Freitag, 23. Oktober 2015

Microsoft: Cloud? Azure? Only the Sky is the limit!

Microsofts Zahlen zum dritten Quartal waren nicht gut. Sie waren besser. Besser, als erwartet, in vielen Bereichen aber auch schlechter als im Vorjahr. Dieses unterschiedliche Bild zeigt den tiefgreifenden Wandel, dem sich der Software-Dinosaurier unterzieht, um dem Schicksal eben dieser seiner Vorfahren zu entgehen.

Im zweiten Quartal hatte der neue CEO Satya Nadella noch den größten Verlust der Firmengeschichte ausweisen müssen. Nachdem man das unter Vorgänger Steve Ballmer zugekaufte Handygeschäft von Nokia konsequent auf Null abgeschrieben hatte und somit ein Minus von 3,2 Mrd USD ausweisen musste. Da schien es fraglich, ob Ballmers Versuch, den Software-Riesen zu einem integrierten Soft- und Hardwareanbieter nach Apples Vorbild umzugestalten, noch die Kurve kriegen würde. Doch Nadella geht diesen Weg konsequent weiter. Besonders konsequent, könnte man sagen. Denn er lässt kaum einen Stein auf dem anderen, sein Credo lautet "cloud first, mobile first" und unter dieser neuen Ausrichtung müssen alle Aktivitäten ihren Platz (neu) finden.

Und das tun sie oder sie werden gnadenlos ausgemustert. So wie die Handysparte, die so stark geschrumpft wurde, dass rund 10.000 Mitarbeiter das Unternehmen verlassen müssen. Und weitere 1.000 werden ihnen noch folgen, wie heute mitgeteilt wurde. Ein weiterer harter Schnitt, aber nur so wird Microsoft wieder zu einem ernsthaften Player im sich immer schneller wandelnden Markt. Und diesen gestaltet Microsoft inzwischen wieder federführend mit.

Windows 10 ist alles
Dreh- und Angelpunkt in der neuen Strategie ist das Betriebssystem Windows, das in der neusten Variante geräteübergreifend einsetzbar ist und so auf PCs, Notebooks, Smartphones, Tablets und selbst in der Spielekonsole X-Box Verwendung findet. Für Benutzer ist es also einfach(er), sich an neue Geräte zu gewöhnen, weil sie überall das gleiche Betriebssystem mit der gleichen Bedienung und der gleichen Optik vorfinden. Und für Entwickler ist es attraktiv, weil sie nicht viele verschiedene Versionen ihrer Apps programmieren müssen, sondern diese sofort auf allen Windows 10 Geräten funktionsfähig sind. So kann Microsoft den Abstand zu Googles Android und Apple im Bereich Apps schnell verkürzen und so bei den Nutzern punkten.

In Deutschland kaum spürbar, ist Microsofts Suchmaschine bing in den USA zunehmend erfolgreich gegen den übermächtigen Rivalen Google. Die automatische Integration von bing in Windows 10 wird hier für ganz neue Zugriffsraten sorgen und den Marktanteil schnell erhöhen. Insbesondere der hochgelobte Sprachassistent Cortana wird hier zusätzlich unterstützend wirken, denn der greift selbstverständlich auch auf bing zurück. in zwei bis drei Jahren soll Windows 10 auf 1 Milliarde Geräten laufen, das ist das anspruchsvolle Ziel. Und die bisherigen Zahlen lassen vermuten, dass es erreichbar ist, denn nur wenige Monate nach dem Startschuss ist Windows 10 bisher schon auf 110 Millionen Geräten im Einsatz - bisher überwiegend auf PCs und Notebooks, wo es als kostenloses Update früherer Versionen von Microsoft kräftig gepusht wird.

