Samstag, 5. Dezember 2020

Texas Pacific Land Trust kann (mich) nicht mehr richtig überzeugen

Texas Pacific Land Trust habe ich seit zweieinhalb Jahren auf dem Schirm und in dieser Zeit lag die Aktie weit im Plus und deftig im Minus. Diese sehr volatile Aktie ist zudem eine sehr spannende Geschichte um Land, Öl und Streit unter den Großaktionären um Geld und Einfluss. Doch die Rahmenbedingungen haben sich geändert und auch meine Einstellung zu dem Geschäftsfeld Öl & Gas.

Für mich ist diese Geschichte daher an dieser Stelle zu Ende, obwohl mein Investmentcase grundsätzlich noch aufgehen könnte. Ich verabschiede mich von dem Wert und dafür habe ich natürlich (gute?) Gründe...

Texas Pacific Land Trust besitzt Land, viel Land, und zwar im Südwesten der USA. Der überwiegende Teil des von TPL gehaltenen Landes befindet sich im sog. Permian Basin, dem im Nordwesten von Texas (und kleineren Teilen von Südost New Mexiko) befindlichen größten Ölvorkommen der USA. Hierin wiederum liegen die größten Flächen des Trusts in den Bezirken Culberson, Reeves, Hudspeth und Loving, die das fruchtbare Delaware Basin des Perm überspannen. In diesem Gebiet sind derzeit vor allem Exxon Mobil, EOG Resources, Carrizo Oil and Gas, aber auch zunehmend Private-Equity-Firmen aktiv.

Mineral Rights / Royalties

TPL besitzt an seinen Flächen die sog. Mineral Rights, also die Förderrechte. Der Trust selbst betätigt sich aber nicht als Explorer und Ölproduzent, sondern vergibt seine Förderrechte an entsprechende Unternehmen; er erzielt sog. Royalties, also Einnahmeanteile. Die konkrete Ausgestaltung ist dabei individuell, aber grundsätzlich bedeuten Royalties, dass für jedes geförderte Barrel Öl der Trust einen Anteil bekommt, so dass eine höhere Produktion und/oder höhere Ölpreise automatisch mehr Geld für den Trust bedeuten.

Das Risiko des Trusts ist daher sehr überschaubar: da man nicht selbst investieren muss, besteht eigentlich das einzige Risiko darin, dass die Ölvorkommen zur Neige gehen, der Ölpreis abstürzt oder die Nachfrage nach Öl rapide nachlässt. Also dass die Einnahmen des Trusts dauerhaft sinken.

Das zweite Risiko hat sich TPL selbst ins Boot geholt, weil man vor einiger Zeit beschlossen hat, viel Geld in Wasserinfrastruktur zu investieren. Wasser wird benötigt, um die diffusen Öl- und Gasvorkommen im Schiefergestein zu lösen und an die Oberfläche befördern zu können. Und TPL wollte sich hiermit ein zweites Standbein schaffen. Nur... die massiv gesunkenen Preise für Öl und Gas haben das Interesse der Fracker an Land, Bohrrechten und damit auch Wasser enorm absinken lassen. Früher kein Problem für TPL, man hatte ja kaum Kosten. Doch nun hat man die Wasserversorgung aufgebaut und wird durch Abschreibungen belastet. Nicht nur ist das Geld ausgegeben, die Leitungen rotten in der Wüstensonne auch vor sich hin und müssen gewartet und gepflegt werden, damit sie nicht verschleißen.

Ich habe vor anderthalb Jahren die Geschichte, die Hintergründe und meinen ursprünglichen Investmentcase mal ausführlich dargelegt.

Contra

Weshalb ich von meinem Investmentcase nicht mehr überzeugt bin, ist aber die künftige Entwicklung des Öl- und Gaspreises. Ich hatte mich Ende Oktober ausführlich mit der Frage beschäftigt, ob das Öl-Zeitalter zu Ende gehe.
Dabei kam ich zu folgendem Fazit: "Die Energiebranche ist im strukturellen Wandel. Die einstigen Gewinnmaschinen stottern, weil ihnen ihr bisheriges Business wegbricht und sie dreistellige Milliardenbeträge in einer Förderinfrastruktur und Ausrüstung stecken haben, die künftig immer weniger genutzt wird. Hohe Abschreibungen und Abfindungen für Personalentlassungen drohen, während gleichzeitig frische Milliarden in die Hand genommen werden müssen, um diese in neue Geschäftsfelder zu investieren. Eine doppelte Belastung für den Cashflow, aus dem sich früher so schön die Dividenden und Aktienrückkäufe speisten. Diese Zeiten sind vorbei und das vermutlich für viele Jahre. Für Anleger heißt dies, dass in diesem Sektor viel Geld zu verlieren ist, während mögliche Gewinne mit hohen Risiken erkauft werden müssen. Es gibt bessere Chance-Risiko-Verhältnisse".

