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Mittwoch, 18. Januar 2023

Kissigs Nebenwerte-Analyse zu Wüstenrot & Württembergische: Versicherungen und Bausparen werden wieder attraktiv(er)

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Artikel aus "Der Nebenwerte Investor" Ausgabe 17/2022 vom 22.12.2022

W&W: Versicherungen und Bausparen werden wieder attraktiv(er)

Die Wüstenrot & Württembergische AG ist als Finanzdienstleister in den Bereichen Schaden- und Unfallversicherung, Kranken- und Lebensversicherung sowie auf den Gebieten Bausparen, Vermögensanlage, Wohnungs- und sonstige Finanzierungen aktiv. Sie adressiert damit die Bedürfnisse rund um die Themen Wohnen, Vermögen, Sicherheit und Zukunft. Die Aktie fristet an der Börse eher ein Schattendasein, doch die Zinswende der EZB könnte die Geschäfte beflügeln – und den Aktienkurs.

Der W&W-Konzern hat zahlreiche Tochterunternehmen, deren Koordination die börsennotierte Wüstenrot & Württembergische AG als Obergesellschaft übernimmt. Die strategische Management-Holding setzt Standards, bewirtschaftet das Kapital und bündelt verschiedene Dienstleistungsfunktionen. Im operativen Bereich ist die W&W AG nahezu ausschließlich im Bereich Rückversicherung für die Versicherungen der Gruppe tätig.

Geschichte

Die Württembergische Privat-Feuer-Versicherungs- Gesellschaft wurde 1828 als erste private Sachversicherung Süddeutschlands gegründet. 1921, knapp ein Jahrhundert später, erfolgte die Gründung von Wüstenrot als erster Bausparkasse Deutschlands. Die Fusion der Traditionsunternehmen Wüstenrot und Württembergische zur Wüstenrot & Württembergische-Gruppe erfolgte 1999.

Im Jahr 2005 wurde die Karlsruher Versicherungsgruppe mehrheitlich übernommen, 2009 folgte die Victoria Vereinsbank Bauspar AG und 2010 die Allianz Dresdner Bauspar AG. 2019 verkaufte man die Wüstenrot Bank AG Pfandbriefbank an die Oldenburgische Landesbank, in 2020 kaufte man die Aachener Bausparkasse AG. Soeben erhielt W&W in Österreich die Banklizenz und wird durch die Gründung einer digitalen Bank für Privatkunden künftig als "erster Allfinanzkonzern Österreichs" auch dort Konten und Sparprodukte anbieten.

Der W&W-Konzern hat seinen Hauptsitz in Stuttgart und koordiniert von dort aus die Gruppenaktivitäten. Neben der Kernregion Deutschland ist W&W im Ausland mit einem kleinen Engagement von 12 % an der Fundamenta Bausparkasse in Ungarn vertreten.

Die Kunden werden im Rahmen eines Omnikanal-Vertriebs betreut, der Mitarbeiter im Innendienst, eigene Außendienste über Kooperations- und Partnervertriebe, Makleraktivitäten sowie digitale Initiativen umfasst. In diese Richtung zielt auch die Beteiligung an der Qidenus Group GmbH, einem Startup aus Berlin, das mit seinem Produkt "Omnius" eine KI-Lösung zur automatisierten Schadenbearbeitung anbieten will. Mit dem strategischen Investment setzt die Versicherung den nächsten Schritt in der Digitalisierung der gesamten W&W-Gruppe und beide Gesellschaften streben eine weitere Vertiefung ihrer Zusammenarbeit an.

Wüstenrot Bausparkasse AG

Die Wüstenrot Bausparkasse AG gilt als Erfinderin des Bausparens. Die älteste deutsche Bausparkasse bietet ihren Kunden ein breites Spektrum an Bauspar- und Finanzierungsprodukten für kurzfristige bis langfristige Bau-, Erwerbs- und Modernisierungsvorhaben sowie weitere Spar- und Anlageprodukte. Sie passt dabei kontinuierlich ihre Produkte an sich verändernde Marktbedingungen an.

