Mittwoch, 31. August 2016

Deutsche Rohstoff AG: Ab jetzt sprudeln die Gewinne. Und zwar kräftig...

Die Deutsche Rohstoff AG (DRAG) gleicht einem brodelnden Vulkan, der kurz vor der (Kurs-)Explosion steht. Es ist nicht mehr die Frage, ob es los geht, sondern nur noch, wann. Und die Treibmittel heißen Öl und Gas.

Vor einigen Wochen hatten die beiden Explorations-Töchter der DRAG in den USA ihre Bohrprogramme aufgenommen, nachdem man sich dort zu Schnäppchenpreisen mit Lizenzen, Rechten und Equipment eingedeckt hatte. Und nur drei Wochen ist es her, dass man weitere Förderrechte zugekauft hat. Und heute gab die DRAG Daten zum aktuellen Verlauf der Förderungen der Tochter Elster Oil & Gas (EOG) bekannt und konnte die eigenen Erwartungen sogar leicht übertreffen. Die DRAG hält 93% an der EOG, deren wirtschaftlicher Anteil (sog. Working Interest) sich im betreffenden Feld auf durchschnittlich 50% beläuft.

Die Produktionsraten aller sechs Bohrungen entsprechen den von EOG erwarteten Mengen, wobei der Anteil der Ölproduktion etwas über den Erwartungen liegt. Alle sechs Bohrungen produzieren aus der Niobrara Formation. Bei den Bohrungen aus dem Jahr 2015 handelte es sich um vier Codell Bohrungen und eine Niobrara Bohrung. Die Codell Formation ist in diesem Teil des Feldes besonders ergiebig und konnte somit bei den ersten fünf Bohrungen zu einer etwas höheren Anfangsproduktion beitragen. Typischerweise fördern die Bohrungen aus den beiden Formationen über die Lebenszeit der Bohrung aber in etwa die gleiche Menge an Öl und Gas.

Zusätzlich sind in den kommenden Monaten weitere Einnahmesteigerungen zu erwarten, da
EOG auch erstmals Umsätze aus sogenannten Mineral Rights (Royalties) zufließen werden. Diese Royalties bestehen bei der 100-prozentigen Tochter von EOG, der Diamond Valley LLC, auf deren Flächen der Inhaber der Leases neun Bohrungen niedergebracht hat. Diese Bohrungen produzieren seit Juli und EOG. erhält einen Anteil an den Umsätzen dieser Bohrungen, ohne selbst mit investieren oder laufenden Kosten mittragen zu müssen.


 Deutsche Rohstoff AG (Quelle: finanzen.net) 
Meine Einschätzung
Die Öl- und Gaspreise haben sich von ihren Tiefstständen deutlich erholt und aufgrund der stark zurückgegangenen Neuerschließungen in den USA und dem rund um den Globus fast zum Erliegen gekommenen Explorationsgeschäft dürften die Preise in absehbarer Zeit eher aufwärts als abwärts tendieren. Die DRAG kann sogar bei WTI-Ölpreisen von unter $30 wirtschaftlich fördern und bei einem Preis von annähernd $50 macht sie fette Gewinne. Und diese werden in den kommenden Monaten in den Geschäftsberichten der DRAG ihren Niederschlag finden und die Gewinn-und-Verlustrechnung bzw. die Kasse mächtig zum Klingeln bringen.

Anleger dürften nach einer langen Konsolidierungsphase nun endlich voll auf ihre Kosten kommen und in den Genuss stark steigender Unternehmensgewinne. Und Aktienkurse. Gut möglich, dass wir im Verlauf des nächsten Jahres schon neue Allzeithochs sehen werden - auch ohne Ölpreisnotierungen oberhalb von $100.

Die Deutsche Rohstoff AG befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als einer der aussichtsreichsten und am stärksten gewichteten Werte in meinem Depot.

Dienstag, 30. August 2016

Warren's BYD: Buffetts chinesische Wette auf den Erfolg der Elektro-Mobilität

 Warren Buffett 
Die BYC Co Ltd. ist ein chinesischer Elektro-Mobilitäts-Spezialist und obwohl Elektromobilität gerade en vogue ist, wird eigentlich immer nur über Tesla gesprochen und das neue Modell, das in ein paar Jahren mal auf den Markt kommen wird. Dabei spielt vor allem im Reich der Mitte die Musik, wenn es um Absatzmöglichkeiten und Wachstumspotenziale bei Elektro-Autos geht.

BYD, ein Akronym für build your dreams, baut Elektro-Autos für den chinesischen Markt und ist bereits profitabel. Insbesondere im Bereich von Elektro-Bussen ist man führend und hat auch schon in Deutschland E-Busse verkauft; insgesamt rollten schon mehr als 10.000 Stück vom Band. Für dieses Jahr peilt das Unternehmen den Absatz von 120.000 Elektro- und Hybridfahrzeugen an und bliebe damit der weltgrößte Elektro-Auto-Hersteller, deutlich vor Tesla, die mit 80.000 Autos planen.

Top Halbjahreszahlen
Und dass BYDs Pläne nicht nur Luftblasen sind, konnte man bei Vorlage der Halbjahreszahlen sehen, in dem $2,25 Mrd. umgesetzt wurden und damit 160 Prozent mehr als im Vorjahresraum. Insgesamt erlöste das Unternehmen sogar, $6,54 Mrd., denn man baut auch noch konventionelle Autos. Der Gewinn sprang um 384 Prozent auf €0,31 Mrd. nach oben, wobei damit dennoch nur das untere Ende der selbst ausgegebenen Prognose von 382 bis 425 Prozent Wachstum erreicht wurde. In den ersten neun Monaten des laufenden Jahres sollen die Gewinne um 83 bis 91 Prozent steigen, plant BYD, und damit schwächt sich das rasante prozentuale Wachstum ab, in absoluten Zahlen stehen die Ampeln weiterhin voll auf Grün.

Hohe Abhängigkeit von Subventionen
Der Boom kommt nicht von ungefähr, denn China leidet unter einer extremen Luftverschmutzung und steuert daher stark um in Richtung regenerativer Energien und sauberer Antriebsarten. Daher unterstützt die Regierung die Branche mit Milliardensubventionen, was auch die immer stärkere Beliebtheit der Elektro-Autos (mit) erklärt. So flossen von 2013 bis 2015 nach Reuters-Angaben $7,2 Mrd. an Subventionen und auf einzelne Autos entfallen bisweilen mehr als $10.000. Bis zum Jahr 2020 sollen 5 Mio. Elektro-Autos auf den Straßen fahren und der Geldregen zeigt durchaus Wirkung: So wuchs im vergangenen Jahr wuchs der Absatz von Plugin-Hybrid- und reinen Batteriefahrzeugen um 350 Prozent auf 331.000 Stück, während in Deutschland gerade einmal 19.000 Wagen abgesetzt wurden. Einheimische Hersteller werden bei der Förderung allerdings bevorzugt; so erlässt der chinesische Staat den Käufern dieser Modelle die Mehrwertsteuer.

BYDs Pläne gehen inzwischen weit über Elektro-Autos hinaus, und ähnlich wie Teslas Elon Musk ist der Traum, alles zu elektrifizieren, was irgendwie einen Antrieb hat.

So ist inzwischen auch der weltweit zweitgrößte Produzent von Lithium-Ionen-Akkus für elektrisch betriebene Fahrzeuge mit einem 2015er Weltmarktanteil von bereits 14,4 Prozent. Dieser soll in den nächsten Jahren weiter ansteigen und investiert BYD in den nächsten Jahren Milliarden in neue Batterie-Fabriken. Konsequent, denn auch heute schon setzt BYD nicht etwas auf Zulieferer, sondern baut fast alle Komponenten selbst. Und gerade Batterien werden in Zukunft die Schlüsseltechnologie sein, wenn es um Mobilität geht, nicht die Motoren, so wie heute. Denn Elektromotoren sind vergleichsweise simpel, die Batterietechnik hingegen nicht. Sie ist heute und morgen der Dreh- und Angelpunkt, wenn es um den Erfolg der Modelle geht. Denn sie entscheidet über das (bisher noch) wichtigste Kriterium: die Reichweite. BYDs neue Modelle kommen hier auf Werte jenseits der 400 km und damit liegen sie in Bereichen, die Käufer als angenehm empfinden und die ihnen ein subjektives Sicherheitsgefühl geben hinsichtlich der Alltagstauglichkeit und der Verfügbarkeit von Elektro-Tankstellen.

 BYD Co. Ltd. (Quelle: finanzen.net) 
BYD illustre Partner: Daimler, Buffett, Munger, Samsung
BYD ist schon länger im Bereich der Elektroantriebe und Batteriesystem tätig und kann daher einige interessante Partner aufweisen. Und Anteilseigner. Aus Deutschland dürfte vor allem Daimler bekannt sein, die ihr Aktienpaket an Tesla verkauft haben und nun Betterien von den Chinesen beziehen werden. Daimler-Chef Dieter Zetsche soll sogar gesagt haben, der Verkaufstag des Tesla-Aktienpakets sei der einzige Tag gewesen, an dem Daimler mit E-Mobilität Geld jemals verdient habe. Auch bei der Stuttgarter Edelkarosserieschmiede, dass die Tage der Verbrennungsmotoren sich dem Ende zuneigen und man hat die Abkehr vom gehypten Ex-Partner Tesla mit Bedacht eingeläutet. Nicht nur, weil zunehmend Zweifel aufkommen, ob Tesla nicht auf veraltete Batterietechnik setzt, sondern Daimler ist beim chinesischen Unternehmen BYD ("Build your Dreams" Anteilseigner und damit beim mit Abstand größten E-Auto-Hersteller der Welt. Unter der Marke Denza wird in China von beiden Konzernen gemeinsam überwiegend E-Mittelklassefahrzeuge angeboten, die chinesische Fertigungseffizienz mit den hohen Qualitätsstandards von Daimler verbinden. Es ist davon auszugehen, dass Daimler die hier gemachten Erfahrungen und die Technik früher oder später für seine eigene Mercedes-Modelle übernehmen wird.

Neben Daimler gibt es bei BYD allerdings weitere weltbekannte Anteilseigner. So ist Warren Buffetts Berkshire Hathaway seit 2008 über ihre Energietochter Aktionär und hat damals für das Aktienpaket von 10% rund $232 Mio. bezahlt. Heute sind diese Aktien, die noch 8,3% am Unternehmen ausmachen, das Achtfache wert, denn der Konzern wird mit insgesamt $18,4 Mrd. an der Börse bewertet. Auch Buffets Partner Charlie Munger hat sich privat zusätzlich Anteile gesichert und kürzlich wurde bekannt, dass der koreanische Elektronikgigant Samsung sich mit 4% eingekauft hat, in dem er junge Aktien einer Kapitalerhöhung zeichnete. Und ich bin auch seit einiger Zeit mit an Bord, allerdings mit einem deutlich kleineren Anteil...

