Montag, 30. Januar 2017

Cashreserven sind das Zaubermittel für höhere Aktienrenditen

▸ Kissigs Kolumne, Anlegermagazin der Börse Stuttgart, Ausgabe 1/2016 

Die jahrelange Niedrigzinspolitik der Notenbanken rund um den Globus hat nicht nur positive Auswirkungen sondern auch erhebliche Schattenseiten. Einerseits hat das billige Geld dazu geführt, dass Unternehmen und Konsumenten über reichlich Finanzmittel verfügten, um damit verstärkt Waren und Dienstleistungen einkaufen zu können. Das ließ die Umsätze der Unternehmen steigen und führte zu mehr Arbeitsplätzen. Und dann reduzierten sich auch die Zinskosten der Unternehmen, so dass auch hierdurch ihre Gewinne anstiegen. Auf der anderen Seite wirken diese permanenten Geldspritzen wie ein dauerhafter Drogenrausch und es wird schwer sein, die Wirtschaft wieder vom billigen Geld zu entwöhnen. Die amerikanische Notenbank macht nicht umsonst so einen Eiertanz um die erste Anhebung ihrer Leitzinsen seit 9 Jahren. Und dann sind da noch die Opfer, die Sparer, deren Bankguthaben keine Zinsen mehr abwirft und von der – wenn auch niedrigen – Inflation einfach weggefressen wird. Und in dieser Gemengelage rate ich dennoch zu einem ordentlichen Polster an Geld, was vielleicht verwundern wird.

Cash is fesch
Selbstverständlich nicht, um damit hohe Zinsen einzustreichen, das funktioniert ja bekanntlich nicht. Und wenn man irgendwo 15 Prozent Verzinsung versprochen bekommt, dann ganz sicher nicht von seriösen Anbietern. Auch hier gilt die Grundregel, dass Angebote, die zu gut klingen, um wahr zu sein, auch nicht wahr sind. Also lieber Finger weg.

Börsenweisheit der Woche 05/2017

"Investoren sollten sich nicht zu viele Gedanken um volkswirtschaftliche Daten machen. Sie sollten sich einfach in ein gutes Unternehmen einkaufen und alles andere für zehn Jahre vergessen."
(Warren Buffett)

Freitag, 27. Januar 2017

Umfrage: Was ist die optimale Anzahl an Depotwerten?

Inspiriert durch Davids Frage, möchte ich von euch wissen, wie viele Depotwerte nach eurer Ansicht optimal sind.

»Hallo Michael, könntest du bei Gelegenheit einmal etwas zu einem (deiner Meinung nach) idealen Portfolio-Aufbau schreiben oder gar ein Muster-Beispiel veröffentlichen? Soweit ich gesehen habe wurde dieses Thema hin und wieder am Rande erwähnt, doch wurde (so glaube ich) nie konkret darauf eingegangen. Insbesondere würde mich interessieren, inwiefern sich der Aufbau bei einem Value Investors von einem "herkömmlichen Aufbau" (mit anderen Worten nach der Portfoliotheorie nach Markowitz) unterscheidet (bekanntlich diversifiziert Warren Buffett ja nicht mit der Anzahl Positionen, sondern dadurch, dass er seine Positionen genauestens kennt). Wie viele Positionen sind deiner Meinung nach ideal? Welche Größe sollte eine Position maximal haben? Wann (und wie) entscheidest du, ob du eine Position reduzierst? Bei Buffet machen seine zwei größten Positionen ja rund 40% und seine größten sechs Positionen rund 75% aus. Bist du trotzdem der Meinung, dass eine Position eine gewisse Größe nicht übersteigen sollte? Wie viel Prozent am Portfolio machen deine Turnaround-Positionen aus? In welchem Verhältnis stehen die Währungen zueinander und wie viel Prozent machen die jeweiligen Sektoren am Portfolio aus?«

Meine Antwort dazu lautete:

Andere Ansichten: Warbug Research erhöht Blue Cap-Kursziel um 70% auf 14,50 Euro

Die Beteiligungsgesellschaft Blue Cap investiert überwiegend in süddeutsche mittelständische Nischenunternehmen und konzentriert sich dabei auf operativ tätige technologiegetriebene Gesellschaften mit bestehendem profitablem Kerngeschäft, die sich in Umbruch- oder Sondersituationen befinden. Im Klartext investiert man in sanierungsbedürftige oder insolvente Unternehmen, Konzernausgliederungen und in Gesellschaften mit ungelöster Unternehmensnachfolge. Die Tochterunternehmen werden eigenständig und unternehmerisch geführt.

Nachdem man im vergangenen Jahr aus der Insolvenz heraus die Vermögensgegenstände der Neschen AG übernommen hat, hinterlassen die Einsparungen und Synergieeffekte nun deutliche Spuren in der Blue Cap-Bilanz, so dass Warbug Research seine Prognosen ändert (zur Analyse). Für 2016 fallen diese etwas geringer aus als erwartet, für 2017 und 2018 hingegen hebt Warburg seine Einschätzungen deutlich an. Beim Umsatz jeweils um über 60%, beim Gewinn je Aktie um 39% bzw. 12%.

Donnerstag, 26. Januar 2017

Aktienrückkauf: Aurelius will jetzt 17 mal so viele eigene Aktien ordern. Und das schnell!

Im Oktober hatte Aurelius sein Aktienrückkaufprogramm wieder aufgenommen, so dass in der Zeit vom 17. Oktober 2016 bis zum 16. Oktober 2019 insgesamt bis zu 471.000 eigene Aktien der Gesellschaft in einer maximalen Gesamthöhe von €26 Mio. zurückgekauft werden können. Nebenbedingung war bisher, dass max. 3.000 Aktien pro Woche zurückgekauft wurden.

Daneben hatte der Aufsichtsrat zugestimmt, dass der Vorstand der persönlich haftenden Gesellschafterin nach eigenem Ermessen im Zeitraum vom 17. Oktober 2016 bis zum 16. Oktober 2019 weitere Aktienrückkaufprogramme in Höhe von bis zu weiteren €26 Mio. beschließen darf. Die beiden Rückkaufprogramme betragen somit in Summe bis zu €52 Mio.

Und heute hat der Aurelius-Vorstand mit Zustimmung des Aufsichtsrats von seiner Option Gebrauch gemacht und das zweite Aktienrückkaufprogramm gestartet. Im Zeitraum vom 30. Januar 2017 bis zum 2. April 2017 können wöchentlich bis zu 50.000 und insgesamt bis zu 450.000 eigene Aktien der Gesellschaft zurückzukaufen werden. Das Gesamtvolumen des beschlossenen Aktienrückkaufs beläuft sich auf insgesamt bis zu €26 Mio. (ohne Erwerbsnebenkosten).

Publity punktet mit Gewinnverdopplung und bestätigt Rekorddividende

Publity, ein Investor in und Asset-Manager von deutschen Büroimmobilien mit langjähriger Erfahrung im Bereich der Immobilienfinanzierung in Sondersituationen, hat vorläufige Jahreszahlen für 2016 vorgelegt und konnte seine Leistungen in etwa verdoppeln. Der Umsatz stieg auf rund €44 Mio. nach € 23 Mio. im Vorjahr, das EBIT lag bei circa €35,4 Mio. nach €20 Mio. in 2015 und der Jahresüberschuss wurde mit rund €24 Mio. nahezu verdoppelt.

Jahresziele erreicht. Fast...
Damit hat Publity seine für 2016 verkündeten Jahresziele, insbesondere den Gewinnanstieg auf €25 Mio. knapp verfehlt, mit €24 Mio. allerdings denkbar knapp. Nun könnte man eine endlose Diskussion anfangen, ob Vorstandschef Olek vielleicht den Mund zu voll genommen hat, oder ob man künftig die Prognosen von Publity kritisch(er) hinterfragen muss. Oder man erinnert sich, dass es um eine stichtagsbezogene Betrachtung geht, nämlich punktgenau auf den 31.12. um 23:59. Geschäfte, die zwei Minuten später rechtskräftig abgeschlossen werden, fallen schon in den nächsten Zeitraum.

Jahresanfang bringt erste Gewinne und 7 Prozent Dividende
Und so ist es auch bei Publity, denn das Unternehmen konnte einige der für 2016 anvisierten Immobilientransaktionen "erst" in den ersten Januartagen dingfest machen - wären diese Deals noch in die 2016er Zahlen eingeflossen, hätte Publity die Ziele locker übertroffen.

