Dienstag, 29. September 2015

Warren Buffett stößt seine Aktien an der Münchner Rück ab. Endlich!

Rückversicherungen sind weltweit in schwerer Fahrwasser geraten, weil ihnen die Niedrigzinsphase ihre Erträge nimmt und gleichzeitig branchenfremde Investoren in ihr originäres Geschäftsfeld eindringen. Trotz der vorgeblich niedrigen Bewertungen und optisch hohen Dividendenrenditen, sind Rückversicherungsaktien keine Schnäppchen, sondern Value TrapsIch hatte daher bereits Anfang Mai spekuliert, dass Warren Buffett sich von seinen als Finanzbeteiligungen gehaltenen Aktienpaketen an Munich RE und Swiss RE trennen müsste, nachdem er sich selbst eher skeptisch bis negativ über die Rückversicherungsbranche geäußert hatte. Und nun vermeldet die Munich RE, dass Buffett bzw. seine Investmentholding Berkshire Hathaway und seine Versicherungsgesellschaft National Indemnity Company ihren Anteil von gut 12 Prozent auf 9,7 Prozent reduziert hätten.

 Munich RE (Quelle: comdirect.de)
Das Unterschreiten dieser Meldeschwelle war nach deutschem Börsenrecht ggü. der Munich Re zu melden und von dieser zu veröffentlichen. Aber es ist kaum anzunehmen, dass Buffett nun bei einem Anteilsbesitz von 9,7 Prozent verharren wird, sondern er dürfte weitere Aktien abstoßen. Berkshires starke Ausrichtung auf die Versicherungsbranche stellt ein Klumpenrisiko dar und dass Buffett hier nun endlich Anteile reduziert, bewerte ich als positiv. Denn anders als die zu 100% zu Berkshire gehörenden Versicherungsunternehmen, kann Buffett bei seinen Finanzbeteiligungen natürlich nicht auf den Cashflow aus den Versicherungsprämien zurückgreifen, die er dann für seine Investments einsetzen kann. Insofern bieten ihm Finanzbeteiligungen in der Versicherungsbranche keinen Vorteil ggü. anderen Branchen, während die Risiken steigen aufgrund der einseitigen Ausrichtung und der sich verschärfenden Branchenkrise.

Berkshire Hathaway befindet sich als Halteposition auf meiner Empfehlungsliste, ich überdenke mein Votum aber aktuell, denn das Reduzieren der Versicherungsaktien und das stärkere Engagement im Industrie- und Konsumsektor lassen die Aktie unter Chance-Risiko-Aspekten wieder attraktiver erscheinen.


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Montag, 28. September 2015

Börsenweisheit der Woche 39/2015

"Kaufe eine Aktie, als würdest du das ganze Unternehmen kaufen. Strebe nicht nach dem schnellen Dollar. Suche nach Unternehmen, deren Aktien du ein ganzes Leben lang halten kannst."
(Benjamin Graham)

Freitag, 25. September 2015

TICC Capital: wenn drei sich streiten... freut sich der Aktionär

Die TICC Capital Corp. habe ich ja erst seit kurzem auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot (siehe mein Investor Update vom 18.09.2015). Kurz nach meinem Einstieg ist ein Bieterkampf um die Zukunft des Unternehmens entbrannt - Ausgang ungewiss.

TICC Capital ist eine Business Development Company (BDC) und genau wie KCAP Financial im Bereich der Unternehmenskredite aktiv, besonders durch Collateralized Loan Obligations (CLOs), also verbriefte Unternehmenskredite. Während KCAP Financial sein Portfolio durch eigene Tochtergesellschaften managend lässt und somit eigentlich keine "fremdgemanagte" BDC im engere Sinn ist, lässt TICC einen unternehmensfremden Manager die operativen Geschäfte führen.

Ich erzähle diese Vorgeschichte nicht ohne Grund, denn andere BDCs setzen weniger auf Unternehmensfinanzierungen durch CLOs, sondern verstärkt auf privat finanzierte, nachrangige Unternehmenskredite mit niedrigerem Imvestment-Grade ("Private Debts"). Diese Private Debts sind zumeist nicht gerated und nicht verbrieft, so dass eine Refinanzierung bzw. ein Weiterverkauf weitaus schwieriger wäre als bei CLOs.

Bei der Bewertung seitens der Anleger ergeben sich durchaus Unterschiede, denn KCAP und TICC notieren regelmäßig unterhalb ihre Net Asset Value (NAV), also unter dem Wert ihrer Vermögensgegenstände. Der Markt preist hier das Risiko ein, dass nicht alle Ausleihungen an Unternehmen in Gänze einbringlich sein könnten. Erstaunlich finde dabei eigentlich nur, dass es sich bei BDCs, die Private Debts finanzieren, eher nicht so ist. Diese BDCs werden nicht selten sogar mit Aufschlägen auf den NAV gehandelt - ein Bewertungsunterschied, der sich mir nicht erschließt...

 TICC Capital, NASDAQ (Quelle: comdirect.de)
Doch zurück zu TICC... das Unternehmen möchte seinen externen Manager wechseln und das Board von TICC ist sich bereits mit einem Anbieter einig, mit Benefit Street Partners (BSP). Jedoch sollen die bestehenden Assets aus CLOs und "Syndicated Loans" abgewickelt werden und im Anschluss auf "Private Debts" gesetzt werden. Davon halte ich persönlich nicht viel, denn dann kann ich ja gleich in eine der vielen anderen BDCs mit entsprechender Ausrichtung investieren. Auch muss man bei Auffösung der Assets davon ausgehen, dass diese nicht den Nominalwert einbringen werden, also weniger als der NAV hereinkommen dürfte.

Doch es gibt noch andere Vorstellungen, was das Beste für die Aktionäre ist. So strebt eine andere BDC, die TPG Specialty Lending, die Komplettübernahme von TICC an, wobei die TICC-Assets erhalten bleiben und die bestehenden Asstes von TPG ergänzen sollen. Allerdings ist das TPG-Angebot für uns Aktionäre nicht wirklich interessant, denn TPG bietet mit 7,50 USD einen Kaufpreis deutlich unterhalb des NAV von TICC, der bei 8,60 USD liegt. Und TPG will die Übernahme auch noch mit eigenen Aktien bezahlen, die oberhalb des eigenen NAV notieren. Ein doppelter "Wert-Crasher" für TICC-Aktionäre, sozusagen! Des Weiteren liegt die Dividendenrendite von TPG etwa halb so hoch wie die von TICC, was für TICC-Aktionäre kaum begeisternde Aussichten wären. Aus diesen Gründen stößt die BSP-Offerte auf ziemlichen Widerstand größerer TICC-Aktionäre.

Und dann gibt es da noch das Angebot von NexPoint, die "nur" das Management der TICC-Assets übernehmen möchten, allerdings mit 1,25% zu deutlich niedrigeren Gebühren als es BSPs Angebot von 2% bietet. Das NexPoint-Angebot klinnt für mich vielversprechender, vor allem, weil NexPoint an der bisherigen unternehmerischen Ausrichtung von TICC festhalten möchte.

Als weitere denkbare Option könnte man auch generell die Asstes von TICC auflösen und alles Geld an die Aktionäre auskehren. Auch davon halte ich wenig, das geht in die gleiche Richtung wie das BSP-Angebot mit den zu erwartenden Wertreduzierungen.

Bringt die außerordentliche Hauptversammlung Klarheit?
Am 27. Oktober sollen die Aktionäre auf einer außerordentlichen Hauptversammlung über die verschiedenen Optionen abstimmen. Ein mit 5 Prozent Anteil bedeutender TICC-Aktionär, Raging Capital, forderte allerdings jüngst das Board auf, diese HV zu verschieben und eine Investmentbank zu engagieren, die die verschiedenen Handlungsoptionen bzw. Angebote bewertet, damit die Aktionäre umfassend informiert sind und dann fundiert entscheiden können. Und Muzinich & Co., die ebenfalls zu den 5 größten TICC-Aktionären gehören,stößt nun ins gleiche Horn.

