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Sonntag, 8. März 2020

Kissigs Kloogschieterei: Warum sollten sich ausgerechnet Öl-Werte wieder erholen?

Öl ist wichtig für unsere Wirtschaft, es treibt fast alle Fahrzeuge an, wird von einigen noch zum Heizen verwendet und ist in der Chemie- und Lebensmittel-Branche kaum wegzudenken. Nachdem die Kurse der Öl-Aktien kräftig gefallen sind, könnte man auf den Gedanken kommen, dass sich hier eine lohnende Gelegenheit bietet, zumal auch die Dividendenrenditen verlockend aussehen.

Doch ich fürchte, dass diese vermeintliche große Chance keine solche ist und Anleger lieber ganz genau hinschauen sollten, bevor sie in diesem Sektor investieren oder an ihren so geliebten Investments  - aus den falschen Gründen - festhalten...

Schauen wir einfach mal auf die aktuellen Entwicklungen und die mittel- und langfristigen Perspektiven für Öl. Die OPEC steht vor der Bedeutungslosigkeit, da sie immer weniger Anteil an der Welterdölproduktion repräsentiert aufgrund des stark gestiegenen Anteils von Russland un den USA, und nun konnte man sich mit Russland nicht auf weitere Förderkürzungen einigen. In der Folge hat Saudi Arabien angekündigt, den Preis für alle seine Ölsorten ab April um 8 Dollar je Barrel zu kürzen.

Dank der Auswirkungen des Corona-Virus sinkt die Nachfrage nach Öl massiv, der (ohnehin schon viel zu warme) Winter weicht dem Frühling, die Lager schwappen über und die Produktion läuft am Anschlag.

Woher sollen also die Gewinne bei den Öl-Unternehmen kommen? Vor allem von denjenigen, die nicht billig im Wüstensand fördern können, sondern dazu in der Nordsee zu horrenden Kosten bohren müssen?

Ich sehe hier den kurz- und mittelfristigen Investmentcase nicht. Und die Entwicklung auf lange Sicht? Öl wird immer seltener zum Heizen verwendet und künftig sogar gesetzlich die Neuanschaffung von Öl-Heizungen untersagt, bei den Autos und LKWs wird Öl ebenfalls zunehmend ersetzt, das geht ab 2021 massiv los, wenn die ganzen neuen E-Modelle (nicht nur) der deutschen Hersteller in den Markt gedrückt werden. Völlig egal, ob sich hier Elektro oder Wasserstoff durchsetzt, Öl wird weniger nachgefragt werden - während die Produktion in den USA weiter steigt. Und sollte Venezuela - mit Chinas Hilfe - jemals wieder eine signifikante Öl-Produktion ans Laufen kriegen und auf den Weltmarkt zurückkehren, wird das Angebot nochmals spürbar ansteigen. Wo ist also der langfristige Investmentcase?
»Investiere niemals, niemals in die Gegenwart! Es spielt keine Rolle was ein Unternehmen verdient oder was es verdient hat. Stell dir die Situation in 18 Monaten vor, denn was immer dann sein wird, dort wird der Kurs sein, nicht da, wo er heute ist. Du musst in die Zukunft schauen, denn wenn du in die Gegenwart investierst, kommst du unter die Räder.«
(Stanley Druckenmiller)
Ich sehe als Argument alleine die gefallenen Aktienkurse - aber das sind sie aus meiner Sicht völlig zurecht. Und die vermeintlich attraktiven Dividendenrenditen stehen meines Erachtens unter Beschuss, denn die speisen sich den Unternehmensgewinnen. Und wenn die Unternehmen keine Gewinne mehr machen, dann fallen die Dividenden früher oder später aus. Nach den Kursverlusten folgt der Dividendenschnitt - General Electric hat es vorgemacht, es sollte keinen überraschen, wenn es auch die Öl-Multis irgendwann trifft. Nicht heute, nicht morgen, vielleicht, aber auf lange Sicht. Und genau diese Perspektive ist es doch, die heute dazu führt, dass man die Aktien kauft oder im Depot behält.

Daher verstehe ich nicht, auf welcher Grundlage man jetzt in Öl-Aktien investieren kann.

