Freitag, 29. April 2016

Investor-Update: 7C Solarparken, Delignit, MBB, MPC Capital, Western Digital

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Earnings-Season führt zu Verwerfungen
Die Unternehmensergebnisse würfeln die Börsenkurse mächtig durcheinander, wer die Erwartungen verfehlt, wird gnadenlos in den Keller geprügelt. Ob Apple, Alphabet, Microsoft, Corning, Western Digital, es gibt keine Gnade. Und die Kehrseite der Medaille sind Kursfeuerwerke bei Übertreffen der Erwartungen, wie bei Facebook, Amazon oder Genworth Financial.

Wie ein roter Faden zieht sich durch die Ergebnisse, dass der starke Dollar belastet und die Nachfrageschwäche aus China und den Schwellenländern sich negativ auswirkt. Da nun der Mai ansteht und damit die beste Zeit für Aktien auf einige Monate saisonal erst einmal vorüber ist, wird das Stock-Picking noch wichtiger, um in einem Gesamtmarkt, der keine großartigen positiven Impulse setzen dürfte, nicht unter die Räder zu kommen.

 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Fear-and-Greed-Index gibt spürbar nach
Der Angst-und-Gier-Index hält sich wacker im grünen Bereich, ist aber von 74 auf 63 Punkte gefallen. Die Stimmung trübt sich also ein und weicht gesunder Skepsis, was an sich kein schlechtes Zeichen ist. Realitätssinn schadet auch an der Börse nicht und gerade die Blue Chips sind doch relativ hoch bewertet, was nur dann zu rechtfertigen ist, wenn die Unternehmensgewinne damit Schritt halten. Da dies zuletzt immer seltener der Fall ist, sollten Anleger hier vorsichtiger werden - vielfach werden die Gewinne je Aktie überwiegend durch Financial Engineering bestimmt, also durch die positiven Auswirkungen von Aktienrückkäufen, und das ist alleine keine gesunde Basis für weiter steigende Kurse.

Im Gegenzug finden sich bei den Nebenwerten durchaus noch Perlen, deren Potenzial noch nicht erkannt wurde oder noch nicht ausgeschöpft ist. Ich habe zuletzt schon verstärkt diesem Bereich höher gewichtet und bei Verkäufen der großen Werte eher in die Nischenaktien investiert. Mit teilweise recht beeindruckenden Erfolgen, aber auch nicht immer. Auch bei den kleinen Werten ist man vor Enttäuschungen und bösen Überraschungen nicht gefeit. Deshalb kommt man um eine seriöse Analyse und Bewertung aufgrund der Geschäftsberichte nicht herum. Sofern man nicht Roulette spielen will...


+ 7C Solarparken
Das belgische Unternehmen erstellt und betreibt Solarparks und fokussiert sich hierbei auf Deutschland. Die noch vorhandenen Anlagen im Ausland wurden und werden verkauft. Aufgrund der staatliche festgeschriebenen Einspeisevergütung sind die Erträge gut kalkulierbar und die Renditen sind viel versprechend. 7C Solarparken verfügt noch über freie Ausbauflächen und veräußert einerseits neu erstellte Solarparks, was zumeist einen hohen Gewinn abwirft, und auf der anderen Hand übernehmen sie eigene und zugekaufte Solarparks in den Anlagebestand. Bei den zugekauften werden die Solarmodule ertüchtigt und aufgrund des inzwischen deutlich niedrigeren Zinsniveaus kann die Re- bzw. Anschlussfinanzierung zu erheblich verbesserten Konditionen abgeschlossen werden. Somit gelingt es dem Unternehmen immer wieder, übernommene Solarparks effizienter und gewinnbringender auszurichten. Ich habe die Konsolidierung des Aktienkurses genutzt, und mir ein paar Aktien zu €2,35 ins Depot gelegt.

+ Delignit
Es wird noch etwas dauern, bis der Zulieferer von Holzkomponenten für die Fahrzeug- und Bahnindustrie seine Zahlen zum Geschäftsjahr 2015 präsentiert, aber ich gehe von einem durchweg positiven Geschäftsverlauf aus. Die zunehmende Begeisterung für Elektroautos bringt das Thema Reichweite immer stärker in den Fokus und die Batteriekapazitäten lassen sich nicht ohne weiteres einfach erhöhen - denn sie kosten viel Gewicht. Gewicht, das man durch den Einsatz laubholzbasierter Teile wieder einsparen kann und hier spielt Delignit ganz vorne mit. Mitte Dezember hatte man sich gleich mehrere Serienaufträge aus der Automobil- und der Bahnbranche gesichert und weitere dürften folgen. Ich habe meine Position also zu €3,80 nochmals etwas aufgestockt.

+ MBB
Ganz starke Zahlen hat MBB präsentiert und ich habe das dazu genutzt, meine Position aufzustocken. Die Ergebnisse untermauern zudem die zunehmend konservativ erscheinende Prognose von 300 Mio. EUR Umsatz und €2,00 EPS für das Geschäftsjahr 2016. Darüber hinaus zeigt sich, dass sich die hohen Erwartungen, die mit der Übernahme der Aumann-Gruppe verbunden sind, erfüllen, den MBB-Chef Nesemeier "als vermutlich besten Zukauf" bezeichnete, den MBB jemals getätigt habe. Wenn man sich ein paar Jahre zurück erinnert, gab es damals den Zukauf der Claas Fertigungstechnik, der auf Schlag den Umsatz der MBB-Gruppe verdoppelte und die gewinne überproportional steigerte. Es war bereits nach dem ersten Quartal absehbar, dass die weiteren Quartalszahlen und das Jahresergebnis mit großen Steigerungen verbunden sein würden und der Aktienkurs zog mit den jeweils nach oben angepassten Prognosen immer weiter stark mit. Diese Geschichte könnte sich aufgrund der Aumann-Akquisition in diesem Jahr wiederholen; eine Erhöhung der Jahresprognosen ist nur eine Frage der Zeit. Und der Aktienkurs dürfte über das Jahr gesehen immer wieder davon beflügelt werden und auf neue Hochs vorstoßen.

+ MPC Capital
Nach meinem Einstieg ist der Kurs etwas gefallen und ich habe meine Position zu unter €6 ausgebaut, so dass sie inzwischen eine der fünf größten in meinem Depot ist.

- Western Digital
Der Speicherspezialist hat wieder einmal schlechte Zahlen präsentiert. Nachdem Microsoft schon schwache Windows-Verkäufe aufgrund der Nachfrageschwäche bei PCs gemeldet hatte, habe ich gestern im Vorgriff auf die heutigen Zahlen bei Western Digital die Reißleine gezogen und meine Position zu €40,87 glattgestellt. Die SanDisk-Übernahme wird einiges an Synergien freisetzen, aber das Stammgeschäft von Western Digital bleibt weiter stark unter Druck, ebenso die Flash-Sparte von SanDisk. Ich habe wenig Hoffnung, dass sich an diesem negativen Umfeld in absehbarer Zeit für Western Digital etwas ändert und werde daher eine Erholung des PC-Marktes und/oder der Verkaufszahlen bei Festplatten und Flash-Speichern abwarten, bevor ich an einen Neueinstieg zu denken wage.

Mein aufgrund des heutigen Kurseinbruchs vergleichsweise hoher Verkaufskurs von €40,87 kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass trotz einiger vereinnahmter Dividendenzahlungen dieses Investment das bisher mit Abstand schlechteste meiner Empfehlungen war. Im Nachhinein betrachtet muss ich mir natürlich die Frage stellen, ob ich nicht zu lange daran festgehalten und die sich abzeichnenden Warnzeichen ignoriert oder zu positiv ausgelegt habe. Auf jeden Fall habe ich mit dem Engagement falsch gelegen und unter dem Strich bleibt - bezogen auf meine Erstempfehlung auf der Liste - ein Verlust von 40,7% in gerade mal 7 Monaten.


.: Cashquote
Dank des Verkaufs meiner Western Digital-Aktien haben meine Neukäufe und Aufstockungen meine Liquidität nicht allzu stark in Mitleidenschaft gezogen, so dass meine Cash-Quote bei knapp unter 15% verharrt. Ich habe noch den einen oder anderen Nebenwert auf der Watchlist und werde demnächst vielleicht nochmals aktiv.

Zahlen & Mehr: Corning, Ströer, Suncor Energy, Surteco, Vectron

:: Corning
Der Glasspezialist Corning Inc. konnte im ersten Quartal nicht glänzen. Die Umsätze sanken im Jahresvergleich um 10,7% auf 2,17 Mrd. und lagen damit um Einiges unter den Analystenerwartungen von $2,24 Mrd. Beim Ergebnis je Aktie wurden hingegen die Erwartungen mit $0,28 je Aktie erfüllt. Allerdings kam der Ausblick des Unternehmens überhaupt nicht gut an, denn dieser ist doch sehr verhalten, obwohl man vor der Einführung neuer Glas-Produkte steht. (>>> zur Meldung, Engl.)

:: Ströer
Der ins Fadenkreuz einer Short-Attacke geratene Werbespezialist Ströer ist operativ hervorragend ins Jahr 2016 gestartet, wie die Zahlen zum ersten Quartal belegen. Der Konzernumsatz wuchs deutlich um 40% auf €226,2 Mio., wobei das organische Wachstum ohne Zukäufe 11,5% betrug. Das operational EBITDA stieg um nahezu 72% auf €45,3 Mio. und erstmalig konnte in einem 1. Quartal ein positives Ergebnis erzielt werden und zwar in Höhe von €5,1 Mio. Vor diesem Hintergrund hob das Unternehmen seine Prognose für das Geschäftsjahr 2016 an und rechnet nun mit mehr als €280 Mio. operationalem EBITDA (bisher €270 bis €280 Mio. bei einem Umsatz zwischen €1,1 und €1,2 Mrd. (>>> zur Meldung)

:: Suncor Energy
Der Ölsandwäscher und Raffineriebetreiber Suncor musste dem niedrigen Ölpreis Tribut zollen und für das erste Quartal 2016 einen operativen Verlust vermelden. Der um Einmaleffekte bereinigte Verlust betrug C$500 Mio. oder C$0,33 je Aktie, nachdem in der Vorjahresperiode noch ein operativer Gewinn von C$175 Mio. oder C$0,12 je Aktie in den Büchern stand. Der Nettogewinn hingegen stieg auf C$257 Mio. oder C$0,17 je Aktie, insbesondere aufgrund nicht-cashwirksamer Erträge und der Reduzierung von Finanzierungskosten.