Es ist durchaus denkbar, dass BSP sein Angebot noch einmal deutlich nachbessert und die angebotenen Management-Gebühren senkt, um "im Spiel" zu bleiben. Mir wäre allerdings  am liebsten, wenn NexPoint sein Angebot noch ein wening nachbessern würde, zum Beispiel um eine Aktienrückkaufoption. Dann könnte TICC zu erheblich verbesserten Konditionen sein Geschäft weiter betreiben und für die Aktionäre würde so dauerhaft Mehrwert geschaffen bei Aussicht auf weiterhin deutlich zweistellige Dividendenrenditen.

Warten wir ab, was die nächsten Wochen noch an interessanten Neuigkeiten und Optionen bringen. Ich gebe jedenfalls keine meiner TICC-Aktien aus der Hand. Eher im Gegenteil, bei günstiger Gelegenheit könnte ich mir vorstellen, meine Position noch etwas auszubauen. Denn trotz des Kurssprungs durch die "Bieterschlacht" notieren die TICC-Aktien weiterhin deutlich unterhalb ihres NAV.

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Ergänzung vom 7. Oktober

Weitere bedeutende TICC-Aktionäre haben sich zu Wort gemeldet: Rangeley Capital unterstützt wie zuvor auch bereits Muzinich & Co. die Position von Raging Capital, die ein Absagen der für den 27. Oktober geplanten Hauptversammlung fordern und das Einschalten einer Investmentbank, die die verschiedenen Optionen für die Aktionäre bewerten soll. Diese sollten erst nach Vorliegen der Bewertung auf einer weiteren HV abgestimmt werden.

DeMuth, ein weiterer substanzieller TICC-Aktionär meint, die seitens des TICC-Managements bevorzugte Offerte durch BSP sei die schlechteste Wahl. Würden Aktionäre eine eigenständige, fremdgemanagte BDC fortführen wollen, wäre das Angebot von NexPoint kostengünstiger und für die Aktionäre attraktiver. Und würde der Fokus der TICC-Aktionäre auf dem möglichst schnellen Annähern des Aktienkurses auf den NAV liegen, wäre das Angebot von TLG - oder eine Liquidation der TICC-Assetts - der BSP-Offerte vorzuziehen.

Positiv hat sich, bis auf das TICC-Board selbst, bisher niemand zum BSP-Angebot. Das sollte den Verantwortlichen schwer zu denken geben. Es bleibt auf jeden Fall spannend...

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Ergänzung vom 9. Oktober

Heute geht die Auseinandersetzung in eine neue Runde: NexPoint Advisors hat Klage gegen TICC eingereicht, genauer gesagt gegen die Gesellschaft, das Board und den Vorstand. NexPoint ist nämlich der Meinung, TICC würde seinen Anlegern die gesetzlich vorgeschriebene Wahlmöglichkeit zwischen den verschiedenen Angeboten vorenthalten bzw. sie einseitig zugunsten des BSP-Angebots beeinflussen. Dabei sei die Offerte von BSP vor allem ein Gewinn für das TICC Management, während das Angebot von NexPoint vor allem den TICC-Aktionären Vorteile bringe. Die zuletzt von BSP herausgegebene Pressemitteilung sei nur ein "verzweifelter Versuch", vom eigentlichen Kernthema abzulenken.

Hier die Erklärung von NexPoint zur Klageeinreichung (in Englisch).


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Ergänzung vom 23. Oktober

Das Gericht hat die Klage von NexPoint dahingehend abgewiesen, dass deren Personalvorschläge für das Board nicht mit auf den Stimmzettel müssen, sofern nicht die Aktionärsversammlung sich für das BSP-Angebot entscheidet. NexPoints Ansinnen wurde vom Gericht als Übernahmeversuch eingestuft. Teilerfolg für das TICC-Management.

Auf der anderen Seite hat das Gericht den HV-Termin verschoben; er wird also nicht am 27. Oktober stattfinden. Und die Begründung ist ein Schlag ins Gesicht für das TICC-Management: denn das Gericht fordert, dass TICC die Einzelheiten zu seinem BSP-Deal näher erläutern muss, insbesondere die vorgesehenen Zahlungen an die Eigentümer des TICC Managements. Hier folgte das Gericht also NexPoints Argumenten.

Die Auseinandersetzung geht weiter und es wird sich zeigen, wer am Ende als Sieger vom Platz geht. Auf jeden Fall wirft das gesamte Vorgehen ein negatives Bild auf BDCs im Allgemeinen, weil es offenlegt, dass Board und Management nicht zwangsläufig zuerst das Wohl der Aktionäre im Blick haben (müssen).

Hier die Standpunkte des Gerichts (in Englisch).

Mittwoch, 23. September 2015

Andere Ansichten: Balda mit Schluss-Strich und Riesen-Dividende

Gereon Kruse berichtet auf "boersengefluester.de" über die aktuelle Entwicklung bei der Balda AG, die heute bekanntgab, dass man das gesamte operative Geschäft inkl. der Tochtergesellschaften an eine Investorengruppe aus dem Umkreis der Münchner Paragon Partners für 62,9 Mio. Euro verkauft werden. Dies entspräche einem Preis von etwa 1,07 EUR je Balda-Aktie und solle von einer Hauptversammlung, die am 19. November 2015 einberufen werden soll, beschlossen werden. Hier solle auch über eine Dividende von 1,10 EUR je Aktie abgestimmt werden, die bezogen auf den Vortagesschlusskurs einer Rendite von immerhin 45 Prozent entspräche. Die Ausschüttungssumme belaufe sich auf knapp 64,8 Mio. EUR.

In einem weiteren Schritt solle über eine Kapitalherabsetzung befunden werden: das gegenwärtig in 58.890.636 Aktien unterteilte Gezeichnete Kapital solle auf 5.889.063 EUR gekürzt werden, um weitere 0,90 EUR auskehren zu können. Zwischen HV-Beschluss und Umsetzung läge jedoch eine sechsmonatige Sperrfrist, wie sie schon bei UMS oder AdCapital zu erleben war.

Auch danach wird sich noch Geld in der leeren Balda AG befinden und es bleibe abzuwarten, was Großaktionär van Aubel letztlich mit der Gesellschaft vorhabe. Festzuhalten sei jedenfalls, dass es Balda nicht gelungen sei, mit den vielen Millionen aus dem TPK-Anteilsverkauf eine klangvolle Börsenstory zu zimmern.

Balda befindet sich als Halteposition auf meiner Empfehlungsliste.

KCAP Financial kündigt Quartalsdividende an; Jahresrendite von über 17%

Die 1987 gegründete KCAP Financial Inc. (ehemals Kohlberg Capital Corp.), eine Business Development Company (BDC), die vor allem kleine und mittlere nicht-börsennotierte US-Unternehmen mit Eigen- und Fremdkapital finanziert, hat ihre nächste Quartalsdividende bekanntgegeben. Mit 0,21 Cents wird die Ausschüttung in gleicher Höhe erfolgen wie im Vorquartal und bezogen auf den aktuellen Aktienkurs von 4,85 $ ergibt dies eine annualisierte Dividendenrendite von 17,25%.

Der Net Asset Value (NAV) wurde von KCAP ggü. der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) per 30.06.2015 mit 6,96 $ angegeben - der aktuelle Börsenkurs notiert also mit einem 30 prozentigen Abschlag auf diesen NAV.

Die Dividende wird am 27. Oktober ausgezahlt und zwar für Anleger, die die KCAP-Aktien am 8. Oktober im Depot haben. Der Dividendenabschlag erfolgt am 9. Oktober.

DividendenhistorieJanuarAprilJuliOktoberGesamt
20150,25 $0,21 $0,21 $0,21 $0,88 $
20140,25 $0,25 $0,25 $0,25 $1,00 $
20130,28 $0,28 $0,28 $0,25 $1,09 $
20120,18 $0,18 $0,24 $0,24 $0,84 $
20110,17 $0,17 $0,17 $0,18 $0,69 $

 KCAP Financial (Quelle: comdirect.de)
Dividenden-Re-Investmentplan
Eine Besonderheit gibt es noch bei Dividenden von KCAP Financial, denn das Unternehmen hat einen automatischen Dividenden-Re-Investmentplan, so dass die Dividenden umgehend in Aktien re-investiert werden. Wer eine Bardividende erhalten möchte, muss dieses ausdrücklich erklären. Die meisten Broker in Deutschland weisen ihre KCAP-Aktionäre darauf hin und erwarten eine Erklärung von ihnen, ob sie lieber die Bardividende haben möchten oder die Wiederanlage in KCAP-Aktien bevorzugen. Versteuert werden muss die Ausschüttung in jedem Fall.