Meine Einschätzung
BYD baut bereits E-Autos für den chinesischen Markt und agiert profitabel. Insbesondere im Bereich von E-Bussen ist man führend und hat auch schon in Deutschland E-Busse erfolgreich abgesetzt. BYD sollte auch dank seiner finanzstarken und langfristig orientierten Großaktionäre Warren Buffett und Charlie Munger, sowie seiner internationalen Partner Daimler und Samsung einer der Gewinner des E-Mobilitätstrends sein. Für Anleger sollte sich ein langfristig orientiertes Investment in dieser Boombranche und in den Marktführer auszahlen. So gehen die Prognosen für Deutschland inzwischen für das Jahr 2025 nicht mehr von knapp 5% Anteil der Elektro-Autos aus, sondern nun von 20 bis 25% der produzierten Wagen. Wurden im gesamten Vorjahr weltweit 540.000 Elektroautos ausgeliefert, verkaufte die Autoindustrie allein im Juni 312.000 Elektroautos und damit 49% mehr als im Vorjahresmonat. Dieser neue Mega-Trend ist nicht nur für die Hersteller eine enorme Herausforderung, sondern auch für die Autozulieferer, denen die Abnehmer ihrer Stammprodukte, wie Motor- und Antriebskomponenten wegfallen werden.

BYD befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Montag, 29. August 2016

Börsenweisheit der Woche 35/2016

"Der Totalverlust ist die hässliche Schwester des Turnarounds."
(Michael C. Kissig)

Freitag, 26. August 2016

Genworth Financial: Übernahme von AIGs United Guaranty-Sparte beflügelt

Vor einigen Tagen berichtete das Wall Street Journal, dass sich der weltgrößte Versicherungskonzern AIG seinem Ziel nähere, seine Immobilienkreditversicherungssparte loszuschlagen. Bisher hatte AIG den Plan verfolgt, einen Minderheitsanteil der Sparte an die Börse zu bringen, doch nun scheint die Arch Capital Group bereit zu sein, $3,4 Mrd. für die gesamte  United Guaranty-Sparte zu bezahlen.

Dies beflügelt auch den Aktienkurs von Genworth Financial Inc. (NYSE: GNW), denn die ehemalige Versicherungssparte des US-Giganten General Electric ist aufgrund erheblicher Probleme selbst auf der Suche nach einem Abnehmer seiner entsprechenden Sparte. Und der kolportierte Kaufpreis zeigt durchaus attraktive Konditionen auf, sowohl für den Käufer als auch den Verkäufer. Vielleicht ist hier für Genworth Financial mehr zu holen, als die Börse bisher annimmt.

 Genworth Financial Inc. (Quelle: finanzen.net) 
Mit einem Kurs, der bei nur rund 20% des NAV notiert, wird Genworth Financial aktuell als Quasi-Ausfall bepreist und der seit Monaten immer mehr Fahrt aufnehmende Turnaround wird noch weitgehend ignoriert.

Doch langsam scheint hier ein Umdenken einzusetzen und eine Neubewertung von Genworth Financial an der Börse könnte bevorstehen. Was nicht bedeutet, dass wir in absehbarer Zeit gleich die früheren All-Time-High-Kurse von knapp $37 sehen werden. Zur Zeit liegt der Kurs noch gut 80% unter dieser Marke und hat gerade erst die $4,5 überwunden (€4,10). Ein Blick auf den Langzeitchart zeigt, dass die starken Kurszuwächse mit der Kursverdopplung seit den Tiefstständen zu Jahresanfang nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind auf dem Weg zurück in normale Bewertungsrelationen...

Genworth Financial befindet sich als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Auch auf "dieboersenblogger.de" wird ab heute intelligent investiert

Seit heute erscheinen die Artikel dieses Blogs auch auf den Seiten eines der erfolgreichsten und renommiertesten Börsenblogs der DACH-Region, nämlich auf "dieboersenblogger.de". Ich freue mich über die Anfrage und damit verbundene Wertschätzung und bin dem Betreiber Marc Schmidt dankbar für die schnelle Umsetzung.

Mit der Übernahme meiner Artikel auf dieboersenblogger.de dürfte sich deren Reichweite deutlich erhöhen und das Konzept des Value Investings noch mehr Beachtung finden und das ist mir seit Start meines Blogs vor fast 5 Jahren ein besonderes Anliegen. Daher bietet sich mir heute die Gelegenheit, allen sporadischen und regelmäßigen Lesern zu danken, dass sie immer wieder den Weg auf dieses Blog finden und hier ihre Zeit mit mir und meinen Ansichten verbringen und ihr Wissen mit mir und den anderen Lesern teilen. Das empfinde ich nach wie vor nicht als Selbstverständlichkeit und ich lerne viel aus den Diskussionen und Anregungen mit euch. Danke dafür!

DIC Asset: Lohnenswerte Substanzspekulation. Und noch einiges mehr...

Die im Nebenwertesegment der Deutschen Börse SDAX beheimatete Frankfurter DIC Asset AG ist ein auf Gewerbeimmobilien spezialisiertes Unternehmen und damit in einem Bereich tätig, der von den starken Preissteigerungen am deutschen Immobilienmarkt noch nicht so stark erfasst wurde. Und auch aus anderen Gründen könnte sich ein genauerer Blick auf das Unternehmen für langfristig orientierte Anleger lohnen. Immerhin steht DIC für Deutsche Immobilien Chancen.

Während man mit Immobilien und Immobilienaktien in Deutschland zuletzt richtig gut Geld verdienen konnte (der DIMAX der Immobilienwerte hat seit Ende 2014 den DAX um gut das Dreifache ausperformt), haben die DIC-Aktien diese Rallye nicht wirklich mitgemacht. Zugegeben, der Aktienkurs hat sich von den Tiefstkursen Ende 2011 von €5 auf aktuell fast €9 nicht schlecht entwickelt, verglichen mit anderen Immobilienwerten hinkt er aber meilenweit hinterher. Und schaut man auf seinen historischen Höchststand von €34, den er 2006 und damit unmittelbar vor der Immobilien- und Finanzkrise erreichte, sieht es sogar ziemlich trostlos aus. Und dafür gab es Gründe. Doch ebenso gibt es Argumente, weshalb DIC Asset nun bald aus seinem Dornröschenschlaf erwachen könnte.

Verschuldungsgrad bremst
DIC Asset hat gleich mehrere entscheide Schwachstellen, schon seit Jahren. Einerseits drückt ein recht hoher Verschuldungsgrad, der dem Unternehmen in der Immobilienkrise fast das Rückgrat gebrochen hat. Zum anderen wies DIC Asset immer eine überdurchschnittlich hohe Leerstandquote auf, was Zweifel an der Qualität der Liegenschaften nährte. Im Halbjahresbericht 2016 gab man nun bekannt, dass man die Leerstandquote auf 6,1% senken konnte, nachdem man zum Vorjahr noch auf 7,2% kam. Kein kleiner und kein ganz unwichtiger Punkt, wenn es um die Bewertung des Unternehmens geht. Darüber hinaus gab es immer wieder Kritik, das Geschäftsmodell sein eher undurchsichtig, weil man sowohl als Projektentwickler, Co-Investor als Bestandshalter von Immobilien agiere.

Diese Schwachpunkte hat das Management erkannt und geht die Beseitigung aktiv an. So wird trotz Ausschüttung einer attraktiven Dividende sukzessive die Verschuldung abgebaut und damit verbessern sich die Bilanzrelationen. Der Verschuldungsgrad oder LTV (Loan-to-Value) konnte von zeitweilig deutlich über 60% auf inzwischen akzeptable 57% gesenkt werden. Und bezüglich des Geschäftsmodells sortiert DIC Asset aus. So hat man vor rund anderthalb Jahren verkündet, dass man die Entwicklung von Gewerbeobjekten ab 2015 gemeinsam mit dem US-amerikanischen Finanzinvestor KKR & Co. in der gemeinsamen Tochter German Estate Group (GEG) betreiben wird. Doch nun hat der neue Vorstand angekündigt, sich vom volatilen Projektentwicklungsgeschäft und von den bestehenden Joint-Venture-Strukturen ganz trennen zu wollen. Was nichts anderes heißt, als dass man die eigenen Anteile an der GEG abgeben will. Und mit KKR & Co. dürfte ein übernahmewilliger Investor schon parat stehen, es wird wohl "nur" eine Frage des Preises sein.

 DIC Asset (Quelle: finanzen.net) 
Chancen winken
Und damit kommen wir bereits zu den möglicherweise bestehenden Chancen. Denn zuletzt hat die DIC Asset vor allem durch ihren Einstieg beim Mitbewerber WCM von sich Reden gemacht, wo man sich in einem Überraschungscoup mehr als 20% der Anteile gesichert hatte, die inzwischen auf knapp 25% ausgebaut wurden. WCM habe ich ja hier seit ihrem Neustart auf der Liste und die Aktien haben sich, wie auch das Unternehmen, fulminant entwickelt. Bisher wird noch gerätselt, was die DIC Asset mit dem Anteilspaket von WCM wirklich erreichen will, aber es gibt durchaus Hinweise. So glaube ich nicht, dass man mehr als 25% der Aktien übernehmen wird, denn das würde den Verlustvortrag in Höhe mehrerer hundert Millionen Euro in der WCM zunichtemachen. DIC Asset wird allerdings versuchen, den Anteil bei 25% zu halten, also auch bei Kapitalerhöhungen mit- oder nachziehen. Die üppige Dividendenzahlung von WCM dürfte allerdings nicht das einzige Argument für den Einstieg sein und bei einem Kursniveau von über €3 notiert die WCM-Aktie mit einem deutlichen Aufschlag auf ihren Nettoinventarwert (NAV). Zukäufe bieten sich hier momentan nicht an.

Nun könnte man auf den Gedanken kommen, dass es die DIC Asset ernst meint mit der Transformation ihres Geschäftsmodells und dass die Ankündigung von CEO Aydin Karaduman so gedeutet werden kann, dass man mittelfristig seinen eigenen Immobilienbestand sukzessive oder auf Schlag an die WCM abgeben oder in diese einbringen will. Erklärtes Ziel der WCM ist ja, mittelfristig einen Bestand von 1 Milliarde Euro aufzubauen, und nach schnellem Start im Jahr 2015 geht man zuletzt eher verhaltener zu Werke. Vielleicht arbeiten beiden Parteien, die verdächtig ruhig zum Thema DIC-Beteiligung geblieben sind, im Hintergrund ja bereits am "großen Wurf". Zunächst hat DIC Asset jedoch die Optimierung des eigenen Immobilienportfolios von rund €1,7 Mrd. auf der Agenda und möchte sich hier von Liegenschaften im Wert von €100 Mio. trennen. Auch hier könnte durchaus Interesse seitens WCM bestehen, das wäre dann eine vergleichsweise "kleine Lösung". So oder so wird bei WCM nicht mehr viel gegen den Willen der DIC Asset passieren, hier wird es früher oder später ein engeres Zusammengehen oder -arbeiten geben.