Kommentare:

  1. Die Nachfrage nach Öl wird auch in den kommenden Jahren weiter steigen. Getrieben v.a. durch die Entwicklungsländer und China. 10 Sekunden Recherche hätten gereicht, um das herauszufinden: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/245947/umfrage/entwicklung-der-weltweiten-oel-nachfrage-nach-staatengruppen-und-regionen/

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    1. Meistens ist es sinnvoller, mehr als 10 Sekunden zu investieren, um zu einer fundierten Meinung/Aussage zu kommen. Die von Dir verlinkte Prognose geht bis 2024 - ich habe geschrieben, dass es im Automobilsektor ab 2021 zu großen und stetig zunehmender Nachfrage nach Fahrzeugen mit alternativen Antrieben kommen wird. Ab 2021! Da geht es los, dann nimmt die Nachfrage stark zu, auch dank der Regierungen, die das fördern werden, (finanzielle) Anreize schaffen. Und die Ladeinfrastruktur wird ebenfalls rasant wachsen, was die E-Autos attraktiver macht. Und dann... die verlinkte Prognose berücksichtigt noch nicht die Effekte aus der "Fridays for Future"-Bewegung. Man kann Greta als Spinnerin und nervige Tussi abtun, aber sie hat eine Bewegung angestoßen, die kaum noch umkehrbar erscheint. Die meisten wesentlichen Regierungen dieser Welt stehen nämlich alle paar Jahre zur Wiederwahl. Und der Druck der Jugendlichen nimmt zu und führt zu entsprechenden Handlungen der Regierenden und zu Gesetzen. Man kann das einfach ignorieren und gerne kannst Du Dein Geld darauf setzen, dass es anders kommt. Aber ich tue das nicht. Beides nicht.

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    2. Der Gegendruck auf die Regierungen wird aber ebenfalls steigen, wenn die Mitarbeiter der Automobilindustrie hier massenhaft arbeitslos werden und die Autokonzerne in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten.

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    3. Lass ihn einfach schreiben.
      Am MONTAG, 24. FEBRUAR 2020 hat er auch von sich gegeben:
      "Stunde der Value Investoren: Kurseinbrüche als Chance auf außerordentliche Kursgewinne!"
      und die nächsten paar Tage gings kräftigst hinab und auch diese Woche nochmals hinab und der DAX oder die amerikanischen Indizes sind nun auf dem Niveau vor ein paar Monaten. Es ging sehr schnell, aber sind das Kurseinbrüche, wenn ein Index auf das Niveau von vor ein paar Monaten korrigiert?

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    4. Hä? Hast Du den Unterschied zwischen einem Trader, der auf kurzfristige Gewinne aus ist, und einem Investor mit langfristigem Anlagehorizont nicht verstanden? Für Value Investoren, für Langfristanleger, für diese! stellen solche Kurseinbrüche außerordentliche Gelegenheiten dar. Völlig egal, was die Kurse in den nächsten paar Tagen oder Wochen machen. Ein kurzer Blick auf einen langfristigen Chart von S&P oder DOW sollten ausreichen, um das den Effekt zu verstehen.

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    5. HÄ? Hast du mein Posting nicht verstanden?
      Der Dow Jones ist heute 8.3.2020 höher als bspw. am 14.8.2019 oder höher als am 3.7.2019. Ich sehe daher keinerlei "solche Kurseinbrüche" - es wurde schlicht das primär durch überschüssige Liquidität und nicht wirtschaftlich begründbare Ansteigen der Kurse in den letzten Monaten korrigiert und das ist wirklich keine "Chance auf außerordentliche Kursgewinne".

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    6. Dann investier halt nicht 10 sondern 20 Sekunden in die Recherche. Dann wüsstest du jedenfalls, dass die Nachfrage nach Öl von ca. 100 Mio Barrel heute bis zum Jahr 2040 weltweit auf 110 Mio Barrel pro Tag steigen wird: https://de.statista.com/statistik/daten/studie/245933/umfrage/entwicklung-der-weltweiten-oelnachfrage-nach-laendergruppen/

      Und was Greta betrifft: Wenn man nur durch die Deutsche Brille glotzt, sieht man natürlich nur grün. Weltweit spielt das Mädel aber keine Rolle. Du kannst ja mal in China oder Indien nachfragen, was sie von Fridays for Future halten. Ich kann das Lachen schon hören... Und das gilt selbst für die Amis.

      Man kann es drehen und wenden wie man will. Ein kleiner Teil an Öl-Aktien gehört in jedes gut diversifizierte Depot.

