Börsen mächtig ab, getreu dem Motto "Buy the rumors, sell the facts". Der Euro hat auch nicht wirklich mehr nachgegeben gegenüber dem Dollar, auch hier war schon viel eingepreist. Allerdings denke ich, dass der Dollar mittelfristig tendenziell weiter zur Stärke neigen dürfte, was einerseits den US-Unternehmen operativ Sorgen bereiten, andererseits aber für die Dividendenausschüttungen und Aktienkurse auf Euro-Basis nette Zugewinne bieten könnte. Da ich für Europa und besonders Deutschland momentan positiv(er) gestimmt bin als für die USA, sehe ich eher hier weitere Kaufgelegenheiten und werde selektiv zuschlagen.

+ Deutsche Beteiligungs AG
Eine der ältesten deutschen Beteiligungsgesellschaften, bei der mit knapp 20 Prozent die Drogerie-Familie Rossmann an Bord ist. Das SDAX-Mitglied ist etwas anders aufgestellt als Aurelius und weniger auf Sanierung und Exit aus, sondern mehr auf Bestandsaufbau wie auch meine beiden Investments M.A.X. Automation  und MBB. Daneben hat man vor einigen Jahren, klassisch wie Finanzinvestoren KKR oder Blackstone, Beteiligungsfonds aufgelegt, in die Investoren Geld einbringen können, ohne sich an der DBAG AG beteiligen zu müssen. Die DBAG übernimmt an diesen Fonds auch selbst Anteile bzw. tritt bei Investment des Fonds als Co-Investor mit auf. Zusätzlich erhält sie von den Fonds noch Management Fees. 2014 war ein Ausnahmejahr durch den Verkauf der mit Abstand größten Beteiligung Homag AG und des daraus resultierenden Rekordgewinns (sowie entsprechender Rekorddividende). Das ist so nicht wieder zu erwarten, aber das viele Geld wird sukzessive in neuen Unternehmen investiert, daher dürften Umsatz und Gewinne kräftig ansteigen. Die jüngste Dividendenankündigung von 50 Cents Basisdividende und 50 Cents Jubiläumsaufschlag sorgte für leichte Enttäuschung bei einigen Anlegern, die aufgrund der hohen Ausschüttung für 2014 von einer höheren Gesamtdividende ausgingen. Ich hingegen halte es für sinnvoller, die Liquidität in weitere interessante und renditeabwerfende Übernahmen zu investieren und finde eine Dividendenrendite von 3,5 Prozent durchaus attraktiv (genug). Eine weitere Mittelstandsperle, die ich mir Montagmorgen für 27 EUR in mein Depot gelegt habe.

- Dow Chemical
Die Chemiebranche sieht sich weltweit mit der schwächelnden Konjunktur konfrontiert, doch die Fusionsankündigung von Dow Chemical mit DuPont hat den Aktienkurs gegen den Trend mächtig beflügelt. Auf die Fusion soll dann die Aufspaltung in drei separate Sparten-Unternehmen erfolgen und zwar im Wege eines Spin-offs. Das ist für deutsche Anleger insofern ein Problem, als dass leider immer noch nicht abschließend gesetzlich geregelt ist, wie diese Spin-offs ausländischer Unternehmen steuerrechtlich zu bewerten sind. Daher werden sie vom deutschen Fiskus teilweise als Ausschüttung an die Aktionäre betrachtet und wie Dividenden versteuert - ein echt unschöner Nebeneffekt. Das werde ich mir ersparen und habe die hohen Kurszuwächse genutzt und meinen Bestand an Dow Chemical zu knapp 52 EUR veräußert. Nach vier Monaten verbleibt inkl. vereinnahmter Bruttodividenden ein Gewinn von knapp 52 Prozent.

+ Paul Hartmann
Wie der Zufall so spielt durfte ich kürzlich einen spontanen mehrtägigen Krankenhausaufenthalt über mich ergehen lassen und dabei sind mir diverse Hartmann-Gerätschaften ins Auge gefallen. Ich erinnerte mich dunkel daran, mir diese Firma vor zwei, drei Jahren schon mal angesehen zu haben, da stand der Kurs über 100 EUR niedriger, aber ich habe nicht investiert. Nicht weil das Unternehmen nicht interessant wäre, ganz im Gegenteil. Aber es wies einen erheblichen Makel auf: 80 Prozent der Anteile waren in einer Hand gebündelt, nämlich einem Pool von Aktionären, die so eine (feindliche) Übernahme verhindern wollten. Verkäufe der Pool-Mitglieder waren ausschließlich außerbörslich und untereinander möglich. Der Freefloat war dem entsprechend gering und das Handelsvolumen von wenigen hundert Stücken war für mich ein K.O.-Kriterium. Denn wenn bei dem Unternehmen etwas schief läuft und alle gleichzeitig verkaufen wollen, fällt der Kurs ins Bodenlose. Auch bei einem Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von über 1,4 Milliarden Euro. Doch nun ist alles anders... Naja, einiges. Denn der Pool-Vertrag wurde aufgelöst und alle Aktien können theoretisch wieder über die Börse verkauft werden.

Doch was ist nun der Charme dieses Unternehmens für mich als Investor? Paul Hartmann stellt eine breite Palette an medizinischen Produkten her, von Verbandsmaterialien über Pflege- und Desinfektionsmittel hin zur Inkontinenzversorgung. Alles Themen, mit denen man absolut nichts zu tun haben will, aber wenn man dann doch betroffen ist, führt kaum ein Weg vorbei an den Produkten von Paul Hartmann. Und die meisten bekommt man davon "voll automatisch" verabreicht, weil sie die Pfleger und Ärzte in den Praxen und Krankenhäusern verwenden.

Unsere Bevölkerung wird immer älter und das Thema Infektionen spielt eine immer stärkere Rolle - so erklärt sich der Wachstumsmarkt für Paul Hartmann. Und der ist langweilig, aber krisensicher. Und durchaus lukrativ. In den ersten 9 Monaten konnte das Unternehmen seinen Umsatz um 4,5 Prozent auf 1,4 Mrd EUR steigern und das EBIT sogar um 9,5 Prozent auf knapp 100 Mio. EUR. Der gleiche Betrag blieb auch als Freier Cashflow übrig, eine Steigerung im Jahresvergleich um 130 Prozent. Die Eigenkapitalquote liegt bei soliden 55 Prozent und eine Nettoverschuldung sucht man vergebens. Für Langfristanleger also ein solider Wert mit stetigen, moderaten Zuwachsraten und begrenztem Risiko. Dafür bietet Paul Hartmann eine Dividendenrendite von 2 Prozent und ein 2016er KGV von etwa 12. Und natürlich wieder aufkeimende Übernahmephantasie, denn der Pool-Vertrag der Schutzgemeinschaft war Ergebnis eines (gescheiterten) Übernahmeversuchs des Finanzinvestors Apax im Jahr 2008. Gut möglich, dass die solide Bilanz und das krisenfeste Geschäftsfeld nach dem Ende der Schutzgemeinschaft wieder Finanzinvestoren oder interessierte Konkurrenten auf den Plan ruft. Zumal der Großaktionär alleine über gut 50 Prozent der Anteile verfügt und hier schnell Nägel mit Köpfen gemacht werden könnten, wenn man sich mit diesem einig wird. Ich bin seit Mittwoch zu 380 EUR an Bord und werde so meinen nächsten Krankenhausaufenthalt viel mehr genießen können, weil er mir dann etwas Geld in die eigenen Taschen spült. Wenn er sich denn schon nicht vermeiden lässt.


