Freitag, 29. November 2019

Gastartikel: Und weiter geht's... über den Boulevard in den Papierkorb - Eine Fortsetzung des Essays über die Gegenwart und Zukunft der deutschen Finanzpresse

Vor einigen Wochen betrat dieses Blog Neuland, denn zum ersten Mal veröffentliche ich hier einen Gastartikel, der nicht aus meiner Feder stammte.

Heute findet der Artikel "Über den Boulevard in den Papierkorb - Ein Essay über die Gegenwart und Zukunft der deutschen Finanzpresse" seine Fortsetzung und erneut ist für den Inhalt alleine der Autor Stephan Gemke verantwortlich.

Hierin widmet er sich insbesondere der medialen Berichterstattung zu Wirecard und greift erneut die Frage nach "Paid Content" auf bzw. den zunehmenden Anspruchsdenken, alles jederzeit zu bekommen und einfordern zu können. Und das - selbstverständlich - immer kostenlos. Ein Plädoyer im Sinne von "darf sich Leistung auch wieder lohnen?" und gegen die in unserer Konsumgeilgesellschaft immer weiter um sich greifende "Geiz-dich-dumm-Mentalität".

Da ich die grundsätzliche kritische Richtung des Essays teile, musste ich nicht lange überlegen, diesen Artikel auf meinem Blog zu veröffentlichen und hier(mit) die konstruktive Diskussion weiterzuführen.


Gastartikel: Und weiter geht's... über den Boulevard in den Papierkorb


Eine Fortsetzung des Essays über die Gegenwart und Zukunft der deutschen Finanzpresse
Autor: Stephan Gemke


Aufgrund neuer Gedankengänge, Aspekte und Vorkommnisse, findet mein Essay „Vom Boulevard in den Papierkorb“ nun eine Fortsetzung. Ich widme mich diesmal ausführlicher der Medienberichterstattung zur Wirecard AG und plädiere erneut für Paid-Content sowie für eine Abkehr boulevardesker Berichterstattung.

Ein Shitstorm ergoss sich am 19.11.2019 und an Folgetagen über diverse Wirtschafts- und Börsenredakteure, nachdem es dem Handelsblatt gelang, öffentlich zugängliche Informationen zu veröffentlichen. Oder anders gesagt: Bereits veröffentlichte Informationen wurden aus der Nische auf die große Bühne geholt. Wow, welch Glanzstück investigativem Journalismus’, und dies meine ich – wohl zu Ihrer Überraschung – nicht zynisch. In seltenen Fällen wird doch etwas enthüllt, was zuvor gänzlich unbekannt war. Vielmehr ist es doch so, dass bereits Bekanntes nun beim zweiten Aufguss einem größeren Publikum präsentiert wird, weil die Erstveröffentlichung z.B. noch am Skrupel oder an der Wahrnehmungsschwelle scheiterte.

Testat des Wirtschaftsprüfers fehlt!?

Doch der Reihe nach: Der beim Handelsblatt angestellte Jungredakteur Felix Holtermann verstand es, die wohl größte Selbstverständlichkeit wirtschaftsprüferischer Korrektheit, regelkonformer Corporate Governance und gesetzestreuer Unternehmen – nämlich ein lokales Testat auszusetzen, solange dafür benötigte Informationen bzw. Informationsquellen (z.B. Originalbelege und –verträge, Computergeräte und (Ex-)Mitarbeiter) bis zur Frist, bis der das Testat erteilt werden kann, fehlen – in einen Aufreger zu verpacken. Er behalf sich dafür des beliebten Kniffs, zu fragen, ob es wünschenswert sei, dass Wirecard dieses noch ausstehende Testat seiner Singapurer Tochtergesellschaft für das Geschäftsjahr 2017 noch präsenter, als gesetzlich verpflichtet, hätte herausstellen sollen. Betonung liegt auf „noch präsenter“. Daran merken Sie, wie obsolet Holtermanns Artikel eigentlich war, ist und bleibt. Zu Wirecard fallen mir dutzende von relevanteren Themenansätzen ein, z.B. das Geschäftsmodell zu erklären, statt es immerzu als (vermeintlich) kompliziert zu bezeichnen; die zahlreichen Stimmrechtsmitteilungen und Ausleihgeschäfte der Fonds zu thematisieren oder Zwischenbilanz zu ziehen im Sinne von „Was hat sich bei Wirecard in Sachen Kommunikationsabteilung und Compliance/Governance seit den FT-Artikeln getan?“ Wirecard bietet so viele berichtenswerte Aspekte, dass ich mich fremdschäme, dass dieses Potential so ungenutzt bleibt.

Dieser Kniff mit der Wünschenswertfrage ist typisch für den so genannten konstruktiven Journalismus, mit dem versucht wird, den aufklärerischen und Hilfe leistenden Aspekt journalistischer Tätigkeit zu ermöglichen bzw. zu verstärken. Indem man vorgibt, sich an höheren Interessen/Ansprüchen zu orientieren, sprich, herausstellt, dass der gegenwärtige Zustand von was auch immer noch nicht dem Wunsch von z.B. Kunden/Patienten/Wählern/Anlegern entspricht, präsentiert man sich selbst als aufklärender, unterstützender Journalist, der zeigt, wo Verbesserungsbedarf besteht und idealerweise, wie er zu lösen sei. Jedoch, um eine Forderung meines ersten Essays zu wiederholen: Konstruktiver Journalismus sollte unterlassen werden, denn er verkehrt sich ganz schnell in sein Gegenteil, da er nur durchs problematisieren und schlecht machen bestehen kann. Heißt, nur indem man immerzu herumnörgelt und meckert, kann man sich selbst als konstruktiv verstehen. Selbst ein durchweg guter Zustand bzw. eine bestmögliche Maßnahme wird immer als unzureichend, oder sonst wie diffamierend dargestellt. Nur so kann man sich selbst als besser wissend und helfend erachten und seine Eitelkeit und seinen Narzissmus befriedigen (und diese Persönlichkeitsattribute treffen ja durchaus auf journalistisch Tätige zu). Idealerweise holt man noch externe Meinungen ein, die die eigene bestätigen oder zumindest helfen, aus einer Nichtstory, wie der des ausgesetzten Testats, doch noch eine Story zu konstruieren.

Sowohl Wirecard, als auch Ernst & Young gingen im Geschäftsbericht 2018 auf mehreren Seiten auf die Causa Singapur ein und erklärten ihre Vorgehensweise, Einschätzungen und finanziellen Auswirkungen und Korrekturen. Ich empfehle insbesondere die Seiten 97 sowie 163-165 zu lesen und diese Angaben ins Verhältnis zu dessen Vorkommen in der Börsenpresse und in Publikumsmedien zu setzen. Ein erschreckendes Missverhältnis zu Lasten Wirecards.

Übrigens fand sich das aus nachvollziehbaren Gründen und richtigerweise noch nicht gegebene Testat im lokalen Unternehmensregister in Singapur ja angegeben, also dort, wo es hingehört, da gesetzlich verlangt. Wer solche Informationen sichtbarer haben will, sollte sich an den Gesetzgeber wenden und um eine Verschärfung der Veröffentlichungspflichten bitten. Ebenso hat sich jeder Beschwerdeführer an die eigene Nase zu greifen, da ein jeder Investor, Trader, Journalist oder sonst wie gelagerter Interessent eine Holschuld hat. Es wirkt daher auf mich extra bemüht und extrem konstruiert von Herrn Holtermann, aus diesem völlig normalen, von Wirecard ja selbst angegeben Vorfall und sowohl für das Geschäft von Wirecard, als auch für dessen Aktionäre äußerst belanglose Tatsache einen eigenen Artikel zu machen. Schließlich ist der Jahresabschluss nach IFRS maßgebend, und der wurde von EY testiert. Ich warte nur darauf, dass im Sensationsstile demnächst darüber berichtet wird, dass der Vertrag Herrn Braun Ende 2020 ausläuft und er überdies wegen einer Altersregelung nur bis 2031 noch Vorstandsvorsitzender bleiben könne. Und falls Sie sich fragen, woher ich diese Information habe, verweise ich auf den Geschäftsbericht 2018. Ich hoffe, Sie fühlen sich nun ausreichend informiert und vorgewarnt...

Zurück zum konstruktiven Journalismus

Dieser weist in seiner aktuellen Verfassung zahlreiche Parallelen zu anderen schädlichen Verhaltensweisen auf (https://www.novo-argumente.com/artikel/konstruktiver_journalismus_die_selbsttoetung_der_informationsmedien). Dieses ständige „Es-ist-noch-nicht-gut-nein-auch-jetzt-noch-nicht-und-immer-noch-nicht-gut-genug erinnert an Mobbing und an das Münchhausen- sowie an das Münchhausen-Stellvertretersyndrom. Und wie das bei Mobbing so ist: Zunächst versuchen die „Ungenügenden“ sich zu verbessern und den Ansprüchen genüge zu leisten, selbst wenn es dies gar nicht bräuchte. Und dann verstummen sie zusehends, weil es eh keinen Zweck mehr hat. Alles was sie tun und nicht tun, wird schlecht gemacht. Da hilft nur noch eines: Drüberstehen. Man kann dem Boulevardjournalismus nicht offensiv begegnen, da man so nur noch mehr Wind auf dessen Mühlen streut. Man kann nur noch darauf setzen, dass der vernunftbegabte Medienkonsument selbst fähig ist, die diversen Artikel richtig einzuordnen.

