Dienstag, 24. Juli 2018

Der etwas andere Rentenplan: Steter Dividendenstrom aus Business Development Companies

Die staatliche Rente ist die Altersabsicherung Nummer eins in Deutschland und viele der Älteren haben noch die Worte des früheren Arbeitsministers Norbert Blüm im Ohr, als er sagte: „Die Rente ist sicher“. Das stimmt, auch heute noch. Allerdings gilt das nicht für die Höhe der Rente und das ist der Knackpunkt. Denn viele haben während ihres Arbeitslebens zu wenig eingezahlt und erhalten dann im Alter einen so niedrigen Rentenbetrag, dass es zum Leben kaum reicht; schon gar nicht, um den gewohnten Lebensstandard aufrecht zu erhalten. Im schlimmsten Fall droht sogar ein Abrutschen in die Grundsicherung.

Daher wurde schon vor mehr als 15 Jahren immer stärker auf die private Altersversorgung gesetzt und mit der Riester-Rente ein staatlich subventionierter Moloch geschaffen. Doch die Kosten sind hoch und fressen die staatlichen Zuschüsse wieder auf, während die erzielten Renditen niedrig sind. So niedrig, dass ein Gericht gerade erklärte, Riestersparer müssten auch eine negative Verzinsung in Kauf nehmen. Im Klartext heißt das, man zahlt Geld ein und am Ende bekommt man nicht nur keine Zinsen auf das Geld, das durch die Inflation auch noch weniger wert ist, sondern auf das angesparte Geld werden einem auch noch Zinsen abgezogen! Ein bürokratischer Molloch verreckt im Renditetal und der Leidtragende ist mal wieder der Durchschnittsbürger.

Allerdings hat die Riester-Rente dann doch einen (kleinen) positiven Effekt: die Riestersparer haben wenigstens überhaupt Geld fürs Alter zurückgelegt. Das wird ihnen etwas helfen, aber es reicht leider nicht, um die immer größer werdende Rentenlücke aufzufüllen. Doch es gibt andere Möglichkeiten, gute und schlechte...


The Bad...
Eine weitere tragende Säule der Altersvorsorge der Deutschen war seit jeher die klassische Kapitallebensversicherung, eine Kombination aus Lebensversicherung und Sparplan. Doch die anhaltende Niedrigzinsphase frisst das Vermögen auf von Sparern und auch von Versicherungskonzernen und hat dazu geführt, dass die früheren vollmundigen Renditeversprechungen der Lebensversicherungen sich in Schall und Rauch aufgelöst haben. Statt fünf Prozent oder mehr kommen die Garantieversprechen heute mit unter ein Prozent geradezu mager daher und im Neugeschäft bieten die Versicherer solche Produkte gar nicht mehr an.

The Ugly...
Nach jüngsten Gerichtsurteilen dürfen die Versicherungen nun sogar die Bewertungsreserven angreifen, wodurch die Überschüsse für die Versicherten nochmals kräftig abschmelzen. Das verschärft die Probleme für die Versicherten, deren Erwartungen an die hohen Renditeversprechen der Unternehmen gekoppelt war und der Zinseszinseffekt trägt maßgeblich zum Ergebnis bei Ablauf der Versicherung bei. Doch die gesenkten Renditen lassen die Ablaufergebnisse dramatisch einbrechen. Und wer über eine Lebensversicherung sein Eigenheim finanziert hat, wird im Alter nicht etwa schuldenfrei dastehen, sondern auf einmal einen hohen Betrag zu finanzieren haben, wo das Arbeitseinkommen sowieso schon zusammengeschmolzen ist zur staatlichen Rentenzahlung. Für viele wird das bedeuten, dass sie ihr Häuschen als Rentner aufgeben werden müssen und der Traum vom mietfreien Wohnen im Alter wird für viele Rentner platzen. Wer heute Rentner ist oder es bald wird, hat kaum mehr Möglichkeiten, gegenzusteuern. Zumal die Deutschen ihr Geld am liebsten auf dem Sparbuch horten, wo es auch keine Zinsen mehr gibt.

