Mittwoch, 11. März 2020

Investiere niemals außerhalb deines "Circle of Competence" warnt Warren Buffett

Investieren ist kein Spiel, sondern der ernsthafte Versuch, sich ein Vermögen aufzubauen, seine Altersversorgung abzusichern jenseits der löchrigen Versprechungen der gesetzlichen Rentenzusagen. Und deshalb sollten Anleger auch stets bemüht sein, so wenige Fehler wie möglich zu machen. Denn schon der große Stratege Sunzi lehrte bereits vor mehr als 2.500 Jahren: "Keine Fehler zu machen, ist die Gewissheit des Sieges. Denn es bedeutet, einen Gegner zu schlagen, der bereits geschlagen ist". Für Anleger ist der Gegner der Markt, die Börse, die anderen Anleger. Die haben nichts zu verschenken und der Markt ist gnadenlos, er hat kein Mitleid mit Dummen, mit Unwissenden, mit Ignoranten und daher sollten Anleger so viel möglich dafür tun, nicht zu diesem Kreis zu gehören - denn aus deren Geld speisen sich die Gewinne der Cleveren. Oder wie Charlie Munger es ausrückte: "Lägen die anderen nicht so oft falsch, wären wir nicht so reich". Nicht unbedingt charmant, aber ziemlich treffend.

Eine weitere Analogie aus der Strategiekiste ist, dass man sich immer ein Schlachtfeld suchen sollte, bei dem die Vorteile auf der eigenen Seite liegen. Also die höhere Position und gegen die Sonne. Und Buffetts Rat, seinen "Circle of Competence" genauestens abzustecken und sich auf die Unternehmen innerhalb dieses Komptenzbereichs zu konzentrieren, überträgt dieses Erfolgskonzept auf das Investieren...

Seinen eigenen Kompetenzbereich zu (er)kennen, hilft dabei, Fehler und Probleme zu vermeiden, Verbesserungsmöglichkeiten zu identifizieren und zielgerichtet(er) von anderen zu lernen.

Das Konzept des "Circle of Competence" wurde von Warren Buffett über die Jahre immer wieder erläutert, um Anleger zu lehren, nur in den Bereichen aktiv zu werden, in denen sie sich am besten auskennen. Die Grundlagen des Konzepts erscheinen in seinem Buffetts Aktionärsbrief von 1996.
»Was ein Investor braucht, ist die Fähigkeit, ausgewählte Unternehmen richtig zu bewerten. Man muss nicht in jedem Unternehmen ein Experte sein, auch nicht in vielen. Man muss nur in der Lage sein, Unternehmen in seinem Kompetenzbereich zu bewerten. Die Größe dieses Kompetenzbereichs ist nicht sehr wichtig, seine Grenzen zu kennen, ist jedoch unerlässlich.«
(Warren Buffett)
Ich möchte das mal anhand eines Beispiels verdeutlichen. Dirk Nowitzki ist unbestritten einer der besten Basketballspieler aller Zeiten. Sein Kompetenzbereich ist eindeutig Basketball, darüber weiß er mehr als die meisten Menschen, aus seiner jahrzehntelangen Praxis und aus endlosen theoretischen Debatten mit Trainern, Mitspielern, Ärzten. "Dirkules" ist bekannt aus dem Fernsehen, als Sportler und als Werbefigur für die ING. Und weil er bekannt ist und erfolgreich, billigen ihm Menschen dieses Fähigkeiten generell zu - aber damit tunt sie weder ihm noch sich selbst einen Gefallen. Oder wäre Nowitzki ein guter Fußballspieler, nur weil er ein herausragender Basketballspieler war?  Oder wäre er deshalb zwangsläufig ein erfolgreicher Jockey, oder Skispringer oder Meisterschaftskandidat in der Formel 1? Wohl kaum, oder? Und das sind noch Betätigungen im engeren Kreis seiner Kompetenz, nämlich des Sports.

Und wie steht es mit seinen Erfolgsaussichten als Skatspieler oder als Schlachter oder als Unternehmer? Gut möglich, dass er hier besondere Fähigkeiten hat, aber jedenfalls nicht deshalb, weil er besonders gut Basketball spielen kann. Wahrscheinlicher ist, dass er sich in angrenzenden und artverwandten Bereichen seines Kompetenzbereichs schnell Fähigkeiten aneignen könnte, also im Bereich gesunder Ernährung oder als Fitness-Coach und natürlich als Basketballtrainer.