Übrigens: Was in diversen Börsenforen zu lesen war, deutet auf ein Wegducken der Presse hin. Also das, was sie bei anderen geißeln, beherzigen sie nun selbst. Es wird relativiert, angefangen bei Artikelupdates, deren Verbesserungen aber nicht kenntlich gemacht werden, über ausweichende und allgemeine Antworten auf individuelle Beschwerde-Emails bis hin zu völliger Ignoranz.

Nachdem das Handelsblatt den meiner Meinung nach höchst grotesken Artikel am frühen Abend des 19.11.2019 auf all seinen Kanälen veröffentlichte, sackte der Aktienkurs von Wirecard kurzzeitig im hoch einstelligen Prozentbereich ab. Dass der Kurs überhaupt reagierte, kann ich mir nur durch den hochautomatisierten Börsenhandel erklären. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass Kleinanleger die nötige Masse an Aktien, die Handlungsschnelligkeit, das Instrumentarium und jenen Mangel an gesundem Menschenverstand aufweisen, als dass sie für den rasanten Kurssturz verantwortlich wären. Auch Wirecard erachte ich als unschuldig, denn weder für die boulevardeske Berichterstattung, noch für die Handelsaktivitäten ihrer Aktionäre können sie etwas. Wirecard ist nicht verantwortlich für diverse Algorithmen, Stop-Loss-Marken, Wertpapierleihen, Margin Calls, Money Management- und Risikomanagement-Vorgaben o.Ä. Und Wirecard kann auch nichts für die Leerverkaufsquote im anscheinend niedrigen zweistelligen Bereich seines Aktienkapitals. Zu Leerverkäufen später mehr.

Gemessen an früheren Ausschlägen des Wirecardkurses war die Reaktion diesmal sogar gering und kurz. Neu war meiner Meinung nach allerdings der Shitstorm, der vor allem über die verantwortlichen Personen des Handelsblattes hereinbrach. Auf Twitter, Facebook, in den Artikelkommentaren und in Börsenforen wurde heftig über Herrn Holtermann, über Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe und generell über die Medien diskutiert und sich echauffiert.

Warum dieser Shitstorm? Und warum jetzt?

Nun ja, wenn ich mein eigenes Empfinden verallgemeinere, dann, weil Felix Holtermann diesmal mit seinem Wirecard-Artikel die Grenze zur Lächerlichkeit überschritt und massiven Korrekturbedarf aufwies, sofern man dem Handelsblatt und generell der Börsenpresse noch Seriosität unterstellt. So gesehen ist dieser Shitstorm nichts anderes als konstruktiver Journalismus in der Retourkutsche in dreierlei Hinsicht:

  1. Als ein unverkennbares Zeichen zu verstehen, dass die Anleger zu Wirecard stehen,
  2. sich nicht ob des Kursverlaufs und der Kommunikationspolitik Wirecards ängstigen sowie
  3. den boulevardesken Stil des Gros der Wirtschafts- und Börsenpresse in Deutschland leid sind.

Denn was Holtermann in seinem Artikel vermissen lies und damit dem Informationsbedürfnis der Leser zuwider lief, war Ausgewogenheit. Die Betroffenen, wenn man so will, wurden nur mit einem kurzen Statement berücksichtigt. Mehr Platz bekamen vor allem jene Experten, wobei Experte ja ein sehr dehnbarer Begriff ist, die ein deutlicheres Herausstellen des zurückgehaltenen Testats befürworteten. Hierzu zählte die Rechtsanwältin und Vizepräsidentin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. Daniela Bergdolt, die auf Mandantensuche ist, um etwaigen Schadensersatz von Wirecard einzuklagen (vgl. https://www.ra-bergdolt.de/aktuelles/wirecard-schadenersatz-fuer-aktionaere-moeglich/), obwohl die Fehlbuchungen in der Singapurer Tochterfirma als unwesentlich für die Vermögens- Finanz- und Ertragslage gekennzeichnet wurden (0,1% des Gesamtumsatzes von 2017 musste korrigiert werden) und obwohl ja gegen die Financial Times ein Ermittlungsverfahren läuft, so dass, wenn überhaupt, wohl eher Schadensersatz von der FT einklagbar wäre. Wer als Aktionärsschützerin auftritt, so meine Meinung, täte gut daran, anderen Sachverhalten und Verdachtsmomenten nachzugehen und zu thematisieren, z.B. den Marktmanipulationsverdacht bezüglich Financial Times-Autoren und Hedgefonds-Managern (vgl. https://www.theshortleaks.com). Zumindest aber hätte es ihr gut gestanden, die Gefahr für die Bestandsaktionäre Wirecards zu relativieren, indem sie auf die umfangreichen Prüfungen durch EY und dessen uneingeschränktes Testat für den Gesamtkonzern hingewiesen hätte, statt die Unsicherheit mit zu verursachen bzw. zu verschärfen.

Auch sonst fehlte es Holtermanns Artikel an Ausgewogenheit. Die Tatsache, dass Wirecards Jahresabschluss als Solches testiert wurde, trotz des vorläufigen Testatfehlens in der Singapurer Tochtergesellschaft, hätte zumindest bei mir das Interesse geweckt, nach der generellen Aussagefähigkeit von Testaten zu fragen, zumindest aber wie Wirtschaftsprüfungsgesellschaften Testate vergeben. Ich glaube kaum, dass 99% der Handelsblattleser Steuerberater, Buchhalter und Wirtschaftsprüfer sind, so dass nur noch die Frage offen blieb, ob ein klareres Herausstellen fehlender Lokaltestate wünschenswert wäre. Informativ hätte ich es auch gefunden, wenn er die Story der fehlenden Testate ausgeweitet hätte.

Der DAX besteht aus noch 29 weiteren, multinationalen Unternehmen und viele davon sind aufgrund ihrer Verfehlungen schon berühmt-berüchtigt. Auf die Marktmanipulationsermittlungen gegen die Financial Times aufgrund der oben verlinkten Tonbandmitschnitte, über die das Handelsblatt ja ebenfalls exklusiv berichtet (vgl. https://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/zahlungsdienstleister-tonbandaufnahmen-machen-wirecard-streit-mit-financial-times-zum-beispiellosen-krimi/24687366.html) wurde ebenfalls verzichtet. Und gemessen daran, dass Wirecard auch Tochtergesellschaften in Malaysia, Vietnam, Indonesien, Myanmar, Thailand, Indien, Philippinen, Türkei, Hong Kong und VAE (Dubai) unterhält, finde ich die Singapurer Gesellschaft sowohl von ihrem Zweck/ihrer Aufgabe, als auch vom Umsatz her (40 Mio. Dollar) in den Medien und im Handelsblatt-Artikel für überhöht.

Ich kann mich des Eindrucks leider nicht erwehren, dass Herr Holtermann so agierte, dass möglichst Wirecard in ein schlechtes Licht gerückt wurde. Als ob Wirecard die Wünsche seiner Aktionäre ignorierte, als ob es etwas zu verbergen hätte und als ob Wirecard das Vertrauen seiner Anleger egal wäre.

Wenn dem so wäre, warum verstärkt Wirecard seine Kommunikations- und Compliance-Abteilung? Warum reagiert sie auf alle Vorwürfe? Warum stellt sich Herr Braun sämtlichen Fragen in Telefonkonferenzen, bei Presseinterviews und diversen Events? Und warum werden teure Extra-Prüfungen mit unterschiedlichen Kanzleien beauftragt?

Da auch in den zurückliegenden Tagen keine weiteren Artikel zu diesem Themenkomplex von Herrn Holtermann kamen, die bspw. die o.g. Fragen aufgriffen, erscheint es mir eindeutig, dass er es absichtlich an Seriosität vermissen ließ. Ihm muss man allerdings zur Gute halte, wenngleich es keine Entlastung oder Entschuldigung für ihn darstellt, dass ich als Außenstehender nicht weiß, wie sehr ihm evtl. von oben Anweisungen gegeben wurden und wie lange er Wirecard Zeit für ein Statement gab. Ich schreibe dies, wie gesagt nicht zur Relativierung, sondern der Versachlichung und Ausgewogenheit wegen. Ich kann ja nicht anderen tendenziöse Berichterstattung vorwerfen und es dann selbst an Reflektion missen lassen.