Wüstenrot Immobilien GmbH

Das Immobiliengeschäft der W&W-Gruppe ist mit seinen Maklern in den Bereichen Verkauf, Vermittlung sowie Verwertung von Immobilien tätig. Rund um die Baufinanzierung, Versicherungspolicen und Geldanlagen besteht eine enge Verzahnung der Makler mit den Außendienstpartnern.

Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH

Die Wüstenrot Haus- und Städtebau GmbH ist ein Spezialist in den Bereichen Städtebau, Wohnungsbau sowie Immobilienmanagement. Diese Tochtergesellschaft verfolgt als Bauträger das Ziel, in Zusammenarbeit mit Städten und Kommunen Wohn- und Lebensräume zu schaffen. Kürzlich übernahm sie innerhalb des Konzerns auch alle Aufgaben des technischen Facility Managements.

Württembergische Versicherung AG

Die Württembergische Versicherung AG gehört zu den bedeutendsten deutschen Anbietern in der Schaden- und Unfallversicherung.

Württembergische Krankenversicherung AG

Die Württembergische Krankenversicherung AG bietet Kranken- und Pflegeversicherungen für Angestellte und Selbstständige, Krankheitskostenvoll- und -zusatzversicherungen, Krankenhaustagegeldversicherungen, Auslandskrankenversicherungen und Optionstarife für gesetzlich Versicherte an.

Württembergische Lebensversicherung AG

Die Württembergische Lebensversicherung gehört heute zu den größten Lebensversicherern in Deutschland; ihre Wurzeln reichen bis ins Jahr 1833 zurück. Das Produktspektrum umfasst klassische und fondsgebundene Lebens- und Rentenversicherungen, Riester- und Basis-Rente, Ausbildungs- und Berufsunfähigkeitsversicherungen, betriebliche Altersvorsorge sowie Finanzierungen.

Württembergische Vertriebspartner GmbH

Die auf dem Maklermarkt agierende Württembergische Vertriebspartner GmbH unterstützt freie und unabhängige Vermittler durch ein breites Produktangebot in den Bereichen Personen- und Kompositversicherungen sowie durch Bündelprodukte, professionelle Vertriebsunterstützung und Web-Portale zur Online-Geschäftsabwicklung.

Allgemeine Rentenanstalt Pensionskasse AG

Die als Pensionskasse der W&W-Gruppe agierende Tochter der Württembergischen Lebensversicherung bietet sowohl klassische als auch fondsgebundene Produkte für den Markt der betrieblichen Altersversorgung an.

Adam Riese

Die Digitalmarke richtet sich an Kunden, die sich vor allem auf Preis und Leistung eines Produkts konzentrieren und Anbieter entsprechend selbst oder durch Makler vergleichen möchten. Zu den wesentlichen Vorteilen zählen der schnelle Online-Abschluss sowie ein voll digitalisierter Schadensprozess. Anbieter und Risikoträger der Versicherungspolicen ist die Württembergische Versicherung AG.

FinanzGuide

Der FinanzGuide bietet Bestandskunden einen komprimierten Überblick über ihre Konten, ihrer Vermögenslage sowie über ihre Baufinanzierungs- und Versicherungsverträge.

Die W&W brandpool ist gegenwärtig zudem in weiteren Startups investiert (wie Keleya, Kinderheldin, Looping und Immomio).

W&W Informatik GmbH

Die W&W Informatik GmbH entwickelt und betreibt alle IT-Anwendungen der W&W-Gruppe als zentraler IT-Dienstleister und ist darüber hinausverantwortlich für Netze, dezentrale Systeme und Rechenzentren.

W&W Service GmbH

Die W&W Service GmbH ist der zentrale Service-Dienstleister der W&W-Gruppe. Ihr Hauptaufgabengebiet sind dabei der Dokumenten-, Daten- und Druckservice, die Einkaufs- und Mobilitätsleistungen, die Gebäudeservices sowie das Veranstaltungsmanagement und die Konzerngastronomie.