Mittwoch, 25. Januar 2017

Ist Gilead Sciences ein Value-Investment wert?

▸ Kissigs Kolumne vom 4. Oktober 2016, Aktien Magazin 26/2016 

Die Kosten der Krankenkassen explodieren, nicht nur in Deutschland. Das liegt daran, dass es immer mehr Menschen gibt, die auch noch immer älter werden. Und bis zum Altsein immer ungesünder leben. Die Zivilisationskrankheiten haben rasante Zuwachsraten, Übergewicht ist fast schon zum Normalzustand geworden. Zum ungesunden Leben gehören aber auch Alkohol und Zigaretten, die viele Menschen regelmäßig konsumieren. Und inzwischen mehren sich die Stimmen, die Alkohol als Mitverursacher von Krebs anprangern. Für Pharmafirmen sollten das paradiesische Zustände sein, denn immerhin wächst ihre Zielgruppe exponentiell an.

Allerdings lässt sich mit Medikamenten nur dann etwas verdienen, wenn man zuvor Geld ausgegeben hat. Und zwar eine Menge. Von 1.000 Wirkstoffen, die erforscht werden, schafft es nur ein einziger bis zu einem zugelassenen Medikament. Alle übrigen erweisen sich als wirkungslos. Und zwar nicht alle von Anfang an, sondern über einen langen Zeitraum hinweg in den unterschiedlichen Phasen der Forschung und Entwicklung. Stoffe, die sich im Anfangsstadium befinden, erzeugen noch keine hohen Kosten, aber wenn sich Wirkstoffe bereits in der klinischen Erprobung befinden, sind schon hohe Millionenbeträge angefallen und ein Scheitern in der sog. Phase 3 ist extrem ärgerlich und extrem teuer. Was auch daran liegt, dass die Hürden für die Medikamentenzulassung immer höher gelegt werden, um die Menschen vor ungewollten Nebenwirkungen zu schützen.

Vor einigen Jahren habe ich mich mit dem damaligen Deutschland-Chef des Pharmakonzerns AstraZeneca über dieses Thema unterhalten und der hat mir diese Zahlen bestätigt. Ein zugelassenes, neues und innovatives Medikament, hat durchschnittlich 1 Milliarde Dollar gekostet, um es zur Marktreife zu bringen. Darin sind die ganzen Rohrkrepierer mit eingerechnet. Und diese Zahl zeigt auch, weshalb die Unternehmen sich auf die lukrativsten Wirkstoffe fokussieren und deren Preise in der patentgeschützten ersten Phase so exorbitant hoch sind. Denn laufen die Patente aus, ist die Zusammensetzung der Medikamente frei verfügbar und es kommen umgehend Nachahmerprodukte auf den Markt. Diese sog. Generika kosten dann natürlich viel weniger, denn die Nachahmer haben ja keinen Cent für Forschung und Entwicklung ausgegeben und daher haben sie nicht den enormen Kostenblock, den der Initiator erst einmal verdienen musste.

Dienstag, 24. Januar 2017

Vectron lässt die Kassen weiter klingeln

Beim Kassensystemhersteller Vectron Systems läuft es richtig rund. Neue regulatorische Vorgaben zwingen die Benutzer von Kassensystemen hier nachzurüsten und zwar bis Jahresende 2016 - der Run wird sich also in den nächsten Zahlenwerken konkret wiederfinden. Doch es gibt noch eine Reihe von Nachzüglern, die "ihr Problem" jetzt erst realisieren und Vectron mit Aufträgen überschütten, wie das Unternehmen bei Vorlage seiner vorläufigen Zahlen für das Geschäftsjahr 2016 berichten konnte. Nach einem starken 3. Quartal hat sich der positive Trend im 4. Quartal beschleunigt, was insgesamt mit €33,251 Mio. zum höchsten Umsatz der Firmengeschichte geführt hat und einer Steigerung von 28% im Vergleich zum bereits umsatzstarken Vorjahr entspricht. Das EBITDA wuchs im Geschäftsjahr 2016 um 46% auf €3,978 Mio., was einer EBITDA-Marge von rund 13% entspricht, während das EBIT €3,450 Mio. beträgt und damit 61% mehr als im Vorjahr. Gleichzeitig konnte das Nettoergebnis um 69% auf €2,044 Mio. erhöht werden und der Cash-Bestand lag mit €11,649 Mio. um 23% über dem Vorjahreswert.

Bei Vectron läuft also eine Sonderkonjunktur und der Aktienkurs hat dieser Entwicklung schon Rechnung getragen. Und so richtet sich der Blick weiter nach vorn. Erwähnenswert ist nämlich, dass die Ertragserhöhung erzielt werden konnte, obwohl weiter Personal aufgebaut wurde, um die nächste Ausbaustufe des hauseigenen Online-Tools bonVito voranzutreiben. Dieses bisher vorwiegend als Marketing-Instrument für Bäckereien und Gastronomie genutzte System soll zu einer Endkundenplattform ausgebaut werden, die Bestell-, Coupon- und Reservierungsdienste im Gastronomie-Bereich vereint. Es würde also weit über die Angebote einschlägiger Lieferdienst-Plattformen wie Lieferando.de oder pizza.de hinausgehen und das zu deutlich geringeren Kosten für die angeschlossenen Gastronomiebetriebe. Und hier befindet Vectron in aussichtsreichen Gesprächen, denn man möchte dieses Feld nicht alleine angehen, sondern mit einem "großen Wurf" starten, also einem starken, erfahrenen Partner.

Montag, 23. Januar 2017

Börsenweisheit der Woche 04/2017

„Wer die gleichen Aktien kauft wie alle anderen, hat auch die gleiche Performance!“
(Sir John Templeton)

Donnerstag, 19. Januar 2017

Scherzer & Co: Keine weiteren Millionen aus dem WMF-Squeeze-out, trotz Nachbesserung

Vor Gericht und auf hoher See ist man alleine in Gottes Hand. Soll heißen, alles ist möglich und was am Ende dabei herauskommt, ist vorher kaum absehbar. Dennoch tummelt sich die Scherzer & Co. AG als Spezialist für Investments in börsennotierte deutsche Nebenwerte und Abfindungsspekulationen bewusst in diesem Bereich. Und bisweilen fallen spektakuläre Erfolge na, wie beim Schering-Squeeze-out, wo Bayer kräftig nachzahlen musste.

Über die im Scherzer-Portfolio schlummernden erhebliche Millionenpotenziale aufgrund werthaltiger Nachbesserungsrechte aus Spruchstellenverfahren bzw. Squeeze-outs hatte ich ja bereits ausführlich berichtet und insbesondere auf das AXA-Verfahren hingewiesen, wo es für Scherzer & Co. unter dem Strich um eine Nachbesserung von über €1 je Scherzer-Aktie gehen könnte. Zur Einschätzung: der aktuelle Börsenkurs notiert bei €2,25.

Hinsichtlich des AXA-Verfahrens gibt es noch nicht viel Neues und es wird sich auch noch eine Weile hinziehen. Das Gericht hatte die Frist zur Abgabe von Stellungnahmen jüngst um zwei Monate auf Ende Februar verlängert. Allerdings hat ich für Scherzer der Einsatz erhöht. Denn man ist bei der börsennotierten RM Rheiner Management AG jetzt mit 41,46% beteiligt, nachdem man die Beteiligung im Dezember außerbörslich von zuvor knapp 30% aufgestockt hatte. Und die RM hat ein ganz ähnliches Geschäftsmodell und eigene Nachbesserungsrechte zu AXA und anderen Squeeze-outs im Tresor liegen. Kommt eine Nachbesserung, stehen Scherzer & Co. also die eigenen Anteile zu und nun auch noch einmal 10% mehr der Gewinne, die die RM damit erzielt.

Gericht hält bei WMF Abfindung für zu niedrig
Das Traditionsunternehmen WMF Württembergische Metallwarenfabrik AG wurde 2012 vom US-Finanzinvestor KKR & Co. übernommen und von der Börse genommen. Scherzer & Co. war hier vorab eingestiegen und hat dann beim Squeeze-out KKR seine 71.024 Vorzugsaktien zu €58,37 angedient - ein Gesamtvolumen für den Scherzer-Anteil von rund €4,1 Mio.

