Freitag, 31. März 2017

Zinsen, Inflation: Die weiteren Aussichten für Asset-Manager wie Corestate Capital, Deutsche Beteiligungs AG, DIC Asset, Ernst Russ, Lloyd Fonds, MPC Capital, Patrizia, Publity

Asset-Manager legen im Auftrag ihrer Kunden Geld an, überwiegend für institutionelle Investoren wie Family Offices, Versicherungen, Pensionsfonds. Eine Reihe von ihnen bietet seine Dienstleistungen allerdings auch Privatkunden an, gerne über Fonds. Und diese Unternehmen hatten die letzten Jahre regen Zulauf, sie konnten ihre Assets under Management (AuM), also das von ihnen verwaltete Vermögen erheblich ausweiten. Was nicht zuletzt am immer weiter fallenden Zinsniveau in der Eurozone lag, das die Jagd auf Rendite immer mehr verschärfte. Im Zuge der Niedrigzinsphase kamen und kommen auch zunehmend "Bastionen der Sicherheit" in immer ärgere Bedrängnis, wie Versicherungen und Bausparkassen. Von Banken ganz zu schweigen, denen ist das Kerngeschäft komplett weggebrochen da ihre Zinsmarge immer weiter zusammenschrumpft. Ich hatte neulich wieder ein längeres Gespräch mit dem Vorstand unserer örtlichen Sparkasse, bei dem es um das unerfreuliche Thema Filialschließungen ging. Dabei wurden auch erneut Zahlen präsentiert, die ich hier im Blog schon mehrfach angesprochen habe.

Zinsmarge implodiert
In der Vergangenheit konnte bei einem höheren Zinsniveau die Zinsmarge von den Banken relativ konstant bei 2% gehalten werden. Für die Spar- und Termineinlagen der Kunden erhielten diese also im Schnitt etwa 2% weniger an Zinsen gutgeschrieben, als Kunden für Anschaffungs- und Immobilienkredite zahlen mussten. Ich meine damit die durchschnittliche Zinsmarge über alle Fristen hinweg. Für die Banken war das Zinsniveau relativ belanglos, denn ob die ihre 2% Marge zwischen 6 und 8 Prozent oder zwischen 3 und 5 Prozent verdienten, war ihren eigentlich egal. Das Zinsniveau hatte, ebenso wie die allgemeine Konjunkturlage, eher Auswirkungen auf das Volumen der nachgefragten Kredite.

Mittwoch, 29. März 2017

Phillips 66 ist Buffetts raffiniertestes Öl-Investment

▸ Kissigs Kolumne vom 16. September 2016, Aktien Magazin 25/2016 

Warren Buffett ist der Großmeister des Value-Investings und er steht auf verlässliche Geschäftsmodelle, die sich relativ leicht in die Zukunft fortschreiben und damit bewerten lassen, möglichst mit langer Geschäftshistorie. Und er betont stets, man solle Aktien kaufen, als würde man das ganze Unternehmen erwerben, sich an einem Business beteiligen, an dem man für mindestens fünf Jahre festhalten wird. 

Weshalb nun gerade ein börsennotiertes Unternehmen aus der Öl-Branche mit ihren starken Preisschwankungen in den letzten drei Jahren zwischen 30 und 110 Dollar für WTI (West Texas Indermediate), und das erst seit wenigen Jahren eigenständig ist und an der Börse notiert, sich seiner zunehmenden Beliebtheit erfreut, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Da müssen wir schon genauer hinsehen, um vielleicht auch zu erkennen, was Buffett an Phillips 66 so begeistert.

Wie Buffett zu Phillips 66 kam
Seine ersten Aktien von Phillips 66 hat Buffett nicht gekauft, sie wurden ihm geschenkt. Und zwar als Abspaltung, als Spin-off, des Energieriesen ConocoPhillips, der vor gut vier Jahren seine langweilige und margenschwache Sparte unbedingt loswerden wollte, um sich ganz auf die damals viel lukrativere Öl-Förderung zu konzentrieren. Damals hatte das zu diesem Zeitpunkt wertvollste Unternehmen der Welt, der Energie-Gigant ExxonMobil gerade vermeldet, dass man einen Jahresgewinn von 40 Milliarden Dollar erzielt hätte. Und niemand wollte damals ein unspektakuläres Raffineriegeschäft haben und ein mindestens ebenso unattraktives Tankstellennetz. Naja, alle außer Warren Buffett…

Dienstag, 28. März 2017

Short, shorter, Attacke: Ströer, Wirecard - und jetzt auch Aurelius...

▸ Kissigs Kolumne vom 09. Mai 2016, Aktien Magazin 12/2016 

„Die Börse ist keine Einbahnstraße“ heißt es so schön und allen Anlegern ist klar, dass die Kurse steigen, aber auch fallen können. Und je nach Einstellung zum Gesamtmarkt oder einzelnen Wertpapieren beschleicht einen manchmal der Wunsch, auch auf fallende Kurse setzen zu können. Otto Normalanleger bieten sich hier z.B. über Puts geeignete Möglichkeiten.

Für Langfristanleger, insbesondere Value Investoren, sind Put-Strategien eigentlich kein Bestandteil des Investorenwerkzeugkastens, denn schaut man sich die langfristige Entwicklung von Aktien an, dann schneiden diese je nach Länge des untersuchten Zeitraums mit durchschnittlichen sieben bis neun Prozent jährlicher Rendite ab. Die Chance, genau zum richtigen Zeitpunkt mal mit dem Setzen auf fallende Kurse Geld zu verdienen, wiegt das Risiko, am langfristigen Ansteigen der Kurse nicht mehr teilzuhaben, nicht auf.

Und doch werden sich auch Value-Investoren und Langfristanleger in Deutschland zunehmend mit fallenden Kursen auseinandersetzen müssen – und zwar nicht, weil die Börsen zu hoch bewertet wären oder aber eine große Korrektur bevorstünde. Sondern einfach, weil die angloamerikanische (Un-)Sitte des Leerverkaufens immer häufiger auch deutsche Unternehmen an heimischen Börsenplätzen trifft und somit unsere Portfolios.

Was steckt hinter Leerverkäufen?
Um die Risiken, aber auch die Chancen, die sich hieraus ergeben, erkennen zu können, muss man erst einmal das Konstrukt eines Leerverkaufs verstehen. Während ein Anleger mit einem Put auf fallende Kurse setzt, ohne das zugrundeliegende Wertpapier handeln zu müssen, geht ein Leerverkäufer anders vor. Er leiht sich Aktien für einen bestimmten Zeitraum, zum Beispiel bei Depotbanken oder Langfristinvestoren, und zahlt diesen dafür eine Gebühr. Für die Verleiher ergeben sich somit zusätzliche Einnahmen aus dem Verleihgeschäft. Der Leerverkäufer behält diese geliehenen Aktien jedoch nicht in seinem Depot, sondern verkauft sie an der Börse und das in dem Wissen, sie später wieder zurückkaufen zu müssen, wenn der Leihvertrag endet. Er macht also nur dann Gewinn an der Transaktion, wenn der Aktienkurs in der Zwischenzeit beträchtlich fällt und er die Aktien zu diesen niedrigeren Kursen zurückkaufen kann.

Bis hierhin klingt das Ganze weder hinterhältig noch besorgniserregend. Allerdings zeigen die jüngsten Beispiele, dass Anleger diesem Bereich durchaus ihre Aufmerksamkeit widmen sollten, aufgrund der für sie aus Leerverkäufen erwachsenden Risiken, aber auch, um die sich hier ggf. bietenden Chancen einschätzen zu können.

Mit Großauftrag auf Turnaroundkurs: Muehlhan legt noch eine Schicht drauf

Die Hamburger Muehlhan AG ist im Bereich Oberflächenbeschichtung aktiv und hier insbesondere in den Bereichen Schifffahrt, Pipelines, Bohrplattformen und (Offshore-)Windkraftanlagen. Alle Segmente standen und standen die letzten Jahre unter Druck, weil die Kunden sich mit Investitionen zurückhielten und jeden Euro zweimal umdrehen mussten. Die Schifffahrt befindet sich seit zehn Jahren in einer Dauerkrise, einhergehend mit sinkenden Frachtraten, Überkapazitäten, Fusionen und Pleiten großer global Player wie Han-Jin. Die Offshore-Windparks kamen in Deutschland lange Zeit nicht richtig vom Fleck und der gesunkene Ölpreis machte Ölplattformen in der Nordsee extrem unattraktiv. Für Muehlhan ging es also immer mehr um Konstenreduzierungen und das eigene Überleben. Ich hatte das Unternehmen vor einem Jahr als Turnaround-Spekulation vorgestellt und bisher hat der Kurs noch nicht wirklich viel reißen können. Bis jetzt. Doch das könnte sich nun ändern.

Denn inzwischen zeichnen sich einige Silberstreifen am Horizont ab. Nachdem Muehlhan einige Jahre durch ein Tal der Tränen gehen musste, konnte man auch aufgrund von Rationalisierungen und Fokussierung auf margenstärkere Aufträge wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Nicht ganz in dieses Bild passt der gerade erzielte Abschluss mit Moeller-Maerks, der weltgrößten Reederei, die auch im Nordseeölbohren ein ganz großer Player ist.

Die dänische Tochter Muehlhan A/S schloss mit Maersk Oil eine Vereinbarung mit einem Auftragsvolumen zwischen 100 und 130 Mio. Euro über die nächsten 5 Jahre ab. Zur Erfüllung wird Muehlhan sein dies bezügliches Personal von 80 auf 380 Mitarbeiter aufstocken. Die Auswirkung auf das EBIT der Gruppe seien allerdings gering, teilt Muehlhan mit. Und das passt eigentlich nicht zur Fokussierung auf margenstärkere Aufträge. Andererseits ist dies der größte Auftrag der Firmengeschichte und auch eine unterdurchschnittliche Marge bringt noch Geld ein, während auf der anderen Seite es wohl auch darum ging, den langjährigen Kunden Maersk Oil zu halten. Denn die Reederei-Tochter selbst ist im Konzern nicht mehr uneingeschränkt geliebt und soll in absehbarer zeit abgegeben werden. Muehlhan hat hier also einen Fuß in der Tür und darüber hinaus erzielt dieser große Auftrag natürlich auch Aufmerksamkeit und kann der Türöffner für andere Kunden und Projekte sein.

Montag, 27. März 2017

Capital Stage präsentiert mehr als sonnige Zahlen für 2016

Die Capital Stage AG, ein im SDAX-notierter Hamburger Solar- und Windparkbetreiber, kann für das Geschäftsjahr 2016 auf Basis vorläufiger operativer Geschäftsergebnisse sehr erfreuliche Zahlen vorlegen und übertraf damit sogar die eigene operative Ergebnisprognose trotz eines vergleichsweise schwachen Windjahres.

