Freitag, 31. März 2017

Zinsen, Inflation: Die weiteren Aussichten für Asset-Manager wie Corestate Capital, Deutsche Beteiligungs AG, DIC Asset, Ernst Russ, Lloyd Fonds, MPC Capital, Patrizia, Publity

Asset-Manager legen im Auftrag ihrer Kunden Geld an, überwiegend für institutionelle Investoren wie Family Offices, Versicherungen, Pensionsfonds. Eine Reihe von ihnen bietet seine Dienstleistungen allerdings auch Privatkunden an, gerne über Fonds. Und diese Unternehmen hatten die letzten Jahre regen Zulauf, sie konnten ihre Assets under Management (AuM), also das von ihnen verwaltete Vermögen erheblich ausweiten. Was nicht zuletzt am immer weiter fallenden Zinsniveau in der Eurozone lag, das die Jagd auf Rendite immer mehr verschärfte. Im Zuge der Niedrigzinsphase kamen und kommen auch zunehmend "Bastionen der Sicherheit" in immer ärgere Bedrängnis, wie Versicherungen und Bausparkassen. Von Banken ganz zu schweigen, denen ist das Kerngeschäft komplett weggebrochen da ihre Zinsmarge immer weiter zusammenschrumpft. Ich hatte neulich wieder ein längeres Gespräch mit dem Vorstand unserer örtlichen Sparkasse, bei dem es um das unerfreuliche Thema Filialschließungen ging. Dabei wurden auch erneut Zahlen präsentiert, die ich hier im Blog schon mehrfach angesprochen habe.

Zinsmarge implodiert
In der Vergangenheit konnte bei einem höheren Zinsniveau die Zinsmarge von den Banken relativ konstant bei 2% gehalten werden. Für die Spar- und Termineinlagen der Kunden erhielten diese also im Schnitt etwa 2% weniger an Zinsen gutgeschrieben, als Kunden für Anschaffungs- und Immobilienkredite zahlen mussten. Ich meine damit die durchschnittliche Zinsmarge über alle Fristen hinweg. Für die Banken war das Zinsniveau relativ belanglos, denn ob die ihre 2% Marge zwischen 6 und 8 Prozent oder zwischen 3 und 5 Prozent verdienten, war ihren eigentlich egal. Das Zinsniveau hatte, ebenso wie die allgemeine Konjunkturlage, eher Auswirkungen auf das Volumen der nachgefragten Kredite.

Doch diese "einfache Welt" hat sich verändert und zwar dramatisch. Denn die Banken und Sparkassen müssen nach der Finanzkrise aufgrund der Bestimmungen von Basel II und Basel III inzwischen viel höhere Eigenkapitalanteile nachweisen, das sog. Kernkapital. Des Weiteren verlangt die EZB bei den Einlagen der Banken, die sie dort unterhalten (und einige sind sogar Pflicht, wie die Mindestreserve) sogar Negativzinsen. Die Banken müssen also für das Geld, das die der EZB zur Verfügung stellen, sogar noch Zinsen oben drauf legen. In der Folge bekommen Sparer bei den Banken kaum noch Zinsen und kürzlich hat auch schon die zweitgrößte Sparkasse Deutschlands Negativzinsen für Privatkunden eingeführt. Auch diese zahlen nun für die "Geldverwahrung" und weitere Institute werden folgen. In Summe ergeben sich für die Banken hieraus erhebliche negative Effekte, denn sie erzielen mit dem Ausleihen von Geld nur noch magere 0,6%, während sie bei Kunden in etwa Null Zinsen zahlen. Die Zinsmarge ist also auf 0,6% zusammengeschrumpft. Die Banken verdienen also immer weniger Geld, während ihre Kosten für Personal und Aufsicht (Controlling) enorm zulegen. Sie greifen also zu Filialschließungen, Personalabbau, Technisierung von Abläufen. Und sie verlangen von Kunden Strafzinsen. Von Firmen und Geschäftskunden mit höheren Anlagebeträgen sogar schon länger.

Das führt uns zurück zu Versicherungen, Bausparkassen, Family Offices, Pensionsfonds und vermögenden Privatanlegern die alle vor dem gleichen Dilemma stehen: ihr Geld bringt keine Rendite mehr, sondern es wird neben der Inflation nun auch noch durch Negativzinsen aufgefressen. Daher übergaben sie es willig an Asset Manager in der Hoffnung, dass diese ihnen nicht nur die Strafzinsen ersparen, sondern auch noch attraktive Renditen erwirtschaften. Natürlich floss auch direkt eine Menge an Geld in Immobilien, die boomenden Preise liegen ja an der gesteigerten Nachfrage.

Zinswende: das Ende der paradiesischen Zeiten für Asset Manager?
Für Asset Manager waren das also paradiesische Zeiten, sie bekamen immer mehr Geld von immer mehr Kunden. Auf der anderen Seite wurde es auch für sie immer schwieriger, rentierliche Anlagemöglichkeiten zu finden, da die Preise in die Höhe schnellten. Für Immobilien, Unternehmen, Aktien.

Wenn nun aber die Zinsniveaus wieder steigen, dann bieten sich Anlegern wieder mehr Möglichkeiten, ihr Geld anzulegen. Auch jenseits von Aktienmarkt, Immobilien und Asset Managern. Anleihen mit attraktiven Zinssätzen könnten wieder zu einer Alternative werden, oder auch einfach verzinste Termineinlagen bei den Banken. Und so schaut die Welt auf die Notenbanken, die letztlich das Zinsniveau in ihren Händen halten. Und die US-Notenbank FED hat ja bereits mit zwei Zinsschritten das Ende der Niedrigzinsphase eingeläutet. Robuste US-Konjunkturdaten und eine anspringende Inflation befeuern diesen neuen Trend. Ganz anders sieht die Lage in der Eurozone aus, dort darbt die Wirtschaft, die Staaten stöhnen unter der Zinslast und die EZB fährt noch immer ein unterstützendes Ankaufprogramm für Anleihen. Das Zinsniveau zwischen den USA und der Eurozone vergrößert sich, was zwangsläufig zu Währungswanderung führen wird, hinaus aus dem Euro und hinein in den Dollar. Da dies zu volkswirtschaftlichen Verwerfungen führen kann, sind viele der Meinung, dass die EZB ihren Kurs nicht mehr lange wird beibehalten können und auch an der Zinsschraube drehen muss. Insbesondere die steigende Inflationsrate in der Eurozone wird hier als Argument ins Feld geführt. Doch...

Die Daten sprechen eine andere Sprache. Der Ölpreis hat sich im letzten Jahr signifikant von seinem massiven Einbruch erholt und damit die Energiepreise deutlich verteuert. Das spiegelt sich auch in der Inflationsrate wieder. Lässt man die Energiepreissteigerungen außen vor und betrachtet nur die sog. Kerninflationsrate in der Eurozone, liegt diese deutlich unter 1%. Also bei weniger als der Hälfte der von der EZB als wünschenswert ausgegebenen Teuerungsrate.

Nun macht es natürlich keinen Sinn, sich die Daten so zurechtzubasteln, wie man sie gerne hätte. In diesem Fall sollte man jedoch schon genauer hinsehen. Denn der Ölpreisanstieg ist längst zum Stoppen gekommen. Und da die Inflationsrate ja immer im Vergleich zum Wert im Vorjahresmonat berechnet wird, wird die Inflationsrate tendenziell wieder sinken. Weil die Ölpreise sich im  letzten Jahr insbesondere in den ersten Jahresmonaten verteuert hatten, um danach viele Monate lang stabil zu bleiben, bevor sie gegen Ende des Jahres noch einmal anzogen. Folglich wird die Inflationsrate in diesem Jahr um Einiges unter 2% landen und sollte der Ölpreis weiterhin bei einem Niveau von rund 50$ verharren, wird sich hieraus für das nächste Jahr überhaupt keine Teuerung mehr ergeben. Damit würde die Inflationsrate also insgesamt wieder auf etwa 1% zusammensinken.

Kaum vorstellbar, dass die EZB wegen der Inflation an der Zinsschraube dreht. Und solange die Konjunktur nicht anzieht in der Eurozone und die Staaten weiterhin nach billigem Geld schreien, wird Draghi nichts unternehmen. Die Zinsen bleiben wohl noch auf längere Sicht niedrig. Auch weil sich das "Konjunkturwunder Trump" in den USA bisher eher auf Ankündigungen und Hoffnungen stützt und weniger auf eine wirkliche fundamentale Verbesserung. Auch hier sind die beiden weiteren Zinsschritte der FED für dieses Jahr noch nicht in Stein gemeißelt.

Konsequenzen
Wenn also die Rahmenbedingungen sich nicht wirklich ändern, stehen alle vor den gleichen Problemen wie zuvor. Und diejenigen, die von diesen Widrigkeiten profitieren, werden das auch in Zukunft tun. Also die Asset Manager. Das Paradies hält seine Pforten weiterhin weit geöffnet. Und daher dürften diese Unternehmen auch in den nächsten Monaten und Jahren gute Geschäfte machen und eher noch mehr Geld von Anlegern und Investoren aufgedrängt bekommen, als bisher schon. Und jeder neue Euro an AuM bringt den Asset Managern zusätzliche Provisionen und Gebühreneinnahmen. Mehr AuM, mehr Umsatz, mehr Gewinn. Wobei das Geschäftsmodell bis zu einem gewissen Grad skalierbar ist, die Kosten für Personal also unterdurchschnittlich steigt im Verhältnis zum Umsatz. Was sich zusätzlich positiv auf den Gewinn auswirkt.

Meine Einschätzung
Anleger dürften also weiter profitieren mit Aktienanlagen in Asset Manager. Dabei kann man hier sein Geld streuen und auf die unterschiedlichen Geschäftsmodelle und Investitionsschwerpunkte setzen. Während die Deutsche Beteiligungs AG deutsche Mittelstandsunternehmen kauft, setzt Ernst Russ auf die Bereiche Schifffahrt und Immobilien. Ebenso wie Lloyd Fonds, die ihren Schwerpunkt künftig auch im Sozialen Wohnungsbaus sehen und MPC Capital, die auf Mikroappartments für Studenten setzen. Publity ist ein Spezialist für notleidende Kredite und die Verwertung der für sie hinterlegten Büro- und Gewerbeimmobilien, während Patrizia für institutionelle Investoren europaweit in Immobilienprojekte investiert. DIC Asset ist hier ein Nachzügler, weil man noch über einen großen Eigenbestand an Immobilien verfügt, den man aber sukzessive abbaut. Zugunsten von Fondsinvestments wie bei Patrizia, nur dass DIC Asset ausschließlich auf Deutschland setzt und rein auf Gewerbeimmobilien. Hier kommt noch hinzu, dass man inzwischen mehr als 25% am Konkurrenten WCM hält und sich hier eine sehr interessante Konstellation ergeben könnte.

Neues Rennpferd: Corestate Capital Holdings SA
Daneben macht jüngst ein neues Unternehmen auf dem deutschen Kurszettel auf sich aufmerksam, die in Luxemburg beheimatete Corestate Capital Holding SA. Das Unternehmen ist ein Immobilienberatungsunternehmen, das seine Kunden europaweit während allen Lebenszyklen einer Immobilie begleitet, von der Akquisition über das aktive Asset Management über Projektentwicklung bis hin zum Verkauf von Gewerbe- und Wohnimmobilien. Dabei ist Corestate Dienstleister und nicht Bestandshalter der Immobilien. Also ein klassischer Asset Manager.

Corestate war erst im Oktober an die Börse gegangen, das gelang allerdings nur holprig und im zweiten Anlauf. Anstelle eines IPO gab es nur ein Börsenlisting, wobei man die für die Expansionspläne nötigen zusätzlichen frischen Mittel in Höhe von 43 Mio. Euro zuvor bei institutionellen Investoren eingesammelt hatte. Von der Erstnotiz bei 17 Euro hat sich Corestate mit aktuellen 27 Euro inzwischen deutlich entfernt. Und das dürfte vor allem an dem Tempo liegen, mit das Unternehmen seine Geschäft ausweitet. So werden fast im Wochentakt neue Immobilienakquisitionen in ganz Europa vermeldet und im Februar wurde bereits eine weitere 10-prozentige Kapitalerhöhung erfolgreich durchgezogen, um die Expansionspläne zu unterfüttern. Ende Dezember musste Corestate denn auch bereits seine eigene Jahresprognose nach oben korrigieren, weil man erfolgreicher war als gedacht.

 Corestate Capital (Quelle: finanzen.net
Die aktuelle Marktkapitalisierung liegt bei 375 Mio. Euro und die AuM lagen knapp über 2,5 Mrd. Euro. Lagen. Denn mit einem Schlag ist alles anders.