The Good...
Eine Alternative zu mageren Zinsen sind Dividenden. Auch aus Dividendenzahlungen lassen sich regelmäßige Einkommensströme generieren, die einen Teil des monatlichen Einkommensbedarfs abdecken können.

»Eine Kuh für ihre Milch, eine Henne für ihre Eier, und eine Aktie, verdammt, für ihre Dividende.«
(Bill Miller)

Nun ist es in Deutschland üblich, dass die Aktiengesellschaften einmal im Jahr eine Dividende ausschütten. In den USA sind Quartalsdividenden eher die Regel, so dass man durch die gezielte Auswahl von US-Werten schon einen regelmäßigen Zahlungsstrom erzielen kann. Natürlich hängt es auch von der Höhe der Dividendenrenditen ab, ob sich dies zum Auffüllen der Rentenlücke eignet. Und hier kommt eine besondere Form der Unternehmen ins Spiel: die Business Development Company (BDC).

Business Development Companies
Eine Business Development Company ist ein in den USA tätiger Finanzinvestor für kleine und mittlere nicht-börsennotierte Unternehmen. BDCs stellen etablierten Unternehmen sowie Startups Kapital zur Verfügung. Die geschieht entweder in Form von Eigenkapital, so dass die BDC Miteigentümerin wird, oder durch Fremdkapital als nachrangige Kredittitel.

BDCs vergeben ihre Mittel traditionell an kleine, weniger beachtete Unternehmen, die eine niedrigere Bonität aufweisen als große Standardwerte aus dem Dow Jones Index und die daher auch höhere Finanzierungskosten akzeptieren (müssen). Das höhere Risiko spiegelt sich dabei in höheren Zinssätzen wider, genauso wie bei einer klassischen Bankfinanzierung.

Die BDCs sind also im weiteren Sinn Beteiligungsunternehmen, die jedoch strengen Regularien unterliegen. Sie müssen sich als BDC registrieren lassen und dazu ist erforderlich, dass sie die Voraussetzungen des Investment Company Act von 1940 erfüllen bzw. einer speziell für BDCs im Jahr 1980 geschaffenen Ergänzung. Der US-Kongress wollte nämlich jungen, aufstrebenden Firmen dabei helfen, die nötigen Finanzmittel zu erhalten. Die meisten BDCs wählen aus steuerlichen Gründen die Form der "Regulierten Investment Company" (RIC) und eine Konsequenz hieraus ist, dass sie mindestens 90 Prozent ihrer steuerrelevanten Gewinne an ihre Anteilseigner ausschütten müssen. Hier sind sie mit den inzwischen auch in Deutschland bekannten REITs (Real-Investment-Trust) vergleichbar. BDCs weisen daher nicht selten zweistellige Dividendenrenditen aus und werden insbesondere von Dividendeninvestoren hoch geschätzt.

Chancen, Risiken, Dividendenrenditen
Die Kehrseite hoher Dividendenrenditen ist das ebenfalls erhöhte Risiko, das in der Art des Geschäfts begründet ist. BDCs reagieren daher sensibel auf veränderte Konjunkturbedingungen und Veränderungen des Zinsumfelds. Die hohen Dividendenrenditen sind nicht in Stein gemeißelt, sondern müssen von den BDCs durch Zinsen, Dividenden und/oder Managementgebühren erst verdient werden, bevor sie ausgeschüttet werden können. Das BDC-Management hält also engen Kontakt zu "seinen" Unternehmen und in der Regel weisen die Verträge Zinsanpassungsklauseln auf, wodurch BDCs beim jetzt wieder steigenden Zinsniveau von höheren Einnahmen profitieren werden.

