Donnerstag, 14. März 2019

MBB mit neuem Schub dank Aktienrückkauf und Übernahmeplänen

Die mittelständische Beteiligungsgesellschaft MBB [WKN: A0ETBQ] habe ich ja schon seit vielen Jahren unter Beobachtung und der Kursverlauf ist geradezu atemberaubend. Natürlich nicht, auf die letzten anderthalb Jahre betrachtet, da war ist er die meiste Zeit über abgebröckelt, weil die (zu) hohen Erwartungen der Börse an die maßgebliche Tochter Aumann [WKN: A2DAM0] und an MBB selbst hinsichtlich neuer lukrativer Zukäufe nicht erfüllt werden konnten.

Nachdem MBB ziemlich gute vorläufige Zahlen für 2018 präsentiert hatte, kam man gestern mit einer Hammermeldung um die Ecke samt zweistelligem Kurssprung. Und das völlig zurecht...


Aktienrückkauf

So hat MBB angekündigt, zwischen dem 18. März und dem 2. April 2019 bis zu 646.775 eigene Aktien im Rahmen eines an alle Aktionäre gerichteten freiwilligen öffentlichen Rückkaufsangebots außerhalb der Börse zu erwerben. Der Aktienrückkauf soll zu einem Erwerbspreis (ohne Erwerbsnebenkosten) von 89,00 je Aktie erfolgen und betrifft somit 9,80% des Grundkapitals. Zum Zeitpunkt des Angebots lag der MBB-Kurs bei rund 73 Euro, also mehr als 21% unterhalb des Angebotspreises.

Da die MBB aktuell weitere 13.225 eigene Aktien hält, sollen nach Abwicklung des Aktienrückkaufs sämtliche eigenen Aktien zum Zwecke der Kapitalherabsetzung eingezogen werden. Und das betrifft dann alle 650.000 Aktien, denn es ist davon auszugehen, dass MBB genügend Stücke angedient werden, um die Zahl zu erreichen; in den Angebotsunterlagen haben die beiden Großaktionäre Nesemeier und Freimuth, die jeweils rund 32,4% der Anteile halten, angekündigt, von dem Angebot Gebrauch zu machen.

Die Auswirkungen

Das bleibt natürlich nicht ohne Folgen. So wird MBB fast 10% weniger Grundkapital haben und entsprechend weniger Aktien, so dass sich künftig der Gewinn auf weniger Aktien verteilt. Ebenso die Dividende. Die hat MBB für 2018 auf 0,69 Euro je Aktie festgelegt, wodurch die Basisdividende um 4,5% angehoben wird - und beim Vergleich mit dem Vorjahr muss man also nicht nur die nun geringere Anzahl von Aktien einkalkulieren, sondern auch die im Vorjahr einmalig ausgekehrte Sonderdividende wegen des hohen Erlöses aus dem Aumann-IPO.

MBB SE (Quelle: wallstreet-online.de)
Kritische Stimmen könnten nun anmerken, dass die Gründer und Großaktionäre nun teilweise Kasse machen würden. Was ihnen allerdings auch zusteht. Auf der anderen Seite gibt es aber wesentliche positive Effekte. Denn würden Nesemeier und Freimuth nicht mitziehen, würde sich der Streubesitz deutlich verringern, denn es ist anzunehmen, dass mehr als die anvisierten 9,8% der Aktien angedient werden. Momentan kann man die MBB-Aktien zu 83 Euro kaufen und damit um 6 Euro unterhalb des Angebotspreises.

Ein reduzierter Streubesitz könnte aber zu Problemen führen. Nicht nur, weil die Aktien weniger handelbar wären, sondern auch weil ggf. sogar die angestrebte SDAX-Mitgliedschaft hierdurch in Gefahr geriete. Und das ist wohl in niemandes Interesse.

Des Weiteren liegt der aktuelle faire Wert je MBB-Aktie bei über 100 Euro, so dass MBB die Aktien mit einem Rabatt übernehmen kann. Und das schafft zusätzlichen Wert für die Gesellschaft und damit die Aktionäre! Und da nähern wir uns dem nächsten, nicht ganz unwesentlichen Punkt, der Meldung...