Das Pareto-Prinzip

In die gleiche Richtung zielt ein weiterer Denkansatz, das Pareto-Prinzip. Es ist benannt nach Vilfredo Pareto (1848–1923) und wird auch 80-20-Regel genannt. Es besagt, dass 80% der Ergebnisse mit 20% des Gesamtaufwandes erreicht werden und die verbleibenden 20% der Ergebnisse erfordern 80% des Gesamtaufwands. Die logische Schlussfolgerung hieraus ist, dass man sich auf das Wesentliche, das Erfolgversprechendste konzentrieren sollte! Mit möglichst wenig Aufwand viel erreichen und sich nicht verzetteln, indem man enorme Kraftanstrengungen auf die letzten 20% verschwendet!
»Bleibe in deinem Kompetenzkreis und investiere nicht in Bereiche, von denen du nichts verstehst. Denn das Risiko von Fehlentscheidungen steigt ansonsten exponentiell an.«
(Warren Buffett)
Und mit dem "Circle of Competence" verhält es sich beim Investieren genauso: man soll muss sich auf das konzentrieren, was man am besten kann, wo man sich auskennt, wo die Ergebnisse die höchsten Erfolgswahrscheinlichkeiten aufweisen. Alles andere sollte man lassen!

Der Circle of Competence

Man muss sich klar darüber werden, in welchen Bereichen man sich besonders gut auskennt, durch seine Vorlieben, seine Hobbys, seine Arbeit, aber vor allem muss man erkennen, wovon man keine Ahnung hat - und diese Bereiche und/oder Branchen konsequent meiden.
»Wenn die Verluste minimiert werden, erzeugen durchschnittliche Gewinne überdurchschnittliche Ergebnisse.«
(Benjamin Graham)
Sich auf seinen Kompetenzbereich zu beschränken, erhöht die Chancen, mit seinen Annahmen und Bewertungen richtig zu liegen, ungemein. Es bedeutet aber auch, viele Investmentgelegenheiten in anderen Wirtschaftsbereichen an sich vorübergehen zu lassen. Und zwar bewusst. Denn wenn man nicht wirklich versteht, was den Erfolg oder Misserfolg in diesen Bereichen ausmacht, und die Geschäftsergebnisse der nächsten fünf bis zehn Jahre nicht hinreichend genau voraussagen kann, sollte man hiervon auch die Finger lassen. So verlockend es auch klingt, vom nächsten ultimativen Hot Stock zu lesen, der Krebs heilt und gleichzeitig den Mars kolonisiert - in seiner Phantasie kann man sich gerne solchen Gedankenspielen hingeben, aber als Investment taugen sie nichts! Statt zu zocken, herumzuraten, sollte man sein Kapital lieber in die Branchen und Unternehmen investieren, von denen man wirklich etwas versteht. Denn Regel Nummer 1 ist und bleibt, kein Geld zu verlieren!
»Risiko entsteht, wenn Anleger nicht wissen, was sie tun.«
(Warren Buffett)
Gewinne an der Börse erzielt, wer Risiken konsequent eliminiert. Und eines der größten Risiken für Anleger sind sie selbst, ihr Charakter, ihre Psyche, ihr Hang zur Selbstüberschätzung.
»Der schlimmste Feind des Investors ist wahrscheinlich er selbst.«
(Benjamin Graham)
Das bedeutet allerdings nicht, dass man sich mit seinem Kompetenzbereich zufriedengeben soll. Der langfristige Erfolg beim Investieren erfordert vielmehr die ständige Arbeit, seinen Kompetenzbereich zu erweitern. Lesen hilft hierbei, zuvorderst Bücher über das Investieren, aber auch darüber hinaus sollte man sich weiterbilden. Charlie Munger ist ein Generalist, der sich in vielen Bereichen auskennt, und daher aus angrenzenden Wissensbereichen Lehren und Rückschlüsse ziehen kann, um hieraus eine fundierte Meinung zu bilden. Wer sich alleine auf einen sehr eng begrenzten Bereich fokussiert, begrenzt damit nicht nur seine Möglichkeiten, sondern er erhöht damit auch wiederum sein Risiko als Anleger, weil viele Entwicklungen auf andere Bereiche ausstrahlen. Wer also absoluter Spezialist in Sachen Kunststoff ist, verpasst vielleicht den übergeordneten Trend weg von Kunststoff, weil er sich nur mit der Entwicklung noch besserer Kunststoffarten beschäftigt und ihrer möglichen künftigen Anwendung.

