Samstag, 31. Dezember 2016

Deutsche Rohstoff: Öl-Töchter fahren en passant Gewinne in Millionenhöhe ein

Die Deutsche Rohstoff AG hat momentan einen Lauf, der Aktienkurs entwickelt sich hervorragend und es trudeln nur positive Nachrichten ein. Insbesondere die drei Öl- und Gastöchter in den USA machen derzeit den Anlegern wirklich Freude.

Salt Creek Energy: $550.000 Verkaufsgewinn innerhalb weniger Wochen
Salt Creek Energy, 90%ige Tochtergesellschaft der Deutschen Rohstoff, hat die am 22. November angekündigte Akquisition der Öl- und Gasproduktion in North Dakota abgeschlossen. Der Kaufpreis beträgt $38,1 Mio. Die Transaktion ist rückwirkend zum 1. September gültig und wird sich daher schon signifikant auf die DRAG-Zahlen für 2016 auswirken.

Erst im Juni und August 2016 erworbene 215 Acres entwickelte Flächen im sogenannten STACK Ölfeld, einem Teil des Anadarko Beckens in Oklahoma hat Salt Creek bereits zu $2 Mio. weiterverkauft, was zu einem Gewinn von $550.000 für Salt Creek führt.

In der Zwischenzeit hat Salt Creek außerdem ein Reservengutachten über die erworbenen Flächen von einem der führenden Unternehmen für unabhängige Reservenschätzungen für Öl- und Gasfirmen in den USA erstellen lassen. Der Barwert der Reserven beläuft sich bei einem Abzinsungsfaktor von 10% auf $50,4 Mio., von denen $31,1 Mio. auf die nachgewiesene Kategorie (proved) entfallen. Die übrigen Reserven verteilen sich auf wahrscheinliche (probable) und mögliche (possible) Reserven. Das Reservengutachten wurde auf Basis der Preisannahmen der BOK Financial, Stand Oktober 2016, für den WTI Ölpreis erstellt. Für die nächsten 5 Jahre geht das Gutachten von durchschnittlich $51,5 pro Barrel aus.

Cub Creek Energy: Fördermenge 49% über Plan
Cub Creek Energy (CCE), 80%ige Tochtergesellschaft der Deutschen Rohstoff, hat in den vergangenen vierzehn Tagen durchschnittlich 4.501 Barrel Öläquivalent pro Tag (boepd) von seinem Vail Bohrplatz gefördert (davon 3.875 Barrel Öl). Die Produktion von Öl lag damit um rund 26% höher als am 16. Dezember berichtet und rund 49% höher als geplant. Der Grund für die höhere Produktion in den letzten zwei Wochen liegt darin, dass der Leitungsdruck in der Gaspipeline, in die CCE einspeist, nachgelassen hat. An den meisten Tagen konnte CCE deshalb die Bohrungen mit voller Kapazität produzieren. Der 30 Tagesdurchschnitt liegt bei 4.009 boepd (Öl: 3.448 boepd).

Unterdessen hat CCE auch die Produktion vom Markham Bohrplatz aufgenommen. Unterdessen hat CCE auch die Produktion vom Markham Bohrplatz aufgenommen. Im Laufe der kommenden Tage werden alle 12 Bohrungen angeschlossen.

Elster Oil & Gas: Royalties-Verkauf bringt $1,56 Mio. Zusatzgewinn
Elster Oil & Gas (EOG), 93%ige Tochter der Deutschen Rohstoff, hat ihre Umsatzbeteiligungen (sog. "Mineral Royalties") an verschiedenen Bohrungen in der Nähe des Ortes Windsor veräußert. Diese Royalties lagen bei der 100%igen Tochter von EOG, der Diamond Valley LLC, auf deren Flächen der Inhaber der Leases neun Bohrungen niedergebracht hat. Diese Bohrungen produzierten seit Juli. EOG erhielt einen Anteil an den Umsätzen dieser Bohrungen, musste aber nicht mit investieren und auch nicht die laufenden Kosten mittragen. Die Royalties waren ursprünglich Teil der Flächen von Tekton Energy, die die DRAG 2014 für einen dreistelligen Millionenbetrag mit großem Gewinn veräußert hatte, bevor der Ölpreis von über $100 auf $25 abstürzte.

Zusätzlich zu dem Veräußerungserlös von für $1,56 Mio. sind EOG in den vergangenen Monaten bereits Umsätze in Höhe von $400.000 zugeflossen. Da den Flächen kein aktivierter Bilanzwert gegenübersteht, wird der Veräußerungserlös vollständig als Gewinn realisiert.

Anleihe: Volumen um €10 Mio. aufgestockt
Außerdem hat die Deutsche Rohstoff noch weitere €10,1 Mio. ihrer im Juli begebenen Anleihe 2016/21 platziert. Das gesamte ausstehende Volumen beläuft sich nunmehr auf €50,7 Mio. Eine weitere Aufstockung ist nicht geplant.

 Deutsche Rohstoff (Quelle: finanzen.net) 
Meine Einschätzung
Salt Creek Energy hat sich in ein lukratives Business eingekauft, dessen Cashflows ausreichen sollten, was weitere Bohrprogramm der nächsten Jahre zu finanzieren. Cub Creek Energy sitzt auf Feldern, die noch ergiebiger sind als gedacht und die Erwartungen um fast 50% übertreffen und setzt sein Bohrprogramm weiter fort, während Elster Oil & Gas bereits seit Mitte des Jahres produziert und ebenfalls sein Bohrprogramm ausweitet.

Nach der überraschenden Einigung der OPEC auf Förderkürzungen und der Unterstützung durch weitere große Nicht-OPEC-Staaten, wie Russland, ist der Ölpreis mächtig angezogen und das hilft auch der DRAG. Diese fördert in den USA zu unter $35 je Barrel (WTI) und ein seit Wochen oberhalb von $50 liegender Ölpreis lässt sie fette Gewinne einstreichen. Alle drei US-Töchter produzieren nämlich inzwischen und fahren die Kapazitäten weiter hoch. Daher wird das Zahlenwerk der DRAG geradezu explodieren, was Umsatz aber auch Gewinn angeht. Zu den ohnehin anfallenden Gewinnen gesellen sich noch die außerordentlichen Gewinne hinzu, durch den gewinnträchtigen Flächenweiterverkauf und die Veräußerung der Royalties, so dass selbst die optimistischsten Analystenprognosen für 2016 wohl zu niedrig liegen dürften. Und auch die Erwartungen für 2017 müssen wohl aufgrund der um fast 50% über den Erwartungen liegenden Fördermengen bei Cub Creek noch nach oben angepasst werden.

Obwohl der Aktienkurs sich in den letzten Wochen bereits positiv entwickelt hat, preist er die anstehenden Gewinnexplosionen noch nicht annähernd angemessen ein. Spätestens bei Vorlage der nächsten Zahlen sollte er sein Allzeithoch aus dem Winter 2013 bei rund €29 überwinden und in völlig neue Höhen vordringen. Denn die Zahlen werden nicht nur einmal für Freude sorgen, sondern bei jeder weiteren Quartalsmeldung werden Umsatz und Gewinn in die Höhe schnellen und somit die Werthaltigkeit des DRAG-Öl-Business der Börse jedes Mal erneut vor Augen führen. Steigen die Ölpreise weiter an, wirkt sich das natürlich zusätzlich gewinntreibend auf die DRAG aus, fallen die Ölpreise moderat oder stagnieren, hätte dies nur bedingt negative Folgen, da die DRAG rund die Hälfte der aktuellen Produktionsmengen per Terminkontrakten abgesichert. Ein deutlicher Kursverfall des Ölpreises würde die DRAG auch nicht in Bedrängnis bringen, da man zu äußerst günstigen Konditionen eingestiegen ist und entsprechend kostengünstig fördert. Erst bei unter $30 je Barrel (WTI) würden sich die Gewinne in Verluste wandeln. Doch davon sind wir momentan mehr als $20 je Barrel entfernt und nach einem dramatischen Einbruch sieht es kaum aus.

Die Deutsche Rohstoff-Aktie dürfte damit einer der Top-Favoriten für 2017 sein und für ansehnliche Kursgewinne sorgen, wobei die 30-Euro-Marke nur ein kleiner Zwischenschritt bleiben sollte. Die Deutsche Rohstoff befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als größter Wert in meinem Depot.

Freitag, 30. Dezember 2016

Kurz vor Toresschluss: Publity meldet weiteren Immobilienverkauf

Die Publity AG, ein Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Immobilienfinanzierung in Sondersituationen, wartet die letzten Wochen mit starken Neuigkeiten auf und der Aktienkurs entwickelte sich dem entsprechend positiv. Nachdem mehrere NPL-Deals im Volumen von €2,4 Mrd. an Land gezogen wurden und die Einnahmen aus Gebühren und Erfolgsprovisionen in den kommenden Jahren nach oben treiben werden, hatte Publity zuletzt den avisierten Verkaufsmarathon gestartet. Und heute gab es einen weiteren Verkauf.

Der publity Performance Fonds Nr. 7 hat in Ismaning im Großraum München die 2.900 Quadratmeter große Büroimmobilie veräußert und somit sein zweites Fondsobjekt. Die Haltedauer des nahezu vollständig vermieteten Objektes betrug nur etwa anderthalb Jahre.

 Publity (Quelle: finanzen.net) 
Meine Einschätzung
Die Objektveräußerungen in den letzten Wochen sollten dazu beigetragen haben, dass Publity seine angekündigten Jahresziele, immerhin eine Verdoppelung des Jahresüberschusses auf €25 Mio., eine Steigerung des EBIT von €20,3 Mio. auf €37,5 Mio. sowie des Umsatzes von €23,0 Mio. auf €44 Mio., erreicht haben sollte. Der Jahreshöchstkurs lag schon bei knapp €44 und perspektivisch sollte der Weg in diese Richtung frei sein, wenn wir uns im Frühjahr der Hauptversammlung und der Dividendenausschüttung nähern. Denn die angekündigte um 40% angehobene Dividende von €2,80 je Aktie für das laufende Geschäftsjahr ist ein weiteres ein zündendes Argument für ein Engagement in Publity-Aktien. Setzt Publity seine Erfolgsserie Anfang nächsten Jahres fort, könnten auch neue Allzeithochs winken. Aber das bleibt abzuwarten.

Publity befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als einer der größten Werte in meinem Depot.

Donnerstag, 29. Dezember 2016

PNE Wind: Und es hat (noch nicht) Zoom gemacht. Noch nicht...

Kürzlich hatte PNE Wind den Verkauf- des YieldCo-Portfolios an den Energie- und Infrastrukturfonds Allianz Renewable Energy Fund II, der von Allianz Global Investors GmbH verwaltet wird, bekannt gegeben. Nachdem man nun für den 80-prozentigen Mehrheitsverkauf des Windparkportfolios Cuxhaven (YieldCo) die Freigabe seitens des Bundeskartellamts erhalten hat, floss auch das Geld an PNE Wind.

Für die in der PNE Wind YieldCo Deutschland GmbH mit Windparkprojekten von insgesamt 142,5 MW überwies die Allianz nun €103 Mio. an PNE Wind. Der Enterprise Value des Portfolios war seinerzeit mit mehr als €330 Mio. angegeben worden und da auch ein erheblicher Teil an Schulden mit abgelöst/übernommen wird, dürfen sich die PNE-Aktionäre freuen. Denn nachdem nun das Geld eingegangen ist, wird der Mehrwert der YieldCo-Strategie erst richtig sichtbar werden.

Denn bisher enthält die PNE-Bilanz Vermögenswerte im Volumen von €126,6 Mio. und dieser Wert entspricht den Investitionen, die PNE in die Windparks getätigt hat. Diese Vermögenswerte verschwinden nun aus der Bilanz, während die Differenz zum Enterprise Value als Buchgewinn hängen bleibt - und somit rund €200 Mio. an stillen Reserven aufgedeckt werden.

 PNE Wind (Quelle: finanzen.net) 
Mit Eingang der Zahlung dürften auch keine Zweifel mehr bestehen, dass PNE Wind sein verkündetes Ziel, in 2016 ein Konzern-EBIT von bis zu €100 Mio. zu erzielen, erreichen wird.

Meine Einschätzung
PNE Wind hat über Querelen und nicht eingehaltene Ziele jahrelang viel vertrauen verspielt, doch der neue Vorstand macht Nägel mit Köpfen. Am Ende hat sich die YieldCo-Strategie voll ausgezahlt, jedenfalls für das Unternehmen. Für die Aktionäre noch nicht, denn der Aktienkurs ist seit Ankündigung des Deals bis heute nur etwas mehr als 5% gestiegen - unverständlich angesichts der nun dingfest gemachten nackten Zahlen.

Ich denke, dass PNE Wind noch unter der allgemeinen Branchenschwäche inkl. der Unsicherheit bzgl. der neuen Ausschreibungsmodelle bei den EEG-Projekten leidet und sich auch erst nach und nach das negative Setting gegenüber dem Unternehmen legen wird. Auch wenn ein spektakulärer Kurssprung bisher ausblieb, so dürfte der Aktienkurs in den nächsten Monaten eigentlich nur eine Richtung kennen: nach oben. Nicht nur die erwarteten hohen Gewinne aus dem Verkauf, sondern vor allem die Aussicht darauf, die vielen Projekte dann mit genügend Cash im Rücken erfolgreicher vorantreiben zu können. Risikobereite Anleger setzen auf dieses Szenario und auf die sich sicherlich bald anschließende Debatte über die Verwendung des hohen Bilanzgewinns. Dividendenausschüttung, Kapitalherabsetzung, neue Projekte? PNE Wind ist wieder im Spiel und das zu noch attraktiven Kursen.