Zukäufe ante portas

In dieser heißt es nämlich:
"MBB strebt an, die Kapitaleffizienz durch den Aktienrückkauf einerseits sowie den Zukauf neuer Unternehmen andererseits deutlich zu erhöhen. Mit rund EUR 300 Mio. stehen der MBB-Gruppe auch nach dem Rückkauf ausreichend liquide Mittel für ein weiterhin außerordentliches Wachstum zur Verfügung."
Nachdem MBB bereits kürzlich angekündigt hatte, dass man sich auf aktivere Zeiten bei Add-on-Zukäufen und Übernahmen einstellen kann, zielt dieser Passus in die selbe Richtung: man will "die Kapitaleffizienz durch (...) den Zukauf neuer Unternehmen deutlich erhöhen".

Nesemeier würde sich kaum so weit aus dem Fenster lehnen, wenn er nicht recht konkrete Targets im Visier und vielleicht schon an der Angel hätte.

Wodurch der Hauptknackunkt für ein neues Durchstarten des Aktienkurses entfallen würde: das viele, ungenutzt herumliegende Geld. Denn MBB hat auch nach dem Aktienrückkauf und Zahlung der Dividende im Konzern mehr als 300 Mio. Euro für Akquisen zur Verfügung. Und wenn die nun endlich in attraktive Zukäufe fließen würden, käme wieder Richtung Bewegung ins MBB-Business und dann auch in den Aktienkurs.

Aus diesen vielen positiven Gründen habe ich MBB ja zu einem meiner Jahresfavoriten auserkoren.

Disclaimer
Aumann und MBB befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    hast du einen Erklärungsansatz für das aktuell bestehende Gap von Aktienkurs (derzeit: 82,30) und dem Aktienrückkaufangebot von 89,00 Euro?

    Herzlichen Dank für ein kurzes Feedback.

    BG
    Seb

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  2. Das Aktienrückkaufangebot bei MBB umfasst 9,8% der Aktien und die beiden Großaktionäre nehmen es an. Daher wird die Annahmequote insgesamt wohl 10 bis 15 Prozent der angedienten Aktien sein. Daher kann man nicht einfach heute 100 Aktien für 82 Euro kaufen und in wenigen Tagen alle an MBB für 89 weitergeben.

    Einige Anleger/Spekulanten haben bestimmt in der letzten Zeit zu unter 75 Euro MBB-Aktien gekauft und sehen nun die Chance, einen schnellen Gewinn einzufahren dank des bisherigen Kurssprungs. Das drückt ebenfalls auf den Kurs.

    Und dann haben vielleicht einige Angst, dass nach Ende der ARP-Frist der Kurs wieder Richtung 70 Euro absinken könnte.

    Alles nicht wirklich meine Baustelle, das sind alles Kursdeutungen, die haben wenig/nichts mit dem Unternehmen und seiner Entwicklung zu tun. Was mich an MBB reizt und weshalb ich das Unternehmen für attraktiv bepreist halte und weshalb ich die Maßnahme begrüße, habe ich ja im Artikel ausgeführt.

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  3. Hallo zusammen

    Gestern gab es ein Interview mit CEO Dr. Christof Nesemeier beim Börsen Radio Network (Audio-Datei des Interviews auf der Homepage der MBB verfügbar).

    Herr Nesemeier nimmt auch Stellung, wie die Offerte von EUR 89.00 zustande kam: Es soll sich um ein Ergebnis der Technik handeln, denn man hatte einen Beschluss für einen Rückkauf für den Preis von max. 20% über den durchschnittlichen Schlusskurs der letzten 3 Tage. Gleichzeitig erwähnt er aber auch, dass dieser Preis von EUR 89.00 je Aktie auch nach oben korrigiert werden könnte. Hinzu kommt, dass der Kurs von 89.00 unter dem fairen Wert liegt, wodurch auch damit ein Mehrwert für die Aktionäre geschaffen wird.

    Spannend finde ich auch seine Aussagen bzgl. Unternehmenskäufe: Man darf (aufgrund der gefüllten Pipeline) wohl damit rechnen, dass 1-2 Käufe im Verlauf des Geschäftsjahres 2019 getätigt werden (zumal man sich bei einigen Firmen „in einem fortgeschrittenen Diskussionsstadium“ befindet). Das Wachstum der MBB war in der Vergangenheit mit rund 20% p.a. sehr aggressiv; Herr Nesemeier ist jedoch überzeugt, dass dieses Wachstum auch in Zukunft beibehalten werden kann.