Nun hat das Landgericht Stuttgart den verschmelzungsrechtlichen Squeeze-out bei WMF verhandelt und die sachverständigen Prüfer angehört und dabei Zweifel an dem für den Squeeze-out vorgerechneten Unternehmenswert von nur knapp über €800 Mio. geäußert. Und das ist nicht wirklich verwunderlich, denn KKR hatte damals quasi noch während des laufenden Squeeze-outs bereits den Verkaufsprozess eingeleitet und dabei einen Verkaufspreis von $2 Mrd. angesetzt (damals umgerechnet rund €1,8 Mrd.). KKR setzte im Verkauf also den Wert mit €1,8 Mrd. an, während man zur selben Zeit die Altaktionären mit €800 Mio. für ihre Aktien abspeiste. Eine - vermutlich lukrative - Diskrepanz...

Spült Aumann-Börsengang im Mai 200 Millionen Euro in die MBB-Kasse?

Nach einem Bericht des Handelsblatts von gestern plant die mittelständische Beteiligungsgesellschaft MBB den Börsengang ihrer Automotive-Tochter Aumann AG für April oder Mai.

Nach Angaben von drei mit den Plänen vertrauten Personen gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters stehe MBB kurz davor, die US-Investmentbank Citi sowie die Privatbanken Berenberg und Hauck & Aufhäuser mit den Vorbereitungen für den Börsengang zu beauftragen.

Den Insidern zufolge wolle MBB rund 40 Prozent an Aumann an die Börse bringen, so dass MBB wie bei der im November beschlossenen Ausgliederung erklärt, die Mehrheit von knapp über 50% behalten würde, die auch langfristig im MBB-Konzern verbleiben solle.

Das Unternehmen boome auch dank Elektromobilität. So erwarte das aus dem Zusammenschluss der beiden MBB-Töchter  Aumann GmbH und MBB Fertigungstechnik entstandene Unternehmen für das laufende Jahr rund €150 Mio.  Umsatz, das annähernd die Hälfte des konsolidierten Umsatzes des gesamten MBB-Konzerns darstelle. Der Auftragseingang liege bereits bei €180 Mio. und bei allen Werten werden deutliche Steigerungen erwartet - dank des Booms bei der Elektromobilität.

 MBB SE (Quelle: finanzen.net
Analysten zufolge sei Aumann allein fast so viel wert wie der gesamte MBB-Konzern, der auf einen aktuellen Börsenwert von rund €480 Mio. komme, so dass der Börsengang für die MBB damit mehr als €200 Mio. für den 40-prozentigen Aumann-Anteil einbringen könnte.

Meine Einschätzung
MBB war die renditestärkste meine Jahresfavoriten aus dem Jahr 2016 mit einem Kursplus von mehr als 150%. Der Aumann-Börsengang wird zu einem echten Meilenstein in der Unternehmensgeschichte.

Und man muss sich bei einer Bewertung der Aumann AG mit €400 Mio. noch mal ansehen, was MBB für die beiden zusammengeführten Töchter selbst als Kaufpreis gezahlt hatte. Die damalige Claas Fertigungstechnik hatte MBB Anfang 2012 übernommen und etwa €13 Mio. als Kaufpreis entrichtet sowie rund €10 Mio. Pensionsverpflichtungen und ungefähr €8 Mio. Grundstückschulden. Dieser Summe von € 31 Mio. lagen damals - inkl. Kundenanzahlungen - etwas mehr als €29 Mio. die der CFT-Kasse. Unterm Strich hat die MBB also eine bescheidene Summe im unteren Millionenbereich für die Übernahme ausgegeben. Und für den 75%-Anteil an Aumann hat man dem Vernehmen nach rund €19 Mio. bezahlt.

Mittwoch, 18. Januar 2017

Nach Gesetzesänderung: Übernimmt DIC Asset die WCM bald komplett?

Die im Nebenwertesegment der Deutschen Börse SDAX beheimatete Frankfurter DIC Asset AG ist ein auf Gewerbeimmobilien spezialisiertes Unternehmen und konnte im letzten Jahr einen Überraschungscoup landen, als man klammheimlich knapp 25% am Wettbewerber WCM übernahm. Diese 25-Prozentschwelle stellte eine natürlich Begrenzung dar, denn ein Zukauf über diese Marke hinaus hätte die hohen Verlustvorträge, die WCM aus ihrer Insolvenzphase retten konnte, verbraucht. Bei einem Anteilserwerb von über 50% verfallen sie ganz, zwischen 25% und 50% entsprechend quotal.

Seit dem Einstieg rätselt alle Welt über das weitere Vorgehen von DIC Asset und die ggf. gemeinsame Strategie mit WCM. Vielleicht stellt WCM ein reines Investment dar mit Aussicht auf üppige Dividendeneinnahmen? Oder WCM könnte Teile des DIC Asset-Portfolios übernehmen? Das einzige, das ausgeschlossen schien, waren weitere Aktienzukäufe. Bis jetzt...

 DIC Asset /WCM (Quelle: finanzen.net
Denn seit Kurzem ist alles anders. Im Dezember 2016 verabschiedeten Bundestag und Bundesrat ein neues Gesetz, das die steuerliche Verlustverrechnung bei Anteilserweb neu regelt, das Gesetz zur Weiterentwicklung der steuerlichen Verlustverrechnung bei Körperschaften. Und zwar rückwirkend ab 1.1.2016. Es wurde ein "fortführungsgebundener Verlustvortrag" eingeführt, so dass unter gewissen Voraussetzungen kein Wegfall des Verlustvortrags nach §8c KStG mehr erfolgt.

Meine Einschätzung
Im Gegensatz zu uns dürfte DIC Asset wissen, was sie mit dem WCM-Anteil anfangen wollen. Und sich überlegen, ob sich ein weiterer Zukauf von WCM-Anteilen und ggf. eine Mehrheitsübernahme lohnen könnte. Wohl wissend, dass man mit Karl Ehelerding & Co. starke und potente Gegenspieler im Aktionariat hat, die sich kaum kampflos ergeben werden. Einen geräuschlosen Anteilserwerb, wie seinerzeit beim überraschenden Einstieg, dürfte man kaum nochmals über die Bühne bringen. Aber die neue Gesetzeslage lässt ja auch einvernehmliche Übernahmen bzw. Zusammenschlüsse zu.

Ich bin ziemlich sicher, dass in den unterschiedlichen Chefetagen die Beteiligten sich bereits intensiv Gedanken hierzu machen. Und vielleicht auch Gespräche dazu führen. Auch wenn es hier wohl nicht zu einer schnellen Übernahme kommen dürfte, denn eine der Voraussetzungen für die Fortführung der Verlustvorträge lautet "der Geschäftsbetrieb besteht seit der Gründung oder seit mindestens drei Jahren unverändert". Und ziemlich unbestritten dürfte sein, dass die Insolvenzphase nicht als "Geschäftsbetrieb" einzustufen ist. Diesen hat WCM nach Ende des Insolvenzverfahrens Ende 2014 wieder aufgenommen mit der Sachkapitaleinbringung einiger Immobilienliegenschaften aus dem Altbestand Karl Ehlerdings.

Deutsche Forfait: Doppelter Rückschlag beim Neustart

Die Deutsche Forfait, ein Spezialist für Außenhandelsfinanzierungen und -forderungsmanagement, arbeitet nach der Pleite an einem Neustart: Kapitalschnitt, Kapitalerhöhung und Bilanzbereinigung sind erfolgt und ab 2017 soll das operative Geschäft wieder voll durchstarten. Nachdem ich den Wert vor einiger Zeit auf meine Empfehlungsliste gesetzt habe, hat der Kurs um gut 60% zugelegt und damit schon einige Vorschusslorbeeren verteilt. Dennoch ist er einer meiner Favoriten für das Jahr 2017.

Gestern gab es aber zwei Unternehmensmeldungen und beide bringen Ungemach. Zunächst muss die DF eine Forderung aus ihrem Restrukturierungsportfolio in Höhe von €4,9 Mio. wertberichtigen, weil sie in einem Rechtsstreit unterlegen ist. Dies betrifft zwar direkt nur "die alte Gesellschaft" und geht zulasten der Insolvenzsumme, die an die früheren Gläubiger ausgeschüttet wird. Das gesamte Restrukturierungsportfolio wurde im Rahmen des Insolvenzplans vom 29. April 2016 mit einem Fortführungswert in Höhe von €27,5 Mio. bewertet und die Wertberichtigung ist für die DF nicht unmittelbar ergebniswirksam. Allerdings hat die Sache dann doch eine Haken, denn mittelbar könnte sich doch eine Auswirkung auf das Konzernergebnis ergeben, wenn es der Gesellschaft nämlich nicht gelingen sollte, mindestens €24 Mio. aus der Verwertung des gesamten Restrukturierungsportfolios zu erzielen. Dann kann es abhängig vom tatsächlich erzielten Erlös aus der Verwertung des Restrukturierungsportfolios zu einer Zahlung von bis zu €0,8 Mio. an die Insolvenzgläubiger kommen.