Durchwachsenes Medienecho

Das Medienecho auf Holtermanns Artikel war sehr groß, aber ein zusätzlicher Erkenntnisgewinn blieb leider aus. Ein Medienecho getreu dem Motto: Alter Inhalt unter neuen reißerischen Überschriften. Lediglich das Nebenwerte-Magazin und die Frankfurter Allgemeine Zeitung hoben sich positiv von der Masse ab. Man durfte sich nicht von Emotionen beirren lassen, wenn man die Schlagzeile „Wirecard ist eine Schande für den DAX“ in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung las. Wenn der FAZ-Redakteur Henning Peitsmeier - der als langjähriger Unternehmensjournalist bereits mit diversen Vorstandsvorsitzenden Interviews führte, u.a. mit Herrn Braun von Wirecard oder mit Herrn Bäte von der Allianz, und auch sonst die Kommunikationsabteilungen vieler großer Konzerne kennt - Wirecard als eine Schande für den Dax bezeichnet, dann lässt sich das durchaus als Weckruf verstehen. Denn Herr Peitsmeier ist kein junger Wilder und er berichtete bislang sachlich zu Wirecard. Auch schrieb er seinen Kommentar in der Sorge, dass es doch ein Unding sei, dass ein solcher Artikel, wie von Herrn Holtermann, zu zumindest Buchverlusten und einzelnem Verdruss auf Anlegerseite führte. Zwar erschließt sich mir nicht seine Schlussfolgerung, dass dies Wirecard anzulasten sei, aber das kann ja auch an mir liegen. Überdies gab es andernorts viel unplausiblere Kommentare und Artikel zu Wirecard, wie z.B. die pauschale Kritik am Aufsichtsrat. Nicht nur, dass dessen Zusammensetzung in den letzten zwei Jahren verändert wurde, nein, darüber hinaus kann er in Sachen Diversität durchaus als Vorzeige-Aufsichtsrat gelten. Auch findet man dort keine Ex-Vorstände und das Softbank dort demnächst ebenfalls präsent sein wird, kann ich nur als weiteren Beleg für eine gute Unternehmensführung empfinden.

Eine Frage des Stils?

Einen Absatz möchte ich zudem der Formulierungsweise widmen: Langgliedrige Finger, kurz rasierte Haare, schwachbeleuchtete Theken an Messeständen, dunkle Anzüge, angemietete Büroräume und dass der Sitz der Zentrale in keiner Großstadt liegt, lassen kompetente Leser die Augen verdrehen, ob dieser Nichtigkeiten; bei weniger kompetenten lösen sie unwillkürlich eher negativ besetzte Assoziationen aus. Ich denke da an Begriffe wie Langfinger, Militär, Geldwäsche, Geheimnistuerei, Anrüchigkeit und Provinzialität. Und ich zitiere hier bereits wohlwollend dem Manager-Magazin, der Süddeutschen Zeitung, dem Handelsblatt oder bspw. finanze-szene.de gegenüber! Und das in einer Firma durchaus auch weitere Familienmitglieder ihrer Angestellten arbeiten, dass Privat- und Berufsleben nicht immer strikt getrennt werden können und das für die Aufnahme in den DAX zuvörderst die Free Float-Marktkapitalisierung und der Börsenumsatz zählen, also die Handelbarkeit/Liquidität der Unternehmensaktien und die Höhe der Unternehmensbewertung, sollte doch Wirtschafts- und Finanzjournalisten nicht unbekannt sein. Der tatsächliche Firmenumsatz spielt hingegen keine Rolle. Man kann, muss aber nicht 50 Mrd. Euro an Umsatz erwirtschaften, um Teil dieses Börsenbarometers zu sein. Übrigens zählt der Free-Float von Wirecard zu den höchsten im DAX, ja, es gibt noch nicht mal Stamm- und Vorzugsaktien, mit der andere Börsenunternehmen die Mehrheit der Stimmrechte beim Gründer bzw. obersten Boss belassen. Und die Vergleiche Wirecards mit Start-ups oder den Firmen des „Neuen Marktes“ sind so dermaßen haarsträubend, dass man jedem Leser kurzrasierte Haare wünschen kann. Und es wäre Journalisten zu wünschen, auch den Privatanleger/Kleinanleger zu Wort kommen zu lassen, statt nur über ihn zu schreiben und ihm Wertverlust, Angst und Wut zuzuschreiben. Ich lese in den Aktienforen das Gegenteil; ebenso, wie ich dort die fundiertesten und spannendsten Analysen und Hintergründe zu Wirecard und zum Handel der Aktie finde.

Besserer Umgang mit Short-Attacken nötig

Und damit möchte ich auf eher generelle Aspekte überleiten, die dieses Essay ebenfalls noch erörtern soll. Die boulevardeske Berichterstattung über Wirecard kann in Abschlussarbeiten von Medien- und Kommunikationsstudenten aufgearbeitet werden, genauso wie die Frage, wie sich ein DAX-Konzern kommunikativ aufzustellen habe. Dringend wissenschaftlich zu untersuchen empfehle ich auch, wie sich die Berichterstattung verhält bzw. inhaltlich gestaltet, sobald ein Börsenunternehmen eine Short-Attacke erleidet.

Ob bei Wirecard, Ströer oder Aurelius, zunächst nutzten die diversen Börsenmedien die Attacke für weitere Panikmache, danach wurden sämtliche Bewegungen der Leerverkäufer-Quote für Clickbait-Titel genutzt und nach Monaten interessierte sich niemand mehr dafür. Eine umfassende Auseinandersetzung mit diesem Vermögen vernichtenden Gebaren blieb leider aus. Selbst die nicht sonderlich auf Quote ausgelegten öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten mit ihren Talkshows und Doku-Magazinen widmeten sich lieber zum x-ten Mal Trump, Altenpflege und Ökologie. Am schlimmsten finde ich, dass solche Leerverkäufer viel zu oft als die Guten angesehen werden. Sie stellen sich als Aufklärer dar, aber in den wenigsten Fällen war an ihren Vorwürfen und Unterstellungen was dran. Warum wohl äußern sich solch neue und anonyme Researchhäuser wie MCA-Mathematik.com (http://mca-mathematik.com) oder Zatarra nur unter einem vorangestellten Disclaimer, der sie von allen Haftungen befreit, benutzen den Konjunktiv, verzichten auf ein vollständiges Impressum und liefern keine Beweise?

Dass Felix Holtermann aufgrund von MCA-Mathematik seinen Testat-Artikel schrieb, halte ich für sehr wahrscheinlich, da es dort das erste Mal publiziert wurde. Oh Moment... zum zweiten Mal publiziert wurde, denn es stand ja im lokalen Unternehmensregister. Diese Shortseller sind einzig und allein an ihrem eigenen Profit durch niedrige Aktienkurse interessiert. D.h., nicht nur, dass die Kurse fallen, sondern möglichst lange unten bleiben und wenn, dann nur gemächlich wieder steigen. Sie haben mit den klassischen Leerverkäufen, die es ja quasi seit Bestehen des Börsenhandels aus nachvollziehbaren Gründen gibt, jedoch nichts zu tun. Damit der Kurs fällt, schauen sie sich in den Veröffentlichungen der Unternehmen um, und ziehen alles in Zweifel und stellen alles negativ dar, was möglich ist. Wirkliche Mängel, Verfehlungen oder falsche Angaben finden sie jedoch nicht, denn die kann es in gesetzestreuen und von integeren Personen geleiteten Unternehmen nur in äußerst seltenen Fällen geben.

Keiner dieser gemeingefährlichen Shortseller deckte z.B. den Abgasbetrug, diverse Kartellabsprachen, Schmiergelder, Produktmängel, Hackerangriffe oder finanzielle Schieflagen auf, die zu Prognoseanpassungen führten. Wie auch? Deutschlands Anforderungen an eine Börsen- und Indexnotierung sowie die regelmäßigen und verschiedenen Zertifizierungen und Prüfungen, die Sorge um ein schlechtes Image, oft auch der Konkurrenzkampf und vieles mehr, sorgen dafür, dass die hiesigen Verhältnisse sich positiv abgrenzen von dem „Wilden Westen“, der in weniger entwickelten Standorten herrscht. Sie finden sicherlich ein eigenes Wort für solch eine Schreib- und damit Verhaltensweise, wie die der Financial Times und ihres Redakteurs Dan McCrums - über eine bereits von Wirecard längst eingeleitete Untersuchung von Buchungsvorgängen in Singapur so zu berichten, dass man im ersten Moment an einen riesen Bilanzskandal, den sie zu vertuschen versuchen, denken muss – so dass ich dieses Kind nicht selbst beim Namen nennen muss.

Daher gilt: Eine negative, boulevardeske und weitestgehend auf die Eigenrecherche verzichtende Finanzpresse passt hervorragend in die Absicht solch perfider Short-Seller. Und die Presse wiederum mag negative Berichte, mag Exklusivstories sowie den Gedanken an renommierte Journalistenpreise. Win-Win, könnte man sagen; jedoch handelt es sich um einen Selbstbetrug, wie man ihn von Verschwörungstheorien und selbst erfüllenden Prophezeiungen her kennt.

Ein Beispiel: Jemanden solange medial in die Pfanne hauen, bis er endlich nachgibt, einen Kommunikationschef einstellt und einen Vorstand für Vertrieb/Marketing einsetzt, der dann das Marketingbudget erhöht. Wie gesagt, dies ist nur ein Beispiel! Für den eigentlichen Unternehmenserfolg wären diese Positionen natürlich entbehrlich, wie das Zahlenwerk, die Neukundenabschlüsse und das Investoreninteresse an Wirecard, u.a. von Softbank und DWS, belegen. Dass Kurs und Fundamentaldaten eine Zeit lang voneinander losgelöst verlaufen, ist ja normal. Und dass die Wirecard-Aktie einen wahren Run in 2017 und 2018 hinlegte, ist für DAX-Neulinge und vor allem durch das Covern hoher Short-Positionen wie im Anschluss an Zatarra ebenfalls völlig normal.