2016 war stand auch im Zeichen der Geschäftsausweitung durch den Ausbau des Portfolios aus Solar- und Windparks sowie die Übernahme der CHORUS Clean Energy AG im Oktober 2016. Inzwischen verfügt Capital Stage über mehr als 95% der Anteile und hat einen Squeeze-out in die Wege geleitet.

Vorläufige 2016er Zahlen
Die Umsatzerlöse der Capital Stage AG stiegen im Geschäftsjahr 2016 deutlich um mehr als 25% auf rund 141,8 Mio. Euro und das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (operatives EBITDA) erreichte rund 106,1 Mio. Euro. Auch das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen (operatives EBIT) konnte im Berichtszeitraum auf nunmehr rund 61,6 Mio. Euro gesteigert werden, während der erwirtschaftete operative Cashflow sich im ebenfalls deutlich auf über 103,8 Mio. Euro erhöhte. Die vorläufigen operativen Ergebniskennziffern liegen damit über den eigenen Erwartungen des Unternehmens an das Geschäftsjahr 2016 und enthalten erstmalig auch die Ergebnisbeiträge der CHORUS Clean Energy für das vierte Quartal 2016. Im Vergleich zum Bilanzstichtag des Vorjahres erhöhte sich die Eigenkapitalquote nach vorläufigen Berechnungen auf 25,9%, die Bilanzsumme stieg auf rund als 2,4 Mrd. Euro.

Börsenweisheit der Woche 13/2017

"Es werden mehr Vermögen durch jahrelanges Sitzen auf guten Wertpapieren gemacht als durch ständiges Handeln".
(Philip Carret)

Sonntag, 26. März 2017

Verbilligen oder Verluste begrenzen?

Unter Verbilligen versteht man das Ausbauen einer bestehenden Position zu niedrigeren Einstandskursen. Nach dem ersten Kauf der Werte ist der Kurs also gesunken und in der Bilanz weist die Position ein Minus aus. In dieser Situation das Engagement auszubauen, reduziert den durchschnittlichen Einstandskurs, weshalb man eben von Verbilligen spricht.

Gegner dieser Art der Depotgestaltung sind vor allem jene, die sich strikt an Stopp-Loss-Kursen orientieren. Ihre Maxime lautet oft "Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen". Für Trader geradezu eine elementare Einstellung, aber auch für traditionelle Value-Investoren steht der Kapitalerhalt an erster Stelle. Also eine klare Sache, sollte man meinen, denn der Volksmund sagt ja nicht umsonst, man solle schlechtem Geld kein gutes hinterher werfen... Könnte dennoch etwas für ein Verbilligen sprechen?

»Es ist ganz einfach unsinnig, sich auf Stopp-Orders als Absicherung gegen Kursverfälle zu verlassen, ebenso wie auf künstlich gesetzte Kursziele in Aufwärtsphasen. (...) Bleiben Sie dran und sehen Sie zu, was passiert. Solange die ursprünglichen Bedingungen weiterhin gültig sind oder sich sogar verbessern - und Sie werden in einigen Jahren über die Ergebnisse erstaunt sein.«
(Peter Lynch)

Setzt man voraus, dass der Anleger weiß, was er tut (er ist bei seinem Kauf also nicht dem neusten Börsentipp aus der Zeitung oder einem obskuren Börsenbrief hinterher gehechelt, sondern hat sich seine eigenen Gedanken gemacht), dann hat der Value-Investor einen fairen Wert für ein Unternehmen ermittelt. Er ist eingestiegen, als der Aktienkurs unter diesem Wert notierte und eine zusätzliche ausreichende Sicherheitsmarge beinhaltete. Sofern sich an den Fakten zum Unternehmen und der Einschätzung des Investors nichts geändert hat, wäre es geradezu fahrlässig von ihm, nicht weitere Anteile zu noch günstigeren Kursen zuzukaufen!

Als Warren Buffett in die Washington Post investierte, fiel der Kurs zunächst um gut 50 Prozent, bevor er massiv an Wert gewann und ihn zum Milliardär machte. Ebenso verhielt es sich bei einigen anderen seiner Engagements.

Freitag, 24. März 2017

MBB im Geldrausch: 3.000 Prozent Plus durch Aumann-IPO

Die MBB-Tochter Aumann AG ging heute an die Börse. Aumann ist ein weltweit führender Hersteller von innovativen Spezialmaschinen und automatisierten Fertigungslinien mit Fokus auf Elektromobilität. Das Unternehmen verbindet einzigartige Wickeltechnologie zur hocheffizienten Herstellung von Elektromotoren mit jahrzehntelanger Automatisierungserfahrung, insbesondere in der Automobilindustrie. Weltweit setzen führende Unternehmen auf Lösungen von Aumann zur Serienproduktion rein elektrischer und hybrider Fahrzeugantriebe, sowie auf Lösungen zur Fertigungsautomatisierung.

Angeboten wurden aus einer Kapitalerhöhung 1,5 Mio. Aktien zur Wachstumsfinanzierung im Bereich E-Mobility und zusätzlich stellt Großaktionär MBB im Wege einer Umplatzierung 4,48 Mio. Aktien inklusive Mehrzuteilungsoption zur Verfügung. MBB bleibt also auch nach dem Börsengang mit 53,6% Mehrheitsaktionär, während der Streubesitz nach dem IPO nun 46,4% beträgt. Denn wie MBB mitteilte, war die Emission mehrfach überzeichnet und die Aktien wurden zu 42€ am oberen Ende der Bookbuildingspanne zugeteilt. Inkl. der Mehrzuteilungsoption. Aumann flossen aus der Emission brutto 63 Mio.€ zu, der Rest ging an die Altaktionäre.

Aumann-Kursfeuerwerk erfreut auch MBB
Kurz nach der Aufnahme der Notiz an der Frankfurter Börse schoss der Aumann-Kurs auf 49€ hoch, was zu einer Bewertung von 686 Mio.€ führt. Für MBB ergeben sich hieraus gleich mehrere positive Nachrichten. Denn MBB erzielte einen Bruttoemissionserlös von 175,9 Mio. € und hält weiterhin die Mehrheit von 53,6% an der Aumann AG. Zur Erinnerung: die Aumann AG entstand aus dem Zusammenschluss der MBB Fertigungstechnik (MFT) und der Aumann-Gruppe. Für die MFT hatte MBB 2012 in Summe rund 31 Mio.€ bezahlt, wobei 29 Mio.€ in der Kasse lagen. Und für den 75%-Anteil an Aumann hat man dem Vernehmen nach rund €19 Mio. bezahlt. Also in Summe zwischen 16 und 17 Mio.€ für alle von MBB gehaltenen Anteile. Rechnet man nun die Bruttoemissionserlös von 176 Mio.€ zum MBB-Anteil von 53,6% an der Aumann-Gruppe auf Basis des Aktienkurses von 49€, also 367,7 Mio.€, stehen für MBB nun gut 543 Mio.€ an Börsenwert und Emissionserlös gegen die aufgewendeten 17 Mio.€. Das ist also ein Zuwachs von gut 3.000 Prozent!

In Hamburg sagt man Tschüss - Softing weiß nicht (mehr) zu überzeugen

Beim Anbieter von Messtechnikgeräten Softing haben Anleger in letzter Zeit viel Geduld aufbringen müssen und die hat sich - wieder einmal - nicht ausgezahlt.

Ich habe Softing vor knapp anderthalb Jahren auf meine Empfehlungsliste gesetzt, weil ich der Meinung war, CEO Trier würde mit der großen Übernahme von OLDI in den USA der große Wurf gelingen und Softing nach einer überschaubaren Übergangszeit noch besser in die Spur zurückbringen. Mehrmals konnte er seine vollmundigen Versprechen nicht einhalten und hat erneut enttäuscht. Dazu nimmt er nicht konkret Stellung, vielmehr variiert er in seinen Geschäftsberichten die Formulierungen, um gerade nicht zu lügen und dennoch sein Versagen nicht offen zugeben zu müssen. Anfangs versprach er für 2016 eine "deutlichen" Steigerungen bei Umsatz und EBIT, diese wurden im Jahresverlauf dann zu "moderaten Zuwächsen", nachdem erst die angekündigten weiteren Übernahmen verschoben werden mussten und CEO Trier uns Anleger auf das zweite Halbjahr vertröstete, wo die Geschäfte bei OLDI saisonal angeblich viel besser laufen würden.

Und nun hat Trier die 2016er Zahlen vorgelegt und seine eigenen, gestutzten Prognosen erreicht. Am untersten Rand, gerade mal eben so. Und das auch nur, weil ein Sondereffekt das Ergebnis rettete, ansonsten läge das EBIT nur bei 6,17 Mio.€, also meilenweit entfernt von den zuletzt versprochenen 7 bis 8 Mio.€. Das bereinigte operative EBIT liegt also nur noch bei 2,6 Mio.€ (Vorjahr 7,1 Mio.€). Der Sonderertrag resultiert aus einer Verminderung des Kaufpreises für OLDI, weil die viel schlechter abschnitten, als erwartet. Clever verhandelt oder eher wieder mal den Mund zu voll genommen? Inzwischen tendiere ich zu Letzterem.

Zu den nicht überzeugenden Zahlen für 2016 gab Trier noch einen sehr verhaltenen Ausblick auf 2017, auch weil sich schon vor langer zeit die Übernahmen weiter verzögern werden. Das US-Geschäft erweist sich als nachhaltiger Bremsklotz, auch wenn Trier nicht müde wird, von der rosigen Zukunft zu sprechen.

 Softing (Quelle: finanzen.net
Meine Einschätzung
Softing-CEO schlägt gerne verbal um sich, die Geschäftsberichte von Softing sind gespickt mit politischen Attacken gegen alles und jeden. Das kann man bis zu einem gewissen Grad billigend in Kauf nehmen. Wenn aber der wortgewaltige Verkünder seine eigene Verfehlungen dahinter zu verstecken sucht, dann ist das nicht seriös. Ich erwarte vom Management, dass es zuverlässige Prognosen abgibt, lieber etwas zu konservativ, um dann ggf. positiv zu überraschen. Und vor allem fordere ich, dass Fehler offen kommuniziert werden, dass das Management sie erklärt und aufzeigt, wie damit umgegangen wird. All diese grundlegenden Charaktereigenschaften lässt Trier vermissen und zwar zunehmend. Ich brauche einen CEO, der sein Handwerk versteht und die Geschäfte gut führt. Nicht einen, der sie mir schönredet.

Ich bin daher enttäuscht von Trier und möchte ihm mein Geld nicht mehr anvertrauen. Ich habe meine Aktien von Softing mit kleinem zweistelligen Gewinn (inkl. Dividendenzahlungen) verkauft und werde den Wert auch von meiner Empfehlungsliste streichen. Es gibt aus meiner Sicht deutlich aussichtsreichere Unternehmen mit seriöserem Führungspersonal.