.: Cashquote
Meine Cashquote liegt weiterhin bei knapp 10 Prozent, dank des Dow Chemical-Teilverkaufs sowie diverser Dividendeneinnahmen, die ich in meine beiden Neuerwerbungen investiert habe.

WCM kauft weiter kräftig zu

Die auf Gewerbe- und Handelsflächen spezialisierte WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG vermeldete soeben den Ankauf weiterer Liegenschaften. So kaufte man zwei im Bau befindliche Fachmarktzentren im Berliner Umland und in Sachsen-Anhalt, die nach Fertigstellung im 3. und 4. Quartal 2016 schlüsselfertig übergeben werden. Als Ankermieter in beiden Objekten fungieren die Handelsriesen ALDI und REWE. Der Kaufpreis für die beiden Fachmarktzentren beträgt rund 25,8 Mio. EUR . Die gesamte Mietfläche der Objekte beläuft sich auf 13.660 Quadratmeter. Die beiden Objekte werden bei Fertigstellung vollständig vermietet sein und die Mietverträge weisen eine durchschnittliche Laufzeit von 12,4 Jahren auf. Die Mieteinnahmen von insgesamt rund 1,7 Mio. EUR ergeben auf Basis des Nettokaufpreises eine Mietrendite von 6,5 Prozent.

Darüber hinaus sicherte sich die WCM noch exklusiv Rechte zum Erwerb eines weiteren Baumarkts. Die im Jahr 2012 errichtete Immobilie ist in attraktiver Lage einer der stärksten Wirtschaftsregionen Deutschlands gelegen und wird von einem der führenden Baumarktbetreiber für 15 Jahre gemietet. Der geplante Kaufpreis beträgt rund 22,0 Mio. EUR und erzielt annualisiert rund 1,6 Mio. EUR an Mieteinnahmen, was einer Anfangsrendite von 7,1 Prozent entspricht. Den Vollzug des Erwerb des rund 13.500 m² großen Baumarktes wird von WCM für Ende Februar 2016 erwartet.

Durch die jüngste Kapitalerhöhung stehen der WCM AG ausreichende Mittel zur Finanzierung des Eigenkapitalanteils für alle drei Objekte zur Verfügung. Dabei wird eine Gesamtfinanzierung mit einem LTV von ca. 55 Prozent angestrebt, wodurch sich eine durchschnittliche FFO-Rendite auf die Gesamttransaktion von rund 11 Prozent errechnet.

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Dienstag, 15. Dezember 2015

Neue Übernahmeofferte für Baldas Kunststoffsparte

Das Tauziehen um das operative Geschäft des Kunststoffproduzenten Balda geht in die nächste Runde. Nachdem die Hauptversammlung dem Verkauf an H&T zugestimmt hatte, legte nun die italienische Unternehmensgruppe Stevanato ein verbindliches Angebot vor, das sich am H&T-Angebot orientiere. Allerdings weicht es in zwei wichtigen Bereichen hiervon ab: die Italiener wollen auch die Marke "Balda" mit übernehmen und nutzen und sie bieten 80 Mio. EUR, also 6 Mio. EUR mehr als H&T.

Balda hatte ja bereits zum HV-Beschluss angekündigt, diesen nicht sofort in die tat umzusetzen, da Stevanato damals bereits ein Angebot avisiert hatte. Vorstand und Aufsichtsrat der Balda wollen nun das Angebot von Stevanato "unverzüglich" prüfen und in den nächsten Tagen mitteilen, ob aufgrund des Angebots von Stevanato zu einer außerordentlichen Hauptversammlung einladen wird. Diese würde dann voraussichtlich Ende Januar 2016 stattfinden. Und auch hier wäre wieder eine Mindestannahmequote von 75% des vertretenden Kapitals erforderlich - dem H&T-Angebot hatten 97,4% zugestimmt.

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Ergänzung vom 15.12.2015

Vorstand und Aufsichtsrat befürworten das Angebot der Stevanato-Gruppe und berufen voraussichtlich für den 29. Januar 2016 eine außerordentliche Hauptversammlung ein.

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Montag, 14. Dezember 2015

Ringmetall greift über den Teich und kauft US-Firma Self Industries

Lange haben die Aktionäre der mittelständischen Beteiligungsgesellschaft Ringmetall (vormals H.P.I. Holding) auf diese Akquisition warten müssen, denn angekündigt war sie schon seit vielen Monaten. Ich hatte ja auch bereits Im Sommer über die anhaltenden Gerüchte berichtet und gemeint, bei Ringmetall sei ganz schön was im Busch.

Heute kommt nun die Verkündung der Übernahme und es handelt sich um die im Jahr 2000 gegründete Self Industries, einem Spezialanbieter von Dichtungs- und Verschluss-Systemen mit Sitz in Birmingham, Alabama. Mit dem Zukauf gelingt Ringmetall der Einstieg in den US-Markt und man verspricht sich von dem 28 Millionen USD Umsatz erzielenden Unternehmen die "Möglichkeit weitreichender Technologie- und Vertriebssynergien".

"Mit insgesamt über 90 Millionen Euro Umsatz auf Konzernebene ergeben sich nun ganz neue Möglichkeiten für Prozessoptimierungen und Cross Selling-Ansätze", sagt Ringmetall-Vorstand Petri. Und auch für Michael McDowell, President von Self Industries, stellt die Akquisition einen "Perfect Fit" dar, so dass er auch in Zukunft als Teil des Managements mit an Bord bleiben und die weitere Entwicklung des Konzerns in Nord- und Südamerika unterstützen wird.

Zur Letzten Hauptversammlung der Ringmetall AG hatte man angekündigt, dass Ringmetall-Vorstand Rafael für einige Jahre in die USA gehen wird, um zunächst die Akquisition vorzubereiten und danach die Integration in den Ringmetall-Konzern erfolgreich umzusetzen. Auch könne der nun erfolgte Zukauf ohne weitere Kapitalmaßnahme und somit aus Eigenmitteln durchgeführt werden.

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Exodus: Buffett verkauft weitere 5 Prozent an Munich Re

Investment-Legende Warren Buffett hat(te) eine Vorliebe für Versicherungsaktien, insbesondere die Rückversicherungsbranche hatte es ihm stark angetan. Und auch außerhalb der USA hatte er sich eingekauft in die Größten der Welt: die deutsche Munich Re (Münchener Rückversicherung) und die Swiss Re. Da die Versicherungen weltweit aufgrund er Niedrigzinsphase in ernsthafte Schwierigkeiten kommen, habe ich ja bereits seit längerem vor Investments in diesem Bereich gewarnt und sehe sie als Value Traps an. Und ich habe auch die starke Ausrichtung von Buffets Investmentholding Berkshire Hathaway auf diese Branche kritisiert.

Nachdem ich bereits im Mai spekuliert hatte, dass Buffett wohl bei den beiden großen Rückversichern sein Engagement zurückfahren dürfte, ließ er Ende September (endlich) Taten folgen. Er musste bekanntgeben dass sein Anteil an der Munich Re unter die Schwelle von 10 Prozent gefallen war. Und er reduzierte fleißig weiter, denn Freitagabend vermeldete er, sein Bestand sei inzwischen auf 4,6 Prozent gefallen uns damit hat er binnen zwei Monaten ganze 5 Prozent aller Aktien der Munich Re auf den Markt geworfen. Und wir können davon ausgehen, dass er auch die restlichen Anteile seines 1,4 Milliarden Euro schweren Pakets noch schnellstmöglich abbauen wird.

