Donnerstag, 30. Juni 2016

Intelligent investieren im Sachwert Magazin: Buy & Hold à la Warren Buffett

In der aktuellen Ausgabe des Sachwert Magazins ist ein Artikel von mir erschienen zum Thema Buy & Hold, dem langfristigen Investieren in Qualitätsaktien.

>> Link zur Online-Version der Ausgabe 44.


Buy & Hold: Geh den Warren Buffett Weg
Warren Buffett liebt und lebt das Prinzip des Buy & Hold, des Kaufens und Behaltens. Seine bevorzugte Anlagedauer sei für immer, hat er öffentlich verkündet. Und wenn man sich die größten Positionen in dem Portfolio seiner Investmentholding Berkshire Hathaway ansieht, so sind sie teilweise seit Jahren und Jahrzehnten unverändert: Wells Fargo, American Express, Coca Cola. Auch seine im lukrativen Duracell-Deal eingetauschten Procter & Gamble-Aktien hielt er weit mehr als 10 Jahre - sie resultierten aus seinem Einstieg bei Gillette, die dann von P&G übernommen wurden.

Seine Einstellung zum langfristigen Investieren legt Buffett auch immer wieder in seinen Jahresberichten dar, die er den Berkshire-Aktionären und Anlegern weltweit zur Verfügung stellt. Zwei besonders bemerkenswerte Passagen aus Jahresberichten von Mitte der 1990er Jahre möchte ich heute mal aufgreifen und in Erinnerung rufen.

"Inaktivität erscheint uns als intelligentes Verhalten. Weder wir noch die meisten Business-Manager würden hoch profitable Tochtergesellschaften fieberhaft handeln, nur weil ein kleiner Schritt beim Zinssatz durch die Federal Reserve vorhergesagt wurde, oder weil irgendein Wall-Street-Experte seine Ansichten zum Markt geändert hätte. Warum also sollten wir uns anders verhalten bei unseren Minderheitsbeteiligungen an wunderbaren Unternehmen?"

Diese Sicht auf die Börse sollte sich jeder Anleger noch einmal vergegenwärtigen. Nur weil man Aktien jederzeit handeln kann, heißt das nicht, dass man das auch tun muss oder soll. Man sollte sich darauf besinnen, dass man sich an einem Unternehmen beteiligt, eine Partnerschaft mit den anderen Eigentümern eingeht, nicht bloß ein Lotterielos namens Aktie für ein Casino namens Börse kauft. Als würde man in eine GmbH einsteigen, dort Anteile erwerben. Die kann man nicht tagesaktuell kaufen oder verkaufen.

"Die Kunst der erfolgreichen Investitionen in öffentliche Unternehmen ist kaum unterschiedlich zu der Kunst des erfolgreichen Erwerbs von Tochtergesellschaften. In beiden Fällen möchte man einfach zu einem vernünftigen Preis ein Unternehmen in ausgezeichneter wirtschaftlicher Verfassung und einem ehrlichen Management erwerben. Danach muss man nur überwachen, ob diese Eigenschaften beibehalten werden."

Solange sich also die Rahmendaten für das Unternehmen nicht fundamental verändern und eine Neueinschätzung des Investments nötig machen, solange verändert Buffet auch seine Haltung gegenüber dieser Position nicht. Seiner Auffassung nach ist dafür das Management zuständig. Das soll das Unternehmen immer wieder an neue gesetzliche Regelungen und wirtschaftliche Herausforderungen anpassen und neu aufstellen. Das ist nicht die Aufgabe eines Aktionärs. Hier unterscheidet Buffett rigoros und deshalb ist ihm ein erfahrenes, kompetentes und ehrliches Management auch so wichtig.

Buffetts Qualitätskriterien
Er investiert daher in Unternehmen mit einem hervorragenden Business, das gegenüber seinen Konkurrenten unbezwingbare Wettbewerbsvorteile und damit eine Preissetzungsmacht hat. Beim Quality Investing wird neben der eigentlichen Bewertung anhand der Kennzahlen, wie Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Verschuldungsgrad, Eigenkapitalrendite oder Cashflow-Betrachtungen besonders auf die Stellung des Unternehmens im Markt geachtet, also ob es über einen Wettbewerbsvorteil gegenüber seinen Mitbewerbern verfügt ("Moat"). Und wenn diese Voraussetzungen vorliegen, dann fällt es einem Investor auch wesentlich leichter, sich zurückzulehnen und dem Management die Zügel zu überlassen, sich in Geduld zu üben, während sich das Unternehmen entwickelt. Und mit ihm der Aktienkurs. Wie uns schon Benjamin Graham, der Urvater der Fundamentalanalyse und Lehrer sowie Mentor Warren Buffetts lehrte: "Geduld ist die oberste Tugend des Investors".

In diesem Sinne wünsche ich uns allen mehr Geduld bei unseren Investments und mehr Gelassenheit beim Umgang mit dem täglichen "Blätterrauschen" der Börsenblättchen, Newsletter und Hot-Stock-Empfehlungen.

Mittwoch, 29. Juni 2016

Zahlen & Mehr: Aurelius, Deutsche Rohstoff, Lloyd Fonds, Ringmetall

:: Aurelius SE
Der Münchener Finanzinvestor Aurelius erwirbt Working Links, den führenden Anbieter von beruflichen und sozialen Wiedereingliederungsleistungen, mit Niederlassungen in Großbritannien, Irland und im Nahen Osten. Working Links bietet Beratungs- und Betreuungsleistungen zur Wiedereingliederung und Rehabilitation in drei verschiedenen Bereichen: Der Bereich der beruflichen Wiedereingliederung zielt darauf ab, die Lebensverhältnisse von Menschen durch Beschäftigung, Schulung und die Entwicklung persönlicher Fertigkeiten zu verbessern. Mit den sozialen Wiedereingliederungsmaßnahmen zur Rückfallprävention soll eine erneute Straffälligkeit verhindert und so die Öffentlichkeit geschützt werden. Der Bereich internationale Dienstleistungen beinhaltet Beratungsdienstleistungen zur beruflichen Wiedereingliederung für inländische Arbeitnehmer in Saudi-Arabien und Kuwait sowie die Durchführung von "Job Path", einem Programm der irischen Regierung, um Langzeitarbeitslose in sechs Regionen Irlands wieder zurück in Arbeit zu bringen. 2015 erzielte Working Links einen Jahresumsatz von rund €160 Mio. und über die Kaufsumme wurde Stillschweigen vereinbart.

Dies ist bereits die dritte Aurelius-Akquisition im zweiten Quartal 2016 und nach CEO Dr. Dirk Markus sind noch 6 bis 8 Käufe und Verkäufe in der Pipeline für dieses Jahr. Negative Auswirkungen durch den Brexit erwartet Aurelius nicht, weder für seine Tochterunternehmen in Großbritannien noch für für den Konzern. Aurelius handele von jeher eher antizyklisch und derartige gesamtwirtschaftliche Umbruchsituationen liefern für das Geschäftsmodell interessante Opportunitäten.

:: Deutsche Rohstoff AG
Die DRAG wird bis 18.7.2016 eine neue Unternehmensanleihe 2016/2021 (WKN A2AA05) mit einem Volumen von bis zu €75 Mio. platzieren, deren Laufzeit 5 Jahre beträgt. Der jährliche Zinssatz beläuft sich auf 5,625% und wird halbjährlich ausgezahlt. Darüber hinaus erhalten die Inhaber der Anleihe 2013/2018 (WKN A1R07G) eine Einladung zur Abgabe von Umtauschangeboten und können je €1.000 nominal der Anleihe 2013/2018 in den gleichen Betrag der neuen Anleihe 2016/2021 tauschen. Zusätzlich erhalten sie eine Barzahlung in Höhe von €40 pro €1.000 nominal, so dass der Umtausch zu 104% erfolgt.

Die DRAG verfolgt hiermit das Ziel, ihre deutlich höher verzinste Anleihe aus den Büchern zu bekommen, um sie gegen eine günstigere Variante auszutauschen. Sie hat die Möglichkeit, die alte Anleihe ab 11. Juli zu kündigen und zu 103% zurückzukaufen. Es ist davon auszugehen, dass die DRAG hiervon Gebrauch machen wird, um (Zins-)Kosten zu sparen. Das Umtauschangebot ist daher eine freundliche Variante für die Anleiheinhaber, denn die DRAG möchte diese ja nicht vergraulen, sondern als Anleger für die neue Anleihe gewinnen.

Mit den verfügbaren liquiden Mitteln, die sich per 31.12.2015 auf €83 Mio. beliefen, beabsichtigt die DRAG im Wesentlichen, Öl- und Gasbohrungen auf ihren Flächen in der Nähe von Denver im US-Bundesstaat Colorado zu finanzieren. Seit September 2015 besteht dort eine Öl- und Gasproduktion aus fünf Horizontalbohrungen, die bereits in den ersten drei Produktionsmonaten rund 35% der Investitionskosten wieder eingespielt hatten. Seit Ende März 2016 läuft ein weiteres Bohrprogramm, in dessen Rahmen insgesamt 25 Bohrungen abgeteuft werden sollen. Alle 25 Bohrungen werden voraussichtlich zwischen August und Oktober 2016 mit der Öl- und Gasproduktion beginnen. Bei den Bohrungen handelt es sich nicht um Explorationsbohrungen mit dem entsprechenden Fündigkeitsrisiko, sondern um die Entwicklung des bereits gut erschlossenen und bekannten Wattenberg Öl- und Gasfeldes.

:: Lloyd Fonds AG
Der Asset-Manager Lloyd Fonds verkauft zwei Hotels in Berlin und Nürnberg aus dem Bestand seines Immobilienfonds "Moderne Großstadthotels". Dessen Anleger erzielen somit eine Rendite von über 11% p.a. vor Steuern und die Lloyd Fonds AG erhält einen substantiellen Ertrag aus der Erfolgsbeteiligung. Käufer der beiden Motel One-Hotels ist die Hotelgruppe Motel One. Die beiden Hotels wurden zum 14,6-fachen der Jahresnettomiete erworben und nun konnte Lloyd Fonds sie zum rund 19,8-fachen verkaufen. Der jetzige Verkaufspreis liegt damit um rund 42% über dem damaligen Kaufpreis und da Lloyd Fonds über eine Performance-Regelung am Erfolg des Fonds beteiligt ist, verzeichnet das Unternehmen aus diesem Verkauf einen substantiellen Ergebnisbeitrag. Die Lloyds Fonds AG geht mit großen Schritten ihren Weg und mausert sich zu einem äußert erfolgreichen Turnaroundwert, der künftig verstärkt mit Schiffen und Immobilien punkten will. Nachdem man den Konzerngewinn im Geschäftsjahr 2015 auf €1,6 Mio. glatt verdoppeln konnte und damit das dritte Jahr infolge im positiven Bereich lag, wird der Hauptversammlung am 20. Juli erstmals seit vielen Jahren wieder eine Dividendenausschüttung vorgeschlagen, die bei €0,07 je Aktie liegen soll. Und auch im laufenden Jahr kommt man voran: so konnte der Asset-Manager zuletzt vermelden, er habe "ergebniswirksam" mehrere Touristen-Hotels an ein namhaftes Family Office vermittelt.

