Samstag, 31. Dezember 2016

Deutsche Rohstoff: Öl-Töchter fahren en passant Gewinne in Millionenhöhe ein

Die Deutsche Rohstoff AG hat momentan einen Lauf, der Aktienkurs entwickelt sich hervorragend und es trudeln nur positive Nachrichten ein. Insbesondere die drei Öl- und Gastöchter in den USA machen derzeit den Anlegern wirklich Freude.

Salt Creek Energy: $550.000 Verkaufsgewinn innerhalb weniger Wochen
Salt Creek Energy, 90%ige Tochtergesellschaft der Deutschen Rohstoff, hat die am 22. November angekündigte Akquisition der Öl- und Gasproduktion in North Dakota abgeschlossen. Der Kaufpreis beträgt $38,1 Mio. Die Transaktion ist rückwirkend zum 1. September gültig und wird sich daher schon signifikant auf die DRAG-Zahlen für 2016 auswirken.

Erst im Juni und August 2016 erworbene 215 Acres entwickelte Flächen im sogenannten STACK Ölfeld, einem Teil des Anadarko Beckens in Oklahoma hat Salt Creek bereits zu $2 Mio. weiterverkauft, was zu einem Gewinn von $550.000 für Salt Creek führt.

In der Zwischenzeit hat Salt Creek außerdem ein Reservengutachten über die erworbenen Flächen von einem der führenden Unternehmen für unabhängige Reservenschätzungen für Öl- und Gasfirmen in den USA erstellen lassen. Der Barwert der Reserven beläuft sich bei einem Abzinsungsfaktor von 10% auf $50,4 Mio., von denen $31,1 Mio. auf die nachgewiesene Kategorie (proved) entfallen. Die übrigen Reserven verteilen sich auf wahrscheinliche (probable) und mögliche (possible) Reserven. Das Reservengutachten wurde auf Basis der Preisannahmen der BOK Financial, Stand Oktober 2016, für den WTI Ölpreis erstellt. Für die nächsten 5 Jahre geht das Gutachten von durchschnittlich $51,5 pro Barrel aus.

Cub Creek Energy: Fördermenge 49% über Plan
Cub Creek Energy (CCE), 80%ige Tochtergesellschaft der Deutschen Rohstoff, hat in den vergangenen vierzehn Tagen durchschnittlich 4.501 Barrel Öläquivalent pro Tag (boepd) von seinem Vail Bohrplatz gefördert (davon 3.875 Barrel Öl). Die Produktion von Öl lag damit um rund 26% höher als am 16. Dezember berichtet und rund 49% höher als geplant. Der Grund für die höhere Produktion in den letzten zwei Wochen liegt darin, dass der Leitungsdruck in der Gaspipeline, in die CCE einspeist, nachgelassen hat. An den meisten Tagen konnte CCE deshalb die Bohrungen mit voller Kapazität produzieren. Der 30 Tagesdurchschnitt liegt bei 4.009 boepd (Öl: 3.448 boepd).

Unterdessen hat CCE auch die Produktion vom Markham Bohrplatz aufgenommen. Unterdessen hat CCE auch die Produktion vom Markham Bohrplatz aufgenommen. Im Laufe der kommenden Tage werden alle 12 Bohrungen angeschlossen.

Elster Oil & Gas: Royalties-Verkauf bringt $1,56 Mio. Zusatzgewinn
Elster Oil & Gas (EOG), 93%ige Tochter der Deutschen Rohstoff, hat ihre Umsatzbeteiligungen (sog. "Mineral Royalties") an verschiedenen Bohrungen in der Nähe des Ortes Windsor veräußert. Diese Royalties lagen bei der 100%igen Tochter von EOG, der Diamond Valley LLC, auf deren Flächen der Inhaber der Leases neun Bohrungen niedergebracht hat. Diese Bohrungen produzierten seit Juli. EOG erhielt einen Anteil an den Umsätzen dieser Bohrungen, musste aber nicht mit investieren und auch nicht die laufenden Kosten mittragen. Die Royalties waren ursprünglich Teil der Flächen von Tekton Energy, die die DRAG 2014 für einen dreistelligen Millionenbetrag mit großem Gewinn veräußert hatte, bevor der Ölpreis von über $100 auf $25 abstürzte.

Zusätzlich zu dem Veräußerungserlös von für $1,56 Mio. sind EOG in den vergangenen Monaten bereits Umsätze in Höhe von $400.000 zugeflossen. Da den Flächen kein aktivierter Bilanzwert gegenübersteht, wird der Veräußerungserlös vollständig als Gewinn realisiert.

Anleihe: Volumen um €10 Mio. aufgestockt
Außerdem hat die Deutsche Rohstoff noch weitere €10,1 Mio. ihrer im Juli begebenen Anleihe 2016/21 platziert. Das gesamte ausstehende Volumen beläuft sich nunmehr auf €50,7 Mio. Eine weitere Aufstockung ist nicht geplant.

 Deutsche Rohstoff (Quelle: finanzen.net) 
Meine Einschätzung
Salt Creek Energy hat sich in ein lukratives Business eingekauft, dessen Cashflows ausreichen sollten, was weitere Bohrprogramm der nächsten Jahre zu finanzieren. Cub Creek Energy sitzt auf Feldern, die noch ergiebiger sind als gedacht und die Erwartungen um fast 50% übertreffen und setzt sein Bohrprogramm weiter fort, während Elster Oil & Gas bereits seit Mitte des Jahres produziert und ebenfalls sein Bohrprogramm ausweitet.

Nach der überraschenden Einigung der OPEC auf Förderkürzungen und der Unterstützung durch weitere große Nicht-OPEC-Staaten, wie Russland, ist der Ölpreis mächtig angezogen und das hilft auch der DRAG. Diese fördert in den USA zu unter $35 je Barrel (WTI) und ein seit Wochen oberhalb von $50 liegender Ölpreis lässt sie fette Gewinne einstreichen. Alle drei US-Töchter produzieren nämlich inzwischen und fahren die Kapazitäten weiter hoch. Daher wird das Zahlenwerk der DRAG geradezu explodieren, was Umsatz aber auch Gewinn angeht. Zu den ohnehin anfallenden Gewinnen gesellen sich noch die außerordentlichen Gewinne hinzu, durch den gewinnträchtigen Flächenweiterverkauf und die Veräußerung der Royalties, so dass selbst die optimistischsten Analystenprognosen für 2016 wohl zu niedrig liegen dürften. Und auch die Erwartungen für 2017 müssen wohl aufgrund der um fast 50% über den Erwartungen liegenden Fördermengen bei Cub Creek noch nach oben angepasst werden.

Obwohl der Aktienkurs sich in den letzten Wochen bereits positiv entwickelt hat, preist er die anstehenden Gewinnexplosionen noch nicht annähernd angemessen ein. Spätestens bei Vorlage der nächsten Zahlen sollte er sein Allzeithoch aus dem Winter 2013 bei rund €29 überwinden und in völlig neue Höhen vordringen. Denn die Zahlen werden nicht nur einmal für Freude sorgen, sondern bei jeder weiteren Quartalsmeldung werden Umsatz und Gewinn in die Höhe schnellen und somit die Werthaltigkeit des DRAG-Öl-Business der Börse jedes Mal erneut vor Augen führen. Steigen die Ölpreise weiter an, wirkt sich das natürlich zusätzlich gewinntreibend auf die DRAG aus, fallen die Ölpreise moderat oder stagnieren, hätte dies nur bedingt negative Folgen, da die DRAG rund die Hälfte der aktuellen Produktionsmengen per Terminkontrakten abgesichert. Ein deutlicher Kursverfall des Ölpreises würde die DRAG auch nicht in Bedrängnis bringen, da man zu äußerst günstigen Konditionen eingestiegen ist und entsprechend kostengünstig fördert. Erst bei unter $30 je Barrel (WTI) würden sich die Gewinne in Verluste wandeln. Doch davon sind wir momentan mehr als $20 je Barrel entfernt und nach einem dramatischen Einbruch sieht es kaum aus.

Die Deutsche Rohstoff-Aktie dürfte damit einer der Top-Favoriten für 2017 sein und für ansehnliche Kursgewinne sorgen, wobei die 30-Euro-Marke nur ein kleiner Zwischenschritt bleiben sollte. Die Deutsche Rohstoff befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als größter Wert in meinem Depot.

Freitag, 30. Dezember 2016

Kurz vor Toresschluss: Publity meldet weiteren Immobilienverkauf

Die Publity AG, ein Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Immobilienfinanzierung in Sondersituationen, wartet die letzten Wochen mit starken Neuigkeiten auf und der Aktienkurs entwickelte sich dem entsprechend positiv. Nachdem mehrere NPL-Deals im Volumen von €2,4 Mrd. an Land gezogen wurden und die Einnahmen aus Gebühren und Erfolgsprovisionen in den kommenden Jahren nach oben treiben werden, hatte Publity zuletzt den avisierten Verkaufsmarathon gestartet. Und heute gab es einen weiteren Verkauf.

Der publity Performance Fonds Nr. 7 hat in Ismaning im Großraum München die 2.900 Quadratmeter große Büroimmobilie veräußert und somit sein zweites Fondsobjekt. Die Haltedauer des nahezu vollständig vermieteten Objektes betrug nur etwa anderthalb Jahre.

 Publity (Quelle: finanzen.net) 
Meine Einschätzung
Die Objektveräußerungen in den letzten Wochen sollten dazu beigetragen haben, dass Publity seine angekündigten Jahresziele, immerhin eine Verdoppelung des Jahresüberschusses auf €25 Mio., eine Steigerung des EBIT von €20,3 Mio. auf €37,5 Mio. sowie des Umsatzes von €23,0 Mio. auf €44 Mio., erreicht haben sollte. Der Jahreshöchstkurs lag schon bei knapp €44 und perspektivisch sollte der Weg in diese Richtung frei sein, wenn wir uns im Frühjahr der Hauptversammlung und der Dividendenausschüttung nähern. Denn die angekündigte um 40% angehobene Dividende von €2,80 je Aktie für das laufende Geschäftsjahr ist ein weiteres ein zündendes Argument für ein Engagement in Publity-Aktien. Setzt Publity seine Erfolgsserie Anfang nächsten Jahres fort, könnten auch neue Allzeithochs winken. Aber das bleibt abzuwarten.

Publity befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als einer der größten Werte in meinem Depot.

Donnerstag, 29. Dezember 2016

PNE Wind: Und es hat (noch nicht) Zoom gemacht. Noch nicht...

Kürzlich hatte PNE Wind den Verkauf- des YieldCo-Portfolios an den Energie- und Infrastrukturfonds Allianz Renewable Energy Fund II, der von Allianz Global Investors GmbH verwaltet wird, bekannt gegeben. Nachdem man nun für den 80-prozentigen Mehrheitsverkauf des Windparkportfolios Cuxhaven (YieldCo) die Freigabe seitens des Bundeskartellamts erhalten hat, floss auch das Geld an PNE Wind.