 Microsoft (Quelle: comdirect.de)
Quartalszahlen zeigen den Wandel
Und hier kommen wir zum unerfreulichen Teil der Quartalszahlen, denn die Windowssparte verzeichnete einen Umsatzrückgang von 17 Prozent auf 9,4 Mrd. USD und operative Ergebnis schrumpfte auf 1,56 Mrd. USD. Was angesichts der Verkaufserfolge auf den ersten Blick merkwürdig anmutet, doch der neuen Strategie geschuldet ist. Microsoft verkauft Windows nämlich nicht mehr und erzielt hierdurch sofort einen einmaligen hohen Verkaufserlös, sondern es verschenkt Windows 10 und kassiert nach einiger Zeit dann monatliche Nutzungsgebühren. So fallen also zunächst die Umsatz- und Ergebniszahlen, bevor sie dann stetig ansteigen. Der Vorteil für die Kunden ist, dass die Updates der Software in kurzen Abständen erfolgen und Verbesserungen schneller eingeführt werden als bisher.

In der Wolke liegt die Zukunft
Die bisher zweite große Cash-Cow des Unternehmens neben Windows war Office und auch dieser Bereich ist im Wandel begriffen, denn mit "Office 365" ist man längst dazu übergegangen, sein Office-Paket Geschäftskunden über die Cloud anzubieten. Und das findet großen Anklang. Dazu kommt, dass Microsoft der einzige Herausforderer ist, der mit Amazons AWS mithalten kann. Hier bieten die Unternehmen den Kunden, vorwiegend noch Geschäftskunden, IaaS an, "Infrastructure as a Service". Also Server- und Speicher aus der Cloud. Und Amazon ist mit großem Abstand globaler Marktführer (29%) und Microsoft liegt mit 11% auf dem zweiten Platz. IBM ist mit 7% schon eher abgeschlagen, was auch daran liegt, dass IBM in diesem Bereich "nur" mit 40% wächst, während Amazon und Microsoft Wachstumsraten von über 70% aufweisen.

Und diese Cloud-Aktivitäten werden für Microsoft zunehmend attraktiv und lukrativ. So legte der Umsatz im dritten Quartal um 8% auf 5,9 Mrd. USD zu und das operative Ergebnis auf 2,4 Mrd. USD - also fast 1 Mrd. USD mehr als die klassische Windowssparte.

Microsoft is for the Gamers, too
Der Hardwarebereich von Microsoft wird ebenfalls immer besser. Das Surface, anfangs noch verlacht, hat sich zu einem ernsthaften und nachgefragten Produkt gemausert, das in seiner neusten Version nun sogar von Apple kopiert wird. Richtig gelesen! Apple hechelt Microsoft hinterher, denn während Apple mit dem MacBook und dem iPad auf klassisch getrennte Geräte setzte, ist das neue Surface eine Symbiose aus beiden Welten: ein Notebook, das durch Abnehmen der Tatstureinheit zu Tablet wird. Ebenso bietet man nun für die neuen Lumina 950 und 950 XL eine Dockingstation an, die das Gerät zu vollwertigen PC-Ersatz macht. Microsoft setzt hier erfolgreich den neuen Trend!

Die neue Realität
In der Spielewelt konkurriert Microsofts X-Box vor allem mit Sonys Play-Station und sah bisher wieder der sichere zweite Sieger aus. Allerdings ist die neue HoloLens, eine "Virtual Reality Brille" so gut, das sie ganz neue Spielerlebnisse in 3D möglich macht. Eine andere Entwicklung findet bei der Augmented Reality statt, wo nicht eine komplette virtuelle Welt geschaffen wird, in der man sich bewegt, sondern virtuelle Ergänzungen der realen Welt vorgenommen werden. Wenn man also eine AR-Datenbrille trägt, erhält man hierüber zusätzliche Informationen zu den Dingen oder Geschäften, die man gerade sieht. Also Touristeninformationen zum Eiffelturm oder die Öffnungszeiten des kleinen Ladens um die Ecke. Auch in diesem Bereich ist Microsoft mit seiner Forschung und seinen anstehenden Produkten ganz vorne mit dabei.

Während diese Entwicklungen noch teilweise Zukunftsmusik sind, die jedoch die Rückverwandlung Microsofts zurück zu einem äußerst innovativen Unternehmen zeigen, können sich Aktionäre in dieser Übergangsphase relativ entspannt zeigen. Denn unter dem Strich, bei allen Herausforderungen, verdient Microsoft weiterhin richtig Geld. 4,62 Mrd. USD bzw. 0,67 USD je Aktie  blieben netto in der Kasse und damit rund 8% mehr als im Vorjahr. Und damit deutlich mehr (8 Cents je Aktie) als Experten - und ich - erwartet hatten.