:: Ringmetall AG
Ringmetall, früher unter H.P.I. Holding firmierend, hat ertsmals nach der großen Firmenübernahme der Self Industries im vergangenen Jahr Unternehmenszahlen präsentiert und die können sich sehen lassen. Im ersten Quartal 2016 legte man in der neuen Firmenstruktur sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis deutlich zu: die Umsatzerlöse erhöhten sich um 35,9% auf €22,4 Mio. (Q1 2015: €16,5 Mio.), die Bruttomarge verbesserte sich von 48,5% auf 51,5% und dementsprechend überproportional stiegen auch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 76,9% auf über €3,0 Mio. (Q1 2015: €1,7 Mio.) an und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT), bei dem ein Anstieg um 114,7% auf  €1,9 Mio. zu verzeichnen war (Q1 2015: €0,9 Mio.).

Künftig möchte man einen verbesserte Kapitalmarktkommunikation an den Tag legen und heuerte hierzu den Experten Ingo Middelmenne an. Gut möglich, dass dieser schon bald Meldungen über neue Zukäufe verfassen muss, denn Ringmetall befinde sich in "fortgeschrittenen Gesprächen mit diversen interessanten Unternehmen". Ringmetall wird zurzeit noch im Entry Standrad gelistet, strebt aber mittelfristig eine Notiz im Geregelten Markt an.

Aurelius, Deutsche Rohstoff, Lloyd Fonds und Ringmetall befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 27. Juni 2016

Investor-Update: Aurelius, Hypoport, M.A.X. Automation, Publity, S&T

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Brexit - wtf?
Es gab letzte Woche nur ein Thema: den Brexit. Nachdem die Prognosen sich nach dem Mord an der britischen Labour-Abgeordneten Cox immer mehr Richtung Bremain, also einem verbleib Großbritanniens in der EU, verschoben, und auch am Abstimmungstag noch eine knappe Mehrheit signalisierten, gab es nach der Auszählung am Freitagmorgen dann Katerstimmung und Börsenbeben. Ein DAX-Minus von fast 10 Prozent im Tagesverlauf, insbesondere im frühen (vorbörslichen) Handel, ist schon eine Besonderheit. Aber auch die anderen Weltbörsen haben mächtig Federn gelassen, die Märkte wurden vom Ausgang des Votums doch sehr überrascht.

 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Fear-and-Greed-Index stabil
Aus dem Angst-und-Gier-Index wurde mächtig Luft abgelassen und er notiert inzwischen wieder im neutralen Bereich, nachdem er seit Monaten grüne, optimistische Stimmungssignale lieferte. Und damit zur Vorsicht mahnte.

Die Crashkurse vom Freitag haben allerdings eigentlich nur die zuvor geradezu euphorischen Kursanstiege wieder zunichte gemacht und das zeigt sich auch beim Blick auf den Wochenverlauf. Denn unterm Strich haben sich die Kurse kaum bewegt, was auch an der Wochenübersicht meiner Empfehlungsliste abzulesen ist.

Während viele Markttteilnehmer total auf dem falschen Fuß erwischt wurden, habe ich an den Crashkursen sogar profitiert - jedenfalls in der Betrachtung am Montagmorgen. Ob sich mein Agieren als schlau und gewinnbringend erweist, wird erst die Zukunft zeigen. Nachdem aber die ganz großen Kurseinbrüche in der Vergangenheit ganz überwiegend hervorragende Einstiegszeitpunkte waren, bin ich da ganz optimistisch.

Ich hatte ja die letzten Wochen über schon eine erhöhte Cash-Position aufgebaut, um ggf. günstig zuschlagen zu können. Der kräftige Anstieg der letzten Tage und die knappen Umfrageergebnisse kurz vor der Abstimmung zum Brexit gestern haben mich dann jedoch dazu veranlasst, Mittwochnachmittag zusätzlich DAX-Puts zu kaufen (HSBC T+B PUT17 DAX; WKN TD1MLC), um mein Depot abzusichern und für den Fall eines (ja quasi schon nicht mehr erwarteten Brexits) mit daraus resultierenden Gewinnen zusätzliches Nachkaufpotenzial zu schaffen. Bei der Auswahl habe ich mich darauf konzentriert, dass der Schein einen ordentlichen Hebel haben und nicht total aus dem Geld sein sollte. Ziel war, bei einem Bremain nicht zu viel Geld in den Sand zu setzen und bei einem Brexit einen schnellen, satten Gewinn einzustreichen. Und der Brexit kam, die Puts schossen am Donnerstagmorgen in die Höhe und ich habe sie bei rund 9.200 DAX-Punkten bzw. knapp 9% DAX-Minus glattgestellt mit rund 65% Gewinn. Ich habe dann auch gleich gehandelt und zwar in den aussichtsreichsten und volatilsten Werten, die am stärksten einbrachen.

Ich habe meine Publity-Position in München komplett glattgestellt zu €29, als sie andernorts bereits zu weit unter €28 notierten, und kurze Zeit später zurückgekauft zu knapp über €27. Dann habe ich Aurelius um ein Drittel aufgestockt, als diese zweistellig im Minus standen, zu durchschnittlich unter €47. Und meine Hypoport-Position habe ich ebenfalls um ein Drittel ausgebaut zu €72,50, also auch deutlich zweistellig unter Wasser. Des Weiteren habe ich ein paar M.A.X. Automation eingesammelt zu €5,40, als diese noch rund 10% im Minus notierten; meine eine Kauforder bei Villeroy & Boch zu €11,50 ist leider nicht bedient worden.

Als einzige neue Position habe ich S&T ins Depot genommen.

+ S&T AG
Seit Donnerstag habe ich die S&T AG (ehemals Gericom, später Quanmax) zu €6,70 im Depot, einen österreichischen IT-Dienstleister, der sich in den letzten Jahren aussichtsreich positioniert hat. Die Hardware-Umsätze werden zunehmend zugunsten wiederkehrender und margenstärkerer Software-Umsätze verdrängt und die Ausrichtung auf Osteuropa und die Energiebranche (Stichwort Smart-Metering) bergen noch einiges an Potenzial.


.: Cashquote
Durch die Käufe ist meine Cashquote wieder gesunken und hat sich auf unter 15% reduziert. Dass sie trotz der vielen Käufe nicht stärker gefallen ist, liegt natürlich an dem satten Spekulationsgewinn mit den DAX-Puts. Meine Investments erfolgen ausschließlich nach konsequentem Stock-Picking, denn die Gesamtmarktsituation ist weiterhin eher labil. Das Thema Brexit wird weiterhin die Schlagzeilen bestimmen, aber die konkreten Auswirkungen werden kaum kurzfristig spürbar werden, denn ein Austritt aus der EU wird erst nach langen Verhandlungen und mindestens zwei Jahren Geschacher erfolgen. Da das Referendum keine eigene Rechtswirkung hat(te), sondern lediglich eine Volksbefragung darstellte, und die Brexit-Befürworter inzwischen reihenweise eingestehen mussten, dass ihre Kernaussagen nicht zu halten sind, kann es durchaus sein, dass das britische Parlament einem EU-Austritt gar nicht zustimmen wird. Und nur der würde die britische Regierung ermächtigen, den Austritt bei der EU einzuleiten. Hier verbleibt für die nächste zeit die Unsicherheit - der große Knall ist aber vorüber und der Pulverdampf verzieht sich. Und alle erkennen, dass es mehr Krach und Qualm war, als wirkliche Zerstörungswirkung. Jedenfalls was die EU angeht. Großbritannien kann durchaus auf der Kippe stehen, weil Nordiren und Schotten sich mit großer Mehrheit für einen Verbleib in der EU ausgesprochen haben und somit deren Unabhängigkeitsbestrebungen wieder Auftrieb erhalten könnten.

Die Unternehmen werden sich auf die Auswirkungen eines Brexits vorbereiten; als Anleger sollte man Unternehmen meiden, die besonders unter dem Brexit leiden würden - oder aber gerade diese einsammeln, sollten die Kurse jetzt überproportional verdroschen werden. Ansonsten dürfte die Börse bald zum "business as usal" übergehen. Und da uns der Sommer mit dem anschließenden tendenziell eher schwankungsanfälligen Herbst bevorsteht, werde ich meine Cash-Quote eher hoch halten. Es dürfte - vereinzelt - noch weitere Schnäppchenkurse geben in den nächsten Wochen...

Börsenweisheit der Woche 26/2016

"Lass Dich nicht von Deinen Emotionen leiten. Angst und Gier sind wahrscheinlich die schlimmsten Emotionen, die man im Investmentgeschäft haben kann."
(Walter Schloss)

Freitag, 24. Juni 2016

SMEIL Award 2016: iNTELLiGENT iNVESTiEREN ist nominiert

Auch in diesem Jahr findet wieder der Wettbewerb des österreichischen Finanzportals boerse-social.com statt und mein Blog ist nominiert. Bis zum 1. Juli habt Ihr Zeit, um aus dem inzwischen großen Angebot von 111 Börsen-Websites Eure 5 Favoriten auszuwählen und wenn Ihr iNTELLiGENT iNVESTiEREN Eure Stimme gebt, würde ich mich über diese Anerkennung sehr freuen.

Das Abstimmen ist ganz einfach, lediglich auf diesen Link klicken und iNTELLiGENT iNVESTiEREN Eure Stimme geben.

BREXIT: Briten raus aus der EU, Schotten und Iren raus aus Großbritannien?

Nun ist es passiert, naja, es wird wohl passieren, die Briten steigen aus der EU aus. Das Lager der Brexit-Befürworter hat einen Sieg davon getragen und auch wenn dieser dünn ausfällt, sind sie doch in der Mehrheit. Die Börsen werden heute deutlich einbrechen, zu Beginn des Handels, aber danach sollte die alte Börsenweisheit greifen: "Politische Börsen haben kurze Beine". Denn...