Für die in der PNE Wind YieldCo Deutschland GmbH mit Windparkprojekten von insgesamt 142,5 MW überwies die Allianz nun €103 Mio. an PNE Wind. Der Enterprise Value des Portfolios war seinerzeit mit mehr als €330 Mio. angegeben worden und da auch ein erheblicher Teil an Schulden mit abgelöst/übernommen wird, dürfen sich die PNE-Aktionäre freuen. Denn nachdem nun das Geld eingegangen ist, wird der Mehrwert der YieldCo-Strategie erst richtig sichtbar werden.

Denn bisher enthält die PNE-Bilanz Vermögenswerte im Volumen von €126,6 Mio. und dieser Wert entspricht den Investitionen, die PNE in die Windparks getätigt hat. Diese Vermögenswerte verschwinden nun aus der Bilanz, während die Differenz zum Enterprise Value als Buchgewinn hängen bleibt - und somit rund €200 Mio. an stillen Reserven aufgedeckt werden.

 PNE Wind (Quelle: finanzen.net) 
Mit Eingang der Zahlung dürften auch keine Zweifel mehr bestehen, dass PNE Wind sein verkündetes Ziel, in 2016 ein Konzern-EBIT von bis zu €100 Mio. zu erzielen, erreichen wird.

Meine Einschätzung
PNE Wind hat über Querelen und nicht eingehaltene Ziele jahrelang viel vertrauen verspielt, doch der neue Vorstand macht Nägel mit Köpfen. Am Ende hat sich die YieldCo-Strategie voll ausgezahlt, jedenfalls für das Unternehmen. Für die Aktionäre noch nicht, denn der Aktienkurs ist seit Ankündigung des Deals bis heute nur etwas mehr als 5% gestiegen - unverständlich angesichts der nun dingfest gemachten nackten Zahlen.

Ich denke, dass PNE Wind noch unter der allgemeinen Branchenschwäche inkl. der Unsicherheit bzgl. der neuen Ausschreibungsmodelle bei den EEG-Projekten leidet und sich auch erst nach und nach das negative Setting gegenüber dem Unternehmen legen wird. Auch wenn ein spektakulärer Kurssprung bisher ausblieb, so dürfte der Aktienkurs in den nächsten Monaten eigentlich nur eine Richtung kennen: nach oben. Nicht nur die erwarteten hohen Gewinne aus dem Verkauf, sondern vor allem die Aussicht darauf, die vielen Projekte dann mit genügend Cash im Rücken erfolgreicher vorantreiben zu können. Risikobereite Anleger setzen auf dieses Szenario und auf die sich sicherlich bald anschließende Debatte über die Verwendung des hohen Bilanzgewinns. Dividendenausschüttung, Kapitalherabsetzung, neue Projekte? PNE Wind ist wieder im Spiel und das zu noch attraktiven Kursen.

PNE Wind befindet sich als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Montag, 26. Dezember 2016

GBK Beteiligungen kauft sich in zwei weitere Unternehmen ein

Die Hannoveraner GBK Beteiligungen investiert seit seiner Gründung im Jahr 1969 in nicht-börsennotierte kleine und mittelgroße Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zum GBK-Portfolio zählen aktuell rund 30 mittelständische Beteiligungen, an denen man sich vielfach als Co-Investor offen und/oder mit mezzaninen Finanzierungsmitteln beteiligt hat. Hierzu gehören Unternehmen der Automobilindustrie, der Elektrotechnik, der Chemie, des Transports und der Logistik, des Maschinen- und Anlagenbaus, des Handels und E-Commerce und des Dienstleistungssektors.

Nachdem in diesem Jahr mehrere erfolgreiche Exits auf der 'Tagesordnung standen bei IS Inkasso, Mackprang/Schlemmer und Raith, folgen kurz vor dem Jahresende nach dem Investment in Schiller Fleisch nun zwei neue Beteiligungen bei Achat und Moeschter. Damit macht GBK die Ankündigung wahr, dass man noch zwei weitere interessante Targets im Visier hätte.

Achat Hotels
Mittelbar mit rund 11,3% ist GBK bei der Achat Hotel- und Immobilienbetriebsgesellschaft mbH mit Sitz in Mannheim eingestiegen, einem führenden Betreiber sogenannter „Value- und Budgethotels“ an strategisch gut gelegenen Orten. Das Unternehmen ist im mittleren und gehobenen Segment angesiedelt und betreibt 27 Hotels in Deutschland sowie je ein Haus in Österreich und Ungarn. Ein weiteres Hotel in Leipzig wird derzeit gebaut und im kommenden Jahr möchte Achat zudem eine Budgetmarke starten. Im Jahr 2015 erzielte Achat einen Umsatz von rund €52 Mio.

 GBK Beteiligungen (Quelle: finanzen.net) 
Moeschter Group
Darüber hinaus beteiligt sich GBK im Rahmen einer Nachfolgeregelung mittelbar mit rund 7,3% an der Moeschter Group Holding GmbH & Co. KG aus Dortmund. Die Moeschter Group ist Innovationsführer und Spezialist für die Entwicklung und Fertigung von Präzisionsbauteilen, Isolierungen und Komponenten aus Hochleistungswerkstoffen, insbesondere Keramiken und Kunststoffverbundmaterialien. Die Gruppe hat sich mit technischen Keramiken in der Schweißtechnik, im Maschinen- und Anlagenbau und in der Dentalmedizin sowie mit Kunststoffverbundmaterialien in weiteren Industrien einen internationalen Namen als hochinnovativer Produktionspartner gemacht und im Geschäftsjahr 2015 einen Jahresumsatz von rund €22 Mio. erwirtschaftet.

Meine Einschätzung
GBK Beteiligungen investiert dort, wo andere gar nicht hinschauen, bei den kleinen Unternehmen des erfolgreichen Mittelstands. Diese fliegen für die großen Beteiligungsgesellschaften unter dem Radar und GBK ist auch bereit, sich mit einem Minderheitsanteil zufrieden zu geben. Eine aktive Rolle bei der Führung des jeweiligen Tochterunternehmens strebt man nicht an, wie auch die beiden jüngsten Beteiligungen wieder zeigen.

GBK ist ein Nischenwert mit allen Vor- und Nachteilen eines so kleinen Unternehmens, insbesondere der eingeschränkten Handelbarkeit der Aktie und die seltene Berichterstattung in den Medien. Wen das nicht schreckt und wer auf hohe Dividendenausschüttungen aus ist, der findet bei GBK Beteiligungen eine interessante Möglichkeit von Investments in kleine und mittlere Unternehmen des deutschen Mittelstands profitieren zu können.

GBK befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Börsenweisheit der Woche 52/2016

"Investiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in Schaufeln.“
(André Kostolany)

Freitag, 23. Dezember 2016

(Zu) starker Gegenwind für BYD trotz Megatrend Elektromobilität?

BYD steht für Build Your Dreams und das Unternehmen ist ein führender Anbieter in einem Megatrend, der Elektromobilität. Die Chinesen elektrifizieren alles, was geht, punkten aber vor allem in der Sparte der Elektro-Busse, wo sie Marktführer sind und über Kooperationen auch in neue Märkte vordringen, wie Brasilien oder China. Bisher rollten bereits mehr als 10.000 Exemplare vom Band und ein Ende ist nicht abzusehen. Im Gegenteil.

Ich hatte vor einiger Zeit BYD hier im Blog näher vorgestellt und auch darauf hingewiesen, dass mit Warren Buffett und Charlie Munger Ankeraktionäre an Bord sind, die nicht auf schnelle Dollars aus sind, sondern auf langfristige Wertzuwächse. Die sind allerdings bereits vor einer ganzen Weile und zu deutlich niedrigeren Kursen eingestiegen.

Damals wies ich schon auf die hohe Abhängigkeit von staatlichen Subventionen hin und an dieser Flanke ziehen dunkle Gewitterwolken auf, die sich zu einem Tsunami auswachsen können. Auch für BYD. Staatliche Subventionen reizen immer zu Misswirtschaft, wir haben das in Deutschland im Bereich der Solarunternehmen selbst erlebt, die sich auf den hohen Staatszuschüssen ausgeruht und dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit verloren haben. Eine Pleitewelle war die Folge, als die Subventionen reduziert wurden. Aber auch Betrug spielt bei Subventionen immer mal wieder eine Rolle und genau darum geht es zurzeit in China. Einige Autohersteller - nicht BYD - haben hohe Subventionen abgegriffen für E-Autos, die niemals verkauft wurden. Einer Analyse von Morgan Stanley zufolge, wurden im ersten Halbjahr 2016 90% aller in der Region Shanghai produzierten E-Hybrid-Fahrzeuge nur auf dem Papier verkauft. Kein Wunder also, dass der Staat hier einen Riegel vorschieben will und es dürfte zu einigen Änderungen kommen. Alleine schon, dass man künftig die Subventionen erst beim realen Verkauf zahlen will und nicht mehr nach Fertigstellung des Wagens, dürfte die Hersteller enorm treffen.

Darüber hinaus werden Subventionen zusammen gestrichen und die Hersteller warten immer länger auf das Geld für bereits bewilligte Subventionen. Gut möglich, dass hier gar kein Geld mehr fließen wird, was das angeht, ist China nicht unbedingt der Hort der Rechtsstaatlichkeit.

 BYD Co. (Quelle: finanzen.net) 
BYD ist längst nicht der einzige Anbieter, der Elektro-Autos am Start hat; momentan gibt es in China bereits fast 100 Modelle zu kaufen und damit rund doppelt so viele wie noch im vergangenen Jahr. Gerade im unteren Preissegment kann BYD nicht mithalten und wird von jungen, aggressiven Anbietern ausgestochen. Und im oberen Preissegment werden die ausländischen Hersteller richtig Gas geben, denn China will ab 2018 Quoten festlegen für ausländische Hersteller. Danach dürfen die müssen sie für acht Prozent ihrer in China abgesetzten Wagen Kreditpunkte sammeln, also Autos mit Elektromotor verkaufen. Denn nur für diese soll es diese Kreditpunkte geben. 2019 soll der geforderte Anteil auf zehn Prozent klettern, 2020 auf zwölf. Gelingt den Herstellern dies nicht, müssten sie ihre Produktion drosseln - oder Kreditpunkte von anderen Autoherstellern kaufen. Reine E-Autohersteller, vor allem lokale chinesische also , würden durch diese Regelung klar bevorzugt, denn sie könnten gegen Geld ihre im Überfluss vorhandenen Kreditpunkte den Amis und Europäern verkaufen. BYD wird hiervon übrigens eher nicht profitieren, denn BYD baut auch herkömmliche Fahrzeuge, braucht also seine Kreditpunkte selbst.

In einem anderen Bereich wäre BYD allerdings massiv betroffen, bei den Elektro-Bussen. Zwar machen die E-Busse nur rund 14% des Geschäfts aus, aber es ist die profitabelste Sparte des Unternehmens, knapp 40% der Gewinne erzielt man hier. Vor allem auch dank der Subventionen. Würden die Pläne umgesetzt, könnten 65% der E-Bus-Subventionen ab nächstem Jahr entfallen. Für BYD wäre dies betriebswirtschaftlich ein echter Nackenschlag.