Donnerstag, 23. März 2017

GBK Beteiligungen: Dividendenprimus bereitet weitere gewinntreibende Exits vor

Die auf Eigenkapitalbeteiligungen an mittelständischen Unternehmen fokussierte GBK Beteiligungen AG bestätigt die vorläufigen Zahlen zum Jahresabschluss 2016 und damit ein Rekordergebnis. So haben die Hannoveraner im Geschäftsjahr 2016 ein Realisiertes Ergebnis in Höhe von €12,5 Mio. erwirtschaftet und unter Berücksichtigung des Nicht realisierten Ergebnisses beläuft sich das Ergebnis des Geschäftsjahres auf €7,6 Mio. Dieses ist maßgeblich durch den Verkauf von drei Beteiligungen positiv beeinflusst worden. Der Nettoinventarwert je Aktie ist weiter gestiegen und beläuft sich am 31.12.2016 auf €10,18 je Aktie. Das Unternehmen wird der Hauptversammlung am 23. Mai eine Ausschüttung von €1,00 je Aktie vorschlagen wird, also einen Gesamtbetrag von €6,75 Mio. Dies entspricht bei einem aktuellen Börsenkurs von €12 einer Dividendenrendite von 8,33%. Die Dividende setzt sich dabei aus einer Basisdividende von €0,10 sowie einer Sonderdividende von €0,90 zusammen (Vorjahr: €0,10 und €0,60).

Verkäufe
Die hohen Ergebnisse speisen sich ja zuvorderst aus Gewinnen beim Verkauf von Anteilen an Beteiligungsunternehmen und Grundlage des GBK-Erfolgs ist nach wie vor das breitgestreute Portfolio. Hieraus wurden 2016 gleich drei Beteiligungen gewinnbringend veräußert: die österreichische IS Inkasso GmbH, die Raith GmbH, die Schlemmer GmbH. Dabei ist zu berücksichtigen, dass GBK selten ganze Unternehmen kauft oder Mehrheitsbeteiligungen eingeht, sondern sich mit der Rolle des Minderheitseigentümers zufrieden gibt.

Käufe
Auch auf der Kaufseite war GBK im Geschäftsjahr 2016 aktiv. In einem anspruchsvollen Marktumfeld konnte GBK das Portfolio durch Investitionen in Höhe von insgesamt €7,6 Mio. um drei neue Beteiligungsengagements erweitern. Dabei setzt GBK mit einer Beteiligung an der ACHAT Hotel- und Immobilienbetriebsgesellschaft mbH auf einen Betreiber von Value- und Budgethotels in der sich wandelnden Hotelbranche. Mit der MOESCHTER Group Holding GmbH & Co. KG erwarb die Beteiligungsgesellschaft Anteile an einem Innovationsführer und Spezialisten für die Entwicklung und Fertigung von Präzisionsbauteilen, Isolierungen und Komponenten aus Hochleistungswerkstoffen. Und mit der Schiller Fleisch GmbH & Co. KG nahm GBK einen Premiumanbieter hochwertiger Fleischprodukte in das Portfolio auf.

Hypoport: Wachstumsstarkes und profitables Fintech-Unternehmen

▸ Kissigs Kolumne vom 26. April 2016, Aktien Magazin 11/2016 

Immer wieder gibt es Trends, die sind so in, dass sich früher oder später jeder damit zu schmücken versucht. Und wie ein Chamäleon verpassen sich dann auch Unternehmen dieses neue Label, bei denen dies den eigentlichen Kern ihres Geschäfts nicht einmal mehr ansatzweise widerspiegelt.

Zu Neuer Markt-Zeiten war Logistik ein solches In-Thema. Es war absehbar, dass der boomende Onlinehandel einen immer größer werdenden Marktanteil vom Gesamtkuchen abknabbern würde und die vielen Pakete mussten ja zugestellt werden. Darüber hinaus waren hierzu nicht nur bei den Paketdiensten große Herausforderungen zu stemmen, sondern auch die Onlinehändler selbst mussten ihre Lager- und Versandkapazitäten ständig neu auf den Prüfstand stellen und ausbauen. Durch Gebäude, Warenwirtschaftssysteme, Personal. Diese schöne neue Welt war hip, klassisches Speditionswesen, also mit Lkws Waren über die verstopften Straßen zu transportieren, total out. Und einem mörderischen Preiskampf ausgesetzt. Trotzdem haben viele Speditionen, auch börsennotierte, sich des Labels Logistik bemächtigt, um sich selbst den Anschein eines modernen und innovativen Geschäftsmodells zu geben. Eine ziemliche Mogelpackung und schaut man auf die Aktienkurse der wenigen verbliebenen Logistikwerte aus dieser Zeit, dann sieht man, dass letztlich die Anleger die Zeche für diesen Etikettenschwindel gezahlt haben.

Das hindert freilich keinen Unternehmenslenker und keinen Marketingstrategen, dieses „bewährte“ Täuschungskonzept in anderen Branchen zu wiederholen. Um Geld von Anlegern einzusammeln, ist es jedenfalls gut geeignet. Man erinnere sich nur daran, dass Deutschlands größter Kohlekraftwerksbetreiber RWE sich in seiner TV-Werbung als innovatives Neue Energien-Unternehmen präsentiert hat, das bei Solar- und Wasserkraft voRWEggeht. Dabei ist diese Sparte eher eine marginale Randerscheinung im Energiemix des fossillastigen Klimakiller-Konzerns.

Fintech ist die neue Logistik
Seit einiger Zeit überrollt die nächste Welle die Börsen, die Fintechs. Klassische Banken ächzen seit Jahren darunter, dass immer mehr Kunden lieber online am heimischen PC ihre Bankgeschäfte abwickeln und immer seltener in die personalintensiven Filialen kommen. Vor 15 Jahren wurden die Comdirectbank oder Consors noch als Tagesgeldbanken belächelt, dann schnappten sie den Filialbanken und Sparkassen den Wertpapierhandel weg, da ihre Gebühren weniger als die Hälfte der üblichen Provisionen ausmachten und Abwicklung und Service auch noch reibungsloser gewährleistet wurden. Die Online-Broker von damals sind inzwischen zu Vollbanken herangewachsen und werden kaum noch belächelt. Viel zu stark punkten sie in Sachen Profitabilität und Service im Vergleich zu ihren strauchelnden Mutterkonzernen.

Mittwoch, 22. März 2017

MPC Capital: Blick nach vorn in Richtung neuer Deals

Der Hamburger Asset-Manager MPC Münchmeyer Petersen Capital AG entwickelt und managt gemeinsam mit seinen Tochterunternehmen sachwertbasierte Investitionen und Kapitalanlagen für internationale institutionelle Investoren, Family Offices und professionelle Anleger. Dabei liegt der Fokus auf den Asset-Klassen Real Estate, Shipping und Infrastructure.

Nachdem zu €6 gleich zwei Kapitalerhöhungen in kurzem zeitlichen Abstand durchgeführt wurden, konnte sich der Kurs bisher noch nicht nachhaltig von dieser Marke lösen. Dabei spricht eigentlich vieles für höhere Kurse. So kommt man auf dem eingeschlagenen Turnaroundkurs weiter voran und konnte für 2016 souveräne Vorabzahlen vermelden.

Die Umsätze legten um 12,6% zu auf €53,79 Mio. und das Betriebsergebnis drehte von einem Vorjahresminus von €3,77 Mio. auf €9,92 Mio. ins Plus. Der Überschuss zog um 36,8% auf €10,22 Mio. an, wobei das Ergebnis je Aktie bei €0,33 stagnierte. Allerdings verteilt sich der Jahresüberschuss ja auch auf eine viel höhere Aktienzahl als im Vorjahr, so dass es de facto einen deutlichen Anstieg aus vergleichbarer Basis gab.

Auf der anderen Seite verbesserten die Kapitalerhöhungen und der Jahresüberschuss die Bilanzqualität erheblich, so dass MPC nun eine Eigenkapitalquote von 69,74% aufweist nach 42,28% im Vorjahr. Die von MPC betreuten Assets (Assets under Management, AuM) erreichten 2016 rund €5,1 Mrd. und damit knapp €400 Mio. weniger als im Vorjahr.
Hier schlugen sowohl Abschreibungen in der (noch) wichtigsten Sparte Schifffahrt negativ zu Buche, als auch Verkäufe von Assets. Unter anderem war ein Schifffahrtsportfolio im Volumen von €400 Mio. gewinnbringend veräußert worden. Das mittel- bis langfristiges Ziel von MPC ist, die AuM auf €10 Mrd. zu steigern.

Dienstag, 21. März 2017

Fairfax Financial: Erfolgreiche Kanadier auf Buffetts Spuren

▸ Kissigs Kolumne vom 6. Februar 2017, Aktien Magazin 03/2017 

Kanada findet sich eher selten sehr weit oben auf der Investorenlandkarte, aber bei so manchem Unternehmen lohnt sich ein genauerer Blick. Bei Fairfax Financial Holdings Ltd. könnte dies so sein, denn das Geschäftsmodell erinnert stark an das von Warren Buffets Berkshire Hathaway. Und die über lange Jahre erzielte Rendite ebenso.

Buffett hat sich ein Imperium an Versicherungswerten zusammengekauft. Darunter finden sich Lebensversicherer, Rückversicherer und Sachversicherer. Die gesamte Branche steht seit einigen Jahren unter Druck, weil die immer weiter fallenden Zinsen ihr die Möglichkeiten rauben, die von Kunden eingenommenen Prämienzahlungen gewinnbringend anzulegen, bevor sie diese im Schadenfall oder ggf. bei Ablauf der Versicherung an die Versicherten auskehren müssen. Das Versicherungsbusiness ist an sich eine einträgliche Branche, jedenfalls solange man nicht um der Marktanteile wegen Policen mit Unterdeckung verkauft, und daher am Ende draufzahlt. Der eigentliche Reiz für Warren Buffett sich hier so stark zu engagieren, lag und liegt allerdings noch mehr in den enormen Cashflows des Versicherungsgeschäfts. Der Kunde zahlt regelmäßig seine Prämien und bis zum Leistungszeitpunkt der Versicherung kann diese mit dem Geld, dem sog. "Float" arbeiten. Sie kann es aufs Tagesgeldkonto legen, in Anleihen stecken oder in Aktien. Und genau das ist das Metier von Warren Buffett: Aktieninvestments.