      Außerdem:

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    7. "Öl wird immer seltener zum Heizen verwendet und künftig sogar gesetzlich die Neuanschaffung von Öl-Heizungen untersagt, bei den Autos und LKWs wird Öl ebenfalls zunehmend ersetzt ...."
      hahahaha... Ich lese ja gerne ihre Artikel, werter Hr.Kissig. Aber hier sind sie dem links grünen Mainstream ja voll auf den Leim gegangen. Aber so kommts wenn Deutschlands Greta Anhänger glauben, die Welt dreht sich nur um sie.

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    8. Die Bundesregierung hat mit Verabschiedung ihres Klimapakets im Oktober 2019 u.a. ein Einbauverbot für neue Ölheizungen ab 2026 beschlossen und das Klimaschutzgesetz 2030 hat ja nun den Vermittlungsausschuss von Bundestag und Bundesrat passiert, so dass das Verbot kommen wird. Egal wie man das findet. Und dass Ölheizungen schon heute zunehmend vom Markt verschwinden, ist ja auch Fakt. Erlebe ich in meinem Umfeld und auch die Stadtwerke forcieren das - die "verkaufen" Leuten nämlich die Gasheizungen im Rahmen ihres Wärme-Contractings, da braucht der Kunde die Anlage nicht selbst kaufen, sondern mietet die. Und das läuft nicht über Öl...

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    9. Und schon wieder der Verweis auf Deutschland. Ist es wirklich so schwer zu kapieren? Deutschland (und selbst Europa) spielt bei der zukünftigen Entwicklung der Ölnachfrage überhaupt keine Rolle. Denn weltweit wird die Nachfrage nach Öl auch in den nächsten Jahrzehnten weiter steigen. Das zeigen alle Statistiken. Einzig die zukünftige Entwicklung des Ölpreises wird die Gewinnentwicklung der Ölfirmen bestimmen. Aber nicht die Nachfrage.

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  2. Wenigstens Shell schläft ja nicht, sondern investiert auch in Erneuerbare Energien und Wasserstoff.

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  3. Ich glaube man muss beim Investieren in der Ölbranche das Investment in Aktien und das Kaufen eines ETF/ETC auf den Ölpreis getrennt sehen.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Ölpreis bis ins Bodenlose weiter fallen kann, weil irgendwann rentiert sich die Förderung des Öl einfach nicht mehr.

    Ich bin der Meinung, dass es durchaus sinnvoll sein kann, dass man nach und nach in einen ETC (z.B. DE000A0KRKM5) investiert, um von der Übertreibung nach unten zu profitieren.

    Auch im Jahr 2015/2016 ist der Ölpreis stark gefallen und irgendwann mussten sich die ölfördenden Länder darauf einigen, dass es einer Reduzierung der Förderung bedarf, damit der Ölpreis wieder stabilisiert werden kann. Das ist dann in der Folge im Jahr 2016/2017/2018 auch passiert.

    Als der Ölpreis damals bei 27 Dollar je Barrel lag, habe ich auch von verschiedenen Seiten die Aussagen gehört, dass ja Öl vielleicht bald nicht mehr benötigt wird. Das war aber wohl nur eine Aussage um die niedrigen Ölpreise zu begründen.

    Seht ihr das auch so?

    Schöne Grüße

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    1. Ja, mein Investmentcase bei Shell und DRAG war auch, dass Öl nicht ins Bodenlose fallen kann und es irgendwann aufgrund fehlender Investitionen in neu Förderungsanlagen zu einer Ölknappheit kommen könnte, da der Umstieg auf E-Mobilität länger dauert als erwartet. Falls es nicht so kommen sollte, dann hoffe ich halt, dass Shell die Transformation vom Öl zu Wasserstoff und erneuerbaren Energien schafft. Und DRAG ist ja auch nicht nur im Ölgeschäft tätig.

      Habe die letzten Tage auch ein paar Euro in Rubel und kasachischen Tenge getauscht, die gerade günstig stehen (vermutlich auch wegen des gefallenen Ölpreises), und in den dortigen Ländern investiert. Es wird ja empfohlen, sein Geld auch außerhalb des Euroraums zu investieren, falls der Euro crasht.

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    2. Der große Unterschied zu damals ist nun aber die zunehmende politische Akzeptanz des Klimawandels.

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  4. Habe bei Shell auch zugegriffen. Neben der Stromerzeugung investiert Shell unter anderem auch direkt und indirekt in E-Ladesäulen, Wind- und Solarparks und Wasserstoff. Wenn der Ölpreis wieder anzieht (und das wird er sicher) sind schnell 50% drinnen. Klar ist Shell jetzt kein Investment was ich die nächsten 40 Jahre haben möchte aber die nächsten 5-10 Jahre habe ich damit kein Problem.