Ob es wo kommt, ist noch nicht klar. Allerdings zeigt die Diskussion, wie abhängig BYD von Subventionen Chinas ist und dass diese das Businessmodell schnell über den Haufen werfen können. Dabei geht es nicht darum, dass BYD existenziell bedroht wäre, denn man bewegt sich in einem globalen Megatrend und ist hier weiterhin führend mit dabei. Aber es stellt sich aus Anlegersicht die Frage, ob die gegenwärtigen Kurse gerechtfertigt sind, sofern die Gewinne einbrechen. Und hier nehmen die Zweifel stark zu, BYDs Gewinne stehen auf tönernen Füßen und es ist gut möglich, dass es sehr viel länger dauern wird, bis BYD nachhaltig solide Gewinne schreiben kann. Hohe Investitionen hingegen lassen sich nicht aufschieben.

»Ein gutes Unternehmen, zu teuer bezahlt, ist ein schlechtes Investment.«
(Roland Könen)

Unterm Strich hat sich bei BYD das Chance-Risiko-Verhältnis erheblich eingetrübt und bevor nicht die künftige Subventionspolitik Chinas geklärt ist, kann man kaum eine seriöse Bewertung (mehr) vornehmen. Und obwohl ich BYD erst seit April auf dem Zettel habe, folge ich nun dem weisen Ratschlag John Maynard Keynes: "Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung". Und die Faktenlage hat sich geändert und trübt die Aussichten für BYD erheblich ein, so dass ich BYD daher von meiner Empfehlungsliste streiche.

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Was denkt sich Ernst Russ beim Marenave-Einstieg?

Die Ernst Russ AG, vormals HCI Capital, ist erst seit einiger Zeit wieder erfolgreich am Markt unterwegs. Das frühere Schiffsfonds-Emissionshaus hat Ende 2015 einen Kapitalschnitt und anschließende Kapitalerhöhungen hinter sich und ebenso eine neue Geschäftsausrichtung hin zu einem Asset- und Investmentmanager mit maritimem Schwerpunkt. Ernst Russ betreibt eine Flotte von rund 50 Container-, Tanker- sowie Bulkschiffen, betreut weitere 180 Fondsschiffe und verwaltet als Asset-Manager Objekte u.a. aus den Bereichen Schifffahrt, Immobilien, Erneuerbare Energien und Private Equity. Nachdem man die Reedereien König & Cie und Ernst Russ übernommen hatte, erfolgte wenig später die Übernahme eines ersten Schiffsportfolios von der HSH Nordbank.

Und in diesem Bereich will Ernst Russ weiter mitmischen. Im November startete man ein Joint Venture mit dem norwegischen Finanzdienstleister Pareto, mit dem Restrukturierungsprojekte vorangetrieben werden sollen. So legt Pareto einen Fonds auf, mit dem Bestandsschiffe aus dem Markt aufgekauft werden sollen; ein auf die Eigenkapitalseite fokussiertes Projekt zunächst nicht für den deutschen Markt, sondern vor allem mit Blick auf institutionelle Investoren aus dem Ausland. Dabei wird auch die Ernst Russ AG ins Risiko gehen über Co-Investments.

Montag, 19. Dezember 2016

Scherzer & Co. realisiert Verkaufsgewinn von 2,9 Millionen Euro

Die Nebenwerte-Beteiligungsgesellschaft Scherzer & Co. wird voraussichtlich am 21. Dezember den Mittelzufluss aus einer Transaktion aus dem Juli verzeichnen. Ende Juli hatte man einen Vertrag zur Veräußerung der Beteiligung an der FIDOR-Bank AG unterzeichnet, der noch unter einer Reihe von aufschiebenden Bedingungen steht, deren Eintritt nun aber unmittelbar bevorsteht. Unabhängig davon hat die Käuferin angeboten, die Transaktion heute vorzeitig abzuschließen.

Mit Zahlungseingang realisiert Scherzer & Co. einen Ertrag in Höhe von circa €2,9 Mio. vor Steuern, der zu einer Erhöhung des Nettoinventarwertes (NAV) um etwa €0,10 je Aktie auf aktuell €2,23 EUR je Aktie führen wird und damit zu einer Erhöhung um 5%.

 Scherzer & Co. (Quelle: finanzen.net) 
Die Aktien von Scherzer & Co. notieren aktuell bei knapp €2 und damit um mehr als 10% unterhalb ihres NAVs. Und in ihrem Portfolio schlummern erhebliche Millionenpotenziale aufgrund werthaltiger Nachbesserungsrechte aus Spruchstellenverfahren bzw. Squeeze-outs. Insbesondere die zu erwartende AXA-Nachbesserung könnte inkl. der zuzurechnenden Anteile der Beteiligungen an der RM Rheiner Management AG und der Allerthal-Werke AG im Erfolgsfall den NAV um mehr als €1 je Aktie erhöhen. Hier ist allerdings nicht mit einem kurzfristigen Ergebnis zu rechnen, so dass sich Scherzer-Aktien für geduldige und langfristig orientierte Anleger zu einem echten Schatz entwickeln könnten.

Scherzer & Co. befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Börsenweisheit der Woche 51/2016

"Bei Pessimismus kaufen. Der Pessimismus ist die häufigste Ursache für niedrige Börsenkurse; je größer der Pessimismus desto niedriger die Kurse."
(Gottfried Heller)

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Zahlen & Mehr: Deutsche Beteiligungs AG, DIC Asset

▸ Deutsche Beteiligungs AG
Die DBAG schließt das Geschäftsjahr 2015/2016 mit einem Konzernergebnis von 50,2 Mio. EUR ab verglichen mit 27 Mio. EUR im elfmonatigen Rumpfgeschäftsjahr 2014/2015. Im Konzernergebnis ist als wichtigste Einflussgröße das Ergebnis aus dem Beteiligungsgeschäft von 60,1 Mio. EUR enthalten. Dieses basiert ganz wesentlich auf der Wertsteigerung des fortgeführten Portfolios, das auch von der insgesamt guten Kapitalmarktentwicklung während des Geschäftsjahres profitierte. Darüber hinaus sind Erfolge aus der gewinnbringenden Veräußerung von mehreren Beteiligungen enthalten, wie des Autozulieferers Spheros, des Anlagenbauers Broetje Automation und des Fertigungsspezialisten Grohmann Engineering, den Tesla kürzlich übernommen hatte. Das Konzern-Gesamtergebnis erreichte hingegen nur 43,0 Mio. EUR, da sich der Verfall des Rechnungszinsfußes negativ bemerkbar machte, der zur Bemessung der Pensionsrückstellungen verwendet wird.

Die Eigenkapitalrendite je Aktie, die die DBAG als zentrale Steuerungsgröße verwendet, übersteigt mit 16,0% die Eigenkapitalkosten signifikant. Das vorangegangene (elfmonatige Rumpf-) Geschäftsjahr 2014/2015 hatte die DBAG mit einem Konzernergebnis von 27,0 Millionen Euro und einer Eigenkapitalrendite von 10,0 Prozent beendet. Die Aktionäre sollen mit einer um 20 Cents angehobenen Dividende von 1,20 EUR je Aktie an dem guten Ergebnis teilhaben.

Meine Einschätzung
Die DBAG-Bilanz ist grundsolide. Bei einer Eigenkapitalquote von mehr als 90% stehen allein aus der Bilanz der DBAG knapp 80 Mio. EUR für Investitionen bereit, die zuzüglich weiterer Rückflüsse aus bereits vereinbarten Veräußerungen und einer Kreditlinie über 50 Mio. EUR ausreichen werden, um die Co-Investitionszusagen der DBAG in diesem und den kommenden zwei Jahren erfüllen zu können. Das ist keine unwichtige Aussage, denn immerhin hatte man gerade eben erst die Investitionsphase des DBAG Fund VI erfolgreich abgeschlossen und beginnt nun mit der Investitionsperiode des DBAG Fund VII, für den im September 2016 ein Volumen von 1,01 Mrd. EUR an Investorengeldern eingeworben wurde. Hier wird die DBAG Eigenmittel für Co-Investments von 200 Mio. EUR erbringen.

Da die DBAG nach IFRS bilanziert und in das Ergebnis auch die Wertsteigerungen aus den Bewertungen der Tochtergesellschaften eingehen, die stark von der aktuellen Börsenlage abhängen, dürfte es der DBAG schwer fallen, das Rekordergebnis im nächsten Jahr zu übertreffen. Dabei dürften allerdings die Gewinne aus Beteiligungsverkäufen und die Einnahmen aus der Bewirtschaftung der Beteiligungs-Fonds weiter ansteigen und damit auch die Aussicht auf steigende Dividenden fortbestehen. Zur Einordnung: das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres bewertet die DBAG-Aktie mit einem KGV von 8,7, was absolut und im Vergleich zur Peergroup eine erhebliche Unterbewertung aufzeigt. Alleine aus einem Aufholen des gegenwärtigen Abschlags erwächst bereits ein Kurspotenzial von fast 10 EUR für 2017.

Die Deutsche Beteiligungs AG ist seit Jahrzehnten erfolgreich am Markt unterwegs. Ihre Ausrichtung als Asset-Manager, der Beteiligungs-Fonds auflegt und sich an diesen über Co-Investments auch selbst beteiligt, funktioniert hervorragend. Dabei ist das Risiko begrenzt, während die breite Diversifikation im DBAG-Portfolio die Aktie zu einem "Best-of-Deutscher-Mittelstand-Investment" macht. Die vorgelegten Ergebnisse zeigen, welches Potenzial im DBAG-Ansatz steckt - und damit in der Aktie.


▸ DIC Asset
Der Gewerbeimmobilienspezialist DIC Asset wird entgegen der Planungen einen Verlust für das Geschäftsjahr 2016 ausweisen müssen. Dabei sind die zugrundeliegenden Nachrichten eigentlich hervorragend. Denn man konnte eine Refinanzierung von 960 Mio. EUR über eine Laufzeit von sieben Jahren abschließen und damit die Finanzierungskosten im Commercial Portfolio gegenüber den alten Finanzierungskonditionen um 170 Basispunkte auf rund 1,7% und der Tilgungsrate auf rund 1% senken. Die bestehenden Alt-Finanzierungen werden voraussichtlich im Januar 2017 nahezu vollständig abgelöst, doch durch die vorzeitige Ablösung der Alt-Darlehen entstehen nicht FFO-wirksame Einmalaufwendungen unter anderem für die Zahlung von Vorfälligkeitsentschädigungen von rund 59 Mio. EUR.  Für das Geschäftsjahr 2016 erwartet die DIC Asset AG daher ein einmalig negatives Konzernergebnis von rund 35 Mio. EUR nach Steuern. Die Dividende soll hiervon aber nicht negativ beeinflusst und auf Vorjahresniveau ausgeschüttet werden.

Der Deal hat aber auch positive Auswirkungen. Denn er trägt erheblich zur Stärkung der zukünftigen Finanz- und Ertragslage der DIC Asset AG bei, die nun ab dem Geschäftsjahr 2017 einen Anstieg des Cahsflows um bis zu rund 40 Mio. EUR p.a. erwartet. Darin enthalten sind Einsparungen des Zinsaufwands von bis zu 20 Mio. EUR im Jahr.