Aktionäre profitieren mehrfach
Die Verschuldung lag zum Quartalsende bei 37,5 Mrd. USD, der Cash-Bestand inkl. kurzfristiger Vermögensanlagen bei inzwischen 99,4 Mrd. USD. Das ist bemerkenswert, denn Microsoft zahlt eine attraktive Dividende und hat gut 4 Mrd. USD in Aktienrückkäufe investiert. Microsoft bleibt damit trotz des Wandels und der großen Herausforderungen eine wahre Cash-Maschine.

Und Nadella hatte kürzlich angekündigt, die Aktienrückkäufe auszuweiten und die Dividende kräftig anzuheben. Anstelle der bisherigen 0,31 USD wird es nun 0,36 USD je Aktie pro Quartal geben, ein Anstieg von 16% und die damit die zwölfte Anhebung im zwölften Jahr. Die Dividende wird am 10. Dezember ausgeschüttet, der Dividendenabschlag erfolgt am 17. November.

Fazit
Nadellas Strategieschwenk zeigt Wirkung und Microsoft wird zu einem Gewinner des Wandels hin zu Cloud und mobilen Anwendungen. Das Unternehmen befindet sich seit längerem auf meiner Empfehlungsliste und ist für mich aufgrund der Erfolge wieder ein (Nach-) Kauf. Dank der jüngsten Zahlen befindet sich der Aktienkurs auf dem Weg zu seinem Allzeithoch aus dem Jahr 2000.

Kommentare:

  1. Servus,

    "Besser, als erwartet, in vielen Bereichen aber auch schlechter als im Vorjahr."

    Falls du damit auf den Umsatz anspielst: es gibt durch diesen Wechsel hin zu periodisch wiederkehrenden Zahlungen (Office 365 uä) einen negativen Effekt auf den Umsatz. (Ich habe diesen Effekt allerdings nicht herausgerechnet)

    Microsoft erklärt diesen Effekt in einer kurzen Präsentation auf der IR-Seite: http://www.microsoft.com/investor/default.aspx (unter Announcements: Windows 10 Revenue Recognition)

    Ich habe Microsoft ursprünglich nur gekauft, weil die Aktie billig war. Der neue CEO bringt aber wirklich neuen Wind in das Unternehmen. Nachdem, was ich bei Microsoft sehe, muss ich mir langsam überlegen, was ich mit meiner IBM-Position mache. (Nicht mehr so) Big Blue scheint wirklich den Anschluss zu verlieren.

    Danke für deine Meinung.

    Gruß
    Tom

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    1. Moin Tom,
      die Erlöse in der Sparte Windows und im PC-Segment sind deutlich gefallen, die Ergebnisse ebenso. Das ist - auch - dem Wandel des Unternehmens geschuldet hin zu periodisch wiederkehrenden Zahlungen, wie Du ausführst. Ich habe das Trend hin zu "monatlichen Nutzungsgebühren" im Artikel bezeichnet, Deine Formulierung ist natürlich korrekter. Aber wir meine das gleiche.

      Was Deine Einschätzung von Microsoft vs. IBM angeht, bin ich da ganz bei Dir. Microsoft ist für mich (wieder) ein Kauf, IBM nach wie vor nicht.

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  2. Hast Du eigentlich eine gute Statistik mit den Marktanteilen von AWS, Azure und so weiter, die Du weiter oben anführst? Mich würde interessieren, worauf sich das bezieht.

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    1. Moin Daniel,
      die habe ich leider nicht zur Hand. Ich beziehe mich auf eine sehr ausführliche Darstellung, die vor einigen Tagen in englischsprachigen einem Artikel gelesen habe, entweder bei The Motley Fool oder SeekingAlpha. Da war neben hübschen Tortengrafiken auch eine Menge Prosa zur Erläuterung dabei. Wobei ich zugeben muss, die technischen Feinheiten nicht vollumfänglich verstanden zu haben. Das ist schon auf Deutsch schwierig, aber auf Englisch gleich noch eine Nummer schwerer, da man als "Normalbürger" hier ja wenig Berührungspunkte mit den Produkten hat.

