Sonntag, 16. Juni 2019

Kissigs Klookschieterei: Die Börsenwoche 24/2019 im Rückspiegel mit Axel Springer, BDCs, Grenke, KKR, Softbank Group, UET United Electronic Technology, United Internet

Die Pfingstwoche war erstaunlich ruhig an den Börsen und es gab nur wenige Aufreger. Einer davon war die Attacke auf Schiffe im Golf von Oman, für die die USA sofort den Iran verantwortlich machten. Nicht erstaunlich. Durchaus erstaunlich fand ich allerdings die Reaktion des Ölpreises, denn der fiel. Und das, wo 40% der Welterdölförderung durch die Straße von Oman verschifft werden. Vielleicht hatte aber auch die neue Studie der IEA, der Internationalen Energie Agentur, größeren Einfluss, denn die prognostiziert für die Zukunft einen Rückgang des weltweiten Ölbedarfs. Dennoch bleibt Öl auf absehbare Zeit der wichtigste Energeilieferant auf unserem Globus und das Schmiermittel für unsere Wirtschaft.


Börsentheater, 1. Akt: Die Politik


Abgesehen vom Iran machte auch Donald Trump eher wenig von sich Reden; er warnte die Welt nur davor, dass der "Trump-Börsenaufschwung" kolossal kollabieren würde, sollte er nicht als US-Präsident wiedergewählt werden.

In Deutschland gibt es neue Umfragen und die Grünen halten ihre frisch errungene Spitzenposition vor den Unionsparteien. Neu ist, dass die SPD mit magersüchtigen 11% nur noch auf Platz 4 kommt und nur noch 2% vor der FDP liegt. In der Präferenz bzgl. des nächsten Bundeskanzlers liegt AKK nur noch auf dem dritten Platz hinter Habeck (Grüne) und Scholz (SPD). Vor allem Scholz dürfte für Börsianer ein rotes Tuch sein, denn der Bundesfinanzminister boxt gegen alle Widerstände die Finanztransaktionssteuer durch - die nur noch eine reine Abkassier-Steuer für Aktionäre ist und den eigentlichen Sinn, nämlich den Hochfrequenzhandel und die Day-Trader zu treffen, völlig über Bord geworfen hat. Als bekennender Inkompetist in Sachen Aktien und Geldanlage, der ausschließlich auf Sparanlagen setzt, kann und konnte man von Olaf Scholz nicht mehr erwarten. Die Hamburger wissen, wovon ich spreche. Ich erinnere nur an seinen dümmlichen Spruch: "Wer Hafengeburtstag kann, kann auch G20-Gipfel". Genau. Und wer's nicht kann, kann's eben nicht!


Börsentheater, 2. Akt: Die Unternehmen


So, nun aber zum Eingemachten und einigen interessanten Meldungen zu aktuellen oder ehemaligen Unternehmen auf meiner Beobachtungsliste.


Axel Sringer / KKR & Co.

Bei Axel Springer ging es jetzt schnell: KKR hat allen Aktionären mit Ausnahme von Friede Springer und Mathias Döpfner ein Übernahmeangebot für ihre Aktien unterbreitet und zwar für 63 Euro je Aktie. Ich habe meine Aktien zu diesem Preis über die Börse verkauft; auch wenn mich die Aussicht auf das "Endspiel" bei Springer reizt, sehe ich das weitere Kurspotenzial als begrenzter an als bei anderen Werten. Was nicht zuletzt auch mit an der Umsatz- und Gewinnwarnung lag, die Springer en passant mit veröffentlicht hat.

Ich habe daher Axel Springer auch von meiner Beobachtungsliste gestrichen, auch wenn ich die weitere Entwicklung im Auge behalten werde. Mit knapp 3% Gesamtrendite nach rund 15 Monaten war das Investment kein wirklich gelungenes.



Business Development Companies

Bei den BDCs neigt sich das "Goldilocks-Szenario" seinem Ende zu, weil die Konjunktur in den USA erste Schwächen zeigt und die US-Notenbank inzwischen auf einen potenziellen Zinssenkungsmodus zurückgeschwenkt ist. Beides keine wirklich euphorischen Aussichten für die US-Mittelstandsfinanzierer, wie ich in einem ausführlichen Artikel dargelegt habe.

Konkrete Maßnahmen /Aktionen leite ich daraus bisher nicht ab. Allerdings sollten wir die Lage genau im Blick behalten, wann die Situation ins Negative kippt (falls sie es tut), weil dann auch die Geschäfte und die Aktienkurse der BDCs negative beeinflusst werden könnten. Bei den BDCs heißt es dann umso genauer hinzusehen, weil ja nicht alle gleich gut aufgestellt sind für das sich ändernde Umfeld. Meine BDCs habe ich daher unter "verschärfte Beobachtung" gestellt. Noch ist aber nichts passiert...



