Mittwoch, 6. November 2019

Showdown bei Wirecard? Bläst Goldman Sachs jetzt zum Angriff auf die Shortseller?

Schon mehrmals gab es in den letzten Jahren Shortattacken gegen den deutschen Zahlungsabwickler Wirecard, die von negativen "Enthüllungsberichten" der Financial Times los getreten und von Shortsellern dankend aufgegriffen wurden. Es stehen sogar Anschuldigungen im Raum, Shortseller hätte vor der Veröffentlichung weiterer FT-Artikel von diesen Kenntnis erhalten - die Anschuldigungen, Enthüllungen, Vorwürfe in beide Richtungen sind bisher weitgehend unbelegt geblieben.

Nun weist der DAX-Konzern eine signifikante Short-Quote von inzwischen 15,8% aller Aktien auf und nicht wenige der Meldungen erfolgten nach dem jüngsten Kurseinbruch - und das ist ja nur so zu interpretieren, dass die Shortseller auf unterhalb von €120 weiteres signifikantes Abwärtspotenzial sehen. Die Analysten sind überwiegend positiv gestimmt mit Kurszielen deutlich über dem aktuellen Kurs. Baader und Goldman Sachs stechen hier mit Kurszielen von €230 deutlich bullish heraus und gerade Goldman ist jetzt hervorzuheben, denn die lassen den Worten auch Taten folgen. Und das möglicherweise mit ernsten Folgen - für die Shorties...


Heute morgen hat Wirecard seine Jahresprognosen bestätigt, nachdem das Unternehmen sehr starke Zahlen zum bisherigen Geschäftsverlauf vorlegen konnte.

Im dritten Quartal legte das EBITDA (Betriebsgewinn) um 43% auf €211,1 Mio. zu und der Gewinn betrug €149,2 Mio. bzw. 57,2% mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Umsatz stieg um 37% auf €731,5 Mio. Im Geschäftsjahr 2019 soll der Betriebsgewinn weiterhin zwischen €765 Mio. und €815 Mio. landen und 2020 soll das Ergebnis vor Zinsen und Steuern  (EBIT) auf €1,0 Mrd. bis €1,12 Mrd. anwachsen.

In den letzten Tagen und Wochen vermeldete Wirecard zahlreiche aussichtsreiche Kooperationen, zuletzt auch in China, und das spricht dafür, das Wirecard seine ehrgeizigen mittelfristigen Wachstumsziele auch erreichen wird.

Dem stehen die Anschuldigungen der Financial Times entgegen, die zwar bisher weitgehend unbewiesen sind und nur einen relativ geringen Teil von Wirecards Geschäften betreffen, aber alleine die Tatsache, dass es eine renommierte Zeitung gibt, die immer wieder solche "investigativen Negativberichte" veröffentlicht, drückt das Sentiment für die Aktie. Zumal Wirecard bisher ziemlich stümperhaft mit mit den Enthüllungen umgegangen ist, was die Zweifel am Unternehmen und seiner Führung zusätzlich befeuert. Strukturveränderungen und auch personelle Auffrischungen sind hier angezeigt und ein hoffentlich (auf)klärender Bericht der nun beauftragten Sonderprüfer - wobei schon heute klar ist, dass es nach dessen Vorlage dennoch weiterhin offene Fragen geben wird, wirkliche oder nur vermeintliche.

Eigentlich also eine aussichtsreiche Spielwiese für Shortseller, aber nun könnte es für sie gefährlich werden. Denn Goldman Sachs hat nicht nur heute das Kursziel von €230 bestätigt, sondern es gab auch eine Stimmrechtsmitteilung, in der Goldman Sachs erklärte, seine Stimmrechtsanteile mehr als verdoppelt zu haben und nun über 8,04% nach bisher 3,28% zu verfügen.