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    2. Daniel:

      Mit Google lassen sich einige Statistiken finden. Welche Statistiken am ehesten den realen Status abbilden - darüber kann man streiten.

      Ich habe heute morgen das Earnings Call Transcript zu den Q1-Zahlen von MSFT durchgelesen (auf der IR-Seite von MSFT abrufbar). Schwierig, von aussen zu beurteilen, aber folgendes Zitat von Nadella (MSFT-CEO) sticht meiner Meinung nach heraus:

      "Moving to the Intelligent Cloud. Before I talk about the great progress we’re making with our intelligent cloud platform I want to pause and reflect on where we are as an industry. While many companies are developing commercial cloud offerings, there are really only two driving enterprise cloud platform innovation at massive scale: Amazon and Microsoft. We push each other, and we each have a unique approach. Microsoft has bet on a strategy to build a hyper-scale public cloud as well as reinvent servers as the edge of our cloud. This approach gives customers a true hybrid distributed computing platform that reflects their real-world needs. Our unique hybrid approach coupled with high-value services is clearly a structural advantage."

      Ich interpretiere das so: Nadella betrachtet Amazon als den härtesten Konkurrenten. IBM nur als einen von vielen, aber nicht so gefährlichen.

      Die Zahlen sprechen für sich. Während sich IBM auf Währungseffekte ausredet, wachsen die anderen beiden trotz dieser Effekte (auch wenn IBM relativ gesehen etwas mehr Geschäft außerhalb der USA macht).

      Ich bin auch IBM-Aktionär, aber langsam verliere ich das vertrauen in das Management.

      Tom

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  3. Okay. Hier liegt nämlich meines Erachtens auch der sprichwörtliche Hund all jener begraben, die IBM zum Vorwurf machen, dass sie "in der Cloud" gegen Amazon und Microsoft keine Chance hätten. Es gibt nicht "die Cloud" als eine Geschäftssparte, sondern viele verschiedene Facetten davon. Eine davon ist Infrastructure as a Service. Hier führt Amazon um Längen. Das ist aber auch ein Massengeschäft und wie geschaffen für Amazon, denen Umsatz wie in allen anderen Geschäftsbereichen vor Marge geht. Dann gibt es aber noch andere Bereiche, die da offensichtlich kreuz und quer von den Wirtschaftsjournalisten zusammengeschmissen werden.

    Nur als Beispiel: IBMs gesamter Cloud-Umsatz beträgt derzeit fast 10 Milliarden US-Dollar aufs Jahr hochgerechnet. Das ist wesentlich mehr, als Amazons gesamter AWS-Bereich. Jetzt kann man einen Teil davon herauspicken - zufälligerweise einen Teil der bei Amazon sehr viel ausmacht und bei IBM weniger - und sagen: Jaa, aber hier hat IBM nur 7% Marktanteil und deshalb sind sie überhaupt auf verlorenem Posten. Das macht zwar eine gute Story, schießt aber etwas an der Realität vorbei.

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  4. Der Anonym von 11:34 Uhr war übrigens ich :-)

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  5. @TomB: Was führt dazu, dass Du das Vertrauen in das Management verlierst bei IBM?

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    1. Was du schreibst, stimmt natürlich.

      Bezüglich Vertrauen: Tatsache ist, dass die Ergebnisse schwächer werden. Mit rückläufigen Umsätzen bei höheren Margen habe ich kein Problem, aber jetzt gehen auch die Margen zurück.

      Ich gebe zu, ich habe mir die IBM-Management-Aussagen zu den neuesten Ergebnissen noch nicht durchgelesen (das sollte ich wohl schleunigst nachholen), aber die davor sind immer darauf hinausgelaufen, dass das Management meint, bereinigt um Währungseffekte ist eh alles in Ordnung. Wenn man sich die Zahlen ansieht, stimmt das aber nicht.