Die zweite Meldung könnte folgenschwerer sein. Großaktionär und Vorstandsvorsitzender ist Shahab Manzouri und dieser hat dem Aufsichtsrat mitgeteilt, er könne wegen einer längeren Erkrankung für etwa drei Monate seine Vorstandspflichten nicht wahrnehmen. Er wurde daher zunächst bis Ende April beurlaubt.

Capital Stage: Einfach Geld verdienen mit sauberem Strom

▸ Kissigs Kolumne vom 15. November 2016, Aktien Magazin 30/2016 

Warren Buffett sagte einmal, mit Energieversorgern würde man nicht reich, aber man bleibe es. Das mag in den Ohren der Aktionäre von Eon oder RWE wie Hohn klingen, aber Buffett hat beim Ausspruch seiner Worte ganz bestimmt nicht an die staatlich verordnete Energiewende in Deutschland gedacht, die für die Misere der deutschen Energieversorger verantwortlich ist. Denn im operativen Geschäft verdienen die Konzerne weiterhin auskömmlich Geld, sie verbrennen allerdings Milliarden mit Abschreibungen auf ihre alten Kraftwerksbeteiligungen, den Atomkraftwerken und den unrentablen Öl- und Gaskraftwerken.

»Mit Energieversorgern wird man nicht reich, aber man bleibe es.«
(Warren Buffett)

Die andere Seite der Energiewende ist, dass der deutsche Staat ganz vorne mit dabei ist, wegzukommen von konventionellen, fossilen Brennstoffen hin zu regenerativen Energiequellen, Also Bio, Wasser, Wind und Sonne. Durch das Erneuerbare Energien Gesetz (EEG) werden diese Energiequellen staatlich gefördert und mittels langlaufender Subventionen massiv unterstützt. Die Zeche zahlen übrigens nicht die Steuerzahler, sondern die Energiekunden über ihre Stromrechnung. Denn dort findet sich ein immer größer werdender Anteil an staatlichen Umlagen, insbesondere der EEG-Umlage, aus der diese Subventionen gespeist werden.

Konkurrenz aus Asien verdirbt die Preise
Diese Subventionen waren auch der Grund, weshalb in Deutschland, einem eigentlich sonnenarmen Land, die Produktionsstätten für Solarmodule wie Pilze aus dem Boden schossen. Gerade in der durch die EU noch besonders geförderten Region Ostdeutschland entstanden hunderte derartiger betriebe und nicht wenige fanden auch den Weg an die Börse. Doch es kam, wie es kommen musste. Die hohen Subventionen für die Solarmodule lockten auch zunehmend ausländische Anbieter an, insbesondere aus Asien, und die Milliarden flossen zunehmend ins Ausland ab. Die deutschen Unternehmen hatten es sich in ihrer subventionierten Nische zu bequem gemacht und sich nicht auf den steigenden Wettbewerb eingestellt. Als dann die Regierung die ausufernden Subventionen einbremste, rasten viele deutsche Konzerne in die Insolvenz. Erinnert sei nur kurz an Q-Cells, Solon oder Solarworld. Letztere kämpft noch immer mit Umstrukturierungen und massiven Verlusten, das Lebenslicht ist noch nicht ganz ausgeblasen.

Es gab aber auch andere Hochflieger, die Hersteller von Windrädern. Ob RePower oder Nordex, auch diese Branche machte und macht eine Berg- und Talfahrt durch. Anleger verdienten und verloren Millionen in diesem Bereich. Es stellt sich daher die Frage, weshalb ich mich dieses Themas überhaupt annehme…

Dienstag, 17. Januar 2017

msg life AG: Übernahmeangebot, Delisting - lasst die Spiele beginnen!

Die msg life AG ist ein Spezial-Softwareunternehmen für die Versicherungsbranche und auf dem besten Weg, einen erfolgreichen Turnaround hinzulegen. Ich hatte vor knapp einem halben Jahr erstmals über das Unternehmen berichtet, das aus der Fusion der beiden ehemaligen neuer Markt-Werte FJA und Cor entstanden war, und hatte es als aussichtsreiche Turnaroundsituation bei €2,20 auf meine Empfehlungsliste genommen und kurze Zeit später bei knapp über €2,00 nochmals etwas aufgestockt, als die eigentlich recht ansprechenden Halbjahreszahlen mit einem 10-prozentigen Kurseinbruch quittiert wurden. Seither hat sich das Unternehmen prächtig entwickelt und mit ihm der Aktienkurs. Bis gestern...

Denn gestern gab das Unternehmen eine für seine Aktionäre folgenschwere Meldung heraus. So hat die msg systems AG, mit aktuell ca. 49,09% Anteil die Hauptaktionärin der msg life AG, dem Vorstand der msg life AG mitgeteilt, ein freiwilliges öffentliches Erwerbsangebot für alle Aktien der msg life AG abgeben zu wollen. Den Aktionären soll der gesetzlich vorgeschriebene Mindestpreis angeboten werden.

 msg life AG (Quelle: finanzen.net
Normalerweise versetzt ein Übernahmeangebot die Aktionäre in Entzücken, denn üblicherweise wird es mit einer fetten Prämie auf den zuletzt aufgerufenen Aktienkurs garniert. Doch nicht dieses Mal. Denn die Hauptaktionärin will den freien Aktionären lediglich ein Angebot in Höhe des gesetzlichen Mindestpreises unterbreiten und bei freiwilligen Übernahmeangeboten und bei Pflichtangeboten hat ein Bieter den Aktionären einer Zielgesellschaft eine angemessene Gegenleistung anzubieten. Wie eine angemessene Gegenleistung zu berechnen ist, ergibt sich aus den §§3ff. der WpÜG-Angebotsverordnung. Nach §5 Abs. 1 WpÜG-Angebotsverordnung muss die Gegenleistung mindestens dem gewichteten durchschnittlichen inländischen Börsenkurs der durch einen Bieter zu erwerbenden Aktien einer Zielgesellschaft während der letzten drei Monate vor Veröffentlichung der Entscheidung zur Abgabe eines Angebots bzw. der Veröffentlichung der Kontrollerlangung entsprechen. Die BaFin ermittelt nun diesen Angebotspreis und im Anschluss daran wird die Hauptaktionärin msg systems AG eine Angebotsunterlage veröffentlichen. Dann steht der Preis fest, zu dem Aktionäre ihre Aktien andienen können.

In den letzten drei Monaten schwankte der Aktienkurs der msg life AG zwischen €2,15 und €2,95, aber bei der Preisbestimmung spielen auch die Umsätze, also die Anzahl der gehandelten Aktien eine Rolle. Daher kann man aktuell den Angebotspreis nur erahnen. Aber er dürfte vermutlich so um die €2,40 liegen - dort, wo sich der Aktienkurs auch nach der Meldung in etwa eingependelt hat. Und damit deutlich unterhalb der kürzlich erreichten Hochs bei €2,95.

Montag, 16. Januar 2017

Hornbach Baumarkt AG: Mehr als ein bisschen Übernahmephantasie?

Vor fast genau einem Jahr nahm ich die Hornbach Baumarkt AG auf meine Empfehlungsliste, nachdem der Kurs aufgrund von Gewinnwarnungen abgestürzt war. Ich setzte auf eine baldige Besserung gepaart mit einem Schuss Übernahmephantasie seitens der ebenfalls börsennotierten Konzernmutter Hornbach Holding AG & Co. KGaA. Passiert ist bisher wenig bis nichts. Zeit also für eine Standortbestimmung...

Der Immobilienmarkt boomt in Deutschland. Noch vor wenigen Jahren in der Finanzkrise mussten Banken Milliardensummen auf notleidende Immobilienkredite abschreiben und die Zahl der Zwangsversteigerungen schnellte empor, während die Preise der Immobilien flächendeckend unter Druck gerieten. Dann kam alles anders, die Eurokrise in den südlichen EU-Staaten Griechenland, Italien, Spanien führte dazu, dass viele ihr dortiges Geld, nicht selten auch Schwarzgeld, in Sicherheit bringen wollten und Deutschland galt und gilt als Hort der Stabilität in Europa.

