Montag, 31. Juli 2017

Börsenweisheit der Woche 31/2017

"Eine Aktiengesellschaft ist eine raffinierte Einrichtung zur persönlichen Bereicherung ohne persönliche Verantwortung."
(Ambrose Bierce)

Samstag, 29. Juli 2017

Starbucks: Prognosesenkung schickt Aktie auf Talfahrt. Bieten sich neue Chancen?

Der Kaffeeröster Starbucks hat Zahlen zum zweiten Quartal 2017 präsentiert und einmal mehr beeindruckt. Allerdings musste das Unternehmen die Gewinnprognose für das Gesamtjahr leicht zurücknehmen und schickte damit den Aktienkurs auf Talfahrt. Ein zweiter Blick könnte sich aber durchaus lohnen...

Gleich vorweg: das nächste Quartal wird herausfordernd für Starbucks. Denn im Vorjahr hatte man im dritten Quartal das beste der 25-jährigen Unternehmensgeschichte abgeliefert als der Gewinn um 23 Prozent auf 801 Mio. Dollar zulegte und die Erlöse um 16 Prozent auf auf 5,7 Mrd. Dollar kletterten. Zum anderen befasst man sich mit den Gründen für die Prognosesenkung: Teavana. Starbucks hatte die Teekette vor einigen Jahren erworben und seitdem deren Produkte in seinen eigenen Filialen sehr erfolgreich angeboten. Die eigenen Teavana-Lokale erfüllen aber nicht den Starbucks-Anspruch an Rentabilität und daher wird man die 379 Filialen schließen, während die rund 3.000 Angestellten in Starbucks-Filialen einen Job angeboten bekommen. Die Entscheidung ist konsequent, denn Starbucks' Erfolgsrezept ist, dass man zum "Third Place" geworden ist, dem dritten Platz neben Zuhause und Arbeit, wo sich Menschen aufhalten. (Auch) deshalb kann Starbucks für seine Produkte einen deutlich höheren Preis verlangen als Wettbewerber und dieser Nimbus ist der wichtigste Teil von Starbucks' ökonomischem Burggraben ("Moat"). Des Weiteren liegen die Teavana-Filialen überwiegend in Shopping Malls und die leiden immer stärker unter Amazons Erfolgszug und dem Niedergang des klassischen Einzelhandels. Weniger Besucher in den Malls bedeuten aber auch zwangsläufig weniger Besucher in den Teavana-Filialen. Hier konsequent gegenzusteuern, bevor der Niedergang alloffensichtlich ist, sollte sich mittel- und langfristig auszahlen.

Donnerstag, 27. Juli 2017

Corning bietet Quartalszahlen mit Kater und Gorilla. Abgesang oder Kaufgelegenheit?

Der Glaspezialist Corning hat Zahlen zum zweiten Quartal vorgelegt und die Erwartungen übertroffen. Es folgte ein Kursabsturz um mehr als 6 Prozent. Denn die Befürchtungen wurden bestätigt. Und die Hoffnungen erfüllt.

Ich habe Corning ja schon etwas länger auf meiner Empfehlungsliste und erst neulich ausführlich das Geschäftsmodell mit seinen fünf Sparten vorgestellt ("Corning: Der gläserne Riese!"). Die Quartalszahlen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  • Umwelttechnologien (Environmental Technologies) sind um 2% gewachsen auf 263 Mio. Dollar und Corning erwartet für das nächste Quartal ein weiteres Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich.
     
  • Biowissenschaften (Life Sciences) wuchs um 3% auf 221 Mio. Dollar und auch hier wird ein weiteres Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich für das dritte Quartal erwartet.
     
  • Optische Kommunikation (Optical Communications) legte um 13% zu auf 882 Mio. Dollar um im dritten Quartal soll der Umsatz um weitere 10% zulegen gegenüber dem Vorjahreswert.
     
  • Spezialmaterialien (Specialty Materials) explodierte förmlich um 27% aufgrund der stark anziehenden Nachfrage nach Gorilla Glas und im dritten Quartal soll der Umsatz um weitere rund 15% zulegen ggü. dem Vorjahreswert.
     
  • Anzeigentechnologien (Display Technologies) erzielten 7% weniger Umsatz und lagen bei nur noch 748 Mio. Dollar, was an einer geringeren Nachfrage und Preisrückgängen lag. Für das dritte Quartal erhofft sich Corning ein prozentual mittleres einstelliges Wachstum.

