Freitag, 31. Juli 2015

Blackstone erzielt bei Kunststoff-Exit Milliardengewinn

Am Dienstag schoss die Aktie des deutschen Verpackungsspezialisten Gerresheimer in der Spitze um 20 Prozent nach oben, denn man gab die Übernahme des Mitbewerbers Centor US Holding für 725 Mio. USD bekannt. Heute konterte US-Konkurrent Berry Plastics und kündigte den Erwerb von Avintiv für 2,45 Milliarden USD in bar an, eines weltweit aktiven US-Spezialisten für Materialien zur Infektionsprävention, um damit sein Geschäft mit Spezialkunststoffen zu stärken.

Milliardengewinn für Blackstone
Interessant für mich wird diese Meldung, weil der bisherige Alleineigentümer der Avintiv, die bis vor kurzem noch PGI Specialty Materials Inc. hieß, der Private Equity Investor Blackstone Group ist. Ein Wert, über den ihr hier im Blog regelmäßig lesen könnt und der seit Ende letzten Jahres nicht nur meine Empfehlungsliste ziert, sondern auch die inzwischen größte Position in meinem Portfolio darstellt.

Bemerkenswert an dem Deal ist, dass Blackstone die PGI im Jahr 2010 gekauft hat und zwar zu einem Preis von 326,2 Mio. USD. Der jetzt verkündete Verkauf bringt also knapp 2,125 Mrd. USD an Gewinn in 5 Jahren, was beinahe eine Verachtfachung des eingesetzten Kapitals bedeutet.

Hohe Dividende ante portas
Der Deal soll bis Ende des Jahres abgewickelt sein und wird somit vermutlich in die Februar-Dividende von Blackstone einfließen, also die übernächste Quartalsausschüttung. Denn die letzte ist ja eben gerade erst erfolgt.

 Blackstone (Quelle: comdirect.de)
Bis hierhin klingt das alles noch nicht spektakulär, denn Blackstone bilanziert ja nicht nach deutschem HGB, sondern schreibt seine Beteiligungen und Vermögenswerte regelmäßig hoch oder runter. Der Verkaufsgewinn wird sich also kaum mit 2,1 Mrd. USD im sog. "Economic Net Income" (Nettogewinn) auswirken, da hier der Wert der PGI bzw. Avintiv bereits in den letzten Jahren an die 2 Milliardenmarke hochgeschrieben worden sein dürfte.

Enorme Auswirkungen wird der Verkaufsgewinn allerdings auf eine andere Größe haben, Blackstones "ausschüttungsfähigen Gewinn". Denn vom Nettogewinn, der die dieser Periode zuzurechnenden Gewinne ausweist, ist der ausschüttungsfähige Gewinn zu unterscheiden, der die Gewinne beziffert, die wirklich in dieser Periode zugeflossen sind. Und die für Ausschüttungen an die Aktionäre zur Verfügung stehen.

Blackstone hat soeben 0,74 USD als Quartalsdividende ausgeschüttet und das bei einem ausgewiesenen ausschüttungsfähigen Gewinn im 2. Quartal von 1 Mrd. USD. Der aktuelle Deal bringt alleine schon einen Gewinn von 2,125 Mrd. USD! Hinzu kommen die übrigen Einnahmen, die aus den Mieten stammen, die Blackstone als größter Immobilieneigentümer der USA erzielt, und aus den Honoraren, Gebühren und Ausschüttungsbeteiligungen, die man für das Managen der vielen Spezialfonds erhält, die man für Anleger verwaltet. Die so wichtige Kennzahl hierbei heißt AUM, Assets under Management, also das verwaltete Vermögen, denn jeder verwaltete Dollar bringt Gebühren für Blackstone - und seine Aktionäre. Diese AUM betrugen per 30. Juni 333 Mrd. USD und damit 19% mehr als die am Ende des Vorjahreszeitraums verwalteten 279 Mrd. USD. Ende März hatten die AUM noch bei 310 Mrd. USD gelegen.

Fazit
Man kann also davon ausgehen, dass die Dividende Anfang nächsten Jahres eine Rekorddividende werden wird und der Gewinn aus dem Deal zeigt, welche versteckten stillen Reserven sich noch im Portfolio von Blackstone verbergen, die in den nächsten Monaten und Jahren sukzessive gehoben und versilbert vergoldet werden. Sicherlich wird der Aktienkurs von Blackstone volatil bleiben und stark schwanken, auch entsprechend der jeweiligen Börsenstimmung. Aber der Wert von Blackstone als Asset-Eigentümer schwankt weit weniger stark, sondern zeigt solide nach oben. Und da Blackstone über enorme liquide Mittel verfügt und ihm die Kunden immer weitere zusätzliche Mittel anvertrauen, sind Marktschwächen für Blackstone weniger Risiko als Chance. Chance, günstig einzusteigen und das Geld seiner Anleger zu vervielfachen. Ich bin und bleibe jedenfalls an Bord und freue mich jetzt schon auf das zu erwartende - wenn auch verspätete - Weihnachtsgeschenk der Jahresanfangsdividende...

ALNO als aussichtsreiche Turnaround-Spekulation?

Ab und zu erreichen mich Leserfragen zu einzelnen Aktien und ich habe mich entschieden, sie sporadisch auch hier im Blog abzuarbeiten. Heute geht es um den kriselnden Küchenhersteller ALNO.

Profil

Die ALNO AG ist ein deutsches Unternehmen, das sich auf die Entwicklung, Produktion und den Vertrieb von Küchenmöbeln spezialisiert hat. Der Konzern gilt als einer der größten Hersteller von Einbauküchen und vertreibt neben daneben auch ergänzende Elektrogeräte und Zubehör. Zu den ALNO-Kunden gehören in erster Linie Wiederverkäufer aus den Bereichen Mitnahme- und Selbstbedienungsmärkte, Einrichtungshäuser, Küchenspezialisten sowie Immobilienprojektentwickler. Neben fertig geplanten Küchen bietet der Konzern auch die Planung individueller Küchen, die speziell auf die Bedürfnisse und Wünsche der Endkunden zugeschnitten sind. Unter den Marken ALNO, Wellmann, Impuls, Pino sowie Piatti und ALNOINOX werden Küchen in verschiedenen Preissegmenten angeboten. Bei der Entwicklung und Fertigung seiner Küchen arbeitet der Konzern eng mit Tochtergesellschaften in Großbritannien, Belgien und den Niederlanden zusammen.
(Quelle: finanzent.net)

Leserfrage von A.J.

Hallo Herr Kissig,
ich schätze Ihren Blog sehr. Ab und zu ist da ja auch mal ein Turnaround-Kandidat dabei. Mich würde interessieren was Sie von Alno halten. Ich halte seit geraume Zeit eine Position im Minus und bin bislang nicht gewillt zu verkaufen, da ich nach wie vor Potential sehe. Es scheint ja wieder aufwärts zu gehen. Der Kurs spiegelt das allerdings noch so gar nicht wieder. (...)
Schönen Gruß
A.J.

Meine Einschätzung

Moin moin,
ALNO habe ich vor anderthalb Jahren mal auf der Watchlist gehabt, da stand der Kurs so um die 1 EUR. Damals war der Max Müller noch recht frisch dabei und es gab einige Hoffnungen, dass operativ der Turnaround gelingen könnte durch Rationalisierungen Veränderungen in den Finanzierungsstrukturen. Whirlpool als Großaktionär hatte meiner Erinnerung nach auf Forderungen/Darlehen verzichtet bzw. Müller hat die selbst übernommen (hierzu ein älterer kritischer Bericht aus dem Handelsblatt).

 ALNO (Quelle: comdirect.de) 
Was mir damals nicht gefiel, war die Vertragsgestaltung mit Max Müller. Der bekam vor allem über einen hoch dotierten Beratervertrag Geld. Das war für mich kein wirkliches Bekenntnis zum Unternehmen. Und die Tatsache, dass ALNO es in einer Boombranche im Prinzip seit dem Börsengang nicht verstanden hat, profitabel zu wirtschaften. Obwohl andere, wie Rational, das können.

Nun hat man in einem Quartal mal ein positives EBITDA ausweisen können, also vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Allerdings ist ALNO hoch verschuldet und daher reicht der Blick auf dieses operative Ergebnis natürlich nicht aus, sondern gesund ist das Unternehmen erst, wenn auch dann etwas übrig bleibt, wenn alle Kosten bezahlt sind. Insbesondere die Zinsen. Daher führt der ALNO-Vorstand ja auch gerade Verhandlungen mit den Gewerkschaften über einen weiteren massiven Stellenabbau. Auch Griechenland hatte unlängst behauptet, man weise einen "Primärüberschuss" im Haushalt aus und sei eigentlich gesund. Am nächsten Tag schlossen dann die Banken.

Mir ist natürlich klar, dass dies eine arge Verkürzung der Geschehnisse ist und der Vergleich etwas hinkt... Doch unterm Strich bleibt festzustellen, dass ALNO eine Dauerbaustelle ist, wo es immer wieder an neuen Enden brennt, wenn gerade mal eines der Feuer gelöscht wurde. Seit 20 Jahren, mindestens dem Börsengang 1995, geht das nun schon so. Und ich habe keine großen Hoffnungen, dass hier ein nachhaltiger Turnaround gelingen wird.

"Sobald bei einem schwierigen Unternehmen ein Problem gelöst ist, taucht
das nächste auf. In der Küche ist niemals nur eine Küchenschabe."
(Warren Buffett)

Turnarounds finde ich immer dann spannend, wenn eigentlich grundsolide Firmen in vorübergehende Schwierigkeiten kommen und straucheln. Auf dieser Basis kann man aufbauen und ggf. günstig einsteigen. Aber Firmen, die sich seit Jahren knapp über Wasser halten und schon mit Tricks und Kniffen ihr Überleben sichern müssen, da lasse ich lieber die Finger davon.

Mit freundlichen Grüßen
Michael C. Kissig

Was ist... ein Margin Call?

Der Begriff Margin Call, also ein "Aufruf zur Sicherheitsleistung", stammt aus dem Devisenhandel, wo Broker einem Investor Kapital für dessen Spekulationen zur Verfügung stellen. Dafür muss der Investor eine Sicherheitsleistung zwischen 0,25% und 1% , die Margin, hinterlegen. Drohen nun Verluste aus den Handeslpositionen, die die Margin überschreiten würden, erfolgt ein Aufruf zum Nachschießen. Andernfalls werden die Handeslpositionen durch den Broker zwangsweise geschlossen.

Analog hierzu verhält es sich mit Wertpapierkrediten, bei denen Wertpapiere als Sicherheiten für den Kreditbetrag verpfändet werden. Fallen Kursverluste an, so dass die Sicherheiten unter den Kreditbetrag sinken, erfolgt der Margin Call - es muss Geld nachgeschossen werden, oder Wertpapiere verkauft werden, bis mindestens die Margin wieder höher ist als der restliche Kreditbetrag.