Journalisten und die eigene Filterblase

Normal scheint es leider auch zu sein, dass sich Journalisten bewusst oder unbewusst eine Filterblase kreieren, indem sie

  • nicht nach ergänzenden Aspekten suchen bzw., wenn diese bekannt sind, ignorieren oder verschweigen,
  • ihre These(n) ständig wiederholen, selbst wenn sie widerlegt sind,
  • verkürzen, vereinfachen, übertreiben, ausweichen und unter Bezugnahme des Konjunktivs Andeutungen, Halbwahrheiten und Bedenken vortragen,
  • Bestätigung einholen, z.B. durch Umfragen oder Expertenmeinungen (zur Erinnerung: Experte ist ein sehr dehnbarer Begriff),
  • unkonkret bleiben, z.B. lieber weiterhin im Allgemeinen von Vorwürfen schreiben, statt diese konkret zu benennen,
  • ein Thema nicht zu Ende begleiten und Rezipienten bei der Frage „was wurde eigentlich aus...?“ allein lassen,
  • sowie stark miteinander und untereinander vernetzt sind, so dass ein- und derselbe Inhalt mehrfach verwertet wird.

In diesem Zusammenhang möchte ich betonen, dass ich nicht davon ausgehe, dass die Short-Seller die Journalisten deutscher Medien korrumpiert haben. Da spricht zu vieles dagegen, angefangen bei ihrer Berichterstattung. Sondern es ist der Zustand der Medienbranche, den ich im obigen Absatz schon ansprach und unten weiter ausführe, der zu diesem sich selbst verstärkenden und selbst referenziellen Wirecard-Bashing seit knapp einem Jahr führt.

Geht es (nur) ums Geld?

In einem Aktienforum las ich einen Eintrag, der sich mit der finanziellen Situation des Handelsblattes bzw. dessen Verlagsholding, der Dieter von Holtzbrinck Medien GmbH (DvH Medien), befasste. Anders als in diesem Post angegeben, reduzierte sich die Kapitalrücklage von einst 300 Mio. Euro aufgrund einer buchhalterischen Bewertungsanpassung auf circa 170 Mio. Euro. An der grundsätzlichen Verlustträchtigkeit der DvH Medien ändert dies aber nichts. In keinem Jahr seit Bestehen 2009 erwirtschaftete die DvH Medien einen Jahresüberschuss. Wo genau sich die Verluste ansammeln, ist mir nicht ersichtlich, da die Tochtergesellschaften der DvH Medien von der Veröffentlichung ihrer eigenen Jahresabschlüsse befreit sind. Da die Handelsblatt Media Group (zu der auch die Wirtschaftswoche gehört) mit all ihren Tochtergesellschaften (sog. VHB Teilkonzern) den wohl größten Anteil im Firmenportfolio der DvH Medien ausmacht, liegt die Vermutung nahe, dass sie auch für die größten Verluste sorgt. Ich halte dies zumindest für wahrscheinlicher, als der umgekehrte Fall, dass die Handelsblatt-Gruppe alleine profitabel sei, sie aber die Zeit-Gruppe, den Tagesspiegel und z.B. die Potsdamer Zeitungsverlagsgesellschaft und viele weitere Tochterfirmen querzusubventionieren habe. Darüber, wie ertragreich ihr teilweiser Ausstieg aus der Wikifolio-Betreibergesellschaft war, kann ich ebenfalls nur Vermutungen anstelle. So weit ich mich entsinne, gehörte die VHB bzw. DvH Ventures damals zu den Frühinvestoren und hält auch weiterhin noch einen Minderheitsanteil.

Kurzum: Ich glaube kaum, dass die Handelsblatt-Gruppe mit ihrer momentanen Art wirtschaftlich erfolgreich ist. Ich glaube zudem, dass sie ohne den Status als Börsenpflichtblatt und ihren Firmenkunden bereits insolvent wäre. Dies ist eine These meinerseits, die ich nur allzu gerne widersprochen wüsste, und die man mir bitte nicht falsch auslegt. Denn ich erachte eine schlechte wirtschaftliche Situation als Auslöser für Boulevardismus und diesen wiederum als Beschleuniger schlechter wirtschaftlicher Zustände. Zumindest, wenn man von der seriösen Seite her kommt, statt schon immer boulevardesk gewesen zu sein.

Mit Blick in den Bundesanzeiger zeigt sich übrigens auch ein anderes Bild; und zwar jenes, dass man trotz aller schlechten Rahmenbedingungen auch als Medienunternehmen Gewinne erwirtschaften kann. Der Spiegel-Verlag, zu dem das Manager-Magazin und das Harvard Business Manager-Magazin gehören, sowie die FAZ, die von einer Stiftung getragen wird, beweisen es.

Im Bundesanzeiger findet sich übrigens auch der Hinweis, dass der Mietvertrag des Spiegel-Verlags am 30.8.2026 auslaufen wird und bislang noch nicht verlängert wurde. Würde ich nun die medialen Gepflogenheiten beherzigen, wie sie weitgehend Usus sind, müsste ich schreiben: „Den Spiegel-Redakteuren droht die Obdachlosigkeit. Außenstehende Experten sagen, es wäre wünschenswert, das dies vom Spiegel-Verlag selbst stärker in die Öffentlichkeit getragen worden wäre. Insbesondere vor dem Hintergrund des Wärme- und Sitzbedürfnis’ der Redakteure sei es unverantwortlich, nicht schon jetzt den Mietvertrag verlängert zu haben. Die Glaubwürdigkeit der Verlagsgeschäftsführung sei schwer erschüttert. Wer weiß, welche Mietverträge in guten sechs Jahren ebenfalls noch auslaufen werden? Die Geschäftsführung muss sich in Sachen Facility Management dringend besser aufstellen. Jedes Start-up kann das besser.“

Apropos Start-up: Ich erachte die Medienbranche in finanzieller Hinsicht vergleichbar mit der Gründerszene. Vereinzelt gibt es profitable und respektable Medienhäuser, aber das Gros kämpft mehr oder weniger ums Überleben, von der auch die rege In- und Devestmentaktivität zeugt: Es wird sich an zahlreichen Start-ups beteiligt, manchmal auch in Gänze gekauft und regelmäßig weiterverkauft, jeweils getrieben von der Hoffnung auf finanzielle Besserung. Entweder durch den Zukauf von Umsatz und idealerweise auch Gewinn, durch Veräußerungsgewinne oder durch die Beendigung von Verlustgeschäften. Schauen Sie sich den Werdegang von z.B. Gamigo, The European oder Wikifolio, die Transformationen von Axel Springer und Pro7Sat1 zu Gemischtwarenläden oder die Portfolios von DvH Ventures, HV Ventures und z.B. Ippen Digital an. Ich erwähne dies völlig neutral. Interessanterweise beschränken sich die oben erwähnten Verlage des Spiegels und der FAZ auf ihre rein journalistische Tätigkeit. Auch dies erwähne ich völlig wertfrei. 

Auch gab es in den zurückliegenden Jahren zahlreiche Start-ups, die für journalistisch tätige Personen, also auch für Blogger, Einnahmen generieren wollten abseits von Werbeerlösen. Von Erfolg gekrönt waren diese Start-ups nicht, insbesondere weil es eine Zeit gab, in der sämtliche Versuche, Geld für die diversen Medieninhalte zu verlangen, zum Scheitern verurteilt waren. Seien es Streamingdienste, Digitalkioske oder IPTV-Plattformen. Dies ändert sich glücklicherweise allmählich. Im Bundesanzeiger geben die Verlage vereinzelt Aufschluss darüber, wie ihre Digitalangebote angenommen werden. Ich persönlich kann nur hoffen, dass es noch besser wird. 

Denn ich bin für eine Positivauslese und das Mittel dazu ist Geld. Denn mit unserem Geld haben wir die Macht, die Spreu vom Weizen zu trennen.

(Finanzielle) Anerkennung fördert auch die Qualität

Es gibt den schönen Spruch „Vom Danke sagen hat man nichts.“ Und ich möchte ergänzen: „Vom Geld geben hat man noch mehr“. Es ist zwar richtig, Medienschaffende für gute Arbeit zu loben; ihnen aber auch Geld zu geben, wäre noch besser. Denn kein Lob kann die Kosten für die Domain, die Serverkapazitäten, das Content Management System, die Zugänge zu Datenbanken wie z.B. von Bloomberg oder Ebsco, die Büromiete, die diversen Softwarelizenzen, ja, noch nicht einmal den Notizblock, den Kulli und die Kaffeetasse bezahlen.