Mittwoch, 26. Juli 2017

Chemikaliengroßhändler Brenntag schmiert die Weltkonjunktur

Mit den Produkten der Brenntag AG kommen Verbraucher kaum in Berührung, jedenfalls nicht, bevor diese weiterverarbeitet wurden. Denn Brenntag ist kein Produzent, sondern ein Händler. Ein Chemikalienhändler genauer gesagt und zwar der Weltmarktführer. Das klingt allerdings gewaltiger als es ist, denn Brenntags Weltmarktanteil liegt bei gerade einmal 6 Prozent. Denn der Markt ist sehr fragmentiert. Und hart umkämpft.

Gesteuert wird Brenntag seit 2011 von Steven Holland und zwar von London aus. Dennoch ist und bleibt Brenntag ein urdeutsches Unternehmen, das in seinen Ursprüngen bis ins Jahr 1874 zurückreicht. Inzwischen ist man Weltmarktführer im Markt für Chemikalien und dieser ist etwa 165 Milliarden Euro schwer. Dabei ist man als global agierendes Unternehmen von der weltweiten Konjunkturlage abhängig und zählt zu den sogenannten zyklischen Werten. Was sich auch am Kursverlauf der letzten Jahre ablesen lässt, denn nach der Finanzkrise konnte sich der Aktienkurs in den letzten sieben Jahren gut verdreifachen. Diese stolze Bilanz darf jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der Aktienkurs seit zwei Jahren in einer Seitwärtsbewegung gefangen ist, und Anlegern somit zuletzt eher wenig Freude bereitet hat angesichts steigender Aktienmärkte.

 Brenntag AG (Quelle: finanzen.net
Als Großhändler ist Brenntag weniger anfällig für die Konjunkturzyklen als die Chemieproduzenten selbst, kann sich aber nicht völlig von diesen abkoppeln. Der Chemiegroßhandel konnte in den letzten Jahren um durchschnittlich neun Prozent zulegen, wobei zwischen 2008 und 2012 auch außergewöhnlich starke Jahre dabei waren. Seit 2015 schwächelt man aber, was vor allem am Ölpreis liegt. Denn das Nordamerikageschäft der Brenntag ist stark von der dortigen Frackingindustrie geprägt und die durchlebte in den letzten zwei Jahren ein Wechselbad der Gefühle. Zunächst stürzte der Ölpreis um weit mehr als die Hälfte ab, bevor er sich dann um die 50 Dollar stabilisieren konnte. Gleichzeitig sanken die Zahlen neuer und aktiver Bohrlöcher immer weiter ab, was auch zu geringerer Nachfrage und sinkenden Preisen für die für das Fracking benötigten Chemikalien führte. Aber es gibt gerade hier einen Hoffnungsschimmer, denn nachdem die OPEC eine Förderkürzung beschlossen hatte, nahmen die Zahlen der neuen Bohrlöcher in den USA wieder zu.

Dienstag, 25. Juli 2017

Was ist... ein Dividendenaristokrat?

Viele börsennotierte Unternehmen beteiligen ihre Aktionäre am Erfolg durch Zahlung einer Dividende. Die Dividendenrendite spielt daher für die Anlageentscheidung eine wichtige Rolle, doch kann sie auch künstlich hochgehalten werden, um das Unternehmen attraktiver aussehen zu lassen, als es auf den zweiten Blick ist. Dann werden zum Beispiel 10 Cents je Aktie als Dividende ausgeschüttet, während im Geschäftsjahr nur 5 Cents verdient wurden oder gar ein Verlust anfiel. In diesem Fall geht die Ausschüttung zulasten der Substanz des Unternehmens und wenn dies mehrmals passiert, ist das Unternehmen irgendwann ausgezehrt.

Die sog. "Dividendenaristokraten" sollen hier Abhilfe schaffen, denn zu diesem erlesenen Club gehören nach der Definition von Standard & Poors nur die Unternehmen, die in den vorausgegangenen 25 Jahren in Folge ihre Ausschüttungen erhöht oder zumindest konstant gehalten haben. Das ist keine Kleinigkeit, da sich in regelmäßigen Abständen starke Kurseinbrüche oder gar Aktiencrashs an der Börse ereignen, die nicht selten auf wirtschaftliche Schwächephase folgen oder diese auslösen. Man denke nur zurück an die Dot-Com-Blase im Jahr 2000, die Terroranschläge des 11. September 2001 oder die Immobilien- und Finanzkrise 2008/2009 mit jeweils Kurseinbrüchen weit im zweistelligen Bereich und erheblichen negativen Auswirkungen auf die globale Wirtschaft. In solchen Zeiten die Dividenden nicht zu kürzen, ist schon eine Glanzleistung und verdient daher auch eine entsprechende honorige Auszeichnung, wie sie das Prädikat "Dividendenaristokrat" darstellt.

