Montag, 13. Juni 2022

Kissigs Portfoliocheck: Mit Ally Financial spekuliert Value Investor Bill Nygren jetzt auf Kredit

In meiner Kolumne "Kissigs Portfoliocheck" nehme ich regelmäßig für das "Aktien Magazin" von Traderfox die Depots der besten Investoren unserer Zeit unter die Lupe.

Bei meinem 194. Portfoliocheck beschäftige ich mich mal wieder mit Bill Nygren, Portfolio Manager und CIO des Oakmark Funds, mit dem er seit dessen Gründung 1991 eine beeindruckende durchschnittliche jährliche Rendite von 13 % vorweisen kann.

Bill Nygren fährt einen fokussierten Investmentstil mit einigen wenigen, ausgesuchten Werten. Zum Ende des 1. Quartals 2022 hatte er 57 Werte im Depot, darunter lediglich fünf neue. Seine Turnoverrate stieg gegenüber dem Vorquartal weiter an und lag bei 11 %.

An der Branchengewichtung hat sich nichts geändert. Mit 32,4 % bleiben die Financial Services in Nygrens gut 16,8 Mrd. USD Dollar schweren Depot an der Spitze, allerdings hat ihr Gewicht um knapp 3 % nachgegeben. Communication Services folgen ihnen mit 15,9 % vor Energiewerten, die von 8,5 % auf 11,3 % zulegten. Zyklische Konsumwerte liegen mit 9,7 % weiterhin auf Platz vier, während Technologiewerte mit nun 9,5 % vom dritten auf den fünften Rang zurückfielen.

Auf den ersten Blick fällt gleich auf, dass Nygren bereits damit begonnen hat, von Value- zu Growth-Aktien umzuschichten. Mit seinem antizyklischen Manöver war er allerdings recht früh dran, wie wir heute wissen. EOG Resources steht erstmals an der Spitze von Bill Nygrens Depot. Der starke Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise hat auch die Aktien des US-Öl- und Gasexplorers kräftig angeheizt, so dass der bisherige Spitzenreiter Alphabet auf Platz zwei verwiesen wurde. Ally Financial ist ihm jedoch dicht auf den Fersen. Ally rangiert nach verwalteten Vermögenswerten auf Platz 23 der größten US-Banken. Dabei ist sie die größte digitale Direktbank in den USA mit einem verwalteten Vermögen von mehr als 184 Mrd. USD. Ihr Schwerpunkt ist die Automobilfinanzierung, die die Umsätze und Gewinne schon lange prozentual zweistellig antreibt. Das dürfte auch so bleiben und Bill Nygren ist mit 4,1 % inzwischen der fünftgrößte Aktionär des Unternehmens.

-▶ zum Artikel auf aktien-mag.de

Disclaimer: Habe Alphabet auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot/Wiki.

5 Kommentare:

  1. Hi Michael, a Pros pros steigende Zinsen: Was macht dein Hypoport Investment Case? Ist das schon auf die Kreditvermittlung absehbar zumzulegen?

    Grüße, Dagobert

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    1. Moin Dagobert,
      ich bin mir nicht sicher, ob ich Deine Frage richtig verstehe. Ich versuche mich trotzdem mal an einer Antwort. Hypoport leidet unter einer hohen Bewertung und der zuvor sehr hohen Bewertung an das neue Segment Versicherungsplattform. Diese ist inzwischen wohl komplett aus den Kursen ausgepreist. Des Weiteren sorgen steigende Zinsen und weniger Hausverkäufe dafür, dass der Markt Sorgen über einen Einbruch beim Hypoport-Erfolgssegment EUROPACE hat. Ist ja auch logisch - jedenfalls auf den ersten Blick. Auf den zweiten Blick sinken die Neubauzahlen, weil es an material fehlt, an Personal und ggf. die Preise ein Projekt unrentabel machen. Nicht, weil keine Nachfrage da wäre! Dass es weiterhin große Nachfrage gibt, sieht man an den explodierenden preise für Gebrauchtimmobilien. Wenn nun aber die Zinsen weiter ansteigen, verteuert das die Immobilien (-finanzierung) deutlich. Dann können sich weniger Menschen eine Immobilien leisten. Aber... wenn momentan 50 Interessenten auf eine Immobilie kommen, sind es künftig vielleicht nur noch 20. Um den Deal abzuschließen, braucht es nur einen.

      Ich sehe daher keinen starken Einbruch am Immobilienmarkt. Sobald die Preise etwas fallen sollten, erhöht sich die Zahl der Interessenten wieder.