Chancen der kreditfinanzierten Spekulation
Kredite aufzunehmen, um dann mit diesem Geld Aktien oder womöglich noch spekulativere Finanzprodukte, wie Optionen, zu kaufen, ist verlockend, denn man kann mit geringem Einsatz eigenen Geldes große Spekulationssummen bewegen. Solange die Kurse in die gewünschte Richtung laufen, wachsen die Buchgewinne schnell an. Doch dieser sog. "Hebel" wirkt in beide Richtungen...

Risiken der kreditfinanzierten Spekulation
Und wo Chancen sind, sind auch Risiken. Wenn nämlich die Spekulation nicht aufgeht und sich die Kurse nicht wie erwartet entwickeln, dann türmen sich sehr schnell große Verluste auf. Unter Umständen so schnell, dass sie größer sind, als das eigene Kapital, das man ursprünglich zur Verfügung hatte. Die "Margin Call" ist dann eher als finanzieller Todesstoß zu verstehen, wenn man nicht noch irgendwo anderes Geld parat hat - nur um seine Verluste aus den riskanten Wetten abdecken zu können. Denn wenn der Broker anruft und frisches Geld einfordert, dann ja gerade zu dem Zeitpunkt, wo einem finanziell das Wasser eh bis zum Hals steht.

"Geliehenes Geld hat keinen Platz im Investoren-Werkzeugkasten.
An den Märkten kann jederzeit alles passieren."
(Warren Buffett)

Value Investoren meiden kreditfinanzierte Investments
Value-Investing ist auf mittel- und langfristige Sicht angelegt und nicht auf das Mitnehmen kurzfristiger Kursschwankungen. Wenn man nun für eine Aktie, die man jahrelang im Depot behält, 6,5% Zinsen pro Jahr für den Kredit bezahlen muss, muss die Aktie um diese 6,5% pro Jahr steigen, um nur die Kreditzinsen zu verdienen. Zusätzlich verliert man durch die Kreditfinanzierung seine Handlungsfreiheit, nämlich die Freiheit, nichts zu tun, Geduld zu haben, sein Geld für sich arbeiten zu lassen. Das Geld arbeitet bei auf Kredit finanzierten Wertpapieren gegen einen, das Chance-Risiko-Verhältnis ist deutlich negativ. Daher ist eine der "goldenen Regeln des Value Investings": kaufe niemals auf Kredit!

Donnerstag, 30. Juli 2015

Bei der H.P.I. Holding ist ganz schön was im Busch

Die H.P.I. Holding ist eine mittelständische Beteiligungsgesellschaft mit dem Schwerpunkt auf der Fassring-Produktion - da ist man inzwischen unangefochten Europas Marktführer. Und sie ist für die Leser meines Blogs keine Unbekannte, denn vor etwas dreieinhalb Jahren stellte ich sie hier erstmals als schön langweiliges Beteiligungsdornröschen vor. Nach anfänglichen rasanten Kurssteigerungen aufgrund operativer Erfolge und Firmenzukäufe, lief es zuletzt nicht mehr so rund und zusätzlich wurde durch zwei Kapitalerhöhungen unter Ausschluss des Bezugsrechts der Altaktionäre das Stammkapital erheblich verwässert. Letztlich habe ich die Aktien dann auf meiner Empfehlungsliste auf Beobachtung gesetzt - mit negativem Ausblick, würden die Ratingagenturen sagen.

Doch alte Liebe rostet nicht und so blicke ich mit einem Auge durchaus noch auf "mein Dornröschen" und ob es vielleicht doch irgendwann einmal aus dem Tiefschlaf wachgeküsst wird. Und vielleicht hat sich nun ein wackerer Ritter gefunden, der das Dickicht durchdringen und Dornröschen erlösen kann? Die Anzeichen dafür mehren sich, auch wenn es noch nur Vermutungen sind. Doch der Reihe nach...

 H.P.I. Holding (Quelle: comdirect.de)
05.11.2014 Vorstandserweiterung
Ende letzten Jahres verkündete die H.P.I., Holding der Vorstand würde verstärkt werden. Dabei handelte es sich um Konstantin Winterstein, der zum Vorstand für das operative Geschäft und das technische Beteiligungsmanagement bestellt wurde. Der Diplomingenieur hält einen M.B.A. und war über 15 Jahre für ein deutsches Automobilunternehmen tätig, zuletzt in Führungspositionen im operativen Bereich und im Bereich Zulieferindustrie.

03.07.2015 Kapitalerhöhung
Die H.P.I. Holding beschließt eine Bar-Kapitalerhöhung unter Ausschluss des Bezugsrechts für Altaktionäre und zwar um gut 10% oder 2 Mio. EUR. Sämtliche neu ausgegebenen 2.080.000 Aktien wurden preislich in enger Anlehnung an den Börsenkurs ausgegeben und vollständig platziert. Man kann nun prächtig darüber spekulieren, ob es "institutionelle Anleger" waren, die die Aktien abnahmen, oder aber es sich doch eher um eine Beteiligung des Neu-Vorstands Winterstein handeln könnte, der sich nach einem halben Jahr der gegenseitigen Prüfung auch als Miteigentümer in "sein" neues Unternehmen einbringen möchte. Immerhin soll er ja den Bereich der Zukäufe und Übernahmen verantworten und genau dafür stehen die zusätzlichen Geldmittel nun bereit.

31.08.2015 Letzte Hauptversammlung der H.P.I. Holding
Am letzten Tag im Augst wird die diesjährige Hauptversammlung stattfinden und der Vorstand schlägt eine Dividendenzahlung von 5 Cents je Aktie vor - man könnte jetzt fragen, wieso die gerade erst im Juli 2015 ausgegebenen neuen Aktien auch schon für 2014 dividendenberechtigt sein sollen, was ich für mehr als ungewöhnlich halte. Aber auch für eine Stütze meiner Winterstein-These. Interessanter ist allerdings, was in der zumindest auf der Homepage der H.P.I Holding veröffentlichten Einladung zur Hauptversammlung enthalten ist. Denn die Zeichen stehen auf Umbruch...

.: Unter TOP 6 Wahlen zum Aufsichtsrat müssen gleich zwei der drei Kontrolleure neu gewählt werden, da zwei Amtsinhaber ihre Mandate zum 31. August vorzeitig niederlegen.

.: Unter TOP 7 soll erneut die Ermächtigung zur Erhöhung des Kapitals ("genehmigtes Kapital 2015") gegeben werden und die Gesellschaft soll das Recht erhalten, bis zum 30. August 2020 das Grundkapital durch ein- oder mehrmalige Ausgabe neuer auf den Inhaber lautenden Stückaktien (Stammaktien) gegen Bar- und/ oder Sacheinlagen um bis zu Euro 3.120.000,00 zu erhöhen, ggf. unter Ausschluss des Bezugsrechts für die Altaktionäre.

.: Unter TOP 8 geht es um das bei der letzten Hauptversammlung genehmigte zusätzliche Kapital ("genehmigtes Kapital 2014") und wer gedacht hat, dieses würde nun gestrichen, da man ja unter TOP 7 neues Kapital beschließen würde, rutscht auf der falschen Seite des Rasiermessers ins Tal. Denn die H.P.I Holding scheint einen enormen Kapitalhunger zu entwickeln und das aktuell noch genehmigte Kapital 2014 von 8.120.000 EUR soll weiterhin zur Verfügung stehen. Beide Maßnahmen zusammen würden also bei vollständiger Platzierung eine Ausweitung des Stammkapitals um weitere gut 50 Prozent bedeuten!

.: Unter TOP 9 kommt nun das Ende der H.P.I. Holding AG, wo lapidar die Firmierung geändert werden soll in "Ringmetall AG".

Und fast in einem Nebensatz geht unter, dass künftig ausgegebene Aktien auch als Vorzugsaktien begeben werden können.

Mein Fazit
Schaue ich mir die Abfolge der letzten Ereignisse an und beziehe die erheblichen Änderungen und neuen Weichenstellungen mit ein, die die Hauptversammlung beschließen soll, dann drängen sich mir ein "Kulturwandel" bei der H.P.I Holding AG Ringmetall AG auf. Ich habe den Eindruck, hier soll mit neuem Personal und neuem Elan ein deutlich größeres Rad gedreht werden als bisher. Die momentan noch recht einseitige Festlegung auf die Berger-Gruppe (Spannringe) begrenzte das Wachstum alleine schon aufgrund des erreichten fast monopolartigen Marktanteils in Europa. Hier kann man entweder durch Zukäufe in Übersee wachsen oder durch die massive Stärkung des neuen zweiten Standbeins, der HMS Sauermann. Sofern es nicht sogar um den Aufbau eines dritten Standbeins gehen sollte - jedenfalls wird es sich wohl um Metallverarbeitung handeln, so viel verrät der neue Firmenname auf jeden Fall.

Warten wir mal die Hauptversammlung ab, vielleicht wird aus dem "very extremly hidden Champion" ja doch noch eine "aufgeweckte Prinzessin". Und auch wenn es nebensächlich erscheint angesichts der möglichen anstehenden Veränderungen, so wäre es sehr wünschenswert, wenn das Unternehmen seine doch eher suboptimale Kapitalmarktkommunikation aufpeppen würde. Man könnte damit anfangen, Berichte zeitnah zu veröffentlichen und zwar nicht nur auf der eigenen Internetseite, sondern auch bei den einschlägigen Finanz-Nachrichten-Portalen. Zusätzlich auch Berichte über operative Erfolge oder Zukäufe der Tochtergesellschaften. Vielleicht könnte man die eigene Website auch so aktuell halten, dass man dort nicht mehr die Angaben per Dezember 2013 zu Aktienanzahl und Börsenkurs findet, sondern zeitnahe Informationen für Investoren anbietet. Und auch wenn man nicht gleich in ein höheres Börsensegment wechseln muss, so kann man durchaus regelmäßig Corporate News zu den Entwicklungen der Holding und der Töchter veröffentlichen.

Ich bin gespannt, ob und was sich hier so tut. Und vielleicht lautet dann mein nächster Bericht über die H.P.I. Holding AG Ringmetall AG ja "Dornröschen ist erwacht"...

KKR & Co. übertrifft die Erwartungen. Schon wieder...

Kohlberg Kravis Roberts & Co. L.P. (KKR), die von Henry Kravis und George Roberts geführte US-Private-Equity-Firma, hat Zahlen für das zweite Quartal 2015 vorgelegt und die sind erneut erheblich besser ausgefallen als von den Analysten erwartet worden war.

Das Economic Net Income, das unrealisierte Buchgewinne beinhaltet, stieg auf 839,9 Mio. USD (Vorjahr: 501,6 Mio. USD) oder 88 Cents je Aktie und schlug damit die Analysten-Erwartungen von 66 Cents deutlich. Diese starke Performance ist vor allem auf die Wertsteigerungen der großen Beteiligungen in KKRs Portfolio zurückzuführen, wie dem Krankenhausbetreiber HCA Holdings Inc. oder First Data Corp., bei der KKR gerade den Börsengang vorbereitet.