In Deutschland gibt es keine solche lange Tradition der Dividendenausschüttungen, da bei uns die Altersversorgung traditionell auf der Gesetzlichen Rentenversicherung fußt und nicht auf privater Kapitalvorsorge, wie z.B. in den USA. Dort hat sich also der Fokus schon frühzeitig auf steige und hohe, möglichst steigende, Dividendenzahlungen gerichtet und die ältesten Dividendenaristokraten zahlen bereits seit 125 Jahren kontinuierlich Dividenden.

Montag, 24. Juli 2017

Börsenweisheit der Woche 30/2017

"Börsengurus empfehlen oft genau die Aktien, die sie selbst zu einem günstigen Kurs loswerden wollen".
(André Kostolany)

Sonntag, 23. Juli 2017

Dauerenttäuschung DEWB: Dreht hier gerade der Wind oder ist die Luft völlig raus?

Die Deutsche Effecten- und Wechsel-Beteiligungsgesellschaft AG (DEWB) hat viele Jahre lang viel versprochen und schaut man auf den Kursverlauf, dann sieht man auf den ersten Blick, wie viel davon eingehalten wurde. Nullkommanichts. Für ihre Aktionäre war die DEWB über viele Jahre hinweg ein Eurograb und ich habe mich in meinen unregelmäßig erscheinenden Branchenabrissen über die deutschen Beteiligungsgesellschaften auch immer mal wieder mit dem Dauerfiaskolieferanten beschäftigt. Ende letzten Jahres war sie mir allerdings keine besondere Erwähnung mehr wert, nachdem auch die letzte verbliebene Hoffnung, die Biotechbeteiligung Noxxon, nicht den ersehnte Geldregen, sondern zweistellige Millionenabschreibungen eingebracht hatte. Doch im Dezember 2015 hatte ich die damalige Situation der DEWB zusammengefasst mit den Worten die DEWB sei langweilig und könne weder durch Tatkraft noch durch das Einhalten von Prognosen und Ankündigungen bestechen. Die extrem illiquide Aktie eigne sich allenfalls als kleine Depotbeimischung für hartgesottene Anleger. Dem ist eigentlich nicht viel hinzuzufügen, außer dass es den Anschein hat, dass der DEWB gerade wieder Leben eingehaucht werden könnte...

Freitag, 21. Juli 2017

McCormick und der scharfe Ritt: Kurseinbruch nach Übernahme als Chance?

Der Gewürzhersteller McCormick & Company ist ein ziemlich unbekannter Riese, jedenfalls hierzulande. Das ist insofern verständlich, als dass Otto Normalverbraucher mit seinen Produkten (bisher) eher selten direkt in Kontakt kommt. Denn der 1889 in Baltimore gegründete Konzern stellt Gewürze oder Gewürzmischungen her und vertreibt sie an die Lebensmittelindustrie. Dabei ist es fast unmöglich als Konsument, nicht täglich etwas zu Essen oder zu Trinken, was nicht mit Zutaten von McCormick gewürzt wurde, zumindest in deren Hauptmarkt, den USA. Und in den letzten drei Jahren hatten die Aktionäre auch viel Freude mit ihrem Investment, denn McCormick zählt zu den gesuchten defensiven Werten, die auch in einer Rezession gute Geschäfte machen.

Neben den Gewürzen ist McCormick allerdings inzwischen auch selbst als Hersteller von Lebensmitteln aktiv und diese ist vor allem in den USA momentan im Umbruch. Denn die Verbraucher wenden sich vom Zucker ab und schauen verstärkt danach, Produkte aus regionalem und ökologischem Anbau zu bevorzugen. Das stellt einige der Platzhirsche der Branche vor große Herausforderungen, wie Campbell Soup oder General Mills. Und zumindest teilweise nun auch McCormick.

Während also das Gewürzbusiness weiter attraktive Renditen abwirft, sieht sich auch McCormick mit seinen Produkten zunehmendem Gegenwind ausgesetzt. Und begegnet diesen auch durch Übernahmen. So hat man den Tubenkräuterspezialisten Gourmet Garden und den Saucenprofi Cajun Injector gekauft und ganz aktuell das Lebensmittelbusiness von Reckitt Benckiser für 4,2 Mrd. Dollar. Dieser letzte Zukauf kommt an der Börse nicht gut an und wird als zu teuer eingestuft. Immerhin hatte sich McCormick in einem Bieterverfahren gegen andere Größen der Branche durchgesetzt und am Ende einiges mehr bezahlt, als Analysten als Wert für RBs Lebensmittelbusiness angesetzt hatten. Der Kauf soll überwiegend über Kredite finanziert werden, was prompt die Ratingagentur Moody's auf den Plan rief, die eine Bonitätsabstufung für McCormick in Aussicht stellt. Also alles schlecht und der Kurseinbruch nur allzu gerechtfertigt. Oder?