Nach der erfolgreichen Komplettübernahme von Canadian Oil Sands hat sich Suncor nun für C$937 Mio. den 5-Prozent-Anteil von Murphy Oil Corp's 5 im Syncrude Oil Sands Project, gesichert und so seinen Anteil an diesem Joint-Venture auf nunmehr 53,74% ausgebaut. (>>> zur Meldung, Engl.)

:: Surteco
Die Surteco SE ist einer der weltweit führenden Hersteller von dekorativen Oberflächenmaterialien und konnte im Berichtsjahr 2015 erfreulich zulegen. So erreichte der Konzernumsatz mit €638,4 Mio.(2014: €618,5 Mio.) ein erneutes Rekordniveau und beim Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) konnte Surteco trotz substanzieller Integrationskosten für die Konzentration der deutschen Dekordruckaktivitäten mit €31,1 Mio. ein Plus von 13% gegenüber dem 2014er Wert von €27,6 Mio. erzielen. Ein deutlich verbessertes Finanzergebnis führte zu einem Anstieg des Vorsteuergewinns von €22,3 Mio. in 2014 auf nun €26,8 Mio, so dass sich nach Steuern ein Gewinn von €17,7 Mio. bzw. ein Ergebnis je Aktie von €1,14 ergibt. Vor diesem Hintergrund wird der Hauptversammlung eine 16-prozentige Erhöhung der Dividende auf €0,80 EUR je Aktie (vorher €0,70) vorgeschlagen. (>>> zur Meldung)

:: Vectron
Die Vectron Systems AG hat das Geschäftsjahr 2015 mit einem Nettoergebnis von €1,2 Mio. abgeschlossen, einer Steigerung um 127% gegenüber dem Vorjahreswert von €0,5 Mio. Der Umsatz lag mit €25,2 Mio. um 12,5% über dem Vorjahreswert von €22,4 Mio., während das EBIT €2,1 Mio. betrug (Vorjahr €1,0 Mio.). Dabei konnte der Rohertrag mit 59% relativ konstant gehalten werden. (>>> zur Meldung)

Corning, Suncor Energy, Surteco und Vectron befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Zahlen & Mehr: Apple, Genworth Financial, Johnson & Johnson, KKR, PayPal, Western Digital

:: Apple
Eben wurde bekannt, dass sich der aktivistische Investor Carl Icahn inzwischen vollständig aus Apple zurückgezogen und alle seine Aktien auf den Markt geworfen hat. Und das, obwohl er Apple öffentlich mit einem fairen Wert von $240 angesetzt hat. Ich hatte bereits vor einiger Zeit vermutet, dass er hier die Privatanleger aufs Glatteis zu führen versucht, um sein eigenes milliardenschweres Aktienpaket loswerden zu können, ohne dass ihm der Kurs total einbricht ("Verschleuderte Carl Icahn seine Apple-Aktien 50 Prozent unter Wert?"). Nun, das Manöver war ziemlich offensichtlich und auch wenn Icahn nun auf regulatorische Einflussnahmen in China als Begründung abzielt, ging es ihm doch alleine um seinen eigenen Profit. Auch vorgeschobene Gründe sind Gründe und Icahn verdiente an seinen "Apfeltagen" unterm Strich rund $1,5 Mrd.... (>>> zur Meldung)

:: Genworth Financial
Der Versicherungskonzern Genworth Financial Inc. musste im vergangenen Jahr einen Gewinneinbruch von 66% hinnehmen, schlug damit die Markterwartungen jedoch deutlich. Das Unternehmen, das die ehemalige Versicherungssparte des Industriegiganten General Electric war, wird aktuell zusammengeschrumpft, um durch das Absenken der Verschuldung wieder auf Kurs zu kommen, nachdem man für das Geschäftsjahr 2014 einen Rekordverlust von mehr als §1,2 Mrd. ausweisen musste. Der Nettogewinn fiel von $154 Mio. oder $0,31 je Aktie auf $53 bzw. $0,11 je Aktie. Der operative Gewinn, der auch Ergebnisse aus Investmentgeschäften enthält, lag bei $0,21 je Aktie und damit deutlich über den Erwartungen. (>>> zur Meldung, Engl.)

:: Johnson & Johnson
Beim Pharmazie- und Konsumgüterhersteller Johnson & Johnson laufen die Geschäfte rund, hauptsächlich der starke Dollar und das Abgeben von Geschäftsbereichen haben das Zahlenwerk etwas belastet. Die weltweit 127.500 Mitarbeiter erwirtschafteten im Geschäftsjahr 2015 einen Umsatz von $70,1 Mrd. (Vorjahr: $74,3 Mrd.) und dabei einem Gewinn in Höhe von $15,4 Mrd. (Vorjahr: $16,3 Mrd.) und so wird das Unternehmen das 54. Jahr in Folge seine Dividende steigern. Für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2016 wird die Dividende von $0,75 auf $0,80 je Aktie angehoben, was einer Steigerung von 6,7% entspricht. (>>> zur Meldung).

:: KKR
Der Finanzinvestor KKR & Co. L.P. wird von den Börsenturbulenzen und dem niedrigen Ölpreis mächtig in Mitleidenschaft gezogen. Insbesondere seine großen börsennotierten Beteiligungen, Walgreen Alliance Boots und First Data mussten im ersten Quartal 2016 Kursverluste hinnehmen und das wirkte sich stark in den Zahlen der Private Equity Gesellschaft aus. So musste ein Nettoergebnis, das sowohl unrealisierte als auch realisierte Profite enthält, von Minus $553 Mio. bzw. $-0,65 je Aktie ausgewiesen werden, nachdem im Vorjahresquartal noch ein Gewinn von $526 Mio. zu Buche stand. KKR ist stark von der Börsenverfassung abhängig und die taumelnden Aktienkurse hatten starke Auswirkungen auf die Ergebnisse. Umgekehrt wirken anziehende Börsenkurs allerdings ebenso stark und wie ein Turbo auf das KKRs Zahlenwerk. (>>> zur Meldung, Engl.)

:: PayPal
Der Zahlungsdienstleister PayPal Inc. kann sich im immer härter umkämpften Markt der Online- und Mobilbezahldienste behaupten. So kletterten im ersten Quartal 2016 die Erlöse im Vorjahresvergleich um 19% auf $2,5 Mrd. und der Überschuss konnte sogar um 43% auf $365 Mio. zulegen. Die Zahl der aktiven PayPal-Kundenkonten stieg um 11,5% auf 184 Mio und es wurden insgesamt 1,41 Mrd. Transaktionen wurden abgewickelt (>>> zur Meldung)

:: Western Digital
Der Speicher-Spezialist Western Digital ist unbestritten das Sorgenkind auf meiner Empfehlungsliste und der Aktienkurs notiert tief im Minus. Und die vorgelegten Zahlen zum dritten Geschäftsquartal sind nicht dazu geeignet, hieran etwas zu ändern. Kurz vor der angestrebten Übernahme des Konkurrenten SanDisk musste WDC einen Umsatzrückgang um 21% bekanntgeben und ein Absinken des Nettogewinns auf nur noch $283 Mio., nachdem vor einem Jahr noch von $441 Mio. verdient worden waren. Auch wenn der weiter schrumpfende PC-Markt seine Spuren hinterlässt, kann man diese Zahlen nur als große Enttäuschung ansehen. (>>> zur Meldung, Engl.)


Genworth Financial, Johnson & Johnson, KKR, PayPal und Western Digital befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Donnerstag, 28. April 2016

Meide Neuemissionen!

Wagt eine Aktiengesellschaft den Sprung aufs Börsenparkett, nennt man diesen Börsengang neudeutsch Initial Public Offering (IPO). Medienwirksame IPOs der letzten Jahre waren u.a. Facebook, AlibabaRocket Internet oder Zalando.

Für ihr IPO erstellen die Unternehmen einen umfassenden Emissionsprospekt, der alle relevanten Informationen enthalten muss, vor allem aber erläuternde Hinweise zu den Risiken und in den diversen Börsenblättchen - und Blogs - wird über den Börsengang berichtet, zumeist mit Handlungsempfehlungen. Also eine sichere Sache, sollte man meinen, oder?

Zur Zeit des Neuen Marktes war das so. Egal, zu welchem Preis unrentable Unternehmen an die Börse gebracht wurden, die Emissionen waren mehrfach überzeichnet und die Kurse schossen durch die Decke. Das lag jedoch nicht an den Unternehmen, sondern an der liquiditätsgetriebenen Hausse, der Gier der Anleger und an dem vielen billigen Geld, mit dem die Notenbanken den Markt geflutet hatten. Zumindest letzteres ist auch heute gegeben, aber von Euphorie an den Börsen sind wir meilenweit entfernt.

Von Kursverlusten und Pleiten
Und wenn man sich die Kursentwicklung einiger Börsengänge der jüngsten Zeit ansieht, drängt sich nicht der Eindruck auf, man hätte hier als erster dabei sein müssen. So hat sich der Kurs der Rocket-Internet-Aktien nach der Emission inzwischen halbiert und auch die Kurse anderer IPOs haben deutlich nachgegeben, schauen Sie sich Groupon oder Zynga an. Allerdings sind viele der jüngeren IPOs schnell wachsende Internet-Unternehmen, bei denen Umsatz- und Kundenwachstum hoch bewertet werden und die Aussicht auf zukünftige Erträge und Gewinne versprechen. Und hier liegt genau das Risiko, denn die Erwartungen sind das eine, die Realität das andere. Weder Groupon, noch Zynga, noch Facebook konnten mit ihren Geschäftszahlen überzeugen und haben die hochfliegenden Erwartungen nicht erfüllt. Der Aktienkurs nimmt nun die entsprechenden Anpassungen vor und die Anleger sitzen auf den Kursverlusten - während sich diejenigen, die frühzeitig an den Unternehmen beteiligt waren, wie auch die Unternehmensgründer, satte Millionen- oder gar Milliardenerlöse aus dem Verkauf ihrer überteuerten Aktien gezogen haben. Daneben gibt es aber auch "grundsolide" Unternehmen, die an die Börse streben, wie der Modekonzern Steilmann. Der allerdings nach nur wenigen Monaten Insolvenz anmelden musste. Ein Armutszeugnis für alle Beteiligten, Banker, Berater, Firmenlenker, und Prüfungsgegenstand seitens der BaFin und vermutlich auch der Staatsanwaltschaft. Immerhin geht es um die Frage, ob Anleger bewusst getäuscht (im Juristendeutsch "betrogen") worden sind, als ihnen die Aktien angedreht wurden.