So gab es in den Ballungszentren eine verstärkte Nachfrage nach insbesondere hochpreisigen Immobilien seitens dieses frischen Auslandsgeldes, das auf eine eigene deutsche Kaufbereitschaft stieß. Denn auch die Deutschen streben immer mehr in die Ballungszentren, verlassen die ländlichen Räume, was dort zu Leerstand und sinkenden Preisen führt. In München, Hamburg, Berlin, Stuttgart und Frankfurt hingegen steigen die Preise weiter stark an. Dies ist natürlich auch den niedrigen Zinsen geschuldet, denn dank der Nullzinspolitik der EZB können sich immer mehr Deutsche überhaupt Wohneigentum leisten und das auch bei steigenden Preisen. Und vermögende Anleger haben das Problem, dass sie für ihr Geld bei den Banken keine Zinsen mehr erhalten und dieses Geld strömt vermehrt in den Immobilienmarkt, wo es noch annehmbare Renditen erwirtschaften kann. So steigen mit den Immobilienpreisen auch die Mieten.

Börsenweisheit der Woche 03/2017

"Per se ist ein Staatsdefizit nichts Furchterregendes. Solange ein Defizit nicht über einen längeren Zeitraum schneller ansteigt, als die Wirtschaft wächst, ist es wenig bedrohlich".
(Warren Buffett)

Sonntag, 15. Januar 2017

Anleger sollten auf solide Dividendenwerte setzen!

An der Sinnhaftigkeit von Dividendenausschüttungen scheiden sich die (Anleger-) Geister. Während die einen meinen, Dividenden seien wichtig, vertreten andere die Auffassung, sie seien schlicht Geldverschwendung. Man solle lieber auf Unternehmen setzen, die ihre Gewinne thesaurieren, also vollständig einbehalten - denn dadurch würde sich der Wert des Unternehmens und somit auch der Aktienkurs erhöhen.

Einen ausführlichen Artikel zu Dividenden und Dividendenrendite habe ich hier verfasst, daher möchte ich jetzt auf zusätzliche Aspekte eingehen. Denn neben der Absicherung, die Dividenden für den Anleger darstellen (wenn es mit den Kurssteigerungen mal nicht so läuft, erhält man immerhin die Dividende), machen Dividendenausschüttungen auf langfristige Sicht rund 40% des Gesamtertrages eines Depots aus.

Samstag, 14. Januar 2017

Kimberly Clark: Der unerkannte Champion

▸ Kissigs Kolumne vom 18. April 2016, Aktien Magazin 10/2016 

Manchmal gelingt Unternehmen ein echter Marketing-Coup, wenn nämlich das eigene Produkt zum Begriff wird. Der Pritt-Stift von Henkel ist so ein Geniestreich, Tesafilm von Beiersdorf oder der Edding. „Hast du mal ein Kleenex?“ ist auch so eine gängige Redewendung, wenn man mal ein Taschentuch braucht. Bei der Werbung kommt es ja darauf an, einen Markennamen bekannt zu machen und den Bedarf nach diesem Produkt zu wecken. Das geht ganz schön ins Geld, aber wenn man den Begriff Kleenex hört, weiß man sofort, um was es sich handelt und wofür man es braucht.

Was der Konsument in der Regel nicht weiß und was ihm auch völlig egal sein kann, ist der Hersteller dieses Produkts. Für Anleger hingegen ist diese Information Geld wert, denn wir sprechen von Konsumgütern, den langweiligen Dingen des täglichen Bedarfs, an die man nicht viele Gedanken verschwendet. Hier gibt es selten wirkliche Innovationen, Käufer campen nicht vor den Läden und es bilden sich keine langen Schlangen kreischender Teenager, wenn es mal wieder ein Produktupdate gibt. Und auch auf Partys wird kaum über Toilettenpapier oder Windeln gesprochen, da sind andere Themen hipper. Doch gerade diese kleinen Helferlein des Alltags, die jeder ständig benötigt, lassen Anlegerherzen höher schlagen, denn es besteht ein reger und steigender Bedarf, ohne selbst das alles verändernde Internet und der Drang in die mobile Welt ist keine Konkurrenz. Jedenfalls wäre mir bisher keine App bekannt, die beim Naseputzen helfen könnte und auch eine cloudbasierte Lösung scheint kaum vorstellbar…

Latente Goldgräberstimmung
Börsenaltmeister André Kostolany erinnerte immer gerne daran, dass während des Goldrausches nicht unbedingt die Goldsucher reich wurden, sondern vor allem diejenigen, die ihnen die nötigen Utensilien verkauften: Schaufeln, Spitzhacken oder auch Jeans. Das waren sichere Einnahmequellen, egal ob der Goldsucher nun auf eine Goldader stieß oder enttäuscht aufgeben musste.

In der Welt der nützlichen Nebensächlichkeiten ist Kimberly-Clark zuhause. Die Mutter des Kleenex wurde 1872 von John Kimberly, Havilah Babcock, Charles Clark und Frank Shattuck als Papierhersteller gegründet und expandierte hierauf aufbauend in viele weitere Bereiche. Neben den Konsumentenprodukten ist Kimberly-Clark besonders stark bei Hygiene- und Verbrauchsmaterialien positioniert und bei uns bekannte Marken sind u.a. Camelia, DryNites, Huggies, Kleenex, Servus oder Hakle. Die Produkte des Unternehmens sind eine gefühlte Selbstverständlichkeit, was dazu führt, dass auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten die Nachfrage nicht sinkt. Wird das Geld knapper, spart man nicht unbedingt zuerst am Toilettenpapier.

Freitag, 13. Januar 2017

Andere Ansichten: Record-Day-Einführung verzögert deutsche Dividendenausschüttungen

An einen interessanten, aber nicht schönen, Aspekt erinnerten jüngst die "Finanzjournalisten". Dabei geht es um die vom Bundestag beschlossene Aktienrechtsnovelle, die ab diesem Jahr greift und die eine liebgewonnene deutsche Tradition schrottet: die Dividendenausschüttung am Tag direkt nach der Hauptversammlung. Aus, vorbei, passé. Der EU sei - mal wieder - gedankt.

Mit Beginn der Dividendensaison 2017 müssen auch deutsche Aktionäre länger auf die Dividendenausschüttung warten, denn diese wird nun in der Regel erst drei Geschäftstage nach dem Aktionärstreffen erfolgen.

Denn bislang erhielt die Dividenden, wer am Tag der Hauptversammlung um 23.59 die Aktie im Depot hatten und der Dividendenabschlag (Ex-Dividende) erfolgte dem entsprechend zum Börsenstart am Tag nach der HV. Ab sofort müssen wir uns allerdings auf angelsächsische Verhältnisse einstellen. Es gibt nun einen sog. "Record-Day", der drei Geschäftstage nach der Hauptversammlung liegt. Allerdings kann die HV auch eine abweichende Regelung beschließen, was das bisherige automatisierte Verfahren erheblich kompliziert.


Die Finanzjournalisten machen die Auswirkungen auch an einem konkreten Beispiel deutlich, an der Siemens AG, die wegen des Geschäftsjahresschlusses 30. September stets als ein der ersten deutschen Aktiengesellschaften ihre HV abhält. Das wird also ab diesem Mal so ablaufen: Das Aktionärstreffen findet am Mittwoch, den 1. Februar 2017 statt, der Record Day, an dem die Dividende bezahlt wird, ist entsprechend am Montag, den 6. Februar 2017.

Scherzer & Co. nimmt bei Lotto24 Millionengewinn mit

Die Scherzer & Co. AG, Spezialist für Investments in börsennotierte deutsche Nebenwerte, hat momentan einen Lauf. Nicht nur, dass ihre größte Portfolio-Position GK Software von einem Rekordhoch zum nächsten eilt und neben operativen Erfolgen auch eine gehörige Portion Übernahmephantasie seitens des Partners SAP mitbringt (Scherzer hält mehr als 5% an GK Software), sondern auch der - bisher - drittgrößte Wert Lotto24 macht ausgesprochen Freude. Denn seit dem Einstieg von Scherzer & Co. hat sich der Aktienkurs vervielfacht und in den regelmäßigen NAV-Meldungen zeigte sich der Kursanstieg immer deutlicher, denn Scherzer & Co. hatten einen Anteil von 4,67% an dem Online-Lottovermarkter gemeldet bzw. 1,13 Mio. Aktien.