Wandel hin zum Asset-Manager
Für die DIC Asset stellt sich dann aber irgendwann die Frage, was aus dem Unternehmen wird, sollte man sich vom eigenen Bestandsportfolio komplett trennen. Hier deutet der Trend Richtung Asset-Management, eine Sparte, in der DIC Asset bereits mit einem Volumen von €1,2 Mrd. AUM tätig ist und die man kräftig ausbauen will. Im laufenden Jahr sollen die AUM auf immerhin schon €3,6 Mrd. gesteigert werden.

Man möchte also Immobilien für Dritte betreuen und bewirtschaften und so mit wenig Eigenkapitaleinsatz stetige Provisionen und Gebühren vereinnahmen. Im ersten Halbjahr wurden in der neuen Sparte bereits €14,1 Mio. verdient nach €2,3 Mio. im Vorjahreszeitraum, was die enorme Schlagkraft des neuen Schwerpunkts zeigt. Und regelmäßige Leser meines Blogs wittern spätestens jetzt, wo mein Interesse für die DIC Asset herkommt, denn entsprechende Geschäftsmodelle halte ich für sehr aussichtsreich angesichts der Strafzinspolitik der Notenbanken. Daher habe ich ja bereits einige aussichtsreiche Werte aus diesem Bereich hier im Blog vorgestellt, eine Patrizia Immobilien, eine Publity, eine Deutsche Beteiligung, eine Ernst Russ, eine Lloyds Fonds oder eine MPC Capital.

Hoher Abschlag zum Substanzwert
Doch während dieses Szenario noch im Entstehen und damit Zukunftsmusik ist, sprechen auch heute schon starke Argumente für die Aktien von DIC Asset. Denn im Gegensatz zu vielen Immobilienunternehmen auf dem deutschen Kurszettel, die mit teilweise beträchtlichen Aufschlägen auf den NAV gehandelt werden, bekommt man die Aktien der DIC Asset mit einem signifikanten Abschlag. Der Substanzwert liegt nämlich momentan bei rund €13 und der Aktienkurs notiert bei €8,75, mithin nur bei 67% des Substanzwerts. Im Klartext: man kann also heute DIC-Aktien zu einem Drittel unterhalb ihres Substanzwertes kaufen! Angesichts der herausragenden Aussichten im Gewerbeimmobilienbereich schier unglaublich und wohl nur darauf zurückzuführen, dass dies schon seit längerer Zeit so ist und die Börse hier noch blind ist. Denn während andere Immobilienaktien die historischen Abschläge zum NAV mittlerweile in satte Aufschläge verwandelt haben, hat die Börse dies bei DIC Asset bisher komplett verschlafen. Doch ich glaube, dass sich dies demnächst ändern wird.

Niedriges Kurs-FFO-Verhältnis lockt
Für eine deutliche Unterbewertung der DIC Asset-Aktien spricht aber noch ein weiteres Argument. Bei Immobilienunternehmen kommt es weniger auf das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) an, sondern der Blick richtet sich auf die FFO, die Funds from Operations. Einerseits um das Unternehmen selbst zu bewerten, aber auch zum Vergleich mit seiner Peergroup, also den Unternehmen mit ähnlichen Geschäftsmodellen. Die Kennzahl FFO bemisst die Rentabilität des operativen Geschäfts und errechnet sich aus dem Ergebnis des Vermietungsgeschäfts abzüglich aller Kosten, Zinsen und Steuern. Dieses Geld steht dann für Investitionen und Dividenden zur Verfügung. Entscheidender Unterschied der FFO zum KGV, das ja auf den Jahresüberschuss abzielt, ist das Nichteinbeziehen von Veräußerungsgewinnen (oder -verlusten). In den FFOs bleiben somit die möglicherweise sehr hohen Einmaleffekte ausgeblendet und die dauerhafte Leistungsfähigkeit des operativen Geschäfts tritt zutage.

Im Vergleich zur Peergroup weist DIC Asset ein ziemlich moderates Kurs-FFO-Verhältnis auf. Die 2016er FFOs dürften bei etwa €0,65 liegen, das Unternehmen selbst erwartet €0,63 bis €0,66. Dass die FFO unterhalb der des Vorjahres liegen werden, liegt an strategiekonform durchgeführten Portfolioverkäufen. Und die bringen natürlich keine Mieteinnahmen mehr. Dividiert man nun den Kurs durch die FFO, kommt man auf den Faktor 13,5. DIC Asset wird also momentan mit dem 13,5-fachen FFO bewertet, während eine Adler Real Estate hier auf 25,5 kommt oder die Deutsche Wohnen auf 29,5. Die auch im Gewerbesektor tätige WCM kommt immerhin noch auf einen Faktor von 18,2. Auch bei dieser Betrachtungsweise scheint der Kurs der DIC Asset-Aktie einigen Nachholbedarf zu haben. Oder anders ausgedrückt: erhebliches Kurspotenzial.

Gewinn explodiert, Prognosen erhöht
Kürzlich wurden die Halbjahresergebnisse präsentiert und im Anschluss konsequenterweise die Jahresprognosen erhöht. Denn Der Gewinn stieg von €5 Mio. auf €20,2 Mio. an, was maßgeblich auf Verkaufserfolge aus dem Bestand und auf ein verbessertes Zinsergebnis zurückzuführen ist. Der relativ hohe Verschuldungsgrad bietet durch ein Senken der Zinssätze natürlich auch noch einiges an Ergebnisverbesserungspotenzial für die Zukunft. So kommt Konkurrent WCM auf einen durchschnittlichen Zinssatz von unter 2,1% - davon ist DIC Asset noch um einiges entfernt, zumal ein Großteil der Kreditverbindlichkeiten älteren Datums sind und erst nach und nach zur Um- oder Nachfinanzierung anstehen - mit entsprechend niedrigeren Zinssätzen und Zinslasten. Die Folge sind dann ein verbessertes Zinsergebnis und unterm Strich bleibt mehr Gewinn kleben. Doch auch ohne die lukrativen Verkaufe brummt das Geschäft, denn das operative Ergebnis wurde um satte 15% gesteigert!

Attraktive Dividendenrendite
Und zu guter Letzt hat DIC Asset Anfang Juli eine Dividende von €0,37 je Aktie ausgeschüttet und kommt damit bezogen auf den aktuellen Börsenkurs auf eine Dividendenrendite von mehr als 4%. Auch dies ist ein Argument, das für ein langfristiges Engagement in DIC Asset spricht.

Meine Einschätzung
DIC Asset bewegt sich in einem boomenden Markt und hat mit der Übernahme von 25% der Anteile an der WCM einen echten Erfolgscoup gelandet. Das Unternehmen wandelt sich hin zu einem Asset-Manager und will sich von volatileren und spekulativeren Unternehmensbereichen trennen. Hinzu kommt eine deutliche Unterbewertung der Aktien ggü. ihrem Substanzwert und vergleichbaren Unternehmen.

Aus all diesen Gründen habe ich mir kürzlich Aktien von DIC Asset ins Depot gelegt und nehme das Unternehmen auf meine Empfehlungsliste. Der Wert sollte auch bei einer deutlichen Börsenkorrektur nach unten hin gut abgesichert sein und aufgrund der massiven Unterbewertung, gepaart mit einer Reihe potenzieller Gewinntreiber, bietet sich dem langfristig orientierten Anleger bei der DIC Asset ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis.

Mittwoch, 24. August 2016

Investor-Update: Icahn, Soros, Aurelius, Deutsche Rohstoff, Ringmetall, Steico

Im Investor-Update notiere ich in unregelmäßigen Abständen aktuelle Einschätzungen zu Unternehmen meiner Empfehlungsliste und wie sich diese ggf. auf mein Investment-Portfolio ausgewirkt haben. Darüber hinaus auch zu Unternehmen, die ich noch nicht hier im Blog vorgestellt habe, die sich jedoch in meinem Depot befinden.

Sommerrallye und nun...?
Die meisten Marktteilnehmer wurden eiskalt auf dem falschen Fuß erwischt, denn sie hatten sich bereits vor Wochen auf fallende Kurse eingestellt und sich entsprechend positioniert. Und dann das... die Börsen stiegen scheinbar unaufhaltsam an, zweistellige Kursgewinne allenthalben, neue Allzeithöchststände bei S&P 500, Dow Jones und MDAX. Doch der Sommer neigt sich dem Ende zu und wir steuern saisonal auf den statistisch schlechtesten aller Börsenmonate zu, den September. Die Luft wird also dünner.

Montag, 22. August 2016

(Noch) höhere Margen: Steico kündigt millionenschwere Rekordinvestitionen an

Die Steico SE, ein Hersteller holzfaserbasierter Bauprodukte, profitiert vom Trend zum nachhaltigen und CO2-armen Bauen und auch die beiden großen Trends hin zu Immobilien in Ballungsräumen und schnelle Lösungen für die Flüchtlingsunterbringung bieten dem Unternehmen zusätzliche Chancen. Erst kürzlich wurden "saustarke" Halbjahreszahlen vorgelegt, die belegen, dass sich die Unternehmensstrategie des "integrierten Holzbausystems" richtig auszahlt. Eine steigende Nachfrage nach ökologischen Holzfaser-Dämmstoffen und die erfreulichen Margenbeiträge aus der neuen Produktionsanlage für Furnierschichtholz sind maßgebliche Treiber dieser erfreulichen Entwicklung.

Steico steht nach wie vor im harten Preiswettbewerb bei Dämmmaterialien und kämpft dabei mit Überkapazitäten in der Branche. Aus diesem Grund hat man sich vor einiger Zeit entschlossen, neue Produktionskapazitäten aufzubauen, um fremdvergebene Teilaufträge selbst abwickeln zu können, wodurch man weniger abhängig von Zulieferern wurde und in diesem Bereich eine höhere Wertschöpfungstiefe erreicht und somit insgesamt höhere Margen. Das Management hat dem entsprechend auch seine Gesamtjahresprognose konkretisiert und erwartet nun "ein EBIT-Wachstum im oberen zweistelligen Prozentbereich".