Üppige Dividendenrenditen sollten also nicht als einziges Investmentkriterium dienen. Ein weiteres wichtiges Merkmal ist die Qualität der Schuldner. Hierüber geben die Quartalsberichte der BDCs Aufschluss, denn sie geben darin nicht nur den Buchwert bzw. Nettoinventarwert (NAV) ihrer Forderungen an und nehmen ggf. Abschläge vor, wenn sich die Umstände verschlechtert haben, sondern sie zeigen auch auf, in welche Branchen und Regionen die jeweilige BDC investiert. Und je nach Erfolg der BDC in der Vergangenheit und die Einschätzung des Marktes hinsichtlich ihrer weiteren Aussichten notieren die Aktien von BDCs mit einem Abschlag zum eigenen NAV oder sogar mit einem Aufschlag.

Vorsicht beim Kurs-Buchwert-Verhältnis!
Bei der Auswahl sollte man sich jedoch nicht dazu verleiten lassen, BDCs, die unter ihrem NAV notieren als günstig, und BDCs oberhalb ihres NAV als teuer einzustufen. Denn Benjamin Graham lehrte uns, als erstes auf das Risiko zu schauen und erst im Anschluss auf den möglichen Gewinn.

Notieren BDCs deutlich unterhalb ihres ausgewiesenen NAVs, weist dies oft auf besondere Risiken hin. Hier lohnt sich ein Blick auf die Entwicklung des NAVs über die letzten Jahre - ist er gesunken, dokumentiert ein aktueller Abschlag auf den NAV die Erwartung des Marktes, dass der NAV auch künftig weiter sinken wird. Das passiert zumeist, wenn die BDC bei der Vergabe ihrer Kredite nicht vorsichtig genug war und sich ein paar schwarze Schafe eingefangen hat. Ein zweiter Blick sollte also in Richtung der Kreditausfallquoten gehen, die die BDC ausweist. Vermutlich ist hier ein erhöhtes Niveau festzustellen, so dass auch von tendenziell sinkenden Aktienkursen und ggf. sogar Dividendenkürzungen ausgegangen werden muss. Und dann nützt die optisch attraktive Dividendenrendite von 15% beim Ankauf nichts, wenn zu erwarten ist, dass der Kurs einbricht und die Dividenden gekürzt wird. Das klingt nämlich eher nach einem lausigen Investment und die wollen wir doch lieber vermeiden...

»Beim erfolgreichen Investieren geht um Risikokontrolle, nicht um Risikovermeidung.«
(Benjamin Graham)

Die Betrachtung des Kurs-Buchwert-Verhältnisses und die Höhe der Dividendenrendite sind also nur zwei Kriterien für die Auswahl. Daneben kommt es auch darauf an, dass das Unternehmen die Dividenden auch operativ verdient, sie also nicht aus der Substanz ausschüttet. Hier bietet sich das Net Investment Income (NII) an, wenngleich auch gerne auf das Net Income (NI) abgestellt wird. Dieses enthält zusätzlich zum NII noch die Ergebnisbeiträge aus dem Verkauf von Beteiligungen. Diese Gewinne (oder Verluste) fallen allerdings immer nur einmalig an und sollten daher nicht dauerhaft zur Deckung der Dividendenausschüttungen benötigt werden, sondern für neue Investments/Kredite oder aber Aktienrückkäufe zur Verfügung stehen. Oder aber für Sonderdividenden, wie sie inzwischen einige der Top-BDCs regelmäßig auskehren, wie Gladstone Investment (GAIN), Main Street Capital (MAIN) oder TPG Speciality Lendig (TSLX).

