Freitag, 7. August 2015

Andere Ansichten: Welche PayPal-Kennzahlen man verstehen sollte

PayPal werde nach der Abspaltung vom Online-Auktionshaus Ebay mit 45 Mrd. USD an der Börse bewertet und mit dem 40-fachen seiner Gewinne. The Motley Fool richtet daher seinen Fokus auf Kennzahlen, die man verstehen sollte, wenn man an PayPal interessiert ist.

Der Schlüssel zu PayPals langfristigem Wachstum sein sein ständig wachsender Kundenstamm. PayPal vermelde regelmäßig seine aktiven Benutzerkonten und diese wären im letzten Quartal um 11% ggü. dem Vorjahr auf nun 169 Mio. gewachsen.

Noch wichtiger sei allerdings, wie aktiv diese Konten genutzt würden. Die Transaktionen pro Konto seien im letzten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um 14% von 21 auf 24 gestiegen und diese Wachstumsrate sei sogar eine Beschleunigung von 9% im Vergleich zum Vorjahreswert.

Die größte Herausforderung würde der Mobile Bezahlmarkt sein und hier müsse PayPal es hinbekommen, dass seine wachsende Kundschaft auf auf mobilen Endgeräten PayPal zur Zahlungsabwicklung nutze. Und diese mobilen Zahlungen würden einen immer größer werdenden Anteil an PayPals Gesamtzahlungen ausmachen und bereits heute für 30% verantwortlich sein. Im Vergleich zum Vorjahresquartal seien sie um 42% angestiegen und Investoren sollten diese Zahl sehr genau im Auge behalten.

Für PayPals Erfolg sei es wichtig, langfristig innovativ zu bleiben und so dem Unternehmen weiteres Wachstum in jeder dieser drei Bereiche zu ermöglichen: aktive Kundenkonten, Transaktionen pro Kundenkonto und mobile Transaktionen.

PayPal befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Kommentare:

  1. Servus Michael,

    Der Grund dafür, dass die Transaktionen/Kunde so wichtig sind ist in meinen Augen einfach: Gewohnheit. Je öfter Paypal genutzt wird, desto mehr gewöhnt man sich daran, verzichtet eher mal auf die Kredit-/Bankomatkarte und umso höher wird der Burggraben des Unternehmens.

    Der Zusammenhang mit dem mobilen Bezahlmarkt ergibt sich daraus, dass man sich das Passwort eher merkt, je öfter man Paypal benutzt – damit wird es wahrscheinlicher, dass man sich an Paypal gewöhnt. Andere Vorstöße in diese Richtung sind die (wegen Apple) viel besprochene NFC-Technologie und andere Lösungen wie z.b. Fingerabdruck (was Paypal inzwischen auch im Programm hat).

    Am PC ist das Benutzen von Paypal kein Problem, weil man das Passwort normalerweise in der Nähe hat. Am Handy, unterwegs, kann das Passwort ein Hindernis für die Paypal-Nutzung sein.

    Ein anderer Vorteil des öfteren Benutzens aus Finanzsicht: die (relativ hohen) Fixkosten des Paypalbetriebs können auf mehrere Transaktionen/Geschäftsvolumen verteilt werden, was gut für die operative Marge ist, während ein neuer Nutzer auch mit höheren Fixkosten verbunden ist. Ein höheres Verhältnis von Transaktionen/Kunde schlägt sich direkt auf die operative Marge aus, nicht aber auf die Bruttomarge.

    Eine wichtige Kennzahl, die ich allerdings hinzufügen würde: die Take Rate. Diese liegt bei etwa 3,4%. Das bedeutet, dass ein Händler, der Paypal akzeptiert von einer erhaltenen Zahlung von beispielsweise EUR 100 dann EUR 96,6 in die Kassa bekommt. Der Rest geht an Paypal – als Umsatz. Das ist relativ kompetitiv im Vergleich zu Kreditkarten oder anderen Zahlungsformen. Allerdings glaube ich, dass das noch niedriger geht, wenn Paypal den oben besprochenen Größenvorteil weiter ausbauen kann. Eine niedrigere Take Rate würde Paypal aus Händlersicht noch attraktiver machen, womit man den drei Großen (Visa, Mastercard und AmEx) endgültig ernsthafte Konkurrenz machen könnte.