      Was ich sehe, ist eine starke Reduzierung der Bankfilialen und ein weiterhin großer Zuwachs an Immokreditvermittlungen über EUROPACE. EUROPACE gewinnt weiter Marktanteile hinzu und hat den einzigen wirkliche relevanten Gegenspieler Interhyp klar abgehängt. Die Zahl der über EUROPACE vermittelten Kredite wird weiter deutlich zunehmen, weil mehr Institute teilnehmen und zunehmend auch Anschluss- und Umfinanzierungen über EUROPACE laufen werden. Bisher lag der Fokus auf Neugeschäft, aber die Banken wickeln immer öfter auch ihren Immokreditbestand über EUROPACE ab, wenn dort die Zinsbindung ausläuft. Während also immer mehr Volumen über EUROPACE generiert wird, steigt der Aufwand von Hypoport nicht mehr weiter an. Der Zaubereffekt der Skalierung tut seine Wirkung.

      Geld "verschlingt" noch der Aufbau den übrigen Geschäftsfelder im Immobereich und natürlich die Versicherungsplattform. Ich widerhole mich hier... Warren Buffett unterteilt diese Investitionen im Rahmen seiner Owner-Earnings-Betrachtung in pflichtige und freiwillige Investitionen. Pflichtig sind die, die zur Aufrechterhaltung des Kerngeschäfts nötig sind (EUROPACE), alle anderen leistet sich das Unternehmen für künftiges Wachstum. Das muss es aber nicht. Insofern könnte Hypoport sofort höchst profitabel agieren, wenn es nur noch EUROPACE betreiben würde (und Dr. Klein). Unter diesem Blickwinkel ist Hypoport keinesfalls (mehr) überbewertet und die Versicherungsplattform kann eigentlich nur noch positiv überraschen. Also ja, mein Investmentcase ist völlig intakt, auch wenn der kursverlauf etwas anderes vermuten lassen könnte.

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  2. Hi Michael, vielen Dank für die ausführlichen Worte. Ja in der Tat hat der Kurs massiv gelitten.
    Natürlich sind die Investitionen hier schwerer einzuschätzen, wenn man auf die aktuellen Gegebenheiten (steigende Fianzierungszinsen etc) schaut.
    Aber wie du sagst, denke ich auch, dass Hypoport sich kursbezogen erholen wird. Aber ich hatte und habe Schwierigkeiten den Immo-Finanzierungsmarkt einzuschätzen. Preisanstiege der letzten 19 Jahre sollten ja nach deiner Aussage machbar sein, wenn man bedenkt, dass die Nachfrage auch dank ebenfalls steigender Mieten hoch sein wird, Häuser zu kaufen, wenn auch nicht imnmer bauen zu können.
    Danke für die vielen erklärenden Worte, macht es mir etwas klarer. Schönen Feiertag dir :)

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  3. Finde die Frage nach dem allgemeinen Immo-Markt sehr spannend, die Aspekte scheinen mir diesmal nicht so einfach gestrickt zu sein nach dem Motto "Angebot vs. Nachfrage => Preis". Insbesondere, dass die Baukosten stark gestiegen sind und das Angebot sich langsamer erhöht als die grundsätzliche Nachfrage (Wunsch, eine Immo zu besitzen). Wenn jetzt auch noch die Finanzierung teurer wird, führt das eher zu noch weniger Angebot. D.h. statt teuer neu zu bauen, versucht man ehemals günstig gebaute Gebrauchtimmos zu erwerben und / oder weiter von der teuren Stadt weg. Meine These:
    Entscheidend wird sein, wie stark die kommende Rezession sein wird. Wenn sich die Krise in die Mitte der Gesellschaft (für die Immos bisher finanzierbar waren) frisst, werden viele Finanzierungen nicht mehr zustande kommen bzw. bestehende sogar platzen. In dem Fall könnte ein Einbruch (von Preisen und Finanzierungen) stattfinden. Wenn die Rezession eher milde verläuft, so dass es weiterhin deutlich mehr solvente Interessenten als Angebot gibt, wird sich wenig ändern.
    1 Prognose wage ich: Die Preise in den teuren Innenstädten werden im Vergleich am meisten unter Druck geraten. Denn die beruhen bisher u.a. auf der Attraktivität der Innenstädte zum Einkaufen und Arbeiten. Mit E-Commerce und Home Office schwinden beide Vorteile - warum sollte man für die schlechte Luft, den engen Raum und den vielen Lärm so viel mehr Geld ausgeben als weiter draußen?

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    1. In Zeiten hoher Energiekosten und zunehmender Klimasensibilität sind kurze Wege ein zunehmendes Argument - und das bedeutet gut ausgebaute Infrastruktur und ÖPNV. Findet man auf dem Land selten, in den Innenstädten hingegen schon. Das dürfte den von Dir genannten Effekten zumindest teilweise entgegenwirken.

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