KCAP Financial Inc. befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Dienstag, 22. September 2015

Mutig oder verrückt? KKR und Deutsche Rohstoff investieren in Öl-Förderung

Der Ölpreis hat einen gnadenlosen Absturz hinter sich, von mehr als 100 USD (WTI) Ende 2014 innerhalb weniger Wochen auf unter 50 USD. Und dort verharrt er seitdem, schwankt zwischen 40 und 60 USD, macht aber keine ernsthaften Anstalten, sich wieder in alten Höhen zu schwingen. Die Hoffnungen all jener, die auf einen schnellen Rebound gesetzt hatten, weil die US-Öl-Fracking-Industrie erst oberhalb von 70 USD wirtschaftlich fördern konnte und somit vor einer großen Pleitewelle stehe, haben sich nicht erfüllt. Saudi Arabien hatte auf Basis dieser Annahmen die OPEC gezwungen, keine Förderkürzungen vorzunehmen und so die US-Fracker in die Pleite zu treiben. Doch es kam bekanntlich anders, denn erst floss reichlich frisches Geld in die Fracking-Unternehmen, und dann steigerten diese auch noch ihre Wirtschaftlichkeit in atemberaubendem Tempo. Durch das immer längere fracken in den alten Bohrlöchern und neue Techniken quetschen sie immer mehr Öl aus den Gesteinsschichten und reduzieren ihre durchschnittlichen Förderkosten inzwischen auf deutlich unter 40 USD. Denn auch die Kosten für Personal, Lizenzen, Equipment sind drastisch gefallen und auch die Finanzierungskosten vieler Unternehmen. Die melden einfach Insolvenz nach Chapter 11 an und einigen sich mit ihren Gläubigern auf neue Bedingungen. Und bevor die versuchen, die erheblich im Wert gefallenen Assets zu verscherbeln, verzichten sie lieber auf Geld und Zinsen in der Hoffnung, dass die günstigen Förderkosten in Verbindung mit einem bald wieder ansteigenden Öl-Preis dann schon noch Rendite bringen wird.

Wer bisher noch keine Förderung am laufen hat, steht fein da. denn er kann zu niedrigen Preisen ins Business einsteigen. Und heute haben gleich zwei Unternehmen auf meiner Empfehlungsliste verkündet, genau das zu tun. Allerdings mit unterschiedlichen Voraussetzungen.

 Deutsche Rohstoff AG (Quelle: comdirect.de)
Deutsche Rohstoff AG
Die Deutsche Rohstoff AG hat bereits Erfahrungen im Öl- und Gas-Business in den USA, hat ihre Beteiligung Tekton allerdings Anfang 2014 für 200 Mio. USD verkauft und damit so ziemlich zum Höchststand des Ölpreises. Und die DRAG sitzt seitdem auf einem großen Berg Cash und ist dabei, sich sukzessive wieder in den Markt einzukaufen. Gleich mit drei unterschiedlichen Projekten will sie hier ihren Tekton-Erfolg wiederholen und gleichzeitig Steuererstattungen in Höhe von bis zu 38 Mio. USD aktivieren.

Heute nun gab die DRAG bekannt, dass ihre 93-Prozent-Tochter Elster Oil & Gas aus den ersten 5 Horizontalbohrungen Öl fördert. Diese Bohrungen waren Anfang August fertig gestellt worden.

Die Deutsche Rohstoff USA kann einen Teil der Kosten für die Bohrungen mit den Gewinnen aus dem Tekton-Verkauf verrechnen. Die Steuererstattung beläuft sich auf über 20% der gesamten Bohrkosten. Darüber hinaus sind die Kosten für eine Bohrung in den vergangenen Monaten signifikant gefallen. Elster geht daher davon aus, auch bei Ölpreisen von USD 40 pro Barrel eine positive Rendite auf das investierte Kapital zu erwirtschaften.

Elster verfügt über rund 800 Acres (3,24 km2) an der sogenannten Magpie-Fläche. Der Partner Extraction plant, auf dieser Fläche bis zu 57 weitere Horizontalbohrungen abzuteufen.

KKR & Co. L.P. (Quelle: comdirect.de) 
KKR & Co. L.P.
Der Finanzinvestor KKR & Co. ist schon länger mit einigem Kapital in der Branche unterwegs und hat kürzlich erst erneut eine Pleite eines seiner Energie-Investments hinnehmen müssen. Allerdings hatte man in den Vorjahren in bekannter PE-Manier bereits den Kaufpreis dem gekauften Unternehmen aufgehalst und sich selbst in Form von Dividenden erstatten lassen. Das Risiko liegt also beim Tochterunternehmen, die Chancen bleiben beim neuen Eigentümer, dem Finanzinvestor. Derartige Fehlgriffe gehören zum normalen Geschäft der Private-Equity-Gesellschaften, aber die Pleite von Samson und das Debakel bei Energy Future Holdings (TXU) tun auch den KKR-Bilanzen weh. KKR hatte Ende 2014 denn auch große Abschreibungen auf seine Öl-Beteiligungen vorgenommen.

Anleger sind dennoch der Meinung, KKR habe eine große Expertise in diesem Markt und vertrauen dem Finanzinvestor viel Geld an, die dieser für speziell hierfür aufgelegten Energiefonds eingesammelt hat. Und nun investiert. Man wird die Gründung der "Trans European Oil Gas Limited" finanziell untermauern, die ein Portfolio von Liegenschaften in bewährten konventionellen Öl- und Gas Onshorefördergebieten in Europa aufbauen wollen. Roland Wessel, Colin Judd und Melvyn Horgan, Gründer und ehemaliger Manager von Star Energy, die 2008 von Petrobas übernommen wurde, sind die treibenden Kräfte hinter Trans European Oil Gas Limited und KKR setzt hier auf bewährtes Personal mit ausgewiesenem Know-How in der Branche.

Einschätzung
Beiden Investments ist gemein, dass sie zu einem Zeitpunkt erfolgen, wo der Ölpreis am Boden ist, die Förderkosten niedrig und die OPEC-Mitglieder vor großen Problemen mit ihren Staatshaushalten stehen, die auf hohe Einnahmen aus dem Öl-Business angewiesen sind. Der Druck auf Saudi Arabien, den Öl-Hahn ein wenig zuzudrehen, um wieder steigende Ölpreise zu generieren, nimmt mit jedem Tag zu. Und Denn ohne ein Absenken der weltweiten Überproduktion, dürfte der Ölpreis sich nicht nachhaltig erholen. Zu groß ist das Angebot, zu niedrig die Nachfrage - und die zunehmenden Konjunktursorgen in China und weltweit dürften auch keine positiven Impulse für den Ölpreis liefern.

Die höchsten Renditen erzielen antizyklische Investoren, doch das Risiko dabei ist, zu früh einzusteigen. Hier benötigt man ggf. einen längeren Atem und finanzielle Reserven - die DRAG verfügt über beides und KKR erst recht. Daher dürfte der Mut der Unternehmen belohnt werden und sich die Investments für sie früher oder später auszahlen - und ebenso für ihre Aktionäre.

Die Deutsche Rohstoff AG und KKR & Co. L.P. sind auf meiner Empfehlungsliste und weiterhin attraktive Kaufgelegenheiten für Anleger mit mittel- bis langfristigem Anlagehorizont.

Montag, 21. September 2015

Börsenweisheit der Woche 38/2015

"Kaufe nicht aufgrund von Tipps nur für einen schnellen Gewinn. Verkaufe nicht nur wegen schlechter Nachrichten".
(Walter Schloss)

Sonntag, 20. September 2015

Was ist... eine Business Development Company (BDC)?