  1. Einen schnelle EU-Austritt wird es nicht geben
    Es werden jetzt jahrelange Gespräche zwischen EU und Großbritannien folgen, wie die vielfältigen Beziehungen getrennt werden können. Einen schnellen Austritt wird es nicht geben.
     
  2. Die Regierung Cameron ist am Ende
    Premier Cameron hatte für einen Verbleib in der EU geworben, die Büchse der Pandora mit dem Referendum jedoch selbst geöffnet, mit dem er parteiinterne EU-Kritiker ruhig stellen wollte. Cameron ist politisch gescheitert und dürfte noch in diesem Jahr als Premier zurücktreten (müssen).
     
  3. Schotten und Nordiren stimmten mit großer Mehrheit für einen Verbleib in der EU
    Schotten und Nordiren stimmten anders ab als die Engländer und wollen mit großer Mehrheit in der EU bleiben. Dies dürfte deren Unabhängigkeitsbewegungen mächtig Auftrieb geben und könnte zur Abspaltung eines oder gar beider Länder von England führen.
     
  4. Keine Mehrheit im Parlament für Austritt?
    Da das britische Parlament einem Austritt zustimmen und wohl auch bereits formal einen Beschluss zum Austritt und der Aufnahme von Verhandlungen mit der EU treffen müsste, kann die Chose hier bereits scheitern. Denn im britischen Parlament sitzen auch viele Abgeordnete aus Nordirland und Schottland und ob die angesichts des Abstimmungsergebnisses ihrer Landsleute im Parlament für einen Brexit stimmen werden, kann zumindest bezweifelt werden. Das das britische Wahlsystem ein reines Direktwahlsystem ist, sind den Abgeordneten ihre Wahlkreiswähler viel näher als ihre Parteioberen. Daher ist es gut möglich, dass die Mehrheit der britischen Abgeordneten gegen einen Brexit stimmen wird, auch wenn die Mehrheit der Wähler insgesamt dafür gestimmt hat.

Es bleibt spannend, auch wie die EU sich verhalten und ggf. diesen Warnschuss (endlich) verstehen wird, um sich wieder zu dem zu entwickeln, was ursprünglich die Idee des geeinten Europas war: friedliches Zusammenleben mit Vorteilen für alle.

Die Finanzmärkte dürften sich nach der ersten kräftigen Erschütterung auf die neue Situation einstellen und schon bald zur Normalität zurückkehren. Unsicherheit ist ihr größer Feind, nicht herausfordernde Situationen. Im Nachhinein werden die Anleger wieder einmal erkennen müssen, dass derartige Kurseinbrüche in der Langfristperspektive hervorragende Kaufchancen waren. Oder wie es Warren Buffett ausdrückte: "Kaufe, wenn Angst herrscht".

Montag, 20. Juni 2016

Börsenweisheit der Woche 25/2016

"Kaufe, wenn Angst herrscht, verkaufe, wenn die Gier die Oberhand gewinnt".
(Warren Buffett)

Freitag, 17. Juni 2016

PJT Partners fädelt milliardenschweren Windkraft-Deal für Blackstone ein

Die M&A-Beratung PJT Partners hat ihren ersten Deal in Deutschland abgewickelt und zwar für den US-Finanzinvestor Blackstone. Und es war ein Paukenschlag, denn im Markt für Fusionen und Übernahmen hatte hierzulande (noch) niemand PJT auf dem Schirm.

PJT ist eine Investment-Boutique, also eine Investmentbank ohne eigentliche Bank-Sparte. In diesem Bereich haben sich einige Investmentgrößen in den letzten Jahren selbständig gemacht, die zuvor bei den großen Investmentbanken an der Wall Street für Fusionen und Übernahmen zuständig waren. Sie haben ihre Expertise und ihre Kunden gleich mitgenommen. Und diese kleineren und schlagkräftigen Unternehmen kommen gut an bei den Kunden, so dass die Branche insgesamt steigende Umsätze und Gewinne zu verzeichnen hat. Was selbstverständlich auch an der allgemeinen Marktverfassung liegt, denn seit der Finanzkrise 2008/2009 hat sich der Aktienmarkt ja kräftig erholt und die Übernahmen und Fusionen erreichen immer neue Größenordnungen.

PJT steht für Paul J. Taubman, einen Investmentbanker, der 2012 nach 30 Jahren Morgan Stanley verlassen hatte, um seine eigene Investmentfirma aufzumachen - Gerüchten zufolge, weil ihm der Sprung auf dem Chefsessel bei Morgan Stanley verwehrt wurde. Innerhalb von nur zwei Jahren schaffte er es, sich im M&A-Markt (Mergers and Acquisitions) zu etablieren und gleich mehrere Milliarden-Deals einzufädeln. Was wohl daran lag, dass der 54-jährige Taubman ein ausgewiesener Experte im Bereich Fusionen und Übernahmen ist. So kam er dann auch Ende 2014 auf den Schirm von Stephen A. Schwarzman, Gründer und CEO von Blackstone, einem der erfolgreichsten Finanzinvestoren der Welt. Denn Blackstones eigene Wurzeln gehen auf genau jenen Bereich der M&A zurück, mit denen sich Schwarzman ursprünglich einmal selbständig gemacht hatte. Und seine Überlegung war, die ursprüngliche Keimzelle von Blackstone mit Taubmans Elan und Schaffenskraft zu vereinen - und von Blackstone abzuspalten. 

 PJT Partners (Quelle: finanzen.net) 
Diese Verbindung erklärt auch, weshalb die bisher in Deutschland noch nicht aktive PJT Partners einen Mega-Deal an Land ziehen konnte. So hat Johannes Gröller, Deutschlandchef von PJT, den Verkauf des Offshore-Windkraftbetreibers WindMW für den Private-Equity-Investor Blackstone eingefädelt. WindMW geht für eine unbekannte Summe an den chinesischen Stromkonzern Three Gorges. Dass die Chinesen bei Übernahmen in Europa bereit sind, auch kräftige Aufgelder zu zahlen, ist spätestens seit dem €4,5 Mrd. teuren Übernahmeangebot von Midea für den Robotikspezialisten KUKA allgemein bekannt. Und mit "Meerwind" betreibt WindMW einen der größten Windparks in der deutschen Nordsee, dessen Wert zuletzt auf €1,4 Mrd. geschätzt wurde, um mal eine Größenordnung zu nennen. PJT wird an diesem Deal also ordentlich verdient haben und auch künftig die Fühler nach weiteren lukrativen M&A-Deals ausstrecken. Die Verbundenheit zu Blackstone, dem weltweit größten Manager von alternativen Anlagen, sollte hierbei auch künftig ein echtes Asset sein, denn Blackstones Business erfordert vielfache M&A-Dienstleistungen.

Die Aktien von PJT Partners sind sehr volatil und seit dem Spin-off von Blackstone schwankte der Kurs zwischen €18,50 und 26,50 - ein Delta von fast 45%. Der Markt für Fusionen und Übernahmen läuft auf Hochtouren, nicht zuletzt auch dank der Wucht, mit der chinesische Investoren auf den europäischen und amerikanischen Markt drängen. Große Aufmerksamkeit erzielte auch die Übernahme des Karrierenetzwerks LinkedIn durch den Softwaregiganten Microsoft. Salesforce-Chef Benioff, der auch an LinkedIn interessiert war, meinte hierzu, die Tech-Branche sei "in einer Saison der Übernahmen".

Die PJT-Aktie, die ich seit dem Spin-off auf meiner Empfehlungsliste habe, kann man daher gut als spekulative Beimischung im Depot behalten - wenn man bereit ist, die bisweilen starken Schwankungen auszuhalten.

Donnerstag, 16. Juni 2016

Die Lloyd Fonds AG will verstärkt mit Schiffen und Immobilien punkten

Der seit über 20 Jahren auf sachwertbasierte Investitionen und Kapitalanlagen spezialisierte Investment- und Asset-Manager Lloyd Fonds AG treibt den Umbau des Unternehmens weiter voran. Wie man heute bekannt gab, wird man den Vorstand um zwei erfahrene Manager erweitern.

So wird neben CEO Dr. Torsten Teichert künftig Klaus M. Pinter zum Generalbevollmächtigten des Unternehmens berufen und ab sofort die Aktivitäten im Schifffahrtsbereich verantworten und mit neuen Projekten ausbauen. Von 2006 bis 2015 war er in verschiedenen leitenden Positionen bei der Commerzbank tätig und hatte dort zuletzt mit der Hanseatic Ship Asset Management GmbH (HSAM) eine sehr erfolgreiche Schifffahrtsplattform aufgebaut. Als Geschäftsführer managte er eine Flotte von 18 Containerschiffen und Bulkern.

Holger Schmitz verantwortet als Generalbevollmächtigter die Bereiche Finanzen und Immobilien. Er war in den Jahren 2001 bis 2007 bereits maßgeblich am Aufbau der Lloyd Fonds AG inklusive des Börsenganges beteiligt, seit 2004 als Finanzvorstand. Von 2010 bis 2011 war Schmitz Vorstand eines auf Sozialimmobilien spezialisierten Unternehmens und kehrte 2012 kehrte als Generalbevollmächtigter zu Lloyd Fonds zurück.

 Lloyds Fonds AG (Quelle: finanzen.net) 
Neue Projekte, neue Ziele, neue Phantasie
Mit dem Ausbau der Unternehmensleitung verfolgt die Lloyd Fonds AG das Ziel, neue Projekte zu entwickeln und diese nachhaltig zu etablieren. "Wir haben in den letzten 12 Monaten viele neue Vorhaben entwickelt und verfügen jetzt über eine starke Projektpipeline. Über unsere Wachstumsstrategie als Investment- und Asset-Manager sowie konkrete Projekte in neuen Strukturen werden wir auf unserer Hauptversammlung im Juli berichten", sagte CEO Dr. Torsten Teichert. "Wir sind überzeugt, dass börsennotierte Aktiengesellschaften eine nachhaltige Struktur für Investitionen in Sachwerte durch institutionelle und private Investoren bieten. Dies gilt gleichermaßen für die Immobilien - wie für die im Moment noch besonders herausfordernden Schifffahrtsmärkte. So planen wir zum Beispiel im Immobilienbereich eine börsennotierte Gesellschaft für geförderten Wohnungsbau sowie im maritimen Bereich den Aufbau und das Management einer Plattform für Schiffe."