Corestate ist ein echter Mega-Deal gelungen, in dem man der Hessischen Landesbank (Helaba) ihr Geschäft mit geschlossenen Immobilienfonds abkaufte und sich damit in eine ganz neue Liga katapultiert. Besagte Hannover Leasing war einmal einer der größten Anbieter geschlossener Immobilienfonds für Privatanleger in Deutschland, inzwischen legt man allerdings fast ausschließlich Fonds für institutionelle Kunden auf. Und genau darauf zielt Corestate, die nach der Übernahme, die noch von den BaFin genehmigt werden muss, die AuM fast verachtfachen auf dann über 16 Mrd. Euro. Zum Kaufpreis wurden keine Angaben gemacht, die Wirtschaftswoche spekulierte aber über einen zweistelligen Millionenbetrag. Erfolgt die Genehmigung der Übernahme durch die BaFin, gehören Corestate dann 94,9% an der HL - die restlichen 5,1% verbleiben bei der Helaba, um keine Grunderwerbsteuerfplicht auszulösen.

Mit der Übernahme will Corestate seinen Zugang zu neuen institutionellen Kapitalquellen verbessern, insbesondere erhält Corestate nicht nur besseren Zugang zum Markt für geschlossene Fonds für Groß- und Kleinanleger, sondern auch die Möglichkeit, offene Immobilienspezialfonds nach deutschem Recht aufzulegen (sog. offene Spezial-AIF). Corestate will dem entsprechend auch das Publikumsfondsgeschäft fortführen, denn die HL hat noch immer fast 70.000 Privatanleger als Kunden. Damit nähert sich Corestate auf einen Schlag der Patrizia Immobilien an, nicht nur was die Geschäftsausrichtung angeht, sondern auch bei der Größe der AuM. Corestate und seine Aktionäre profitieren dabei von den Verwaltungsgebühren, die aus dem Fondsgeschäft stammen und das künftig in ganz neuen Größenordnungen. Und es bieten sich erhebliche Synergien zwischen Corestate und Hannover Leasing. Zumal die HL zuletzt eher lethargisch vor sich hinschlummerte, während Corestate äußerst agil am Markt unterwegs ist und neue Geschäfte anbahnt. Sollte es Corestate gelingen, den schlafenden Riesen HL wachzuküssen, dürften hier enorme Schätze gehoben werden können.

Corestate will sich aber nicht nur als Wachstumsunternehmen positionieren, sondern auch als verlässlicher Dividendenzahler. So sollen von bereinigten Ergebnis künftig rund 70 Prozent als Dividende ausgeschüttet werden, was momentan auf rund 1 Euro je Aktie hinausliefe und dem entsprechend eine Dividendenrendite von rund 3,7%.

In der Zwischenzeit hat Corestate seine 2017er Prognosen abgegeben und strebt eine Gesamtleistung zwischen 75 und 80 Mio. Euro an, sowie einen entsprechenden Jahresüberschuss zwischen 30 und 32 Mio. Euro. Diese Prognose berücksichtigt noch nicht die Geschäftsergebnisse der Hannover Leasing Gruppe, die erst ab Vollzug der Transaktion, die man noch im ersten Halbjahr 2017 erwartet, vollständig in der Corestate-Bilanz konsolidiert wird. Für 2017 sollte man allerdings noch nicht zu viel Positives aus der HL-Übernahme erwarten, der Deal wird erst ab 2018 zunehmend lukrativ und die GuV von Corestate unter Strom setzen.

Die HL-Übernahme greift natürlich die Kapitalbasis von Corestate an und so wird das weitere Wachstum auch mit zusätzlichen Kapitalmaßnahmen begleitet werden. Dabei ist zu vermuten, dass es nicht bei homöopatisch dosierten 10%-Kapitalerhöhungen bleiben wird, sondern dass Corestate auch eine große Kapitalerhöhung ins Auge fassen dürfte. Großaktionär und Mitgründer Ralph Winter dürfte sich hierbei teilweise verwässern lassen, zumal er er erst im letzten Jahr das 28-Prozent-Paket an Corestate von Intershop zurückgekauft hatte. Der dann höhere Streubesitz brächte allerdings den Vorteil mit sich, dass die im Börsensegment Scale gelistete Corestate damit sogar indexfähig werden und Kurs auf den SDAX nehmen könnte.

Meine Einschätzung
Corestates Wachstumstempo ist beeindruckend und die Potenziale bei der Hannover Leasing sind enorm. Eine Kapitalerhöhung, die frisches Geld ins Unternehmen bringt, das umgehend in rentierliche neue Geschäfte investiert wird, sollte Anleger nicht schrecken. Im Gegenteil. Aktuell konsolidiert der Aktienkurs um die 27 Euro, aber spätestens wenn die Übernahme der HL genehmigt ist und in das Corestate-Zahlenwerk einfließt, dürften die Anleger realisieren, was sich hier für eine Perle entwickelt. In der Zwischenzeit dürften die gerade im Februar eingeworbenen Gelder in weitere Deals fließen und es ist daher ein weiterhin hoher Newsflow zu erwarten. Ich sehe hier gute Chancen, dass Anleger mittel- und langfristig gute Renditen einfahren können mit einem Investment in Corestate-Aktien. Auch angesichts eines schon vor allem in Deutschland gut gelaufenen Immobilienmarkts.

Deutsche Beteiligung, DIC Asset, Ernst Russ, Lloyd Fonds, MPC Capital, Patrizia, Publity und WCM befinden sich auf meiner Empfehlungsliste. Und ab heute auch Corestate Capital Holding.


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ERGÄNZUNG VOM 02.04.2017, 11:21

▸ Corestate erhält Investment- und Asset-Management-Mandat im Wert von 687 Mio. Euro

Corestate hat heute durch von ihr administrierte Gesellschaften Verträge notariell beurkundet, die ein Asset-Management-Mandat und den Verkauf von Einzelhandelsportfolien an Universal-Investment-Fonds der Bayerischen Versorgungskammer regeln.

Corestate wird künftig das Asset Management übernehmen. Das bestehende Portfolio im Wert von 687 Mio. Euro verteilt sich auf insgesamt 90 Objekte in deutschen Städten und besteht aus Teilportfolien, die im Rahmen des Club-Deal-Programms der Corestate erworben wurden.

Meine Einschätzung
Mit diesem neuen Mandat weitete Corestate seine AuM auf über 16,5 Mrd. aus (unter Einbeziehung der HL-Übernahme). Das hohe Wachstumstempo geht weiter, ebenso wachsen die stetigen Gebühren- und Provisionseinnahmen für Corestate weiter deutlich an.

Mittwoch, 29. März 2017

Phillips 66 ist Buffetts raffiniertestes Öl-Investment

▸ Kissigs Kolumne vom 16. September 2016, Aktien Magazin 25/2016 

Warren Buffett ist der Großmeister des Value-Investings und er steht auf verlässliche Geschäftsmodelle, die sich relativ leicht in die Zukunft fortschreiben und damit bewerten lassen, möglichst mit langer Geschäftshistorie. Und er betont stets, man solle Aktien kaufen, als würde man das ganze Unternehmen erwerben, sich an einem Business beteiligen, an dem man für mindestens fünf Jahre festhalten wird. 

Weshalb nun gerade ein börsennotiertes Unternehmen aus der Öl-Branche mit ihren starken Preisschwankungen in den letzten drei Jahren zwischen 30 und 110 Dollar für WTI (West Texas Indermediate), und das erst seit wenigen Jahren eigenständig ist und an der Börse notiert, sich seiner zunehmenden Beliebtheit erfreut, erschließt sich nicht auf den ersten Blick. Da müssen wir schon genauer hinsehen, um vielleicht auch zu erkennen, was Buffett an Phillips 66 so begeistert.

Wie Buffett zu Phillips 66 kam
Seine ersten Aktien von Phillips 66 hat Buffett nicht gekauft, sie wurden ihm geschenkt. Und zwar als Abspaltung, als Spin-off, des Energieriesen ConocoPhillips, der vor gut vier Jahren seine langweilige und margenschwache Sparte unbedingt loswerden wollte, um sich ganz auf die damals viel lukrativere Öl-Förderung zu konzentrieren. Damals hatte das zu diesem Zeitpunkt wertvollste Unternehmen der Welt, der Energie-Gigant ExxonMobil gerade vermeldet, dass man einen Jahresgewinn von 40 Milliarden Dollar erzielt hätte. Und niemand wollte damals ein unspektakuläres Raffineriegeschäft haben und ein mindestens ebenso unattraktives Tankstellennetz. Naja, alle außer Warren Buffett…

Denn Buffett behielt nicht nur seine Phillips 66-Aktien, im Gegenteil, er verkaufte auch noch seinen Bestand an ConocoPhillips vollständig. Und auch von seinem nicht unbeträchtlichen Anteil an ExxonMobil hat er sich inzwischen verabschiedet, aus der Öl-Suche und Öl-Förderung ist er weitgehend ausgestiegen. Das ist durchaus nachvollziehbar, denn der Ölpreis ist seit Ende 2014 dramatisch eingebrochen und hat sich seitdem nur mäßig erholt. Das Fördern von Öl ist kostspielig und in vielen Fällen fahren die Konzerne mit Off-Shore-Bohrungen im Golf von Mexiko oder in der Nordsee heute Verluste ein, so dass sie hier immer weniger neue Quellen erschließen und froh sind, wenn sie die alten nicht mehr weiter ausbeuten müssen.

Nicht nur die in den letzten Jahren explosionsartig aufgetretene Konkurrenz der Fracking-Unternehmen aus den USA, sondern auch die weltweite Konjunkturschwäche, die Rückkehr des Iran auf den Weltmarkt nach Aufhebung der Iran-Sanktionen und der globale Trend hin zu Energieeinsparungen und alternativen Energien, setzen den Öl-Konzernen zu. Und dann nimmt auch, nicht erst seit dem VW-Abgasskandal, der nächste Megatrend zunehmend Fahrt auf, die Elektromobilität. Allesamt Argumente, die nicht gerade für Investments in den Öl-Sektor sprechen. 

Buffett kauft bei Phillips 66 weiter zu
Und doch hat Buffett an seinen Phillips 66-Aktien festgehalten. Und noch mehr, denn er hat über die letzten Monate massiv zugekauft. Vor genau einem Jahr hatte Buffett in einem Überraschungscoup vermeldet, seine Beteiligungsholding Berkshire Hathaway habe sich 10 Prozent an dem Unternehmen einverleibt. Und sowohl im ersten, als auch im zweiten Quartal dieses Jahres hat Buffett diese Position weiter ausgebaut und kommt nun auf einen Anteil von mehr als 15 Prozent. Mit einem Gesamtwert von mehr als 6 Milliarden Dollar oder 5 Prozent an Buffetts Aktienportfolio ist Phillips 66 damit inzwischen seine sechstgrößte Position.

Was sieht Buffett in Phillips 66?
Phillips 66 ist in zwei Bereichen tätig. Man betreibt ein großes Netz an Tankstellen, in Deutschland gehören die JET-Tankstellen zum Konzern, und ist im sog. Midstream-Bereich tätig, also dem Transport von Öl über Pipelines. Die übrigen Aktivitäten liegen in der Veredlung und Weiterverarbeitung des Rohstoffs Öl und diese Raffinerieaktivitäten sind viel weniger vom Ölpreis abhängig, als die der fördernden Unternehmen.

Pipelines bieten starken Moat
Dabei sind Pipelines ein sehr kapitalintensives Geschäft, was bei den derzeit niedrigen Zinssätzen alleine schon durch Ablösung älterer Finanzierungskonditionen zu verbesserten Zinsergebnissen und höheren Margen führt. Lässt sich in einem Bereich gutes Geld verdienen, zieht dies schnell Nachahmer an, die ebenfalls ein möglichst großes Stück vom Kuchen abhaben wollen. Allerdings ist das im Pipelinebereich kaum möglich, denn niemand wird eine Pipeline neben eine andere setzen, weil ihn das Unsummen an Geld kosten würde und er nebenan direkte Konkurrenz hätte, wodurch man kaum mehr die gleichen Erträge erwirtschaften würde, wie der eine Betreiber alleine. Die Preise würden deutlich sinken durch die Konkurrenz und die Verteilung des Öls auf zwei Pipelines würden beide weniger abwerfen. Von dem Horror der Genehmigungen aufgrund von Umweltauflagen und dem sich über viele Jahre oder gar Jahrzehnte hinziehenden Genehmigungsprozess einmal ganz abgesehen. Bestehenden Pipelines weisen also einen starken Moat auf, einen ökonomischen Burggraben. Und solche Geschäftsmodelle liebt Buffett: gut kalkulierbare Einnahmen bei absehbaren Kosten, und schier unangreifbar durch die Konkurrenz.

Ein solch starker Moat besteht natürlich nicht für das Tankstellennetz. Autofahrer haben zwar eine Präferenz für eine bestimmte Tankstelle oder eine Tankstellemarke, aber sie können auch ganz einfach woanders tanken – der Preis ist und bleibt ein bestimmender Faktor und die Konkurrenzsituation ist groß, jedenfalls in dicht und normal besiedelten Gegenden. Da Phillips 66 jedoch sein eigenes Benzin aus dem Rohöl raffiniert, stellt das Tankstellennetz durchaus ein attraktives Asset dar, denn es garantiert eine große Zahl von Abnehmern des produzierten Benzins. 