PNE Wind befindet sich als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Montag, 26. Dezember 2016

GBK Beteiligungen kauft sich in zwei weitere Unternehmen ein

Die Hannoveraner GBK Beteiligungen investiert seit seiner Gründung im Jahr 1969 in nicht-börsennotierte kleine und mittelgroße Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zum GBK-Portfolio zählen aktuell rund 30 mittelständische Beteiligungen, an denen man sich vielfach als Co-Investor offen und/oder mit mezzaninen Finanzierungsmitteln beteiligt hat. Hierzu gehören Unternehmen der Automobilindustrie, der Elektrotechnik, der Chemie, des Transports und der Logistik, des Maschinen- und Anlagenbaus, des Handels und E-Commerce und des Dienstleistungssektors.

Nachdem in diesem Jahr mehrere erfolgreiche Exits auf der 'Tagesordnung standen bei IS Inkasso, Mackprang/Schlemmer und Raith, folgen kurz vor dem Jahresende nach dem Investment in Schiller Fleisch nun zwei neue Beteiligungen bei Achat und Moeschter. Damit macht GBK die Ankündigung wahr, dass man noch zwei weitere interessante Targets im Visier hätte.

Achat Hotels
Mittelbar mit rund 11,3% ist GBK bei der Achat Hotel- und Immobilienbetriebsgesellschaft mbH mit Sitz in Mannheim eingestiegen, einem führenden Betreiber sogenannter „Value- und Budgethotels“ an strategisch gut gelegenen Orten. Das Unternehmen ist im mittleren und gehobenen Segment angesiedelt und betreibt 27 Hotels in Deutschland sowie je ein Haus in Österreich und Ungarn. Ein weiteres Hotel in Leipzig wird derzeit gebaut und im kommenden Jahr möchte Achat zudem eine Budgetmarke starten. Im Jahr 2015 erzielte Achat einen Umsatz von rund €52 Mio.

 GBK Beteiligungen (Quelle: finanzen.net) 
Moeschter Group
Darüber hinaus beteiligt sich GBK im Rahmen einer Nachfolgeregelung mittelbar mit rund 7,3% an der Moeschter Group Holding GmbH & Co. KG aus Dortmund. Die Moeschter Group ist Innovationsführer und Spezialist für die Entwicklung und Fertigung von Präzisionsbauteilen, Isolierungen und Komponenten aus Hochleistungswerkstoffen, insbesondere Keramiken und Kunststoffverbundmaterialien. Die Gruppe hat sich mit technischen Keramiken in der Schweißtechnik, im Maschinen- und Anlagenbau und in der Dentalmedizin sowie mit Kunststoffverbundmaterialien in weiteren Industrien einen internationalen Namen als hochinnovativer Produktionspartner gemacht und im Geschäftsjahr 2015 einen Jahresumsatz von rund €22 Mio. erwirtschaftet.

Meine Einschätzung
GBK Beteiligungen investiert dort, wo andere gar nicht hinschauen, bei den kleinen Unternehmen des erfolgreichen Mittelstands. Diese fliegen für die großen Beteiligungsgesellschaften unter dem Radar und GBK ist auch bereit, sich mit einem Minderheitsanteil zufrieden zu geben. Eine aktive Rolle bei der Führung des jeweiligen Tochterunternehmens strebt man nicht an, wie auch die beiden jüngsten Beteiligungen wieder zeigen.

GBK ist ein Nischenwert mit allen Vor- und Nachteilen eines so kleinen Unternehmens, insbesondere der eingeschränkten Handelbarkeit der Aktie und die seltene Berichterstattung in den Medien. Wen das nicht schreckt und wer auf hohe Dividendenausschüttungen aus ist, der findet bei GBK Beteiligungen eine interessante Möglichkeit von Investments in kleine und mittlere Unternehmen des deutschen Mittelstands profitieren zu können.

GBK befindet sich auf meiner Empfehlungsliste.

Börsenweisheit der Woche 52/2016

"Investiere bei einem Goldrausch nicht in die Goldgräber, sondern in Schaufeln.“
(André Kostolany)

Freitag, 23. Dezember 2016

(Zu) starker Gegenwind für BYD trotz Megatrend Elektromobilität?

BYD steht für Build Your Dreams und das Unternehmen ist ein führender Anbieter in einem Megatrend, der Elektromobilität. Die Chinesen elektrifizieren alles, was geht, punkten aber vor allem in der Sparte der Elektro-Busse, wo sie Marktführer sind und über Kooperationen auch in neue Märkte vordringen, wie Brasilien oder China. Bisher rollten bereits mehr als 10.000 Exemplare vom Band und ein Ende ist nicht abzusehen. Im Gegenteil.

Ich hatte vor einiger Zeit BYD hier im Blog näher vorgestellt und auch darauf hingewiesen, dass mit Warren Buffett und Charlie Munger Ankeraktionäre an Bord sind, die nicht auf schnelle Dollars aus sind, sondern auf langfristige Wertzuwächse. Die sind allerdings bereits vor einer ganzen Weile und zu deutlich niedrigeren Kursen eingestiegen.

Damals wies ich schon auf die hohe Abhängigkeit von staatlichen Subventionen hin und an dieser Flanke ziehen dunkle Gewitterwolken auf, die sich zu einem Tsunami auswachsen können. Auch für BYD. Staatliche Subventionen reizen immer zu Misswirtschaft, wir haben das in Deutschland im Bereich der Solarunternehmen selbst erlebt, die sich auf den hohen Staatszuschüssen ausgeruht und dadurch ihre Wettbewerbsfähigkeit verloren haben. Eine Pleitewelle war die Folge, als die Subventionen reduziert wurden. Aber auch Betrug spielt bei Subventionen immer mal wieder eine Rolle und genau darum geht es zurzeit in China. Einige Autohersteller - nicht BYD - haben hohe Subventionen abgegriffen für E-Autos, die niemals verkauft wurden. Einer Analyse von Morgan Stanley zufolge, wurden im ersten Halbjahr 2016 90% aller in der Region Shanghai produzierten E-Hybrid-Fahrzeuge nur auf dem Papier verkauft. Kein Wunder also, dass der Staat hier einen Riegel vorschieben will und es dürfte zu einigen Änderungen kommen. Alleine schon, dass man künftig die Subventionen erst beim realen Verkauf zahlen will und nicht mehr nach Fertigstellung des Wagens, dürfte die Hersteller enorm treffen.

Darüber hinaus werden Subventionen zusammen gestrichen und die Hersteller warten immer länger auf das Geld für bereits bewilligte Subventionen. Gut möglich, dass hier gar kein Geld mehr fließen wird, was das angeht, ist China nicht unbedingt der Hort der Rechtsstaatlichkeit.

 BYD Co. (Quelle: finanzen.net) 
BYD ist längst nicht der einzige Anbieter, der Elektro-Autos am Start hat; momentan gibt es in China bereits fast 100 Modelle zu kaufen und damit rund doppelt so viele wie noch im vergangenen Jahr. Gerade im unteren Preissegment kann BYD nicht mithalten und wird von jungen, aggressiven Anbietern ausgestochen. Und im oberen Preissegment werden die ausländischen Hersteller richtig Gas geben, denn China will ab 2018 Quoten festlegen für ausländische Hersteller. Danach dürfen die müssen sie für acht Prozent ihrer in China abgesetzten Wagen Kreditpunkte sammeln, also Autos mit Elektromotor verkaufen. Denn nur für diese soll es diese Kreditpunkte geben. 2019 soll der geforderte Anteil auf zehn Prozent klettern, 2020 auf zwölf. Gelingt den Herstellern dies nicht, müssten sie ihre Produktion drosseln - oder Kreditpunkte von anderen Autoherstellern kaufen. Reine E-Autohersteller, vor allem lokale chinesische also , würden durch diese Regelung klar bevorzugt, denn sie könnten gegen Geld ihre im Überfluss vorhandenen Kreditpunkte den Amis und Europäern verkaufen. BYD wird hiervon übrigens eher nicht profitieren, denn BYD baut auch herkömmliche Fahrzeuge, braucht also seine Kreditpunkte selbst.

In einem anderen Bereich wäre BYD allerdings massiv betroffen, bei den Elektro-Bussen. Zwar machen die E-Busse nur rund 14% des Geschäfts aus, aber es ist die profitabelste Sparte des Unternehmens, knapp 40% der Gewinne erzielt man hier. Vor allem auch dank der Subventionen. Würden die Pläne umgesetzt, könnten 65% der E-Bus-Subventionen ab nächstem Jahr entfallen. Für BYD wäre dies betriebswirtschaftlich ein echter Nackenschlag.

Ob es wo kommt, ist noch nicht klar. Allerdings zeigt die Diskussion, wie abhängig BYD von Subventionen Chinas ist und dass diese das Businessmodell schnell über den Haufen werfen können. Dabei geht es nicht darum, dass BYD existenziell bedroht wäre, denn man bewegt sich in einem globalen Megatrend und ist hier weiterhin führend mit dabei. Aber es stellt sich aus Anlegersicht die Frage, ob die gegenwärtigen Kurse gerechtfertigt sind, sofern die Gewinne einbrechen. Und hier nehmen die Zweifel stark zu, BYDs Gewinne stehen auf tönernen Füßen und es ist gut möglich, dass es sehr viel länger dauern wird, bis BYD nachhaltig solide Gewinne schreiben kann. Hohe Investitionen hingegen lassen sich nicht aufschieben.

»Ein gutes Unternehmen, zu teuer bezahlt, ist ein schlechtes Investment.«
(Roland Könen)

Unterm Strich hat sich bei BYD das Chance-Risiko-Verhältnis erheblich eingetrübt und bevor nicht die künftige Subventionspolitik Chinas geklärt ist, kann man kaum eine seriöse Bewertung (mehr) vornehmen. Und obwohl ich BYD erst seit April auf dem Zettel habe, folge ich nun dem weisen Ratschlag John Maynard Keynes: "Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung". Und die Faktenlage hat sich geändert und trübt die Aussichten für BYD erheblich ein, so dass ich BYD daher von meiner Empfehlungsliste streiche.

Mittwoch, 21. Dezember 2016

Was denkt sich Ernst Russ beim Marenave-Einstieg?

Die Ernst Russ AG, vormals HCI Capital, ist erst seit einiger Zeit wieder erfolgreich am Markt unterwegs. Das frühere Schiffsfonds-Emissionshaus hat Ende 2015 einen Kapitalschnitt und anschließende Kapitalerhöhungen hinter sich und ebenso eine neue Geschäftsausrichtung hin zu einem Asset- und Investmentmanager mit maritimem Schwerpunkt. Ernst Russ betreibt eine Flotte von rund 50 Container-, Tanker- sowie Bulkschiffen, betreut weitere 180 Fondsschiffe und verwaltet als Asset-Manager Objekte u.a. aus den Bereichen Schifffahrt, Immobilien, Erneuerbare Energien und Private Equity. Nachdem man die Reedereien König & Cie und Ernst Russ übernommen hatte, erfolgte wenig später die Übernahme eines ersten Schiffsportfolios von der HSH Nordbank.

Und in diesem Bereich will Ernst Russ weiter mitmischen. Im November startete man ein Joint Venture mit dem norwegischen Finanzdienstleister Pareto, mit dem Restrukturierungsprojekte vorangetrieben werden sollen. So legt Pareto einen Fonds auf, mit dem Bestandsschiffe aus dem Markt aufgekauft werden sollen; ein auf die Eigenkapitalseite fokussiertes Projekt zunächst nicht für den deutschen Markt, sondern vor allem mit Blick auf institutionelle Investoren aus dem Ausland. Dabei wird auch die Ernst Russ AG ins Risiko gehen über Co-Investments.

 Ernst Russ AG (Quelle: finanzen.net) 
Mit einem zweiten Projekt will Ernst Russ einen weiteren großen Schritt machen. Es gäbe eine Zusage eines Private-Equity-Fonds, der $500 Mio. zur Verfügung stellen wird, mit denen Ernst Russ an der Konsolidierung des Marktes aktiv teilnehmen will. Hier sollen vorrangig "Non-performing Loans" )NPL) gekauft werden, also notleidende Kredite, die mit Schiffen besichert sind. Darüber hinaus bestätigte CFO Mahnke, dass sein Unternehmen weitere Übernahmen angehen könnte; man sei bereits in konkreten Gesprächen und zwar mit starken Kapitalpartnern im Rücken.

Und nun scheint man fündig geworden zu sein. Denn Ernst Russ teilte mit, man habe 22,26% der Stimmrechte an der Marenave Schiffahrts AG übernommen, die sich auf Insolvenzkurs befindet und von den sie finanzierenden Banken nur mit Notkrediten und Schonfristen bis Ende Januar über Wasser gehalten wird. Die Marenave-Flotte umfasste zuletzt noch sechs Produktentanker, vier Bulker, zwei Containerschiffe und ein Car Carrier und nach den ersten sechs Monaten lag der Verlust von Marenave bei minus €10,8 Mio., während der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum von €36 Mio. auf €22 Mio. zurückgegangen war.