Grämen muss Buffett sich indes nicht, haben die Munich-Re-Aktien seit seinem Einstieg von vor 5 Jahren doch eine Performance von 80 Prozent hingelegt - zuzüglich der üppigen Dividendenausschüttungen.

Berkshire Hathaway befindet sich als Halteposition auf meiner Empfehlungsliste. Das Reduzieren der Versicherungsaktien und das stärkere Engagement im Industrie- und Konsumsektor lassen die Aktie unter Chance-Risiko-Aspekten allerdings zunehmend wieder attraktiver erscheinen.


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Elefantenhochzeit: Dow Chemical macht(e) Dupont den Hof

Jetzt ist es amtlich: die beiden amerikanischen Chemie-Riesen Dow Chemical und Dupont schicken sich an, durch ihre 130-Milliarden-Dollar Fusion den deutschen Chemie-Giganten BASF vom Thron zu stoßen und zur weltweiten Nummer 1 aufzusteigen.Zumindest vorübergehend. Denn nach der Fusion will man sich in die drei einzelnen und jeweils börsennotierten Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufspalten. Aufgrund des gewählten Aktienumtauschverhältnisses werden die Altaktionäre von Dow Chemical und Dupont nach der Fusion in etwa die gleichen Anteile am fusionierten Unternehmen halten.

Der Zusammenschluss soll bereits innerhalb der ersten 24 Monate zu Kosteneinsparungen von rund 3 Mrd. USD führen und darüber hinaus erwartet man rund 1 Mrd. USD an Wachstums-Effekten. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Fusion rechnen die Unternehmen für das zweite Halbjahr 2016 gerechnet und innerhalb von weiteren 18 bis 24 Monaten soll dann die Aufspaltung in die drei börsennotierten Spezialisten erfolgen.

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Börsenweisheit der Woche 50/2015

"Sobald bei einem schwierigen Unternehmen ein Problem gelöst ist, taucht das nächste auf - in der Küche ist niemals nur eine Küchenschabe".
(Warren Buffett)

Freitag, 11. Dezember 2015

Andere Ansichten: MBB steht vor einer Neubewertung

Das Anlegermagazin "Der Aktionär" hat die mittelständische Beteiligungsholding MBB SE unter die Lupe genommen und kommt zu dem Urteil, dass MBB vor einer Neubewertung stehe und sich die Kursziele der Analysten von 30 EUR als zu konservativ herausstellen dürften.

Der Zukauf der Aumann-Gruppe stelle den wohl besten Kauf dar, den MBB jemals getätigt habe. Sie werde im laufenden Jahr rund 33 Mio. EUR Umsatz generieren, bei einer EBIT-Marge von knapp zehn Prozent. MBB habe für seinen Anteil von 75 Prozent dem Vernehmen nach nicht zu tief in die Tasche gegriffen.

Aumann-Produkte würden in der Automobilindustrie im Umfeld von Elektromobilität und Elektrifizierung von Fahrzeugen eingesetzt und zusammen mit der MBB Fertigungstechnik würden nun ein neue Anlagenbaugruppe geschaffen, die es der an der Kapazitätsgrenze operierenden Aumann ermögliche, sofort auf die Ressourcen der MBB FT zuzugreifen, so dass hier Synergieeffekte und weiteres Wachstum erzeugt würden. Der Umsatz der MBB-Gruppe könnte daher bereits im kommenden Jahr auf über 300 Mio. EUR ansteigen von 250 Mio. EUR im laufenden Jahr (ohne Aumann).

Auch die übrigen Beteiligungen legten weiter planmäßig zu. Egal, ob Matratzen-Profi CT Formpolster, IT-Dienstleister DTS, Servietten-Anbieter Hanke Tissue, Holzwerkstoff-Spezialist Delignit oder Chemie-Werkstoff-Anbieter OBO, sie seien alle auf Kurs. Und da die MBB-Kriegskasse auch nach der Aumann-Akquisition weiter gut gefüllt sei und der Cashflow sprudele, könne "MBB mit seiner Bilanz noch zwei weitere Aumänner kaufen", so MBB-Vorstand Nesemeier.

MBB Befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und eignet sich auf dem Kursniveau von 27 EUR für geduldige Investoren mit langfristigem Anlagehorizont, die die geplante Umsatzverdopplung innerhalb der nächsten 5 Jahre bei gleichzeitiger Ausweitung der Margen begleiten möchten, um von den zu erwartenden Kurs- und Dividendensteigerungen zu profitieren.

Aurelius mit zweistelligem Millionengewinn aus Verkauf von Hotel-Immobilien

Die Beteiligungsgesellschaft Aurelius hat nach den erst vor einigen Wochen verkündeten Verkauf einer Hotel-Immobilie in Hannover und davor auch in München nun einen weiteren Vollzug angekündigt. In diesen Immobilien werden Hotels der Marke GHOTEL betrieben, die ebenfalls zum Aurelius-Konzern gehören, und die 2011 aus einer Sondersituation bei der damaligen Deutschen Annington heraus erworben wurden. Es handelte sich insgesamt um 5 Immobilien, drei in München, eine in Hannover und eine in Braunschweig. Der Braunschweiger Standort wurde bereits 2012 weiter veräußert, eine der Münchner Liegenschaften folgte vor wenigen Wochen und steuert einen "signifikant zweistelligen Ergebnisbeitrag" zum Jahresergebnis bei, ebenso das Hannoveraner Objekt. Und nun folgten die beiden verbliebenen Liegenschaften in München-Isarvorstadt und München-Nymphenburg.

Mit dieser Transaktion ist das gesamte Portfolio veräußert worden und erneut erfolgt der Verkauf zu einem "signifikant über Buchwert" liegenden Verkaufspreis, der im laufenden Geschäftsjahr 2015 bei Aurelius zu einem positiven Ergebnisbeitrag im deutlich zweistelligen Millionenbereich führen wird. Dieser soll hälftig in Form einer Partizipationsdividende an die Aurelius-Aktionäre ausgeschüttet werden.

Der Aurelius-Vorstand bekräftigt seine Prognose, für das laufende Geschäftsjahr 2015 ein neues Rekordergebnis in der Firmengeschichte zu erzielen. Dieses soll bei einem Gesamt-EBITDA von über 220 Mio. Euro liegen.

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Mittwoch, 9. Dezember 2015

Im Interview... mit Aktienkaufen24

Das Interview mit mir führte Alois Greiner von Aktienkaufen24.com, wo der Artikel am 8. Dezember 2015 zuerst erschienen ist.


Value Investor Michael C. Kissig von intelligent-investieren im Interview.

Michael Kissig über die Story seines ersten Aktieninvestments, seinen Bewertungsansatz, den Umgang mit den eigenen Emotionen, das Minimieren von Risiken und die Wichtigkeit der Beurteilung weicher Faktoren des zu analysierenden Unternehmens für den Anlageerfolg.


A.G.: Guten Tag, Herr Kissig, für alle, die Sie noch nicht kennen, stellen Sie sich bitte kurz vor. Wer sind Sie und was machen Sie?