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    1. Die meisten der bisherigen Investitionen in E-Ladestationen werden sich nicht auszahlen, da sie in die langsamen Ladestationen geflossen sind/fließen, nicht in die Schnellladestationen. Und nur die werden hoch frequentiert werden, die langsamen eigenen sich nur für Zuhause oder für Dauerparker in Bürogaragen. Für Supermärkte, Tankstellen (nicht nur an Autobahnen), Innenstädte usw. braucht es schnelle Ladezyklen. Hier wird künftig das große Wachstum und die größten Investitionen stattfinden (müssen), damit das E-Auto über den Status eine Zweit- oder Drittwagens hinauskommt. Und das ist erklärtes Ziel der Politik und der Autobosse (in Deutschland). Bin bzgl. der Weltmarktposition der deutschen Automarken auch gar nicht so pessimistisch, weil die ab 2021 mit vielen Modellen massiv in den Markt drücken werden. Und grünes Gewissen gepaart mit schnittigen Modellen der Premium-Marken wird zu einem starken Absatz führen.

      P.S.: Nein, in Autohersteller investiere ich trotzdem nicht... ;-)

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    2. Warum sollte noch jemand teure deutsche Premium-Marken kaufen, wenn sie technologisch hinterher hinken? Der einzige Grund wäre dann noch, um mit dem Markennamen anzugeben. Aber dieser Glanz der Vergangenheit wird auch bald verglimmen.

      Für Supermärkte sind schnelle Ladezyklen nicht unbedingt erwünscht. Man will die Kundschaft ja so lange wie möglich im Laden halten, damit sie mehr kauft.

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    3. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man versuchen wird, Kunden auf einer solchen Ebene zu manipulieren - und wenn doch, so wird man damit m.E. scheitern. Ich kenne nicht viele Menschen, die ausgesprochen gern einkaufen. Und wer nicht gern einkauft, wird dies im Zweifelsfall dort tun, wo er seine Mühle schnell nachladen kann - und nicht gezwungen wird, nach dem nervigen Einkauf noch Zeit totzuschlagen.

      Gruß
      Jens

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    4. Iphones hinken technologisch auch schon länger hinterher, sie werden trotzdem gekauft. Weil es Iphones sind, von Apple. Statussysmbol. Oper hatte früher auch mal die mit Abstand saubersten Motoren, trotzdem haben die Leute weiter VW Golf gekauft. Beta2000 war viel besser als VHS, trotzdem hat sich VHS durchgesetzt. Es ist nicht immer das technisch beste Produkt, das sich durchsetzt, sondern das, was die Leute haben wollen, weil sie glauben, dass es besser ist, dass es ihnen einen Mehrwert bietet, etwas besonderes. Und wenn man einen E-Tron von Audi kaufen kann, der aussieht wie ein Q5, oder einen E-Porsche Taycan, dann werden sie es tun. Weil sie schon immer Porsche gefahren sind oder immer schon einen wollten.

      Und was die Ladeszyklen angeht, da machste einen Denkfehler. Der Zeitunterschied liegt bei 6-8 Stunden für rund 80% Ladeleistung und 20-30 Minuten. Niemand fährt in den Supermarkt, um sein Auto 6 Stunden zu betanken. Aber wenn Edeka-Markt das Schnellladen anbietet und ich mein E-Auto nebenbei beim Einkauf mit 200 bis 300 km Laufleistung betanken kann, dann fördert das meine Akzeptanz eines E-Autos stark. Denn es reduziert das Gefühl, meine Fahrten immer genaustens durchplanen zu müssen erheblich. Nebenbei aufladen, ob beim Supermarkt, beim Frisör oder beim Gitarrenunterricht, das macht E-Mobilität alltagsfähig.

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    5. Das Statussymbol der E-Mobilität ist Tesla.