Meine Einschätzung
Ein großartiges Geschäft für die DIC Asset, die noch immer unter ihrer hohen Verschuldung leidet. Die Neufinanzierung wird sich erheblich positiv auf das Finanzergebnis und somit auf den Gewinn auswirken und die Belastung durch die zu zahlenden Vorfälligkeitsentschädigungen sind bereits nach 3 Jahren ausgeglichen und drehen dann das Resultat ins Positive. Unter Berücksichtigung der geplanten Weiterentwicklung in den Geschäftsbereichen Commercial Portfolio und Fondsgeschäft erwartet DIC Asset für das Geschäftsjahr 2017 ein FFO von rund 55 Mio. bis 60 Mio. EUR. Der deutliche Abschlag zum NAV und die sich verbessernden Ergebnisse machen die DIC Asset-Aktie zu einem attraktiven Investment im Gewerbeimmobilien-Bereich.


Die DBAG und DIC Asset befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 12. Dezember 2016

Goldene Zeiten für Beteiligungsgesellschaften? Aurelius, Bavaria, Blue Cap, DBAG, GBK Beteiligungen, Gesco, Indus, MAX Automation, MBB, Mutares, Ringmetall

Vor einem Jahr gab ich zu den Beteiligungsgesellschaften als "die Perlentaucher des deutschen Mittelstands" meine Einschätzungen ab und es ist Zeit für ein Resümee. Denn es gab viel Bewegung: Pleiten, Pech und Performance. Und nicht alle Unternehmen konnten halten, was sie versprochen haben. Dafür andere umso mehr.

Veränderte Rahmenbedingungen
Zunächst hat sich Grundsätzliches verändert. Da war zum Einen die Wahl Donald Trumps zum nächsten US-Präsidenten und der wird Amerika wie ein Unternehmen führen wollen. Es zielt darauf ab, Jobs in den USA zu schaffen und da s zulasten des Haushalts, also über eine massive Ausweitung der Verschuldung. Staatliche Konjunkturprogramme gepaart mit Steuersenkungen, das führt zu Inflation und damit zu steigenden Zinssätzen. In den USA, zunächst, aber auch in Europa wird der Inflationsdruck zunehmen mit der Zeit und die Zinsen ziehen bereits im Vorfeld von Trumps Amtseinführung an. Daneben gibt es die OPEC, jenes zahnlose Öl-Kartell, das sein Gebiss wiedergefunden hat und sich zu Förderkürzungen durchringen konnte. Und am Wochenende wurde bekannt, dass auch weitere große Nicht-OPEC-Staaten ihre Produktion drosseln werden. Das dürfte zu dauerhaft höheren, zumindest stabilen Öl-Preisen führen, so dass der Kurs kaum mehr unter $40 fallen dürfte. Auch wenn Trumps Programm explizit auch eine Ausweitung der US-Förderung vorsieht. Und dann sind da noch die Chinesen, die bis vor Kurzem ganze Industriezweige leer gekauft und bei ihren Übernahmen auch saftige Aufgelder in Kauf nahmen. Für die Private Equity-Branche waren das schöne Zeiten, weil sie bei Exits besonders viel verdienten. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass sie selbst ihr frisches Geld immer schwerer in günstige Gesellschaften investieren konnten, da der Nachfrageüberhang seitens der Chinesen auch beim Einkauf die Preise hoch getrieben hatte. Doch damit dürfte erstmal Schluss sein. Und zwar nicht, weil die deutsche Regierung sich aufgeregt hat, sondern weil die chinesische Regierung einen Riegel vorschob. Dort sah man in vielen kostspieligen Übernahmen eher den Versuch, auf diese Art chinesisches Geld außer Landes zu bringen und so kam der Yuan immer stärker unter Druck. Strategische Übernahmen sind hingegen auch weiterhin gewünscht.

Von dieser Seite aus wird also der Kaufdruck nachlassen und sich damit auch die überzogenen Preisvorstellungen der verkaufswilligen Mittelständler. Und das ist gut für Beteiligungsgesellschaften und Finanzinvestoren, denn auch bei ihnen liegt der Gewinn im Einkauf. Und viele Mittelständler sind auf einen Verkauf angewiesen aufgrund ungesicherter Unternehmensnachfolge. Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft ist und stellt rund 90 Prozent aller Arbeitsplätze. Daher sind ungesicherte Unternehmensnachfolgen nicht nur für den jeweiligen Betrieb alleine ein Problem, sondern auch für die Mitarbeiter und unsere Volkswirtschaft als Ganzes. Hier kommen Beteiligungsgesellschaften ins Spiel, denn sie bieten nicht nur Eigen- und/oder Fremdkapital für die Expansion an, sondern auch die Sicherung des Lebenswerkes in Form eine Fortführung als Unternehmen in einem größeren Beteiligungsportfolio.

Börsenweisheit der Woche 50/2016

"Es reicht nicht, einfach nur eine Erkenntnis zu haben, die die Masse nicht hat. Man muss außerdem den Mut haben, danach zu handeln und dabei zu bleiben."
(Bill Lipschutz)

Montag, 5. Dezember 2016

Börsenweisheit der Woche 49/2016

"Der Anleger ist wahrscheinlich sein eigener schlimmster Feind."
(Benjamin Graham)

Freitag, 2. Dezember 2016

Zahlen & Mehr: Aurelius, Deutsche Rohstoff AG, Kontron, S&T, Starbucks, Surteco

▸ Aurelius
Einen weiteren Exit kann Aurelius vermelden und gibt seine Anteile an der Publicitas im Rahmen eines Management-Buy-outs ab. Das Unternehmen befand sich erst seit 2014 im Aurelius-Portfolio und der Finanzinvestor hatte bereits kurz nach der Übernahme Teile weiterveräußert und den Rest operativ neu ausgerichtet.

Meine Einschätzung
Auch wenn zum Kaufpreis nichts gesagt wurde, können wir davon ausgehen, dass Aurelius auch hier wieder schön verdient haben dürfte. Und das liegt daran, dass Aurelius äußerst preiswert einkauft und zumeist nur symbolische Kaufpreise zahlt und nicht selten sogar noch eine Umstrukturierungsmitgift erhält, wenn es Randbereiche großer Konzerne übernimmt. Der Gewinn liegt für Aurelius also im Einkauf

Aurelius ist seit Jahren erfolgreich unterwegs und übernimmt überwiegend Restrukturierungsfälle, bei denen es eine Bargain Purchase erhält, oder Randbereiche großer Konzerne. So wie die laufende Übernahme von Home Office Europe, die mit €2 Mrd. Umsatz bisher größte Firmenübernahme der Münchener.

Aurelius befindet sich als einer der größten Positionen in meinem Depot und ist eine der ältesten und erfolgreichsten Werte auf meiner Empfehlungsliste. Das jüngst aufgelegte Aktienrückkaufprogramm von bis zu €52 Mio. dürfte den Kurs zusätzlich stützen, während das erfolgreiche operative Geschäft den Kurs weiter beflügeln sollte. Aurelius ist einer der Top-Picks im Beteiligungssektor und langfristig orientierte Anleger bleiben investiert und nutzen jeden Kursrücksetzer konsequent zum Aufstocken ihrer Position.


▸ Deutsche Rohstoff
Gerade erst gab es ermutigende Neuigkeiten von der Wolfram-Tochter Almonty Industries, da legt man noch eine Schippe drauf. Denn das kanadische Unternehmen hat mehrere Abnahmevereinbarungen mit bestehenden Kunden abschließen können, wonach Almonty feste und deutlich über dem aktuellen Spotpreis von Wolfram liegende Preise erzielen würde. Die Vereinbarungen sollen am 1. Januar 2017 in Kraft treten und sind auf ein Jahr begrenzt. Damit könnte die Panasqueira-Mine in Portugal im kommenden Jahr in die schwarzen Zahlen zurückkehren und Almontys Ziel, den weltgrößten unabhängigen Wolfram-Produzenten außerhalb Chinas aufzubauen, einen erfolgreichen Schritt näher kommen.

Meine Einschätzung
Die DRAG hält aktuell 12,58% der Aktien von Almonty sowie zwei Wandelschuldverschreibungen, bei deren vollen Ausübung sich ihr Anteil auf 19,58% erhöhen würde. Bisher fielen dort aufgrund des Verfalls der Rohstoffpreise, insbesondere für Wolfram, überwiegend Verluste an mit entsprechend negativen Folgen für den Wert der Beteiligung für die DRAG. Die neuen Vereinbarungen zeigen, dass es auch anders laufen kann und dass sich die DRAG hier antizyklisch in einem interessanten Zukunftsmarkt positioniert hat und künftig auch Erfreuliches aus dieser Sparte zu berichten sein dürfte. Mit Geduld und langem Atem könnte hier eine echte Perle heranwachsen, die der DRAG und ihren Aktionären noch viel Freude bereiten wird. Insbesondere wenn die Konjunktur wieder anspringt und die Nachfrage auch nach Rohstoffen anzieht.


▸ Kontron | S&T
Kontron wird ein drastisches Sparprogramm fahren, um seine Verluste abzubauen. Mit dem für die nächsten 1,5 Jahre ausgelegten Programm, bei dem auch 300 Arbeitsplätze abgebaut werden sollen, wird Kontron signifikante Ergebnisverbesserungen im zweistelligen Millionenbereich erzielen und damit wieder zur Profitabilität zurückkehren.

Damit wird die Grundlage geschaffen für die Übernahme durch S&T, die sich kürzlich mit 29,9% beteiligt hatten und auf einen Zusammenschluss mit Kontron zusteuern. Nach den Plänen von S&T wird das gemeinsame Unternehmen in 2017 den gleichen Gewinn einfahren, wie S&T alleine in 2016, so dass der mit der Übernahme verbundene Aufwand und Anlaufverluste abgefedert werden können. Ab 2018 sollen dann aber die Gewinne deutlich steigen und zwar deutlich schneller als es bei S&T alleine der Fall wäre.

Meine Einschätzung
2017 wird für S&T ein Jahr des Wandels und es wird stark durch die Übernahme von Kontron geprägt sein und durch das Zusammenführen der beiden Unternehmen. Mit der chinesischen Foxconn-Gruppe im Hintergrund und als Lieferant günstiger Komponenten und als erfahrener Sanierer sollte es S&T-CEO Hannes Niederhauser jedoch gelingen, S&T nicht nur auf Kurs zu halten, sondern in neue Dimensionen zu führen. Darüber hinaus wird auch die Übernahme von S&T durch Foxconn ein zunehmendes Thema werden und den Kurs zusätzlich nach unten absichern.


▸ Starbucks
Der bisherige Starbucks-Chef Howard Schultz wird am 3. April kommenden Jahres von seinem Posten zurücktreten und Kevin Johnson wird dann das Amt übernehmen. Dieser ist seit 2015 als "COO" für Starbucks tätig und leitet das operative Geschäft. Darüber hinaus ist er auch bereits schon seit sieben Jahren Mitglied des Verwaltungsrats. Schultz ist seit 1982 für Starbucks tätig und ist der Erfolgsgarant des starken Expansionskurses der vergangenen Jahre.

Er soll sich künftig als Chairman um die Entwicklung des neuen Premium-Geschäftsbereichs Reserve-Roastery kümmern sowie um Design und soziale Initiativen.