Die weiteren Aussichten
BDCs sind für langfristig orientierte Anleger interessant, die auf einen stetigen hohen Dividendenstrom aus sind. In jüngster Zeit gab es einige Weichenstellungen, die sich positiv auf den Sektor der BDCs auswirken werden:


Wer von steigenden Zinsen profitieren möchte und gleichzeitig auf hohe stetige Dividendenausschüttungen abzielt, sollte bei qualitativ hochwertigen BDCs wie Ares Capital (ARCC), Gladstone Investment (GAIN), Main Street Capital (MAIN) oder TPG Speciality Lendig (TSLX) nicht viel falsch machen. Der üppige Dividendenstrom kann - und sollte - dazu verwendet werden, weitere BDCs zu kaufen bzw. den Bestand aufzustocken, wann immer es mal zu einem Kursrücksetzer im Sektor kommt. So erhöht sich nicht nur der Aktienbestand, sondern auch die Dividendensumme stiegt stetig weiter an. Denn BDCs zahlen quartalsweise oder teilweise sogar monatlich und durch die Wiederanlage der Dividenden lässt man den Zinseszinseffekt für sich arbeiten und seinen Teil dazu beitragen, die Rentenlücke zu schließen und Vermögen aufzubauen.

Disclaimer
Ares Capital, Gladstone Investment, Main Street Capital und TPG Specialty Lending befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Dividendendepot.

Kommentare:

  1. Hallo Herr Kissig, wieder ein toller Artikel, vielen Dank!

    Haben Sie aktuell einen Favoriten aus dieser 4er-Gruppe, der aktuell im Vergleich zum durchschnittlichen Abstand zum NAV "günstig" ist? Danke und sonnige Grüße!

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    1. Ich habe zuletzt TPG Speciality Lending und davor Ares Capital aufgestockt - vielleicht hilft das als Entscheidungshilfe. ARCC notiert genau auf dem langjährigen Durchschnitt beim Kurs/NAV-Verhältnis, TSLX ebenso.

      MAIN ist aktuell wieder ziemlich teuer und liegt deutlich über dem langjährigen Durchschnitt. GAIN ebenfalls und da hatte ich vor einiger Zeit ja meine Übergewichtung abgebaut (die durch den starken Kursanstieg mit verursacht worden war). Die vier genannten BDCs liegen in etwa gleich auf, was die Gewichtung in meinem Dividendendepot angeht.

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  2. Hallo Namensvetter

    Was mißfällt Ihnen eigentlich an REITs? Die Hälfte meines Depots besteht aus Income Aktien, wiederum etwa hälftig in BDCs und REITs aufgeteilt. Ich muss gestehen, ich fühle mich im Allgemeinen bei REITs wohler.
    Ich habe im letzten Einbruch kräftig zugekauft, und während ich bei BDC stets sehr genau hinschaue, reicht mir bei REITs ein flüchtiger Blick: Alle Gebäude stehen noch, Vermietungsquote immer noch bei 95% plus, fertig.
    Lexington Reality ist momentan vom Einstandspreis her meine zweitgrößte Position (vom aktuellen Wert her wäre es Amazon).
    Vielleicht liegt es daran, dass ich einmal eine vermietete Immobilie besaß. Aber egal warum, die (eigene) Psychologie ist an der Börse das Wichtigste überhaupt. Wenn, wie Anfang des Jahres, ein frischgekaufter REIT um 30% Prozent einbricht, tut mir das nicht weh. Da gibt es gar keine Frage, was zu tun ist. Mehr kaufen. Bei BDCs bin ich vorsichtiger.
    Da habe ich zwar auch kräftig nachgelegt, aber zögerlicher. Erst nach sehr genauer Prüfung. Und ich überprüfe meine BDC halbjährlich, die REITs dagegen gar nicht, solange sich nichts Wesentliches ändert.

    Lieber unknown, ich besitze alle vier der genannten BDCs und würde alle grundsätzlich nachkaufen, momentan aber keinen.

