Freitag, 4. November 2016

Zahlen & Mehr: Genworth Financial, Main Street Capital, Starbucks

▸ Genworth Financial
Der US-Versicherer Genworth Financial legte Zahlen für das dritte Quartal vor und musste einen Nettoverlust von $380 Mio. ausweisen oder $0,76 je Aktie gegenüber $284 Mio. im entsprechenden Vorjahresquartal bzw. $0,57 je Aktie. Der Umsatz lag im Quartal bei $2,13 Mrd. Der operative Nettoverlust lag bei $0,81 je Aktie. Wie schon zuvor berichtet worden war, musste GNW eine weitere große Abschreibung auf sein Long-Term-Care-Portfolio vornehmen und zwar in Höhe von $475 Mio. bzw. $1,10 je Aktie. Ohne diese Abschreibung läge das operative Ergebnis je Aktie somit bei $0,29 und damit um $0,07 über den Erwartungen der Analysten. Während das Hypothekenversicherungsgeschäft weiter richtig gut läuft, bereitet das Business mit den langlaufenden Pflegeversicherungen weiter Probleme. Und dürfte der entscheidende Grund sein, weshalb GNW die Offerte der chinesischen Oceanwide Gruppe zu $5,43 je Aktie befürwortet und seinen Aktionären zur Annahme empfiehlt.

Meine Einschätzung
Die China-Offerte hatte den Aktienkurs von Genworth Financial um mehr als 15% unter Druck gesetzt, weil das Übernahmeangebot nur magere 4% Aufgeld auf den Vortagesschlusskurs bot. Dabei stellt sich die Situation doch so dar, dass bis Mitte 2017 Oceanwide die Aktien zu $5,43 einsammeln will - also jede Aktie, die man heute kauft, in gewisser Weise nach unten gut abgesichert ist. Auf der anderen Seite ist es nicht unwahrscheinlich, dass auch andere Bieter, neben Versicherungen auch Finanzinvestoren, nun auf den Zug aufspringen könnten, um sich das Buchwert-Schnäppchen Genworth Financial (knapp $30 je Aktie) unter den Nagel zu reißen. Ich werde meine Aktien jedenfalls nicht hergeben und abwarten, was die Zukunft so bringt.


▸ Main Street Capital
Die Business Development Company (BDC) Main Street Capital konnte im vergangenen Quartal glänzen und erzielte ein Ergebnis von $0,82 je Aktie. Da zu diesem Ergebnis auch Sonderfaktoren beitrugen, beläuft sich das bereinigte Ergebnis auf $0,58 je Aktie und liegt über den Prognosen der Wall Street. Auch beim Umsatz lag MAIN im dritten Quartal mit $46,6 Mio. über den Erwartungen.

Meine Einschätzung
MAIN ist eine der solidesten BDCs und hat selten größeren Abschreibungsbedarf auf ihre NAV (Buchwert). Die Aktie notiert deshalb mit einem satten Aufschlag auf ihren NAV. Die monatlichen Dividenden von $0,19 werden halbjährlich noch durch eine Sonderausschüttung flankiert, die als nächstes wieder im Dezember anfallen und $0,275 betragen wird. Auf das Gesamtjahr gesehen hat MAIN dann $2,725 ausgeschüttet, was bei einem Aktienkurs von €29 eine Dividendenrendite von rund 8,5% ergibt. Ein solides Investment, insbesondere für Dividendenjäger.


▸ Starbucks
Der Kaffeeröster Starbucks stand zuletzt unter Druck, weil man im letzten Quartal gepatzt hatte und die Börsianer den Beteuerungen von CEO Howard Schulz nicht recht glauben wollten, dass es sich um einen einmaligen Ausrutscher gehandelt habe, der vor allem auf die Einführung des neuen Bonussystems zurückzuführen sei. Die jetzt für das abgelaufene Quartal vorgelegten Zahlen dürften nun allen Fans von Starbucks Freudentränen in die Augen treiben, denn man konnte das profitabelste Geschäftsquartal der 24-jährigen Unternehmensgeschichte präsentieren.

