Freitag, 25. Mai 2018

Bernard Baruch lehrt: Entweder wir arbeiten für Geld oder das Geld arbeitet für uns

Die Schere zwischen Arm und Reich geht in Deutschland immer weiter auseinander, das kann man alle paar Monate irgendwo lesen. Gerne auch in einem Armutsbericht der Bundesregierung. Und ebenso regelmäßig kommen die Kommentatoren zu den immer gleichen Schlüssen: man müsse den Reichen nur mehr Geld wegnehmen und es den Armen geben, dann würde alles gut. Doch schon der erste Deutsche Bundeskanzler, Konrad Adenauer, warnte: "Das einzige, was Sozialisten vom Geld verstehen, ist dass sie es von anderen haben wollen". Neben der Ausbeutung der Arbeiterklasse durch böse Kapitalisten gibt es aber auch weniger klischeehafte Erklärungsansätze. Und einen lieferte schon vor fast hundert Jahren Börsenlegende Bernard Baruch.

»Es gibt tausend Möglichkeiten, Geld loszuwerden, aber nur zwei, es zu erwerben: entweder wir arbeiten für Geld oder das Geld arbeitet für uns.«
(Bernard Baruch)

Auf der einen Seite steht der Konsum, die schier endlose Möglichkeit, Geld auszugeben. Die Menschen leisten sich immer mehr, immer kostspieligere Spielsachen, das neuste Iphone-Modell für jetzt 1.300 Euro, sündhaft teure Louis Vouitton-Handtaschen, Schuhe von Jimmy Choo oder einfach nur einen neuen Porsche. Und immer seltener haben sie das Geld dafür, sie kaufen immer häufiger auf Pump. Und wer glaubt, nur die Reichen würden es so machen, der irrt. Vor allem die einkommens- und vermögensschwachen Bevölkerungsschichten verschulden sich immer mehr und das rauf bis zur Hutschnur.

Das mag bei vergleichsweise niedrigen Zinsen nicht so ins Gewicht fallen, aber wenn das über das Girokonto läuft, kommen da schnell zweistellige Zinssätze zusammen. Auch das schmälert das Vermögen, dass man zu früh im Leben zu viel will und es sich auf Kredit leistet. Der Zinseszinseffekt kann also keine Wirkung entfalten, weil gar kein Vermögen angespart wird. Wer sich verschuldet, arbeitet für das Geld, die Zinsen anderer Leute. Nicht sehr clever...


Und dann sehen wir uns den zweiten Satz von Baruchs weisen Worten an: die Ärmeren sind primär auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen, während die Vermögenden immer häufiger von Zinsen, Mieten und Dividenden leben können. Nun könnte man behaupten, das liege daran, dass nur die Reichen sich Aktien oder Immobilien leisten können, aber das wäre zu kurz gesprungen. Die Erklärung ist ganz simpel, wenn auch nicht gerade charmant: der gewöhnliche Deutsche handelt dumm nicht sehr schlau in Belangen der Geldanlage, er ist zu behäbig, zu bequem. Und ich entschuldige ich bei allen Lesern, die sich jetzt angesprochen fühlen, das war nicht nett. Aber nötig, glaubt mir. Und gerade ihr solltet unbedingt weiterlesen, denn lesen bildet. Und es kommt noch ein schlauer Rat von mir...

Jeder kann sich etwas zusammenreißen und weniger ausgeben als er im Monat an Einnahmen hat - Hartz-IV-Empfänger und andere sozial Schwache am Rande der Armutsgrenze mal ausgenommen. Aber jeder mit einem "normalen" geregelten Monatseinkommen kann etwas Geld zur Seite legen. Und was machen die Deutschen dann, wenn sie es überhaupt hinkriegen? Sie legen es auf Tagesgeldkonten, auf Sparbücher. Das ist dumm nicht sehr schlau. Und dafür gibt es keine sanftere Bezeichnung, denn wie man sein Geld anlegt, da hat doch jeder selbst die Wahl, da kann man niemand anderen für verantwortlich machen (was ja der Deutschen Lieblingssport ist, noch vor Fußball). Und wer sich für Nullzinsen oder gar Negativzinsen entscheidet, wer also der Bank noch Geld hinterher schmeißt, der handelt dumm nicht sehr schlau.

 Quelle: FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung 
Und diese Leute sind selbst schuld! Schaut man auf die Vermögensverteilung, darauf wie das Geld von den Deutschen angelegt wird, dann finden sich Aktien, Fonds, ETFs und Immobilien weit hinten. Niedrig bis gar nicht verzinste Bankguthaben und Lebensversicherungen, das sind der Deutschen bevorzugte Anlageformen. Kein Wunder, dass sie kein Vermögen ansammeln! Das ist einfach dumm nicht sehr schlau!