Das andere Standbein sind also die Raffinerien und die produzieren auf Hochtouren. Der gesunkene Ölpreis hat dazu geführt, dass vor allem in den USA wieder mehr spritschluckende SUVs gekauft werden und damit der Benzinabsatz angekurbelt wurde. Des Weiteren basieren mehr als 90 Prozent aller Produkte, die wir in Geschäften kaufen können, zu einem kleinen oder großen Anteil auf Rohölbasis. Ob Hautcremes, Lebensmittel, Arzneimittel oder Küchengeräte, in allen steckt Öl und zwar in unterschiedlichen Qualitäten und Ausführungen. Das Veredeln des Rohöls, das Weiterverarbeiten, nennt man raffinieren. Und hier ist Phillips 66 gut im Geschäft und profitiert sogar vom niedrigen Ölpreis, denn wenn der Rohstoff billiger ist, werden damit die von Phillips 66 erzeugten Produkte ebenfalls billiger. Und werden von den Kunden stärker nachgefragt.

Es gibt auch Risiken
Das klingt alles zu perfekt, um wahr zu sein, und natürlich hat das Geschäftsmodell auch seine Risiken. Ein stark steigender Ölpreis würde auch die eigenen Produkte verteuern und vermutlich zu niedrigeren Margen führen. Und dann sind die sehr erfreulichen weltweiten Bestrebungen, Energie einzusparen, nicht gerade förderlich für das Geschäft von Phillips 66. Weltweit setzt man auf geringeren Verbrauch bei Automotoren und der Trend hin zu Hybrid-Fahrzeugen und reinen Elektroautos wird sich negativ auf den Absatz von Benzin auswirken. Daneben gibt es immer mehr Autos, die mit LNG (Liquefied Natural Gas) fahren, ebenso in der Schifffahrt. Hier wird das Unternehmen sich auf die sich verändernde Nachfrage einstellen müssen und sukzessive seine Kapazitäten anpassen müssen. Allerdings ist das eine Entwicklung, die sich über die nächsten Jahre und Jahrzehnte abspielen wird und daher für Phillips 66 eine ganz normale unternehmerische Herausforderung darstellt.

Buffett liebt Aktienrückkäufe
Es gibt aber noch weitere Gründe, die Buffetts Interesse an Phillips 66 erklären. Seinen üppigen Free Cashflow setzt das Unternehmen nämlich zum Wohl der Aktionäre ein. Neben einer durchaus attraktiven Quartalsdividende kauft das Unternehmen in großem Stil eigene Aktien zurück. Die Dividendenhöhe hat sich in den letzten vier Jahren mehr als verdreifacht und im selben Zeitraum wurden auch noch mehr als 15 Prozent der eigenen Aktien über die Börse erworben. Das wirkt nicht nur kurstreibend, sondern hat für Buffett auch den angenehmen Nebeneffekt, dass sich sein Anteil an Phillips 66 mit jeder zurückgekauften Aktie weiter erhöht, ohne dass er selbst weitere Anteile erwerben müsste. Denn diese Aktien zieht das Unternehmen ein und reduziert damit die Anzahl der ausstehenden Aktien. Der erzielte Unternehmensgewinn verteilt sich dann auf weniger Aktien und alleine deshalb erhöht sich schon der Gewinn je Aktie. Das daraus resultierende niedrigere Kurs-Gewinn-Verhältnis bietet dann wiederum zusätzlichen Spielraum für weitere Kurssteigerungen.

Dies ist ganz in Buffetts Sinn, daher wird ihm auch die im Jahresverlauf sinkende Auslastungsquote im Raffineriebereich keine schlaflosen Nächte bereiten. Buffett investiert auf lange Sicht in Unternehmen mit annähernd unangreifbarem Geschäftsmodell, das stetige Gewinne abliefert und von Marktschwankungen eher unterdurchschnittlich betroffen ist. Daher passt Phillips 66 ziemlich gut in Buffetts Beuteschema und stellt auch für andere langfristig orientierte Anleger eine interessante Investmentgelegenheit dar.

Dienstag, 28. März 2017

Short, shorter, Attacke: Ströer, Wirecard - und jetzt auch Aurelius...

▸ Kissigs Kolumne vom 09. Mai 2016, Aktien Magazin 12/2016 

„Die Börse ist keine Einbahnstraße“ heißt es so schön und allen Anlegern ist klar, dass die Kurse steigen, aber auch fallen können. Und je nach Einstellung zum Gesamtmarkt oder einzelnen Wertpapieren beschleicht einen manchmal der Wunsch, auch auf fallende Kurse setzen zu können. Otto Normalanleger bieten sich hier z.B. über Puts geeignete Möglichkeiten.

Für Langfristanleger, insbesondere Value Investoren, sind Put-Strategien eigentlich kein Bestandteil des Investorenwerkzeugkastens, denn schaut man sich die langfristige Entwicklung von Aktien an, dann schneiden diese je nach Länge des untersuchten Zeitraums mit durchschnittlichen sieben bis neun Prozent jährlicher Rendite ab. Die Chance, genau zum richtigen Zeitpunkt mal mit dem Setzen auf fallende Kurse Geld zu verdienen, wiegt das Risiko, am langfristigen Ansteigen der Kurse nicht mehr teilzuhaben, nicht auf.

Und doch werden sich auch Value-Investoren und Langfristanleger in Deutschland zunehmend mit fallenden Kursen auseinandersetzen müssen – und zwar nicht, weil die Börsen zu hoch bewertet wären oder aber eine große Korrektur bevorstünde. Sondern einfach, weil die angloamerikanische (Un-)Sitte des Leerverkaufens immer häufiger auch deutsche Unternehmen an heimischen Börsenplätzen trifft und somit unsere Portfolios.

Was steckt hinter Leerverkäufen?
Um die Risiken, aber auch die Chancen, die sich hieraus ergeben, erkennen zu können, muss man erst einmal das Konstrukt eines Leerverkaufs verstehen. Während ein Anleger mit einem Put auf fallende Kurse setzt, ohne das zugrundeliegende Wertpapier handeln zu müssen, geht ein Leerverkäufer anders vor. Er leiht sich Aktien für einen bestimmten Zeitraum, zum Beispiel bei Depotbanken oder Langfristinvestoren, und zahlt diesen dafür eine Gebühr. Für die Verleiher ergeben sich somit zusätzliche Einnahmen aus dem Verleihgeschäft. Der Leerverkäufer behält diese geliehenen Aktien jedoch nicht in seinem Depot, sondern verkauft sie an der Börse und das in dem Wissen, sie später wieder zurückkaufen zu müssen, wenn der Leihvertrag endet. Er macht also nur dann Gewinn an der Transaktion, wenn der Aktienkurs in der Zwischenzeit beträchtlich fällt und er die Aktien zu diesen niedrigeren Kursen zurückkaufen kann.

Bis hierhin klingt das Ganze weder hinterhältig noch besorgniserregend. Allerdings zeigen die jüngsten Beispiele, dass Anleger diesem Bereich durchaus ihre Aufmerksamkeit widmen sollten, aufgrund der für sie aus Leerverkäufen erwachsenden Risiken, aber auch, um die sich hier ggf. bietenden Chancen einschätzen zu können.

Gezielter Angriff statt Zufall
Denn Leerverkäufer können geduldig darauf setzen, dass der Markt irgendwann die von ihnen angenommene Überbewertung einer Aktie erkennt und der Aktienkurs anfängt zu fallen. Der Nachteil dieser Strategie ist, dass kaum abschätzbar ist, wann die Aktie zu fallen beginnt, während der Rückgabetermin aus dem Leihgeschäft feststeht. Für den Leerverkäufer ergibt sich hier ein enormes Risiko. Um das Chance-Risiko-Verhältnis ihrer Leerverkaufsspekulation merklich zu ihren eigenen Gunsten zu verschieben, greifen Leerverkäufer daher immer häufiger in den Markt ein und werden zu aktiven Akteuren, indem sie gezielt negative Informationen über das Unternehmen verbreiten und so einen Kurssturz auslösen.

Da die Manipulation von Börsenkursen unter Strafe steht, scheint dies eigentlich keine gute Idee zu sein, denn es ist ja seitens der Börsenaufsicht relativ leicht festzustellen, wer von einer solchen Short-Attacke profitiert, also wer die Aktien leerverkauft hat, und manchmal sogar, woher die Gerüchte stammen. Inzwischen müssen Leerverkäufer die Größe des leerverkauften Volumens sogar den Behörden melden und diese Daten werden im Bundesanzeiger veröffentlicht und sind somit für jeden Anleger zu verfolgen.

Um sich nicht der Marktmanipulation schuldig zu machen, haben die Leerverkäufer eine eigene Strategie geschaffen. Sie studieren die Bilanzen von börsennotierten Gesellschaften und schauen, ob diese Unkorrektheiten aufweisen oder auch nur von rechtlich zulässigen Bewertungsspielräumen Gebrauch machen. Haben sie eine solche Bilanz entdeckt, dann beginnt die akribische Arbeit. En Detail werden die einzelnen Kritikpunkte aufgelistet und durch Juristen und Bilanzkundige bewertet, bis sich ein geeignetes Short-Szenario ergibt. Dann wird begonnen, die Aktien leerzuverkaufen. Und erst wenn die eigene Leerverkaufsposition vollständig aufgebaut ist, startet die eigentliche Attacke. Sämtliche Kritikpunkte werden veröffentlicht in Form einer „Studie“ und diese wird begleitet von öffentlichkeitswirksamen Anschuldigungen und aus den eigenen Kritikpunkten hergeleiteten Untergangsszenarien. So werden bisweilen Kursziele von Null Euro ausgegeben, um die Dramatik auf die Spitze zu treiben.

Wozu das Ganze?
Da die Anleger von der Attacke und den erhobenen Vorwürfen total überrascht werden, ebenso das Unternehmen selbst, werfen viele sofort ihre Aktien unlimitiert auf den Markt, Hauptsache weg. Der hierdurch ausgelöste Kurssturz verunsichert weitere Aktionäre, die vielleicht noch gar keine Kenntnis von den Vorwürfen haben, und auch Stop-Loss-Kurse werden durch den Kursverfall gerissen und weitere unlimitierte Verkaufsorders in den Markt gedrückt. Wie bei einer Lawine, die auf ihrem Weg in die Tiefe immer mehr Schnee aufnimmt und immer mehr an Kraft gewinnt. Der Leerverkäufer reibt sich hingegen die Hände und kauft auf deutlich reduziertem Niveau die Aktien auf und erzielt so zweistellige Renditen.

Panik töten Hirn
Die Verkaufspanik ist der Schlüssel zum Erfolg bei der Shortattacke. Der Leerverkäufer nutzt aus, dass niemand die oft mehr als hundert Seiten umfassende „Studie“ schnell durcharbeiten und auf ihre Substanz hin überprüfen kann, und dass Anleger schnell wie Lemmingen der Herde nachlaufen. Fallen die Kurse ins Bodenlose, verkaufen sie, denn es muss ja etwas ganz Schlimmes passiert sein. Von den betroffenen Unternehmen ist meist wenig Hilfe zu erwarten, denn diese können kaum mehr tun, als Dementis und Durchhalteparolen auszugeben. Ihre Juristen und Finanzexperten müssen ja zunächst die erhobenen Vorwürfe bewerten und fundiert entkräften und dafür benötigen sie Zeit. Zeit, in der der Aktienkurs gnadenlos heruntergeprügelt wird und ein Spielball der Spekulanten ist. 

Wirecard im Fokus
Nun kann man denken, so etwas treffe nur kleine, marktenge Werte, doch vor gezielten Short-Attacken ist niemand gefeit. Das musste vor einigen Wochen Wirecard feststellen, ein breit aufgestellter Zahlungsabwickler und mit – jetzt noch – 4,2 Milliarden Euro ein Schwergewicht im TecDAX. Hinter einer eigens für die Attacke geschalteten Website verbarg sich eine „Studie“ eines „Analystenhauses“, das Wirecard mit alten Vorwürfen konfrontierte, die das Unternehmen schon seit Jahren begleiten. Im Grunde ging es um Intransparenz und die Unterstellung, Wirecard würde Kriminellen die weitgehend anonyme Abwicklung ihrer Zahlungsströme ermöglichen. Im Kleingedruckten fanden sich in der „Studie“ interessante Hinweise. So z.B., dass man selbst Wirecard-Aktien leerverkauft habe und an fallenden Kursen verdienen würde. Und als Fazit die Erwartung, dass die EU und die US-Behörden Ermittlungen gegen Wirecard aufnehmen würden, die zu Sanktionen bis hin zur Untersagung der Geschäftstätigkeit führen würden. „Folgerichtig“ platzierte man auch gleich ein Kursziel: Null.