Die ausschüttungsfähigen Gewinne gingen allerdings zurück. Es stehen hier lediglich 491,4 Mio. USD zur Verfügung nach 701 Mio. USD im Vorjahr. Dem entsprechend wird KKRs Quartalsdividende "nur" 42 Cents betragen, ein Rückgang von gut einem Drittel ggü. dem Vorjahresbetrag, der allerdings auch ein absoluter Rekord war. Ex-Dividendentag ist der 30. Juli, ausgezahlt wird am 18. August.

DividendenhistorieJanuarAprilJuliOktoberGesamtDifferenz
20150,35 $0,46 $0,42 $
(1,23 $)
20140,48 $0,43 $0,67 $0,45 $2,03 $0,41 $
20130,70 $0,27 $0,42 $0,23 $1,62 $0,78 $
20120,32 $0,15 $0,13 $0,24 $0,84 $0,13 $
20110,29 $0,21 $0,11 $0,10 $0,71 $

 KKR & Co. L.P. (Quelle: comdirect.de
Auf das Jahr hochgerechnet könnten so 1,64 USD zu Buche schlagen oder bei einem Aktienkurs von 24,50 USD betrüge die Dividendenrendite stolze 6,7%, während das KGV für 2015 bei 9 und für 2016 bei 8,5 veranschlagt wird.

Fazit
KKR konnte zuletzt mit seinen Beteiligungen punkten und hat auch vom Wiedererstarken des Ölpreises profitiert. Im Schlussquartal des Vorjahres hatten dort Abschreibungen das Ergebnis kolossal verhagelt. KKR hat in den vorangegangenen Wochen einige interessante Geschäfte vermeldet, wie u.a. die Übernahme der Deutschen Glasfaser Holding. Und sollte das IPO der First Data Corp. erfolgreich durchgezogen werden können, dürften hier hohe Gewinne winken. KKR ist damit weiterhin attraktiv bewertet und aussichtsreich positioniert und wird weiterhin meine Empfehlungsliste zieren. Schwache Tage kann man getrost zum Nachkaufen nutzen.

Mittwoch, 29. Juli 2015

Deutsche Rohstoff: weiterer Aktienrückkauf und Aufstockung bei Hammer Metals

Die Deutsche Rohstoff AG (DRAG) formt einen Rohstoffproduzenten und fokussiert sich dabei auf die Bereiche Öl- und Gasexploration in den USA und Rohstoffe, vornehmlich sog. Hightech-Metalle, wie Wolfram, Zinn und Seltene Erden. Die Tochter Hammer Metals treibt ein aussichtsreiches Minenprojekt in Australien voran, wo Kupfer und Gold vermutet werden.

Nach dem Einsteig der DRAG im Februar folgte bereits im März eine Ausweitung der Beteiligung auf 17,3 Prozent und nun erhält Hammer Metals frisches Geld von der Deutsche Rohstoff AG. Hammer Metals hat eine Finanzierung von 1.000.000 australischen Dollar (AUD) erhalten, wovon die Deutsche Rohstoff den wesentlichen Anteil von 650.000 AUD über eine Wandelschuldverschreibung beisteuert. Die übrigen 350.000 AUD bringen andere Investoren und das Management von Hammer über eine Kapitalerhöhung ein.

"Die Wandelschuldverschreibung ("Convertible Loan") hat eine Verzinsung von 10%, bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Sie kann sowohl von der Deutsche Rohstoff als auch von Hammer Metals während der Laufzeit jederzeit zum Preis von 6 Cent je Hammer Metals Aktie gewandelt werden, allerdings ist unabhängig vom Wandlungszeitpunkt eine Zinszahlung für mindestens 12 Monate vertraglich festgesetzt. Die Zinsen können von Hammer Metals wahlweise in bar oder Aktien zu einem Preis von ebenfalls 6 Cent pro Aktie beglichen werden. Im Falle einer Wandlung des Darlehens in Aktien erhält die Deutsche Rohstoff AG weitere 10,83 Mio. Hammer Metals Aktien.

Durch die Kapitalerhöhung über AUD 350.000 sinkt der Anteil der Deutsche Rohstoff zunächst auf 16,4%, im Anschluss an die Wandlung des Darlehens inklusive Zinsen wird sich dieser dann auf ca. 25,4% erhöhen. Darüber hinaus erhält die Deutsche Rohstoff weitere 5.416.666 Optionen mit einem Ausübungspreis von 10 Cent zum Kauf von Hammer Metals Aktien. Damit erhöht sich die Gesamtanzahl der von der Deutsche Rohstoff gehaltenen Optionen auf 8.466.229 Stück. Zudem erhält die Deutsche Rohstoff einen Sitz im Board von Hammer Metals.
Hammer beabsichtigt, mit den frischen Mitteln die Exploration seiner Projekte in der australischen Mt. Isa Region fortzusetzen. Im Umkreis von 100 km um die Flächen von Hammer befinden sich mehrere Weltklasseminen, die von großen Bergbaugesellschaften betrieben werden. Hammer hatte im Frühjahr bei neuen Bohrungen hervorragende Kupfervererzungen und verfügt mit der Lagerstätte Kalman bereits über eine große Kupfer/Gold-Ressource nach dem JORC-Standard."

 Deutsche Rohstoff (Quelle: comdirect.de)
Weiteres Aktienrückkaufprogramm von bis zu 2 Mio. EUR aufgelegt
Doch die DRAG gibt nicht nur Geld für weitere Projekte aus, sondern sie hat heute beschlossen, auch ihren Aktionären weiteres Geld zukommen zulassen und ein weiteres Aktienrückkaufprogramm aufgelegt. Nach der kürzlich erfolgten Dividendenausschüttung von 50 Cents je Aktie sollen nun zunächst die im letzten ARP erworbenen eigenen Aktien eingezogen werden und dann wird die DRAG zwischen dem 3. August 2015 und dem 30. Juni 2016 bis zu einem Gesamtbetrag von 2 Mio. EUR über die Börse eigene Aktien zurückkaufen. Das könnten bezogen auf den aktuellen Kurs bis zu 125.000 Aktien werden und diese zurück erworbenen Aktien dürfen zu allen nach den einschlägigen aktienrechtlichen Bestimmungen und nach der vorgenannten Ermächtigung zulässigen Zwecken verwendet werden.


Auswirkungen
Das einziehen der bereits zurückgekauften eigenen Aktien führt zu einer Verringerung der Anzahl der Aktien und dem entsprechend zu einer Erhöhung des Gewinns je Aktie, denn der Jahresüberschuss wird künftig auf weniger Aktien verteilt. Die im Bestand befindlichen eigenen Aktien waren zwar auch bisher schon bei der Gewinnverteilung unberücksichtigt geblieben, aber vor ihrem Einzug bestand für die DRAG auch die Möglichkeit, sie z.B. bei einer Übernahme als sog. Akquisitionswährung einzusetzen oder sie bei institutionellen Anlegern zu platzieren - wodurch auf sie wieder Gewinnanteile entfallen wären.

Über den erhöhten Gewinn je Aktie hinaus erzeugt das Aktienrückkaufprogramm, da es über die Börse durchgeführt werden soll, zusätzliche Nachfrage nach DRAG-Aktien. Das dürfte sich kursstützend und ggf. sogar kurstreibend auswirken und für zusätzliche Impulse sorgen.

Fazit
Bei der Hauptversammlung äußerte der Vorstand, man habe den inneren Wert der DRAG-Aktien auf über 32 EUR errechnet. Die Aktien notierten zuletzt bei etwa der Hälfte dieses Preises und es ist nur konsequent, die Differenz zwischen Aktienkurs und Aktienwert auszunutzen und die Aktien zurückzukaufen. Auch das schafft einen erheblichen Mehrwert für die Aktionäre.

Das Management der Deutschen Rohstoff AG beweist mit diesen Maßnahmen einmal mehr, dass sie nicht nur antizyklische Möglichkeiten für das operative Geschäft konsequent nutzen, sondern auch ihren Investoren große Aufmerksamkeit schenken. Die DRAG hat daher als antizyklisches Value-Investment weiterhin einen festen Platz auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Was ist... eine Goldene Aktie?

"Eine Aktie, eine Stimme", so lautet der Grundsatz. Doch wie immer gibt es auch Ausnahmen von der Regel, die hier zumeist unter dem Stichwort "Goldene Aktie" zusammengefasst werden. Hierbei werden den Inhabern dieser Aktien mehr oder stärkere Rechte eingeräumt als den übrigen Aktionären, vor allem bzgl. der Ausübung von Stimmrechten. Weitere wichtige Beispiele für „goldene“ Sonderbefugnisse sind Zustimmungs-, Widerspruchs- und Vetorechte bei unternehmerischen Grundsatzentscheidungen (z.B. Satzungsänderungen), sowie beim Eintritt neuer Aktionäre.

Derartige "Goldene Aktien" stammen vorwiegend aus der Phase, als in der Europäischen Gemeinschaft viele Staatsunternehmen privatisiert wurden und sich die Staaten trotz gesunkenen Anteilsbesitzes dennoch größere Mitspracherechte und Einflussmöglichkeiten bewahren wollten. In Deutschland sind derartige Sonderrechte nicht (mehr) gebräuchlich, eine Ausnahme stellt das sog. VW-Gesetz dar, das allerdings immer wieder zu Verstimmungen zwischen Deutschland (bzw. dem Bundesland Niedersachsen) und der EU führt. Die in Deutschland gebräuchlichen Mehrfach- und Höchststimmrechte sind seit 1998 bei börsennotierten Gesellschaften unzulässig.

Nicht zu den "Goldenen Aktien" zählen die Vorzugsaktien. Bei diesen verzichtet der Aktionär auf sein Stimmrecht und erhält hierfür im Gegenzug einen Bonus, zumeist in Form einer höheren und bevorzugten Dividende ggü. dem stimmberechtigten Stammaktien, die zudem auch bevorzugt ausgezahlt wird.

Dienstag, 28. Juli 2015

Investor-Update: Blackstone, Corning, Deutsche Rohstoff, KCAP Financial

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

= Blackstone Group
Der Kurs der Blackstone-Aktien hat den Dividendenabschlag sowie den China-Crash zu verdauen und ist etwas unter die Räder gekommen. Die Quartalsdividende von 74 US-Cents fehlt zwar im aktuellen Aktienkurs, wird aber erst am 3. August ausgeschüttet. Mit Abstand mein größter Depotwert.