Donnerstag, 20. Juli 2017

Blue Cap: Stagnierende Gewinne als Turbo für den Aktienkurs?

Die mittelständische Beteiligungsgesellschaft Blue Cap steht vor einem tiefgreifenden Wandel, was mit einem Zukauf und einem Verkauf zu tun hat, die mächtig Spuren hinterlassen werden in der Bilanz der Münchner. Unter dem Strich könnte dies zu stagnierenden Gewinnen führen, womit Blue Cap erhebliches Kurspotenzial aufweisen sollte. Wie das...?

Nun, Blue Cap investiert überwiegend in süddeutsche mittelständische Nischenunternehmen und konzentriert sich dabei auf operativ tätige technologiegetriebene Gesellschaften mit bestehendem profitablem Kerngeschäft, die sich in Umbruch- oder Sondersituationen befinden. Im Klartext investiert man in sanierungsbedürftige oder insolvente Unternehmen, Konzernausgliederungen und in Gesellschaften mit ungelöster Unternehmensnachfolge. Die Tochterunternehmen werden eigenständig und unternehmerisch geführt. Im vergangenen Jahr gelang ein großer Coup, als man aus der Insolvenz heraus die Vermögensgegenstände der Neschen AG übernommen hat. Die Zahlen für 2016 zeigen, dass sich die erhofften Effekte einstellen, also der Umsatz in die Höhe schießt, während Synergien in der Klebesparte die Kosten senken und damit die gewinne befeuern. Dabei ist die Neschen-Gruppe erst zum 01.12.2016 in den Konsolidierungskreis der Blue Cap AG aufgenommen worden. Aus dem Geschäftsbericht für 2016 der Blue Cap ist zu entnehmen, dass der Vorstand im Bereich Beschichtungstechnik davon ausgeht, "im Vorjahresvergleich durch die erfolgreiche Integration der Neschen-Gruppe in den Konzern ein starkes Umsatz- und Ergebniswachstum (EBIT) aufweisen" zu können. Der Aktienkurs hat diese positiven Entwicklung mit Verzögerung dann auch eingepreist und solide in den zweistelligen Bereich geführt.

Dienstag, 18. Juli 2017

Der Erfolg der Dividendenstrategie liegt nicht in den Dividenden!

"Dividenden sind der neue Zins", das ist ein geflügelter Begriff geworden, seitdem die Zinsen um die Nullmarke notieren und Banken und Sparkassen inzwischen sogar von Otto Normalkunde Strafzinsen auf dem Privatgirokonto einfordern. Wenn das Tagesgeld oder das Sparbuch keine Zinsen mehr bringt und Anleihen ebenso wenig, sehen Dividendenrenditen von drei Prozent und mehr entsprechend verlockend aus. Also eine sichere Sache, sollte man meinen, oder?

Kritiker wenden ein, dass Zinsen „sicher“ sind. Man erhält sie während der gesamten Laufzeit der Anlage und am Ende auch sein eingesetztes Kapital zurück. Dividenden hingegen würden ja direkt nach der Ausschüttung durch den sogenannten Dividendenabschlag von Kurs abgezogen, so dass Aktionäre hier keinen Vorteil hätten. Im Gegenteil, durch den sofortigen Steuerabzug gehen direkt mehr als 25 Prozent an das Finanzamt.

Das ist alles richtig, doch sieht es bei Anleihen nicht anders aus. Kauft man diese, bezahlt man zusätzlich zum Kurs die sog. Stückzinsen. Also den Zinsanteil, der bis zum Kauftag im jeweiligen Jahr bereits angefallen ist. Verkauft man die Anleihe vor dem Zinszahlungstag, erhält man dem entsprechend die aufgelaufenen Stückzinsen gutgeschrieben. Auch hier verändert sich also der Wert der Anlage und es fallen Steuerabzüge an. Des Weiteren handelt es sich bei Aktienanlagen nicht um Fremdkapital, sondern um Eigenkapital, das man dem Unternehmen zur Verfügung stellt. Man ist daher am Gewinn beteiligt. Und wenn dieser anteilig in Form einer Dividende ausgeschüttet wird, reduziert sich der Aktienkurs entsprechend, weil das Geld ja aus dem Unternehmen fließt und es deshalb weniger wert ist. Allerdings verdient das Unternehmen ja das ganze Jahr über die Gewinne, die am Ende im Jahresabschluss unter dem Strich den Jahresgewinn ausmachen. Der Dividendenabschlag macht den Aktionär also nicht ärmer. Auch deshalb wird er durchschnittlich innerhalb weniger Wochen wieder aufgeholt.