Sind alle IPOs schlecht?
Muss - oder sollte - man daraus den Schluss ziehen, dass man mit IPOs nur verlieren kann? Ich denke nicht. Vielmehr ist die Lehre, dass es auf die Bewertung der Unternehmen ankommt, ob man investieren sollte, oder nicht. Und da es sinnvoll ist, in unterbewertete Aktien zu investieren, um dann davon zu profitieren, dass sie wieder auf ihren fairen Wert steigen, wird man bei IPOs kaum fündig werden. Denn diese Unternehmen wurden von den Konsortialbanken auf ihren Wert hin abgeklopft und aus dieser Bewertung ergab sich der Emissionspreis bzw. die Preisspanne für das IPO. Hier eine Unterbewertung zu vermuten würde bedeuten, man setzt darauf, dass die beteiligten Banken Geld verschenken würden. Denn die Banken verdienen am Emissionsvolumen und je höher der Preis, desto größer der Verdienst der Bank. Schnäppchen sind bei einem IPO also nicht zu machen.

Das macht die Unternehmen nicht zu schlechten, aber für einen langfristig orientierten Value-Investor ist der Einstiegspreis ein ganz entscheidendes Kriterium. Nur wenn man günstig und deutlich unter Wert einsteigt, erzielt man auch eine hohe Rendite. Daher muss man dem Markt, der Börse, die Chance geben, eine Unterbewertung der Aktie zuzulassen. Und das wird eben nicht beim IPO passieren, sondern allenfalls erst später, wenn die Aktie sich im großen Teich mit den anderen Unternehmen um die Gunst der Anleger bewähren muss.

»Du brauchst dich nicht wirklich darum zu kümmern was bei IPOs eigentlich los ist. Leute gewinnen jeden Tag im Lotto.«
(Warren Buffett)

Warren Buffett meint zu IPOs, es wäre unsinnig anzunehmen, dass man als Anleger besser informiert sei, als die (Aktien abgebenden) Insider. Man solle daher nicht an IPOs teilnehmen, sondern sich erst mal einige Zeit den Kursverlauf an der Börse ansehen und dem Markt Zeit geben, seine Bewertung für die Aktien vorzunehmen und dieser dann seine eigene Einschätzung gegenüberzustellen.

Andere Ansichten zum Glaubensverlust bei Apple

Die ARD Börse nimmt in ihrem Artikel "Apple macht schlapp" die jüngsten Quartalszahlen und insbesondere das enttäuschende Abschneiden der Iphoneverkäufe unter die Lupe. Zwei Drittel seiner Einnahmen erziele der Tech-Konzern mit dem Smartphone, doch nun seien die Verkaufszahlen erstmals zurückgegangen.Zwar habe Apple im letzten Quartal noch immer 51,2 Mio. Iphones verkauft, dies seien jedoch 16 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Die Erlöse schrumpften im vergangenen Quartal um 13 Prozent auf $ 50,56 Mrd., was der erste Erlösrückgang seit 13 Jahren gewesen sei. Der Gewinn sei sogar um über 23 Prozent auf $10,5 Mrd.  eingebrochen.

Apple verdient zwar weiterhin viel Geld mit seinen Produkten, doch scheint man keine Idee zu haben, wie man den Niedergang stoppen könnte. Innovationsführer ist man schon lange nicht mehr, die Iphones sind eher zweitklassige, was Technik und Neuerungen angeht. Und nun will man mit einer "Billigversion" die Verkaufszahlen pushen, allerdings zulasten der bisher extrem hohen Marge. Aus meiner Sicht kein erfolgversprechender Weg, denn Apple kanibalisiert seine Hochmargenprodukte und zerstört damit sein Image - für das die Leute letztlich so viel Geld ausgeben.

Ich hatte nach rund 100 Prozent Kursgewinn in nur einem Jahr, nachdem ich im Sommer 2014 eingestiegen war ("Ist Apple noch ein Investment wert?"), meine Aktien bei rund €120 verkauft ("Apple, it's time to say goodbye!"). Das hohe Risiko, das ich in der Abhängigkeit vom Iphone sah und das immer weiter zunimmt, wurde einfach zu groß, das Chance-Risiko-Verhältnis passt(e) nicht mehr. Und während der Iphone-Absatz damals noch zulegen konnte ("Der Apple fällt nicht weit vom Stamm... aber tief"), geht er inzwischen zurück und legt Apple Dilemma als "Ein-Produkt-Unternehmen" schonungslos offen. Alle sonstigen Erfolge Apples haben so gut wie keinen Einfluss auf Umsatz, Gewinn und Cashflow. Ein massives Klumpenrisiko, das auch den Aktienkurs immer stärker belastet. Läuft das Iphone nicht, ist der Apple-Kurs selbst bei €50 noch überbewertet. Ich sehe mich in meiner negativen Einschätzung zu Apple vollauf bestätigt und werde die Aktie auch künftig meiden. Solange Apple es nicht schafft, seine Abhängigkeit vom Iphone erheblich zu verringern, bleibt Apple trotz der hohen Cashflows, der hohen Liquidität, der hohen Aktienrückkäufe und der optisch niedrigen Bewertung eine Value-Trap.

Überraschungscoup: Aurelius zündet den Dividendenturbo!

Der Finanzinvestor Aurelius ist erfolgreich ins Jahr 2016 gestartet und zwar so erfolgreich, dass man die bereits angekündigte Sonderdividende für das Geschäftsjahr 2015 kräftig erhöhen wird. Anstelle der avisierten €0,55 je Aktie sollen die Aktionäre auf der am 9. Juni stattfindenden Hauptversammlung über eine Gesamtdividende von €2,45 je Aktie befinden, was einen neuen Rekordwert darstellt. Neben der um 10 Cents auf €0,90 erhöhten Basisdividende soll es nun noch €1,55 je Aktie als Partizipationsdividende oben drauf geben. Beim aktuellen Börsenkurs von €53 käme Aurelius so auf eine stattliche Dividendenrendite von 4,6%.

Grundlage dieser Dividendenanhebung sind die erfolgreichen Exits des Jahres 2015 und im ersten Quartal 2016, die zu einem sehr hohen Bestand an liquiden Mitteln geführt haben, die Aurelius seinen Aktionären zugute kommen lassen will.

Aurelius befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und ist die größte Position in meinem Depot.

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Dienstag, 26. April 2016

Zahlen & Mehr: Aurelius, Berentzen, MBB, mVISE, Steico, WCM

:: Aurelius
Der Finanzinvestor Aurelius hat weitere Anteile an seiner Beteiligung am Spirituosenhersteller Berentzen abgegeben. Der niederländische Finanzinvestor Monolith wird rund 10,4% der Aktien übernehmen, so dass der Aurelius-Anteil weiter auf 18,8% absinkt. Aurelius hatte kürzlich bereits mit dem Verkauf seines Aktienpakets von vormals 51,04% begonnen. (>>> zur Meldung)

:: MBB
Die Beteiligungsgesellschaft MBB hat Zahlen zum ersten Quartal 2016 vorgelegt und einen Rekordumsatz in Höhe von €78,2 Mio. gegenüber €60,2 Mio. im Vorjahresquartal erzielt. Das entspricht einem Umsatzwachstum von 29,8%. Das EBITDA stieg um 21,1% auf €7,8 Mio. das Ergebnis je Aktie belief sich auf €0,56 nach €0,47 in den ersten drei Monaten des Vorjahres und stieg damit um 19,1%. Das Eigenkapital stieg auf 91,9 Mio. EUR nach 87,6 Mio. EUR zum Jahresende 2015, so dass sich die Eigenkapitalquote auf 39,3% zum Ende des ersten Quartals 2016 erhöhte. MBB verfügt damit unverändert über eine signifikante Liquiditätsausstattung, um aus eigener Kraft in Tochterunternehmen und Wachstum durch Unternehmenserwerb zu investieren. Die sehr guten Ergebnisse spiegeln das organische Wachstum in sämtlichen Tochtergesellschaften des MBB Konzerns wider und übertreffen die Unternehmensplanung für das erste Quartal. Die Ergebnisse untermauern zudem die zunehmend konservativ erscheinende Prognose von 300 Mio. EUR Umsatz und €2,00 EPS für das Geschäftsjahr 2016. Darüber hinaus zeigt sich, dass sich die hohen Erwartungen, die mit der Übernahme der Aumann-Gruppe verbunden sind, erfüllen, den MBB-Chef Nesemeier "als vermutlich bester Zukauf" bezeichnete, den MBB jemals getätigt habe.