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  5. Hallo zusammen,

    Interessantes Thema. Als ich noch zur Schule ging, hieß es das Öl reicht nur noch für 20 Jahre. 20 Jahre später sieht man immer noch kein Ende des Ölzeitalters. Der jährliche Bedarf steigt. Als Chemiker finde ich es natürlich schade einen solchen Rohstoff einfach zu verbrennen, aber das werden wir noch länger erleben. Der Umstieg auf E-Mobilität im großen Maßstab ist schwer zu realisieren, würde auch mit erheblichen Einbußen des Individualverkehrs einhergehen, was nicht passieren wird. Habe deshalb selber erste Positionen bei Shell und BP eröffnet. Bei den langfristige n Aussichten (<10 Jahre) muss ich aber Michael Recht geben, von dem her hat mich der Artikel schon zum grübeln gebracht.
    An dem Punkt schon mal ein Danke an Michael für die ganzen Analysen. Finde deinen Blog sehr informativ. Auch deine Selbstreflektionen sind echt lesenswert.
    Off topic: Hast du Teva eigentlich noch auf den Schirm? Denke daran eine erste Position zu eröffnen. Finde das k. Schulz auf Kurs ist und sehen einen fairen Wert um die 20 USD...

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  6. Hallo Michael, ich finde deine Seite sehr gut und schaue immer wieder gern mal rein, aber hier muss ich dir widersprechen. Ich besitze einige BP-Aktien und habe meine Position letzte Woche vergrößert. Natürlich investiere ich auch in andere Branchen, aber bei Öl bin ich nun mal der Meinung, dass man alles bis auf den letzten Tropfen aus dem Erdreich pumpen wird. Wenn wir auf das Öl verzichten, werden andere Länder den niedrigen Ölpreis nutzen und dankend zugreifen. Ein niedriger Ölpreis macht auch die gehypten alternativen Antriebssysteme unattraktiver. Wasserstoff wird sich wahrscheinlich ohnehin nur bei LKWs durchsetzen und die E-Mobilität lässt sich nicht durch politische Verordnungen in den Markt drücken, die Leute müssen das schon wollen. Wie heißt es doch so schön: Politische Börsen haben kurze Beine. Dazu kommen speziell bei der E-Mobilität noch viele andere Probleme, zB. die Tatsache, dass die Batterierohstoffe nur begrenzt vorhanden sind. Die steigenden Stromkosten und mögliche Versorgungslücken könnten sich bei E-Mobilität ebenfalls als Bremsklotz auswirken, besonders in Deutschland. Wenn die gesamte Stromproduktion eines Tages weltweit auf moderne Flüssigsalzreaktoren umgestellt wird, könnte sich das natürlich ändern. Aber soweit kann und möchte ich nicht vorausschauen, deshalb verlasse ich mich lieber auf den viel beachteten BP-Energiereport und der geht davon aus, dass bis 2040 der weltweite Energiebedarf einschließlich Öl zunehmen wird.
    Bei der E-Mobilität stellt sich auch noch die Frage: Was passiert eigentlich mit den vielen Akkus, wenn sie verbraucht sind? Wo will man die lagern? Alles Probleme, die noch auf uns zukommen werden, aber die kein Politiker auf dem Radar hat. Die Umweltaktivisten sollte man ebenfalls nicht überbewerten. Wenn es zu einer Wirtschaftskrise kommt, wird man nicht mehr viel von denen hören, die Medien berichten dann über andere Dinge. Stanley Druckenmiller hat recht: Investiere niemals, niemals in die Gegenwart!

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    1. Weder die Eisenbahn noch das Auto, das Telefon, das Fernsehen oder das Internet haben sich sofort durchgesetzt und waren sofort überall verfügbar. So wird es auch bei E-Autos nicht sein, sie werden stark kommen und die Ladeinfrastruktur wird mitwachsen und die Speichertechnologien werden sich schnell stark verbessern, einfach weil mehr nachfrage da ist, weil mehr Geld in Forschung und Entwicklung fließt in diesem Bereich. Und was das Recycling angeht, das wird genau dann einen Schub bekommen, wenn es einheitliche Standards für E-Batterien gibt. Auch für herkömmliche Autobatterien gibt es die oder für Flaschen - haben alle die gleichen Maße, dann kann man auch eine einheitliche Recycling-Infrastruktur etablieren und muss das nicht mehr von Hand machen. Das wird enorm Kosten einsparen. Des Weiteren gibt es ja heute schon die Anwendung, dass ausgediente E-Autobatterien als Stromspeicher genutzt werden. Weil dort nicht die hohe Speicherfähigkeit von >80% benötigt wird, sondern auch bis >40% ausreichen. Löst nicht das Problem, aber es verlängert die Lebensdauer der Batterien und reduziert den Rohstoffbedarf.

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  7. Könnte Erdgas eine große Rolle darin spielen, von Öl wegzukommen? Es verbrennt deutlich sauberer. Allerdings sind die Preise zur Zeit auch im Keller.