    Ich habe mich auf meinem Blog auch einige Male mit Paypal auseinandergesetzt, der ausführlichste Post ist wohl dieser (Dez. 2014): http://commentsonpositions.blogspot.co.at/2014/12/zahlungsnetzwerke-und-eine-perspektive.html

    PS: Ich lese deine Blog echt gerne. Ich hatte immer das Gefühl, dass du eher konservativ (aber eben nicht ohne Rendite) investierst und war ehrlich gesagt überrascht, als du Paypal (mit seinem hohen KGV) in deine Empfehlungsliste aufgenommen hast. Das hat meine Zuversicht in mein eigenes Investment in Paypal doch gestärkt, weil du offenbar auch etwas Größeres darin siehst, als nur die aktuellen Gewinne - und ich deine Meinung inzwischen wirklich schätze.

    Gruß
    Tom

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    1. Moin Tom,
      ich bin nicht zwanghaft auf langweilige Aktien festgelegt, die ihren Charme vor allem daraus ziehen, dass sie deutlich unterhalb ihres fairen Wertes notieren.

      Ein weitergehender Ansatz ist das "Quality Investing". Ich versuche halt die Unternehmen herauszufiltern, die für die Zukunft Potenzial besitzen und die ich zu vergleichsweise attraktiven Konditionen heute einkaufen kann. Dabei hängt es natürlich auch davon ab, zu welcher Aktienkategorie der Wert zählt und in welchem Stadium der eigenen Entwicklung des Unternehmens. Also Start-up, Wachstumsphase oder ist es ein stetiges Unternehmen geworden, gar ein zyklischer Wert, oder eine Substanz-Spekulation oder ein Turnaround-Kandidat? Diese Einstufung bestimmt ja den Blickwinkel auf die Erwartungen, die man an das Unternehmen hat und wie seine Bewertung einzuschätzen ist.

      PayPal ist kein kleines Unternehmen mehr, es ist ein absoluter Wachstumswert, dabei sehr profitabel. Es verfügt über einen enormen Burggraben und durch die Abspaltung von Ebay ist es für mich überhaupt erst interessant geworden, weil PayPal so überhaupt erst sein ganzes Potenzial ausspielen kann. Fairerweise muss man sagen, dass die enge Verzahnung mit Ebay natürlich erst der Grund dafür war, weshalb PayPal sich so schnell als E-Payment-Lösung durchgesetzt hat. Aber um einen Romantitel von S.E. Hinton zu missbrauchen: "That was then, this is now".

      Natürlich weist PayPal eine sehr hohe Bewertung auf, das muss jedem klar sein, der hier investieren will. Aber ich glaube, dass das Potenzial und die Wachstumsraten diese hohe Bewertung rechtfertigen und da ich ja langfristig orientiert investiere, muss das Investment auch nicht gleich in die Pluszone laufen. Da muss man ggf. Geduld haben und dem Unternehmen die Zeit lassen sich entsprechend zu entwickeln. Allerdings muss man natürlich auch diese Entwicklung im Blick behalten und schauen, ob das Wachstum weiterhin anhält und ob die neuen Herausforderungen (neue Techniken/Anwendungen oder neue Konkurrenten) vom Unternehmen auch gemeistert werden.

      Dein Blog gefällt mir auch sehr, Deine Analysen sind sehr fundiert und weitaus umfangreicher als meine. Ich finde da immer wieder Ideen und Ansätze, die mir weiterhelfen.

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  2. Hallo Michael,

    PayPal ist tätig in einem Wachstumsmarkt, aber mir war die momentane Bewertung einfach zu hoch und ich weiß nicht, wann die Aktien abstürzen wird, da dies nicht vergleichbar mit Rohstoffen ist.

    Ich habe mich letztendlich für Alibaba entschieden. Zur Alibaba Group gehört auch Ali-Pay. Ali-Pay ist Marktführer in China, bald auf den meisten chinesischen (durch Huawei, dank Jack Ma und chinesischer Führung) und indischen (Alibaba ist Großaktionär bei einem indischen Smartphone-Hersteller - gehört zu den indischen Marktführern) Smartphones vorinstalliert und arbeitetet, wie PayPal, sehr profitabel.

    Außerdem wird die SoftBank (größter Mobilfunkanbieter in Japan, und ein großer Mobilfunkanbieter in den USA) die Entwicklung in Japan und in den USA fördern (SoftBank hält ca. 34 % an Alibaba).

    In Afrika baut Alibaba seine Geschäft aus, und somit wächst auch Ali-Pay, da im Online-Shop Alibabas mit Ali-Pay bezahlt werden kann.

    Insgesamt ist Alibaba attraktiver bewertet als PayPal, und durch mein Investment in Alibaba investiere ich gleichzeitig in Ali-Pay - zwei Fliegen in einer Klappe.