Unterstützen Sie bitte die Publikationen, die Ihnen etwas wert sind. Sei es durch den Kauf des Print-Exemplars, oder durch Premium-Mitgliedschaften, einer Jahresgebühr wie bei Krautreporter oder „Spenden“, wie bei Tichys Einblick und der TAZ. Jeder, der die Kostenlos-Mentalität beherzigt, ist ein Mittäter des Copy & Paste-Zustands der Medien, als dessen Opfer er sich ja sieht. Bitte bedenken Sie auch, dass so, wie es für Konsumartikelhersteller am günstigsten ist, wenn jeder mit dem gleichen Auto fährt, die gleiche Jacke trägt und das gleiche Fertighaus baut, sich auch im Medienbereich am meisten sparen lässt, wenn man Redaktionen zusammenschließt und jeder denselben Mantelteil, idealerweise, immer und überall das gleiche liest. Das spart Zeit, Aufwand, Geld.

Doch nichts läuft Ihrem und meinem Informationsbedürfnis so diametral entgegen, wie der Einheitsbrei aus Agentur-Meldungen, Zentralredaktionen und Redaktionsnetzwerken. Dies ist, ich betone, auch gültig im Fall einer Positiv-Berichterstattung. Copy & Paste bedeutet nämlich leider auch, dass zumeist immer in eine bestimmte Stimmungsrichtung veröffentlicht wird und ein auf Repeat eingestelltes himmelhochjauchzendes Loblied auf Wirecard sollte es ebenfalls nicht geben. Nichts ist schlimmer, als übertriebene Unausgewogenheit.

Es ist nämlich auch ein Selbstbetrug, diesmal auf Seiten der Rezipienten und Internetznutzer, hauptberuflichen Journalisten den Lohn zu versagen, um dann selbst als notwendiges Korrektiv journalistisch tätig zu sein – und zwar ebenfalls unter schlechten finanziellen Bedingungen. Lassen Sie sich trotz der Masse an Börsenbrief-Verfasser, Buchautoren, Bloggern und Youtubern nicht blenden; sonderlich ertragreich ist deren Engagement nicht.

Glücklicherweise, möchte ich hinzufügen, da es sich zumeist um wenig hilfreiche 08/15-Einschätzungen und auf Affiliate-Links und auf Derivatscheine hin optimierte Artikel handelt. Natürlich gibt es noch andere Gründe, selbst publizistisch tätig zu sein - schon allein, weil auch hauptberufliche Redakteure sich nicht jedem Thema und dann noch in vollständiger Tiefe und Breite widmen können - aber wurde das Geld, das den Medien verloren ging tatsächlich auf all die Macher User-generated Contents umverteilt? Eindeutig nicht! Ist es nicht auch so, dass viele Blogger und Youtuber ihren Enthusiasmus verlieren, da sich ihr Aufwand weder in Reichweite, Aufmerksamkeit, Lob oder Geld rechnet? Beziehungsweise, dass sie die Balance zwischen ihrem Hauptberuf, ihrem Privatleben und ihrem Blog nicht halten können? So etwas wie dieser Blog, intelligent-investieren.net, ist eher selten. Von seiner bisherigen Lebensdauer, seinem Inhalt, seinem Bekanntheitsgrad und vom Engagement und der Disziplin seines Autors her.

Es ist daher meiner Meinung nach dringend erforderlich, sowohl für die hauptberuflichen Redakteure, als auch für publizistisch tätige Privatpersonen im Nebenberuf, dass guter Inhalt etwas kosten darf.

Denselben Betrag, den Spotify-Premium kostet, kann man doch wohl auch für News ausgeben. Netflix und Amazon Prime, schön und gut, aber reich und gebildet wird man dadurch nicht unbedingt. Durch so manche Aktienanalyse aber schon. 1,15 Euro pro Woche, also 60 Euro im Jahr ist doch für eine Jahresgebühr oder eine Spende nicht zu viel. Da gibt man mehr Trinkgeld aus, wenn man ab und zu in Cafés und Kneipen geht. Und haben Sie schon mal einem Kellner das Trinkgeld verweigert, selbst bei anständiger Arbeit? Bei Journalisten tun Sie dies aber regelmäßig! Sie müssen ja keine dutzende News-Portale unterstützen, sondern nur eins, zwei oder drei. Ich, als Medienkonsument und als Börsenanleger, wünsche mir nichts sehnlicher, als informativem Mehrwert. Dafür zahle ich auch gerne einen Preis. Denn unter prekären Arbeitsbedingungen lässt sich nunmal schlecht etwas Gutes herstellen. Probieren Sie Paid-Content wenigstens einmal aus, schließlich sollte man alles im Leben einmal gemacht haben. Da die Abos meistens monatlich kündbar sind, riskieren Sie auch wenig. Testen Sie einen Monat, ob die Premiumartikel wirklich ihr Geld wert sind. Dann sehen Sie weiter.

Oder wollen Sie etwa den jetzigen beklagenswerten Zustand beibehalten? Wäre es nicht schön, wenn das Manager-Magazin seinen Jahresüberschuss in 2017 aufgrund von Umsatzsteigerungen, statt aufgrund von Einsparungen und „niedrigerer redaktioneller Honorare“ erzielt hätte? Man wird es an den noch zu veröffentlichen Zahlen für 2018 und 2019 sehen können, ob das Manager-Magazin seinen Umsatz durch Effekthascherei und Boulevardismus steigern konnte. Ich hoffe nicht, denn dann gäbe es einen weiteren Grund dafür, dass das Manager-Magazin ruhig mal den umgekehrten Weg probieren sollte. Des Weiteren beherzigen die hier genannten Verlagshäuser, sofern sie denn profitabel waren, eine Ausschüttungspolitik, wie sie die wenigsten Börsenfirmen selbst in guten Zeiten beherzigen, nämlich: den Jahresüberschuss zum überwiegenden Teil, mitunter in Gänze, auszuschütten. Nichts mit Gewinnthesaurierung! Und auch die Mitarbeiter verdienen über gewinnabhängige Bezüge mit, nicht nur die Eigentümer. An welchen genauen Renditezielen und sonstigen Zielen sich die variablen Gehaltsbestandteile messen, entzieht sich meiner Kenntnis.

Was sich sicherlich keiner wünscht, sind Zustände wie auf den verschiedenen Börsenportalen. Wer diese Communities ohne Adblocker betritt, ist direkt mit bis zu 10 Werbeeinblendungen pro Seite konfrontiert. Noch deutlicher als dort, dass Sie als User Ware und nicht Kunde sind, erfahren Sie diese Tatsache nirgends. Oder möchten Sie vielleicht als weitere Option weitere Zwangsabgaben leisten? Ich bin zwar ein Verfechter des öffentlich-rechtlichen TVs, da die privaten Sender meinem Informationsanspruch nicht genügen, aber eine sonderliche Freude ist es mir nicht, an immer mehr Ecken, wenn auch indirekt, zwangsweise einen Obolus zu entrichten, wie z.B. durch die 645-Mio. Euro-Subvention für Zeitungsverlage (https://www.tichyseinblick.de/tichys-einblick/groko-will-zeitungsverleger-finanziell-massiv-unterstuetzen/).

Wir sind uns doch wohl alle einig, dass uns auch die Lesedauer, die vielen Artikeln vorangestellt wird, z.B. bei der Welt, völlig egal ist, sofern der Erkenntnisgewinn des Artikels hoch wäre. Qualität sticht wie überall sonst auch die Quantität. Sollten Verlagsverantwortliche dies hier lesen, dürfen sie sich ermuntert fühlen, von vielen, kurzen Meldungen Abstand zu nehmen und stattdessen längere Artikel mit tatsächlichem Neuigkeitswert anzubieten. Dies geht vor allem an die Börsenpresse.

Und es ist ja nicht so, dass sich niemand für Wirtschaft, Finanzen und die Börse interessieren würde. Es wäre einen eigenen Essay wert, daher zum Abschluss nur die Hinweise darauf, dass das geringe Wirtschafts- Finanzverständnis in der Gesellschaft noch genügend Raum für informative Publikationen hergibt. Zudem braucht die deutsche Gesellschaft ihrer selbst wegen eine ausgeprägtere Aktienkultur und muss mehr Shareholder-Value wagen, weil sich meiner Meinung nach insbesondere Immobilien und Versicherungsprodukte überlebt haben, so dass gerade der Wirtschafts- und Börsenjournalismus potentialreich erscheinen.

Lange Rede, kurzer Sinn

Erstens ist das Unternehmen Wirecard bei weitem nicht so schlecht, wie es gemacht wird. Und zweitens machen Sie sich die Medien am ehesten für Sie vorteilhaft, wenn diese von Ihnen auch am ehesten profitieren.

Ihr Stephan Gemke

P.S.: Ja, ich weiß, dass dieses Essay ebenfalls als konstruktiver Journalismus verstanden werden kann. Jedoch mit der Einschränkung, dass ich für eine Abkehr boulevardesker Unternehmensberichterstattung und für Bezahlinhalte in deutlich sachlicher, berechtigter und plausibler Weise schreibe. ;-)


Disclaimer
Der Blogbetreiber Michael C. Kissig ist regelmäßiger Konsument/Abonnent/Kunde von Amazon, Amazon Prime, ariva.de, finanzen.net, finanznachrichten.de, finanz-szene.de, Handelsblatt, Manager Magazin, Nebenwerte Journal, Nebenwerte-Magazin, wallstreet-online.de.