W&W Asset Management GmbH

Die W&W Asset Management GmbH verantwortet, steuert und bündelt die Investment- und Wertpapier-Aktivitäten aller Gesellschaften der W&W-Gruppe. Des Weiteren gehört die Betreuung von Vermögen privater und institutioneller Anleger in Form von Investmentfonds zu ihrem Aufgabenspektrum.

Zwei Geschäftsfelder

W&W ist in zwei zentralen Geschäftsfeldern aktiv. Das Geschäftsfeld Wohnen umfasst Bausparverträge- und -finanzierungen, Bauträgertätigkeiten, Immobilienvermittlungen und ergänzende Serviceleistungen. Das Geschäftsfeld Versichern deckt von der Schaden- und Unfallversicherung über die Lebens- und Rentenversicherung bis hin zur Pflege- und Krankenversicherung sämtliche Dimensionen der Sach- und Personenversicherung ab.

Segmentbetrachtung

Eine wesentliche Stärke W&Ws resultiert aus der Tätigkeit in verschiedenen Geschäftssegmenten, wenngleich sich ihre Bedeutung für den Konzerngewinn voneinander unterscheidet.

So resultiert derzeit rund 60 % des Jahresgewinns aus der Schaden- und Unfallversicherung. In diesem wirtschaftlich bedeutendsten Segment lag W&W 2018 in Deutschland laut BaFin mit einem Marktanteil von 2,2 % auf Rang 9 und überzeugt mit einer attraktiven Combined Ratio (Ø 2019-2021: 88,7 % gegenüber branchenüblichen 94 %). Ausschließlich die Allianz hält mit 11,4 % an den verdienten Bruttobeiträgen im fragmentierten Umfeld einen zweistelligen Marktanteil.

Im Segment Wohnen ist W&W gemessen am Bestand der Bausparverträge im Inland der zweitgrößte Marktteilnehmer hinter der Schwäbisch Hall (Genossenschaftsbanken) und vor der BHW Bausparkasse sowie der LBS-Gruppe des Sparkassenverbunds. Der Konzern nimmt eine aktive Rolle im Konsolidierungsprozess unter den privaten Bausparkassen ein, wie die zahlreichen Zukäufe der letzten Jahre belegen.

Das Segment Personenversicherung kann in Lebens- und Krankenversicherungen unterteilt werden, wobei Lebensversicherungen relevanter für W&W sind. Das Geschäft mit Einmalanlagen fungiert im Bereich der Lebensversicherung derzeit als wesentliches Wachstumsfeld. So lag deren Anteil am Neugeschäft in 2021 bei 87,9 %.

Nach Angabe der BaFin lag W&W 2018 in Deutschland bei den verdienten Bruttobeiträgen von Lebensversicherungsgesellschaften mit einem Marktanteil von 2,1 % auf Platz 12. Analog zur Schaden- und Unfallversicherung erreicht ausschließlich die Allianz einen zweistelligen Marktanteil (24,8 %), was auch hier die Fragmentierung des Marktes zeigt.

Die sinkende Garantieverzinsung im Neugeschäft sorgt für absatzseitige Herausforderungen, weshalb der Vertragsbestand der deutschen Lebensversicherungen sukzessive zurückgeht. Das nun wieder deutlich zunehmende Zinsniveau führt allerdings inzwischen zu ersten Anhebungen und das dürfte der Sparte Auftrieb geben.

Vertriebsstruktur und Absatzregionen

Durch den Zusammenschluss der beiden Marken Wüstenrot und Württembergische wird in Kombination mit den verschiedenen Vertriebskanälen ein breites Kundenpotenzial von etwa 40 Mio. Menschen in Deutschland adressiert.

