Montag, 12. Oktober 2020

Kissigs Aktien Report: Was steckt wirklich hinter Teslas Lithium-Deal?

Im Rahmen der Kooperation mit Armin Bracks "Aktien Report" nehme ich mir in unregelmäßigen Abständen interessante Unternehmen vor. Die Ausgaben des "Aktien Reports" und/oder "Geld Anlage Reports" erreichen ihre Leser samstags kostenlos und "druckfrisch" im Email-Postfach und man kann sich ▶ hier beim "Geld Anlage Report" anmelden. Für die Leser meines Blogs hat das Ganze auch einen direkten Nutzen: mit einigen Tagen Zeitverzögerung darf ich die Analysen dann auch hier veröffentlichen...

Aktien Report Nr. 17 vom 3.10.2020

Was steckt wirklich hinter Teslas Lithium-Deal?

Tesla und sein Chef Elon Musk polarisieren und elektrisieren – im doppelten Sinne. Kaum ein Unternehmer ist so umstritten wie Musk, der mit seinem egozentrischen Verhalten immer wieder aneckt und auch öffentliche Konfrontationen nicht scheut. Mit wem er sich dabei anlegt, ist ihm relativ egal und wenn Bill Gates seinen Zorn auf sich zieht, dann kriegt dieser ihn auch wortgewaltig und ungefiltert zu spüren.

Bei allem Getöse sollte nicht übersehen werden, dass Musk ein Visionär ist. Man kann ihn zweifelsohne in eine Reihe stellen mit James Watt, Thomas Alva Edison oder dessen Rivalen Nikola Tesla – passenderweise der Namensgeber für Elon Musks Firma.

PayPal war sein erstes Erfolgsbaby und damit revolutionierte er den Zahlungsverkehr, schuf mit Digital Payments gar ein eigenes Segment. Mit Tesla hat er gezeigt, dass Elektroantrieb und attraktive Autos zusammenpassen, dass sie kein Widerspruch sind. Und mit seiner Hartnäckigkeit treibt er inzwischen die gesamte Automobilbranche vor sich her, wurde zu ihrem Trendsetter.

Wenn sich aber eine ganze Industrie, die weltweit viele Millionen Autos pro Jahr verkauft, grundlegend wandelt, sorgt dies nicht nur bei den bisherigen Platzhirschen für Anpassungsschmerzen, sondern schafft eine Vielzahl neuartiger Probleme. Denn es wird ja nicht lediglich der Brennstoff Benzin durch einen anderen ersetzt, sondern der Verbrennungsmotor steht inzwischen in Gänze vor dem Aus. Möglicherweise.

Doch wenn der Verbrennungsmotor komplett ersetzt wird und der Elektromotor an seine Stelle rückt, stellt sich die Frage nach der neuen Energiequelle. Woher kommt der Strom für den E-Motor und wie wird er kann er im Fahrzeug mitgeführt werden?

Während Befürworter der Brennstoffzelle (und die treibt dann ja letztlich auch nur einen Elektromotor an) die Antwort finden müssen, wie man den benötigten Wasserstoff sauber und mit möglichst wenig Energieverlust herstellen und transportieren kann, brauchen Elektro-Puristen Batteriekapazitäten für den sauberen Strom. Wasserstoff verbraucht viel Volumen, Batterien brauchen Platz und bringen viel Gewicht auf die Waage. Beides limitiert die Reichweite und Leistung der Elektrofahrzeuge und damit ihre Konkurrenzfähigkeit gegenüber Verbrennern.

Tesla setzt ausschließlich auf E-Technik und fokussiert sich daher auf die Batterie- und Ladezeit-Problematik. Dabei hat Tesla nicht nur Autos im Angebot, sondern neuerdings auch Stromspeicher. Die hierfür nötigen Batterien wiederum brauchen Lithium, denn das ist heute das Maß der Dinge in der Speichertechnik und wird es auch in absehbarer Zeit bleiben. Und, man ahnt es schon, Lithium ist nicht überall und unbegrenzt verfügbar. Der sichere und dauerhafte Zugriff auf Lithium wird damit zur Überlebensfrage der Energie- und Klimawende. Auch und gerade für Tesla.

Und es werde… Lithium

Lithium ist ein Leichtmetall, kommt in der Natur aufgrund seiner hohen Reaktivität allerdings nicht elementar vor; es ist also immer Bestandteil einer chemischen Verbindung. Bei Raumtemperatur ist es nur in völlig trockener Luft über längere Zeit stabil, reagiert aber langsam zu Lithiumnitrid. Wie alle Alkalimetalle reagiert elementares Lithium schon in Berührung mit der Hautfeuchtigkeit und führt so zu schweren Verätzungen und Verbrennungen. Viele Lithiumverbindungen, die in wässriger Lösung Lithium-Ionen bilden, sind daher als gesundheitsschädlich gekennzeichnet.