Um es klar zu sagen: ich glaube nicht, das ab morgen kein Öl oder Gas mehr benötigt und gefördert wird. Beides wird noch viele Jahre gebraucht, vor allem Gas für die Beheizung der Wohnungen. Die massiven Förderprogramme der Regierungen, ihre "Green Deals", werden aber das Kapital in andere Bereiche fließen lassen. Die Nachfrage nach Öl und Gas steht unter Druck und wird perspektivisch abnehmen - und zwar sehr viel schneller, als bisher angenommen. Shell, BP und andere wenden sich bereits von den fossilen Energieträgern ab und wollen künftig in diesem Sektor kaum noch Geld investieren.

Alles zusammen wird den Preis für Öl und Gas dauerhaft und zunehmend belasten. Hinzu kommt, dass große Produzenten, wie Saudi Arabien, Russland, Venezuela komplett von den Energieverkäufen abhängig sind, weil ihr Staatshaushalt direkt von den Einnahmen abhängt. Sie werden bei niedrigen Preisen also immer versuchen (müssen), möglichst viel Öl und Gas auf dem Weltmarkt zu verkaufen, um keine sozialen Unruhen in ihren Ländern und/oder einen Staatsbankrott zu riskieren. Der Zwang, gerade bei niedrigen Preisen das Angebot erhöhen zu müssen, und so den Preis noch weiter in den Keller zu treiben, ist eine Todesspirale.

Diese Entwicklung tritt nicht sofort und nicht durchgehend ein, aber sie wird den grundsätzlichen Trend für die Zukunft bestimmen.

Pro

Für TPL spricht, dass das Unternehmen sich in eine C-Corp umwandeln will und dann die Nachfrage seinen Aktien deutlich zunehmen dürfte. Bisher ist aufgrund der Rechtsform des Trusts Pensionsfonds, Investmentsfonds der Kauf dieser Aktien untersagt und sie können auch keinem Börsenindex angehören. Das könnte sich bald ändern. Auch wäre ein Aktiensplit möglich, um die Aktien wieder attraktiver für Anleger zu machen.

Darüber hinaus tobt hinter den Kulissen ein Machtkampf um die richtige Strategie. Bisher verkauft TPL Land nur in begrenztem Ausmaß und streicht lieber die Royalities ein. Der Großaktionär möchte aber stattdessen, dass TPL das Land verkauft inkl. der Förderrechte. So könnte das Geld sofort vereinnahmt werden und würde nicht über viele Jahre verteilt an TPL fließen. Nachteil: das Land wäre dann nicht mehr im Eigentum von TPL. Aber... es war nie Sinn und Zweck des Trusts, Landbesitzer zu bleiben. Sein einziger Zweck war (und ist!), die Investoren, die mit der ursprünglichen Bahnstrecke finanziell Schiffbruch erlitten, finanziell zu entschädigen. Der Trust soll all sein Vermögen möglichst teuer verkaufen, das Geld an seine Anteilseigner übergeben und sich dass auflösen. Diesen Zweck hat man über die letzten hundert Jahre etwas "entfremdet", weil sich auch anders schönes Geld verdienen ließ mit dem Trustvermögen.

Meine Einschätzung

Tja, mit niedrigen Energiepreisen ist auch der Wert des Landes gesunken und so stehen deutlich geringere Einnahmen an, als bei Ölpreisen von $100. Und da ich nicht davon ausgehe, dass die Ölpreise sich dauerhaft wieder in diese Richtung bewegen, komme ich zu dem Urteil, dass sich woanders besser Geld verdienen lässt. Anders ausgedrückt: Woanders gibt es bessere Chance-Risiko-Verhältnisse.

Und deshalb trenne ich mich von Texas Pacific Land Trust. Nach gut zweieinhalb Jahren ergibt sich inkl. Dividenden eine Rendite von 7,1% bzw. durchschnittlich 2,7% p.a. Das ist zwar im Plus, aber weit unter meiner langfristig angepeilten Zielrendite von 15% p.a. Naja...

Disclaimer: Ich streiche TPL von meiner Beobachtungsliste und/oder aus meinem Depot/Wiki.

Kommentare:

  1. Hallo Michael, ich bin über einen Kommentar von Dir über TPL auf Deine Seite aufmerksam geworden und finde Sie extrem spannend und informativ - vielen Dank dafür! Ich bin 2016 eher zufällig auf TPL gestoßen, damals noch bei 250€. Inzwischen bin ich zum 3.Mal investiert und auch dieses mal wieder im Plus (ca.13 Prozent seit Mai). Seit dem Wahlsieg von Joe Biden ist die Aktie um über 30% gestiegen...offenbar sehen die Investoren einen Wert für die Ländereien von TPL auch jenseits von Öl und Gas...denn über den Bau von Solar- und Windkraftanlagen könnte man erheblich vom Green Deal profitieren. Ich werde mal noch ein wenig drin bleiben, vielleicht geht es ja doch noch mal in Richtung 700€...Schöne Grüße Matthias

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    1. Danke für Dein Feedback, Matthias. Ichdrücke Dir die Daumen und wünsche Dir viel Erfolg mit Deinem Investment in TPL. Vielleicht gibt es ja bald die erhoffte Umstellung auf eine C-Corp und damit den Extrakick...

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