Nun kann Otto Normalanleger natürlich nicht einfach eine Allianz-Aktie kaufen und dann auf die Prämieneinnahmen dieses Versicherungskonzerns zugreifen. Das kann Buffett auch nicht. Aber er kauft ja auch selten einzelne Versicherungsaktien als reine Geldanlage, sondern er sichert sich die Mehrheit an dem Unternehmen. Und kann es so kontrollieren und dann auf seinen Cash-Bestand zugreifen. Im Grunde stellen ihm die Versicherungskunden somit ein zinsloses Darlehen für seine Aktieninvestments zur Verfügung. Und bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von knapp 20 Prozent besteht hier für Buffett ein großes Sicherheitspolster. Auch in den Jahren, wo viele Versicherungsschäden anfallen und somit die Prämien am Ende nicht auskömmlich waren. Selbst dann kann Buffett entspannt sein, denn dann werden die Prämien für das nächste Jahr angehoben und der Cashflow erhöht sich. Und somit sein Volumen für weitere Aktieninvestments.

Dieses Verfahren funktioniert nicht nur mit Versicherungen, sondern eigentlich mit jedem Geschäft, das hohe Cashflows erzeugt und wo diese nicht für Investitionen benötigt werden. Aber die Versicherungsbranche hat es Buffett auch deshalb so angetan, weil sie ziemlich einfach gestrickt ist. Anhand von Wahrscheinlichkeiten und Erfahrungswerten berechnet man die anzunehmenden Schäden und lässt sich diese über das Jahr gesehen von den Kunden vorab in Raten bezahlen. Buffett liebt mathematische Modelle, weil hier Emotionen keine Rolle spielen. Alles ist klar kalkulierbar und wenn etwas nicht hinhaut, kann man den Fehler rational ermitteln. Und für die Zukunft besser werden.

Nun ist Buffett zwar überdurchschnittlich schlau und gewieft, aber er ist nicht der einzige schlaue Mensch, der auf dieses Geschäftsmodell gekommen ist. Der in Richmond, Virgina beheimatete Versicherungskonzern Markel Corp. schwimmt erfolgreich auf diese Welle und auch das kanadische Unternehmen Fairfax Financial Holdings Ltd. mit Sitz in Toronto. Das sogar auf eben diese Familie Markel aus Virgina zurückgeht. Denn Fairfax Financial wurde ursprünglich 1951 als Markel Service of Canada gegründet und 1985 von Prem Watsa übernommen, einem in Indien geborenen Investor. Damals hieß das Unternehmen Markel Financial und war ein Spezialist für LKW-Versicherungen, stand aber kurz vor dem Konkurs. Den heutigen Namen nahm die Firma im Mai 1987 an und wird geführt von Chairman und CEO Prem Watsa, der auch fast die Hälfte der Firma besitzt. Er strukturierte die Firma um und änderte den Namen von Markel in Fairfax, was als Abkürzung für „fair, friendly acquisitions“ steht, also faire, freundliche Übernahmen. Und der Name ist Programm. 

Montag, 20. März 2017

Lloyd Fonds grandios: Auf die Gewinnverdopplung folgt die Dividendenverdopplung

Die Lloyd Fonds AG, ein seit über 20 Jahren auf sachwertbasierte Investitionen und Kapitalanlagen spezialisierter Investment- und Asset-Manager aus Hamburg, hat noch einmal nachgelegt. Nachdem kürzlich die vorläufigen Geschäftszahlen für 2016 vorgelegt wurden, das mit einem Konzernjahresergebnis von €3,2 Mio. abgeschlossen wurde. Damit erfüllte Lloyd Fonds die eigenen Prognosen, die aufgrund der erfolgreichen Geschäftstätigkeit im Herbst und Winter jeweils nochmals angehoben worden waren. Zur Jahresmitte war das Unternehmen von einem Konzernergebnis zwischen zwei und drei Millionen Euro ausgegangen. Wie der Investment- und Asset-Manager mitteilte, hat sich das Konzernjahresergebnis damit zum zweiten Mal in Folge verdoppelt (2015: €1,6 Mio, 2014: €0,8 Mio.).

Dividende wird von 7 auf 16 Cents je Aktie angehoben
Und nun haben Vorstand und Aufsichtsrat beschlossen, auch die Aktionäre am Erfolg teilhaben zu lassen. So soll den Hauptversammlung für das Geschäftsjahr 2016 eine Dividende in Höhe von €0,16 pro Aktie vorgeschlagen werden und damit mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr (€0,07), sofern die Bilanzfeststellung, die am 11. April keine entgegenstehenden Überraschungen bringt.

Ringmetall legt tolle Zahlen für 2016 vor. Mit einem kleinen Schönheitsfehler...

Die inzwischen als Industrieholding agierende Ringmetall AG hat nur noch wenig mit der H.P.I. Holding zu tun, als die sie bis vor einiger Zeit noch firmierte. Und das hat weniger mit der zwischenzeitlichen Namensänderung zu tun, als mit den personellen Veränderungen und dem neuen Schwung, der in die Unternehmensaktivitäten gekommen ist, seitdem ich das Unternehmen vor rund viereinhalb Jahren erstmals als "schön langweiliges Beteiligungsdornröschen" vorgestellt und auf meine Empfehlungsliste genommen habe.

Aus der bisherigen Beteiligungsgesellschaft wird eine operativ tätige Industrieholding geformt mit dem Schwerpunkt Industrial Packaging und Industrial Handling für Kunden in der chemischen, petrochemischen, pharmazeutischen und Lebensmittel verarbeitenden Industrie. Aus der grauen Provinzmaus wird ein globaler Herr der Ringe.

Umsatz- und Gewinnsprung in 2016
Und dieser nicht mehr ganz so "Hidden Champion" hat nun vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 vorgelegt und kann wahrlich überzeugend. In fast allen Bereichen.

Denn der Geschäftsbereich Industrial Handling, also das zweite Standbein mit der Tochter HMS Sauermann, kommt nicht in die Gänge. Rationalisierungsmaßnahmen führten im abgelaufenen Geschäftsjahr ab dem dritten Quartal erstmals wieder zu einem positiven Ergebnisbeitrag der Einheit, allerdings hat sich die positive Tendenz nicht in vollem Ausmaß im vierten Quartal fortgesetzt, wie Christoph Petri, Vorstandssprecher der Ringmetall Gruppe, erklärt.

Börsenweisheit der Woche 12/2017

"Das Wichtigste für einen Investor ist nicht der Intellekt sondern das Temperament. Dein Temperament sollte so sein, dass Du weder große Freude empfindest, wenn Du mit der Masse läufst, und ebenso wenig, wenn Du gegen den Strom schwimmst."
(Warren Buffett)

Sonntag, 19. März 2017

Kostolanys Know-how: An der Börse ist 2 mal 2 nicht 4, sondern 5 minus 1

Der erfolgreiche Börsenspekulant, Bonvivant und Autor André Kostolany hat zahlreiche Bücher verfasst über seine große Leidenschaft, die Börse, und er war viele Jahre lang gern gesehener Gast in allen Fernsehtalkshows. Denn er schaffte es nicht nur erfolgreich sein Geld anzulegen, sondern auch das komplexe und verwirrende Börsengeschehen in kurzen, knackigen und sehr oft auch humoristischen Weisheiten und Anekdoten zusammenzufassen. Sein Buch "Kostolanys Börsenseminar" war das erste Buch, das ich jemals über das Thema Börse gelesen habe. Und ich habe nicht nur viel über sie gelernt, sondern es hat mich auch mit dem bis heute anhaltenden Börsenfieber angesteckt. Über eine seiner vielen Weisheiten möchte ich heute sprechen, denn es geht um die Schwankungen der Börsenkurse, ihren nicht linearen Verlauf und wie Anleger sie bei ihrer Aktienanlage als etwas Natürliches akzeptieren sollten.

»An der Börse sind zwei mal zwei nicht vier, sondern fünf minus eins. Und man muss die Nerven haben, dieses minus eins auszuhalten.«
(André Kostolany)

Ich halte ja nichts von Charttechnik, aber wenn man sich den Verlauf von Börsenkursen ansieht erkennt man schnell, dass sie nicht linear von einem Punkt zum anderen führen, sondern ein ziemliches Hin- und Hergezucke sind. Auch wenn sich aus ihnen eine Tendenz ablesen lässt und man sie durch Verbinden des Startpunkts der Ansicht mit dem Endpunkt "glätten" kann. Manche Kurscharts vermitteln den Eindruck, als würde es mit der Aktie nur nach oben gehen, schnurgerade von links unten nach rechts oben. Aber natürlich gibt und gab es unterwegs immer Schwankungen, meistens sogar deutliche Kurseinbrüche, die sich im Nachhinein beim Betrachten des Kursverlaufs als Kaufgelegenheiten entpuppen. Aber Hinterher ist man ja bekanntlich immer klüger.

Freitag, 17. März 2017

Publity: Aktienkurs tut sich schwer. Aber warum eigentlich?

Publity ist ein Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien und kann eine langjährige Erfahrung im Bereich der Immobilienfinanzierung in Sondersituationen vorweisen. Man lebt vom Ankauf, der Entwicklung und dem anschließenden Verkauf von Gewerbeimmobilien und das im Auftrag von Finanzinvestoren und für die von Publity selbst aufgelegten Publikumsfonds.

Als zweites Standbein hat Publity vor einiger Zeit begonnen, sog. Non-performing Loans (NPLs) im Kundenauftrag zu verwerten, also nicht bedienter Kredite. Insbesondere im letzten Jahr konnte man mehrere Servicing-Verträge an Land ziehen und das NPL-Portfolio auf inzwischen €3,2 Mrd. ausbauen. Üblicherweise erhält Publity bei derartigen Aufträgen eine Servicing-Fee und ist so mit 22% am Verwertungserlös beteiligt. Es winken also erkleckliche erfolgsabhängige Provisionseinnahmen.

Die Geschäfte laufen hervorragend und Publity ist aufgrund seines Geschäftsmodells weit weniger vom boomenden Immobilienmarkt in Deutschland abhängig als andere Immobilienunternehmen. Im letzten Jahr konnte das Unternehmen den Gewinn nahezu verdoppeln und wird als Dividende €2,80 je Aktie auskehren. Was auf dem aktuellen Kursniveau von €34,50 einer rekordverdächtigen Dividendenrendite von fast 8% entspricht.

Mittwoch, 15. März 2017

H&R verdient wieder richtig Geld. Und belohnt seine Aktionäre mit Gratisaktien!

Das Spezialchemieunternehmen H&R hatte ich vor einem Jahr auf meine Empfehlungsliste genommen, als sich abzeichnete, dass das Unternehmen nach schwierigen Jahren im Geschäftsjahr 2015 einen blitzsauberen Turnaround vollzogen hatte. Von Kursen um €8 ging es seitdem fulminant nach oben, in der Spitze bis fast €20. Seitdem konsolidiert der Kurs und liegt nun bei knapp unter €15.

