Montag, 29. Februar 2016

MBB: Was gibt's denn hier zu feiern?

Seit langer Zeit habe ich die Beteiligungsgesellschaft MBB auf meiner Empfehlungsliste und das Unternehmen hat sich seit 2012 prächtig entwickelt, ebenso der Aktienkurs. Seit einiger Zeit kommt aber vermehrt Gegenwind auf und das wirkt sich zunehmend aus.

Zugegeben, 2015 war ein "Übergangsjahr". Mit diesem Etikett retten sich Unternehmen über ein schlechtes Unternehmensjahr, aber bei MBB traf dies auch durchaus zu. Denn man hat stark in die eigenen Töchter investiert, vor allem in Delignit und Hanke Tissue, wo sich der Umsatz ab 2016 verdoppeln sollte. Investitionen belasten erst einmal den Cashflow und den Gewinn, aber gute Investitionen holen dies über höhere Umsätze und Gewinne wieder rein und richtig gute Investitionen bieten sogar Gewinnsteigerungen.

Und solch richtig gute Investitionen sollte es sich handeln. Eigentlich. Doch schaut man auf die heute vorgelegten Zahlen und den Ausblick, kann man hier seine Zweifel haben. Denn die mit Abstand größte Tochter, die MBB Fertigungstechnik, hat ein China-Problem und belastet damit Umsatz- und Gewinne. Die hohen Investitionen des Vorjahres sollten sich hier kompensierend auswirken und Ende 2015 vermeldete MBB auch noch den tollen Zukauf der Aumann-Gruppe, der eine höhere EBIT-Marge aufweisen sollte, als die bisherigen MBB-Töchter. Also eigentlich tolle Aussichten. Und doch...

 MBB SE (Quelle: comdirect.de) 
Für 2014 wies MBB einen Gewinn je Aktie von €2,01 aus und ursprünglich sollte 2015 in etwa auf dieser Höhe abschließen. Ein Übergangsjahr eben. Bei der letzten Konkretisierung des EPS lag man dann aber bei einer Prognose von €1,71 und wenn man heute verkündet, man habe die Prognose mit €1,78 deutlich übertroffen, dann ist das richtig. Im weiteren Sinne jedenfalls. Also Schwamm drüber, schauen wir auf 2016, das Jahr müsste richtig toll werden für MBB, denn die Investitionen bei Delignit und Hanke Tissue bringen endlich Umsätze und Gewinne und dann ist da ja noch der Millionen-Zukauf Aumann. Doch das Management peilt ein 2016er EPS von €2,00 an, eine Steigerung ggü. 2015 um 12 Prozent.

Das klingt erstmal erfolgversprechend, wenn da nicht... genau, da war ja mal die Planung, dieses EPS hätte bereits in 2015 erreicht werden sollen. Und nun plant MBB nur, den Gewinn des Jahres 2014 zu wiederholen. Nachdem so viel investiert wurde, nachdem man den ersten großen Zukauf seit der genialen Übernahme der Claas Fertigungstechnik gestemmt hat. Auch wenn man weiß, dass MBB gerne zurückhaltend plant, ist dieser Ausblick für mich enttäuschend. Vermutlich ist er ehrlich, aber eben auch kein großer Wurf. Da scheint bei MBB einiges nicht rund zu laufen und wenn ich einiges meine, dann bedeutet dies vor allem die MBB Fertigungstechnik, den Automobilzulieferer, der stark nach China expandiert. An der vergleichsweise kleinen Delignit liegt es jedenfalls nicht, die hat für 2015 tolle Zahlen gemeldet, den Umsatz um 3,9 und das EPS um 7,4 Prozent gesteigert. Die Dividende soll unveränderte €0,03 je Aktie betragen.

Fazit
Ich kann nicht nachvollziehen, weshalb die MBB-Zahlen und der Ausblick so überschwänglich gelobt werden. Ich finde sie eher mager. Da ich allerdings vom MBB-Management sowie vom Unternehmen langfristig weiter überzeugt bin, bleibt MBB als Halteposition auf meiner Empfehlungsliste, MBB muss aber schleunigst wieder mehr PS auf die Straße bringen, um dem Aktienkurs neue Argumente für neue Höhen liefern zu können. Die auf €0,59 angehobene Dividende ist zwar eine nette Geste, aber mich stört, dass MBB einen erheblichen Teil seiner liquiden Mittel in Gold hält. Und wie wenig ich von Gold, dieser glanzlosen Kapitalvernichtung halte, wisst ihr ja...

Publity - noch so eine Immobilienfirma. Oder doch viel mehr?

Die seit April 2015 im Entry Standard börsennotierte Publity ist ein Finanzinvestor für Gewerbeimmobilien und überwiegend in deutschen Ballungszentren wie Frankfurt am Main oder München aktiv. Anders als Bestandshalter- und entwickler WCM übernehmen die Leipziger Immobilien aus der Hand der Gläubiger, also zumeist Banken, wenn ihr Eigentümer in finanzielle Schieflage geraten ist und das nicht (mehr) in Eigenregie, sondern für große amerikanische Hedge-Fonds. Publity selbst beteiligt sich jeweils mit etwa 3% der Kaufsumme.

Obwohl ich ja seit Jahren skeptisch bzgl. des weiteren Potenzials bei deutschen Wohnimmobilien bin, sehe ich im Bereich der Gewerbeimmobilien noch einigen Nachholbedarf. Und gerade bei Publity finden Anleger eine Konstellation, die ein Investment zum jetzigen Zeitpunkt wie eine Art "No-Brainer" aussehen lässt. Doch gerade dann sollte man umso genauer hinsehen.


"Der einzige Weg Risiken zu minimieren, ist Denken."


Publity ist kein klassisches Immobilienunternehmen, das Liegenschaften mit eigenem Geld erwirbt und diesen Bestand dann weiterentwickelt. Publity ist ein Dienstleister für andere, genauer gesagt für Finanzinvestoren. 2014 begann es mit einer ersten Einlage eines Finanzinvestors und mit diesen €300 Mio. begab sich Publity auf die Suche nach Anlageobjekten. Dabei übernimmt Publity notleidende Kredite von den Banken und verwertet die als Sicherheiten hinterlegten Immobilien. Es gibt angenehmere Geschäftsmodelle, das steht mal fest, aber es ist ziemlich lukrativ.

Das Geschäftsmodell
Publity sucht und kauft für die Investoren, entwickelt die Immobilien und verkauft diese anschließend mit möglichst hohem Gewinn weiter. Das Besondere ist, dass Publity an der gesamten Wertschöpfungskette verdient. Man erhält eine Provision beim Ankauf, eine als Finders Fee oder Finderlohn bezeichnete Zahlung von 1 Prozent der Kaufsumme, und danach fließt für die Verwaltung der Objekte eine weitere Provision in Höhe von 0,5 Prozent pro Jahr. Wird dann beim Verkauf ein Plus von mindestens im niedrigen zweistelligen Bereich erzielt, erhält Publity eine weitere Erfolgsprovision von 0,5 Prozent oben drauf.

Doch der Clou ist, dass die Finanzinvestoren verlangen, dass Publity sich auch mit eigenem Geld an den Objekten beteiligt. Bis zu 3 Prozent steuert also Publity bei jedem Deal bei und trägt so auch einen Teil des Risikos, sollte der Deal sich nicht positiv entwickeln. Andererseits ist man jedoch auch bei Verkaufsgewinnen mit an Bord und verdient selbst an der eigenen Leistung nochmals mit.

Woher kommt der Erfolg?
Publity verkauft die Immobilien im Schnitt nach 16 Monaten weiter und bei den bisher gehandelten rund 500 Immobilien machte man einen durchschnittlichen Gewinn von 27 Prozent. Diese Wertsteigerungen liegen ja nicht alleine im boomenden Marktumfeld begründet, sondern der Gewinn liegt auch hier im Einkauf. Nur wer sehr günstig einkauft, kann solche Renditen in so kurzer Zeit einfahren.

1999 startete man als Online-Emissionshaus von vier Landesbanken und einer Privatbank und hier liegt der Grundstein des Erfolgs: die persönlichen Kontakte. Denn Publity kauft seine Immobilien nicht am freien Markt, sondern von den Banken. Und es geht ausschließlich um Gewerbeimmobilien. Anders als bei Wohnimmobilien haben diese ihre Höchststände von vor der Finanzkrise noch nicht wieder erreicht, hier gibt es noch einen Abschlag von etwa 30 Prozent. Und genau dieser macht es den Banken so schwer und treibt sie auf die Verkäuferseite. Denn bei der damaligen Finanzierung der Liegenschaften wurden diese ja als Sicherheiten eingebracht. Und diese Sicherheiten haben nun einen um 30 Prozent verringerten Wert und so drohen bei Kreditverlängerungen Zahlungsausfälle für die Bank. Denn sie darf nun nur noch entsprechend weniger Geld als Kredit vergeben und gleichzeitig haben die stark verschärften Regulierungen, wie Basel III, dazu geführt, dass dieses Geld auch noch mit viel mehr Eigenkapital hinterlegt werden muss und damit deutlich teurer ist für die Bank als früher. Notleidende Kredite sogar nicht mit den üblichen 33 Prozent, sondern zu 100 Prozent - Kapital, dass dann für neue Kredite an anderer Stelle schlicht fehlt und für die Bank hohe Kosten verursacht.

Die Lösung für die Banken besteht nun darin, die Verlustbringer schnell aus den Büchern zu bekommen. Da sich alle Beteiligten des Problems vollauf bewusst sind und bei Publity ja viele ehemalige Banker sitzen, die die Gegebenheiten genaustens kennen, kann Publity beim Kauf oftmals zwischen 20 und 25 Prozent günstiger einkaufen als in früheren Zeiten.

Gewinnhebel sorgt für Gewinnexplosion
Aktuell surft Publity auf einer Welle des Erfolgs. Denn da man so erfolgreich Immobilien akquiriert, wird man mit Geld seitens der Finanzinvestoren geradezu überschüttet. 2014 startete man mit einem Immobilienbestand von €200 Mio. und kaufte für €300 Mio. zu. In 2015 investierte man dann weitere €1,1 Mrd. und konnte das Portfolio auf €1,6 Mrd. glatt verdreifachen. Ende 2017 sollen es bereits €5 Mrd. sein.

Und wir erinnern uns, Publity erhält Provisionen beim Ankauf, dann für die Verwaltung und Entwicklung und ggf. noch beim Verkauf inkl. des Gewinns auf die eigene Minderheitsbeteiligung von bis zu 3 Prozent. Ein von €300 Mio. auf  €1,6 Mrd. gesteigertes Immobilienportfolio (Assets under Management) lässt also den Gewinn geradezu explodieren! Nach vorläufigen Zahlen für das Jahr 2015 stieg der Gewinn von €2,8 Mio. auf €13 Mio. und vor Zinsen und Steuern meldet das Immobilienunternehmen einen Gewinn von €20,7 Mio. nach zuvor €4,7 Mio. Der Umsatz wurde von €10 Mio. auf €22,9 Mio. gesteigert.