Lithium hat einen Anteil an der Erdkruste von etwa 0,006%. Obwohl Lithium damit häufiger vorkommt als beispielsweise Blei, ist seine Gewinnung durch die stärkere Verteilung aufwändig. Das weltweite Vorkommen wird auf 80 Millionen Tonnen geschätzt und verteilt sich auf Bolivien (21 Mio.), Argentinien (17 Mio.), Chile (9 Mio.), USA (6,8 Mio.), Australien (6,3 Mio.), China (4,5 Mio.), Kongo (3,0 Mio.), Kanada (1,7 Mio.), Mexiko (1,7 Mio., Russland (1 Mio.). Regionaler Schwerpunkt ist also eindeutig Südamerika und dann Nord- und Mittelamerika.

Lithiumsalze, insbesondere Lithiumchlorid, kommen verbreitet auch in Salzlaugen, meist Salzseen, vor. Die Konzentration kann bis zu einem Prozent betragen. Neben der Konzentration des Lithiums ist für die Qualität der Salzlauge das Mengenverhältnis von Magnesium zu Lithium wichtig. Derzeit wird Lithium vor allem in Chile (Salar de Atacama), Argentinien (Salar de Hombre Muerto), den USA (Silver Peak, Nevada) und China (Chabyêr Caka, Tibet; Taijinaier-See, Qinghai) gewonnen. Im bolivianischen Salzsee Salar de Uyuni mit geschätzt 5,4 Millionen Tonnen Lithium lagern vermutlich die größten Ressourcen.

Die heute wichtigste und am schnellsten wachsende Anwendung für Lithium ist die Verwendung in Lithium-Ionen-Akkus. Dabei wird der größte Teil der produzierten Lithiumsalze entweder direkt als Lithiumcarbonat, Lithiumhydroxid, Lithiumchlorid, Lithiumbromid eingesetzt oder zu anderen Verbindungen umgesetzt.

Teslas Lithiumhunger

In diesem Jahr plant Tesla, 500.000 Autos zu bauen, ein Plus von 36 Prozent. Ab 2025 will man durch Kostensenkungen soweit sein, in der Kompaktklasse anzugreifen und ein Modell für unter 25.000 Dollar auf den Markt bringen. Der Tesla als massentaugliches Fahrzeug mit entsprechend hohen Stückzahlen.

Für Tesla sind die wichtigsten Zukunftsfelder die nachhaltige Erzeugung von Energie, deren Speicherung und die Produktion von Elektrofahrzeugen. Für alle Ziele benötigt Tesla Lithium und zwar in großen und rapide steigenden Mengen. Das gilt auch für seine Wettbewerber in den jeweiligen Geschäftsfeldern.

Dem enormen Mengenwachstum setzt Tesla Innovation entgegen. Um die Wettbewerbsfähigkeit von Elektroautos zu steigern, müssen die Batterien deutlich günstiger und dafür leistungsfähiger werden. Tesla möchte die Produktionskosten halbieren, wozu u.a. eine zylindrische Zellanordnung beitragen soll, die 16 Prozent mehr Reichweite und eine sechsmal höhere Leistungsabgabe ermöglichen soll.

Um den eigenen Lithiumbedarf zu decken, steigt Tesla deshalb in den Abbau ein. Auf Teslas Battery Day verkündete Elon Musk kürzlich, Tesla habe hierzu in Nevada ein gut vier Hektar großes Bergbaugelände erworben. Des Weiteren schließt man Lieferverträge mit Lithium-Produzenten.

Der Piedmont-Deal

Der jüngste Deal erfolgte mit der australischen Piedmont Lithium. Die Partner haben sich auf einen Fünfjahresvertrag über die Lieferung von hochreinem Lithiumerz geeinigt. In dieser Zeit wird Tesla von Piedmont zum Festpreis Spodumen-Konzentrat beziehen, eines der wichtigsten Lithium-Erze, aus dem Lithium-Karbonat hergestellt werden, wenn auch unter hohem Energieaufwand. Lithium‐Karbonat ist die Grundlage für zahlreiche Verbindungen, die unter anderem für Batterien von Elektroautos verwendet werden.

Piedmont Lithium wird mit der Lieferung an Tesla voraussichtlich im Juli 2022 beginnen. So lautet der Plan. Und nun wird es etwas kompliziert…

Denn Piedmont fördert bisher noch gar kein Lithium, sondern man kann lediglich vollmundige Pläne dafür vorweisen. Tesla will jedoch kein Harakiri begehen und so enthält der Vertrag eine Klausel, nach der sich die beiden Partner auf ein Startdatum für die Spodumen-Konzentrat-Lieferungen zwischen Juli 2022 und Juli 2023 einigen müssen, basierend auf den gemeinsam abzustimmenden Entwicklungsplänen. Ein Schlupfloch für Tesla. Und Zweifel könnten durchaus angebracht sein, denn die Lagerstätte von Piedmont gilt nicht als ganz unproblematisch, da der Li2O-Gehalt mit etwas über einem Prozent eher mager ausfällt. Darüber hinaus hinkt Piedmont bei der Entwicklung der Lagerstätte zeitlich seinen Wettbewerbern hinterher.