Bis heute. Denn in den weiteren steilen Anstieg hinein - der Kurs hat sich alleine seit August von €5 auf aktuell über €8 um mehr als 60% verteuert, baute Scherzer diese Beteiligung ab und unterschritt die 3%-Schwelle, was eine Stimmrechtmitteilung erforderlich machte. Daher wissen wir, dass Scherzer & Co. am 11. Januar nur noch 2,53% der Lotto24-Anteile hielt bzw. gut 610.000 Stück. Was wir nicht wissen ist, ob Scherzer & Co. seitdem weitere Lotto24-Aktien veräußert hat oder plant, dies in nächster Zeit zu tun. Hier müssen wir wohl bis zur nächsten NAV-Meldung per 31. Januar warten, um Näheres zu erfahren. Klar ist allerdings, dass alleine die Veräußerung der nun gemeldeten knapp 510.000 Aktien zu einem Gewinn von über einer Million Euro bei Scherzer & Co. führen wird. Kein schlechter Start ins Börsenjahr 2017.

Donnerstag, 12. Januar 2017

Fondsmanager waren 2016 ihr Geld nicht wert. Mal wieder nicht...

Grottenschlechte Bilanz, die Fondsmanager in 2016 da wieder einmal abgeliefert haben. Nach Auswertung des Schweizer Analysehauses Ifund Research konnten nur acht Prozent der Manager für europäische Aktien nach Gebühren ihr Vergleichsbarometer übertreffen, bei US-Aktien waren es 14 Prozent. Bei Schwellenländern übertrafen immerhin mehr als ein Drittel den Index, wie Fonds professionell berichtet.

Die Manager hätten überwiegend auf's falsche Pferd gesetzt, nämlich defensive Konsumgüteraktien. Diese hätten aber im vergangenen Jahr unterdurchschnittlich abgeschnitten; ganz im Gegenteil zu Rohstoffwarten, die aber in den meisten Fonds stark untergewichtet blieben. Ein Lichtblick für Value-Anleger gibt es aber auch: Value-Aktien übertrafen erstmals seit Langem wieder Wachstumstitel. Auch das hätte allerdings die meisten Fondsmanager nicht erkannt.

Unterm Strich bleibt die Erkenntnis, dass Geldanlage in Aktienfonds besser ist als sein Geld auf dem Sparkonto entwerten zu lassen. Wer aber schon so schlau ist, in Aktien zu investieren, der sollte lieber wirklich clever agieren und sich die - nicht verdienten! - horrenden Gebühren der Fondsmanager sparen. Dadurch alleine steigt die jährliche Rendite schon um einige Prozentpunkte an. Und wie macht man das? Nun, man kauft entweder passiv verwaltete Indexfonds, also ETFs (Exchange-traded Funds), wie es Warren Buffet oder John C. Bogle, Gründer der Vanguard Company, den Anlegern raten.

»Suche nicht nach der Nadel im Heuhaufen. Kaufe einfach den Heuhaufen.«
(John C. Bogle)

Oder man setzt - wie ich - auf eigenes Research und Stock-Picking. Letzteres ist aber nicht jedermanns Sache und erfordert natürlich Know-how und Zeit. Sich die Mühe zu machen, um aus dem Heer der Fondsmanager diejenigen 8 Prozent herauszufiltern, die besser abschneiden als der Index, die kann man sich jedenfalls sparen - oder in das gezielte Auswählen von Einzelwerten investieren...

Immer mehr Spannung bei MBB. Dank Elektro-Mobilität...

▸ Kissigs Kolumne vom 17. Mai 2016, Aktien Magazin 13/2016 

Der deutsche Beteiligungskonzern MBB SE steht heute bereits zum zweiten Mal im Fokus meiner Kolumne. Nachdem ich dem Unternehmen Ende November attestiert hatte, erfolgreich nach den Perlen des deutschen Mittelstands zu tauchen, scheint der Kursverlauf von 24 Euro auf inzwischen 30 Euro meine Einschätzung zu bestätigen. Ich möchte daher heute darauf eingehen, ob MBB auf diesem Niveau noch weitere Chancen bietet und wie sich die neue Beteiligung, die Aumann-Gruppe, in den Konzern einfügt und weshalb MBB-Chef Christof Nesemeier sie als „vermutlich besten Kauf der Unternehmensgeschichte“ bezeichnet. Und ob er damit Recht behalten könnte.

Die MBB SE agiert seit ihrer Gründung 1995 als ein mittelständischer Beteiligungskonzern - und ist ein Familienunternehmen im besten Sinne, denn die beiden Gründer, CEO Christof Nesemeier und Verwaltungsratschef Gert-Maria Freimuth halten gemeinsam rund 71 Prozent der Aktien. MBB kauft Unternehmen, um diese innerhalb des Konzerns zu entwickeln und ihre Potenziale zu heben. Ein gewinnträchtiger Weiterverkauf der Töchter steht nicht zuvorderst auf der Agenda.

Viele hübsche Töchter
Das MBB-Beteiligungsportfolio ist recht bodenständig ausgerichtet: neben Hanke Tissue, einem führenden Hersteller bedruckter Servietten, finden sich dort derzeit unter anderem die auf das Cloud-Computing spezialisierte DTS Systeme GmbH sowie der ebenfalls börsennotierte Holzwerkstoffprofi Delignit (WKN A0MZ4B) und die CT Formpolster GmbH wieder. Beim Hersteller von Toilettenpapier, Servietten, Taschentüchern und Küchenrollen Hanke Tissue hat MBB in die Verdopplung der Produktionskapazitäten investiert und auch bei Delignit wurden Add-on-Käufe getätigt, um dem Unternehmen einen Wachstums- und Ertragsschub zu verpassen. Und das mit Erfolg, denn immer häufiger setzen Automobil- aber auch Bahnhersteller auf den leicht zu verarbeitenden und wenig wiegenden Werkstoff Holz und auf die Komponenten von Delignit.

Einen „Königs-Deal“ hatte MBB-Chef Christof Nesemeier Anfang 2012 an Land gezogen, als man die Firma Claas Fertigungstechnik, die heutige MBB Fertigungstechnik, vom Landmaschinenhersteller Claas übernahm. Dieser im Wesentlichen in der Automobilindustrie tätige Sondermaschinenbauer katapultierte die Konzernmutter in ganz neue Dimensionen, verdoppelte auf Schlag den Umsatz und verdreifachte den Gewinn. Der Aktienkurs zog damals innerhalb eines Jahres entsprechend von 7 auf 20 Euro an und erfreute die Aktionäre. Im Anschluss konsolidierten Kurs und Unternehmen bis Ende 2015, als MBB „die richtige Gelegenheit“ sah und 75 Prozent an der Aumann-Gruppe übernahm. Die restlichen 25 Prozent hält weiterhin der Unternehmenslenker, der die Gruppe auch weiterhin führen wird.

Mittwoch, 11. Januar 2017

Andere Ansichten: Aurelius vor kräftigem Ergebnissprung in 2017

Nachdem der Münchner Finanzinvestor Aurelius Equity Opportunities SE & Co KGaA die Übernahme von Office Depot Europe abgeschlossen haben, lässt CEO Dr. Dirk Markus im Hintergrundgespräch mit "Die Vorstandswoche" interessante Zahlen fallen. Die zugekauften Unternehmen mit rund 6.000 Mitarbeitern werden etwa €2 Mrd. zum Umsatz der nun 23 konsolidierten Unternehmen im Aurelius-Konzern beisteuern, und dieser nun auf insgesamt €4,5 Mrd. pro Jahr angestiegen ist. Dabei handele es sich um eine klassische Aurelius-Übernahme, bei der der Kaufpreis €1 betragen hätte. Bei ODE lägen €110 Mio. in der Kasse und es gäbe keine Bankschulden. Darüber hinaus stünden etwa €150 Mio. zur Finanzierung des Working Capital zur Verfügung. Der Sanierungsaufwand in 2017 dürfte sich auf etwa €25 Mio. belaufen die das EBITDA zunächst belasten würden; unterm Strich solle aber ODE operativ bereits leicht im positiven Bereich abschließen. Diesen Aufwendungen stünden allerdings etwa €250 Mio. als "Bargain Purchase" gegenüber, die voll im ersten Quartal 2017 verbucht würden und damit ins EBITDA einflössen. Dieses werde folglich einen großen Sprung machen und bei €300 bis 400 Mio. landen und damit signifikant über der bisherigen Rekordmarke von €266 Mio. aus 2015.

