Mittwoch, 14. August 2019

Gastartikel: Über den Boulevard in den Papierkorb - Ein Essay über die Gegenwart und Zukunft der deutschen Finanzpresse

Heute betreten wir Neuland, denn zum ersten Mal veröffentliche ich auf diesem Blog einen Gastartikel. Er stammt nicht aus meiner Feder und für den Inhalt ist alleine der Autor Stephan Gemke verantwortlich. Da ich die grundsätzliche kritische Richtung des Essays teile, musste ich nicht lange überlegen, diesen Artikel auf meinem Blog zu veröffentlichen und hier(mit) eine konstruktive Diskussion anzustoßen.

Nachdem Stephan Gemke bei High-Growth-Investing seinen Skalierungsfaktor vorstellte, widmet er sich hier dem Börsen- und Finanzjournalismus in Deutschland. Dieser sei in einem beklagenswerten Zustand und ein Ausbruch aus dem Gefangenen-Dilemma könne am ehesten bzw. am nachhaltigsten gelingen mit Paid-Content. Aber lest selbst...

Kurzübersicht

  • Finanz-/Börsenpresse ist in der Hand weniger Anbieter
  • Nahezu keine eigenständigen und aufwendigen Analysen, schon gar nicht zu Fundamentaldaten
  • Zu viel (Kurs-) Spekulation und Sensationsstil, zu wenig Sachlichkeit
  • Leser sind die Ware, nicht die Kunden
  • Freemium-Modell gescheitert
  • Es braucht endlich Zahlungsbereitschaft auf beiden Seiten


Über den Boulevard in den Papierkorb


Ein Essay über die Gegenwart und Zukunft der deutschen Finanzpresse
Autor: Stephan Gemke


An der Börse sowieso, aber auch überall sonst, sind Informationen das wichtigste Gut schlechthin. Denn wer nichts weiß, muss alles glauben und angesichts dessen, dass es um Geld geht, kann man nicht genug Bescheid wissen. Jedoch hat sich längst nicht nur mein Glaube an eine halbwegs vernünftige und seriöse Berichterstattung in Bezug auf die Börse und was dazu gehört verflüchtigt. Zu groß der Schwachsinn, der veröffentlicht wird.

Verloren ging mein Glaube vor allem, weil der Gegenpol zum Schwachsinn allenfalls noch in Nuancen zu erkennen ist – und auch nur dann, wenn der Leser, Zuschauer oder Zuhörer (kurzum: der Rezipient) selbst über profundes Wissen zum jeweilige Thema verfügt. Oder anders ausgedrückt: man muss schon sehr ahnungslos und unerfahren sein, um sich gut informiert zu fühlen.

Mit Blick auf die klassischen, oft als Qualitätsmedien bezeichneten Publikationen tendieren meinem Anspruch nach nur die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) sowie die Magazine BrandEins, FINANCE und Finanztest nicht in Richtung Unlesbarkeit. Alle anderen, vor allem ihre Online-Ableger, sind bereits auf den Weg dorthin oder schon angekommen.

Übertreibe ich? Mag sein, da ich nur für mich sprechen kann.
Gebe ich nur den Verlagen und Internetplattformen die Schuld an der Misere? Keineswegs!
Die Vorherrschaft der boulevardesken Art bei allem (nicht nur zu Wirtschafts- und Finanzthemen) hat viele Gründe, und deswegen ist dies auch ein (sicherlich nicht allumfassender) Essay und kein Dreizeiler.

Ein aufklärerischer Journalismus liegt mir sehr am Herzen, so dass ich diese Erörterung größtenteils als Weckruf und Ermunterung verstanden wissen will. Betonung liegt auf „größtenteils“, denn meine Enttäuschung und mein Unverständnis für eure Arbeit, liebes Gros an Bloggern, Youtubern, Redakteuren und Geschäftsführer, will ich nicht verschweigen.

Daher kurz zu mir: ich bin ein Informationsjunkie, spende an Reporter ohne Grenzen und gebe in Zeiten der Kostenloskultur Geld für Zeitungen und ihre Onlineableger aus. Mein Traum sind sozusagen „Reporter und Rezipienten mit Grenzen“, die sich für flüchtige Recherchen, subjektive Berichterstattung, Quotendruck, Sensationsgier und ähnlichem Quatsch zu schade sind. Und dass ich dies überhaupt träumen muss, statt Realität zu sein, sagt ja schon alles!

Und um die Frage vorwegzunehmen, warum ich auf diesem Blog veröffentliche, verweise ich auf dessen Namen und Mission: Intelligent Investieren. Abgesehen vom finanziellen Aspekt ist das Lesen dieses Blogs auch ein Investment in Bildung, da es hier viele intelligente Ansichten gibt, die helfen diverse Unternehmen, auch im grundsätzlichen Sinne, besser zu verstehen.

Zudem war es vor allem intelligent
a) einen Blog zu starten, als es noch nicht so selbstverständlich war, wie heutzutage,
b) beharrlich zu bleiben und somit nicht in der Masse unterzugehen, sowie
c) eine Transparenz über sein Investmentverhalten und einen Umfang an Aktienanalysen bereitzustellen, der im deutschsprachigen Raum pionierhaft war und der weiterhin mithilft, diese, von den Medien vernachlässigte, Lücke zu schließen. Sonst wären wir ja nicht hier!