Ein interessanter Nebenaspekt ist, dass die heutige Enrst Russ-Tochter König & Cie. die Marenave Schiffahrts AG im November 2006 gemeinsam mit der HSH Nordbank an die Börse gebracht hatte. Acht Jahre später trennten sich die Wege von König & Cie. und Marenave, als ein US-Investor einstieg, vom dem Ernst Russ dann Anfang des Jahres die König & Cie. übernahm.

Meine Einschätzung
Die Ernst Russ AG war entstanden, als das Emissionshaus HCI Capital die Ernst Russ Reederei sowie den Wettbewerber König & Cie übernommen und sich schließlich im Juli umbenannt hatte. Die großen Anteilseignern sind die Döhle Gruppe und die HSH Nordbank, eine strauchelnde Landesbank, die neben der Commerzbank über das größte Portfolio an notleidenden Schiffsfinanzierungen verfügt. Ernst Russ hätte hier also den kürzesten Draht, denn die HSH Nordbank muss als Auflagen seitens der EU-Kommission ihre Bestände in diesem Bereich massiv abbauen.

Die beiden neuen Geschäftsfelder zielen in einen Bereich, der seit Jahren großen Verwerfungen ausgesetzt ist und auch vor großen Pleiten nicht Halt macht, wie der siebtgrößten Reederei der Welt, der südkoreanischen Hanjin. Ernst Russ könnte hier, mit finanzstarken Partnern im Rücken, zu einem der großen Profiteure der Branchenbereinigung und Wiederauferstehung werden. Aus dem Pleitekandidaten ist ein hoffnungsvoller Turnaroundwert geworden und die Neuausrichtung verspricht Potenzial, sofern das antizyklische Handeln aufgeht. Bisher gibt es noch keine Erholungstendenzen in der Branche, nach wie vor sinken die Frachtraten aufgrund massiver Überkapazitäten und es laufen noch immer neue Schiffe vom Stapel. Nur risikofreudige Anleger mit langfristigem Anlagehorizont sollten sich Aktien des marktengen Wertes ins Depot legen.

Ernst Russ befindet sich als Turnaround-Spekulation auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Baruchs Börsenwissen: Entweder wir arbeiten für Geld oder das Geld arbeitet für uns

Die Schere zwischen arm und reich geht in Deutschland immer weiter auseinander, das kann man alle paar Monate irgendwo lesen. Gerne auch in einem Armutsbericht der Bundesregierung. Und ebenso regelmäßig kommen die Kommentatoren zu den immer gleichen Schlüssen: man müsse den Reichen nur mehr Geld wegnehmen und es den Armen geben, dann würde alles gut. Doch schon der erste Deutsche Bundeskanzler, Konrad Adenauer, warnte: "Das einzige, was Sozialisten vom Geld verstehen, ist dass sie es von anderen haben wollen". Neben der Ausbeutung der Arbeiterklasse durch böse Kapitalisten gibt es aber auch weniger klischeehafte Erklärungsansätze. Und einen lieferte schon vor fast hundert Jahren Börsenlegende Bernard Baruch.

»Es gibt tausend Möglichkeiten, Geld loszuwerden, aber nur zwei, es zu erwerben: entweder wir arbeiten für Geld oder das Geld arbeitet für uns.«
(Bernard Baruch)

Auf der einen Seite steht der Konsum, die schier endlose Möglichkeit, Geld auszugeben. Die Menschen leisten sich immer mehr, immer kostspieligere Spielsachen, das neuste Iphone-Modell, sündhaft teure Louis Vouitton-Handtaschen, Schuhe von Jimmy Choo oder einfach nur einen neuen Porsche. Und immer seltener haben sie das Geld dafür, sie kaufen immer häufiger auf Pump. Und wer glaubt, nur die Reichen würden es so machen, der irrt. Vor allem die einkommens- und vermögensschwachen Bevölkerungsschichten verschulden sich immer mehr und das rauf bis zur Hutschnur.

Das mag bei vergleichsweise niedrigen Zinsen nicht so ins Gewicht fallen, aber wenn das über das Girokonto läuft, kommen da schnell zweistellige Zinssätze zusammen. Auch das schmälert das Vermögen, dass man zu früh im Leben zu viel will und es sich auf Kredit leistet. Der Zinseszinseffekt kann also keine Wirkung entfalten, weil gar kein Vermögen angespart wird. Wer sich verschuldet, arbeitet für das Geld, die Zinsen anderer Leute. Nicht sehr clever...

Und dann sehen wir uns den zweiten Satz von Baruchs weisen Worten an: die Ärmeren sind primär auf ihr Arbeitseinkommen angewiesen, während die Vermögenden immer häufiger von Zinsen, Mieten und Dividenden leben können. Nun könnte man behaupten, das liege daran, dass nur die Reichen sich Aktien oder Immobilien leisten können, aber das wäre zu kurz gesprungen. Die Erklärung ist ganz simpel, wenn auch nicht gerade charmant: der gewöhnliche Deutsche ist zu dumm. Und ich entschuldige ich bei allen Lesern, die sich jetzt angesprochen fühlen, das war nicht nett. Aber nötig, glaubt mir. Und gerade ihr solltet unbedingt weiterlesen, denn lesen bildet. Und es kommt noch ein schlauer Rat von mir...

Jeder kann sich etwas zusammenreißen und weniger ausgeben als er im Monat an Einnahmen hat - Hartz-IV-Empfänger und andere Sozialschwache, die eher von der Hand in den Mund leben, mal ausgenommen. Aber jeder mit einem geregelten Monatseinkommen kann etwas Geld zur Seite legen. Und was machen die Deutschen dann, wenn sie es überhaupt hinkriegen? Sie legen es auf Tagesgeldkonten, auf Sparbücher. Das ist dumm.

 Quelle: FAZ Frankfurter Allgemeine Zeitung 
Und die Dummen sind selbst schuld! Schaut man auf die Vermögensverteilung, darauf wie das Geld von den Deutschen angelegt wird, dann finden sich Aktien, Fonds, ETFs und Immobilien weit hinten. Niedrig bis gar nicht verzinste Bankguthaben und Lebensversicherungen, das sind der Deutschen Anlageformen. Kein Wunder, dass sie kein Vermögen ansammeln! Das ist einfach dumm!

Weniger dumm sind die Reichen. Sie legen ihr Vermögen nämlich nicht in Geld an, sondern  in Sachwerten. Und zwar in Immobilien, in Aktien. Und diese bringen auf lange Sicht erhebliche Wertzuwächse, daraus speist sich der Vermögenszuwachs der cleveren Anleger.

Natürlich kommt hier der regelmäßige Einwand, nur Reiche könnten sich Aktien oder Immobilien leisten. Aber das stimmt nicht, es ist eine Schutzbehauptung, um das eigene Versagen, das Unvermögen, zu verdecken. Jeder kann Aktien kaufen oder Aktienfonds. Jeder kann Aktien oder Fonds kaufen, die in Immobilien investieren. Es machen nur zu wenige Leute. Und die, die es machen, sind nicht sofort reich. Nein, sie legen ihr Geld rentierlich an, es wächst, es gedeiht, es vermehrt sich. Durch Mieteinnahmen und Dividenden.

Reiche sind reich, weil sie weniger Geld ausgeben als sie einnehmen. Arme sind arm, weil sie mehr ausgeben als sie einnehmen. So einfach ist das im Grunde.

Natürlich fällt es einem Reichen leichter, Geld auf die hohe Kante zu legen, als jemandem, der mit 1.000 Euro netto nach hause geht. Unbestritten. Aber auch dieser Mensch kann einen kleinen Teil seines Einkommens abzweigen und in rentierliche Anlagen stecken, zum Beispiel in Aktien- oder ETF-Sparpläne. Monat für Monat kommen mit der zeit auch ansehnliche Beträge zusammen, die dann immer mehr an Erträgen abwerfen. Auf diese Weise wird man nicht reich, aber man kann Wohlstand aufbauen, ein kleines Vermögen. Jeder kann das, es liegt an jedem selbst. Und doch tun es die meisten nicht, sie haben immer eine Ausrede parat, weshalb sie das Geld für etwas anderes ausgeben müssen. Okay, können sie ja, es ist ihre Entscheidung. Aber dann sollen sie bitte auch nicht jammern, dass es anderen, die sich clever verhalten und ihr Geld für sich arbeiten lassen, so viel besser geht.

»Ausreden sind wie Arschlöcher. Jeder hat sowas.«
(aus Oliver Stones Antikriegsepos "Platoon")

Und wer dann doch eine Lehre für sich ziehen will, dem sei noch einmal das Konzept des Zinseszinses ans Herz gelegt. Wer es einmal begriffen hat, hat den Schlüssel zum eigenen Vermögensaufbau in Händen. Er muss ihn nur noch nutzen.

Montag, 19. Dezember 2016

Scherzer & Co. realisiert Verkaufsgewinn von 2,9 Millionen Euro

Die Nebenwerte-Beteiligungsgesellschaft Scherzer & Co. wird voraussichtlich am 21. Dezember den Mittelzufluss aus einer Transaktion aus dem Juli verzeichnen. Ende Juli hatte man einen Vertrag zur Veräußerung der Beteiligung an der FIDOR-Bank AG unterzeichnet, der noch unter einer Reihe von aufschiebenden Bedingungen steht, deren Eintritt nun aber unmittelbar bevorsteht. Unabhängig davon hat die Käuferin angeboten, die Transaktion heute vorzeitig abzuschließen.

Mit Zahlungseingang realisiert Scherzer & Co. einen Ertrag in Höhe von circa €2,9 Mio. vor Steuern, der zu einer Erhöhung des Nettoinventarwertes (NAV) um etwa €0,10 je Aktie auf aktuell €2,23 EUR je Aktie führen wird und damit zu einer Erhöhung um 5%.

 Scherzer & Co. (Quelle: finanzen.net) 
Die Aktien von Scherzer & Co. notieren aktuell bei knapp €2 und damit um mehr als 10% unterhalb ihres NAVs. Und in ihrem Portfolio schlummern erhebliche Millionenpotenziale aufgrund werthaltiger Nachbesserungsrechte aus Spruchstellenverfahren bzw. Squeeze-outs. Insbesondere die zu erwartende AXA-Nachbesserung könnte inkl. der zuzurechnenden Anteile der Beteiligungen an der RM Rheiner Management AG und der Allerthal-Werke AG im Erfolgsfall den NAV um mehr als €1 je Aktie erhöhen. Hier ist allerdings nicht mit einem kurzfristigen Ergebnis zu rechnen, so dass sich Scherzer-Aktien für geduldige und langfristig orientierte Anleger zu einem echten Schatz entwickeln könnten.

Scherzer & Co. befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Börsenweisheit der Woche 51/2016

"Bei Pessimismus kaufen. Der Pessimismus ist die häufigste Ursache für niedrige Börsenkurse; je größer der Pessimismus desto niedriger die Kurse."
(Gottfried Heller)

Donnerstag, 15. Dezember 2016

Zahlen & Mehr: Deutsche Beteiligungs AG, DIC Asset

▸ Deutsche Beteiligungs AG
Die DBAG schließt das Geschäftsjahr 2015/2016 mit einem Konzernergebnis von 50,2 Mio. EUR ab verglichen mit 27 Mio. EUR im elfmonatigen Rumpfgeschäftsjahr 2014/2015. Im Konzernergebnis ist als wichtigste Einflussgröße das Ergebnis aus dem Beteiligungsgeschäft von 60,1 Mio. EUR enthalten. Dieses basiert ganz wesentlich auf der Wertsteigerung des fortgeführten Portfolios, das auch von der insgesamt guten Kapitalmarktentwicklung während des Geschäftsjahres profitierte. Darüber hinaus sind Erfolge aus der gewinnbringenden Veräußerung von mehreren Beteiligungen enthalten, wie des Autozulieferers Spheros, des Anlagenbauers Broetje Automation und des Fertigungsspezialisten Grohmann Engineering, den Tesla kürzlich übernommen hatte. Das Konzern-Gesamtergebnis erreichte hingegen nur 43,0 Mio. EUR, da sich der Verfall des Rechnungszinsfußes negativ bemerkbar machte, der zur Bemessung der Pensionsrückstellungen verwendet wird.

Die Eigenkapitalrendite je Aktie, die die DBAG als zentrale Steuerungsgröße verwendet, übersteigt mit 16,0% die Eigenkapitalkosten signifikant. Das vorangegangene (elfmonatige Rumpf-) Geschäftsjahr 2014/2015 hatte die DBAG mit einem Konzernergebnis von 27,0 Millionen Euro und einer Eigenkapitalrendite von 10,0 Prozent beendet. Die Aktionäre sollen mit einer um 20 Cents angehobenen Dividende von 1,20 EUR je Aktie an dem guten Ergebnis teilhaben.

Meine Einschätzung
Die DBAG-Bilanz ist grundsolide. Bei einer Eigenkapitalquote von mehr als 90% stehen allein aus der Bilanz der DBAG knapp 80 Mio. EUR für Investitionen bereit, die zuzüglich weiterer Rückflüsse aus bereits vereinbarten Veräußerungen und einer Kreditlinie über 50 Mio. EUR ausreichen werden, um die Co-Investitionszusagen der DBAG in diesem und den kommenden zwei Jahren erfüllen zu können. Das ist keine unwichtige Aussage, denn immerhin hatte man gerade eben erst die Investitionsphase des DBAG Fund VI erfolgreich abgeschlossen und beginnt nun mit der Investitionsperiode des DBAG Fund VII, für den im September 2016 ein Volumen von 1,01 Mrd. EUR an Investorengeldern eingeworben wurde. Hier wird die DBAG Eigenmittel für Co-Investments von 200 Mio. EUR erbringen.