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    1. Erdgas hat eine deutlich höhere Energieausbeute als Öl und deshalb sind Gasheizungen schon mal besser als Ölheizungen. Aber auch Erdgas ist letztlich ein fossiler Energieträger, der verbrannt wird. Bei Autos hat er sich nicht durchgesetzt und immer mehr Hersteller verabschieden sich komplett von ihm. Als Anteil am Strommix und vor allem beim Heizen wird Erdgas aber noch lange eine große Rolle spielen.

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  8. Dividenden werden vom CF bzw eventuell aus Rücklagen bezahlt und nicht vom Gewinn.
    Und stimmt, andere Werte sind natürlich deutlich stabiler und sicherer - Aurelius zB.
    Kannst du eigentlich mal auch Berechnungen und Zahlen zur Untermauerung deiner Argumentation bringen-wäre interessant.
    Außerdem wäre es hilfreich, die deutsche Brille abzunehmen. E mobilität spielt weltweit auf lange Sicht keine Rolle. Wie denn auch bei den ganzen Limitationen? Real ist allerdings das ybevölkerungswachstum in den ärmeren Ländern und die brauchen Öl, Öl und Öl. Wie oft wurde Öl schon totgeweiht? Ja, in 20 Jahren kann die Welt anders sein, aber in 5, 10 Jahren wird Öl nach wie vor für cashflows sorgen

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    1. Da bringste aber einiges durcheinander. Der Jahresüberschuss, vulgo Gewinn, wird entweder ausgeschüttet (Dividende) oder in die Gewinnrücklage eingestellt. Sofern der Gewinn höher ist als die Dividende, wird nicht auf die Rücklagen zurückgegriffen; ist der Gewinn niedriger als die Dividende, muss für die Ausschüttung auch die Rücklage angezapft werden. Das bedeutet dann aber Substanzverzehr und ist kein dauerhaft tragfähiges Geschäftsgebahren, weil es ansonsten unweigerlich zu Wert.- und Kursverlusten führt.

      Dass der Free Cashflow (der freie Mittelzufluss) hoch genug sein sollte, um die Dividenden zu verdienen, sollte eine Selbstverständlichkeit sein - aus ihm wird die Dividende aber nicht gezahlt.

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  9. Und wie siehst du in diesem Zusammenhang Texas Pacific Land? Das Zusatzargument mit Wasser zur Ölgewinnung dürfte auch nicht mehr ganz passen, oder?!
    Siehst du da deinen Investcase noch intakt? Ich zweifel ein wenig, bin mir aber nicht sicher... (trotz der Option, Land zu verkaufen, aber aus Ölsicht entsprechend auch unattraktiv?)
    Freue mich auf (d)eine Antwort

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    1. Ein kurzfristiges Einbrechen des Ölpreises (WTI) hat kaum negative Auswirkungen auf TPL. Wenn die OPEC bzw. Saudi Arabien allerdings Ernst macht und länger den Markt unlimitiert mit Öl flutet, dann wird der Ölpreis im Keller bleiben und damit die US-Fracker kräftig unter Druck setzen. Die werden dann ihre Bohrungen noch beenden, aber keine neuen mehr anfangen. Und aktive Bohrlöcher ggf. stilllegen, bis sich der Ölpreis wieder erholt. Doch dann verdient TPL natürlich auch kein Geld, weil sie ja Royalties erhalten, also eine Umsatz- bzw. Mengenbeteiligung. Ohne Förderung keine Einnahmen, auch nicht aus dem Wasserbusiness. Das stellt zudem dann ein größeres Risiko dar, da TPL hier ja massiv investiert und daher Abschreibungen und Kreditkosten hat. Und auch wenn TPL Land verkaufen will, wird dessen Preis bei einem Ölpreis von $30 sicherlich niedriger angesetzt, als wenn er bei $60 steht.

      Es hängt also davon ab, ob und wie lange der Ölpreis so tief bleibt. Der positive Trigger, die mögliche Umwandlung in eine C-Corp. und ggf. ein Verkaufen von Land anstelle von "nur" die Förderrechte auszuschlachten, würde hier gegenüber in den Hintergrund treten.

