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Mittwoch, 31. August 2022

Kissigs Portfoliocheck: Ray Dalio trotzt dem Kaufkraftschwund – mit Konsumgütergigant Procter & Gamble

In meiner Kolumne "Kissigs Portfoliocheck" nehme ich regelmäßig für das "Aktien Magazin" von Traderfox die Depots der besten Investoren unserer Zeit unter die Lupe.

In meinem 204. Portfoliocheck nehme ich mir wieder Ray Dalio vor, der den 1975 von ihm gegründeten Hedgefonds Bridgewater Associates zum größten Hedgefonds der Welt aufgebaut hat. Seit einigen Jahren kritisiert Dalio die Geldflut der Notenbanken und warnt vor den negativen Konsequenzen, wenn diese Blase platzt. In den letzten Monaten gewann seine Kritik an Bedeutung, nachdem die Preise explosionsartig in die Höhe schossen und die Notenbanken zur Inflationsbekämpfung die Zinswende eingeläutet haben. Doch eine grundsätzliche Abkehr vom Aktienmarkt empfiehlt Ray Dalio Anlegern nicht. Vielmehr rät er zu ausgesuchten Investments in Unternehmen, die auch in Krisenzeiten hohe Kundennachfrage auf sich ziehen.

Im 2021er Auftaktquartal war Dalio einige Short-Positionen eingegangen und wettete vor allem gegen europäische Schwergewichte. Dies kann auch als Hedge zur Absicherung seines Portfolios verstanden werden, denn eine grundsätzliche Abkehr vom Aktienmarkt empfiehlt Ray Dalio Anlegern nicht. Vielmehr rät er zu ausgesuchten Investments in Unternehmen, die auch in Krisenzeiten eine hohe Kundennachfrage auf sich ziehen. Auch im 2. Quartal 2022 blieb er seinem aktiven Stil treu und krempelte krempelte Dalio gewaltige 22 % seines breit diversifizierten Portfolios um - doch lag er damit immerhin deutlich unter den 38 % aus dem Vorquartal. Sein Portfolio hat mit 23,6 Mrd. USD nur leicht an Wert verloren und umfasst nun 987 Aktien, darunter 116 Neuaufnahmen.

Mit 26,0 % sind defensive Konsumwerte weiterhin am höchsten gewichtet. Ihnen folgen Gesundheitswerte, die mit 19,1 % ihren Anteil leicht ausgebaut haben, vor zyklischen Konsumwerten mit 12,6 %. Mit weitem Abstand folgen Finanzwerte mit 7,3 %, Technologiewerte mit 4,5 % und Kommunikationswerte mit 3,8 %.

Die Emerging Markets ETFs, die Dalio im 1. Quartal noch massiv aufgestockt hatte, stieß er im 2. Quartal wieder ab. Auch Gold konnte ihn als Krisenwährung nicht mehr so überzeugen und er reduzierte seinen Gold-ETF um 38 %. Komplett ausgestiegen ist er bei seinen beiden China-Schwergewichten Alibaba und JD.com. Hier gab es kürzlich eine Einigung bezüglich der Prüfungsrechte amerikanischer Behörden für chinesische Unternehmenszahlen, die Voraussetzung für die Zulassung chinesischer Unternehmen an amerikanischen Börsen sind. Das drohende Delisting chinesischer Firmen von den US-Börsen ist damit vom Tisch.

Aufgestockt hat Dalio hingegen beim S&P 500, um auf eine Kurserholung bei den US-Werten im 3. Quartal zu setzen. Besonders bei den abgestürzten großen Technologiewerten Alphabet, Meta und PayPal griff er zu und vervielfachte seine Positionen, ebenso bei Mastercard. Und auch das 160-prozentige Aufstocken bei CVS Health wirkte sich merklich auf sein Depot aus. Doch trotz dieser Käufe bei einigen Technologie-Schwergewichten bleiben ausgesuchte defensive Konsumwerte Ray Dalios aussichtsreichste Waffe im Kampf gegen Inflation und strauchelnde Börsen. Und zu diesen defensiven Konsumwerten gehört ganz zweifellos Procter & Gamble, seine inzwischen größte Depotposition...

-▶ zum Artikel auf aktien-mag.de

Disclaimer: Habe Alphabet auf meiner Beobachtungsliste und/oder in meinem Depot.

2 Kommentare:

  1. Schon erstaunlich bei all diesen Portfolios. Kein Ami kauft was aus Europa. Höchstens mal was aus China.
    Die Vergangenheit gibt ihnen recht und ich frag mich nach Jahrzehnten an der Börse auch langsam ob man Europa schlicht ignorieren sollte. Es kommt IMMER irgend ein Ereignis das Europa speziell schlecht aussehen lässt so dass die Kurse auf Tauchstation gehen.
    Es bringt nichts..

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    1. Welche Positionen die Börsengurus halten, kriegen wir leider nicht wirklich mit. Sie sind ja nur verpflichtet, vierteljährlich ihre 13F-Formulare mit dem Aktienbestand zum Quartalsende bei der US-Börsenaufsicht SEC einzureichen. Und in den 13F sind ausschließlich die US-Aktienpositionen zu benennen.

      Bei Buffett/Berkshire erfährt man so z.B. nur aus dem jährlichen Geschäftsbericht, welche Positionen er in Europa, Japan usw. hält. Es sei denn, die "Gurus" reden in der Öffentlichkeit über ihre Käufe und Verkäufe oder sie unterliegen rechtlichen Veröffentlichungspflichten. Die haben sich ja z.B. in Hongkong geändert, so dass nun jeder mit Aktienpaketen über 5 % seine Positionsveränderungen melden muss; deshalb haben wir erfahren, dass Berkshire/Buffett gerade ein paar BYD-Aktien verkauft hat. Aber nur deshalb. In seinem 13F taucht BYD nicht auf...

      Aber Deine grundsätzliche Aussage, dass es in den letzten 20 Jahren sinnvoll(er) gewesen wäre, lieber auf US-Aktien zu setzen als auf Europa, die stimmt. Leider. Und es sieht momentan nicht danach aus, als würde Europa diese Lücke schließen können. Im Gegenteil. Die Versorgungslage und -preise bei Energieträgern und Rohstoffen sprechen da eine klare Sprache.

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