Hinzu kommt, dass ausgerechnet Value-Investing in der Medienlandschaft unterrepräsentiert und unverstanden vorkommt, doch dazu am Ende mehr.

Losgelöst von diesem Blog gilt zudem: Alle Börsianer, die ja per se auf Informationen angewiesen sind, profitieren davon, die Funktionsweise und Beschaffenheit der Medienbranche zu kennen, um einordnen zu können, was von wem wie und weshalb veröffentlicht wurde.

Wegen all dieser Aspekten finde ich mein Essay auf diesem Blog entsprechend gut und sinnhaft eingebettet.

Woran also störe ich mich und was stimmt mich traurig?

Das die Aktienkultur in Deutschland so unausgeprägt und von Gier, Neid und Skepsis durchsetzt ist, lässt sich nicht allein durch schlechte Erfahrungen mit Aktieninvestments oder fehlende Berührungspunkte erklären. Hauptverantwortlich erachte ich die Berichterstattung über die Börse im weiteren und engeren Sinne. Aller Agenda-Setting-Forschung zum Trotz beeinflusst das was und von wem wir lesen, hören und sehen unser Denken und Handeln. Davon zeugen Aussagen wie „das schreibt sogar die Presse“, „es steht sogar in der Zeitung“, „sagt aber der und die“, „die können nicht alle falsch liegen“ usw. Schon mal was von Framing gehört?

Das ewige Herausstellen, Schlechtreden und Wiederholen z.B. diverser Kursabstürze und Vorstandsbezüge sowie der Fokus auf die Charttechnik und die Zockermentalität manifestiert das schlechte Image der Börse und die generelle Unfähigkeit, Unwissenheit und Scheu der Deutschen mit Finanzthemen.

Klar, auch ich will weder unreflektierte Lobeshymnen, noch die Tabuisierung von Trendvorhersagen durch Charttechnik (was wäre die Welt ohne Horoskope?), unnützer bzw. gefährlicher Finanzinstrumente, schlechten Managern und schon gar keinen Geschichtsrevisionismus, der Pleiten, Betrügereien, Staatsversagen und Co. beschönigt.

Aber - um direkt eines der wichtigsten Wörter von Boulevardjournalisten einzuführen - ist das Gegenteil, also die Übertreibung des Negativen zweifellos auch schädlich und schändlich.

Es ist doch ein Witz, und zwar ein richtig schlechter, dass die massive Vermögensvernichtung durch perfide Short-Attacken (z.B. bei den Unternehmen Aurelius, Ströer und Wirecard) von journalistischer Seite nahezu gänzlich dazu genutzt wurde, um wahlweise die Börse als Casino und Haifischbecken darzustellen oder um weiteres Misstrauen in die genannten Firmen zu sähen, statt z.B. den Vorwürfen mal nachzugehen oder nach aufsichtsrechtlichen Konsequenzen zu rufen, wie ein Absenken der Melde- und Veröffentlichungspflicht von Leerverkaufspositionen. Oder zumindest eine Debatte darüber zu beginnen, wie unheilvoll und undurchsichtig es auf dem Börsenparkett und zwischen diversen Finanzinstituten, Hedgefonds, Medienunternehmen und Co. zugeht. Da erfährt selbst jeder erneute Reinfall auf den nahezu schon altehrwürdigen Enkeltrick mehr Publicity und Solidarität. Nein, lieber nährt man den Zweifel und den Skandal, so pseudo er auch immer sein mag, und ergötzt sich am Leid der Geschädigten. Wenn die verleumderischen Short-Attacken wenigstens inhaltliche Substanz hätten oder wenn alle Aktionäre ausnahmslos klug diversifizierte Multi-Millionäre wären, die problemlos Verluste verkraften könnten... dann, ja, dann..., nur so, ist es nun mal nicht.


Berichterstattung über Wirecard als Negativbeispiel 

Fündig geworden auf der Suche nach Stellvertretern für die Art von Finanzjournalismus, die ich nicht mag, bin ich in der Berichterstattung zur Wirecard AG. Herausstellen möchte ich hierbei den freien Journalisten Heinz-Roger Dohms und dies nur in Bezug auf seine Artikel über Wirecard. Was er sonst schreibt, entzieht sich meiner Kenntnis.