Dabei kann H&R weiter punkten und liefert tolle Zahlen ab - bei moderater Bewertung. Nachdem man kurz vor Jahresende die Prognosen nochmals erhöht hatte, konnte man nun Vollzug vermelden: Das Nettoergebnis stieg um fast 43% auf €38,4 Mio. und lag damit m oberen Bereich der zuletzt angehobenen Ergebniserwartung. Das EBITDA wurde auf €101,4 Mio. verbessert und alle Segmente lieferten positive Beiträge zum Ergebnis ab. Lediglich der Umsatz lag mit €942,7 Mio. ölpreisbedingt unter dem Vorjahreswert.

Diese nachhaltig positive Geschäftsentwicklung nährte auch Spekulationen, ob das Unternehmen n absehbarer Zeit wieder Dividendenausschüttungen vornehmen würde. Und diese Spekulationen wurden nun beendet. Denn H&R kündigte an, stattdessen Berichtigungsaktien (auch als Gratisaktien bezeichnet) an ihre Aktionäre ausgeben zu wollen.

Danaher, Fortive, Markel: Goldgräberstimmung beim US-Mittelstand?

▸ Kissigs Kolumne vom 16. Dezember 2016, Aktien Magazin 33/2016 

Es ist schon erstaunlich, wie schnell sich die Meinungen wandeln. War Trump vor der US-Präsidentenwahl noch Garant für einen Börsencrash, wird nun mit seinem Wahlsieg fast jede denkbare Aufschwungmöglichkeit verbunden. So hatte die führende US-Investmentbank Goldman Sachs Trumps Wahlsieg vor zwei Wochen noch als „Klatsche für die Weltwirtschaft“ bezeichnet, doch inzwischen vertritt man die genau gegensätzliche Meinung. Und zwar weil unter Trump staatlich getriebene Konjunkturprogramme zu erwarten sind und damit wohl steigende Zinssätze. Fast alle Sektoren dürften profitieren, so die Goldmänner, abgesehen von den Branchen Autobranche, Luftfahrt, erneuerbare Energien und Agrarindustrie. Die würden unter der zu erwartenden restriktiveren Handelspolitik und einem erhöhtem Inflationsdruck leiden.

Schon Mark Twain bemerkte spitzfindig, Prognosen seien immer schwierig, vor allem, wenn sie die Zukunft beträfen. Und das trifft natürlich auch auf die Politik von Donald Trump zu und die mit ihr einhergehenden Auswirkungen. Zumal er noch nicht einmal im Amt ist, sein Kabinett noch nicht steht und auch gar nicht wirklich klar ist, was er denn von seinen markigen Wahlversprechungen einzulösen gedenkt. Und überhaupt einlösen kann. Denn in den meisten Fällen muss der Kongress zustimmen und auch wenn dieser von den Republikanern dominiert wird, fühlen sich viele der dortigen Mitglieder der beiden Kammern Senat und Repräsentantenhaus eher ihren Heimat-Bundesstaaten verbunden als der Parteiführung oder dem Präsidenten.

Obwohl also wenig Konkretes feststeht, kann man dennoch einige Schlüsse ziehen. Denn Trump will ja vor allem Arbeitsplätze in den USA schaffen, das war eines seiner zentralen Wahlkampfthemen. Das wird er nicht alleine über Steuersenkungen für Unternehmen und Handelsschranken erzielen, aber wie auch immer er es ausgestalten wird, die Folge wird sein, dass US-Unternehmen Vorteile haben werden, die überwiegend in den USA tätig sind. Also nicht-exportlastige Mittelstandsunternehmen.

Ein erstes Indiz für diese Wahrnehmung könnte der Anstieg der US-Börsen sein. Der Dow Jones als Repräsentant der 30 größten Schwergewichte legte zwar auf ein neues Allzeithoch über 19.000 Punkten zu und auch der S&P 500 Index kletterte, aber zweistellig zulegen konnte vor allem der Russel 2000 Index, in dem die kleinen und mittleren Unternehmen zusammengefasst sind.

Nun ist es für Anleger aus Deutschland gar nicht so leicht, an interessante und informative Meldungen zu amerikanischen Nebenwerten abseits des S&P 500 zu gelangen. Man kann es sich jedoch auch einfacher machen und sich auf die Unternehmen fokussieren, die selbst im amerikanischen Mittelstand einkaufen: US-Beteiligungsgesellschaften.

Dienstag, 14. März 2017

Patrizia Immobilien hebt 2017er Prognosen an. Geht da noch (viel) mehr?

Der europaweit tätige Immobilien-Investment-Manager hat 2016 mehrfach seine Prognosen angehoben und auch 2017 führt er diese liebgewonnene Tradition fort. Das Augsburger Unternehmen rechnet nun mit einem operativen Gewinn von 60 bis 75 Mio.€ (2016 bereinigt: 72,2 Mio.€), nachdem man bisher mindestens 55 Mio. € Euro in Aussicht gestellt hatte. Patrizia stapelt also bekanntermaßen tief, um sich dann selbst zu übertreffen.

Im November stellte ich mir die Frage, ob Patrizia nach dem Kursrutsch überbewertet oder spottbillig sei. Und ich kam zu dem Schluss: "Patrizia ist massiv unterbewertet, die Zahlen zeigen es nur noch nicht an. Aber das werden sie bald. Im Moment schaue ich aus dem Fenster und draußen ist es stockfinster, nichts deutet darauf hin, dass bald die Sonne aufgehen und es wieder hell wird. Aber es wird, ich weiß das...".

Anstelle des damaligen Aktienkurses von unter 15€ liegt man aktuelle schon wieder bei 17,50€, aber auch dieses Niveau erscheint mir noch viel zu billig. Spottbillig geradezu. Nimmt man den Mittelwert des Gewinnkorridors, läge man bei rund 67,5 Mio. € Gewinn. Oder rund 0,80€ je Aktie. Ein KGV von 22 sieht natürlich nicht wirklich billig aus, insbesondere nicht für ein Immobilienunternehmen.

Allerdings gibt es noch ein paar Dinge zu berücksichtigen, die den Mehrwert von Patrizia aufzeigen könnten. Patrizia wandelt sich gerade vom Bestandshalter von Immobilien zu einem global agierenden Immobilien-Investment-Manager. Man investiert im Kundenauftrag Geld und legte Fondsprodukte auf, an denen man sich selbst nur mit einem geringen Anteil beteiligt. Man verdient an den stetigen Gebühren und Provisionen und nicht mehr wie bisher vor allem an den Verkaufsgewinnen der Liegenschaften. Das senkt einerseits die einzelnen Gewinne, verstetigt aber die Gewinnbasis. Und da Patrizia mit dem selben Eigenkapital viel mehr Volumen stemmen kann, steigen auch die Gebühren und Provisionen deutlich an.

Technotrans erfüllt Prognosen und liefert das beste Ergebnis seit 9 Jahren

Der Technologiekonzern Technotrans legte Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 vor und die können sich sehen lassen. Dabei war das Jahr 2016 durch Einmaleffekte aufgrund von Firmenzukäufen belastet, was in den Relationen der Zahlen deutlich wird.

Aufgrund der Übernahmen stieg der Umsatz um 23,6% auf €151,8 Mio., während das EBIT "nur" um 8,7% auf €9,7 Mio. zulegte. Damit erreichte das Unternehmen das beste Ergebnis seit neun Jahren und erfüllte trotz der Sondereffekte die im Rahmen der Akquisition der GWK angepasste Prognose Unter dem Strich blieb ein Jahresüberschuss von €7,3 Mio. (plus 16,8%).

Technotrans ist es erneut gelungen, in allen Marktfeldern organisch zu wachsen. EMit der Akquisition der GWK Gesellschaft Wärme Kältetechnik mbH (Meinerzhagen), der bisher größten Übernahme der Firmengeschichte, hat sich Technotrans den Markt der kunststoffverarbeitenden Industrie erschlossen. Dabei trug die GWK 2016 mit einem konsolidierten Umsatz in Höhe von €18,0 Mio. bereits in großem Maße zur Umsatzausweitung der Technotrans-Unternehmensgruppe bei. Darüber hinaus stärkte Technotrans sein Geschäftsfeld Technische Dokumentation durch den Erwerb von 51% an der Ovidius GmbH und deren Tochtergesellschaft EasyBrowse GmbH.

Montag, 13. März 2017

CoBa, Deutsche Bank: Steigende Zinsen sorgen bei Banken für Gewinne. Und Verluste…

▸ Kissigs Kolumne vom 2. Januar 2017, Aktien Magazin 35-36/2016 

Eines hat Donald Trump schon bewirkt, bevor er überhaupt sein Amt als neuer US-Präsident angetreten hat: die Inflation zieht an und mit ihr die Zinsen. Denn seine angekündigten großen Staatsinvestitionen werden viel Geld kosten, geborgtes Geld, denn die USA sind Defizit-Weltmeister. Unter Obama gab es den Rekord von einer Billion Defizit Haushaltsdefizit - in einem Jahr wohlgemerkt. Davon sind die USA inzwischen wieder weit entfernt, doch dank Trump wird wieder gepumpt.

Hinzu gesellt sich noch der Effekt einer sich erholenden Wirtschaft und insbesondere die darbende US-Öl- und Gasindustrie steht vor einer Renaissance. Hier waren aufgrund des Ölpreisverfalls hunderttausende von Jobs verloren gegangen und Milliarden an Investitionen gestoppt worden. Dieser Trend dürfte sich schnell umkehren und gepaart mit einem wiedererstarkten Ölpreis zieht somit die Inflation an bei sich ebenfalls bessernden Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten. Zeit für die US-Notenbank, die Zinswende einzuleiten und wir können davon ausgehen, dass weitere Zinsanhebungen folgen werden.

Fallende Zinsen waren für die Staatshaushalte ein Segen, denn sie konnten sich immer mehr Geld zu immer niedrigeren Zinskosten leihen. Vor allem deshalb kann Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erstmals seit mehr als 60 Jahren Haushalte vorlegen, die Überschüsse erzielen und auch die deutschen Staatsschulden senken. Doch andere leiden stark unter den niedrigen Zinsen und ich meine nicht nur die Sparer, die sich mit Nullzinsen herumplagen müssen, sondern Versicherungen, Bausparkassen und Banken. Diese haben in der Vergangenheit viele Kundengelder eingesammelt und das zu vergleichsweise hohen Zinsversprechen, die sie nun nicht mehr erwirtschaften können, weil das Geld für sie selbst kaum mehr Erträge abwirft. Einige Anbieter sind bereits in Existenznot geraten und versuchen sich mit rüden Methoden, der unrentierlichen Altverträge und Kunden zu entledigen.