Meine Einschätzung
Es ist das Ende einer Ära, denn Howard Schultz hat Starbucks zu dem gemacht, was es heute ist, ein global führendes, schnell wachsendes und dazu noch extrem profitables Business. Schultz bleibt Starbucks erhalten, aber der neue Chef wird dem Unternehmen seinen Stempel aufdrücken (müssen) und auch eigene Akzente setzen, um das Unternehmen durch die anstehenden Herausforderungen zu bringen. Es bleibt abzuwarten, ob der Erfolgsweg von Starbucks unbeeinträchtigt weiter fortgeschrieben werden kann, oder ob der Wechsel an der Spitze zu ähnlich schlechten Ergebnissen führt, als Schultz schon einmal abdankte: zwischen 2000 und 2008. 2017 wird also ein Jahr des Übergangs für Starbucks werden und die Anleger werden mit Argusaugen darauf achten, ob die Erfolgsstory Risse bekommt. Vor diesem Hintergrund ist Starbucks zunächst nur noch eine Halteposition.


▸ Surteco
Nachdem Surteco beim Wiedererstarken seiner Bilanz langsamer als gedacht, aber dennoch erfolgreich, vorankommt, wagt man sich wieder an eine Übernahme. Die letzte, die des Rivalen Süddekor, hatte für zwei Jahre an Reibungsverlusten gesorgt und Surteco eine menge an Kraft und Effizienz gekostet, was auch den Aktienkurs nicht unbeeindruckt gelassen hatte. Nun übernimmt man zum 1. Dezember 85% der Gesellschaftsanteile der Nenplas-Gruppe mit Hauptsitz in Ashbourne, Großbritannien und 100% der zugehörigen Immobiliengesellschaft. Die Nenplas-Gruppe ist auf die Produktion und den Vertrieb von technischen Profilen aller Art auf Kunststoffbasis spezialisiert und erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2015/2016 mit rund 140 Mitarbeitern einen Umsatz von GBP 16,6 Mio. und ein Ergebnis vor Finanzergebnis, Steuern und Goodwillabschreibungen (EBITA) von GBP 3,8 Mio. nach UK-GAAP (EBITA-Marge: 22,9%). Der Kaufpreis für die 85% der Gesellschaftsanteile beläuft sich auf GBP 20,8 Mio. und für die Immobiliengesellschaft auf GBP 2,5 Mio. Für die verbleibenden 15% hält Surteco eine Kauf- und die Verkäufer eine Verkaufsoption. Die Stimm- und Dividendenrechte der restlichen 15% sind ausgeschlossen.

Meine Einschätzung
Surteco hat die Süddekor-Übernahme endlich verdaut und konzentriert sich wieder auf die Entwicklung des Geschäfts. Mit der Übernahme in UK, die aus vorhanden liquiden Mitteln erfolgt und daher keine Kapitalerhöhung nötig machen sollte, legt Surteco die Schalter wieder auf profitables Wachstum um und sollte langfristig von der Übernahme profitieren. Geduldige Anlegern bleiben an Bord.


Aurelius, Deutsche Rohstoff, S&T, Starbucks und Surteco befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Donnerstag, 1. Dezember 2016

Lloyds Fonds AG erhöht die Jahresprognose. Schon wieder...

Die Lloyd Fonds AG, ein seit über 20 Jahren auf sachwertbasierte Investitionen und Kapitalanlagen spezialisierter Investment- und Asset-Manager aus Hamburg hatte seine Aktionäre am 30. November zu einer außerordentlichen Hauptversammlung geladen und nun gibt es Gutes zu berichten.

Zum einen stimmten die Aktionäre mit 99,99% einem Gewinnabführungsvertrag zwischen der Lloyd Fonds Real Estate Management GmbH und ihrer Muttergesellschaft Lloyd Fonds AG zu. Die Lloyd Fonds REM erbringt als geschäftsführende Kommanditistin vieler Fonds Managementdienstleistungen für Dritte und tritt als Maklerin bei Immobilientransaktionen auf. Außerdem ist sie im Zusammenhang mit der neu gegründeten Investitionsgesellschaft "Lloyd WohnWert GmbH & Co. KGaA" im Bereich des sozialen Wohnungsbaus tätig.

Gewinnabführungsvertrag führt zu verbessertem Ergebnis
Klingt jetzt auf den ersten Blick nicht spektakulär, das machen viele Gesellschaften mit ihren Töchtern. Allerdings liegen die Vorzeichen in diesem Fall anders, denn die Tochter ist einfach zu erfolgreich bei der Realisierung zahlreicher laufender und zukünftiger Immobilienprojekte und durch die steigenden Erträge in der Lloyd Fonds Real Estate Management GmbH drohen deshalb künftig hohe Steuerzahlungen. Durch den GAV können die in der Muttergesellschaft Lloyd Fonds AG vorhandenen Verlustvorträge von jeweils rund €20 Mio. für Körperschafts- und Gewerbesteuer gewinnbringend genutzt werden.

 Lloyd Fonds AG (Quelle: finanzen.net) 
Nachdem nun der GAV gestern von der HV beschlossen wurde, führt er bereits im laufenden Jahr zu positiven Auswirkungen auf das Konzernergebnis. Nach Vorlage der Halbjahreszahlen hatte Lloyd Fonds seine Jahresprognosen von €2 Mio. bis €3 Mio. noch bestätigt, allerdings schon vermerkt, man werde sich wohl eher am oberen Rand der Prognose einfinden. Nun, das ist seit heute Makulatur, denn nun geht das Management davon aus, mehr als €3 Mio. Gewinn zu erzielen.

Meine Einschätzung
Der GAV ist ein schlauer Schachzug, nutzt er doch die bestehenden Verlustvorträge zum Wohl des Unternehmens und seiner Aktionäre. Und für die Folgejahre sind die Auswirkungen natürlich wesentlich höher, als für die letzten Wochen des Jahres 2016. Keine Steuern auf erzielte Gewinne zahlen zu müssen, ist eine schöne Bescherung und es zeigt, dass der Turnaround bei Lloyd Fonds voll im Gang ist. Für geduldige Anleger ist der Nebenwert weiterhin eine spekulative Depotbeimischung wert, denn das Beste sollte noch vor dem Unternehmen liegen, wenn sich die neue Strategie richtig auszuzahlen beginnt. Das jüngst von SRC-Research bei €4 bestätigte Kursziel dürfte mittel- und langfristig dabei nur eine Zwischenetappe bleiben.

Lloyd Fonds befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Zahlen & Mehr: Blue Cap, Deutsche Rohstoff AG, MBB

▸ Blue Cap
Die Beteiligungsgesellschaft Blue Cap konnte endlich Vollzug melden bzgl. des wohl größten Coups der Unternehmensgeschichte, die Übernahme des operativen Geschäfts der Neschen-Gruppe.

Meine Einschätzung
Nun dürfte demnächst eine Neubewertung bei Blue Cap anstehen, denn bei Neschen lief es operativ rund, die Insolvenz entstand aus einer Überschuldungssituation, weil ein im Zuge der Finanzkrise von einer regionalen Bank an einen Finanzinvestor weiterverkaufter Kredit fällig gestellt wurde. Was daran lag, dass der Finanzinvestor eigentlich Neschen komplett übernehmen wollte, was die HV aber nicht absegnete. Daraufhin forderte der Finanzinvestor sein Geld zurück, was die Neschen AG nicht begleichen konnte. Mit der Akquisition von Neschen gelingt es Blue Cap, den ohnehin starken Klebstoffbereich der Gruppe weiter auszubauen. Neben den positiven Effekten zu den bestehenden Unternehmen wird man sich damit auch in neuen und wachstumsrelevanten Geschäftsfeldern der Klebstoffverarbeitung positionieren können.

Der wirtschaftliche Übergang des Geschäftsbetriebes von Neschen ist rückwirkend zum 01.07.2016 auf die Blue Cap-Tochter Neschen Coating GmbH erfolgt. Mit anderen Worten: im Geschäftsbericht für das 2016 wird Neschen bereits zu 50% enthalten sein und damit die zu erwartenden positiven Auswirkungen auf Umsatz und Ergebnis. Für 2017 steht dann ein weiterer Sprung an, denn dann steuert Neschen volle 12 Monate bei. Gut möglich, dass der Aktienkurs von Blue Cap diese starke Entwicklung bereits vorwegnimmt und wir bald deutlich zweistellige Kurse sehen werden. Blue Cap ist einer der größten Werte in meinem Depot und weiterhin einer der aussichtsreichsten.


▸ Deutsche Rohstoff
Die mit Abstand wichtigste DRAG-Tochter im Bereich Metalle, Almonty Industries, erhielt die Zusage (Letter of Committment) eines Unternehmen aus der Wolfram-Industrie, den zur Entwicklung der Sangdong-Mine in Südkorea erforderlichen Eigenkapitalanteil in Form eines Darlehens bereitzustellen. Im Ergebnis wird das Bergwerk damit voraussichtlich zu 100% mit Fremdkapital finanziert werden, so dass für die Aktionäre von Almonty keine Verwässerung ihres Aktienanteils durch eine Kapitalerhöhung ansteht. Die DRAG hält aktuell 12,58% der Aktien von Almonty sowie zwei Wandelschuldverschreibungen, bei deren vollen Ausübung sich ihr Anteil auf 19,58% erhöhen würde.

Den starken Kurssprung heute hat aber eine andere Meldung verursacht, nämlich die Einigung der OPEC auf eine Öl-Förderkürzung, was den Ölpreis stark nach oben trieb. Das Ölkartell will in den kommenden sechs Monaten 1,2 Mio. Barrel (je 159 Liter) pro Tag weniger produzieren. Das neue Limit soll bei 32,5 Mio. Barrel täglich liegen.

Meine Einschätzung
Erstmals seit 2008 agiert damit die OPEC wieder als Kartell und ringt sich zu einer Förderkürzung durch. Weniger bedeutend ist die Kürzungsmenge, denn die dürfte ggf. durch US-Fracker ausgeglichen werden. Entscheidend ist vielmehr die Abkehr der OPEC von der durch Saudi-Arabien lange favorisierten Vernichtungsstrategie in Bezug auf die US-Öl-Industrie. Da diese viel höhere Förderkosten je Barrel hat(te), wollte man durch den Preisverfall des Öls die lästige neue Konkurrenz aus dem Markt drängen. Mit durchwachsenem Erfolg. Zwar musste viele US-Öl-Explorer in die Insolvenz, die Fördermenge sank aber nicht erheblich ab, da die produzierenden Quellen einfach weiter förderten. Einerseits abgesichert durch lukrative Öl-Terminkontrakte, andererseits aber auch durch die Tatsache, dass ein Großteil der Kosten beim Fracking für das Bohren anfällt, während die Produktion nur noch geringe Kosten verursacht. Nachdem kürzlich Saudi-Arabien nicht nur einen neuen König bekam, sondern auch den Öl-Minister ausgetauscht hat, folgte nun die 180-Grad-Wende bei der Strategie. Die OPEC zeigt damit Einigungskraft und -willen und das ist das eigentlich preistreibende Signal.