 Steico SE (Quelle: finanzen.net) 
Die bisherigen Investitionen von annähernd €50 Mio. werden nun durch ein weiteres Investitionsprogramm von €45 Mio. ergänzt. Geplant ist eine Verdoppelung der jährlichen Produktionskapazitäten von derzeit rund 80.000 cbm auf rund 160.000 cbm. Hierfür wird die bestehende Linie für Furnierschichtholz entsprechend modifiziert und erweitert. Die bestehende Linie, die Anfang 2016 in Betrieb genommen wurde, wurde von Beginn an mit Blick auf eine künftige Erweiterung geplant und errichtet. Dass diese Erweiterung bereits nach kurzer Zeit erfolgen kann, ist der erfreulich hohen Nachfrage nach Furnierschichtholz aus verschiedenen Branchen zu verdanken.

Nicht ganz unwichtig für Aktionäre ist dabei, dass das Investitionsprogramm über die Erweiterung des bestehenden Konsortialvertrages, und somit über Fremdmittel, erfolgen wird und nicht über eine Kapitalerhöhung. Des Weiteren hatte man bei der Erstinvestition vorausschauend bereits eine spätere Ausweitung mit einkalkuliert, so dass aufgrund der vorbereitenden Planungen für die Erweiterung die Gesamtinvestitionen nun rund €15 Mio. unterhalb der Kosten für die erste Produktionslinie liegen werden. Und das wird der künftigen Wirtschaftlichkeit in Form höherer Margen und Gewinne zugutekommen!

Meine Einschätzung
Kaum verwunderlich dürfte sein, dass sich meine Einschätzung in den letzten Wochen nicht sehr verändert hat; sie ist weiterhin sehr positiv. Die Investitionen von weiteren €45 Mio. sind angesichts der Überkapazitäten und des Preisdrucks in der Branche durchaus mit Risiken verbunden, setzen aber im margenstarken neuen Bereich an, so dass sich das Wagnis auszahlen sollte. Durch die Investitionen werden Kosten gespart und die Margen ausgeweitet und man kann gleichzeitig davon profitieren, dass die herkömmlichen Wärmeverbundsysteme aufgrund ihrer Problembehaftung (Krebsrisiko, Umweltschädlichkeit, Brandgefahr) sukzessive vom Markt gedrängt werden und immer häufiger hochwertige ökologische Dämmmaterialien zum Einsatz kommen. Darüber hinaus verbreitert die eigene Stegträger-Produktion die Angebotspalette und sorgt für eine Verbreiterung und Ausweitung der Margenbasis.

Der Margenausweitung steht gegenüber, dass ein nicht unerheblicher Umsatzanteil in Großbritannien (rund 15%), dem zweitwichtigsten Absatzmarkt nach Deutschland, erzielt wird, und hier dürfte die Pfund-Abwertung im Zuge des Brexit-Votums - zumindest vorübergehend - für eine Margenabschwächung sorgen.

Ich habe Steico seit vielen Jahren auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot und werde das Unternehmen auf seinem erfolgreichen Weg noch lange Zeit weiter begleiten. Steico bietet für langfristig orientierte Anleger ein attraktives Chance-Risiko-Verhältnis.

Börsenweisheit der Woche 34/2016

"Wenn Prinzipien nicht mehr taugen, ändert man sie".
(Warren Buffett)

Sonntag, 21. August 2016

Eon: Die Risiken überwiegen

Vor rund sieben Monaten hatte ich Eon als aussichtsreiche Turnaround-Spekulation vorgestellt und seitdem hat sich der Kurs unter stärkeren Schwankungen gen Norden orientiert. Meine damalige Annahme, die Aufspaltung in zwei Geschäftseinheiten würde für neue Impulse sorgen und das größte Risiko seien die Kosten für den Atomausstieg, haben sich nicht ganz so konkretisiert, wie ich dachte. Denn wenn auch die Lösung für den Atomausstieg teuer wird, ist sie letzten Endes nicht existenzgefährdend. Allerdings wird Eon wohl nicht wenig seines fossilen Kraftwerksgeschäfts veräußern müssen, um seinen Anteil an den Kosten stemmen zu können. Diese werden nun in die separate Einheit Juniper abgespalten und bei Eon entsteht nun hoher Abwertungsbedarf in Milliardenhöhe auf dieses Geschäft. Erneut.

Der Turnaround ist nicht gescheitert, er dauert noch an, mit offenem Ende. Es kann auch noch viel schlimmer kommen, bevor es (vielleicht) besser wird. Somit bleibt unterm Strich ein sich (wieder) verschlechterndes Chance-Risiko-Verhältnis mit einem sich eintrübenden Ausblick. Für mich bedeutet dies, dass ich die bisher nach dem halben Jahr aufgelaufene Rendite von 7,5% an Kursgewinnen und Dividendenausschüttung mitnehme und die Spekulation an diesem Punkt beende.

Ich streiche daher Eon von meiner Empfehlungsliste.

Donnerstag, 18. August 2016

Turnaround nimmt Fahrt auf: Genworth Financial schrumpft sich gesünder

Genwort Financial Inc. (NYSE: GNW) ist ein amerikanischer Versicherungskonzern und ich weise seit Jahren auf die verzwickte Lage der Versicherungen hin, die einerseits wegen der Niedrigzinsen kaum noch Erträge erwirtschaften, andererseits aber hohe Garantien an ihre Kunden leisten müssen, insbesondere aus Altverträgen bei der Lebensversicherung. Die Versicherungsbranche ist für Anleger mit hohen Risiken behaftet und schwindenden Chancen - bei Genworth Financial lohnt sich dennoch ein genauerer Blick.

Vor knapp einem halben Jahr lag der Aktienkurs noch bei rund €1,50 und hat sich seitdem auf €3 glatt verdoppelt. Als ich mich im März erstmals mit dem Unternehmen beschäftigte ("US-Versicherer Genworth Financial Bargain oder Value Trap?") standen noch alle Zeichen auf Sturm bei der ehemaligen Versicherungssparte des US-Giganten General Electric. Von den einstmaligen Höchstkursen von $20 im Jahr 2007 war nicht mehr viel übrig geblieben, denn neben der allgemeinen Branchenschwäche hatte Genworth Financial auch mit einer Reihe schwerwiegender, hausgemachter Probleme zu kämpfen. Und kämpft noch immer.

Das Geschäftsjahr 2015 brachte einen Gewinneinbruch von 66% da das Unternehmen zusammengeschrumpft wird, um durch das Absenken der Verschuldung wieder auf Kurs zu kommen. Das wurde nötig, da man für das Geschäftsjahr 2014 einen Rekordverlust von mehr als §1,2 Mrd. ausweisen musste. Der Nettogewinn fiel dann im Jahr 2015 von $154 Mio. oder $0,31 je Aktie auf $53 bzw. $0,11 je Aktie, während der operative Gewinn, der auch Ergebnisse aus Investmentgeschäften enthält, bei $0,21 je Aktie lag. So schrecklich diese Zahlen auch noch waren, sie übertrafen die noch pessimistischeren Analystenerwartungen deutlich. Und mit den Zahlen zum zweiten Quartal 2016 setzte sich der Turnaround fort und nimmt zunehmend Gestalt an.

 Genworth Financial Inc. (Quelle: finanzen.net) 
Quartalszahlen lassen Börsenkurs um 30% anspringen
Der Versicherer berichtete ein Nettoergebnis von $123 Mio. im zweiten Quartal oder $0,25 je Aktie und damit erneut deutlich über den durchschnittlichen Analystenschätzungen von $0,21 pro Aktie. Dabei stach besonders Genworths US-Hypothekenversicherungseinheit heraus, die alleine $61 Mio zum Netto-Betriebsergebnis beisteuerte, eine Steigerung von 24% gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres. Das US-Lebensversicherungsgeschäft erwirtschaftete $55 Mio. Netto-Betriebsergebnis und damit weit weniger als die $91 Mio. des vorangegangenen Quartals, allerdings nur $2 Mio. unter dem Ergebnis des vergleichbaren Vorjahresquartals. Der Nettogewinn  im zweiten Quartal, der auch Gewinne und Verluste aus dem Anlageportfolio umfasst, betrug $172 Mio. oder $0,34 pro Aktie, wobei Genworth Financial von einem realisierten Gewinn nach Steuern von $85 Mio. aus dem Verkauf von US-Staatsanleihen profitierte.

Buchwertschnäppchen
Selbst bei einem Kurs von €3 wird Genworth Financial nur zu einem Bruchteil seines Buchwerts gehandelt, den das Unternehmen nach konservativer Berechnung mit $20,61 je Aktie angibt. Die Aktien notieren also zum 0,20-fachen oder 80% unterhalb ihres Buchwerts.

Ausblick
Genworth Financial hat erhebliche Probleme vor der Brust, insbesondere in der Sparte Lebensversicherungen. Hier hat man einen Stopp bei Neuabschlüssen verhängt und schrumpft das Unternehmen gesund, fokussiert sich auf die rentierlichen Bereiche. So hat man im zweiten Quartal sein europäisches Hypothekenversicherungsgeschäft verkauft und reduzierte seine Ausgaben auf Jahresbasis um rund $150 Mio. vor Steuern. Damit hat man die eigenen Kostensenkungsziele bereits erreicht, die man zu Beginn dieses Jahres verkündet hatte. Des Weiteren stieg die Liquidität von $760 Mio. auf $934 Mio. weiter an und sollte Anlegern ein stärkeres Vertrauen in die Bilanz des Unternehmens geben, die jedoch nach wie vor einen erhöhten Verschuldungsgrad aufweist.

Meine Einschätzung
Genworth Financial ist noch nicht über den Berg, es wäre zu früh, schon Entwarnung zu geben. Aber das Management hat die Zeichen der Zeit erkannt und trennt sich von unrentierlichen Randbereichen und trifft auch unpopuläre Entscheidungen, um den Versicherer wieder auf Kurs zu bringen. Erste Erfolge sind sichtbar und mit einem weiteren Abbau der Verschuldung und sich zunehmend verbessernden Bilanzkennzahlen und steigenden Ergebnissen sollte auch der Aktienkurs sich weiter in Richtung seines Buchwertes aufmachen. Ein Abschlag von 80% signalisiert einen Quasi-Ausfall, aber davon ist Genworth Financial inzwischen um einiges entfernt, so dass ein derartig hoher Abschlag nicht (mehr) gerechtfertigt erscheint.

Ich habe Genworth Financial als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot und bin sehr zuversichtlich, mit der nötigen Geduld in den nächsten Jahren noch so einige Kursverdoppler auf Basis meines Ersteinstiegs bei €1,72 einzufahren. Dabei muss man bei diesem Turnaroundwert die Risiken bei der Unternehmenstransformation und deren Erfolgsaussichten stets wachsam im Blick behalten.