Sie können gerne anderer Meinung sein, für mich hingegen steht fest: Beschämend. Zum Manager-Magazin oder dem Blog „Finanz-Szene“ finden Sie sicherlich selbst, so dass ich nicht extra verlinken muss. Die zum vermeintlichen Bilanzskandal aufgebauschte „ominöse 250-Millionen-Euro-Forderung“ entpuppte sich als das, was sie immer war: buchhalterische Normalität. die zwischenzeitlich niedrigere Marktkapitalisierung der Lufthansa in 2017 führte er auf einen nicht ersichtlichen Kurshype Wirecards zurück, statt auf den damaligen Sinkflug des Lufthansakurses (abgesehen davon, dass sich zwei branchenfremde Unternehmen eh schlecht vergleichen lassen), ein Börsenwunder war Wirecard ebenfalls nie und die höhere Transaktionsmarge Wirecards gegenüber Adyen (eines von Wirecards Konkurrenten im Teilsegment „Payment Processing") wurde Wirecard quasi zur Last gelegt, statt Adyen. Das sich die Finanz-Szene-Redakteure gegenseitig interviewten finde ich per se abstrus. Noch komischer ist es, dass Dohms befragter Kollege Thomas Borgwerth die Gründe für den Margenunterschied nannte, sie dennoch nicht gelten ließ. Ganz zu schweigen davon, das man den Artikel auch andersherum hätte aufgleisen können, nämlich pro Adyen: „Das Margenwunder Adyen. Gleicher Service zum Viertel des Wirecardpreises“. Stattdessen lieber wieder zweifelhaft gegen Wirecard und für möglichst viel „Geschmäckle“ sorgen. Verstehe das, wer will. Und dies sind nur vier Beispiele. Auf die Berichterstattung seitens der Financial Times in Bezug auf Wirecard gehe ich nicht weiter ein. Dass die Financial Times selbst Gegenstand staatsanwaltschaftlicher Ermittlungen ist lässt tief genug blicken...

Bei Herrn Dohms in seiner Wirecard-Berichterstattung und bei vielen anderen Redakteuren ebenso (auch über Wirecard hinaus), kommen nahezu alle „Don’ts“ auf einmal zur Sprache, d.h. einseitig, aufbauschend, doppeldeutig, suggestiv und irreführend in Wortwahl und Aussage sowie im Aufbau der Artikel entweder zu kurz oder lang gehalten, je nachdem, womit die diversen Zielsetzungen der Artikel, z.B. Häme, Skandalisierung, Hype etc., am besten zur Geltung kommen. Das alles in Gänze und immerzu ist dann nur noch schlechter Stil und nichts anderes.

Und wer jetzt beschwichtigend an das Gebot „Audiatur et altera pars“ (Lat.: "gehört werde auch der andere Teil") denkt, dem sei gesagt: Auch wenn man zwei Seiten anhört, kann man immer noch so zitieren, wie man es braucht.

Natürlich unterliegen fest angestellte Redakteure, freie Mitarbeiter und geschäftsmäßige Blogger (was nicht gleichbedeutend mit bloggenden Privatanlegern ist) einem Zeit-, Kosten- und Quotendruck. Auch verlange ich von einem Presseartikel weder den Umfang noch die vorangestellte Versicherung an Eides Statt einer Examensarbeit. Unverzichtbar bleibt aber eine journalistische Sorgfaltspflicht, die über die korrekte Verwendung der Rechtschreibung hinausgeht. Der Börsen-/ Finanz-/ Unternehmens-Journalismus behandelt grundsätzlich immer wichtige Themen; wer hier unsauber und tendenziös arbeitet, vernichtet das Geld und den Ruf anderer Leute und Firmen.

Schauen Sie sich die Grafik an: Innerhalb weniger Minuten sank Wirecards Kurs 2017 durch den Manager-Magazin-Artikel von Herrn Dohms um fast 10%. Unter anderen Umständen hätte der Einbruch noch deutlich höher ausfallen können, wie diverse Short-Attacken gegen Wirecard zuvor und danach beweisen. So schnell kann kein Mensch den Artikel lesen respektive eine Verkaufsorder platzieren. Es sind die „dummen“ Algorithmen. Hier wurden mitunter Leute herausgekickt, die das nicht beabsichtigt hatten bzw. weit unter ihrer Stop-Loss-Marke und die ggf. teuer nachkaufen mussten. Zumal dem Artikel am meisten das rechnungslegerische Unvermögen und der boulevardeske Schreibstil Herrn Dohms zur Grunde lag, als sonst etwas.

Der Rolle von Seriosität, Eindeutigkeit und Objektivität in der Recherche und der Berichterstattung kann daher gar nicht genug beigemessen werden. Genauso wie Polizisten Verdächtige auch nicht einfach so verhaften dürfen, weil sie es gerne hätten, haben Publizisten jedweder Couleur Behauptungen und Verdächtigungen zu unterlassen, wenn sie nicht ohne den Boulevard auskommen können. Jedem, der es dennoch tut und mit bewusst vagen und z.B. mit Nebensächlichkeiten gespickten Äußerungen den Mangel an Beweisen gekonnt verschleiert und das Unternehmen, seine Manager, sein Geschäftsmodell, seine diversen Tätigkeiten o.ä. anrüchig und missverständlich darstellt, kann man nur noch an Kants Kategorischen Imperativ erinnern bzw. – noch besser – die Hoffnung geben, er möge davor verschont bleiben, dass man es ihm mit gleicher Münze zurückzahle und ihn, sein soziales Umfeld und seine Arbeit verleumde und verunglimpfe.