Wenn man sich ein paar Jahre zurück erinnert, gab es damals den Zukauf der Claas Fertigungstechnik, der auf Schlag den Umsatz der MBB-Gruppe verdoppelte und die gewinne überproportional steigerte. Es war bereits nach dem ersten Quartal absehbar, dass die weiteren Quartalszahlen und das Jahresergebnis mit großen Steigerungen verbunden sein würden und der Aktienkurs zog mit den jeweils nach oben angepassten Prognosen immer weiter stark mit. Diese Geschichte könnte sich aufgrund des Aumann-Zukaufs in diesem Jahr wiederholen; eine (oder mehrere) Anpassung der Jahresprognosen ist nur eine Frage der Zeit. Und der Aktienkurs dürfte über das Jahr gesehen immer wieder davon beflügelt werden und auf neue Hochs vorstoßen. (>>> zur Meldung)

:: mVISE
Die mVISE AGist ein Spezialist für cloudbasierte mobile Digitalisierung und hat heute ihre abschließenden Zahlen für das Geschäftsjahr 2015 bekannt gegeben. Dabei wurden die vorab gemeldeten Zahlen aus dem März weitgehend bestätigt. So konnte mVISE im Jahr 2015 im Vergleich zum Vorjahr die Gesamtleistung  auf €5,86 Mio. (Vorjahr: € 2,14 Mio.) gesteigert werden und der. Der Jahresfehlbetrag konnte von einem negativen EBITDA in Höhe von €-1,18 Mio. auf ein um Einmalaufwendungen bereinigtes EBITDA in Höhe von €-0,38 Mio. gesenkt werden. Nachdem in 2015 umfassenden Reorganisationen und Neuorientierungen erfolgten, peilt das Unternehmen weitere Umsatzsteigerungen und ab dem zweiten Quartal 2016 ein kontinuierlich positives Ergebnis an. (>>> zur Meldung)

:: Steico
Der Dämmmittelhersteller Steico kommt immer besser in Schwung, auch aufgrund des milden Winters. Die Zahlen zum Jahresabschluss 2015 und zum ersten Quartal 2016 lassen jedenfalls aufhorchen. Die Umsatzerlöse stiegen 2015 um 8,1% auf €188,9 Mio. nach €174,7 Mio. im Vorjahr und der Gewinn je Aktie legte um 36,9% auf €0,63 zu nach €0,46 in 2014. Daher soll die Hauptversammlung Ende Juni eine um 3 Cents auf €0,15 je Aktie erhöhte Dividende beschließen.

Im ersten Quartal zahlten sich die hohen Investitionen in neue Maschinen und Produkte weiter aus. Das Umsatzwachstum lag bei 4,7%, während der Periodenüberschuss auf €2,7 Mio. hochschnellte nach €0,7 Mio. im Vorjahresquartal. Die Erhöhung der Margen läuft somit wie geplant und dürfte auch in den nächsten Quartalen weiter für Freude sorgen. (>>> zur Meldung ,PDF)

:: WCM
Auch Gewerbeimmobilienspezialist WCM hat Zahlen für das Geschäftsjahr 2015 vorgelegt und einen kräftigen Sprung zu verzeichnen. Wo wurde im Geschäftsjahr 2015 nach ungeprüften IFRS-Zahlen ein Konzernergebnis von €57,7 Mio. erzielt, nach €1,2 Mio. im Vorjahr. Das Ergebnis je Aktie stieg von €0,08 in 2014 auf €0,72 im Jahr 2015, während die Funds from Operations (FFO) auf €7,9 Mio. hochschnellten. Der Net Asset Value (NAV) nach EPRA betrug zum Jahresultimo 2015 €290,6 Mio. Euro oder €2,38 pro Aktie. Der absolute Wert überstieg Ende 2015 bereits die 500 Mio-Euro-Marke.

Bei diesen Zahlen ist zu berücksichtigen, dass WCM erst Ende 2014 wieder den operativen Geschäftsbetrieb aufgenommen hat und daher die Vergleichswerte eine sehr niedrige Basis aufweisen. Insbesondere weist das EPS auch Zuschreibungen beim Wert der Immobilien als Gewinne aus, weil die Bilanzierungsmethode nach IFRS nicht denen nach HGB entspricht, wo sich bei Immobilienvermögen hohe stille Reserven aufbauen, die erst beim Verkauf zutrage treten. Nach den IAS (International Accounting Standards) wirken sich die Wertveränderungen unmittelbar auf das Ergebnis aus, sowohl positiv als auch ggf. negativ.

Der Auf- und Ausbau des Immobilienportfolios geht voran und für das laufende Jahr sind zahlreiche Zukäufe geplant, wie die Unternehmenspräsentation von Dezember 2015 zeigt. (>>> zur Meldung)


Aurelius, MBB, mVISE, Steico und WCM befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 25. April 2016

Investor-Update: Blackstone, BYD, Funkwerk, MPC Capital, Publity, Starbucks, Ströer, Surteco, Vectron, WCM

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

DAX über 10.000, Dow über 18.000
Es ist schon ein paar Wochen her, dass ich ein Investor-Update veröffentlicht habe, aber die Tage um Ostern habe ich ich ganz entspannt und ab des Börsengeschehens verbracht. Jedenfalls als Investor. Keine Transaktionen, aber jede Menge Research und Überlegungen.

Die Stimmung an den Börsen ist weiterhin nervös, geradezu gereizt. Die Tagesschwankungen sind sehr hoch, gerade bei DAX und Öl und doch haben sich beide von ihren Tiefs deutlich erholt und kratzen an ihren Jahreshochs. Ebenso der Dow Jones Index. Die jüngst begonnen Quartalsberichtssaison zeigt aber auch, dass Verfehlungen der Markterwartungen gnadenlos abgestraft werden und die daraus resultierenden Kurseinbrüche bieten für coole Anleger tolle Chancen, um ihre Positionen aufzustocken oder bei verpassten Aktien doch noch günstig zum Zuge zu kommen.

 Quelle: CNN Money - Fear and Greed Index 
Fear-and-Greed-Index weiter im grünen Bereich
Im Zuge der Markterholung hat der Angst-und-Gier-Index sich im grünen Bereich etabliert und weist mit 74 Punkten auf eine entspannte Sicht der Marktteilnehmer hin. Die Cash-Quoten vieler institutioneller Anleger sind immer noch hoch und die geraten zunehmend unter Druck, weil ihnen die Märkte davon laufen und sie nicht dabei sind. Der erhoffte große - weitere - Rücksetzer, hat nicht stattgefunden und es sieht momentan auch nicht nach großen Verwerfungen aus. Das könnte sich mit dem Brexit-Referendum in Großbritannien ändern, denn sollten die Briten für einen Austritt aus der Eurozone votieren, dürfte dies weltweit zu heftigen Eruptionen an den Märkten führen. Die negativen Folgen werden spürbar sein, volkswirtschaftlich, und zwar nicht nur für die Briten und Europa und die EU. Aber bis dahin ist es noch eine Weile hin und ich habe in den letzten beiden Wochen einige Veränderungen in meinem Depot vorgenommen; insbesondere habe ich mein Portfolio etwas weiter diversifiziert und zwar hauptsächlich in Richtung aussichtsreicher deutscher Nebenwerte. Daher sind es gleich eine ganze Reihe an Veränderungen, die ich hier nur kurz anreißen werde.


- Blackstone Group L.P.
Die angespannte Lage an den Börsen verheißt schwierige Zeiten für Finanzinvestoren. Sie erzielen aufgrund des Niedrigzinsumfelds noch nicht immer wirklich günstige Einstiegspreise für neue Investments, kommen bei Exits aber auch nicht immer zu guten Abschlüssen. Das wirkt sich negativ in den Quartalszahlen aus, sowohl beim Gewinn als auch beim ausschüttungsfähigen Gewinn. In Erwartung von nicht allzu guten Zahlen habe ich meine Blackstone-Position leicht reduziert und sie ist nun hinter Aurelius und Publity auf den dritten Platz. Diese Entscheidung traf ich auch deshalb, weil ich mich bei einigen deutschen Nebenwerten einkaufen wollte und hierzu freies Kapital benötigte.

Blackstone bleibt eines meiner Kerninvestments und langfristig einer der aussichtsreichsten Werte aus meiner Sicht. Die Kursauswirkungen auf die sehr durchwachsenden Quartalszahlen waren auch eher marginal. Die nächste Quartalsdividende wird nur $0,28 je Aktie betragen, das ist schon sehr niedrig verglichen mit den Beträgen in den Vorquartalen. Andererseits steigen die AUM weiterhin an und hieraus ergeben sich mehr und mehr Chancen für die Zukunft.

+ BYD Co. Ltd
Elektromobilität ist gerade en vogue, aber eigentlich wird immer nur über Tesla gesprochen und das neue Modell, das in ein paar Jahren mal auf den Markt kommen wird. Geräuschloser ist da der Exit von Daimler vonstatten gegangen, die künftig keine Batterien mehr von Tesla beziehen werden und auch ihr Aktienpaket vollständig verkauft haben. Daimler-Chef Dieter Zetsche soll sogar gesagt haben, der Verkaufstag des Tesla-Aktienpakets sei der einzige Tag gewesen, an dem Daimler mit E-Mobilität Geld jemals verdient habe. Nun weiß man auch bei der Stuttgarter Edelkarosserieschmiede, dass die Tage der Verbrennungsmotoren sich dem Ende zuneigen und man hat die Abkehr vom gehypten Ex-Partner Tesla mit Bedacht eingeläutet. Nicht nur, weil zunehmend Zweifel aufkommen, ob Tesla nicht auf veraltete Batterietechnik setzt, sondern Daimler ist beim chinesischen Unternehmen BYD ("Build your Dreams" Anteilseigner und damit beim mit Abstand größten E-Auto-Hersteller der Welt. Unter der Marke Denza wird in China von beiden Konzernen gemeinsam überwiegend E-Mittelklassefahrzeuge angeboten, die chinesische Fertigungseffizienz mit den hohen Qualitätsstandards von Daimler verbinden. Es ist davon auszugehen, dass Daimler die hier gemachten Erfahrungen und die Technik früher oder später für seine eigene Mercedes-Modelle übernehmen wird.

Neben Daimler gibt es bei BYD allerdings weitere illustre Anteilseigner. So ist Warren Buffetts Berkshire Hathaway seit 2008 über ihre Energietochter Aktionär und hält 10% und auch Buffets Partner Charlie Munger hat sich privat zusätzlich Anteile gesichert. Und ich bin nun auch mit an Bord.