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    1. Auch ich hatte mal einen Immobilie zur Kapitalanlage und das ist nicht gut ausgegangen (in der Immobilienkrise 2008/09). Ich bin daher vorsichtiger, was diese Assetklasse angeht. REITs können durchaus interessant sein, je nachdem, in welchem Geschäftsfeld sie sich tummeln. Andererseits sind sie sehr unflexibel, was die Verwertung ihrer Assets angeht. Und wenn ich mir ansehe, wie Amazon (und andere Onlineunternehmen) z.B. den Einzelhandel, Shopping Malls und künftig auch Apotheken uswusf. unter Druck bringen, dann sollte man hier schon genau hinsehen, welche REITs genau auf solchen Branchen spezialisiert sind. Ich sehe REITs, gerade in den USA, keinesfalls als "sorglose Witwen- und Waisenpapiere" an, die man sie kaum/nie ansehen muss, weil alles einfach immer weiter gut läuft. Hier sehe ich BDCs als deutlich flexibler an, weil sie - und vor allem ihre Kunden, die Unternehmen - sich vergleichsweise schnell auf Marktänderungen reagieren können. Sie haben nicht für 40 oder mehr Jahre in beton investiert...

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  3. Hallo Anonym,
    welche amerikanischen REITs würden Sie empfehlen?

    Hallo Herr Kissig,
    zieht Comdirect direkt die Steuern ab bei den Erträgen von BDCs oder muss man sich selber drum kümmern wie bei CapTrader? Verlangt comdirect Gebühren für die Dividenden\Zinsen der BDCs?

    Grüsse
    Repman

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    1. Ich habe bei der Comdirect irgendwann mal ein Formular unterschrieben und die kümmern sich nun automatisch um die US-Steuern. Die werden also automatisch einbehalten. Separate Gebühren bei Zins- bzw. Dividendenausschüttungen wurden mir dort bisher noch nie berechnet.

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    2. Hallo Zusammen,
      Wie läuft das denn mit den Steuern bei Captrader? Hat jemand Erfahrungen damit? Verstehe nicht ganz, was im Endeffekt zu zahlen ist und welche to-dos es gibt.

      Grüße
      Dennis

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  4. Hallo Namensvetter,

    Nun ja, da haben Sie schon recht. Ich besitze keinen (reinen) Retail-REIT, deshalb habe ich deren Krise nur am Rande mitbekommen. Mir gefallen ohnehin gemischte REITs am besten, die Industrie- und Commercial im Portfolio haben. Und ich mische natürlich mein REIT-Universum schön durch. Und ja, die REITs sind unflexibler als BDCs, was aber auch ein Vorteil sein kann. Oft ist schließlich Aussitzen und Nichtstun keine üble Taktik, um eine Durststrecke zu meistern. Zudem finde ich Immoportfolios irgendwie übersichtlicher und "solider" als gebündelte Kredite. Und wenn eine Kreditblase platzt sieht es auch übel aus. Zum Beispiel war die Immoblase ja eben eine Kreditblase. Nächstes Mal reißt es vielleicht einen anderen Geschäftsbereich in die Hölle. Aber wie gesagt, ich gebe gern zu, dass ich da aus Gefühl handle. Soll man ja nicht aber ich tue das gern und ganz bewusst.

    Bei allen Aktien übrigens, nicht nur bei REITs. Ich kaufe nur, was mir gefällt, was ich irgendwie "mag" und dieses weiche Kriterium hat es in sich. Bisher, und das heißt seit über fünfzehn Jahren, fahre ich damit gut, sehe ergo keinen Änderungsbedarf. Ich weiß, es klingt in einer jeden Aktien-Community wie blanke Ketzerei, aber tatsächlich sind meine Gefühle mir wichtiger als alle Zahlen und Fakten. (Und wenn wir ehrlich sind, ist das bei den meisten Menschen so, sie stecken nur oft viel Energie in die (nachträgliche) Rationalisierung ihrer emotionalen Entscheidungen.)




    Hallo Repman

    Empfehlungen sind natürlich immer so eine Sache, da es auf das runde Gesamtportfolio ankommt. Es ist ja kein Problem, zehntausend Euro in einen oder zwei Healthcare-REITs zu stecken, wenn man weitere neunzigtausend in neun bzw. achtzehn weitere, andere REITs steckt.