+ Corning Inc.
Corning ist ein Glasfaser-Spezialist und produziert u.a. Glasfaserkabel für schnelle Internetverbindungen. Samsung hat sich einen 10-Prozent-Anteil gesichert und zwar weil Corning auch der Hersteller des Gorilla-Glases ist, also dem kratz- und stoßfesten Glas, das so gut wie jedes Smartphone ziert. Apple wollte ja auf das Konkurrenzprodukt Saphirglas setzen, doch das ist bekanntlich kolossal gescheitert. Nun verbaut man auch im iPhone 6 Gorilla-Glas und Corning ist es gelungen, eine neue Variante zu kreieren, die noch dünner, noch sensibler, noch leichter, noch stromsparender und vor allem noch sehr viel kratzfester sein soll - und will dieses neue Glas demnächst auf den Markt bringen. Heute wurden Zahlen präsentiert und der Kurs ist von 22 EUR auf unter 17 EUR zurückgekommen - weil seit einiger Zeit befürchtet wird, dass Corning aufgrund von Absatzschwierigkeiten in China die Erwartungen verfehlen könnte. Nun, wie diese Grafik bei Zacks.com zeigt, hat Corning in den letzten 6 Quartalen die Erwartungen einmal getroffen und fünfmal übertroffen. So auch heute. Der Kurs ist stark zurückgekommen und Corning ist in einem starken Wachstumsmarkt unterwegs, stellt quasi das Rückgrat für unsere moderne Kommunikation her. Auch hier habe ich mir einige Stücke ins Depot gelegt, denn auch wenn ich Apple verkauft habe wegen der einseitigen Ausrichtung auf das iPhone, wächst der globale Smartphone-Markt doch mit atemberaubender Geschwindigkeit. Und auch die chinesischen Anbieter, die schnell Marktanteile gewinnen, brauchen Touchscreens für ihre Smartphones. Das KGV für 2015 wird bei 12,5 angesiedelt, für 2016 bei 11,5 und die Dividendenrendite liegt bei 2,5%.

= Deutsche Rohstoff
Die Dividenden von 50 Cents je Aktie hat meinem Konto gut getan, der Aktienkurs ist allerdings deutlicher zurückgekommen. Was wohl weniger an China liegt, sondern vielmehr am deutlich reduzierten Ölpreis. Eigentlich verkehrte Welt, denn die DRAG produziert und verkauft gar kein Öl, sondern sie sitzt auf einem riesigen Berg an Geld (und möglichen Steuererstattungen), den sie gerade in neue Öl- und Gasprojekte investiert. Und diese Projekte kosten aufgrund des Preisverfalls momentan so wenig wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Billig kaufen, teuer verkaufen, das ist Erfolgsgeschichte der Kaufleute. Und die DRAG hält sich genau daran. Nur die Anleger nicht. Bisher. Naja, ich habe Geduld und freue mich schon auf den Zeitpunkt, wenn die Deutsche Rohstoff wieder aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt wird. Sehr schön ist übrigens eine Darstellung aus der HV-Präsentation: die DRAG ist die einzige Aktie im Rohstoffbereich, mit der Anleger in den vergangenen Jahren an der Börse gut Geld verdienen konnten. Denn obwohl der Aktienkurs um einiges unter seinen Höchstständen notiert, liegt er auf 5-Jahressicht doch deutlich vorne.

+ KCAP Financial Inc.
KCAP Financial (ehemals Kohlberg Capital Corp.) wurde 1987 von Jerome Kohlberg gegründet, nachdem der Namensgeber von KKR (Kohlberg Kravis Roberts) dort ausgestiegen war. KCAP ist eine Private Equity Firma, die vor allem kleine und mittlere nicht-börsennotierte US-Unternehmen mit Eigen- und Fremdkapital finanziert. Wenn man sich den Kursverlauf der Aktie ansieht, bekommt man das kalte Gruseln: es scheint nur bergab zu gehen. 2013 notierte die Aktie nahe 9 EUR, im März auf einem Zwischenhoch bei 7 EUR und heute habe ich mir eine kleine Position zu 4,64 EUR ins Depot gelegt. Es gibt einige Analysten, die den Wert covern, einige sagen "halten", zwei sagen "verkaufen". Keiner mag die Aktie. Dabei hat KCAP gerade erst wieder eine Quartalsdividende von  21 US-Cents ausgeschüttet. Richtig gelesen, das ergibt auf dem aktuellen Kursniveau eine Dividendenrendite aufs Jahr hochgerechnet von mehr als 15%. Wie die Dividendenhistorie zeigt, fielen die Quartalsdividenden von 28 US-Cents in 2013 über 25 US-Cents in 2014 auf die nun aktuellen 21 US-Cents. Und es ist etwas mehr, als KCAP in diesem Jahr an Gewinn erzielen wird - man könnte also sagen, die Dividende wird zu einem kleinen Teil aus der Substanz ausgeschüttet. Was mir ja so gar nicht schmeckt. Normalerweise... Meine erste Vermutung war, das KCAP sich stark im Öl- und Gasbereich exponiert hätte, aber darin liegen nur 6% der investierten Gelder. Und als "uneinbringlich" ist nur eine einzige Position eingestuft, gerade mal 1% des Portfolios. Und die Bewertung? Die selben Analysten, die die Aktie mit Halten und Verkaufen einstufen, erwarten ein Jahresergebnis von 72 US-Cents je Aktie - ergibt ein KGV von 7. Bei einer Dividendenrendite von 15%. Egal, was ich hier übersehen habe, diese Konstellation erscheint mir doch so verlockend, dass ich in das "fallende Messer "gegriffen habe und gespannt auf die Ergebnisse zum 2. Quartal warte, die KCAP am 5. August nach US-Börsenschluss präsentieren will.

.: Cashquote
Meine Cashquote ist trotz der eingegangenen Dividendenzahlung der DRAG weiter geschrumpft und nähert sich der 10-Prozent-Marke. Angesichts der Jahreszeit mit den bevorstehenden "schaukeligen Herbstwochen" eine eher ungewöhnliche Situation für mich. Andererseits muss man als Langfrist-Investor die Gelegenheiten dann ergreifen, wenn sie sich bieten. Und die üppigen Dividenden, wie z.B. bei Blackstone, schaufeln ja auch wieder ordentlich Cash aufs Konto, ohne dass ich etwas dafür tun - oder gar verkaufen - müsste.

Starbucks läuft heißer

Kaffeeröster Starbucks ist inzwischen die zweitgrößte Restaurantkette der USA und hat sich zuletzt zwischen den nun drittplatzierten Subway's und den stark schwächelnden Platzhirschen McDonald's geschoben. Nun ist Größe nicht alles, aber Starbucks verdankt seinen Aufstieg seinem starken Wachstum. Und die konnten bei Präsentation der Zahlen zum 3. Geschäftsquartal wieder in allen Belangen glänzen.

Der Umsatz konnte um 18 Prozent auf 4,9 Mrd. USD gesteigert werden und der Gewinn sogar um 22 Prozent auf 627 Mio. USD. Vor allem in den USA brummt das Geschäft und Starbucks verkauft längst nicht mehr nur Kaffee, sondern verdient inzwischen auch an der eigenen Tee-Tochter und an seinen Sandwiches und Säften prächtig. Um weiter kräftig zu wachsen, will Starbucks abends auch Alkohol ausschenken und testet derzeit den Alkohol-Verkauf in 30 Filialen. Der Test soll ausgeweitet werden und bis 2019 in bis zu jeder vierten US-Filiale Bier und Wein verkauft werden.

 Starbucks (Quelle: comdirect.de)
Die Zahlen hinter den Zahlen
Noch beeindruckender sind allerdings die Zahlen hinter den Zahlen. Insbesondere in Asien steigt die Zahl der Filialen stark an, so dass Starbucks nun weltweit auf 22.519 Dependancen kommt, also 431 mehr als zum Ende des letzten Quartals. Doch Starbucks wächst nicht nur quantitativ durch neue Läden und Flächen, sondern vor allem das qualitative Wachstum bricht alle Rekorde. Die sog. "Same Store Sales", das sind die Verkäufe in Läden, die bereits seit mindestens 13 Monaten geöffnet haben, legten weltweit um 7% zu. Zuvor lag die Steigerungsrate noch bei rekordverdächtigen 4%. In den USA waren es überdurchschnittliche 8% und in Asien-China-Pazifik (ACP) sogar 11%.

Nur in Europa und Vorderasien gab es mit 3% geringere Zuwachsraten. Hier zeigt sich, dass auch Starbucks von der Dollarstärke zunehmend betroffen ist, denn obwohl die Mehrzahl seiner Geschäfte in den USA liegt, wächst man doch vor allem im Ausland und unterliegt hier den Währungsschwankungen.

Weiter verbesserte Auslastung
Diese Zahlen bedeuten, dass mehr Leute in die Läden kommen und dort mehr verzehren. Für Starbucks und seine Aktionäre sind das die besten Nachrichten, denn die Strategie des Konzerns ist es, seine Läden außerhalb seiner Spitzenzeiten deutlich besser auszulasten - und das gelingt hervorragend. 4% mehr Kunden strömten in die Läden, das sind weltweit pro Laden 25 Menschen - pro Tag. Dieses Wachstum ist so beeindruckend, dass selbst das Management etwas zu bremsen versucht und andeutet, dass die 7% Zuwachs "außergewöhnlich" seien und man das nicht in jedem Quartal erwarten könne. Ich denke, wenn Starbucks es schafft, die 4%-Rate, die man zuvor erzielt hatte, weiter aufrecht zu erhalten, wäre das ein gesundes und starkes Wachstum, das auch noch über längere Sicht anhalten könnte.

Wo soll das weitere Wachstum herkommen?
Als Aktionär freut man sich über die schönen Zahlen und Erfolge der Vergangenheit, doch der Blick ist natürlich auf die Zukunft gerichtet. Und angesichts der doch bereits üppigen Bewertung der Starbucks-Aktien stellt sich natürlich die Frage, ob diese durch künftiges hohes Wachstum im operativen Bereich gerechtfertigt ist. Alkohol und Snacks sind einige der erfolgversprechenden Wachstumstreiber, dazu gesellen sich die unter dem Namen "Verismo" verkauften Kaffeemaschinen für Kaffeekapseln sowie das zunehmende Angebot von Starbucks-Produkten in Supermärkten und Tankstellen. Starbucks ist hierbei hochpreisig (und hochmargig!), aber man verkauft eben nicht nur Kaffee, sondern vor allem ein Lebensgefühl.

Die Marke Starbucks ist der Burggraben
Das Snack-Angebot ist mit 20% Zuwachs einer der Wachstumstreiber und auch die Tees werden immer beliebter. Hier steckt noch eine Menge Potenzial drin, allerdings kein endloses, denn Starbucks wird keine reinrassige Restaurantkette werden, die auf eigene Küchen setzt. Das ausgeweitete Angebot an Bier und Wein wird von den Kunden gut angenommen und füllt die Läden in der Nachmittags- und Abendzeit. Auch hiermit unterstreicht Starbucks seinen Anspruch, der"Third Place" zu sein, also der Ort, wo sich die Menschen neben Büro und Zuhause aufhalten. Starbucks ist Erlebnis, Lifestyle - und daraus speist sich die ungebrochene Preissetzungsmacht von Starbucks und die hohen Margen. Denn zuletzt hatte man nochmals die Preise erhöht und die Kunden kommen weiterhin und noch vermehrt. Starbucks ist es also gelungen, seine Marke zum Statussymbol zu machen, zur Coca Cola des Kaffees. Auch wenn andere Ketten das Konzept kopieren wollen, werden sie es sehr schwer haben, Starbucks hier Paroli zu bieten.