+ Funkwerk
Funkwerk war mal ein absoluter Börsenliebling, dann folgte der jähe Absturz. Unternehmerische Fehlentscheidungen, Verluste, Kurseinbruch, drohendes Delisting aufgrund eines Übernahmeangebots des Großaktionärs. Inzwischen hat sich Funkwerk berappelt und kommt wieder auf die Beine. Das ist schon seit einiger Zeit in Ansätzen absehbar und ich habe mir im Vorfeld der Präsentation der 2015er-Zahlen eine Position als Turnaround-Spekulation ins Depot gelegt. Nun, diese Spekulation scheint aufzugehen, am Freitag waren die Aktien mit einem Kurssprung von über 20% einer der Highflyer des Tages. Und ich denke, hier geht mit zunehmender unternehmerischer Gesundung noch mehr, viel mehr...


+ MPC Capital
MPC hat früher, wie auch Publity, Kapitalanlagen in geschlossenen Fonds verkauft und damit bei den privaten Investoren nicht nur Freude verbreitet. Immer mal wieder poppen noch gerichtliche Altlasten hoch. Inzwischen ist man unternehmerisch anders unterwegs und zwar als Initiator/Projektierer von Investments für institutionelle Anleger, denen man passgenaue Sachwertanlagen vermittelt mit Schwerpunkt Schifffahrt, Immobilien und Infrastruktur.

MPC notierte zu ihren besten Zeiten mal mit knapp €350 und stürzte im Zuge der Finanzkrise und sich daran anschließender regulatorischer Drangsalierungswut seitens der Regierung total ab; es drohte die Pleite. Der Kurs implodierte auf €1 und im Jahr 2013 war man fast am Ende. Fast. Es folgten Kapitalschnitt und Rekapitalisierung und nun läuft die Wiederauferstehung. Operativ fährt man wieder in solideren Gewässern, 2016 soll der Umsatz um mindestens 10% steigen, nachdem er 2015 um 38% in die Höhe geschnellt war. Die AUM (Assets und Management) sollen mittelfristig von €5 Mrd. auf €10 Mrd. ausgebaut werden. Und dabei will man selbst mit Co-Investments einsteigen und die nötigen Eigenmittel hierzu wurden durch eine Kapitalerhöhung im März eingeworben. Satte €12 Mio. flossen MPC an frischem Geld zu und die Eigenkapitalquote erreicht inzwischen sehr solide 42%. 2017 sollen das Ergebnis je Aktie (EPS) auf €0,60 steigen und gelingt die AUM-Ausweitung auf €10 Mrd., dürften 2017 vielleicht sogar €0,80 hängen bleiben, denn der Gewinn dürfte dank verbesserter Margen und positiver Skaleneffekte überproportional steigen.

Bei MPC bahnt sich eine Neupositionierung und Neubewertung an und ich habe mich mal mit einer größeren Anfangsposition eingekauft. Aber... der Wert ist eher spekulativ und der Streubesitz liegt bei nur 22%.


Publity
Publity habe ich erst seit einigen Wochen im Depot und auf meiner Empfehlungsliste und doch gab es reichlich Aktivitäten. Fette Dividendenzahlung, Ad-hoc-Kapitalerhöhung, Kurseinbruch. Ich habe ja mehrfach in die fallenden Kurse hinein meine Position aufgestockt, weil ich vom Geschäftsmodell von Publity überzeugt bin und hier große Chancen sehe. Dabei habe ich sowohl eine langfristige Position aufgebaut, aber darüber hinaus auch einen beträchtlichen Teil als Trading-Position, weil ich den Kursabsturz auf €32 für maßlos übertrieben hielt. Die Depotposition war daher insgesamt meine größte und annähernd doppelt so groß wie die beiden nächsten zusammen. Mir ist klar, dass ich hier relativ viel Einsatz auf eine Karte gesetzt habe...

Inzwischen hat es der Kurs wieder auf über €38 geschafft, auch weil wieder der Fokus auf die Unternehmensnews und die operative Entwicklung gelegt wird - so wurden alleine im ersten Quartal 2016 Gewerbeimmobilien für 360 Mio. Euro erworben. Ich habe meine Trading-Position in die wiedererstarkenden Kurse hinein mit einem netten Gewinn aufgelöst und Publity ist nun "nur noch" meine zweitgrößte Position hinter Aurelius. Mit dieser Größe fühle ich mich sehr wohl und erwarte noch einiges von dem Unternehmen und seinem Aktienkurs.


+ Starbucks
Starbucks präsentierte tolle Zahlen, die allerdings die noch höheren Erwartungen der Wall Street nicht ganz erreichten. Der Kurz gab daraufhin deutlich nach und ich habe mir ein paar zusätzliche Stücke ins Depot gelegt, da das Unternehmen für mich der Top-Pick im Restaurantsektor bleibt mit enormen Wachstum und weiterem Potenzial. Emotionsgetriebene Kursrücksetzer sind immer Kaufgelegenheiten bei diesem hoch profitablen Wachstumsunternehmen!


+ Ströer SE & Co. KGaA
Ströer ist ein Werbevermarkter und neuerdings sogar im MDAX vertreten. Das schützt das Unternehmen allerdings nicht vor Short-Attacken und wie kürzlich bei Wirecard erfolgte nun ein von langer Hand vorbereiteter Angriff, was den Kurs um mehr als 25%  in die Tiefe trieb.

Ich habe Ströer seit einiger Zeit auf meiner erweiterten Watchlist und aufgrund der hohen Leerverkaufspostion in der Aktie von einem Investment abgesehen. In den Absturz hinein habe ich eine Trading-Position eröffnet und später ausgebaut, weil ich an eine starke Gegenreaktion des Aktienkurses glaubte. Diese Spekulation ist voll aufgegangen und ich habe zweistellige Kursgewinne eingefahren. Ansonsten bleibe ich vorerst an der Seitenlinie, bis sich Klarheit hinsichtlich der erhobenen Vorwürfe abzeichnet. Aufgeblähte Bilanzen/Umsätze haben leider ja auch in Deutschland traurige Tradition bei börsennotierten Unternehmen (siehe Comroad oder Hess). Ob es sich um normale Bewertungsfragen handelt, Bilanzkosmetik oder um Täuschung/Manipulation muss geklärt werden. Sonst bleibt ein Kauf von Ströer-Aktien immer eine Lotterie, kein Investment.


+ Surteco SE
Surteco ist ein renditestarker aber langweiliger Nebenwert. Naja, renditestark war gestern, denn mit der Übernahme des Konkurrenten Süddekor im Jahr 2013 wendete sich alles zum Schlechten. Die erhofften Synergien blieben vorerst aus, die Integration lief alles andere als reibungslos und so erfolgte eine heftige Gewinnwarnung - und ein massiver Kurseinbruch. Inzwischen kommt man wieder auf die Füße und die erhofften Potenziale stellen sich langsam ein, auch wenn man zugeben muss, mehr als ein Jahr hinter dem eigenen Zeitplan zurückzuliegen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben, heißt es, und unter dieser Prämisse habe ich mir eine Position Surteco ins Depot gelegt, denn ich gehe von zunehmend positiven Unternehmenszahlen aus und möchte mir die Aussicht auf langweilige, stetige Kursgewinne (und Dividenden) nicht entgehen lassen.


+ Vectron
Der Kassensystemhersteller Vectron war lange ein Hoffnungskandidat an der Börse, aber nie konnte er überzeugen. Ich habe ihn schon lange auf der Watchlist und habe das Umlegen des Schalters auf Erfolg, Wachstum, Gewinne schlicht verpennt. Im letzten Jahr vervielfachte sich der Aktienkurs, vorbei sind die Zeiten, als man die Aktien zu unter €10 hätte einsammeln können. Da es selten eine gute Idee ist, einfach nur auf einen fahrenden Zug aufzuspringen, habe ich auf eine Konsolidierung des Kurses gewartet, um dann ggf. noch einzusteigen. Ggf. deshalb, weil die unternehmerische Entwicklung ja mit dem gestiegenen Aktienkurs Schritt halten muss, damit ein Einstieg auch noch aussichtsreich ist. Lemminge verdienen selten Geld und haben nur begrenzte Zukunftsaussichten...

Und nun das: erst legt Vectron Superzahlen für 2015 vor mit einer glatten Gewinnverdopplung und dann nutzt das Unternehmen die Gunst der Stunde und zieht eine Ad-hoc-Kapitalerhöhung durch. Was den Kurs kurzfristig um über 5% drückte. Und mir meinen "günstigen Einstiegskurs" verschaffte! Die Aussichten für Vectron sind exzellent, der Kampf europäischer verantwortlicher gegen Steuerbetrug und Steuerhinterziehung macht auch vor den Kassensystemen in Restaurants und Bars nicht halt, es wird schon über eine Abschaffung des Bargelds schwadroniert. Soweit ist es wohl nicht, aber eine Pflicht zum Aufrüsten der Kassensysteme, nicht nur in Deutschland, wird in absehbarer Zeit kommen. Gesetzesentwürfe kursieren jedenfalls schon. Und Vectron ist hier Marktführer. Bei vielen alten Kassen reichen Softwareupdates, was Vectron wenig kostet, aber margenstarke Erträge liefert. Doch rund 10% der Kassen müssten komplett ausgetauscht werden und Vectron erhofft sich hier einen steigenden Anteil vom Kuchen

Den Kursrücksetzer auf €40 habe ich zum Einstieg genutzt, auch wenn sich erst noch zeigen muss, ob und wie sehr sich das künftige Potenzial in den Vectron-Bilanzen niederschlägt. Die Analysten von Hauck & Aufhäuser gingen inzwischen soweit, ein mittelfristiges Kursziel im dreistelligen Bereich auszurufen. Soweit würde ich (noch) nicht gehen, aber reichlich Potenzial bietet sich langfristig orientierten Anlegern hier schon, selbst wenn der Kursrücksetzer aufgrund der Kapitalerhöhung bereits wieder aufgeholt wurde.


+ WCM
Bei WCM gibt es nicht wirklich etwas Neues und diese eher ruhige Lage schürt die Gerüchteküche. Bzgl. des überraschenden DIC-Einstiegs als neuer Großaktionär gibt es eine BaFin-Untersuchung, die allerdings nach deren Aussage Routine ist. Des Weiteren wird immer wieder über eine anstehende Kapitalerhöhung gemunkelt und der Kurs hat sich von seinen Hochs bei €3,30 deutlich wieder entfernt. Am Donnerstag brach er fast zweistellig ein auf Kurse unter €2,70. Vielleicht haben einige die Gerüchte genutzt, um die Gewinne mitzunehmen - und vielleicht wurden dabei einige Stop-Loss-Limits gerissen.