Kommentare:

  1. Lieber Herr Gemke,

    ein furioser, gut geschriebener Artikel, auch wenn ich nicht in allen Punkten zustimme. Der Artikel hätte ein gutes Dutzend Zwischenüberschriften vertragen können, um ihn besser am Bildschirm lesbar zu machen.

    Im Übrigen vielen Dank, auch an den Gastgeber. Beiträge wie dieser belegen die hohe Qualität des Blogs und bestätigen mich darin, immer wieder herzukommen.

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  2. Wow, das ist eine tolle Analyse!
    Sehr geehrter Herr Gemke,
    der Artikel ist super recherchiert und verständlich geschrieben.
    Teil 1 fand ich schon sehr gut. Ich hoffe, das möglichst viel Journalisten diese Beiträge lesen!

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  3. Ich fande schon den ersten Artikel von ihm interessant und lesenwert, leider ist dieser neue ein wenig langatmig. Inhaltlich sehe ich die Schreiberlinge wie Holtermann als Handlanger von Tricksern und Betrügern, die an Rande der Legalität fischen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Journalist, also Akademiker, so dumm ist und nicht weiß, was er da fabriziert: nämlich Müll für den Papierkorb, der allerdings kontaminiert ist und Nebenwirkungen hervorruft. Die Nebenwirkung ist, Schaden an Wirecard als Unternehmen und an seiner Bewertung hervorzurufen. In dieser moralisch ingsgesamt doch versauten Welt ist ja fast alles möglich und man kann kaum was ausschließen, wenn man sich Gedanken über die Hindergründe (und Hintermänner) solcher Attacken macht. Ist es nur der Versuch von einigen, mittels computergesteuerter Programme Börsengewinne abzuschöpfen oder steckt der US-Geheimdienst dahinter, der ein deutsches Unternehmen zerlegen will, weil ein Präsident mal eben was vorgegeben hat? Oder ist es Putin, oder, oder, oder??????? Schnell kann man Verschwörungstheorien entwickeln, aber eines ist klar: der Kleinanleger kann sich vor solchen Machenschaften, wie auch shortattaken aufgrund von Falschmeldungen (siehe Aurelius) kaum schützen. Geld bestimmt die Welt!

    Michael möchte ich Anerkennung zollen, daß er solche Beiträge findet und kommuniziert

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  4. Value Leser29.11.19, 18:49

    Trifft übrigens auch auf Corestate zu. Das S-Dax-Unternehmen liefert und liefert und liefert... und wird mit Hilfe von Sensationsartikeln geshortet.

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  5. Endlich mal jemand der es ausspricht und gut analysiert !

    Danke !

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  6. "das Softbank dort demnächst ebenfalls präsent sein wird, kann ich nur als weiteren Beleg für eine gute Unternehmensführung empfinden."
    Oh je... WeWork anyone?

    Ich würde gerne den Disclaimer vom Gastautor lesen. In welchem Zusammenhang stehen Sie zu Wirecard? Werden sie von Wirecard bezaht?

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  7. Zu 48n: Schon die Fragestellung an sich und dann noch die Tonart sprechen für eine absolut in die Hose gegangene Kinderstube, deshalb verbleibt aus meiner Sicht als einzige Konsequenz für diesen Nichtbeitrag, ab auf die Schrotthalde des schlechten Stils, ohne jeglichen weiteren Kommentar für diese Frechheit.

    Harrald

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    1. Zu Harald,
      Wenn Sie dieser Kommentar schon so aufbringt, rate ich Ihnen vom Direktinvestment in Aktien ab

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  8. Meine Güte, dieser Artikel ist ein jämmerliches, langatmiges Geschwurbel. Das hier auf ihrer Seite zu publizieren, ist weit unter ihrem Niveau, Herr Kissig. Ich habe nicht die Zeit, mich mit allem auseinanderzusetzen, was der Autor an Unsinn geschrieben hat. Herrn Holtermann einen schlechten Artikel zuzuschreiben, ist die eine Sache, ihm aber Vorsatz zu unterstellen, ist einfach eine ziemlich miese Nummer. Ich würde mir das ja nicht gefallen lassen, aber nun gut, das muss Herr H. selber wissen. Die übliche Masche, allen Shortsellern hier unlautere Motive zu unterstellen ist ebenso dämlich. Es werden immer wieder Skandale durch Shortseller aufgedeckt. Enron? Lernout Hauspie? Noch nie gehört?


    Herr Gemke, sind Sie eigentlich Wirecard Aktionär?

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    1. Ja, der Artikel ist langatmig und eher uncool geschrieben. Das kann man besser machen. Zu Ihrer Darstellung von shortsellern: Es gibt auch shortseller, die mit ganz miesen und unlauteren Methoden, besser Lügen, Gewinne erzielen. Ich empfehle immer Offenheit auf zwei Augen!

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    2. Offensichtlich verstehen sie halt nichts. Ich habe nirgends behauptet, dass es keine Shortseller gibt, die unlautere oder fehlerhafte Analysen machen.

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  9. Notgedrungen melde ich mich nochmal und auch letztmalig: Selbstverständlich werde ich nicht von Wirecard bezahlt und ich verweise auch darauf, dass ich im Artikel eine Lobhudelei Wirecards ablehne. Mir geht es um Ausgewogenheit. Diese sehe ich im Aufsichtsrat Wirecard gegeben. Ich empfinde es in der Tat ein Merkmal guter Unternehmensführung, mit dem Aufsichtsrat ein Kontrollorgan aufzubauen, dass gleichfalls Männer und Frauen unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Hintergründe/Kenntnisse berücksichtigt, und, soweit ich weiß, ohne vorheriges Beschäftigungsverhältnis bei Wirecard gewesen zu sein. Und dann noch Vertreter von Softbank, die sogesehen noch kein Großaktionär von Wirecard sind, ebenfalls mit reinzunehmen, kann ich nunmal nur positiv finden. Sie können anderer Meinung sein oder es als Mangel sehen, das bislang kein Vertreter der Arbeitnehmerschaft dort sitzt. Und mir geht es gar nicht mal um Wirecard, sondern um den Zustand der Börsenpresse. Wäre Wirecard momentan nicht so im Fokus und so präsent, hätte ich keine "Fallstudie" gehabt und dieser Teil 2 wäre gar nicht erschienen. Danke für den Hinweis mit Corestate. War mir nicht bewusst. Und ich gebe keine Investitionsempfehlung für oder gegen Wirecard ab. Dieser Artikel ist ebensowenig eine Fundamentanalyse zu Wirecard. Ich analysierte lediglich die Berichterstattung über Wirecard und zum Kriterium "Ausgewogenheit" fällt sie meiner Meinung nach schlecht aus. Woran das liegen könnte, schilderte ich. Überdies verwundert es mich, dass mir nicht vorgeworfen wird, dass ich Geld für mehrere Publikationen forderte. Gemessen an diesem Teil 2 und auch an Teil 1, müsste ich doch eher im Auftrag der Medien agieren, da ja meine Forderung ist, diesen Geld für ihre Arbeit zu geben.

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    1. „Notgedrungen“ melden sie sich „letzmalig“? Wo sind denn ihre ganzen anderen Kommentare, die muss ich wohl übersehen haben. Haben Sie nun Wirecard Aktien oder nicht? Sie schreiben es ginge ihnen um Ausgewogenheit und dann erzählen sie was vom Aufsichtsrat, der echt das geringste Problem von Wirecard ist. Mit ihrer eigenen Ausgewogenheit ist es jedenfalls nicht gut bestellt. Ihr Geschwurbel ist dumm, frech und tendenziös. Ihre Kritik an der Presse anmaßend. Und sie selber sind nicht bereit und WIllens anzuerkennen, dass Wirecard mit absoluter Gewissheit der Lüge überführt ist. Ich darf an die mehreren Razzien in Singapur erinnern, von denen Wirecard behauptete, sie hätten gar nicht stattgefunden. Razzien, bei denen eben offensichtlich genau jene Unterlagen beschlagnahmt wurden, die bei der Erteilung des Testats gefehlt haben! Das heisst nicht, dass Wirecard ein einziges Lügengebäude ist, aber es verdeutlicht, das hier mit der ehrlichen Kommunikation einiges im Argen liegt. Genau das wurde auch vielfach auf der HV kritisiert, an der sie offensichtlich nicht teilgenommen haben. Ich aber schon. Diese Kritik kam nicht von der Presse oder Anwälten oder Shortsellern sondern von durchaus wohlwollenden Aktionären und es wäre ein Leichtes für Herrn Braun gewesen, auf diese Kritik vollständig einzugehen. Ist er aber nicht. Stattdessen hat er vom Blatt von seinem Anwaltsteam im Backoffice vorbereitete Antworten vorgelesen. Erbärmlich! Ich war auf genug HVs um zu wissen, dass es auch anders geht. Wichtige Fragen, wie die nach der Rotation des Abschlussprüfers wurden nicht beantwortet. Vorstand und Aufsichtsrat werden wissen warum. Und solange sich an dieser unaufrichtigen Art der Kommunikation nichts ändert, werden Journalisten weiter im Dreck rumwühlen und ggf. auch fündig werden.