Die DRAG fördert bereits bei WTI-Ölpreisen von deutlich unter $35 gewinnbringend und jeder Dollar darüber ist für sie bares Geld. Vielleicht stehen wir erst am Anfang einer Reihe von Förderkürzungen seitens der OPEC und ggf. anderer Staaten, wie Russland, die den Ölpreis nachhaltig über $50 hieven und vielleicht noch weiter. Die DRAG bleibt weiterhin aussichtsreich und wird in ihren Geschäftszahlen künftig viel stärker den inzwischen erfolgten Beginn der Öl-Förderung zeigen - und die damit erzielten Gewinne. Sie bleibt einer meiner größten Positionen im Depot.


▸ MBB
Die Beteiligungsgesellschaft konnte nicht nur mit ihren Plänen für einen möglichen Börsengang der Automotive-Tochter Aumann AG (bestehend aus der Aumann-Gruppe und der MBB Fertigungstechnik) für Furore sorgen und für deutlich zweistellige Kurszuwächse, sondern sie hat auch den Quartalsfinanzbericht zum 30.09. vorgelegt. Dieser bestätigt, was auf dem Frankfurter Eigenkapitalforum bereits angedeutet wurde, nämlich ein starkes und sich beschleunigendes Wachstum des MBB-Konzerns über alle Töchter hinweg. Besonders jedoch im Automotive-Sektor. Bei oberflächlicher Betrachtung alleine des Gewinns je Aktie (EPS), wird dies bereits deutlich. So legte das Neunmonatsergebnis um 25% auf 1,69€ zu (Vorjahr: 1,35€), das Ergebnis des dritten Quartals hingegen bereits um 30% auf 0,60€ (Vorjahr: 0,46€).

Meine Einschätzung
MBB wird weiter investieren müssen, um dem stark steigenden Auftragseingang im Automotive-Sektor Rechnung tragen zu können. Auch deshalb wird die Sparte in der Aumann AG zusammengelegt und über einen eigenen Börsengang nachgedacht. Doch auch die anderen Töchter bereiten allesamt Freude, auch wieder Hanke Tissue, wo man ja vor zwei Jahren die Produktionskapazitäten verdoppelt hatte. MBB präsentiert sich als grundsolide Beteiligungsgesellschaft, die zunehmend Fahrt aufnimmt. Der letzte Zukauf, die Aumann-Gruppe, soll dem Vernehmen nach nur €19 Mio. für einen 75%-Anteil gekostet haben und hat sich als wahrer Glücksgriff erwiesen.

Gut möglich, dass der Aktienkurs nach dem starken Anstieg erst einmal konsolidieren wird. Das starke, profitable, Wachstum wird den Kurs aber ebenso weiter antreiben wie die Konkretisierung der Börsenpläne für die Tochter Aumann AG, durch die der wahre Wert dieses Unternehmens deutlicher sichtbar würde und gehoben werden kann. Der Kurs könnte im nächsten Jahr Anlauf auf die €70 nehmen und noch darüber hinaus, wenn es MBB gelingt, mit dem Wachstum Schritt zu halten. Aumann erzeugt die Spaten für den neuen Goldrausch, die Elektromobilität und der Megatrend beginnt gerade erst, richtig Fahrt aufzunehmen.

Darüber hinaus verfügt MBB über hohe liquide Mittel, um bei passender Gelegenheit weitere Zukäufe tätigen zu können. MBB bleibt daher eine meiner Kernpositionen im Portfolio.


Blue Cap, Deutsche Rohstoff und MBB befinden sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Dienstag, 29. November 2016

PNE Wind bei YieldCo-Riesendeal auf der Zielgeraden mit Allianz Global Investors

PNE Wind nähert sich beim YieldCo-Verkauf der Zielgeraden und hat bekanntgegeben, dass man nun Exklusivität mit einer Tochtergesellschaft des Energie- und Infrastrukturfonds Allianz Renewable Energy Fund II, der von Allianz Global Investors GmbH verwaltet wird, vereinbart habe. Konkret hat man für den 80-prozentigen Mehrheitsverkauf des Windparkportfolios Cuxhaven (YieldCo) heute beim Bundeskartellamt den im Rahmen der Fusionskontrolle erforderlichen Antrag auf Zustimmung der Transaktion gestellt.

In der PNE Wind YieldCo Deutschland GmbH hat die PNE Wind AG bislang Windparkprojekte mit insgesamt 142,5 MW gebündelt, es besteht eine Option auf den Erwerb weiterer 9,9 MW von der PNE Wind Gruppe.

Die verbindliche Unterzeichnung des Vertrags über die angestrebte Veräußerung soll in den nächsten zwei bis drei Wochen stattfinden und das Zustandekommen des Verkaufs wird einen wesentlichen Beitrag zum Erreichen der diesjährigen Ergebnisziele der PNE Wind AG - immerhin ein EBIT von €100 Mio. Zum Vergleich: die Börsenkapitalisierung beträgt aktuell knapp €165 Mio.

Meine Einschätzung
PNE Wind erhofft sich aus dem Verkauf bis zu €300 Mio. und würde damit auf Schlag die seit Jahren angesammelten stillen Reserven in Gewinne ummünzen. Hierauf wartet die Börse und dies dürfte der Befreiungsschlag sein, auch für den Aktienkurs. Nicht nur die erwarteten hohen Gewinne aus dem Verkauf, sondern vor allem die Aussicht darauf, die vielen Projekte dann mit genügend Cash im Rücken erfolgreicher vorantreiben zu können. Risikobereite Anleger setzen auf dieses Szenario und auf ein Wiedererstarken der PNE Wind, nachdem die internen Querelen im Aktionariat endlich der Vergangenheit angehören und ein neuer Chef frischen Wind in den Laden bringt. Am 8. Dezember präsentiert sich PNE Wind auf der Münchener Kapitalmarktkonferenz und die Aussagen des Vorstands dürften reges Interesse auf sich ziehen.

PNE Wind befindet sich als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 28. November 2016

Deutsche Forfait, SBF AG, United Electronic Technology: Turnarounds seldom turn. But if...

Turnaround-Spekulationen sind bei Anlegern beliebt aber selten erfolgreich. Der Reiz liegt einfach darin, Aktien eines Unternehmens zu ausgebombten Kursen zu kaufen, die früher in ganz anderen Spähren zuhause waren. Was so stark abgestürzt ist, muss ja eine Riesenchance darstellen, der Kurs muss sich ja wieder erholen, so lauten die gängigsten Ansichten. Nun, er muss nicht. Es gibt zumeist sehr gute Gründe, weshalb Aktienkurse abstürzen und nicht selten folgt auf den Kursabsturz die Pleite und damit der Totalverlust des investierten Geldes. Anleger tun also gut daran, sich an Turnaround-Versuche nur unter größter Vorsicht und Sorgfalt heranzuwagen.

Ich habe mich in zwei ausführlichen Artikel bereits diesem Thema gewidmet. Anfang 2013 unter "Turnaround: Profitieren, wenn gefallene Engel wiederauferstehen" und Anfang 2016 unter "Turnaround-Spekulation: Wenn Totgesagte länger leben" und die hierin vorgestellten Werte haben die Hoffnungen nicht alle erfüllt, zumindest ist kein Totalausfall darunter. Darüber hinaus habe ich kürzlich mit der Frage "Turnaround-Spekulation als Value Investment?" beschäftigt. Neben diesen drei Artikeln habe ich ab und zu auch Einzelwerte in Turnaround-Situationen hier im Blog besprochen und bisweilen auf meine Empfehlungsliste gesetzt. Und darum geht es auch heute, um drei Unternehmen, deren Business total abgestürzt ist und ihr Aktienkurs ebenso. Bei denen aber die Hoffnung besteht, dass sie die Kurve kriegen und den latenten Krisenmodus wieder verlassen können und wieder zu stinknormalen Unternehmen mit funktionierendem Geschäftsmodell werden.

Also werfen wir einen Blick auf die drei Turnaround-Kandidaten...


:: Deutsche Forfait
Die Deutsche Forfait war ein sehr erfolgreiches Forfaitierungsunternehmen, doch dann wurde sie auf die Sanktionsliste des US-Außenminsteriums gesetzt, weil man angeblich Geschäfte mit dem Iran getätigt hatte. Das Geschäft brach in sich zusammen, der Aktienkurs ebenfalls und es folgt die Insolvenz. Inzwischen ist man längst wieder von der Liste gestrichen und die Vorwürfe sind nie belegt worden. Der Schaden war trotzdem angerichtet und die Aktionäre haben fast alles verloren.

Nach Insolvenz, Sanierungsplan, Kapitalherabsetzung, Forderungsverzicht der Gläubiger und Kapitalerhöhung kann die Deutsche Forfait nun wieder durchstarten. Im Juni gab es eine Kapitalerhöhung um €7,5 Mio. und diese wurde vollständig vom neuen Großaktionär Dr. Shahab Manzouri aus London gezeichnet, der eine langjährige Erfahrung im Trade Finance Sektor aufweist. Die ebenfalls im gerichtlich bestätigten Insolvenzplan beschlossene Sachkapitalerhöhung in Höhe von €3.707.483,00 ist ebenfalls erfolgt und nach Durchführung und Eintragung der beiden Kapitalmaßnahmen beträgt das Grundkapital der Gesellschaft €11.887.483, eingeteilt in 11.887.483 auf den Namen lautende Stammaktien.

 DF Deutsche Forfait (Quelle: finanzen.net) 
Mitte Oktober legte die DF dann einen angepassten Budgetplan vor, da sich abzeichnete, dass man das operative Geschäft noch nicht in 2016 wieder aufnehmen würde. Vor dem Wiedereintritt in den Markt für Außenhandelsfinanzierung sollte das Compliance- und Risikomanagementsystem der Gesellschaft dahingehend optimiert werden, dass es höchsten internationalen Maßstäben vollumfänglich gerecht wird. Die Gesellschaft wurde dazu von mehreren internationalen auf Compliance und Sanktionsrecht spezialisierten Anwaltskanzleien beraten.

Am 9. November, dem Tag des US-Präsidentenwahl, legte die DF dann den Geschäftsbericht für das Rumpfgeschäftsjahr vor vom 1. Januar bis 1. Juli 2016. Der Bilanzstichtag entspricht dem Tag der Aufhebung des Insolvenzverfahrens der Gesellschaft und die DF-Gruppe hat in diesem Rumpfgeschäftsjahr 2016 einen Konzerngewinn von €34,2 Mio. (1. Hj. 2015: €-5,3 Mio.) verbucht, der im Wesentlichen aus dem im veröffentlichten Insolvenzplan ausgewiesenen Sanierungsgewinn aus dem beschlossenen Teilverzicht der Gläubiger resultiert. Dieser Sanierungsgewinn wurde durch die im Rumpfgeschäftsjahr entstandenen Kosten und operativen Verluste reduziert.

Das Geschäftsvolumen der DF-Gruppe lag erwartungsgemäß bei lediglich €3,4 Mio. (1. Hj. 2015: €37,3 Mio.), da das operative Geschäft während des Insolvenzverfahrens nahezu eingestellt wurde. Diesen Zahlen sollte man also nicht allzu viel Bedeutung beimessen; viel interessanter ist der Blick auf die Zukunft. Zum Bilanzstichtag 1. Juli 2016 wies die DF-Gruppe ein positives Eigenkapital in Höhe von €12,7 Mio. (31.12.2015: €-32,1 Mio.) auf, womit der Gesellschaft wieder eine ausreichende Kapitalbasis zur Wiederaufnahme des operativen Geschäfts zur Verfügung steht. Die in der Konzernbilanz aufgeführten "Verbindlichkeiten Gläubiger" werden allein aus der Verwertung des zum Zeitpunkt der Feststellung des Insolvenzplans bestehenden Vermögens bedient, hier gibt es also keine offenen Flanken für die Zukunft mehr.