Im Fokus für W&W steht eine kompetente persönliche Beratung, die zusammen mit dem Multikanalvertrieb zu einer hohen Kundenreichweite führen soll. Der Multikanalvertrieb ist aufgeteilt in die Teilbereiche Außendienst Württembergische, Außendienst Wüstenrot, Makler, Versicherungen und Banken. Die Hauptsäule bilden die Außendienstmitarbeiter, die durch sinnvolle Kooperationen unterstützt werden.

Die W&W-Gruppe greift verstärkt den Trend zur Digitalisierung auf und hat begonnen, den Online-Vertrieb zu stärken. Im Bereich Online-Banking besteht bereits langjährig ein Angebot. Zudem wurde ein Portal für den digitalen Vertrieb von Vorsorgeprodukten geschaffen. Dies stellt eine wichtige Abrundung der etablierten Vertriebskanäle dar.

Die Umsatzerlöse mit externen Kunden (Zins-, Dividenden-, Provisions- und Mieterträge, Bauträgergeschäft und Bruttobeiträge der Versicherungen) entfielen im Geschäftsjahr 2021 zu 99,9 % auf die Kernabsatzregion Deutschland. Lediglich 1,2 Mio. EUR resultieren aus der 12-prozentigen Beteiligung an der Fundamenta Bausparkasse in Ungarn.

Aktionärsstruktur

Das Grundkapital der seit September 1999 börsennotierten W&W AG beträgt 490.311.035,60 Euro und ist in 93.749.720 auf den Namen lautende Stückaktien mit einem anteiligen Betrag am Grundkapitel von 5,23 Euro je Aktie eingeteilt.

Die Aktionärsstruktur ist im Wesentlichen von der Beteiligung der gemeinnützigen Wüstenrot Stiftung e. V. geprägt, die über die beiden Gesellschaften Wüstenrot Holding AG (39,9 %) und WS Holding AG (26,4 %) indirekt einen Anteil von 66,3 % an W&W hält. Ihre Mittel werden u.a. für Stiftungsprojekte auf den Gebieten Denkmalpflege, Wissenschaft, Forschung, Bildung, Kunst und Kultur verwendet, weshalb der Ankeraktionär einen hohen Fokus auf Dividendenstabilität legt und eine weitsichtige Investmentstrategie verfolgt.

Weiterer bedeutender Aktionär ist die FS W&W Holding GmbH mit einer Beteiligung von etwa 10,0 %. Sie übernahm ihre Anteile 2012 von der LBBW, die sich aufgrund erhaltener Staatshilfen im Zuge der Wirtschaftskrise nach Aufforderung der EU-Kommission von Finanzbeteiligungen trennen musste. Die restlichen ca. 23,7 % befinden sich im Streubesitz.

Dividendenkontinuität

Die gewünschte Dividendenkontinuität des Ankeraktionärs dürfte ein wesentlicher Grund dafür sein, dass W&W die Dividende seit 2007 nicht mehr gekürzt hat. Die Ausschüttungsquote von 2017 bis 2021 lag durchschnittlich bei 24,6 % und die umfangreichen bilanziellen Bewertungsreserven dürften auch künftig eine stabile Dividendenpolitik ermöglichen.

Auf dem Wachstumspfad

Die Geschäftszahlen nach 9 Monaten konnten sich sehen lassen. Im Segment Wohnen gab es weitere deutliche Zuwächse, die überwiegend auf das veränderte Zinsumfeld zurückzuführen sind. Während sich das Kreditneugeschäftsvolumen im 9M-Zeitraum um +7,0 % auf 5,3 Mrd. Euro erhöhte, gab es im 3. Quartal jedoch eine Abkühlung (-16,9 %), die sich auch im 4. Quartal fortgesetzt haben dürfte.

Auf der anderen Seite beschleunigte sich das Wachstum des Bausparneugeschäfts auch unterjährig weiter. Brutto verzeichnete W&W hier nach 9 Monaten eine Erhöhung um +60,6 % auf 13,8 Mrd. Euro, und im 3. Quartal lag der Zuwachs sogar bei +109,1 % gegenüber dem Vorjahreswert. Das Netto-Bausparneugeschäft, in dem die zwischenzeitlich eingelösten Bausparvolumen eingerechnet sind, zog mit der von uns antizipierten Verzögerung im 3. Quartal um +79,4 % an und im 9M-Zeitraum um +26,3 %.

