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Dienstag, 26. Januar 2021

MBB glänzt mit starken Zahlen. Und mit Vorwerks IPO- und Wasserstofffanatsie

MBB hat vorläufige Zahlen für das Geschäftsjahr 2020 vorgelegt und die lassen aufhorchen. Denn trotz Corona übertrifft das familiengeführte Beteiligungsunternehmen seine Prognosen deutlich. Was vor allem an der Tochter Friedrich Vorwerk liegt, die sich zum ganz großen Hoffnungsträger entwickelt hat. Vorwerk profitiert als führender Anbieter im Bereich der Energieinfrastruktur für den Gas-, Strom- und Wasserstoffmarkt von hohen und weiter steigenden Investitionen im Zuge der Energiewende und beflügelt die Fantasie der Anleger zusätzlich mit einem möglichen Börsengang.

Vorläufige Geschäftszahlen für 2020

Nach vorläufigen und noch ungeprüften Zahlen stieg im Geschäftsjahr 2020 der Umsatz um etwa 16% auf mehr als €685 Mio., wobei das bereinigte EBITDA bei über €83 Mio. lag. Dies entspricht einer bereinigten EBITDA-Marge von etwa 12% und einem Anstieg von rund 23% gegenüber dem Vorjahr. Bereinigt wurden dabei einmalige Anpassungsaufwendungen bei Aumann.

MBB hat damit die ursprüngliche Prognose, die auf mehr als €660 Mio. Umsatz und 8-10% EBITDA-Marge lautete, trotz Covid-19-Pandemie deutlich übertroffen.

Die Nettoliquidität der MBB Gruppe lag zum Ende des Geschäftsjahres 2020 bei mehr als €250 Mio., wovon €182 Mio. auf die Holding MBB SE entfielen. Diese €182 Mio. stehen für weitere Akquisitionen oder Add-on-Käufe für Töchter zur Verfügung, aber natürlich auch für Liquiditätshilfen, sofern Tochterunternehmen diese benötigen sollten. Die MBB-Gruppe ist also finanziell hervorragend aufgestellt in angespannten Coronazeiten.

Vorwerk glänzt

Momentan richtet sich der Blick vor allem auf Vorwerk, die maßgeblich zu dem Top-Ergebnis der MBB-Gruppe beigetragen haben. Nach ersten Einschätzungen erreichte der Umsatz von Friedrich Vorwerk im Geschäftsjahr 2020 rund €291 Mio. und das bereinigte EBITDA konnte auf über €58 Mio. gesteigert werden, während das bereinigte EBIT auf rund €47 Mio. stieg. Die bereinigte EBIT-Marge lag somit bei über 16%.

Friedrich Vorwerk geht dabei mit einem Rekord-Auftragsbestand von über €306 Mio. zum 31. Dezember 2020 in das neue Jahr, wovon bereits etwa 7% auf Anwendungen im Bereich Wasserstoff entfallen. So wurde gerade bekannt gegeben, dass Vorwerk für die Evonik den ersten Teil eines 130 km langen Abschnittes des öffentlichen europäischen Wasserstoff-Backbones erstellt. Insgesamt sollen bis 2050 europaweit rund €488 Mrd. in die Schaffung einer pan-europäischen Wasserstoffinfrastruktur inklusive über 23.000 km an H2-Transportinfrastruktur investiert werden.

IPO ante portas?

Der Aktienkurs von MBB klettert auf neue Höchststände, was einerseits an den starken Zahlen liegt und andererseits auch an der Fantasie, die der anvisierte Börsengang der Tochter Vorwerk entfesselt. Nachdem Schwergewicht Vorwerk sich als Champion im MBB-Portfolio präsentiert und auch vom neuen Zukunftstrend Wasserstoff profiziert und hier schon geldbringenden Aufträge an Land zieht, dürfte MBB auch dieses Mal wieder ein echter Glücksgriff gelungen sein, den man sich teilweise beim IPO versilbern lässt. Auch bei Aumann hatte MBB nur eine geringe Summe für den Kauf aufbringen müssen und konnte beim IPO und in der Folge seinen Einsatz mehr als wett machen - und hält noch immer 40% an Aumann.