Grenke

Beim Familienunternehmen Grenke läuft es, das Geschäft mit dem Leasing für den Mittelstand boomt trotz der niedrigen Zinsen. Nachdem die Prognosen für die Zukunft moderater ausfallen, als man das in der Vergangenheit gewöhnt war, kam der Kurs zuletzt nicht mehr so richtig vom Fleck. Dabei kann sich Grenke auch nicht von Konjunktursorgen frei machen und darüber hinaus kostet die Investition ins angrenzende Ausland natürlich auch erstmal Geld. Umso positiver die Nachricht, dass Grenke in den MDAX aufrücken und dort die Aktien von Wacker Chemie ersetzen wird.


Softbank Group

Bei der Softbank Group kommen einige Beteiligungen voran. Am 20. Juni geht Slack an die Börse, allerdings nicht als klassisches IPO, sondern lediglich durch Aufnahme der Aktien in den Börsenhandel. Die Bewertung dürfte auf 16 bis 17 Milliarden Dollar hinauslaufen und das wird die Softbank Group als einen der großen Aktionäre freuen (Anteil: 7,3%). Denn es zeigt dann deutlicher, welche Perlen im Softbank-Portfolio schlummern.

Positive Erwartungen gibt es auch bzgl. der Fusion der US-Softbank-Tochter Sprint mit T-Mobile US. Nach der Aufsichtsbehörde soll nun auch die Genehmigung des US-Justizministeriums unmittelbar bevorstehen - wenn auch unter strengen Auflagen. So sollen Töchter verkauft und Frequenzen abgegeben werden, damit hieraus ein neuer vierter Anbieter erwachsen kann. Neben Amazon wird auch das Kabelnetzwerk Dish als potenzieller neuer vierter Spieler genannt.

Und dann wird auch das IPO der We Company (We Work) mit Spannung erwartet, denn dort ist die Softbank Group der größte Anteilseigner; auch über ihre Startup-Fonds.

Bei knapp 80 Euro dürfte die Softbank-Aktie noch erhebliches Potenzial besitzen. Natürlich hängt sie stark an der allgemeinen Börsenverfassung und hat viele Unternehmen im Bestand (jedenfalls in ihrem Vision Funds), die noch weit von der Gewinnzone entfernt sind (wie z.B. auch Uber), aber man hält auch noch 26% am chinesischen Internetgiganten Alibaba und die Beteiligung alleine ist mehr wert als die gegenwärtige Börsenkapitalisierung der Softbank Group. Dass Masayoshi Son seine Softbank-Aktie für unterbewertet hält, ist kein Geheimnis. Er meint, der NAV liege doppelt so hoch wie der gegenwärtige Aktienkurs. Das mag man als sehr optimistische Einschätzung eines Befangenen mal so hinnehmen. Erhebliches Kurssteigerungspotenzial sehe ich allerdings auch, nicht nur wegen der anstehenden guten Nachrichten von Sprint, Slack & Co. oder dem Einstieg bei Wirecard, sondern gerade weil die vielen Beteiligungen von Softbank momentan zum Nulltarif zu bekommen sind. Oder anders ausgedrückt: weil sie von der Börse aktuell mit Null bewertet werden, obwohl die eine oder andere von ihnen Milliardenerlöse verspricht. Und wenn die nächsten Börsengänge halbwegs erfolgreich über die Bühne gehen, dürfte es auch keine ganz so große Schwierigkeit mehr sein, den Vision Funds 2.0 mit 100 Milliarden frischen Dollars zu füllen...


UET United Electronic Technology / United Internet / 1&1 Drillisch

Die Auktion für die 5G-Frequenzen ist zu Ende gegangen und brachte dem Bund mehr als 6 Mrd. Euro ein. Die beteiligten Unternehmen jammern nun rum, dass ihnen das Geld für den Netzausbau fehle - dabei haben sie selbst ja die Preise so hoch getrieben, nicht der Bund als Anbieter. Ich habe daher wenig Mitleid mit den Unternehmen, was das angeht. Neu ist, dass es wieder vier Bieter gab, nachdem auch 1&1 Drillisch als Tochter von United Internet mit an den Start ging und künftig nicht mehr nur als Mieter von Netzkontingenten auftreten wird, sondern mit einem eigenen Netz. Der Gedanke dahinter ist simpel: man hat halt errechnet, wie viel man über eine längeren Zeitraum an Netznutzungsentgelten an die anderen Netzbetreiber Telekom, Vodafone und O2 bezahlen würde und dieses Geld steckt man nun lieber in ein eigenes Netz. Denn die Kosten sind die gleichen, aber am Ende hat man noch immer ein werthaltiges Netz.

Dennoch schrecken natürlich zunächst die hohen Investitionskosten, denn es ist ja nicht mit dem Ersteigern der Frequenzen getan, sondern nun muss in die Netzinfrastruktur investiert werden, was weitere Milliardensummen erfordert. Von jedem der vier künftigen 5G-Netzbetreiber. Für die Aktionäre der betroffenen Konzerne kommt es hart, wenn hierfür die Dividenden gekürzt werden (müssen), wie bei 1&1 Drillisch und United Internet bereits angekündigt.