Dabei hat Goldman seinen Bestand an Aktien von 0,24% auf 0,07% reduziert, aber über Finanzinstrumente massiv aufgestockt (das können Optionen sein, aber auch Swaps, CFDs o.ä.).

Wirecard (Quelle: wallstreet-online.de)
Die Bedeutung ist klar: Goldman Sachs setzt massiv auf Wirecard und sichert/blockiert einen beträchtlichen Teil des Streubesitzes. Die Shortseller, hierzulande Leerverkäufer genannt, haben sich für ihre Spekulation hingegen Wirecard-Aktien geliehen und diese dann am Markt verkauft, um sie nach einem erhofften Kurseinbruch günstiger wieder zurück zu kaufen. Wenn nun aber weniger Aktien am Markt verfügbar sind, engt das ihre Möglichkeiten ein. Da ihre Leihgeschäfte ein Ablaufdatum haben, müssen sie sich irgendwann mit Aktien eindecken und diese zurückgeben. Sofern dann keine/kaum Aktien am Markt zu bekommen sind, führt die ggf. zu einer sog. Short-Squeeze, bei die Leerverkäufer unlimitiert jede Aktie kaufen müssen, die überhaupt zu bekommen ist. Was mit dramatisch steigenden Aktienkursen einhergeht, da viel Nachfrage auch wenig Angebot prallt. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Shorties sich verzockt haben und "gegrillt" werden könnten, steigt jedenfalls mit Goldmans Engagement. Und dieses ist auch ein starkes Signal dafür, dass man es bei Goldman Sachs mit dem ausgerufenen Kursziel von €230 und der Kauf-Empfehlung wirklich ernst meint.

Wirecard bleibt auf absehbare Zeit ein Spielball für Zocker, die den Kurs mal in die eine oder die andere Richtung schnellen lassen können. Ungeachtet dessen "fliegt" die Wirecard-Story weiterhin und das Unternehmen liefert operativ ab. Die Aktie bleibt daher aus meiner Sicht aussichtsreich, wenngleich ich sie nicht (mehr) überdurchschnittlich hoch gewichten würde, sondern lediglich als Beimischung im Payment-Sektor. Eben wegen der möglichen weiteren Short-Attacken und der hieraus resultierenden hohen Emotionalität und Volatilität in der Aktie.

Disclaimer
Wirecard befindet sich auf meiner Beobachtungsliste und in meinem Depot.

Kommentare:

  1. Lächerlich diese Analyse, Michael. Weil GS von 3 % auf 8% Stimmrechtsanteil erhöht hat (mittels Optionen, etc) und gleichzeitig ihren Bestand verringert hat, "sichert/blockiert einen beträchtlichen Teil des Streubesitzes"?
    Ich glaube, High growth Technologieinvestments sind Deine Sache nicht. Die sind nun mal volatil, haste ja auch bei Arista gesehen;

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    1. Und wieder gehen die Emotionen sofort hoch und die Kommentare greifen Michael an.
      Das ist ein auffallendes Muster.

      Das geschieht nach meiner Beurteilung jedes mal, wenn Michael hier einen Beitrag zu Wirecard postet.

      Lasst Michael doch seine Meinung kundtun und solltet ihr anderer Meinung sein, belegt es bitte mit Fakten oder spart euch die Kommentare.

      Schöne Grüße
      Jürgen

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    2. Ich habe doch eine scharfkantige, zugespitzte und begründete Analyse gegeben.
      GS erhöht seinen Stimmrechtsanteil von 3 % auf 8% und Michael schreibt GS "sichert/blockiert einen beträchtlichen Teil des Streubesitzes". Da passt doch etwas nicht - Herr Braun hat etwas unter 10% Anteile, DWS auch, in Summe kommen die 3 geschätzt auf unter 25%, der Rest ist Streubesitz. Ob der Streubesitz nun 75% ist oder 75%-GS Anteil spielt doch überhaupt keine "BETRÄCHTLICHE" Rolle.

