Donnerstag, 11. Juli 2019

Deutsche Beteiligungs AG mit Schock in der Abendstunde

Die Deutsche Beteiligungs AG hat in dieser Woche gleich zwei Meldungen zu bieten. Mit dem Verkauf ihrer Tochter Infiana konnte sie ein positives Zeichen setzen, denn es gelang der DBAG nicht nur, ihr eingesetztes Kapital mehr als zu verdoppeln, sondern der Verkaufserlös erfolgte auch noch oberhalb des Bewertungsansatzes, mit dem Infiana Ende März in den Büchern stand, so dass hieraus ein zusätzlicher positiver Ergebnisbeitrag erzielt wird. Im Zuge der Verkaufsmeldung bestätigte die DBAG dann auch ihre Prognose für das Gesamtjahr. Und das ist die schlechte Nachricht, denn wie wir seit gestern Abend wissen, entpuppt sich diese zweite Aussage nur zwei Tage später (!) als Ente...


Gewinnwarnung

Man muss sich schon fragen, von was für einem irren Gaul sich Torsten Grede und seine Leute da haben in die Irre führen lassen, dass sie - ohne Not - die Jahresprognose bestätigen, um sie zwei Tage später eindampfen zu müssen. Und zwar heftig!

Die DBAG verkündete nämlich eine Gewinnwarnung, wonach man nicht mehr "einen moderaten Gewinneinbruch von 20 bis 40 Prozent" erwarte für das Geschäftsjahr 2018/19, sondern jetzt von einem "deutlichen Gewinneinbruch von mehr als 50 Prozent " ausgehe. Was an einem Minus von 40% "moderat" sein soll, erschließt sich nicht nur Deutschkennern nicht wirklich. Viel schlimmer ist, dass der DBAG-Vorstand zwei Tage zuvor noch nicht in der Lage gewesen ist, diese Minus zu erkennen. Obwohl die Begründung sich auf das Beteiligungsergebnis stützt, das sich aus Gewinnen aus dem Verkauf von Beteiligungen speist. Und dass man hier in den letzten Monaten kaum Erfolge vorzuweisen hat, das war auch vorgestern schon klar! Das kann und vor allem darf nicht überraschend für den Vorstand sein, denn er ist ja tagtäglich dicht dran an seinem Business. Hoffentlich! Und trotzdem hat man die Jahresprognose noch bestätigt, um sie dann 48 Stunden später einkassieren zu müssen. In dieser Art und Weise ist das ein Armutszeugnis.

DBAG (Quelle: wallstreet-online.de)
Der Markt nimmt den neuerlichen Schlag der erneuten Prognosesenkung relativ gelassen hin und das Minus hält sich zum Börsenstartstart in Grenzen. Zumal der Aktienkurs in der Vorwoche mehr als 5% zulegen konnte. Allerdings sollten bei den Anlegern etliche Warnlampen feuerrot aufleuchten, denn die Gewinnwarnung der DBAG macht in einem Halbsatz ganz am Ende deutlich, dass es sich hierbei nicht um ein einen einmaligen und kurzfristigen Effekt handelt. Wir nähern uns dem Ende eines der längsten und ergiebigsten Wirtschaftsbooms der Geschichte und bereits jetzt muss die DBAG erneut ihre Ziele massiv zusammenstreichen. Sie hofft, dass sie das Geschäftsjahr noch im positiven Bereich abschließen kann". Also ist nicht ausgeschlossen, dass sie sogar einen Verlust ausweisen muss. Dazu ist er noch zu früh, aber dem DBAG-Geschäftsjahr stehen nur noch drei Monate zur Verfügung, da es am 30. September endet. Und es ist kaum absehbar, dass die momentane Börsenlage sich in den drei Monaten nochmals wesentlich verbessern wird. Wir stehen nämlich bereits in vielen Börsenindizes auf neuen Allzeithöchstständen und trotzdem weist die DBAG darauf hin, dass ihre zum zweiten Mal gesenkte Prognose unter dem Vorbehalt steht, dass sich an der Bewertung des Kapitalmarkts bis zum 30. September nichts wesentliches ändert. Auf Gutdeutsch: sollten die Börsenkurs in den nächsten 10 Wochen fallen, würde dies einen weiteren negativen Effekt auf das Jahresergebnis haben. Und jetzt kann jeder selbst mal nachdenken, wie die Wahrscheinlichkeiten verteilt sind, dass die Kurs eher steigen oder fallen, wenn wir die saisonale Verteilung der Kursentwicklungen anschauen und zusätzlich wissen, dass das erste Halbjahr Rekordzuwächse bei den Aktienkursen gebracht hat.

Und jetzt kommt der Punkt, wo das Schwein durch den Knick bricht: im Frühjahr hatte die DBAG erstmals ihre Prognose gesenkt, weil im Schlussquartal 2018 die Börsen massiv eingebrochen waren und sich somit ein erheblicher negativer Einfluss auf das Jahresergebnis einstellen würde. Nachvollziehbar. Dann hatte man erklärt, aufgrund des äußerst positiven Verlaufs der Börsen im ersten Quartal 2019 würde man hier das bis zu Vierfache des Ergebnis des Vorjahres einfahren. Nachvollziehbar. Und nun, im Folgequartal, wo die Börsen nicht erneut eingebrochen sind, sondern sich eher moderat weiter positiv entwickelt haben, da kommt eine zweite Gewinnwarnung. Was nichts anderes heißt, dass die DBAG die operative Entwicklung bei ihren Töchtern deutlich kritischer sieht, als noch vor einigen Wochen. Und das, wo die negativen Konjunkturmeldungen gerade erst losgehen!