Eine seriöse Bewertung kann man heute natürlich nicht vornehmen, denn die DF hat zwar wieder ein solides Eigenkapital, dem aber vergleichsweise hohe Kosten gegenüber stehen. Denn bisher verfügt die DF noch über kein operatives Geschäft, das soll nun jedoch anlaufen. Und einer der Schwerpunkte wird die Finanzierung von Geschäften mit dem Iran sein, was seit Ende der Atom-Sanktionen ja als einer der lukrativsten Zukunftsmärkte angesehen wird aufgrund des enormen Nachholbedarfs der Iraner. Inwieweit sich Trumps negative Haltung zum Iran-Abkommen künftig einmal auswirken wird, bleibt abzuwarten. Beim Iran-Abkommen handelt es sich ja um ein UN-Abkommen, unterzeichnet von vielen Staaten, nicht nur den USA und dem Iran. Darüber hinaus wird die DF nicht nur mit Iran Geschäfte machen, sondern wie früher auch für viele Länder Außenhandelsfinanzierungen anbieten. Iran ist eine interessante, aber eben auch nur eine von vielen Optionen für lukrative Geschäfte.

Ich habe mich hier schon über die letzten Tage mit kleinen Stückzahlen eingekauft, weil mir das Chance-Risiko-Verhältnis überdurchschnittlich attraktiv erscheint. Hierbei setzte ich natürlich auf auf den neuen Großaktionär und Neu-Vorstand Manzouri, ohne den die DF haute wohl nicht existieren würde und der viel Geld in die Hand genommen hat, um sie wieder mit Leben zu füllen. Ich setze also auch und besonders auf seinen Eigennutz, denn er will sein Geld ja sicherlich vermehren.

P.S.
Nun habe ich meinen Artikel endlich fertig und da platzt die DF mit einer wichtigen Meldung herein: Die DF Deutsche Forfait-Gruppe unterzeichnet eine Absichtserklärung mit der iranischen Saman Bank., einer der größten privaten Banken Irans, im Bereich Außenhandelsfinanzierung . Gemeinsam möchte man das Angebot von Finanzierungslösungen für den Güteraustausch zwischen deutschen sowie internationalen Exporteuren und iranischen Handelspartnern ausbauen und Beratungsleistungen zur Etablierung von Handelsbeziehungen mit iranischen Geschäftspartnern anbieten. Beide Partner erwarten einen deutlichen Anstieg des Handelsvolumens mit dem Iran in den nächsten Jahren, nachdem die Europäische Union und die USA mit Abschluss des Atomabkommens (JCPOA) Anfang des Jahres 2016 zuvor bestehende Sanktionen gelockert haben. Die Marktchancen für Spezialisten in der Außenhandelsfinanzierung hätten sich aus Sicht des Managements angesichts weltweit zunehmender Krisenherde und steigender Risiken für Exporteure weiter erhöht und die DF-Gruppe legt dabei den Fokus in den nächsten Monaten auf Märkte im Mittleren Osten wie dem Iran, wo Wirtschaftsexperten in den kommenden zwei bis drei Jahren allein für Deutschland eine Verdoppelung der Handelsvolumina erwarten.

Der Aktienkurs reagiert jedenfalls schon einmal positiv auf die Meldung und sollte sich weiter Richtung Norden orientieren, sobald die DF das operative Geschäft aufnimmt und hierüber berichten wird.


:: SBF
Unter SBF AG kann sich noch niemand etwas vorstellen, doch als Corona Equity Partner AG hat das Unternehmen bereits eine bewegte Vergangenheit hinter sich, auch an der Börse. Und das ist nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte, denn die Erfolge als Beteiligungsunternehmen sind kaum auszumachen. Vielmehr stand man mit dem Rücken zur Wand und musste dringend neues Geld auftreiben. Um bei einem Pennystock aber eine Kapitalerhöhung durchführen zu können, muss dessen Aktienkurs zuerst über die Marke von €1 gehoben werden und Corona tat dies im Wege einer Kapitalherabsetzung - es wurden zehn alte Aktien zu einer neuen zusammengelegt. Der entstehende Betrag wurde zur Deckung des aufgelaufenen Bilanzverlust herangezogen und die Reste in die Kapitalrücklage eingestellt. Hieran erkennt man, dass es noch Leute gibt, die an ein erfolgreiches Weitermachen glauben.

 SBF AG (Quelle: finanzen.net) 
Ganz nebenbei wurde das im m:access der Börse München notierte Unternehmen in SBF AG umbenannt, was der einzig verbliebenen Tochter zu verdanken ist, der SBF Spezialleuchten GmbH, einem international tätigen Systemanbieter für Decken-, Beleuchtungs- und Belüftungssysteme für Schienenfahrzeuge. Das Unternehmen hat sich dabei auf LED-Systeme für den Außen- und Innenbereich von Schienenfahrzeugen jeglicher Bauart spezialisiert und Großkunde ist naturgemäß die Deutsche Bahn.

Die Bilanz zu bereinigen ist eine Sache, sie mit Kapital aufzufüllen eine andere. Ende Mai erfolgte dann die Kapitalerhöhung gegen Bareinlagen, bei der insgesamt 5.047.959 neue auf den Inhaber lautende Stückaktien ohne Nennbetrag, jeweils mit einem anteiligen Betrag am Grundkapital von €1,00 und voller Gewinnbeteiligung ab dem 1. Januar 2015 ausgegeben wurden und zwar zu einem Preis von €1,10. Damit floss der Gesellschaft ein Gesamtemissionserlös von €5,6 Mio. zu. Und das Geld wurde gleich gewinnbringend eingesetzt, denn es wurde umgehend die ausstehende 6%-Wandelanleihe abgelöst und damit künftig ein um rund €200.000 pro Jahr signifikant verbessertes Finanzergebnis erreicht.

Ganz entscheidend für die SBF ist also der operative Erfolg der Tochter und diese konnte erstmals in der Unternehmensgeschichte ein positives Halbjahresergebnis vorlegen. Für die Aktionäre der SBF AG bleibt hiervon allerdings noch nichts übrig, weil die AG selbst in dieser Zeit ja erheblichen Aufwand für ihre Kapitalmaßnahmen hatte und dieser Aufwand dem entgegensteht.

Nachdem die SBF AG nun aber bilanziell wieder auf soliden Füßen steht, dürfte sich dies auch positiv auf die Tochter und somit das operative Geschäft auswirken. Der Trend hin zur Schiene spielt der SBF in die Karten und nicht nur bei neuen Zügen kommt die SBF-Technik zum Einsatz, sondern auch bei der Erneuerung der Beleuchtungssysteme in aktiven Zügen. Durch den Einsatz moderner LED-Systeme kann nicht nur die Beleuchtungssituation verbessert werden, sondern es sinkt auch der Energieverbrauch sowie der Wartungsaufwand für die Kunden, die Bahnbetreiber.

Die SBF AG ist ein kleiner Nischenwert und hat in den vergangenen Jahren mehrfach versucht, Ruhe und Solidität in ihr Geschäft zu bringen. Ohne Erfolg, wie man letztlich erkennen musste. Nun hat man sich zu einem harten Schnitt bereit gefunden und das Unternehmen finanziell wieder solide aufgestellt - und damit die Basis geschaffen, künftig erfolgreich unternehmerisch tätig zu sein. Risikobereite Anleger können sich ein paar Stücke als Depotbeimischung gönnen; man muss hier aber einen langen Atem mitbringen.


:: United Electronic Technology
Die UeT war schon einmal Thema hier im Blog und zwar im August letzten Jahres, als ich eine Leseranfrage beantwortet habe. Dass United Electronic Technology ein klassischer Turnaround-Kandidat sei, habe ich damals verneint und nachdem der Aktienkurs sich seitdem mehr als halbiert hat, wage ich einen erneuten Blick. Im Grunde hat sich nicht viel verändert, operativ kann zwar bisweilen punkten, aber die Bilanzsituation ist ziemlich brenzlig. Das sahen auch die Eigentümer so und haben zuletzt einige Verrenkungen gemacht, um das Unternehmen endlich solide(r) aufzustellen.

Die Tochter UET Electronic Holding GmbH stand bisher nur zu 51% im Eigentum der UET AG, doch nun wird der bisherige Minderheitseigner Palace Park Ltd. seine 49-prozentige Beteiligung an der GmbH als Sachkapitaleinlage in UET AG einbringen.

Durch diese 3 Millionen Euro schwere Sachkapitalerhöhung wurde die UET AG Alleingesellschafterin an der UET Electronic Holding GmbH und somit auch mittelbar Alleingesellschafter an ELCON Systemtechnik, NewTal Elektronik + Systeme, SUCONI Service und Letron Electronic und damit stehen die Ergebnisse künftig komplett der UET AG zu. Außerdem können nun in einem weiteren Schritt  die operativen Gesellschaften ALBIS Technologies und ELCON Systemtechnik besser operativ integriert werden.

 United Electronic Technology (Quell: finanzen.net) 
Darüber hinaus hat der Konzern seine Schulden um €7 Mio. reduziert, indem man für jeweils €1 von den bestehenden Aktionären Palace Park Ltd. und FIGLIO Beteiligungsverwaltung deren bestehende Gesellschafterdarlehen samt bisher angelaufener Zinsen im Ausmaß von rund €7 Mio. zurückkauft.  Somit reduzieren sich nicht nur die sonstigen Verbindlichkeiten im Konzern um €7,0 Mio., sondern es wird durch die Maßnahme zu einem außerordentlichen Ertrag aufgrund des Forderungsverzichts kommen. Wichtiger ist indes, dass das Finanzergebnis künftig nicht mehr durch die Zinsen belastet wird und daher positiver ausfallen wird als bisher.

Diese Schritte waren notwendig, weil die bisherigen operativen Fortschritte, die sich auch aus den Halbjahreszahlen ablesen lassen, durch die katastrophale Bilanz- und Verschuldungssituation mehr als zunichte gemacht wurden. Hier stehen die Zeichen nun auf Besserung, allerdings wird noch eine zusätzliche Kapitalspritze nötig sein, um die UET-Gruppe endlich auf solide Beine zu stellen, denn auch nach den bereits erfolgten Maßnahmen weist die UET-Bilanz noch immer ein negatives Eigenkapital auf. Und so wird es zu einer Kapitalerhöhung kommen (müssen), was bisher undenkbar erschien. Doch nachdem man die Bilanz aufgeräumt und die Konzernstruktur vereinfacht hat, mit dem begleitenden Nebeneffekt, dass künftig ohne die abfließenden Minderheitsanteile mehr Geld in der UET-Kasse verbleiben wird, sollten sich hier die Chancen erheblich verbessert haben. Auf dieser Basis könnte es durchaus erfolgreich zum Einwerben von frischem Geld kommen und das nicht nur aus dem Kreis der bisherigen Eigentümer.