Sollte sich eine Kapitalerhöhung bewahrheiten, wäre das für den Kurs sicher erstmal nicht schön. Allerdings stünde sie im Zusammenhang mit anzukaufenden Immobilienprojekten - und hier hatte WCM in der Dezember-Präsentation ja eine Deal-Pipeline von €700 Mio. offenbart. Sollte man weitgehend zum Zuge kommen, bräuchte man zusätzliches Eigenkapital. Schaut man sich dann an, wie es letzten Sommer war, dann gab es einen Kursrücksetzer und eine Findungsphase und dann begann der Kurs sich wieder zu erholen. Mit den Vollzugsmeldungen. Langfristanleger müssen sich wegen einer möglichen Kapitalerhöhung also keine großen Gedanken machen. Auch die Sommerkurse waren im Nachhinein betrachtet ideale Einstiegskurse! Ich habe daher die Kurse unterhalb von €2,70 für eine Aufstockung meiner Position genutzt. Und auch "Mr. WCM" Karl Ehlerding tat dies und kaufte für mehr als eine halbe Million Euros weitere WCM-Aktien auf eigene Rechnung. Ein deutliches Zeichen, dass er sich vom neuen 20-Prozent-Großaktionär DIC Asset die Butter nicht vom Brot nehmen lassen will. Seine Söhne halten jeweils mehr als 5% der Anteile, Ehlerding privat auch noch ein unbekannt großes Paket und über mehrere Beteiligungsunternehmen, die ihm und Vertrauten zuzurechnen sind, weitere größere Anteilspositionen. Nur eines ist bei WCM momentan klar: es bleibt spannend und die nächsten News dürften den Kurs bewegen. So oder so.


.: Cashquote
Die Neuinvestments haben einiges an Liquidität verschlungen, die aber durch den Verkauf von Publity-Anteilen und ein paar Blackstone-Aktien gedeckt werden konnte. Hinzu kam der Kurzfristgewinn mit der Ströer-Spekulation und einige Dividendeneinnahmen, insbesondere die Monatszahlungen von Main Street Capital und Gladstone Capital. Im Endeffekt ist meine Cash-Quote wieder auf deutlich über 15% gestiegen und ich schaue mir noch den einen oder anderen interessanten (Neben-)Wert an, wie z.B. mVISE, einen Cloud-Profiteur im Turnaround-Modus, bei dem ich in Erwartung positiver Unternehmenszahlen bereits am 13. April zu €1,66 eingestiegen war.

Börsenweisheit der Woche 17/2016

"Die Disziplin eines Value-Investors liegt darin, ein hervorragendes Unternehmen mit einem fähigen Management und guten Perspektiven zu finden - und auf den richtigen Einstiegskurs warten zu können".
(Warren Buffett)

Freitag, 22. April 2016

Starbucks bleibt nach Quartalszahlen weiter heiß

Die Kaffehaus-Kette Starbucks hat gestern Abend nachbörslich Zahlen für das abgelaufene erste Quartal vorgelegt und die zeigen vor allem eines: das Wachstum ist intakt, die Gewinne steigen, alles läuft rund. Dennoch spricht der Kurs eine andere Sprache, denn die Analysten hatten noch mehr erwartet. Tja, das ist deren Problem, langfristig orientierte Anleger nehmen unmotivierte Kursrücksetzer bei Qualitätstiteln gerne als Kaufgelegenheiten wahr. Aber der Reihe nach...

Im ersten Quartal ging es mit den Umsätzen wieder aufwärts, nachdem im Vorquartal insbesondere das Europageschäft enttäuscht hatte. Die Anschläge von Paris hatten hier erheblichen Einfluss. Der Überschuss stieg im Vergleich zum Vorjahresquartal um 16% auf $575 Mio an und das lag überwiegend an den herausragenden Zahlen in Nordamerika, wo Starbucks nach wie vor die meisten seiner knapp 24.000 Läden betreibt. $3,5 Mrd. der um 9% auf $5 Mrd. gesteigerten Erlöse stammen aus den USA und Kanada. Die operative Marge kletterte dabei von 17 auf 17,3 Prozent, was nichts anderes heißt, als dass Starbucks an jedem Kaffee noch mehr verdient.

Anzahl der Läden steigt weiter
Starbucks hat zum Ende des ersten Quartals die Zahl seiner Filialen im Jahresvergleich um 8% auf nun beinahe 24.000 Läden erhöht und insgesamt sollen im laufenden Jahr weltweit 1.800 neue Filialen eröffnet werden, davon 700 in den USA. Damit sollen auch die erwarteten Umsatzrückgänge in Asien kompensiert werden, wo das Geschäft als herausfordernd eingestuft wird. In Deutschland hatte Starbucks die eigenen Läden kürzlich an einen polnischen Franchise-Nehmer abgegeben, der bereits in Polen viele Starbucks-Filialen betreibt.


 Starbucks (Quelle: comdirect.de) 
Ausblick
Starbucks möchte im nächsten Quartal zwischen $0,47 und $0,48 je Aktie Gewinn erzielen. Auch dank der neuen Filialen will man auf Jahressicht beim Umsatz um mindestens 10 Prozent wachsen und peilt ein EPS zwischen $1,85 und $1,86 an und damit den unteren Wert des Korridors leicht angehoben.

Starbucks befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot. Die Zahlen zeigen, dass die Wachstumsstory voll intakt ist und Starbucks mit hohem Tempo weiter wächst. Insbesondere gelingt es dem Unternehmen dabei, die Profitabilität immer noch weiter zu steigern und daher habe ich den heutigen Kursrücksetzer für eine Aufstockung meiner Position genutzt. Starbucks bleibt für mich der Top-Pick im Restaurant-Bereich.


Microsoft patzt bei den Quartalszahlen. Wirklich?

Der Tech-Gigant Microsoft hat Quartalszahlen vorgelegt und die Erwartungen der Analysten enttäuscht. Allerdings gibt es Licht und Schatten und das eine oder andere Missverständnis.

Bad news, good news, real news
Der Überschuss fiel im Jahresvergleich um rund ein Viertel auf $3,76 Mrd. und die Erlöse sanken im dritten Geschäftsquartal um 5,5% auf $20,53 Mrd. Beim Gewinn je Aktie wurden $0,64 je Aktie erwartet, Microsoft "lieferte" nur $0,62. Nachbörslich ging der Aktienkurs daher um mehr als 5% Auf Tauchstation. Allerdings enthält das EPS eine unerwartete Steuernachzahlung, die einen Effekt von $0,04 je Aktie ausmacht - operativ hat Microsoft die Erwartungen also eigentlich übertroffen.

Dann eine traurige Nachricht: die X-Box 360 wird eingestellt, die Restbestände werden noch abverkauft. Doch ist natürlich im Hinterkopf zu behalten, dass seit Ende 2013 bereits das Nachfolgemodell X-Box One auf dem Markt ist, also sollten die Tränen schnell wieder trocknen.

Beim Gerätegeschäft stiegen die Erlöse der Surface-Tablets im Jahresvergleich um 61% auf mehr als $1 Mrd, wohingegen immer weniger Lumia-Smartphones abgesetzt werden können. Ihre Verkaufszahlen sackte auf 2,3 Millionen Geräte ab.

Da die PC-Absätze zurückgingen, fielen auch die Windows-Zahlen schlechter aus als erhofft. Die Windows-Erlöse sanken um zwei Prozent, was angesichts des allgemeinen Rückgangs der PC-Verkäufe um ein Zehntel noch ein ziemlich passables Ergebnis ist. Auch dank Windows 10 wurden mehr teurere Computer verkauft als vor einem Jahr.


 Microsoft (Quelle: comdirect.de) 
Office, Surface und die Cloud sind top, Lumia bleibt flop
Die Office-Sparte legte beim Umsatz um 1% auf gut $6,5 Mrd. zu, wobei die Online-Variante Office 365 bereits 22,2 Millionen zahlende Kunden hat. Und hier betreten wir den hoffnungsvollsten Bereich des Konzerns, die Welt der Wolke(n). Denn das Cloud-Geschäft erwies sich erneut als wichtige Stütze für den Windows-Konzern, wo der Umsatz im Jahresvergleich um gut 3% auf rund $6,1 Mrd. gesteigert werden konnte. Alleine die Erlöse der Cloud-Plattform Azure konnten  mehr als verdoppelt werden.

Und das Cloud-Geschäft ist der Kern der Strategie "mobile first, cloud first" des Konzernchefs Satya Nadella, denn im Cloud-Geschäft können Kunden über das Internet Software und Speicherkapazität nutzen, die ihnen von externen Rechnern zur Verfügung gestellt werden. Damit soll Microsoft unabhängiger von den angestammten Software-Produkten werden und den damit verbundenen einmaligen Lizenzerlösen. Ziel ist stattdessen, wiederkehrende Gebühreneinnahmen zu erzielen, die weniger schwankungsanfällig und stetiger sind.

Fazit
Microsoft hat mit Gegenwind zu kämpfen, seine Lumia-Telefone sind kein großer Bringer, der Dollar knabbert währungsbedingt an Umsätzen und Ergebnis und die Windowssparte kommt beim Umbau nicht ganz so schnell voran wie erhofft. Andererseits punktet Microsoft bei den Zukunftsthemen Cloud und Plattformunabhängigkeit und ist wieder zu einem der führenden Innovationsträger der Tech-Branche geworden. Mit der plattformübergreifenden Strategie setzt Nadella auf Kooperation statt Konfrontation und will so die Microsoft-Produkte auch auf Android-Telefone und Apple-Produkte bringen. Dazu passt auch die Meldung, dass Alphabet, die Mutter von Google, Chrome und Android, und Microsoft sich darauf verständigt hätten, ihre gegenseitigen Patentklagen und Streitigkeiten vor Regulierungsbehörden zu beenden. Stattdessen wolle man sich dem "fairen Konkurrenzkampf" widmen.