      Ein Großteil meines (persönlichen) Zwiespalts kommt wohl daher, dass ich IBM nicht gut genug verstehe. Ein guter Teil meines IBM-Engagements geht darauf zurück, dass Buffett gekauft hat. Der hat sich allerdings auch schon getäuscht, wie ich mit Tesco schon schmerzlich erfahren habe. (Nebenbei bemerkt: zu kaufen, weil jemand anders kauft, ist eine schlechte Idee, auch wenn der Jemand Buffett heißt ;-)

      Wie gesagt, ich habe bezüglich IBM noch nicht entschieden zu Verkaufen, aber überlegen werde ich mir das noch.

      Gruß
      Tom

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  6. Naja, dass die Margen zurückgehen, sehe ich zumindest langfristig nicht. Die Rohmarge ist über mehrere Jahre betrachtet um deutlich über 2 Prozentpunkte gestiegen. Die Vorsteuermarge ist heuer (bis dato, das Jahr ist ja noch nicht aus) etwas niedriger als sonst, was aber zu einem nicht unwesentlichen Teil darauf zurückzuführen ist, dass trotz Verkauf der letzten Geschäftsbereiche die R&D-Aufwendungen unterproportional zurückgegangen sind. Die R&D-Quote ist von 6 auf 6,5% gestiegen.

    Ich verstehe auch nicht im Geringsten, was man dem Management vorwirft oder überhaupt vorwerfen kann. Wenn man sich Geschäftsbericht für Geschäftsbericht ansieht, und ihren Kernfokus analysiert (die sogenannten "strategic imperatives"), was sie dort tun und wie sich diese Bereiche operativ entwickeln, vor allem auch, wie das Watson Ecosystem entsteht (wo der gute Michael meint, das sei vernachlässigbar :-) ), dann ist das eine beeindruckende Leistung. Wenn man dann noch ihre Kapitalallokationspolitik berücksichtigt (sprich die Aktienrückkäufe zu diesen Kursen), dann komme ich zur Auffassung, dass das Management von IBM von allen Unternehmen, die ich bisher in meinem Leben analysiert habe, gemeinsam mit jenem von Do&Co das Beste ist, was ich bis dato gesehen habe.

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    1. "Vernachlässigbar"...

      Naja, so habe ich das nicht geäußert. Ich meine jedoch, dass IBM nicht der einzige Player im Bereich "Cogntiv Computing" ist und es sich noch erst herausstellen muss, ob sich damit auch wirklich Geld verdienen lässt. Und ob dies dann IBM sein wird. In diesem Bereich werden - Stand heute - weltweit nur 500 Millionen USD umgesetzt und das ist zu wenig, als dass man hier einseitig und unbegrenzt seine Hoffnungen drauf setzen könnte. Oder sollte.

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  7. Daniel sehr schön geschrieben und ganz auf meiner Linie
    die wenigsten haben da eine Vorstellung was die da alles machen und ich hoffe das bleibt noch ein Weilchen so
    da ich ab und an was nach kaufen möchte
    Tschü

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  8. Microsoft Aktie - rating strong sell
    Gewinnwachstum in letzten 5 Jahren 0,01% jährlich.
    KGV 32.4, KUV 4.0, KBV 4.7. Also reif für den Verkauf und nie wieder kaufen. Das ist die falsche Aktie für Buffett oder Graham, weil dem Unternehmen die Konkurrenz schadet und die Aktie ist 2x überbewertet.
    http://finance.yahoo.com/q/ae?s=MSFT+Analyst+Estimates
    http://finance.yahoo.com/q/ks?s=MSFT+Key+Statistics

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    1. Bei Softwareunternehmen sind hohe Kurs-Buchwert-Verhältnis eher die Regel denn die Ausnahme, denn es werden wenig(er) Maschinen benötigt, sondern die Ressource besteht in der Manpower. Und was das vorgeblich hohe KGV dieses Jahres angeht, so ist das einerseits durch die Milliarden-Abschreibung auf den kompletten Firmenwert der Handysparte (vormals Nokia) im zweiten Quartal zurückzuführen, die zu einem Quartalsverlust von 3,2 Milliarden USD führte. Insofern ist der Gewinn dieses Jahres kaum aussagefähig für die kommenden. Hier sollte man eher auf die Zukunft, also den zu erwartenden 2016er Gewinn schauen und die Folgejahre. Und gerade hier wird sich der Gewinn ja (wieder) erhöhen, weil die neuen Geschäftsmodelle ja erst künftig so richtig auswirkt (weg von den Einmal-Verkaufserlösen hin zu den periodisch wiederkehrenden Einnahmen).