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    3. und zur Volatilität von High-Growth Aktien. Selbst Apple (!) oder Facebook (das sind beides Riesen im Vergleich zu Wirecard) haben eine vergleichsweise hohe Volatilität, guck Dir den Kurs an, zB bei Facebook Spitzen von 180$ zu 120$ innerhalb eines halben Jahres.

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  2. Spitzenmäßiger Kommentar, Laura. Du hast absolut keine Ahnung was da läuft.

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  3. Liebe Laura,
    wie wäre es deine eigene Kompetenz durch stichhaltige Argumente der öffentlichkeit kund zu tun?
    Und wo bitte ist der Zusammenhang zur Volatilität von High Growth Investments? Diese wurde doch gar nicht bestritten oder überhaupt Angesprochen. Der hohe Anteil von Shortsellern ist ein Fakt und ein shoort squeeze genauso denkbar, wie ein erneuter Einbruch.

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  4. Hallo Michael,
    vielen herzlichen Dank für diese interessante Info zu Wirecard. Ich habe neulich bei einer anderen Aktie gehört, dass eine ausgewiesene Schwellenberührung wie die von Goldman bei 8% auch eine Shortposition bedeuten kann. Das muss nicht so genau gesagt werden. Kann es sein dass Goldman zumindest im Moment auch short ist? Herzliche Grüße Phil Jordan

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    1. Moin Phil,
      eine Stimmrechtsmitteilung kann ja nur abgeben, wer über die Stimmrechte verfügt. Und das kann eine "negative" Position sein, wie sie ein Leerverkäufer ja anhäuft. Ob ein Leerverkäufer eine Schwellenüberschreitung melden muss analog zu einer Aktienposition, ist mir nicht bekannt. Im Bundesanzeiger müssen Veränderungen von Leerverkaufspositionen veröffentlicht werden, sofern sich die Position oberhalb von 0,5% der ausstehenden Aktien bewegt.

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  5. Jo, Goldman Sachs möchte an dem Wirecard-Roulette auch teilnehmen :D Nur dass sie auch die Roulette-Scheibe in Bewegung setzen :D !MAKE YOUR BETS! :D

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  6. Wirecard hat ein Aktienrückkaufprogramm im Volumen von 200 Millionen Euro angekündigt. Ab dem 5. November will das Dax-Unternehmen bis zu 2,5 Millionen Aktien zurückkaufen. Dann sollten sie aber schleunigst loslegen, bevor die Leerverkäufer sich eindecken (müssen) und ebenfalls kaufen. Spricht für steigende Kurse, ich habe heute nachgekauft.

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  7. Danke für Ihre Einschätzung Herr Kissig. Eine Wasserstandmeldung aus Ihrer Sicht zur Interactice Corp würde mich persönlich ebenfalls interessieren.

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    1. IAC hängt momentan fast völlig an der MATCH Group. Solange nicht klar ist, ob und ggf. wie man sich von dem 80-Prozentanteil trennen will (Verkauf, Spin-off), wird sich daran auch nicht viel ändern. Wer heute IAC kauft, bekommt MATCH mit sattem Rabatt. Sollten die MATCH-Aktien dann via Spin-off an die IAC-Aktionäre gehen, also durch Einbuchung ins Depot, könnte man hier ggf. einen schönen schnellen Kursgewinn einfahren. Oder man streicht "nur" den Buchgewinn ein. Hier ist wohl aber erstmal noch Geduld gefragt...

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  8. Hallo Michael,
    kann natürlich sein mit der GS-Position, aber meiner Erfahrung nach hilft die Bank hier nur einem oder mehreren Kunden sich zu verstecken und agiert nur als Broker für die Wertpapiere und als "Placeholder" für die Meldungen. Das ist in DE nicht unüblich, solche Meldungen gibt es immer mal wieder.