Da die DBAG nach IFRS bilanziert und in das Ergebnis auch die Wertsteigerungen aus den Bewertungen der Tochtergesellschaften eingehen, die stark von der aktuellen Börsenlage abhängen, dürfte es der DBAG schwer fallen, das Rekordergebnis im nächsten Jahr zu übertreffen. Dabei dürften allerdings die Gewinne aus Beteiligungsverkäufen und die Einnahmen aus der Bewirtschaftung der Beteiligungs-Fonds weiter ansteigen und damit auch die Aussicht auf steigende Dividenden fortbestehen. Zur Einordnung: das Ergebnis des abgelaufenen Geschäftsjahres bewertet die DBAG-Aktie mit einem KGV von 8,7, was absolut und im Vergleich zur Peergroup eine erhebliche Unterbewertung aufzeigt. Alleine aus einem Aufholen des gegenwärtigen Abschlags erwächst bereits ein Kurspotenzial von fast 10 EUR für 2017.

Die Deutsche Beteiligungs AG ist seit Jahrzehnten erfolgreich am Markt unterwegs. Ihre Ausrichtung als Asset-Manager, der Beteiligungs-Fonds auflegt und sich an diesen über Co-Investments auch selbst beteiligt, funktioniert hervorragend. Dabei ist das Risiko begrenzt, während die breite Diversifikation im DBAG-Portfolio die Aktie zu einem "Best-of-Deutscher-Mittelstand-Investment" macht. Die vorgelegten Ergebnisse zeigen, welches Potenzial im DBAG-Ansatz steckt - und damit in der Aktie.


▸ DIC Asset
Der Gewerbeimmobilienspezialist DIC Asset wird entgegen der Planungen einen Verlust für das Geschäftsjahr 2016 ausweisen müssen. Dabei sind die zugrundeliegenden Nachrichten eigentlich hervorragend. Denn man konnte eine Refinanzierung von 960 Mio. EUR über eine Laufzeit von sieben Jahren abschließen und damit die Finanzierungskosten im Commercial Portfolio gegenüber den alten Finanzierungskonditionen um 170 Basispunkte auf rund 1,7% und der Tilgungsrate auf rund 1% senken. Die bestehenden Alt-Finanzierungen werden voraussichtlich im Januar 2017 nahezu vollständig abgelöst, doch durch die vorzeitige Ablösung der Alt-Darlehen entstehen nicht FFO-wirksame Einmalaufwendungen unter anderem für die Zahlung von Vorfälligkeitsentschädigungen von rund 59 Mio. EUR.  Für das Geschäftsjahr 2016 erwartet die DIC Asset AG daher ein einmalig negatives Konzernergebnis von rund 35 Mio. EUR nach Steuern. Die Dividende soll hiervon aber nicht negativ beeinflusst und auf Vorjahresniveau ausgeschüttet werden.

Der Deal hat aber auch positive Auswirkungen. Denn er trägt erheblich zur Stärkung der zukünftigen Finanz- und Ertragslage der DIC Asset AG bei, die nun ab dem Geschäftsjahr 2017 einen Anstieg des Cahsflows um bis zu rund 40 Mio. EUR p.a. erwartet. Darin enthalten sind Einsparungen des Zinsaufwands von bis zu 20 Mio. EUR im Jahr.

Meine Einschätzung
Ein großartiges Geschäft für die DIC Asset, die noch immer unter ihrer hohen Verschuldung leidet. Die Neufinanzierung wird sich erheblich positiv auf das Finanzergebnis und somit auf den Gewinn auswirken und die Belastung durch die zu zahlenden Vorfälligkeitsentschädigungen sind bereits nach 3 Jahren ausgeglichen und drehen dann das Resultat ins Positive. Unter Berücksichtigung der geplanten Weiterentwicklung in den Geschäftsbereichen Commercial Portfolio und Fondsgeschäft erwartet DIC Asset für das Geschäftsjahr 2017 ein FFO von rund 55 Mio. bis 60 Mio. EUR. Der deutliche Abschlag zum NAV und die sich verbessernden Ergebnisse machen die DIC Asset-Aktie zu einem attraktiven Investment im Gewerbeimmobilien-Bereich.


Die DBAG und DIC Asset befinden sich auf meiner Empfehlungsliste.

Montag, 12. Dezember 2016

Goldene Zeiten für Beteiligungsgesellschaften? Aurelius, Bavaria, Blue Cap, DBAG, GBK Beteiligungen, Gesco, Indus, MAX Automation, MBB, Mutares, Ringmetall

Vor einem Jahr gab ich zu den Beteiligungsgesellschaften als "die Perlentaucher des deutschen Mittelstands" meine Einschätzungen ab und es ist Zeit für ein Resümee. Denn es gab viel Bewegung: Pleiten, Pech und Performance. Und nicht alle Unternehmen konnten halten, was sie versprochen haben. Dafür andere umso mehr.

Veränderte Rahmenbedingungen
Zunächst hat sich Grundsätzliches verändert. Da war zum Einen die Wahl Donald Trumps zum nächsten US-Präsidenten und der wird Amerika wie ein Unternehmen führen wollen. Es zielt darauf ab, Jobs in den USA zu schaffen und da s zulasten des Haushalts, also über eine massive Ausweitung der Verschuldung. Staatliche Konjunkturprogramme gepaart mit Steuersenkungen, das führt zu Inflation und damit zu steigenden Zinssätzen. In den USA, zunächst, aber auch in Europa wird der Inflationsdruck zunehmen mit der Zeit und die Zinsen ziehen bereits im Vorfeld von Trumps Amtseinführung an. Daneben gibt es die OPEC, jenes zahnlose Öl-Kartell, das sein Gebiss wiedergefunden hat und sich zu Förderkürzungen durchringen konnte. Und am Wochenende wurde bekannt, dass auch weitere große Nicht-OPEC-Staaten ihre Produktion drosseln werden. Das dürfte zu dauerhaft höheren, zumindest stabilen Öl-Preisen führen, so dass der Kurs kaum mehr unter $40 fallen dürfte. Auch wenn Trumps Programm explizit auch eine Ausweitung der US-Förderung vorsieht. Und dann sind da noch die Chinesen, die bis vor Kurzem ganze Industriezweige leer gekauft und bei ihren Übernahmen auch saftige Aufgelder in Kauf nahmen. Für die Private Equity-Branche waren das schöne Zeiten, weil sie bei Exits besonders viel verdienten. Die Kehrseite der Medaille ist allerdings, dass sie selbst ihr frisches Geld immer schwerer in günstige Gesellschaften investieren konnten, da der Nachfrageüberhang seitens der Chinesen auch beim Einkauf die Preise hoch getrieben hatte. Doch damit dürfte erstmal Schluss sein. Und zwar nicht, weil die deutsche Regierung sich aufgeregt hat, sondern weil die chinesische Regierung einen Riegel vorschob. Dort sah man in vielen kostspieligen Übernahmen eher den Versuch, auf diese Art chinesisches Geld außer Landes zu bringen und so kam der Yuan immer stärker unter Druck. Strategische Übernahmen sind hingegen auch weiterhin gewünscht.

Von dieser Seite aus wird also der Kaufdruck nachlassen und sich damit auch die überzogenen Preisvorstellungen der verkaufswilligen Mittelständler. Und das ist gut für Beteiligungsgesellschaften und Finanzinvestoren, denn auch bei ihnen liegt der Gewinn im Einkauf. Und viele Mittelständler sind auf einen Verkauf angewiesen aufgrund ungesicherter Unternehmensnachfolge. Der Mittelstand ist das Rückgrat der deutschen Wirtschaft ist und stellt rund 90 Prozent aller Arbeitsplätze. Daher sind ungesicherte Unternehmensnachfolgen nicht nur für den jeweiligen Betrieb alleine ein Problem, sondern auch für die Mitarbeiter und unsere Volkswirtschaft als Ganzes. Hier kommen Beteiligungsgesellschaften ins Spiel, denn sie bieten nicht nur Eigen- und/oder Fremdkapital für die Expansion an, sondern auch die Sicherung des Lebenswerkes in Form eine Fortführung als Unternehmen in einem größeren Beteiligungsportfolio.

Vor einigen Jahren reichte es also noch aus, ein Unternehmen zu kaufen und auf einen allgemeinen Aufschwung des Marktes zu setzen, um mit Profit wieder aussteigen zu können. Doch heute sind die Anforderungen gewachsen und nicht selten müssen die Beteiligungsgesellschaften ihre neuen Töchter erst noch aufwändig hochpäppeln, um ihre Potenziale zu bergen. Durch Add-on-Käufe, durch Sanierungen und Umstrukturierungen. Das nimmt Zeit und Geld in Anspruch und nicht immer führen die Anstrengungen zum gewünschten Ergebnis: dem gewinnträchtigen Verkauf. Daher reicht es auch für Anleger nicht (mehr), einfach irgendeine der vielen an deutschen Börsen notierten Beteiligungsgesellschaften zu kaufen, sondern er muss schon die richtigen erwischen, um selbst an den großen Chancen dieser Branche teilhaben zu können. Wir schauen uns daher mal eine Reihe von möglichen Kandidaten kurz an. Dabei lassen wir Frühphasenentwickler ("Venture Capital") wie die mic oder German Startups Group oder Rocket Internet außen vor, sowie auch reine Investmentgesellschaften, die in Aktien börsennotierten Unternehmen investieren, wie die Allerthal-Werke AG, die Scherzer & Co. AG oder die Shareholder Value Beteiligungen AG. Und wir verabschieden uns von der DEWB und von Greiffenberger, die ihre Geschäfte kolossal an die Wand gefahren haben und daher kein Investment mehr wert sind, sondern allenfalls noch für hartgesottene Zocker infrage kommen. Weder Greiffenberger noch mic noch DEWB hatte ich positiv eingeschätzt und fühle mich hier durch die Entwicklungen (leider) bestätigt.


Aurelius Equity Opportunities SE & Co KGaA
 Aurelius (Quelle: finanzen.net) 
Aurelius ist einer der erfolgreichsten Finanzinvestoren, denn man hat seit der Gründung der Gesellschaft im Jahr 2006 das eingesetzte Kapital im Schnitt bei jedem Deal mehr als verneunfacht. Inzwischen weist Aurelius eine Marktkapitalisierung von fast €1,9 Mrd. auf und der Umsatz der Tochterunternehmen liegt bei knapp €3 Mrd. Es wurden in den letzten Wochen einige Portfoliounternehmen gewinntreibend veräußert (zuletzt der Consultingbereich der Tochter brightONE in den Niederlanden)und es steht noch der Abschluss der größten Transaktion an, der Übernahme der Home Office Europe mit einem Jahresumsatz von rund €2 Mrd. Damit ist Aurelius seinem mittelfristigen Ziel von €5 Mrd. Konzernumsatz schon sehr nahe gekommen und die Vorlage der neuesten NAV-Berechnung inkl. der Home Depot-Beteiligung darf mit Spannung erwartet werden.

Aurelius ist seit Jahren erfolgreich unterwegs und übernimmt überwiegend Restrukturierungsfälle, bei denen es eine Bargain Purchase erhält, also eine Mitgift. Und man kauft Randbereiche großer Konzerne. Aber auch weitere Exits stehen an; so ist man auf der Suche nach einem Käufer für Secop und auch bei Getronics streckt man die Fühler aus. Berentzen und Publicitas hat man ja gerade erst gut veräußern können.

Aurelius ist einer der Top-Picks im Beteiligungssektor und langfristig orientierte Anleger bleiben investiert und nutzen jeden Kursrücksetzer konsequent zum Aufstocken ihrer Position. Das Aktienrückkaufprogramm von bis zu €52 Mio. dürfte den Kurs zusätzlich stützen, während das erfolgreiche operative Geschäft den Kurs weiter beflügeln sollte.

Marktkap.Kurs 10.12.16Kurs 22.12.15+/- inkl. Div.EPS 2016eEPS 2017eKGV 2017eDiv. 2016eDiv.-Rendite
1,86 Mrd.€58,50€47,00€29,7%3,90€2,89€202,00€3,4%


Bavaria Industries
 Bavaria Industries (Quelle: finanzen.net) 
Bavaria Industries ist eine börsennotierte Industrieholding, die mittelständischen Unternehmen übernimmt, wenn man bei diesen erhebliches Optimierungspotenzial ausgemacht hat. Oftmals handelt es sich hierbei um Restrukturierungsfälle, auch im europäischen Ausland. Die Bilanz von Bavaria sieht sehr konservativ aus und weist nur die Beteiligungen auf, die auch operativ zum Konzern beitragen. Was noch nicht mindestens ein Jahr im Konzern ist oder was Verluste schreibt, taucht nicht auf, so dass im Fall einer Veräußerung einer Beteiligung ein sehr großer Einmalertrag auf die Aktionäre wartet. So wie beim jetzt angekündigten Verkauf der größten Beteiligung Tristone.

