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Mittwoch, 27. Januar 2021

Microsoft punktet mit Rekordzahlen bei Umsatz, Gewinn und Cloudwachstum

Microsoft hat alle Erwartungen pulverisiert! Anders kann man diese Demonstration der Stärke nicht bezeichnen, die der Software-Dino mit Vorlage seiner Zahlen zum 2020er Schlussquartal aufs Parkett gedonnert hat.

Corona befeuert Microsofts Business in fast allen Sparten, so viel war schon vorher klar. Bereits im letzten Sommer hatte CEO Satya Nadella darauf hingewiesen, dass StayAtHome und WorkFromHome die digitale Transformation um Jahre beschleunige und dabei natürlich der Absatz an Surface-Tablets und -Notebooks in die Höhe schnellt genauso wie der Verkauf von Windows 10 und Office-Anwendungen, der Xbox und die Nachfrage nach Cloudlösungen (Azure), wo Microsoft hinter Amazon (AWS) der weltweit zweitgrößte Anbieter ist. Aber am Ende lief es für Microsoft noch viel besser als erwartet...

Der Gesamtumsatz stieg im zweiten Geschäftsquartal von $36,91 Mrd. im Vorjahr auf $43,08 Mrd. und übertraf die Schätzungen der Analysten von $40,18 Mrd. deutlich.

Der Fokus liegt natürlich auf der Cloud. Hier stieg der Umsatz im Segment "Intelligent Cloud" um 23% auf $14,6 Mrd., wobei Azure um 50% zulegte. Dies war das zweite Quartal der Wachstumsbeschleunigung, nachdem in den Vorquartalen 47% und 48% Wachstum zu verzeichnen gewesen waren. Analysten hatten lediglich ein Wachstum von 41,4% bei Azure erwartet.

Microsoft bündelt mehrere Arten von Software und Diensten, wie Office und Azure, an Großunternehmen in einer "Commercial Cloud"-Metrik und die Bruttomargen betrugen im Quartal 71% gegenüber 67% im Vorjahr.

Der Umsatz im Segment Personal Computing, zu der Windows-Software und Xbox-Spielekonsolen gehören, stieg um 14% auf $15,1 Mrd., vor allem durch das starke Wachstum von Xbox-Inhalten und -Diensten, das um 40% zulegte. Das Gaming-Business erzielte zum ersten Mal einen Quartalsumsatz von $5 Mrd. und wurde von Gaming-Abonnements und -Verkäufen sowie neuen Konsolen angetrieben. 

Quelle: wallstreet-online.de
Microsoft hatte im November zwei neue Xbox-Konsolen herausgebracht, aber globale Lieferengpässe bei Halbleitern führten zu knappen Lagerbeständen und sorgten für Bedenken hinsichtlich des Absatzes. Doch die Verkäufe von Xbox-Hardware stiegen trotzdem um 86%, wobei auch die älteren Modelle noch stark zum Umsatz beitragen.

Die Nachfrage nach Microsofts monatlichem Gaming-Abonnement GamePass legte ebenfalls weiter rasant zu auf 18 Mio. Nutzer gegenüber 15 Mio. im September. Der Xbox Live-Online-Spieledienst hat monatlich mehr als 100 Millionen aktive Benutzer.

Microsoft Teams verzeichnet inzwischen täglich 115 Mio. Nutzer, wobei die mobile Version 60 Mio. Nutzern täglich verwendet wird.

Aber auch die Umsätze beim Sozialen Netzwerk LinkedIn zogen weiter stark an. Dank der Erholung des Werbemarkts war eine Steigerung um 23% zu verzeichnen.

Ausblick

Das Wachstum dürfte anhalten. So erwartet Microsoft für das laufende dritte Geschäftsquartal einen Umsatz von $14,83 Mrd. aus dem Segment "Intelligent Cloud", für das "Productivity Segment" $13,48 Mrd. und im Segment "Personal-Computing" $12,50 Mrd., was jeweils über den bisherigen Erwartungen der Analysten liegt.

Meine Einschätzung

Microsoft läuft in allen Bereich unter Volldampf. Dabei sieht man sich keinen kartellrechtlichen Verfahren ausgesetzt und kann daher alle Wachstumschancen optimal nutzen. Corona sorgt für mächtig Rückenwind, aber die Erfolge basieren nicht auf Corona alleine, sondern Corona sorgt "nur" für eine Beschleunigung eines schon länger anhaltenden Trends hin zu mehr Home Office, Clouddiensten und Online-Gaming. In allen Segmenten ist Microsoft mit seinen Angeboten Marktführer oder erster Herausforderer. Insbesondere bei Clouddiensten (Azure) hat sich das Wachstum nochmals beschleunigt und man konnte hier dem Marktführer AWS zuletzt immer wieder Marktanteile abnehmen. Obwohl auch AWS weiterhin stark wächst.

Die Aktie von Microsoft ist inzwischen hoch bewertet. Sowohl verglichen mit den Zeiten vor Nadella, als es kaum Wachstum gab und Microsoft eher seine Pfründe zu verteidigen suchte mit unsagbar schlechten Übernahmen (Nokias Handysparte, die zu zweistelligen Milliardenabschreibungen führte), als auch mit der durchschnittlichen Bewertung über viele Jahre hinweg. Das ist allerdings erklärlich, weil das Wachstum in den letzten Jahren angezogen hat dank Nadellas "mobile first, cloud first"-Ansatz, der erst diese Wachstumsschübe ausgelöst hat.

Microsoft wächst stark und das Wachstum lässt nicht nach, wobei die Profitabilität weiter zulegt. Die Cashflows steigen und auch der Cashbestand, der wächst, obwohl viel Geld für Dividenden und Aktienrückkäufe ausgegeben wird. Microsofts Burggraben ist gewaltig und kaum zu überwinden. Das alles sind Merkmale eines Quality Investments, so dass die Bewertungsaufschläge gerechtfertigt sind und Anleger nicht zurückschrecken lassen sollten.

Disclaimer: Habe Amazon, Microsoft auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

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