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    2. Danke Michael... so ähnlich dachte ich auch... allerdings kann ich die Lage, ob und wie nicht einschätzen (wie scheinbar viele)... Bezogen auf deinen „Anker-Artikel“: Ja, ich weiß, ich besitze ein Unternehmens-Anteil, nur die (Makro-)Bedingungen sind extrem unklar...
      Hier eine fast rhetorische Frage, die du vermutlich auch nicht einordnen kannst: Abwarten uns Tee trinken oder doch per Reißleine den Anker zu einem anderen Schiff rüberhieven (ist ja viel gefallen heute)... ?!?

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    3. Andi, Du bist an einem Unternehmen beteiligt und das hat ein Management. Dieses hat das Unternehmen zu steuern, auch durch die jetzige Lage - das ist nicht die Aufgabe des Investors/Aktionärs.

      Wenn Du bisher gute und solide Aktien in Deinem Depot hattest, warum willste die dann jetzt verkaufen, um andere Aktien zu kaufen? Das macht aus meiner Sicht gar keinen Sinn, etwas mit 25% Kursrückgang zu verkaufen, das man kennt, um dann etwas zu kaufen, was man nicht kennt, nur weil der Kurs (ebenfalls) um 25% zurückgegangen ist. Klar, wenn beide Aktien sich gleich gut erholen, dann hätte man bei der gehaltenen Position noch immer ein Minus oder nur ein kleines Plus, während bei der neuen Position ein fettes Plus stehen würde. Aber unterm Strich hat man eine gute Aktie gegen eine (nur) andere getauscht. Um sich eine - mögliche - psychologische Belohnung zu ergaunern.

      Verkaufen sollte man die Aktien, von denen man nicht glaubt, dass sie die Krise gut durchstehen. Allerdings sollte man die auch schon seit mindestens zehn Tagen nicht mehr im Depot haben, als absehbar wurde, dass die Krise uns länger beschäftigt (auch wenn ich nicht behaupte, dass ich mit solchen panikartigen Kurseinbrüchen gerechnet hätte).

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    4. Zustimmung in allen Punkten ... mit einer Ausnahme: vor zehn Tagen war die saudische Entschlossenheit eben so nicht absehbar... und wenn (Konjunktiv) sich diese Position nicht ändert, gibt es tatsächlich neue Fakten (J.M. Zitat?!)... so war mein Gedanke...
      nichtsdestotrotz Vielen Dank für deine Antwort! Du machst einen Klasse-Job hier...

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    5. Zitat stammt von Keynes ("Wenn sich die Fakten ändern, ändere ich meine Meinung") - und wenn sich die Fakten für Dein Investment wirklich grundlegend geändert haben, dann solltest Du es ggf. überdenken und die Aktie verkaufen. Und dann kannste natürlich auch woanders einsteigen, wo Dir die Aussichten und die Kurse günstig(er) erscheinen.

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  10. Wenn hier davon gesprochen wird, dass Shell demnächst eine Umweltaktie sein würde... wie hoch ist denn der Anteil der "sauberen" Energien am Umsatz und Gewinn von Shell? Ist das wirklich schon signifikant und kann das den Einbruch/Wegfall des Öl-Business (über-)kompensieren? Ich habe da erhebliche Zweifel, nicht nur wegen der dann nötigen Abschreibungen...

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    1. Nein, natürlich könnte Shell den sofortigen Wegfall der Gewinne aus dem Ölgeschäft nicht mit erneuerbaren Energien kompensieren. Aber so wird es ja auch nicht kommen, sondern der Wandel wird kontinuierlich erfolgen.

      Laut diesem Artikel sollen die jährlichen Investitionen in erneuerbare Energien 4 Milliarden USD betragen im Vergleich zu Investitionen von jährlich 25 Milliarden für die Erschließung neuer Ölfelder. Aber der Anteil der E-Autos liegt ja auch noch viel zu niedrig, dass sich die Investitionen jetzt schon rentieren würden.

      https://www.ecoreporter.de/artikel/olriese-shell-will-investitionen-in-erneuerbare-energien-ausbauen/

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  11. Das ist eine große Glaskugel, die einen denken es geht in diese Richtung,die anderen wählen die entgegengesetzte ... Öl schwankt schon immer relativ stark, es gab nicht nur Anfang der 80er Krisen, sondern auch in den vergangenen Jahren. Da wurde Öl schon sehr oft abgeschrieben.

    Klimawandel und alternative Energien waren damals schon Thema, dennoch haben sich die Kurse erholt! Klar, es gibt gerade eine Prima-Klima-Stimmung und Tesla und Co steigen.