Meine Einschätzung

Viele Anleger schauen nur auf Vorwerk und lassen sich vom Kursanstieg der MBB-Aktie blenden. Dabei liegt der eigentliche Wert von MBB in seinem Management. Dieses geht mit Bedacht vor und kauft nicht wahllos Unternehmen zu astronomischen Preisen zusammen, sondern schlägt nur in Ausnahmefällen zu und zu günstigen, wertsteigernden Preisen. Wie 2012 bei Claas (Kaufpreis €31 Mio. mit €29 Mio. in der Kasse), wie 2016 bei Aumann (Kaufpreis ca. €17 Mio.), wie 2019 bei Vorwerk (für rund €17 Mio. erworben). Aus diesen Käufen wurden starke Unternehmen geformt, bei denen MBB Großaktionär bleibt und sie in seiner Bilanz konsolidiert. So hat man Claas und Aumann zur Aumann AG zusammengelegt und hält trotz IPO heute noch 40%. Ähnlich dürfte es auch bei Vorwerk laufen, wo MBB seinen beherrschenden Einfluss trotz Börsengang nicht abgeben wird.

Quelle: wallstreet-online.de
Ich bin seit 2012 bei MBB an Bord, als mir der große Umsatz- und Ergebnisschub durch die Claas-Akquisition klar wurde, die MBB in ganz neue Dimensionen hob. Das Aumann-IPO war der zweite transformatorische Schritt und der dritte war die Übernahme von Friedrich Vorwerk. Das Vorwerk-IPO schreibt diesen "nur" fort, ist aber noch lange nicht das Ende der Erfolgsstory von MBB; MBB hält aktuell 66% an Vorwerk. 

Mit €182 Mio. Nettocash in der Kriegskasse (der Holding) hat MBB reichlich "dry Powder", um weitere lukrative Zukäufe zu stemmen. Dass man hierbei nicht die höchsten Preise bezahlt, muss kein Nachteil sein. Denn Firmenverkäufer sehen nicht immer nur auf das Geld; viele Gründer wollen ihr Lebenswerk erhalten und in bewahrende Hände geben. Und MBB hat sich hier mehrfach als klarer "Anti-Finanzinvestor" bewiesen, als Mitinhaber, die ein Unternehmen so altem und neuem Glanz führen und dabei als Inhaberunternehmer agieren und nicht im Stil von Unternehmensberatern. Das Vorwerk-IPO wird den Blick auch auf MBB lenken und viele Firmeninhaber, die vor einem Verkauf stehen, z.B. weil die Unternehmensnachfolge in der eigenen Familie nicht gesichert ist, werden MBB richtig wahrnehmen: als Heimat für mittelständische Top-Unternehmen. Um hier dazuzugehören, spielt der Preis eine weniger wichtige Rolle. Gut für MBB, gut für seine Aktionäre, gut für mich.

Disclaimer: Habe MBB auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

3 Kommentare:

  1. Moin Michael. Bei Steico hast du Worte aufkommen lassen, nach denen die dir Bewertung aktuell deutlich zu hoch erscheint. Ist, deiner Meinung nach, im Kurs von MBB bereits zu viel "Wasserstofffantasie" eingepreist oder meinst du die Bewertung ist hier, trotz des Anstiegs, attraktiver?
    Gruß Matze

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    1. Moin Matze,
      ich habe bisher bei MBB das Thema Wasserstoff eher selten gehört als Kaufargument. Weiß natürlich nicht, was die Börsenkiddies auf ihren Kanälen so treiben, da tummle ich mich ja nicht. Vorwerk verdient gutes Geld mit Aufträgen aus diesem Sektor und das bietet Perspektiven für viele Jahre, weil hier eine neue europaweite Infrastruktur geschaffen werden muss. Super Aussichten, auch für Muddi MBB.

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  2. Das Thema Wasserstoff habe ich durch Linde und Air Liquide abgedeckt. Die meisten Wasserstofftitel sind mir viel zu hoch bewertet und gehypt.

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