Asien wächst rasant
Und dann ist da noch China. Hier trinken die Leute durchschnittlich drei Tassen Kaffee - pro Jahr. Mit mehr Ladenlokalen kann Starbucks den wachsenden Kaffeedurst der Chinesen bedienen und das Wachstum speist sich aus mehr Filialen und höherem Kaffeekonsum pro Gast. Und auch in Indien, dem Teetrinker-Paradies, legt der Kaffeedurst stark zu.

Mobiler Kaffeegenuss
Ein weiterer Wachstumstreiber ist die Starbucks-App. Die Stoßzeit bei Starbucks liegt am frühen Morgen, wenn sich sogar Schlangen an den Tresen bilden, weil die Menschen ihren Coffee-to-go bei Starbucks ordern auf dem Weg zur Arbeit. Da das Bestellen, Zubereiten und Bezahlen einige Zeit in Anspruch nimmt, hat Starbucks eine App kreiert, mittels derer die Kunden ihren Kaffee und die sonstigen Starbucks-Angebote bequem vorab ordern und bezahlen können und diese dann nur noch in der Filiale abholen müssen. Die Wartezeiten reduzieren sich hierdurch enorm und es gelingt Starbucks auf diese Weise, selbst die bereits unter Volllast laufenden Geschäftszeiten nochmals viel besser auszunutzen. Und dabei verringert sich noch die Gefahr, dass Kunden aufgrund der langen Wartezeiten genervt sind und ggf. zur Konkurrenz abwandern.

Starbucks ist innovativ
Nicht unterschätzen darf man die Innovationskraft des Managements. Denn Starbucks hat nicht einfach nur ein Konzept, das weltweit kopiert wird und überall den gleich hohen Wiedererkennungswert bietet. Starbucks ist kein McDonald's! Starbucks testet neue Wege, nicht nur mit der individuellen Gestaltung seiner Läden, die sich auch schon mal stark ins heimatliche Kolorit einpassen und wie ein Shinto-Schrein daherkommen. Natürlich mit der gut sichtbaren grün-weißen Starbucks-Nixe am Eingang. Darüber hinaus werden ständig neue Dinge ausprobiert, wie die das Bier- und Weinangebot am Abend, die jüngst gestartete Edelkaffeehauskette "Starbucks Reserve Roastery and Tasting Room", mit der das höherpreisige Segment angesprochen werden soll oder die kleinen 25-qm-Shops in New York, die für zusätzlichen Absatz sorgen, ohne die großen Läden zu kanibalisieren. Oder die neue Kooperation mit Spotify, dem angesagten Musik-Streaming-Dienst, der nun sogar in das Starbucks-Stars-Programm aufgenommen wurde. Diese neuen Ideen halten Starbucks am Leben, bieten den Kunden immer wieder etwas Neues, ohne das Bewährte in den Hintergrund zu drücken. Und wenn eine der neuen Ideen nicht zündet, dann wird sie ebenso schnell wieder beerdigt. Wie das kurzzeitige Engagement bei der Bäckereikette "la Boulange". Das Konzept mit den eigenen Läden hat sich nicht ausgezahlt, die Erwartungen, die mit der Übernahme verbunden waren, sich nicht erfüllt. Und der Zopf schnell abgeschnitten und sich erfolgversprechenderen Überlegungen zugewandt.

Prognose angehoben
Starbucks ist hoch bewertet mit einem KGV von 30 bezogen auf den für 2016 erwarteten Gewinn - das damit doppelt so hoch liegt, wie bei einem durchschnittlichen amerikanischen Unternehmen. Allerdings wächst Starbucks auch sehr schnell und vor allem extrem profitabel und das rechtfertigt (und erklärt) die Aufschläge, die Anleger bereit sind, für die Starbucks-Aktien zu bezahlen. Aufgrund der vorgelegten Zahlen hat Starbucks nun seine Prognosen sogar noch weiter erhöht und hob das Gewinnziel für das Geschäftsjahr auf 1,57 bis 1,58 von 1,55 bis 1,57 Dollar pro Aktie an. Im Gesamtjahr sollen nun 1.650 neue Shops eröffnet werden.

Die Quartalsdividende von 16 US-Cents je Aktie soll am 21. August 2015 ausgeschüttet werden und zwar an die Aktionäre, die am 4. August Starbucks-Aktien im Depot haben. Ich werde dabei sein, denn Starbucks befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot. Auch bei einem Kurs von 51 EUR sind die Aktien für mich als Langfristanleger noch einen Kauf wert.

Montag, 27. Juli 2015

Umfrage-Ergebnis: Aktien, Aktien, Aktien ist alles, was ihr wollt!

Ich hatte hier die Frage gestellt, wie ihr investiert. Und ich kann feststellen, dass die Besucher meines Blogs genau so "ticken" wie ich selbst. Genauer gesagt diejenigen, die an der Umfrage teilgenommen haben. Dass die Ergebnisse zusammengerechnet nicht 100% ergeben liegt daran, dass Mehrfachnennungen möglich waren. Schließlich streuen manche Anleger ihre Anlegen breiter als andere...

In was investiert ihr?

Aktien40 (97%)
ETFs/Investmentfonds14 (34%)
Anleihen3 (  7%)
Rohstoffe3 (  7%)
Devisen1 (  2%)
Optionen/Zertifikate/Derivate0 (  0%)

Der hohe 97%-Anteil von Aktien-Direktinvestoren wundert mich nicht, schließlich beschäftige ich mich in diesem Blog ja überwiegend mit Investments in Aktien und zwar in Einzelwerte, nicht in Fonds oder ETFs. Gerade bei letzteren hätte ich allerdings einen höheren Anteil als 34% erwartet, zumal sich ETFs und Investmentfonds ja auch als Depotbeimischung hervorragend eignen.

Ich freue mich, dass mein Blog so regelmäßig gelesen und inzwischen bei einigen Beiträgen auch intensiv und konstruktiv diskutiert wird. Und die Umfrageergebnisse zeigen mir, dass ich mit meinen Ideen und Anregungen gar nicht so falsch liege, sondern es durchaus den einen oder anderen Interessierten gibt, für den meine Beiträge einen (Mehr-)Wert darstellen.

Börsenweisheit der Woche 30/2015

"Die Börsenspekulation ist wie eine Skatpartie: Man muss mit guten Karten mehr gewinnen als man mit schlechten Karten verliert".
(André Kostolany)

Freitag, 24. Juli 2015

Villeroy & Boch-CFO Warncke im Interview: "Potenziale sind Phantasie für die Zukunft"

Kürzlich hatte das 1748 gegründete Traditionsunternehmen Villeroy & Boch Halbjahreszahlen präsentiert und die können sich sehen lassen. Der Umsatz stieg um 4 Prozent auf 387 Mio. EUR und das operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) sogar um 16,3 Prozent auf 15,7 Mio. EUR. Insbesondere in den USA und in Europa laufen die Geschäfte rund, im Hoffnungsmarkt Russland steht man aber vor großen Herausforderungen. Im Gesamtjahr will der Konzern, der weltweit in 125 Ländern vertreten ist und rund 7.000 Mitarbeiter beschäftigt, seinen Umsatz um 3 bis 5 und das Betriebsergebnis um mehr als 5 Prozent verbessern und bekräftigte die diesbezügliche Jahresprognose.

Markus Warncke ist seit Anfang des Jahres Finanzvorstand, Neudeutsch CFO, beim Traditionsunternehmen Villeroy & Boch. iNTELLiGENT iNVESTiEREN befragte ihn zu den aktuellen Quartalszahlen und den weiteren Aussichten des Bad- und Keramikherstellers, der seit drei Jahren auf meiner Empfehlungsliste steht.

ii: Herr Warncke, zum zweiten Mal durften Sie die Zahlen des Villeroy & Boch Konzerns präsentieren und zwar gute. Welche Erfolge halten Sie für besonders erwähnenswert?

Warncke: Nach einem durchwachsenen ersten Quartal 2015 hat unser Geschäft zwischen April und Juni kräftig Fahrt aufgenommen – das hat uns sehr gefreut. Zum Halbjahr haben wir unseren Umsatz um 4 % gesteigert und liegen damit genau in der Mitte unserer Wachstumsprognose von 3 % bis 5 %. Unser operatives Ergebnis haben wir deutlich überproportional verbessert, nämlich um 16,3 %. Sowohl in der Produktion als auch in der Verwaltung arbeiten wir immer effizienter, außerdem hilft uns die höhere Umsatzqualität. In puncto Profitabilität sind wir aber noch nicht am Ende – mittelfristig wollen wir die EBIT-Rendite auf 7 % steigern.

ii: In der Vergangenheit war das Geschäft von Villeroy & Boch eher margenschwach und insbesondere nicht nur die nationalen Aktivitäten von großen Herausforderungen geprägt. Wie wollen Sie in Deutschland im Wettbewerb bestehen und ihre Margen verbessern?

Villeroy & Boch-CFO Markus Warncke
Warncke: Mit unserer starken Marke im Rücken haben wir zunächst einmal die perfekte Ausgangsposition. Europa ist und bleibt unser Heimatmarkt – hier sind wir bekannt und hier ist unsere Distribution am größten. Über den Erfolg entscheiden am Ende unsere Produkte und die Vermarktung. Im Bereich Tischkultur adressieren wir derzeit verstärkt spezielle Produktwelten für Trendthemen wie Barbecue, Pasta, Pizza und Kaffee. Ebenso wollen wir uns stärker im Segment hochwertiger Geschenke positionieren. Im Sanitärgeschäft rücken zunehmend digitale Service-Angebote zur Badezimmer-Planung in den Fokus, beispielsweise mit unserer neuen 3D-Brille, mit der man virtuell durch das zuvor am PC gestaltete Bad gehen kann. Produktseitig beschäftigen wir uns u.a. mit neuen Werkstoffen, um außergewöhnliche Formen mit enorm dünner Keramik herzustellen. Gleichzeitig arbeiten wir weiter daran, unsere Prozesse in Produktion und Verwaltung zu verbessern und Kosten zu sparen. Insgesamt sind wir auf dem richtigen Weg, davon bin ich überzeugt!

ii: Als einer der großen Zukunftsmärkte für V&B wurde in den letzten Jahren Russland bezeichnet. Die Ukrainekrise und die Russlandsanktionen treffen das Land hart und auch viele Deutsche Unternehmen. Inwieweit ist das Geschäft von V&B betroffen und hat dies Auswirkungen auf ihre Strategie?