Mittwoch, 17. August 2016

Halbjahreszahlen: msg life AG surft weiter auf Turnaroundkurs

Das Spezialsoftwareunternehmen für die Versicherungsbranche msg life hat seine Halbjahreszahlen präsentiert - und die Börse reagiert mit deutlichen Kursabschlägen. Dabei präsentierte das Unternehmen gar keine (negativen) Überraschungen.

Die Halbjahreszahlen
Zum 30. Juni 2016 liegen sowohl der Gesamtumsatz von €57,1 Mio. (per 30. Juni 2015: €52,2 Mio.) als auch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern, Abschreibungen auf Sachanlagen und Abschreibungen auf immaterielle Vermögensgegenstände (EBITDA) von €2,8 Mio. Euro (per 30. Juni 2015: €2,9 Mio.) im Rahmen der Jahresplanungen. Dabei enthält das EBITDA einen ergebniswirksamen Aufwand in Höhe von knapp €0,8 Mio. Euro aus einem Vergleich in Zusammenhang mit der ehemaligen Beteiligung an der B+S Banksysteme AG.

Unter Berücksichtigung des Steueraufwands in Höhe von €1,8 Mio. erzielte msg life zum 30. Juni 2016 ein Periodenergebnis von €0,1 Mio. (per 30. Juni 2015: €1,2 Mio. Euro) und damit ein ausgeglichenes Ergebnis je Aktie (Vorjahr: €0,03). Der positive Cashflow aus betrieblicher Tätigkeit beträgt €0,8 Mio. (Vorjahr: €1,5 Mio.) und das Eigenkapital beträgt nahezu unveränderte €46,2 Mio. bei einer Eigenkapitalquote von 54,3% (Vorjahr: 56,8%).

Im laufenden Geschäftsjahr 2016 erwartet msg life ein EBITDA zwischen €10,0 Mio. und €12,0 Mio. sowie einen Gesamtumsatz zwischen €110,0 Mio. und €112,0 Mio.

Meine Einschätzung
Die Zahlen sind natürlich besonders durch den Vergleich bzgl. der B+S Banksysteme AG gekennzeichnet, aber dieser Vergleich wurde von msg life allerdings bereits in vorangegangenen Meldungen besprochen und ist auch Bestandteil der angehobenen Jahresplanungen. Insofern sollte dieser Einmalaufwand keine negative Überraschung darstellen, sondern eher für freudige Gesichter bei den Aktionären sorgen. Denn ohne diesen Einmaleffekt hätte das EBITDA gegenüber dem Vorjahreswert deutlich zugelegt und damit bestätigt, dass der Turnaround in vollem Gange ist und zunehmend Gestalt annimmt. Die Vertriebserfolge der vergangenen Monate deuten jedenfalls in diese Richtung und das Management ist zuversichtlich, hier noch weiter punkten zu können.

Msg life befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und stellt eine aussichtsreiche Turnaround-Spekulation dar. Der marktenge Titel sollte aber nur von risikobereiten Anlegern ins Depot genommen werden. Ich habe den fast 10-prozentigen Kurseinbruch heute genutzt, um meine Position etwas aufzustocken.

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Ringmetall AG: Von der grauen Provinzmaus zum globalen Herrn der Ringe

Die inzwischen als Industrieholding agierende Ringmetall AG hat nur noch wenig mit der H.P.I. Holding zu tun, als die sie bis vor kurzem noch firmierte. Und das hat weniger mit der zwischenzeitlichen Namensänderung zu tun, als mit den personellen Veränderungen und dem neuen Schwung, der in die Unternehmensaktivitäten gekommen ist. Aus der bisherigen Beteiligungsgesellschaft wird eine operativ tätige Industrieholding geformt mit dem Schwerpunkt Industrial Packaging und Industrial Handling für Kunden in der chemischen, petrochemischen, pharmazeutischen und lebensmittelverarbeitenden Industrie.

Die H.P.I. Holding hatte ich vor rund viereinhalb Jahren erstmals als "schön langweiliges Beteiligungsdornröschen" vorgestellt und damals gehörten zur "Gruppe" die August Berger Metallwarenfabrik GmbH und die Zimmer + Kreim GmbH & Co. KG mit ihren jeweiligen Töchtern. Die August Berger Metallwarenfabrik produziert dabei Spannringe zum Verschluss von Kunststoff- und Metallfässern, während das Maschinenbauunternehmen Zimmer & Kreim Erodiermaschinen, Handlingsysteme und Softwarelösungen herstellte. Nach meiner Empfehlung kam der Kurs ins Laufen und markierte bald neue Höchststände, um dann in einen dreijährigen Seitwärtstrend zu verfallen, aus dem er vor einigen Wochen explosionsartig nach oben ausbrach.

Beteiligungstausch
In der Zwischenzeit hatte sich einiges im Unternehmen getan und zwar Entscheidendes. Zunächst hatte man konsequent die Beteiligung Berger durch Zukäufe internationaler und schlagkräftiger aufgestellt, während das Kapitel Zimmer & Kreim mit einem blauen Auge beendet werden konnte. Letztmalig fiel im Jahresabschluss 2015 eine signifikanter Abschreibungsbedarf an, so dass auch dieses Jahresergebnis nochmals negativ nach unten gerissen wurde. Als zweites Standbein der Gruppe wurde im Gegenzug die HSM Hans Sauermann GmbH & Co. KG eingekauft. Allerdings machte die bisher wenig gute Laune, denn sie durchläuft eine tiefgreifende "Neupositionierung des Produktportfolios". Oder kurz gesagt: sie verdient kein Geld, sie kostet. Und was aus dieser Beteiligung werden soll, ist noch nicht entschieden.

Und dann ging's plötzlich rund. Und schnell...
Ende 2014 wurde der Vorstand verstärkt mit Konstantin Winterstein, der zum Vorstand für das operative Geschäft und das technische Beteiligungsmanagement bestellt wurde. Der Diplomingenieur hält einen M.B.A. und war über 15 Jahre für ein deutsches Automobilunternehmen tätig, zuletzt in Führungspositionen im operativen Bereich und im Bereich Zulieferindustrie. Im Anschluss gab es mehrere Kapitalerhöhungen unter Ausschluss des Bezugsrechts der Altaktionäre, wohl auch, um Winterstein eine signifikante Beteiligung zu akzeptablen Einstiegspreisen bei der Ringmetall AG zu ermöglichen. An sich halte ich nicht viel von derartige "Übervorteilungen der Altaktionäre", allerdings liegt es hier durchaus im Interesse, Winterstein auch als Großaktionär mit an Bord zu holen, wo doch die künftige Unternehmensentwicklung stark von ihm abhängen wird.

 Ringmetall AG (Quelle: finanzen.net) 
Neues USA-Standbein wird immer stärker
Mit den frischen Geldern wurden dann vor allem die Aktivitäten von Berger gestärkt durch Zukäufe und Investitionen. Allerdings gab es auch Werksschließungen, um die Effizienz zu steigern. Und dann gab es den Paukenschlag, die lange angekündigte Übernahme in den USA. Man griff über den Teich und kaufte die US-Firma Self Industries, einen Spezialanbieter von Dichtungs- und Verschluss-Systemen mit Sitz in Birmingham, Alabama. Mit dem Zukauf gelang Ringmetall der Einstieg in den US-Markt und man versprach sich von dem $28 Mio. Umsatz erzielenden Unternehmen die Möglichkeit weitreichender Technologie- und Vertriebssynergien. "Mit insgesamt über €90 Mio. Umsatz auf Konzernebene ergeben sich nun ganz neue Möglichkeiten für Prozessoptimierungen und Cross Selling-Ansätze", schwärmte Ringmetall-Vorstand Petri damals. Und die Übernahme erwies sich als strategischer Glücksgriff, das wird auch immer mehr Aktionären bewusst.

Nach einer erneuten - stark überzeichneten - Kapitalerhöhung mit einem Bezugspreis von €2,20 je Aktie kaufte Ringmetall mit dem erzielten Bruttoemissionserlös in Höhe von €5.033.600 sofort weiter zu, indem man seine Beteiligung an der italienischen Tochtergesellschaft S.G.T. von bisher 51% auf 80% "zu wirtschaftlich attraktiven Konditionen" erhöht hat. Und kurz darauf wurde im Rahmen eines Asset-Deals die Spannringproduktion eines Großkunden in den USA übernommen und  in die Produktion ihrer US- Tochtergesellschaft Self Industries eingegliedert. Der jährliche Umsatzbeitrag aus der Akquisition beläuft sich auf knapp $1 Mio. und es wurde ein langfristiger Liefervertrag zwischen Käufer und Verkäufer vereinbart.

Zahlenwerk präsentiert sich bärenstark
Ende Juni präsentierte Ringmetall dann erstmals nach der großen Firmenübernahme der Self Industries im vergangenen Jahr Unternehmenszahlen und die konnten sich sehen lassen. Im ersten Quartal 2016 legte man in der neuen Firmenstruktur sowohl beim Umsatz als auch beim Ergebnis deutlich zu: die Umsatzerlöse erhöhten sich um 35,9% auf €22,4 Mio. (Q1 2015: €16,5 Mio.), die Bruttomarge verbesserte sich von 48,5% auf 51,5% und dementsprechend überproportional stiegen auch das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) um 76,9% auf über €3,0 Mio. (Q1 2015: €1,7 Mio.) an und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT), bei dem ein Anstieg um 114,7% auf €1,9 Mio. zu verzeichnen war (Q1 2015: €0,9 Mio.).

Die Zahlen zeigen, dass sich Ringmetall auf einem sehr guten Weg befindet und seine Effizienzpotenziale inzwischen auch heben kann. Die geschickten Add-on-Zukäufe im Bereich der Fassringsproduktion und das Ausweiten der Produktlinie über dieses Segment hinaus versprechen auch künftig starke Wachstumsperspektiven. Vom sich verstärkenden Trend zur Auslagerung der Spannringproduktion der großen Fasshersteller in den kommenden Jahren sollte insbesondere Ringmetall als Weltmarktführer am stärksten profitieren können durch zusätzliches Wachstumspotenzial einer weiteren Stärkung der Wettbewerbsposition des Unternehmens.

Die Verwässerung der Aktionärsanteile aufgrund der mehrfachen Kapitalerhöhungen ist zwar negativ einzustufen, auf der anderen Hand hat sich dadurch das neue Management signifikant am Unternehmen beteiligt und es wurden darüber hinaus die Mittel in attraktive Zukäufe investiert. Daher sollten hieraus in den kommenden Jahren eher positive Ergebniseffekte zu erwarten sein.