      Aber ich gebe Dir recht, dass MSFT heute nicht mehr so ein offenkundiges Schnäppchen ist wie zu dem Zeitpunkt, als ich die Aktie vor etwa drei Jahren als "verkanntes Value-Investment" auf meine Empfehlungsliste genommen habe. Damals lag das 2013er KGV bei 8,5 und die Dividendenrendite bei stolzen 3,5%. Allerdings sind die damals ausgeschütteten 23 Cents inzwischen auf 36 Cents pro Quartal angewachsen; eine Steigerung um mehr als 56%, also eine durchschnittliche Dividendenerhöhung von 17% pro Jahr.

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  9. Richtig, Deine Ausdrucksweise war, dass Du es als eingepreist ansiehst. Im Ergebnis läuft es aber auf das selbe raus. Und da muss ich eben widersprechen. Und ich meine - vielleicht etwas arrogant - relativ viel über das Unternehmen IBM zu wissen.

    Natürlich ist IBM nicht der einzige Anbieter, der im Cognitive Computing etwas macht. Aber mit diesem Bereich ist es zwecks der Greifbarkeit und Fassbarkeit noch viel schlimmer, als mit "der Cloud". Es wird in einem Artikel eine Zahl hineingeworfen, die sich auf irgendeine Schätzung bezieht und wo man nicht einmal weiß, was da alles berücksichtigt wurde.

    Das Geschäftsfeld von IBM und seinen Konkurrenten, das Potenzial davon, und vor allem die aktuelle operative Entwicklung kann man nicht erkennen, indem man die Wirtschaftswoche liest. Da muss man schon etwas genauer hinsehen und sich über das Geschäftsmodell den Kopf zerbrechen. Nimm das Kinderspielzeug CogniToy, das im Dezember 2015 auf den Markt kommt. Da läuft Watson drauf. IBM bekommt eine Umsatzbeteiligung und hat quasi null Kosten. Analog dazu gibt es noch über 100 andere Produkte bzw. Apps, die Watson-basiert sind und bereits AM MARKT sind. Ein Vielfaches davon ist in der Entwicklungspipeline. Buffett hat selbst in einem Interview vor kurzem gesagt, dass Geico innerhalb des letzten Jahres Millionen dafür ausgegeben hat, um Einsatzmöglichkeiten für Watson zu finden. Das sind jetzt nur einige Ausschnitte aus dem Portfolio von IBM, aber die sind meines Erachtens schon ein gewichtiges Indiz dafür, dass die 500 Millionen Dollar weltweiter Gesamtumsatz völlig aus der Luft gegriffen sind (weil es auch gar nicht quantifizierbar ist).

    Bitte versteh` mich nicht falsch. Ich will hier nicht mein Investment in IBM rechtfertigen, ich will nur Fakten von purer Raterei trennen. Natürlich weiß ich nicht, ob sich IBM in Zukunft gut entwickeln wird, es kann sein, dass Googles Deepmind in drei Jahren alles über den Haufen schmeißt. Worum es mir geht, ist entschieden dafür aufzutreten, dass jeder einzelne Vorwurf, der IBM derzeit gemacht wird, nicht durch belastbare Fakten untermauerbar ist. Weder investiert IBM nicht genug in sein operatives Geschäft, noch können sie sich die Aktienrückkäufe nicht leisten, noch ist das Management schlecht, noch wird Amazon IBM "in der Cloud" vernichten, noch hat IBM seinen Innovationsgeist verloren.