Das höhere Zinsniveau spielt hier eine signifikante Rolle, denn die Zinssätze werden in den Bausparverträgen sind ja bereits bei Vertragsabschluss festgeschrieben, so dass die die Jahre der Niedrigzinsen nun für vergleichsweise günstige Refinanzierungen sorgen, während der Konzern selbst auf der Ertragsseite höhere Zinseinnahmen verbuchen kann.

In der Sachversicherung, gewinnseitig wichtigsten Segment des W&W-Konzerns, konnten die Bruttobeiträge in den vergangenen 9 Monaten um +6,8 % auf 1,9 Mrd. Euro gesteigert werden. Dank einer geringeren Schadenquote sank die Combined-Ratio zwar um -4,4 PP auf 84,4 %. Dennoch fiel das Segmentergebnis vor allem infolge des von der Kapitalmarktentwicklung abhängigen Finanzergebnisses leicht um -0,8% auf 132,5 Mio. Euro, so dass der Konzern nach 9 Monaten einen Gewinnrückgang zu verbuchen hatte.

Im Bereich Personenversicherung setzte sich der Trend fallender Bruttobeiträge in der Lebensversicherung aufgrund des gezielten Zurückfahrens von Einmalzahlungen weiter fort (-41,7 %). So sanken die Segmenteinnahmen um 12,7 % auf 2,4 Mrd. Euro, wodurch sich ein Segmentergebnis nach 9 Monaten von -22,5 Mio. Euro ergab, da sich in diesem Segment die Kapitalmarktentwicklung am deutlichsten durchschlug; das Finanzergebnis hat sich um 1.537,5 Mio. Euro schlechter entwickelt.

Unterm Strich verzeichnete W&W in den Geschäftsbereichen Wohnen und Sachversicherung starke operative Entwicklungen, während der Konzernüberschuss durch den Kapitalmarkt bedingten negativen Einfluss auf das Finanzergebnis ausgebremst wurde.

Ausblick

Die W&W-Gruppe rechnet auch für den restlichen Jahresverlauf mit weiterhin hohen Marktunsicherheiten durch das fragile gesamtwirtschaftliche und politische Umfeld. Auf Basis der guten operativen Geschäftsentwicklung sowie der stabilen Aufstellung der W&W-Gruppe geht man jedoch für das Gesamtjahr 2022 unverändert von einem Konzernüberschuss in Höhe von rund 250 Mio. EUR aus.

Bullcase vs. Bearcase

Quelle: wallstreet-online.de
W&W ist in einem attraktiven Markt tätig. Der Immobilienboom hat sein Hoch überschritten und die deutlich gestiegenen Zinsen belasten das das Baufinanzierungsgeschäft der Gruppe. Andererseits wirken sich steigende Zinsen positiv auf das Neugeschäft aus bei Lebensversicherungen und Bausparen aus. Im Bereich Bausparen wird sich die Zuteilung alter und noch sehr hoch verzinster Bausparverträge zinsmindernd auswirken und das Zinsergebnis bis 2025 deutlich entlasten, was die Ertragslage des Konzerns insgesamt verbessern wird. Das Kapitalmarktumfeld führt zu zwischenzeitlich schlechteren Finanzergebnissen, was die eigentliche Ertragskraft des Konzerns negativ verdeckt.

Die Finanz- und Versicherungsbranche ist Nachzügler im Bereich Digitalisierung. Die W&W geht das Thema aktiv an, sowohl bei der Bestandsverwaltung als auch im Vertrieb, und kann mit ihren starken Markten punkten und auf Kundentreue zählen.