Meine Einschätzung
Die Ringmetall AG hat sich nach einem dreijährigen Siechtum aus ihrer Kurslethargie befreit und hat einiges an aufgestautem Kurspotenzial in den vergangenen Wochen abgebaut. Kurse um €2,70 sind keine Schnäppchenkurse mehr und es könnte - auch angesichts der eher widrigen Börsenjahreszeit - eine Kurskonsolidierung anstehen. Andererseits scheint mit das höhere Kursniveau aufgrund der operativen und strategischen Fortschritte des Unternehmens und der mit den neuen personellen Manpower verknüpften stärkeren Entwicklungspotenzials mehr als gerechtfertigt und ein 2017er KGV von 12 auch nicht übermäßig ambitioniert. Dies mutet eher als faire Bewertung an, mit einigem Upsidepotenzial bei weiteren Übernahmen und/oder operativen Fortschritten, so dass langfristig orientierte Anleger sich auch auf diesem Kursniveau noch beruhigt Ringmetall-Aktien ins Depot legen können.

Ich jedenfalls habe gerade eine kleine Add-on-Aufstockung meiner Position vorgenommen, weil ich von den mittel- und langfristigen Perspektiven des Unternehmens (wieder) überzeugt bin. Interessant wird sein zu sehen, ob die Tochter Hans Sauermann in der stärkeren Fokussierung auf den Bereich Fassringe eine echte Zukunft im Konzern hat, oder doch eher wieder abgegeben wird, sobald sich die Erfolge aus der Neupositionierung abzeichnen - und ein dem entsprechend attraktiver Verkaufspreis. Sollte HSM im Konzern als Standbein verbleiben, wären hier Zukäufe für diese Sparte nicht nur denkbar, sondern auch nötig.

Ringmetall befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Was ist... eine Berichtigungsaktie?

Berichtigungsaktien gibt ein Unternehmen an seine Aktionäre aus, wenn es eine Kapitalerhöhung aus Gesellschaftsmitteln vornimmt. Bei diesem "Aktiensplit" werden Rücklagen in Eigenkapital umgewandelt und an die bisherigen Aktionäre im Verhältnis ihres Anteils am Eigenkapital ausgegeben.

Bei diesem Vorgang ändern sich weder das Vermögen noch die Kapitalausstattung der Gesellschaft - bilanzrechtlich handelt es sich um einen Passivtausch.

Für den Aktionär ändert sich an seiner Vermögensposition nichts: nach Ausgabe der Berichtigungsaktien hat er zwar mehr Aktien als zuvor, diese notieren aber niedriger, denn der Wert des Unternehmens hat sich ja nicht verändert, da - anders als bei einer "normalen" Kapitalerhöhung - ja kein frisches (zusätzliches) Geld in das Unternehmen geflossen ist. Der Aktienkurs passt sich also der neuen Aktienanzahl durch ein verringertes Kursniveau an.

Beispiel: bei der Ausgabe von Berichtigungsaktien im Verhältnis 1:2 erhält jeder Aktionär zu seiner einen Aktie zwei neue hinzu, so dass sich seine Aktienanzahl verdreifacht. Rechnerisch wäre jede Aktie somit noch ein Drittel der alten Akte wert und der Börsenkurs am ersten Handelstag nach dem Split dürfte auf diesem verminderten Niveau starten.

Ein Aktiensplit wird zumeist dann durchgeführt, wenn der Aktienkurs optisch zu teuer geworden ist. Des Weiteren erhofft man sich durch den Split einen höheren Börsenumsatz und eine Steigerung der Attraktivität der Aktien aufgrund des günstigeren Kurses.

>>> weiterführender Artikel zu Berichtigungsaktien

Dienstag, 16. August 2016

Statt Dividende: Bei Patrizia Immobilien regnet es Aktien für die Aktionäre

Die im Nebenwerte-Index SDAX gelistete Patrizia Immobilien macht seit Jahren seine Anleger glücklich, erst als Immobilienentwickler und -bestandshalter, inzwischen als bankenunabhängiges Immobilien-Investmenthaus für Investoren und Privatanleger. Zuletzt gab es positive Neuigkeiten, denn die Zahlen zum ersten Halbjahr waren wieder einmal ganz hervorragend.

Berichtigungsaktien statt Dividende
Und nun vermeldete das Unternehmen, dass die von der Hauptversammlung beschlossene "Erhöhung des Grundkapitals aus Gesellschaftsmitteln" vom zuständigen Amtsgericht am 12. August ins Handelsregister eingetragen worden und damit rechtsgültig geworden ist. Der Stichtag wurde auf den 25. August festgelegt und an diesem Tag zum Börsenschluss Partizia-Aktien im Depot hat, erhält die Berichtigungsaktien automatisch in sein Depot gebucht und zwar im Verhältnis 10:1. Wer also 10 Aktien im Bestand hat, erhält eine weitere hinzu. Diese neuen Aktien werden ab dem 01.01.2016 gewinnberechtigt sein und unter der bisherigen Wertpapierkennnummer laufen.

Die Kapitalerhöhung erfolgt durch Umwandlung eines Teilbetrags in Höhe von €7.632.354,00 der in der Jahresbilanz der Gesellschaft zum 31. Dezember 2015 ausgewiesenen Kapitalrücklage in Grundkapital durch Ausgabe von 7.632.354 neuen auf den Namen lautenden Stückaktien (Berichtigungsaktien) mit einem rechnerischen Anteil am Grundkapital von €1,00 je Aktie. Durch diese Maßnahme erhöht sich das Grundkapital der Gesellschaft aus Gesellschaftsmitteln von €76.323.533 um €7.632.354 auf €83.955.887.

Patrizia Immobilien befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

>>> zur Meldung

Und was tat sich in Warren Buffetts Depot im 2. Quartal 2016?

Value Investor Warren Buffett, das "Orakel von Omaha",musste für seine Investmentholding Berkshire Hathaway wieder das sog. Formular 13F bei der amerikanischen Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) einreichen. In diesem vierteljährlich vorzulegenden Dokument müssen institutionelle Asset-Manager ab einem verwalteten Vermögen von $100 Mio. ihre Investments in US-amerikanischen börsennotierter Unternehmen stichtagsbezogen offenlegen.

Veränderungen im 2. Quartal 2016
Auch im zweiten Quartal gab es einige Veränderungen an Buffetts Positionen. Größere Verwirrung könnte es um den Komplettverkauf der A- und C-Aktien von Liberty Media Corp. geben und die Neuerwerbungen von Liberty Media Group und Liberty Media SiriusXM. Allerdings klärt sich diese Verwirrung schnell auf den,, Liberty Media wurde in drei separate Aktien aufgesplittet, die Liberty Braves, die Liberty Media und die Liberty Sirius XM.

Des Weiteren wurden die alten Charter Communications Aktien getauscht in neue, nachdem man Time Warner Cable übernommen hatte.

Käufe
Abgesehen von diesen beiden Tauschvorgängen gab es im letzten Quartal nur zwei erwähnenswerte Zukäufe, nämlich die Aufstockung bei Apple um rund 55% auf nun 15,23 Mio. Aktien im Gegenwert von knapp $1,5 Mrd. und bei Phillips 66 um gute 4%. Beide Aktien standen auch schon im ersten Quartal auf Buffetts Einkaufsliste und von Phillips 66 hält Berkshire Hathaway inzwischen 15% der Anteile.

Dabei geht der Apple-Kauf nicht auf Buffett selbst zurück, sondern auf einen seiner beiden "Leutnants", die ehemaligen Hedgefonds-Manager Todd Combs und Ted Weschler, die seit einigen Jahren in Diensten Berkshires stehen und eigenverantwortlich jeweils rund $9 Mrd. Depotvolumen betreuen und Anlageentscheidungen treffen. Dies hatte Buffett in einer Mail an das Wall Street Journal klargestellt. Und während Berkshire Hathaway seinen Apple-Anteil aufstockte, haben sich die beiden Star-Investoren Carl Icahn und George Soros sowie Michael Burry vom Hedgefonds Scion Asset Management komplett von ihren Apple-Aktien getrennt. David Einhorn von Greenlight Capital reduzierte seinen Apple-Anteil um 16%.

Montag, 15. August 2016

Deutsche Beteiligungs AG: Quartalsverlust offenbart enormes Gewinnpotenzial

Die Deutsche Beteiligungs AG hat Zahlen zum abgelaufenen dritten Geschäftsquartal vorgelegt und musste dabei einen Millionenverlust ausweisen. Der Aktienkurs hat darauf kaum reagiert, sondern nähert sich seinem Jahreshoch. Und das auch zurecht...

Bad News
Das dritte Geschäftsquartal endete für den DBAG-Konzern mit einem negativen Ergebnis von €-5,7 Mio., nachdem im entsprechenden Vorjahresquartal noch ein positives Ergebnis von € 6,9 Mio. ausgewiesen werden konnte. Grund für den Einbruch war der starke Kursrückgang an den Börsen nach der Brexit-Entscheidung, denn per Ende Juni wurden Vergleichsunternehmen, die die DBAG zur Bewertung ihres Portfolios heranzieht, deutlich niedriger bewertet als zu Quartalsende drei Monate zuvor. Das belastete das Quartalsergebnis mit knapp €12 Mio.

Dabei muss man wissen, dass die DBAG ihr Zahlenwerk nicht HGB aufstellt, so nach Niederstwertprinzip Assets eingebucht werden und sich so ggf. hohe stille Reserven aufbauen, die erst bei einer Veräußerung aufgedeckt werden, sondern die DBAG bilanziert nach den International Financial Reporting Standards (IFRS), so dass Wertveränderungen sich unmittelbar auf das Ergebnis auswirken.

Per Ende Juni hatten die Börsen aufgrund des Brexit-Votums eine starke Korrektur vorgenommen und dies führte nun zu dem niedrigeren Bewertungsergebnis von €-12 Mio. Betrachtet man die bisherigen drei Quartale Geschäftsjahres 2015/2016 in Gänze, hat die DBAG ein Konzernergebnis von €26,3 Mio. erzielt und damit nur geringfügig weniger als im Vorjahr, wo man auf €28,3 Mio. kam. Hierzu hatte maßgeblich das rekordträchtige erste Geschäftsquartal beigetragen, in dem dank der Veräußerung des Spheros-Gruppe ein hoher Quartalsgewinn von rund €30 Mio. angefallen war.

Good News
Berücksichtigt man nun zusätzlich, dass der MDAX soeben ein neues Allzeithoch markiert hat und der DAX zumindest einen neuen Jahreshöchststand, hellt sich das Bild doch erheblich auf. Nach aktuellem Stand dürfte damit per heute im vierten Geschäftsquartal mindestens dieser 12-Mio-Abschlag aufgeholt sein, so dass bei Vorlage der nächsten Quartalszahlen (und damit einhergehend den Zahlen für das Gesamtjahr) eine hohe Zuschreibung bzw. ein entsprechend hoher Quartals- und Jahresgewinn zu erwarten sind. Also viel Lärm um Nichts...