Dienstag, 10. Januar 2017

Valeant Pharmaceuticals: Kann Ikarus zum Phönix werden?

Valeant Pharmaceuticals International Inc. war ein Star, jahrelang kannte ihr Aktienkurs nur einen Weg: nach oben. Und wie einst Ikarus kam man in völliger Selbstüberschätzung der Sonne zu nahe, so dass die aus Wachs gefertigten Flügel zu schmelzen begannen, was zum unweigerlichen Absturz führte. So viel zur Vergangenheit; für die Zukunft stellt sich die Frage, ob Valeant im Staub verenden wird, oder ob es den Kanadiern gelingen kann, wie einst Phönix aus der Asche wiederaufzuerstehen.

Der einstige Börsenliebling Bill Ackman hatte Valeant zur größten Position in seinem Hedgefonds Pershing Square Capital Management gemacht und Valeant als neue Berkshire Hathaway bezeichnet. Das Geschäftsmodell sei dem der Investmentholding des Value Investors Warren Buffett ähnlich, denn auch Valeant kaufe Unternehmen und steigere dann ihren Wert. Die massiv ansteigende Verschuldung für die Übernahmen schienen hierbei nur ein vernachlässigenswerter Kollateraleffekt. Doch damit lag Ackmann falsch, mit so ziemlich jeder Einschätzung bisher zu Valeant. Und das sage ich aus der Rückschau, das macht die Einschätzung natürlich viel einfacher macht als zu Zeiten, als Valeant an der New Yorker Börse (NYSE) noch für $260 gehandelt wurde und nicht für weniger als $15 wie zuletzt. Ackmann verwechselte hier schlicht Wert und Preis. Und folgen wir der Effizienztheorie, hätte der Markt mit seiner Preisfeststellung Recht und wir könnten uns die Suche nach einem möglicherweise abweichenden Wert schenken. Allerdings gebe ich nicht viel auf die Effizienztheorie und mache daher einfach weiter...

Während Buffett solide Unternehmen kauft, die über die Jahre hohe Cashflows erzeugen und ihre Gewinne immer weiter steigern, wodurch sich ihr Unternehmenswert erhöht, kaufte Valeant kleine Pharmaunternehmen und Biotechwerte bzw. deren Patente, um im Anschluss die Preise der Produkte massiv anzuheben. So generierte man höhere Umsätze und höhere Margen - zulasten der Patienten und des Gesundheitssystems. Buffett kauft Wertsteigerungspotenziale, Valeant Preisteigerungspotenziale. Ein ganz wesentlicher Unterschied, wie auch Ackmann inzwischen feststellen musste.

Leifheit: Das bisschen Haushalt...

▸ Kissigs Kolumne vom 8. Februar 2016, Aktien Magazin 4/2016 

Leifheit ist ein deutscher Hersteller von Haushaltsgeräten und die meisten von uns haben ein oder mehrere Produkte des Unternehmens in Benutzung, zumeist in der Küche oder der Besenkammer. Die beiden Qualitätsmarken Leifheit und Soehnle sind durchaus bekannt, aber aufgrund der Art der Produkte eher unauffällig: Wäschespinnen, Bügelbretter, Waagen, Flaschenöffner, das sind keine Glamour-Produkte, die Schlangen vor den Läden auslösen. Aber sie sind halt die kleinen und großen Helferlein, die jeder irgendwie braucht. Und immer häufiger kommen diese Produkte aus dem Hause Leifheit. Ergänzend setzt das Unternehmen auch noch auf das margenschwächere Volumengeschäft mit den beiden Marken Herby (Wäschetrockner) und Birambeau (Küchenhelfer). 

Was auf den ersten Blick also völlig unspektakulär aussieht, hat durchaus eine bewegte jüngere Vergangenheit hinter sich. Denn die ehemals zur Produktpalette gehörenden Dr. Oetker Backgeräte wurden aussortiert, weil sich das Unternehmen mehr auf seine eigenen beiden Kernmarken fokussieren möchte. Ziel der Strategie ist es, die Marke Leifheit mit ihren Kategorien 'Reinigen', 'Wäschepflege' und 'Küche' stärker herauszustellen sowie die Marke Soehnle als attraktive, moderne Wellnessmarke zu positionieren.

Aktienkurs birgt Überraschungen
Wenn man sich das langweilige Produktportfolio ansieht, möchte man kaum glauben, dass die Leifheit-Aktie in den vergangenen fünf Jahren mehrere hundert Prozent zugelegt hat. Ende 2011 notierte sie bei rund 15 Euro, um Anfang 2015 auf 60 Euro ihren bisherigen Höchstkurs zu finden - eine glatte Vervierfachung, die dann allerdings ein zwischenzeitliches abruptes Ende fand.

Montag, 9. Januar 2017

Berentzen pimpt sein Finanzergebnis und sorgt für zusätzliche Gewinne

Die Berentzen-Gruppe ist längst nicht mehr (nur) das angestaubte Spirituosen-Business alter Tage, die Neuausrichtung durch Finanzinvestor Aurelius trägt spürbar Früchte. Und hat dazu geführt, dass Aurelius sich im letzten Jahr sukzessive von allen seinen Anteilen an Berentzen getrennt hat, so dass Berentzen künftig auf eigenen Füßen stehen muss.

Zuletzt hatte die Meldung verunsichert, dass CEO Frank Schübel seinen im Oktober auslaufenden Vertrag wider Erwarten nicht verlängern wird. Er führt hierfür private Gründe an und den Wunsch, wieder mehr Privatleben zu haben. Zugleich erklärte er seine Bereitschaft, sich künftig im Aufsichtsrat einbringen zu wollen, sofern dies von den Aktionären und dem Aufsichtsrat gewünscht sei. Und Plätze dürften hier frei werden, denn bisher nehmen Aurelius-Vertreter vier der Aufsichtsratsmandate wahr und nach dem vollständigen Ausstieg des Finanzinvestors dürften diese, wenn vielleicht auch nicht gleich alle, neu besetzt werden.

Heute kommt eine sehr positive Nachricht und sie betrifft die Finanzen. Im Oktober 2017 wird eine fünfjährige Unternehmensanleihe im Volumen von €50 Mio. fällig, die mit vergleichsweise teuren 6,5% verzinst wird. Knapp zehn Monate vor deren Rückzahlung sicherte sich Berentzen nun seinen Finanzierungsbedarf durch einen fünf Jahre laufenden Konsortialkredit mit einem Volumen von €25,5 Mio., den ein Bankenkonsortium unter Führung der Deutsche Postbank zur Verfügung stellt.

 Berentzen-Gruppe (Quelle: finanzen.net) 
Aufgrund seiner guten Liquiditätssituation braucht das Unternehmen nur etwa die Hälfte des ursprünglichen Nominalbetrages der Anleihe durch eine externe Refinanzierung abzudecken und tilgt die andere Hälfte wird aus vorhandenen Eigenmitteln. Den Liquiditätszufluss aus der Anleiheemission im Jahr 2012 hatte die Berentzen-Gruppe zur Finanzierung von Unternehmenskäufen und der Ausweitung des eigenen Geschäftsumfangs verwendet, jedoch nicht in vollem Umfang. So betrug die Nettoauszahlung für den Erwerb des österreichischen Frischsaftsystem-Spezialisten TMP im Herbst 2014 nur rund €15,5 Mio. Durch die neue Finanzierung senkt Berentzen seine jährlichen Finanzierungskosten ab Oktober um mehr als €2 Mio., die sich damit mehr als halbieren. Dies wird deutliche positive Effekte haben auf Cashflow, Ertragslage und Eigenkapital mit einem Effekt von annähernd €0,18 beim Gewinn je Aktie. Und Spekulationen anheizen, ob sich Berentzen nicht bei der Dividende großzügiger zeigen könnte als bisher.