 Publity (Quelle: comdirect.de) 
Bei diesen beeindruckenden Zahlen gibt es noch etwas zu bedenken, dass mich zu der Aussage brachte, dass es sich bei dem Investment in Publity um einen sog. "No-Brainer" handelt, also ein glasklares Gewinninvestment. Viele der Immobiliendeals werden erst gegen Ende des Jahres abgeschlossen und der eigentumsrechtliche und wirtschaftliche Übergang erfolgt erst nach der Eintragung ins Grundbuch, also bisweilen Wochen oder Monate später. Wie bereits beim Jahresübergang 2014/2015 so wird auch jetzt wieder ein ganz erheblicher Teil der Ankaufsprovisionen für die bereits erfolgten Zukäufe erst Anfang 2016 fließen und ist damit noch gar nicht in den herausragenden Zahlen für 2015 enthalten. Sondern diese Einnahmen werden erst in 2016 verbucht und sorgen in diesem Jahr bereits heute für einen signifikanten Umsatz und Gewinnsprung. Man weiß dies also bereits heute, aber der Aktienkurs hat diese Erkenntnis noch nicht wirklich eingepreist. Denn treffen meine Annahmen wie erwartet ein, dann erzielt Publity 2016 einen Gewinn je Aktie zwischen €5,00 und €5,25 - und würde somit aktuell zu einem 2016er KGV von knapp 7 notieren. Dabei werden in 2016 auch die Verwaltungsgebühren von 0,5 Prozent nicht mehr auf einen Bestand von €300 Mio. sondern von €1,6 Mrd. berechnet. Und ein weiteres Schmankerl gibt es noch oben drauf: da auch die Käufer der verwerteten Immobilien von Publity oftmals ausländische Finanzinvestoren oder Fonds sind, gelingt es Publity in vielen Fällen, bei diesen nach dem Weiterverkauf als Verwalter an Bord zu bleiben. Also trotz des Verkaufs der Immobilien und Ausbuchung aus dem Bestand fließen dann auch künftig die 0,5 Prozent Verwaltergebühr weiter - und sorgen für einen stetig steigenden Cashflow.

5 Prozent Dividende am 15. März
Publity möchte seinen Aktionären regelmäßig rund 90 Prozent der Gewinne als Dividende ausschütten, eine Quote wie bei einem REIT. Für das Geschäftsjahr 2015 werden also €2,00 ausgekehrt und zwar am Tag nach der Hauptversammlung, die am 14. März stattfindet.

Wie lange geht das noch gut?
Kurzfristige Erfolge sind die eine Seite, für ein langfristiges Investment in das Unternehmen muss man sich natürlich die Frage stellen, wie nachhaltig das Ganze ist. Denn wo immer viel Geld zu machen ist, finden sich schnell Nachahmer. Und so natürlich auch in diesem Geschäftsfeld. Während Publity im Jahr 2014 noch etwa jede sechste Immobilie erwerben konnte, auf die man Angebote abgegeben hatte, gelang die 2015 bereits nur noch bei jeder dreizehnten Liegenschaft. Von 400 Angeboten kam man so bei 30 zum Zug. Seit Oktober 2015 bis heute gab Publity bereits unverbindliche Angebote für 780 Objekte ab und rechnet mit einem Zuschlag bei jeder achtzehnten bis zwanzigsten Immobilie. Momentan verhandelt man exklusiv über ein Volumen von rund €700 Mio. und möchte in 2016 insgesamt 50 Immobilien für rund €1,4 bis €1,7 Mrd. erwerben.

Dies gelingt natürlich nur mit entsprechender Man-Power und hochautomatisierten Prozessen und einem Team eingespielter Dienstleister. Hier müssten Mitbewerber zunächst kräftig aufrüsten, um mit Publity Schritt halten zu können. Hier hat Publity also die besten Kontakte, ein eingespieltes Team mit schlanken Prozessen und jeder Menge Erfahrung. Kurz gesagt: zur Zeit hat man einen starken Wettbewerbsvorteil, der auch nicht ohne Weiteres aufzuholen ist von den Mitbewerbern.

Braucht Publity zusätzliches Kapital?
Publity erzielt hohe Einnahmen aus Provisionen und Verkaufsgewinnen, allerdings schüttet das Unternehmen diese größtenteils an die Aktionäre aus. Da man selbst mit rund 3 Prozent bei jedem Kauf mit im Boot ist, bedeutet ein stark wachsendes Portfolio auch einen stark steigenden eigenen Investitionsbedarf. Nach Aussage von Vorstand und Mehrheitsaktionär Thomas Olek ist für 2016 kein zusätzlicher Kapitalbedarf in Sicht, für das noch größere Volumen in 2017 könnte jedoch der Kapitalmarkt eine Option sein, um die aktuell im Unternehmen befindlichen rund €20 Mio. Cash aufzupolstern. Allerdings dürfte auch eine Kapitalerhöhung den Kurs nicht allzu sehr verschrecken, wenn weiterhin solche Zuwachsraten und Margen im Geschäft erzielt werden.

Fazit
Die Verwertung von notleidenden Krediten ist moralisch nicht das schönste Business, ansonsten scheint Publity mit seinem Geschäftsmodell auf eine Goldmine gestoßen zu sein, die noch einige Jahre ergiebige und steigende Cashflows erzeugen dürfte. Das Wachstum ist beeindruckend, die Bewertung ist moderat und der Gewinnsprung für 2016 bereits heute zu einem nicht unerheblichen Teil verdient. Die nächsten Zahlen werden hier vielen Anlegern die Augen öffnen. Ich habe jedenfalls Publity auf meine Empfehlungsliste genommen und als mittelgroße Position mit knapp 7,5 Prozent Anteil in mein Depot.

Börsenweisheit der Woche 09/2016

"Kaufe keine Aktien, beteilige dich an einem Unternehmen. Spekuliere nicht, investiere!"
(Warren Buffett)

Sonntag, 28. Februar 2016

Investor-Update: Genworth Financial, Publity, Wirecard

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Börsen weiter im Erholungsmodus
Trotz weiterhin starker Schwankungen der Börsenkurse steigen die Aktienmärkte weiter an. Die ganz große Panik ist ausgeblieben und dass die Börsen nicht mehr ausschließlich auf jedes negative Detail starren, führt dazu, dass viele Leute, die auf hohen Cash-Reserven sitzen, zunehmend nervös werden und zu nun höheren Kursen in den Markt zurückdrängen. Alternativen zu Aktien finden sich nach wie vor nicht und so streben die Kurse wieder gen Norden. Auch wenn die Risiken ja nicht verschwunden sind, sie werden nur halt nicht mehr ganz so einseitig man Markt übergewichtet.

 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Fear-and-Greed-Index wechselt die Seiten
Das zeigt sich auch Angst-und-Gier-Index, der inzwischen den neutralen Bereich verlassen hat und nun bereits leicht gierig erscheint. Mit 57 von 100 Indexpunkten ist aber alles im grünen Bereich und wir sollten nicht vergessen, dass er vor zwei Wochen noch bei 21 Punkten notierte und extreme Angst signalisierte. Es ist also nicht alles gut, aber auch nicht alles schlecht in Börsenland. Und bis zu den Börsenständen vom Jahresanfang haben Dax und Dow ja noch einiges aufzuholen, sie liegen auch nach der kleinen Erholungsrallye noch satt im Minus. Wie übrigens auch mein Depot, das in diesem Jahr bisher bei minus 5,5% notiert (es lag allerdings schon zweistellig im Minus), was meiner hohen Gewichtung des Finanzsektors geschuldet ist, der ja mit den Rohstoffwerten gemeinsam zu den abgestraftesten Sparten gehört. Hier schlummert allerdings auch mit das größte Erholungspotenzial, zumindest wenn man auf die richtigen Werte setzt. Und das habe ich vor...


+ Genwort Financial Inc.
Genworth Financial (NYSE: GNW) ist eine US-amerikanische Versicherungsgesellschaft und ich weise seit Jahren auf die verzwickte Lage der Versicherungen hin, die einerseits wegen der Niedrigzinsen kaum noch Erträge erwirtschaften, andererseits aber hohe Garantien an ihre Kunden leisten müssen, insbesondere aus Altverträgen bei der Lebensversicherung. Im August 2013 warnte ich "Niedrigzinsniveau gefährdet Lebensversicherer", im Dezember 2014 "Versicherungsaktien: Renditen runter, Risiko rauf" und im Juni 2015 warf ich die Frage auf "Droht Lebensversicherern schon bald die Pleite?". Und das zunehmend kritischer werdende Umfeld bestätigt mich in meinen Befürchtungen zusehends.

Über Genworth Financial bin ich gestolpert, als ich mich im Bereich der BDCs (Business Development Companies) umgesehen habe. Es lag am Namen und als ich sah, dass es sich um eine Versicherung handelte, wollte ich schon weiterziehen, doch der Chart sah dermaßen mitgenommen aus, dass ich einen längeren Blick riskiert habe. Und je mehr ich gelesen habe, desto schlimmer wurde es. Und umso interessanter...

Der Kurs ist vom Hoch bei $37 im Jahr 2007 auf knapp $1,60 eingebrochen und lag nur zur Zeit der Finanzkrise, als man um die Existenz des Unternehmens fürchten musste, mit $0,80 noch niedriger. 2014 stand man wieder bei $18, seitdem gab es mehrere Wellen nach unten und für den Kursverfall gibt es einige Gründe. Für eine Erholung allerdings auch und daher habe ich mich am Montag zu €1,72 eingedeckt.

Die ausführliche Erklärung ist mir einen eigenen Artikel wert, an dem ich gerade arbeite.

+ Publity
Die seit April 2015 im Entry Standard börsennotierte Publity ist ein Finanzinvestor für Gewerbeimmobilien und überwiegend in deutschen Ballungszentren wie Frankfurt am Main oder München aktiv. Anders als Bestandshalter- und entwickler WCM übernehmen die Leipziger Immobilien aus der Hand der Gläubiger, also zumeist Banken, wenn ihr Eigentümer in finanzielle Schieflage geraten ist und das nicht (mehr) in Eigenregie, sondern für große amerikanische Hedge-Fonds. Publity selbst beteiligt sich jeweils mit etwa 3% der Kaufsumme.

Obwohl ich ja seit Jahren skeptisch bzgl. des weiteren Potenzials bei deutschen Wohnimmobilien bin, sehe ich im Bereich der Gewerbeimmobilien noch einigen Nachholbedarf. Und gerade bei Publity finden Anleger eine Konstellation, die ein Investment zum jetzigen Zeitpunkt wie eine Art "No-Brainer" aussehen lässt. Was mich dazu veranlasst hat, am Mittwoch zu durchschnittlich €36,93 gleich eine doppelt so große Anfangsinvestition zu tätigen, wie ich es normalerweise tue.