    Aber da sie mich schon fragen, mir gefällt Lexington Realty ganz gut, besser noch W.P.Carey (Monatszahler). Auch STAG-Industrial ist interessant (noch ein Monatszahler). Wohlgemerkt, ich mag diese REITs, zum Zeitpunkt lasse ich mich jetzt nicht ein, wobei die Genannten für mich weniger vom Zeitpunkt abhängig sind, da ich hier immer mal nachlegen würde/werde. Auch Gladstone Commercial erscheint mir solide.

    Die neuen Käufe, die ich Anfang des Jahres getätigt habe, würde ich nicht so locker empfehlen, allerdings bei einem guten Zeitpunkt auch nicht unbedingt abraten. Da habe ich z.B. kleine Positionen Senior Housing Properties und Arbor Reality (Mortgage-REIT, den ich emotional als BDC eingestuft habe) gekauft. Bei rund 10% Bruttodividende und 20-30% Kursplus, war die Entscheidung bisher nicht so falsch, zumal Arbor die Dividende brav gesteigert hat. Eine ähnliche Leistung brachte mir Youzhou Properties aber Sie hatten ja nach amerikanischen REITS gefragt.

    Omega Healthcare wollte ich auch kaufen, aber ich hatte ja leider kein unbegrenztes Cash. Ansonsten fehlt mir noch die Mutter aller REITs, Reality Income. Das ist zwar ein Retail-REIT und notorisch recht hoch bewertet. Andererseits wird Amazon nicht allen Einzelhandel fressen, und die relativ kleinen Ladengeschäfte an guten Standorten, die Realty Income betreibt, werden auch künftig Mieter finden. Zudem bemüht sich der REIT nun recht konsequent um Diversifikation seines Portfolios. Und er ist ein Monatszahler.

    Da ich Technologie-affin bin, was meine Investments angeht, geht das auch an meinen REITs nicht vorüber. Schauen Sie sich z.B. mal Digital Realty oder American Tower an. Auch die Netzinfrastruktur muss irgendwo untergebracht sein, und während Retail-REITs auf die Mütze bekommen, entstehen ganz neue. Na, ja so neu nun auch nicht aber Sie verstehen schon, was ich meine.

    In diesem Zusammenhang noch erwähnenswert ist Iron Mountain, die ich ebenfalls zu den kürzlichen günstigen Kursen gekauft habe. Eigentlich kein REIT, sondern ein Tresor-Archiv-Unternehmen. Akten, egal ob Papier oder Daten, bis hin zu Kunstgegenständen werden gelagert. Todlangweilig und solide im Geschäft und total schwankend im Kurs, sowas mag ich. Dann wäre da noch Nutanix, ebenfalls ein REIT-ähnliches Unternehmen im Bereich Data Storage.

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    1. Bei Healthcare-REITs sehe ich erhebliche Risiken und zwar schon mittelfristig. Nicht nur IBM mit seiner KI "Watson" strebt stark in den Bereich der Online-Diagnose, auch die Krankenkassen möchten diesen kostengünstigen Weg eingeschlagen sehen. Und wenn man sich vorstellt, dass viele einfache Diagnosen bequem von zuhause aus gestellt/abgerufen werden können, dann schlummert hier riesiges Einsparpotenzial. Aber das bedeutet eben auch, dass sich die Wartezimmer bei Ärzten und Krankenhäuser perspektivisch deutlich leeren werden - und wenn der normale Arzt nicht mehr einen so großen Flächenbedarf hat, dann geht das zulasten der Immobilieneigentümer.

