Mittwoch, 5. Januar 2022

Charlie Munger verdoppelt seinen Einsatz bei Alibaba - nochmals

Charlie Munger
hat weitere Aktien der Alibaba Group gekauft im 2021er Schlussquartal. Und zwar nicht für seine mit Warren Buffett betriebene Investmentholding Berkshire Hathaway, sondern für seine eigene Vermögensverwaltung, die Daily Journal Corp, die er 1977 übernahm und bei der er seitdem Chairman ist.

Munger agiert äußerst selten und zwar immer nur dann, wenn er sich absolut sicher ist, eine Jahrhundertgelegenheit gefunden zu haben. Dann steigt er groß ein und zwar nicht mit Kleckerbeträgen. Nach vielen Jahren hatte er im Frühjahr 2021 erstmals wieder zugeschlagen und zwar ausgerechnet bei Alibaba. Im Herbst hatte er seinen Bestand annähernd verdoppelt, doch der Aktienkurs befindet sich weiterhin im Sturzflug und Munger verdoppelt seinen Einsatz - erneut...

"Es erfordert Charakter, auf so viel Geld zu sitzen und nichts zu tun. Aber ich bin nicht deshalb so erfolgreich, weil ich mich mit mittelmäßigen Gelegenheiten abgegeben habe."
(Charlie Munger)

Im Portfolio von The Daily Journal ist Ende des 4. Quartals 2021 weiterhin die Bank of America (39,5%) die größte Position gefolgt von Wells Fargo (29,5%). Auf Rang drei liegt weiterhin Alibaba mit nun 27,5% Depotanteil ein vor U.S. Bancorp. (3%) und POSCO (0,2%).

"Weise Investoren setzen viel, wenn die Welt ihnen großartige Gelegenheiten bietet. Sie setzen viel, wenn die Chancen auf ihrer Seite sind. Den Rest der Zeit tun sie das nicht. So einfach ist das."
(Charlie Munger)

Alibabas Aktienkurs verlor 2021 massiv aufgrund des regulatorischen Crackdowns seitens Chinas Regierung, die längst auch andere Sektoren aufs Korn genommen und somit die chinesischen Aktienkurse unisono Richtung Süden geschickt hat.

Ungeachtet dieses Gegenwind im Heimatmarkt expandiert Alibaba in weitere Segmente und Regionen und stärkt seine verschiedenen Standbeine, wie die Logistik. Und Charlie Munger zeigt, dass er weiterhin von Alibaba überzeugt ist, indem er nun weitere 300.000 Alibaba-Aktien zugekauft und seinen Bestand damit um 99,32% auf 602.060 beinahe verdoppelt.

Im 1. Quartal 2021, als Munger erstmals Alibaba-Aktien kaufte,  hatte er auf einen Schlag ein Fünftel seines Vermögens in eine neue Aktie gesteckt, was für eine große Überzeugung sprach. Im 3. Quartal stockte er seinen Bestand um 82,71% auf und verdoppelte ihn noch in die weiter fallenden Kurse hinein (auf Dollarbasis fielen die Alibaba-ADRs 2021 immerhin um 47%), wodurch sein Aktienpaket kräftig unter Wasser liegt. Insgesamt dürfte die Position mit rund 23% in Minus liegen. Aber das dürfte Charlie Munger nicht stören. Er achtet nicht auf den Aktienkurs, sondern beteiligt sich an dem Unternehmen. Und wenn er für seine Anteile zu viel bezahlt hat im Vergleich zu Kursen, die "Mr. Market" zu irgendeinem anderen Zeitpunkt geboten hätte, dann akzeptiert er das.

"Jedes intelligente Investieren ist das Investieren in Werte - mehr bekommen als das, wofür du bezahlst. Investieren ist, wenn du einige großartige Unternehmen findest und dann auf deinem Hintern sitzt."
(Charlie Munger)

Anmerkung: Neben Charlie Munger setzt auch die Softbank Group auf Alibaba, denn dort ist man im Jahr 2000 beteiligt, als man für einen Anteil von 29,5% $20 Mio. ausgab. Heute hält Softbank Group noch rund 26%. Dem entsprechend hängt der Softbank-Kurs maßgeblich an der Entwicklung des Aktienkurses der Alibaba Group.

Disclaimer: Habe Berkshire Hathaway, Softbank Group auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

6 Kommentare:

  1. Danke für die Info. Trotz Munger fühle ich mich mit meinem Alibaba-Investment nicht so recht wohl. Habe den Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen. Das fällt mir angesichts eines chinesischen Unternehmens sehr schwer. Als Europäer habe ich gewisse Vorstellungen von China. Aber stimmen sie mit der Realität überein? China hat für mich den Staatskapitalismus perfektioniert. Die Ziele sind in den jeweilen Fünfjahresplänen nachzulesen. Gegenwärtig legt man Wert darauf, dass die zwei Wirtschaftskreisläufe (Binnenwirtschaft und Export) autarker werden. Ich traue mir nicht zu, die Auswirkungen auf Alibaba zu bewerten. Kann Munger das?

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    1. Ich denke, dass Munger das wesentlich besser einschätzen kann, als 99% der übrigen Menschen, die sich mit der Sache befasst haben. Denn er liest den ganzen Tag und informiert sich über jede Kleinigkeit - erst dann handelt er. Er wird sich also über die ADR-Problematik, die VIE-Problematik und die Aktionen der chinesischen Regierung und der Behörden genaustens informiert haben und er hat mit Sicherheit nicht gerade jetzt damit aufgehört, sich mit Li Lu auszutauschen - der hatte ihn ja auch vor 13 Jahren auf BYD gebracht.

      Also... ich glaube, Charlie Munger weiß genau, was er da tut und er ist bestens im Bilde. Das bedeutet aber nicht, dass er sich nicht trotzdem irren kann. Ein Restrisiko gibt es immer. Aber das werden wir sicherlich nicht in ein paar Monaten herausgefunden haben, sondern auf lange Sicht. Und genau das ist Mungers Investmenthorizont - trotz seiner inzwischen 98 Jahre.

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  2. @Anonym: Mir ging es ähnlich und deshalb habe ich am Montag die Reißleine gezogen und bin mit knapp -30% ausgestiegen.. Xi Jinping ist mir persönlich dann doch ein zu heißes Eisen..

    Meine Anteile an Softbank werde ich weiter halten, aber mit den Beteiligungen über die ADRs konnte ich einfach nicht mehr ruhig schlafen.

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  3. Ich habe meine ADRs letztes Jahr aus steuerlichen Gründen verkauft und habe gestern Alibaba-Aktien im gleichen Wert an der Börse in Hong Kong gekauft, allerdings mit einigen Bauchschmerzen. Mit Degiro ist das einfach möglich. Mal sehen, ob sich die Schmerzen auszahlen.
    Munger hat kürzlich in einem Interview verlauten lassen, dass er die chinesische Führung dafür bewundert, wie sie handelt. Klug. Also den Boom nicht zusätzlich befeuert, sondern einhegt. Vielleicht ein China-Bias? Ich kann die Begeisterung von Munger angesichts der Effizienz, die China an den Tag legt, durchaus nachvollziehen. Andererseits kann es auch gefährlich werden, sich in eine Aktie zu verlieben.

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  4. Hat Munger eigentlich ADRs gekauft oder Alibaba 9988 auf dem Hang Seng exchange?

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    1. Dem 13F von "Daily Journal" zufolge, sind es die ADS: Alibaba Group Holding Ltd, Sponsored ADS, 01609W102.

      https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/783412/000143774922000255/xslForm13F_X01/rdgit040521.xml

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