Und dabei lockte mich nicht nur die hohe Dividende von €2,00, die bereits am 15. März ausgeschüttet wird und beim aktuellen Börsenkurs von €39 immerhin knapp 5% ausmacht, sondern vor allem die hohen Steigerungsraten bei Umsatz, AUM (Assets under Management) und Gewinn. Vor allem ist absehbar, dass der Gewinn 2016 nochmals explodieren wird, denn Publity hat aufgrund bereits in 2015 abgeschlossener Deals in diesem Jahr schon hohe Fees (Provisionen) zu erwarten.

Publity dürfte damit in seiner Art und Konstellation einmalig sein auf dem deutschen Kurszettel und ich werde auch hierzu einen ausführlichen Bericht verfassen, der meine Einstiegsgründe detaillierter darlegt.

+/- Wirecard
Das MDAX TecDAX-Unternehmen Wirecard ist ein weltweit agierender Anbieter elektronischer Zahlungs- und Risikomanagementlösungen und verfügt über eine Vollbanklizenz. Anders als z.B. PayPal wendet sich Wirecard allerdings an Banken und Geschäftskunden, nicht an Konsumenten direkt. Man hilft seinen 20.000 Kunden bei der Automatisierung ihrer Zahlungsprozesse und der Minimierung von Forderungsausfällen. Die Wirecard Bank AG bietet Konten- und Kreditkarten-Dienstleistungen sowohl für Geschäfts- als auch Privatkunden und ist Principal Member von VISA, MasterCard und JCB und als Kreditkarten-Acquirer weltweit aktiv. Der Internetbezahldienst Wirecard ermöglicht Konsumenten sicheres Bezahlen bei Millionen von MasterCard Akzeptanzstellen. Zusätzlich können registrierte Nutzer in Echtzeit untereinander Geld versenden oder empfangen. Darüber hinaus bietet die Wirecard-Gruppe über die eigene Bank Lösungen in den Bereichen Corporate Banking, Prepaid- bzw. Co-branded-Karten- sowie Konten-Produkte; sowohl für Geschäfts- als auch für Privatkunden.

Schaut man auf den langfristigen Chartverlauf, so scheint der Kurs nur eine Richtung zu kennen: nach oben. In den letzten 10 Jahren hat sich der Aktienkurs mehr als verdreißigfacht, also um mehr als 3.000 Prozent zugelegt. Dabei gibt es immer wieder einmal stärkere Einbrüche, die sich bisher immer als echte Kaufgelegenheiten erwiesen haben, auch wenn das Wachstumsunternehmen Wirecard dabei immer vergleichsweise hoch bewertet war, deutlich zweistellige KGVs sind Standard.

Einige dieser Einbrüche sind gezielt herbeigeführt worden. "Im Sommer 2008 hatte die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) und ihr damaliger Vizechef Markus Straub Wirecard falsche beziehungsweise irreführende Bilanzierung vorgeworfen. Später wurde bekannt, dass Mitglieder der SdK auf fallende Kurse bei WireCard gewettet hatten. Am 6. April 2010 ist der nächste Angriff auf WireCard gestartet worden: Aufgrund einer Meldung des Nachrichtendienstes „Goldman, Morgenstern & Partners“ (GoMoPa) brach das Papier ein", berichtet boersengefluester.de. Und nun ist es wieder passiert, ein bis dahin nicht bekannten "Analysehauses" namens "Zattara Research and Investigations" hat diese alten Vorwürfe zu einer neuen "Studie" zusammengefasst und daraus Wirecard eine Verstrickung in Geldwäsche, Betrug und weitere unseriöse Praktiken unterstellt und die Schlussfolgerung gezogen, die Aufsichtsbehörden der EU und der USA würden hier aktiv werden und Wirecard die Lizenzen entziehen. Kurzerhand positionierte man ein Kursziel von Null Euro.

Der Aktienkurs bracht dramatisch ein und rauschte von über €40 auf unter €32 ab, innerhalb weniger Stunden. Dabei gab es keine neuen Vorwürfe, die alten haben bisher zu keinen Sanktionen seitens der Behörden oder der Vertragspartner wie VISA oder Mastercard geführt. Und die "Studie" selbst wirft einige Fragen auf. Sie benennt keinen Verfasser, ihre Internetseite hat kein Impressum, sie wird bei einem Anbieter gehostet, der "Anonymität garantiert" und wurde nur wenige Tage vor der Attacke überhaupt registriert. Und auch innerhalb der "Studie" gibt es Hinweise auf Unseriosität, denn man schreibt am Anfang: "Indem Sie diese Studie herunterladen, stimmen Sie ausdrücklich dem Disclaimer zu, inklusive der Risiken von Finanzverlusten, Betrug und Falschdarstellung“ und einige Absätze weiter steht, dass Anleger davon ausgehen sollten, dass Zatarra Research Positionen eingegangen sei, wie über Aktien oder andere Finanzprodukte, die von der Bewegung der Aktie profitieren würden.

Somit liegt auf der Hand, dass die "Studie" nicht dem Anlegerschutz dienen sollte, sondern eine gezielte Short-Attacke darstellt, bei der die Verfasser und/oder ihre Auftraggeber an fallenden Aktienkursen bei Wirecard verdienen wollen. "Qui bono?" ist eine latenische juristische Fragestellung, wer profitiert? Würde es nun nur einen Shortseller bei Wirecard geben, würden die inzwischen involvierten Finanzaufsichtsbehörden, wie die BaFin, schnell Verdächtige haben. Aber bei Wirecard gibt es eine ganze Reihe von (amerikanischen) Leerverkäufern (hier ein sehr lesenswerter Artikel der ARD Börse zum Thema Leerverkäufer). Insgesamt betragen die Netto-Leerverkaufspositionen bei Wirecard 10,17% aller Aktien. Diese Umstände dürften es schwierig machen, die Verantwortlichen zu finden und zu überführen. Auffallend ist allerdings, dass es in den Tagen vor der Short-Attacke einen heftigen Preisanstieg bei der Provisionen für Leerverkaufspositionen bei Wirecard-Aktien gab. Was darauf hindeutet, dass hier einige bereits wussten, dass "etwas" im Busch ist. Börse Online hat in mehreren Artikeln vieles zu dieser Short-Attacke auf Wirecard zusammengefasst, eine gute Übersicht findet sich hier.

Für mich stellte sich als Investor nun die Frage, ob dieser Kursabsturz eine Kaufgelegenheit ist. Die starke Verschachtelung der Strukturen bei Wirecard lassen selbst Experten verzweifeln, die Testate der Wirtschaftsprüfer sind also keine "Persilscheine". Die Vorwürfe sind nicht neu und die Art und Weise sowie die Begleitumstände deuten auf eine gezielte Attacke hin, um an einem Kursabsturz kräftig zu verdienen. Auf der anderen Seite steht ein Unternehmen, das €4,5 Mrd. an Börsenkapitalisierung aufzuweisen hatte, das seit vielen Jahren am Markt tätig ist und über eine Vollbanklizenz verfügt. Es ist also kein windiges Startup, sondern unterliegt regelmäßigen besonderen Prüfungen in vielen, wenn nicht gar allen, seiner Geschäftsbereiche. Und die Summe dieser Faktoren führte mich dazu, in dem gezielt herbeigeführten Kursabsturz von fast 30 Prozent eine Kaufgelegenheit zu sehen.

Ich habe daher zugegriffen und zu durchschnittlich €34,17 eine Position aufgebaut. Da ich davon ausging, dass die Vorwürfe haltlos sind und sich diese Erkenntnis relativ schnell durchsetzen und daher der Kurs einen kräftigen Rebound hinlegen würde, habe ich deutlich mehr Aktien gekauft, als eigentlich bei meinen Erst-Positionen üblich. Immerhin war Wircard so, als der Kurs dann wieder um rund 10 Prozent hochschnellte, kurzfristig meine viertgrößte Position im Depot. Und ich habe die Hälfte dieser Position auch inzwischen zu etwa €38 wieder glattgestellt und die knapp zweistelligen Kursgewinne innerhalb eines Tages eingefahren, so dass ich jetzt noch eine mittelgroße Depotposition in Wirecard halt mit rund 5% Depotanteil. Diese scheint mir unter Chance-Risiko-Aspekten vertretbar.

Auf meine Empfehlungsliste nehme ich Wirecard allerdings nicht, denn es handelt sich nicht um ein Value Investment. Und ob sich der Rauch um diese Short-Attacke wieder legt, bleibt abzuwarten. Die Shortseller haben jedenfalls ihre Leerverkaufspositionen nicht etwa geschlossen, sondern vielmehr noch ausgebaut. Man muss auch in Zukunft mit dieser Ungewissheit leben, wenn man Wirecard in sein Depot nimmt. Andererseits haben eine ganze Reihe von Analystenhäusern ihre positiven Einschätzungen zu Wirecard bekräftigt oder sogar angehoben, denn erst kürzlich hatte Wirecard für 2015 wieder beeindruckende Zahlen vorgelegt mit deutlich zweistelligen Zuwächsen bei Umsatz und Gewinnen. Die Kursziele liegen jenseits der 40 Euro und gehen sogar bis 55 Euro - bei einem aktuellen Börsenkurs von €36,50.


.: Cashquote
Die Käufe haben Geld gekostet, doch der Zwischengewinn bei Wirecard dank des Teilverkaufs hat dafür gesorgt, dass meine Cashquote nicht allzu sehr abgebaut wurde. Sie liegt nun bei rund 15 Prozent, auch dank der Dividendeneingänge von Blackstone, Main Street Capital und Starbucks. Und Am Dienstag trudelt bereits die nächste Zahlung von Gladstone ein, dieses Investment läuft bisher ganz famos. Die Börsen dürften weiterhin stark schwanken und ich bleibe wachsam für interessante Gelegenheiten.

Donnerstag, 25. Februar 2016

Triangle Capital toppt Ergebnisprognosen, enttäuscht aber bei der Dividende

Die Business Development Company (BDC) Triangle Capital Corp. (NYSE: TCAP) legte gestern Abend nachbörslich Zahlen für das abgelaufene vierte Quartal vor und konnte die Erwartungen an das Zahlenwerk übertreffen - und enttäuschte doch auf einem anderen Gebiet.

Das Nettoergebnis (Net Investment Income) betrug $19.2 Mio. bzw. $0.58 je Aktie gegenüber $18.5 Mio. und $0.56 im dritten Quartal. Damit toppte man die Erwartungen um $0,02 je Aktie. Für das Gesamtjahr weist TCAP ein um 3,7% erhöhtes Nettoergebnis von $31,8 Mio. aus bzw. $2.16 je Aktie. Damit wurde über die Dividenden das komplette Nettoergebnis an die Aktionäre ausgekehrt.