Eine Business Development Company (BDC) ist ein in den USA tätiger Finanzinvestor für kleine und mittlere nicht-börsennotierte Unternehmen. BDCs stellen etablierten Unternehmen sowie Startups Kapital zur Verfügung, entweder in Form von Eigenkapital, so dass die BDC Miteigentümerin wird, oder durch Fremdkapitalhingabe als nachrangige Kredittitel mit niedrigerem Investment-Grade ("Private Debt") oder als sog. Collateralized Loan Obligations (CLOs), also verbriefte Unternehmenskredite.

BDCs vergeben ihre Mittel traditionell an kleine, weniger beachtete Unternehmen, die eine niedrigere Bonität aufweisen und daher auch höhere Finanzierungskosten akzeptieren (müssen).

Ein wesentliches Merkmal einer BDC ist, dass sie selbst börsennotiert ist und somit Anlegern die Möglichkeit bietet, sich über den Kauf von Aktien der BDC an dem ansonsten eher schwer zugänglichen Markt der privaten Unternehmenskredite und Venture Capital Finanzierungen zu beteiligen. Und das, ohne sich an einem illiquiden, geschlossenen Fonds zu beteiligen, bei dem man als Anleger erst durch Verkauf der Assets bzw. Auflösung des Fonds wieder an sein Geld kommt.

BDCs unterliegen strengen Regularien; sie müssen sich als BDC registrieren lassen und dazu ist erforderlich, dass sie die Voraussetzungen des Investment Company Act von 1940 erfüllen bzw. einer speziell für BDCs im Jahr 1980 geschaffenen Ergänzung. Der US-Kongress wollte nämlich jungen, aufstrebenden Firmen dabei helfen, die nötigen Finanzmittel zu erhalten.

Die meisten BDCs wählen aus steuerlichen Gründen die Form der "Regulierten Investment Company" (RIC) und eine Konsequenz hieraus ist, dass sie mindestens 90% ihrer steuerrelevanten Gewinne ("Taxable Income") an ihre Anteilseigner ausschütten müssen. Hier sind sie mit den inzwischen auch in Deutschland bekannten REITs (Real-Investment-Trust) vergleichbar. BDCs weisen daher nicht selten zweistellige Dividendenrenditen aus und werden insbesondere von Dividendeninvestoren hoch geschätzt.

Weitere Beschränkungen aufgrund des RIC-Status resultieren aus einer gewollten breiten Diversifikation der Investments. So dürfen BDCs nicht mehr als 5% ihres Kapitals in eine Anlage stecken, sie dürfen nicht mehr als 10% der Anteile an einem Asset erwerben und sie dürfen nicht mehr 25 ihres Kapitals in der selben Branche investieren. Durch diese Einschränkungen sollen Risiken verteilt und BDC-Aktionäre geschützt werden.

Eine Besonderheit gibt es noch bei den BDCs, die sie in zwei Gruppen teilt: die einen verwalten ihre Assets selbst, andere bedienen sich externer Manager und zahlen hierfür in der Regel eine Vergütung von durchschnittlich 1,5% auf die Asset-Summe. KCAP Financial Inc. hat z.B. zwei Tochterunternehmen, die KCAPs eigene Assets verwalten und auch für andere die Verwaltung gegen Entgelt übernehmen. TICC Capital Corp. hingegen setzt auf externe Manager.

Über Chancen, Risiken und Dividendenrenditen
Die hohe Dividendenrendite ist für Investoren nur die eine Seite der Medaille. Die Kehrseite ist das überdurchschnittliche Risiko, das in der Art des Geschäfts begründet ist. BDCs reagieren daher äußerst sensibel auf veränderte Konjunkturbedingungen und Veränderungen des Zinsumfelds. Die hohen Dividendenrenditen sind nicht in Stein gemeißelt, sondern müssen von den BDCs durch Zinsen, Dividenden und/oder Managementgebühren erst verdient werden. Anleger sollten die üppigen Dividenden, die zumeist quartalsweise oder sogar monatlich ausgeschüttet werden, nicht als alleiniges Investmentkriterium heranziehen, sondern sich mit den einzelnen Anlagen der BDCs beschäftigen. Welcher Art diese Assets sind, wie die Bonität der Schuldner einzustufen ist, wie die BDC selbst mit ggf. nötigen Abwertungen ihrer Assets umgeht. Denn dass BDCs mit Abschlägen auf ihren Nettoinventarwert (NAV) an der Börse gehandelt werden, ist üblich und kein Indiz für ein besonderes Schnäppchen. Denn 20 prozentige Abschläge sind hierbei keine Seltenheit.

Eine Liste von BDCs (nach Marktkapitalisierung per 01.12.2014, ohne Anspruch auf Vollständigkeit; Quelle: Forbes):

TickerNameBörsenbewertung Börsengang
ARCCAres Capital Corp.5,058.7 Mio. $ 05.10.2004
ACASAmerican Capital, Ltd.3,916.2 Mio. $ 28.08.1997
PSECProspect Capital Corp.3,325.1 Mio. $ 27.07.2004
FSICFS Investment Corp.2,479.0 Mio. $ 16.04.2014
AINVApollo Investment Corp.1,901.0 Mio. $ 06.04.2004
MAINMain Street Capital Corp.1,376.3 Mio. $ 05.10.2007
FSCFifth Street Finance Corp.1,338.4 Mio. $ 12.06.2008
HTGCHercules Technology Growth Capital, Inc.958.9 Mio. $ 09.06.2005
TSLXTPG Specialty Lending Inc.888.4 Mio. $ 20.03.2014
PNNTPennantPark Investment Corp.810.3 Mio. $ 19.04.2007
GBDCGolub Capital BDC, Inc.792.1 Mio. $ 05.04.2010
SLRCSolar Capital Ltd.787.3 Mio. $ 09.02.2010
NMFCNew Mountain Finance Corp.783.0 Mio. $ 20.05.2011
TCAPTriangle Capital Corp.708.8 Mio. $ 15.02.2007
TCPCTCP Capital Corp.666.9 Mio. $ 04.04.2012
MCCMedley Capital Corp.676.7 Mio. $ 20.01.2011
BKCCBlackrock Kelso Capital Corp.643.4 Mio. $ 26.06.2007
CSWCCapital Southwest Corp.558.7 Mio. $ 01.07.1961
TICCTICC Capital Corp.520.1 Mio. $ 21.11.2003
TCRDTHL Credit, Inc.439.4 Mio. $ 21.04.2010
FSFRFifth Street Senior Floating Rate Corp.328.0 Mio. $ 11.07.2013
TAXIMedallion Financial Corp.285.6 Mio. $ 22.05.1996
KCAPKCAP Financial, Inc.274.7 Mio. $ 11.12.2006
MVCMVC Capital, Inc.255.4 Mio. $ 27.04.2000
GARSGarrison Capital Inc.243.3 Mio. $ 26.03.2013
CPTACapitala Finance Corp.238.7 Mio. $ 25.09.2013
FDUSFidus Investment Corp.232.8 Mio. $ 21.06.2011
SVVCFirsthand Technology Value Fund, Inc.227.4 Mio. $ 04.08.2011
PFLTPennantPark Floating Rate Capital Ltd.207.2 Mio. $ 08.04.2011
WHFWhiteHorse Finance, Inc.200.2 Mio. $ 04.12.2012
GSVCGSV Capital Corp.194.2 Mio. $ 28.04.2011
GAINGladstone Investment Corp.194.1 Mio. $ 02.10.2012
GLADGladstone Capital Corp.188.0 Mio. $ 27.08.2001
SUNSSolar Senior Capital Ltd.178.4 Mio. $ 24.02.2011
SCMStellus Capital Investment Corp.169.5 Mio. $ 07.11.2012
MCGCMCG Capital Corp.167.6 Mio. $ 29.11.2001
ABDCAlcentra Capital Corp.166.4 Mio. $ 08.05.2014
CMFNCM Finance Inc.165.4 Mio. $ 05.02.2014
TPVGTriplePoint Venture Growth BDC Corp.139.2 Mio. $ 06.03.2014
HRZNHorizon Technology Finance Corp.134.0 Mio. $ 28.10.2010
OHAI *)OHA Investment Corp.133.2 Mio. $ 09.11.2004
ACSFAmerican Capital Senior Floating, Ltd.131.2 Mio. $ 15.01.2014
MRCCMonroe Capital Corp.130.3 Mio. $ 24.10.2012
OFSOFS Capital Corporation110.2 Mio. $ 07.11.2012
TINYHarris & Harris Group, Inc.86.6 Mio. $ 01.01.1983
SARSaratoga Investment Corp.82.9 Mio. $ 23.03.2007
HCAPHarvest Capital Credit Corp.77.2 Mio. $ 02.05.2013
FULLFull Circle Capital Corp.71.8 Mio. $ 31.08.2010
BDCVBDCA Venture Advisor, LLC46.5 Mio. $ 26.05.2010
EQSEquus Total Return, Inc.26.5 Mio. $ 16.08.1991
RANDRand Capital Corp.20.0 Mio. $ 01.01.2001