Und wer jetzt erneut beschwichtigen und sich von Verantwortung befreien möchte, in dem er z.B. sagt "das ist doch nur Börse und ich kann doch nichts dafür, was andere daraus machen", dem halte ich nicht nur die Gefahr von Framing und dem hochgradig algorithmisch agierenden Börsenhandel entgegen: Vor allem aber stecken hart erarbeitete Ersparnisse an der Börse und die ist auch kein reines Casino, sondern an und für sich ein anständiger Marktplatz, dessen Seele jedoch durch zahlreiche Banker, Wirtschaftswissenschaftler, Politiker und Journalisten bzw. durch ihre oft unnötigen Finanzinstrumente, ihrer falsch-justierten Regulierung und ihrer zwischen Naivität und Vernachlässigung pendelnden Begleitung dem Teufel vermacht wurde. Und über einen durch unsachgemäße Berichterstattung verursachten Kurseinbruch und Geldverlust kann auch keine Kurserholung hinwegtäuschen, weil man vorher nie weiß, ob und wie schnell diese einsetzt. Es verhält sich hierbei wie mit einem Hausbrand: Wessen Haus von Externen angezündet wurde, der frohlockt auch nicht, wenn später der Schaden repariert wurde. Stattdessen hätte sich der Hausbesitzer mehr gefreut, wenn er erst gar nicht Opfer eines Brandanschlages geworden wäre.

Solange ein Kursabsturz nicht in den „Fundamentaldaten“ des Unternehmens begründet liegt, sind ebenfalls die Rufe nach „Verbilligung“, „Kaufen, wenn die Kanonen donnern“ oder „Danke für die günstige Nachkaufgelegenheit“ heuchlerisch und kommen einem Ablasshandel gleich. Das wäre ja so, als wenn ein Mord in Ordnung wäre, solange der Täter den Hinterbliebenen eine Entschädigung zahle. Eine kritische Auseinandersetzung über Short-Attacken fehlt in der Wirtschafts- und Finanzteilen von Zeitungen und Zeitschriften völlig. Abgesehen davon, dass z.B. das Handelsblatt nun regelmäßig über Veränderungen der Leerverkaufsquote im Bundesanzeiger berichtet, allzu oft mit reißerischen Überschriften, haben die Verlagsverantwortlichen nichts zu Stande gebracht. Lieber die Seiten füllen mit inflationärer Berichterstattung über Flüchtlinge, Trump, Leitzinsen, Digitalisierung und Co.

Dieser unsägliche Spekulations- und Meckerjournalismus ist nicht mehr auszuhalten, auch wenn er konstruktiv gemeint ist. Nur ist „gut gemeint“ bereits das Gegenteil von gut und zu viel des Guten verkehrt sich immer ins Gegenteil.

Immer finden sich irgendwo Widerworte, oft nur um der Widerworte willen, und vor allem ohne Grund: Stattdessen herrscht der Konjunktiv mit seiner Dreifaltigkeit von „hätte, könnte, müsste“. Ja, der Kurs könnte nach oben steigen und nach unten fallen, doch was bitte stellt daran eine Information dar? Überhaupt, das man immer alles besser (zu) machen hätte, könnte und müsste ist eine Binsenweisheit. Sie heranzuziehen als Maßstab und damit als Rechtfertigung alles immer schlecht zu machen oder zu veralbern ist vor dem Hintergrund, sich dieses Korsett, in das man all die anderen zwängt, nicht selbst anzuziehen, lächerlich und gehässig. Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen, liebe Journalisten und die, die sich dafür halten.

Und was genau bringt mich dazu, nahezu alle Publikationen als unlesbar zu bezeichnen bzw. was braucht es für die Lesbarkeit?

Nun ja, auf den Saldo kommt es an: Nehmen Sie den Spiegel und Spiegel-Online. Beides ist durchaus für Polemik und eine gewisse politische Grundhaltung bekannt, aber eben nicht nur. Sie haben auch viel Investigatives und viele Wahrheiten vorzuweisen und was man in ihren diversen Rubriken und Kolumnen lesen kann, ist kein kollektiver Einheitsbrei. Das Positive überwiegt bislang das Negative. Gleiches gilt für die Zeit und Zeit-Online, wenngleich im schwächeren Maße, da sie um zu viel Meinungsvielfalt bemüht und somit zu wechselhaft sind. Grundsätzlich zeigt sich aber an diesen beiden Publikationen, dass ihre Verlage ihnen Platz für mehrseitige Analysen und Reportagen bieten, die es schlichtweg braucht, um die komplexen Zusammenhänge in Wirtschafts- und Finanzsachen darzulegen. Und die dortigen Redaktionen sorgen sich offensichtlich doch noch um ihren Ruf und geben sich nicht gänzlich dem Boulevard hin.