Der Buchwert je Aktie sank im Quartalsvergleich leicht von $15,48 auf $15,23, was u.a. an dem vergleichsweise geringen Engagement im US-Öl- und Gasbereich liegt.

 Triangle Capital Corp. (Quelle: comdirect.de)
De facto eine Dividendenkürzung
Einen Wermutstropfen müssen Anleger dennoch schlucken: denn auch wenn die Quartalsdividende konstant bei $0,54 gehalten wird, handelt es sich de facto dennoch um eine Dividendenkürzung. Denn über längere Zeit hinweg schüttete TCAP zusätzlich zu dieser regulären Dividende einen Bonus von $0,05 je Aktie aus. Diesen hat man nun gestrichen, da die Einnahmen nicht mehr ausreichen für eine Sonderzahlung. Anleger sollten also davon ausgehen, dass TCAP auf absehbare Zeit erst einmal nur die $0,54 auskehren wird; sollten sich höhere Ergebnisse erzielen lassen, könnte es zu zwischenzeitlichen Sonderausschüttungen kommen, wie das Unternehmen dies früher bereits praktiziert hat. Aber rechnen sollte man angesichts der angespannten Börsen- und Zinslage hiermit nicht unbedingt.

Auf Basis eines Aktienkurses von €16,00 ergäbe sich allerdings noch immer eine attraktive annualisierte Dividendenrendite von 12,3%. Die Ausschüttung erfolgt am 23. März und der Dividendenabschlag ereilt die Aktie am 7. März. Wer in ihren Genuss kommen möchte, sollte also spätestens zum Börsenschluss des 6. Märzes TCAP-Aktien in seinem Depot haben.

TCAP befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Die Deutsche Telekom zeigt Stärke mit guten Zahlen und Dividendensprung

Die Deutsche Telekom ist Europas Marktführer in Sachen Telekommunikation und auch in den USA spielt man dank der Tochter T-Mobile US wieder sehr erfolgreich mit. Denn dieses Sorgenkind einstiger Tage hat sich zu einer echten Perle entwickelt - dank des umtriebigen Chefs John Legere und seiner frechen, innovativen Strategie, mit der den beiden Platzhirschen AT&T und Verizon immer mehr Kunden abjagt.

Auch in Europa mischt die Telekom kräftig mit und ist inzwischen größter Aktionär der BT Group, der ehemaligen British Telecom. Darüber hinaus ist man der Partner von Microsoft in Sachen "Deutsche Cloud" und bietet ab Mitte 2016 deutschen Kunden so die Möglichkeit, dass ihre Daten in Deutschland bleiben und nicht auf US-Servern landen. Die Microsoft-Dienste Azure, Office 365 und CRM Online werden künftig aus zwei deutschen Rechenzentren angeboten und die Telekom-Tochter T-Systems wird dabei als Treuhänder den Zugang überwachen. Ein interessantes Konstrukt für viele deutsche Unternehmen, die sich um die Sicherheit ihrer Daten Sorgen machen.

Heute hat nun die Telekom ihre Zahlen präsentiert und die können sich sehen lassen, denn auch dank des starken Dollars und der Stärke der US-Tochter, die ihren Jahresgewinn annähernd verdreifacht und die Zahl der Mobilfunkkunden auf 64 Mio. gesteigert hatte, legte man bei Umsatz und Gewinn prozentual zweistellig zu. Die Erlöse stiegen um 10,5% auf €69,2 Mrd., während der Zuwachs ohne Wechselkurseinflüsse sowie Zu- und Verkäufe 3% betragen hätte. Das EBITDA, also der um Sondereffekte bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen, stieg um 13,3% auf €19,91 Mrd und der Nettogewinn wuchs um 11,3% auf €3,25 Mrd. Bereinigt um Sondereffekte hätte der Gewinn allerdings um fast 70% zugelegt.

 Deutsche Telekom (Quelle: comdirect.de) 
Dividende wird um 10% erhöht
Nachdem in früheren Jahren die hohe Dividendenrendite fast der einzige Grund war, sich die Aktien der Telekom ins Depot zu legen, waren diese dann jahrelang aus der Substanz ausgeschüttet worden, weil der Konzern nicht einmal mehr diese Ausschüttung verdient hatte. Eine drastische Dividendenreduzierung war die Folge. Mitte 2014 gelang dann langsam operative die Wende und der Deutsche Telekom gelang eine Renaissance. Die erstarkende US-Tochter und die Fokussierung in Europa auf die Kernkompetenzen sowie in Deutschland das Vorantreiber von Glasfaserkabelausbau und Vectoring zeigen nun zunehmend Erfolge. Konsequent sollen nun auch die Aktionäre wieder am Erfolg stärker beteiligt werden und so wird die Dividende um 10% auf €0,55 (bisher €0,50) angehoben.

Die Deutsche Telekom befindet sich als langfristig interessanter Infrastrukturwert mit hoher Substanz auf meiner Empfehlungsliste.

Mittwoch, 24. Februar 2016

Dividendensprünge: Aareal Bank will ihre Anleger reichlich verwöhnen

Der deutsche Immobilienfinanzierer Aareal Bank hat heute seine mittelfristige Dividendenpolitik konkretisiert und diese dürfte Anlegerherzen höher schlagen lassen. So sollen für die Geschäftsjahre ab 2016 eine Basisdividende von weiterhin circa 50% des Ergebnisses je Stammaktie (EPS) ausgeschüttet werden und ergänzend für die Geschäftsjahre 2016 bis 2018 noch Zusatzdividende, ansteigend von 10% auf 20 bis 30% des EPS. Für das Geschäftsjahr 2016 wird daher eine Dividende von insgesamt rund 60% und für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 jeweils eine Dividende in Höhe von insgesamt rund 70-80% des EPS angestrebt.

Entsprechend der bisherigen Dividendenpolitik werden Vorstand und Aufsichtsrat der Hauptversammlung am 25. Mai 2016 die Ausschüttung einer Dividende für das Geschäftsjahr 2015 in Höhe von €1,65 je Aktie vorschlagen. Bezogen auf den aktuellen Aktienkurs von €25,00 ergäbe sich somit eine Dividendenrendite von gut 6,5%.

>>> Zur Meldung

Main Street Capital zahlt weiterhin 0,18 Dollar Monatsdividende je Aktie

Die Business Development Company (BDC) Main Street Capital Corp. (NYSE: MAIN) hat heute ihre Dividendenausschüttungen für die nächsten drei Monate bekanntgegeben. Danach wird es auch für März, April und Mai konstante Monatsausschüttungen von $0,18 geben, was zu einer annualisierten Dividendenrendite von knapp 8% führt. Allerdings gab es zuletzt im Juni und Dezember stets eine Sonderdividende in Höhe von $0,275, so dass inkl. dieser Zahlungen die Dividendenrendite sogar 9,85% betrüge.

Ausgeschüttet werden die Dividenden an folgenden Tagen:

15.04. / Ex-Dividendentag ist der 17.03.
16.05. / Ex-Dividendentag ist der 19.04.
15.06. / Ex-Dividendentag ist der 18.05.

Darüber hinaus kündigte das Management an, es wolle dem Board auch für dieses Jahr wieder vorschlagen, erneut zwei halbjährliche Sonderdividenden in Höhe von $0,25 bis $0,30 auszuschütten.



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Ergänzung vom 26.02.2016, 22:35

Main Street Capital gab soeben nach US-Börsenschluss seine Zahlen für das 4. Quartal 2015 bekannt. Das ausschüttungsfähige Nettoergebnis (Net Investment Income oder NII)lag in Q4 bei $30,2 Mio. oder $0,60 je Aktie gegenüber $29,5 Mio. und $0,59 in Q3. Damit wurden die Erwartungen um $0,03 übertroffen. Das gesamte auf das Jahr gerechnete Ergebnis lag mit $43,49 Mio. um 12,2% über dem Vorjahreswert, verfehlte die Erwartungen allerdings um $0,93 Mio.

Der Net Asset Value (NAV) betrug zum 31.12.2015 je Aktie $21,24 gegenüber $21,79 per 30.09. Die Aktie schloss bei $28,12. Die Aktie notiert weiterhin mit einem signifikanten Aufschlag auf den NAV, was der hohen Qualität der Assets und der immer soliden Ergebnisse geschuldet ist, die MAIN für seine Aktionäre abliefert.

Main Street Capital befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot und ich erfreue mich der hohen monatlichen Dividendeneingänge.

Andere Ansichten: Gold macht dich arm

Christian Thiel hat sich in seinem Blog "Großmutters Sparstrumpf" der Frage angenommen, was hinter dem Mythos des Goldes als Krisenwährung und Inflationsabsicherung steckt und er kommt zu dem Schluss, das Gold arm macht.

Um zu diesem Schluss zu gelangen, hat er die Entwicklung des Goldpreises einer Reihe von Prüfungen und Vergleichen unterzogen, wie z.B. mit dem breiten S&P 500- Index. Während Gold in den vergangenen 100 Jahren um 5.700 Prozent gelegt habe, seien es beim S&P 500 immerhin 1.200.000 Prozent gewesen. Inflationsbereinigt erzielte Gold in den letzten 100 Jahren so eine Jahresrendite von 1,16 Prozent.

Darüber hinaus befasst Thiel sich mit den Perspektiven für Gold und verweist darauf, dass rund 80 Prozent der gesamten bisherigen Goldförderung nach 1900 dem Boden abgerungen wurden, was auf die sich stetig verbessernden Fördermethoden zurückzuführen sei. Und genau hierin erkennt Thiel den größten Risikofaktor für das angeblich knappe Gut Gold: bisher seien über die Jahrtausende hinweg von Menschen 160.000 Tonnen Gold gefördert worden, doch in der Erdkruste befänden sich insgesamt 30 Milliarden Tonnen Gold. Das meiste hiervon ist mit heutigen Fördermethoden kaum abbaubar, doch mit fortschreitender Effizienz der Technik und neuen, effizienteren Fördermethoden ließe sich immer mehr davon aus dem Boden holen. Ein knappes Gut stelle Gold insofern also allenfalls da, solange die Technik nicht weitere große Fortschritte mache.

Zu guter Letzt geht Thiel noch auf Buffets ablehnende Haltung gegenüber Gold ein. Warren Buffett stehe nun seit 50 Jahren an der Spitze seiner Investmentholding Berkshire Hathaway und während Gold in dieser Zeit eine Rendite von 400 Prozent gebracht hätte, schaffte Buffett es, den Aktienkurs von Berkshire Hathaway um atemberaubende 1.800.000 Prozent zu steigern. Mit Investments in Unternehmen, mit Value Investing.