Meine Einschätzung

Die Aussichten für die DBAG trüben sich merklich und zunehmend ein. Sie weist ein erhöhtes Engagement im Automotive-Sektor auf, der zu den größten Konjunkturbremsen gehört und darüber hinaus ist ihr Beteiligungsportfolio nicht gerade frei von Konjunktur sensiblen Unternehmen. Den sich abzeichnenden wirtschaftlichen Abschwung dürfte sie mit ihren Beteiligungen daher nicht schadlos überstehen. Die kürzlich erfolgte Insolvenz der Bäckerei-Tochter "Lila Bäcker" könnten im schlimmsten Fall weitere Unternehmen folgen, wenn sich denn der Konjunktureinbruch verfestigen und aus der Delle eine längere Durststrecke werden sollte.

Die DBAG verfügt über genügend Kapital, um auch eine solche Phase zu überstehen. Und mit der Gründerfamilie Rossmann steht ein kapitalkräftiger Ankeraktionär im Hintergrund bereit, nötigenfalls frisches Geld zur Verfügung stellen zu können. Dort hatte man beim letzten Aufstocken der DBAG-Aktienpakets mitgeteilt, man könne sich vorstellen, weitere Aktien zu erwerben. Das würde ggf. auch über eine Kapitalerhöhung erfolgen können, falls so etwas nötig sein sollte. Momentan sieht es nicht danach aus und das wäre nur ein Extremszenario.

Dennoch bietet die DBAG in absehbarer Zeit wenig positive Phantasie. Sie wird klassischerweise sogar oberhalb ihres NAV gehandelt, was den meisten anderen Beteiligungsgesellschaften schon länger nicht mehr zugebilligt wird. Ihr weitgehendes Alleinstellungsmerkmal als Asset Manager rechtfertigt ein gewisses Premium, weil sie aus dem Management der von ihr aufgelegten Beteiligungsfonds zusätzliche und stetige Provisionen vereinnahmt, aber auch hier muss man fairerweise sagen, dass diese zu einem Teil von der Marktlage abhängen und der Fähigkeit, bei Verkäufen hohe Gewinne auf das ursprünglich eingesetzte Kapital zu erzielen. Und diese Fähigkeit dürfte in nächster Zeit eher eingeschränkt sein.

Ich habe mich daher entschlossen, mich von der DBAG zu trennen und die Aktien von meiner Beobachtungsliste zu streichen. Bei knapp 34 Euro ergibt sich nach dreieinhalb Jahren eine Gesamtrendite von 44% bzw. eine jährliche Durchschnittsrendite von 10,7%. Das liegt über dem langjährigen Durchschnitt von 7%, der mit Aktien zu erzielen ist, und von daher bin ich mit dem Ergebnis durchaus zufrieden.

Disclaimer
Ich streiche die DBAG von meiner Beobachtungsliste und aus meinem Depot.

Kommentare:

  1. Verkaufen Sie dann die Aktie?

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    1. Ach so, war das nicht deutlich geworden? ich hatte meinen Restbestand zu 34 Euro verkauft gleich heute morgen.

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  2. Im Zuge einer umschichtung der für mich kaum abschätzbaren Aktien in ETFs zum Glück schon verkauft.

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  3. vielen Dank Herr Kissig für Ihre detaillierte und für jedermann nachvollziehbare Einschätzung. Ich habe Ihre Seite bislang noch nicht besucht und wurde heute in einer E-Mail von Cristian W. Röhl darauf aufmerksam gemacht, da ich mich mit einer Frage zur DBAG an ihn gewandt hatte. Alles richtig gemacht!

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    1. Christian Röhl schätze ich sehr und seine Seite DividendenAdel kann ich nur empfehlen - nicht für Dividendenjäger. Und ich freue mich, dass Ihnen mein/e Bericht/e zur DBAG eine Hilfe waren.

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  4. Ich war schon etwas enttäuscht das die DBAG die Dividenden nur gehalten und nicht erhöht hat. Und jetzt regelmäßig sich widersprechende Aussagen zur Geschäftsentwicklung. Das ist mir jetzt auch zu heiß und ich bin raus. Außer Dividende nichts gewesen.

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  5. Verfolge die DBAG erst seit ca. 1,5 Jahren und habe dann auch Mitte 2018 einen Teil gekauft, u.a. aufgrund des langen Track Record. Mich wundert, dass die Aussagen zur Geschäftsentwicklung seit letzten Jahr etwas unglücklich kommuniziert werden (auch schon im letzten Jahr passiert). Hat sich das DBAG Management geändert? Habe nichts dazu finden können. Bin weiterhin LONG

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    1. Ne, beim DBAG-Vorstand gibt es seit vielen Jahren Kontinuität. Vielleicht ist die "unglückliche Kommunikation" auch eher dem sehr volatilen Marktumfeld der letzten beiden Jahre geschuldet. Dann könnte/sollte bald ein positiver Lerneffekt einsetzen...

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