M.C.K.: Ich bin ein gemütlicher Mittvierziger und interessiere mich bereits seit 30 Jahren für Finanzen, Wirtschaft und insbesondere die Börse. Das hat mich als Hobby immer neben meiner Ausbildung und meinen beruflichen Tätigkeiten begleitet und inzwischen ist es mehr als ein Hobby, worüber ich sehr glücklich bin.

Um das viele Sitzen und Lesen – und Schreiben – zu kompensieren, betreibe ich mehrmals die Woche Sport, jeweils rund anderthalb Stunden Nordic Walking oder Radfahren. Wedel liegt direkt westlich an der Stadtgrenze zu Hamburg und bietet hier viele Möglichkeiten, sowohl entlang der Elbe als auch im angrenzenden Forst Kloevensteen, je nach Lust und Laune. Und Wetter.


A.G.: Ihr erster Aktienkauf hat einen interessanten und wie ich finde auch lustigen Hintergrund. Erzählen Sie uns bitte etwas darüber. – Wie kam es zu Ihrem ersten Investment in Aktien?

M.C.K.: Meine erste Aktie habe ich 1988 gekauft, ich glaube sogar noch vor meinem 18. Geburtstag, die Vereins- und Westbank AG aus Hamburg (heute UniCredit). Weil die ein tolles Buffet auf der Hauptversammlung haben sollten, wie mir aus Insiderkreisen versichert worden war (mein Nachbar war der Neffe eines VuW-Vorstandsmitglieds). Dem war auch so und daher hat sich das Investment letztlich gelohnt. Kursgewinne habe ich kaum eingefahren, aber zum Reinschnuppern in die Welt der Aktien war das kein ganz schlechter Start: Ich habe die Hauptversammlung besucht, eine Dividendenausschüttung miterlebt, mich über die Bank- und Börsenprovisionen – und die Steuern – geärgert und am Auf und Ab der Börsenkurse teilgenommen.


A.G.: Sie sind Value Investor. Wenden Sie für die Bewertung von Unternehmen ein erfolgsorientiertes Bewertungsverfahren (Discounted Free Cash Flow, Equity Ansatz usw.) oder ein marktorientiertes Bewertungsverfahren [KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis), KCV (Kurs-Cashflow-Verhältnis), KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis)] an?

M.C.K.: Warren Buffett schwört ja auf den Discounted Cashflow, wobei sein Partner Charlie Munger einmal sagte, er habe Buffett noch niemals eine Berechnung nach dem DCF-Modell anstellen sehen. Die Schwierigkeit dieses Modells liegt ja darin, dass man die Erträge eines Unternehmens weit in die Zukunft hinein schätzen muss. Je weiter entfernt aber der Prognosezeitpunkt liegt, desto unsicherer wird die Prognose. Daher stellt sich letztlich die Frage der Sinnhaftigkeit bzw. des Mehrwerts dieser Berechnungsmethode. Ich orientiere mich folglich eher an marktorientierten Bewertungskennzahlen, jedenfalls für die aktuelle Bewertung des Unternehmens und dann im Vergleich zu seiner Peergroup.

Darüber hinaus lege ich Wert auf „weiche Faktoren“, also ein gewisses Maß an Kontinuität in der unternehmerischen Entwicklung, der Nachvollziehbarkeit des Geschäftsmodells und vor allem dem Umgang des Managements mit Fehlern und seinen Aussagen in der Vergangenheit. Hier lässt sich dann auf den Charakter schließen und das ist ein ganz wesentlicher Faktor bei der Unternehmensauswahl. Denn die nackten Zahlen sind einerseits nur eine Momentaufnahme und andererseits das Ergebnis von Bewertungen seitens des Managements und der Wirtschaftsprüfer. Die Unternehmen können hier die Ergebnisse in gewissem Rahmen so hinrechnen, wie sie sie haben wollen. Daher lese ich besonders intensiv den Prosa-Teil der Geschäftsberichte, den Lagebericht und die Einschätzung zu aktuellen und künftigen Entwicklung. Und vergleiche sie mit den Aussagen aus den Vorjahren, um zu sehen, ob hier Fehleinschätzungen und Fehlentwicklungen schöngeredet werden sollen oder ob das Management diese offen kommuniziert. Und was es an Maßnahmen ergriffen hat. Und erst im Anschluss daran und mit diesem Basiswissen schaue ich mir dann die relevanten Zahlen im Geschäftsbericht an.


A.G.: In welche Art von Unternehmen investieren Sie (zum Beispiel in zyklische Unternehmen (wie z. B. Unternehmen aus dem Rohstoffsektor), in sogenannte Buffett-Unternehmen (z. B. Coca Cola, Procter & Gamble…)?

Zyklische Aktien sind für Langfristinvestoren immer etwas schwierig, weil sie extrem von den makroökonomischen Gegebenheiten abhängig sind und daher die Aktienkurse auch stärker schwanken. Ich bevorzuge daher weniger konjunktursensible Unternehmen.


A.G.: Wie lange halten Sie die erworbenen Aktien durchschnittlich?

M.C.K.: Grundsätzlich sehr lange. Ich halte es hier mit Warren Buffett, der keine Aktien kauft, sondern sich an einem Unternehmen beteiligt, der sich dort als Partner einkauft. Das nimmt dem Investment den spekulativen Charakter und das gefällt mir. Solange das Unternehmen seinen erfolgreichen Kurs fortsetzt und die Aktien nicht massiv überbewertet sind, bleibe ich an Bord. Leichte Überbewertungen hingegen veranlassen mich nicht zum Handeln. Ich hechle nicht den Schwankungen des Börsenkurses hinterher, weil die meisten Anleger hiermit nur Geld verlieren. Wir neigen nämlich dazu, mit der Masse zu handeln und verkaufen zu niedrig und kaufen zu hoch. Habe ich alles schon viele Male hinter mir mit entsprechenden Misserfolgen. Daher kaufe ich mich langfristig ein und gebe dem Unternehmen die Chance, seinen Kurs erfolgreich zu gehen. Der Aktienkurs wird dann folgen.

Andererseits kann ich meinen Spieltrieb nicht völlig abstellen. Und daher habe ich neben meinen Basisinvestment auch einige wenige kleine Positionen im Depot, die spekulativer sind. Da ist der Anlagehorizont schon um einiges kürzer. Nicht dass ich mit diesen Positionen erfolgreicher wäre, das nicht. Sie sind meine Absicherung gegen mich selbst, damit ich nicht mit meinen langfristigen Kerninvestments herumspiele. Nach 30 Jahren kenne ich mich ja nun auch ein bisschen und weiß, dass ich nicht immer die nötige Disziplin aufbringe, um mich an meine Grundsätze zu halten. Daher gewähre ich mir hier etwas Spielgeld …


A.G.: Ist die Analyse sowie die Pflege Ihrer Investments (Aktien) sehr zeitintensiv?

Ja. Ich schaue mir die Unternehmen natürlich genau an, in die ich langfristig investiere. Danach schaue ich auf aktuelle Meldungen und auf Quartalsberichte – nicht um hieraus sofort Aktionen abzuleiten, sondern um zu prüfen, ob sich an meiner ursprünglichen Investmentidee grundsätzlich etwas geändert hat. Ob also meine Annahmen nicht eintreffen, das Unternehmen seine Ziele nicht erreicht und ob dies auf kurzfristige Faktoren zurückzuführen ist oder ein dauerhaftes Problem darstellt. Insbesondere lege ich Wert auf die Erläuterungen zum Geschäftsverlauf und ziehe hieraus meine Schlüsse.