Meine Einschätzung
Ich hatte kürzlich die Aktien der Lloyds Fonds AG gekauft und als spekulativen Turnaroundwert auf meine Empfehlungsliste genommen. Seitdem hat der Kurs schon etwas Fahrt aufgenommen und die heutigen Nachrichten bestätigen mich in der Einschätzung, dass das Unternehmen bei seinem Umbau voranschreitet und die Weichen wieder auf einträgliches Wachstum stellt. Nachdem man den Konzerngewinn im Geschäftsjahr 2015 auf €1,6 Mio. glatt verdoppeln konnte und damit das dritte Jahr infolge im positiven Bereich lag, wird der Hauptversammlung am 20. Juli erstmals seit vielen Jahren wieder eine Dividendenausschüttung vorgeschlagen, die bei €0,07 je Aktie liegen soll. Und auch im laufenden Jahr kommt man voran: so konnte der Asset-Manager zuletzt vermelden, er habe "ergebniswirksam" mehrere Touristen-Hotels an ein namhaftes Family Office vermittelt.

Demnächst dürfte es weitere interessante Neuigkeiten geben. Neben der Konkretisierung der Neuausrichtungspläne auf der Hauptversammlung soll Lloyds Fonds eine weitere Hotel-Transaktion in Vorbereitung haben. Für risikoaffine Investoren könnte sich hier eine weitere erfolgreiche Turnaround-Spekulation anbahnen.


Ergänzung vom 18.06.2016
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SRC Research hat nach den Zahlen für 2015 eine Studie herausgegeben und das Kursziel für die Lloyd Fonds-Aktie von €2,70 auf €3,00 erhöht. Das Researchhaus erwartet von dem Hamburger Unternehmen für die kommenden Jahre Eigenkapitalrenditen im zweistelligen Bereich in einer Größenordnung von 12 bis 18 Prozent und bestätigt seine Kaufempfehlung mit dem Rating "Buy".

Dienstag, 14. Juni 2016

Nächster lukrativer NPL-Deal für Publity!

Nachdem Publity, ein Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Immobilienfinanzierung in Sondersituationen, kürzlich erst von einem internationalem Investor einen 5-Jahres-Servicing Vertrag für ein NPL-Portfolio (Non-performing Loans) erhalten hat, das mehr als 1.100 notleidende Kredite in einem Gesamtvolumen rund €1,1 Mrd. umfasst, konnte man nun einen weiteren solchen Deal an Land ziehen. Dieser neue Vertrag stammt ebenfalls von diesem internationalen Finanzinvestor und umfasst 1.300 Immobilien-Kredite mit einer Forderungshöhe von insgesamt mehr als €600 Mio. Der Servicing-Vertrag läuft über 5 Jahre und Publity ist am Verwertungserlös beteiligt. Beide Portfolien zusammen umfassen somit ein Gesamtvolumen von ca. €1,7 Mrd. mit mehr als 2.400 Engagements.

 Publity AG (Quelle: finanzen.net) 
Das NPL-Segment ergänzt als zweite Säule das Kerngeschäft Co-Investments der Publity im Rahmen von Joint Ventures mit institutionellen Investoren mit dem Fokus auf renditestarke Gewerbeimmobilien in deutschen Ballungszentren. Es trägt zunehmend zum beschleunigten Wachstum der Gesellschaft bei. Für Anleger bietet sich mit einem Investment in die Publity AG die Chance, jetzt noch vergleichsweise günstig an dem absehbaren Boom teilhaben zu können, denn der Aktienkurs leidet noch unter der Irritation aufgrund der überraschenden Kapitalerhöhung am Tag nach der Hauptversammlung. Kurz danach hatte Publity sich weiteres frisches Geld besorgt und bei Pfandbriefbanken €400 Mio. eingesammelt. Wie CEO Thomas Olek in diesem Interview erklärte, sind die beiden "neuesten NPL-Deals noch gar nicht in den bisherigen Prognosen enthalten". Und Publity bekommt als Verwalter eine jährliche Managementgebühr von 0,5% der AUM, was bei einem Volumen von €1,7 Mrd. zu Erlösen von €8,5 Mio. führt, 5 Jahre lang, Jahr für Jahr. Die bisherige Prognose für das Geschäftsjahr 2016 ging von einem Nachsteuergewinn von €25 Mio. aus, um mal die enorme Auswirkung dieser beiden Deals einschätzen zu können.

Ich habe Publity auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis der Aktienkurs endlich wachgeküsst wird.

Montag, 13. Juni 2016

Neue Geschäftsfelder: Deutsche Rohstoff verkauft jetzt Gold für $2.500 je Unze

Thomas Gutschlag, CEO der Deutsche Rohstoff AG, gab der "Welt am Sonntag" ein Interview und dabei kamen interessante Details zutage.

Man fördere Gold am Rhein und die damit geprägten Goldmünzen würden als streng limitierte Auflagen verkauft und erzielten so den doppelten Preis, den ihr Wert in Gold ausmache. Eine stolze Rendite, aber eben auch ein limitiertes Volumen, denn die Auflage auf wenige hundert Stück begrenzt und Gold kein Kerngeschäft der Deutschen Rohstoff AG (mehr). Das war früher anders, bis man sich fast zum Höchststand des Goldpreises von seinen Goldminen verabschiedete. Aufgrund des vergleichsweise niedrigen Goldpreises von 1.100 Dollar je Unze könnte man sich vorstellen, auch "wieder in dieses Geschäft neu einzusteigen", sagte Thomas Gutschlag. Man teste außerdem, Hightech-Metalle wie Seltene Erden aus Gipsabfällen zu gewinnen.

Öl und Gas treiben die GuV
Aktuell spielt die Musik jedoch in anderen Gegenden und anderen Rohstoffen. So hat die Deutsche Rohstoff AG in Sachsen Lizenzen für den Abbau von Zinn und in Kanada ist man Großaktionär eines Unternehmens mit drei Wolfram-Minen. Und auch in Australien ist man an einem Zinnabbaukonzern maßgeblich beteiligt. Doch der wahre Fokus liegt wieder auf dem Öl- und Gasgeschäft, aus dem man Anfang 2014 zum Höchstpreis für mehr als $200 Mio. ausgestiegen war. Inzwischen hat sich der Ölpreis mehr als halbiert und mit ihm die Kosten für Bohrungen, Fördern, Personal und Equipment. Und Lizenzen. Daher hat die DRAG über zwei Tochtergesellschaften in den vergangenen Monaten in den USA mehrere Flächen akquiriert und nun laufen dort 25 erfolgreiche Bohrungen. Ab Herbst soll dann mit der Produktion begonnen werden. Dabei kommt der DRAG zugute, dass man die beim damaligen Verkauf der Aktivitäten der Tochter Tekton gezahlten Steuern von knapp $35 Mio. anteilig zurückerstattet bekommt, wenn man neue Bohrungen in den USA vornimmt. Das schmälert den Kostenaufwand der DRAG zusätzlich und verschafft ihr einen weiteren Vorteil gegenüber der Konkurrenz.

 Deutsche Rohstoff AG (Quelle: finanzen.net) 
Schon früher hatte Gutschlag erklärt, dass die DRAG auch bei einem WTI-Ölpreis von unter $35 gewinnbringend arbeiten könne und ab $40 "richtig" Geld verdienen würde. Daher freut er sich über den momentan niedrigen Ölpreis, der ihm günstige Zugriffe auf Lizenzen, Rechte, Flächen und Equipment sichert. 2014 seien in den USA noch 1.600 Bohrgeräte im Einsatz gewesen, aktuell seien es vielleicht noch 300. Die Preise sind also entsprechend niedrig. Daher hoffe man, in den nächsten Monaten weitere Flächen akquirieren zu können. Dafür stünden noch rund €80 Millionen zur Verfügung.

Financial Engineering soll viel Geld sparen
Mitte Juli will Gutschlag darüber hinaus eine DRAG-Anleihe kündigen, die 2013 zur Finanzierung des US-Öl- und Gasgeschäfts begeben worden war. Der Zinssatz ist entsprechend hoch und die DRAG könnte sich aktuell wesentlich günstiger Refinanzieren; u.U. durch Begebung einer neuen Anleihe. Creditreform hatte jüngst das Rating der DRAG mit BB+ bewertet aufgrund der guten Finanzausstattung. "Das Timing ist derzeit gut. Zum einen waren die bisherigen Platzierungen 2016 durchweg erfolgreich. Zum anderen kauft jetzt auch die Europäische Zentralbank Unternehmensanleihen. Das treibt die Nachfrage auch für unser Papier nochmal zusätzlich an", ist sich Thomas Gutschlag sicher.

Meine Einschätzung
Die DRAG ist vermutlich eine der sichersten Möglichkeiten, von allgemein steigenden Rohstoffpreisen zu profitieren und insbesondere von einem Wiedererstarken des Ölpreises. Aufgrund der hohen Cashreserven ist man nicht darauf angewiesen, windige Finanzierungen in Anspruch zu nehmen, sondern kann sich solide Finanzieren. Auch bei einem Ölpreis von $35 schreibt man keine Verluste, hat also beim aktuellen Ölpreis von rund $50 einen Sicherheitspuffer von 30%. Und jeder Dollar über 35 spült der DRAG Gewinne in die Kasse. Jedenfalls demnächst, wenn das Bohrprogramm beendet ist und die Förderung beginnt. Das soll im Herbst der Fall sein und dann kann auch der Ölpreis gerne weiter steigen und so die Gewinne der DRAG explodieren lassen. Bis dahin hat das Team um CEO Thomas Gutschlag noch Zeit und Gelegenheit, weitere Flächen zu akquirieren. Ich habe jedenfalls die letzten Tage genutzt, um meine Position von DRAG-Aktien weiter aufzustocken. Am 5. Juli ist jetzt erst einmal Hauptversammlung und am Tag danach gibt es eine Dividendenausschüttung von €0,50 €0,55 je Aktie, was einer Dividendenrendite von 2,9% entspricht.

Die Deutsche Rohstoff AG befindet sich in meinem Depot und auf meiner Empfehlungsliste.

Börsenweisheit der Woche 24/2016

"Wenn sich alle Experten einig sind, ist Vorsicht geboten".
(Bertrand Russell)

Freitag, 10. Juni 2016

Zahlen & Mehr: 7C Solarparken, Aurelius, Eon, mVISE, Publity

:: 7C Solarparken
Der Solarparkbetreiber konnte heute mit positiven Nachrichten aufwarten. So hat man das letztes Jahr erworbene Miskina-Portfolios mit einer Leistung von 13,7 MWp optimieren können durch eine Verbesserung der Performance Ratio sowie eine Refinanzierung der Projektdarlehen. Zwei der zum Portfolio gehören Anlagen konnten durch technische Optimierung von einem PR-Level von 70% auf nun 79% gehoben werden und durch diese Investition von €0,7 Mio. werden jährliche Erlössteigerungen von €160.000 erzielt.