Warncke: Im Bereich Tischkultur trifft uns die Krise vor allem, weil die russischen Verbraucher deutlich weniger in Konsumgüter investieren. Bei Bad und Wellness – mit einem Umsatzanteil von 80 % der deutlich größere Geschäftsbereich in Russland – zeigt sich aber ein ganz anderes Bild. Hier haben wir im ersten Halbjahr 40,5 % mehr umgesetzt als im Vorjahr. Der Grund: Es wird weiter massiv in langfristige Vermögenswerte investiert – und wo viel gebaut wird, sind wir mit unseren Sanitärprodukten zur Stelle. Dabei profitieren wir auch von unserem eigenen Lager in der Nähe Moskaus, durch das wir schneller liefern können als so mancher Wettbewerber. Außerdem gewährt unsere Rubel-Preisliste den Kunden Preissicherheit – ein wichtiges Argument in Zeiten der Währungsturbulenzen. An Russland als Wachstumsmarkt halten wir also fest.

Villeroy & Boch (Quelle: comdirect.de) 
ii: Neben den operativen Fortschritten sind die Geschäftsberichte immer wieder von außerordentlichen Faktoren geprägt. So werden dem Unternehmen über mehrere Jahre hinweg Einnahmen aus dem Grundstücksprojekt in Gustavsberg (Schweden) zufließen und auch in anderen Ländern hat V&B Standorte aufgegeben. Gibt es dort neue Entwicklungen? Insbesondere das Areal in Luxemburg war ja mit großen Hoffnungen verbunden.

Warncke: Die Entwicklung unseres Grundstücks in Luxemburg haben wir weiterhin fest im Blick! Wir sind in konstruktiven Gesprächen mit der Stadt Luxemburg und haben bereits Pläne vorgelegt, wie das über 60.000 m² große Areal, das mit rund 3,5 km Entfernung zum Stadtzentrum auch bestens für Wohnraum geeignet ist, genutzt werden kann. Bis zur Umsetzung wird es aber noch dauern. In Gustavsberg sind wir dagegen mitten in der Projektabwicklung. In den Jahren 2013 und 2014 haben wir bereits Sondererträge in Höhe von 11,8 Mio. € realisiert, im laufenden Jahr bislang 1,0 Mio. €. Von den ausstehenden 4,2 Mio. € erwarten wir den größeren Teil noch in diesem Jahr.

ii: Sie haben für das abgelaufene Geschäftsjahr die Dividende erhöht und weisen eine Rendite von 3,5% auf. Wie wichtig sind Dividenden für Sie und wie sieht ihre Dividendenstrategie aus?

Warncke: Wir wollen rund 50 % des operativen Gewinns an die Aktionäre ausschütten und die andere Hälfte nutzen, um Investitionen zu tätigen und die Substanz des Unternehmens zu stärken. Das bedeutet: Von unserer positiven Entwicklung und steigenden Gewinnen profitieren auch die Aktionäre.

ii: Im Zuge des Börsengangs 1990 wurden die stimmrechtslosen Vorzugsaktien eingeführt, während die vielen beteiligten Familienmitglieder die Stammaktien halten. In letzter Zeit legen immer mehr Unternehmen ihre Stamm- und Vorzugsaktien zusammen, um für den Kapitalmarkt attraktiver zu werden. Gleichzeitig wählen sie die Gesellschaftsform der KGaA, um den Einfluss der bisherigen Stammaktien-Inhaber zu sichern. Gibt es bei V&B auch Gedanken in diese Richtung?

Warncke: Nein, diese Gedanken gibt es derzeit nicht.

ii: Wenn Sie V&B einem Anleger in wenigen Worten beschreiben müssten, was würden Sie ihm sagen? Weshalb ist die V&B-Aktie aus ihrer Sicht ein lohnendes Investment?

Warncke: Wir verfügen mit unserer Marke über einen echten Wert und bieten Produkte von einer besonderen Qualität an. Außerdem sind wir in den europäischen Kernmärkten enorm gut aufgestellt. Gleichzeitig forcieren wir das Wachstumstempo außerhalb von Kerneuropa, arbeiten an unserer Effizienz in Produktion und Verwaltung und damit an unserer Profitabilität. Kurz gesagt: Wir haben in allen Bereichen noch Potenzial – sowohl auf der Umsatz- als auch auf der Ertragsseite. Und das ist es doch, was Investoren interessiert: Potenziale sind Phantasie für die Zukunft.

ii: Herr Warncke, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben für dieses Gespräch.

Mittwoch, 22. Juli 2015

Microsoft und die beiden Briefe des Nikita Chruschtschow

Es gibt eine Anekdote aus den Memoiren des einstigen sowjetischen Staats- und Parteichefs Nikita Chruschtschow, der 1964 wegen seiner peinlichen Auftritte vom Zentralkomitee der KPdSU entmachtet wurde. Bevor er seinen Schreibtisch räumen musste, verfasste er an diesem noch zwei Briefe für seinen Nachfolger. Die verschlossenen Umschläge versah er noch mit einer begleitenden Notiz, die dann Leonid Breschnew nach seiner Amtsübernahme vorfand. Darin stand: "Für meinen Nachfolger: Solltest Du Dich einmal in einer aussichtslosen Situation befinden, aus welcher es kein Entrinnen gibt, öffne den ersten Brief und er wird Dich retten. Befindest Du Dich sich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal in einer ausweglosen Lage, dann öffne den zweiten Brief."

Es dauerte nicht lange und Breschnew hatte sich in eine ernste Bredouille manövriert und in seiner Verzweiflung öffnete er den ersten Brief. In diesem stand nur: "Schiebe alles auf Deinen Vorgänger". Breschnew befolgte diesen Rat und machte Chruschtschows Politik für alle jüngst aufgetretenen Probleme verantwortlich. Und es funktionierte.

Einige Jahre später fand sich Breschnew erneut in einer ausweglos erscheinenden Lage wieder und er erinnerte sich des zweiten Briefes. Ohne zu zögern öffnete er ihn in der Hoffnung auf einen weiteren rettenden Ratschlag. Und er las: "Setz Dich sich an Deinen Schreibtisch und schreib zwei Briefe"...

 Microsoft (Quelle: comdirect.de)
Milliardenabschreibungen belasten Microsoft massiv
Gestern Abend nun hat der nicht mehr ganz so neue CEO des Softwarepioniers Microsoft, Satya Nadella, seinen ersten Brief geöffnet und verkündet, Microsoft müsse den höchsten Quartalsverlust seiner Geschichte ausweisen, unglaubliche 3,2 Milliarden Dollar. Diese sind Resultat einer verfehlten Übernahmepolitik seines Vorgängers Steve Ballmer, der u.a. für Kauf der Mobilfunksparte des einstigen Weltmarktführers Nokia fast 10 Mrd. USD hatte springen lassen. Zusammen mit weiteren Sonderaufwendungen beliefen sich die Wertberichtigungen auf atemberaubende 8,4 Mrd USD. Nur im zweiten Quartal! Und so hatte Microsoft bereits Anfang Juli die Entlassung von 7.800 Mitarbeitern angekündigt, von denen die meisten aus der Handy-Sparte kommen.


Nadellas steiniger Weg
Nadella baut Microsoft um, weg vom Closed-Shop-Anbieter hin zu einem Plattform-unabhängigen Softwareanbieter mit Hardware-Sparte. Und während man bei der Hardware, dem Surface, den Windows-Phones und der X-Box der Konkurrenz von Apple, Sony und Samsung meilenweit hinterher hinkt, ist man bei PC-Betriebssystemen noch immer das Maß aller Dinge. Jedoch ziehen auch hier große Gewitterwolken auf, denn weltweit schrumpfen die PC-Absätze, weil immer mehr Menschen zu Smartphones und Tablets greifen und dabei ganz auf PCs und Notebooks verzichten. Daher will Nadella mit Windows 10 nun weg vom PC-Betriebssystem hin zu einer geräteunabhängigen Softwarelösung, die überall gleich aussieht und gleich funktioniert. Und er dampft das bisherige Bezahlmodell ein, das auf Verkaufserlöse setzt, sondern möchte Windows zu einem gebührenfinanzierten Angebot umwandeln. Ein Weg, den Konkurrenten wie z.B. Adobe schon erfolgreich gegangen sind. Allerdings mit dem unschönen Nebeneffekt, dass zunächst die Umsätze und Gewinne einbrechen, bevor sich nach einigen Monaten die Gebühreneinnahmen maßgeblich in der Bilanz widerspiegeln. Bereits im abgelaufenen Quartal nahm man mit den Windowsverkäufen 20 Prozent weniger ein als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum.

Die Spuren des Umbaus sind inzwischen deutlich zu erkennen. So fiel der Umsatz um 5 Prozent auf knapp 22,2 Mrd. USD. Hierzu trugen die Verkäufe von Windows, Office, Datenbanken und anderer Unternehmenssoftware 13,5 Mrd. USD zum Gesamterlös bei, jedoch war das Spartenplus von 0,2 Prozent das langsamste seit zwei Jahren. Die Einführung von Windows 10 wird hier vorübergehend zu weiteren Einbrüchen führen.

Doch es gibt auch Lichtblicke im Endkundengeschäft: der Umsatz mit dem Tablet Surface verdoppelte sich im Vergleich zum Vorjahr auf 888 Mio. USD und die Erlöse mit der Spielkonsole Xbox und Videospielen kletterte um 27 Prozent. Allerdings machte die Endkundensparte unter dem Strich 13 Prozent weniger Umsatz, was auch am starken Dollar liegt.

Nadella und der zweite Brief
Microsoft muss sich neu erfinden, um wieder Anschluss zu finden und vielleicht sogar wieder Trendsetter zu werden. "Mobil first, cloud first" ist die Marschroute des Neuen und er trimmt Microsoft auf Erfolg. Dieser Weg ist nicht alternativlos, aber er scheint erfolgversprechend. Jedenfalls im Vergleich zu den übrigen Optionen, die Nadellas Vorgänger Steve Ballmer ja reihenweise gezogen - und an die Wand gefahren - hat. Der tiefgreifende Umbruch Microsofts wird immer mit Nadellas Namen verbunden sein, ob es ein Erfolg oder ein Flop wird. Noch setzten Analysten und Aktionäre auf den Erfolg und auch auf meiner Empfehlungsliste wird Microsoft weiterhin gelistet. Sollte Nadellas Strategie nicht bald aufgehen, bleibt ihm nur, den zweiten Brief zu öffnen. Und wir alle wissen ja, was in diesem steht...

Der Apple fällt nicht weit vom Stamm... aber tief

Der Physiker und Astronom Isaac Newton entdeckte die Schwerkraft, als ihm ein Apfel auf den Kopf fiel, während er unter einem Baum döste. Dergestalt unsanft aus seinen Träumen gerissen, entwickelte er seine Gravitationstheorie. Und nach dem, was sich nachbörslich an der Wall Street abzeichnet, scheint einmal mehr ein Apfel die Gesetze der Schwerkraft auszutesten.

Denn Apple, der mit bisher 700 Mrd. USD Börsenkapitalisierung wertvollste Konzern der Welt, hat gestern nach Börsenschluss seine Zahlen zum abgelaufenen 2. Quartal präsentiert und die können sich eigentlich sehen lassen! Die Umsätze stiegen im Jahresvergleich um ein Drittel auf 49,6 Mrd. USD und der Gewinn lag mit 10,7 Mrd. USD sogar um 38 Prozent über dem des Vorjahresquartals. Beide Werte übertrafen die Erwartungen klar.