Montag, 17. Juli 2017

Börsenweisheit der Woche 29/2017

"Die Analysten flirten mit den Aktien, die Anleger sind mit ihnen verheiratet".
(Udo Bandow)

Mittwoch, 12. Juli 2017

Deutsche Forfait und GFT Technologies: Schreck lass (endlich) nach...

Mit den Aktien der Deutschen Forfait und von GFT Technologies ist schon länger kein Blumentopf (mehr) zu gewinnen. Beide habe die Anleger enttäuscht, doch es bestand wieder Aussicht auf Besserung. Daher hatte ich beide Werte vor einiger Zeit auf meine Empfehlungsliste genommen und heute ist Zeit für einen Sachstandsbericht. Und ggf. Konsequenzen.

DF Deutsche Forfait
Im November hatte ich drei Turnaroundwerte vorgestellt, die Deutsche Forfait, SBF und die UeT United Electronic Technology. Während bei SBF und UeT die unternehmerische Gesundung vorankommt und sich dieses auch im Aktienkurs widerzuspiegeln beginnt, darbt die DF vor sich hin. Und das hat leider handfeste Gründe. Denn bereits Mitte Januar traf das Unternehmen die Hiobsbotschaft, dass Großaktionär und Vorstandsvorsitzender Dr. Shahab Manzouri aufgrund einer längeren Erkrankung für etwa drei Monate seine Vorstandspflichten nicht wahrnehmen könne. Er war/ist der Garant für den Neustart der DF, nicht nur wegen seines finanziellen Engagements, sondern insbesondere wegen seiner hervorragenden geschäftlichen Verbindungen in den Iran, die die Basis für den Neuanfang sein sollten. Auf der kürzlich abgehaltenen Hauptversammlung musste der Vorstand der DF mitteilen, dass Dr. Manzouri weiterhin ernsthaft erkrankt ist und man darauf hoffe, dass er nun zum Jahresende wieder an Bord kommen könne. Es würden jedoch bereits auch schon Gespräche für eine Alternative geführt. Des Weiteren habe man bisher kaum Neugeschäft generiert und daher sei die Jahresprognose von 300 Mio. Euro Umsatz unter erhöhten Vorbehalt zu stellen. Dennoch lauf den die Kosten ja weiter, so dass die DF momentan ordentlich Verluste schreibt. Die Kosten belaufen sich aktuell auf rund 400.000 Euro pro Monat und das bringe mit sich, dass man zwischen 4 und Mio. Euro an Erträgen bräuchte, um diese zu erwirtschaften. Die Margen würden sich zwischen 1 und 2 Prozent bewegen, daher reden wir von einem Geschäftsvolumen im hohen dreistelligen Millionenbereich, das zur Finanzierung des Unternehmens notwendig ist. Bilanziell ist die DF nach dem Neustart noch ganz gut aufgestellt mit 9,5 Mio. Euro Eigenkapital. Im ersten Quartal wurde ein Minus von 400.000 Euro erzielt, so dass erkennbar ist, dass dieser Schwebezustand nicht von Dauer sein kann und darf, ohne die Gesellschaft erneut existenziell zu gefährden.

Vectron punktet mit guten Nachrichten im Doppelpack

Bei Vectron Systems läuft es richtig gut und heute haben Anleger gleich doppelt Grund zur Freude, denn die beiden Corporate News des Kassensystemherstellers haben es in sich.

Zunächst präsentierte Vectron seine Halbjahreszahlen, wenn auch noch vorläufig und ungeprüft. So konnte der Umsatz im ersten Halbjahr 2017 im Vergleich zum Vorjahreswert um rund 26% auf 19,311 Mio. Euro gesteigert werden. Das EBITDA legte sogar um 104% auf 3,129 Mio. Euro zu und das EBIT um 129% auf 2,879 Mio. Euro. Noch stärker legte das Ergebnis zu und konnte sogar um 225% auf 1,899 Mio. Euro ausgebaut werden. Der Cash-Bestand beläuft sich per 30. Juni 2017 auf 8,998 Mio. Euro.