Bei der Umfinanzierung konnte man ebenfalls einen großen Erfolg verbuchen. Die Nettoverschuldung sinkt per Ende Juni 2016 auf €31,9 Mio. und die durchschnittlichen Festzinsen wurden von 5,5% auf 2,05% reduziert. Die einmalige Vorfälligkeitsentschädigung beläuft sich auf €2,3 Mio.; ihr stehen nun jährliche Einsparungen in Höhe von €1 Mio. gegenüber.

Beide Maßnahmen liefen besser als erwartet und übertrafen die Prognosen des Vorstands vom letztjährigen Investorentag. Die Priorität des Vorstands verlagert sich nun auf Wachstum, um das 105 MWp-Ziel vor dem Jahresende 2017 zu erreichen.

:: Aurelius
Gestern fand die Hauptversammlung des Finanzinvestors Aurelius statt und heute wird die Bruttodividende von €2,45 je Aktie ausgezahlt, die sich aus einer Basisdividende von €0,90 und einer Partizipationsdividende von €1,55 zusammensetzt. Die Ausschüttung wurde damit um 22% gegenüber dem Vorjahr erhöht. Dem entsprechend passte Aurelius auch die Konditionen der begebenen Wandelanleihe an.

Aurelius betreibt inzwischen Büros in München, London, Stockholm und Madrid und zur weiteren Differenzierung des Aurelius-Geschäftsmodells, vor allem im angelsächsischen bzw. internationalen Markt, wurde die Umfirmierung der Gesellschaft in AURELIUS Equity Opportunities SE & Co. KGaA beschlossen.

Ergänzung vom 16.06.2016, 12:03
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In einem Interview mit "Vorstandswoche.de" sagte Aurelius-CEO Dr. Dirk Markus, Aurelius plane in diesem Jahr noch weitere 2 bis 5 Zukäufe zu tätigen. Zudem werde man sich noch ein paar Firmen trennen. Das zweite Halbjahr werde sehr "aktiv".

:: Eon
Die gestrige Hauptversammlung der Eon hat die Aufspaltung des Unternehmens in zwei Teile beschlossen. Eon will sein Geschäft mit den konventionellen Kraftwerken und den Energiehandel in die Gesellschaft Uniper auslagern, die schon seit Jahresbeginn operativ tätig ist. Eon konzentriert sich dann auf die erneuerbaren Energien, den Vertrieb und das Netzgeschäft. Die Eon-Aktionäre sollen mit der Aufspaltung für jeweils zehn Eon-Papiere zusätzlich eine Uniper-Aktie erhalten. Damit trennt Eon sich zunächst von rund 53% an Uniper, will jedoch auch die restlichen 47% mittelfristig verkaufen. Für den heftigen Kurseinbruch sorgte allerdings der Dividendenabschlag, denn Eon hatte eine Bruttodividende von €0,50 je Aktie ausgekehrt.

:: mVISE
Auch bei der mVISE AG trat die Hauptversammlung zusammen; bei dem Turnaround-Kandidaten gab es allerdings keine Dividende, daher standen die Berichte des Vorstands im Vordergrund.

Im Jahr 2015 konnte die Gesamtleistung der mVISE AG um 174% von €2,1 Mio. auf  €5,9 Mio. gesteigert werden und die Mitarbeiterzahl verdoppelte sich im selben Zeitraum von 32 auf 64, ebenso die Eigenkapitalquote von 24% auf 48%. Die Bereinigung defizitärer Geschäftsfelder ist abgeschlossen und sämtliche Altverbindlichkeiten wurden getilgt.

Der Turnaround setzt sich auch in 2016 fort, wie die voraussichtlichen Ergebnisse des ersten Halbjahres zeigen. Die erwartete Gesamtleistung steigt um mehr als 50% auf ca. €3,7 Mio. nach 2,4 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Ebenso erfreulich zeigt sich das erwartete EBITDA mit +€160.000 ggü. -€380.000 bereinigtem EBITDA im Vorjahreszeitraum. Der Vorstand der mVISE AG bestätigt daher die Prognose einer Gesamtleistung von knapp €10 Mio. für das Jahr 2016 bei einer angenommenen Konsolidierung der übernommenen Just Intelligence GmbH, Hamburg ab dem 3. Quartal 2016.

:: Publity
Die aufstrebende Immobilien-AG Gateway Real Estate hat sich durch eine Kapitalerhöhung im Verhältnis 1:6 brutto 19 Mio. Euro aus dem Kapitalmarkt geholt und mit dem Geld die ersten beiden größeren Deals der Gesellschaft finanziert. Dabei handelt es sich um das an Areva und Siemens vermietete Büroobjekt an der Paul-Gossen-Str. 100 in Erlangen für €76 Mio. und um die Baby-Walz-Zentrale in Bad Waldsee für €32,8 Mio. Verkäufer der beiden Liegenschaften ist die Publity AG, die diese beiden Objekte somit weniger als 6 Monate in ihrem Bestand hatte. Bisher hatte Publity seine Immobilien im Schnitt nach 16 Monaten weiterverkauft und bei diesen bisher gehandelten rund 500 Immobilien machte man einen durchschnittlichen Gewinn von 27%. Ob der Gewinn bei diesen beiden Liegenschaften in einer ähnlichen Größenordnung liegt, ist nicht bekannt - es ist aber davon auszugehen, dass Publity einen schönes Aufgeld hat einstreichen können, denn man erwirbt die Immobilien aus Notsituationen heraus und damit mit erheblichem Abschlag auf ihren Verkehrswert. Und da man zumeist mit 3% an den Objekten selbst beteiligt ist und sowohl beim Ankauf als auch beim (erfolgreichen) Verkauf Provisionen einstreicht, dürfte sich das Geschäft für Publity gelohnt haben.

Am 13.06.2016 stellt die Immobilien-Zeitung richtig, dass ihre Meldung nicht korrekt war. Verkäufer der beiden Liegenschaften war nicht die Publity AG, sondern diese hatte den Deal für Gateway lediglich als Asset-Manager begleitet. Ich gehe davon aus, dass die beiden Immobilien zu einem vom Publity für Finanzinvestoren betreuten Portfolio gehören.

7C Solarparken, Aurelius, Eon, mVISE und Publity befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Donnerstag, 9. Juni 2016

Zahlen & Mehr: Deutsche Rohstoff, Publity, Shareholder Value Beteiligungen, Starbucks

:: Deutsche Rohstoff
Die beiden Explorationstöchter der DRAG nehmen das Bohrprogramm auf. Cub Creek Energy (CCE) beginnt mit 19 horizontalen Öl- und Gasbohrungen mit 2 Bohrgeräten, die auf zwei unterschiedlichen Bohrplätzen ("Markham" und "Vail") parallel zum Einsatz kommen. Alle Bohrungen sollen bis Mitte August abgeschlossen sein und der Produktionsbeginn dann im September oder Oktober erfolgen. Das Gesamtinvestitionsvolumen von CCE wird sich auf rund $45 Mio. USD belaufen, der Anteil ("Working Interest") von CCE an den Bohrungen wird bei nahezu 100% im Falle von Vail und mindestens 75% im Falle von Markham liegen. Beide Bohrplätze liegen in einem Gebiet, in dem CCE über detaillierte geologische Kenntnisse und Bohrerfahrung verfügt. Sie liegen nur wenige Meilen südlich des früheren Tekton Energy-Projekts und des Magpie-Gebietes, in dem Elster Oil & Gas (EOG) aktiv ist. EOG, an der die Deutsche Rohstoff zu 93% beteiligt ist, ist derzeit an sechs neuen Horizontalbohrungen im Magpie-Gebiet beteiligt. Diese Bohrungen werden in den kommenden Tagen fertiggestellt und nehmen im 3. Quartal 2016 die Produktion auf. Dabei kommt der DRAG und ihren Töchtern der gestiegene Ölpreis entgegen, der bei vergleichsweise niedrigen Bohr- und Förderkosten höhere Gewinne verspricht. Hinzu kommt, dass die DRAG beim Verkauf der damaligen Tochter Tekton hohe Steuern in den USA zahlen musste, die jedoch bei neuen Förderprogrammen zum Großteil wieder erstattet werden. Hierbei geht es um einen zweistelligen Millionenbetrag, den die DRAG "spart" und der dazu führt, dass man auch unterhalb von 40 je Barrel (WTI) "richtig Geld verdient", wie CEO Thomas Gutschlag es ausdrückte.

Darüber hinaus legten CCE und EOG ein aktualisiertes Reservengutachten vor, wonach sich die Öl & Gas Reserven der beiden Firmen seit Dezember 2015 um 84% erhöht haben. Ursächlich hierfür sind vor allem zahlreiche weitere Bohrplätze von CCE, die nun Teil des Reservengutachtens sind. Zusammengefasst ergeben die Reservengutachten eine nachgewiesene Reserve von 10,07 Mio. BOE (Barrel of Oil Equivalent) und eine wahrscheinliche Reserve von 12,55 Mio. BOE.

Noch ist Zeit, sich mit Aktien der DRAG aussichtsreich zu positionieren, denn der Aktienkurs notiert noch immer deutlich unterhalb des Buchwertes bzw. der Netto-Finanzposition. Der geplante vorzeitige Rückkauf der (zu) hoch verzinsten Anleihe wird das Finanzergebnis auf Sicht zusätzlich entlasten und die GuV weiter aufhübschen.

:: Publity
Die Publity Performance Fonds Nr. 5 GmbH & Co. KG nimmt eine weitere Auszahlung in Höhe von 15% des eingezahlten Kommanditkapitals bzw. an seine Anleger vor, immerhin gut €3,3 Mio. Die publity Performance Fonds Nr. 5 GmbH & Co. KG hatte bis zum Ende der Emissionsphase am 30. Juni 2013 mit 1.525 Anlegern ein Emissionskapital in Höhe von 22.063.000 Euro eingeworben. Die laufenden Einnahmen aus der Verwertung von Forderungen und Sicherheiten ermöglichen diese weitere Auszahlung, die im Juli 2016 erfolgen soll, wodurch der publity Performance Fonds Nr. 5 bereits 3 Jahre nach Ende der Emissionsphase insgesamt €12,54 Mio. bzw. rund 55% der Kommanditbeteiligungen vorzeitig an die Anleger ausgezahlt haben wird. Und auch für Publity selbst lohnt sich das Geschäft, da man durch Gebühren, Provisionen und eigene Anteile an dem Fonds partizipiert.