In Panik versetzt taten die Anleger, was sie aus Sicht der Leerverkäufer tun sollten. Sie verkauften. Und der Kurs stürzte ab von rund 47 Euro auf 32 Euro. Inzwischen hat das Unternehmen Stellung bezogen und die BaFin prüft die Vorfälle. Der Aktienkurs hat sich unter starken Schwankungen stabilisiert und notiert zwischen 35 und 37 Euro.

Ströer im Fadenkreuz
Auch einer der Highflyer des letzten Jahres, die Aktie des im MDAX notierten Werbevermarkters Ströer, kam in den letzten Tagen unter die Räder. Auch hier war es eine gezielte Short-Attacke des Leerverkäufers „Muddy Waters“, was übersetzte in etwa trübe Gewässer bedeutet. Das Muster der Attacke ist das gleiche wie bei Wirecard, nur dass Muddy Waters hier mit offenem Visier antritt und sich nicht hinter einer anonymen Website und einem nur wenige Tage alten Analystenhaus versteckt. Muddy Waters ist in der Szene bekannt und wirft Ströer vor, seine Bilanzen zu manipulieren und darin enthaltene Werte in unzulässiger Weise massiv aufzublähen. Sie würden daher nicht als Grundlage für Anlegerentscheidungen taugen und erinnerten eher an das Vorgehen chinesischer Unternehmen, die vor einiger Zeit massenhaft durch Bilanzmanipulationen aufgefallen waren. Viele von ihnen haben inzwischen Insolvenz angemeldet und die Anleger blieben auf einem Totalverlust sitzen.

Verständlich, dass die Anleger auch bei der Short-Attacke gegen Ströer sofort und unlimitiert auf den Verkaufsknopf drückten und die Aktie um mehr als 25 Prozent in den Keller schickten. Ströer selbst hat inzwischen reagiert und die Vorwürfe allesamt als verleumderisch zurückgewiesen. Und wie auch bei Wirecard gab es sofort seitens der Insider aus Vorstand bzw. Aufsichtsrat starke Aktienkäufe, die als vertrauensbildende Maßnahme verstanden werden sollten. Nach dem Motto, die würden ja wohl kaum frisches Geld in Aktien des Unternehmens investieren, wenn an den Vorwürfen etwas Substanzielles dran wäre.

Auch bei Ströer wird es noch eine ganze Zeit dauern, bis geklärt ist, ob die Vorwürfe ihre Berechtigung haben. Es liegt die Vermutung nahe, dass beide Attacken juristisch so weit gingen, wie es gerade noch im Rahmen des Zulässigen war. Eine Vermischung von Fakten mit Vermutungen und hieraus abgeleiteten einseitigen Schlussfolgerungen, die dann an die Öffentlichkeit gebracht wurden, um den Kurs abstützen zu lassen. Dadurch, dass in den „Studien“ darauf hingewiesen wird, dass die Initiatoren die Aktien vorab leerverkauft haben und an fallenden Kursen verdienen wollen und werden, wird den Börsenaufsichtsbehörden der beste Ansatzpunkt von vornherein entzogen. Von dieser Seite dürfte daher vermutlich nichts mehr kommen. Wenn Anleger Aktien blind verkaufen, ist das ihre eigene Entscheidung. Sie könnten ja die Warnhinweise lesen und erst denken, bevor sie handeln. Dass dies in der Realität anders läuft, das ist ja gerade das Geschäft der Leerverkäufer.

Was lernen wir daraus?
Es kann jedes Unternehmen treffen, ob es ein marktenger Nebenwert ist oder ein Weltkonzern aus dem DAX. Die Short-Attacken kommen überfallartig und sind darauf ausgerichtet, Panik zu verursachen und die Kurse massiv einbrechen zu lassen. Hiergegen kann man sich dann nicht mehr wappnen und es ist selten eine gute Idee, einfach in das fallende Messer zu greifen und in die abstürzenden Kurse hinein Aktien zu kaufen. Denn auch an bewusst lancierten Vorwürfen kann durchaus etwas dran sein, wie die Bilanzskandale bei Enron, Comroad oder Hess zeigen. Anleger sollten also einen kühlen Kopf bewahren und sich mit den Fakten auseinandersetzen und nur auf Basis ihrer Überlegungen Anlageentscheidungen treffen.

Warnhinweise beachten
Aber es gibt durchaus Warnzeichen. Wenn eine Aktie ins Visier von Leerverkäufern gerät, dann müssen diese Positionen ja im Bundesanzeiger veröffentlicht werden und können von jedermann auf deren Website eingesehen werden. Und wenn man sieht, dass in einem Wert eine größere Zahl von Short-Positionen aufgebaut ist, ist Vorsicht angesagt. Das zeigt, dass hier Profis auf fallende Kurse setzen und nach den jüngsten Erfahrungen ist eine gezielte Short-Attacke nicht ausgeschlossen. Es kann also ratsam sein, um Aktien solcher Unternehmen einen Bogen zu machen. Auch wenn die Aussichten des Unternehmens ansonsten eigentlich sehr gut aussehen mögen. Eine Short-Attacke zielt nicht auf fundamentale Daten, sondern auf Emotionen, auf Angst, auf Panik. Und die Aktienkurse brechen deutlich ein, auch wenn das Unternehmen ansonsten sehr gut dasteht.

Aktuell sind folgende deutsche Aktien verstärkt im Visier von Leerverkäufern: Wirecard (13,6%), Heidelberger Druck (11,6%), K+S (10,3%), Aixtron (9,3%), Ströer (6,8%), Lufthansa (5,8%), QSC (5,6%), Leoni (5,0%), RIB Software (4,8%), Dürr (4,6%), Bilfinger (4,1%).

Es gibt auch Chancen
Eine Chance für geduldige Value-Investoren kann allerdings darin bestehen, sich bei solchen Aktien auf die Lauer zu legen und auf eine Short-Attacke zu warten. Wenn der Kurssturz vorüber ist und sich der erste Pulverdampf verzogen hat, kann man zu viel tieferen Kursen einsteigen, als es einem zuvor möglich gewesen wäre. Allerdings bleibt natürlich das Risiko, dass an den Vorwürfen doch etwas dran ist. Wer mit diesem Restrisiko leben kann, der findet hier durchaus interessante Investmentmöglichkeiten. Gerade das Beispiel Wirecard zeigt dies, denn schon vor einigen Jahren gab es gezielte Short-Attacken gegen das Unternehmen und die Aktien brachen massiv ein. Anschließend setzte der Kurs zu einer mehrjährigen Rallye an und verfielfachte sich. Wer auf dem Tiefstkurs zugegriffen hat, steht auch nach der jüngsten Attacke noch glänzend dar und liegt weit im Plus. Auch hier liegt der Gewinn im Einkauf und es kommt darauf an, auf den richtigen Zeitpunkt warten zu können. Und auf das richtige Pferd zu setzen. Wirecard hat jedenfalls gerade Zahlen für das erste Quartal 2016 präsentiert und den Umsatz um 32 Prozent gesteigert und das operative Ergebnis sogar um 35 Prozent…


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ERGÄNZUNG VOM 28.03.2017, 12:33

▸ Aurelius wird heute von Short-Seller Gotham City attackiert

Heute trudeln die Aktien des Münchner Finanzinvestors Aurelius Equity Opportunities ​SE & Co.​KGaA um mehr als 30% ins Minus. Hintergrund ist eine gezielte Attacke des Short-Sellers Gotham City, der für den Tagesverlauf einen Report über Aurelius angekündigt hat.

Ich vermute, dass hinter dem Report - wie auch bei Stroer und Wirecard - nicht viel Substanz steckt. Es dürften eine Menge Suggestivfragen in den Raum geschmissen werden, um Zweifel an der Bilanzierung und/oder der Bewertung der Beteiligungsunternehmen zu schüren. Und da der Short-Seller ja selbst gezielt auf sinkende Kurse setzt, reicht das schon für einen satten Gewinn aus, denn der Kursabsturz um 30%, ohne dass es einen handfesten Grund gibt, ist ja für die schon eine schöne Rendite für den Short-Seller.

»Große Anlagemöglichkeiten kommen immer dann, wenn hervorragende Unternehmen vorübergehend in schwieriges Fahrwasser geraten und deshalb unterbewertet werden.«
(Warren Buffett)

Aurelius befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als größte Position in meinem Depot. Ich habe zu den Ausverkaufskursen unter 50 Euro heute meine Position deutlich ausgebaut. Wie auch der Verlauf der Attacken gegen Ströer und Wirecard zeigt, bleibt von den erhobenen Vorwürfen und Zweifeln zumeist nichts über und nach einer Weile erholt sich der Kurs. Auch wenn man nie in ein fallendes Messer greifen soll, bieten solche Paniktage für langfristig orientierte Anleger eine tolle Chance, Aktien von herausragenden Unternehmen zu einem Ausverkaufskurs abzustauben.

Aurelius selbst hat soeben verkündet, morgen seine Geschäftszahlen für 2016 vorzulegen und dabei die vorläufigen Zahlen sowie den Ausblick auf 2017 voll zu bestätigen. Des Weiteren werde in den nächsten Wochen eine Reihe von Transaktionen erwartet.

Analysten-Reaktionen
Das Researchhaus Oddo Seydler hat eben sein Kursziel auf 73 Euro angehoben, die Einschätzung lautet weiterhin "BUY". Ebenso sieht es die Baader Bank und bleibt bei ihrem Kaufvotum mit Kursziel 75 Euro. Die massiven Vorwürfe von Gotham City Research seien nicht gerade überzeugend. Und die Commerzbank hatte vor wenigen Tagen erst ein neues Kursziel von 83 Euro ausgegeben, ebenfalls mit einer Kaufempfehlung.


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ERGÄNZUNG VOM 28.03.2017, 13:13

▸ Gotham Citys Report zu Aurelius ist online

Aurelius Equity Opportunities SE & Co KGaA: The Next Arques AG or the next Philip Green?

March 28, 2017 by Gotham City Research LLC


GOTHAM CITY RESEARCH’S OPINIONS

  • Aurelius’ shares are worth no more than €8.56 per share, implying at least -88% downside to its current share price.
  • Aurelius may face similar scrutiny as Philip Green did in the UK, who was accused of systematically plundering BHS.


SUMMARY OF FINDINGS

  • We were unable to reconcile 43% – 100%+ of Aurelius’s reported earnings to the sum of its subsidiaries’ earnings.
  • 2015 contingent liabilities, as calculated by the sum of its parts, seem understated by 46% or more.
  • Aurelius’ income from negative goodwill accounts for over 120% of 2011-2015 earnings.
  • Similarly high levels of negative goodwill preceded a permanent -95%+ collapse in the share price of Arques AG, whose business model seems identical to Aurelius’.
  • Aurelius claims to be a “good home for companies” yet nearly 60% of portfolio companies entered insolvency after Aurelius sold them, per our review.
  • Our estimate of NAV is 80%-90% lower than Aurelius’ unaudited and DCF-based NAV.
  • Aurelius has never received an unqualified audit opinion on its audited financial statements.
  • CEO Dirk Markus, a former Finance executive of Arques is also the CFO of Aurelius, according to Hauck & Aufhauser.
  • Aurelius’ executives sold €169 million of shares in December 2016 (40% or more their stake) at €52.5 per share. The prevailing market price was €59 that day.
  • Aurelius has been accused of illegal conveyance (and found guilty in some cases) in its business dealings (Einhorn case, EDS case).
  • Aurelius “abstains” from providing negative goodwill-related disclosures “because it believes that they can lead to economic disadvantages.”

Meine Einschätzung
Es geht also, wie von mir vermutet, hauptsächlich um die Bilanzierung und die Bewertung der Beteiligungsunternehmen. Und um die Frage, ob Bargain Purchases als Gewinn zu verbuchen sind.

Ich habe nach erster Ansicht des Reports meine Aurelius-Position nochmals aufgestockt. Die Vorwürfe sehen mir stark nach massiv aufgeblähtem Sturm im Wasserglas aus. Im Grunde hat sich durch die Vorhaltungen an der Geschäftslage von Aurelius und an seinem Geschäftsmodell nichts geändert. Ich könnte mir gut vorstellen, dass sich in ein paar Wochen diejenigen mächtig ärgern, die sich heute in der Verkaufspanik aus der Aktie haben drängen lassen.

Und natürlich diejenigen, die auf Knock-out-Zertifikate gesetzt haben, denn die wurden heute reihenweise wertlos ausgebucht, weil sie ihre K.O.-Schwellen gerissen haben. Ich kann überhaupt nicht nachvollziehen, weshalb Leute solche kruden Finanzprodukte kaufen anstatt sich durch den Kauf von Aktien direkt am Unternehmen zu beteiligen.