    Diese Möglichkeit müsste nach meinem Verständnis durch SRD II (Know Your Shareholder) bald wegfallen, aber bewege mich rechtlich da nicht auf sicherem Grund.

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  9. Rongorongo07.11.19, 21:14

    Ihr müsst mich mal bei Gelegenheit aufklären, wo Ihr die Info zur Shortquote her habt. Wenn ich im Bundeszanzeiger nachschlage, sind nur zwei winzige Positionen von Marshall Wace und Slate Path Capital zu sehen. Bei whalewisdom.com das Gleiche. Shortsell.nl scheint immerhin wissen zu wollen, dass die Quote am heutigen Tag bei ganzen 2,29% liegt. Das wäre aber noch ein ganzes Stück bis zu den behaupteten 15,8%?

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    1. Ich habe in meinem Artikel die Angabe aus der Börsenzeitung übernommen, die die Shortsellerquote bei Wirecard mir 15,8% angegeben hatte.

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    2. Rongorongo08.11.19, 15:04

      Die Börsenzeitung beruft sich auf IHS Markit, deren Daten ja nicht ohne weiteres zugänglich sind. Denkbar, dass IHS Zugriff auf andere Quellen als den Bundesanzeiger hat, z.B. Daten aus der Finanzwelt, wo auch Positionen unter der Meldepflichtschwelle von 0,5% eingehen. Dann muss man jedoch dringend beachten, dass diese Daten nicht unbedingt vergleichbar sind mit jenen, die üblicherweise auf Grundlage des Bundesanzeigers florieren. Legt man den Bundesanzeiger zu Grunde, dann wären zur Zeit jedenfalls keine nennenswerten Shorties hinter Wirecard her.

      Im freien Bereich von IHS liegen einige ältere Artikel som Short Interest bei Wirecard. Daraus lässt sich ersehen, dass die Shorties auch nach IHS-Masstäben schon schlimmer gegen Wirecard geschossen haben (z.B. um die 25% während dem Zatarra-Angriff). Daher ist der Shortalarm zur Zeit bestenfalls Gelb, laut Bundesanzeiger sogar so Grün wie die Grassnarbe vor dem Bundeskanzleramt.

      Jedenfalls ist die Goldman-Theorie heute geschwächt worden, weil die Goldmänner das Wirecard-Kursziel auf 175 gesenkt haben. Das würden sie eher nicht machen, wenn sie vor hätten, den Shorties in Kürze eins auszuwischen. Obwohl, man weiss ja bei so einer Krake nie, ob die eine Goldhand immer weiss, was die andere gerade vorhat.

      Das ganze Tohuwabohu wegen der inhaltsleeren FT-Artikel ist jedenfalls weit überzogen, und wer langfristig interessiert ist, steigt besser jetzt schon ein, auch wenn es Abwärtsrisiken gibt. Sollte die Geschichte weiter hochkochen, und immerfort nichts Substanzielles ans Tageslicht kommen, ist es spätestens bei der Unterstützung um €90 die Bürgerpflicht eines jeden denkenden Menschen, das Wohl seiner Nachkommen und aller zukünftigen Generationen mit einer saftigen Longposition zu sichern. Auch wenn zu dem Zeitpunkt weiterhin Abwärtsrisiken bestehen werden. Da kann der Herr Braun seine Bilanzen aufstellen wie er will, die FT wird sich trotzdem auch in Zukunft einen Spass daraus machen, den teutonischen Hochkömmlingen ordentlich in die Suppe zu spucken. Auch weil sich die aktienfürchtenden Krauts so herrlich schön erschrecken lassen... :-)

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    3. Ich kann dem teutonischen Hochkömmling nur eine bessere Führungsmannschaft wünschen, die jetzige verhält sich wie ein Garagen Startup und nicht wie ein DAX Konzern.

      Was GS angeht, da kann ich nur LOL! Wer weiß wie die Empfehlung in 2 Wochen aussieht, voll die Lachplatte sowas...

      Joe

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