Klumpenrisiko iPhone
Doch Apple ist vor allem von einem einzigen Produkt abhängig, dem iPhone. Dessen Anteil am globalen Smartphonemarkt beträgt "nur" 18 Prozent, dennoch streicht Apple inzwischen rund 92 Prozent aller Gewinne im Smartphonemarkt ein. Dieses Klumpenrisiko für Apple ist enorm und war ja auch für mich vor Kurzem der Grund, weshalb ich Apple good bye gesagt und von meiner Empfehlungsliste gestrichen habe. Denn ich denke, dass Apple hier mit Erwartungen überfrachtet wird und die Fallhöhe, wenn das Unternehmen die hohen Erwartungen nicht (mehr) erfüllen kann, ist extrem.

iPhone-Absatz steigt rasant - und doch viel zu wenig
Und was konnte Apple nun berichten? Der Konzern verkaufte in dem Ende Juni abgeschlossenen dritten Geschäftsquartal 47,5 Mio. iPhones und damit 35 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das ist beeindruckend und doch nicht beeindruckend genug, den die Analysten hatten zum Teil deutlich mehr erwartet - und die Aktien sinken nachbörslich wie ein Stein um gute 8 Prozent, wodurch sich mehr als 50 Mrd. USD an Börsenkapitalisierung in Luft auflösten. Wohl auch, weil Apple im zweiten Quartal 22 Prozent weniger iPhones verkaufen konnte als in den drei Monaten zuvor.

Apple (Quelle: comdirect.de)
Wandelt Apple auf Ikarus' Spuren?
Dädalus und sein Sohn Ikarus wurden als Strafe von König Minos im Labyrinth des Minotauros auf Kreta gefangen gesetzt. Zur Flucht erbaute Dädalus Flügel für sich und seinen Sohn, indem er Federn mit Wachs an einem Gestänge befestigte. Trotz der Warnungen seines Vaters, er dürfe unter keinen Umständen der Sonne zu nahe kommen, wurde Ikarus übermütig und flog immer höher und höher - bis die Sonne das Wachs seiner Flügel schmolz und er ins Meer zu Tode stürzte. Diese Geschichte aus der griechischen Mythologie könnte die Vorlage zur heutigen Geschichte von Apple sein. Ein Konzern, der immer höher von Erfolg zu Erfolg eilt, dem keine Grenzen gesetzt zu sein scheinen und der doch doch scheitert. Scheitern muss, weil sich alle an ihren immer höher geschraubten Erwartungen berauschen und sich daran gewöhnt haben, dass selbst die höchsten Erwartungen noch immer übertroffen wurden.

Und so kommt es, dass herausragende Zahlen zu einer Enttäuschung wurden, weil das Beste nicht mehr gut genug ist. Dabei ist Apple nicht schuldlos an der Situation, denn kein Unternehmen versteht es so wie Apple, sich zu inszenieren, sich den Nimbus des Unnahbaren, Unerreichbaren fast Mystischen zu geben. Und dieser Nimbus wird nun abrupt geerdet, schlicht, schnörkellos, durch das Drücken des Sell-Buttons beim Broker.

Ausblick
Die Kratzer dürften tief sein, die nun auf Apples zuletzt makelloser Bilanz prangen. Man fühlt sich ein wenig erinnert an den Herbst 2012, als nach dem Tod des Gründers und Ideengebers Steve Jobs die Zweifel groß waren und immer mehr wuchsen, ob Apple noch innovativ sein könnte, ob es neue Produkte ersinnen könnte, und als der Aktienkurs innerhalb von 9 Monaten von 100 USD auf unter 60 USD abstürzte. Die heutige Enttäuschung könnte ein neues Infernal für einen solchen schleichenden Abschwung sein, denn die Absatzzahlen des neuen Hoffnungsträger Apple Watch sind ernüchternd (vermutlich wurden bisher lediglich 2 Mio. Stück verkauft), das iPhone bleibt die einzige wirkliche Cash-Cow. Und gerade in China, dem größten Wachstumsmarkt, herrscht seit Mitte Juni lähmende Tristesse. Denn der Börsencrash in Shanghai hat nicht nur riesige Summen an Kapital vernichtet, er hat auch die Absatzzahlen ausländischer Luxusartikel einbrechen lassen. Und nicht nur die deutschen Premium-Automobil-Hersteller klagen über erhebliche Umsatzeinbußen, auch Luxusgegenstände wie Uhren, Schmuck und High-Tech-Geräte bleiben immer häufiger in den Läden liegen. Hier wächst das nächste große Enttäuschungspotenzial heran für die nächsten Quartalszahlen.

Fazit
Ich fühle mich in meiner Einschätzung bestätigt und denke, es war goldrichtig, die Apple-Aktien aus meinem Depot und von meiner Empfehlungsliste zu nehmen. Apple ist und bleibt ein tolles Unternehmen mit hervorragenden Produkten. Aber es ist auch nach wie vor zu abhängig von einem einzigen Produkt und meiner Ansicht nach noch immer deutlich zu hoch bewertet für sein sich zunehmend verschlechterndes Chance-Risiko-Profil.

Dienstag, 21. Juli 2015

IBM und der Big Blues

IBM hat heute Zahlen zum 2. Quartal präsentiert und wieder einmal hatte IBM-Chefin Ginni Rometty nichts Positives verkünden. Das dreizehnte Quartal in Folge sanken die Umsätze, der Gewinn sank ebenfalls.

Der Weg hin zu Software und Dienstleistungen unter Aussortierung der Hardware-Sparte mag richtig sein, natürlich kostet das Umsatzanteile (und auch Gewinne). Die Cloud-Geschäfte wachsen um 50% und ohne Wechselkurseinflüsse wären es sogar 70% gewesen. Aber... insgesamt sind die Erlöse in der Sparte Software um 10% gefallen ggü. dem Vorjahr, also schwächelt IBM auch in seinem Zukunftsbereich, wo man sich gegen andere Größen behaupten muss, die Amazons und Microsofts dieser Welt.

Diese Schwäche ist schon beängstigend, denn IBM glänzt zur Zeit eigentlich nur durch Kosteneinsparungen und Aktienrückkäufe. Die Neuausrichtung greift (noch) nicht, sollte sie nach so vielen Jahren aber mal endlich!

 IBM (Quelle: comdirect.de)
Ich stehe bei IBM weiterhin am Seitenrand und habe nicht das Gefühl, hier eine große Chance verpasst zu haben. Oder zu verpassen… Ich wäre aber auch nicht unglücklich, wenn sich Warren Buffetts Riecher am Ende doch wieder einmal als der richtige erweist - auf lange Sicht. Aber Buffett kauft ja auch nicht, weil er auf Kurssteigerungen setzt, sondern weil er das Unternehmen besitzen will. Bis in das letzte Quartal hinein hat er fleißig weitere IBM-Aktien eingekauft und solange er weitere Anteile erwerben will, ist er froh darüber, wenn der Kurs nicht steigt. Selbst über Jahre hinweg. Ich denke daher manchmal, dass der Kurs in den letzten drei Jahren noch viel stärker hätte sinken müssen, wenn nicht IBM und Berkshire Hathaway immer noch kaufen würden.

Berkshire Hathaway befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 20. Juli 2015

Börsenweisheit der Woche 29/2015

"Die Zukunft gehört denen, die Möglichkeiten erkennen, bevor sie offensichtlich werden."
(Oscar Wilde)

Sonntag, 19. Juli 2015

Lese-Tipp: "Der Club der Diebe"

Autor: James B. Stewart

Taschenbuch
Verlag: Ullstein
Auflage: 4 (1994)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548232078

Selbst Insider sahen nicht voraus, dass der große Wall-Street-Boom während der "wilden Achtziger" in einen Finanzskandal von gigantischem Ausmaß münden würde. James B. Steward, Pulitzerpreisträger und Redakteur des New Yorker "Wall Street Journals", erzählt die Geschichte eines der größten Börsenschwindels aller Zeiten und die seiner Akteure. Und darunter sind so illustre Namen wie der des Königs der Junk-Bonds, Michael Milken, des "Corporate Raides" Ivan Boesky und des Firmenjägers Carl Icahn. Aber auch Goldman Sachs und Drexel Burnham Lambert sind mit von der Partie.

Das Buch ist eine hervorragende Tatsachenschilderung über die Gier an der Wallstreet und den (fast) aussichtslosen Kampf der SEC und der Staatsanwaltschaft (unter dem späteren New Yorker Bürgermeister Rudolph Guiliani) gegen die Insider-Clique an der Wallstreet. Sozusagen die Fakten zu Oliver Stones Film Wallstreet mit Michael Douglas in der Rolle des Raiders Gordon Gekko (Filmzitat: "Die Gier ist gut, die Gier ist richtig, die Gier funktioniert, sie klärt die Dinge").

Für mich als eher wirtschafsliberal eingestellten Menschen findet sich hier ein hervorragendes Beispiel, warum der Markt nicht gänzlich sich selbst überlassen werden darf. Denn wenn einige gleicher sind als andere, dann muss der Staat die Regeln so vorgeben, dass alle die selben Chancen bekommen - und der Staat muss die Einhaltung dieser Regeln auch überwachen. Denn dass die Selbstreinigungskräfte des Marktes nicht funktionieren, zeigt die jüngste Finanzkrise auf, die genau nach dem gleichen Muster abläuft, wie die der achtziger Jahre. Der Unterschied ist allerdings, dass damals die US-Regierung die öffentlich-rechtlichen Sparkassen - die auch Opfer der Junk-Bond-Mania wurden - mit 2 Milliarden Dollar an Steuergeldern retten musste. Eine Summe, die heutzutage nur ein müdes Lächeln auslösen kann, wo doch ständig von hunderten von Milliarden die Rede ist und alleine schon das jährliche Defizit des US-Haushaltes mehr als eine Billion Dollar an zusätzlichen Schulden verursacht.

Was dieses Buch so auszeichnet ist, dass es die Geschichte immer aus Sicht einer der Akteure beleuchtet und es dem Autor gelingt, auch deren Seelenlage und die Atmosphäre so stimmig rüberzubringen, dass man meint, sich mitten im Strudel der Ereignisse zu befinden. Am Ende könnte eine Weisheit von Ullrich Wickert stehen: "Der Ehrliche ist der Dumme".

Andere Ansichten: MAX Automation ist jetzt ein Kauf

Christian Ohm hat in seinem "Stock-Blog" einen Artikel über MAX Automation verfasst und weshalb er die Aktie jetzt für sein Depot gekauft hat. Dabei beleuchtet er die Wandlung der M.A.X. Automation in den letzten Jahren, insbesondere seit der Übernahme der AIM und des Einstiegs des neuen 30-Prozent-Aktionärs Günther Holding, sowie die Fokussierung auf den Bereich Automatisierungstechnik. Er stellt dabei die Abhängigkeit von 40 bis 50 Prozent der Beteiligungsunternehmen vom Automobilsektor heraus.