A.G.: Welche Art von Riskmanagement wenden Sie an?

Ich denke nach, bevor ich handele. Ich kaufe nichts, was ich nicht verstehe. Ich halte stets ein gutes Maß an Liquidität, um in Kursrücksetzer hinein kaufen zu können – sofern ich weiterhin von dem Unternehmen überzeugt bin. Nur dann lohnt sich ja ein Nachkaufen. Ansonsten halte ich nichts von Stopp-Losses oder Absicherungsinstrumenten. Damit erzielt man langfristig keinen Mehrwert, sondern erkauft sich nur eine Sicherheitsillusion.

Wenn der Kurs einbricht, dann ändert das ja nichts am Wert des Unternehmens und seiner Aktien. Es ist nur der Kurs, der sich geändert hat. Durch einen Stopp-Loss vernichte ich also Werte, weil ich unter Wert automatisch verkaufe. Und wenn das Unternehmen sich in Schwierigkeiten befindet und deshalb der Kurs einbricht, rettet mich ein Stopp-Loss auch nicht.

Puts sind Zocker-Papiere, die auf kurzfristige Marktschwankungen zielen. Sichere ich damit meinen Depotbestand ab und die Kurse fallen, steigt der Wert des Puts. Um hier einen Nutzen draus ziehen zu können, muss ich aber ja genau zum richtigen Zeitpunkt die Puts verkaufen und in meine Aktien investieren und dann den nächsten Kursaufschwung mitzunehmen. Mache ich dies nicht und sitze den Kurseinbruch samt nachfolgender Erholung einfach aus, dann stehen die Kurse wieder dort, wo sie vor dem Einbruch waren und der Put hat seine Kursgewinne ebenfalls wieder hergegeben. Er hat nur aufgrund seiner kurzen Laufzeit an Wert verloren. Unter dem Strich habe ich keinen Vorteil daraus gezogen. Es läuft also darauf hinaus, dass man versucht, den Markt zu timen, zum Höchstpunkt der Börse den Put zu kaufen und zum Tiefstpunkt zu verkaufen. Klappt aus meiner Erfahrung nicht. Daher lasse ich das und setze auf Cash als Versicherung gegen fallende Kurse, um dann tief nachkaufen zu können. Das bringt langfristig die Rendite!


A.G.: Ein Argument, das ich immer wieder höre, ist, dass, wenn Anleger Aktien im Crash kaufen und die Aktienkurse noch weiter fallen, sich die Frage stellt, ob der Anleger das emotional durchsteht. Was ist Ihre Meinung zu diesem Argument?

Aktienkurse können fallen. Das ist nun einmal so, das muss man akzeptieren. Man sollte also nicht zum Höchstpunkt einsteigen. Und da dies leichter gesagt ist als getan, setzen Value-Anleger ja ihr Investment-Rüstzeug dagegen: die Bewertung. Wir ermitteln den Wert einer Aktie und schauen, dass wir sie zu weniger kaufen können. Das ist dann die sog. Sicherheitsmarge. Und wenn man dann langfristig orientiert investiert, können einem Marktschwankungen auch nicht so viel anhaben. Warren Buffett hat Jahre erlebt, in denen die Aktien seiner Beteiligungsholding Berkshire Hathaway um mehr als 40 Prozent nachgegeben haben. Er hat sie nicht verkauft. Auch deshalb ist er der drittreichste Mensch der Welt. Und er sagte einmal etwas sehr Bemerkenswertes zum Buy & Hold-Ansatz: „Langfristig werden die Aktienmärkte für gute Nachrichten sorgen. Im 20. Jahrhundert durchlebten die USA zwei Weltkriege und weitere traumatische und teure militärische Konflikte, eine Depression, mehrere Rezessionen, Börsenpaniken, Ölschocks, Virenpandemie und den Rücktritt eines Präsidenten. Dennoch stieg der Dow Jones von 66 auf 11497.“ Für Anleger mit langfristigem Investmenthorizont ist also jeder Tag der richtige, um in Aktien zu investieren. Man darf sich nur von fallenden Kursen nicht verrückt machen lassen. Solange nicht das Unternehmen selbst in Schieflage gerät, wird sich der Kurs wieder erholen.


A.G.: Was planen Sie in Zukunft für intelligent-investieren.net?

Ich veröffentliche keine heißen Aktien-Tipps, sondern ich möchte die Leser dazu anregen, selbst nachzudenken, die Prinzipien des Value Investings zu verstehen und anzuwenden. Das Blog betreibe ich, um selbst ein besserer Investor zu werden. Dadurch, dass ich niederschreibe und veröffentliche, was ich denke, was ich tue, setze ich mich der Kritik aus. Ich zwinge mich also zu mehr Disziplin, zu intensiverem Nachdenken. Daher wünsche ich mir, dass sich noch mehr Menschen auf die Seite wagen und die Diskussionen zunehmen, dass das Blog so vielleicht sogar zu einer Art Community wird, von der alle durch ihre Teilnahme am Ende profitieren und zu noch besseren Investoren werden.


A.G.: Vielen Dank für das Interview!

Das Interview führte Alois Alexander Greiner – www.aktienkaufen24.com.

Delignit sichert sich mehrere Millionen-Aufträge

Delignit, ein Zulieferer für die Automobil-, Bahn- und Luftfahrtindustrie und 76-Prozent-Tochter des ebenfalls börsennotierten Beteiligungsunternehmens MBB, hat von mehreren namhaften Automobilherstellern Serien- und Folgeaufträge an Land ziehen können.

Neu gewonnen werden konnte eine weitere Serienbeauftragung für eine Systemlösung im Bereich Ladungssicherung bei leichten Nutzfahrzeugen, bei der es um die Lieferung des zertifizierten Delignit Ladebodens samt integrierter Zurrschiene zur Ladungssicherung geht. Nach einer Erprobungsphase im 2. Halbjahr 2015 erfolgt der Serienanlauf 2016. Das erwartete Umsatzpotenzial beläuft sich auf knapp 1 Mio. EUR pro Jahr und erstmals erfolgt in diesem Zusammenhang eine Serienlieferung außerhalb der EU.

Zudem konnte Delignit AG bei einem deutschen Automobilhersteller zwei Folgeaufträge für die nächsten Fahrzeuggenerationen leichter Nutzfahrzeuge gewinnen, die insgesamt für Umsätze im unteren bis mittleren einstelligen Millionen-Euro-Bereich pro Jahr stehen.

Darüber hinaus gelang es Delignit, eine erweiterte Folgebeauftragung im PKW-Bereich abzuschließen. Auftraggeber ist hier ein renommierter europäischer Sportwagenhersteller, der die Delignit-Lösung nun in einer weiteren Modellvariante verwendet.

Die Aufträge zeigen, dass Delignit als führender Hersteller ökologischer laubholzbasierter Produkte und Systemlösungen zunehmend punkten kann, weil die Kunden - überwiegend Automobil- und Bahnhersteller - verstärkt auf die CO2-neutralen und leichten, dennoch aber stabilen und langlebigen Komponenten setzen.

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Aurelius-Tochter AKAD verkauft Wissenschaftliche Hochschule Lahr

Die AKAD Bildungsgesellschaft, eine Tochtergesellschaft der Beteiligungsgesellschaft Aurelius, hat die Wissenschaftlichen Hochschule Lahr (WHL) an die European Education Group Deutschland (EEG) veräußert. Diese will die Hochschule dauerhaft weiterführen und das Profil der WHL mit ihrem stark wissenschaftlichen Angebot aufrechterhalten. Der Verkauf erfolgte im Rahmen der strategischen Neuausrichtung und der Fokussierung auf Studiengänge mit hohem Praxisbezug der AKAD University.