    Aber wer soll in den nächsten Jahren, gerade in Europa, Elektroautos kaufen? Zum einen fehlt die Infrastruktur... Mein Nachbar arbeitet im Energiesektor. Wenn jeder zweite in meiner Straße abends sein e-Auto laden würde, würde in der Straße das netz zusammenbrechen.
    ... Wer soll eAutos in den nächsten 2-5 Jahren kaufen? Es wird die Minderheit sein. Ich liege mit.meinem Gehalt über dem deutschen Durchschnitt... Aber nicht zu den obersten 10 Prozent. Mir wäre ein eAuto noch viel zu teuer, dazu die fehlende Infrastruktur... Ergo, kaufe ich mir in 2 Jahren wieder einen neuen Gebrauchten, den ich wieder für 2-4 Jahre fahren werde.
    Natürlich kann man von sich nicht auf andere schließen, ich bezweifle nur, dass der durchschnittliche Mittelstandsbürger, der normalerweise Gebrauchtwagen zwischen 6-12000 Euro kauft, in dieser Preiskategorie in den nächsten 5-10 Jahren (samt guter Infrastruktur) einen Elektrowagen kaufen bzw finden wird! Bis dahin brauchen wir das Öl bzw Benzin.

    Außerdem wird Öl für viele andere Branchen weiterhin gebraucht werden. Gerade gibt es einen Hype im elektoro und Wasserstoff etc, auf Schiffen und Co. Bis aber mindestens die Hälfte umgestellt sein wird, werden 10-20 Jahre vergehen.

    Und da sind wir schon beim Kern: es kommt auf den Anlagehorizont an...

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    1. Und zu Shell... Die haben seit wann ihre Dividende nicht mehr gesenkt, 1945?? Es gab durchaus düstere und tiefere Krisen (sofern man das bislang beurteilen kann), und sie hielten an der Dividende fest. Das muss gar nichts heißen, selbe Diskussionen bzw Spekulationen um Dividendenkürzungen gab es aber seitdem fast in jedem Jahrzehnt... Warten wir es mal ab.

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    2. Die Vergangenheit ist das eine, aber für die Zukunft spielt sie kaum eine Rolle. Die Dividende muss verdient werden, sonst fährt ein Unternehmen an die Wand. Und auch bei General Electric konnte sich niemand vorstellen, dass dieser Dividendenaristokrat seine Dividende fast auf Null reduzieren würde/musste - kurz bevor das letzte verbliebene Gründungsmitglied aus dem Dow Jones flog.

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    3. Die Dividende von Shell wurde trotz steigender Gewinne seit 2014 nicht mehr erhöht. Es sollte also kein Problem sein, die jetzige Dividende auch bei einem temporären Tief des Ölpreises halten zu können.

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    4. Und ich gehe gerade davon aus, dass es sich nicht um ein "temporäres" Tief handelt, sondern dass der Ölpreis dauerhaft niedriger notieren wird. Nicht unbedingt auf dem aktuellen Niveau, aber eben auch nicht mehr permanent über $40 für WTI.

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  12. Ich bin in Shell (A) und Daimler AG seit Jahren investiert, obwohl Shell ein big player bei Öl und bei Gas ist, werde ich mich bei der nächsten Erholung davon trennen.
    Von Daimler müssen wir gar nicht reden, ein Reinfall, sogar die Dividende wurde
    von 3,25 Euro (2018) auf 0.90 Euro in diesem Jahr gesenkt, was für ein Schock...
    Das ruft nach Tumult auf der HV, die wird aber wohl nicht stattfinden...

    VG
    JB

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  13. Shell gab heute die Kürzung seiner Dividenden um knapp zwei Drittel bekannt. Anstelle der bisherigen $0,94 wird es demnächst nur noch $0,32 geben. Es ist die erste Dividendenkürzung seit dem 2. Weltkrieg.

    Leider scheine ich mit meiner pessimistischen Prognose bzgl. der Öl-Werte richtig zu liegen...

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  14. Ich vermute, dass Shell in vielen Depots älterer Mitbürger liegt und die Dividende als sichere Zusatz-Rente bezeichnet wurde. Das tut mir ehrlich leid! Ich selber habe keine Öl-Aktien. Werde ich in 30 ... 40 Jahren den Weitblick und den Mut haben in neue Technologien zu investieren / umzuschichten ... ?

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    1. Ja, ein Trauerspiel, Shell ist seit Jahren eine feste Größe in den Depots vieler (älterer) Anleger und der Dividendenschnitt wird viele schocken.

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