    D

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    1. Moin moin,
      Alibaba kann man kaum mit PayPal vergleichen, denn es ist eher ein Ebay-Amazon-PayPal-Google-Mischmasch.

      Ich habe mir um die Zeit des IPOs Alibaba auch mal angesehen, dann aber aus ganz anderen Gründen von einem Investment Abstand genommen. Nicht wegen der Bewertung oder der Aussichten, sondern bereits vorher bin ich auf Faktoren gestoßen, die für mich zum Ausschluss führten.

      Da ist zum Einen die komplizierte Struktur von Alibaba. Jack Ma hat da ein Konstrukt aus unterschiedlichen Schachtelbeteiligungen geschaffen, das ihm und seinen Freunden den absoluten Einfluss sichert, losgelöst davon, wem die Aktien gehören. Kritiker vergleichen das mit dem Politibüro von Chinas KP. Transparenz und Kontrollmöglichkeiten sind hier nur marginale Randerscheinungen.

      Dazu passt, dass man ja gar keine Aktien von Alibaba kaufen kann, denn Alibaba selbst ist gar nicht in den USA an die Börse gegangen. Das wäre aufgrund der rechtlichen Situation in China gar nicht möglich gewesen. Man kauft also in "einer komplizierten Vertragskonstruktion über eine sogenannte Variable Interest Entity (VIE) nur Anteile an einer Mantelgesellschaft, die vereinfacht gesagt Anrecht auf Gewinne Alibabas hat. Die Struktur wird genutzt, um chinesische Anteilsbeschränkungen zu umgehen, und ist doch davon abhängig, dass im Ernstfall chinesische Gerichte die Rechtmäßigkeit anerkennen.", wie die FAZ damals berichtete.

      Und dann kam ja noch heraus, dass auf Alibaba rund ein Drittel der angebotenen Produkte Plagiate sind und dass Alibaba dieser Umstand durchaus bewusst sei, man das jedoch billigend in Kauf nähme.

      Wenn ich mir dann noch ansehe, welche Skandale sich die in Deutschland gelisteten "China-Aktien" so geleistet haben, dann fehlt mir hier auch das Vertrauen in den Gründer und das Management, darüber hinaus auch in die rechtsstaatliche Grundordnung Chinas.

      Alle diese Faktoren zusammen haben mich von einem Investment in Alibaba abgehalten und werden das auch weiterhin tun. Was nicht bedeutet, dass man mit den Aktien kein Geld verdienen kann. Das mag schon so sein, aber mir sind die Risiken zu groß und es gibt so viele andere, gute Unternehmen, an denen ich mich beteiligen kann, da lasse ich Alibaba lieber außen vor.

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    2. Ja, Alibaba ist ein Unternehmen, dass so bisschen was von Amazon, Google und PayPal hat. Allerdings gehört Alibaba zu den Marktführern (auch weltweit) im Bereich Versandhandel (Amazon) und Bezahldienst (PayPal).

      Das ich mich an Alibaba beteiligt habe, ist überwiegend Ali-Pay zu verdanken, aber auch die anderen Tätigkeiten und die damit verbundenen, anderen Möglichkeiten haben mich zum Kauf bewegt.

      Gegen die Plagiate geht Alibaba jetzt aktiv vor, und Alibaba arbeitet zunehmend mit großen Konzernen (z. B. BMW) zusammen. Auch möchte man eigene Marken entwickeln und verkaufen.

      Die Risiken sind durchaus begründet, ich glaube aber, dass es diesmal anders ist.

      Vielen Dank für deinen Kommentar, es freut mich immer, wenn Du deinen Beitrag leistest und es nicht einfach ignorierst - das finde ich sehr hilfreich :-)




      D

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    3. "Die fünf teuersten Worte auf dem Gebiet des Geldanlegens sind: dieses Mal ist alles anders."
      (Sir John Templeton)

      Aber Spaß beiseite, ich wünsche Dir natürlich viel Erfolg mit Deinem Investment in Alibaba und ich denke schon, dass die versuchen werden, die Kritikpunkte bzw. Schwachstellen abzubauen.

      Was mir so gar nicht gefällt, und deshalb hatte ich auch nicht in Ebay investiert, ist dieser Gemischtwarentouch. Die PayPal-Abspaltung von Ebay wird ja allgemein als gute Idee betrachtet, weil man der Meinung ist, dass beide Unternehmen als (wieder) selbständige Einheiten ihre Potenziale besser entfalten können. Hierbei natürlich insbesondere PayPal. Und da ich das genauso sehe, habe ich auf die Trennung gewartet und nicht bereits vorher Ebay-Aktien gekauft und dann den Spin-off mitgemacht. Das ist nach deutschem Steuerrecht ja immer ein Rasierklingenritt...