BrandEins widmet sich oft Nischenthemen und beherzigt ein willkommenes Anderssein, das informativen Mehrwert bringt. Die FAZ wiederum widersetzt sich Clickbait-Überschriften und müllt ihre Webseite auch nicht mit Blitzanalysen, Rankings und Bilderstrecken zu. Dies wiederum können sich das Handelsblatt, das Manager Magazin, die Wirtschaftswoche und Capital vorwerfen lassen. Das Ausmaß an Effekthascherei in jenen Medien, auf die in den Börsenportalen verlinkt wird,  ist beschämend. Und zwar gleichermaßen trotz und wegen jener Selbstbeweihräucherung, mit der sie sich ummanteln. Dank Selbstreferenzialität, einer für Boulevardmedien typisch hohen Reichweite, im eigenen Kosmos selbst veranstaltete Konferenzen, Dinner und Ähnlichem sowie mittels Selbstzuschreibungen oder von unaussagekräftigen Kennzahlen abgeleiteten Bezeichnungen, wie „meistgelesenste Wirtschaftszeitung“, „meistzitierter Wirtschaftstitel“, „Börsenpflichtblatt“, „wichtigstes Wirtschaftsblatt“, „von Experten gelesen und empfohlen“ usw. lässt sich ein Selbstbetrug über die eigene Herrlichkeit sehr leicht bewerkstelligen. Ich wüsste nun wirklich nicht, welch investigativer Recherchen, Aufdeckungen und Wahrheiten sich diese Medien verdient gemacht hätten. Dass sie sich rühmen oft als erste bzw. aus gut informierten Kreisen exklusive News zu haben, bestätigt nur ihr negatives Image.

Es ist genauso, wie mit der BILD-Zeitung. Die
a) weiß, wie man Stimmung erzeugt,
b) ist sich für nichts zu schade und
c) greift auf ein breites publizistisches Netzwerk zurück, mit dem so massiv, so schnell und so nachdrücklich Nachrichten verbreitet werden, dass man sie nahezu nicht mehr ignorieren kann.

Schon allein, weil sie überpräsent ist. Für Verbreiter von Gerüchten und Vorabinfos strahlen diese Aspekte natürlich einen unschlagbaren Reiz aus und für alle anderen gilt: Machen wir uns die lieber nicht zum Feind.

Und die Nachfrage auf Leserseite begründet sich ähnlich: Wir können sie nicht ignorieren, weil es
a) kein Entkommen gibt und
b) wer weiß, ob nicht doch was dran ist.

Schließlich findet jedes blinde Huhn irgendwann mal ein Korn. Und dieses wird dann so dermaßen in den Vordergrund gestellt und glorifiziert, in der Hoffnung, das der bis dahin publizierte Unsinn, Schmutz und all die Irrtümer, Falschprognosen usw. vergessen sind.

Wenn ich von mir ausgehend verallgemeinern darf: Wegen ihrer vermeintlichen Qualität werden das Handelsblatt, Manager-Magazin und Co. weder mit Informationen versorgt noch gelesen. Ihre Reichweite und dessen Bedeutung ist es. Reichweite schlägt Inhalt oder anders: Mit Inhalt wenig Reichweite. Denn wenn es richtig guten Inhalt in den klassischen Medien gäbe, dann bräuchte es keine Blogger. Es ist nämlich weit weniger Narzissmus und Geschäftssinn, der Blogger zu Bloggern werden lässt, sondern vielmehr der Frust über den Status-Quo in Sachen Meinungsvielfalt.

Wenn sich die Chefredaktionen und die Geschäftsführung es sich nicht bald anders überlegen, genießen sie denselben Ruf wie die BILD-Zeitung und dann dauert es auch nicht mehr lange mit den ersten Watchblogs.

Zudem schreiben alle von einander ab, so dass der Tenor durchaus etwas von Gleichschaltung hat, was angesichts diverser Verflechtungen wiederum nicht verwundert.

Dem Axel Springer Verlag gehören das Börsenportal finanzen.net, das internationale Nachrichtenportal Business Insider (dessen Chefredakteur und CEO wegen Anlagebetrug vorbestraft ist) sowie die BILD- und die WELT-Gruppen (inkl. Ex-N24), wobei letztere ein Börsenpflichtblatt ist und zudem mit „Börse am Sonntag“ (einem weiteren Börsenpflichtblatt) kooperiert. Dieses gehört der Weimar Media Group, zu dessen Portfolio auch "fonds-kompakt", "trading-kompakt", „i-future - Das Innovationsmagazin" und der WirtschaftsKurier (Pflichtblatt an der Börse München) sowie mehrere Branchenevents, wie das "Stelldichein der Wirtschaftselite" und "Ludwig-Erhard-Gipfel" gehören. Börse Online" (auch ein Börsenpflichtblatt) sowie die €uro-Magazine gehören dem Finanzen Verlag, an dem Axel Springer signifikant beteiligt ist war*). Beide Publikationen beliefern wiederum finanzen.net mit Inhalt.
*) Der Finanzen Verlag gehört seit einem MBO im Jahr 2010 nicht mehr zum Axel Springer Verlag

"Capital", "Business Punk", "Stern" gehören zum Verlag „Gruner + Jahr“, der wiederum zu Bertelsmann gehört. Hierzu gehörten auch viele Jahre lang die „Financial Times Deutschland“ und „Impulse“, bis erstere insolvent ging und letztere durch einen Management Buyout überlebte.