*) Ehemals NGPC (NGP Capital Resources Company)

Samstag, 19. September 2015

Umfrage-Ergebnis: Ein ii-Wikifolio ist gewollt, aber kein Muss

Ich hatte euch in einer 14 Tage laufenden Umfrage um eure Meinung gebeten, ob ihr ein Wikifolio von "iNTELLiGENT iNVESTiEREN" wollt. 53 Leser des Blogs haben ihre Stimme abgegeben, so dass das Ergebnis durchaus Aussagekraft hat.

Wollt ihr ein Wikifolio von "iNTELLiGENT iNVESTiEREN"?
Ja, würde sicher investieren8 (14%)
Ja, würde evtl. investieren14 (30%)
Ja, würde nicht investieren17 (25%)
Nein, kein Interesse14 (30%)

Etwa ein Drittel der Abstimmenden hat kein Interesse an einem ii-Wikifolio, das ist eine klare Aussage. 70% hingegen möchten ein solches haben. Daraus könnte ich nun einen klaren Arbeitsauftrag ableiten, doch insbesondere die vielen Kommentare in dem die Umfrage begleitenden Artikel haben mir zu denken gegeben. Denn ein solches Wikifolio einzurichten und zu betreuen ist mit relativ hohem Aufwand und auch Kosten verbunden und dem muss ich natürlich den Nutzen gegenüberstellen.

Nachteile eines Wikifolios

  • hoher Zeitwaufwand
  • Kostenbelastung
  • nicht alle von mir vorgestellten Aktien sind investierbar
  • möglicherweise Probleme bei Kapitalmaßnahmen


Vorteile eines Wikifolios

  • bessere Vergleichbarkeit meiner Empfehlungen mit anderen Blogs/Börsenbriefen
  • Musterdepotcharakter; Gewichtung einzelner Werte kann berücksichtigt werden
  • für Interessenten leicht investierbar

An dieser Stelle vielen Dank an alle, die sich an der Umfrage beteiligt und mir mit ihren Kommentaren und Erläuterungen das Thema näher gebracht haben. Ich gebe zu, ich habe mit mir gerungen...

Doch ich werde kein ii-Wikifolio anbieten, zumindest in absehbarer Zeit nicht. Meine Zeit ist endlich und die Einschränkungen, denen ich mich bei der Auswahl und dem Handling unterwerfen müsste, schrecken mich ab. Im Gegenzug halte ich den Mehrwert, den ein investierbares ii-Wikifolio den Lesern des Blogs bieten könnte, für recht überschaubar. Denn die Resonanz hat mir gezeigt, dass es eine gern gesehene Option wäre, aber eben auch kein so großes Verlangen besteht, dass es ein Muss wäre.

Ein Musterdepot habe ich nicht und werde ich nicht führen. Ich habe die Vor- und Nachteile während der Zeiten des Neuen Marktes erlebt und wenn ich mir gerade bei kleinen Werten ansehe, was auch heute noch eine Musterdepotaufnahme beim Aktionär oder einer anderen Börsenpostille auslöst, muss ich mir an den Kopf fassen. Das ist Zocken, das hat nichts mit Investieren, schon gar nicht mit Value Investing zu tun. Und ich möchte mit meinem Blog doch gerade zum eigenen Nachdenken anregen, nur Rüstzeug bieten, Impulse setzen und eine Diskussionsgrundlage - denn aus euren Kommentaren und eurem Feedback da lerne ich, verändere, verbessere meine Herangehensweise, meine Einstellung zum Investieren. Es ist ein ständiger Lernprozess, idealerweise beiderseits. Ich erwarte von niemandem - und ich wünsche es mir auch nicht - ein bloßes Hinterherlaufen aufgrund meiner Empfehlungen oder Einschätzungen.

Allerdings habe ich durchaus vernommen, dass ein großer Mangel meiner Empfehlungsliste ist, dass es keine aktuellen Einschätzungen zu den enthaltenen Werten gibt und manche Leser bisweilen unsicher sind, ob sie Aktien auf der Liste denn noch kaufen sollen, wenn sie - wie z.B. Aurelius - seit drei Jahren auf der Liste stehen und sich um Kurs vervielfacht haben. Ich könnte sie ja auch aus reinen Nostalgie-Gründen darauf belassen haben oder weil die Performance so toll aussieht. Dem ist allerdings nicht so, denn ich habe damals die Dresdner Factoring von der Liste gestrichen, obwohl sie die beste Performance auf meiner Empfehlungsliste aufzuweisen hatte. Oder eine Apple, die nach einem Dreivierteljahr rund 90% Aufschlag vorzuweisen hatte, die hätte ich ja einfach weiterlaufen lassen können.

Als Konsequenz habe ich eine zusätzliche Spalte eingeführt, wo ich mit einem Kürzel darlege, wie meine aktuelle - also in dieser Woche - Einschätzung zu der Aktie ist bezogen auf den aktuellen Kurs. K, H, V. Kaufen oder Halten. Ein V für Verkaufen wird sich immer nur einmal auf der Liste finden, nämlich wenn ich den Wert von der Liste streiche.

Während ein K eindeutig ist und besagt, auf diesem Niveau kann man einsteigen oder zukaufen, besagt ein H für Halten, dass man sich mit der Aktie in seinem Depot sehr wohl fühlen kann, aber nicht jetzt aufstocken muss. Aber durchaus kann, wenn man möchte.

Wie gesagt, die Einschätzungen sind keine Langfristeinschätzungen, denn alle Werte auf der Empfehlungsliste halte ich unter mittel- und langfristigen Aspekten für kaufenswert, sondern es ist eine kurzfristige Betrachtung, auch aufgrund von Marktschwankungen oder aktuellen Ereignissen. Es sind keine (!) Tradingsignale. Wo ein K hinter steht, dieser Wert könnte auch in meinem Investor-Update auftauchen, das ist gemeint.

Freitag, 18. September 2015

Investor-Update: TICC Capital, Triangle Capital, Wells Fargo

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Stock-Picking lohnt sich schon
Wenn nicht gerade der China-Crash (erinnert sich überhaupt noch jemand daran?) als Thema herhalten muss, dann ist es die Zinswende der US-Notenbank FED. Und egal, wie sich die FED entscheidet, die Börse interpretiert das Ereignis selektiv so, wie es gerade passt. War bis Donnerstagabend das Einleiten der Zinswende durch die erste Zinsanhebung seit vielen Jahren noch als großes negatives Event verkauft worden, strafen heute die Börsen das Ausbleiben genau dieses negativen Events ab. Mit der Begründung, festhalten bitte!, wenn die FED die Zinswende nun doch noch einmal verschiebt, dann wohl nur, weil die Konjunktur dermaßen schlecht läuft, dass die höhere Zinsen sie gänzlich abwürgen würden. Hm... die dazu passenden negativen Nachrichten haben wir aber schon seit Wochen vorgelegt bekommen und sie wurden von den Börsianern schlichtweg ignoriert. Ich sehe daher das heutige Hochhüpfen des Euros ggü. dem Dollar sowie das Abtauchen des DAX unter die 10.000 Punkte ganz entspannt. Und als weitere Kaufgelegenheiten.