:: Shareholder Value Beteiligungen
Anfang Mai teilte die Shareholder Value Beteiligungen AG mit, dass man das Engagement bei der Stada AG weiter ausgebaut habe und diese nun hinter I:FAO die zweitgrößte im Depot sei. Der seit den Jahrestiefs erfolgte Anstieg summiert sich inzwischen auf gut 50% und ein großer Profiteur ist daher die SVB, deren Netto-Inventarwert (NAV) sich per Ende Mai auf €80,22 erhöht hat und damit seit Jahresbeginn immerhin bereits um 22,9%. Nachdem man die SVB-Aktien letztes Jahr nur mit Aufschlag auf den NAV kaufen konnte, notieren sie aktuell etwa zu NAV und bieten eine hervorragende Chance, sich langfristig an den aussichtsreichsten deutschen Nebenwerten zu beteiligen.

:: Starbucks
Der Kaffeehausgigant möchte den nächsten Schalter auf Wachstum umlegen und startet in Europa mit eigenen Starbucks-Kaffee-Pads für Nespresso-Maschinen. Starbucks bietet weltweit hochpreisigen Kaffee (und mehr) an man hat festgestellt, dass sehr viele Starbucks-Kunden zuhause eine Nespresso-Maschine hätten. Die ebenfalls mit ihren Pads das Hochpreissegment bedienen. Um den perfekten Starbucks-Genuss auch zuhause bieten zu können, hat Starbucks sich viel Zeit gelassen, genauer gesagt gut zwei Jahre. Und erst jetzt ist man mit dem Ergebnis so zufrieden, dass man die Kaffee-Pads den Kunden anbieten mag. Obwohl Starbucks die mit Abstand meisten Kunden in den USA hat, startet man mit dem neuen Produkt in Europa. Was merkwürdig klingt, hat einen profanen Hintergrund, denn die Top-Fünf der Kaffee-konsumierenden Staaten sind die Niederlande, Finnland, Schweden, Dänemark und Deutschland. Und hier liegt der Anteil der "Ein-Portionen-Kaffee-Maschinen" am Gesamtverbrauch bei rund 40%, so dass Starbucks sich einem riesigen, noch völlig unerschlossenen, Markt gegenüber sieht, den man nun erobern will. Neben der Tee-Kooperation mit dem Biergiganten AB Inbev stellt Starbucks hier nun die Weichen zu noch stärkerem Wachstum, denn die Margen sind bei Kaffee-Pads aufgrund der viel niedrigeren Kosten noch viel größer als in den Ladengeschäften. Daher dürften neben dem Umsatz auch die Gewinne weiter explodieren und Starbucks bleibt der Top-Pick im Gastronomie-Business.

Die Deutsche Rohstoff, Publity, Shareholder Value Beteiligungen und Starbucks befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Dienstag, 7. Juni 2016

Zahlen & Mehr: Deutsche Beteiligungs AG, Hypoport, Lloyd Fonds

:: Deutsche Beteiligungs AG
Warbug Pincus übernimmt vom Management den Mehrheitsanteil am Breitbandanbieter Inexio. Im Rahmen einer Kapitalerhöhung bringt der Londoner Finanzinvestor €30 Mio. frische Mittel in das Unternehmen ein, wobei das Management-Team um CEO und Gründer David Zimmer teilweise nicht bei der Kapitalerhöhung mitzieht. Das Management hält daher künftig nur noch 25 Prozent an Inexio. Der zu Grunde liegende Unternehmenswert von Inexio wird auf €250 Mio. taxiert. Ex-Telekom CEO René Obermann, der im vergangenen Jahr als Partner bei Warburg Pincus angeheuert hatte, wird den Aufsichtsratsvorsitz bei Inexio übernehmen. Er will das 2007 gegründete Unternehmen „zu einem der führenden Netzanbieter Deutschlands“ machen. Um dieses Ziel zu erreichen, würde in den kommenden Jahren ein ambitionierter Wachstums- und Konsolidierungsplan finanziert“ mit Geld aus dem elften Beteiligungsfonds von Warburg Pincus, der einen Umfang von 11,2 Mrd. hat.

Weiterer Eigentümer von Inexio ist seit drei Jahren die DBAG, die bei der Kapitalerhöhung voll mitgezogen hat und so ihren Anteil bei 10% halten konnte. Danke Warburg Pincus und René Obermann könnten hier eine echte Wachstumsperle im DBAG-Portfolio heranreifen. So scheint es auch die Baader Bank zu sehen, die die DBAG auf ihre Liste der "Top Stock Ideas" gesetzt hat mit einem Kursziel von €34,80 und ihr damit ein Kurspotenzial von weiteren 25% zubilligt.

:: Hypoport
Das FinTech-Unternehmen hat zugekauft und mit dem Erwerb des Softwareunternehmens NKK Programm Service AG seine Wettbewerbsposition im Versicherungsmarkt gestärkt. Ich hatte ja kürzlich unter dem Hinweis auf den hohen Kostendruck und die anstehenden enormen Investitionssummen im Versicherungsbusiness Aktien der GFT Technologies gekauft und auf meine Empfehlungsliste genommen, und Hypoport stößt mit diesem Zukauf ins gleiche Horn.

:: Lloyd Fonds
Die Lloyd Fonds AG ist ein Anbieter von geschlossenen Fonds und strukturierten Kapitalanlageprodukten. Das Unternehmen ist in den Anlageklassen Schifffahrt, Zweitmarkt-Lebensversicherungen, Immobilien, Private Equity, Regenerative Energien und Flugzeuge aktiv, wobei die Leistungen die komplette Wertschöpfungskette eines traditionellen Emissionshauses abdecken. Nachdem man insbesondere mit Schiffsfonds vor einigen Jahren ziemlich Schiffbruch erlitten hat (was für ein Wortspiel...) und viele Anleger sich eine blutige Nase geholt haben, befindet man sich inzwischen auf dem Weg zu einem erfolgreichen Turnaround.

Die letzten Tage gibt es gleich mehrfach positive Nachrichten. So konnte der Konzerngewinn im Geschäftsjahr 2015 auf €1,6 Mio. glatt verdoppelt werden und liegt damit das dritte Jahr infolge im positiven Bereich. Daher wird der Hauptversammlung am 20. Juli erstmals seit vielen Jahren wieder eine Dividende auszukehren, die bei €0,07 je Aktie liegen soll und somit eine Dividendenrendite von knapp 4% erreicht. Und bereits am Donnerstag konnte der Asset-Manager vermelden, er habe mehrere Touristen-Hotels an ein namhaftes Family Office vermittelt. Dabei handelt es sich um 4-Sterne First-Class und 4-Sterne Superior Hotels, die langfristig an einen renommierten Betreiber verpachtet sind. Sie liegen größtenteils an der deutschen Küste und verfügen insgesamt über rund 700 Zimmer. Mit der Vermittlung des Hotelportfolios konnte die Lloyd Fonds AG erneut ergebniswirksam ein Projekt im Bereich der Asset-Anlage für institutionelle Investoren realisieren und hat eine weitere Hoteltransaktion in Vorbereitung. Für risikoaffine Investoren könnte sich hier eine weitere erfolgreiche Turnaround-Spekulation anbahnen.

Die DBAG, GFT Technologies, Hypoport und Lloyd Fonds befinden sich in meinem Depot und mit Kauf-Votum auf meiner Empfehlungsliste.

Von Exits und Übernahmen: Aurelius macht weiter mächtig Dampf

Der Münchner Finanzinvestor Aurelius SE & Co. KGaA steht weiter mit beiden Füßen auf dem Gas. Zwei Tage vor der Hauptversammlung am 9. Juni, auf der eine Rekorddividende von €2,45 zur Abstimmung steht, vermeldet man einen weiteren Zukauf. Aurelius hat die Calumet International Ltd. erworben, zu der der Fotofachhändler Calumet Photographic ("Calumet") und der Hersteller für professionelle Lichttechnik Bowens Lighting ("Bowens") gehören.

"Calumet Photographic ist eine Multichannel-Einzelhandelsgruppe für alles rund um die Fotografie. Calumet bietet ein breites Portfolio an Markenprodukten namhafter Hersteller sowie Eigenmarken und Serviceleistungen. Das Unternehmen verfügt über 17 Standorte in Großbritannien, Deutschland, Belgien und den Niederlanden. Das wachsende Online-Geschäft von Calumet und sein europaweites Netz von Spezialgeschäften bieten über alle Kanäle hinweg ein Premium- Einkaufserlebnis für Fotografie-Liebhaber, Profis und Unternehmen. Die Übernahme durch Aurelius ermöglicht Calumet, die bestehenden Standorte auszubauen, sein Angebot im Verleihgeschäft zu vergrößern und neue Filialen in weiteren Städten zu eröffnen.
Bowens Lighting ist ein führender Hersteller von Beleuchtungstechnik sowie Equipment für Fotostudios vornehmlich für den Profibereich und Hobbyfotografen mit einem hohen Anspruch. Der Bowens Hauptsitz ist in Colchester, Großbritannien. Bowens-Produkte sind über Calumet sowie über eine Reihe weiterer ausgewählter Vertriebsspezialisten erhältlich. Das Unternehmen plant in Kürze ein neues Produktsortiment auf den Markt zu bringen.
Im Jahr 2015 haben Calumet und Bowens einen Gesamtumsatz von 110 Mio. Euro erwirtschaftet."

Vor wenigen Tagen erst hatte Aurelius auch erneut in Spanien zugeschlagen und so bewiesen, dass seine neuen Büros in ausgesuchten europäischen Metropolen sich bezahlt machen. Aurelius hat die Geschäftsaktivitäten der Abelan-Gruppe in Nordeuropa erworben, einem Anbieter von Verpackungslösungen für den europäischen Lebensmittelsektor mit gut diversifiziertem Produktportfolio und Betriebsstätten in Deutschland und den Niederlanden. Das Closing der Transaktion wird für Ende Juni 2016 erwartet.