Cleverer sind die Reichen. Sie legen ihr Vermögen nämlich nicht in Geld an, sondern in Sachwerten, in Immobilien, in Aktien. Und diese bringen auf lange Sicht erhebliche Wertzuwächse, daraus speist sich der Vermögenszuwachs der cleveren Anleger.

Natürlich kommt hier bestimmt der regelmäßige Einwand, nur Reiche könnten sich Aktien oder Immobilien leisten. Aber das stimmt nicht, es ist eine Schutzbehauptung, um das eigene Versagen, das Unvermögen, zu kaschieren. Jeder kann Aktien kaufen oder Aktienfonds mit Raten besparen. Jeder kann Aktien oder Fonds kaufen, die in Immobilien investieren. Es machen nur zu wenige Leute. Und die, die es machen, sind nicht sofort reich. Nein, sie legen ihr Geld rentierlich an, es wächst, es gedeiht, es vermehrt sich. Durch Mieteinnahmen und durch Dividenden.

Reiche sind reich, weil sie weniger Geld ausgeben als sie einnehmen. Arme sind arm, weil sie mehr ausgeben als sie einnehmen. So einfach ist das im Grunde.

»Reich wird man nicht durch das, was man verdient, sondern durch das, was man nicht ausgibt.«
(Henry Ford)

Natürlich fällt es einem Reichen leichter, Geld auf die hohe Kante zu legen, als jemandem, der mit 1.000 Euro netto nach hause geht. Unbestritten. Aber auch ein finanziell schlechter situierter Mensch kann einen kleinen Teil seines Einkommens abzweigen und in rentierliche Anlagen stecken, zum Beispiel in Aktien- oder ETF-Sparpläne. Monat für Monat kommen mit der Zeit auch ansehnliche Beträge zusammen, die dann immer mehr an Erträgen abwerfen. Auf diese Weise wird man nicht reich, aber man kann Wohlstand aufbauen, ein kleines Vermögen. Jeder kann das, es liegt an jedem selbst. Und doch tun es die meisten nicht, sie haben immer eine Ausrede parat, weshalb sie das Geld für etwas anderes ausgeben müssen. Okay, können sie ja, es ist ihre Entscheidung. Aber dann sollen sie bitte auch nicht jammern, dass es anderen, die sich clever verhalten und ihr Geld für sich arbeiten lassen, so viel besser geht.

»Ausreden sind wie Arschlöcher. Jeder hat sowas.«
(aus Oliver Stones Antikriegsepos "Platoon")

 Zinseszinseffekt über 30 Jahre betrachtet
Und wer dann doch eine Lehre für sich ziehen will, dem sei noch einmal das Konzept des Zinseszinses ans Herz gelegt. Vereinfacht gesagt, erwirtschaftet nicht nur das angelegte Geld Erträge, sondern die nicht ausgegebenen Erträge selbst erwirtschaften ihrerseits zusätzliche Erträge. Klingt jetzt nicht sexy, macht aber (finanziell) total geil, wenn man sich die Wirkung auf einer Zeitachse anschaut. Denn der Faktor Zeit ist hierbei ganz entscheidend.

Das wird anhand eines Beispiels schnell deutlich: Wenn man heute 100.000 Euro in Aktien investiert und 6 Prozent Ertrag annualisiert, hat man nach 30 Jahren fast 575.000 Euro zusammen. Und nach 60 Jahren sind es dann schon etwa 3,3 Millionen Euro. Also konkret: in den ersten 30 Jahren erwirtschaftet der Zinseszinseffekt auf unsere ursprünglich eingesetzten 100.000 Euro satte 475.000 Euro Rendite, in den weiteren 30 Jahren dann nochmals 3,2 Millionen Euro oben drauf. Ja länger wird das Geld und den Zinseszinseffekt für uns arbeiten lassen, desto gewaltiger die Summe, die am Ende dabei herauskommt. Kein Wunder, dass ein Zahlengenie wie Albert Einstein von diesem Zinseszinseffekt dermaßen angetan war, dass er ihn als achtes Weltwunder bezeichnete.

Wer es einmal begriffen hat, hat den Schlüssel zum eigenen Vermögensaufbau in Händen. Er muss ihn nur noch nutzen.

»Sei niemals abhängig von einem einzigen Einkommen. Investiere, um eine zweite Einkommensquelle zu schaffen.«
(Warren Buffett)

Und mit den Dividenden und Mieteinnahmen kann man sich ein separates Einkommen aufbauen, das einem sukzessive mehr Unabhängigkeit beschert vom Erwerbseinkommen und auch im Alter eine willkommene Ergänzung zur mageren Rente darstellt.