    Abschließend noch ein paar Worte zu den Mitbewerbern im "cognitive computing": der Moat in diesem Bereich entsteht durch die Leistungsfähigkeit des Analysetools. Die Leistungsfähigkeit des Analysetools hängt wiederum mit der Anzahl der Interaktionen mit diesem Tool zusammen, anders ausgedrückt mit der Zeit, die damit verbracht wird, dem Ding Sachen beizubringen und der Breite der Branchen, die damit interagieren. Meiner Ansicht nach hat IBM bisher die meiste Zeit gepaart mit der größten Branchenbreite und somit den Moat. Und zwar einen, der schwerer zu überwinden ist, als alle Moats, die ich sonst aus der Praxis kenne. Nimm die Krebsdiagnostik als Beispiel: das Know How von Watson in diesem Bereich stammt von der besten Krebsklinik der Welt. Die haben dem Ding über ein paar Jahre sehr viele Sachen beigebracht und es sammelt vor allem schon enorme Behandlungserfahrung. Angenommen, Amazon kommt jetzt auf die Idee, sie wollen auch sowas anbieten (was sie zumindest offiziell nicht tun). Glaubst Du, sie können so mir nichts dir nichts dieses Tool replizieren?

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    1. Ich finde, Du betrachtest "Dein" IBM-Investment etwas zu emotional, was selten ein guter Ansatz ist. Ich akzeptiere, dass Du von IBM und seinem Potenzial überzeugt bist und dass Du Watson für den großen Wurf hältst. Damit magst Du richtig liegen, ich kann das nicht beurteilen und letztlich wird es erst die Zeit zeigen. Ich sage nur, dass IBM mit seinem Konzernumbau nicht wirklich vorankommt und dass Watson mir zu viel Zukunftsmusik ist, als dass es für mich jetzt schon eine Rolle spielen würde. Jedenfalls keine entscheidenden, nur als Add-on.

      Ich möchte mal an Ballard Power erinnern, die vor 15 Jahren eine Hyfligher-Aktie waren, weil sie die Zukunft der automobilen Antriebstechnik entwickelten: Wasserstoff-Brennstoffzellen. Daimler und andere große Autofirmen waren beteiligt und es galt als sicher, dass der große Durchbruch kommen wird und Mercedes hatte angekündigt, innerhalb von zwei oder drei Jahren die A-Klasse in Serienfertigung mit Brennstoffzellen an den Markt zu bringen. Das ist mehr als 10 Jahre her...

      21 Jahre ist es nun her, dass Michael Crichton seinen Bestseller "Enthüllung" veröffentlichte (verfilmt mit Michael Douglas und Demi Moore), bei dem es vordergründig um sexuelle Belästigung eines Mannes durch seine Vorgesetzte ging. "Randerscheinung" dabei war virtuelle Realität und man hatte damals das Gefühl, es würde eher Wochen als Monate dauern, bis wir alle mittels virtueller Brillen und Handschuhe unsere PCs und die halbe Welt steuern würden. Nun, 20 Jahre später rückt diese Wirklichkeit näher und kommt als Konsumentenanwendung auf den Markt. Die 20 Jahre dazwischen waren für die Aktionäre der beteiligten Firmen kein Zuckerschlecken, die meisten sind inzwischen Pleite gegangen. Dabei hat(te) diese Technologie so große Zukunftschancen.

      Damit will ich sagen, dass Potenzial und Genie nicht reichen, es muss auch zur Umsetzung kommen und dann muss daraus ein profitables Geschäftsfeld werden. Wie das iPad. Das hat nicht Steve Jobs erfunden, sondern Bill Gates, knapp 10 Jahre vor ihm. Aber das Microsoft-Gerät war zu unhandlich, zu klobig, zu schwer und ein gigantischer Flop. Bis Apple ein Produkt auf den Markt brachte, das zum richtigen Zeitpunkt die richtige Antwort war. (Nur) deshalb wurde es auch zu einem erfolgreichen Geschäftsmodell und Produkt. Oder der Elektromotor in der Automobilindustrie, vor 100 Jahre Stand der Technik, bis das billige Benzin und die Verbrennungsmotoren das Ruder übernahmen. Und zwar, weil sie den Kraftstoff befördern konnten und damit Reichweite boten, während der Stromantrieb an den Batteriekapazitäten scheiterte. Déjà-vu könnte man sagen. Heute setzen die Ingenieure wieder genau dort an, wo Otto und Diesel die Entwicklung geschrottet haben mit ihren Erfindungen. Der Elektromotor muss erst noch zu einem einträglichen Geschäftsmodell werden. Und damit meine ich nicht Tesla, die an jedem Auto fünfstellige Summen verlieren und zur Finanzierung ständig neue Aktien ausgeben und Kredite aufnehmen. Ich meine Profit.