"Die übernommenen Aktivitäten erwirtschafteten im Jahr 2015 mit rund 170 Mitarbeitern einen Umsatz von ca. 50 Mio. Euro. Das Closing der Transaktion soll Ende Juni erfolgen, über die finanziellen Details wurde Stillschweigen vereinbart. Bei den erworbenen Aktivitäten handelt es sich um eine Papierfabrik in Viersen (Deutschland) sowie eine Produktionsstätte für Vollpappe im niederländischen Zutphen. An seinem deutschen Standort produziert das Unternehmen vor allem Solidboard für die Lebensmittelindustrie und Coreboard zur Herstellung von Papprollen und -kernen für die Hygiene- und Papiertücherindustrie sowie Produkte für andere Industriesektoren. Im Bereich Solidboard ist Abelan einer der führenden Lieferanten des europäischen Lebensmittelsektors. Sämtliche Produkte des Unternehmens werden aus Altpapier hergestellt. Die Übernahme eröffnet großes Synergiepotenzial im Bereich der Produktion, dem Einkauf und auch dem Vertrieb mit der im April 2015 von Aurelius übernommenen Solidus Solutions. Solidus Solutions ist einer der führenden Hersteller von Vollpappe und bedruckten Kartonagen in Europa mit Produktionsstandorten in den Niederlanden, Belgien und Großbritannien."

Aber auch auf der Exit-Seite ist Aurelius weiterhin erfolgreich unterwegs und konnte Mitte Mai einen Verkauf vermelden, als die Beteiligung an der TAVEX Europe an ein spanisches Investorenkonsortium verkauft wurde.

"Aurelius hatte TAVEX Europe zu Beginn des Jahres 2015 erworben und nach dem erfolgreichen Carve-out aus der brasilianischen Grupo TAVEX als eigenständiges Unternehmen erfolgreich am Markt positioniert. In dieser Zeit wurden die Strukturen, Prozesse und Kosten des Unternehmens nachhaltig optimiert sowie verschiedene Wachstumsinitiativen gestartet und in weiten Teilen bereits umgesetzt. Hierzu gehört die Erweiterung des Sortiments um Stoffinnovationen im Bereich Comfort Wear und im Ladies Fashion-Bereich. Zudem wurden verschiedene neue Produkte vor allem für die zentral- und nordeuropäischen Märkte entwickelt."

Die Käufer werden die von Aurelius seit der Übernahme in 2015 eingeleiteten Neuausrichtungsmaßnahmen konsequent fortführen und die Expansion weiter vorantreiben.

 Aurelius SE (Quelle: finanzen.net) 
Wie Aurelius-CEO Dr. Dirk Markus gerne betont, die Deal-Pipeline bei Aurelius ist prall gefüllt und es fehlt dem Unternehmen nicht an lukrativen Investitionsmöglichkeiten. Die Expansion ins europäische Ausland, nach Spanien, Großbritannien und Skandinavien trägt Früchte und die erfolgreichen Veräußerungen neupositionierter bzw. umstrukturierter Beteiligungen zeigen, dass Aurelius auf seinem Weg sehr erfolgreich ist. Auch wenn zumeist über die finanziellen Aspekte Transaktionen Stillschweigen vereinbart wird, legt Aurelius doch vierteljährlich Berichte vor, anhand derer man den Erfolg nachvollziehen kann. Halbjährlich veröffentlicht man darüber hinaus den NAV, den Netto-Inventarwert, so dass auch die operativen Fortschritten bei den einzelnen Töchtern vom Anleger begleitet werden kann.

Das erste Quartal 2016 war so erfolgreich verlaufen, dass Aurelius seine Dividendenzahlung kurzerhand nochmals angehoben hat und wer in den Genuss der hohen Ausschüttung kommen möchte, sollte am 9. Juni Aurelius-Aktien im Depot haben; am nächsten Tag erfolgt dann die Ausschüttung. Des Weiteren profitieren Aktionäre von dem konsequent umgesetzten Aktienrückkaufprogramm, das neben den operativen Erfolgen den Gewinn je Aktie zusätzlich steigert.

Aurelius befindet sich seit Jahren auf meiner Empfehlungsliste und bleibt für mich weiterhin ein Kauf. Darüber hinaus ist Aurelius auch die größte Position in meinem Depot.

Montag, 6. Juni 2016

Bei Stada kann es nur besser werden!

Der Pharmakonzern Stada notiert seit vielen Jahren an der Börse und abgesehen von immer mal wieder aufkommenden Übernahmegerüchten ging es bei dem MDAX-Wert doch eher ruhig und beschaulich zu. Auf den ersten Blick. Denn hinter den Kulissen brodelt es gewaltig und die Unzufriedenheit wuchs - zu lange schon stottert das "System Retzlaff" und wirft immer mehr Fragen auf. Ob es um das exorbitante Gehalt von jährlich €7 Mio. des seit 23 Jahren an der Stada-Spitze agierenden Hartmut Retzlaff geht, oder die opulenten Pensionsansprüche von knapp €30 Mio., den Aufstieg und die fürstliche Vergütung des Retzlaff-Sohnes innerhalb der Konzerns, kostspielige Beraterverträge mit "Retzlaff nahestehenden Personen" oder weitreichende Verstöße gegen die Coporate Governance-Vorschriften geht, alles läuft in der Figur des Hartmut Retzlaff zusammen. Das stößt zunehmend auf Kritik von Aktionärsschützern und auch von aktivistischen Investoren, wie Active Ownership (AOC), die inzwischen mehr als 5% an dem Pharmakonzern zusammengekauft haben und auf die teilweise Neubesetzung des Aufsichtsrates drängen. Und hier nimmt das Drama nun Geschwindigkeit auf und für Anleger wird es zunehmend interessant...

Aktivistischer Investor macht mächtig Druck
AOC wollte drei Aufsichtratsplätze neu besetzen und dabei die bisherigen "altgedienten Apotheker" durch sachkundige Pharmaexperten ersetzen. Das stieß zunächst nicht auf die erwartete Ablehnung seitens der Stada-Spitze und der Punkt landete auf der Tagesordnung der ordentlichen Hauptversammlung. Die Stada-Spitze hatte sogar öffentlich wohlwollende Zustimmung zu diesen Benennungen signalisiert, nur um dann die totale Kehrtwende zu vollziehen. Die Hauptversammlung wurde um zwei Monate verschoben unter der Begründung, Stada wolle eigene Kandidaten finden und auf der nun später stattfindenden Hauptversammlung präsentieren. Ein Affront gegen die neuen Investoren und kaum ein schlauer Schachzug von Retzlaff & Co.

Denn diese waren not amused über diesen Tritt vors Schienbein und auch die Berichte, wonach Retzlaff mit dem Finanzinvestor CVC in Verhandlungen über eine Übernahme eingetreten sei, dürften bei AOC und anderen kritischen Investoren kaum auf Freude gestoßen sein. Ihr Ansinnen, tiefer und genauer in die Bücher zu schauen, auch der vielen verschachtelten Tochterfirmen, setzt Retzlaff unter Druck, denn aus dem Umkreis der Stada poppen immer wieder dubiose Ungereimtheiten hoch, die bei genauerer Betrachtung die eine oder andere unschöne Überraschung bergen dürften. Und auch CVC oder ein anderer "weißer Ritter" hätte tief und genau in die Bücher geschaut, da muss man kein Prophet sein, um das prognostizieren zu können.

Retzlaffs absehbarer Rücktritt
Am Ende ging es dann ganz schnell: "gesundheitliche Gründe" seien es, die Hertmut Retzlaff zum Ruhenlassen seiner Ämter zwängen, erklärte Stada gestern Abend ad-hoc. Aufgrund einer "schweren, voraussichtlich länger andauernde Krankheit" des Managers wurden seine Aufgaben auf den restlichen Vorstand bestehend aus Helmut Kraft und Matthias Wiedenfels verteilt. Wiedenfels wurde außerdem vom Aufsichtsrat zum Vorstands-Vorsitzenden berufen. Neben der grundsätzlichen Gemengelage könnte gerade diese Personalie jedoch auch auf einen Machtkampf hindeuten; die alternative Lesart könnte daher sein, dass Retzlaff alles auf eine Karte gesetzt hat - und verlor. Sein Rückzug dürfte dann nur der Anfang vom Ende des Systems Retzlaff gewesen sein und mit ihm wird der eine oder andere seiner Ziehsöhne sein üppiges Salär verlieren, wenn er sich mehr oder weniger geräuschlos neue Betätigungsfelder suchen muss.

 Stada AG (Quelle: finanzent.net) 
Die Chancen überwiegen
Für Anleger bieten sich hier interessante Optionen. Zunächst einmal das Offensichtliche, denn Stada ist nun reif für eine Übernahme. Der Streubesitz ist hoch, aber es gibt auch eine Reihe von Investoren mit Anteile um und bei 5%. Einen großen Ankerinvestor, der ein Quasi-Vetorecht hätte, gibt es bei Stada nicht. Neben Pharmakonzernen dürften sich auch weitere Finanzinvestoren in Stellung bringen, denn die Stada ist in interessanten Märkten aktiv, aber gerade in den wichtigsten Märkten in Russland und Osteuropa knackt es zuletzt immer stärker im Gebälk. Und auch die undurchsichtigen Strukturen in der Konzernstruktur könnten entstaubt und so erheblich Kosten reduziert werden. Eine Verbesserung der Margen steht schon länger auf der Agenda, nun könnte dies auch wirklich angegangen werden. Neue Köpfe bringen neue Ideen und neue Ideen kann Stada mehr als gut gebrauchen.

So verliert die wichtige Stada-Marke Ladival immer mehr Marktanteile, weil die Pflege der Marke vernachlässigt wurde und noch immer wie ein Relikt aus den 1970er Jahren daherkommt. Hier kann und muss frischer Wind neue (und alte) Potenziale heben. Und Ladival ist nicht das einzige Stada-Produkt, das ausschließlich über Apotheken vertrieben wird. Da ist es natürlich umso kritischer, dass Stada im Ansehen der Apotheker immer weiter absinkt und diese sich zunehmend mit anderen Marken und Firmen identifizieren. Hier muss Stada dringend gegensteuern und das bisherige Management unter Führung von Hartmut Retzlaff war hier entweder untätig oder unfähig, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Es wurde lieber in neue Marken und neue Märkte investiert, anstatt das Bewährte attraktiv zu halten und zu stärken. Eine kurzsichtige Strategie, die nun hoffentlich zu einem Ende kommt. Und die personellen Veränderungen müssen dabei nicht bei Retzlaff selbst enden, auch der Geschäftsführer der für Ladival zuständigen Stada-Tochter steht schon länger in der Kritik. Als Verantwortlicher wird ihm der Kamikazekurs bei Ladival angelastet, ebenso die seit Jahren anhaltende Fluktuationsflut bei den fähigen Mitarbeitern. Die "Früchte" dieses Missmanagements erntet Stada nun und es bleibt zu hoffen, dass hier Konsequenzen gezogen werden, um Ladival wieder eine Chance am Markt zu geben. Das Produkt ist für die Stada viel zu wichtig, um es weiterhin herunterwirtschaften zu lassen. Ich bin überzeugt, dass auch die Finanzinvestoren genau zu diesen Schlüssen gekommen sind und den Finger hier schnell und konsequent in die Wunde legen werden. Rendite, Margenverbesserung und Shareholder Value dürfen auch bei Stada keine "No-Gos" mehr sein.