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ERGÄNZUNG VOM 28.03.2017, 16:43

▸ Aurelius nimmt Stellung und weitet Aktienrückkauf aus

Statement by AURELIUS Equity Opportunities SE & Co. KGaA on the short attack by Gotham City and outlook on the development of the business

- Allegations of short-seller Gotham unfounded and distorting reality
- Share buy-back stepped-up: EUR 50m immediately, additionally EUR 160m as of June 21, 2017

A. Executive summary

1. The report published today by Gotham City primarily consists of the manipulation of facts known and already published by AURELIUS, which have been presented intentionally in a misleading fashion and with false claims, presumptions and assertions to deliberately distort the situation in order to cause damage for the shareholders of AURELIUS in its own economic interest (short position).

2. The conclusions drawn by Gotham City Research are substantially incorrect. At no time has Gotham City Research attempted to make contact with AURELIUS, let alone held a telephone conversation or personal conversation with AURELIUS.

3. Gotham City Research claims to hold a significant short position in AURELIUS. Gotham City Research therefore has a fundamental interest in damaging the reputation of AURELIUS by making false assertions and drawing incorrect conclusions in order to manipulate AURELIUS's share price and make significant speculative gains to the detriment of our shareholders when prices fall substantially.

B. Corrective statement

Below, we correct the main incorrect claims made by Gotham City Research:

Re Arques
It is true that Dirk Markus worked for Arques until of the end of 2004. He has been responsible for the operational turnaround of portfolio companies. The disappointing development of Arques that started in 2008 is due to bad deals done in 2006 and 2007 rather than the business model in general. Achieving negative goodwill upon the acquisition of companies is an intrinsic component of the business model and AURELIUS has always been very transparent in disclosing and explaining it.

Re Contingent liabilities
Contingent liabilities are not overstated. Guarantees given to buyers of businesses are part of normal M&A transactions and materialize only in exceptional cases. The example of Wellman cited in the report demonstrates this well. The presumed "risk" at Wellman mentioned in the report never materialized and the last guarantee tranche expired in Nov 2016.

Re Insolvencies
AURELIUS has since 2006 acquired almost 80 companies all of which were in a special situation. While AURELIUS was able to restructure most of them in some cases insolvencies could not be avoided, especially when insolvency regime tools such as ESUG (in Germany) and pre-pack (in the UK) were used to actively safe a company.

Re Net Asset Value
NAV is a model and as such always subject to assumptions. With regard to most of the exits we had since publishing the NAV the purchase price was always close to NAV. Discount factors used are published quarterly and influenced by interest rate changes. As such it is not surprising that they are lower today then a few years ago.

Re Auditor
AURELIUS has been audited by Warth & Klein Grant Thornton since 2010. While not a member of the big four, Grant Thornton is among the top ten auditing companies in the world with a well reputed network and presence in 130 countries.

Re Why not an unqualified audit?
For more than ten years, the audit has led to no reservations; the audit opinion has only been qualified with regard to the disclosure of individual purchase prices paid in acquisitions under IFRS 3 and 8. We strongly believe that disclosing purchases prices would have a negative competitive impact in comparison to non-listed competitors and therefore have never done so.

Re Is Dirk Markus CEO and CFO in one person?
Dirk Markus is CEO of AURELIUS and lives in London because he is in charge of the international portfolio of Aurelius as well as Investor Relations. Steffen Schiefer is CFO of AURELIUS and has been so successfully since 2012.

Re Litigation
Litigation is part of normal live in a corporation in our size and in restructuring situations can sometimes be contentious. However the number of lawsuits is in line with a company of our size, total cash out for lawsuits over the last ten years has been a single-digit million EUR-amount and AURELIUS does not expect this to change materially in the future.

Over the coming days, we will issue a more comprehensive rebuttal of the allegations.

Further, the company is evaluating possible damage claims with regard to a liability for unlawful acts, the notification of BaFin and the filing of a criminal complaint against the responsible individuals with the hedge funds Gotham City for market manipulation.


Share buy-back stepped-up
EUR 50m immediately, additionally EUR 160m as of June 21, 2017 AURELIUS will immediately set-up another share buy-back program in the amount of EUR 50m and will cancel the shares already bought by the company during the current buy-back programme. In addition, the company will propose to the Annual General Meeting on June 21, 2017 to authorize the acquisition of up to 10% of the Company's share capital, equaling approximately EUR 160m based on the current share price.

Positive Outlook
AURELIUS sees a strong exit pipeline and interest in its subsidiaries. AURELIUS expects to successfully exit two to three sizeable companies over the next few months.

With the acquisition of Office Depot and WEX, AURELIUS had a good start to fiscal year 2017. Group revenues and total group EBITDA are expected to increase further.

AURELIUS will continue to position itself as preferred partner in complex pan-European corporate spin-offs. AURELIUS expects a minimum of 6 acquisitions in 2017.

AURELIUS will continue a sustainable dividend policy and share buy-back program.


Meine Einschätzung
Einige der Vorwürfe von Gotham City erweisen sich als falsch und leicht widerlegbar. Dass ein Wirtschaftsprüfer nicht seriös sei, weil er nicht zu den großen Vier der Branche gehört, ist hanebüchen. Man denke nur an die vielen Skandale und negativen Schlagzeilen, die KPMG oder früher Arthur Anderson produzierten, dann wird deutlich, dass Größe kein Kriterium für Qualität ist.

Aurelius-Gründer und CEO Dr. Dirk Markus für Probleme von Beteiligungen der früheren Arques verantwortlich zu machen, die zwei Jahre nach seinem Ausscheiden erst erworben wurden, ist ebenfalls als Dreckschleudern leicht durchschaubar. Diese geringe Qualität der Anwürfe wirft aber auch ein negatives Licht auf die restlichen, wie z.B. die unterschiedliche Herangehensweise an Bilanzierung und NAV-Betrachtung. Diese sind kaum geeignet hieraus einen Skandal zu stricken. Und dass Finanzinvestoren auch von den Bargain Purchases leben und daran verdienen, liegt in ihrem Geschäftsmodell begründet und der Art der Bilanzierung (IFRS vs. HGB).

Aurelius wird sich zu den einzelnen Punkten demnächst noch ausführlicher zu Wort melden. Positiv ist auf jeden Fall, dass das Unternehmen sofort mit einer Ausweitung des laufenden Aktienrückkaufprogramms reagiert. Wer eigene Aktien zu 66 Euro zurückkauft, sollte dies bei 50 Euro erst recht tun. Darüber hinaus wird Aurelius der in drei Monaten stattfinden Hauptversammlung ein neues Aktienrückkaufprogramm vorschlagen und ich bin mir ziemlich sicher, dass dies von den Aktionären so beschlossen wird. Spätestens dann dürfte der Kurs sich wieder über die Marke von 60 Euro erholen. Aus meiner Sicht eher schon früher, wenn Aurelius morgen die Geschäftszahlen für 2016 präsentiert, eine aktualisierte NAV-Bewertung vorlegt und die nächsten Transaktionen vermelden kann.


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ERGÄNZUNG VOM 02.04.2017, 21:43

▸ Detaillierte Stellungnahme von Aurelius zu Gothams Behauptungen

A. Präambel

In einer heute veröffentlichten Stellungnahme zeigen wir im Detail auf, dass die Behauptungen die Gotham Research LLC ("Gotham") in seinem letzte Woche veröffentlichten Bericht ("Gotham Bericht") gemacht hat, in ihrer Substanz falsch sind.

Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung des Gotham Berichts hielt Gotham eine signifikante Short-Position in Aktien der AURELIUS Equity Opportunities SE & Co. KGaA ("AURELIUS"). Gotham hatte daher ein Eigeninteresse, der Reputation von AURELIUS zu schaden, den Aktienkurs damit negativ zu beeinflussen und so einen beträchtlichen Spekulationsgewinn zum Schaden aller AURELIUS Aktionäre zu machen. In der Tat hat Gotham mittlerweile einen Großteil seiner Short-Position geschlossen und Gewinne realisiert.

Die Jahresabschlüsse von AURELIUS stimmen. Die Governance Strukturen und Prinzipien des Konzerns sind solide. AURELIUS ist seit seiner Gründung vor mehr als zehn Jahren ein kerngesundes, stabiles und wachsendes Unternehmen. AURELIUS hat eine sehr solide Bilanz: Zum 31. Dezember 2016 hat es eine starke Kapitalbasis von EUR 416,4 Mio. liquiden Mitteln, Eigenkapital von EUR 486,5 Mio. (Eigenkapitalquote: 27%) und eine Bilanzsumme von EUR 1,8 Mrd. Mit über 21.000 Mitarbeitern hat AURELIUS im Geschäftsjahr 2016 EUR 2,9 Mrd. Konzerngesamtumsatz erzielt. Zudem hat AURELIUS über die letzten fünf Jahre EUR 256,0 Mio. über Dividenden und Aktienrückkäufe an seine Aktionäre ausbezahlt.

In seiner Analyse macht Gotham fundamentale intellektuelle Fehler: es vergleicht Äpfel mit Birnen, verwechselt Zeitangaben und verwendet unvollständige Analysen. Damit kommt es zu Schlussfolgerungen, die ausnahmslos falsch sind.

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) untersucht derzeit, ob im Zusammenhang mit den Handlungen von Gotham ein Fall von Marktmanipulation vorliegt. AURELIUS unterstützt die BaFin bei ihrer Untersuchung vollumfänglich und prüft selbst alle juristischen Möglichkeiten inklusive strafrechtlicher Verfolgung.

B. Zusammenfassung

Gothams Bericht stellt eine Reihe von Behauptungen auf, die AURELIUS in dem vorliegenden Papier ohne Ausnahme widerlegen wird. Die konkrete Erwiderung auf Behauptungen auf Seite 4 von Gothams Dokument findet sich vorab auf dieser Seite:

1) Das Konzernergebnis und die Jahresabschlussergebnisse der Tochtergesellschaften können einfach in Einklang gebracht werden, wenn man die Unterschiede zwischen IFRS und lokalen Berichtsstandards in Betracht zieht. Gotham tut das nicht.

2) AURELIUS weist alle Eventualverbindlichkeiten und Haftungsverhältnisse im Detail aus. Gothams Berechnung zählt doppelt und kategorisiert falsch.

3) Erträge aus der Auflösung negativer Unterschiedsbeträge aus der Kapitalkonsolidierung (bargain purchases) sind ein integraler und zulässiger Teil des Geschäftsmodels von AURELIUS. IFRS 3 regelt die Bilanzierungs- und Berechnungsweise dieser Erträge. AURELIUS erfüllt hier die relevanten Berichtspflichten.

4) AURELIUS hat seit 2006 77 operative Gruppen akquiriert. Davon gingen lediglich vier in die Insolvenz (5,19%), während sie Teil des AURELIUS-Konzerns waren. Vor dem Hintergrund, dass AURELIUS entsprechend seiner Unternehmensstrategie notleidende Unternehmen kauft, ist das eine geringe Anzahl. Gothams Berechnung ist nicht nachvollziehbar.

5) Der von AURELIUS in Ansatz gebrachte NAV ist vertretbar und plausibel. Eine einfache Berechnung zeigt, dass das implizite NAV/EBITDA Multiple bei 8,9x liegt - wie viele andere Multiples von nicht börsennotierten kleinen und mittelgroßen Unternehmen in Europa, die zwischen 7x und 10x liegen. Gothams NAV-Ableitung ist nicht plausibel.

6) Es gibt einen guten Grund dafür, weshalb AURELIUS noch nie einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk erhalten hat: AURELIUS veröffentlicht keine individuellen Kaufpreise, denn dies würde zu Wettbewerbsnachteilen führen. Gothams Anschuldigung zeigt, dass es unsere Branche schlicht nicht versteht.

7) AURELIUS hat einen unabhängigen CFO: Steffen Schiefer hält diesen Posten als Mitglied des Extended Management Board seit 2012 inne.

8) Gemeinsam halten die AURELIUS Organe weiterhin einen signifikanten Anteil am Unternehmen. Ihre Interessen sind deckungsgleich mit denen der Aktionäre.

9) AURELIUS ist nicht Partei in mehr Zivilprozessen als andere Unternehmen seiner Größe auch. Strafrechtliche Verfahren sind keine anhängig. Weitere gegenstandslose Behauptungen in Gothams Bericht werden in diesem Papier ebenso widerlegt.

C. Berichtigende Stellungnahme

Die vollständige Stellungnahme in englischer Sprache finden Sie hier: http://aureliusinvest.de/statement_aurelius_gotham.pdf

Mit Großauftrag auf Turnaroundkurs: Muehlhan legt noch eine Schicht drauf

Die Hamburger Muehlhan AG ist im Bereich Oberflächenbeschichtung aktiv und hier insbesondere in den Bereichen Schifffahrt, Pipelines, Bohrplattformen und (Offshore-)Windkraftanlagen. Alle Segmente standen und standen die letzten Jahre unter Druck, weil die Kunden sich mit Investitionen zurückhielten und jeden Euro zweimal umdrehen mussten. Die Schifffahrt befindet sich seit zehn Jahren in einer Dauerkrise, einhergehend mit sinkenden Frachtraten, Überkapazitäten, Fusionen und Pleiten großer global Player wie Han-Jin. Die Offshore-Windparks kamen in Deutschland lange Zeit nicht richtig vom Fleck und der gesunkene Ölpreis machte Ölplattformen in der Nordsee extrem unattraktiv. Für Muehlhan ging es also immer mehr um Konstenreduzierungen und das eigene Überleben. Ich hatte das Unternehmen vor einem Jahr als Turnaround-Spekulation vorgestellt und bisher hat der Kurs noch nicht wirklich viel reißen können. Bis jetzt. Doch das könnte sich nun ändern.