Dienstag, 23. Februar 2016

Chinesen machen Rückzieher bei Western Digital-Einstieg

Der Speicherplattengigant Western Digital befindet sich im Wandel. Nicht nur spürt er sich in seinem Kerngeschäft, den Festplatten, einen erheblichen Gegenwind aufgrund mauer Absatzzahlen bei PCs, sondern er hat auch noch die Übernahme seines Rivalen SanDisk für knapp $19 Mrd. angekündigt sowie den Einstieg eines Chinesischen Großinvestors, der 15% an Western Digital übernehmen will. Wollte. Denn die Chinesen machen einen Rückzieher, nachdem im die US-Behörden regulatorisch Knüppel zwischen die Beine geworfen haben, wie Reuters berichtet.

Diese Entscheidung hat auch Auswirkungen auf den Kaufpreis, den Western Digital für SanDisk auf den Tisch zu legen bereit ist. Auf Basis des Montagsschlusskurses wird man nun $78.50 pro Aktie in Cash und Aktien bezahlen, nach zuvor $86.50. SanDisk-Eigner erhalten also $67,50 in Cash un 0,2387 WDC-Aktien. Diese Konditionen waren so bereits bei Abschluss der Übernahmevereinbarung mit SanDisk so festgezurrt worden.

Im gleichen Atemzug bekräftigte das Management von Western Digital, es halte unbeirrt an der SanDisk-Übernahme fest. Inzwischen lägen u.a. die Genehmigungen seitens der EU-Kommission sowie der US-Behörden vor. Die Abstimmung der WDC-Aktionäre bzgl. der Übernahme findet am 15. März statt und inzwischen regt sich Widerstand. So hat die britsche Alken Asset Management, die rund 2,2% der WDC-Aktien hält, in einem offenen Brief die Aktionäre aufgefordert, gegen die Übernahme zu stimmen.

Western Digital befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

VTG punktet mit Top-Zahlen und Dividendensprung

Der Waggonvermieter und Schienenlogistiker VTG hat seine Unternehmenszahlen für das Geschäftsjahr 2015 vorgelegt und konnte die hohen Erwartungen erfüllen. Dank der Übernahme der Ahaus Alstätter Eisenbahn Holding AG (AEE) im letzten Jahr kam man in allen Bereichen im mittleren bis hohen zweistelligen Prozentbereich vorwärts und das Unternehmen selbst spricht zurecht von einem Meilenstein in der Unternehmensgeschichte. Heiko Fischer, Vorstandsvorsitzender der VTG AG, erläutert hierzu: "Wir haben unseren Wagenpark erweitert, unser Geschäft in allen Bereichen erfolgreich ausgebaut und durch vereinfachte Prozesse und Strukturen erste Synergien realisiert. Dazu trägt ganz wesentlich die bereits weit fortgeschrittene Integration der AAE bei. Darüber hinaus ist uns eine umfassende Refinanzierung gelungen, die ein wichtiger Baustein zur Erreichung unserer Profitabilitätsziele ist".

Das Zahlenwerk
Die - noch untestierten - Zahlen zeigen, dass der Umsatz um 25,6% auf €1.027,5 Mio. gestiegen, ist und sich das operative Ergebnis (EBITDA) um 76,2% auf €336,5 Mio. erhöhte.

In der Waggonvermietung mit einem Fuhrpark von 80.000 Waggons erhöhte sich der Umsatz 2015 um 55,5% auf €537,2 Mio. und das EBITDA stieg ebenfalls deutlich um 72,5% auf €335,4 Mio. . Die Auslastung der Flotte lag mit 90,6 Prozent leicht unter dem Vorjahreswert von 91,0%, jedoch über dem Wert des Vorquartals von 89,6%.

Der Geschäftsbereich Schienenlogistik ist 2015 seinen Weg der Neupositionierung erfolgreich weitergegangen. So konnte sich der Umsatz trotz einer weiterhin angespannten Lage in Russland und der Ukraine sowie einem nach wie vor hohen Wettbewerbsdruck um 0,6% auf €324,0 Mio. entwickeln, während das EBITDA deutlich auf €3,4 Mio. stieg, nachdem im Vorjahr noch ein leichter Verlust von € 0,2 Mio. erzielt wurde.

Mit diesem Ergebnis hat der Geschäftsbereich wieder einen positiven Beitrag zum Konzernergebnis geleistet. Zudem wurden zum Jahresende die restlichen 30% am Joint Venture von Kühne + Nagel übernommen. Damit ist die VTG alleiniger Gesellschafter des größten privaten Schienenlogistikunternehmens in Europa, der VTG Rail Logistics, und will die Reorganisation in diesem Bereich weiter zügig fortsetzen.

Der Geschäftsbereich Tankcontainerlogistik verzeichnete im vergangenen Jahr einen deutlichen Aufwärtstrend. Dazu trug, neben einmaligen Erträgen, der steigende US-Dollar-Kurs ebenso bei wie die Zunahme von Überseeverkehren. Demzufolge stieg der Umsatz um 10,2% auf €166,3 Mio. und das EBITDA verbesserte sich um 6,5% auf €13,6 Mio.

 VTG (Quelle: comdirect.de) 
Ausblick und Perspektive
VTG hat sich unter dem Schlagwort "VTG 4.0" ein umfassendes Verbesserungs- und Effizienzkonzept auferlegt und will in den nächsten Jahren in den Bereichen Themen Innovationen, Digitalisierung, Vereinfachung von Prozessen und Strukturen sowie mit weiterem selektiven Wachstum seine Marktposition weiter stärken sowie die erheblichen Synergien, die im Zusammenschluss mit der AEE schlummern, vollständig heben. Dank des Niedrigzinsumfelds und einer verbesserte Bonität konnte die Konzern-Refinanzierung 2015 zu deutlich besseren Konditionen abgeschlossen werden, so dass der durchschnittliche Zinssatz und damit der Zinsaufwand des Konzerns sinkt. Das führt in den kommenden Jahren zu einer spürbaren Entlastung im Finanzergebnis und trägt zur Profitabilitätssteigerung bei. Insgesamt strebt der Vorstand eine Erhöhung des Ergebnisses pro Aktie (EPS) auf €2,50 bis 2018 an.

Dividendenanhebung um 11%
Aufgrund der Top-Zahlen schlägt der Vorstand der Hauptversammlung vor, die Dividende für das Jahr 2015 auf €0,50 je Aktie anzuheben. Dies ist ein Anstieg ggü. der Vorjahresausschüttung um 11% und bringt die Dividendenrendite auf knappe 2%.

Solide Eigentümerstruktur
Die Eigentumsverhältnisse bei VTG sind seit der AEE-Übernahme klar geregelt: größter Eigner ist die französische Compagnie Européenne des Wagons mit 43,84%, es folgt der ehemalige AAE-Eigentümer Andreas Goehr mit 25,62% und weitere institutionelle Investoren mit kleineren Anteilen. Der Streubesitz liegt bei 24,49%.

Einschätzung
VTG hat eine herausragende Stellung im europäischen und insbesondere im deutschen Logistikmarkt. Die betriebsinternen Synergien sprechen für eine stetige Verbesserung des EPS, die hohe Auslastung der Waggons ist zumeist über mehrjährige Verträge abgesichert und während die gesunkenen Öl- und Benzinpreise einerseits die Konkurrenz des Straßen-Güterverkehrs stärkt, senken sie auch bei VTG die Kosten erheblich. VTG befindet sich daher meiner Empfehlungsliste und ich hatte die zuletzt schwachen Kurse zum Aufstocken meiner Depotposition genutzt.

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 4. Quartal 2015?

Value Investor Warren Buffett, das "Orakel von Omaha",musste für seine Investmentholding Berkshire Hathaway wieder das sog. Formular 13F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. In diesem vierteljährlich vorzulegenden Dokument müssen institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von $100 Mio. ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen.

Veränderungen im 4. Quartal 2015
Auch im vierten Quartal gab es einige Veränderungen an Buffetts Positionen, dessen börsennotierte Aktienpositionen von $127,41  Mrd. auf $131,86 Mrd. anstiegen. Seine zweitgrößte Beteiligung The Kraft Heinz Co. ist erst seit dem letzten Quartal "an Bord", als Buffetts nicht (mehr) börsennotierte Heinz Ketchup den Nahrungsmittelgiganten Kraft Foods übernahm und beide als Gemeinschaftsunternehmen nun wieder an der Börse notieren.

Bemerkenswert ist, dass Buffett sich antizyklisch verhält und in die "ausgebombte" Öl-Industrie investiert. Mit Phillips 66 setzt er dabei auf Raffinerien und Tankstellen und mit Kinder Morgan auf Öl-Pipelines. Und auch seine Beteiligung in Suncor Energy zielt auf deren Raffinerien und nur bedingt auf die Ölförderung, die die Kanadier mittels Sandwaschen betreiben. Das allerdings zu sehr niedrigen $20 je Barrel.

Verkäufe
Vollständig getrennt hat sich Buffett inzwischen von Chicago Bridge & Iron, die schon länger reduziert werden. Und beim Telefonriesen AT&T, deren Aktien er aufgrund der Fusion mit DirecTV erhielt, verkaufte er Anteile, und auch bei Wabco Holdings reduzierte er sein Engagement weiter.

Montag, 22. Februar 2016

Was ist... eine Master Limited Partnership ( MLP)?

Eine Master Limited Partnership (MLP) ist eine besondere Art der amerikanischen Kommanditgesellschaft und ihre Anteile werden an einer Börse gehandelt.

In dieser Gesellschaft gibt es  zwei Arten von Partnern: der Kommanditist ist die Person oder Gruppe, die das Kapital der MLP stellt und dafür regelmäßige Ertragsausschüttungen aus den Cashflow der MLP erhält, während die Komplementärin für die Verwaltung der MLP verantwortlich ist und hierfür eine an die Wertentwicklung des Unternehmens gebundene Vergütung bekommt. Von ihrer Art her ähnelt die MLP damit der deutschen Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA), die zum Beispiel auch Henkel als Unternehmensform gewählt hat.

Das Ziel, das der amerikanische Gesetzgeber 1987 bei der Einführung der MLPs verfolgte, war die Stärkung der heimischen Infrastruktur, insbesondere im Bereich der Energieversorgung, so dass die entsprechenden Betätigungsfelder mit Steuervorteilen kombiniert wurden. US-Dienstleister aus dem Kohleminen-, Öl- und Gassegment versteuern also maximal zehn Prozent ihrer Gewinne und schütten den Rest quasi brutto für netto an ihre Aktionäre aus. Sie weisen daher nicht selten zweistellige Dividendenrenditen auf.

Betätigungsfeld Immobilien, natürlichen Ressourcen und Rohstoffe
Eines der wichtigsten Kriterien, die für eine Kommanditgesellschaft, um gesetzlich als MLP zugelassen zu werden ist , dass die Partnerschaft den Großteil (also mehr als 90%) ihrer Zahlungsströme aus Immobilien, natürlichen Ressourcen und Rohstoffe erzielen muss.