In der Bavaria-Bilanz wird der Verkauf tiefe Spuren hinterlassen, denn Tristone war die mit Abstand größte Beteiligung der Münchner. Zum Halbjahr dürfte Tristone mit rund €140 Mio. in der Bavaria-Bilanz angesetzt gewesen sein, so dass Tristone bei einem Preis von €170 Mio. mit einem Aufschlag von 21% bzw. €30 Mio. über dem bisherigen Wertansatz verkauft wurde. Bezogen auf die Anzahl der ausstehenden rund 5,35 Mio. Aktien bedeutet dies, dass alleine dieser Verkauf etwa €5,6 je Aktie zusätzlich in die Bavaria-Kassen spült. Die nach dem Tristone-Verkauf verbleibenden Beteiligungen machen noch immer etwa €500 Mio. Jahresumsatz und liquide Mittel inkl. der Aktienanlagen werden von Bavaria mit rund €200 Mio. angegeben. Rechnen wir nun einfach mal diese liquiden Mittel und den Verkaufserlös für Tristone zusammen, kommen wir auf €370 Mio. Bezogen auf die Anzahl der 5,35 Mio. Bavaria-Aktien ergibt sich dann ein Betrag von gut €69 je Aktie. Kauft man also heute die Aktien, bezahlt man 15% weniger als an Cash vorhanden ist. Gratis on Top erhält man das operative Geschäft mit €500 Mio. Umsatz. Den aktuellen NAV von Bavaria kann man also getrost bei über €80 ansiedeln.

Bavaria konnte seit dem Börsengang 2006 das Eigenkapital um durchschnittliche 20 Prozent pro Jahr steigern und wird vom Vorstand wie eine eigene private Vermögensverwaltung geführt. Der Vorstand hat gut 90 Prozent seines eigenen Vermögens in der Bavaria konzentriert und daher großes Interesse daran, den Wert der Bavaria weiter zu steigern.

Abzüge in der B-Note gibt es für die äußerst sparsame Unternehmenskommunikation, hier ist kein Vergleich zu Aurelius oder der Deutschen Beteiligungs AG, und dann für den geringen Streubesitz. Nur eine geringe Menge an Aktien sind noch auf dem freien Markt und es besteht immer wieder mal die Befürchtung, der Gründer und Chef von Bavaria könnte irgendwann einmal ein Delisting anstreben. Ernsthafte Absichten in dieser Richtung gibt es bisher allerdings nicht.

Und dann wäre da noch die Frage, was Bavaria nun mit dem vielen Geld anstellen will. Zuletzt tat man sich schwer, noch geeignete Targets für Unternehmenszukäufe zu finden und hat damit begonnen, das Cash in große, börsennotierte Aktienbeteiligungen zu stecken, allen voran Warren Buffetts Berkshire Hathaway. Das ist natürlich nicht Sinn und Zweck einer Unternehmung wie Bavaria mit Fokus auf Sanierungssituationen, aber es ist besser, als das Geld auf dem Konto liegen zu lassen, wo es kaum Erträge abwirft. Vielleicht sehen wir auch bei Bavaria bald eine Kapitalherabsetzung, um so Gelder aktionärsfreundlich (und steuerunschädlich) an die Aktionäre auszuschütten. Oder ganz klassisch könnte es auch zur Aufnahme von Dividendenzahlungen kommen.

Bavaria dürfte eine der günstigsten Beteiligungsgesellschaften auf dem deutschen Kurszettel sein, denn ihre Bilanz enthält eine Menge an stillen Reserven, die erst bei erfolgreichen Exits zu richtig zur Geltung kommen. Wer geduldig ist, ohne stetige Neuigkeiten aus dem Unternehmen klarkommt und sich auch von der Marktenge sowie immer mal wieder aufkommenden Delisting-Spekulationen nicht abschrecken lässt, für den dürfte Bavaria eine interessante Depotbeimischung sein mit der Aussicht darauf, die in der Bilanz versteckten Werte sukzessive zu heben. Der rund 25-prozentige Abschlag auf den NAV sollte dabei als Sicherheitsmarge und Kursabsicherung nach unten wirken, so dass sich ein ausgezeichnetes Chance-Risiko-Verhältnis darbietet. Ein wahres Benjamin-Graham-Schnäppchen eben.

Marktkap.Kurs 10.12.16Kurs 22.12.15+/- inkl. Div.EPS 2016eEPS 2017eKGV 2017eDiv. 2016eDiv.-Rendite
320 Mio.€60,00€45,00€33,3%---------0,00€0,0%


Blue Cap
 Blue Cap (Quelle: finanzent.net) 
Die Beteiligungsgesellschaft Blue Cap investiert überwiegend in süddeutsche mittelständische Nischenunternehmen und konzentriert sich dabei auf operativ tätige technologiegetriebene Gesellschaften mit bestehendem profitablem Kerngeschäft, die sich in Umbruch- oder Sondersituationen befinden. Im Klartext investiert man in sanierungsbedürftige oder insolvente Unternehmen, Konzernausgliederungen und in Gesellschaften mit ungelöster Unternehmensnachfolge. Die Tochterunternehmen werden eigenständig und unternehmerisch geführt.

Blue Cap hat im ersten Halbjahr 2016 den Konzernumsatz gegenüber dem Vorjahr um 7,2% gesteigert bei Umsatzerlöse von €42,9 Mio. und somit €2,9 Mio. mehr als im Vorjahreszeitraum (€40,0 Mio.). Das Konzernergebnis vor Steuern konnte von €1,5 Mio. auf €1,9 Mio. erhöht werden, das EBITDA betrug im ersten Halbjahr 2016 €3,5 Mio. (€3,0. Mio.), das EBIT €2,4 Mio. (€1,8 Mio.). Die Ergebnissteigerung im ersten Halbjahr 2016 konnte erzielt werden, da eine Reihe von Reorganisationsmaßnahmen erfolgreich abgeschlossen wurde und sich die Profitabilität in den Beteiligungsgesellschaften, insbesondere in den Sparten Klebstofftechnik und Medizintechnik, verbessert hat. Die Erhöhung der Ertragskraft ist gelungen, obwohl Restrukturierungsaufwendungen bei der jüngst erworbenen Beteiligung Carl Schaefer und Entwicklungsaufwendungen bei der WISAP GmbH angefallen sind. Bei einer Bilanzsumme von €66,0 Mio. (€63,7 Mio.) beläuft sich das Eigenkapital auf €21,0 Mio. (€19,8 Mio.) und hat damit einen Anteil von 31,9% am Gesamtkapital. Die Investitionen betrugen im ersten Halbjahr 2016 €3,7 Mio. und Blue Cap verfügt zum 30. Juni 2016 über Liquiditätsreserven in Höhe von insgesamt €17,3 Mio, auch Dank der Aufnahme eines Schuldscheindarlehens.

Ein besonderer Wachstumstreiber wird nun jedoch die Übernahme der Vermögensgegenstände der Neschen AG sowie deren operativ tätigen Filmolux-Tochtergesellschaften aus der Insolvenz heraus.„Mit der Akquisition von Neschen ist es uns gelungen, den Klebstoffbereich in unserer Gruppe weiter auszubauen. Neben den positiven Effekten zu unseren bestehenden Unternehmen können wir uns damit in neuen und wachstumsrelevanten Geschäftsfeldern der Klebstoffverarbeitung platzieren“, sagte CEO-Schubert. Dabei dürfte helfen, dass die Neschen bereits seit mehreren Jahren mit den beiden Blue Cap-Töchtern Planatol und Biolink zusammenarbeitet und man sich daher bestens kennt.

Bei Vorlage der Halbjahreszahlen bestätigte Schubert die Planungen, wonach im Jahr 2016 ein Umsatz der Gruppe von €100 Mio. erreicht werden soll - ohne Einbeziehung der Neschen-Akquisition. Die kommt dann noch on Top und wird in 2017 weitere rund €50 Mio. zum Umsatz beisteuern. Der wirtschaftliche Übergang des Geschäftsbetriebes von Neschen ist rückwirkend zum 01.07.2016 auf die Blue Cap-Tochter Neschen Coating GmbH erfolgt. Mit anderen Worten: im Geschäftsbericht für das 2016 wird Neschen bereits zu 50% enthalten sein und damit die zu erwartenden positiven Auswirkungen auf Umsatz und Ergebnis. Für 2017 steht dann ein weiterer Sprung an, denn dann steuert Neschen volle 12 Monate bei.

Das Geschäftsmodell von Blue Cap ist nicht ganz risikolos, aber wenn die Neupositionierung der günstig erworbenen Töchter gelingt, winken hohe Gewinne, denn Blue Cap bilanziert, wie Bavaria Industries auch, strikt nach HGB. Und das bedeutet, dass die neu erworbenen Unternehmen zumeist mit ihrem geringen Anschaffungspreis in den Büchern stehen und sich bei ihrer unternehmerischen Gesundung so hohe stille Reserven in der Blue Cap-Bilanz aufbauen. Dabei ist auch zu beachten, dass Blue Cap jeweils den Grundbesitz und die Immobilien seiner Tochtergesellschaften mit erwirbt. So stehen der ggü. der Börsenkapitalisierung von €34 Mio. optisch hohen Verschuldung von rund €35 Mio. eigene Immobilien gegenüber, die Blue Cap auf einen aktuellen Marktwert von €30 Mio. bis €35 Mio. beziffert. In der Bilanz dürften diese mit etwa €20 Mio. ausgewiesen werden; vor den beiden letzten Zukäufen waren es noch gut €17 Mio. Der Verschuldungsgrad ist also kein Grund für schlaflose Nächte.

Blue Cap dürfte vor einer Neubewertung stehen, wenn die Auswirkungen der Neschen-Übernahme in den nächsten Geschäftszahlen erstmals Spuren hinterlassen. Der Kurs sollte dann zügig in zweistellige Regionen vordringen. Zusätzliches Interesse könnte entstehen, wenn Blue Cap wirklich bereits für das Geschäftsjahr 2016 mit der Zahlung einer Dividende beginnen würde.

Marktkap.Kurs 10.12.16Kurs 22.12.15+/- inkl. Div.EPS 2016eEPS 2017eKGV 2017eDiv. 2016eDiv.-Rendite
33,7 Mio.€8,50€5,85€45,3%0,50€0,66€13,20,00€0,0%


Deutsche Beteiligung (DBAG)
 DBAG (Quelle: finanzen.net) 
Die DBAG ist eine der ältesten deutschen Beteiligungsgesellschaften, bei der mit knapp 20 Prozent die Drogeriefamilie Rossmann mit an Bord ist. Das SDAX-Mitglied ist weniger auf Sanierung und Exit seiner Töchter aus, sondern mehr auf Bestandsauf- und ausbau. Der Geschäftsansatz der DBAG zielt dabei auf den Kauf von gut eingeführten mittelständischen Unternehmen, die erfolgreich am Markt unterwegs sind. Sanierungsfälle übernimmt sie nicht.

Daneben hat man vor einigen Jahren Beteiligungsfonds aufgelegt (ganz klassisch wie auch US-Finanzinvestoren das ihrer Klientel anbieten), in die Investoren Geld einbringen können, ohne sich direkt an der DBAG AG beteiligen zu müssen. Die DBAG übernimmt an diesen Fonds auch selbst Anteile bzw. tritt bei Investment der Fonds als Co-Investor auf. Zusätzlich erhält sie von den Fonds noch Management Fees.

Die durchschnittliche Haltedauer für Investments der DBAG im eigenen Portfolio liegt bei fünf Jahren und von den aktuell rund 25 Beteiligungen sind rund ein Viertel schon vier und mehr Jahre dabei. Und somit reif für einen Exit, bei dem die DBAG ihr selbst eingesetztes Kapital durchschnittlich verdreifacht. Für ihre Aktionäre hat sie so über die letzten 15 Jahre betrachtet 15,2% und über die letzten 10 Jahre immerhin noch 13% an durchschnittlich Erträgen erwirtschaftet.

2014 war ein Ausnahmejahr durch den Verkauf der mit Abstand größten Beteiligung Homag AG und des daraus resultierenden Rekordgewinns (sowie entsprechender Rekorddividende). So ein Ausnahme-Deal ist in dieser Größe nicht wieder zu erwarten, aber das viele Geld wird sukzessive in neuen Unternehmen investiert, daher dürften Umsatz und Gewinne kräftig ansteigen.

Da das Geschäftsjahr der DBAG bereits zum 30. September endet, konnte man bereits Zahlen präsentieren, wenn diese auch noch ungeprüft sind. Entgegen der bisherigen Prognosen, wonach ein um mindestens 20% über dem Vorjahresergebnis von €27 Mio. liegendes Ergebnis in Höhe von €40 Mio. angepeilt war, zeichnet sich nun ein noch deutlich erfolgreicheres Bild. Denn nun wird das Ergebnis zwischen €48 Mio. und €52 Mio. landen und damit noch einmal um 20 Prozent über den vorherigen Prognosen. Damit wird die DBAG im abgelaufenen Geschäftsjahr annähernd eine Gewinnverdopplung verbuchen können. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die DBAG nach IFRS bilanziert (anders als Bavaria oder Blue Cap) und somit die Beteiligungen zum aktuellen Wertansatz auch in die GuV mit einfließen.