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  3. Sehr geehrter Herr Kissig,

    Paypal legt die Gelder seiner Konten ungesichert an. Es gibt keine Bankgarantie fuer Einzahlungen auf das Paypal Konto. Der Kunde erhält weiters keine Zinsen für seine Einlagen (siehe auch Bericht vor paar Tagen am alphaville der FT).

    Nebst unfähiger Kundenbetreuung sind obere Argumente reichlich gewichtig um die Finger von Paypal zu lassen.
    Siehe auch diesen heise.de Bericht zur Kundenabwicklung: http://www.heise.de/newsticker/meldung/PayPal-Kein-Entkommen-2237432.html

    Mit freundlichen Grüßen,
    M.

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    1. Der verlinkte Artikel beschreibt einen Onlinekauf ohne bei PayPal Kunde zu sein, also über einen sog. Gastzugang. Und die Schwierigkeit, die man dann ggf. haben kann, bei PayPal den richten Ansprechpartner zu finden. Naja, kein wirklicher Aufreger für mich, versuchen Sie mal, bei Amazon was zu klären, was nicht 0815-Standard ist. Wie bei allen Onlineanbietern besteht auch bei PayPal noch einiger Nachholbedarf was Kundenservice angeht. Das ist für mich aber kein Ausschlussgrund für ein Investment.

      Wie kommen Sie zu der Annahme, bei Einzahlungen auf das PayPal-Konto gäbe es keine Bankgarantie? PayPal hat eine Banklizenz nach Luxemburger Recht, unterliegt also der dortigen Einlagensicherung. Darüber hinaus hat Luxemburg eine zusätzliche Garantie abgegeben für Bankguthaben und zwar für 100% bis zu einer Höhe von 100.000 EUR.

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  4. Schlechtes Kundenservice allein wäre nicht so desaströs wenn es dann nicht zu Pannen, die sich mehr als ein halbes Jahr dehnen, wie solchen führt:
    http://www.mirror.co.uk/money/paypal-locked-up-money-207-6198335

    paypal risk fillings F14
    "We invest our cash and cash equivalents and customer accounts primarily in money market instruments and other highly liquid, highly rated instruments which are uninsured. From time to time, we may also have corporate deposit balances with financial services institutions which exceed the Federal Deposit Insurance Corporation (“FDIC”) insurance limit of $250,000."
    Sehen sie selbst nach welche summen dort liegen, letztens waren das Billionen.

    In der USA sind Paypal Konten nicht FDIC versichert, da Paypal keine US banklizenz hat. Die Luxemburger Sache ist eine typische US Steuervermeidung.

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    1. Das Geld, das PayPal in Europa einnimmt (und die Luxemburger Banklizenz ist für die alle EU-Länder gültig), kann PayPal nicht einfach in die USA transferieren, weil es dann versteuert werden müsste. Amazon, Starbucks, Apple, Microsoft usw. stehen u.a doch auch deshalb so in der Kritik, weil sie die Steuern einfach "sparen". Apple hat z.B. Zig Milliarden in der EU auf seinen Konten liegen, die es nicht für seine Aktienrückkäufe nutzen kann - dazu müsste das Geld zuerst in die USA transferiert und versteuert werden. Eine Milliardensteuerlast wäre das. Daher nimmt Apple enorme Kredite (in den USA) auf, um die Aktienrückkäufe bezahlen zu können. Glaube kaum, dass PayPal Kundengelder einfach so bündeln und in die USA für "ein optimiertes Cash-Management" transferieren kann.

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  5. Technisch gesehen hat die Paypal Aktie natürlich hübsche Daten. De gustibus non est disputandum.

    Tatsache ist Paypal ist keine Bank und hat für die Mehrzahl ihrer Konten keine Einlagensicherung. Mehr als Grund genug von diesem Spielertrick (wir verwalten nur) Abstand zu nehmen. Die sich wiederholenden Sperren von Gelder auf Paypal-Konto bekräftigen deren schlampige Arbeitsweise. Ich verstehe bei besten Willen besonders aufgrund ihres fachlichen Bank Hintergrundes nicht wie sie diesem Saftladen loben können. Auf viel höhren Ebay-Ramsch Niveau wird hier nicht gespielt.

    Wünsche Ihnen viel Erfolg mit diesen Investment, das ich sicher nicht teile oder weiterempfehlen würde.

    Ich danke Ihnen ansonsten für Ihre löblichen Mühen und interessanten Artikel!

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