Dieser Teil-Exit zeige, wie Aurelius bei der Neuausrichtung und Neupositionierung seiner Töchter arbeite, denn auch Aurelius suche für Randbereiche ihrer Tochtergesellschaften nach zukunftsfähigen Lösungen im besten Sinne für alle Beteiligten, so Aurelius-Vorstand Gert Purkert.

Die AKAD Bildungsgesellschaft mit Sitz in Stuttgart ist ein bundesweiter Anbieter für Fernstudium und Weiterbildung neben dem Beruf. Die 1959 gegründete Gesellschaft bildet das Dach für die AKAD University und das AKAD Kolleg und seit der Gründung haben über 60.000 Absolventen die AKAD-Studiengänge und -Weiterbildungen erfolgreich abgeschlossen.

Aurelius hatte die AKAD Bildungsgesellschaft im April 2014 übernommen und baut sie seitdem auch durch Add-on-Zukäufe aus und um.

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Dienstag, 8. Dezember 2015

Aareal Bank mit Immobilienverkauf und Prognoseanhebung

Der mittelständische Immobilienfinanzierer Aareal Bank hat sämtliche Anteile ihrer 100 prozentigen Konzerngesellschaft Aqvatrium AB veräußert, die Eigentümerin des Objekts Fatburssjön 10/Fatburen ist, einer Gewerbeimmobilie in Stockholm. Der vorläufige Kaufpreis beläuft sich auf umgerechnet rund 323 Mio. EUR.

Durch die Transaktion erzielt die Aareal Bank einen positiven Einmalertrag, der voraussichtlich bei insgesamt rund 70 Mio. EUR liegen wird. Der überwiegende Teil dieses positiven Ergebniseffekts wird zum Zeitpunkt des Closings anfallen, das für April 2016 erwartet wird, und sich somit auf das kommende Geschäftsjahr auswirken. Aufgrund des bereits in diesem Jahr anfallenden Teils des positiven Einmalertrags von 12,5 Mio. EUR hebt die Aareal Bank ihre Prognose für das Konzernbetriebsergebnis im Geschäftsjahr 2015 von bisher 450 bis 460 Mio. EUR auf 460 bis 470 Mio. EUR an.

Über die Einbettung des in 2016 erwarteten Ergebnisbeitrags in die Gesamtjahresprognose 2016 wird die Aareal Bank Ende Februar im Rahmen der Vorstellung ihres Ausblicks für das Geschäftsjahr 2016 berichten.

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Wird First Data zum "Hidden Champion" im KKR-Portfolio?

Der Finanzinvestor KKR & Co. L.P. gehört zu den großen Private Equity-Firmen dieser Welt und der "Alternative Asset-Manager" setzt stärker noch als Wettbewerber Blackstone Group L.P. oder auch Carlyle auf (börsennotierte) Unternehmenskäufe. Daher haben Ergebnis und Aktienkurs in diesem Jahr auch besonders unter den Turbulenzen an den Kapitalmärkten gelitten - insbesondere auch aufgrund des nicht unbeträchtlichen Engagements in der US-Öl- und Schiefergas-Industrie mit entsprechenden Problemen aufgrund des starken Preisverfalls dieser Rohstoffe. Zuletzt hatte KKR seine Anleger vergrätzt, weil man künftig nicht mehr den Großteil der erzielten Gewinne als Quartalsdividende auskehren wird, sondern nur noch eine feste Ausschüttung von 0,16 USD je Aktie - das macht bei einem aktuellen Kurs von 15 EUR zwar nicht unansehnliche 3,9% Dividendenrendite auf das Jahr gerechnet, ist aber weniger als die Hälfte dessen, was Aktionäre zuvor gewöhnt waren. Da half auch nicht die Ankündigung, ergänzende 500 Mio. USD in Aktienrückkäufe investieren zu wollen. Der Kurs verharrt in Lethargie.

First Data - wird der Flop noch zum Top?
Die Rede ist von First Data (FDC), einem "Anbieter von E-Commerce Lösungen für den Zahlungsverkehr. Die Produkt- und Dienstleistungslinie von First Data umfasst die Dienstleistung für Geschäftsabwicklung, -bearbeitung; Kreditkarte, Debitkarte, Prepaidkarte, Geschenkkarte, Gehaltsabrechnung und andere vorausbezahlten Darbietungen; Schutz gegen Betrug und Authentifizierungslösungen; Dienstleistungen für elektronische Scheckannahme durch TeleCheck; Internet-Kommerz und bewegliche Zahlungslösungen". So ist es bei Wikipedia nachzulesen. Der Umsatz im letzten Jahr betrug mehr als 11 Mrd. USD und weltweit werden 23.000 Menschen beschäftigt. Vergleichbare Konkurrenten, wie VISA oder MasterCard sind im letzten Jahr um 42% bzw. 30% im Wert gestiegen. Heute ist First Data der größte Zahlungsabwickler der Welt, der 1,7 Billionen USD in 74 Milliarden Transaktionen abwickelt. So der Stand per Ende 2014 und das entspricht mal eben 10% des U.S. BIP.

 KKR & Co. L.P. (Quelle: comdirect.de)
Für KKR ist First Data ist die bis dato größte Private-Equity-Übernahme in der Unternehmensgeschichte und alles andere als ein Erfolg. Denn KKR übernahm First Data im Jahr 2007 zum Höchstpreis unmittelbar vor dem Börsencrash, der durch die Finanzkrise und die Pleite der US-Investmentbank Lehman Bros. ausgelöst wurde. Für diesen mit 24 Mrd. USD überwiegend fremdfinanzierte Deal brachte KKR insgesamt 29,8 Mrd. USD auf und musste unmittelbar danach mit ansehen, wie seine neue Beteiligung dramatisch an Wert verlor, während das Zinsgewicht geradezu erdrückend wurde. Es folgten Umfinanzierungen und eine Abwertung der Beteiligung seitens KKR auf 60 Cents je Dollar.

Börsengang als Chance
Und nun gab es vor wenigen Wochen die Rückkehr an die Börse im größten Börsengang des Jahres. Mitten in die Börsenturbulenzen hinein "stolperte" FDC an den Aktienmarkt und schlug sich recht wacker. Denn obwohl FDC in einer Liga spielt mit VISA und Mastercard, verdient man unter dem Strich kein Geld. Was nicht nur internen Ineffizienzen geschuldet ist, sondern vor allem dem drückenden Fremdkapital. Denn auch nach der Eigenkapitalspritze durch das IPO liegt die Verschuldung First Datas immer noch bei überdurchschnittlichen 18,4 Mrd. USD. Durch die neuen Eigenmittel konnte FDC nun seine Verschuldung senken und so auch seine Zinslast. Anfang 2016 stehen 10 Mrd. USD zur Anschlussfinanzierung an, die aktuell mit 10,2% verzinst sind - eine Last aus den Jahren 2010 und 2011, als die Zinsen sehr viel höher standen als heute.

Und hier kommen wir zum interessanten Teil der Geschichte, der Zukunftsvision. Und vielleicht zu einem Happy End. Wollen doch mal sehen, ob wir die Kuh über den Eimer geschoben bekommen...