Börsenweisheit der Woche 11/2017

"Beim Investieren befriedigende Resultate zu erzielen ist leichter als die meisten Menschen glauben. Außergewöhnliche Resultate zu erzielen ist dagegen schwerer als es aussieht."
(Benjamin Graham)

Samstag, 11. März 2017

Kaufe das Unternehmen, nicht die Aktie

Im weiteren Sinne kauft man mit dem Erwerb einer Aktie ein Unternehmen - jedenfalls einen Teil davon. Weshalb legen Value Investoren wie Warren Buffett auf diese Unterscheidung dann so viel Wert?

Das liegt an der Psychologie und am Verhalten der Menschen, die von Natur aus wankelmütig sind. Wir neigen zu Stimmungsschwankungen und so empfinden viele Menschen Freude, wenn ihre Aktien steigen und sind gereizt, wenn die Börsenkurse ihrer Aktien fallen. Doch wer den Börsenkurs zum (einzigen) Gradmesser macht, ob das getätigte Investment gut oder schlecht ist, kann nur scheitern. Jedenfalls als Investor, vielleicht nicht als Spieler.

»Denke nicht in Kursbewegungen, denke in Geschäftsergebnissen.«
(Warren Buffett)

Man muss sich von diesem Denken lösen, denn es wird einem ansonsten immer im Weg sein und einen davon abhalten, nachhaltig und langfristig mit seinen Investments eine überragende Performance zu erzielen. Man soll nicht die Aktie eines Unternehmens kaufen, sondern sich an dem Unternehmen beteiligen. Genau so, als würde die Firma nicht an der Börse gehandelt, sondern man würde einem Fremden Geld dafür geben, dass man Anteile an dessen GmbH erwerben darf. Dazu muss man zum Notar und nach der Beurkundung des Kaufvertrages wird dieser im Handelsregister eingetragen - und man wird die Anteile nur los, wenn man einen Käufer dafür findet. Man ist also langfristig in dem Unternehmen investiert und an das Unternehmen gebunden.

»Value Investoren sollten ihre Investments nicht als Aktien verstehen, die den täglichen Schwankungen des Marktes unterliegen, sondern als Teileigentum an den zugrundeliegenden Unternehmen.«
(Seth Klarman)

Was würde man tun, bevor man ein solches Wagnis einginge? Man würde sich ausführlich mit dem Unternehmen beschäftigen, sich mit den Alteigentümern unterhalten, dem Geschäftsführer, sich die Bilanzen der letzten Jahre ansehen und sich prägende unternehmerische Entscheidungen erläutern lassen.  Kurz: man würde das Unternehmen und seine neuen Partner auf Herz und Nieren prüfen, bevor man ihnen Geld für einen Teil Ihrer Geschäftsanteile gibt.

Freitag, 10. März 2017

Kickstart: MBB-Tochter Aumann geht bereits am 24. März an die Börse

Jetzt geht alles ganz schnell: die MBB-Tochter Aumann AG soll bereits am 24. März an die Börse gehen und zwar in den Regulierten Markt, Prime Standard, der Frankfurter Wertpapierbörse (ISIN DE000A2DAM03).

Aumann ist ein weltweit führender Hersteller von innovativen Spezialmaschinen und automatisierten Fertigungslinien mit Fokus auf Elektromobilität. Das Unternehmen verbindet einzigartige Wickeltechnologie zur hocheffizienten Herstellung von Elektromotoren mit jahrzehntelanger Automatisierungserfahrung, insbesondere in der Automobilindustrie. Weltweit setzen führende Unternehmen auf Lösungen von Aumann zur Serienproduktion rein elektrischer und hybrider Fahrzeugantriebe, sowie auf Lösungen zur Fertigungsautomatisierung.

Angeboten werden aus einer Kapitalerhöhung 1,5 Mio. Aktien zur Wachstumsfinanzierung im Bereich E-Mobility und zusätzlich stellt Großaktionär MBB im Wege einer Umplatzierung 4,48 Mio. Aktien inklusive Mehrzuteilungsoption zur Verfügung. MBB bleibt auch nach dem Börsengang mit mindestens 53,6% Mehrheitsaktionär, während der Streubesitz nach dem IPO bei vollständigem Ausnutzen der Mehrzuteilungsoption 46,4% betragen würde.

Donnerstag, 9. März 2017

Technotrans macht Druck und wird immer cooler

▸ Kissigs Kolumne vom 17. Januar 2017, Aktien Magazin 02/2017 

Technotrans ist eine der wenigen Aktien, die den Neuen Markt überlebt haben. Und nicht nur das, die Technotrans AG hat sich als wahrer Überlebenskünstler erwiesen, nachdem der Zulieferer für die Druckindustrie in Folge der Finanzkrise und angesichts der zunehmenden Digitalisierung heftig zu leiden hatte. Im Jahr 2000 wurden mal Kurse von über 50 Euro aufgerufen und nachdem es rasant auf 4 Euro abwärts ging, folgte die zwischenzeitliche Erholung auf 23 Euro. Bis die Finanzkrise den Aktienkurs sogar bis 3 Euro runterprügelte. Inzwischen notiert Technotrans bei gut 24 Euro und schickt sich an, die alten Hochs aus dem Jahr 2007 wieder hinter sich zu lassen.

Hinter dem Kursgeschehen steht ein Unternehmen, das sich in einer existenziellen Krise befand. Denn die Druckindustrie stand schwer im Feuer, die Weltmarktführer für Druckmaschinen, die deutschen Unternehmen Heidelberger Druck und König & Bauer, litten und leiden unter dem Trend, immer weniger Zeitungen, Prospekte und Kataloge in Papierform zu drucken und durch digitale Angebote zu ersetzen. Und Technotrans als Zulieferer dieser beiden Unternehmen litt entsprechend mit. Wie sich zeigte gab es keine Diversifikation, man hatte zwar unterschiedliche Kunden, aber alle aus derselben Branche. Und noch Anfang letzten Jahres macht die Druckbranche knapp 66 Prozent des Umsatzes von Technotrans aus.

Mittwoch, 8. März 2017

Mutares kommt bei der Formung eines globalen Nutzfahrzeugzulieferes voran

Die Beteiligungsgesellschaft Mutares macht Meter und kommt bei ihrem Turnaround prächtig voran. Nachdem man zwei von Mecaplast erworbene Werke bereits in die Mutares-Tochter STS integriert, konnte man heute weitere positive Nachrichten verkünden. Denn Mutares hatte ebenfalls ein unwiderrufliches Angebot zur Übernahme des Nutzfahrzeug-Zuliefergeschäfts der Plastic Omnium Gruppe abgegeben und heute wurde nun der Kaufvertrag unterschrieben.

Das Nutzfahrzeug-Zuliefergeschäft der Plastic Omnium Gruppe verfügt über fünf Werke in Frankreich, zwei Werke in China und jeweils ein Werk in Deutschland und Mexiko mit insgesamt 1.500 Mitarbeitern. Im Jahr 2015 wurde ein Umsatz von €190 Mio. mit Außenverkleidungsteilen für die Kabine von LKW erwirtschaftet. Alle großen europäischen LKW-Hersteller zählen zum Kundenkreis. Die Werke befinden sich in direkter Kundennähe.

Zusammen mit STS und der Akquisition der beiden Werke der Mecaplast Gruppe formt mutares einen global führenden Nutzfahrzeugzulieferer für Innen- und Außenteile mit einem Umsatz von €400 Mio. und 2.700 Mitarbeiten in 15 Werken. Die neue Gruppe wird über Standorte in Frankreich, Italien, Deutschland, Polen, China und Mexiko verfügen. Das Produktportfolio ergänzt sich ideal und erlaubt eine Vielzahl an Synergien und Cross-Selling- Möglichkeiten.

Capital Stage übernimmt weitere Solarparks in Italien. Und muss sich korrigieren...

Nach der erfolgreichen Übernahme des Wettbewerbers Chorus Clean Energy kauft der im SDAX notierte Betreiber von Solar- und Windparks Capital Stage in Italien zu.

Fünf Solarparks werden in der italienischen Region Apulien mit einer Gesamterzeugungsleistung von knapp 5,0 Megawatt (MW) zugekauft. Die fünf Solarparks befinden sich in der sonnenreichen Region Apulien, in der Capital Stage bereits drei Solarparks erfolgreich betreibt und damit hinsichtlich der zu erwartenden Sonneneinstrahlung auch auf eigene Erfahrungswerte zurückgreifen kann.

Die fünf Solarparks wurden in den Jahren 2010 und 2011 an das Netz angeschlossen und befinden sich seitdem im operativen Betrieb. Sie verfügen jeweils über eine Leistung zwischen 0,93 MW und 0,99 MW und profitieren von einer festen staatlichen Einspeisevergütung von durchschnittlich €0,3054 pro Kilowattstunde. Das Gesamtinvestitionsvolumen inklusive der übernommenen projektbezogenen Fremdfinanzierung beträgt rund €19,5 Mio. Capital Stage geht davon aus, dass die Solarparks im ersten vollen Betriebsjahr Umsatzbeiträge von voraussichtlich gut €2,6 Mio. erwirtschaften werden.

Der Aktienkurs rauschte nach der Meldung heute morgen erst einmal um 7% in Minus. Und das zu Recht, denn in der ersten Meldung wurden die zu erwartenden Umsätze noch mit €0,5 Mio. angegeben, also nur einem Fünftel des in der korrigierten Fassung veröffentlichten Werts.

VTG läuft wie auf Schienen

▸ Kissigs Kolumne vom 12. April 2016, Anlegermagazin 02/2016 

Wenn man bei uns an Schienen und Bahnverkehr denkt, dann zumeist an die Deutsche Bahn, an Verspätungen, Ausfälle, unfreundliches Personal und Gesprächsabbrüche beim Telefonieren. Und natürlich an immer wiederkehrende Meldungen über Bilanzverluste. Dass es auch anders geht, zeigen regionale Anbieter im Personenverkehr, aber auch ein Unternehmen, das die Schiene ausschließlich für den Transport von Gütern nutzt.

Die im SDAX beheimatete VTG unterhält kein eigenes Schienennetz, wie die Deutsche Bahn oder Union Pacific (UNP), sondern lebt von der Vermietung von Waggons. Neben Tankcontainern, die auch abseits der Schiene eingesetzt werden können, vermietet man Kessel- und Flachwagen sowie Waggons für Großraumgüter und man stellt diese auch selbst her. Darüber hinaus ist man in der Schienenlogistik tätig und organisiert den Transport von Mineralöl und Chemieprodukten. Der Kernmarkt liegt in der DACH-Region, also Deutschland, Österreich und der Schweiz, man ist aber auch in ganz Europa, Russland und den USA aktiv.