Meine Einschätzung
Bei Stada wird in der nächsten Zeit viel in Bewegung kommen und nicht alles wird mit positiven Schlagzeilen einhergehen. Die Perspektiven hellen sich jedoch auf und die schlummernden Potenziale könnten gehoben werden. Ob dies "nur" operativ erfolgt, also mit der bisherigen Eigentümerstruktur, oder ob es (zusätzlich) noch zu einem Übernahmewettstreit kommt, bleibt abzuwarten. Anleger sollten sich hierdurch nicht verunsichern lassen. Im Gegenteil: Stada dürfte "im Spiel" bleiben und trotz des starken Kursanstiegs von den Jahrestiefs bietet sich bei €47 eine gute Gelegenheit, auf ein Gesunden zu setzen. Die zusätzliche Übernahmephantasie dürfte sich mindestens kursstützend, eher kurstreibend auswirken. Ich nehme die Stada-Aktie auf meine Empfehlungsliste, weil sie unter den neuen Rahmenbedingungen ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis aufweist.


Ergänzung vom 06.06.2016, 21:06
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Schlagt mich, schimpft mich, aber ich habe meine Stada-Aktien noch am selben Tag wieder verkauft - nachdem ich zuvor umgeswitcht hatte in Aktien der Shareholder Value Beteiligungen AG (SVB). Das hat folgenden Grund: ich bin von dem Investment-Szenario, das ich in diesem Artikel skizziert habe, überzeugt. Daher habe ich zum Börsenstart um 8:00 gleich meine Position erworben und im Tagesverlauf stiegen die Stada-Aktien stark an. Ich erinnerte mich dann irgendwann an die Meldung der Shareholder Value AG zum aktuellen NAV per Monatsende Mai, und den darin enthaltenen Hinweis, dass Stada inzwischen deren zweitgrößte Position im SVB-Depot sei. Ich habe bereits seit vielen Jahren Aktien des Nebenwerte-Spezialisten SVB in meinem Depot und bin nicht immer dazu gekommen, mir die Meldungen sorgfältig anzusehen. Offensichtlich nicht, sonst wäre mir das mit der Stada nicht so durchgerutscht und ich hätte gar nicht erst Stada-Aktien direkt gekauft.

Früher notierten die SVB-Aktien oft mit einem Abschlag zum NAV von bis zu 20%, dann eine zeitlang im letzten Jahr sogar mit einem Aufschlag. Aktuell notieren sie in etwa zum NAV und daher habe ich die Entscheidung getroffen, anstatt direkt in Stada-Aktien zu investieren, lieber indirekt vom meinem Investment-Case zu profitieren und gleichzeitig noch die ausgewiesene Expertise von Frank Fischer und seinem Team für mich zu nutzen. Ich habe daher die Stada-Aktien mit einem Tagesgewinn von 3% veräußert, nachdem ich meine Uralt-Position in Shareholder Value-Aktien mehr als verdoppelt hatte. Ich nehme daher die Aktien der Shareholder Value Beteiligungen AG auf meine Empfehlungsliste und zwar mit dem durchschnittlichen Einstandskurs von Montag (selbstverständlich nicht meinem ursprünglichen Kaufkurs von vor vielen Jahren!).

Value Investing nach Benjamin Graham

Benjamin Graham war ein legendärer Investor und gilt als Vater der fundamentalen Wertpapieranalyse, der Basis für das Value-Investing. Der Lehrer und Mentor Warren Buffetts veröffentlichte 1934 gemeinsam mit David Dodd das Buch "Die Geheimnisse der Wertpapier Analyse" (orig.: "Security Analysis"), welches noch heute als Bibel für Value-Investoren gilt. 1949 erschien die Erstausgabe von "Intelligent investieren" (orig.: "The Intelligent Investor"), einer etwas populärwissenschaftlicheren Version von "Security Analysis". Hierin benannte Graham für den privaten Investor die 7 Kriterien für Value-Investments.

Kriterium 1: ausreichend hoher Umsatz
Unternehmen mit einer bestimmten Mindestgröße versprechen ein höheres Maß an Sicherheit. Daher legte Graham den Mindestumsatz für Industrieunternehmen auf $100 Mio. fest, was heute etwa $1 Mrd. entspräche.

Kriterium 2: niedriges Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV)
Günstig ist in Grahams Augen, wenn das KGV nicht über 15 liegt, als  nicht oberhalb des Fünfzehnfachen des Jahresgewinns.

Kriterium 3: niedriges Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV)
Wichtig ist für Graham das Verhältnis zwischen Vermögen und Kurs und dieses KBV sollte nach seiner Meinung nicht über 1,5 liegen.

Börsenweisheit der Woche 23/2016

"Die drei entscheidenden Kriterien für erfolgreiche Investments sind Geduld, Geduld und Geduld."
(Michael C. Kissig)

Freitag, 3. Juni 2016

Zahlen & Mehr: Eon, GFT Technologies, Jungheinrich, MBB, Starbucks

:: Eon
Der Eon-Kurs kommt momentan nicht wirklich vom Fleck, auch wenn die Uniper-Abspaltung inzwischen Gestalt annimmt. Nachdem sich herauskristallisiert, dass der Atomkompromiss für Eon zwar teuer wird, aber eben auch kein Fass ohne Boden, sondern ein begrenztes Risiko, richtet sich der Fokus nun auf die Notwendigkeit einer Kapitalerhöhung. Denn es scheint sicher, dass die Aufspaltung in Eon und Uniper sowie die Lasten für den Atomkompromiss nicht mit Bordmitteln zu stemmen sein werden. Allerdings rechnet die Bank of America "nur" mit einem Kapitalbedarf von €2 Mrd., was das Rückschlagspotenzial der Aktie nach unten begrenzen würde.

:: GFT Technologies
Das Unternehmen ist ein IT-Dienstleister mit Spezialisierung auf die Bereiche Finanzdienstleistungen und Logistik, also zwei Sparten, in denen in den nächsten Jahren weitere bedeutende Rationalisierungen anstehen und somit erhebliche Investitionen in die IT-Infrastruktur. Nachdem GFT zu den Highflyern des Jahres 2015 gehörte, hat der Kurs in diesem Jahr kräftig Federn gelassen und knapp ein Drittel nachgegeben von €32 auf knapp €21. Hier sollte sich der Einstieg wieder lohnen, zumal die ERGO-Versicherung, die Versicherungstochter des Rückversicherungskonzerns Munich Re, in den nächsten vier Jahren 2.400 Vollzeitstellen streichen will. Ergo ist hierbei kein Einzelfall, auch andere Versicherungen streichen radikal Jobs zusammen, wie Bei HDI, Talanx, oder Signal Iduna. Ergo will im Gegenzug nicht nur eine reine Online-Versicherung an den Markt bringen, sondern auch €1 Mrd. in die Hand nehmen, um "die veraltete Verwaltung und IT auf Vordermann zu bringen". Der Trend zur Digitalisierung in der Finanzbranche eröffnet GFT einen großen Markt, in dem man heute schon einer der erfolgreichsten Player ist. Auch Hypoport ist hier aussichtsreich positioniert.

:: Jungheinrich Vz.
Beim Gabelstaplerhersteller läuft es weiter wie geschmiert. Während der Hauptversammlung gab der Vorstand auch einen Überblick über das angelaufene Geschäftsjahr und prognostizierte weitere Zuwächse bei Umsatz und Gewinn. Die Hauptversammlung beschloss dann auch einen Aktiensplit im Verhältnis 1:3, der zeitnah umgesetzt werden soll. Dies sollte dem Aktienkurs - neben der hervorragenden operativen Unternehmensentwicklung, weiter Auftrieb geben.

:: MBB
Bei MBB spielt das Zukunftsthema E-Moblität eine immer größere Rolle, genauer gesagt bei den Töchtern Aumann, MBB Fertigungstechnik und Delignit. Insbesondere der Zukauf der Aumann-Gruppe Ende letzten Jahres katapultiert MBB in neue Dimensionen und das wird dem Kurs noch mehrfach in diesem Jahr neue Schubkraft verleihen. Die Zahlen zum ersten Quartal deuten es bereits an: 30% Umsatzzuwachs (€78 Mio. nach €60 Mio.), EPS im ersten Quartal bei €0,56 je Aktie nach €0,47 im Vorjahresquartal. Und die bisherige Prognose für das Gesamtjahr setzt MBB (noch!) mit €2,00 an. Würde man die €0,56 einfach linear auf das Jahr fortschreiben, würde dies jedoch €2,24 je Aktie bedeuten, also 12% oberhalb der bisherigen Prognose. Ich habe daher zuletzt bei MBB meine Position knapp unter €30 ausgebaut und sehe hier noch einiges an Potenzial; das Chance-Risiko-Verhältnis ist bei MBB weiterhin ausgezeichnet.

:: Starbucks
Die Aktie von Starbucks ist hoch bewertet, aber sie verzeichnet auch nimmer noch hohes Wachstum. Daher ist sie nicht zu teuer. Zuletzt gab der Kurs deutlich nach, weil Starbucks nur Zahlen im Rahmen der Erwartungen präsentiert hatte und nicht - wie gewohnt - die Erwartungen übertraf. Zuletzt ging man eine Kooperation mit dem weltgrößten Bierbrauer Anheuser-Busch InBev ein, um künftig beim Vertrieb von Fertiggetränken der Tee-Tochter Teavana zusammenzuarbeiten und hier ähnliche Erfolge zu erzielen, wie bei den Kaffeefertiggetränken. Der Markt für trinkfertige Tees habe in den USA ein Volumen von $1,1 Mrd. pro Jahr und wachse mit durchschnittlich 10 Prozent. Das aktuelle Kursniveau bietet sich als Nachkaufgelegenheit an, weil der Wachstumsmotor bei Starbucks kein bisschen stottert, sondern weiter an Fahrt aufnimmt.

Eon, GFT Technologies, Hypoport, Jungheinrich Vz., MBB und Starbucks befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.