Die Zeitungen und Magazine Tagesspiegel, Handelsblatt und Wirtschaftswoche sowie Branchenblätter wie "Absatzwirtschaft" und der Werbevermarkter „IQ Media Marketing“ gehören Dieter von Holtzbrinck und seiner „DvH Medien GmbH“, die zudem auch 50% am Zeitverlag hält. Darüber hinaus besteht eine enge Verbundenheit mit der Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck, die u.a. die anderen 50% am Zeitverlag hält. Insgesamt stellt die DvH drei Börsenpflichtblätter und ist damit per se tonangebend. Leider!

Aus einem gemeinsamen Dach kommen zudem „Manager-Magazin“ und „Spiegel“.

Die Börsenmedien AG wiederum ist Eigentümer von "Der Aktionär" und "Der Anleger" sowie "Aktionär TV", dem Nachfolger des "Deutsches Anleger Fernsehen". Auch finanztreff.de und diverse Buchverlage (bzw. Imprints) gehören ebenfalls dazu (Labels: Börsenbuchverlag, Plassen Verlag). Einige ihrer ehemaligen und teilweise gegenwärtigen Mitarbeiter wurden strafrechtlich wegen Marktmanipulation und Steuerhinterziehung verurteilt. Der Inhaber Bernd Förtsch wiederum ist Gründer des Online-Brokers flatex und betreute und verwaltete vor allem in der Dotcom-Phase mehrere Investmentfonds.

Das Finanzportal Onvista war selbst 15 Jahre lang an ein Börsenunternehmen und gehört seit 2017 zur Comdirektbank. Während seiner Eigenständigkeit stellte Onvista nicht nur Börse- und Unternehmensinformationen an, sondern vermittelte auch Versicherungen, vermarktete Werbeplätze, gründete die Onvista Bank und wurde zu einem Online-Broker.

Die wallstreet:online Gruppe wiederum ist Betreiber der Portale wallstreet-online.de, ariva.de, boersennews.de und finanznachrichten.de, und versammelt dadurch Aber-, Aber-, Aber- und Abermillionen von täglichen Seitenaufrufe, Klicks, Links und Forenbeiträge. Und während auf den Start- und Rubrikseiten keine Artikel von FAZ oder Brandeins veröffentlicht/verlinkt werden, sind es die reißerischen Artikel von Handelsblatt, Manager-Magazin und Co. umso mehr.

Die Liste ließe sich problemlos fortführen, nur geht es mir nicht um Vollständigkeit, sondern um Verdeutlichung. Der Verdeutlichung darüber, dass ein Großteil der Börsen-, Finanz- und Wirtschaftspresse in den Händen einiger weniger privatwirtschaftlicher, durchaus börsennotierter Medien- und Finanzunternehmen liegt. Per se ist das nicht schlimm, aber angesichts von gemeinsamen Newsdesks bzw. Mantelredaktionen, von Kooperationen und Vernetzung inner- und unterhalb der Journalistenschar und dem generellen Quoten-/Klick-/Schnelligkeitswahn ist das eine unheilvolle Allianz.

Hinzu kommen ja noch
1) jene Publikationen, die von diversen Finanzinstituten selbst herausgegeben oder unterstützt werden - folglich mit Unabhängigkeit und Information überhaupt nichts am Hut haben - sowie
2) die unzähligen Youtube-Kanäle, Börsenbriefverfasser und Blogger, denen es oft auch nur um vermeintliche Besserwisserei und offensichtliche Selbstdarstellung, Sensationslust und Affiliate- Marketing geht.

Thematisch, inhaltlich und von den Unternehmen her, geht es in Sachen Börsenpresse und Finanzcommunities ganz eindeutig oligopolistisch und einfältig zu.

Fragen Sie sich selbst einmal, ob sie je auf den Finanzportalen- und Communities, wie Ariva, Wallstreet:Online, Onvista und Finanzen.net jemals Geld für Artikel, Webinars, Videos usw. ausgeben mussten? Natürlich nicht, denn sie sind ja auch nicht deren Kunden. Sondern Sie sind die Ware. Bezahlen müssen die diversen Firmen, die Ihnen Konten, Depots, Tresore, Bücher, Analysereports, Beratungsdienstleistungen, Softwaretools, Binäroptionen, Goldminen und viel anderes Zeug andrehen möchten.

Dabei ist es doch so einfach: Informationen sind Waren und wie alle anderen Waren auch, haben sie ein Preisetikett zu tragen. Denn was nichts kostet, ist auch nichts. Punkt. Und dies lässt sich nur durchsetzen, wenn die Verlage endlich anfangen, in Gänze kostenpflichtig zu werden. Ich fände es großartig.