 FDC (Quelle: comdirect.de) 
KKR gehören nach dem Börsengang noch rund 37% an First Data und Bloomberg beziffert der Anteil, den KKR an Eigenkapital in FDC stecken hat, auf 3,9 Mrd. USD. FDC kam zu 16,39 USD an die Börse und notiert aktuell bei gut 17 USD. Sieht nicht nach viel aus, sind aber immerhin schon einmal 6 Prozent mehr und der KKR-EK-Anteil würde somit bereits mit 4,5 Mrd. USD bewertet. Dabei hat sich die Lage bei First Data bisher nicht signifikant verändert. Doch das könnte sich in einigen Wochen ändern. Denn wenn die 10 Mrd. USD an teuren Altverbindlichkeiten Anfang 2016 abgelöst werden, steht ja eine Refinanzierung an. Und wir sprechen hier von mehr als der Hälfte der Gesamtverbindlichkeiten, de First Data so drangsalieren. Doch die Umfinanzierung muss überhaupt erst zustande kommen, das ist noch nicht ausgemacht. Allerdings haben die Ratingagenturen First Datas Rating unmittelbar nach dem Börsengang bereits höher gestuft - ein Zeichen der sich verbessernden Bilanzrelationen. Und so dürfte die Anschlussfinanzierung der 10 Mrd. USD keine Frage des Ob mehr sein, sondern eher eine Frage des Wie viel, eine Frage des Zinssatzes. Sollte es KKR gelingen, die Zinslast von aktuell 10,2% um 2 oder 3 Prozent zu senken, würde das bei 10 Mrd. USD enorme Effekte haben, nämlich 20 bzw. 30 Mio. USD weniger Zinslast pro Jahr. Bei noch niedrigeren Zinssätzen mit entsprechend größeren Effekten.

Doch dieses wäre nur der erste Schritt. Denn die Zinslast zu senken ist das eine, das andere, ein für Anleger attraktives Unternehmen darzustellen. Und dazu wird KKR Fremd- gegen Eigenkapital tauschen wollen bei FDC. Gut vorstellbar also, dass die sich verbessernden Ergebnisse mit einer weiteren Reduzierung des KKR-Anteil an FDC einhergehen. Denn das Ziel des Finanzinvestors ist ja, am Ende mit dem Deal Geld zu verdienen. Also wird es in Abständen Veräußerungen von Aktien an institutionelle Investoren geben und KKRs Anteil wird sinken - bei vermutlich steigenden Aktienkursen. Und hier liegt dann auch Wert für diejenigen, die heute Aktionäre von KKR sind und das Übernahmedebakel im Jahr 2007 nicht mit erlebt und nicht mit bezahlt haben. Es könnte zeit sein, die Ernte einzufahren. Nicht auf Schlag, sondern immer mal wieder sukzessive ein Stückchen.

Fazit
First Data wird nicht zu einem der besseren Investments von KKR, es ist noch nicht einmal absehbar, ob KKR am Ende unter dem Strich Geld verloren oder doch noch Gewinne erzielt haben wird. Aber immer deutlicher wird, dass es vom heutigen Standpunkt aus noch einige Milliarden an FDC zu verdienen geben wird für KKR. Und seine Aktionäre. Und wie sagte der bekannte Ökonom und Börsenexperte John Maynard Keynes? "Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung". Und die Vorzeichen bzgl. des Fist Data-Ausflugs ändern sich zunehmend und daher sollte sich ein Investment in KKR lohnen - jedenfalls für diejenigen Anleger, die mit langfristiger Perspektive zu Werk gehen und die nötige Geduld mitbringen, sich das FDC-Engagement entwickeln zu lassen.

KKR befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und neben FDC könnte sich auch ein weiteres KKR-Investment demnächst auszuzahlen beginnen: WMF.

Montag, 7. Dezember 2015

Börsenweisheit der Woche 49/2015

"Die beste Zeit für die Geldanlage ist dann, wenn man Geld hat. Die Geschichte deutet nämlich darauf hin, dass nicht der Zeitpunkt zählt, sondern die Zeit".
(Sir John Templeton)

Freitag, 4. Dezember 2015

KKR will WMF wieder verkaufen - für 2 Milliarden Dollar

Finanzinvestor KKR strebt nach Informationen des Nachrichtendienstes Reuters den Verkauf seiner Beteiligung WMF an. Das 1853 gegründete Unternehmen beschäftigt weltweit 6.000 Angestellte an mehr als 40 Standorten.

KKR & Co. L.P. hatte die Württembergische Metallwarenfabrik im Jahr 2012 übernommen und nach einem Squeeze-out der Minderheitsaktionäre erst in diesem Jahr von der Börse genommen. Seinerzeit wurde WMF mit rund 600 Mio. EUR bewertet und KKR möchte nun rund das Dreifache erlösen, rund 1,8 Mrd. EUR (2 Mrd. USD). Zu diesem Zweck wird auch mit direkten Wettbewerbern von WMF verhandelt, sowohl über die Übernahme des gesamten Unternehmens, als auch über Teilverkäufe. Neben der Sparte der Gastronomie-Automaten ist WMF auch bei Geschirr und Tischkultur stark positioniert.

KKR hatte die Anleger jüngst mit der Meldung verschreckt, künftig nur noch eine feste Quartalsdividende von 0,16 USD je Aktie ausschütten zu wollen, was bei einem Kurs von 15 EUR eine stark gekürzte Dividendenrendite von "nur" noch 3,9 Prozent ausmacht. Im Gegenzug hatte man ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 500 Mio. USD angekündigt. KKR befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und ist für mich auf diesem Kursniveau wieder ein klarer Kauf.

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Donnerstag, 3. Dezember 2015

WCM: Vertrauensbeweis durch starke Insiderkäufe

Die WCM Beteiligungs- und Grundbesitz AG ist dabei, in rasanten Tempo einen Milliarden-Immobilienkonzern aus dem Boden zu stampfen. Nachdem erste Ende letzten Jahres die Insolvenz endgültig überwunden werden konnte und ein unternehmerischer Neustart gelang, erfolgten bereits mehrere Kapitalerhöhungen: im Dezember 2014 zu 1,30 EUR, dann die Mega-Kapitalerhöhung im Sommer zu 2,05 EUR und nun Ende November zu 2,20 EUR. Von Anfang an und immer wieder mit frischem Geld dabei, ist "Mr. WCM" Karl Ehlerding und seit seinem Einstieg als Vorstand der WCM auch der Immobilienexperte Stavros Efremidis. Die neuen Gelder werden umgehend in lukrative Immobiliendeals umgesetzt und so Werte geschaffen.

Doch die ganze Phase über gibt es kritische Stimmen, die meinen, die Alteigentümer würden hier zulasten der Kleinaktionäre agieren. Wie auch schon bei den vorangegangenen Kapitalerhöhungen haben diese nun zu 2,20 EUR allerdings erneut große Aktienpakete erworben, also frisches, eigenes Geld in die WCM investiert. So übernahm CEO Stavros Efremidis weitere 200.256 Aktien im Wert von 440.563 EUR und auch die Ehlerding Beteiligungs GmbH zeichnete 800.000 zusätzliche Aktien im Gesamtvolumen von 1.760.000 EUR.