Und das neue Geschäftsjahr ist gleich hervorragend losgegangen. Nicht nur, dass die Börsenhausse die Bewertungen der DBAG hochtreibt und somit auch für das erste Geschäftsquartal wieder hervorragende Ergebnisse zu erwarten sind, es konnte auch ein überaus lukrativer Verkauf gemeldet werden. Denn Tesla schnappte sich die Grohman Engineering GmbH und spülte der DBAG so einen weiteren Millionengewinn in die Kassen. Über den Kaufpreis haben die Vertragsparteien zwar Stillschweigen vereinbart, allerdings realisierte die DBAG einen Preis, der den jüngsten Wertansatz der Beteiligung übersteigt und somit im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2016/2017 zu einem positiven Wertbeitrag in mittlerer einstelliger Millionenhöhe führen wird.

Das viele verfügbare Geld wird wieder aussichtsreich investiert. So beteiligt man sich an der Dieter Braun GmbH, einem Spezialisten und Lösungsanbieter für Kabelkonfektion und Beleuchtungstechnik in der Automobilindustrie. Im Rahmen eines Management-Buy-outs (MBO) wird der von der DBAG beratene DBAG Fund VI die Mehrheit der Anteile an Braun übernehmen und die DBAG wird für ihre Co-Investition bis zu €5,9 Mio. aus ihrer Bilanz investieren. Somit entfallen auf sie künftig durchgerechnet 13,1% der Anteile an Braun. Weitere Anteile neben dem DBAG Fund VI wird auch künftig das Management des Unternehmens halten. Braun wird die elfte Beteiligung des DBAG Fund VI, der nach dieser Transaktion zu rund 86% investiert ist. Der Aufbau des Portfolios für diesen Fonds ist damit knapp vier Jahre nach dem Beginn der Investmentperiode abgeschlossen. Es stehen noch ausreichend Mittel bereit, um die vereinbarten Wachstumsstrategien der Portfoliounternehmen auch über Unternehmenszukäufe zu begleiten.

Damit beginnt jetzt die Investitionsperiode des DBAG Fund VII, der im September 2016 mit einem Volumen von €1,01 Mrd. geschlossen worden war. Damit vergrößert sich künftig die Basis für die Erträge aus der Fondsberatung. Zugleich sind höhere Co-Investitionen an der Seite des Fonds vorgesehen; der Eigenanteil der DBAG wird knapp €200 Mio. betragen und somit rund ein Fünftel des Fondsvolumens. Die im September eingeworbenen Gelder aus der Kapitalerhöhung sind also bereits verplant und werden nicht lange auf dem Girokonto zinslos vor sich hin darben.

Die Deutsche Beteiligungs AG ist seit Jahrzehnten erfolgreich am Markt unterwegs. Ihre Ausrichtung als Asset-Manager, der Beteiligungs-Fonds auflegt und sich an diesen über Co-Investments auch selbst beteiligt, funktioniert hervorragend. Dabei ist das Risiko begrenzt, während die breite Diversifikation im DBAG-Portfolio die Aktie zu einem "Best-of-Deutscher-Mittelstand-Investment" macht. Die vorgelegten Ergebnisse zeigen, welches Potenzial im DBAG-Ansatz steckt - und damit in der Aktie. Eine weitere Mittelstandsperle, die mittel- und langfristig überdurchschnittliches Wertsteigerungspotenzial aufweist.

Marktkap.Kurs 10.12.16Kurs 22.12.15+/- inkl. Div.EPS 2016eEPS 2017eKGV 2017eDiv. 2016eDiv.-Rendite
470 Mio.€31,00€28,15€13,6%3,32€3,31€9,41,10€3,5%


GBK Beteiligungen
 GBK Beteiligungen (Quelle: finanzen.net) 
GBK Beteiligungen ist ein marktenger Small-Cap, von dem nur wenige Stücke um und zwar im Freiverkehr. Das Unternehmen investiert seit seiner Gründung im Jahr 1969 in nicht-börsennotierte kleine und mittelgroße Unternehmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zum GBK-Portfolio zählen aktuell rund 30 mittelständische Beteiligungen, an denen man sich vielfach als Co-Investor offen und/oder mit mezzaninen Finanzierungsmitteln beteiligt hat. Hierzu gehören Unternehmen der Automobilindustrie, der Elektrotechnik, der Chemie, des Transports und der Logistik, des Maschinen- und Anlagenbaus, des Handels und E-Commerce und des Dienstleistungssektors.

Das Eigenkapital je Aktie wird von GBK per Ende 2015 mit €9,75 ausgewiesen, während der Aktienkurs so um die €10 notiert. Klingt jetzt nicht nach großer Unterbewertung, allerdings wurde zwischenzeitlich ja auch die Dividenden von €0,70 ausgekehrt. Dividenden und Kurszuwächse zusammen haben GBK Beteiligungen über die letzten Jahre zu einem leisen, langweiligen, aber eben auch einträglichen Investment werden lassen. Darüber hinaus bietet die Bilanzierung nach HGB auch reichlich Platz für stille Reserven, die erst bei Veräußerung einer Beteiligung realisiert werden. Da die GBK bei der BaFin als "AIF-Kapitalverwaltungsgesellschaft" gem. KAGB registriert ist, findet sich in der GuV ein "nicht realisiertes Ergebnis", bestehend aus den Zeitwertänderungen des Geschäftsjahres. Hier werden für Beteiligungsengagements die jeweiligen Verkehrswerte zum Bilanzstichtag angesetzt und da die Beteiligungen der GBK nicht börsennotiert sind, muss GBK hier eine möglichst genau Schätzung der jeweiligen Unternehmenswerte zum Bilanzstichtag (31.12.) vornehmen. Beim "nicht realisierten Ergebnis" kann man also sehen, welche Gewinne GBK künftig einstreichen dürfte, wenn eine Beteiligung veräußert wird.

Und GBK hat durchaus interessante Pfeile im Köcher. Während man zwar über die hohen Bewertungen im Einkauf stöhnt und hier eher zurückhaltend agiert, gelingen eben in dieser Phase gewinnträchtige Exits. So wurden im zweiten Quartal die Beteiligungen an der IS Inkasso GmbH und der Mackprang/Schlemmer Gruppe veräußert, die zusammen gut €7 Mio. an Gewinnrealisierung einbringen. Und die Veräußerung der Anteile an der Raith GmbH sollte noch im vierten Quartal 2016 kartellrechtlich genehmigt werden und noch in diesem jahr für Freude sorgen. Denn an dem Entwickler und Hersteller von Nanolithografiesystemen hatte sich GBK im Jahr 2003 mit 17,6% beteiligt und wird einen positiven Ergebnisbeitrag für das Geschäftsjahr 2016 einstreichen. Der Veräußerungserlös überschreitet nach Abzug von Nebenkosten den Zeitwert, der der Beteiligung im Jahresabschluss zum 31.12.2015 beigemessen wurde, um rund €1,4 Mio. und es wird ein Veräußerungsgewinn nach KAGB in Höhe von rund €6,9 Mio. realisiert. Zum Vergleich: in 2015 lag der gesamte Jahresüberschuss der GBK AG bei €1,2 Mio.

Die hohen Sonderdividenden erklären sich daraus, dass GBK nicht immer alle Sondergewinne sofort ausschüttet, sondern Teile hiervon auf das/die nächsten/n Jahr/e vorträgt, um eine gewisse Glättung der Dividenden zu erreichen. Sehr lesenswert sind die kurz und knackig gehaltenen Aktionärsbriefe, die ich jedem zur Lektüre empfehle, der sich ggf. die Aktien von GBK mal näher anschauen möchte. Der jüngste Aktionärsbrief betrifft das dritte Quartal 2016 und gibt eine Übersicht über einige Entwicklungen im Portfolio. Des Weiteren sollte man sich die Website des Unternehmens anschauen, dort findet man nicht viele Informationen, aber dafür um so wissenswertere.

GBK Beteiligungen ist ein Nischenwert mit allen Vor- und Nachteilen eines so kleinen Unternehmens, insbesondere der eingeschränkten Handelbarkeit der Aktie und die seltene Berichterstattung in den Medien. Wen das nicht schreckt und wer auf hohe Dividendenausschüttungen aus ist, der findet bei GBK Beteiligungen eine interessante Möglichkeit von Investments in kleine und mittlere Unternehmen des deutschen Mittelstands profitieren zu können.

Marktkap.Kurs 10.12.16Kurs 22.12.15+/- inkl. Div.EPS 2016eEPS 2017eKGV 2017eDiv. 2016eDiv.-Rendite
67,5 Mio.€10,00€8,80€21,6%0,94€0,71€14,10,30€3,0%


Gesco
 Gesco (Quelle: finanzen.net) 
Gesco ist eine Beteiligungsholding für den deutschen Mittelstand, die ihre Töchter langfristig hält und ausbaut. Schwerpunkt bilden bei ihr die Bereiche Werkzeug- und Maschinenbau sowie Kunststofftechnik und derzeit gehören 17 Unternehmen zur Gruppe, die überwiegend im Süden und Westen der Republik beheimatet sind. Allerdings läuft Gesco seit Längerem seinen erfolgreichen Zeiten hinterher und schon seit einigen Jahren hat man mit zunehmendem Gegenwind zu kämpfen. So musste man auch im laufenden Jahr mehrmals die Gewinnschätzungen zurücknehmen und hat in mehreren Tochterunternehmen anhaltende Probleme. Besserung ist nicht in Sicht, nur die Hoffnung darauf.

Ich hatte bereits vor einem Jahr aus diesen Gründen Gesco als deutlich weniger chancenreich eingestuft als die Wettbewerber und nachdem Gesco bereits seinen Platz im Nebenwerte-Index SDAX räumen musste, kam der Kurs auch nicht voran. Gesco ist mit sich selbst beschäftigt und bietet kein aussichtsreiches Chance-Risiko-Verhältnis. Der Kurs hinkt zurecht der Peergroup hinterher.

Marktkap.Kurs 10.12.16Kurs 22.12.15+/- inkl. Div.EPS 2016eEPS 2017eKGV 2017eDiv. 2016eDiv.-Rendite
224 Mio.€67,75€71,00€-1,8%4,85€3,64€18,62,00€3,0%


Indus Holding
 Indus Holding (Quelle: finanzen.net) 
Die Indus Holding AG ist eine deutsche Industrieholding, die sich langfristig an Firmen des deutschen Mittelstandes beteiligt und inzwischen Beteiligungen an über 40 Firmen hält. Indus investiert in sogenannte Hidden Champions, die in interessanten Nischenmärkten aktiv und innerhalb ihrer jeweiligen Märkte führend sind. Die Unternehmen operieren eigenständig und Indus konzentriert die eigenen Aufgaben auf Controlling, Rechnungswesen und Finanzierung. Dabei ist der Indus-Konzern in fünf Sparten tätig: Bau und Infrastruktur, Fahrzeugtechnik, Maschinen- und Anlagebau, Medizin und Gesundheitstechnik und Metalltechnik. Also genau den Wirtschaftsbereichen, in denen der deutsche Mittelstand sich über Jahrzehnte hinweg eine weltweite Führungsrolle erarbeitet hat. Dabei legt sich Indus nicht auf Deutschland fest, sondern begleitet seine Unternehmen auch bis mit nach Asien, um sich dort Zukunftsmärkte zu erschließen. Die langfristige Ausrichtung des Unternehmens zeigt sich auch daran, dass man bei Indus nicht von Quartal zu Quartal denkt, sondern in mehrjährigen Zyklen. So wird den Tochterunternehmen die Zeit gegeben, sich solide zu entwickeln und sich bietende Chancen auch wahrnehmen zu können, ohne vierteljährig Erfolge vorweisen zu müssen.

Indus verfolgt das Ziel, eine EBIT-Marge von mindestens 10 Prozent zu erwirtschaften und aktuell liegt man mit 10,5 Prozent sehr gut im Plan. Indus ist vor allem an der Weiterentwicklung ihrer Beteiligungen interessiert und nutzt den derart steigenden Cashflow, um damit weitere Beteiligungen übernehmen zu können. Dabei schüttet Indus bisher rund 42% der Gewinne als Dividende aus, kann sich allerdings auch vorstellen, ein Teil dieser Gelder lieber in Zukäufe zu stecken, anstatt die Dividende anzuheben.

Wo sich Chancen bieten, entstehen auch Risiken und ein so breit aufgestellter Konzern wie Indus hat natürlich auch Problemzonen. So ist der VW-Skandal nicht spurlos an Indus vorübergegangen, denn die Indus-Gruppe erzielt 7% ihres Umsatzes mit dem VW-Konzern. Insofern sind die erstaunlich robusten Absatzzahlen der VW-Marken durchaus beruhigend für Indus-Aktionäre. Des Weiteren haben das schwache Russland-Geschäft und der starke Schweizer Franken das Ergebnis im letzten Jahr belastet – ein mögliches Ende der Russland-Sanktionen steht dem als zusätzliche Chance gegenüber. Und auch die Schwellenländer weisen derzeit eher eine verhaltene Dynamik auf, die bei einer Aufhellung der globalen Konjunktur schnell an Fahrt gewinnen könnte.

Indus ist eine klassische Mittelstandsholding und eignet sich hervorragend, um auf breiter Basis in den Deutschen Mittelstand zu investieren.