Denn trotz meiner grundsätzlich negativen Erwartungshaltung für die nächsten Wochen gibt es auch heute schon Unternehmen, die ich für so attraktiv bewertet halte, dass ich mir einige ihrer Aktien ins Depot gelegt habe. Hier habe ich mich bei US-Finanztiteln schadlos gehalten, insbesondere bei zwei Business Development Companies (BDCs), also Mitbewerbern von der bereits auf meiner Empfehlungsliste befindlichen KCAP Capital. Ich werde demnächst einmal ausführlich auf BDCs, ihr Geschäftsmodell, die Chancen und Risiken eingehen. Nur kurz dazu: BDCs sind Investmentfirmen, die in kleine und mittlere Unternehmen investieren und diese mit Kapital ausstatten. Grundlage für ihr Wirken ist der "Investment Company Act of 1940" und sie müssen den ganz überwiegenden Teil ihrer Gewinne in Form von Dividenden an ihre Aktionäre ausschütten - hier ähneln sie den auch in Deutschland bekannten REITs aus dem Immobilienbereich. Am Dienstagabend tauchten die Kurse vieler BDCs an den USA-Börsen nochmals deutlich ab und ich habe gleich am Mittwochmorgen in Frankfurt zu den Eröffnungskursen zugegriffen. Die Kurseinbrüche bei den BDCs in den letzten Monaten mit teilweise Kurshalbierungen bei gleichzeitig sehr hohen Dividenden sehe ich als Einstiegschancen und BDCs auf diesem Niveau als lukrative Depotbeimischungen mit attraktivem Chance-Risiko-Verhältnis an.

+ TICC Capital Corp.
Eine Business Development Company (BDC), die deutlich unter ihrem NAV (Nettoinventarwert) notiert und dazu eine Dividendenrendite von rund 17,5% p.a bietet. Mein Timing war bei diesem Unternehmen ganz hervorragend, wenn auch mindestens ebenso glücklich, denn TICC zählt zu den BDCs, die ihre Investments durch eine externe Managementfirma betreuen lassen. Und die wollen sie austauschen. Das TICC-Board hat auch ein neues Managementunternehmen ausfindig gemacht, das zu verbesserten Konditionen arbeiten will. Allerdings gibt es seit kurzem einen Mitbewerber, der es noch günstiger erledigen möchte und dazu noch 20 Mio. USD in TICC-Aktien investieren will. Das Board ignoriert diesen Mitbewerber, obwohl seine Offerte für die TICC-Aktionäre die bessere Wahl zu sein scheint. Und just am Donnerstag, also kurz nach meinem Kauf, trat eine weitere BDC-Firma auf den Plan, TPG Specialty Lending, die TICC ganz übernehmen möchte. Für 7,50 USD, allerdings komplett bezahlt mit (neuen) TPG-Aktien. Der Kurs von TICC schoss daraufhin erst einmal auf deutlich über 6 USD hoch.

Es ist Bewegung in der Branche, denn die Kurseinbrüche haben die Unternehmen sehr attraktiv gemacht für Übernahmen durch größere Mitbewerber. Und auch wenn ich TICC-Aktien vor allem wegen der niedrigen Bewertung und der hohen Dividendenrendite gekauft habe, so sehe ich der weiteren Entwicklung bzgl. der potenziellen neuen Manager - oder gar neuen Eigentümer - sehr entspannt entgegen.

+ Triangle Capital Corp.
Auch TCAP ist eine BDC mit niedriger Bewertung und hoher Dividendenrendite; aktuell rund 12,3% p.a. Meine Kaufgründe sind die gleichen wie bei KCAP Financial und TICC und ich setze zwecks Risikostreuung auf nun drei verschiedene BDCs.

+ Wells Fargo
Keine BDC, sondern eine grundsolide Bank, die größte Bank der USA. Kein Investmentgeschäft, sondern klassisches Einlagen und Kreditgeschäft, inzwischen der größte Haus-Kreditgeber der USA. Wells Fargo ist die Lieblingsaktie von Warren Buffett und die mit Abstand größte Position in seinem Portfolio. Doch nicht nur deshalb habe ich Wells Fargo heute gekauft, sondern wegen des starken Kurseinbruchs von über 6% (auf Euro-Basis). Ursächlich hierfür dürften zwei Faktoren sein: zum einen hat die FED erklärt, einige Großbanken wären nicht ausreichend kapitalisiert für Krisenzeiten (was aber nicht Wells Fargo betrifft) und zum anderen sind Banken große Nutznießer eines Zinsanstiegs, weil sich bei höheren Zinsniveaus für sie höhere Zinsmargen durchsetzen lassen. Da die FED die Zinswende mal wieder verschoben hat, bleiben diese potenziellen zusätzlichen Margen-Ausweitungen erst einmal aus. Damit wird uns richtig verstehen: die Zinsen in den USA werden angehoben werden und zwar schon bald. Ein so großer Kursabsturz (bei gleichzeitigem deutlichem Anziehen des Euros) ist daher völlig überzogen. Und bietet mir als Value Investor eine tolle Gelegenheit, endlich in die wohl beste und solideste Bank der Welt zu einem attraktiven Preis einzusteigen mit einem 2016er KGV von 11,5 und eine Dividendenrendite von 3%.

.: Cashquote
Meine Cashquote liegt trotz der drei Zukäufe weiterhin oberhalb von 20 Prozent und ich erwarte in den kommenden Wochen weitere Kaufgelegenheiten, für die ich Pulver trocken halte.

Montag, 14. September 2015

Börsenweisheit der Woche 37/2015

"Habe den Mut, zu Deinen Überzeugungen und zu Deiner Meinung zu stehen".
(Walter Schloss)

Samstag, 12. September 2015

Investor-Update: Blackstone, KKR, Western Digital

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Cash ist die Mutter des Investierens
Niemand weiß, was die Börse als nächstes tut, nur eines ist momentan recht sicher: die Schwankungsbreite ist enorm, also die Volatilität. Sie zeugt von einer stark erhöhten Nervosität an den Märkten und wenn man sich die Nachrichtenlage aktuell ansieht, kann es eigentlich nur nach unten gehen, uns zwar kräftig. Denn die konjunkturellen Wasserstandsmeldungen sind zurückhaltend bis schlecht, die Perspektiven trüben sich weltweit ein, in China scheint die Notenbank massive Stützungskäufe zu tätigen und die Zinswende der FED dürfte eher früher als später kommen. Und all das nehmen die Börsianer geleassen hin, die Kurse schwanken, aber sie brechen nicht ein. Noch nicht! Denn das wird kommen, ich bin fest davon überzeugt! Uns zwar in den nächsten Wochen. Nicht wegen der Börsenzeit, nicht weil Crash-Propheten gerade wieder einmal Hochkonjunktur haben, sondern weil die Berichtssaison ansteht und die sich seit Wochen und Monaten abzeichnenden Schwierigkeiten sich in die Unternehmensberichte fressen werden. Die zur Zeit noch gültigen Prognosen der Analysten dürften sich als etwas zu optimistisch herausstellen und daher werden die Unternehmen vielfach die Schätzungen nicht erreichen. Und das wird zu Kursstürzen der betreffenden Unternehmen führen und in Summe des Gesamtmarktes. Ich erwarte also eine Korrektur des Marktes, also ein nochmaliges deutliches Absinken, bevor dann die negativen Überraschungen (die eigentlich keine mehr sein sollten!) dann eingepreist sind und so die Basis für wieder steigende Aktienkurse bilden werden. Das ist meine Erwartungshaltung an "den Markt". Allerdings kaufe ich ja nicht "den Markt" sondern beteilige mich an einzelnen Unternehmen, die sich in diesem Marktumfeld beweisen müssen. Ich nutze "den Markt" lediglich, um zu hoch bewertete Aktien zu verkaufen oder um zu niedrig bzw. attraktiv bewertete Unternehmensanteile zu kaufen. Daher stelle ich meine Positionen auch nicht glatt, wie es Trader machen würden, sondern halte eine große Cash-Position, um die von mir erwarteten Kurseinbrüche für weitere Zukäufe zu nutzen. Allerdings wird meine Mindest-Cash-Position nicht 20 Milliarden Dollar betragen, wie die von Warren Buffett. Aber ich arbeite daran. ;-)

Trotz meiner negativen Erwartungshaltung für die nächsten Wochen gibt es auch heute schon Unternehmen, die ich für so attraktiv bewertet halte, dass ich mir einige ihrer Aktien ins Depot gelegt habe.