Diese Zahlen belegen das starke Wachstum; allerdings schwächte sich dieses ggü. dem 1. Quartal ab, wo man noch rund 40% ggü. dem Vorjahreswert zulegen konnte. Die Wachstumsrate von knapp 14% im zweiten Quartal ist dabei zwei Faktoren geschuldet: zum Einen zogen in 2016 die Umsätze über den Jahresverlauf zunehmend an, so dass die Basiswerte von Quartal zu Quartal höher liegen. Und zum Anderen war der Umsatz des 1. Quartals 2017 besonders stark, da viele Kunden ihre Kassensysteme bzw. Upgrades erst zum Ende 2016 orderten in der Hoffnung, die gesetzliche Frist noch einhalten zu können. Vectron war aber gar nicht in der Lage, ad hoc die große Menge abarbeiten zu können, so dass nicht weniger der Bestellungen erst im 1. Quartal 2017 abgearbeitet und verbucht wurden. Vectron selbst hatte bereits frühzeitig auf diese Sondereffekte hingewiesen. Für das zweite Halbjahr bedeutet dies, dass man die Zuwachsraten des ersten Halbjahrs nicht einfach linear in das zweite fortschreiben kann. Dennoch profitiert Vectron weiter von einer Sonderkonjunktur bzgl. der gesetzlich vorgeschrieben Um- bzw. Nachrüstung der Kassensysteme (Stichwort "Fiskalspeicher"). Und im November soll die GetHappy-App an den Start gehen, also die bonVito-Lösung, die man mit Coca Cola betreiben wird. Ab dem vierten Quartal wird es also verstärkt darauf ankommen, wie sich die Nutzerzahlen und das Buchungsvolumen dieser App entwickeln.

Dienstag, 11. Juli 2017

Deutsche Post: (Wann) wird Amazon vom Kunden zum Rivalen?

Die Deutsche Post ist kein Wachstumsunternehmen und doch ist sie in einem Wachstumsmarkt tätig, der Logistik. Hier war sie in den vergangenen Jahren einer der großen Profiteure und hat sich zu einem der großen global agierenden Anbieter entwickelt. Der Kurs des DAX-Wertes konnte sich in den letzten fünf Jahren mehr als verdoppeln und dazu kamen noch üppige Dividendenzahlungen. Für Aktionäre gab es also keinen Grund zur Klage und angesichts des boomenden Logistikmarktes sollte man sich beruhigt zurücklehnen können und die Gewinne einfach laufen lassen. Zumal die Deutsche Post mit Amazon genau aufs richtige Pferd gesetzt hat und vom Erfolg des Online-Handelsgiganten enorm profitiert. Amazon ist der Garant für den Erfolg der Deutschen Post. Und zugleich auch dessen größte Bedrohung.

Denkt man an die gute alte Post, hat man zumeist den Briefträger in Uniform vor Augen, der Postkarten und Briefe zustellt. Und leider auch immer mehr Werbeprospekte. Diese Sparte der Post hat sich in den letzten Jahren gar nicht so stark gewandelt und hier verdient man aufgrund der monopolartigen Stellung eine Menge Geld. Das Paketgeschäft hat die Post bereits vor vielen Jahren von der Briefsparte getrennt und komplett in ihre Tochter DHL überführt. DHL verfügt über eigene Transportdrehkreuze, eigene Flugzeugflotten und weltweit verteilte Knotenpunkte. In Deutschland ist man unangefochtener Marktführer.

Einen großen Coup konnte die Post landen als es gelang, den aufstrebenden Internethändler Amazon als Kunden zu gewinnen. Das enorme Wachstum von Amazon beschert der Post eine wahre Flut von Paketen und wie auch beim Rivalen Zalando profitiert die Post ebenso von den vielen Retourensendungen. Selbstverständlich zahlt Amazon weit weniger als andere Kunden an die Post, aber die Masse macht die Taler für den gelben Riesen.


Montag, 10. Juli 2017

Börsenweisheit der Woche 28/2017

"Im Kern sind Unsicherheit und Kapitalanlage Synonyme".
(Benjamin Graham)

Freitag, 7. Juli 2017

Aurelius kann's (doch) noch: Beteiligungsverkauf und Prognoseanhebung

Der Finanzinvestor Aurelius Equity Opportunities SE & Co. KGaA scheint sich langsam von der Short-Attacke von Gotham City zu erholen und wieder zur Normalität zurückzukehren. Nachdem Ende April die bisher größte Beteiligung Secop mit einem positiven Ergebniseffekt von rund 100 Mio. Euro verkauft werden konnte, verdoppelte Aurelius kurzerhand die Dividendenausschüttung auf satte 4 Euro je Aktie und startete ein drittes Aktienrückkaufprogramm. Die Dividende wurde inzwischen ausgeschüttet und die Aktienrückkäufe laufen. Alles also wieder in vertrauten Bahnen?