Steuervorteile für MLPs
Der entscheidende Vorteil einer MLP ist, dass sie die Steuervorteile einer Kommanditgesellschaft (die Partnerschaft zahlen keine Steuern auf den Gewinn; es wird nur das Geld nur besteuert, das die Anteilseigner in Form von Ausschüttungen erhalten) mit der Liquidität eines börsennotierten Unternehmens kombiniert.

Bei der Steuer wird es teuer - und kompliziert
Während US-Amerikaner in den vollen Genuss der Steuervorteile kommen, werden Ausländer bei der Besteuerung der Erträge deutlich höher belastet. Denn neben dem US-Quellensteuer-Abzug kommt auf den deutschen MLP-Anleger die Steuererklärungspflicht in den USA zu. Und das gleich mehrmals, nämlich in allen Bundesstaaten, durch die eine Pipeline führt, so führt es dieser Artikel von Focus Money aus dem Jahr 2009 aus.

Andere Ansichten: Was du von Buffetts Unternehmenskäufen lernen kannst

The Motley Fool nimmt sich eines Themas an, das wohl jeden Value Investoren umtreibt: "Wie kauft Warren Buffett Unternehmen und was kann man daraus lernen?". Obwohl Warren Buffett in seinen Jahresbriefen seiner Investmentholding Berkshire Hathaway viele Tipps und Anregungen zu seinen Käufen und den ihnen zugrundeliegenden Anlagegrundsätzen verrät, scheitern viele Anleger an der konkreten Umsetzung. Daher nimmt man sich nun der "Kriterien des Orakels" an:


  • Größe – definiert als Unternehmen, das mindestens $75 Millionen Einnahmen vor Steuern erzielt.
  • Konstante Einnahmen – und zwar mit Nachweis, keine Zukunftsversprechen.
  • Gute Eigenkapitalrendite mit wenig oder gar keinen Verbindlichkeiten.
  • Management vorhanden – Berkshire will keine neue Führungsriege mitbringen.
  • Ein einfaches Geschäftsmodell, das man leicht verstehen kann.
  • Ein Angebotspreis.


Bemerkenswert sei auch, dass Buffett erklärte, er können potenziellen Geschäftspartnern innerhalb von 5 Minuten mitteilen, ob Berkshire Interesse am Kauf ihres Unternehmens habe, oder nicht.

In dem Artikel geht man anschließend darauf ein, wie sich diese Kriterien auf das eigene Portfolio anwenden ließen und worauf man besonders achten solle.

Börsenweisheit der Woche 08/2016

"In einem steigenden Markt werden sich so viele Ihrer schlechten Ideen auszahlen, dass Sie nie verstehen werden, dass Sie weniger Ideen haben sollten."
(David Kahnemann)

Sonntag, 21. Februar 2016

Andere Ansichten zur US-Ölproduktion

Daniel Koinegg vom Bargain-Magazine hat sich des Themas US-Öl-Produktion angenommen und untersucht, welche Einflussfaktoren auf den Ölpreis wirken, wie sich also neue Fördermethoden, wie das Fracking, auf die Zahl der Bohrungen ausgewirkt hat und damit auf die Fördermenge und den Preis. Insbesondere schaut er sich den Zusammenhang zwischen den Rig-Counts und den Veränderungen des Ölpreises genauer an und zieht hieraus Schussfolgerungen auf die künftige Entwicklung von Ölpreis und damit einhergehend auch auf die Kurse von Ölförder-Unternehmen. Und am Ende zieht er ein Resümee bzgl. seiner eigenen Investments im Bereich der Ölwerte und was er hier an neuen Erfahrungen gemacht hat und welche Lehren er hieraus für seinen Investmentprozess ziehen kann.


Samstag, 20. Februar 2016

Investor-Update: Sixt Vz., Western Digital

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Trendwende oder Bärenmarkt-Rallye?
Genau so habe ich letzte Woche bereits die Überschrift gewählt und es ist bisher noch immer nicht klar. Die Aktienkurse steigen, das ist erfreulich für alle Investierten und ich selbst ertappe mich dabei, dass ich mich insgeheim ärgere, zu den (bisherigen) Tiefstkursen nicht stärker investiert gewesen zu sein. Unglaublich, oder? Meine 80-Prozent-Investitionsquote sollte eigentlich für Freudensprünge sorgen, denn mein Depotwert hat sich deutlich erhöht. Aber so ist es nun einmal, wir schauen lieber auf die  - vermeintlich - negativen Aspekte und erfreuen uns nicht (genug) am Positiven.

 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Angst lässt erheblich nach
Die Angst unter den Anlegern lässt spürbar nach. Der Fear-and-Greed-Index ist mit 50 Punkten inzwischen bereits im neutralen Bereich angekommen und deutet damit an, dass die Kursanstiege noch weitergehen könnten. Denn viele Marktteilnehmer nehmen eben nicht teil, viele stehen mit hohen Cash-Beständen noch Abseits und trauen dem Braten nicht, sie sehen in dem Kursanstieg eine Bärenmarkt-Rallye und hoffen, dass die Kurse nochmals massiv unter Druck geraten, um billig einsteigen zu können. Und je länger dieses Szenario nicht eintrifft, je weiter die Kurse klettern, desto höher wird der Leidensdruck, denn Cash bringt momentan eben keine Rendite. Es kann also dazu kommen, dass dieses Geld demnächst seinen Weg in den Aktienmarkt zurückfindet und der Index dann in den "Gier-Bereich" wandert, weil die Stimmung wieder nur auf die Chancen blickt und die Risiken zunehmend ausblendet.

Aber bis es soweit ist, bleiben wir mal in der Gegenwart bzw. in der jüngsten Vergangenheit. Ich habe in den vergangenen Tagen weiterhin das Hin und Her des Marktes eher passiv begleitet und nur punktuell zugekauft.


+ Sixt Vz.
Nichts Neues bei Sixt, die Aktien haben sich den Börsenturbulenzen eher entzogen und auch beim Aufschwung haben sie sich nicht besonders hervorgetan. Sie liegen bei meinem ersten Einstiegskurs und ich habe die Position zu bei knapp €31 ausgebaut. Alle meine Kaufargumente bestehen fort und ich erwarte, dass sich der innovativste und wachstumsstärkste Autovermieter auch künftig besonders hervortun wird. In den USA will man von bisher knapp 70 Verleihstationen auf 1.000 anwachsen, allerdings Stück für Stück und nicht um jeden Preis. Etwa 30 neue Dependancen soll es pro Jahr geben, bevorzugt an Flughäfen und in den Ballungsräumen. Wer sich umfassend über die "sonstigen Aktivitäten" des Unternehmens informieren möchte, dem lege ich die aktuelle Ausgabe des "Aktien Magazins" ans Herz, wo Sixt besonders genau unter die Lupe genommen wird.


+ Western Digital
Meine bisher schlechteste Aktie auf der Empfehlungsliste, aber das ist nicht der Grund, weshalb ich meine Position ausgebaut habe. Es ging mir nicht um ein schlichtes Verbilligen, um das Kursminus optisch erträglicher zu gestalten, sondern weil ich WDC für eine gute Investition halte. Risikobehaftet, unbestritten. Der Kursabsturz hat mehrere Faktoren, da ist zunächst der nachlassende PC-Absatz und da WDC Festplatten liefert, die in den PCs zum Einsatz kommen, kann man hier von sinkenden Verkäufen ausgehen, auch wenn WDC sich hier den Markt in einem Duopol mit Seagate teilt. Als nächstes ist da die Übernahme des Konkurrenten SanDisk, die teuer ist und da auch SanDisk eigene Probleme hat, besteht die Befürchtung, dass sich hier zwei Lahme zu einem Siechenden zusammentun. Ich sehe das nicht so schwarz, sondern SanDisks hervorragende Stellung bei Flash-Speichern eher als Chance für WDC, sich vom niedrigmargigen Festplattengeschäft hin zu mehr hochmargigen Flash-Speichern zu wandeln, ohne die Marktanteile an die Konkurrenz abgeben zu müssen. Allerdings wird die Übernahme WDC viel Geld kosten, das man sich leihen wird. Zum Glück sind die Zinsen niedrig, das ist ein großer Vorteil. WDC selbst hatte verkündet, an der Übernahme festzuhalten und "im Plan" zu sein. Die EU hatte aus wettbewerbsrechtlichen Aspekten bereits ihre Zustimmung gegeben.

Des Weiteren ist da noch der Einstieg der chinesischen Unisplendour mit 15% an WDC, auch dieser Deal ist ja noch "in Bearbeitung" und könnte scheitern. Hier gibt es Bedenken, die US-Behörden könnte Einwände haben gegen ein solches Engagement eines staatlichen chinesischen Unternehmens. Da es im Bereich der Flash-Speicher jedoch diverse große Anbieter gibt, teile ich diese Bedenken nicht wirklich. Und dann ist da noch die Entscheidung des chinesischen Handelsministeriums, dass WDC endlich die übernommene Hitachi vollständig integrieren darf - und so künftig pro Jahr $300 Mio. einsparen wird.

Und dann noch die zuletzt vorgelegten Zahlen zum vierten Quartal 2015, die ziemlich erfreulich ausfielen, jedenfalls verglichen mit den düsteren Erwartungen. Das alles, kombinierten mit der Erwartung, dass die PC-Verkäufe in diesem Jahr wieder anziehen werden (die kostenlose Abgabe von Windows 10 seitens Microsofts hat viele Käufer veranlasst, ihre PCs noch nicht neu anzuschaffen - aber um das Potenzial von Windows 10 wirklich nutzen zu können, wird man in absehbarer zeit nicht an neuer Hardware vorbeikommen), hat mich bei WDC zu diesen Ausverkaufskursen zu knapp über €35 zuschlagen lassen. Ach ja, aufgrund der Übernahme von SanDisk hatte WDC ja erklärt, künftig zunächst keine Dividendenerhöhungen und keine Aktienrückkäufe mehr zu tätigen, da man das Geld für die Übernahme und die Integration verwenden wolle. Sehr vernünftig! Die Quartalsdividende bleibt auf dem Niveau von $0,50 und wird am 15. April ausgeschüttet, das Ex-Dividendendatum ist der 30. März.


.: Cashquote
Meine Cashquote liegt nun wieder knapp unter 20 Prozent da meinen Add-on-Käufen die Dividendeneingänge von Blackstone und Main Street Capital entgegenstanden. Starbucks wird hier am Montag folgen, so dass ich weiterhin über genügend Feuerkraft für lukrative Gelegenheiten verfüge.

Donnerstag, 18. Februar 2016

Verschleuderte Carl Icahn seine Apple-Aktien 50 Prozent unter Wert?