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    2. Diha = typischer Internettroll?!

      Sie zitieren ihn absichtlich verkürzt und irreführend. Gemke schrieb doch klipp und klar, dass es einen Unterschied zwischen Leerverkäufen und Short-Attacken gibt. Und zum AR schrieb er, weil die Presse darüber schrieb und weil ein Kommentator ebenfalls zum AR kommentierte. Und er nutzt Wirecard nur als Beispiel zur besseren, tieferen Veranschaulichung dessen, was er bereits in Teil 1 als "bouelvardesk" beschrieb. Und weil die FT von Razzia sprach, Wirecard aber eine andere Wortwahl benutzte, ist doch Wirecard nicht der Lüge überführt. Die einen benutzen das Stilmittel "Übertreibung", andere "Beschönigung", für ein und denselben Sachverhalt, die Beschlagung von Material. Dies konkretisierte Gemke sogar, und nannte als Möglichkeiten fehlende PCs oder Originalbelege. Er benannte übrigens die Höhe der Korrekturbuchungen. Nur eben als % vom Umsatz, statt in der Höhe von 1,2 Mio. Euro. Und?

      Der Vergleich mit Enron ist daneben. Enron war ein Fall absichtlichen Betruges, der Vertuschung uvm. auch nach der Skandaloffenlegung und auch seitens des damaligen Wirtschaftprüfers. All dies ist bei Wirecard nicht der Fall. Und das war 2001 und in den USA. Seitdem haben sich GEsetze und Regeln verschärft und DE ist nicht die USA.

      Also frech, dumm, jämmerlich und ein Geschwurbel und Unsinn kommt ja wohl von Ihnen, diha.

      Gegenstand dieses Artikels ist der Teufelskreis der Medienwelt und die These, dass Paidcontent daraus führe.

      Wirecard spielt hier keine Rolle, und ich finde es komisch dass bei den anderen Blogeinträgen hier und zwar rein zu Wirecard nichts von Ihnen kommt.

      Was Sie hier machen, ist genau das, was Gemke zu Recht kritisiert: Diffarmierung, Unterstellungen, Verkürzung, und Behauptungen ohne Belege oder nen Link.

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  10. Wenn man ein Unternehmen vorstellt mit Investmentcase, wird einem schnell vorgeworfen, man würde damit unlautere Absichten verfolgen. Weil man ja selbst investiert sei, würde man die Aktie pushen, um den Kurs zu treiben und dann fett abkassieren zu können. Berichtet man hingegen kritisch über ein Unternehmen, wird einem schnell vorgeworfen, man würde aus egoistischen und unmoralischen Gründen, vielleicht auch aus Neid, die Leistung von anderen kaputt machen wollen. Oder einfach nur den Kurs drücken wollen, um selbst günstig einsteigen zu können.

    Beide Vorgänge haben den gleichen roten Faden: die "Kritiker" nehmen sich selten die vorgebrachten Argumente vor, und entkräften diese durch eigene, bessere Argumente und Darlegungen, sondern sie zielen sofort und fast ausschließlich auf die Person ab, sie versuchen seine Motive, seine Reputation, seinen Charakter mit Dreck zu bewerfen, ihn zu diskreditieren, weil das der einfachste Weg ist, ihn und seine Argumente ins Abseits zu stellen.

    Ich empfinde dieses Vorgehen als schäbig und das nicht nur, weil ich ab und zu selbst Adressat solcher Vorgänge bin. Und es macht mich traurig, weil die Debatte über die besseren Argumente, über unterschiedliche Betrachtungsweisen zu den selben Fakten, genau das ist, was uns weiterbringt, uns hilft, Dinge/Sachverhalte besser zu verstehen und daraus dann Lehren zu ziehen.

    Leute, wir alle können das besser, wir alle können besser diskutieren. Wir müssen es nur wollen. Und tun...

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  11. Ihr Gastautor wirft mit Dreck und sie beklagen, dass Kritiker mit Dreck werfen ... lustig.

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  12. Eine gelungene, umfassende Analyse bzw Beschreibung der aktuellen Situation im Gesamtkontext Medien und ihre zunehmend schlechte Qualität am speziellen Fall Wirecard. Es lohnt sich den langen Beitrag zu lesen, auch mehrmals. Gemke Trifft den Nagel auf den Kopf, wie schon bei seinem ersten Gastbeitrag im August 19.
    Dass ausgerechnet das Handelsblatt speziell im Fall Wirecard so steil abgestiegen ist, das ist erschütternd.
    Der Shitstorm, den das Handelsblatt kassiert hat, kassiert das HB zwar auch stellvertretend aber dennoch auch sehr verdient. Es ist nun die Gelegenheit für das Handelsblatt, aber auch andere wie das MM oder die FAZ, Sorgfalt, Sachlichkeit, Ausgewogenheit und journalistische Integrität (die Verpflichtung zur Objektivität und zur möglichst vollständigen, wahrheitsgemäßen Berichterstattung) zurückzukehren. Yellow Press gibt es genug.

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  13. Es macht Freude wenn das eigene Weltbild ins Wanken gerät und eigene Verhaltensweisen in Frage gestellt werden, wie in diesem Artikel. Gerne würde ich dem Blogbetreiber Geld spenden, allerdings bin ich absolut kein Freund von Paypal. Gibt es andere Möglichkeiten um zu spenden?
    Vielen Dank, dass Sie diesen Blog betreiben, die Zeit die Sie hier investieren und das Wissen, das Sie mit uns teilen!

    Grüße

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    1. Vielen Dank für die lobenden Worte.

      Neben PayPal fiele mir jetzt nur eine normale Überweisung aufs Girokonto ein. Falls Sie meine Kontodaten haben möchten, können Sie die unter kontakt@intelligent-investieren.net gerne erfragen (da landet das über PayPal gespendete Geld ja letztlich auch).

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  14. Puh, das war ein langer Artikel. Aber die Punkte, die angesprochen wurden, waren es wert. Vielen Dank dafuer. Ich war bei Wirecard, Aurelius, Stroeer und Corestate selbest betroffen. Bei Corestate habe ich bei dem letzten von Muddy Waters ausgeloesten Sturz aufgestockt.
    Eine wirkliche Loesung sehe ich da allerdings nicht. Ich glaube nicht, dass die Gesetzeslage sich fuer die Short-Attacken aendern wird: zuviel politischer Einfluss, zuviel Kapital, zuviel Lobbying. Zuviel internationales Recht. Man wird als Kleinanleger damit leben muessen, muss beim Journalismus lernen, die Spreu vom Weizen zu trennen - das ist vielleicht das schwierigste. Ich haette des Handelsblatt ehrlich gesagt fuer eine der serioesesten deutschen Publikationen gehalten. Na ja. Dafuer zahlt man ja, und dennoch sind die Punkte gegen Holtermann ueberzeugend vorgebracht. Insofern stimmt es wohl im Prinzip, dass man bereit sein sollte, fuer hochwertige Berichte und Analysen auch zu zahlen, doch ich gestehe, gerade in der Finanzwelt ist es schwer fuer mich, da eine Auswahl zu treffen: sehr viele zerstueckelte Angebote, ein generelles Niveau vorab mitunter sehr schwer abzuschaetzen. Dieser Blog hier ist schon sehr gut, das stimmt.

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    1. Justitia und der Gesetzgeber arbeiten tatsächlich sehr langsam, so dass von hier erstmal wenig Hilfe gegen Shortattacken zu erwarten ist.

      Die Medien aber begreifen durch Gemkes Artikel hoffentlich, dass sie vollständiger berichten müssen, um nicht weiter Spielball und Komplize von perfiden Shortsellern zu werden. Ob sie sich dessen bewusst sind, glaub ich net. Das Handelsblatt mag nicht in Gänze unseriös sein, aber einzelne Autoren eben schon.

      Daher als Tipp: Achte eher auf die Redakteure und Blogger und wie sie schreiben, dann fällt dir die Auswahl, was und von wem du liest, leichter.
      In Gemkes ersten Essay wurden die FAZ, Brandeins und die Zeit und der Spiegel als seriöse bzw. nützliche Medien erwähnt. Ich empfehle auch die Süddeutsche. Hinzukommen noch diverse Fachmedien, zb. Heise für IT oder branchenbezogene Blogs. Wenn dir Realitätsnähe wichtig ist, dann kommt man an Onlineforen nicht herum. Dort schreiben ja Hinz-und-Kunz und aus vielen Einzelbeiträgen ergibt sich ein gutes Gesamtbild, das sehr viele Meinungen und Erfahrungen berücksichtigt.

      Wichtigstes Kriterium, man sieht es an Gemke, ist meiner Meinung nach die Länge. Langatmig/redundant, okay, aber nur wenn ein Artikel lang ist, kann er auch einigermaßen ausgewogen und analytisch sein.

