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Sonntag, 8. November 2020

(K)ein Widerspruch: Berkshire Hathaway im dritten Quartal mit Gewinnplus von 82% und Gewinnminus von 32%

Warren Buffetts Investmentholding Berkshire Hathaway hat ihre Zahlen für das 3. Quartal 2020 vorgelegt und diese weisen gegenüber den Vorjahreswerten extreme Schwankungen aus. Extrem ist auch das Unterschied zwischen zwischen Nettogewinn und operativem Gewinn. Was daran liegt, dass sie Unternehmen seit einigen Jahren die Wertveränderungen bei Töchtern/ Beteiligungen in der Gewinn- und Verlustrechnung auszuweisen, wodurch der Nettogewinn bzw. das Jahresergebnis heftig schwanken kann. Und bei Berkshire ist dies auch im dritten Quartal wieder der Fall. Warren Buffett selbst rät daher, dem Nettogewinn kein großes Gewicht mehr beizumessen, sondern sich lieber auf das operative Ergebnis zu konzentrieren...

Und das wollen wir dann auch erstmal tun und schauen uns an, wie sich Berkshires Aktivitäten operativ so entwickelt haben im dritten Quartal.

Das operative Ergebnis in Q3: -32%

Gleich die schlechte Nachricht vorweg: das operative Ergebnis bzw. der Betriebsgewinn von Berkshire ging um heftige 32% zurück auf $5,49 Mrd. oder $3.452,45 je Klasse-A-Aktie (das ist die teure Variante mit einem Kurs von $314.000,00). Dies ist ein Rückgang von $8,07 Mrd.  bzw. $4.943,04 je Aktie ggü. dem Vorjahreswert.

Der Umsatz hingegen blieb fast konstant im Vorjahresvergleich und sank lediglich um 3% $63,02 Mrd. Das ist schon beeindruckend angesichts der enormen Corona-Verwerfungen, die die US-Wirtschaft getroffen hat und Berkshire Hathaway mit seinen mehr als 90 Tochterunternehmen ist quasi ein Abbild der Gesamtwirtschaft.

Dazu zählt die Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe (BNSF), die im dritten Quartal 8% weniger Fracht befördert hat, weil das Corona-Virus tiefe Bremsspuren hinterlassen hat. Dieses Minus ist allerdings wesentlich geringer als noch im Vorquartal, als der Einbruch 18% betragen hatte aufgrund des fast landesweiten Lockdowns. BNSFs Gewinn ist im 3. Quartal ebenfalls um 8% auf $1,35 Mrd. gesunken.

Berkshires Energiesparte konnte hingegen zulegen und mit einem Gewinn von $1.395 Mrd. ein Plus von 18% gegenüber dem Vorjahreswert abliefern. Hierzu trugen höhere Steuergutschriften für in Betrieb genommene neue Windenergieparks und andere Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien bei. 

Eine gewichtige Berkshire-Tochter ist Precision Castparts. Den Luft- und Raumfahrtzulieferer hatte Buffett 2016 für rund $36 Mrd. inkl. Schulden übernommen, doch im 2. Quartal musste eine Abschreibung von $10 Mrd. auf den Firmenwert vorgenommen werden. Denn das Unternehmen leidet massiv unter den Auswirkungen der Pandemie auf die Luftfahrt und muss im 3. Quartal einen Rückgang des Vorsteuerergebnisses um 80% ggü. Vorjahr verkraften. Bis zum Jahresende peilt das Unternehmen einen Personalabbau von 40% an, also rund 13.400 Jobs und damit 3.400 mehr als bisher bekannt.

Quelle: wallstreet-online.de
Der Gewinn von Berkshires Versicherungssparte ging um 58% auf $802 Mio. zurück, was auf niedrigere Prämien bei Geico zurückzuführen ist und natürlich auf die Auswirkungen von Corona und der beiden schweren Hurricanes Laura und Sally. Des Weiteren belasten niedrigere Erträge aus Kapitalanlagen das Ergebnis aufgrund weiter fallender Zinssätze.

Der Kfz-Versicherer Geico gewährt den Fahrern in diesem Jahr bisher Kredite in Höhe von $2,5 Mrd. im Gegenzug für Vertragsverlängerungen und die Bilanzierung dieser Kredite wird seine Ergebnisse wohl bis März 2021 beeinträchtigen.

Berkshires Immobiliensparte hingegen war auch im 3. Quartal wieder Lichtblick und konnte ihre Umsätze ggü. dem Vorjahreswert glatt verdoppeln. Die niedrigen Hpothekenzinssätze verleiten immer mehr Menschen zum Kauf einer eigenen Immobilie - trotz der Corona-Auswirkungen.

