Der Iran-Krieg ist zurück. Naja, eigentlich war er nie wirklich weg, denn Trumps Pseudo-Friedensagreement war so löchrig, dass ganze Flugzeugträger hindurchgepasst hätten. Die einzige Einigkeit zwischen den USA und dem Iran bestand eigentlich darin, dass man sich nicht einig ist – und sich 60 Tage darüber streiten will, über was an sich eigentlich einigen müsste. Was auch immer, der Ölpreis war von seinen Kriegsangsthochs wieder zurück auf Los geschnellt – doch inzwischen ist alles wieder vorbei.
Es wird wieder geschossen, die Straße von Hormuz ist dicht, der weltweiten Öl-Versorgung fehlen 20% an Kapazität. Und doch gibt es Neues: der Iran soll seine Huthi-Verbündeten im Jemen aufgefordert haben, die Meerenge von Bab al-Mandab zu sperren. Bab al-Was? Genau, niemand kennt das, aber den Suez-Kanal, von dem hat man schon gehört. Asiens schnellste Verbindung nach Europa führt durch Ägyptens künstliche Wasserstraße ins Mittelmeer. Und an der südwestlichen Spitze der Arabischen Halbinsel liegt der Jemen.
Wird auch diese Route gesperrt, wird der Seeweg für arabisches Öl sehr viel länger. Die ersten Raketen auf Saudische Öl-Tanker wurden bereits von den Huthis abgeschossen und die Route ist de facto dicht. Damit steigen die Frachtraten und es wird weniger Öl transportiert, weil dieselben Tankerkapazitäten länger mit derselben Menge an Öl beschäftigt sind.
Neu ist allerdings auch, dass weltweit Staaten ihre strategischen Öl-Reserven auf den Markt geworfen haben, um den Öl-Preisschock abzumildern. Mit Erfolg, was den Preisauftrieb anging. Dummerweise sind die Reserven nicht unendlich und weitgehend geleert. Diese Zusatzangebot fällt also bald aus und kehrt sich dann in Zusatznachfrage um, denn der Iran-Krieg hat gezeigt, dass strategische Öl-Reserven elementar sind.
Es droht ein Dreifachpunch aus zwei Sperrungen wichtiger Schifffahrtsrouten und dem Versiegen der Öl-Reserveflut. Die sich gerade etwas beruhigenden Inflationsdaten dürften nun neue Nahrung kriegen, die dann weit nach 2027 hineinschwappen dürfte. Jedenfalls wenn die Sperrungen nicht sofort aufgehoben werden. Und danach sieht es nicht aus. Da kann auch das erhöhte Fördervolumen der OPEC+ allein und die aktuelle Nachfrageschwäche in Asien nicht mehr viel retten.
Die Inflation ist da. Und sie wird erstmal bleiben. So wie auch das erhöhte Zinsniveau. Das steht natürlich nicht auf den Titelseiten. Noch nicht. Aber das kommt. Und schlaue Anleger machen ihr Depot entsprechend sturmfest, um nicht voll unter die Räder zu kommen, wenn es hart auf hart kommt...

..und dann ist noch das Thema Gasversorgung in Europa und speziell Deutschland, das uns vermutlich im Winter beschäftigen wird: Aktuell sind die EU-Gasspeicher zu rund 54,6 % gefüllt (https://agsi.gie.eu/). Der EU-Füllstand liegt derzeit also ungefähr 14 Prozentpunkte unter dem saisonalen Fünfjahresmittel von rund 68–69 %. Deutschland verfügt über rund 244 TWh Speicherkapazität; aktuell sind davon gerade mal ungefähr 112 TWh gefüllt. https://www.bundesnetzagentur.de/DE/Gasversorgung/aktuelle_gasversorgung/_svg/Gasspeicher_Fuellstand/Speicherfuellstand.html
AntwortenLöschenMoin Konstantin,
Löschenbzgl. der Gasfüllstände bin ich weitgehend bei dir. Der niedrige Füllstand im Winter 2025/26 war schon gefährlich, da der Winter kälter war und deutlich länger anhielt als erwartet. Ich bin als Aufsichtsratsvorsitzender ja dies bezüglich oft im engen Austausch mit der Geschäftsführung unserer Stadtwerke und führe da entsprechende Gespräche. Und von dort kommt regelmäßig das Argument, dass die breite Versorgung insbesondere über diverse LNG-Quellen, eine stabile Versorgungslage sicherstellt und die Gas-Füllstände im Winter nicht mehr die gleiche wichtige Bedeutung haben wie noch vor einigen Jahren.
Solange nichts Gravierendes passiert, ist das sicherlich richtig. Wir haben aber ja auch erst kürzlich (in 2022) erlebt, wie sich ein Abdrehen des russischen Gashahns existenzbedrohlich auswirken kann. Das war zwar selbst verschuldet bzw. politisch gewünscht von deutscher/europäischer Seite aus, aber die Gasmangellage war ja ein reales Szenario. Nun beziehen wir kein russisches Pipelinegas mehr, aber dafür ist eine Pipeline aus Norwegen inzwischen von erheblicher Bedeutung. Und wenn hier die Zuleitung ausfällt, z.B. wegen Wartung, Unfall, Anschlag, dann haben wir durchaus eine Gasversorgungskrise. Und wenn sowas im tiefsten Winter passiert, dürfte das gefährlich werden.
Ich will damit nur sagen, dass die Versorgungslage solange entspannt aussieht und die Gasfüllstände kein Problem darstellen, wie alles im geplanten Rahmen läuft. Doch nach meiner Erfahrung gibt es immer wieder mal Episoden, wo es stottert. Und das bereitet mir durchaus Sorgen und verhindert, dass ich mich einfach entspannt zurücklehne.
..und wie könnte man ein Depot sturmfest machen...wäre für Anregungen dankbar
LöschenVielen Dank
Gruß Michael