Denn inzwischen zeichnen sich einige Silberstreifen am Horizont ab. Nachdem Muehlhan einige Jahre durch ein Tal der Tränen gehen musste, konnte man auch aufgrund von Rationalisierungen und Fokussierung auf margenstärkere Aufträge wieder in die Gewinnzone zurückkehren. Nicht ganz in dieses Bild passt der gerade erzielte Abschluss mit Moeller-Maerks, der weltgrößten Reederei, die auch im Nordseeölbohren ein ganz großer Player ist.

Die dänische Tochter Muehlhan A/S schloss mit Maersk Oil eine Vereinbarung mit einem Auftragsvolumen zwischen 100 und 130 Mio. Euro über die nächsten 5 Jahre ab. Zur Erfüllung wird Muehlhan sein dies bezügliches Personal von 80 auf 380 Mitarbeiter aufstocken. Die Auswirkung auf das EBIT der Gruppe seien allerdings gering, teilt Muehlhan mit. Und das passt eigentlich nicht zur Fokussierung auf margenstärkere Aufträge. Andererseits ist dies der größte Auftrag der Firmengeschichte und auch eine unterdurchschnittliche Marge bringt noch Geld ein, während auf der anderen Seite es wohl auch darum ging, den langjährigen Kunden Maersk Oil zu halten. Denn die Reederei-Tochter selbst ist im Konzern nicht mehr uneingeschränkt geliebt und soll in absehbarer zeit abgegeben werden. Muehlhan hat hier also einen Fuß in der Tür und darüber hinaus erzielt dieser große Auftrag natürlich auch Aufmerksamkeit und kann der Türöffner für andere Kunden und Projekte sein.

 Muehlhan AG (Quelle: finanzen.net
Im Bereich der Offshore-Windparks hat sich der Ausbau auch in Deutschland zuletzt merklich beschleunigt und da die salzhaltige Meerluft über der Nordsee dem Material extrem zusetzt, ist Oberflächenschutz überlebenswichtig für die Türme. Hier kann Muehlhan zunehmend aus dem Vollen schöpfen.

Doch auch in andere Bereiche expandiert man weiter. Insbesondere in das langweilige, aber einträgliche Geschäft Gerüstbau. Hier hatte man sich kürzlich in den Niederlanden verstärkt und im Wege eines Asset-Deals die Geschäftstätigkeit der mittelständischen Gerüstbaugesellschaft Degraform Bekistingen en Steigers BV übernommen. Degraform erzielt mit dem Einrüsten von Infrastrukturprojekten einen Jahresumsatz im mittleren einstelligen Millionenbereich und wirdin die Muehlhan-Organisation in Rotterdam integriert, deren Gerüstbau-Sparte im Wesentlichen auf Werften tätig ist. Die bisherigen Eigentümer bleiben im Management der Gesellschaft und werden den Ausbau der Gerüstbauaktivitäten in den Niederlanden auch in Zukunft aktiv vorantreiben. Muehlhan erhofft sich größere Synergien aus der Übernahme und unter dem Strich eine steigende Profitabilität seiner Rotterdamer Aktivitäten.

Meine Einschätzung
Das Unternehmen hat die Kosten in den Griff bekommen und ist aussichtsreich positioniert, auch wenn der Konkurrenzdruck weiterhin hoch ist. Durch die Diversifikation in angrenzende Bereiche stellt sich Muehlhan breiter auf und reduziert seine Abhängigkeit von den Bereichen Schifffahrt und Öl. Muehlahn hat stets betont, auch durch strategische Akquisitionen weiter wachsen zu wollen. In letzter Zeit kamen allerdings Gerüchte auf, Muehlhan selbst könne zum Objekt der Begierde werden. Größter Aktionär ist die Gründerfamilie Greverath und die kauft tendenziell weiter zu, so dass sich der Streubesitzanteil von rund einem Drittel weiter reduzieren dürfte.

Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 wird Muehlhan in den nächsten Tagen vorlegen, die 9-Monatszahlen jedenfalls waren ganz ordentlich und belegten den sich abzeichnenden operativen Turnaround und lassen eher Positives erwarten.

Die sich abzeichnende Erholung im Bereich Schifffahrt und Nordsee-Ölplattformen dürfte sich deutlich positiv auswirken und der weiter stark zunehmende Ausbau bei Off-Shore-Wind-Parks bietet schon heute erhebliches Potenzial für Anleger mit Geduld, die auf den Turnaround bei Muehlhan setzen wollen. Warburg Research hatte das Kursziel für die Muehlhan-Aktie vor einigen Monaten bei 2,80 Euro angesetzt, das ergäbe bei einem Kurs von gut 2 Euro ein Kurspotenzial von knapp 40%.

Ich habe Muehlhan auf meiner Empfehlungliste und in meinem Depot..


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ERGÄNZUNG VOM 31.03.2017, 09:03

▸ Muehlhan veröffentlicht Jahresergebnis 2016

Muehlhan legte seine Jahresergebnisse für 2016 vor und konnte den im Vorjahr unterbrochenen Aufwärtstrend der letzten Jahre fortsetzen. Bei einer Steigerung der Umsatzerlöse um 6,4% auf 254,3 Mio. Euro stieg das EBIT um 32% auf 6,9 Mio. Euro und der Konzernjahresüberschuss um 35% auf 2,8 Mio. Euro. Bezogen auf die fortgeführten Geschäftsbereiche wurde das Ergebnis je Aktie von 0,05 auf 0.09 Euro gesteigert.

Im Geschäftsfeld Schiff gab es einen erwarteten Umsatzrückgang auf 63,5 Mio. Euro gegenüber 82,9 Mio. Euro im Vorjahr. Durch verschiedene Maßnahmen konnte das EBIT von 3,8 Mio. Euro auf 5,0 Mio. Euro erhöht werden. Trotz eines schwierigen Marktumfelds hat der Bereich Öl & Gas den Umsatz um 10,2 Mio. Euro auf 63,2 Mio. Euro und das EBIT um 2,3 Mio. Euro auf 6,5 Mio. Euro steigern können. Im Geschäftsfeld Renewables konnte der Umsatz auf 34,0 Mio. Euro (Vorjahr: 23,7 Mio. Euro) gesteigert werden. Durch Projektverlust stagnierte das EBIT dagegen bei -2,5 Mio. Euro. Diese Projekte wurden im Berichtsjahr abgeschlossen. Das Industrie-/Infrastrukturgeschäft verzeichnete durch mehrere Großaufträge einen Umsatzanstieg um 14,3 Mio. Euro auf nunmehr 93,6 Mio. Euro. Aufgrund von Sondereffekten verringert sich das EBIT gegenüber dem Vorjahr jedoch um 0,9 Mio. Euro auf 3,3 Mio. Euro.

Für das Geschäftsjahr 2016 soll eine Dividende von 0,06 Euro je Aktie (Vorjahr: 0,04 Euro je Aktie) ausgeschüttet werden.

Muehlhan ist zuversichtlich, dass sich der Aufwärtstrend der Gruppe trotz der fortbestehenden schwierigen Bedingungen in einigen Märkten in Zukunft fortsetzen wird, auch durch  die Erweiterung des Dienstleistungsangebotes in verschiedenen Märkten. Für das Jahr 2017 erwartet Muehlhan eine erneut verbesserte Profitabilität und rechnet bei einem konstanten Umsatz von rund 250 Mio. Euro mit einem leicht steigenden EBIT zwischen 6,5 Mio. Euro und 8,5 Mio. Euro.

Montag, 27. März 2017

Capital Stage präsentiert mehr als sonnige Zahlen für 2016

Die Capital Stage AG, ein im SDAX-notierter Hamburger Solar- und Windparkbetreiber, kann für das Geschäftsjahr 2016 auf Basis vorläufiger operativer Geschäftsergebnisse sehr erfreuliche Zahlen vorlegen und übertraf damit sogar die eigene operative Ergebnisprognose trotz eines vergleichsweise schwachen Windjahres.

2016 war stand auch im Zeichen der Geschäftsausweitung durch den Ausbau des Portfolios aus Solar- und Windparks sowie die Übernahme der CHORUS Clean Energy AG im Oktober 2016. Inzwischen verfügt Capital Stage über mehr als 95% der Anteile und hat einen Squeeze-out in die Wege geleitet.

Vorläufige 2016er Zahlen
Die Umsatzerlöse der Capital Stage AG stiegen im Geschäftsjahr 2016 deutlich um mehr als 25% auf rund 141,8 Mio. Euro und das operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (operatives EBITDA) erreichte rund 106,1 Mio. Euro. Auch das operative Ergebnis vor Steuern und Zinsen (operatives EBIT) konnte im Berichtszeitraum auf nunmehr rund 61,6 Mio. Euro gesteigert werden, während der erwirtschaftete operative Cashflow sich im ebenfalls deutlich auf über 103,8 Mio. Euro erhöhte. Die vorläufigen operativen Ergebniskennziffern liegen damit über den eigenen Erwartungen des Unternehmens an das Geschäftsjahr 2016 und enthalten erstmalig auch die Ergebnisbeiträge der CHORUS Clean Energy für das vierte Quartal 2016. Im Vergleich zum Bilanzstichtag des Vorjahres erhöhte sich die Eigenkapitalquote nach vorläufigen Berechnungen auf 25,9%, die Bilanzsumme stieg auf rund als 2,4 Mrd. Euro.

 Capital Stage (Quelle: finanzen.net
Ausblick auf 2017
Auch im laufenden Geschäftsjahr 2017 geht Capital Stage von einer Fortsetzung des dynamischen Wachstumskurses aus und erwartet Umsatzanstieg auf über 200 Mio. Euro. Das operative EBITDA dürfte in der Folge auf mehr als 150 Mio. Euro ansteigen, das operative EBIT dürfte dann oberhalb von 90 Mio. Euro liegen. Der operative Cashflow dürfte mit über 140 Mio. Euro ebenfalls erneut deutlich zulegen. In diesen Prognosen sind bisher keine Zukäufe enthalten, obwohl Capital Stage sein Portfolio aus ertragsstarken Solar- und Windparks weiter ausbauen will; "mögliche Opportunitäten für anorganisches Wachstum" sollen sorgfältig geprüft werden, heißt es von Unternehmensseite.

Meine Einschätzung
Capital Stage hat vorab operative Zahlen vermeldet und mit diesen die eigenen Prognosen übertroffen. Das ist gut. Dass in den endgültigen Zahlen für 2016 nachher auch Bewertungsanpassungen enthalten sein werden, so wie die einmaligen Aufwendungen für die Übernahme der Chorus Clean Energy AG, sollte niemanden abschrecken. Auch wenn die operativen zahlen daher natürlich nicht einfach auf das Jahresergebnis runtergebrochen werden können.

Capital Stage betreibt seit 2009 Solarkraftwerke und Windparks und hat sich inzwischen zu einem der führenden unabhängigen Solar- und Windparkbetreiber in Europa entwickelt. Inklusive der im Rahmen des Asset Managements für Dritte erworbenen und betriebenen Solar- und Windparks beläuft sich die Erzeugungskapazität des Unternehmens auf über 1,2 GW und verteilt sich auf Deutschland, Frankreich, Finnland, Großbritannien, Italien, Österreich und Schweden. Erst kürzlich hatte man weitere Solarparks in Italien übernommen.

Capital Stage hatte ich ja kürzlich erst vorgestellt unter dem Motto "Einfach Geld verdienen mit sauberem Strom".  Bei der anstehenden Branchenkonsolidierung möchte man eine "aktive Rolle" einnehmen und dürfte nach der Chorus-Übernahme weitere Zukäufe von einzelnen Wind- und Solarparks sowie auch ganzen Wettbewerbern ins Auge fassen. Die Insider und Großaktionäre Büll und Liedtke kaufen auch regelmäßig weitere Aktien und vielleicht bleiben sie nicht die einzigen. Denn Capital Stage könnte durchaus auch ins Visier eines großen Energierversorgers, eines größeren Wettbewerbers oder gar eines Finanzinvestors geraten.

Die Unsicherheit über das neue Auktionsverfahren bei den regenerativen Energien trifft die gesamte Branche und die evtl. noch aufkommenden zusätzlichen Kosten aufgrund des Squeeze-outs bei Chorus Clean Energy sollten nicht überbewertet werden, aus meiner Sicht überwiegen die Chancen die Risiken deutlich. Capital Stage befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.