Microsoft befindet sich schon seit mehreren Jahren auf meiner Empfehlungsliste und die heutige Kursdelle bietet aus meiner Sicht eine gute Einstiegs- bzw. Nachkaufgelegenheit.

Dienstag, 19. April 2016

Publity peilt nach rasantem ersten Quartal Gewinnverdopplung in 2016 an

Die Publity AG, ein Investor und Asset-Manager im Bereich deutscher Büroimmobilien, berichtete heute über den Verlauf des ersten Quartals 2016. Gemeinsam mit Joint-Venture-Partnern hat man weitere AUM (Assets under Management) im Wert von €360 Mio. übernommen und steuert damit auf die für dieses Jahr angepeilten €3 Mrd. zu. Ende 2016 2015 lagen die AUM noch bei €1,6 Mrd. und bis Ende 2017 soll der Bestand sogar auf €5 Mrd. anwachsen.

Mit diesen beeindruckenden Zahlen dürften nun auch die Irritationen wegen der Kapitalerhöhung vom Tisch sein, denn Publity belegt eindrucksvoll, dass diese frischen Eigenmittel dringend für das starke und profitable Wachstum benötigt werden. Die hieraus resultierenden Provisionen bilden den Kern der Erträge von Publity.

Das erforderliche Eigenkapital für den Ausbau der Assets under Managements ist Publity bereits vollständig durch die Joint Venture Partner vertraglich zugesichert. Der Erwerb wird zudem durch Fremdkapital zu attraktiven Konditionen finanziert, und soll mittelfristig zu einem Fremdfinanzierungsquote (Loan-to-Value) von bis zu 60% führen. Und dank der Kapitalerhöhung steht auch der Finanzierungsanteil von Publity als Co-Investor von bis zu 3 Prozent der Investments für das Wachstum der kommenden 12 Monate bereits komplett zur Verfügung.

Auf Basis dieser Entwicklung und der prall gefüllten Deal-Pipeline geht Publity davon aus, in diesem Jahr das EBIT auf rund €37,5 Mio. zu steigern nach zuvor €20,3 Mio. Das Nettoergebnis soll sich dabei auf ca. €25 Mio. Euro im Jahresvergleich sogar verdoppeln. Die Umsatz-Prognose für 2016 liegt bei rund 44 Mio. Euro nach 22,9 Mio. Euro in 2015.

 Publity (Quelle: comdirect.de) 
Hohe Dividendenrendite zu erwarten
Da Publity auch künftig die Aktionäre am Unternehmenserfolg direkt beteiligen will, wird eine nachhaltige Dividendenpolitik verfolgt, die eine Ausschüttung von mindestens 50 Prozent des Unternehmensgewinns vorsieht. Zuletzt hatte dies zu einer Dividendenzahlung von €2 je Aktie für das Geschäftsjahr 2015 geführt und bei Erreichend er Ziele sollten dieser Ausschüttungsbetrag in 2016 deutlich übertroffen werden - was auf der aktuellen Kursbasis von knapp €36 zu einer Dividendenrendite von fast 10 Prozent führen würde.

Fazit
Publity ist kein klassischer Immobilienwert, sondern eher ein Full-Service-Finanzinvestor im Bereich deutscher Büroimmobilien und gerade dieses einmalige Geschäftsmodell birgt viel Phantasie und Potenzial. Publity befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als größte Position in meinem Depot. Die anvisierte Gewinnverdopplung mit entsprechend steigender Dividende und einer möglichen zweistelligen Dividendenrendite zeigen die deutliche Unterbewertung der Aktie an. Es dürfte nur eine Frage der Zeit - und zwar einer eher kurzen - sein, bis der Kurs die Marke von €40 wieder überschreitet. Und auch darüber hinaus besteht noch weiteres Steigerungspotenzial, wenn Publity so konsequent und schnell seine Wachstumsziele bei Umsatz, AUM und Ergebnis auf die Straße bringt.

Montag, 18. April 2016

Börsenweisheit der Woche 16/2016

"Die größten Gewinne macht man mit Aktien, deren Börsenkurs unter dem wahren Wert des Unternehmens liegt".
(Gottfried Heller)

Donnerstag, 14. April 2016

Deutsche Rohstoff AG forciert ihr Öl- und Gas-Bohrprogramm in den USA

Die Deutsche Rohstoff AG (DRAG) gab heute ein Update zu ihren Öl- und Gasbohrungen in den USA heraus, wo ihre Töchter Cub Creek Energy (CCE) und Elster Oil and Gas (EOG) die Erschließung ihrer Flächen im Kerngebiet des Wattenberg-Felds in Colorado vorantreiben.

Cub Creek Energy plant, ab Anfang Juni nacheinander 20 Bohrungen von zwei Bohrplätzen abzuteufen und hat einen entsprechenden Vertrag mit einem Bohrunternehmen abgeschlossen. CCE geht davon aus, dass die Kosten pro Bohrung (1 Meile laterale Strecke) sich auf $2,5 bis 2,7 Mio. belaufen werden und damit deutlich unter den Kosten liegen, die noch 2014 üblich waren, als der Aufwand für eine Horizontalbohrung bei $4,0 bis 4,5 Mio. lag. Allerdings schließt CCE eine weitere Kostenreduzierung in den kommenden Monaten nicht aus.

Bei beiden Bohrplätzen verfügt CCE über einen signifikanten wirtschaftlichen Anteil (Working Interest); beim ersten Bohrplatzes liegt dieser bei fast 100%, im Falle des zweiten Bohrplatzes bei 55% mit der Möglichkeit, dass sich der Anteil noch auf rund 80% erhöht. Sofern die Ölpreise im Laufe des Jahres weiter anziehen sollten, plant CCE den Start weiterer 12 Bohrungen von einem dritten Bohrplatz aus.

Nachdem CCE im März eine 3D-seismische Untersuchung eines wesentlichen Teils seiner Flächen durchgeführt hat, stehen aufgrund der positiven Ergebnisse nunmehr vier Bohrplätze zur Verfügung, von denen sofort gebohrt werden kann. Die Kosten der Seismik lagen bei rund $260.000, während eine vergleichbare Seismikkampagne, die die damalige DRAG-Tochter Tekton Energy 2013 durchgeführt hatte, damals noch knapp $ 600.000 gekostet hatte. Tekton wurde Anfang 2014 von der DRAG mit hohem Gewinn verkauft und diese sitzt seitdem auf einem enormen Cash-Berg, den man nun sukzessive in neue Rohstoffförderungen investiert.

 Deutsche Rohstoff (Quelle: comdirect.de) 
Elster Oil and Gas beteiligt sich an sechs neuen Horizontalbohrungen, die Ende März vom gleichen Bohrplatz begonnen wurden, von dem bereits vergangenen Sommer fünf Bohrungen unternommen wurden. Diese waren im September in Produktion gegangen und haben durchgehend sehr gute Produktionsergebnisse erbracht.

Des Weiteren werden EOG voraussichtlich ab Juni 2016 Umsätze aus sogenannten Mineral Rights (Royalties) zufließen. Diese Royalties bestehen bei der 100%igen Tochter von EOG, der Diamond Valley LLC, auf deren Flächen der Inhaber der Leases neun Bohrungen niedergebracht hat. Diese Bohrungen sollen in den kommenden Tagen fertig gestellt werden und voraussichtlich bis Anfang Juni mit der Produktion beginnen. EOG musste bei diesen Bohrungen kein Co-Investment tätigen und trägt auch keine laufenden Kosten mit.

Ich hatte die DRAG bereits vor einiger Zeit auf meine Empfehlungsliste genommen und sie hat seitdem ziemlich schwach performt. Der Absturz des Ölpreises hat hier seinen Tribut gefordert, obwohl die DRAG bereits damals keine Öl- und Gasförderung mehr hatte, sondern diesen mit hohem Gewinn zu Cash gemacht hatte. Allerdings sind auch die übrigen Aktivitäten im Rohstoffsektor unter Druck, insbesondere die Wolfram-Aktivitäten der Tochter Almonty und die Kupfer-Förderung der Tochter Hammer Metals.

Zwischenzeitlich habe ich einige Male Aktien der DRAG günstig nachgekauft, so dass mein durchschnittlicher Einstandskurs inzwischen bei rund €14 liegt, also in etwa auf dem aktuellen Kursniveau. Ich denke, dass man mit der DRAG eine aussichtsreiche Option hat auf steigende Rohstoff- und insbesondere Öl- und Gaspreise zu setzen. Dieses wird mittelfristig wieder der mit Abstand größte Bereich der DRAG werden und auch den größten Hebel auf den Gewinn haben. Da die DRAG auch unterhalb von $40 je Barrel gewinnträchtig fördern kann, ist das Risiko nach unten gut abgesichert.

In dieses Szenario passt auch die heutige Meldung, die Internationale Energieagentur (IEA) erwarte in der zweiten Jahreshälfte 2016 kaum noch ein Überangebot beim Öl, weil insbesondere der Förderrückgang in den USA an Tempo gewinne.

Montag, 11. April 2016

Börsenweisheit der Woche 15/2016

"Beurteile deinen Anlageerfolg nach dem Unternehmenswert, nicht nach dem Börsenwert".
(Warren Buffett)

Freitag, 8. April 2016

Balda heißt jetzt Clere und macht in Beteiligungen

Über die Balda AG und ihren langen Weg, endlich operativ erfolgreich zu werden bzw. zuletzt ihr operatives Geschäft zu verkaufen, habe ich ja mehrfach berichtet. Heute kam nun die lang ersehnte Meldung, dass die anstehenden Kapitalmaßnahmen endlich umgesetzt wurden und werden.

Der Kapitalherabsetzungsbeschluss der Hauptversammlung wurde im Handelsregister eingetragen und ist somit wirksam. Damit werden die Aktien im Verhältnis 10 zu 1 zusammengelegt, vermutlich mit Wirkung des 21. Aprils Die Aktien der Clere AG werden nach vollständiger wertpapiertechnischer Umstellung künftig die Wertpapierkennnummer A2AA40 und ISIN DE00A2AA402 tragen.