Verglichen mit dem Vorjahreswert legte der Gewinn um 23 Prozent auf $801 Mio. zu, während die Erlöse um 16 Prozent auf auf $5,7 Mrd. kletterten. Die Verkäufe in etablierten Filialen, die seit mindestens 13 Monaten am Markt sind, wuchsen weltweit um 4 Prozent. Im gesamten abgelaufenen Geschäftsjahr, das bis Ende September lief, steigerte Starbucks die Erlöse um 11 Prozent auf $21,3 Mrd. und die Zahl seiner über 75 Ländern verteilten Filialen um 2.042 auf 25.085. Insbesondere in Asien und hier in China boomt das Geschäft mit dem schwarzen Heißgetränk. Besonders gut dürfte auch bei den Aktionären ankommen, dass das Unternehmen die Dividende um ein Viertel auf 25 Cent je Aktie anheben wird.

Meine Einschätzung
Bei Starbucks steht der Kunde im Mittelpunkt, nicht das Produkt alleine. Und daher sind Starbucks-Aktien auch bei einer absolut betrachteten hohen Bewertung ein Top-Pick, der Top-Pick im Restaurant-Sektor. Denn relativ gesehen, also im Verhältnis zum Wachstum, liegt die Bewertung dieses schnell wachsenden Unternehmens im fairen Bereich. Der hohe Free-Cashflow dürfte dafür sorgen, dass Starbucks die Dividende auch nach den jetzigen kräftigen Schluck aus der tasse weiter anheben wird in den nächsten Jahren.

Doch der eigentliche Grund dafür Starbucks-Aktien zu kaufen, liegt natürlich in seinem profitablen Wachstum, das mit durchschnittlichen 18% jährlich erwartet wird. Insbesondere in China wird die Musik spielen, denn der starke Dollar sorgt hier nicht für schlechte Ergebnisse, sondern vor allem dafür, dass es für Starbucks immer günstiger wird, neue Läden zu eröffnen. Und Starbucks-CEO Howard Schultz spricht bereits offen davon, dass China irgendwann die USA als wichtigsten Markt ablösen dürfte. 500 neue Shops im Reich der Mitte pro Jahr sind ein ambitioniertes Wachstumstempo und Anleger haben die Chance, dieses Qualitätsunternehmen auf seinem Weg zu begleiten. Als Mitinhaber und damit Profiteur. Dabei kommt das Wachstum nicht nur durch neue Filialen, sondern die bestehenden wachsen beim Gewinn alleine schon um 4% pro Jahr - das ist beeindruckend und zeigt, wie stark das Starbucks-Business und seine Preissetzungsmacht, also sein ökonomischer Burggraben ("Moat") wirklich ist. Ich bin dabei und ich bleibe dabei.

Genworth Financial, Main Street Capital und Starbucks befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,
    hast du eine Ahnung warum es zu diesem "Kursrutsch" bei MAIN kam die letzten Tage? Ich konnte leider nichts fundamentales finden, die Dividende ist hervorragend und die Zahlen passen auch. Aus meiner Sicht nur eine Laune der Märkte oder habe ich nur was übersehen?

    Beste Grüße
    Hannes

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    1. Hallo Hannes,

      ich beobachte auch bei anderen BDCs teilweise massive Kursverluste.
      Ich erkläre mir das zum einen durch die allgemeine Verunsicherung vor den US-Wahlen und zum anderen durch die Verunsicherung, welche Konsequenzen die mögliche Zinserhöhung im Dezember auf das Geschäftsmodell der BDCs haben könnte.

      Gruß
      Andrej

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    2. Hallo Andrej,
      Ich sehe es auch gerade bei triangle capital. Habe bei MAIN die Gunst genutzt zum nachkaufen.
      Ich vermute ja wie du, dass es nur die Verunsicherung ist.

      Beste grüße
      Hannes

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    3. Moin Hannes,

      im BDC-Sektor sind zuletzt alle Kurse unter Druck geraten, der Fear-and-Greed-Index von CNN Money hat auf einer Skala von 0 bis 100 inzwischen die 16 erreicht und befindet sich im Panik-Terrain, während gleichzeitig die Ölpreise nachgeben. Da BDCs in die kleinen und mittleren Unternehmen investieren bzw. diesen Geld leihen, und u.a. auch die US-Öl-und Gasindustrie und deren Zulieferer in den Portfolios haben, reagieren die Aktienkurse der BDCs hier schon sensibel. Man muss nur zum Jahresanfang 2016 zurückblicken, als es am BDC-Markt zu wahren Ausverkaufskursen kam. Man muss auch bedenken, dass die von den BDCs finanzierten Unternehmen eine eher mittlere bis unterdurchschnittliche Bonität aufweisen, sonst würden sie ja bei den Banken selbst Kredite bekommen und müssten nicht die hohen Zinsen bei den BDCs akzeptieren. Die hohen Gewinne bei MAIN, GLAD, TCAP und anderen und die daraus resultierenden üppigen Dividendenrenditen speisen sich ja aus diesen hohen Zinseinnahmen - und getreu dem Gesetz von Angebot und Nachfrage muss der hohe Zinsen zahlen, der weniger solvent ist, während der gut Situierte weniger Zinsen zahlen muss. Weil sein Risikoprofil niedriger veranschlagt wird. BDCs sind ja explizit zur Mittelstandsfinanzierung "erschaffen" worden, gerade weil die Banken hier strengere Kreditvergabevorschriften haben.