Kommentare:

  1. thenextbigthing25. Mai 2018 um 21:46

    Sehr guter Beitrag und belassen wir es bei dem was die Leute sind: Dumm. Das Problem ist aber auch in der Erziehung/in unserem Schulsystem zu lokalisieren, nirgendwo wird man über Finanzen aufgeklärt, dass Aktien nichts böses sind und das man auch nicht alles verliert. Für die meisten Menschen ist das ein böhmisches Dorf. Und auch wenn du es hier schreibst, denke ich leider das es nicht viele Menschen registrieren werden, denn die meisten deiner Leser sind sicher Aktionäre.

    Ausgaben minimieren, Einnahmen maximieren, das ist der Weg zur finanziellen Unabhängigkeit, dazu gibt es auch sehr gute Blogs.

    In diesem Sinne: Danke das es mal jemand geschrieben hat.

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    1. Du sprichst ein ganz wichtiges Thema an, die finanzielle Bildung. Oder vielmehr das Unterbleiben derselben, weil es an den Schulen nicht gelehrt wird, weil es in Deutschland einen Hype um den Weltspartag gibt, aber keinen Weltaktientag. Ich habe zur Einschulung noch ein Kindersparbuch von der Sparkasse geschenkt bekommen mit 5 DM Startguthaben. Ein Investmentanteil in gleicher Größenordnung wäre heute Hunderte wert! Und dann die Medien, die die Börse immer als Zockerbude darstellen, nicht als Marktplatz für Unternehmensanteile. Auch die tragen ihren Teil dazu bei, dass die Deutschen solchen Pappnasen geht, wenn es sich um das Thema Finanzen dreht.

      Ein Freund von mir hat einen kleinen Malerbetrieb und er wollte seinen Angestellten ein Extra schenken. Jeder sollte 50 Euro im Monat mehr bekommen und das sollte in Aktienfonds fließen. Wollte keiner haben "den Scheiß". Also lieber gar nichts als Aktien(-fondsanteile). Wie beschränkt muss man sein? Oder ungebildet. Und da sind wir wieder beim Thema: keiner bringt es den Kindern bei und deshalb haben auch die Erwachsenen keine Ahnung. Einfach gruselig!

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    2. thenextbigthing26. Mai 2018 um 09:16

      Unfassbar diese Geschichte mit den Malern... In meinem Bekanntenkreis wissen viele nicht, dass man mit einer Aktie ein Stück eines Unternehmens erhält und davon auch profitieren kann. Der Weltspartag ist ein klassisches Beispiel dafür, wie steinzeitlich wir in Sachen Finanzen denken (oder denken sollen...)

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  2. Sehr schoener Artikel und Bernard Baruch ist fuer mich ein Beispiel eines gut gelebten Lebens.

    Nun leben wir ca. 100 Jahre spaeter und die Masse der Menschen hat das Konzept gerade im deutsprachigen Raum noch nicht verinnerlicht.

    Bei meinen beiden Kindern behandele ich das Thema Zinseszins und Geld anlegen fast jeden Tag, wenn das Thema kommt. (Taschengeld, Arbeiten, Vermoegen).

    Ich gebe meinen Kindern jede Woche (!) 1% Zinsen auf Ihre Ersparnisse und vergleiche das mit einer "Geldmaschine" die man sich bauen kann und dadurch viel mehr Freiheiten im Leben hat.

    Schoenen Sonntag!

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  3. 1% pro Woche finde ich doch sehr viel. Ich hätte da Sorge, dass das nach hinten losgeht und die Kinder eher frustriert - denn 1% pro Woche wird kein Kind jemals selbst erzielen können. Wir machen das aber im Prinzip auch so: mein Sohn (6 Jahre, 1. Klasse) führt bei mir ein Konto (in einem Notizbuch), auf das er jederzeit Geld ein/auszahlen kann. An jedem Monatsersten erhält er 1% von mir auf den Kontostand gutgeschrieben. Ich hoffe, dass er so lernt, dass Geld ein Arbeitsmittel und nicht nur Konsummittel ist.

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  4. Ein schönes Pladoyer für eine "moderne" Anlagestrategie. In Deutschland ist immer noch nicht so richtig angekommen, dass Geld an den Aktienmärkten langfristig besser für uns arbeitet, als auf dem Sparbuch!
    Viele Grüße
    DerFinanzstratege.

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    1. "Über Geld spricht man nicht" ist hierzulande die Devise. Schlicht dumm, finde ich! Wir müssen endlich über Geld sprechen, sonst lernt nie jemand von uns dazu.

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