Deutsche Beteiligungs AG (Quelle: finanzen.net) 
Operatives Geschäft läuft wie geschmiert
Umso interessanter ist dann auch der Blick auf das operative Geschäft, denn hier zeigt sich, wie gut die DBAG ihr eigenes und das ihr von Kunden anvertraute Geld investiert.

Kurzfristigen Veränderungen der Wertansätze haben wenig Aussagekraft über den langfristigen Erfolg der DBAG und die Qualität des Portfolios. Dieses ist gut aufgestellt und der Ergebnisbeitrag aus der wirtschaftlichen Entwicklung der Portfoliounternehmen fiel nach drei Quartalen mit €41 Mio. deutlich höher aus als im vergleichbaren Vorjahreszeitraum. Auch das dritte Quartal trug zu dieser Verbesserung bei.

Das Konzernergebnis führt zu einer Steigerung des Eigenkapitals, das zum Stichtag 30. Juni 2016 nun €23,09 je Aktie beträgt und damit€0,93 mehr als zu Beginn des Geschäftsjahres. Bezogen auf das (um den zur Ausschüttung vorgesehenen Betrag reduzierte) Eigenkapital zu diesem Zeitpunkt entspricht das einem Anstieg um 9,1 Prozent. Zum Vergleich: im Geschäftsjahr 2014/2015 war das Eigenkapital je Aktie nach drei Quartalen um 10,0 Prozent gestiegen.

Anleger sollten dabei im Hinterkopf behalten, dass die Ergebnisdelle des dritten Geschäftsquartals nach den Brexit-Kurssturz bereits wieder vollständig ausgeglichen sein und dem entsprechend im laufenden Quartal für ähnlich hohe Ergebnisverbesserungen stehen sollte. "Übrig" bleibt der hohe Veräußerungsgewinn von €30 Mio. aus dem ersten Geschäftsquartal, den die DBAG real verdient hat. Hierin liegt der eigentliche Trigger für den Aktienkurs, denn der bleibt am Ende stehen und kann für Aktienrückkäufe und/oder Dividendenausschüttungen verwendet werden - unabhängig wie letztlich das Bewertungsergebnis am Jahresende ausfällt.

Verkaufserfolg bei Broetje-Automation GmbH
Und dann wurde heute noch ein weiterer Exit bekanntgegeben: die Broetje-Automation GmbH wurde an die Shanghai Electric Group verkauft. Der Verkauf sei der Schlusspunkt einer sehr erfolgreichen strategischen Weiterentwicklung bei dem Automatisierungsspezialisten, der in der jüngst bestätigten Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr bereits berücksichtigt ist. Über den Kaufpreis haben die Vertragsparteien indes Stillschweigen vereinbart; er übersteigt jedoch den Wertansatz der Beteiligung im jüngsten IFRS-Konzernab­schluss vom 30. Juni 2016. Mit der Veräußerung erzielt die DBAG eine Rendite oberhalb ihrer üblichen Erwartungen und die Veräußerung führt im vierten Quartal 2015/2016 zu einem weiteren Ergebnisbeitrag.

Prognosen werden bestätigt
Mit Blick auf diese Prognose weist der Vorstand der DBAG jedoch darauf hin, dass sich die Unsicherheit in den Märkten und damit die Volatilität der Bewertungsrelationen weiter erhöht hat. Die Prognose der DBAG für das Konzernergebnis des laufenden Geschäftsjahres unterliege deshalb einem erhöhten Risiko. Dennoch erwartet der Vorstand wie bisher, dass das Konzernergebnis, also mindestens 20 Prozent über dem des Vorjahres von €27,0 Mio. liegen wird. Ob jedoch der Wert der zuletzt genannten Prognose von €40 Mio. erreicht werden wird, hänge von der weiteren Entwicklung an den Kapitalmärkten bis zum Geschäftsjahresende ab.

Buy-out-Fonds DBAG Fund VII als Ergebnishebel
Mit dem neuen Buy-out-Fonds DBAG Fund VII, der zwischenzeitlich erfolgreich eingeworben wurde, vergrößert sich künftig die Basis für die Erträge aus der Fondsberatung. Zugleich sind höhere Co-Investitionen an der Seite des Fonds vorgesehen. Durch diesen zweiten Wachstumsimpuls soll der Nettovermögenswert mittelfristig kräftig zulegen und die Mittelzuflüsse aus Veräußerungen werden stabiler sein als bisher.

Geänderte Dividendenpolitik
Beides zusammen erlaube es der DBAG, die Dividendenpolitik "zu verstetigen". Künftig solle eine stabile Dividende gezahlt werden, die - wann immer möglich - erhöht werden solle. Die bisherige Aufteilung in eine Basis- und eine Sonderdividende entfalle. Für das laufende Geschäftsjahr 2015/2016 soll der Dividendenvorschlag mindestens auf der Höhe der Ausschüttung des vergangenen Geschäftsjahres von €1,00 liegen.

Meine Einschätzung
Die DBAG ist sehr erfolgreich als Finanzinvestor unterwegs und durch das Einwerben zusätzlicher Anlegergelder über Beteiligungsfonds erzielt sie Provisionen aus der Fondsberatung und hebelt das von ihr einsetzbare Eigenkapital. Von dem Gewinneinbruch im letzten Quartal sollten sich Anleger nicht beeindrucken lassen, denn dieser war ausschließlich der niedrigeren Börsenbewertung der Beteiligungsunternehmen aufgrund des vorübergehenden Brexit-Kurseinbruchs geschuldet und dürfte inzwischen schon wieder mehr als wettgemacht worden sein. Der seinerzeitige HOMAG-Verkauf hat gezeigt, welche Mittelstandsperlen die DBAG in ihrem Beteiligungsportfolio hat und Anleger sollten sich beruhigt zurücklehnen und den Vorstand einfach weiter machen lassen.

Ich habe die DBAG auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot und werde kein Stück hergeben. Im Gegenteil, ich werde tendenziell an schwachen Tagen eher zukaufen.

Börsenweisheit der Woche 33/2016

"Auf mittlere Sicht sind Aktien gegenüber allem, was man so zur Verfügung hat, die bessere Anlage".
(Dr. Jens Erhardt)

Freitag, 12. August 2016

Bei Delignit brummt das Geschäft

Delignit, ein Hersteller ökologischer laubholzbasierter Produkte und Systemlösungen sowie Zulieferer für die Automobil-, Bahn- und Luftfahrtindustrie, hat zwei wichtige Serienlieferverträge im Bereich Automotive abgeschlossen und dabei eine Folgebeauftragung im Bereich der leichten Nutzfahrzeuge von einem führenden deutschen Fahrzeughersteller gewinnen können. Der Auftrag für das Nachfolgemodell sieht dabei eine Erweiterung gegenüber der bisher angebotenen Ausstattung um Radkästen-Lösungen im Innenraum vor. Für dieses Transportermodell ist eine Laufzeit von zehn Jahren beginnend ab dem Geschäftsjahr 2018 vorgesehen. Im Rahmen einer Neubeauftragung wird die Delignit AG ferner einen führenden deutschen Automobilhersteller an seinem Fertigungsstandort im europäischen Ausland mit weiten Teilen des Delignit Sortiments an Laderaumschutz- Lösungen einschließlich einer speziell entwickelten kunststoffbasierten Seitenwand beliefern. Der OEM-Vertrag hat eine Laufzeit von mehr als zehn Jahren und wird erstmals ab dem Geschäftsjahr 2017 umsatzwirksam.

Bezogen auf das Geschäftsjahr 2018, in dem diese beiden Aufträge erstmals voll umsatzwirksam werden, kann sich ein Umsatzpotential von bis zu €10 Mio. ergeben. Die 76-Prozent-Tochter des ebenfalls börsennotierten Beteiligungsunternehmens MBB wird für die erwartete notwendige Kapazitätserweiterung ein Investitionsprogramm von bis zu €6 Mio. umsetzen. Es wird eine neue innovative Pressentechnologie zum Einsatz kommen, die sowohl Kapazität als auch Effizienz erhöht. Das Programm beinhaltet ferner auch die Erweiterung der CNC-Endbearbeitungskapazitäten und die Anschaffung einer speziellen CNC-Bearbeitungsstraße für Leichtbauprodukte.


 Delignit Ag (Quelle: finanzen.net) 
Jahresprognosen bestätigt
Durch die in den vergangenen Quartalen gewonnenen Neukunden und Vertragsverlängerungen ist die Delignit AG hinsichtlich der weiteren Geschäftsentwicklung optimistisch. Im Geschäftsjahr 2016 soll der Umsatz weiter steigen und auch für die Folgejahre wird eine Fortsetzung des Umsatzwachstums erwartet. Die Halbjahreszahlen wird das Unternehmen Ende August vorlegen.

Meine Einschätzung
Die zunehmende Begeisterung für Elektroautos bringt das Thema Reichweite immer stärker in den Fokus und die Batteriekapazitäten lassen sich nicht ohne weiteres einfach erhöhen - denn sie kosten viel Gewicht. Gewicht, das man durch den Einsatz laubholzbasierter Teile wieder einsparen kann und hier spielt Delignit ganz vorne mit. Mitte Dezember hatte man sich gleich mehrere Serienaufträge aus der Automobil- und der Bahnbranche gesichert und mit den jetzt erfolgten weiteren langfristigen Aufträgen bestätigt sich dieser Trend. Ich habe Delignit auf meiner Empfehlungsliste und Anleger sollten keine einzige Aktie dieser "Mittelstandsperle" aus der Hand geben.

msg life macht mit ihrer Software der Versicherungsbranche das Leben leichter

Die msg life AG ist ein Softwareunternehmen, das hauptsächlich Versicherungen als Kunden hat. Das Unternehmen ging aus der Fusion der einstigen Neuer Markt-Werte FJA und Cor hervor und hat eine schwierige Zeit hinter sich; Ende 2014 notierte die Aktie noch im Penny-Stock-Bereich unterhalb von €1. Seit 2015 läuft der Turnaround samt neuer Ausrichtung und dieser scheint zu gelingen, jedenfalls deuten die bisherigen Entwicklungen darauf hin. Von den für den 17. August angekündigten Halbjahreszahlen erwarte ich mir mindestens eine Bestätigung der im Februar angehobenen Jahresprognosen für das Geschäftsjahr 2016.

Das Zahlenwerk
Die Zahlen für 2015 deuteten den erfolgreichen Turnaround bereits an. Das EBITDA belief sich auf €8,4 Mio. und der Umsatz stieg auf €108 Mio. nach €104,3 Mio. in 2014. Das EBITDA lag nach 9 Monaten bei €4,9 Mio. und so wurde allein im letzten Quartal €3,5 Mio. EBITDA erwirtschaftet.