Bei der KGV-Betrachtung stellt sich 2021 als positiver Ausreißer dar wegen der hohen Zuschreibungen beim Beteiligungsergebnis aufgrund der starken Zuwächse der Kapitalmärkte. Für 2022 dreht sich dieser positive Effekt um und sollte insgesamt nicht überbewertet werden, da es sich nicht um realisierte Gewinne oder Verluste handelt.

"Ein Schnäppchen, das ein Schnäppchen bleibt, ist kein Schnäppchen."
(Martin Whitman)

Das optisch günstige KGV von unter 7 darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass diese niedrige Bewertung schon seit vielen Jahren besteht. Anleger sollten daher nicht auf ein schnelles Aufholen der vermeintlichen Unterbewertung setzen, sondern auf die stetige Verbesserung des operativen Geschäfts, das auch durch das Ansteigen des Zinsniveaus positiv beeinflusst werden wird. Belastend wirkt sich aktuell die Vollbremsung im Baufinanzierungsgeschäft aus, das inzwischen langsam wieder in die Gänge kommt. Und sollten die Börsen in 2023 nicht weiter taumeln, stehen dann eigentlich alle Zeichen auf Grün.

Zudem ist die W&W-Aktie unter Dividendengesichtspunkten überdurchschnittlich attraktiv, weil der Mehrheitsaktionär hierauf seinen Fokus legt. Kursgewinne sind eher das Sahnehäubchen auf die Dividendenrendite von knapp 4,5 % oben drauf.

Die 4 wichtigsten Dinge, die man über W&W wissen muss

  1. Finanzkonzern mit starken Marken, der hauptsächlich in Deutschland aktiv ist. Kerngeschäftsfelder sind Lebens- und Sachversicherungen sowie Bausparen.
  2. Das steigende Zinsniveau wird sich positiv bei neuen Vertragsabschlüssen und den eigenen Kapitalanlagen auswirken.
  3. Bis 2025 werden viele hoch verzinste Bausparverträge zuteilungsreif und entlasten das Zinsergebnis deutlich. Die Bilanz weist üppige Bewertungsreserven aus.
  4. Der Mehrheitsaktionär legt seinen Fokus auf hohe und kontinuierliche Dividenden, während Kursgewinne nur eine untergeordnete Rolle spielen.
Disclaimer: Habe W&W weder auf meiner Beobachtungsliste noch in meinem Depot/Wiki.

6 Kommentare:

  1. Kleine Kloogschieterei: Der Bausparfuchs ist bestimmt weit bekannt, aber anscheinend weniger, dass er für die Genossenschafts-Bausparkasse Schwäbisch Hall wirbt.

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  2. Spare nie bei Wüstenrot, wenn du dran kommst bist du Tod, spare bei der Leonberger, vermeide jeden Bausparärger ;-) Die Leonberger Bausparkasse ist mittlerweile in der Wüstenrot aufgegangen.

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  3. Als wüstenrot Kunde (bsv) kann ich für mich persönlich nur sagen: extrem teuer und die IT, speziell das online Portal ist von anno 1642. Wundert mich immer wieder, dass die noch nicht disruptiert wurden.

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  4. Die Stabilität des Konzerns, gepaart mit richtigen und wichtigen Unternehmensentscheidungen wird sich mittelfristig positiv auswirken. Die komplette Umgestaltung der IT-Landschaft wird das Übrige dazu beitragen.

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  5. Thomas Berkenheide17.12.23, 12:21

    Für mich - unabhängig von meinen gehaltenen Anteilen - weiterhin ein Tipp für mittel- und langfristige Anlage.
    Die Aktionärsstruktur gibt Anlass zu der Annahme, dass die Dividendentendite auch künftig stabil bleibt.
    Unternehmensentscheidungen in die richtige Richtung sorgen für eine hohe Stabilität des Konzerns. Die Transformation der IT-Landschaft schreitet unablässig voran. Es ist zu erwarten, dass der Aktienpreis sich nach und nach dem Wert des Unternehmens anpasst. Insofern kann ich die Analystenmeinung nachvollziehen, dass sich der Kurs Richtung 25 Euro bewegen wird.

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