Die letzten Tagen hatten einige Short-Spekluanten ihre Short-Positionen wieder deutlich ausgebaut und nun dürften sie ziemlich kalt erwischt worden sein. Denn Aurelius kann den größten Verkauf seiner Unternehmensgeschichte vermelden. So veräußert Aurelius die Getronics-Gruppe für 220 Mio. Euro an den strategischen Investor Bottega InvestCo S.à r.l., hinter dem als Mehrheitsgesellschafter der US-amerikanisch/brasilianische Unternehmer Nana Baffour steht, der in Brasilien mit der Grupo Cimcorp auf dem Markt für IT-Services präsent ist.

Aurelius hatte Getronics im Mai 2012 von der niederländischen KPN übernommen und seither erfolgreich neu positioniert. Durch insgesamt fünf Add-on-Akquisitionen, die während der Zugehörigkeit zum Aurelius-Konzern vollzogen wurden, konnte die Getronics-Gruppe sowohl geografisch expandieren als auch ihr Produktportfolio deutlich ausbauen. Der letzte Neuzugang zur Getronics-Familie war im April 2016 der Erwerb des Cloud-Geschäftes CMC (Colt Managed Cloud) der Colt Group S.A. Aktuell erzielt die Getronics-Gruppe mit 4.500 Mitarbeitern einen profitablen Umsatz von rund 500 Mio. Euro in 20 Ländern auf drei Kontinenten.

Donnerstag, 6. Juli 2017

Patrizia Immobilien: Chance-Risiko-Verhältnis verschlechtert sich

Der Asset-Manager Patrizia Immobilien kann kursseitig schon einige Zeit nicht mehr überzeugen. nachdem man weg vom eigenen Immobilienbestand hin zu Verwalten fremder Immobilienvermögen umgeschwenkt ist, bringt dies auch eine Umstellung der Ergebnisstrukturen mit sich. Man kann ein deutlich höheres Immobilienvermögen betreuen, aus dem sich stetige Provisionseinnahmen generieren lassen, andererseits entfallen immer mehr die lukrativen Gewinne aus dem Verkauf von eigenen Immobilien, in denen sich über die letzten Jahre hohe Buchgewinne angesammelt hatten. Seit dem Allzeithoch von 25 Euro Ende 2015 war die Aktie zwischenzeitlich auf unter 15 Euro eingebrochen und notiert mit knapp über 16 Euro auch nicht signifikant darüber. Und nun tritt ein, was bisher nur als potenzielles Risiko am Horizont lauerte...

Mittwoch, 5. Juli 2017

Altersarmut dank Immobilienfinanzierung über Lebensversicherung

Dass ich nicht viel vom Produkt Kapitallebensversicherung halte und dass es für die Versicherten eine Entreicherungsanlageform ist, habe ich in den letzten Jahren wiederholt geschrieben. Die Niedrigzinsphase hat den Assekuranzen kräftig zugesetzt, weil sie selbst keine auskömmlichen Geldanlagen mehr finden und inzwischen müssen sie sogar eine Zinszusatzreserve aufbauen, um die üppigen Garantieverzinsungen aus der Vergangenheit gewährleisten zu können. Doch die Zinszusatzreserve geht zulasten der Rendite der Versicherten und senkt deren heutigen Ablaufleistungen weiter. Des Weiteren mussten die Assekuranzen ihre Garantieverzinsung immer mehr absenken und der Staat strich die Beteiligung der Versicherten an den Bewertungsreserven oder Schlussüberschüssen der Versicherungen, was die Rendite weiter abschmolz. Die Folge dieser Gemengelage ist, dass inzwischen die Überschussbeteiligungen fast komplett ausfallen. Dabei waren doch gerade sie in der Vergangenheit das ziehende Verkaufsargument für "der Deutschen liebste Anlageform".

Nun ja, wird mancher sagen, da bekommen nun Leute nach 25 Jahren eben weniger Rendite ausgezahlt, Pech gehabt. Passiert eben. Und so kurz betrachtet, kann man das fast so stehen lassen. jeder ist für sein Geld, seine Anlagen und seine Altersabsicherung selbst verantwortlich. Aber...