= Blackstone Group L.P.
Nein, bei Blackstone habe ich nicht weiter zugekauft, aber ich bin weiterhin sehr positiv gestimmt und denke, wir Aktionäre werden weiterhin sehr viel Freude an diesem Top-Investment haben. Allerdings kommt auf deutsche Anleger wieder eine Sondersituation zu, die ich in ihren konkreten Auswirkungen leider nicht wirklich einschätzen kann. Denn Blackstone wird den bereits Ende 2014 angekündigten Spin-Off seines Beratungsgeschäfts durchziehen. Hier gab es immer wieder mal Kritik, dass es Interessenskonflikte dieser Sparte mit dem Kerngeschäft von Blackstone geben könnte und daher wird die Sparte mit Paul Taubman's PJT Capital zusammengelegt und unter PJT Partners ab 1. Oktober an der Börse notiert werden. Blackstone-Aktionäre erhalten für je 40 Blackstone-Aktien in ihrem Depot (Stichtag US-Börsenschluss am 22. September) eine PJT-Aktie und werden somit rund 65% an der neuen Firma halten. Analysten begrüßen diesen Schritt ausdrücklich und gehen davon aus, dass sich beide Bereiche fortan noch besser entwickeln werden - insbesondere für Blackstone ist es von Vorteil, weil man einerseits den Kritikern entgegen kommt und andererseits eine weniger profitable Einheit veräußert.

Die Krux - für deutsche Anleger - liegt nun wiederum im deutschen Fiskus, der sich ja zumeist skurril verhält bzgl. solcher Spin-Offs. Denn er behandelt diese neuen Aktien wie eine Dividendenausschüttung und daher bekommt man einerseits die neuen Aktien ins Depot eingebucht, andererseits muss man diese aber wie eine Ausschüttung versteuern. Der Kurs der "alten", abgebenden Aktien verringert sich natürlich entsprechend und daher "spart" man hier bei einer Veräußerung den entsprechenden Kursgewinn (den der Aktienkurs der neuen Aktien ausmacht). Irrwitzige, konfuse, dumm-dämliche Regelung des deutschen Fiskus, aber was soll ich mich darüber aufregen? Zumal bisher noch nicht klar ist, wie der Fiskus damit umgeht...

Unter dem Strich werde ich also einige PJT Partners-Aktien ins Depot bekommen und werde mir dann überlegen, was ich mit ihnen anstelle. Ganz überwiegend entwickeln sich Spin-Offs recht positiv nach der Abspaltung. Für etwas Ungewissheit sorgt dieser Spin-Off allerdings schon, aber das ist für mich kein Grund, meine Position in Blackstone zu überdenken. Im Gegenteil, die jüngsten Nachrichten aus dem Unternehmen sind ganz hervorragend und die Aktie bleibt mein Top-Pick!

+ KKR & Co. L.P.
KKR war beim Flash-Crash am 24.08. massiv abgetaucht, wie viele US-Werte, und anders als die meisten notiert man inzwischen wieder in diesem Bereich der damaligen Tiefstkurse. Und das, obwohl damals der US-Dollar auf 1,17 EUR hochschoss, während er jetzt bei 1,13 notiert. KKR ist auch im Öl- und Gasbereich engagiert und hier gab es zuletzt negative Nachrichten über eine Pleite einer Beteiligung. Das ist zwar keine schöne Nachricht, aber die "Chapter 11"-Regelung, also der US-Gläubigerschutz für Unternehmen, wirkt ja zunächst gegen die Gläubiger. Und KKR ist ist Anteilseigner. Man hat zwar vor vielen Jahren etliche Milliarden US-Dollar in die Hand genommen, und die betreffende Firma zu schlucken, aber in bewährter PE-Manier diese dann dem Unternehmen selbst aufgebürdet und so seinen ursprünglichen Einstand bzw. sein Risiko erheblich reduziert. Und in der Zwischenzeit fette Zinsen kassiert. Gut möglich, dass KKR am Ende hier doch noch mit Gewinn aus der Nummer raus kommt.

Und dann ist da noch das First Data IPO, das je nach Bösenlage noch in diesem Monat erfolgen könnte und mit rund 2,5 Mrd. USD das größte IPO des Jahres wäre, wenn man Bloomberg Glauben schenkt.

Insgesamt hat KKR eine Reihe von lukrativen Deals sowohl auf der Kauf- als auch der Verkaufsseite getätigt bzw. in Arbeit und daher halte ich die Aktie für knapp 16 EUR für ein echtes Schnäppchen für Anleger mit langfristiger Perspektive. Die stärksten Abschreibungen auf die US-Öl- und Gasengagements hat man bereits Ende 2014 vorgenommen, daher sollte von dieser Seite her nicht mehr so viel nachkommen. Sofern der Ölpreis (WTI) nicht auf unter 30 Dollar abrutscht. Ich bin gespannt auf die nächste Dividendenankündigung, die lag im Vorjahr bei 0,45 USD und dürfte vermutlich diesmal nicht ganz erreicht werden. Aber eine hohe einstellige Dividendenrendite dürfte es auf Jahressicht unterm Strich schon werden - die durchschnittlichen Kursziele der Analysten liegen dem entsprechend auch bei rund 27 USD (rund 24 EUR), also ein Drittel über dem aktuellen Börsenkurs; sie weisen also auf ein Kurspotenzial von 50% hin.

Ich erwarte jetzt keinen schnellen Anstieg auf die Jahreshöchstkurse, aber die attraktive Bewertung haben mich dazu veranlasst, meine Position um einige Stücke aufzustocken.

+ Western Digital
Ganz neu dabei ist Western Digital, Weltmarktführer bei Festplatten. Richtig gelesen, die gute alte (verstaubte) Festplatte, die früher jeder PC und jedes Notebook an Bord hatte. Der Kurs von WDC ist massiv abgetaucht, denn die immer schleppender verlaufenden PC-Verkäufe nährten zunehmende Befürchtungen, das Hauptgeschäft von WDC würde einfach wegbrechen. Das ist nicht ganz unbegründet, denn WDC und Seagate teilen sich 90 Prozent des Festplattenmarktes - bei den neuen und zunehmend beliebteren Flash-Speichern hingegen gibt es keinen derartigen Platzhirschen und die beiden "Großen" müssen sich mit vielen kleinen und neuen Konkurrenten um den Markt streiten. Warum also auf die Dinosaurier setzen? Tja, weil es sich lohnt! WDC ist niedrig bewertet und Weltmarktführer. Der Absatz von PCs wird wieder anziehen, Tabletts haben ihren Zenit überschritten, Windows 10 wird hier den Absatz von PCs und Notebooks massiv vorantreiben. Und Festplatten verbrauchen zwar mehr Strom und sind langsamer als Flash-Speicher, aber eben auch noch erheblich günstiger. Daher profitiert WDC vom anziehenden PC-Absatz und zwar am stärksten.

Des Weiteren ist WDC ja nicht untätig und der enorme Cashflow, den man mit den HDs erzielt, wird nicht nur für Dividenden und Aktienrückkäufe genutzt, sondern man verstärkt sich gezielt im Flash-Bereich und kauft die innovativsten Unternehmen einfach auf. Und bietet seinem riesigen Kundenstamm neben HDs nun auch Flash-Drives an - den über Jahrzehnte gewachsenen Kundenstamm haben die "jungen" Konkurrenten nicht. Ein enormes Pfund, mit dem WDC wuchern kann. Und Big Data, das Internet der Dinge, die Cloud... all diese neuen Technologien, auf die immer mehr IT-Unternehmen setzen, verbrauchen Unmengen an Speicherkapazitäten. Denn wenn die Daten nicht mehr bei mir auf der Festplatte im Mac-Book liegen, sondern bei XY-Data-Systems, muss ja dort Speicherkapazität vorhanden sein. Und anders als bei mir eben auch zwei- oder dreifach, denn das Thema Datensicherheit und Schutz vor Datenverlust ist bei der Cloud ja ein elementares Anliegen! Nicht nur die Datenleitungen müssen sicher sein, die Übertragungswege, sondern auch das Ziel. Und hier ist und bleibt WDC der Platzhirsch und rüstet die Speicherzentren mit seinen HDs aus. Dort geht es nicht nur um Schnelligkeit, sondern vor allem um die Kosten!