      Auch Apotheken haben heute ja schon sehr kleine Verkaufsräume; der meiste Platz geht für das Lager drauf. Und nicht selten sind die Medikamente gar nicht vorrätig, sondern sie werden innerhalb weniger Stunden in die Apotheke geliefert. Weshalb sollte man künftig nicht online mit einem Apotheker (oder gar nur noch dem Arzt) sprechen bei rezeptpflichtigen Medikamenten und die werden dann direkt nach Hause geliefert? Wozu diese Zwischenschritte? Dann gäbe es nur noch das Lager und die Website/das Portal für den Kontakt. Alle anderen wären raus.

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  5. Danke Ihnen beiden für die Infos. Werde mal genauer das Buch von Luis Pazos dazu lesen und mich dann für einen Broker(Captrader oder Comdirect entscheiden).

    Repman

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  6. So schnell schiessen die Preussen nicht. Ähnlich wie bei Retail-REITs, halte ich die Gefahren für Healthcare-REITs für etwas übertrieben. Nicht, dass Sie unrecht hätten, was die technologische Entwicklung angeht, keineswegs. Aber meine Bedenken halten sich in Grenzen. Ich könnte auch, wollte ich negativ denken, Gefahren für z.B. Senior Housing Properties darin sehen, dass bald jeder Alte seinen persönlichen Roboter-Butler-Pfleger hat und niemand mehr ins Heim oder betreute Wohnen geht.

    Online Diagnose hin oder her, so schnell werden die Arztpraxen nicht reihenweise verschwinden, und dann gibts ja noch Physiotherapeuten, Logopäden und was weiß ich für artverwandte Berufe, die eher zunehmen werden, wenn sich durch die Ersparnisse durch Online-Diagnosen und KI finanzielle Spielräume im System ergeben sollten. Bisher jedenfalls hat aller medizinische Fortschritt der Menschheit nur zu mehr Ärzten, Praxen und Therapien geführt. Es gibt seit der Erfindung des Penicillins viel mehr Krankenhäuser, nicht weniger. Und das, obwohl man plötzlich so viele Menschen so leicht heilen konnte.

    Bis wir rundum von KI und Robotern betreut werden, dauert es noch eine Weile. Und ich bin sicher, die Praxen trifft es gar nicht allzu hart. Der Allgemeinmediziner wie wir ihn heute kennen muss vielleicht gehen, wird wegrationalisiert. Könnte schon sein. Davon geht das Gebäude nicht kaputt und in vielen Fällen dürften schon neue Mieter bereitstehen, noch bevor der arme Doktor seinen Krempel gepackt hat.

    Ärztehäuser können auch andere Berufsgruppen beherbergen. Solche oft zentral gelegenen Immobilien werden nicht so schnell wertlos. Kurz und gut, unter zehn oder zwanzig REITs auch einen oder zwei Healthcare-REITs zu haben, halte ich für ein sehr vertretbares Risiko.

    Es ist sicher klug, Ihre Warnung im Hinterkopf zu behalten, unter diesem Aspekt sollte man auch die potentiellen Depotkandidaten beleuchten. Die sind ja auch sehr unterschiedlich strukturiert, manche werden von Umwälzungen härter getroffen, manche weniger. Grund zur Sorge besteht in meinen Augen aber noch nicht. Und wenn diese Sorgen in nächster Zeit noch einmal so richtig die Kurse massakrieren, dann denke ich, ist es eine sehr gute Zeit zum Kaufen. Das Thema wird wieder abflauen, und man kann in ein paar Jahren wahrscheinlich mit Gewinn aussteigen, bevor die Realität dieses Thema dann erneut durch die Märkte treibt.

    Das ist natürlich nur meine Meinung. Letztlich muss sich jeder seine eigenen Gedanken machen.
    Vielleicht haben Sie ja einmal Lust, auch wenn Sie selbst nicht in REITs investieren, einen Artikel darüber zu schreiben? Ich denke, Ihre Meinung zum Thema dürfte für viele Leser sehr interessant sein, was ja nicht bedeutet, dass der Leser in allem zustimmen muss. Oder vielleicht einmal ein Artikel über die Welt von morgen, wo Sie viele Aspekte anreißen?

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