Die 2016er-Guidance für das EBITDA wurde nach Vorlage der 3-Monatszahlen auf  €10 bis12 Mio. Euro von zuvor 8,5 bis 10,5 Mio. angehoben und schaut man auf das EBITDA im Q4/2015 erscheint selbst dies durchaus noch konservativ. Anstelle vollmundiger Versprechen, wie in der Vergangenheit durchaus öfter platziert, scheint ein zurückhaltend-realistischer Stil getreten zu sein, was zu begrüßen und im Anlegerinteresse ist. Lieber besser als erwartete Zahlen liefern, als zu enttäuschen und zurückrudern zu müssen.

Geschäftsfelder der msg life AG
Die msg life ist der führende Anbieter von Software, Beratung und Cloud-Lösungen für Lebensversicherer und Altersvorsorgeeinrichtungen. Neben der führenden Marktstellung im deutschen Sprachraum ist die Software von msg life auch weltweit im Einsatz, wo Anwender in mehr als 30 Ländern die msg-Lösungen nutzen, unter anderem auch in den USA und Australien. Die msg life Gruppe mit Hauptsitz in Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart hat Tochtergesellschaften in den Niederlanden, Österreich, der Schweiz, der Slowakei, Slowenien, Polen, Portugal und den USA beschäftigt weltweit rund 900 Mitarbeiter.

Die Kernkompetenz liegt derzeit im Bereich Lebensversicherungen in Deutschland und der Schweiz, während als neues Standbein Standardsoftware für die Krankenversicherung insbesondere in den USA etabliert wird. In den nächsten Jahren soll der Ausbau des Geschäfts im Bereich Lebensversicherungen im Rest Europas erfolgen und darüber hinaus möchte man sich als Anbieter implementierungsnahen Consultings in Deutschland, der Schweiz und Zentral- und Osteuropa positionieren. Hier konnten zuletzt bereits Erfolge mit UNIQA Asigurari de viata Rumänien und Helvetia Österreich vermeldet werden.

 msg life AG (Quelle: finanzen.net) 
Inzwischen hat man sich in den USA als führender Softwareanbieter für Krankenversicherungen etabliert und in der DACH Region ist man führend bei Lebensversicherungen. Im letzten Jahr konnten mit der Heidelberer Leben und dem US-Versicherer Prudential, für den eine Angebots- und Auftragsplattform im Lebensversicherungsgeschäft eingerichtet werden soll, zwei große Kunden gewonnen werden. Alleine der Prudential-Deal hat einen Auftragswert von rund $5 Mio.

Interessant und potenzialträchtig ist auch die seit mehr als 5 Jahren bestehende erfolgreiche Partnerschaft mit IBM, insbesondere die enge Zusammenarbeit mit dem IBM Kompetenzzentrum in Ehningen. IBM setzt mit "Watson" und seiner Sparte Künstliche Intelligenz zunehmend auf den Bereich der Krankenversorgung.

Ausblick
Das Thema Digitalisierung wird von msg life konsequent vorangetrieben. So hat man 2015 zum einen die Komponente für die Versicherungsmathematik als eine der letzten großen Komponenten auf die moderne JEE Technologie gehoben (“JEE Mathematik”) und die Entwicklung der msg.CuSS Komponente vorgestellt (CuSS = Customer Self Service), mit deren Hilfe Kunden umfangreiche Prozesse selbst steuern und abwickeln können, wie u.a. Anpassungen laufender Verträge oder den Rückkauf von Policen. In diesem neuen Geschäftsfeld wird im Herbst ein erster Vertriebserfolg erwartet, für den eine mündliche Zusage bereits vorliegen soll.

Dividendenausschüttungen kein vordringliches Ziel
Das Management möchte die bestehenden Verlustvorträge bestmöglich nutzen und geht davon aus, dass msg life erst in 2 bis 3 Jahren die Dividendenfähigkeit erreichen wird. Diese Ankündigung gab es in gleicher Form allerdings auch schon auf der Hauptversammlung 2014 und man erkennt daran, dass man das Unternehmen überhaupt nicht als Dividendenwert positionieren will, sondern eher als Wachstumswert. Die Zahlung einer Dividende ist und wird also kein primäres Unternehmensziel.

Meine Einschätzung
Die Versicherungsbranche steht massiv im Gegenwind und gerade erst hat die BaFin vor der sich zuspitzenden Lage bei deutschen Lebensversicherern gewarnt. Aber der Druck steigt nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. Auf der einen Seite schmälern die historisch niedrigen Zinsen die Erträge und auf der anderen Seite werden die Menschen immer Älter, was sowohl bei den Krankenkosten als auch bei Kapitallebens- und Rentenversicherungen zu immer größeren Problemen führt. Darüber hinaus werden die Regularien stetig strenger, so der Ausweis der wirklich anfallenden Vertriebskosten. Der Druck, Kosten zu sparen, nimmt gewaltig zu und daher wird überall der Rotstift angesetzt, auch beim Personal bzw. dem Außendienst. So will alleine Ergo 2.400 Vollzeitstellen streichen, Personalabbau wurde aber auch von HDI, Talanx, oder Signal Iduna angekündigt. Ergo will im Gegenzug nicht nur eine reine Online-Versicherung an den Markt bringen, sondern auch €1 Mrd. in die Hand nehmen, um "die veraltete Verwaltung und IT auf Vordermann zu bringen". Der Trend zur Digitalisierung in der Finanzbranche eröffnet msg life und anderen einen riesigen Markt und die msg life AG sollte zu den großen Profiteuren gehören.

Ich habe mir daher einige Aktien gegönnt, nachdem der Kurs vom Jahreshoch bei €2,70 wieder auf rund €2,20 zurückgekommen ist, und ich nehme sie auf meine Empfehlungsliste. Auch bei msg life gilt, dass es sich um einen marktengen Nebenwert handelt, der sich (noch) in einer Turnaroundsituation befindet. Ob dieser Turnaround wirklich gelingt, muss sich erst noch beweisen - auch wenn die Zeichen darauf hindeuten. Ein Engagement in Aktien der msg life AG ist eine Turnaround-Spekulation für geduldige Anleger, kein Value Investment im klassischen Sinn. Die Risiken sind entsprechend höher, die Chancen im Erfolgsfall ebenso.

BaFin warnt: Lage bei den Lebensversicherern spitzt sich weiter zu

Ich weiß, ich weiß, es kann niemand mehr hören, dass ich seit Jahren vor der zunehmenden Gefahr bei Lebensversicherern warne und den sich immer weiter verschärfenden Risiken in deren Bilanzen aufgrund der anhaltenden Niedrigzinsphase. Aber es nützt ja nichts, auch wenn es euch zu den Ohren herauskommt, die Gefahren sind vorhanden und sie nehmen zu!

Nachdem im letzten Jahr die Ratingagentur Moody's die deutsche Lebensversicherungsbranche als die riskanteste der Welt eingestuft hat, warnte nur wenige Tage später auch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin), in Deutschland würden Versicherungspleiten drohen. Unterstützt wurde diese Aussage durch eine Untersuchung der Unternehmensberatung Assekurata, die vor einer enormen drohenden Kapitallücke warnte, die die deutsche Lebensversicherungsbranche in den nächsten Jahren überrollen könnte, wenn die Zinsen so niedrig bleiben würden. Da entsprechende Renditen am Kapitalmarkt nicht mehr zu erzielen seien, müssten die Versicherer seit 2011 eine sog. Zinszusatzreserve aufbauenund um die Garantien laufender Lebens- und Rentenversicherungsverträge abzudecken, müssten die Unternehmen diese Zinszusatzreserve bis zum Jahr 2024 von bislang gut €21 Milliarden im schlimmsten Fall auf rund €150 Milliarden aufstocken. Doch schon heute zehre die Zinszusatzreserve an den ohnehin sinkenden Überschussbeteiligungen der Lebens- und Rentenversicherungen und für die Kunden würde die Rendite damit immer unattraktiver werden.

Und nun war es soweit, die BaFin hat die deutschen Versicherer einem Stresstest unterzogen und überprüft, wie fit sie hinsichtlich der neuen Eigenkapitalvorschriften ("Solvency II") sind. Dabei wurden die materiellen Risiken der Versicherer nach der sogenannten Solvabilitätskapitalanforderung (SCR) beurteilt - und die Ergebnisse sind niederschmetternd. Zwar konnten alle geprüften Unternehmen die SCR-Anforderungen ausreichend abdecken, also alle Versicherer halten gemäß ihrer Risiken genug Eigenkapital parat, um mögliche Verluste ausgleichen zu können. Allerdings haben sich vor allem die Quoten der Lebensversicherer verschlechtert und zwar um durchschnittlich 70 Prozentpunkte. Bei 26 der insgesamt 84 getesteten Lebensversicherer musste die BaFin im ersten Quartal 2016 ein Auge zudrücken, und diese konnten sich auf die Übergangsregelungen berufen, die den Versicherern den Umstieg auf die neuen Eigenkapital-Regelungen leichter machen sollen. Ansonsten hätten der Branche insgesamt €3,5 Milliarden gefehlt, um die Vorgaben zu erfüllen!

Anfang des Jahres mussten noch 10 Lebensversicherungen weniger auf die Übergangsregelungen zurück greifen. Die Lage hatte sich also innerhalb weniger Wochen verschlechtert, denn die Eigenmittel sind im ersten Quartal 2016 durchschnittlich um knapp 13 Prozent gesunken. Dabei sind die größten Risiken für die Lebensversicherer Marktrisiken, gefolgt von Risiken für Berufsunfähigkeit und Pflegebedürftigkeit bei den Versicherten.

Fazit
Auch wenn die deutschen Lebensversicherer, ebenso wie die Rückversicherer, regelmäßig in den Hit-Listen der Dividendenwerte auftauchen, sollten Anleger - und auch Versicherte im Hinblick auf Lebensversicherungen als Altersversorgung, größte Vorsicht walten lassen. Die Risiken steigen ständig weiter an und es wird den Unternehmen immer weniger gelingen, die Ausschüttungen an die Aktionäre zu erwirtschaften und ohne Kapitalerhöhungen die zunehmenden Risiken aufzufangen. Denn auf nachhaltig steigende Zinsen zu hoffen, dürfte sich für Anleger als irrige und teure Strategie erweisen. Ich halte Versicherungen für riskante Value-Traps und werde daher weiter einen großen Bogen um die Versicherungsbranche machen, ebenso um die deutschen Banken, die ähnlichen Problemstellungen ausgesetzt sind und zusätzlich noch an erheblichen Filial- und Kostenüberhängen leiden.



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