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  10. Ich finde nicht, dass ich hier emotional geworden bin. Ich habe Fakten zum Geschäftsmodell von IBM gebracht, die meiner Meinung nach in der bisherigen Diskussion im Blog gefehlt haben und darauf eine Schlussfolgerung aufgesetzt. Ob man diese teilt oder nicht, ist natürlich immer subjektiv. Wie schon gesagt: ich will mein IBM-Engagement nicht rechtfertigen. Mir ist das völlig wurscht, ob jemand anderer über IBM gleich denkt wie ich und sich im Markt auch dort positioniert. Wenn ich falsch liege, fühle ich mich ja nicht dadurch besser, dass viele andere auch Geld verloren haben. Ich melde mich hier bei Dir nur zu Wort, weil ich gerne diskutiere, nicht weil ich meine Emotionen ausleben will.

    Übrigens sehe ich auch die Behauptung, man komme mit dem Konzernumbau nicht voran, bei näherem Hinsehen nicht wirklich durch Fakten aus dem operativen Bereich rechtfertigbar, außer wenn man als alleinigen Maßstab einen leicht sinkenden absoluten Umsatz hernimmt. Tatsache ist, dass man mit den strategic imperatives von 2010 bis 2014 eine durchschnittliche Wachstumsrate von 14% p.a. erzielt hat. Year to date ist dieses Wachstum noch mal deutlich größer gewesen (Währungsbereinigt 30%). In absoluten Zahlen hat man in etwas mehr als fünf Jahren dieses "neue" Kerngeschäft von 13 auf 30 Milliarden Dollar Umsatz hochgetrieben. Da dieses neue Kerngeschäft kürzlich sogar noch schneller zu wachsen begonnen hat, ist es irgendwo logisch, dass viele herkömmliche Produkte aus IBMs Portfolio nicht mehr so gut verkauft werden.

    Mach mal Folgendes: bewerte den Bereich "strategic imperatives" von IBM so, als wäre es ein eigenes Unternehmen. Setz einen Multiple drauf, den derzeit Unternehmen mit solchen Wachstumsraten, wie sie IBM im neuen Kerngeschäft hat, bekommen. Viel bleibt da für das "alte" IBM nicht mehr übrig, obwohl das alte IBM 50 Mrd. Umsatz und mehrere Mrd. Free Cashflow generiert (große Teile davon als "annuity", weil es langjährige Verträge gibt).

    Und bitte nochmal: nicht als emotionales Statement von mir deuten, ich diskutiere nur gern :-)

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    1. Daniel, mit "emotional" habe ich mich nicht auf Deine Argumente bezogen, sondern dass Du Gegenargumente und anderslautende Einschätzungen als "Vorwürfe" (gegen das Management) bezeichnet hast.

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  11. Okay. Das war eine nicht korrekte Wortwahl. Da hast Du Recht.

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  12. Ich rechne es dem Mangement groß an dass es entgegen dem Druck von außen KEINE großen,teueren, unsinnigen Akquisitionen tätigt nur um den Umsatz endlich mal wieder anzuheben. Möge es weiter so bleiben.

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    1. Der letzte große Zukauf war die Handysparte von Nokia und das war keine Glanzvorstellung. Und auch Skype ist bisher keine wirkliche Erfolgsgeschichte. Insofern ist es wirklich gut, dass Microsoft darauf setzt, die Umsatzrückgänge organisch zu kompensieren und die Entwicklungen lassen hier auf mittlere und lange Sicht viel Hoffnung zu.

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  13. Ich meinte IBM ;)

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    1. Das dachte ich mir, aber ich wollte die Gelegenheit nutzen, noch kurz etwas zu Skype und Nokia zu pamphletisieren. =)

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