Carl Icahn hat den Ruf, ein gewiefter Spekulant zu sein und er ist Milliardär, was dies zu belegen scheint. So hatte der aktivistische Investor Ebay dazu gezwungen, seine Online-Bezahltochter PayPal abzuspalten und separat an die Börse zu bringen. Zuletzt machen seine Investments allerdings wenig Freude: beim Versicherungsriesen AIG stieg er ein, um diesen zur Aufspaltung in mehrere Teile zu bewegen - und er liegt im Minus. Bei Transocean stieg er ein, um hohe Dividendenausschüttungen zu erzwingen - das gelang ihm, allerdings ist sein Investment in dem Offshore-Ölwert dermaßen abgestürzt, dass die Dividendenausschüttungen nur einen Bruchteil seiner aufgelaufenen Verluste wettmachen. Weitere Investments in Öl-Firmen stehen massiv zweistellig im Minus und auch sein vor einigen Monaten getätigtes Engagement in einem global agierenden Kupferproduzenten steht tiefrot im Minus.

Apple, der Ex-No-Brainer
Aber bei Apple, da liegt Icahn weit im Plus. Er war - wie ich - im Sommer 2014 eingestiegen ("Ist Apple noch ein Investment wert?"), nachdem Apple einen starken Kursrückgang zu verzeichnen gehabt hatte. Icahn bezeichnete den Einstieg damals als "No-Brainer", einen Kauf also, der so offensichtlich erfolgversprechend war, dass jeder es hätte sehen müssen. In der Folgezeit erfreute er sich an steigenden Cashflows, steigenden Dividenden, steigenden Aktienrückkäufen, steigenden Aktienkursen. Er war es, der Apple-Chef Tim Cook durch öffentlichen Druck dazu gezwungen hatte, viel mehr Geld für Dividenden und Aktienrückkäufe auszugeben. Ich habe mich ein Jahr später dann von meinen Apple-Aktien verabschiedet ("Apple, it's time to say goodbye!") und bei Kursen von knapp unter €120 verzeichnete ich inkl. Dividenden eine Rendite von knapp 95 Prozent. Aber das war nicht der Grund für meinen Ausstieg aus dem wertvollsten Unternehmen der Welt, sondern das hohe Risiko, das ich in der Abhängigkeit vom Iphone sah und das immer weiter zunimmt. Und während der Iphone-Absatz damals noch zulegen konnte ("Der Apple fällt nicht weit vom Stamm... aber tief"), stagniert er inzwischen und legt Apple Dilemma als "Ein-Produkt-Unternehmen" schonungslos offen. Alle sonstigen Erfolge Apples haben so gut wie keinen Einfluss auf Umsatz, Gewinn und Cashflow. Ein massives Klumpenrisiko, das auch den Aktienkurs immer stärker belastet.

 Apple Inc. (Quelle: comdirect.de) 
Doch Carl Icahn ficht das nicht an, er hatte sich in seine Apple-Aktien verliebt und er verschickte Liebesbriefe an die Investoren, in denen er den fairen Wert der Aktie bei $240 ansetzte.  Schon damals mutmaßte ich, dass Icahn die Aktie nur massiv pushen wollte, um ein Umfeld für einen kursschonenden Abgang zu erzeugen. Denn wem mehrere Prozente an einem Unternehmen gehören, kann diese ja nicht einfach mal so ins Orderbuch stellen, um sie loszuwerden, er muss sie in kleinen Portionen verkaufen und zwar möglichst dann, wenn einen ansonsten rege Nachfrage besteht. Sonst treibt er mit seinen Verkäufen selbst den Aktienkurs in den Keller. Und Großinvestoren wie Carl Icahn müssen auch noch quartalsweise über ihre Wertpapierpositionen berichten, so dass seine Verkäufe entdeckt worden wären. Nun, seit Spätsommer letzten Jahres geht es an den Börsen abwärts, nicht nur die Ölwerte sind enorm gefallen, auch Apple. Eigentlich müsste man es anders herum formulieren: Apple hat die Börsen mit nach unten gezogen, denn als (nach Börsenkapitalisierung) wertvollstes Unternehmen der Welt ist es ja nicht nur Mitläufer, sondern Taktgeber des Dow Jones Index und damit der Leitbörse der Welt.

Icahn warf 13 Prozent seiner Apple-Aktien auf den Markt
Und nun standen wieder die sog. 13F-Formulare an, die Berichte der Großinvestoren an die amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission). In diesem vierteljährlich vorzulegenden Dokument müssen institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von $100 Mio. ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen. Und Carl Icahn hat sich in großem Stil von seinen Apple-Aktien getrennt, er hat seine Position immerhin um 13 Prozent abgebaut. Im vierten Quartal 2015, auf das sich das 13F bezieht, schwankte der Apple-Kurs zwischen $120 und $105 und lag damit viel höher als die aktuellen $98. Bemerkenswert ist nicht, dass Carl Icahn Apple-Aktien verkauft. Ich habe ja meine Meinung dazu und kann diesen Schritt unter Chance-Risiko-Aspekten mehr als nachvollziehen. Allerdings sind die Aktien ja nach Icahns öffentlich verkündeter Ansicht $240 wert, er verramscht sie also geradezu, indem er sie um 50 bis 60 Prozent unter diesem Wert verkauft. Entweder hat er also über den Wert Apples gelogen, oder aber er ist ein schlechter Investor. Denn auf aktueller Kursbasis hätten die Apple-Aktien ja ein Aufwärtspotenzial von 150 Prozent bis zu Icahns behauptetem Wert von $240. Und während er diese "sichere" Chance aufgibt, investiert er Milliarden in die weiter abstürzenden Rohstoffwerte, wo er schon auf Milliardenverlusten setzt. Hierzu fallen einem eine Reihe von schlauen Sprichwörtern ein, die das nicht gutheißen. "Schlechtem Geld soll man kein gutes hinterher werfen", "Verluste soll man begrenzen und Gewinne laufen lassen", oder die alte Weisheit der Dakota-Indianer: "Wenn du merkst, dass du ein totes Pferd reitest, steig ab".

 Carl Icahn 
The good, the bad, the ugly...
Was auch immer Carl Icahn reitet, ihn treibt nicht sein Herz für andere Anleger. Er hat Apple versucht bis ans Limit zu puschen, um für sich und sein Investment das Beste herauszuholen und das auf Kosten der anderen Anleger, die seinen Worten Glauben schenkten. Das hat nicht funktioniert, der Aktienkurs von Apple hat deutlich Federn gelassen. Und dennoch trennt er sich mit fettem Gewinn von seinen Aktien - er hat es nötig, um seine Verluste im Rohstoffsektor auszugleichen und um hier noch mehr Geld nachschießen zu können. Auch George Soros erklärt inzwischen jeden Tag, dass die chinesische Währung massiv überbewertet sei und abstürzen müsse - natürlich nachdem er selbst mit Milliarden gegen den Yuan wettet. So bleibt die Erkenntnis, dass viele dieser Starinvestoren ihre Weisheit aus Eigennutz von sich geben und ihre Rendite auch daraus ziehen, dass sie selbst investieren und dann öffentlich darüber berichten, um möglichst viele Nachahmer zu finden, die das Investment durch ihre Käufe dann schon zu einem Erfolg machen. Auf der anderen Seite gibt es Warren Buffett und Charlie Munger, die geben ihre kostenlosen Ratschläge (weitgehend) uneigennützig von sich und von denen können wir alle etwas lernen. Und das sollten wir auch. Es steht uns Anlegern frei, auf welche Starinvestoren wir vertrauen, wem wir zuhören, wem wir folgen. Warren Buffett, Benjamin Graham, Charlie Munger sind meine Leitsterne...

Dienstag, 16. Februar 2016

Investor-Update: Amazon, Leifheit, VTG

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Trendwende oder Bärenmarkt-Rallye?
Die Talfahrt an den Weltbörsen ging auch im Februar ungebremst weiter, bis sie Ende der Woche jäh zum Stehen kam. Seitdem klettern die Kurse, insbesondere auch in Asien - es bleibt abzuwarten, was die Wall Street macht, denn dort war gestern Feiertag. Der bange Blick wird auf's schwarze Gold gerichtet, aufs Öl. Denn einerseits bringen niedrige Ölpreise Vorteile für die Verbraucher und die Staaten, die Öl importieren müssen, andererseits, kommen die Export-Staaten zunehmend unter Druck und fallen auch als Investoren in den Industriestaaten aus. Darüber hinaus steigt die Sorge, dass die Banken, insbesondere in Europa und den USA, viele Kredite an Öl- und Gasunternehmen herausgegeben haben, die bei niedrigen Ölpreisen vielleicht zu höheren Ausfällen führen. Und die ohnehin ertragsschwachen europäischen Banken wieder schwächen. Mit anderen Worten: die Börsen sind weiterhin sehr schwankungsanfällig und sehr volatil. Das dürfte sich auch in den nächsten Wochen nicht ändern, auch wenn sich die Earnings-Season so langsam ihrem Ende nähert und von dieser Seite her weniger Impulse zu erwarten sind.

 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Angst lässt spürbar nach
Die Angst unter den Anlegern lässt spürbar nach. Der Fear-and-Greed-Index weist zwar einen weiterhin niedrigen Wert von 32 auf, allerdings beinhaltet dieser bereits die mächtige Kurserholung von gestern, die ihn von 21 um 11 Punkte hochschnellen ließ.

Ich habe in den vergangenen Tagen das Hin und Her des Marktes eher passiv begleitet und nur zwei besondere Chancen zum Aufstocken genutzt. Da es sich bei der Kurserholung auch um eine Bärenmarkt-Rallye handeln könnte, fühle ich mich mit einer erhöhten Cash-Quote momentan wohler.


Amazon
Ich hatte neulich den starken Kursverfall für den Einstieg bei Amazon genutzt, dem weltgrößten Online-Versandhaus. Obwohl ich dies selbst so bezeichnete, dass es sich um kein Value Investment handelte, gab es reichlich Kritik an meiner Spekulation. Ich bin in mich gegangen und denke, dass ich derartige Positionen hier nicht mehr aufführen werde. Einerseits, weil dieses Blog sich mit Value Investing beschäftigt und andererseits, weil ich die Aktien aus den falschen Gründen gekauft hatte: der Kurs war massiv eingebrochen und ich hielt es für eine gute Gelegenheit aufgrund der besonderen Marktstellung, des schier unüberwindbaren Burggrabens, den Amazon vorzuweisen hat. Und wegen der außergewöhnlichen Chancen, die das Unternehmen bietet. Die Diskussion hier im Blog hat mir wieder vor Augen geführt, dass man als Investor zuerst die Risiken bewerten muss, und erst im Anschluss auf die potenziellen Chancen blicken darf.