WDC ist hier im Wandel, hat aber den Vorteil, dass es die Kundenbeziehungen bereits hat und die finanziellen Rücklagen bzw. den hohen Cashflow, um es mit der Konkurrenz aus einer Position der Stärke heraus aufnehmen zu können. Kurse um 70 EUR sehe ich als attraktive Bewertung an für ein langfristiges Investment.

.: Cashquote
Meine Cashquote liegt trotz der beiden Zukäufe weiter deutlich über 20 Prozent und ich erwarte die nächsten Kaufgelegenheiten in den nächsten Wochen.

Montag, 7. September 2015

Sei offen für andere Ansichten

Menschen neigen zu selektiver Wahrnehmung, also dazu, Argumenten, die ihre eigene Meinung stützen stärker zu gewichten als jene, die dem eigenen Standpunkt widersprechen. Man nennt das auch "Confirmation Bias" oder Bestätigungsfehler. Doch da uns Benjamin Graham schon lehrte, vor allem unser Kapital zu erhalten, also an die Risiken zu denken, muss sich ein Anleger dieser eigenen Schwäche bewusst sein, wenn er langfristig Erfolg haben möchte.

»Ein Investment liegt immer dann vor, wenn nach einer gründlichen Analyse in erster Linie Sicherheit und erst im Anschluss daran eine zufriedenstellende Rendite steht.«
(Benjamin Graham)

Hat man sich die Mühe gemacht und eine Aktie gründlich analysiert, also die Geschäftsberichte der vergangenen Jahre studiert, viele Artikel zum Geschäft und dem Marktumfeld gelesen und die Bewertung unter die Lupe genommen, und ist zu dem Schluss gekommen, dass man die richtige Aktie für ein Investment gefunden hat, dann sucht man hierfür nach Bestätigung. Man sucht die Herde. Denn zumindest im Unterbewusstsein regt sich Unwohlsein, wenn man gegen den Strom schwimmt, wenn man der einzige ist, der anders handelt, anders investiert. Allerdings gibt es zu jedem Zeitpunkt Argumente, die für ein Unternehmen und seine Aktien sprechen und solche, die dem entgegenstehen. Und wenn sich der Kurstrend der Aktie dreht, drehen sich fast ebenso schnell die Meinungen - auch derjenigen, die zuvor noch das Gegenteil behauptet haben. Der Erfolg hat viele Väter, der Misserfolg ist Vollwaise.

»Wenn du alle Fakten zusammen hast, kann deine Entscheidung richtig sein; wenn du nicht alle Fakten zusammen hast, kann sie nicht richtig sein.«
(Bernard Baruch)

Also, wie geht man mit diesem menschlichen Verhalten um, das einen als Anleger so viel Geld kosten kann?

  • Man sollte die Gegenargumente nicht einfach abtun, sondern versuchen, sie objektiv zu betrachten. Sich also vorstellen, man würde selbst diese Meinung vertreten und schauen, ob man für diese eine Bestätigung findet. Ist das nicht der Fall, umso besser.
     
  • Des Weiteren kann man generell vor einer Kauf- oder Verkaufsentscheidung die Gegenposition einnehmen. Will man eine Aktie kaufen, sollte man sich vorher überlegen, was für einen Verkauf sprechen könnte. Und will man sie verkaufen, sollte man nach Kaufargumenten suchen. 

Dies ist nicht banal, denn wir neigen dazu, die Depotpositionen nicht nach ihrem Wert und ihrem Potenzial zu betrachten, sondern im Verhältnis zu unserem Einstandskurs. Und das ist natürlich ziemlich dämlich.

»Ein Börsianer darf seine Papiere nie im Verhältnis zum Einkaufspreis einschätzen, sondern zum Tagespreis.«
(André Kostolany)

Denn die Aktie und die anderen Marktteilnehmer interessiert nicht, ob wir eine Aktie zu 10, 20 oder 50 EUR gekauft haben. Und das Potenzial in dem Unternehmen orientiert sich erst recht nicht daran. Auch hier gilt, dass man sich bei Investments von den objektiven Fakten leiten sollte, nicht von seinen subjektiven Gefühlen. Und zur Objektivität verhelfen uns die Ansichten der Anderen wesentlich eher, als das Wiederkäuen unserer eigenen Argumente.

»Sobald man der Überzeugung ist, etwas scheine eine gute Investition zu sein, schränkt dies die Verarbeitung relevanter Informationen erheblich ein
(Thomas Gilovich)

Man sollte sich niemals den Gegenargumenten verschließen, sondern diese auf ihre Substanz hin überprüfen. Andererseits darf man auch nicht blind einfach nur den Tipps der Anderen nachlaufen, denn auch diese unterliegen bei ihrer Einschätzung ja der selektiven Wahrnehmung und verfolgen mit ihren öffentlich abgegebenen Tipps nicht selten handfeste - auch mal finanzielle - Eigeninteressen. Und so landet der kluge Investor schlussendlich bei Immanuel Kant, der sagte: "Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen". Dieser Rat ist ein ganz hervorragender, nicht nur an der Börse. Aber eben besonders hier!

Börsenweisheit der Woche 36/2015

"Wenn du Dinge kaufst, die du nicht brauchst, wirst du bald Dinge verkaufen müssen, die du brauchst".
(Warren Buffett)

Mittwoch, 2. September 2015

Was ist... eine Collateralized Loan Obligation (CLO)?

CLOs gehören zu den strukturierten Finanzprodukten und die haben bekanntlich seit der Finanzkrise 2008/2009 einen ganz miesen Ruf. Allerdings haben sie nichts mit den damaligen Problemauslösern zu tun, den "Ramsch-Krediten", also jenen fast schon ausfallgefährdeten Immobilienfinanzierungen, die zusammengefasst und an gutgläubige Investoren weiterverkauft wurden.

Dennoch sind CLOs damals stark in Mitleidenschaft gezogen worden, obwohl es kaum Ausfälle zu verzeichnen gab - allerdings ist der Markt ziemlich illiquide und während der Finanzkrise traf ein in die Höhe schnellendes Angebot auf eine kaum mehr vorhandene Nachfrage. Mit der Folge, dass die Kurse zusammenbrachen und der Markt austrocknete. Schlecht für die Investoren, die schnell an ihr Geld wollten, grundsätzlich unerheblich für alle anderen, insbesondere die Unternehmen, denen das Geld zur Verfügung gestellt worden war.

Denn CLOs sind verbriefte Unternehmenskredite. In einem CLO werden bis zu 90 verschiedene Unternehmenskredite zusammengefasst (das ist die sog. Strukturierung) und dann Investoren zur Beteiligung angeboten. Diese können so in den höher verzinsten Markt der Unternehmensfinanzierungen einsteigen, ohne den Unternehmen direkt Geld leihen zu müssen. Die komplette Abwicklung, das Forderungsmanagement usw., wird vom CLO-Manager übernommen, wofür dieser natürlich eine Entlohnung erhält. Ein weiterer Vorteil ist, dass die CLOs das Risiko streuen, indem sie verschiedene Unternehmen, Branchen und Laufzeiten enthalten.Gegenüber einem Investment in klassische Unternehmensanleihen bieten CLOs den Vorteil, dass sie eine höhere Sicherheit aufweisen, da sie in der Regel mit den Unternehmenswerten besichert sind. Die sog. Wiedergewinnungsrate möglicher Ausfälle (also die Recovery Rate) liegt so etwa bei 60 bis 70 Prozent und bietet einen zusätzlichen Risikopuffer. Der Reiz für Investoren liegt darin, dass sie mit CLOs deutlich bessere Renditechancen wahrnehmen können als sie sonst am Kapitalmarkt für ihre Anlagen erzielen. Durch externe Ratings und die Verwaltung durch professionelle CLO-Manager sinkt das Risiko nochmals ggü. einem Direktinvestment.