    Das Wachstum war stets organisch und anorganisch: Beim erwarteten Jahresumsatz 2019 rechnet man ja mit rund EUR 550 Mio., wobei darin nur das organische Wachstum berücksichtigt wird. Herr Nesemeier erwähnt im Interview aber auch, dass man sich einmal zum Ziel gesetzt hat im 2020 einen Jahresumsatz von EUR 0.75 Mia. zu erwirtschaften (was ohne anorganisches Wachstum nicht möglich wäre). Die Tatsache, dass er dies so explizit erwähnt und man quasi noch immer daran festhält, ist für mich ein klares Indiz, dass die möglichen Akquisitionskäufe konkreter sind (und dies nicht nur einfach so daher gesagt wird).

    Beste Grüsse und
    schönes Weekend
    David

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    1. Meines Wissens geht es um die letzten 30 Tage und nicht 3 Tage für die Berechnung des höchstmöglichen Rückkaufpreises.

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    2. Ich habe lediglich das wiedergegeben, was Nesemeier im Interview gesagt hat... und dort war nur von 3 Tagen die Rede.

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  4. Vielen Dank Michael für deine fundierte Analyse des Aktienrückkaufs. Kleine Anmerkung: MBB befindet sich nicht im SDAX.
    Viele Grüße

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    1. Danke für den Hinweis, das habe ich blöd formuliert. Gemeint ist die "angestrebte" SDAX-Mitgliedschaft. Hab's entsprechend ergänzt.

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    2. Apropos SDAX: Gibt es eine Art Ranking oder wie weiss man (oder kann abschätzen), wie weit MBB von einem allfälligen SDAX-Eintritt entfernt ist?

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  5. Mbb ist eine meiner großen Positionen im höheren 5-stelligen Bereich. Zunächst wollte ich das Angebot annehmen, um etwas kleiner zu werden. Nachdem ich das Interview mit Herrn Nesemeier gehört habe, bin ich mir nicht mehr so sicher, ob ich mich bei Mbb verkleinern will. Es ist explizit das Festhalten an der Umsatzprognose, was mich so von Herrn Nesemeier und Team überzeugt. Denn in der Vergangenheit hat er immer geliefert. So wie Mbb die letzten Jahre geführt wurde, kann ich nur meinen Hut ziehen! Ich bleibe groß drin, werde evtl. noch etwas nachkaufen.

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    1. Grundsätzlich stimme ich Dir zu; ich gebe auch keine MBB aus der Hand! Allerdings... werde ich meine Aktien vollständig andienen für den Aktienrückkauf und dann die entsprechende Zahl über die Börse zurückkaufen, um meinen bestand wieder aufzustocken.

      Das hat zwei Gründe:

      1. Ich gehe davon aus, dass der Kurs nach Ablauf der ARP nicht bei 89 Euro verharren wird, sondern mit einigem Abschlag. Denn entscheidend ist ja die fundamentale Entwicklung und da wartet die Börse seit Längerem auf attraktive Zukäufe - und die werden dann (erst) der Kursturbo sein.

      2. Ich zahle für solch eine Maßnahme keinerlei Bank-/Depotgebühren, so dass sich das bei mir im konkreten Fall lohnen dürfte. Andere MBB-Aktionäre sollten sich vorher informieren, ob und ggf. in welcher Höhe hierfür Gebühren anfallen. Denn das würde die Aktion ggf. ad absurdum führen.

      Die Überlegung, die Position ggf. noch weiter aufzustocken, stelle ich zusätzlich auch an. MBB ist aktuell meine mit Abstand größte Position bei deutschen Nebenwerten, ich würde mich aber auch nicht unwohl fühlen, wenn ich die noch um weitere 25% aufstocke. Das hängt natürlich auch von sonstigen Gelegenheiten ab und vom Cash-Bestand (und der ist momentan nicht besonders üppig, da ich fast vollständig investiert bin seit Jahresanfang).

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