Marktkap.Kurs 10.12.16Kurs 22.12.15+/- inkl. Div.EPS 2016eEPS 2017eKGV 2017eDiv. 2016eDiv.-Rendite
1,29 Mrd.€58,25€52,25€13,8%3,07€3,26€17,91,30€2,2%


MAX Automation
 MAX Automation (Quelle: finanzen.net) 
Die MAX Automation AG ist eine international agierende Beteiligungsgruppe mit den Kernsegmenten Umwelttechnik und Industrieautomation. Sie verfügt über 6 Beteiligungsunternehmen, von denen nach dem Verkauf der altmayerBTD nur noch Vecoplan dem Bereich Umwelttechnik zuzuordnen ist. Das in der Vergangenheit eher als margenschwach einzustufende Unternehmen entwickelt sich unter der neuen Führung und dem neuen Großaktionär immer besser, denn der Vorstand hat das erklärte Ziel, die Margen deutlich zu verbessern. Dies soll auch gelingen, indem man "Verbundeffekte" zwischen den einzelnen Tochterunternehmen besser nutzt, zum Beispiel durch einen gemeinsamen Einkauf.

Die Unsicherheit über die weitere Entwicklung in China und hier insbesondere des Automobilsektors haben den Aktienkurs an der kurzen Leine gehalten. Hinzu kam zuletzt eine Gewinnwarnung, da bei Vecoplan der Wurm drin ist. In den anderen Bereichen läuft alles ganz nach Plan. Der Auftragsbestand im Konzern erreichte per 30. September 2016 ein Zuwachs von 24,6 % ggü. dem Vorjahresvergleichswert das Rekordniveau von €197,3 Mio. Alleine der Konzernbereich Industrieautomation steuerte einen Zuwachs von 51,7% zum neuen Auftragsbestand von €177,6 Mio. bei. Meine Einschätzung Kritiker der neuen Konzernstruktur, wie ich selbst auch, dürften sich bestätigt fühlen.

Spätestens nach dem Verkauf der altmayerBTD stand die Vecoplan alleine im MAX-Konzern. Auch wenn sie eine wesentliche Beteiligung darstellt, weist sie doch mit den anderen Unternehmensbereichen keinerlei Synergien auf. Daher haben viele Marktteilnehmer die Hoffnung auf einen Verkauf dieser Sparte gesetzt, und zwar zu einem Zeitpunkt, als Vecoplan noch nicht derart in Schieflage geraten war. In der aktuellen Situation dürfte es schwierig werden, die Tochter wieder auf Kurs zu bringen und/oder geeignete neue Eltern für sie zu finden - jedenfalls zu einem halbwegs akzeptablen Preis. Trotzdem halte ich dies weiterhin für den richtigen Schritt für die MAX Automation.

Auch wenn sich die Aktie momentan von ihrem rüden Einbruch erholt, ist die Unsicherheit bzgl. der Aussichten der größten Tochter Vecoplan weiter groß. Die ganze MAX Automation-Gruppe wird hierdurch gehemmt und solange dies bezüglich keine Besserung oder am besten eine Lösung ansteht, dürfte sich dies auch nicht so schnell ändern. MAX Automation schätze ich daher als Halteposition ein, mehr nicht.

Marktkap.Kurs 10.12.16Kurs 22.12.15+/- inkl. Div.EPS 2016eEPS 2017eKGV 2017eDiv. 2016eDiv.-Rendite
157 Mio.€5,80€5,50€8,2%0,40€0,51€11,40,15€2,60%


MBB SE
 MBB SE (Quelle: finanzen.net) 
Die Beteiligungsgesellschaft MBB habe ich bereits vor einigen Jahren aufgrund ihrer steigenden Substanz- und Ertragskraft auf meine Empfehlungsliste genommen. MBB setzt nach eigenen Angaben auf "Wachstum durch den Kauf neuer Unternehmen und die Wertsteigerung der bestehenden Beteiligungen" und ihr Beteiligungsportfolio ist entsprechend bodenständig ausgerichtet. Neben Hanke Tissue, einem führenden Hersteller bedruckter Servietten, finden sich dort derzeit unter anderem die auf das Cloud-Computing spezialisierte DTS Systeme GmbH sowie der ebenfalls börsennotierte Holzwerkstoffprofi Delignit und die CT Formpolster GmbH wieder. Hanke Tissue gehört bereits seit 2006 zu MBB und ist im Portfolio eine der profitabelsten Unternehmen. Kein Wunder, dass MBB in die Verdopplung der Produktionskapazitäten bei dem Hersteller von Toilettenpapier, Servietten, Taschentüchern und Küchenrollen investiert hat. Aber auch bei den anderen Töchtern erfolgen Investitionen in den Ausbau des Geschäfts und ab und an kleinere Zukäufe und bei allen laufen die Geschäfte hervorragend.

Die mit Abstand größte Tochter, die MBB Fertigungstechnik, gehört selbst erst seit 2012 zu MBB und verdoppelte damals auf Schlag den Umsatz und erhöhte den Konzerngewinn um deutlich mehr als das Doppelte. Der Aktienkurs stieg in der Folge stark an, um dann für zwei Jahre seitwärts zu tendieren. Doch nun gab es die Übernahme der Aumann Gruppe und diese soll mit der MBB Fertigungstechnik einen Verbund bilden, um Synergien zu heben und die Potenziale von Aumann auf die Straße zu bringen. Der Zukauf bringt eine deutlich höhere EBIT-Marge mit, als die übrigen MBB-Töchter bisher vorweisen können, und entsprechend begeistert zeigte sich MBB-CEO Nesemeier von dem Zuwachs. Doch der Plan ging nicht auf... Die MFT war selbst wieder voll ausgelastet und der starke neue Megatrend E-Mobilität treibt Aumann die Schweißperlen auf die Stirn, so rasant nimmt die Nachfrage zu.

Nun hat MBB den Quartalsfinanzbericht zum 30. September vorgelegt. Dieser bestätigt, was auf dem Frankfurter Eigenkapitalforum bereits angedeutet wurde, nämlich ein starkes und sich beschleunigendes Wachstum des MBB-Konzerns über alle Töchter hinweg. Besonders jedoch im Automotive-Sektor. Bei oberflächlicher Betrachtung alleine des Gewinns je Aktie (EPS), wird dies bereits deutlich. So legte das Neunmonatsergebnis um 25% auf 1,69€ zu (Vorjahr: 1,35€), das Ergebnis des dritten Quartals hingegen bereits um 30% auf 0,60€ (Vorjahr: 0,46€).

Doch es wird noch besser, denn die Beteiligungsgesellschaft konnte mit ihren Plänen für einen möglichen Börsengang der Automotive-Tochter Aumann AG (bestehend aus der Aumann-Gruppe und der MBB Fertigungstechnik) für Furore sorgen. Seitdem kennt der MBB-Kurs kein halten mehr, der Fokus der Börse ist inzwischen voll auf die wachstumsstarke Sparte gelegt. Und das ist kein Wunder, denn MBB wächst hier nicht nur was den Umsatz angeht, sondern darüber hinaus steigert man auch zunehmend die Profitabilität. Momentan kann man sich die lukrativsten Aufträge aussuchen und investiert in weitere Fertigungsanlagen. Aktuell macht der Bereich E-Mobilität bereits 25% der Aumann AG-Umsätze aus - Tendenz stark steigend.

MBB wird weiter investieren müssen, um dem stark steigenden Auftragseingang im Automotive-Sektor Rechnung tragen zu können. Auch deshalb wird die Sparte in der Aumann AG zusammengelegt und über einen eigenen Börsengang nachgedacht. Doch auch die anderen Töchter bereiten allesamt Freude, auch wieder Hanke Tissue, wo man ja vor zwei Jahren die Produktionskapazitäten verdoppelt hatte. MBB präsentiert sich als grundsolide Beteiligungsgesellschaft, die zunehmend Fahrt aufnimmt. Der letzte Zukauf, die Aumann-Gruppe, soll dem Vernehmen nach nur €19 Mio. für einen 75%-Anteil gekostet haben und hat sich als wahrer Glücksgriff erwiesen.

Gut möglich, dass der Aktienkurs nach dem starken Anstieg erst einmal konsolidieren wird. Das starke, profitable, Wachstum wird den Kurs aber ebenso weiter antreiben wie die Konkretisierung der Börsenpläne für die Tochter Aumann AG, durch die der wahre Wert dieses Unternehmens deutlicher sichtbar würde und gehoben werden kann. Die Analysten beginnen gerade erst, den neuen Wert der Aumann AG und ihre Umsatz- und Ergebnisbeiträge in ihre Schätzungen einzubauen und daher dürften wir demnächst so einige Kurszielanhebungen sehen. Der Kurs könnte im nächsten Jahr Anlauf auf die €80 nehmen und noch darüber hinaus, wenn es MBB gelingt, mit dem Wachstum Schritt zu halten. Aumann erzeugt die Spaten für den neuen Goldrausch, die Elektromobilität und der Megatrend beginnt gerade erst, richtig Fahrt aufzunehmen. Darüber hinaus verfügt MBB über hohe liquide Mittel, um bei passender Gelegenheit weitere Zukäufe tätigen zu können. Die Aktie bleibt daher für langfristig orientierte Anleger weiterhin aussichtsreich und eine gute Gelegenheit, vom Megatrend E-Mobilität zu profitieren. Kursrücksetzer unter €60 wären hervorragende Nachkaufgelegenheiten.

Marktkap.Kurs 10.12.16Kurs 22.12.15+/- inkl. Div.EPS 2016eEPS 2017eKGV 2017eDiv. 2016eDiv.-Rendite
446 Mio.€66,50€26,50€153,2%2,18€2,86€23,20,66€1,0%


Mutares
 Mutares (Quelle: finanzen.net) 
Eine Beteiligungsgesellschaft, die Aurelius nachstrebt und nach Kapitalerhöhungen, Aktiensplits und Börsensegmentwechsel sich für Anleger attraktiver gestalten will. Allerdings hat der Hund doch ein paar Flöhe, denn Mutares hat mit einigen Unwägbarkeiten und Problemen zu kämpfen, was der Kursverlauf der letzten Monate unschön nachzeichnet. Im letzten Jahr gab es eine Kapitalerhöhung zu €17,50 und da haben sich die Anleger wohl mehr versprochen. Kaum vorstellbar, dass noch viele Zeichner bei Kursen von €11 ihre Aktien nicht auf den Markt geschmissen haben.

Des Weiteren ist die französische E-Commerce-Tochter Pixmania pleite gegangen, das spricht nicht für ein gutes Näschen, denn die hatte man erst kurze Zeit zuvor erworben. Und dann gibt es ein nicht unbeträchtliches Öl- und Gasrisiko. Denn die größte Tochter EUPEC ist im Bereich Beschichtungen für Pipelines aktiv und die französische Beteiligung BSL stellt Pipelines her. Der gesunkene Ölpreis und die von den Öl-Konzernen drastisch zusammengestrichenen Investitionskosten haben ebenso negative Auswirkungen wie die Zweifel rund um das Pipelineprojekt North Stream 2. Dort hat ein Mitbewerber den Auftrag an Land gezogen und EUPEC kann nun nur auf Sub-Aufträge hoffen - wenn die Pipeline denn überhaupt kommt, denn die westlichen Partner mussten sich au dem Projekt zurückziehen und die russische Gazprom müsste es alleine stemmen. Für 2016 kalkuliert EUPEC mit einem signifikanten Rückgang der Erlöse und einem deutlich niedrigeren operatives Ergebnis als 2015. Und auch bei der seit Anfang 2012 zu Mutares gehörenden GeesinkNorba Group, einem Hersteller von Müllfahrzeugen, ist die Liquiditätslage weiterhin angespannt.

Zum Halbjahr rutschte das EBITDA von €12,9 auf gerade einmal €4,0 Mio. ab und unterm Strich ergab sich sogar ein Fehlbetrag von €7,07 Mio., nachdem in der entsprechende Vorjahresperiode noch ein Überschuss von €1,56 Mio. erzielt werden konnte.

Doch Mutares steuert nun um. Bereits im ersten Halbjahr 2016 hat man kräftig in den Ausbau des Teams und der Infrastruktur investiert und auch sie Strategie wurde angepasst. Anstatt wie bisher Stand-Alone-Restrukturierungsfälle zu akquirieren, will man künftig Cluster bilden und auch durch Synergien und Formierung größerer Einheiten  Werte generieren und heben. Das klingt aussichtsreicher und erfolgversprechender, weil man so beim Exit auch ganz andere Interessenten ansprechen kann, nämlich strategische Investoren, für die das Übernahme-Target dann keine kleine Rand-Ergänzung ist, sondern ggf. ein weiteres Elefanten-Standbein. Und auch geographisch bewegt sich Mutares mit dem Schwerpunkt Frankreich in einem Bereich, den Aurelius oder Bavaria bisher nicht abdecken. Das Ziel, bald 1 Mrd. Umsatz in den Beteiligungsunternehmen zu erzielen, ist jedenfalls schon mal eine markige Ansage, doch es müssen auch Taten folgen.

Im dritten Quartal 2016 konnte der Mutares-Konzern immerhin schon den Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum trotz signifikanter Verkäufe bei €159,3 Mio. nahezu konstant halten (Q3-2015: €163,7 Mio.) und auf ein starkes organisches Umsatzwachstum der Beteiligungen STS Acoustics, Elastomer Solutions und Geesinknorba verweisen. Das operative Ergebnis (EBITDA) belief sich im dritten Quartal auf €4,2 Mio. (Q3-2015: €6,3 Mio.) und wurde von signifikanten Ergebnisverbesserungen bei STS Acoustics, Elastomer Solutions, A+F und Zanders getragen.