Die Situation von heute, immer noch genügend Informationen kostenlos anzubieten bzw. Premiumartikel nicht informativ genug zu machen, muss enden. Dieses entweder dumme, oder absichtliche Geschwätz von „die Leute wollen es so“, ist völliger Unsinn. In keinem anderen Markt, wie dem Medienmarkt, liegt die Macht so sehr auf der Angebotsseite. Kein Rezipient dieser Welt ging je zu RTL hin und bat darum, unbekannte und bedeutungslose Leute beim Essen von und beim Wühlen in Exkrementen und Kadaver sehen zu können. Und weil RTL sein eigenes Programm sowie große Teile anderer Medien auf das Dschungelcamp hin ausrichtete, konnte man dem auch nicht entfliehen. Es ist ein fataler Trugschluss zu meinen, man richte sich nach seinem Fisch. Stattdessen schmeckt der Wurm nur den Anglern, denn Trash-TV ist kostengünstig und vermarktbar, in dem man sich eigene Prominente schafft, medial ausschlachtet, neue heranzüchtet, mit denen man dasselbe Spiel treibt während man die alten zurückkommen lässt. Und ja, diese Gesetzmäßigkeiten treffen auf jedes Medienunternehmen und in jedem journalistischen Kontext zu. Geklickt wird ja weiterhin, trotz der Einfalt und des Schwachsinns in der Börsenpresse.

Rubert Murdoch kaufte doch nicht das Wallstreet Journal, um es boulevardesk zu machen! Sondern der Reputation wegen, denn der Informationsgehalt und Neuigkeitswert, den das WSJ bietet übersteigt die Kosten für seine Leser um Längen. Was sind schon ein paar Dollar für Infos, mit denen man an der Börse das x-fache verdienen kann bzw. mit denen man größere Verluste meidet.

Von kritischen Sichtweisen und fundierten Hintergrundgeschichten profitieren alle - Rezipienten, Aktionäre und die Journalisten und Verlage - denn durch sie entsteht Meinungsbildung sowie Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit und geben der journalistischen Tätigkeit ihren aufklärerischen Sinn. Die Medien erhalten so Glaubwürdigkeit, Vertrauen, Reputation und Umsatz, sehr wahrscheinlich auch Gewinn. Ruht man sich aber auf der Vergangenheit aus und/oder fängt man zu blenden, dann schädigt man sich über kurz oder lang selbst und schaufelt sich sein eigenes Grab. Dafür, und für nichts anderes steht die Verdummung durch Boulevardisierung deutscher Medien.

Der Rezipientenseite wiederum kann ich nur zurufen: Geben Sie Geld aus. Wer monatlich noch nicht mal 10 bis 20 Euro für Informationen ausgibt, der sollte sich auch keine Aktien kaufen. Denn wer für Sprit kein Geld ausgeben möchte, kauft sich ja auch kein Auto, um mal ein passendes Gleichnis zu ziehen. Bildung gibt es nicht zum Nulltarif.

Natürlich kauft man sich dadurch nicht das Recht auf Artikel, die die eigene Meinung wiedergeben. Aber man erhöht die finanziellen Mittel der Verlage und ermöglicht so z.B. den Redakteuren bessere Arbeitsbedingungen. Wer hingegen Clickbait unterstützt durch Klicks und Links, dem ist echt nicht mehr zu helfen.

Lage Rede, kurzer Sinn: Ich wünschte es wäre sehr bald möglich, diverse Nachrichtenseiten, Finanzportale und Youtube-Kanäle ebenso zu verlassen, wie dieses Blog, nachdem ich ihn betreten habe: intelligenter.


P.S.: Value-Investing ist aktuell das beste Beispiel für den traurigen Zustand in den klassischen und sozialen Netzwerken. Der „Burggraben" (Moat) verkommt zu einem gehypten Schlagwort und „Value Investing“ wird von den Redakteuren weiterhin als „Buy and Hold“ beschrieben. Einen Tiefgang an Analysen, wie z.B. von den bloggenden Investoren Kissig, Waldhauser (High-Growth-Investing) und Barth (Der Langfristanleger) finden sich nur äußerst selten in den Wirtschafts-, Netzwelt- und Finanzrubriken der bekannten Verlage. Schon allein das Ausmaß wie Charlie Munger als wortkarger und „ich stimme zu / habe nichts mehr hinzufügen“-Partner von Warren Buffett in den deutschen Artikeln zu Buffett und Berkshire Hathaway beschrieben wird, entbehrt jeder Grundlage. Man müsste dafür nur mal Ausschnitte aus den Hauptversammlungen von Berkshire Hathaway auf Youtube angucken oder dort wenigstens mal Charlie Munger in die Suchmaske eingeben, statt nur von einander abzuschreiben und so dieses Klischee aufrechtzuerhalten.


Disclaimer
Der Blogbetreiber Michael C. Kissig ist regelmäßiger Konsument/Abonent/Kunde von ariva.de, Börse Online, comdirect, finanzen.net, finanznachrichten.de, finanz-szene.de, Nebenwerte Journal, wallstreet-online.de.

Kommentare:

  1. Ein großartiger Artiel, der mich zum Nachdenken anregt.
    Einiges wie z.B. diese Pseudo Promis und Trash TV ist mir selber schon zu wider.
    Danke für diesen Artikel und natürlich für diesen Blog. Jetzt erscheint mir auch "Ein kleiner Dank für die Mühe?" sinnvoll.

    Bernd

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  2. super Artikel ...