In den 1980er und 1990er Jahren waren Kapitallebensversicherungen das bevorzugte vermittelte Produkt der Versicherungen, insbesondere der Strukturvertriebe von Bonnfinanz, AWD, OVB, HMI, MLP und wie sie alle hießen - und heißen. Nicht nur zur reinen Kapitalanlage, sondern sie wurden reihenweise zur Finanzierung von Eigenheimen verkauft. Ups...

Dienstag, 4. Juli 2017

Timing - sollte man gerade jetzt Aktien kaufen?

Das Timing für den Einstieg in Aktien spielt in der Fachpresse und den Diskussionen eine große Rolle. Dem liegt die Annahme zugrunde, dass die Wahrscheinlichkeit, eine steigende Aktie zu erwischen,  in einem steigenden Markt größer ist, als in einem fallenden. Getreu dem Börsenmotto "the trend is your friend". An diesen Überlegungen ist nichts auszusetzen; es stellt sich jedoch die Frage, ob sie wirklich relevant sind für einen Value Investoren. Schauen wir uns die aktuelle Lage also einmal an:

Die Schuldenkrise ist ja eine Krise der Währung Euro, weil die Staaten sich zu lange zu billiges Geld gepumpt haben, ohne damit die nötigen Strukturreformen zu finanzieren. Geht man davon aus, dass die Krise überwunden wird, sollte man Aktien haben. Ist man der Meinung, die Krise wird sich zuspitzen und ggf. sogar der Euro auseinander brechen, sollte man möglichst wenig Geld (Euros) haben und besser auf Sachwerte setzen. Immobilien wären dann eine gute Wahl, da wertbeständig, aber eben auch nur schwer handelbar. Deshalb setzen viele Leute auf Goldmünzen, weil man die eben auch transportieren und schnell eintauschen kann bei Bedarf. Andererseits wirft Gold keine Erträge ab, wenn es denn nicht gerade im Kurs steigt. Aber nach dem Boom vor fünf Jahren ist Gold trotz weltweit zunehmender Krisen immer glanzloser geworden, der Kurs sackte von $1.900 auf nur noch $1.200 ab und Besserung ist nicht in Sicht. Im Gegenteil.

Montag, 3. Juli 2017

Börsenweisheit der Woche 27/2017

„Die Moderne Portfoliotheorie lehrt einen, mittelmäßig zu sein. Meiner Meinung nach versteht sich jedoch schon fast jeder Fünftklässler aufs Mittelmaß.“
(Warren Buffett)

Samstag, 1. Juli 2017

Corestate Capital mit Paukenschlag: Übernahme, Kapitalerhöhung, Prognoseanhebung

Das Immobilien-Beratungsunternehmen Corestate Capital Holding SA sorgt weiter für Furore und übernimmt die Helvetic Financial Services AG mit Sitz in Wollerau (Schweiz) für einen mittleren dreistelligen Millionenbetrag. HFS ist einer der führenden Anbieter von Mezzanine Finanzierungen auf dem deutschen Wohn- und Gewerbeimmobilienmarkt und ist als Berater für zahlreiche Fonds tätig. Mit der Akquisition von HFS wird das Leistungsspektrum von Corestate um Mezzanine-Immobilienfinanzierungen erweitert, das Fondsgeschäft ausgebaut und der Zugang zu institutionellen Investoren, wie Pensionskassen und Versicherungen, verbessert.

Sachkapitalerhöhung
Der Kaufpreis wird über die Ausgabe von 7,4 Mio. neuen Aktien gegen Sacheinlage aus Genehmigtem Kapital an die HFS-Gesellschafter, sowie mit Fremdkapital und aus eigenen Mitteln finanziert. Das führt für die bisherigen Corestate-Aktionäre zu einer Verwässerung ihres Anteils, denn nun verteilen sich die erzielten Gewinne nicht mehr auf 13,61 Mio. Aktien, sondern auf 21,1 Mio. Anteile. Im Gegenzug steigert die Übernahme allerdings auch den Wert der Coreste insgesamt, so dass die Kapitalerhöhung allenfalls kurz für Unruhe sorgen dürfte.

Nachdem die BaFin grünes Licht gegeben hatte für die Übernahme der Hannover Leasing Gruppe, und unter Einbeziehung der HFS-Übernahme, steigert Corestate Capital das verwaltete Vermögen, die Assets under Management (AuM) auf über 20 Mrd. Euro und positioniert sich damit als einer der führenden börsennotierten Asset- und Investment Manager mit Fokus Real Estate Equity, Debt und Alternative Assets im deutschsprachigen Raum. Corestate beschäftigt dann über 470 Mitarbeiter in 29 Büros in sechs unterschiedlichen Ländern weltweit.