Auf der anderen Seite ist nicht mit einem verstandbefreiten Vorgehen wie vor 20 Jahren zu rechnen, wo sich die Anbieter gegenseitig Richtung Pleite trieben. Vielmehr streckt United Internet bereits die Fühler aus in Richtung Wettbewerber, um benötigte Funkmasten gemeinsam zu errichten und zu nutzen. Sehr vernünftig.

Erheblich vom Ende der Versteigerung und den nun anstehenden Investitionen in 5G-Netzausrüstung profitieren dürfte die kleine UeT. Das Unternehmen hat seinen Turnaround weitgehend hinter sich und dürfte über seine Tochter Albis-Elcon auf sehr gute Geschäfte hoffen können. Immerhin ist man Europapartner von SK, Südkoreas größtem Telekom-Unternehmen. UeT ist ja einer meiner 2019er Nebenwertefavoriten und ich bin mal gespannt, wann es die ersten Meldungen bzgl. 5G geben wird.

Hinweis: Das Unternehmen ist ein Mikrocap mit sehr geringer Börsenkapitalisierung und überschaubaren Börsenumsätzen. Sowohl für den Einstieg als auch für den Ausstieg sollte man Geduld mitbringen und seine Orders niemals einfach unlimitiert in den Markt werfen. Andererseits hat sich die Handelbarkeit in den letzten Monaten doch spürbar verbessert, weil die Aktien inzwischen auch über Xetra zu ordern sind.

Der Aktienkurs hat sich seit meinem Einstieg vor zweieinhalb Jahren bereits verdreifacht, aber die "heftige" Turnaround-Phase liegt nun hinter dem Unternehmen. Die Bilanz sieht noch nicht so geordnet aus, wie man das von einem gesunden Unternehmen gewohnt ist und bei einem so kleinen Unternehmen besteht natürlich immer das Risiko, dass die Fehlertoleranz gering ist, falls etwas gründlich schief läuft. UeT selbst hat das ja über mehrere Jahre vorgemacht. Andererseits sind die Chancen auch sehr hoch, wenn die Dinge denn richtig und gut laufen. Und danach sieht es die letzten Jahre aus und darauf setze ich auch künftig. Das Chance-Risiko-Verhältnis halte ich für weiterhin attraktiv. Aber man muss jetzt nicht gleich morgen in den Wert hineinspringen, denn weder die 5G-Aufträge noch das restliche Business werden über Nacht für große Furore sorgen. Aber auf mittlere und lange Sicht...


Angst und Gier & Ups and Downs


Der Fear & Greed Index von CNN Money hat sich in der letzten Woche weitere 6 auf 38 Punkte hochgearbeitet. Die großen Emotionen blieben zuletzt aus, aber das Börsengeschehen ist weiterhin wenig vorhersehbar; fundamentale Daten spielen eher nur eine untergeordnete Rolle, was Risiken, aber auch Chancen bietet.

Mein "operativer Net Worth" hat sich in der letzten Woche kräftig um nochmals gut 2,5% verbessert auf 27,5% (YTD). All-Time-High.

Auf gut Börsengeschäfte. Es bleibt spannend...

Disclaimer
Grenke, Softbank Group, UeT befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Ich glaube, dass United Internet relativ günstig davon gekommen ist. Wenn mann beachtet, dass UI mit ca. drei Milliarden Euro in den "Krieg" gezogen ist, dann sind die eine Milliarden Euro "wenig" bzw. weniger als anfänglich angenommen.

    Bewusst muss einem sein, dass erst jetzt eigentlich die Milliardeninvestitionen auf einen zukommen werden! Die werden aber so oder so auch kommen - es ist halt wie mit einer Eigentumswohnung in den Ballungsräumen :)

    Ich glaube an UI, und die werden noch mächtig wachsen. Tele wird auch bald ein Teil von UI, dass sehe ich schon kommen. Eine kleine Beteiligung an Freenet würde mich noch gefallen, oder an Sunrise..

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    1. Was Ralph Dommermuth mit 1&1/United Internet da aufgebaut hat, verdient schon den größten Respekt. Ob die Aktie(n) in den nächsten Jahren ein gutes Investment sind, ist aber weniger klar. Bisher hatte man eine ganze Reihe von Dividendenfans an Bord, die verprellt man durch die massive Dividendenkürzung nun erheblich. Auch wenn es ja total nachvollziehbar ist, dass die Investitionen irgendwie finanziert werden müssen und dass es betriebswirtschaftlicher Irrsinn wäre, hohe Dividenden auszukehren und den Invest über Schulden und/oder Kapitalerhöhungen stemmen zu wollen. Die kommen eh auf UI/1&1 Drillisch zu und den Bogen sollte man nicht überspannen, denn Fremdkapital ist umso teurer, desto geringer die Eigenkapitalquote ist. Ich tue mich allerdings schwer, bei den Aktien (und auch Telekom, Vodafone, O2) eine besonders attraktives Chance-Risiko-Verhältnis auszumachen. Bei UI kommt noch das maue Abschneiden des Rocket Internet-Investments hinzu und die eskalierende Schlammschlacht bei Tele Columbus. Kann nicht behaupten, dass mir das besonders gefällt...

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