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ERGÄNZUNG VOM 31.03.2017, 09:03

▸ Capital Stage erhöht Dividende - Auszahlung wahlweise in bar oder Aktien

Capital Stage beabsichtigt, der Hauptversammlung am 18. Mai 2017 eine Erhöhung der Dividende für das Geschäftsjahr 2016 auf 0,20 Euro je dividendenberechtigter Stückaktie (2015: 0,18 Euro) vorzuschlagen. Das entspricht aktuell einer Dividendenrendite von rund 3,2%. Die Dividende soll den Aktionären erneut als Wahldividende entweder in bar oder in Form von Aktien der Capital Stage AG angeboten werden.

Vorstand und Aufsichtsrat der Capital Stage AG haben zudem eine Dividendenstrategie für die nächsten fünf Jahre beschlossen: Demnach soll die Dividende der Capital Stage AG kontinuierlich gesteigert werden, so dass in fünf Jahren eine um 50% höhere Dividende je dividendenberechtigter Stückaktie gezahlt wird (0,30 Euro). Die Dividendenstrategie spiegelt die zunehmenden Cashflows aus den Solar- und Windparks wider. Deren Zinsaufwand reduziert sich auf Basis eines festen Tilgungsplans über die Jahre fortlaufend und führt damit zu entsprechenden stetigen Ergebnissteigerungen.

Börsenweisheit der Woche 13/2017

"Es werden mehr Vermögen durch jahrelanges Sitzen auf guten Wertpapieren gemacht als durch ständiges Handeln".
(Philip Carret)

Sonntag, 26. März 2017

Verbilligen oder Verluste begrenzen?

Unter Verbilligen versteht man das Ausbauen einer bestehenden Position zu niedrigeren Einstandskursen. Nach dem ersten Kauf der Werte ist der Kurs also gesunken und in der Bilanz weist die Position ein Minus aus. In dieser Situation das Engagement auszubauen, reduziert den durchschnittlichen Einstandskurs, weshalb man eben von Verbilligen spricht.

Gegner dieser Art der Depotgestaltung sind vor allem jene, die sich strikt an Stopp-Loss-Kursen orientieren. Ihre Maxime lautet oft "Verluste begrenzen, Gewinne laufen lassen". Für Trader geradezu eine elementare Einstellung, aber auch für traditionelle Value-Investoren steht der Kapitalerhalt an erster Stelle. Also eine klare Sache, sollte man meinen, denn der Volksmund sagt ja nicht umsonst, man solle schlechtem Geld kein gutes hinterher werfen... Könnte dennoch etwas für ein Verbilligen sprechen?

»Es ist ganz einfach unsinnig, sich auf Stopp-Orders als Absicherung gegen Kursverfälle zu verlassen, ebenso wie auf künstlich gesetzte Kursziele in Aufwärtsphasen. (...) Bleiben Sie dran und sehen Sie zu, was passiert. Solange die ursprünglichen Bedingungen weiterhin gültig sind oder sich sogar verbessern - und Sie werden in einigen Jahren über die Ergebnisse erstaunt sein.«
(Peter Lynch)

Setzt man voraus, dass der Anleger weiß, was er tut (er ist bei seinem Kauf also nicht dem neusten Börsentipp aus der Zeitung oder einem obskuren Börsenbrief hinterher gehechelt, sondern hat sich seine eigenen Gedanken gemacht), dann hat der Value-Investor einen fairen Wert für ein Unternehmen ermittelt. Er ist eingestiegen, als der Aktienkurs unter diesem Wert notierte und eine zusätzliche ausreichende Sicherheitsmarge beinhaltete. Sofern sich an den Fakten zum Unternehmen und der Einschätzung des Investors nichts geändert hat, wäre es geradezu fahrlässig von ihm, nicht weitere Anteile zu noch günstigeren Kursen zuzukaufen!

Als Warren Buffett in die Washington Post investierte, fiel der Kurs zunächst um gut 50 Prozent, bevor er massiv an Wert gewann und ihn zum Milliardär machte. Ebenso verhielt es sich bei einigen anderen seiner Engagements.

Peter Lynch, der erfolgreichste Fondsmanager der 1980er Jahre scheibt in seinem Buch "Der Börse einen Schritt voraus": "Solange Sie nicht von der These überzeugt sind: 'Wenn ich 25 Prozent im Minus liege, bin ich Käufer', und den fatalen Gedanken: 'Wenn ich 25 Prozent im Plus liege, bin ich Verkäufer', für immer aus ihrem Denken verbannen, werden Sie mit Aktien nie einen anständigen Gewinn machen". Wie auch Buffett ist Lynch ein langfristig orientierter Anleger und nutzt Kursabschläge konsequent aus, um seine Position zu vergrößern - sofern die Daten (noch) stimmen und der Investmencase intakt ist.

»Du wirst Deine Ergebnisse nicht verbessern, indem du die Blumen ausreißt und das Unkraut gießt.«
(Peter Lynch)

Nach Kursverlusten weitere Aktien zuzukaufen, ist also für langfristig orientierte Value Investoren mit ihrem Buy & Hold-Ansatz erfolgversprechend. Denn die aktuellen Kursbewegungen der Aktien sind nicht der Indikator dafür, wie sich der fundamentale Wert des Unternehmens entwickelt. Die Kurse setzt "Mr. Market" fest, Benjamin Grahams imaginärer manisch-depressiver Freund, den er in seinem Standardwerk "Intelligent Investieren" beschreibt und der jeden Tag entsprechend seiner jeweiligen Laune willkürlich Kurse aufruft. Erfolgversprechend erscheint, Aktien dann umzuschichten, wenn sich der Kurs in Bezug auf die fundamentalen Daten verändert hat. Wenn also die Aktie sich so gut entwickelt hat, dass der Kurs dem inneren Wert nahe kommt oder gar schon darüber liegt, dann sollte man die Aktie verkaufen - und ggf. auf niedrigere Kurse warten, um später wieder einzusteigen, wenn der Kurs unter dem inneren (fairen) Wert notiert und zusätzlich die nötige Sicherheitsmarge aufweist. Oder wenn sich die Unternehmensdaten oder -aussichten deutlich verschlechtert haben.

Nachkaufen bzw. Aufstocken einer bestehenden Position ist ebenfalls dann lukrativ, wenn sich die fundamentalen Unternehmensdaten und/oder die Geschäftsaussichten deutlich verbessert haben und der Aktienkurs dies noch nicht eskomptiert hat. Die Sicherheitsmarge ist also noch vorhanden und trotz des gestiegenen Kurses notiert die Aktie unter ihrem fairen Wert. Dann sollte, nein muss, man seine Position aufstocken!

Und auf die Frage, ob man mit einer solchen Strategie und ggf. einem dicken Minus im Depot gut schlafen kann, antworte ich mit einem klaren Ja. Denn dass heute die Börse und die anderen Marktteilnehmer noch nicht erkannt haben, was in meinem Depot für Perlen schlummern, ist ja nicht mein Fehler, sondern der ihre. Ich gebe mich lieber der Vorfreude hin auf die Tage, an denen die Börse den fairen Wert der Unternehmen in meinem Depot erkennt - und sich mein Engagement in steigenden Kursen auszahlt.

Freitag, 24. März 2017

MBB im Geldrausch: 3.000 Prozent Plus durch Aumann-IPO

Die MBB-Tochter Aumann AG ging heute an die Börse. Aumann ist ein weltweit führender Hersteller von innovativen Spezialmaschinen und automatisierten Fertigungslinien mit Fokus auf Elektromobilität. Das Unternehmen verbindet einzigartige Wickeltechnologie zur hocheffizienten Herstellung von Elektromotoren mit jahrzehntelanger Automatisierungserfahrung, insbesondere in der Automobilindustrie. Weltweit setzen führende Unternehmen auf Lösungen von Aumann zur Serienproduktion rein elektrischer und hybrider Fahrzeugantriebe, sowie auf Lösungen zur Fertigungsautomatisierung.

Angeboten wurden aus einer Kapitalerhöhung 1,5 Mio. Aktien zur Wachstumsfinanzierung im Bereich E-Mobility und zusätzlich stellt Großaktionär MBB im Wege einer Umplatzierung 4,48 Mio. Aktien inklusive Mehrzuteilungsoption zur Verfügung. MBB bleibt also auch nach dem Börsengang mit 53,6% Mehrheitsaktionär, während der Streubesitz nach dem IPO nun 46,4% beträgt. Denn wie MBB mitteilte, war die Emission mehrfach überzeichnet und die Aktien wurden zu 42€ am oberen Ende der Bookbuildingspanne zugeteilt. Inkl. der Mehrzuteilungsoption. Aumann flossen aus der Emission brutto 63 Mio.€ zu, der Rest ging an die Altaktionäre.

Aumann-Kursfeuerwerk erfreut auch MBB
Kurz nach der Aufnahme der Notiz an der Frankfurter Börse schoss der Aumann-Kurs auf 49€ hoch, was zu einer Bewertung von 686 Mio.€ führt. Für MBB ergeben sich hieraus gleich mehrere positive Nachrichten. Denn MBB erzielte einen Bruttoemissionserlös von 175,9 Mio. € und hält weiterhin die Mehrheit von 53,6% an der Aumann AG. Zur Erinnerung: die Aumann AG entstand aus dem Zusammenschluss der MBB Fertigungstechnik (MFT) und der Aumann-Gruppe. Für die MFT hatte MBB 2012 in Summe rund 31 Mio.€ bezahlt, wobei 29 Mio.€ in der Kasse lagen. Und für den 75%-Anteil an Aumann hat man dem Vernehmen nach rund €19 Mio. bezahlt. Also in Summe zwischen 16 und 17 Mio.€ für alle von MBB gehaltenen Anteile. Rechnet man nun die Bruttoemissionserlös von 176 Mio.€ zum MBB-Anteil von 53,6% an der Aumann-Gruppe auf Basis des Aktienkurses von 49€, also 367,7 Mio.€, stehen für MBB nun gut 543 Mio.€ an Börsenwert und Emissionserlös gegen die aufgewendeten 17 Mio.€. Das ist also ein Zuwachs von gut 3.000 Prozent!

 MBB SE (Quelle: finanzen.net
Natürlich hinkt diese Rechnung, denn MBB hat ja in den vergangenen Jahren auch kräftig in die MFT und auch schon in Aumann investiert. Andererseits haben beiden Unternehmen auch bereits signifikante Ergebnisbeiträge bei der MBB abgeliefert. Als Überschlagsrechnung dürfte die Aufstellung aber allemal reichen. Und verdeutlichen, was für einen grandiosen Job die MBB-Verantwortlichen um CEO Christoph Nesemeier und AR-Chef Gerd Maria Freimuth hier seit Jahren abliefern.

Meine Einschätzung
Bei MBB richten sich nun die Augen auf die Frage, was das Unetrnehmen mit dem vielen Geld anfangen wird, also ob es gelingt, neue interessante Beteiligungen für das viele Geld zu finden. Eine Ausschüttung an die Aktionäre scheint mir kaum vorstellbar, dafür würde man sich nicht von Aumann-Anteilen trennen, sondern die 90%-Tochter lieber weiter mit diesem Anteil im Konzern behalten. Gelingt MBB-CEO Nesemann ein weiterer Coup wie bei der Übernahme der Claas Fertigungstechnik oder der Aumann-Gruppe, könnten schon bald dreistellige Kurse winken. Ansonsten dürfte es dank des starken Wachstums bei Aumann und der soliden Entwicklung bei allen übrigen MBB-Konzerngesellschaften wohl spätestens 2018 soweit sein.

MBB befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und als eines meiner großen Ankerinvestments in meinem Depot. Und Aumann nehme ich wie angekündigt ebenfalls auf die Empfehlungsliste - bei der Neuemission selbst kam ich ja nicht zum Zug, aber im vorbörslichen Handel bei Tradegate habe ich bei knapp über 44,14€ zugeschlagen und eine erste Position gekauft. Wohl wissend, dass Aumann zu diesem Kurs ambitioniert bewertet ist und diesen Kurs durch Geschäftserfolge rechtfertigen muss. Der Boom bei der Elektromobilität bietet Aumann aber die besten Chancen hierfür.

Die Analysten von SMC Research haben folgerichtig ihr MBB-Kursziel deutlich auf 99,10€ angehoben (zuvor 84€) und bleiben bei Ihrer Kaufempfehlung. Für 2017 erwarten sie dank des IPOs einen Ergebnissprung auf 23,69€ je Aktie (2016: €2,61€), also mehr als eine Verzehnfachung des Jahresüberschusses. Und für 2018 dann ein EPS von 3,26€.

In Hamburg sagt man Tschüss - Softing weiß nicht (mehr) zu überzeugen

Beim Anbieter von Messtechnikgeräten Softing haben Anleger in letzter Zeit viel Geduld aufbringen müssen und die hat sich - wieder einmal - nicht ausgezahlt.