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  15. Innerhalb von wenigen Monaten publizierte das HB sechs Artikel Holtermanns zu unterstellter mangelhafter Transparenz Wirecards. Welch grossartige journalistische Leistung eines 27 jährigen Schmierfinks. Und zunehmend zu Tageszeiten, bei denen größtmöglicher Einfluss auf Börsenkurse erzielt wird. Hilfe, seine investigative Arbeit auf Wichtiges auszudehnen, nimmt er nicht in Anspruch. Und die Redaktion unterstützt diese Manipulation.

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    1. Ich nehme diesen Kommentar mal als Beispiel, meine Anmerkung gilt aber generell: Ich möchte nochmals darum bitten, Beleidigungen und/oder Diffamierungen zu unterlassen. So etwas lösche ich konsequent! Und da es hier keine Editierfunktion für Kommentare gibt, wird dann immer der gesamte Kommentar gelöscht, also auch die sachlichen Passagen und Argumente. Es liegt in eurer Hand, ob ihr das in Kauf nehmen wollt.

      P.S.: Und dann lösche ich natürlich ggf. auch die "Üble Zensur hier"-Kommentare, also bleibt am besten einfach bei den Sachargumenten. Und haltet euch an die weisen Worte Martin Walsers: "Auch Beleidigungen wollen gelernt sein: je freundlicher, desto tiefer trifft's". ツ

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  16. So, habe mir beide Essays durchgelesen und sie sind wirklich top, kann man nicht anders sagen. Was in den Gemke-Artikeln deutlich wurde, wie sehr sich die Medien durch ihre Funktions-/Verhaltensweise in einen Teufelskreis begaben. Sie sorgen für Verdruss, indem sie ihre Quasi-Monopolstellung für Bequemlichkeit ausnutzen. Gelesen und geguckt wird ja immer, da müssen sie sich nicht sonderlich anstrengen. Herr Gemke verdeutlichte dies in Teil 1 mit dem Dschungelcamp. Wenn man nur noch sowas vorgesetzt bekommt, verdummt man und die Leute haben keine Lust mehr oder gewöhnen sich daran, so dass die Medien keine Notwendigkeit sehen, wieder mal informativere, aufwendigere Artikel zu publizieren. Klar, dass dann niemand bereit ist, auch noch Geld dafür zu zahlen. Also müssen sie sich das Geld woanders herholen, von der Werbeindustrie. Und die brauchen wiederum Klicks. Und wie generiert an Klicks? Durch Clickbait. Motleyfool beherrscht das. Oder auch die Zeit. Das ist nur noch eine Ratgeber-Wochenzeitung. Ständig beginnen ihre Titel mit "Warum", "So", "Darum", "Das müssen Sie nun wissen" oder mit irgendwelchen Personalitystories. Die rühmen sich übrigens auch, Essays zu verfassen. Aber so einen informativen Essay, wie hier von Herrn Gemke, bekam ich auf Zeit-Online noch nie zu lesen.

    Einen Kritikpunkt habe ich allerdings. Es wurde verpasst anzugeben, auf welchen Artikel von Herr Holtermann sich bezogen wird. Ein Link oder Titel wäre nett.

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  17. Ein hervorragender Artikel, vielleicht etwas unstrukturiert, aber der Message stimme ich völlig zu. Am Freitag nach 20 Uhr einen Short-Artikel zu Wirecard zu veröffentlichen, geht überhaupt nicht. Ein kapitales Eigentor vom Handelsblatt, bewusste Kursmanipulation im außerbörslichen Handel. Wer die letzten Jahren in Wirecard, Ströer, Aurelius u.a. investiert war oder noch immer ist, konnte es am eigenen Leib erfahren, wie durch letzendlich falsche und sustanzlose Short-Reports Geld von den Privatanlegern zu den dubiosen Short-Artikelschreibern samt Hintermännern geflossen ist. Passiert ist keinem was. Den Schaden samt Imageverlust tragen die Firmen und die Anleger. Für unwahre Berichterstattung, bewusste Falschauslegung von Fakten und Verbreitung von Vermutungen gibt es in Deutschland ... nein, keine Strafen ... sondern fette Konten und keine Konsequenzen. Kein Wunder, dass der deutsche Geldanleger das Chance-Risikoprofil von Aktien völlig falsch einschätzt, wenn immer wieder Unternehmen ans Messer geliefert werden, die sich nichts zu Schulden haben kommen lassen. Das eine Wirtschaftszeitung wie die FT nach zahlreichen derartigen Berichten über Wirecard, wo ja eigentlich mal alles gesagt und geschrieben sein müsste, nicht aufhört, McCrum eine Plattform zu bieten, obwohl noch immer nichts außer wenigen erfolgsneutralen Fehlbuchungen rausgekommen ist, kann ich nicht verstehen. Was bleibt bitte von den Vorwürfen an Ströer und Aurelius? Absolut nichts. Vielleicht gerettete Arbeitsplätze in Unternehmen, die von Aurelius erfolgreich saniert wurden wie Berentzen.

    Nochmal großen Dank an den Autor und Herrn Kissig für die Veröffentlichung.

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  18. Ich möchte mich beim Autor für den sehr guten Artikel bedanken. Es ist unglaublich, welche Hexenjagd gegen Wirecard läuft.
    Für die Anfeindungen einiger Mitmenschen, kann man sich nur schämen. Egal ob man für oder gegen Wirecard ist, sollte man doch seine Kinderstube nicht vergessen.

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  19. Michael Wiemer04.12.19, 20:48

    Interessanter Artikel. Nachdenkenswert. Knüpft an den Sommer Artikel hier auf dem Blog an. Lesenswerter Text von Stephan Gemke. Danke dafür.

    Ein paar Anmerkungen von mir.

    Zum Handelsblatt ist eigentlich alles gesagt.

    Gibt es fernab von effektheischenden Headlines, kurzen Info-Häppchen mit wenig Nährwert oder versteckten Werbebotschaften auch Lichtblicke in der deutschen Börsen-Medienlandschaft? Wenn man sich auf die Suche macht fernab des Mainstreams, wird man fündig.

    Es gibt ihn durchaus, den seriösen, soliden, gut recherchierten Finanzjournalismus. Michael C. Kissig ist ein Beispiel. Zu Recht Gewinner des valueDACH Value Investing Blogpreis 2018 mit Platz 1 in den Kategorien Publikumsabstimmung und Juryentscheidung.

    Auch Vollzeit-Investor Stefan Waldhauser leistet finanzpublizistische erstklassige Arbeit. Oder Tim Schäfer. Ihm ist es gelungen auf seinem Blog zu Themen wie Sparen und Buy and hold den Content immer wieder gut aufzubereiten und sich über Jahre eine treue Community zu erarbeiten. Oder Gereon Kruse mit den stets lesenswerten Texten auf Börsengeflüster über deutsche Nebenwerte. Oder die echtgeld.tv Youtube Auftritte mit Christian W. Röhl und Tobias Kramer. Oder die Arbeit von Dr. Felix Johnson.

    Das wird in den nächsten Jahren weiter wachsen. Die Leserschar wird größer werden. Davon bin ich hundertprozentig überzeugt. Das Monetarisierungsmodell von Blogs ist natürlich ein Thema. Ein Dauerthema. Kann mich noch an Diskussionen vor 15 Jahren auf Blogs im deutschsprachigen Raum erinnern. Gelöst ist das Thema bei vielen nicht. Denkbar sind sicherlich Club Mitgliedschaften. Oder das packen der digitalen Inhalte in gut gemachte Printbücher. Ein Best of des jeweiligen Jahres. Oder eine digitale Content-Bibliothek mit entsprechender Vermarktungsstrategie. Das fällt mir jetzt spontan ein.

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  20. Bestätigend zu diesem wirklich lesenswerten Essay, schreibt heute die SZ mit gleich mehreren ihrer (freien?) Redakteure ein Pamphlet gegen die BaFin und beschwören die Gefahr der Pressefreiheit, weil die BaFin und die Münchner Staatswanwalt gegen die FT ermitteln. Mehr übertreiben kann man ja nicht. Wenn sich der Verdacht auf Marktmanipulation nicht erhärtet/bestätigt, dann ist doch auch gut. Vor allem ist dann auch an dieser Front ruh, und es gibt keinen Argwohn mehr ggü. der FT und anderen Medien. Überall sonst, z.B. in Altenheimen, ist man froh, wenn es regelmäßige Kontrollen und Überprüfungen auf Fehlverhalten gibt. Aber bei der Presse soll das kontraproduktiv sein? Hahaha. Aber wenigstens ermitteln wird man ja wohl noch dürfen, schließlich ist es die FT, die in äußerst fragwürdiger Weise und mit mehr Konjunktiven, als ein Grammatikbuch, lauter Verdachtsmomente gegen Wirecard erhebt. Würde die FT keine Konjunktivformen benutzen, sondern glasklare Fakten auf den Tisch legen, dann gäbe es erst gar nicht den Verdacht auf Marktmanipulation, sondern Journalistenpreise en masse. Zu Recht! Man kann Herrn Gemke gar nicht genug loben, auf so profunde Weise gegen den Boulevardjournalismus zu wettern. Ich wünschte, die Verlage und Börsenbriefverfasser würden seine Anregungen, gerade aus dem ersten Teil des Essays vom Sommer, beherzigen und Schluss machen mit hätte, könnte, müsste, würde.

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