Des Weiteren lehrt uns Buffett, nicht nur das Positive zu sehen, sondern auch das Negative mit einzuplanen. Bedeutet in diesem Zusammenhang, nicht nur das eine Unternehmen und seine möglichen Entwicklung zu betrachten, sondern auch seine Stellung im Markt - also seine Konkurrenten. Man sollte sich möglichst immer die Frage stellen, was alles schief gehen kann, und sich dazu die Antworten suchen. Kann man die zufriedenstellend beantworten, kann man sich mit seinem Investment auch gleich viel sicherer fühlen.
»Du brauchst nicht jede Aktie zu kaufen. Wenn Du sie nicht verstehst, lass es sein. Es gibt tausende Aktien, such eine andere.«
(Warren Buffett)
Und wenn Anleger am Ende zu dem Schluss kommen, dass sie das Unternehmen, sein Business oder die vor ihm liegenden Herausforderungen nicht wirklich verstehen und sie weiterhin Fragen haben, dann sollten sie die Finger von dieser Aktie lassen. Denn es gibt so viele andere Unternehmen, die eher im eigenen "Circle of Competence" liegen - und das sind für jeden andere.
»Du musst wissen, welche Aktien du besitzt und du musst wissen, warum du sie besitzt.«
(Peter Lynch)
Daher sollte man sich stets seines eigenen Verstands bedienen, wie Immanuel Kant rät, und nicht einfach nur anderen hinterherlaufen. Auch und gerade beim Investieren nicht.

Kommentare:

  1. Rudolf Rentier11.03.20, 14:35

    Vorweg: Es gibt m.E. keinen übergeordneten Trend weg von Kunststoff. Es mag so aussehen, weil die Politik Plastiktüten und Strohhalme verbietet, während die Medien mit Bildern von verschmutzen Stränden in Entwicklungsländern assistieren. Hat zwar nix mit unseren Tüten oder Strohhalmen hier zu tun... aber egal.
    Trotzdem produziert die Welt mehr Kunststoff als je zuvor, Tendenz klar steigend.
    Langfristig ändert sich bestimmt nur die Art des Kunststoffes, Stichwort Bioplastik. Ist dann aber immer noch "Kunststoff".

    Zum Thema: Der Circle of Competence wird leider oft falsch verstanden. Wie oft bekomme ich erzählt, dass ich ja außerhalb meines Circle of Competence investiere, weil ich zwar so ein Tech-Fan, aber selbst ganz und gar kein Techie bin.
    Ich habe mich schon für KI und Nanotechnik und Gentechnik intersssiert, als es an der Börse noch kein Thema war. Schon vor 2000. Aber ich war immer mies in Mathe und studiert habe ich Jura. Und nun?

    Ich sage dann immer, dass Warren Buffett die chemische Formel von Coca Cola auch nicht kennt. Interessiert ihn auch gar nicht.
    Um kompetent bewerten können, muss man kein Experte im Fach selbst sein. Klar, ungefähr verstehen, wie etwas funktioniert, muss man schon. Und klar, je mehr man weiß, umso besser.
    Ein Selbstläufer ist es aber nicht, wie du ja auch mit dem Kunststoff Beispiel sagst, kann man sogar betriebsblind werden.

    Ich muss also begreifen, was eine Technik bewirkt, wie die Wertschöpfungskette aussieht, ob und wo der Burggraben liegt... aber keine KI programmieren können. Es kann zuweilen sogar hilfreich sein, nicht zu viel Ahnung zu haben.
    Die Schwierigkeiten, die einem Profi gar nicht mehr als solche auffallen, können sehr wohl ausschlaggebend sein. Man siehe nur die Erfolge von Apple und Microsoft. Jobs hatte Ahnung, war aber kein Tech Genie, das war eher dar andere Steve. Bill Gates war nicht der einzige Nerd, der programmieren konnnte. Ihr Mega-Erfolg beruht darauf, dass beide genau verstanden, dass ihre Fähigkeiten für die breite Mase eben nicht selbstveständlich sind.
    Es ist zunächst mal egal egal, ob tausend Mega-Nerds etwas super finden, der Erfolg geht an den Mitbewerber, dessen Technologie die Millionen normalen Leute auch bedienen und anwenden können.

    Ich persönlich finde, man sollte von Anfang an nach seinen Interessen investieren ob kompetent oder nicht. Vielleicht fällt man auf die Schnauze, aber wer dabei bleibt, entwickelt eine gewisse Kompetenz. Was uns wirklich interssiert und begeistert, lernen wir Menschen schnell und leicht.

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  2. verstehe ich vollkommen und obwohl ich keine Sportskanone bin, investierte ich in Adidas und es spricht für mich nichts dagegen zusätzlich eine Nike oder Puma mit ins Depot zu nehmen.
    Ich maches es dann faktisch so wie Michael Kissig, Mastercard im Depot und vor kurzem noch Visa mit dazu..

    happy stockpicking und virenfreies WE!

    JB

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    1. Und immer schön dran denken, auch an der Tanke und beim Edeka-Einkauf die Mastercard benutzen (oder die VISA) und nicht die EC-Karte - das verdient für uns alle Geld. ;-)

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