Eigentlich ist es ja immer ein schlechter Zeitpunkt, vor einer Kapitalerhöhung Aktien zu erwerben. Allerdings wäre diese bei der UET ja lediglich Teil einer erfolgreichen Sanierung, nachdem schon erhebliche Vorleistungen der Gesellschafter erfolgt sind. Es könnte daher für spekulative Anleger durchaus lohnen, sich auch heute schon einige Aktien der UET ins Depot zu legen und auf einen erfolgreichen Turnaround zu setzen. Sähen die bisherigen Kapitalgeber und Gläubiger hier keine aussichtsreiche Chance, hätte man die bisherigen Schritte unterlassen und einfach nur den Ausverkauf der Tochtergesellschaften versucht.


Ausdrücklicher Risikohinweis
Bei allen Aktienkäufen besteht das Risiko eines Totalverlusts, bei Turnaround-Werten liegt dieses allerdings noch signifikant höher, denn die Unternehmen befanden bzw. befinden sich ja in ernsten und bisweilen existenzbedrohlichen Schieflagen. Wer hier zu spekulieren bereit ist, sollte es nur mit kleinem Einsatz tun, die Werte allenfalls als Depotbeimischung verstehen, und sich in Klaren darüber sein, dass sie einer ständigen und erhöhten Aufmerksamkeit bedürfen. Der Blick alleine auf die Chancen eines erfolgreichen Turnarounds reicht keinesfalls aus, die Risikobetrachtung kommt zuerst! Denn Aktien können auch auf Null fallen, warnte schon Börsenlegende Jesse Livermoore.

»Der Totalverlust ist die hässliche Schwester des Turnarounds.«
(Michel C. Kissig)

Ich nehme die DF Deutsche Forfait, SBF und United Electronic Technology als hoch riskante, jedoch aussichtsreiche Turnaround-Spekulationen auf meine Empfehlungsliste.

Börsenweisheit der Woche 48/2016

"Das große Geld kann man an der Börse nur auf lange Sicht und mit antizyklischem Verhalten machen. Dazu braucht es Disziplin, Mut und Erfahrung."
(André Kostolany)

Freitag, 25. November 2016

Umfrage: Wie kommt ihr an Unternehmensnews?

Angeregt durch eine Leserfrage möchte ich von euch wissen, wie ihr an aktuelle News herankommt. Über News-Sammler wie finanznachrichten.de, News-Services wie DGAP, Google Alerts, spezielle US-Websites wie Seeking Alpha oder The Motley Fool oder aber schlicht und einfach durch eigene Recherche auf Unternehmenswebsites oder ggf. deren Emailverteiler?

Ich habe daher eine entsprechende Umfrage gestartet, die ihr in der rechten Menüleiste findet und die bis Ende November aktiv ist. Und ich würde mich freuen, wenn ihr über die Teilnahme daran hinaus auch noch zahlreich hier eure Meinungen/Eindrücke und vor allem Anregungen als Kommentare abgeben würdet, weil Informationsbeschaffung zu Einzelwerten gerade auch für Börsenanfänger eine echte Hürde darstellt.

Mittwoch, 23. November 2016

Geldregen: Bavaria Industries verkauft Automotive-Tochter Tristone für 170 Mio. Euro

Bavaria Industries ist eine börsennotierte Industrieholding, die mittelständischen Unternehmen übernimmt, wenn man bei diesen erhebliches Optimierungspotenzial ausgemacht hat. Oftmals handelt es sich hierbei um Restrukturierungsfälle, auch im europäischen Ausland. Und eine dieser Gelegenheiten war die Tristone Flowtech Group, die Bavaria im Jahr 2010 übernahm.

Seitdem wurde das Geschäft erfolgreich restrukturiert und wieder zu Erfolgen geführt, denn bei der Übernahme setzte Tristone knapp €130 Mio. um und das bei einer mageren EBITDA-Marge von nur 2%. Heute liegt der Umsatz annähernd doppelt so hoch und wird 2016 rund €250 erreichen, während die EBITDA-Marge auf 11% gesteigert werden konnte. Von der Umsatzverdopplung bleibt also auch noch das Fünffache hängen.

Käufer von Tristone, die 2.800 Mitarbeiter beschäftigt an zehn Standorten in Europa, NAFTA, China und Indien ist die chinesische Zhongding Gruppe und die legt für die Übernahme satte €170 Mio. auf den Tisch sobald alle kartellrechtlichen Genehmigungen vorliegen.

In der Bavaria-Bilanz wird der Verkauf tiefe Spuren hinterlassen, denn Tristone war die mit Abstand größte Beteiligung der Münchner. Bavaria bilanziert sehr konservativ und weist nur die Beteiligungen auf, die auch operativ zum Konzern beitragen. Was noch nicht mindestens ein Jahr im Konzern ist oder was Verluste schreibt, taucht nicht auf, so dass im Fall einer Veräußerung einer Beteiligung ein sehr großer Einmalertrag auf die Aktionäre wartet. Und genau das wird mit dem Tristone-Deal erreicht und es lohnt ein Blick auf die Zahlen.

Einzug der Aktien aus dem Aktienrückkaufprogramm erhöht Gewinn je Aktie
Erst vor wenigen Tagen hatte Bavaria Industries erklärt, die im Rahmen des Aktienrückkaufprogramms seit 2014 erworbenen eigenen Aktien eingezogen zu haben - immerhin 4,6% des Grundkapitals. Das Grundkapital der Bavaria Industries Group AG ist nun noch eingeteilt in 5.351.294 auf den Inhaber lautende Stückaktien und damit war Bavaria vor Bekanntgabe des Deals bei €53,50 mit insgesamt €286 Mio. an der Börse kapitalisiert. Allein hieran zeigt sich schon die Bedeutung des 170-Millionen-Euro-Deals.

 Bavaria Industries (Quelle: finanzen.net) 
Ein Bewertungsversuch
Doch wichtig(er) ist natürlich, was unterm Strich als Ergebnis herauskommt. Da Bavaria in seinen Geschäftsberichten keine Angaben zum NAV einzelner Gesellschaften macht, sondern nur zum Buchwert in Gänze, stochert man diesbezüglich etwas im Nebel. Aus dem Segment Automotive, dem Tristone zuzurechnen ist, wurden in 2015 zwei Beteiligungen veräußert, so dass hier nur noch Tristone und die wesentlich kleineren Beteiligungen Carbody und Vosla aufgeführt sind. Zum Gesamtumsatz der Sparte von €177 Mio. im ersten Halbjahr 2016 trugen dabei Tristone €126 Mio., Carbody €28 Mio. und Vosla €23 Mio bei.

Aufgrund des anhaltenden Wachstums bei Tristone können wir von etwa €255 Mio. Umsatz für 2016 ausgehen und wenn wir die EBITDA-Marge von 11% berücksichtigen, führt uns das zu einem EBIDTA von rund €28 Mio. Nehmen wir weiter an, dass Bavaria seine Beteiligung mit dem Fünffachen des EBITDA in den Büchern bewertet hat(te), käme der bilanzielle Wertansatz von Tristone auf rund €140 Mio. Folglich würde Tristone bei einem Preis von €170 Mio. mit einem Aufschlag von 21% bzw. €30 Mio. über dem bisherigen Wertansatz verkauft. Bezogen auf die Anzahl der ausstehenden rund 5,35 Mio. Aktien bedeutet dies, dass alleine dieser Verkauf etwa €5,6 je Aktie zusätzlich in die Bavaria-Kassen spült.

Noch immer ein kräftiger Abschlag auf den NAV
Allerdings notierte die Bavaria-Aktie zuletzt schon mehr als 20% unterhalb ihres bisher anzusetzen NAV, worin Tristone noch mit den etwa €140 Mio. berücksichtigt war. In Konsequenz führt uns das dazu, dass wir - trotz des starken Kurssprungs heute - Bavaria-Aktien auch bei Kursen von €60 gut 25% unterhalb des fairen Werts kaufen können, den man nun auf mindestens €80 beziffern kann. Und darin sind die noch nicht die Töchter eingerechnet, die noch keine Profite erwirtschaftenden; diese finden erst Eingang in die Betrachtung, wenn sie operativ auf Kurs sind und Gewinne schreiben.

Meine Einschätzung
Bavaria dürfte eine der günstigsten Beteiligungsgesellschaften auf dem deutschen Kurszettel sein, denn ihre Bilanz enthält eine Menge an stillen Reserven, die erst bei erfolgreichen Exits zu richtig zur Geltung kommen. Die nach dem Tristone-Verkauf verbleibenden Beteiligungen machen noch immer etwa €500 Mio. Jahresumsatz und liquide Mittel inkl. der Aktienanlagen werden von Bavaria mit rund €200 Mio. angegeben. Rechnen wir nun einfach mal diese liquiden Mittel und den Verkaufserlös für Tristone zusammen, kommen wir auf €370 Mio. Bezogen auf die Anzahl der 5,35 Mio. Bavaria-Aktien ergibt sich dann ein Betrag von gut €69 je Aktie. Kauft man also heute die Aktien, bezahlt man 15% weniger als an Cash vorhanden ist. Gratis on Top erhält man das operative Geschäft mit €500 Mio. Umsatz.

Abzüge in der B-Note gibt es für die äußerst sparsame Unternehmenskommunikation, hier ist kein Vergleich zu Aurelius oder der Deutschen Beteiligungs AG, und dann für den geringen Streubesitz. Nur eine geringe Menge an Aktien sind noch auf dem freien Markt und es besteht immer wieder mal die Befürchtung, der Gründer und Chef von Bavaria könnte irgendwann einmal ein Delisting anstreben. Ernsthafte Absichten in dieser Richtung gibt es bisher allerdings nicht.

Und dann wäre da noch die Frage, was Bavaria nun mit dem vielen Geld anstellen will. Zuletzt tat man sich schwer, noch geeignete Targets für Unternehmenszukäufe zu finden und hat damit begonnen, das Cash in große, börsennotierte Aktienbeteiligungen zu stecken, allen voran Warren Buffetts Berkshire Hathaway. Das ist natürlich nicht Sinn und Zweck einer Unternehmung wie Bavaria mit Fokus auf Sanierungssituationen, aber es ist besser, als das Geld auf dem Konto liegen zu lassen, wo es kaum Erträge abwirft. Vielleicht sehen wir auch bei Bavaria bald eine Kapitalherabsetzung, um so Gelder aktionärsfreundlich (und steuerunschädlich) an die Aktionäre auszuschütten. Oder ganz klassisch könnte es auch zur Aufnahme von Dividendenzahlungen kommen. Wir werden es abwarten müssen, auf jeden Fall bleibt es spannend.

Bavaria Industries befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und auch in meinem Depot. Wer geduldig ist, ohne stetige Neuigkeiten aus dem Unternehmen klarkommt und sich auch von der Marktenge sowie immer mal wieder aufkommenden Delisting-Spekulationen nicht abschrecken lässt, für den dürfte Bavaria eine interessante Depotbeimischung sein mit der Aussicht darauf, die in der Bilanz versteckten Werte sukzessive zu heben. Der rund 25-prozentige Abschlag auf den NAV sollte dabei als Sicherheitsmarge und Kursabsicherung nach unten wirken, so dass sich ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis darbietet. Ein wahres Benjamin-Graham-Schnäppchen eben.