Und Mutares gibt weiter Gas... Artmadis, ein Mutares-Portfoliounternehmen ist der führende Großhändler für Haushaltswaren in Frankreich. Nach der erfolgreichen Übernahme des belgischen Großhändlers Verbeelen hat Artmadis zwei weitere Unternehmenszukäufe getätigt, welche das Post-Merger- Umsatzniveau des Unternehmens auf über €100 Mio. steigern werden. Artmadis ist Frankreichs führendes Großhandelsunternehmen für Gläser, Geschirr und Küchenartikel und beliefert alle großen französischen Handelsunternehmen, sowie Möbelhäuser und Onlinehändler. mutares erwarb das Unternehmen im Jahr 2012 und hat es durch die Einführung eines umfassenden Serviceangebots im Category Management erfolgreich repositioniert. Durch die Akquisition von Verbeelen konnte Artmadis in den belgischen Markt expandieren und Zugang zum attraktiven Segment von Hotels Restaurants und Cafés erhalten.

Als nächstes hat Mutares ein unwiderrufliches Angebot zur Übernahme von zwei französischen Werken der Mecaplast Gruppe abgegeben, die einen Umsatz von €70 Mio. mit der Produktion von Innen- und Außenverkleidungsteilen für leichte und schwere LKW erwirtschaften. Die Akquisition wäre eine ideale Ergänzung für das Mutares-Portfoliounternehmen STS, einem führendem Anbieter von innovativen Lösungen zur Geräusch- und Wärmedämmung, der nahezu alle europäischen LKW- Hersteller von drei Standorten in Italien aus beliefert. In den beiden profitablen Werken der Mecaplast-Gruppe werden 340 Mitarbeiter an den französischen Standorten Izernore und Précigné beschäftigt und ein Umsatz von €70 Mio. generiert. Der Auftragsbestand beträgt €600 Mio. und sichert voraussichtlich die Auslastung über mehrere Jahre. Beide Standorte liegen in direkter Kundennähe und verschaffen STS eine nochmals breitere Kundenbasis. Die Produktion von Innen- und Außenverkleidungsteilen für leichte und schwere LKW ergänzt das bestehende Produktportfolio von STS ideal. Das Unternehmen erwirtschaftete im Jahr 2015 einen Umsatz von ca. €135 Mio. und wird im vierten Quartal 2016 ein neues Werk in Polen in Betrieb nehmen, das durch zwei Großaufträge bereits nahezu ausgelastet ist.

Kurze Zeit später gab Mutares ein unwiderrufliches Angebot zur Übernahme des Nutzfahrzeug-Zuliefergeschäfts der Plastic Omnium Gruppe ab. Das Nutzfahrzeug-Zuliefergeschäft der Plastic Omnium Gruppe verfügt über fünf Werke in Frankreich, zwei Werke in China und jeweils ein Werk in Deutschland und Mexiko mit insgesamt 1.500 Mitarbeitern. Im Jahr 2015 wurde ein Umsatz von €190 Mio. mit Außenverkleidungsteilen für die Kabine von LKW erwirtschaftet. Alle großen europäischen LKW-Hersteller zählen zum Kundenkreis. Die Werke befinden sich in direkter Kundennähe. Zusammen mit STS und der Akquisition der beiden Werke der Mecaplast Gruppe formt mutares einen global führenden Nutzfahrzeugzulieferer für Innen- und Außenteile mit einem Umsatz von €400 Mio. und 2.700 Mitarbeiten in 15 Werken. Die neue Gruppe wird über Standorte in Frankreich, Italien, Deutschland, Polen, China und Mexiko verfügen. Das Produktportfolio ergänzt sich ideal und erlaubt eine Vielzahl an Synergien und Cross-Selling- Möglichkeiten.

Aber auch in anderen Bereichen ist Mutares aktiv und hat mit der amerikanischen SPX Corporation einen Vertrag zur Übernahme des internationalen Anlagenbauunternehmens Balcke-Dürr geschlossen. In 2015 hat das Unternehmen mit 650 Mitarbeitern einen Umsatz von €142 Mio. erzielt und verfügt neben der Firmenzentrale in Düsseldorf über Entwicklungscenter und Produktionsstätten in Deutschland, Italien, Polen, China und Indien. Balcke-Dürr fertigt Komponenten für die Energieeffizienz und die Reduktion von Emissionen für die chemische und energieerzeugende Industrie. und wird Teil von Mutares "Engineering & Technology"-Segment.

Mutares steuert um und kauft kräftig ein, auch wenn die genannten Zukäufe noch unter de Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigungen stehen. Die neue Strategie klingt viel versprechend und auch wenn die nächsten Zahlen bei Mutares noch nicht den großen Ergebnis-Effekt bringen werden, dürften die Zukäufe für neue Energie sorgen - das Ziel von €1 Mrd. Umsatz des Beteiligungs-Portfolios ist jedenfalls in Reichweite. Das dürfte auch dem Aktienkurs analog zum Voranschreiten des operativen Geschäft wieder Leben einhauchen. Ich denke, bei Mutares wird gerade der Grundstein gelegt für eine erfolgreiche Investment-Story à la Bavaria oder Aurelius und daher wage ich den Einstieg, da sich bei einem Aktienkurs von €11 inzwischen ein attraktives Chance/Risiko-Verhältnis für einen geduldigen und risikoorientierten Investor bietet. 

Marktkap.Kurs 10.12.16Kurs 22.12.15+/- inkl. Div.EPS 2016eEPS 2017eKGV 2017eDiv. 2016eDiv.-Rendite
174 Mio.€11,00€16,20€-28,4%-0,07€0,66€16,70,30€2,7%


Ringmetall
 Ringmetall (Quelle: finanzen.net) 
Die inzwischen als Industrieholding agierende Ringmetall AG hat nur noch wenig mit der H.P.I. Holding zu tun, als die sie bis vor kurzem noch firmierte. Und das hat weniger mit der zwischenzeitlichen Namensänderung zu tun, als mit den personellen Veränderungen und dem neuen Schwung, der in die Unternehmensaktivitäten gekommen ist. Aus der bisherigen Beteiligungsgesellschaft wird eine operativ tätige Industrieholding geformt mit dem Schwerpunkt Industrial Packaging und Industrial Handling für Kunden in der chemischen, petrochemischen, pharmazeutischen und lebensmittelverarbeitenden Industrie.

Ende 2014 wurde der Vorstand verstärkt mit Konstantin Winterstein, der zum Vorstand für das operative Geschäft und das technische Beteiligungsmanagement bestellt wurde. Der Diplomingenieur hält einen M.B.A. und war über 15 Jahre für ein deutsches Automobilunternehmen tätig, zuletzt in Führungspositionen im operativen Bereich und im Bereich Zulieferindustrie. Im Anschluss gab es mehrere Kapitalerhöhungen unter Ausschluss des Bezugsrechts der Altaktionäre, wohl auch, um Winterstein eine signifikante Beteiligung zu akzeptablen Einstiegspreisen bei der Ringmetall AG zu ermöglichen. An sich halte ich nicht viel von derartige "Übervorteilungen der Altaktionäre", allerdings liegt es hier durchaus im Interesse, Winterstein auch als Großaktionär mit an Bord zu holen, wo doch die künftige Unternehmensentwicklung stark von ihm abhängen wird.

Mit den frischen Geldern wurden dann vor allem die Aktivitäten von Berger gestärkt durch Zukäufe und Investitionen. Allerdings gab es auch Werksschließungen, um die Effizienz zu steigern. Und dann gab es den Paukenschlag, die lange angekündigte Übernahme in den USA. Man griff über den Teich und kaufte die US-Firma Self Industries, einen Spezialanbieter von Dichtungs- und Verschluss-Systemen mit Sitz in Birmingham, Alabama. Mit dem Zukauf gelang Ringmetall der Einstieg in den US-Markt und man versprach sich von dem $28 Mio. Umsatz erzielenden Unternehmen die Möglichkeit weitreichender Technologie- und Vertriebssynergien. "Mit insgesamt über €90 Mio. Umsatz auf Konzernebene ergeben sich nun ganz neue Möglichkeiten für Prozessoptimierungen und Cross Selling-Ansätze", schwärmte Ringmetall-Vorstand Petri damals.

Und die Übernahme erwies sich als strategischer Glücksgriff, das wird auch immer mehr Aktionären bewusst. Nach einer erneuten - stark überzeichneten - Kapitalerhöhung mit einem Bezugspreis von €2,20 je Aktie kaufte Ringmetall mit dem erzielten Bruttoemissionserlös in Höhe von €5.033.600 sofort weiter zu, indem man seine Beteiligung an der italienischen Tochtergesellschaft S.G.T. von bisher 51% auf 80% "zu wirtschaftlich attraktiven Konditionen" erhöht hat. Und kurz darauf wurde im Rahmen eines Asset-Deals die Spannringproduktion eines Großkunden in den USA übernommen und in die Produktion ihrer US- Tochtergesellschaft Self Industries eingegliedert. Der jährliche Umsatzbeitrag aus der Akquisition beläuft sich auf knapp $1 Mio. und es wurde ein langfristiger Liefervertrag zwischen Käufer und Verkäufer vereinbart.

Die Umsatzerlöse der Ringmetall Gruppe stiegen in den ersten 9 Monaten des Geschäftsjahres um 41,6% auf €72,3 Mio. (9M 2015: €51,0 Mio.), während die Bruttomarge dabei mit 51,0% nahezu konstant blieb (9M 2015: 50,9%). Das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) erhöhte sich überproportional um 79,2% auf €9,3 Mio. (9M 2015: €5,2 Mio.), und das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) hat sich um 151,0% auf €5,5 Mio. mehr als verdoppelt (9M 2015: €2,2 Mio.). Auf internationaler Ebene entwickelte sich die Ende vergangenen Jahres in die Gruppe integrierte US-Tochtergesellschaft Self Industries weiterhin erfolgreich nach Plan. Auch führten auf einzelnen Märkten Europas und in Asien Optimierungen in den Produktionsabläufen zu einer nachhaltigen Verbesserung der operativen Schlagkraft der betroffenen Einheiten. Hierbei zeigten sich Erfolge einiger Optimierungsprogramme, die im abgelaufenen Quartal erfolgreich abgeschlossen werden konnten, vor allem die Fortschritte bei den Ländergesellschaften in der Türkei und China schlagen sich im Ergebnis positiv nieder.

Nach mehreren von Umsatzrückgängen geprägten Quartalen legte der Geschäftsbereich Industrial Handling (HMS Sauermann) im dritten Quartal erstmals wieder sowohl im Umsatz als auch im Ergebnis zu. Zwar lag der Umsatz der ersten neun Monate mit €12,2 Mio. noch knapp unter Vorjahr (9M 2015: €12,3 Mio.), ergebnisseitig legte das EBITDA nach den im zweiten Quartal erfolgten Kostenoptimierungen allerdings mit einem Zuwachs von 13,2% auf €0,7 Mio. wieder deutlicher zu (9M 2015: €0,6 Mio.).

Die Zahlen zeigen, dass sich Ringmetall auf einem sehr guten Weg befindet und seine Effizienzpotenziale inzwischen auch heben kann. Die geschickten Add-on-Zukäufe im Bereich der Fassring-Produktion und das Ausweiten der Produktlinie über dieses Segment hinaus versprechen auch künftig starke Wachstumsperspektiven. Vom sich verstärkenden Trend zur Auslagerung der Spannringproduktion der großen Fass-Hersteller in den kommenden Jahren sollte insbesondere Ringmetall als Weltmarktführer am stärksten profitieren können durch zusätzliches Wachstumspotenzial einer weiteren Stärkung der Wettbewerbsposition des Unternehmens.

Der Kurs schoss in der Folgezeit auf €2,80 nach oben und konsolidiert seitdem auf diesem Niveau. Doch wenn die Jahreszahlen präsentiert werden und es demnächst weiter kleine Zukäufe gibt, dürfte sich der Kurs wieder zu neuen Höhen aufmachen. Langfristanleger sollten Geduld mitbringen und nicht auf stetige starke Kursanstiege setzen, sondern auf eine ruhiges Entwickeln des Unternehmens, dem der Aktienkurs bedächtig folgt. Auf lange Sicht bleibt Ringmetall eine interessante Depotbeimischung mit Aussicht auf überdurchschnittliche Renditen

Marktkap.Kurs 10.12.16Kurs 22.12.15+/- inkl. Div.EPS 2016eEPS 2017eKGV 2017eDiv. 2016eDiv.-Rendite
72 Mio.€2,82€1,63€76,1%0,17€0,20€14,10,05€1,8%


Fazit
AureliusBavaria IndustriesBlue CapDeutsche Beteiligung, GBK BeteiligungenMAX Automation, MBB und Ringmetall finden sich bereits auf meiner Empfehlungsliste und ich nehme Mutares neu mit drauf. Indus Holding hat weiterhin Chancen auf eine Aufnahme, Gesco bleibt außen vor, weil das Unternehmen den anderen gegenüber einige Nachteile bzw. weniger gute Aussichten aufweist und damit ein deutlich schlechteres Chance-Risiko-Verhältnis.