Fragt sich also, weshalb sich Tesla gerade Piedmont ausgesucht hat. Und die Antwort ist wohl, dass es nur eine von mehreren Optionen ist. Denn in den letzten Jahren hat Tesla bereits ähnliche Deals abgeschlossen mit ebenso unbekannten Explorern, wie Bacanora und Pure Energy. Und die sind momentan noch immer weit davon entfernt, Lithium zu produzieren.

Für Piedmont ist der Tesla-Deal eine tolle Gelegenheit. Und zwar nicht erst dann, wenn es gelingt, Lithium zu produzieren und an Tesla zu verkaufen, sondern schon jetzt. Durch den Deal und die damit einhergehende mediale Aufmerksamkeit sprang der Aktienkurs an der australischen Börse gleich um fast 300 Prozent nach oben. Nicht überraschend wäre, wenn Piedmont versucht, nun einen fette Kapitalerhöhung durchzuziehen zu den unverhofft hohen Kursen, denn wie die meisten Explorer ist man chronisch unterfinanziert und lebt von regelmäßigen Geldspritzen.

Mein Fazit

Für Anleger ist das keine Option, denn Substanz hat Piedmont bisher nicht zu bieten. Wer diese Aktien kauft, kauft Luftschlösser in der Hoffnung, dass diese irgendwann einmal Realität werden. Eine Garantie hierfür gibt es nicht. Und auch kaum eine seriös abschätzbare Prognose.

Beim Investieren in Aktien geht es um Wahrscheinlichkeiten, nicht um das Setzen auf Hoffnungen. Hierin unterscheiden sich Investoren und Spekulanten. Bei PayPal tummeln sich die Investoren, bei Piedmont die Spekulanten. Bei Tesla ist die Entscheidung bisher noch nicht gefallen, wer die Oberhand behält…

Disclaimer
PayPal befindet sich auf meiner Beobachtungsliste und/ oder in meinem Depot/ Wikifolio.

Kommentare:

  1. Hallo Michael,

    macht es nicht dann auch Sinn Lithium Minen, z.B. ein ADR von Soc. Quimica Min. (WKN 895007) zu kaufen?

    Gruß, Reginald

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. In Rohstoffe und Rohstoffaktien investiere ich nicht/kaum, weil dort für Anleger hohe Risiken lauern und der Erfolg (des Unternehmens) kaum seriös abschätzbar ist. Daher habe ich hier auch keine große Kenntnis von irgendwelchen Werten/Aktien und kann keine fundierte Einschätzung dazu abgeben.

      Löschen
  2. Omg, man kann ihn nicht mit Tesla in ein Reihe stellen. Informieren Sie sich bitte endlich einmal. Über ihre Unternehmen und Aussagen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Stimmt, man kann Musk nicht mit Tesla vergleichen, denn der war nicht in der Lage, zum Mars zu fliegen.

      Löschen
    2. Ich schrieb, Musk sein ein Visionär und habe ich deshalb in eine Reihe gestellt mit Tesla, Watts, Edison. Ich sagte nicht, er sei ein genialer Erfinder. Es kommt allerdings darauf an, nicht nur eine tolle Idee zu haben, sondern diese auch umzusetzen, sie durchzusetzen. So war Siemens Erfinder des Telefaxgeräts. Aber sie wussten nichts damit anzufangen und haben die Idee/das Patent nach Japan verkauft. Und die haben 50 Jahre lang den Markt dominiert. Ein Visionär mit Umsetzungsdrang ist also mindestens genauso wichtig wie ein Erfinder.

      Löschen
  3. Moin Michael,

    guter Beitrag, verschafft mir einen kleinen Einblick und über Spitzfindigkeiten sehe ich hinweg. Vielleicht noch eine Ergänzung. Auch in Finnland gibt es Lithium-Vorkommen. Diese werden zum Teil an eine Batteriefabrik in Schweden geliefert, die ihren Energiebedarf mit Strom aus Wasserkraft von Norwegen bezieht. Interessanterweise sind die zwei Gründer dieses Unternehmens angeblich ehemalige hochrangige Tesla-Mitarbeiter. Ich glaube, daß es sich dabei um NORTHVOLT handelt, bin mir aber nicht sicher. Gelesen habe ich es irgendwann bei Börse online, finde den Artikel aber nicht mehr. Vielleicht lässt es sich auf diesem Wege klären. Danke und frohes Schaffen.
    Gruß
    Konrad

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Deinen Text verstehe _ich_ nicht. In wikipedia.de kannst du das nachlesen. Im Übrigen empfehle ich für solche Fälle die Finanznachrichten:
      https://www.finanznachrichten.de/nachrichten-aktien/northvolt-ab.htm

      Gruß
      Konrad

      Löschen