Ausschüttung von €9 je Neu-Aktie im Spätherbst
Die Kapitalherabsetzung (-> Hinweise zu den steuerlichen Auswirkungen) erfolgt zum Zweck der Rückzahlung eines Teils des Grundkapitals an die Aktionäre und so wurde das das Grundkapital der Gesellschaft von €58.890.636,00 um €53.001.567,00 auf €5.889.063,00 herabgesetzt. Somit entsteht je zusammengelegter Aktie ein Anspruch von €9,00, der in etwa 6 Monaten an die Aktionäre fließen wird. Der genau Termin wird rechtzeitig bekannt gegeben werden, versicherte der Vorstand.

Darüber hinaus hatte die Hauptversammlung die Umfirmierung der Gesellschaft beschlossen und so heißt das Unternehmen ab sofort Clere AG und sich auf Investitionen und Beteiligungen im Bereich der Umwelt- und Energietechnik, der Vermögensverwaltung sowie der Mittelstandsbeteiligungen und -finanzierungen konzentrieren.

Kontrollerwerb durch Großaktionär van Aubel
Nur wenige Minuten nach Bekanntgabe der Eintragung platzierte Großaktionär Thomas van Aubel eine weitere Meldung; er hat nämlich weitere 871.143 Stückaktien hinzugekauft und hält nun über seine ihm vollständig gehörende Investmentgesellschaft Elector GmbH unmittelbar 18.202.826 Stimmrechte von insgesamt 58.890.630 Stimmrechten der Balda AG. Dies entspricht 30,91 % der Stimmrechte und löst damit ein Pflichtübergabeangebot aus.

Davon sollte man sich allerdings nicht zu viel versprechen, es wird kaum deutlich oberhalb des aktuellen Aktienkurses von €2,60 liegen. Interessanter ist vielmehr, dass van Aubel weitere Aktien hinzukauft und das könnte durchaus noch so weitergehen, denn immerhin notiert die Aktie auf aktuellem Niveau rund 30% unterhalb ihrer Netto-Cashposition.


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ERGÄNZUNG VOM 13.10.2016
Jetzt ist es soweit: die Aktien werden heute, am 13.10. "cum" Kapitalmaßnahme gehandelt und dann morgen "ex" (Quelle). Wer also heute zum Börsenschluss die Clere-Aktien in seinem Depot hat, erhält die Ausschüttung. Und morgen notiert die Aktie dann mit einem Abschlag.

Aurelius zieht eigene Aktien ein und steigert den Gewinn je Aktie

Die Münchner Beteiligungsgesellschaft Aurelius hat im Rahmen ihrer Rückkaufprogramme seit 2015 insgesamt 407.036 eigene Aktien über die Börse zurückgekauft, was einem Anteil von 1,3% am Grundkapital der Gesellschaft entspricht. Diese Aktien wurden nun eingezogen, wie Aurelius heute bekannt gab.

Der Einzug der Aktien wird nicht mit einer Kapitalherabsetzung einhergehen, so dass sich der rechnerische Nennwert der Aktien entsprechend erhöhen wird. Nach der Einziehung beträgt das Grundkapital der Aurelius SE & Co. KGaA weiterhin €31.680.000,00 und ist in 31.272.964 nennwertlose Inhaber-Stammaktien eingeteilt.

Gewinn je Aktie steigt
Aktienrückkaufprogramme können positive Auswirkungen für die Aktionäre und damit auf den Aktienkurs haben. Nämlich wenn die Aktien eingezogen werden und nicht mehr als Akquisitionswährung oder für Mitarbeiterbeteiligungsprogramme zur Verfügung stehen. Denn durch die Einziehung der Aktien erhöht sich der Wert einer jeden verbliebenen Aktie entsprechend und der Unternehmensgewinn und seine Vermögenswerte werden auf die geringere Zahl von Aktien verteilt, ohne dass die Gesellschaft mehr Gewinn machen müsste. Daher sind Aktienrückkaufprogramme bei Investoren in der Regel sehr beliebt und gehen oft bereits bei der Ankündigung, ein solches Programm aufzulegen, mit Kurssteigerungen einher.

 Aurelius (Quelle: comdirect.de) 
Erfolg der Aktienrückkäufe
Im Rahmen der beiden Aktienrückkaufprogramme hat Aurelius bisher folgende Stücke erworben:

.: Rückkauf 2014/2015: 279.998 Stück zu durchschnittlich €31,884
.: Rückkauf 2015/2016: 152.038 Stück zu durchschnittlich €44,934

Im Vergleich zum aktuellen Börsenkurs von €51,50 ergibt sich somit ein schöner Zusatzgewinn für die Aktionäre und Aurelius kann für sich in Anspruch nehmen, auch mit dieser Maßnahme einen weiteren Mehrwert für seine Aktionäre geschaffen zu haben. Und die Aktienrückkäufe werden unvermindert fortgesetzt.


Aurelius befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als Ankerinvestment in meinem Depot. Das Unternehmen bleibt mein Top-Pick unter den deutschen Finanzinvestoren bzw. Beteiligungsgesellschaften. Für das laufende Jahr wird es erneut eine attraktive Partizipationsdividende zur Basisdividende geben und es werden noch mehrere Verkäufe von Beteiligungen angestrebt.

Mittwoch, 6. April 2016

Publity besorgt sich frisches Geld und schaltet den Turbo ein

Die Publity AG, ein Investor und Assetmanager im Bereich deutscher Büroimmobilien, hat sich von deutschen Pfandbriefbanken eine Finanzierung über €400 Mio. gesichert, um sein Wachstum beschleunigen zu können. Und diese Meldung dürfte der Startschuss sein, auf den Anleger seit Wochen gewartet haben, nachdem die unerwartete Kapitalerhöhung direkt nach Hauptversammlung und Dividendenausschüttung die Anleger erbost und den Kurs stark belastet hatten.

Die €400 Mio. erhält Publity als Finanzierung von 15 Büroimmobilien in deutschen Ballungszentren und wird während der 5-jährigen Laufzeit einen Zinssatz von lediglich 1,5% entrichten. Mit diesen frischen Mitteln und den Geldern aus der Kapitalerhöhung verfügt Publity nun über einen ausreichend großen Spielraum, um seine ehrgeizigen Wachstumsziele erreichen zu können. Immerhin will man die AUM (Assets under Management), die man im letzten Jahr von €300 Mio. auf €1,6 Mrd. steigern konnte bis zum Ende 2017 auf dann €5 Mrd. ausbauen. Hierzu ist nun in den nächsten 12 Monaten keine weitere Kapitalmaßnahme nötig, gab das Unternehmen bekannt.

Ausnutzen der vollen Wertschöpfungskette
Dabei ist Publity über Joint Ventures mit großen Finanzinvestoren vor allem als Dienstleister tätig: man sucht und erwirbt die Liegenschaften, betreut sie anschließend und verkauft sie später gewinnbringend weiter. An allen Stationen dieser Wertschöpfungskette verdient Publity ordentlich mit. Beim Ankauf wird eine sog. Finders Fee (Finderlohn) von 1 Prozent der Kaufsumme fällig und danach fließt für die Bewirtschaftung der Objekte eine weitere Provision in Höhe von 0,5 Prozent pro Jahr. Beim Wiederverkauf erhält Publity eine weitere Erfolgsprovision von 0,5 Prozent oben drauf. Da die Käufer der verwerteten Immobilien von Publity oftmals ausländische Finanzinvestoren oder Fonds sind, gelingt es Publity in vielen Fällen, bei diesen nach dem Weiterverkauf als Verwalter an Bord zu bleiben. Also trotz des Verkaufs der Immobilien und Ausbuchung aus dem Bestand fließen dann die 0,5 Prozent Verwaltergebühr weiter - und sorgen für einen stetig steigenden Cashflow bei Publity.

 Publity (Quelle: comdirect.de) 
Neue Spielräume bieten große Chancen
Fast in einem Nebensatz der Finanzierungsmitteilung wird der eigentliche Knaller erwähnt, denn Publity vereinbarte mit den Finanzinvestoren eine Strategieanpassung bzgl. der Joint Ventures. Publity kauft hier die Immobilien nicht auf eigene Rechnung, sondern für die Finanzinvestoren und ist hier jeweils mit 3% der Investitionssumme an Eigenmitteln mit an Bord. Der große Anteil des Kapitals der Finanzinvestoren wird nun sukzessive teilweise mit Fremdkapital unterlegt, so dass bei gleicher Einlage nun viel mehr Volumen gestemmt werden kann.

Diese Strategieänderung erzeugt eine große Wirkung, denn hierdurch kann Publity das Wachstumstempo noch einmal verschärfen - und da man sich diese Gelder für 1,5% geliehen hat, bleibt der Gewinnhebel extrem hoch. Denn Publity kauft die Büroimmobilien aus Notsituationen heraus den Banken ab, so dass die Einkaufspreise zwischen 20 und 25% unterhalb des Verkehrswertes liegen. Der Gewinn liegt hier also im Einkauf und weniger in einem boomenden Immobilienmarkt.

Sicherheit bleibt wesentlicher Grundsatz
Neben den großen Chancen muss man immer die Risiken im Blick behalten. Und Publity trägt diesem Umstand Rechnung, in dem mittelfristig einen LTV (Loan-to-Value) von 60% anstrebt, also einen Eigenkapitalanteil bei den Finanzierungen von 40%. Das ist ein großer Hebel, während die Quote solide genug ist, um auch problematische Zeiten ohne Probleme durchstehen zu können. Ein ausgewogenes Chance-Risiko-Verhältnis wird so gewahrt.

Fazit
Die überraschende Kapitalerhöhung hat für mächtig Verstimmung gesorgt und den Aktienkurs stark unter Druck gebracht. Operativ macht Publity momentan alles richtig und dem langfristigen Anleger bieten sich auf dem gedrückten Kursniveau herausragende Chancen auf große Gewinne. Publity befindet sich daher als Kauf auf meiner Empfehlungsliste und ist aufgrund einiger Nachkäufe inzwischen die größte Position in meinem Depot.