    Nachdenken hat schon immer geholfen - leider werden heute "kritisch denkende" Menschen vom "Medienmüll für die Masse" aus dieser selbigen Masse eben ausgeschlossen und gelten als "alternative Spinner" ... was aber, wenn diese kleine Gruppe größer wird (was das Kapital in Form der Medien natürlich zu verhindern weiß)?

    Wie auch immer, danke für den Artikel an Herrn Gemke und Dir, lieber Michael, für die "unermüdliche" Arbeit, uns - die Follower immer mit neuen interessanten Artikeln / Einblicken zum Denken / Nachdenken anzuregen ...

    Liebe Grüße
    JL

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  3. Ein umfangreicher und sehr gelungener Artikel zur deutschen Medienmafia, äh Finanzmedien meine ich.
    Was vielleicht noch positiv zu erwähnen wäre, ist der deutsche Newsaggregator https://www.boersentreff.de/, welcher deutsche und englische Finanznachrichten kategorisiert und übersichtlich darstellt.

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  4. Da mag schon das ein- oder andere (R)richtig(e) geschrieben worden sein (oben).

    Und/aber nun?

    Leser bekommen/verdienen was sie lesen
    Waehler bekommen/verdienen was sie waehlen
    Glaeubige bekommen/verdienen was sie glauben
    You get what you pay for (sometimes less)
    usw

    "Die Journalistengilde liebt heutzutage den Luxus. Sie hat schlechte Manieren, verachtet die Autorität, hat keinen Respekt vor den älteren Leuten und schwatzt, wo sie arbeiten sollte. Die Journalisten stehen nicht mehr auf, wenn Ältere das Zimmer betreten. Sie widersprechen ihren Eltern, schwadronieren in der Gesellschaft, verschlingen bei Tisch die Süßspeisen, legen die Beine übereinander und tyrannisieren ihre Lehrer."
    Sokrates - oder so aehnlich ;-) LG Joerg

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  5. Schöner Beitrag. Die Kritik an Herrn Dohms kann ich nachvollziehen. In meiner Wirecard-Analyse hatte ich das Adyen-Thema auch schon behandelt. Ich bin gespannt, was die Ermittlungen gegen die FT in Sachen Wirecard ergeben. Herr Dohms ist übrigens ein Ex-FT-Mitarbeiter...

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  6. Die Publikationen in Deutschland sind wirklich unlesbar, deshalb schaue ich gerne in die Schweiz. Die Finanz und Wirtschaft (FuW) hat gute fundamentale Analyse und wirft auch einen Blick auf den Preis der Investments. Viele Grüße, Marcel von www.koenigsinvestor.de

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  7. Zwei inhaltliche Anmerkungen:
    Der Finanzen Verlag gehört seit 2010 nicht mehr zu Axel Springer. https://www.finanzenverlag.de/inhalt/unternehmen/chronik.php
    Und mit Burda / finanzen100.de fehlt der nach eigenen Angaben "Marktführer" im Bereich Finanzportale https://www.finanzen100.de/finanznachrichten/boerse/finanzen100-ist-erstmals-groesstes-deutsches-finanzportal_H1353742663_10985656/ Ansonsten eine gute Zusammenstellung, die die Strukturen der Szene gut aufzeigt.

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  8. Ich würde in diesem Zusammenhang die Süddeutsche Zeitung nicht unterschätzen. Neben den eigentlichen Unternehmensnachrichten gibt es viele Hintergrundartikel - und regelmäßig kleine Serien über Börsenregeln und ähnliches, die sehr differenziert sind. Wenn die Märkte fallen, plädiert die SZ für Privatanleger typischerweise für eine ruhige Hand.

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  9. Vom Grundsatz her hatte ich meine Meinung bezüglich Wirtschaftsjournalismus schon in diese Richtung gebildet, die detaillierte Aussage von Herrn Gemke ist bemerkenswert. Was mir fehlt und dazu wäre mir seine bzw. eure Meinung wichtig: wie steht das Ganze im Bezug zur Politik und den Politikern? Wenn man sieht, dass ein SPD-Finanzminister den Kleinanlerger mit einer Finanztransaktionssteuer belangt, das öffentlich als wichtigen und guten Einstieg feiert, aber die weißen Kragen ungestört ihre Arbitragegeschäfte und computergesteuerte Derivatespekulationen machen lässt, dann kann man schon an eine .... darf ich jetzt nicht schreiben..... glauben.

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    1. Ne, bei Olaf Scholz glaube ich ich weder an Verschwörung noch an Bestechung und im konkreten Fall noch nicht einmal an tumben Dogmatismus, sondern ich glaube, er ist schlicht ungebildet in Finanzfragen. Hat er ja selbst zugegeben: er hat ein Sparbuch, und ansonsten setzt er voll auf seine Politikerpension(en) für die Altersversorgung. Er hat keine Ahnung von Aktien, er hat keine Ahnung von Hochfrequenzhandel, vermutlich weiß er nicht was Vermögenswirksame Leistungen sind oder der Cost-Average-Effekt. Für ihn sind Aktionäre Turbokapitalisten und Melkkühe, mehr nicht. Mit Verstand hat das/er nichts zu tun.

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  10. Mit anderen Worten, Olaf Scholz ist ein Dummbrot?

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