Der Nettogewinn in Q3: +82%

Kommen wir nun zu Berkshires Nettoergebnis, das im 3. Quartal bei $30,1 Mrd. $18.994 US-Dollar je Klasse-A-Aktie einlief. Dies ist ein Anstieg um $16,5 Mrd. bzw. $10.119 US-Dollar je Aktie ggü. dem Vorjahreswert.

Dabei sind die meisten Gewinne, nämlich $24,8 Mrd., auf die erhöhten Wertansätze der Beteiligungen zurückzuführen, insbesondere auch aus dem Investmentporfolio, wo Apple die mir Abstand größte Position ist und seinen Aktienkurs im 3. Quartal um 27,7% steigern konnte.

(Einige) neue Investments und Devestments

Noch hat Berkshire sein 13F-Formular mit den Veränderungen seiner Wertpapierpositionen in seinem Investmentportfolio im dritten Quartal nicht veröffentlicht, aber einige Aktivitäten zwischen dem 1 Juli und dem 30. September sind doch schob bekannt.

So kaufte man Aktien der Bank of America im Wert von rund $2,1 Mrd.  US-Dollar gekauft und erklärte, für  $4 Mrd.  das Erdgaspipeline- und Speichergeschäft von Dominion Energy zu übernehmen. Des Weiteren kaufte Berkshire Anteile an fünf großen japanischen Handelshäusern von jeweils etwas mehr als 5%. Und man erwarb vor dem IPO von Snowflake einige Anteile.

Auf der anderen Seite gab es eine weitere starke Reduzierung des Bestands an Wells Fargo und eine gut fünfprozentige Reduzierung bei DaVita.

Aktienrückkäufe

Und auch für eigene Aktien wendete Berkshire Hathaway im 3. Quartal wieder viel Geld auf und zwar rund $9 Mrd. nachdem es im 2. Quartal noch rund $5 Mrd. gewesen waren.

Cash

Auf den hohen Cashbestand von Berkshire hatten diese Maßnahmen jedoch kaum Einfluss, denn der lag zum Ende des 3. Quartals bei $147,5 Mrd. und damit weiterhin auf Rekordniveau. Was auch daran liegt, dass Berkshire und seine Töchter einen enormen Cashflow erzeugen, der dann erstmal wieder investiert werden muss, um nicht auf dem Konto unerträglich rumzuliegen (in beiden Bedeutungen des Wortes).

Mein Fazit

Berkshire Hathaway ist ein "Old-Economy-Konglomerat" und damit ein Abbild der amerikanischen Wirtschaft. Neben dem Investmentdepot ist man an einer Vielzahl nicht (mehr) börsennotierter Unternehmen beteiligt, wie BNSF, Geico, General Re, Berkshire Energy (ehemals MidAmerican Energy), Precision Castparts, Duracell u.v.m., die hart von der Corona-Pandemie getroffen werden und mit Kostensenkungen und Jobbabbau reagieren. Wenn es ab dem Frühjahr einen Corona-Impfstoff geben wird und damit einhergehend eine starke Erholung der Wirtschaft in den USA und Europa, werden die Berkshire-Unternehmen sehr schnell die positiven Entwicklungen verspüren.

Auf der anderen Seite steht Apple, Berkshires größte Beteiligung, und man hält hier rund als 5,75% aller Anteile und da Apple für $50 Mrd. pro Jahr eigene Aktien zurückkauft, steigt Berkshires Anteil sukzessive weiter an, ohne dass man selbst weitere Apple-Aktien erwerben müsste.

Die Aktien von Berkshire sind eine Wette auf eine Erholung der US-Konjunktur und auf weiterhin gute Geschäfte bei Apple, bei denen die Einführung der neuen Iphone12-Serie im aktuellen Quartal im Fokus steht. Es gibt schlechtere Wetten...

Disclaimer: Apple und Berkshire Hathaway befinden sich auf meiner Beobachtungsliste und/ oder in meinem Depot/ Wikifolio.

2 Kommentare:

  1. Ist zwar Haarspalterei bzw. ändert nichts an der Aussage des Artikel, aber in den USA wird nicht nach IFRS bilanziert, sondern nach US GAAP.

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  2. Hallo Herr Kissig,

    werden nur A-Aktien von Berkshire zurückgekauft oder auch B-Aktien?

    Danke, für Ihren Hinweis und Ihrer tollen Arbeit.

    Freundliche Grüße

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