      Während MAIN die Erwartungen mal wieder toppen konnte, gab es bei Triangle Capital (TCAP) eher schlechte Zahlen, der Kursrutsch ist dort also hausgemacht. Das Net-Investment-Income lag im Q3 bei $0,42 je Aktie und damit um 3 Cents unter den Erwartungen. Das Total-Ivestment-Income liegt mit $27,41 Mio. auf Jahresbasis 11,1% unter dem Vorjahreswert und auch hier verfehlte man die Erwartungen um $1,71 Mio.

      MAIN ist weiterhin eine relativ sichere Bank hoher Qualität mit entsprechend hoher Bewertung und vergleichsweise niedrigerer Dividendenrendite. TCAP und andere bieten höhere Dividendenrenditen, aber eben auch mehr Risiko, dass mal was schief geht und dann ggf. sogar der NAV durch Abwertungen in Leidenschaft gezogen wird.

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  2. Bei TCAP sind wir nun mittlerweile wieder bei deinem Empfehlungskurs. Sollte man den Rücksetzer nutzen und nach der Wahl die Position ausbauen.

    Beste grüße
    Hannes

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    1. Von den drei BDCs auf meiner Liste wäre meine Wahl in dieser Reihenfolge: MAIN, GLAD, TCAP. TCAP hat von den dreien im letzten Jahr den schlechtesten Job gemacht, daher würde ich die beiden anderen bevorzugen.

      Grundsätzlich sind alle drei momentan nur Haltepositionen, ich selbst steige hier nicht (mehr) ein. Sollte es zu einem heftigen Kursrücksetzer kommen, evtl. ausgelöst durch die US-Wahl, kann man in den Kursabschlag hinein wieder zugreifen. Allerdings werden dann auch andere Aktien wohl zu Ausverkaufspreisen im Angebot sein...

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  3. Danke für das ranking und die Bewertung der Situation. Mal schauen was die Wahlen bringen - wird eine spannende Woche :)

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  4. Lieber Michael,
    was halten Sie von Ares Capital, ich fand die Zahlen solide. Glauben Sie nicht, dass es einer der Gewinner sein könnte? Schließlich machen die Quartalszahlen für mich auch einen sehr soliden Eindruck. Nach dem Kauf von American Capital ist hier noch viel Potenzial oder was meinen Sie?
    Vielen Dank!

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    1. Moin Murat,
      BDCs finde ich ja als Dividendenpapiere durchaus interessant, Ares Capital habe ich aber nicht auf dem Schirm, ich kann daher nicht wirklich etwas zu dem Wert sagen. Sie notieren mit 10% Dividendenrendite und rund 10% unter NAV, aber es stellt sich ja immer die Frage, wie nachhaltig dieser ausgewiesene NAV ist. Dazu müsste man genauer in die Zahlen schauen.

      Die jüngste Analyse zu Ares Capital findet sich auf Seeking Alpha: "Big Dividend, 3 big risks", da werden neben den Vorzügen auch einige Knackpunkte angesprochen.

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  5. Lieber Michael,
    danke für deine Nachricht. Ich bin bei Ares Capital dabei, die Zahlen und den letzten Quartalsbericht habe ich mir sehr genau angeschaut und konnte keine Auffälligkeiten feststellen. Der anschließende Conference Call mit den Fragen und Antworten von Kipp deVeer haben mir einen guten Eindruck hinterlassen. Die NAV ist bei den BDCs denke ich immer so eine Sache. Wir werden sicher in den nächsten Quartalen sehen was wie die Knackpunkte gelöst werden.
    Vielen Dank für deine Antwort und die viele Arbeit die du in deine Homepage investierst. Echt Klasse!

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