 WCM (Quelle: comdirect.de)
Diese Insiderkäufe stellen ein starkes Signal dar, dass die Ankerinvestoren an den Erfolg der WCM und die damit verbundene künftige Wertsteigerung glauben. Und für Aktionäre stellt dies durchaus einen zusätzlichen Kaufgrund dar, denn mit jeder Aktie, die die Insider am eigenen Unternehmen halten, erhöht sich ihr Interesse, den Wert dieses Unternehmens - und seinen Aktienkurs - zu steigern. Und auf den Eigennutz der anderen zu setzen, zahlt sich auch an der Börse oftmals aus.

WCM befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in den nächsten Wochen erwarte ich weitere positive Nachrichten. Einerseits stehen noch Vollzugsmeldungen zu diversen im Frühjahr und Sommer akquirierten Immobiliendeals aus und darüber hinaus hat WCM Immobilienobjekte für 720 Mio. EUR im Fokus, von denen sich dank der jüngsten Kapitalspritze bestimmt einige konkretisieren lassen werden. WCM bleibt für mich der interessanteste deutsche Immobilienwert.

Dienstag, 1. Dezember 2015

Balda-Hauptversammlung stimmt Verkauf an H&T zu

Die heutige Hauptversammlung der Balda AG hat die Weichen Richtung Zukunft gestellt. Im Mittelpunkt des Treffens mit rund 250 anwesenden Aktionären stand der geplante Verkauf des gesamten operativen Geschäfts an die Düsseldorfer Heitkamp & Thumann Gruppe zu einem Kaufpreis von 74 Mio. EUR, dem die Hauptversammlung mit 97,4% zugestimmt hat.

Gegenstand der Diskussionen war auch das unverbindliche Kaufangebot der italienischen Stevanato Gruppe über 80 Mio. EUR. Sollte die Stevanato Gruppe fristgerecht bis zum 14. Dezember 2015 ein verbindliches Angebot vorlegen, wird die Balda AG hierüber auf einer neu einzuberufenden außerordentlichen Hauptversammlung abstimmen lassen.

Auch der künftigen Ausrichtung als Mittelstandsfinanzierer (Erwerb, Halten, Verwaltung und Veräußerung von Beteiligungen an Gesellschaften und Unternehmen im In- und Ausland sowie die Kapitalanlage in sonstige Vermögensgegenstande jeder Art) wurde mehrheitlich gefolgt.

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Investor-Update: Balda, Softing

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Nebenwertetausch
Seit dem starken Kurseinbruch im September haben sich die Börsen und die meisten Aktien kräftig erholt. Da fällt es schwer, noch aussichtsreiche Nachzügler zu finden. Doch ich denke, das ist mir gelungen...

- Balda
Das Gezerre um Baldas Kunststoffsparte geht aktuell in die heiße Phase, denn gestern begann die Hauptversammlung, auf der über des Angebot von H&T abgestimmt werden soll. Heute erfolgte bereits der Dividendenabschlag von 1,10 EUR je Aktie, doch der Kurs fiel lediglich um 0,80 EUR. Ein schöner Zusatzgewinn.

Es wurden die nötigen Beschlüsse gefasst, doch die Geschichte ist noch längst nicht am Ende, denn die avisierte zweite Ausschüttung von 0,90 EUR je Aktie wird auf jeden Fall mindestens noch 6 Monate auf sich warten lassen. Denn nach dem heutigen Verkaufsbeschluss gibt es eine "Auszeit" von 6 Monaten bis zum Vollzug, also der Eintragung ins Handelsregister. Und dieser Zeitraum kann durchaus noch länger werden, wenn die vielen angekündigten (Anfechtungs-) Klagen vor Gericht gebracht werden. Da kann einem die Zeit schon lang werden, in der man sich als Aktionär die Frage stellen kann, was man nach der zweiten Ausschüttung mit seiner Aktie anfangen soll. Diese sind dann ja nicht wertlos, sondern Balda-Großaktionär van Aubel möchte aus der Balda ja eine Beteiligungsgesellschaft namens Clere machen. Was die genau machen und woran die sich beteiligen soll, steht noch in den Sternen. Evtl. soll sie auch zuvorderst dazu dienen, van Aubels übrigen Unternehmungen zu übernehmen und so an die Börse zu bringen. Ob man sich diese ganzen Unsicherheitsfaktoren als Aktionär antun muss, muss jeder für sich selbst entscheiden. Und für mich habe ich das: ich habe heute nach dem Dividendenabschlag meine Balda-Aktien restlos verkauft und mein Geld in eine aussichtsreichere Firma gesteckt.

+ Softing
Die Softing AG ist ein international führender Anbieter von Steuerungs- und Kommunikationstechniken. Das Unternehmen entwickelt komplexe qualitativ hochwertige Software, Hardware und Systeme, die in den Bereichen industrielle Automatisierung und Fahrzeugelektronik Anwendung finden. Hardware-Prototypen werden im eigenen Haus hergestellt, die Fertigung von Hardware-Produkten erfolgt dann extern. Nachdem im Vorjahr ein großer Zukauf in den USA erfolgte, wodurch nun mehr als die Hälfte der Umsätze außerhalb Deutschlands generiert werden, befindet man sich 2015 in einem Übergangsjahr. Konsolidierung statt Wachstum - und auch das Zahlenwerk sieht entsprechend "unschön" aus. Denn die Abschreibungen auf den Kaufpreis (PPA) verhageln die Bilanz. Dennoch wird die aufgrund der Unternehmenskäufe aufgelaufene Verschuldung in 2015 von 11 auf 9 Mio. EUR zurückgeführt und die Cash-Position im Jahresverlauf gleichwohl anwachsen. Operativ läuft ohnehin alles sehr zufriedenstellend und entgegen der saisonal üblicherweise schwachen Nachfrage in den Ferienmonaten Juli und August haben sich Umsatz und Ergebnis recht positiv entwickelt.

Die Perspektive für die nächsten Monate ist weiterhin gut. Das Unternehmen erwartet daher für 2015 einen Umsatz und ein Ergebnis am oberen Ende der kommunizierten Ziele. Dabei werden im laufenden letzten Quartal einige Großaufträge ausgeliefert, so dass hier bei den Zahlen eher noch positive Überraschungen zu erwarten sind. Softing hat in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres einen Auftragseingang von 63 Millionen Euro verzeichnet gegenüber 54,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum und ab dem kommenden Jahr soll neue, margenstarke Software Umsatzbeiträge liefern.

Der Aktienkurs hatte Mitte letzten Jahres die Marke von 18 EUR überschritten und ist zwischenzeitlich im Zuge der Herbstkorrektur sogar unter 10 EUR gefallen. Bei 10,82 EUR habe ich heute eine Position aufgebaut. Zwar ist die Aktie mit einem 2016er KGV von 16 und einer Dividendenrendite von 2,7% nicht völlig unterbewertet, aber ich denke, dass die Gewinnschätzungen ziemlich pessimistisch sind und Softing nach dem Übergangsjahr 2015 wieder auf seinen bekannten Wachstumspfad zurückkehren wird.


.: Cashquote
Meine Cashquote liegt in etwa bei 10 Prozent, da ich den Balda-Verkaufserlös gleich in Softing angelegt habe, die Dividende aber noch aufs Konto fließt. Dazu kommen noch die im Dezember anstehenden Dividenden von Corning, Johnson & Johnson, Microsoft, TICC, TCAP und Wells Fargo, die mein mein Konto weiter auffüllen helfen werden. Und natürlich die Starbucks-Dividende, die heute gutgeschrieben wurde.