Börsenweisheit der Woche 02/2017

„Reich wird man nicht durch das, was man verdient, sondern durch das, was man nicht ausgibt.“
(Henry Ford)

Freitag, 6. Januar 2017

Hidden Champion: Steico, der unbekannte Weltmarktführer

▸ Kissigs Kolumne vom 5. September 2016, Aktien Magazin 24/2016 

Deutschland lebt vom Mittelstand, der rund 90 Prozent aller Arbeitsplätze stellt und das Rückgrat unseres Wohlstandes bildet. Während die großen Industriekonzerne den meisten Bürgern bekannt sind und ihre Produkte sich in unseren Wohnungen oder Garagen befinden, gibt es viele kleinere Unternehmen, die beinahe gänzlich unbekannt sind. Und dennoch nicht weniger erfolgreich.

Die Steico SE aus dem bayerischen Feldkirchen im Landkreis München ist ein solches Unternehmen. Steico kann man mit Fug und Recht als „Hidden Champion“ bezeichnen, denn die Bayern sind nämlich Weltmarktführer bei Holzfaser-Dämmstoffen und erreichen in Europa einen Marktanteil von über 50 Prozent. Darüber hinaus stellt das Unternehmen noch Hanf-Dämmstoffe, Stegträger und Hartfaserplatten her. Klingt langweilig, ist aber durchaus reizvoll.

Steico ist in einer an Bedeutung gewinnenden Nische aussichtsreich positioniert und profitiert gleich von mehreren Trends, denn nicht erst, seitdem „globale Erderwärmung“ und „Energiewende“ die Titelseiten der großen Boulevardblätter beherrschen, ist allseits (an)erkannt, dass der beste Weg zum Energiesparen nicht in besserer Energieausnutzung liegt, sondern in der Vermeidung von Energieverbrauch. Und der mit deutlichem Abstand größte Energieverbraucher in Deutschland ist nicht die Industrie und auch nicht die Kraftfahrzeuge, sondern der private Wohnraum. Insbesondere für das Heizen werden Jahr für Jahr Milliardensummen aufgewandt und hier gibt es enorme Einsparpotenziale, da die meisten Gebäude unzureichend isoliert sind und viel zu viel der teuren Heizwärme unmittelbar an die Umwelt abgeben.

Wärmeverbundsysteme offenbaren Schwächen
Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Regierung immer neue, striktere Energievorschriften erlässt, und diese inzwischen nicht mehr nur Neubauvorhaben treffen, sondern auch den Altbestand. Neben dem Erfordernis, die alten Heizungen auszutauschen, kommt hier der Wärmedämmung eine ganz besondere Rolle zu. Nun ist Steico nicht einfach ein weiterer Anbieter der typischen Wärmeverbundsysteme, die man am Markt relativ günstig einkaufen kann, sondern Steico setzt auf ökologische Materialien und damit auf ein höherpreisiges Segment. Die Nachfrage der Bauherren ist daher geringer als nach den klassischen Wärmeverbundsystemen. Doch das ändert sich gerade. Denn diese typischen Systeme haben erhebliche Nachteile: sie kommen mit Feuchtigkeit nicht gut klar und schimmeln bzw. werden von Pilzen befallen, was dazu führt, dass sie mit hochgiftigen Stoffen beschichtet werden, die ansonsten nirgendwo mehr eingesetzt werden dürfen. Und obwohl diese Gifte "gebunden" sind, werden sie doch vom Regen ausgewaschen und gelangen so ins Grundwasser, nachdem sie die Fassade heruntergelaufen sind. Wenig erbauliche Vorstellung, zumal höchst krebserregend.

Ein weiterer Nachteil ist, dass diese Wärmeverbundsysteme ganz überwiegend auf Styropor u.ä. basieren, und es hier vermehrt zu Brandproblemen kommt. Denn wenn das Zeug erst einmal Feuer gefangen hat, ist es schier unmöglich zu löschen. Immer mehr Experten raten daher von der Verwendung dieser Systeme ab, die Feuerversicherungen machen ebenfalls Druck. Es ist also abzusehen, dass die bisherigen Standardlösungen in der jetzigen Form keine Zukunftsperspektive haben - Alternativen, und zwar aktuell verfügbare - werden gesucht. Und gefunden. Bei Steico.

Dienstag, 3. Januar 2017

Aurelius, Mutares, Publity und Scherzer & Co. punkten mit Erfolgsmeldungen

In der Rubrik "Zahlen & Mehr" gehe ich kurz auf aktuelle Unternehmensmeldungen ein und bewerte diese im Hinblick auf meinen Investmentcase.

▸ Aurelius Equity Opportunities SE & Co KGaA
Die Münchner vermelden den Abschluss der Übernahme von Home Office Europe. Damit gehören die Unternehmen nun zum Aurelius-Konzern und steuern mit rund 6.000 Mitarbeitern hier rund €2 Mrd. zum Umsatz der nun 23 konsolidierten Unternehmen bei, der auf insgesamt €4,5 Mrd. pro Jahr steigt. (>>> zur Meldung)

Meine Einschätzung
Aurelius ist einer der Top-Picks im Beteiligungssektor und langfristig orientierte Anleger nutzen jeden Kursrücksetzer konsequent zum Aufstocken ihrer Position. Das Aktienrückkaufprogramm von bis zu €52 Mio. dürfte den Kurs zusätzlich stützen, während das erfolgreiche operative Geschäft den Kurs weiter beflügeln sollte.

Montag, 2. Januar 2017

2017 bringt weitere Chancen für Aktien und Risiken für Anleihen

Der DAX stieg in 2016 das fünfte Jahr in Folge, ohne dabei ein neues Allzeithoch zu markieren, das noch aus 2015 datiert und bei über 12.000 Punkten lag. Dennoch schloss er nach einer atemberaubenden Berg- und Talfahrt auf Jahreshöchstkurs bei 11.481 Punkten und damit um 6,9% höher als zum Jahresstart. Mein Depot, das ich im Jahresverlauf zunehmend stärker im Bereich deutscher Nebenwerte positioniert habe, konnte unterm Strich um 17,4% zulegen, womit ich sehr zufrieden bin - trotz meines verlustreichen Ausflugs in die Welt der Spekulation mit meinen zur Depotabsicherung erworbenen DAX-Puts. Bisher mein teuerstes Börsenexperiment und es regt nicht gerade zur Wiederholung an. Dow Jones, S&P 500 MDAX, sie alle konnten im Gegensatz zum DAX neue Allzeithöchststände markieren in diesem Jahr. Und was war das für ein Jahr...

Börsenweisheit der Woche 01/2017

„Ein Schnäppchen mit Aktien verhält sich zur Geldanlage wie ein Stück Sahnetorte zur gesunden Ernährung.“
(Gottfried Heller)

Sonntag, 1. Januar 2017

Turnaround-Spekulation als Value Investment?

Spricht man an der Börse von einem Turnaround, hat man es mit einem Unternehmen zu tun, das in erheblichen Schwierigkeiten steckt. Das kommt gar nicht so selten vor und Peter Lynch klassifiziert deshalb in seinem Buch "Der Börse einen Schritt voraus" Turnaround-Werte gar als eigene Aktienkategorie. Bei diesen wankenden Unternehmen hat sich der Aktienkurs zumeist entsprechend negativ entwickelt und ist entweder stetig oder plötzlich deutlich zurückgegangen. Die Unternehmen reagieren überwiegend mit den selben Maßnahmen darauf: Stilllegung von Fabriken, Freisetzung von Personal, Veräußerung von Randbereichen, radikale Kostenreduzierung, Konzentration auf das Kerngeschäft. Wenn Unternehmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten kommen und ihr Börsenkurs abstürzt, kann dies eine lukrative Chance für Anleger sein. Und zwar nicht nur für Spekulanten, die der Nervenkitzel reizt, sondern auch für langfristig orientierte Value-Investoren.

»Sanierungen sind keine aufregenden Equity-Storys, aber bei Erfolg überaus ertragreich.«
(Hendrik Leber)

Doch es gibt bestimmte Voraussetzungen, die vorliegen müssen, damit das Chance-Risiko-Verhältnis für ein Engagement spricht. Denn "nur weil eine Aktie fällt, heißt das nicht, dass sie nicht noch weiter fallen kann", warnt Peter Lynch. Aktien sind nicht deshalb preiswert, weil ihr Kurs abgestützt ist, denn das würde voraussetzen, dass der Aktienkurs sich wieder auf das alte Niveau erholt. Nur dann lohnt es sich, in diese "gefallenen Engel" zu investieren! Deshalb muss man herausfinden, weshalb das Unternehmen in Schwierigkeiten steckt, was es dagegen zu tun gedenkt und wie erfolgversprechend diese Maßnahmen sein werden.