+ Leifheit
Heute morgen habe ich meine Bestand an Leifheit-Aktien ausgebaut. Der Kurs war aus heiterem Himmel abgesackt auf knapp €42 und ich konnte nicht widerstehen. Denn Leifheit hatte kürzlich hervorragende Zahlen präsentiert und sich damit wieder einmal selbst übertroffen, so dass der Kurseinbruch für mich stark nach Schnäppchen aussah.

Zwischenzeitlich hat sich der Kurs gedreht und ist deutlich ins Plus gelaufen, steht bei über €45. Ob dies mit der heutigen Stimmrechtsmitteilung zu tun hat, nach de sich ein Value Investment Fonds ("DBAY Advisors Ltd.") mit 3,72% einkauft hat, kann ich nicht einschätzen. Und es ist auch nicht wirklich relevant, denn ich habe die Aktien gekauft, weil ich sie für unterbewertet halte angesichts der hervorragenden unternehmerischen Aussichten, des operativen Fortschritts des Unternehmens bei der Umsetzung seiner Strategie "Leifheit 2020" und auch wegen der hohen Dividendenrendite samt der wahrscheinlichen Dividendensteigerungen in den nächsten Jahren. Dass ein Value Fonds offenbar der selben Ansicht ist, ist jedenfalls mal kein schlechtes Zeichen.

+ VTG
Die Aktien des Waggonvermietungs- und Logistikkonzerns hatte ich Ende Oktober gekauft und das war im Nachhinein kein guter Zeitpunkt für Neuengagements. Der Kurs sackte im Gleichschritt mit der Korrektur der Märkte ab und ich habe bei €23 meine VTG-Position aufgestockt. Die Aussichten des Unternehmens sind weiterhin blendend, denn dank des Zukaufs des Mitbewerbers AEE winken erhebliche Synergieeffekte und die Umfinanzierung der Verbindlichkeiten brachte nicht nur eine Reduzierung der Schulden mit sich, sondern auch eine erhebliche Senkung der Zinssätze. In den kommenden Jahren sind erhebliche Verbesserungen bei Margen und Gewinn zu erwarten, daher bleibt VTG langfristig eines der aussichtsreichsten Unternehmen im deutschen und europäischen Transportmarkt.

.: Cashquote
Meine Cashquote liegt bei 20 Prozent und es stehen für die nächsten Tage die Dividendeneingänge von Blackstone, Main Street Capital und Starbucks an, so dass ich über einige Feuerkraft verfüge, sollten sich weitere interessante Opportunitäten ergeben.

Sind Unternehmensanleihen besser als Aktien?

Unternehmensanleihen werden wieder häufiger emittiert und bieten oftmals attraktive Zinskonditionen verglichen mit den dürftigen Angeboten der öffentlichen Hand. Denn für Bundesanleihen erhält man fast keine Zinsen mehr und das Kapital wird durch die Inflation auch noch angeknabbert - eine negative Gesamtrendite ist die Folge.

Wer sich in ein Unternehmen einkauft, ist auch an dessen Gewinnen und Verlusten beteiligt. Am einfachsten geht dies bei börsennotierten Aktiengesellschaften über den Erwerb der entsprechenden Aktien an der Börse. Dabei muss sich die Aktienkursentwicklung nicht an der Entwicklung des Unternehmens orientieren, auf lange Sicht ist dies jedoch meistens der Fall. Und deshalb sollte man Geduld mitbringen und langfristig in ausgesuchte Top-Unternehmen investieren.

Doch auch bei der sorgfältigsten Auswahl kann es vorkommen, dass das Unternehmen in Schwierigkeiten gerät und vielleicht sogar Insolvenz anmelden muss. Und hier ist einer der entscheidenden Unterschiede zwischen Aktien und Unternehmensanleihen zu verorten: Aktionäre sind Eigentümer, Anleihebesitzer sind Gläubiger. Im Insolvenzfall erhalten zunächst die Gläubiger ihr Geld - oftmals nur anteilig zur Insolvenzquote - und nur wenn die Gläubiger vollständig bedient werden konnten, wird der verbliebene Restwert auf die Eigentümer verteilt. Das Risiko für den Investor ist also bei Aktien größer als bei Anleihen.

Montag, 15. Februar 2016

Börsenweisheit der Woche 07/2016

"Worauf es für die meisten Menschen beim Investieren ankommt, ist nicht, wie viel sie wissen, sondern wie realistisch sie definieren, was sie nicht wissen. Ein Investor muss nur ganz wenige Dinge richtig machen, solange er große Fehler vermeidet."
(Warren Buffett)

Freitag, 12. Februar 2016

KKR: Gewinnsteigerung ein bisschen hui, alles andere ziemlich pfui

Der Finanzinvestor KKR & Co. L.P. hat Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2015 vorgelegt und konnte seinen Gewinn um 53 Prozent ggü. dem Vorjahreswert steigern. Was eigentlich Freudentaumel auslösen sollte, stimmt Anleger nicht positiv für die KKR-Aktien, die sich weiter im Abwärtstaumel befinden. Und schaut man sich die Zahlen etwas genauer an, erkennt man auch, wieso.

Der Nettogewinn (Economic Net Income), der auch unrealisierte Zuschreibungen auf Vermögenswerte beinhaltet, stieg von $0,05 auf $0,08. Eine beeindruckende Steigerung, allerdings war der Vorjahreswert extrem niedrig und auch aus diesem Grund lag die Erwartung der Analysten bei $0,26. Und diese wurde massiv verfehlt. Auf Jahressicht erzielte KKR ein ENI von $1,21 je Aktie verglichen mit $1,84 im Vorjahr.

Für Finanzinvestoren wichtige Kennzahlen sind allerdings andere, als (nur) der Nettogewinn. Der Buchwert des KKR-Portfolios stieg im 4. Quartal um 4,8 Prozent, während er im entsprechenden Vorjahresquartal noch um 2,8 Prozent angewachsen war. Bereinigte um die Aktienrückkäufe sank er auf Jahressicht allerdings von $12,07 auf $11,78 je Aktie.

Die Cash Earnings, die auch die Ergebnisse aus dem Verkauf von Unternehmensbeteiligungen enthalten, lagen bei $169 Mio. verglichen mit $361 Mio. im Vorjahr. Hier machte sich rauhe See an den Börsen bemerkbar.

Erfreulich sind die AUM, die Assets under Management, also das von KKR und seinen Fonds verwaltete Vermögen, das von $119,5 Mrd. $112,4 Mrd. auf $112,4 Mrd. $119,5 Mrd anwuchs - inklusive der bisher noch nicht zu den Einnahmen aus Gebühren und Provisionen beitragenden Beträge. Die Veränderung bei den AUM signalisiert einerseits die Kraft des Unternehmens, zusätzliche Investmentgelder von Kunden zu generieren und andererseits lässt sich hieraus ein Rückschluss auf die künftige Ertragslage aus diesen Einnahmearten schließen. Je höher die AUM, desto mehr vertrauen haben Investoren in das Management und desto höher dürften künftige Einnahmen ausfallen.

 KKR & Co. L.P. (Quelle: comdirect.de) 
Quartalsdividende bei konstanten $0,16
Auswirkungen auf die Dividende hat das Zahlenwerk nicht (mehr), denn KKR hatte vor einigen Monaten eine Abkehr vom bisherigen Ausschüttungsmodus angekündigt. Da man die eigenen Aktien für massiv unterbewertet ansieht, hatte KKR erklärt, künftig nur noch einen fixe Dividende auszahlen zu wollen und nicht mehr den Großteil der Erträge. Durch die konstante Quartalsdividende von $0,16 möchte man Dividendenkontinuität herstellen anstelle der bisher stark schwankenden Ausschüttungen. Und man wollte Spielraum haben für ein großes Aktienrückkaufprogramm im Wert von $500 Mio. Und in den Abschwung der Aktienkurse hinein kaufte KKR seit Oktober Aktien im Gesamtwert von rund $270 Mio. zurück, was rund 17,5 Mio. Aktien entspricht. Zusätzlich wurde 1,7 Mio. Aktienoptionen gestrichen, so dass sich die Aktienzahl insgesamt um 19,2 Mio. verringerte oder fast 5 Prozent aller ausgegebenen Aktien.

 KKR & Co. L.P. (Quelle: comdirect.de) 
Aktienrückkäufe bringen hier keinen Shareholder Value
Kritisch ist hierbei anzumerken, dass mehr als die Hälfte des Aktienrückkaufprogramms bereits durchgeführt wurde, der Aktienkurs in dieser Zeit aber dennoch von $16 um ein Drittel  auf $11 abgestürzt ist. Böse formuliert könnte man sagen, hätte KKR nicht gekauft, läge der Kurs nun noch deutlich tiefer - und würde man heute erst mit dem Aktienrückkauf beginnen, könnten erheblich mehr Aktien gekauft werden für das gleiche Geld. Einen Mehrwert für die Aktionäre kann man hier jedenfalls nicht erkennen! Trotzdem kommen Aktienrückkäufe bei Finanzinvestoren zunehmend in Mode und so kaufen auch Carlyle, Fortress Investment oder Apollo eigene Aktien zurück. Mein Sektorfavorit Blackstone Group hingegen lehnt dies ab und verweist darauf, dass er mit dem zur Verfügung stehenden Geldmitteln lieber in Rendite bringende Chancen investiert, als eigene Aktien zu kaufen. So würde ein höherer Nutzen für die Aktionäre geschaffen.

Fazit
Es ist kein schönes Zahlenwerk, das KKR präsentiert hat. Aufgrund der Investments in Energie-Beteiligungen und der turbulenten Börsenphase war das auch nicht anders zu erwarten. Der Swing weg von hohen Dividendenquoten hin zu niedriger Basisdividende und Aktienrückkäufen hat sich bisher weder für das Unternehmen noch für die Aktionäre ausgezahlt, auch wenn dank des Kursabsturzes die annualisierte Dividendenrendite über 4,5 Prozent liegt. Ich habe KKR als Halteposition auf meiner Empfehlungsliste und sehe beim Platzhirschen Blackstone Group eine deutlich bessere Chance-Risiko-Aufstellung. Blackstone bleibt für mich der aussichtsreichste Finanzinvestor und eine meiner Ankerinvestments in meinem Depot. Heute werden die Investments getätigt, die die Milliardengewinne von morgen bringen - und die hohen Dividendenausschüttungen (Blackstone bietet eine annualisierte Dividendenrendite von knapp über 10 Prozent). Während die Konkurrenten alle schon länger in Energiewerten investiert sind, beginnt Blackstone gerade erst damit, die 18 Milliarden Dollar, die man vor mehr als einem Jahr genau zu diesem Zweck eingeworben hat, sukzessive zu investieren. Von einem Aufschwung der Branche wird man also ebenso profitieren, ohne zuvor den Absturz mitgemacht zu haben.