Ich habe Softing vor knapp anderthalb Jahren auf meine Empfehlungsliste gesetzt, weil ich der Meinung war, CEO Trier würde mit der großen Übernahme von OLDI in den USA der große Wurf gelingen und Softing nach einer überschaubaren Übergangszeit noch besser in die Spur zurückbringen. Mehrmals konnte er seine vollmundigen Versprechen nicht einhalten und hat erneut enttäuscht. Dazu nimmt er nicht konkret Stellung, vielmehr variiert er in seinen Geschäftsberichten die Formulierungen, um gerade nicht zu lügen und dennoch sein Versagen nicht offen zugeben zu müssen. Anfangs versprach er für 2016 eine "deutlichen" Steigerungen bei Umsatz und EBIT, diese wurden im Jahresverlauf dann zu "moderaten Zuwächsen", nachdem erst die angekündigten weiteren Übernahmen verschoben werden mussten und CEO Trier uns Anleger auf das zweite Halbjahr vertröstete, wo die Geschäfte bei OLDI saisonal angeblich viel besser laufen würden.

Und nun hat Trier die 2016er Zahlen vorgelegt und seine eigenen, gestutzten Prognosen erreicht. Am untersten Rand, gerade mal eben so. Und das auch nur, weil ein Sondereffekt das Ergebnis rettete, ansonsten läge das EBIT nur bei 6,17 Mio.€, also meilenweit entfernt von den zuletzt versprochenen 7 bis 8 Mio.€. Das bereinigte operative EBIT liegt also nur noch bei 2,6 Mio.€ (Vorjahr 7,1 Mio.€). Der Sonderertrag resultiert aus einer Verminderung des Kaufpreises für OLDI, weil die viel schlechter abschnitten, als erwartet. Clever verhandelt oder eher wieder mal den Mund zu voll genommen? Inzwischen tendiere ich zu Letzterem.

Zu den nicht überzeugenden Zahlen für 2016 gab Trier noch einen sehr verhaltenen Ausblick auf 2017, auch weil sich schon vor langer zeit die Übernahmen weiter verzögern werden. Das US-Geschäft erweist sich als nachhaltiger Bremsklotz, auch wenn Trier nicht müde wird, von der rosigen Zukunft zu sprechen.

 Softing (Quelle: finanzen.net
Meine Einschätzung
Softing-CEO schlägt gerne verbal um sich, die Geschäftsberichte von Softing sind gespickt mit politischen Attacken gegen alles und jeden. Das kann man bis zu einem gewissen Grad billigend in Kauf nehmen. Wenn aber der wortgewaltige Verkünder seine eigene Verfehlungen dahinter zu verstecken sucht, dann ist das nicht seriös. Ich erwarte vom Management, dass es zuverlässige Prognosen abgibt, lieber etwas zu konservativ, um dann ggf. positiv zu überraschen. Und vor allem fordere ich, dass Fehler offen kommuniziert werden, dass das Management sie erklärt und aufzeigt, wie damit umgegangen wird. All diese grundlegenden Charaktereigenschaften lässt Trier vermissen und zwar zunehmend. Ich brauche einen CEO, der sein Handwerk versteht und die Geschäfte gut führt. Nicht einen, der sie mir schönredet.

Ich bin daher enttäuscht von Trier und möchte ihm mein Geld nicht mehr anvertrauen. Ich habe meine Aktien von Softing mit kleinem zweistelligen Gewinn (inkl. Dividendenzahlungen) verkauft und werde den Wert auch von meiner Empfehlungsliste streichen. Es gibt aus meiner Sicht deutlich aussichtsreichere Unternehmen mit seriöserem Führungspersonal.

Donnerstag, 23. März 2017

GBK Beteiligungen: Dividendenprimus bereitet weitere gewinntreibende Exits vor

Die auf Eigenkapitalbeteiligungen an mittelständischen Unternehmen fokussierte GBK Beteiligungen AG bestätigt die vorläufigen Zahlen zum Jahresabschluss 2016 und damit ein Rekordergebnis. So haben die Hannoveraner im Geschäftsjahr 2016 ein Realisiertes Ergebnis in Höhe von €12,5 Mio. erwirtschaftet und unter Berücksichtigung des Nicht realisierten Ergebnisses beläuft sich das Ergebnis des Geschäftsjahres auf €7,6 Mio. Dieses ist maßgeblich durch den Verkauf von drei Beteiligungen positiv beeinflusst worden. Der Nettoinventarwert je Aktie ist weiter gestiegen und beläuft sich am 31.12.2016 auf €10,18 je Aktie. Das Unternehmen wird der Hauptversammlung am 23. Mai eine Ausschüttung von €1,00 je Aktie vorschlagen wird, also einen Gesamtbetrag von €6,75 Mio. Dies entspricht bei einem aktuellen Börsenkurs von €12 einer Dividendenrendite von 8,33%. Die Dividende setzt sich dabei aus einer Basisdividende von €0,10 sowie einer Sonderdividende von €0,90 zusammen (Vorjahr: €0,10 und €0,60).

Verkäufe
Die hohen Ergebnisse speisen sich ja zuvorderst aus Gewinnen beim Verkauf von Anteilen an Beteiligungsunternehmen und Grundlage des GBK-Erfolgs ist nach wie vor das breitgestreute Portfolio. Hieraus wurden 2016 gleich drei Beteiligungen gewinnbringend veräußert: die österreichische IS Inkasso GmbH, die Raith GmbH, die Schlemmer GmbH. Dabei ist zu berücksichtigen, dass GBK selten ganze Unternehmen kauft oder Mehrheitsbeteiligungen eingeht, sondern sich mit der Rolle des Minderheitseigentümers zufrieden gibt.

Käufe
Auch auf der Kaufseite war GBK im Geschäftsjahr 2016 aktiv. In einem anspruchsvollen Marktumfeld konnte GBK das Portfolio durch Investitionen in Höhe von insgesamt €7,6 Mio. um drei neue Beteiligungsengagements erweitern. Dabei setzt GBK mit einer Beteiligung an der ACHAT Hotel- und Immobilienbetriebsgesellschaft mbH auf einen Betreiber von Value- und Budgethotels in der sich wandelnden Hotelbranche. Mit der MOESCHTER Group Holding GmbH & Co. KG erwarb die Beteiligungsgesellschaft Anteile an einem Innovationsführer und Spezialisten für die Entwicklung und Fertigung von Präzisionsbauteilen, Isolierungen und Komponenten aus Hochleistungswerkstoffen. Und mit der Schiller Fleisch GmbH & Co. KG nahm GBK einen Premiumanbieter hochwertiger Fleischprodukte in das Portfolio auf.

Portfolio
Zum 31.12.2016 umfasst das GBK-Portfolio rund 30 Beteiligungsengagements an mittelständischen Unternehmen mit Umsätzen zwischen rund €5 Mio. und €1,1 Mrd. Dabei hat sich das Portfolio durch die Zu- und Abgänge der vergangenen Jahre deutlich verjüngt und verändert, bleibt aber in seiner Zusammensetzung breit gestreut. So binden Unternehmen der Chemiebranche 31% der Zeitwerte, gefolgt von Unternehmen der Transport-, Logistik- und Touristikbranche, auf die 20% der Zeitwerte entfallen. Der Anteil der Zeitwerte an Beteiligungsengagements aus der Automobilindustrie beläuft sich auf 17%, an Unternehmen des Maschinenbaus auf 10% und an Unternehmen der Elektrotechnikbranche auf 9%. Dienstleistungsunternehmen und Handelsunternehmen schlagen mit jeweils 5% und Unternehmen der Nahrungsmittelindustrie mit 2% aller Zeitwerte zu Buche.

 GBK Beteiligungen (Quelle: finanzen.net
Auswirkungen auf die Bilanz
Nach den Veräußerungen ging die Summe der Zeitwerte aller Beteiligungsengagements um rund 6% auf €53,1 Mio. am Bilanzstichtag zurück. Ebenfalls veräußerungsbedingt stieg die Liquidität auf €20,4 Mio. an und addiert sich mit den sonstigen Aktiva von rund €3,4 Mio. zur Bilanzsumme in Höhe von €76,9 Mio. Auf der Passivseite zeigt sich ein auf €68,7 Mio. gestiegenes Eigenkapital und die Eigenkapitalquote liegt bei knapp 90%. Im Eigenkapital ist auch ein Betrag von €6 Mio. enthalten, den Vorstand und Aufsichtsrat aus dem Realisierten Ergebnis den anderen Gewinnrücklagen zugeführt haben.

Ausblick - und weitere Exits
Besonders interessant ist allerdings, was im Kleingedruckten steht. Denn im Geschäftsjahr 2017 kann GBK bereits einen ersten Neuzugang verzeichnen und ist mit der PWK Automotive GmbH mittelbar eine Beteiligung an einer Gesellschaft eingegangen, die die Geschäftstätigkeiten der Automobilzulieferer Presswerk Krefeld GmbH & Co. KG und PWK IBEX Automotive GmbH bündelt.

Daneben wurden die Verträge für den Verkauf eines mittelbar gehaltenen Beteiligungsengagements unterzeichnet, so dass nach endgültigem Vollzug der Transaktion die Ausschüttung eines Veräußerungsgewinns zu erwarten ist. Da überdies intensive Gespräche über die Veräußerung mehrerer weiterer Beteiligungsengagements geführt werden, sollte sich das Portfolio auch im Jahr 2017 veräußerungsbedingt weiter verändern.

Meine Einschätzung
GBK Beteiligungen investiert dort, wo andere gar nicht hinschauen: bei den kleinen Unternehmen des erfolgreichen Mittelstands. Diese fliegen für die großen Beteiligungsgesellschaften unter dem Radar und GBK ist auch bereit, sich mit einem Minderheitsanteil zufrieden zu geben. Eine aktive Rolle bei der Führung des jeweiligen Tochterunternehmens strebt man nicht an.

Das Niedrigzinsgumfeld und die inzwischen recht ambitionierten Preise für Unternehmensbeteiligungen spielen GBK bei Verkäufen in die Hände und lassen weitere hohe Gewinne erwarten. Auf der anderen Seite wird es auch für GBK immer schwieriger, interessante und rentierliche neue Beteiligungsunternehmen zu finden. Auch wenn GBK einen mittel- bis langfristigen Fokus hat, liegt der Gewinn noch immer im Einkauf. Und wir erinnern uns an Roland Könens Worte: "Ein gutes Unternehmen, zu teuer bezahlt, ist ein schlechtes Investment". Das gilt nicht für den Kauf von Aktien, sondern auch beim Erwerb von Unternehmensbeteiligungen. Hier hat das Management allerdings über Jahre bewiesen, dass es ein sehr gutes Händchen für die richtigen Beteiligungen hat.

GBK ist ein Nischenwert mit allen Vor- und Nachteilen eines so kleinen Unternehmens, insbesondere der eingeschränkten Handelbarkeit der Aktie und die seltene Berichterstattung in den Medien. Wen das nicht schreckt und wer auf hohe Dividendenausschüttungen aus ist, der findet bei GBK Beteiligungen eine interessante Möglichkeit von Investments in kleine und mittlere Unternehmen des deutschen Mittelstands profitieren zu können.

GBK Beteiligungen befindet sich auf meiner Empfehlungsliste und in meinem Depot.


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ERGÄNZUNG VOM 28.03.2017, 10:43

▸ GBK vollzieht Veräußerung der Anteile an Astyx GmbH

GBK Beteiligungen AG hat einen Vertrag über den Verkauf der von ihr gehaltenen Anteile an der Astyx GmbH Ottobrunn unterzeichnet und die Transaktion mit einem positiven Ergebnisbeitrag geschlossen. Der Veräußerungserlös überschreitet den Zeitwert, der der Beteiligung im Jahresabschluss zum 31.12.2016 beigemessen wurde, um rund 1,2 Mio. Euro. GBK hatte sich im Jahr 2000 an dem Entwickler und Hersteller von Höchstfrequenz-Sensoren und Kommunikationsmodulen mit rund 3,8% beteiligt.


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ERGÄNZUNG VOM 30.03.2017, 10:37

▸ GBK unterzeichnet Vertrag über die Veräußerung der Anteile an Koller Beteiligungs GmbH

GBK hat einen Vertrag über den Verkauf der von ihr mittelbar gehaltenen Anteile an der Koller Beteiligungs GmbH unterzeichnet, einem Automobilzulieferer und Leichtbauspezialisten, an dem sich GBK im Jahr 2014 wirtschaftlich rund 8,7% beteiligt hatte. Die Transaktion steht unter Vorbehalten, darunter unter dem Vorbehalt der kartellrechtlichen Genehmigung, die im laufenden Geschäftsjahr erwartet werden. Im Fall des Vollzugs der Transaktion (Closing) kommt es zu einem positiven Ergebnisbeitrag für GBK im Geschäftsjahr 2017, wobei der Veräußerungserlös nach Abzug von Nebenkosten den Zeitwert überschreitet, der der Beteiligung im Jahresabschluss zum 31.12.2016 beigemessen wurde, so dass dann ein Veräußerungsgewinn nach KAGB in Höhe von rund 2,1 Mio. Euro erzielt wird.