Aufgrund der Veränderungen sei es schwer, die Zahlen mit den Vorjahren zu vergleichen. Allerdings deute der hohe Auftragseingang mit einem Zuwachs von 37% einer Book-to-bill-Ratio von 1,2 auf erfolgreiche operative Geschäfte hin. Die Eigenkapitalrendite von 10% sei für ein Industrieunternehmen gut, die Eigenkapitalquote von 33% eher knapp bemessen. Zudem seien im ausgewiesenen Eigenkapital von knapp 100 Mio. EUR noch 46 Mio. als Firmenwerte ausgewiesen.

Unter dem Strich biete das Unternehmen mit dem erwarteten Gewinn für 2015 von 0,45 EUR und 2016 von 0,62 EUR attraktive Kurs-Gewinn-Verhältnisse von 12,7 (2015) und 9,2 (2016).

MAX Automation befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Samstag, 18. Juli 2015

Andere Ansichten: Starbucks - Herr der Bohnen

Starbucks-CEO Howard Schultz ist der Herr der Bohnen, titelt "Der Aktionär" und er wolle noch mehr. Seit seiner Rückkehr auf den Chefsessel in 2008 habe der Starbucks-Macher etliche geniale Ideen gehabt und den Aktienkurs in immer neue Höhen katapultiert. Schultz habe das Angebot in den Starbucks-Filialen deutlich erweitert, so dass man nun den ganzen Tag bei Starbucks sitzen und Frühstück, Mittagessen und Abendbrot bestellen und dabei sogar noch auf seine Linie achten könne. Hilflos müssten Subway und McDonald’s mit ansehen, wie die Leute an ihren Filialen vorbeigingen und bei Starbucks einkehrten. Subway habe inzwischen sogar den zweiten Platz der größten Restaurantketten in den USA an Starbucks verloren.

Der Schlüssel des Starbucks-Erfolgs liege in dem ausgeklügelten Premium-Image, das sich das Unternehmen in all den Jahren aufgebaut habe. „Starbucks verkaufe nicht vorrangig Kaffee, sondern vielmehr ein Lebensgefühl und habe eine Antwort auf die markenessenzielle Frage gefunden, wie eine Marke die Welt ein wenig besser machen könne. Starbucks habe den „third place“ erschaffen, den Platz, wo man es sich gerne gemütlich mache, wenn man nicht zuhause und nicht bei der Arbeit sei. Und wer es sich gemütlich mache, kaufe mehr und schaue nicht so auf den Preis, denn das gute Gefühl erzeuge ein Preis-Premium, das man gerne bereit sei zu zahlen.

Ein großer Vorteil sei, dass Starbucks-Chef Schultz stets offen für Neues sei, wie bei dem 2014 gestarteten mobilen Bezahlsystem Mobile Order & Pay, das bereits jetzt über zwölf Millionen Nutzer habe und pro Woche rund sieben Millionen mobile Transaktionen generiere. Starbucks sei eine Wohlfühlmarke, der Ort, wo die Leute gerne seien und obwohl die Aktie schon sensationell gelaufen sei, habe sie immer noch Potenzial, weil Starbucks bei Gewinn und Umsatz noch deutlich zulegen werde.

Starbucks befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und bleibt für langfristig orientierte Anleger der Top-Pick im Restaurantketten-Bereich.

Donnerstag, 16. Juli 2015

Blackstone steigert nach schwierigem Quartal die Dividende um ein Drittel

Finanzinvestor Blackstone Group hat Zahlen zum 2. Quartal 2015 vorgelegt und die verfehlt in Teilbereichen die Erwartungen der Analysten.

Blackstones Quartalsgewinn fiel im 2. Quartal ggü. dem Vorjahreswert um 74% auf 134,2 Mio. USD (517 Mio.) oder 21 Cents je Aktie (85 Cents). Der Nettogewinn lag bei 508 Mio. USD bzw. 43 Cents je Aktie und lag in etwa auf Höhe der Analystenerwartungen. Im Vorquartal war noch eine Verdopplung des Nettogewinns vermeldet worden und diese hohen Schwankungen zeigen in besonderem Maß, dass das Private Equity Geschäft schwer in Drei-Monatszyklen zu erfassen ist, sondern mindestens in Jahresergebnissen betrachtet werden sollte.

Blackstone legt "solide Ergebnisse" vor
Dennoch schauen wir uns die Quartalszahlen ruhig noch etwas genauer an, denn Blackstones CEO Stephen Schwarzman meinte bei Vorstellung der Quartalszahlen, man habe "solide Ergebnisse für die Anleger im zweiten Quartal produziert mit starken Realisierungsaktivitäten trotz schwieriger Marktbedingungen". Beeindruckende Zahlen konnte er bzgl. des verwalteten Vermögens vermelden, denn diese "Assets under Management" betragen per 30. Juni 333 Mrd. USD und damit 19% mehr als die am Ende des Vorjahreszeitraums verwalteten 279 Mrd. USD. Ende März hatten die AUM noch bei 310 Mrd. USD gelegen. Der Glaube, dass Blackstone auch künftig hohe Rendite für das verwaltete Vermögen einfahren wird, ist also ungebrochen. Und da vieles von dem zu einem erheblichen Teil in Immobilien angelegten Geldes bereits in den ersten Nach-Krisenjahren investiert wurde, schlummern hier enorme Bewertungsreserven in der Blackstone-Bilanz bzw. in der ihrer Töchter und verwalteten Spezialfonds. Diese stillen Reserven werden in den nächsten Jahren sukzessive zu Geld gemacht und bescheren den Anlegern hohe Renditen. Hier erzielt Blackstone gleich doppelte Einnahmen: einerseits, weil man selbst Anteile an den Spezialfonds hält und andererseits, weil man hier die Managementgebühren und Erfolgsprovisionen kassiert. Solange es Blackstone gelingt, weitere Gelder zu akquirieren, wachsen alleine deshalb schon die Einnahmen weiter.

Nettogewinn vs. ausschüttungsfähiger Gewinn
Vom Nettogewinn, der die dieser Periode zuzurechnenden Gewinne ausweist, ist der ausschüttungsfähige Gewinn zu unterscheiden. Dieser beziffert die Gewinne, die wirklich in dieser Periode zugeflossen sind und die für Ausschüttungen an die Aktionäre zur Verfügung stehen, während im ausgewiesenen Nettogewinn auch wertmäßige Zu- und Abschreibungen enthalten sind, die auf Assets (wie Immobilien, Aktien, Fondsanteile) anfielen. Diese erhöhen - oder reduzieren - aber erst dann das Ergebnis, wenn die Assets auch wirklich verkauft werden. Bis dahin stellen sie nur Buchgewinne oder -verluste dar. Blackstone investiert allerdings mittelfristig in seine Assets, also im Schnitt mindestens um die 5 Jahre, wodurch die Kursschwankungen einzelner Anlagen von Quartal zu Quartal nur eine untergeordnete Bedeutung haben. Weshalb der auf den ersten Blick enttäuschende Quartalsgewinn auch keine wirklich relevante Größe für Blackstone-Aktionäre ist, deren der Fokus viel mehr auf den ausschüttungsfähigen Gewinnen liegt, weil sich hieraus die hohen Renditen speisen - und die üppigen Quartalsdividenden.

 Starbucks (Quelle: comdirect.de)
Quartalsdividende steigt um 35 Prozent
Eine Zahl, die Anlegerherzen wieder einmal höher schlagen lässt, ist die deutlich angehobene Quartalsdividende, denn der ausschüttungsfähige Gewinn liegt im 2. Quartal bei 1 Mrd. USD und übertrifft den Vorjahreswert von 765 Mio. USD deutlich. Folgerichtig will Blackstone die Quartalsdividende auf 74 Cents je Aktie anheben, nachdem im Vorjahr noch 55 Cents ausgeschüttet wurden. Anleger, die die Aktien am 23. Juli im Depot haben (Ex-Dividenden-Tag), bekommen die Dividende am 3. August ausgezahlt.

Dividendenhistorie
Der Aktienkurs von Blackstone hat sich in letzter Zeit prächtig entwickelt, für uns Anleger in Deutschland natürlich auch aufgrund des starken US-Dollars. Nun kann man die Quartalsdividende nicht einfach auf das Jahr hochrechnen, denn die Gewinne und damit die vierteljährlichen Ausschüttungen unterliegen deutlichen Schwankungen. Hier lohnt ein Blick auf die Dividendenhistorie der vergangenen Jahre und die Auszahlungsmonate sind stets Februar, Mai, August, November.

Seit 2011 wurden folgende Quartalsdividenden ausgeschüttet:

2011: 0,32 / 0,10 / 0,10 / 0,10 = 0,62 USD p.a.
2012: 0,22 / 0,10 / 0,10 / 0,10 = 0,52 USD p.a.
2013: 0,42 / 0,30 / 0,23 / 0,23 = 1,18 USD p.a.
2014: 0,58 / 0,35 / 0,55 / 0,45 = 1,92 USD p.a
2015: 0,78 / 0,89 / 0,74

Selbst wenn die letzte Quartalsdividende komplett ausfallen würde, lägen die dann in 2015 ausgeschütteten Dividenden nun bereits bei 2,14 EUR und bezogen auf den aktuellen Aktienkurs von 37 EUR ergäbe sich eine Dividendenrendite von 6%. Setzt man für 2015 die bisher durchschnittlich ausgeschütteten 0,80 USD je Aktie auch für das nächste Quartal an, läge die Gesamtjahres-Dividendenrendite entsprechend bei 8,7%.

Diese Rechnung ist selbstverständlich ziemlich überschlägig. Sie zeigt jedoch die Attraktivität dieses Investments für langfristig und auf Rendite orientierte Anleger, die mit einer erhöhten Schwankungsbreite des Aktienkurses leben können.

Blackstone profitiert vom niedrigen Zinsumfeld und der Suche der Investoren nach auskömmlichen Renditen. Neben der außergewöhnlich hohen Dividendenrendite schlagen auch noch weitere Kurschancen positiv zu Buche. Insbesondere in den Bereichen Immobilien und Öl- und Gas verstärkt Blackstone seine Investitionen, um einerseits stetige Einnahmen zu generieren und andererseits die sich bietenden antizyklischen Investitionschancen zu nutzen. Und bei seinen Verkäufen spielt das nach wie vor positive Börsenumfeld dem Finanzinvestor in die Karten und ermöglicht ihm, seine eingegangenen Beteiligungen aus früheren Jahren gewinnbringend zu veräußern. Blackstone verfügt zum Quartalsende über 82 Mrd. USD und damit über mehr als genug liquide Mittel, um sich die besten Chancen am Markt sichern zu können - auch und gerade, wenn die Börsen mal in den Korrekturmodus schalten. Die Aktien befinden sich auf meiner Empfehlungsliste und zählen weiterhin zu den aussichtsreichsten Investment-Chancen am Markt.