Die Schiene als Transportmittel
Der Schienenverkehr bietet enorme Kostenvorteile gegenüber seinem Hauptkonkurrenten, dem Lkw, den stetig strengere Vorschriften, kürzere Fahr- und längere Standzeiten, sowie Mautkosten gängeln. Zusätzlich kann der Schienengüterverkehr mit seinem großzügigen Platzangebot punkten und vergleichsweise wenig Staus – sofern nicht gerade bei der Bahn gestreikt wird. Andererseits ist der Gütertransport ein Massengeschäft mit dem nur geringe Margen zu verdienen sind. Hier verdient man nur über Menge und Auslastungsgrad.

Übernahme der AEE
Vor einiger Zeit übernahm VTG den etwas kleineren Schweizer Mitbewerber Ahaus Alstätter Eisenbahn Holding (AEE). Damit brach für VTG ein neues Zeitalter an. Der eigene Waggonbestand konnte so um knapp 30.000 auf 80.000 Stück aufgestockt werden und man ist nun in der Lage, ein breiteres Angebotsspektrum zu bieten, insbesondere in der Container-Logistik. Allerdings hat das Ganze auch seinen Preis, denn AEE gab es nicht geschenkt. Für den Zukauf nahm VTG eine Menge Fremdkapital in die Bücher und das kostet Geld, genauer gesagt Zinsen. Und auch der Fuhrpark selbst muss instand gehalten werden. Mit durchschnittlich 20 Jahren sind Waggons jedoch wesentlich langlebiger als Lkws.

Dienstag, 7. März 2017

Genworth Financial: Aktionäre stimmen für Oceanwide-Offerte. Und Dollarregen...

Der US-Versicherer Genworth Financial Inc. ist am Ziel. Jedenfalls hat er ein wichtiges Etappenziel erreicht, denn die Aktionäre haben mit überwältigender Mehrheit für die Fusion der US-Tochter des chinesischen Versicherers Oceanwide mit GNW gestimmt (hier das SEC-Formular 8-K). Im Zuge der Fusion werden GNW-Aktionäre in bar abgefunden und zwar mit einem festgelegten Preis von $5,43 je Aktie.

Nach der Zustimmung der Aktionäre stehen noch die Genehmigungen der Aufsichtsbehörden aus, bevor dann die Summen ausgezahlt werden. Ich hatte ja dazu geraten, auf den Übernahme-Poker zu setzen, und auch deshalb Genworth Financial zu einem meiner Jahresfavoriten für 2017 erklärt. Bezogen auf den aktuellen Kurs von $4,07 ergibt sich bis zu $5,43 ein Upside-Potenzial von rund 33% - sofern nicht die behördlichen Genehmigungen versagt werden, wovon nicht auszugehen ist, könnte das Geld vielleicht schon zur Jahresmitte an die Aktionäre fließen. Dann betrüge die Jahresrendite stolze und weit überdurchschnittliche 66%!

Genworth Financial befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.

Stop-Loss-Orders bieten weniger Sicherheit als Anleger glauben

"Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen" lautet eine in korrigierenden Marktphasen gerne zitierte Börsenweisheit und sie klingt nicht nur sinnvoll, sie ist es auch. Schon Warren Buffetts Regel Nummer 1 lautet: "Niemals Geld verlieren", auch das klingt nur vernünftig. Der Teufel liegt aber, wie so oft, im Detail. Oder genauer gesagt in der Anwendung. Denn es liegt in der Natur der Sache, dass niemand weiß, wohin sich die Börsenkurse entwickeln werden, alles beruht alleine auf Annahmen und Einschätzungen. Und zwar nicht nur unsrer eigenen, sondern der von allen Marktteilnehmern.

Daher hat irgendjemand mal den Stop-Loss erfunden, eine automatisierte Verkaufsorder, die vor (weiteren) Kursverlusten schützen soll. Auch das klingt wieder vernünftig, ist aber beim zweiten Hinsehen eher eine Mogelpackung mit weiteren Nebeneffekten.

Was bewirkt eine Stop-Loss-Order eigentlich?
Der Durchschnittsanleger denkt, mittels einer Stop-Loss-Order würde er sich einen garantierten Mindestverkaufspreis für seine Aktien sichern. Fällt der Aktienkurs auf den Stop-Loss, wird automatisch verkauft. So weit, so klar. Oder eben unklar. Denn es wird nicht, wie gemeinhin angenommen, zu diesem Stop-Loss-Kurs verkauft! Es wird beim erreicht der Stop-Loss-Marke lediglich eine unlimitierte (!) Verkaufsorder ausgelöst. Soll heißen: wenn die Aktien einbrechen und den Stop-Loss-Kurs erreichen, werden sie auf den Markt geschmissen, zu jedem Preis!

Montag, 6. März 2017

Turnaround nimmt Gestalt an: SBF AG kehrt in die Gewinnzone zurück

Unter der SBF AG können sich nur weniger Anleger etwas vorstellen, doch als Corona Equity Partner AG hat das Unternehmen bereits eine bewegte Vergangenheit hinter sich, auch an der Börse. Und das ist nicht unbedingt eine Erfolgsgeschichte, denn die Erfolge als Beteiligungsunternehmen sind kaum auszumachen. Vielmehr stand man mit dem Rücken zur Wand und musste dringend neues Geld auftreiben. Die erforderlichen Schritte zur bilanziellen Gesundung wurden im letzten Jahr angegangen und aus dem einstigen Pleitekandidaten wurde ein hoffnungsvoller Turnaround-Kandidat.

Ganz nebenbei wurde das im m:access der Börse München notierte Unternehmen in SBF AG umbenannt, was der einzig verbliebenen Tochter zu verdanken ist, der SBF Spezialleuchten GmbH, einem international tätigen Systemanbieter für Decken-, Beleuchtungs- und Belüftungssysteme für Schienenfahrzeuge. Das Unternehmen hat sich dabei auf LED-Systeme für den Außen- und Innenbereich von Schienenfahrzeugen jeglicher Bauart spezialisiert und Großkunde ist naturgemäß die Deutsche Bahn.

Ganz entscheidend für die SBF ist also der operative Erfolg der Tochter und diese konnte erstmals in der Unternehmensgeschichte ein positives Halbjahresergebnis vorlegen. Für die Aktionäre der SBF AG bleibt hiervon allerdings noch nichts übrig, weil die AG selbst in dieser Zeit ja erheblichen Aufwand für ihre Kapitalmaßnahmen hatte und dieser Aufwand dem entgegensteht.

Nachdem die SBF AG nun aber bilanziell wieder auf soliden Füßen steht, dürfte sich dies auch positiv auf die Tochter und somit das operative Geschäft auswirken. Der Trend hin zur Schiene spielt der SBF in die Karten und nicht nur bei neuen Zügen kommt die SBF-Technik zum Einsatz, sondern auch bei der Erneuerung der Beleuchtungssysteme in aktiven Zügen. Durch den Einsatz moderner LED-Systeme kann nicht nur die Beleuchtungssituation verbessert werden, sondern es sinkt auch der Energieverbrauch sowie der Wartungsaufwand für die Kunden, die Bahnbetreiber.

In 2016 erstmals wieder Gewinne erzielt
Nun hat die Mutter für sich und ihre Tochter vorläufige und noch ungeprüfte Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2016 vorgelegt und kann erstmals für beide die Rückkehr in die Gewinnzone vermelden.

Börsenweisheit der Woche 10/2017

"Es gibt Zeiten, wo es darum geht, Geld zu machen, und Zeiten, wo es darum geht, kein Geld zu verlieren".
(David Tepper)

Samstag, 4. März 2017

Zahlen & Mehr: GBK Beteiligungen, GFT, msg life, Scherzer & Co., Valeant

GBK Beteiligungen
Die auf Eigenkapitalbeteiligungen an mittelständischen Unternehmen fokussierte GBK kann bei ihrem Jahresabschluss zum 31.12.2016 ein Rekordergebnis ausweisen. So haben die Hannoveraner im Geschäftsjahr 2016 ein Realisiertes Ergebnis in Höhe von €12,4 Mio. erwirtschaftet und unter Berücksichtigung des Nicht realisierten Ergebnisses beläuft sich das Ergebnis des Geschäftsjahres auf €7,6 Mio. Dieses ist maßgeblich durch den Verkauf von drei Beteiligungen positiv beeinflusst worden. Der Nettoinventarwert je Aktie ist weiter gestiegen und beläuft sich am 31.12.2016 auf €10,18 je Aktie, so dass das Unternehmen der Hauptversammlung eine Ausschüttung von €1,00 je Aktie vorschlagen werden (zuvor €0,70), also einen Gesamtbetrag von €6,75 Mio. Dies entspricht einer Dividendenrendite von knapp 10%.

Meine Einschätzung
GBK Beteiligungen investiert dort, wo andere gar nicht hinschauen: bei den kleinen Unternehmen des erfolgreichen Mittelstands. Diese fliegen für die großen Beteiligungsgesellschaften unter dem Radar und GBK ist auch bereit, sich mit einem Minderheitsanteil zufrieden zu geben. Zuletzt war man zwei neue Beteiligungen eingegangen, um die drei Verkäufe aus dem Vorjahr zu kompensieren. Eine aktive Rolle bei der Führung des jeweiligen Tochterunternehmens strebt man nicht an, wie auch die beiden jüngsten Beteiligungen wieder zeigen. GBK ist ein Nischenwert mit allen Vor- und Nachteilen eines so kleinen Unternehmens, insbesondere der eingeschränkten Handelbarkeit der Aktie und die seltene Berichterstattung in den Medien. Wen das nicht schreckt und wer auf hohe Dividendenausschüttungen aus ist, der findet bei GBK Beteiligungen eine interessante Möglichkeit von Investments in kleine und mittlere Unternehmen des deutschen Mittelstands profitieren zu können.


GFT Technologies
Man hat Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr präsentiert und dabei die Prognosen eingehalten. Allerdings hatte man diese kürzlich auch erst deutlich senken müssen, weil sich viele Kunden aus der Bankenbranche nach dem Brexit-Votum merklich zurückhalten. Und das scheint auch eher (noch) nicht besser zu werden, denn der Ausblick auf 2017 ist ziemlich enttäuschend und um es vorsichtig auszudrücken: verhalten. Hier muss man abwarten, ob das Management nach der Prognosesenkung in 2016 nun lieber tief stapelt, um am Ende die Prognose übertreffen zu können, oder wirklich von einer so verhaltenen Geschäftsentwicklung ausgeht. Trotz eines weiterhin boomenden Umfelds. Nachdem GFT einige Jahre lang ein echter Börsenliebling war und der Kurs sich vervielfachen konnte, notiert er inzwischen meilenweit unterhalb der 30-Euro-Marke.

Turnaround: Erste Erfolge für Deutsche Forfait beim steinigen Neustart nach der Insolvenz

Die Deutsche Forfait AG versucht nach der erfolgreich überstandenen Insolvenz und der Rekapitalisierung den Neuanfang und hatte am 21. Februar zu Hauptversammlung geladen, um ihre Aktionäre auf den aktuellen Stand zu bringen. Das war auch nötig, denn zuletzt hatten zwei negative Nachrichten die Aufbruchstimmung doch wieder eingetrübt.

Die DFAG hatte aufgrund eines verlorenen Prozesses eine Wertberichtigung auf ihr Restrukturierungsportfolio in Höhe von €4,9 Mio. vornehmen müssen. Dieses dient dazu, die Forderungen der Altgläubiger zu befriedigen und belastet die Bilanz seit dem Neustart nicht mehr. Eigentlich. Denn sollte es der Gesellschaft nicht gelingen, mindestens €24 Mio. aus der Verwertung des gesamten Restrukturierungsportfolios zu erzielen, kann es abhängig vom tatsächlich erzielten Erlös aus der Verwertung des Restrukturierungsportfolios zu einer Zahlung von bis zu €0,8 Mio. an die Insolvenzgläubiger kommen. Es wurde nochmals betont, dass für die DFAG und ihre heutigen Aktionäre das Risiko bei diesen €0,8 Mio. gedeckelt ist. Man sollte diese Summe also innerlich abschreiben und falls sie nicht zum Tragen kommt, als außerordentlichen Ertrag willkommen heißen. Ich betone das so, weil nicht auszuschließen ist, dass weitere Abschreibungen auf dieses Portfolio nötig sein werden, auch wenn das heute noch nicht absehbar ist.

Die wichtigere Information ist, dass der erkrankte und beurlaubte Großaktionär und Vorstandsvorsitzende Dr. Shahab Manzouri voraussichtlich im Mai seine Tätigkeit wieder aufnehmen kann. Er hält 79,14% der DFAG-Aktien.

Freitag, 3. März 2017

Was ist... Value Investing?

Als Urvater des Value Investing gilt Benjamin Graham, ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und legendäre Investor, dessen 1934 erschienenes Buch "Security Analysis" noch heute als die „Bibel des Value Investing" gilt. Es beeinflusste neben Warren Buffett auch weitere Börsenlegenden wie John TempletonPhilip A. Fisher und Peter Lynch.

Value Investing ist eine Anlagestrategie, bei der Kauf- und Verkaufsentscheidungen für Wertpapiere ausschließlich unter Bezug auf deren realwirtschaftlichen Gegenwert, den so genannten inneren Wert, getroffen werden. Dieser wird durch eine sog. Fundamentalanalyse ermittelt. Der innere Wert wird dann mit den aktuellen Börsenkursen verglichen und so gezielt zeitweilige Ineffizienzen der Finanzmärkte bei der Preisbildung ausgenutzt: liegt der Aktienkurs unterhalb des inneren Werts, wird die Aktie gekauft und gegebenenfalls bei Aktienkursen deutlich oberhalb des inneren Werts wieder verkauft.

Das erklärte Ziel der Strategie liegt einerseits in der Vermeidung von Verlusten und unangemessen niedriger Renditen auf das eingesetzte Kapital. Als gewollter Nebeneffekt stellen sich dabei in der Regel für die jeweilige Anlageklasse überdurchschnittlich hohe Erträge in Form von Kursgewinnen ein.

»Wenn die Verluste minimiert werden, erzeugen durchschnittliche Gewinne überdurchschnittliche Ergebnisse.« (Benjamin Graham)

Auf der anderen Seite geht es beim Value Investing konkret um die Suche nach unterbewerteten Unternehmen, also Aktien, die unterhalb ihres fairen Werts notieren. Als Maßgabe für den inneren Wert eines Wertpapiers können dabei der Substanz- oder Liquidationswert, der Ertragswert oder das realwirtschaftliche Wachstum dienen. Weil jedoch die Ermittlung des inneren Werts gewissen Schwierigkeiten unterliegt und meist nur eine ungefähre Schätzung erlaubt, operieren Value Investoren mit einer sog. Sicherheitsmarge ("Margin of Safety"), also einem ausreichenden Abstand zwischen dem Preis und dem geschätzten inneren Wert des Wertpapiers. Sie wird zumeist zwischen 30 und 50% angesetzt. Denn je tiefer der Kaufpreis zum inneren Wert, desto geringer ist das Risiko mit der Anlage Geld zu verlieren. Die Sicherheitsmarge ist das zentrale Anlagekonzept beim Value Investing.

»Value Investing ist eine Philosophie; keine bloße Ansammlung von Anlageinstrumenten, sondern eine Frage der Einstellung, eine intellektuelle Grundlage.«
(Lawrence A. Cunningham)

Die Bewertung einer Aktie lässt sich aber eben nicht ausschließlich an einer Reihe von Kennzahlen festmachen, wie Warren Buffett 1992 in seinem Jahresbrief an die Aktionäre von Berkshire Hathaway erläuterte:

»Wir denken, dass es sich bei dem Begriff „Value Investing“ um ein Synonym handelt. Was ist „Investieren“, wenn es nicht die Suche nach einem Wert ist, der zumindest ausreicht, um den Kaufpreis zu rechtfertigen? Für eine Aktie wissentlich mehr als ihren kalkulierten Wert auszugeben, in der Hoffnung, dass diese bald für einen noch höheren Preis verkauft werden kann, sollte Spekulation genannt werden (die weder illegal, unmoralisch oder - aus unserer Sicht - finanziell nahrhaft ist).

Ob angemessen oder nicht, der Begriff „Value Investing“ wird weitläufig verwendet. Üblicherweise bedeutet er den Kauf von Aktien mit Eigenschaften wie einem niedrigen Kurs-Buchwert-Verhältnis, einem niedrigen Kurs-Gewinn-Verhältnis oder einer hohen Dividendenrendite. Unglücklicherweise sind solche Merkmale, selbst in Kombination, nicht im entferntesten dafür entscheidend, ob ein Anleger wirklich etwas kauft, das seinen Preis wert ist, und somit wahrhaft nach den Grundsätzen des Value Investing handelt.

Entsprechend stehen die entgegengesetzten Merkmale wie etwa ein hohes Kurs-Buchwert-Verhältnis, ein hohes Kurs-Gewinn-Verhältnis oder eine niedrige Dividendenrendite nicht im Widerspruch zu einem wert-orientierten Kauf.«

Daher legt Buffett großen Wert auf der Stellung eines Unternehmens im Markt, also auf ein herausragendes Geschäftsmodell und möglichst hohe Wettbewerbsvorteile, den sog. ökonomischen Burggraben oder economic Moat. Und wenn das richtige Unternehmen zu einem attraktiven Preis gefunden ist, dann braucht der erfolgreiche Anleger nur noch eines: Geduld. Und Geduld bezeichnete Benjamin Graham einst als die oberste Tugend des Investors.

»Jedes intelligente Investieren ist das Investieren in Werte - mehr bekommen als das, wofür Du bezahlst. Investieren ist, wenn Du wenige großartige Unternehmen findest und dann auf Deinem Hintern sitzt.«
(Charlie Munger)

Mittwoch, 1. März 2017

Mit Business Development Companies hohe monatliche Dividenden kassieren

▸ Kissigs Kolumne vom 19.12.2016, Aktien Magazin 34/2016 

Die staatliche Rente ist die Altersabsicherung Nummer eins in Deutschland und viele der Älteren haben noch die Worte des früheren Arbeitsministers Norbert Blüm im Ohr, als er sagte: „Die Rente ist sicher“. Und er hat Recht, bis heute. Allerdings gilt das nicht für die Höhe der Rente und das ist der Knackpunkt. Denn viele haben zu wenig eingezahlt und erhalten dann im Alter einen so niedrigen Rentenbetrag, dass es zum Leben nicht reicht. Im schlimmsten Fall droht ein Abrutschen in die Grundsicherung.

Aus diesem Grund wurde schon vor mehr als 15 Jahren immer stärker auf die private Altersversorgung gesetzt und mit der Riester-Rente ein staatlich subventionierter Moloch geschaffen. Doch die Renditen sind niedrig, die Kosten hoch und sie fressen die staatlichen Zuschüsse wieder auf. Am Ende wird nicht viel Rendite übrigbleiben, ist zu befürchten. Allerdings hat die Riester-Rente dann doch einen Vorteil: die Menschen haben wenigstens Geld fürs Alter zurückgelegt, das wird ihnen etwas helfen.

Eine andere tragende Säule der Altersvorsorge der Deutschen ist seit jeher die klassische Kapitallebensversicherung, eine Kombination aus Lebensversicherung und Sparplan. Doch die anhaltende Niedrigzinsphase hat dazu geführt, dass die früheren vollmundigen Renditeversprechungen der Lebensversicherungen sich in Schall und Rauch aufgelöst haben. Statt fünf Prozent oder mehr kommen die Garantieversprechen heute mit unter ein Prozent geradezu mager daher. Und im Neugeschäft bieten die Versicherer solche Produkte gar nicht mehr an. Das Problem für die Versicherten ist, dass ihre Erwartung an die hohen Renditeversprechen gekoppelt war und der Zinseszinseffekt trägt maßgeblich zum Ergebnis bei Ablauf der Versicherung bei. Doch die gesenkten Renditen lassen die Ablaufergebnisse dramatisch einbrechen. Und wer über eine Lebensversicherung sein Eigenheim finanziert hat, wird im Alter nicht etwa schuldenfrei dastehen, sondern auf einmal einen hohen Betrag zu finanzieren haben, wo das Arbeitseinkommen sowieso schon zusammengeschmolzen ist zur staatlichen Rentenzahlung. Für viele wird das bedeuten, dass sie ihr Häuschen als Rentner aufgeben werden müssen und der Traum vom mietfreien Wohnen im Alter wird für viele Rentner platzen. Wer heute Rentner ist oder es bald wird, hat kaum mehr Möglichkeiten, gegenzusteuern. Zumal die Deutschen ihr Geld am liebsten auf dem Sparbuch horten, wo es auch keine Zinsen mehr gibt. Eine Alternative zu mageren Zinsen sind Dividenden. Auch aus Dividendenzahlungen lassen sich regelmäßige Einkommensströme generieren, die einen Teil des monatlichen Einkommensbedarfs abdecken können.

Nun ist es in Deutschland üblich, dass die Aktiengesellschaften einmal im Jahr eine Dividende ausschütten. In den USA sind Quartalsdividenden eher die Regel, so dass man durch die gezielte Auswahl von US-Werten schon einen regelmäßigen Zahlungsstrom erzielen kann. Natürlich hängt es auch von der Höhe der Dividendenrenditen ab, ob sich dies zum Auffüllen der Rentenlücke eignet. Und hier kommt eine besondere Form der Unternehmen ins Spiel, die Business Development Companies.